Romane & Erzählungen
Des Vaters Schwur - Eine Fortsetzungsgeschichte 1. Teil

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"Gedanken lassen sich vielleicht für eine Weile unter Kontrolle halten - Gefühle nicht!"
Veröffentlicht am 09. September 2013, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Unter dem Pseudonym MerleSchreiber veröffentliche ich seit etwa fünf Jahren Gedichte und kleine Kurzgeschichten. Neben Alltagsthemen möchte ich auch tabuisierte Lebenswelten so aufbereiten, dass sie das Interesse und den Zugang zu den Herzen der Leser finden.
Gedanken lassen sich vielleicht für eine Weile unter Kontrolle halten - Gefühle nicht!

Des Vaters Schwur - Eine Fortsetzungsgeschichte 1. Teil

Vorneweg.....

Warum ein Update dieser Geschichte zum jetzigen Zeitpunkt? Weil ich finde, dass der Inhalt in diese unsere Zeit passt. Nein - nicht vordergründig, man muss schon ein wenig hineinspüren... Das Aufeinandertreffen der scheinbar heilen Jetzt-Zeit mit Geschehnissen, die Viele von uns nicht mehr erlebt haben - ich auch nicht - ist nur ein Aspekt.  

Vielleicht kann die Geschichte dazu beitragen, unser Vorstellungsvermögen zu sensibilisieren, um ein bisschen besser zu verstehen......  

Nov. 2015 / MerleSchreiber


Warum dreht sich immer alles nur im Kreis? Warum gelingt es uns nicht, aus dem einmal geprägten Schema auszubrechen....?

Nov. 2016 / MerleSchreiber  


Titelbild und Text:

Copyright by MerleSchreiber (Sept2013)











DER EIDSCHWUR


Beim Eidschwur muss man nicht darauf schauen, welche Furcht er verursacht, sondern welche Bedeutung er hat. Es ist ja der Eid eine mit Hinblick der Gottheit gegebene Versicherung, und was man unter Beteuerung der Wahrheit vor dem Antlitz Gottes versprochen hat, muß man halten. Demnach bezieht sich der Eid auf Gerechtigkeit und Treue.


Zitat von Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.), römischer Redner und Staatsmann





******************************



Hannah ist eine Frau, die mitten im Leben steht.

Als Redakteurin einer kleinen Münchner Zeitung hat sie nach ihrer Scheidung ihr Leben wieder in Griff bekommen. Außerdem interessiert sich der viel umschwärmte Journalist Ramon für sie.....

Alles könnte so schön sein, doch dann macht Hannahs Vater Probleme. Sein seltsames Verhalten gibt (ihr) Rätsel auf. Was steckt dahinter und was hat es mit dem geheimnisvollen Jupp auf sich? 



******************************

 

Um die Mittagszeit auf dem Mittleren Ring stadteinwärts fahren zu müssen ist eine Strafe Gottes. München ist wie aufgewirbelt um diese Zeit. Aber ich hatte Vater versprochen, noch einmal bei ihm vorbeizuschauen, bevor ich mit Ramon für ein paar Urlaubstage nach Los Angeles fliegen würde.

Während ich bemüht war, mich auf den Verkehr zu konzentrieren, ging ich in Gedanken noch einmal meine To-do-Liste durch. In der Redaktion hatte ich mich bereits abgemeldet. Kollege Heiner Blum hatte es gnädigerweise übernommen, sich um die Pressekarten für den NSU-Prozess zu kümmern. Ich

würde noch genug mit der Berichterstattung gefordert sein…Die Katze in die Tierpension bringen....den Wohnungsschlüssel zur Nachbarin.... Puh, da konnte es spät werden. Susanne war süße einundzwanzig, Philosophiestudentin an der LMU und sie ließ mich in der Regel nicht wieder gehen, bevor sie mich in ihre neuesten Schwärmereien mit den verschiedensten Kommilitonen und Professoren eingeweiht hatte! In jeder freien Minute - und dieses Mädel nahm sich unverschämt viele freie Minuten - saß sie vor ihrem PC. Sie trieb sich in irgendeinem Autorenforum herum und gab dort ihre Erlebnisse zum Besten statt

sich ihren Studien zu widmen. Na, wenn ich ihre Mutter wäre und das Studium finanzieren müsste....

Ich fuhr gerade am Friedensengel vorbei, als das Radioprogramm für eine wichtige Durchsage unterbrochen wurde. Hektisch stellte ich den Ton lauter und hörte gerade noch etwas vom „Fund einer Granate aus dem zweiten Weltkrieg im Stadtteil Schwabing.“

Verdammt, in Schwabing? Da wollte ich hin.

„Mehrere Straßen gesperrt - kontrollierte Sprengung - Sprengkommando unterwegs.“

Für einen Moment überlegte ich,

umzudrehen. Aber dann wäre der ganze Aufwand umsonst gewesen. Und die Zeit. Sie rannte. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass mich mein Empfinden nicht belog. Es war bereits vierzehn Uhr! Unser Flieger sollte um einundzwanzig Uhr dreißig starten, um neunzehn Uhr wollten Ramon und ich uns im Flughafencafe treffen. Wie sollte ich das bloß alles auf die Reihe bringen, wenn hier nichts vorwärts ging. Als wenig später die betroffenen Straßennamen durchgegeben wurden, atmete ich auf. Die Straße, in der mein Vater wohnte, war nicht dabei. Ich könnte bis zur Absperrung fahren und dann links in den kleinen Seitenweg...

Der Ort des Geschehens konnte nicht mehr weit sein, denn ein paar hundert Meter weiter wimmelte es nur so von Polizisten und Feuerwehrleuten. Auf einem riesigen Abschleppwagen wurde ein Bagger in Richtung Fundstelle transportiert.

Und dann sah ich ihn.  

Inmitten dieses Szenarios sah ich Papa. Ich erkannte ihn schon von weitem an seinem bordeauxfarbenen Jogginganzug. Er saß auf einem Gartenstuhl mitten auf dem Gehweg, zwischen einem Bistro mit heruntergelassenen Jalousien und einem Erotikladen. Eine junge Polizistin mit einem lustigen blonden Pferdeschwanz

hielt ihm die Hand und redete auf ihn ein.

Was, zum Teufel, hatte er hier verloren?
Was war los mit ihm?

Ohne mich um den wild gestikulierenden Feuerwehrmann, der mich mit seiner Kelle zum Weiterfahren animieren wollte, zu kümmern, parkte ich mein Auto am Straßenrand und lief quer über die Fahrbahn. Vater sah mich erst, als ich schon fast bei ihm war. Er sprang auf und schrie mit hochrotem Kopf: "Hannah! Hannah, geh` weg. Verschwinde hier, Hannah!"

Fortsetzung folgt

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Über den Autor

MerleSchreiber
Unter dem Pseudonym MerleSchreiber veröffentliche ich seit etwa fünf Jahren Gedichte und kleine Kurzgeschichten. Neben Alltagsthemen möchte ich auch tabuisierte Lebenswelten so aufbereiten, dass sie das Interesse und den Zugang zu den Herzen der Leser finden.

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Memory 
War gleich noch einmal dabei.
Und ja, du hast Recht - die Geschichte passt besser denn je in unsere heutige Zeit.
Liebe Grüße
Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
tooshytowrite muss gleich den zweiten Teil....
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Komme erst heute dazu den ersten Teil zu lesen. Und der ist so interessant geschrieben, dass ich mich schon auf den 2. freue. Liebe Grüße Ira
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Einfach nur DANKE, Ira! Liebe Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Wundervoll und sehr spannend, liebe Merle!
Ich kannte es schon, wundere mich nur, dass ich es nicht kommentiert hatte ...
Liebe grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Vielleicht hattest Du "nur" die Gesamtausgabe gelesen, liebe Fleur. Die ist aber aus mir unerklärlichen Gründen nur noch fragmentarisch vorhanden....
DANKE, freue mich sehr, dass Du hier bist.
Liebe Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
Brigitte Hatte schon den 2. Teil gelesen aber trotzdem spannend. Jetzt warte ich auf den 3. Teil. Liebe Grüße an dich Brigitte
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MerleSchreiber Kommt schon...., liebe Brigitte.
Danke und liebe Sonntagsgrüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
derrainer liebe merle ,
siehe mein kommi ,,,,,,,,,,, vor langer zeit............

lieben gruß rainer
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Ach, Rainer, für Dich ist das doch gar nicht mehr spannend. Ich bin aber erstaunt, wie viele Leser/-innen seit der Erstveröffentlichung dazu gekommen sind. Danke fürs Reinschauen und schönes Wochenende, Merle
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