Romane & Erzählungen
Kinderheim der Hoffnung - Kinderdramaerz├Ąhlung

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"Kinderheim der Hoffnung - Kinderdramaerz├Ąhlung"
Veröffentlicht am 13. April 2013, 174 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Detlef Doletzky
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Autorenbiografie von Detlef Doletzky. Mit Beginn der Einschulung 1969, pr├Ągte der 7 j├Ąhrige Junge bereits, in den ersten 4 Schuljahren sein kreatives malerische k├Ânnen mit fantasievoller farblichen Bildgestaltung aus. Im fr├╝hen Alter von 12 Jahren erm├Âglichte der Sch├╝ler Detlef Doletzky (Jahrgang 1962), geboren in Bad Freienwalde, der Oberschule Oderberg im Jahr 1974 den 1. Platz der Kinderkreismeisterschaft f├╝r hervorragende ...
Kinderheim der Hoffnung - Kinderdramaerz├Ąhlung

Kinderheim der Hoffnung - Kinderdramaerz├Ąhlung

Kinderheim der Sehns├╝chte und Hoffnungen

Neu ├ťberarbeitung mit schnellen Lesefluss 02 August 2017 Einleitung Durch einen tragischen Unfall verlor der 8-j├Ąhrige Fabian Franklin seine ├╝ber alle geliebten Eltern. Aber es gab keinerlei Verwandte, die sich den Jungen annehmen w├╝rden. So wurde der Junge in staatliche Obhut vom Jugendamt genommen und kam in viele Pflegefamilien und Zwischenheime, bevor er wieder Gl├╝ck und vor allem Vertrauen fand. Anf├Ąnglich ging es auch

gut und Fabian f├╝hlte sich nach einiger Zeit wieder so richtig geborgen, bis ein weiteres Schicksal sein Gl├╝ck bedrohte. Diese Erz├Ąhlung ist eine Kindheitsepisode aus verschiedenen, zum Teil wahren Kindheitsereignissen. Zusammengefasst verweist diese Erz├Ąhlung, auf das Lebensschicksal eines 8-j├Ąhrigen Junge. Eine Erz├Ąhlung voller Abenteuer, aus der Sicht eines Kindes umschrieben und verdeutlicht, soll den Lesern einen mitf├╝hlenden Denkansto├č geben. Es war ein strahlender Sommertag der mich Anfang Juli 1992 begleitete, hin zu meiner nicht weit gelegenen Schule in der N├Ąhe meines Elternhauses. Der Tag

begann an sich schon mit dem fr├Âhlichen Gezwitscher der Amseln, Drosseln und den Staren, die schon vor l├Ąngerer Zeit Einzug in unseren idyllisch gelegenen Kleind├Ârfchen/ St├Ądtchen genommen haben. Ein leises Glockengel├Ąut ert├Ânte unweit aus einem Nachbardorf und erleuchtete mein unbescholtenes Kinderherz im warmen Sommerwind. Mit meinem Schulranzen ├╝ber die Schultern gebunden lief ich unentwegt einem kleinen bunten Schmetterling hinterher, in der Hoffnung diesen wohl greifen zu k├Ânnen. Allerdingst gelang es mir nicht, weil er viel zu schnell auf und abw├Ąrts schwebend davon flog. Fabian Franklin ist mein Name, den mir

meine Eltern bei meiner Geburt gaben und ich gehe mit meinen knapp 8 Jahren in die 3. Klasse. Mein Aussehen hebt sich dahingehend von meinen anderen Mitsch├╝lern ab, dass ich der einzige schwarz wellhaarige Junge unserer Klasse war. Die anderen waren eher blond, rothaarig oder mittelblond. Einer dieser Jungen war sogar braunhaarig und ein weinig pummellich von seiner Statur. Meine gro├čen, dunkelbraunen Augen ├Ąhnelten einem italienischen Kindes. Dennoch passte sich meine kindliche sonnengebr├Ąunte Gesichtsfarbe den Augen an. Mein, ├╝ber den Augen liegender schwarz gl├Ąnzender Pony, pr├Ągte die restlichen Gesichtsz├╝ge und

ich war ein sehr lebhafter Junge. Ich glaube, dass mein Aussehen von v├Ąterlicher Seite abstammen k├Ânnte. Mein Vater Ismail Franklin, ein staatlicher gut aussehender Mann, hat seinen Geburtsursprung vor drei├čig Jahren in Italien begonnen und zog Ende der sechziger Jahre nach Deutschland. Mein Gro├čvater, John Franklin, hatte einen amerikanischen Ursprung und war einer der Besatzungsm├Ąchte nach dem 2. Weltkrieg. Dort lernte er meine Oma Sierra an der S├╝dk├╝ste von Italien kennen. Soweit ich wei├č, gab es keine weiteren Geschwister in meines Vaters, noch in meiner Mutters Familie. Obwohl ich meinem Vater sehr ├Ąhnelte, entdeckte

man doch meine italienischen Abstammungsquellen in meinen Gesichtsz├╝gen. Mein Vater hat wie ich, eine hellbraune Hautt├Ânung, aber schwarzblaues Haar, w├Ąhrend meine 29-j├Ąhrige Mutter Annemarie dunkles Haar besa├č, zierlich und gut aussehend einen deutschen Ursprung hat, aber dennoch sehr liebevoll und f├╝rsorglich mit mir umging. Dennoch kann ich behaupten, dass meine Eltern sich in ihrer Ehe sehr gut verstanden und mich, als ihr einziges Kind, ├╝ber alles liebten. Allerdingst auch sehr verw├Âhnten, da wir nicht gerade Arm im Verh├Ąltnis zu anderen Familien aus unserer Stadt waren. So wurde in unserer fast reichen und gut best├╝ckten

Familie nach italienischer Art mehr zusammen und miteinander unternommen. Mein Vater arbeitete au├čerhalb unserer kleinem D├Ârfchen Namens ÔÇ×Bad FeldsÔÇť, lag eher im Erzgebirge, nicht sehr weit von der Gro├čstadt Eibenstock im (Erzgebirge) entfernt, tags├╝ber in einem Bergwerkstollen und grub dort nach Steinkohle, w├Ąhrend meine Mutter halbtags als Erzieherin in unseren Hort arbeitete und somit mich st├Ąndig unter Kontrolle hatte. Mein Vater setzte sich meiner Mutter gegen├╝ber in erzieherischen Fragen des ├ľfteren durch, wobei es meine Mutter nur gut mit mir meinte. So hielt sie die Z├╝gel ein wenig

lockerer bei meiner Erziehung. Es kam hin und wieder vor, dass sie nicht immer einer Meinung waren, dennoch waren sie sich zum Schluss immer einig geworden! So konnte ich mir bei meinen Eltern immer sicher sein, wenn ich mal was Schlimmes angestellt hatte, die Bestrafung immer gemeinsam ausgedacht und erteilt wurde. Sie stritten sich nie vor meinen Augen und zeigten immer Zusammenhalt und Festigkeit. Bei anderen Familien meiner Mitsch├╝ler ist es oftmals anders hergegangen. Wie zum Beispiel auch Pr├╝gelstrafen als sichere Erziehungsma├čnahmen angewandt wurden. Einige meiner Mittsch├╝ler lie├čen derartiges durchsickern, so dass ich mir

ein Bild von den Familienverh├Ąltnissen machen konnte. Mein bester Freund hie├č Ronny Bergmann. Ein dunkelhaariger, kess aussehender Junge meines Alters und fast gleicher Statur. Allerdingst ein wenig kr├Ąftiger wie ich. Er hatte mir schon viel von seinen Eltern erz├Ąhlt, dass sie sich seinetwegen andauernd in die Haare kriegten. Ich konnte mit meinen Eltern zumindest zufrieden sein und trotz kleineren Bestrafungen ging es mir ziemlich gut. Also immer gut, wenn ich ├╝ber die leichten Bestrafungen hinwegsehe, welche nie richtig ernst gemeint waren. Dazu Liebteten sie mich viel zu sehr, als das sie mich in

irgendeiner Weise Leiden lie├čen. Hin und wieder nutzte ich diese Gelegenheit auch ein wenig aus und setzte meinen kindlichen Dackelblick in Szene der wie immer Wirkung zeigte. Meistens klappte es so zum gr├Â├čten Teil und wir waren wieder ein Herz und eine Seele. So verbrachte ich meine meiste Freizeit mit Ronny, der wie immer sehr gute einfallsreiche Ideen mit sich brachte, wie an einen Julitag 1992. Meine beiden Eltern fuhren an diesen Tag in die Gro├čstadt zum Einkauf: Zu dieser Zeit hatten wir bereits unsere Sommerferien und es stand ein sehr hei├čer Sommertag uns bevor. Mein bester Freund Ronny und ich machten uns an diesem Tag zum

ersten Mal seit l├Ąngerer Zeit wieder auf den Weg zum T├╝mpelschacht, unweit entfernt von unserem modernen gro├čen Haus meiner Eltern. Unser alttschechoslowakisch aussehendes, gro├čes Fachwerkhaus, mit seinem grau gl├Ąnzenden Originalschieferdach, stand dicht an einem karg bewachsenden Feldsteinhang in unserem Dorf, Bad Felds. Dieser Berg war nicht sehr hoch, aber f├╝hrte uns direkt zum T├╝mpelschacht. Kaum bewachsen aber sehr steinig. Teilweise ├╝berzogen mit Efeu und andere Rankengew├Ąchse, welche wenig Wasser ben├Âtigen. Der Name f├╝r diesen Schacht wurde von unseren Vorfahren ├╝bermittelt und

deutete daraufhin, dass er durch einen damaligen Wassereinbruch total ├╝berflutet wurde. Nach diesem Wassereinbruch konnte man den Schacht nicht mehr nutzen und legte ihn dann still. Die alte Bezeichnung f├╝r diesen Steinkohleschacht wurde vom Wassert├╝mpel abgeleitet und von unseren Vorfahren mit Schacht verbunden. Zu Deutsch hei├čt es lediglich, ein unter Wasser stehender Kohleschacht oder Kohlemine, welche instabil geworden ist und f├╝r Abraum unbrauchbar war. Wir liefen gleich an unserem gro├čen Hinterhaus, einen wenig bewachsenen felsigen Weg hinauf. Sehr staubig hinterlie├č er unsere Fu├čtapsen und unser

Haus lag uns sobald zu F├╝├čen. Da der Hang immer H├Âher aufstieg konnte man direkt auf unser Schieferdach blicken. So konnte man gerade noch den gro├čen Kaminschornsteinschacht von oben Einblicken. Der weitere Weg gabelte sich dann mit einem kleinen Wanderpfad in Richtung Fichtenwald und den hohen Gebirgsfelsen. Wir mussten uns am rechten Steilhang entlang tasten, um an unser Ziel zu kommen. Dieser schmale Pfad war sehr schmal und ging sehr steil abw├Ąrts. Von dort oben konnte man allerdings die sch├Ânen gr├╝nen Fichtent├Ąler weit im Tal erkennen. Einzelne emporragende Felsen erstreckten sich dem Himmel entgegen

als wollen sie die vorbeiziehenden Wolken gr├╝├čen. Teilweise entstanden Sonnenflecke ├╝ber die T├Ąler, welche darauf hindeuteten, dass vorbei ziehende Wolken die hei├čen Sonnenstrahlen kreuzten. Es dauerte eine dreiviertel Stunde, um auf diesen Pfad auf den alten Bergwerksschacht zu sto├čen. Zwischenzeitlich unterhielten wir uns ├╝ber verschiedene Themen, wie Schule und Abenteuer die wir miteinander schon erlebt haben. Unsere euphorische Neugierde trieb uns direkt vor den alten, mit Brettern zugenagelten Schachteingang, der rechts und links mit Holzpfosten im steinigen Berghang vor vielen Jahren eingemei├čelt wurde. Schon

graumoosig und morsch erschien uns das alte Holzmaterial, aus dem die T├╝rforte gefertigt waren. So wolle man wohl verhindern, dass sich Kinder unbefugten Zutritt verschaffen. Allerdings war Ronny mit seinen ├╝ber 8 Jahren von uns beiden nicht nur der ├ältere, sondern auch der Schlauste, den immer etwas gescheitet einfiel uns einen geeigneten Einstiegsweg zu verschaffen. Kleine Windrosen um wirbelten den Zugenagelten Schacht, der schon leicht Holzschwammig roch. ÔÇ×Da schau mal, dort ist ein loses Brett!ÔÇť, meinte Ronny mit Sicherheit und f├╝hrte mich geradewegs zum losen Brett. Vorsichtig brachen wir das benannte morsche Brett

aus dieser T├╝r. Es zerfiel zugleich beim herausrei├čen in einzelne Bruchst├╝cke. Vielleicht drei mal drei Meter war der Schachteingang gro├č und v├Âllig in den Massiven Steinberg eingelassen. Wir stiegen somit in einer unerwarteten Dunkelheit, abw├Ąrts in den Schacht ohne nur das geringste vor den Augen zu erkennen. Aus weiter Ferne h├Ârten wir schon ein unaufh├Ârliches Quellengepl├Ątscher, welches sich uns bei jeden herantasten Schritt n├Ąherte. Alte Petroleumlampen hingen voll umsponnen von Spinnengewebe an den kalten, nassen Felsw├Ąnden. Ein kalter feuchter Geruch lag in der Luft und k├╝hlte unseren K├Ârper von der hei├čen

Sommersonne herunter. ÔÇ×VorsichtÔÇť, rief ich Ronny zu, als er ├╝ber einen alten St├╝tzbalken stolperte und kramte in meiner kurzen Hose nach ein paar Streichh├Âlzern herum. Ronny kontrollierte derweilen die gesamten Lampen und fand tats├Ąchlich eine in der sich noch etwas Petroleum befand. Nach ein paar Minuten hatten wir dann die Lampe einsatzbereit zum Leuchten gebracht und mussten feststellen, dass wir gerademal 50 cm von einem riesigen tiefen Schachtloch standen. Vor Schreck sprangen wir synchron vom Loch weg und atmeten erst einmal tief durch, dass sich unsere Herzen wieder zum richtigen Fleck bewegten. Erschrocken sahen wir

uns in die Augen, waren aber dennoch begeistert von der enormen Tiefe, die der Schacht uns verborgen halten wollte. Wir beugten uns ├╝ber und versuchten, dieses riesige Loch auszuleuchten, was uns aber leider nicht gelang. Eine pl├Ątschernde Tiefe zeigte sich unseren Augen und schien unendlich zu sein. Ein alter verwitterter Fahrstuhl befand sich auf der Gegenseite vom Schachtloch und war vollkommen vergittert. Schon braun und por├Âs, geradezu verrostet waren die einzelnen St├Ąhle. Der Gesamte Fahrstuhl war ein einzigartiger Schrotthaufen. Welcher nie wieder seine Fahrt in die Tiefe antreten w├╝rde. Er schien aber nicht mehr intakt zu sein, sagte Ronny

und ├╝berlegte einen Moment. Offenbar suchte er nach einer guten L├Âsung. ÔÇ×Wir k├Ânnen mal schauen, ob wir eine Leiter oder so etwas findenÔÇť, meinte ich zu Ronny, aber z├Âgerte ein wenig, da mir das alles nicht so geheuer vorkam. Ronny schien meine Idee auch recht zu passen, so vertagten wir unseren Abstieg auf einen anderen Tag. Ronny war einen halben Kopf gr├Â├čer wie ich, etwas stabiler in seiner Erscheinung, aber sehr witzig und lustig. Da es in seinen Elternhaus nicht so gut klappte, fiel er in seinen schulischen Leistungen ├Âfters zur├╝ck, w├Ąhrend ich ihm dann bei den Hausaufgaben und beim Lernen half.

So erg├Ąnzten wir uns wohl und kamen gut miteinander Klar. Ich war f├╝r meine 8 Jahre klein und zierlich, so half Ronny mir wiederum bei Bedrohungen durch andere, ├Ąltere Mitsch├╝ler. Irgendwie passten wir von unseren Ideen und Abenteuerfreuden immer gut zusammen und erhielten dadurch eine immer gr├Â├čere Bindung zueinander. Wir erlebten zusammen in der Schule sowie auch in der Freizeit vielen spezielle Abenteuer, aber auch schwierige H├Âhen oder Tiefen miteinander, wie eben eine gute Freundschaft sein sollte. Oft weinte er sich bei mir aus, wenn es zuhause nicht gut verlief. Aber das sollte unser Geheimnis bleiben. Das musste ich schon

in der zweiten Klasse fest versprechen. Das wir manchmal heimlich Rauchten, war auch eins unserer Geheimnisse. Da seine Eltern Rauchten konnte er hin und wieder zwei Zigaretten stibitzen. So schlief ich mal bei ihm und er mal bei mir zu Hause und das schon seit unserem Kindergartenalter. Als er mal in einem Krankenhaus lag, kamen wir jeden Tag mit dem Auto und seinen Eltern zu Besuch. Wir schwuren uns dort zum ersten Mal ganz fest, dass wir uns niemals im Stich lassen werden, wenn einer den anderen braucht. Jeder von uns gab den Schwur ab, alles zu unternehmen, um den anderen, egal wo er gerade ist, zu finden. Ronny war nach

diesem Versprechen richtig gl├╝cklich und hatte sich darauf schnell von seiner schweren Krankheit erholt. Da seine Eltern mit ihm wenig unternahmen, f├╝hlte er sich bei uns zu Hause so richtig wohl. Meine Eltern hatten Ronny, seit meiner Einschulung, schon wie einen eignen Sohn in unsere Familie aufgenommen und nahmen ihn oft zu Familienausfl├╝gen mit. Er baute eine sehr enge Beziehung zu meinen Eltern auf, das bei mir zu seinen Eltern nicht stattfand. Dazu waren unsere Eltern zu verschieden. Manchmal glaubte ich, dass sich Ronny bei uns viel wohler f├╝hlte wie bei sich. Voller Erleichterung, die man uns ansah,

tasteten wir uns dann an der nasskalten Schachtwand zum Ausgang zur├╝ck, wo uns schon die warmen Sonnenstrahlen begr├╝├čten. Fast 20. Meter tief waren wir in diesen dunklen Schacht gelaufen. So unterhielten wir uns in unserm abenteuerlichen Eifer auf dem Heimweg ├╝ber den langen Bergkamm ├╝ber dies und jenes Abenteuer, dass wir zusammen erlebten und noch erleben w├╝rden. Zuhause angekommen sahen wir schon den roten Audi meiner Eltern vor der Hofeinfahrt stehen und trennten uns sicherheitshalber an diesem Nachmittag wieder. Meine mitgef├╝hrten Streichh├Âlzer lie├č ich zum Gl├╝ck in dem alten Bergwerksstollen zur├╝ck und verschwieg

meinen Eltern wie so meist unseren abenteuerreichen Tag zu dem alten Kohlebergwerkschacht, da sie uns strengstens verboten hatten, dort hinzugehen. Auch wenn sie mich sonst liebten, sammelten sich im Laufe der Zeit, mit Ronny zusammen, einige gef├Ąhrliche Abenteuergeheimnisse an, wovon unsere Eltern nicht wissen sollten. So vermieden wir schon im Vorfeld, dass sich meine Eltern unn├╝tze Sorgen wegen uns beiden machten. Unser kleines ehemaliges Bergarbeiterdorf umfasste ca. 450 Einwohner und lag etwas h├Âher in den Bergen, nahe der tschechischen Grenze. So mussten die Menschen zum Einkaufen

immer in die n├Ąchste, 50 Km entfernten Gro├čstadt Eibenstock oder Sch├Ânheide fahren. Beide St├Ądte nahmen sich nicht viel von der Entfernung, da Bad Felds so ziemlich im Winkel von 90. Grad s├╝dlich dieser St├Ądte lag. Im Zentrum stand eine kleine Kapelle, umgrenzt mit einer roten Backsteinmauer und alte Linden. Die einzelnen Wohnh├Ąuser und altere Geb├Ąude vernetzten sich wie ein Spinnennetzt um das Alte Zentrum. Viele saftig gr├╝ne B├Ąume lassen das Dorf idyllisch erscheinen, w├Ąhren ringsum Hohe Felsen sich empor erhoben. Es gab Altbaugeb├Ąude aus den 50er Jahren und Moderne ein und Zweifamilienh├Ąuser, welche sich an die Felsen schmiegen.

ÔÇ×Fabian wo warst du denn? Wir haben f├╝r dich sch├Ânes Eis mitgebracht und warten schon ├╝ber eine Stunde!ÔÇť, rief meine Mutter mit besorgt entgegen, w├Ąhrend ich zum hinteren Hoftor eintrat. ÔÇ×Ich war die ganze Zeit bei Ronny spielenÔÇť, versicherte ich meiner Mutter und freute mich schon auf mein k├╝hles Eis. ÔÇ×Heute Abend wollen wir GrillenÔÇť, klinkte sich mein Vater im Laufe des Gespr├Ąches ein und genoss hingegen bereits sein Eis im Liegestuhl. Unter den saftig gr├╝nen Obstb├Ąumen, ums├Ąumt von vielen farbenpr├Ąchtigen Blumenrabatten war der Lieblingsplatz meines Vaters. ÔÇ×Das finde ich tollÔÇť, rief ich meinem Vater entgegen, w├Ąhrend ich zur k├╝hlen

K├╝che lief, um mein verdientes Eis aus dem K├╝hlschrank zu holen. Gegen Abend kam Ronny zu Besuch. Die Temperaturen wurden schon etwas angenehmer und waren nicht mehr so hei├č wie am Mittag. Mein Vater hatte Ronny kurzerhand gleich zum Grillen mit eingeladen, wie er es in der Regel bei Ronny schon immer tat. Nach dem Abendessen erfuhren wir durch meine Eltern, dass wir uns einen gro├čen Badepool zulegen werden, in dem wir an solchen hei├čen Sommertagen baden d├╝rfen. ÔÇ×Er soll 4 mal 6 Meter gro├č werden und in der Erde eingelassen werdenÔÇť, konnte ich Ronny in vollem Umfang als Info mitteilen. ÔÇ×Eine gro├če Umw├Ąlzpumpe soll dann f├╝r sauberes

Wasser sorgen und du k├Ânntest dann immer mitbaden, vor allem wenn mein Vater so lustige Bauchklatschers machtÔÇť, f├╝gte ich noch eifrig hinzu. Mit diese Bauchklatschers konnte mein Vater uns beide an jeder Badest├Ątte schon im Vorfeld begeistern. Einmal nahm er uns beide fr├╝hzeitig zum Angeln mit, dass wir was lernen k├Ânnen. Meinte mein Vater, aber dann wurden wir etwas zu laut beim Spielen und er konnte nichts mehr fangen, da meine Mutter so gerne Fisch zum Mittag oder Abendessen a├č. Seither meinte er immer zu uns, mit humorvoller Stimme. ÔÇ×Jungs, bleibt mal lieber zu Hause, denn beim Angeln braucht ein Erwachender seine redliche

Ruhe. Ich habe beim Angel nichts davon, wenn solche Springfr├Âsche wie ihr beide dabei seit!ÔÇť Ronny und ich schauten uns verwundert in die Augen und grinsten uns entgegen. Unsere Freude an diesem Abend war riesig und wir planten schon voller Eifer und Erwartungsdrang, eine Rutsche und einen Sprungturm zu bauen. So verlief dieser sch├Âne Abend noch sehr lustig mit vielen Gespr├Ąchsrunden, bis mein Vater, Ronny gegen 21:00 Uhr, zwei Stra├čen weiter nach Hause brachte. Der Rest von unseren Sommerferien verlief ziemlich schnell, da wir fast jeden Tag in unserem neuen Pool badeten und unser k├╝hles Eis und die selbst gemachte Limonade genossen.

So neigte sich der warme Sommer dem Ende entgegen und wurde vom Herbst eingeholt. Wir erlebten, genauso wie meine Eltern, einen sehr sch├Ânen gemeinsamen Sommer und unternahmen au├čer baden und angeln noch Ausfl├╝ge, Wanderungen mit Zelten und Picknicks im Freien. An verregneten Tagen sa├čen meine Mutter und Vater gem├╝tlich zusammen am Kaminfeuer auf der Couch und hielten ihre H├Ąnde. Ronny und ich zw├Ąngten uns auf den gro├čen Fernsehsessel. Gleich unter dem gro├čen Wohnzimmerfenster lauschten wir, dann die Alten Geschichten meines Vaters. Der Blick auf unseren Garten und die hohen

Fichten umkreist von Felssteinberge, zeigte einem idyllischen Hintergrund. Dort ging die Sommerabendsonne im rotorange schimmernd, der herannahenden Nacht entgegen, unter. Obwohl die Tage teilweise Tr├╝be und verregnet waren erschien mir jeder Tag den ich mit Ronny verbrachte als ein Neues Abenteuer. Wir konnten zusammengekuschelt unter einer warmen Zudecke ├╝ber alles reden. Ob es nun traurige oder lustige Dinge waren. Sollten wir mal lange Weile versp├╝ren, so spielten wir am PC die neusteten Computerspiele die mir meine Eltern gekauft hatten. So f├Ąrbten sich die Bl├Ątter an den

B├Ąumen und die Tage verk├╝rzten sich zusehend von einen auf den anderen. An einem Freitag, Anfang September 1992, hatte mein Vater einen guten Grund zum Feiern uns mittgeteilt, wie er meiner Mutter und mir erkl├Ąrte. Er wurde kurzerhand durch seine ganzen Qualifikationsma├čnahmen und seiner vielen Fachstudien von seinem Vorgesetzten bef├Ârdert und bekam zum Monatsende 1.900,-- .DM mehr Lohn ausgezahlt, so kam er dann zum Monatsende mit ├╝ber 6.500,-- DM, nach Hause. F├╝r uns bedeutete diese Bef├Ârderung zum Schachtobermeister einen riesigen finanziellen Aufschwung, der seine Nachteile, aber auch seine

Vorteile mit sich brachte. Beide Elternteile hatten dann zusammen ├╝ber 8.000 DM Gehalt bezogen. Allerdingst konnte mein Vater nicht mehr so viel Zeit mit mir verbringen. So musste er l├Ąnger arbeiten und war sehr fiel unterwegs. ├ťberwiegend arbeitete er in den Chefetagen eines gro├čen B├╝rogeb├Ąudes um dort Leute anzuweisen. Seine Verantwortung gegen├╝ber den Kumpels war dadurch enorm gestiegen und verschlang viel Zeit, die f├╝r mich verloren ging. Vor dieser enormen Gehaltserh├Âhung gab es vor l├Ąngerer Zeit ein Grubenungl├╝ck, ausgel├Âst durch eine Methangasexplosion im Stollen. So stellten es die Experten fest. Bei diesem

Ungl├╝ck konnte mein Vater 12 seiner Kumpels das Leben retten. Vermutlich bekam er dadurch seine Bef├Ârderung und die dazugeh├Ârige Gehaltserh├Âhung. Aber diese fehlende Zeit mit meinen Vater glich wiederum meine Mutter aus und hielt mich mit ihrer Besch├Ąftigung ganz sch├Ân auf trapp. Selbst ein zweites Auto legten sich meine Eltern zu, um so flexibler f├╝r mich sein zu k├Ânnen. Sie begr├╝ndeten den Kauf damit, dass ich auch mal aus unserem Dorf herauskommen sollte und daf├╝r sei nun mal das neue Auto f├╝r meine Mutter notwendig. So erkl├Ąrten es meine Eltern. ÔÇ×Den ganzen Tag lang sich nur mit Ronny herumtreiben, ist auch nicht so

gut f├╝r mich.ÔÇť Mit dieser ernsten, aber liebevollen ├äu├čerung konnte ich nur noch f├╝nf Tage in der Woche mit Ronny zusammen spielen und der Rest wurde f├╝r die Familie verplant. Ich selbst hatte nichts gegen diese Vorstellung meiner Eltern, denn so unternahm ich mehr mit meiner Mutter, wo ich doch eigentlich ein ausgesprochenes Vaterkind war. Aber meine Mutter stand in den letzten Jahren oft im Abseits meines Lebens. Immerhin verbrachte mein Vater vorher sehr viel Zeit mit mir und Ronny und brachte uns so eine ganze Menge bei, woraus wir f├╝r unser sp├Ąteres Leben lernen konnten. Aber nach einer Weile packte es meine Mutter mit mir klarzukommen, denn sie

gab sich gro├če M├╝he, ihren Sohn von den v├Ąterlichen italienischen Vorstellungen so abzulecken, dass eine allgemeine deutsche Erziehung f├╝r mich vorteilhafter wurde. Meinem Vater st├Ârte diese Einstellung meiner Mutter nicht, denn er hatte eine, zum Teil amerikanische ÔÇô italienische Erziehung von meinen verstorbenen Gro├čeltern erhalten und war sehr stolz darauf. Die zum Teil Westlich erhaltenen Ansichten meiner Gro├čeltern unterst├╝tzten meine Mutters Methoden einer modernen Familie ideal. Ich konnte leider meine Gro├čeltern nie kennenlernen, au├čer auf Fotos, die ich mir des ├ľfteren ansah. Sie starben schon beide vor meiner Geburt

und Onkels oder Tanten hatte ich von Seiten meiner Eltern nicht. Als erstes nach der drastischen Gehaltserh├Âhung stand eine komplette Renovierung meines Zimmers an. Anschlie├čend wurde es von A-Z neu und modern eingerichtet. Darunter befanden sich ein neuer Fernsehapparat, Hi-Fi-Turm Anlage, DVD, Videorecorder und ein neuer Computer. So lohnte sich die Bef├Ârderung meines Vaters auch f├╝r mich und meinem besten Freund Ronny. Der hing seit her noch ├Âfters bei mir herum wie ich bei ihm. Offenbar schien ihn mein Zimmer mystisch anzuziehen. Aber es konnte auch sein, dass er nur ein einfach ausgestattetes Kinderzimmer

hatte. Obendrein war es auch sehr klein und ein Zwischenzimmer, denn seine Eltern mussten am Abend durch sein Zimmer schleichen, um ins Schlafzimmer zu gelangen. Das st├Ârte Ronny am meisten, weil er kaum oder sogar keine Privatatmosph├Ąre besa├č. Noch dazu, meinte er seien die W├Ąnde im Haus sehr hellh├Ârig. Quasi zu d├╝nne W├Ąnde, w├╝rde ich pers├Ânlich meinen. In diesem Vergleich konnte ich auf das Stellungsniveau meiner Eltern zufrieden sein. So hatte sich unser Verm├Âgen sehr schnell durch Zinsen und Modernisierungsma├čnahmen am Haus vermehrt. Geldsorgen hatten meine Eltern ohnehin nicht gehabt, da sie beide

von ihren Eltern gut erbten. Nicht nur Geld, sondern eine ganze Reihe von Grundverm├Âgen au├čerhalb des Dorfes. Wir zogen nun meinen Computer vor und spielten zu dieser Jahreszeit mehr in meinem neuen Zimmer als drau├čen. Die Neusten PC spiele regten unseren Verstand an. Gleichzeitig brachten die Computerspiele neue Ideen f├╝r Abenteuertouren die wir machen konnten. Da Ronnys Eltern solch einen Luxus nicht besa├čen, gab es auch keine Einwendungen ihrerseits, wenn Ronny sich mehr bei uns aufhielte. Hier, wo er sicherer und geborgener aufgehoben war, brauchte er nicht auf die Stra├čen, wo sich seit neusten Stra├čengangs

herumtrieb. So w├╝rde Ronny auch nicht unter die R├Ąder kommen, h├Ârte ich mal von Ronnys Eltern sagen. Dennoch kamen wir eines Tages zwischen die Fronten dieser Gangs. Wir waren gerade in unserer sicheren und geheimen Bergh├Âhle, als uns diese Kinder hinterherschlichen. Diese H├Âhle lag ein ganzes Ende von dem alten T├╝mpelschacht entfernt, der seit unserem letzten Besuch, eine neue Eingangsforte, aus robuster Eiche bekam. So konnte nun niemand mehr in diesen Schacht laufen und wir mussten uns eine neue H├Âhle zum Spielen und relaxen suchen. Wir gingen dort immer hin, wenn wir mal unsere Ruhe vor

meinen f├╝rsorglichen Eltern haben wollten, oder einer von uns beiden ernsthafte Probleme hatte. Meistens kamen von Ronny derartige Problemgespr├Ąche oder Sorgen, die er aus seiner Familie mitbrachte. So lernte ich dort von Ihm, wie man eine richtig echte Zigarette raucht, ohne dass davon etwas in die Lunge kommt. Die Zigaretten kamen von seinen Vater. Nat├╝rlich wusste sein Vater nichts davon, weil er sie heimlich aus einer Zigarettenschachtel genommen hatte. Meistens lag die Schachtel ohnehin so herum, dass man dort jederzeit heran kam. Da machte Ronny kein Hehl draus. Ich musste dennoch ganz sch├Ân husten

und schlecht wurde mir danach auch noch, so lie├č ich es in Zukunft vorerst bleiben. Als es uns an diesem Tag ganz gut ging, wir mal unsere Ruhe haben wollten und ├╝ber dies und jenes nachdachten, standen auf einmal f├╝nf ├Ąltere Jungen vor unserer gem├╝tlichen H├Âhleneingang und drohten uns. ÔÇ×Wir sollten hier verschwindenÔÇť. Rief einer trotzig uns an. Wir wussten nicht, was wir tun sollten und lie├čen uns etwas unbehaglich nicht auf Streitereien ein. Ronny hielt es f├╝r das Beste, vorerst das Feld zu r├Ąumen, um somit keine Pr├╝gel von den Gro├čen zu bekommen. Reum├╝tig verlie├čen wir das Kampffeld, w├Ąhrend Ronny mir zusicherte, dass wir

wiederkommen. Aus sicherer Entfernung lie├č es sich Ronny nicht nehmen dort r├╝ber zu schreien: ÔÇ×Wir kommen wieder, dass kann ich euch versprechen!ÔÇť ÔÇ×Ronny h├Âr auf, die Spinner zu provozieren!ÔÇť, meinte ich mit unbehaglichen Gef├╝hlen im Bauch und wandte mich lieber den R├╝ckweg zu. Ich hielt diesen Nachruf derzeit nicht f├╝r angebracht und musste mir vorstellen, beim n├Ąchsten Mal in der Schule verdroschen zu werden, was mir ├ängste einfl├Â├čte. So erkl├Ąrte ich es auch Ronny in aller Liebe. Aber bis auf ein paar jubelnde Siegesschreie der anderen sind wir an diesem Tag ziemlich glimpflich ohne Konfrontation mit ein Blaues Auge

davon gekommen. Schon aus diesen Gr├╝nden der Einnehmbarkeiten der Gangs wollten wir auch nichts mit diesen Jungen zutun haben. Daheim angekommen, begr├╝├čten uns schon meine Eltern, mit einem frohlockenden Vorschlag, uns beide in der n├Ąchsten Woche zum Kinoausflug nach Eibenstock mitzunehmen. Wir waren von diesem Vorschlag ├╝beraus begeistert und freuten uns schon riesig darauf, da wir schon eine Ewigkeit nicht mehr im Kino waren. Grade zu dieser Zeit lief im Kino ÔÇ×Der kleine VampirÔÇť. Eigentlich ein Deutscher Film und sollte erst ab November in den Kinos erscheinen, aber mein Vater hatte gute

Kontakte und so konnten wir diesen Kinderfilm schon vorher sehen. Es spielten in den Hauptrollen wohl Matthias Ruschke und Jan Steilen. Bis zum Abend blieben wir in meinem Zimmer im oberen Stockwerk und spielten eine Runde mit dem Computer oder schauten ein paar DVDs. Mein gro├čes Kinderzimmerfenster mit den Erzgebirgischen teils Th├╝ringer Fensterl├Ąden und den weinroten ├ťbergardinen wiesen ihren Blick zur Bergseite, wie unten in unserem Wohnzimmer. Ein gro├čes Bild von mir hatten meine Eltern vor l├Ąngerer Zeit, neben dem Fenster aufgeh├Ąngt. Die modernen beigefarbenen Heizk├Ârper passten sich dem modernen, im

Jugendstil eingerichteten Zimmer gut an. Eine gro├če, in schwarz gehaltende Schrankwand umrahmte meinen Fernseher und die DVD-Stereoanlage einer bekannten Marke. In weitere freie F├Ącher standen die Hi-Fi Anlage und noch ein Videorekorder. Die obigen und untenliegenden T├╝rf├Ącher der 3-Meter-Schrankwand waren f├╝r meine t├Ąglichen Kleidungsst├╝cke. Alle noch freien F├Ącher meiner Schrankwand standen voller Spielsachen und Schulunterrichtsmaterialien. Ein gro├čes Bett aus dunkler Eiche stand gegen├╝ber vom Fenster, mit Blick zu den hohen Bergen. Ein moderner, weinroter Doppelsessel befand sich rechts vom

Bett, mit Blick auf die Schrankwand und einem Glaswohnzimmertisch dazwischen. Links vom Fenster stand mein eigener Schreibtisch mit meinem Computer. Links neben meinem Bett, im rechten Winkel der Schrankwand, stand mein Nachtschrank mit einer Messingnachttischlampe. Aber dieser Nachtisch war ein kleines Schrankwandteil, das mir als Nachttisch nur diente und an der 3 Meter Wand nicht mehr passte. Ein Bild von meinen Gro├čeltern und Eltern stand unter meiner Nachttischlampe. Nur Ronny fand es ein wenig spie├čig, woraus ich mir aber nichts machte und seine Meinung tolerierte. Im gesamten Kinderzimmer lag

moderne rotweinfarbene Auslegware, die sehr warm und kuschellich erschien. Am n├Ąchsten Morgen, den 14. September 1992, war mein Vater wie immer bereits zur Arbeit, w├Ąhrend ich mich auf die Schule vorbereitete. In der Regel fuhr ich meistens mit meiner Mutter zur Schule, da sie dort den Hort seit l├Ąngerer Zeit leitete. Auf dem Weg zur Schule, nahmen wir zwei Stra├čen weiter, Ronny mit, der bei Wind und K├Ąlte bereits vor seiner Haust├╝re wartete. In der N├Ąhe unserer Schule erblickten wir aus dem Autofenster einige Mitglieder der Stra├čengangs, die sich dort immer am Morgen zusammenrotteten und den j├╝ngeren Sch├╝lern das Geld aus den

Taschen stahlen. Teilweise gingen sie dabei nicht zimperlich mit ihnen Mobbingopfers um und Transalieren sie gnadenlos. F├╝r meine Mutter waren diese Methoden nichts, so sorgte sie oft ├╝ber unseren Schuldirektor daf├╝r, dass diese Jungen bestraft wurden. Dennoch sagte sie, dass nicht immer Erwachsene in der N├Ąhe seien, um Zivilcourage zu zeigen. Allerdingst wurden diese Meldung diskret verfolgt und keiner wusste davon, wer diese T├Ąter meldete. Kurz vor dem Unterrichtsbeginn erkl├Ąrte mir meine Mutter, dass sie am Nachmittag mit Vati in die Stadt fahren w├╝rde, um Eink├Ąufe zu erledigen. So sollte ich zu Hause meine Hausaufgaben erledigen und den

Rest aus den Geschirrsp├╝ler ein zu r├Ąumen. ÔÇ×Es k├Ânnte allerdings etwas sp├Ąter werden wie geplant, so sollte ich mir mein Abendessen alleine zubereiten und noch ein wenig Fernsehen, ÔÇť sagte meine Mutter spontan und hielt das Auto vor dem Horteingang. In der Regel stand mein Essen immer im K├╝hlschrank oder unten im Herd unserer modernen K├╝che Ich fand diese Nachricht ganz gut, so war ich einmal mit Ronny in einer sturmfreien Wohnung. So z├Âgerte ich nicht sehr lange und unterbreitete Ronny, voller Begeisterung meine Pl├Ąne f├╝r diesen Nachmittag. So trafen wir uns nach der Schule gegen 14:00 Uhr bei mir zu Hause in der so

genannten sturmfreien Bude. Erst Chillten wir ein wenig und ├╝berlegten anschlie├čend, was wir mit diesem langen Nachmittag anfangen k├Ânnten. ÔÇ×Ich muss aber sp├Ątestens um 20:00 Uhr zu Hause sein ÔÇť, sagte Ronny mit nerv├Âser Stimme und schlug ein paar spezielle Tasten auf meinem Computer an. ÔÇ×Ronny, bis dahin sind meine Eltern bestimmt wieder zur├╝ck!ÔÇť, tr├Âstete ich Ronny und ├Âffnete ein neues Computerspiel. W├Ąhrend wir vor den Computer sa├čen, fiel mir ein, dass ich noch einen neuen Film auf DVD bekommen hatte und unterbreitete Ronny diesen Vorschlag. Ich hielt ihn diese DVD vor die Augen und schmunzelte ein wenig. Vielleicht wollte ich auch nur

Ronny aufmuntern. ÔÇ×Den kenne ich, der Actionfilm ist gut, den habe ich schon in der Vorschau gesehenÔÇť, erkl├Ąrte mir Ronny, w├Ąhrend er es sich auf meinem Bett bequem machte. Ich legte der Weilen den Film in meinen DVD-Player ein. So verlief der Nachmittag ziemlich lustig, verbunden mit spielerischen Raufereien auf mein Bett und dem Boden. So war die Zeit herangebrochen, dass Ronny heimgehen musste. ÔÇ×Mich wundert es, dass deine Eltern noch nicht zur├╝ck sind?ÔÇť Warf Ronny auf einmal in den Raum, w├Ąhrend er sich seine Jacke ├╝berzog. ÔÇ×Na man wei├č ja nicht, wo sie ├╝berall hin wollen!ÔÇť, versuchte ich mich zu rechtfertigen, um mich selbst auch zu

beruhigen. ÔÇ×Ich denke mal, dass sie bald zur├╝ck sein werden!ÔÇť, meinte Ronny ohne besorglich zu klingen und lief die leicht gebogene Eichenholz Schwebetreppe herunter. ÔÇ×Denk ich ja auchÔÇť, meinte ich ziemlich sicher zu sein und brachte Ronny noch zur Haust├╝re. Zum Schluss verabschiedeten wir uns bis zum anderen Morgen an seiner Haust├╝re. W├Ąhrend Ronny in der Abendd├Ąmmerung im schummrigen Laternenlicht an diesen kalten Herbstabend nach Hause lief, versp├╝rte ich ein leichtes Hungergef├╝hl in meiner Bauchgegend und machte mir erst mal mein Abendessen. Zwischendurch r├Ąumte ich noch unsere K├╝che auf, dass sie fertig war, wenn

meine Eltern Heim kamen. Da meine Eltern ohnehin noch nicht zu Hause waren, nahm ich mein Abendessen mit hoch ins Zimmer, um dort noch ein wenig Fernsehen zu schauen. Eigentlich durfte ich kein Essen mit in mein Zimmer nehmen. Da gab es vor l├Ąngerer Zeit schon mal Probleme, dass ich einen schmutzigen Teller in meinen Schrank verga├č und der dann wiederum Schimmel angesetzt hatte. Meine G├╝te da gab es erstmal ├ärger! Falls meine Eltern zwischenzeitlich doch noch kommen sollten, versteckte ich meinen Essensteller in der unteren Schublade meines Schreibtisches, weil ich ganz genau wusste, dass dort meine Mutter

nicht nachsehen w├╝rde. Immerhin kannte sie ja schon mein Versteck im Schrank. Bei bestimmten Gelegenheiten, hie├č die Parole meiner Mutter ÔÇ× r├Ąume bitte dein Zimmer aufÔÇť, dann erst brachte ich mein angestautes Geschirr heimlich in den Geschirrsp├╝lautomaten. Allerdingst so, dass es keiner mehr mitbekam. Na ja es klappte wie gesagt nicht immer. Nun wurde es schon 22:00 Uhr und meine Besorgnis h├Ąufte sich ein wenig, w├Ąhrend ich mich bereits bettfertig machte und gewaschen habe. Ich konnte die ganze Zeit nicht einschlafen, mein Kopf war voller verwirrender und be├Ąngstigter Gedanken, was wohl mit meinen Eltern passiert sein k├Ânnte. Wo

sie blieben oder ob sie noch jemanden besuchten. Kurzzeitig musste ich wohl eingeschlafen sein, denn es war bereits 2:00 Uhr nach Mitternacht und ich konnte mir keine passenden Bilder dazu ausmalen, weil ich so Lage noch nie alleine war. Erstmal lief ich in meinem Zimmer nerv├Âs auf und ab und ├╝berlegte energisch was ich tun k├Ânnte. Dann lief ich durch das ganze Haus, um nachzusehen, ob sie vielleicht doch schon da waren und mich nur nicht wecken wollten. Vielleicht nahmen sie an, dass ich schon schlief und wollten mich daher nicht st├Âren. Aber unten in ihrem b├Ąuerlich eingerichteten Schlafzimmer waren sie auch nicht. Ich

machte mir verzweifelte Sorgen und wusste absolut nicht mehr was ich noch tun sollte. Hin und wieder sah ich zur gro├čen Wanduhr im Wohnzimmer, die leise vor sich hin tickte, aber es wurde derweilen immer sp├Ąter! Ganz verloren setzte ich mich auf dem gro├čen braunen Ledersofa, gleich neben dem marmorfarbenen Fernsehtisch und deckte mich mit einer darauf liegenden Pl├╝schwolldecke zu. Mir wurde derweilen ein wenig kalt und unbehaglich. Eine Totenstille breitete sich ├╝ber das ganze Haus aus und drau├čen regnete es schon seit Stunden unnachgiebig als w├Ąre es Gottes Strafe, f├╝r den ganzen Mist, den wir schon

gebaut hatten, ohne das unsere Eltern davon ahnten. Leise Raschelger├Ąusche hier und dort konnte ich wahr nehmen die mich sehr ver├Ąngstigten und verunsicherten. Offenbar Ger├Ąusche die von der automatischen Heizung her r├╝hrten, wenn sich die Thermostate an den Heizk├Ârpern ├Âffneten. Unweit entfernt schlug die Turmuhr vom Rathaus 3:00 Uhr und verstummte wieder im Gepl├Ątscher des Regens. Die Geheule der Winde an den Fensterl├Ąden versch├Ąrften noch zus├Ątzlich meine ├Ąngste die mich schon seit Stunden beherrschten. Die kleine Fernsehleuchte warf ihre dunklen, be├Ąngstigten Schatten durch das Wohnzimmer, die mir zugleich

das F├╝rchten lehrten. Ich befand mich noch nie in so einer verzweifelten, ungewissen Situation, dazu beh├╝teten mich meine Eltern zu sehr. Noch nie war ich so lange allein und malte mir schon besorgniserregende Bilder in meinen Gedanken aus. Vielleicht ist ihnen irgendetwas Schlimmes widerfahren oder zugesto├čen. Sollten sie eine Autopanne haben und war vielleicht kein Telefon in der N├Ąhe, schoss mir durch den Kopf. Das wahren noch die geringsten Vorstellungen, welche meine ├ängste sch├╝rten. Ein abgr├╝ndiger Gedankenzug fuhr mir durch meinen zittrigen K├Ârper. Pl├Âtzlich fing ich verzweifelt an zu weinen, als ahnte ich schon, dass

irgendetwas ganz Schreckliches passiert w├Ąre. Ich warf die Wolldecke von meinem K├Ârper und rannte ver├Ąngstlich zum Telefon, das gleich neben dem Fernseher auf einer kleinen Anrichte stand. Schluchzend und weinend nahm ich den Telefonh├Ârer in die Hand und w├Ąhlte voller Verzweiflung den Notruf 110. Diesen Notruf brachten mir schon meine Eltern seit fr├╝hester Kindheit bei. ÔÇ×Hallo, mein Name ist Fabian Franklin, ich wohne in der Bergstra├če 2, in Bad Felds und bin hier ganz allein. ... Meine Eltern sind vom Einkauf nicht mehr zur├╝ckgekommen, ... ich habe Angst!ÔÇť, versuchte ich verzweifelt dem Polizisten am anderen Ende der Leitung zu erkl├Ąren

und brach in ein verbittertes Weinen aus. Ich konnte nur noch die tr├Âstenden Worte vernehmen, dass man gleich jemanden zu mir schicken w├╝rde und legte den H├Ârer auf. Weinend verkroch ich mich wieder unter meiner Decke auf dem Ledersofa und wartete verzweifelt auf Hilfe. Meine Beine zog ich dicht an meinem K├Ârper heran. Mein Kopf war voller schwer zu bew├Ąltigender Gedanken, die nicht aufh├Ârten an mich zu zerren. Nach einer langen Stunde in Angst und Ungewissheit erschienen in unserem Wohnzimmer zwei Polizeibeamte und zwei andere Frauen, die mir in dieser Nacht die schlimmste Nachricht ├╝bersandten, dass meine Eltern mit ihrem

Auto durch einen Wildunfall t├Âdlich verungl├╝ckten. ÔÇŽIn mir brach eine Welt zusammen beherrscht von Angst und Verzweiflung. Ich musste wieder bitterlich weinen und kam mir so verlassen vor, wie noch nie zuvor. Mein ganzer K├Ârper wurde hei├č, und kalt zugleich, als w├╝rde mir mein Atem f├╝r immer versagen. Mein Herz schien stille zu stehen und alles um mich herum fiel in tausend schwarzer L├Âcher, die ich nicht entrinnen konnte. ... Nur noch verschwommene Bildhafte umrisse konnte ich wahrnehmen und brach endg├╝ltig im Seelenschmerz zusammen. Ich fiel in ein tiefes, finsteres unendliches Loch, aus dem ich keinen

Ausweg mehr fand. ... Nach einer Woche wachte ich in einem gro├čen Kinderkrankenhaus auf und konnte mich an nichts mehr erinnern. Nicht einmal daran wo ich zuletzt vor meiner Bewusstlosigkeit war. Ich konnte mir im ersten Augenblick meines Erwachens nicht vorstellen, warum meine Eltern nicht an meinem Bett sa├čen, wie sie es immer taten. Bei schweren Krankheiten sa├čen sie doch auch immer an meiner Bettseite und tr├Âsteten mich wo sie nur konnten. Das ganze war f├╝r mich Fraglos unbegreiflich. Ich verstand die Welt ├╝berhaupt nicht mehr. ÔÇŽ ÔÇ×So etwas kannte ich noch nie von meinen Eltern, sie w├╝rden mich doch nie

alleine lassen!ÔÇť, versuchte ich einer ├Ąlteren netten Krankenschwester mitzuteilen, die gerade meinen Puls kontrollierte. ÔÇ×Wie f├╝hlst du dich?ÔÇť, fragte mich die nette Krankenschwester in einem leicht besorgten Ton, lie├č sich aber mir gegen├╝ber nichts anmerken. Derweilen schaute ich sie nur fragend an. ÔÇ×Ich werde gleich den Doktor Klein holen!ÔÇť, f├╝gte sie noch hinzu und verlie├č nerv├Âs mein Einzelbettzimmer. Ich schaute in das Zimmer hinein, um mich ein wenig zu orientieren, wo ich hier sei. Die B├Ąume verloren langsam die Goldbraune Bl├Ątterpracht, als w├╝rden sie sich auf einen eisigen Winter vorbereiten. Viele Bunte Farbspiele der

B├Ąume vor meinem Fenster gaben mir ein Heimisches Gef├╝hl einer gewissen Geborgenheit. Zu mindestens stellte ich fest, dass ich noch in meiner Heimatumgebung, im Erzgebirge sein m├╝sste. Denn diese einmalige Natur von Felsw├Ąnden und Fichten gab es nur hier in meiner Heimat. Nach einer geraumen Zeit h├Ârte ich hinter meiner Zimmert├╝r, wie sich einige Erwachsene ├╝ber mich unterhielten. ÔÇ×Auf keinen Fall sollte der Junge in seinem jetzigen Zustand etwas erfahren, Zumindest so lange nicht, bis sich sein Zustand erheblich verbessert hat!ÔÇť Im selben Moment betraten, eine Krankenschwester, zwei fremde Frauen

und ein Mann der wie ein Arzt aussah, mein Zimmer. Sie sahen sehr besorgt aus und vertr├Âsteten mich auf einen anderen Tag, um ├╝ber meine Eltern und ihr Fernbleiben zu sprechen. Viele Fragen stellte mir die eine Frau ohne weisen Kittel, mit Namen Frau Lindner, die in etwa Mitte drei├čig sein m├╝sste und eine stellvertretende Heimleiterin sein soll. Sie schien mir im Allgemeinen sehr streng zu sein, als sie sich mit den anderen Erwachsenen unterhielt. Zwischenzeitlich versuchte sie, ihr langes Haar nach hinten zu legen, w├Ąhrend sie viele Formulare ausf├╝llte, wo ganz oben im Text kopf, Jugendamt Sachsen stand. Alle Fragen konnte ich

dieser Frau nicht beantworten und verwies sie, sich an meine Eltern zu wenden. ÔÇ×F├╝r was sind denn die ganzen Fragen?ÔÇť, wollte ich neugierig wissen. Sie meinte nur, ÔÇ×Das seien alles Routinefragen. Es hat alles seine Richtigkeit.ÔÇť W├Ąhrend, ich so unter meiner Bettdecke herumkramte fiel mir auf, dass ich unter meinem, bis zum Knie gehenden Krankenhausnachthemd, keine Unterw├Ąsche trug. Wie peinlich es in diesen Augenblick f├╝r mich wurde. Da ich so etwas nicht leiden konnte, zog ich mir leicht geniert meine Bettdecke dicht an K├Ârper heran. Gleich links von meinem Bett, neben dem wei├čen Nachttisch, befand sich das gro├če

Fenster, aus dem ich die gro├čen bunt verf├Ąrbten Laubb├Ąume und die sich darin tummelnden V├Âgel erkennen konnte. Mir war zu dieser Zeit nicht bewusst, was eigentlich um mich herum geschah, so hielt ich es aus Selbstschutz f├╝r das Beste, von nun an mit niemanden mehr ein Wort zu reden, bis meine Eltern wieder da seien und das Schw├╝ret ich mir. Machte ich zur Bedingung f├╝r diese Menschen, welche alle durcheinander redeten. Vielleicht war es auch alles zu viel f├╝r mich geworden, dass ich zu solchen drastischen Mitteln griff. So begann ich, eine unsichtbare Mauer um mich zu errichten, die alles B├Âse von mir fern halten sollte. Gleichzeitig h├╝llte ich

mich in ein einsames, verbittertes Schweigen. Meine Seele rief nach Hilfe, doch niemand antwortete mit Liebe und Verst├Ąndnis auf diesen schmerzvollen Schrei nach der heimischen Geborgenheit. So vergingen noch viele Wochen, ohne meine Eltern, trotz netter Behandlung durch die ├ärzte und Krankenschwestern, bis sich aus Psychologischen Gesichtspunkten mein Zustand stabilisiert h├Ątte. Statt meiner Eltern, kam immer h├Ąufiger die Frau Lindner vom Kinderheim, um mich zu besuchen. Irgendwie ahnte ich, dass man mir etwas verschwieg, wusste aber noch nicht, um was es dabei ging. Bis eines Tages mein behandelnder Arzt, Doktor

Klein, der Frau vom Kinderheim sein Okay-Zeichen gab, was es auch f├╝r mich zu bedeuten h├Ątte. Spontan durfte ich von einen auf den anderen Tag mit dieser komischen Frau mitgehen, ohne zu wissen wo hin mein Weg f├╝hrt. Das wurde mir bis dato weiterhin verschwiegen. Am 21 Oktober 1992 wurde ich dann mit 9 Jahre aus dem Kinderkrankenhaus, also nach 5 Wochen Ahnungslosigkeit und ohne das Beisein meiner Eltern entlassen. Ich wurde dann von Frau Lindner, mit einer Tasche voller Kleidungsst├╝cke in Empfang genommen und sollte mich anziehen. W├Ąhrend einer langen Autofahrt ├╝ber mehrere Stunden, erfuhr

ich dann, in etwas strengen T├Ânen, dass meine Eltern vor 5 Wochen durch einen Wildunfall verstarben und f├╝r immer von mir gegangen waren. Man gab sich mit der Suche nach meinen Verwandten viel M├╝he, konnte aber keine finden, die mir ein neues Zuhause bieten k├Ânnten. Somit wurde ich in einem staatlichen Kinderheim vor├╝bergehend aufgenommen und einquartiert. Mein bester Freund Ronny, mein einziges Zuhause war auf einmal alles verloren und es gab f├╝r mich kein Zur├╝ck mehr. Wir fuhren kurz an dem Grab meiner geliebten Eltern, um mich dort zu verabschieden, dann ging die Fahrt gleich wieder unentwegt weiter in eine Ungewissheit die ich an diesen

Tag am ganzen K├Ârper sp├╝rte. Eine Totenstille breitete sich in dem Fahrzeug aus und verstummte im leisen Motorenger├Ąusch. Mein Bewusstsein voller Schmerz, beherrscht von ├ängsten die meinen K├Ârper umgriffen und nicht mehr loslassen wollten. Mein Bestimmungsort lag in der Ungewissheit. Ich h├╝llte mich weiterhin in ein unendliches Schweigen und brachte kein Wort mehr ├╝ber meine eins kindlich l├Ąchelnden Lippen. Nach langer Fahrzeit und vielen Stunden kamen wir, weit nach Mitternacht an. Ein trostloser dunkler Ort und ich war schon so m├╝de, dass ich im Auto einschlief. Am vorderen Geb├Ąude konnte ich rechts und links von

der Eingangstreppe, zwei ged├Ąmpfte Laternen leuchten sehen, die mir den Namen meines neuen Zuhauses leicht schummrig deuteten. Eine kinderlose Stille hing ├╝ber diese kalten, sehr alten Gem├Ąuer, als w├╝rden sie mir zufl├╝stern wollen, geht nicht hinein? Eine eisige Herbstnacht, mit Minusgraden, begleitet von Schmerzen und Verlassenheitsgef├╝hle, verstrickt mit einer gewissen Angst umringt meinen ganzen K├Ârper. Kinderheim ÔÇ×SonnenscheinÔÇť Frankfurt Oder, konnte ich auf der Schrift des Hinweisschildes lesen. Ein kalter verbitterter Ort der wohl schon tausende hilflose Kinderseelen vor mir beherbergt hatte.

Sehr weit weg f├╝r einen 9-j├Ąhrigen Jungen, f├╝hlte ich im Innern meiner verwirrten Kindergedanken, der seine geliebte Familie bitterweh verlor. Ich war ein Junge, der nur Berge und gr├╝ne W├Ąlder, mit hohen Tannen im Blickpunkt hatte und das von Geburt an. Ich kannte bis dahin nichts au├čerhalb von Bad Felds. Ein altes rotes Backsteingeb├Ąude, bestehend aus 4 Stockwerken. Zum Teil mit noch vergitterten Fenstern aus der Nachkriegszeit, umwuchert von dunklen, schwarzen B├Ąumen und viele Efeuranken klammerten sich bis hoch an den Dachrinnen fest. Mauern und Fenstern deuteten auf eine d├╝steren Vergangenheit

und sollte von nun an mein einziges Zuhause werden, weit fern von meiner geliebten Heimat. Mich schauderte es in diesen Moment extrem. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieses Geb├Ąude mein neues Heim sein soll, w├Ąhrend ich m├╝de und ersch├Âpft die alte br├╝chige Betontreppe zum Eingang hinaufstieg. Ein karger, in hellgrau gef├Ąrbter riesiger Hausflur breitete sich vor meinen Augen aus. Vom Hauptkorridor f├╝hrten 6 T├╝ren ab und eine breite Betontreppe mit braun ├╝berstrichenen Fliesen f├╝hrte in die oberen Etagen dieser ├Âden Einrichtung. Nach dort oben brachte man mich in eines der sehr dunklen, stark nach Schwei├č riechenden Zimmer, wo ich

gleich vorn rechts an der T├╝r ein Bett zum Schlafen bekam. Es war schon bezogen, als h├Ątte man mich schon erwartet. Zumindest kam es mir in diesen Moment so vor. Leise konnte ich das Atmen und Husten vieler fremder Kinder im dunklen, stickigen Zimmer wahrnehmen. Es roch zum Teil nach Urin und anderer unangenehmer Ger├╝che die mir einstweilen zum w├╝rgen brachten. Ich zog meine Sachen soweit aus und verkroch mich lautlos unter meine Bettdecke. Viele Fragen blieben mir unbeantwortet, die mir in meinen Gedanken unentwegt herumschwirrten. Wie konnte ausgerechnet mir so etwas Tragisches widerfahren, dem ich nicht

gewachsen war. Traurigkeit und hoffnungslose Verzweiflung lie├č mich langsam m├╝de werden, so dass all meine Erinnerungen einfroren. Leise vor mich hin Weinen wiegte ich mich dann in den Schlaf. Am n├Ąchsten Morgen traute ich meinen Augen nicht, w├Ąhrend ein ├Ąlterer, mittelblonder, stabiler Junge an meine Bettdecke herumzerrte, um meinen Namen und Herkunft wissen zu wollte. Vierzehn Kinder, sieben Betten auf der rechten und sieben auf der linken Fensterseite, mussten sich dieses triste, kalte Zimmer teilen. Es kam mir vor als w├╝rde die deutsch/ deutsche Wende 1989 hier noch keinen Einzug gehalten

zuhaben. Vielleicht hatte man dieses Triste Heim einfach nur vergessen. Zumindest bemerkte man diese Wende vom Sozialismus zum Kapitalismus in unserer Heimatstadt schneller wie hier der Schein mir offenbart wurde. Alle Kinder, die ich sehen konnte, waren Jungen, die aus verschiedenen Altersgruppen und Herk├╝nften zu einem Haufen zusammengew├╝rfelt wurden. Zum gr├Â├čten Teil stammten sie von sozialschwachen Generationen, wie man aus der Umgangssprache entnehmen konnte. Ich f├╝hlte mich an diesen Ort ├╝berhaupt nicht wohl und bekam schon Bauchschmerzen. Die ├Ąlteren Jungen schienen hier das Kommando zu haben,

w├Ąhrend die J├╝ngeren nur kuschten und denen aus dem Weg gingen. Dieser ausweglosen Situation musste ich mich trotz meines Schweigens schnell anpassen, um nicht vor die Hunde zu gehen oder gemobbt zu werden. Schnell musste ich feststellen, dass meine Gedankenz├╝ge vom Wortschatz her sich den diesen Jungen widerspiegelten. Mit scharfem Verstand wollte ich mich diesen Umgangst├Ânen nicht so einfach unterwerfen. Meinen sprachgewandt, den mir meine Eltern beibrachten, wollte ich mir wegen diesen Kinderjargon nicht abgew├Âhnen, auch wenn es nur meine stillen Gedanken waren. Schnell stellte ich fest, dass ich wohl weitaus der

j├╝ngste dieser Gruppe war. Alle Jungen aus dieser Gruppe waren ab 13 Jahren bis 15 Jahren vertreten. Man lie├č verlauten, dass es f├╝r mich kein anderes Heim in meiner Altersgruppe gab. So brachte man mich wohl hier in dieses Heim unter. Zwischen den alten Metallbetten wurde jeweils ein weisfarbiger Blechnachttisch eingegliedert. An der T├╝rseite, wo sich auch mein Bett befand, standen 14 braun gestrichene Schr├Ąnke aus Blech und einem Holztisch dazwischen. Ein sehr gro├čes Zimmer mit einem Rundbogen- Fenster, sowie zwei gro├čen Fensterfl├╝gel und ein im Rundbogen liegendes Oberfenster, das denselben Bogen hatte.

Die schmiedeeisernen Fenstergitter haben schon ├╝ber Jahrzehnten keine Farbe mehr gesehen und rosteten erbarmungslos vor sich hin. Dennoch warf unser Zimmer einen dunklen Schatten durch den gesamten kargen, k├╝hlen Raum. Zwei sehr lange Rippenheizk├Ârper mit dicken Stahlrohren verschwei├čt, hingen rechts und links von dem Mittelfenster. Hellgraue alte Farben, mehrmals ├╝bereinander gestrichen bl├Ątterten allmehlig von den Heizk├Ârpern ab. Teilweise wackelten sie schon an den eingegipsten Halterungen, als wollten sie jenen Moment aus der Verankerung springen. Es befanden sich in diesem vergitterten Zimmer keine Teppiche oder

L├Ąufer und der graue Fu├čboden war schon stumpf vom vielen herumrennen der Kinder. Aber im allgemeinem war es ein ganz sauberes, optisch gesehenes Zimmer. Es ├Ąhnelte alles eher einem Jugendgef├Ąngnis, wie ich es aus dem Fernsehen kannte. Mit so einer Realit├Ąt wurde ich in meinem Leben noch nie konfrontiert und wollte es eigentlich auch nicht. Ich hatte mir fr├╝her so etwas nie richtig vorstellen k├Ânnen, dass es tats├Ąchlich heute noch solche Kinderheime in der ehemaligen DDR gab, wo zum Teil unschuldige Kinder eingewiesen wurden. Die ihre Eltern vielleicht auch durch tragische Unf├Ąlle verloren haben. Nun muss ich mich mit

solchen Dingen auseinander setzen und v├Âllig allein, ohne jegliche Hilfe, damit klar kommen. Das alles ohne meine Eltern und meinen besten Freund Ronny, wo wir einst unseren Schwur geleistet hatten. Vielleicht wusste er auch gar nicht, wo ich derzeit steckte. Wo man mir hin verschleppt hatteÔÇŽ Die Zimmerw├Ąnde zeigten sich mir in einem vergilbten Wei├č und schienen genauso wie die Heizk├Ârpers schon mehrmals ├╝berstrichen worden zu sein. Ohne ein Wort schwieg ich in stiller Trauer auf jede Frage, die man mir von Seiten der Kinder oder Erzieher stellte. Das erste, was ich an jenem d├╝steren Morgen erleben musste war, dass man

meine ganzen Sachen nach etwas Brauchbarem durchsuchte. Keine guten Vorstellungen f├╝r einen neunj├Ąhrigen. ├ängstlich blieb ich in meinem Bett liegen, um mir nichts anmerken zu lassen wie ich mich gerade f├╝hlte. Die lauten Unterhaltungen der Kinder schmerzten in meinen Ohren, bis diese im Einklang auf den nachhallenden Flur mehr und mehr verstummte. Zur├╝ck blieb ein abgestandener Geruch aus Schwei├č- und Urin. Eine Stille breitete sich ├╝ber das ganze Zimmer aus und lie├č die hoffnungslosen Gedankenz├╝gen der Kinder, die da verzweifelt sich nach ein wenig Geborgenheit sehnten, verstummen. Stimmen der Vergangenheit,

Kinder die in schmerzvollen stummen Schreien nach ihren toten Eltern riefen, aber sie dies vernommen wurden. Im selben Moment, als ich mich im Zimmer umsah, ├Âffnete sich die Zimmert├╝r, mit leicht quietschenden lauten. Eine mir unbekannte, fremde Heimerzieherin bat mich in barschen ton, sofort mein Bett zu verlassen und mich zu waschen, da es um 7:00 Uhr Fr├╝hst├╝ck gab. ÔÇ×Tr├Âdeleien dulden wir hier nichtÔÇť! Zwei Reinigungsfrauen, h├Ârte ich leise zu einander fl├╝stern. ÔÇ×Je schneller dieser Ahnungslose Junge zu anderen Leuten kommt, umso weniger bekommt er von diesen Zust├Ąnden mit!ÔÇť Mit vorgehaltender Hand meinte die andere.

ÔÇ×Er ist hier fehl am Platz und geh├Ârt ganz gewiss nicht in einem ErziehungsheimÔÇť! Kurzzeitig wischten sie in diesen Moment los, als ein Herr mit Krawatte zum Treppenhaus hinunter lief. ÔÇ×Schade um den Jungen.ÔÇť Tuschelte noch die eine zur anderen und wischte ├╝bereifrig das Gel├Ąnder der Betontreppe mit einen Feuchten Lappen ├╝ber. Ich schlich mich leise ├╝ber den kalten, dunklen Hausflur der oberen Etage entlang, fand aber keinen Waschraum. Schon leicht verzweifelt und nerv├Âs vor Aufregung lehnte ich mich an der Hellgr├╝nen Flurwand und ├╝berschr├Ąnkte meine Arme leicht Sakic. Erst ein etwa 15-j├Ąhriger Junge, mit kurz geschorenen

Haaren und stabiler gro├čen Figur f├╝hrte mich dann endlich zu einem der gro├čen Kombiwaschr├Ąume. Bestehend aus Wasch- und Duschecken und Toilettenabteilen. Der gro├če Waschraum hallte sehr laut und einzelne Wasserh├Ąhne der vielen nebeneinander liegenden Waschbecken tropften hallend vor sich hin. Die feuchten, alt verblichenen olivgr├╝nen Bodenfliesen und die gelbbleichen Wandfliesen, wiederspiegelten das von drau├čen eindringendem Tageslicht. Die vergitterten alten Glasfenster waren von der Feuchtwarmen Luft sehr beschlagen und begannen bereits den Dampf zu Kondensieren. Durch die Fenster konnte

ich teilweise die laublosen kargen Lindenbaumkronen im kalten Nebel des Morgens erkennen. Leichte Wasserdampfschwaden zogen in zerrissenen Nebelfetzen an der alten, vergilbten Waschraumdecke entlang. So nahmen sie ihren ziellosen Lauf zu dem alten kalten Glasfenster und kondensierten dort zugleich, mit der kalten, zugigen Au├čenluft. Einzelne ├Ąltere Wasserflecke befanden sich an der Decke, wo zum Teil noch ├╝berstrichende Tonrohre befestigt waren. Der ├Ąltere Junge, der mir den Waschraum zeigte, versuchte sich mit mir anzufreunden, w├Ąhrend er spontan ├╝bers mein Haar strich. Kein Mensch

war in der N├Ąhe und ich wusste nicht was der Junge von mir wollte. Er redete mit unverst├Ąndlichen Worten auf mich ein, die mich v├Âllig irritierten und ber├╝hrte mich an sehr peinliche stellen. Mit meiner Naivit├Ąt und den kindlichen 9 Jahren kannte ich solche Ber├╝hrungen nicht und f├╝rchtete mich vor diesem Jungen. Ich versuchte ver├Ąngstigt dieser schwierigen Situation in meiner Verzweiflung auszuweichen. Leicht weinend wollte ich mich diesen Jungen entrei├čen. Aber er lie├č nicht locker und das passierte mir schon an meinen ersten Tag in diesem Heim. ÔÇ×Lass mich los!ÔÇť Rief ich verzweifelt und zerrte an seinen Armen herum, w├Ąhrend er sein

h├Âhnisches lachen aufsetzte. ÔÇ×Du bist wohl neu hier und da hast du zu gehorchen!ÔÇť Br├╝llte er mich dem├╝tigend an, w├Ąhrend ich laut losweinte. Dann erst bekam er wohl Angst und verschwand unbehelligt aus dem d├╝steren Waschraum in Richtung Flur. ÔÇ×Vielleicht ein anderes Mal, ÔÇť Rief er im zynischen ton. bevor er restlos im Dunkel des Flures verschwand. Ich atmete erstmal tief durch und versuchte mich zu beruhigen. Konzentriert nahm ich aus meiner Waschtasche das notwendige Waschzeug, um mich kurzerhand zu waschen, um noch zeitig zum Fr├╝hst├╝ck zu kommen. Denn meine Bef├╝rchtung bestand auch darin, bevor

noch irgendein anderer Junge kommt und von mir ├Ąhnliches zu verlangen, worauf ich ├╝berhaupt keinen Bock hatte. Selbst mein Schweigen musste ich kurzzeitig wegen diesem Arsch brechen. Schoss es mir vorschreck durch den Kopf. Nachdem der fremde, gruselige Junge fort war, verirrte sich ein kleiner, blonder Junge, mit einer blau wei├čen Jacke auf den Flur. Der etwa 3 bis 4 Jahre alte Knirps wusste wohl nicht wo hin. ÔÇ×Ich sollte eigentlich bei den gro├čen M├Ądchen bleiben.ÔÇť Erkl├Ąrte er leicht lustig naiv, lief aber weg und fragte mich, ob ich ihn wieder dorthin zur├╝ckbringen k├Ânnte. Als ich ihm zusagte l├Ąchelte er mich spontan

strahlend an und nahm meine Hand. Er beschrieb mir diese M├Ądchen ganz genau. Ich dachte in diesem Moment an mein widerfahrenes Ereignis mit den Jungen, lieferte aber den Kleinen unverz├╝glich bei den zwei beschriebenen M├Ądchen ab. Durch sie erfuhr ich die Hintergr├╝nde, dass der Kleine Timmy Melker, aber nur f├╝r eine Nacht hier war. Seine junge Mutter Namens Claudia studierte und wusste nicht wohin mit ihm. Sie kannte aber wohl eine sehr gut Erzieherin und glaubte so, dass der Junge hier gut aufgehoben sei. Eine Weile schlich ich mich noch im kalten Treppenhaus herum. Es dauerte allerdings nicht lange, bis mich die

strengen Heimerzieherinnen, Frau Lindner, im Treppenhaus abfing, und mich zum Speisesaal f├╝hrte. Ihre Kurze Mitteilung lautete, dass ich um 10:00 Uhr einem ├Ąlteren Ehepaar vorgestellt werden sollte. Besondere Entscheidungen wurden an diesem Tag von der stellvertretenden Heimleiterin nicht mehr getroffen. So musste ich zusehen, wie ich mich allein hier einleben musste. Erst nach f├╝nf qualvollen Wochen voller ├ängste kam wohl ein leichter Lichtblick auf mich zu. Zwischen vielen rauchenden Kindern, Diebst├Ąhlen, Bedrohungen, Verpr├╝geln und wovor mich am meisten f├╝rchtete, k├Ârperlichen ├ťbergriffen wurden diese Strapazen beendet. Nur mit

Florian, ein 12-j├Ąhriger mittelblonder, zierlicher Jungen, verstand ich mich in diesem Kinderheim ganz gut. Am rechten Unterauge hatte er eine Narbe, durch einen Unfall mit 5. Lebensjahr. Erz├Ąhlte er mir mal. Mit Zeichensprache haben wir unsere Sp├Ą├čchen gemacht und dennoch gut verstanden. Weil ich nichts gesprochen habe wurde ich mit derweilen schon der schweigende Junge genannt. Es schien mir so, als w├╝rden die meisten Jungen, au├čer Florian mich meiden. Im Grunde genommen war es mir so recht gewesen. Vielleicht war es meinem Ehrgeiz und meine Zielstrebigkeit zu verdanken, dass ein Teil der Kinder Respekt vor mir erlangt hatten und mich

so akzeptierten wie ich war. Selbst eine von der Heimleitung beauftragte Kinderpsychologien konnte in dieser langen Zeit mein Schweigen nicht nachvollziehen und meinte, dass ich irgendwann von alleine los reden werde, wenn der Zeitpunkt gegeben ist. Eine Psychologische Einsch├Ątzung konnte nicht abgegeben werden. Aber auch eine geistige Erkrankung konnte zu 100 % vollkommen ausgeschlossen werden. Der Florian hatte einen ostdeutschen, kindlichen Dialekt, den man kaum verstehen konnte, wenn er mal schnell redete. Deshalb musste ich immer genau hinh├Âren, wenn er mir etwas aus seiner Heimatstadt, nahe der polnischen Grenze

erz├Ąhlte. Seine Lieblingsbesch├Ąftigung war das Malen und Zeichnen. Daf├╝r habe ich ihn immer bewundert. Viele Naturbilder aus seinen Heimatst├Ądten malte er sch├Ân nach. Nur in den schulischen Deutscharbeiten kam er absolut nicht klar und bekam auch keine richtige Hilfe. Er war Ronny vom Typ her sehr ├Ąhnlich, er war sehr ruhig, aber mental ausgeglichen. Manchmal erschien er mir unnahbar zu sein und gr├╝belte still vor sich hin, als sei er in andere Welten eingetaucht. Vielleicht eine Welt voller Hoffnung, Sehns├╝chte und elterliche Geborgenheit, die ich auch suchte. Er hatte aber eine sehr schwere Fr├╝hkindheit gehabt und wurde aus

seiner Familie vom Jugendamt herausgerissen. Aber schon nach einem Monat kam er zu einer guten Pflegefamilie. Ich w├╝nschte mir auch solche Pflegeeltern wie Florian sie bekam, aber nachdem was er mir aus seiner Kindheit, in Laufe der langen Abendstunden erz├Ąhlte, w├╝nschte ich ihm alles Gl├╝ck der Welt, eine neue Familie zu haben, wie ich sie einst hatte. Ich h├Ârte seit seiner Vermittlung nichts mehr von meinem zweiten guten Freund, wie wir uns mit der Weile nannten. Wir pr├Ągten uns in nur kurzer Zeit zu einer kleinen Familien├Ąhnliche Freundschaft, um nicht v├Âllig allein zu sein. Nach einer Weile hatte ich die Chance

bekommen und wurde zu einer Pflegefamilie, in der N├Ąhe von Berlin hin vermittelt. Diese Familie hatte einen un├╝berh├Ârbaren Berliner Dialekt und war offensichtlich noch stolz darauf. Aber das interessierte mich nur wenig, weil ich diesen Dialekt nicht leiden konnte. Ich war zu dieser Zeit vollkommen ├╝berm├╝det und ver├Ąngstigt, dass mir trotz meines unaufh├Ârlichen Schweigens meine Augen zufallen k├Ânnten. So gew├Âhnte ich mich schnell an einen leichten Schlaf, um jeder Zeit wachsam zu sein. Schon mal lag es an diesen vielen ├Ąlteren Jungen aus dem Heim, welche au├čer Gewalt, Dem├╝tigungen und Einsch├╝chterungen nichts anderes

konnten. Eine gewisse Familie, mit Namens Hagenow, sollte vorerst meine erste Pflegefamilie werden. Auf eine gewisse Art gefiel mir dieser Gedanke. Zu mindestens kam ich so nach 5 Wochen aus meinem Kindergef├Ąngnis. In dieser Pflegefamilie befanden sich bereits drei weitere ├Ąltere Pflegekinder, die mir in so weit besser gefielen, wie einige aus dem Heim. Trotz meines Schweigens gefiel es mir eigenerma├čen bei der Familie Hagenow. Obwohl sich jeder um mich bem├╝hte, erschien es mir so, als w├Ąre es keine richtige Familie. Eher ├Ąhnelte es einer Zusammengew├╝rfelten Wohngemeinschaft. Mit einen Jungen

Namens Frank, der meinem Freund Ronny ein wenig glich, wohnte ich zusammen in einem ausgebauten Kinderzimmer unterm Dach des Einfamilienhauses. Er war 12 Jahre und wir verstanden uns einigerma├čen gut. Er hielt mein Schweigen f├╝r kindisch und versuchte hin und wieder mit ein paar Witzen mich zum Reden oder zum Lachen zu bringen. Zu mindestens gab er sich gro├če M├╝he mich zum Reden zu animieren. Zwei M├Ądchen, Tanja und Aischa ein T├╝rkischer M├Ądchen mit T├╝rkischer Herkunft, besa├čen ein Zimmer schr├Ąg gegen├╝ber von uns. Beide waren 11 Jahre alt und verstanden sich ebenfalls ganz gut. Wir h├Ârten sie des

├ľfteren am sp├Ąten Abend lachen und erz├Ąhlen ├╝ber diese und jene Themen. Wir verfolgten ihre Gespr├Ąche in Zweisamkeit und am├╝sierten uns oft dar├╝ber, ├╝ber welche Themen sie kichernd plauderten. Unsere Kinderzimmer waren durchschnittlich einfach eingerichtet und mit dem gr├Âbsten ausgestattet. Die W├Ąnde waren sehr d├╝nne, so dass man fast jedes Wort verstehen konnte. Ein WC lag auf den gleichen Oberflur mit einem kleinem Dachfenster und hellblauen Fliesen. Rechts von der Badt├╝re war eine Duschkabine eingebaut und links davon stand die Toilette ebenfalls in Hellblau gehalten. Es war sauber und gem├╝tlich

klein gehalten. Neben der Toilette war ein Hellblaues Handwaschbecken mit einem dar├╝ber h├Ąngenden Spiegelschrank f├╝r unser Waschzeug. Zwischendurch erfuhr ich von Frank, dass noch ein anderer Junge vor mir, mit Namen Rene hier lebte, der fast so wie ich aussah. Aber wegen seiner Leukemieerkrankung, kam er in einer Schweizer Spezialklinik. Er starb vor einem Jahr, Anfang 1991 an die Folgen seiner schweren Krankheit mit 11 Jahren. Dadurch wurde f├╝r mich dieser Platz hier frei. Sein Tot fiel mir sehr schwer. So hatte man mir wohl ohne Probleme aufnehmen k├Ânnen, sonst w├Ąre ich wom├Âglich noch immer in diesem schlechten Kinderheim.

Gesellschaft oder Familienspiele gab es w├Ąhrend meines Aufenthaltes in dieser Familie nicht. F├╝r uns gab es Schule, Essen und Alleinbesch├Ąftigungsspiele oder man schlief. Man tat uns nichts B├Âses an und k├╝mmerte sich so gut wie es ging um uns. Da Frank ├Ąlter war passte er w├Ąhrend der Schulzeit stehst auf mich auf. Manchmal musste ich selbst staunen, wenn er sich f├╝r mich wie ein gro├čer Bruder einsetzte. Dabei hatte ich eigentlich noch nie ein Bruder gehabt und selbst mit Ronny war es vollkommen anders. Frank lie├č wohl nicht zu, dass mir was wiederfahren k├Ânnte. Vielleicht lag es auch an den Tot

von den kleinen Rene. Er war auch 9- 10 Jahre alt und somit auch viel j├╝nger. Dennoch hatte ich nie ├╝ber die Missbr├Ąuchlichen ├ťbergriffe im Kinderheim erz├Ąhl und verschwieg diese Peinlichen Ereignisse vollkommen. Aber wie sich Frank f├╝r mich einsetzte fand ich sau cool. Ich passte mich dieser Familie so gut wie m├Âglichst an. Sie schienen mich so stumm wie ich auch war zu verstehen und akzeptierten sogar mein naives Schweigen. Als sei ich schon immer stumm gewesen, lie├čen sie mich in Ruhe. Das zeugt aber von guten Kenntnissen mit Kindern umzugehen. Auch wenn wir alle 4 nur Pflegekinder waren. So f├╝hlte

ich mich im Gegensatz zum vorigen Heim viel sicherer hier und etwas geborgener. Zu mindestens wusste ich bis dahin nicht viel ├╝ber die Chronik dieser Pflegefamilie. Aber um das zu verstehen war ich wohl noch zu jung. ÔÇŽ Frank sagte mal zu mir, als wir an einen Abend im Bett lagen, dass er schon seit ├╝ber 3 Jahren in dieser Familie lebte. Er wurde vom Jugendamt aus seiner Familie gerissen, aber ansonsten hielt er sich wegen seiner Herkunft sehr bedeckt. Zu mindestens hatte er es mal kurzzeitig angesprochen, aber ich konnte ja wegen meines Schweigens nichts erz├Ąhlen. Die beiden M├Ądchen, Tanja und Aischa, wurden erst viel sp├Ąter bei den

Hagenows aufgenommen. Er glaubte 1991, nach dem Tod von Rene, war sich aber nicht ganz sicher mit dem Jahr. Nun war ich schon 4 Wochen in dieser Familie und musste meinen zweiten Tiefschlag am 23. Dezember 1992 erleiden. Diese spontane Entscheidung fiel dem Jugendamt ein Tag vor Heiligabend ein. Was f├╝r eine gro├če Entt├Ąuschung, wo wir uns alle gerade auf das Weihnachtsfest einstellten. Aus Erz├Ąhlungen wusste ich, dass es keine gro├čartigen Geschenke gab, aber die Freude war f├╝r uns so gro├č ausgepr├Ągt und wichtig. Mein gem├╝tliches Heim bei der Familie Hagenow hielt somit nicht sehr lang,

denn durch eine Jugendamtsbeh├Ârden├╝berpr├╝fung, in Sachen finanzieller Absicherungen, stellte man bei der Familie Hagenow eine Veruntreuung von Kinder- und Pflegegeldern fest. Das vom Staat geleistete Geld f├╝r Waisenkinder in Pflegefamilien wurde zweckentfremdet und f├╝r Immobiliengrundst├╝cksk├Ąufe verwendet. Man k├Ânnte auch dazu sagen, f├╝r Immobilienspekulationen verzockt und nicht f├╝r die unter Obhut stehenden Pflegekinder verwendet. Diese Neuigkeiten erfuhr ich durch meinen Zimmerkameraden Frank, bevor sich unsere Wege f├╝r immer trennten. Zwischenzeitlich landete ich dann in

einer weiteren Pflegefamilie, wo ich viele Wurstwaren zum Essen bekam und in einer kleinen Privatmetzgerei f├╝r diese Waren noch arbeiten musste. Bis zum Sommer 1993 kam ich noch in eine weiteren, unangenehme Pflegefamilien, wo ich st├Ąndig verpr├╝gelt wurde und in einige andere Kinderheime, wobei ich von diesem Heim mit nur ausl├Ąndischen Kindern mehrmals weglief und durch die Polizei wieder aufgegriffen wurde. Nun habe ich schon fast 1 Jahr meines jungen Lebens, getrennt fern von meiner Heimat leben m├╝ssen. Den einst gl├╝cklichen Jahren daheim entrissen, f├╝r eine ├╝berforderte kinderfeindliche Verwaltungspolitik,

woran ich als ungesch├╝tztes Kind nur gelitten hatte und meine stillen Hilferufe niemand von den Erwachsenden vernehmen wollte. Das einzige was man tat, war eine Namenslose bezifferte Kinderakten anzulegen. Keine Liebe oder Geborgenheit zu bekommen zerrte sehr an meiner kleinen Kinderseele. Manchmal dachte ich in stillen Stunden ob es nicht besser w├Ąre tot zu sein, als noch weiter in irrgendeinem Kinderheim zu versauern. Seit dem Tod meiner Eltern verlor ich nach und nach an Gewicht, hervorgerufen durch das st├Ąndige hin- und herrei├čen, vom einen zum anderen Erwachsenen und von ein Heim in das andere. Sollte das nun mein Leben sein,

fragte ich mich, w├Ąhrend ich um mich die weite Ferne sah und nirgendwo einen Hauch von Bergen ersichtlich wurde. Die mich vielleicht in den schweren Stunden an meiner geliebten Heimat erinnern. Um mich herum erstreckte sich nur ein flaches, ├Âdes Land, ohne meine geliebten Berge. Noch 9 schwere Jahre im Heim standen mir bevor, bis ich mein 18. Lebensjahr erreichen w├╝rde. ÔÇŽ Trotz vieler Therapien von mehreren Psychologen, wurde mein stilles Schweigen nicht besser. Im Gegenteil hat es sich schon verselbstst├Ąndigt, dass ich es selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ratlosigkeit umh├╝llte die Psychologen und Erzieherinnen w├Ąhrend

jeder Sitzung, die ich ├╝ber mich ergehen lassen musste. So wurde eines Tages von den Psychologenrat und dem Jugendamt beschlossen, mich aufgrund meiner gef├Ąhrdeten Gesundheit in ein Heim in den Bergen, Harz unterzubringen. Gute Menschen setzten sich daf├╝r ein um ein gef├Ąhrdetes Kind zu Retten. Dieses private Kinderbergheim sollte meine Genesung best├Ąrken und meiner Heimatumgebung ein wenig n├Ąher bringen. Die lange ├ťberfahrt wurde auf 6 bis 8 Stunden mit Zwischenpausen von den Psychologen und der Jugendf├╝rsorge zugestimmt und vorbereitet, dass keine Gesundheitlichen Gef├Ąhrdungen eintreten k├Ânnen.

Am 12. September 1993 stie├č ich dann mit 9 Jahren, auf die erste Erzieherin, die sich wirklich f├╝r mein Wohlbefinden interessierte, sich bem├╝hte und mich umsorgte. Ich kam in ein spezielles Kinderheim, mit dem Namen ÔÇ×Kinderheim Sophien ÔÇô H├ÂhenÔÇť in der kleinen Stadt Feldsstein Harz und lernte zum ersten Mal eine sehr nette Kinderheimerzieherin und Leiterin, namens Frau Sophie H├Âhen, kennen. Dieses h├╝bsch gepflegte Kinderheim war f├╝r Frau H├Âhen und ihren Mitarbeitern eine Lebensaufgabe f├╝r Waisenkinder wie in meinen Fall geworden. Die sch├Âne Idyllische Umgebung und Gestaltung der privaten

Einrichtung best├Ąrkte meinen Herzenswunsch, doch noch eine richtige Pflegefamilie zu bekommen. Viele Ortseinwohner der Stadt unterst├╝tzten dieses liebgewonnene Kinderheim der Frau Sophie, wo sie nur konnten. Die Frau H├Âhen hatte in der Gesamten Umgebung einen sehr guten Ruf. Sie war eine sehr intelligente hoch angesehene Pers├Ânlichkeit geworden und lebte schon ihr ganzes Leben in dieses St├Ądtchen. Ob es nun finanzielle, materielle Spenden und Hilfen waren, das Heim war f├╝r zus├Ątzliche Leistungen immer dankbar. Als Dank wurde einmal im Jahr, zur Sommerferienzeit, von den Waisenkindern und einigen Erzieherinnen

ein gro├čes B├╝hnenst├╝ck auf der st├Ądtischen Freilichtb├╝hne von Feldsstein aufgef├╝hrt. Den Leuten schien das zu gefallen, so dass man daraus eine Art Dorffest machte. Die Kinderheimleiterin war, eine ├Ąlteren grau melierte Frau Sophie H├Âhen. Diese Frau verwaltete, das zwar streng, aber auch liebevoll gef├╝hrtes Waisenheim. F├╝rsorglich setzte sie sich f├╝r alle belange ihrer Waisenkinder ein. Frau Sophie, als Gr├╝nderin des Waisenheims Sophie-H├Âhen, war Ende f├╝nfzig, ein wenig mollig, lustig sowie einfach gekleidet. Ihre schwarzbraune Brille hing immer an einer goldenen Kordelschnur um ihren Hals und ihr Gesicht wurde durch viele

Lachf├Ąltchen gepr├Ągt. Wenn sie dann ein Schriftst├╝ck las, setzte sie nie die Brille auf die Nase sondern nahm sie nur in die Hand und hielt sie sich vor den Augen. Sie war eine gerechte, geduldige Frau f├╝r uns Kinder, aber sie duldete keinen Diebstahl oder Pr├╝geleien in ihrer Kinderheimeinrichtung. Sie gab uns Kindern immer ein wenig heimische Geborgenheit und h├Ârte unseren kleinen Problemen gerne geduldig zu. Gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn zwischen uns Waisenkindern die Z├╝ge der Depressionsphasen durch drangen, half sie uns, diese schwierigen, elternlosen Zeiten zu ├╝berwinden. Ich lebte mich in der Zwischenzeit ein, aber es brach mein

Trauerschweigen, trotz mancher Aufmunterungen durch einige Erzieherinnen nicht. Wir lebten zu viert in einem Zimmer und kamen gut miteinander klar. Unsere, im Th├╝ringer-Bauernstiel eingerichteten Zimmer befanden sich in der obersten Etage, mit noch drei weiteren Kinderzimmern, die mit etwas ├Ąlteren Jungen belegt waren. Dennoch musste ich feststellen, dass in diesem Heim die gleichen Regeln bestanden, Jungs getrennt von den M├Ądchen unterzubringen. So bewohnten 12 Jungen den obersten Stock und 8 M├Ądchen das mittlere Heimstockwerk, w├Ąhrend sich die Waschr├Ąume und Speiser├Ąume im unteren Erdgeschoss

befanden. Trotzdem ├Ąhnelte der Speisesaal den staatlichen Heimen sehr, wobei man gleich sah, dass sich die Altersgruppen jeweils von links nach rechts, in den Etagen aufteilten. Da sich unser Zimmer oben links von der Treppe befand, waren wir die j├╝ngsten Kinder in diesem Heim und die M├Ądchen die ├Ąlteren. So war ich mit meinen 9 Jahren nur 11 Monate j├╝nger wie der Thomas Brehme und somit der j├╝ngste von den ganzen Jungs, wovon ich sehr profitierte. Frau Sophie H├Âhen arrangierte sich gegen die staatlichen Beh├Ârden f├╝r ein sicheres und schnelles Vermittlungsverfahren der Kinder an Pflegefamilien. Man machte es ihr nicht

gerade einfach und versuchte somit, das private Waisenkinderheim in staatliche Verwaltung zu zwingen. Aber Frau H├Âhen als Witwe, hatte von ihrem verstorbenen Ehemann, als ehemaliger Amtsdirektor und Immobilienmakler sehr viel Verm├Âgen vererbt bekommen und dazu noch die Kontaktbeziehungen zu hochrangigen Pers├Ânlichkeiten. So gelang es einigen Beamten nicht, das private Kinderheim durch Intrigen oder Schlechtmachen der Heimkinder, die Verwaltung durch staatliche Hand zu ├╝bernehmen. So erz├Ąhlte uns Frau Sophie, wie wir sie immer nannten, eines Abends eine Geschichte, die sich in der Vorweihnachtszeit, Dezember 1991, auf

dem Weihnachtsmarkt in Feldsstein abgespielt hatte. Sie setzte sich dazu gem├╝tlich auf ihren alten, rotbraunen Sessel, w├Ąhrend wir uns um sie herum hockten oder sa├čen, um so ihrer Geschichte mit Neugierde zu lauschten. ÔÇ×Es war kurz vor der Weihnachtszeit im Dezember 1991 und ein sehr kalter, verschneiter Vorweihnachtsabend auf unserem Weihnachtsmarkt, mitten im Stadtzentrum.ÔÇť Fing sie an zu erz├Ąhlen und r├╝ckte ihre Brille zurecht. ÔÇ×Unsere Kinder und Frau Stein, unsere Chorleiterin, bereiteten sich gerade auf einen Spendenbasar mit wundersch├Ânen, alten Th├╝ringer-Weihnachtsliedern vor, denn sie sollten, wie jedes Jahr, auf dem

gro├čen Weihnachtsmarkt singen und Fr├Âhlichkeit verbreiten. Wir hatten es immer so gehalten, dass ein Teil der Spendengelder direkt an bed├╝rftige Pflegefamilien von unserem Heim abgef├╝hrt wurden. Unter der Leitung von der Erzieherin, Frau Stein, sangen die vier M├Ądchen und Jungen im mehrstimmigen, harmonischen Einklang wie die Nachtigallen und erfreuten somit die Herzen der Stadtbesucher und Bewohner. Es breitete sich ├╝ber den ganzen Weihnachtsmarkt eine heimische, friedliche, idyllische und besinnliche Weihnachtsstimmung aus, die alle Leute mit sich riss. Es kamen sogar einige Musikproduzenten, die unseren

ber├╝hmten Chor unter Vertrag nehmen wollten und gro├če Touren planten. Aber das ging nicht so einfach, wie man es sich vorstellte, denn einige Kinder besa├čen ja noch Elternteile, die daf├╝r keine Zustimmung gaben. W├Ąhrend die Kinder so sch├Ân sangen, lief unsere damals j├╝ngste, 6-j├Ąhrige Melissa, mit ihren h├╝bschen, blonden, lockigen Haaren und einem Engelskost├╝m mit einer Heimspendendose herum und sammelte dann die Spendengelder ein.ÔÇť Frau Sophie unterbrach an dieser Stelle, um sich neu zu sammeln. Nach einer kurzen Bedenk pause fuhr sie dann fort mit ihrer spannenden Geschichte, w├Ąhrend wir alle aufmerksam zuh├Ârten.

ÔÇ×Melissa kam, wie unser Fabian, als Vollweise in unser Heim und wurde aber schon im Januar 1992 zu einer sehr netten und liebevollen Pflegefamilie gegeben, wie bereits schon viele Kinder vor euchÔÇť, f├╝gte sie noch hinzu und setzte ihre Erz├Ąhlung mit Spannung fort. ÔÇ×W├Ąhrend unsere Kinder so sch├Ân sangen, liefen derweilen fremde Kinder in der Stadt umher und sammelten, fast bettelnd mit selbst angefertigten Dosen, ... Spendengelder im Namen unseres Heimes ein. Ich war sehr entsetzt, von diese b├Âse angestifteten Tat, nur um unserem Heim im Verruf zu bringen und entsetzlichen schaden zu zuf├╝gen!ÔÇť Vor lauter ├ärger unterbrach Frau Sophie

diese Erz├Ąhlung und wischte sich mit ihrem Taschentuch einzelne Tr├Ąnen aus den Augen. ÔÇ×Am n├Ąchsten Abend rief schon der B├╝rgermeister und Stadtvorsitzende bei mir im B├╝ro an, da dieser Vorwurf bereits in der Tageszeitung ver├Âffentlicht wurde. Es gab viel angesch├╝rten ├ärger in unserer Stadt und unser Vertrauen war vorerst dahin. Unserem Chor wurde f├╝r die Zukunft das Singen in der Stadt untersagt, bis sich alles aufkl├Ąren w├╝rde. Jedoch wurde der Antrag vom stellvertretenden B├╝rgermeister, Herrn Mainhart, der schon immer was gegen unser Heim hatte, auf staatliche Kontrollen und ├ťbernahmen vor der

st├Ądtischen Aufsichtskommission, durch den amtierenden B├╝rgermeister, Herrn Vogtl├Ąnder, abgewiesen und eine Untersuchung gegen Herrn Mainhart angeordnet, die alles restlos aufkl├Ąren sollte. Durch die Verfahrenseinleitung wurde festgestellt, dass Herr Mainhart die fremden Kinder gegen unser Heim aufgewiegelt hatte, um f├╝r die Stadtkasse bei Heim├╝bernahme, ├╝ber die Gemeindekassen, pro ├╝bernommenem Heimkind, monatlich 1.865,-- DM Zusch├╝sse bekommen. Der Herr Mainhart trat nach Ver├Âffentlichung dieses Urteils von seinem Amt zur├╝ck und es wurde ihm eine gewaltige Geldstrafe auferlegt.ÔÇť Mit diesem Satz beendete Frau Sophie

H├Âhen ihre spannende Geschichte, die wir vor lauter Aufregung noch weiter h├Âren wollten. ÔÇ×Kinder ich m├Âchte euch noch diesen Satz hinzuf├╝gen, dass nach dieser ganzen Boshaftigkeit, unser Chor wieder singen durfte und man auch den Glauben an unser Kinderheim nicht verlor.ÔÇť So beendete Frau Sophie diesen sch├Ânen Abend mit den Worten. ÔÇ×Dass hier noch kein Kind im Stich gelassen wurde und b├Âse Menschen uns nichts anhaben werden. Daf├╝r habe ich mich StehtÔÇÖs eingesetzt und werde es auch immer wieder tun.ÔÇť Mit der Weile kam ich ein wenig ├╝ber den Tod meiner Eltern hinweg und fand mich mit meinem Schicksal nicht allein

gelassen. Meine schulischen Leistungen wurden St├╝ck f├╝r St├╝ck besser. Ich lernte mit den Tot meiner Eltern umzugehen und klar zu kommen. Somit haben sich eines Tages meine Meinungen gegen├╝ber diesem Kinderheim, wegen meiner schlechten Erfahrungen ge├Ąndert. Von Frau Sophie und Frau Stein wurde ich wegen meines Fortschritts sehr gelobt. Ich entschied mich nach dieser ehrlichen Belobigung, nach fast eineinhalb Jahren mein Schweigen zu beenden. An diesem Tag waren unsere f├╝nf Erzieherinnen und Frau Sophie so richtig gl├╝cklich ├╝ber den Erfolg, mein Vertrauen gewonnen zu haben. So vernahmen sie zum ersten Mal meine zart

klingende Kinderstimme, wobei man gleich das Rollen des R- Lautes in meinem Dialekt heraus h├Ârte. Diesen kindlichen Dialekt, meinten sie, hatten sie schon seit vielen Jahren hier nicht mehr geh├Ârt. Dieser Akzent tat es den Erzieherinnen wohl an, dass selbst ich l├Ącheln musste. Mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht gratulierte man mir f├╝r mein vertrauliches Entgegenkommen. Es dauerte auch nicht lange, bis Frau Stein, unsere Chorleiterin, meine musikalischen Interessen f├╝r Klavier und Gesang f├╝r ihren Kinderheim-Chor entdeckte und sie mich bat, dem beizutreten. Ich f├╝hlte mich seit diesem Angebot so richtig

geschmeichelt und war stolz darauf. Nun wurde ich zum ersten Mal gebraucht und konnte diesem Kinderheim und den Erzieherinnen etwas zur├╝ckgeben, f├╝r die ganzen Bem├╝hungen. Ich fand in meinen drei Mitbewohnern Karsten, Franki und Fredi neue Freunde, da wir alle fast im gleichen Alter waren und gerade noch in dieselbe Klasse gehen durften. Im selben Zeitraum hatte ich die Gedanken und einige Erinnerungen an meinen Freund Ronny Bergmann ein wenig verdr├Ąngen k├Ânnen. Ich verga├č ganz und gar, dass ich einst aus meiner geliebten Heimatstadt, Bad Felds, unerwartet herausgerissen wurde und dort nicht nur meinen besten Freund, sondern auch

meine Eltern zur├╝cklassen musste. Ich hatte Ronny nun seit ├╝ber eineinhalb Jahren nicht mehr sehen k├Ânnen und wusste auch nicht, wie es ihm ging. Wir konnten uns damals nicht einmal verabschieden. Vielleicht wusste er auch nicht, wo ich untergebracht wurde und wo ich nun wohne. Ein letzter, trauriger Gedanke umgriff im selben Moment meinen K├Ârper, weil ich meine einzige, wahre Familie durch diesen tragischen Unfall f├╝r immer verloren hatte und ich mich Hilfe suchend nach so einer f├╝rsorglichen Familie sehnte. Die Tage liefen dem Sommerende 1994 zu und das Kinderheim unternahm, trotz vieler Intrigen, H├Âhen und Tiefen, viel mit uns

Kindern. Mein 11. Geburtstag fand zum zweiten Mal in einem fremden Kinderheim statt. Die Zeit verfloss so schnell wie sie kam, durch viele Besch├Ąftigungen an unseren Sommerspielen, Grill und Badetagen. Zwei Jahrestage ist es nun her, an dem meine Eltern verstarben und lag mir sehr schwer im Magen. An diesem 14. September 1994 f├╝hlte ich mich ├╝berhaupt nicht wohl in meinem Herzen. Trotz der vielen Bem├╝hungen meiner Freunde und den gef├╝hlvollen Zuwendungen meiner Erzieherinnen, gelang es niemanden, mich auf irgendeiner Art aufzumuntern. Da musste ich wohl selbst durch, diesen seelisch,

schmerzhaften Tag, ohne die Hilfe der anderen zu bew├Ąltigen, denn in dieser Nacht, vor zwei Jahren, verstarben meine Eltern. Einen Tag sp├Ąter fiel unserer Heimleiterin, Frau Sophie, eine sehr gute L├Âsung ein. Diese L├Âsung sollte mich eventuell umstimmen und mit neuer Hoffnung f├╝hlen. Da in unserem Kinderheim nur weibliche Erzieherinnen besch├Ąftigt waren und ich nach Einsch├Ątzungen von vielen Kinderpsychologen ein Vater bezogenes Kind war. Diese L├Âsung schien die nahliegenste zu sein. Trotz vielen ├ťberlegungen und Beratungen brachte man mich versuchshalber mit einer Familie zusammen, die schon sehr viel

Kindererfahrungen hatte und f├╝r unser Heim vieles gute getan hatte. Ende September 1994, vielleicht 2 Wochen nach dem zweiten Todesjahr meiner Eltern, wurde ich von Frau Sophie einem Ehepaar vorgestellt, das keine Kinder aus gesundheitlichen Gr├╝nden bekommen konnte, aber wegen ihres Alters, Mitte drei├čig, kein Baby mehr adoptieren konnten. Das war f├╝r Frau Sophie die L├Âsung, da sie dieses Ehepaar schon seit vielen Jahren kannte und dabei f├╝r mich eine Chance sah, in einer Familie neue Zukunftsperspektiven zu finden. So brach f├╝r mich der erste Tag zu einer neuen Kinderepoche an. Sie hie├čen mit Namen Peter und Ingrid

H├Ânicke und waren geborene Feldssteiner, mit einem leichten Th├╝ringer- und Hochdeutschen Sprachdialekt. W├Ąhrend aber ihre Zugangssprachen mehr nach Hochdeutsch geklungen hatte. Sie schmunzelten mir bei meiner Vorstellung leicht entgegen, da mein R-rollend betonter Dialekt eher aus der Gegend Erzgebirge herstammen, was ja eigentlich meine Heimat war. Zumindest fanden sie meinen kindlichen Dialekt sehr r├╝hrend, statt eines krassen, s├Ąchsischen Dialektes, aus der Gegend von Leipzig. Peter H├Ânicke war ein gro├čer mittelblonder, sportlicher Mann, um die drei├čig und hatte ein nettes, freundliches

Auftreten mir gegen├╝ber gezeigt. Ingrid war nicht so sportlich und trug schulterlanges, leicht gewelltes, mittelblondes Haar, war aber von vornherein sehr lustig und humorvoll aufgetreten. Beide traten sehr sicher und selbstbewusst auf. Peter war im Immobilienunternehmen t├Ątig. Gleichzeitig war er teilhabender Gesch├Ąftsf├╝hrer eines gro├čen Ost-Unternehmen, w├Ąhrend Frau H├Ânicke in der Versicherungsbranche als selbstst├Ąndige Unternehmerin f├╝r dieselbe Firma t├Ątig war. Was mir gleich an den beiden auffiel, war ihre Offenheit, mit der sie mir entgegen traten. So konnte ich den starken

Kinderwunsch des Ehepaars im Herzen sp├╝ren, wobei ich selbst leichte Geborgenheitsgef├╝hle vernahm. Sie besa├čen ein h├╝bsches Haus in Feldsstein, was dem meiner Eltern von Fr├╝her sehr ├Ąhnelte, aber fiel kleiner war. Diese Familie sagte mir von Anfang an zu und ich durfte dann 4-mal in der Woche Herrn und Frau H├Ânicke zum n├Ąheren Kennenlernen am Nachmittag besuchen. Familie H├Ânicke, die nat├╝rlich nichts an Unternehmungen auslie├č, umgarnte mich sehr, um mich so richtig kennenzulernen, mit all meinen Magen und guten Seiten. Sie schienen sehr viel Spa├č mit mir zu haben. Ein Kind f├╝hlt solch ein vertrauen schnell. In der ersten Zeit war Frau

Stein noch dabei und brachte mich zu der Familie H├Ânicke. Sie brachten mir das Klavieren Spielen bei. Ich war schon immer begeistert von Tasteninstrumente und sah darin f├╝r mich eine Herausforderung. Das schwarzbraune ÔÇ×ZimmermannÔÇť-Klavier wollte ich unbedingt voll beherrschen. Frau H├Ânicke, wie ich erkennen konnte, schien eine sehr begeisterte Pianistin zu sein und fand meine ersten ├ťbungsversuche ganz toll. Ingrid H├Ânicke spielte so richtig nach Noten, was wiederum mir sehr schwer fiel, da ich heimlich nur nach meinem Geh├Âr spielte. Durch einen Test konnten sie es aber herausfinden, da sie mir einen

Notentext vorlegten, dessen Melodie ich zwar kannte, aber nicht die richtige Reihenfolge der Noten konnte und nur so getan hatte, als w├╝rde ich sie kennen. Nach einigen Wochen schwerer Bem├╝hungen gaben Frau Ingrid und Frau Stein auf und sagte nur: ÔÇ×Fabian, deine Melodien h├Âren sich ja ganz gut an, solange sie nicht nach Noten gehen, aber wir sollten es doch nicht mehr so in den Vordergrund stellen wie bisher.ÔÇť Diese Entscheidung war f├╝r mich die Erl├Âsung, endlich von den Notenspielen wegzukommen und ich f├╝hlte mich daraufhin erleichtert. Den Druck unbedingt nach Noten zu spielen fand ich etwas doof. Diese Redensarten von Frau

Ingrid ├Ąhnelten sehr dem meiner Eltern, wodurch ich mich immer heimischer bei der Familie H├Ânicke f├╝hlte. Der Wechsel zwischen dem Kinderheim und meinem neuen Familienheim fiel mir nicht mehr so schwer, wie anf├Ąnglich, wo ich die Pl├Ąne der Erwachsenen noch nicht verstanden hatte, was man eigentlich bezwecken wollte. Dennoch lie├čen meine inneren Gef├╝hle wegen der schlechten Erfahrungen noch kein reines vertrauen zu. Wie Frau Sophie H├Âhen mal sagte, w├Ąre es ein langwieriger Prozess, der noch eine ganze Weile andauern w├╝rde. Im Innersten w├╝nschte ich mir so eine nette Pflegefamilie von Herzen, da sie sehr viele Gef├╝hle f├╝r mich aufwendeten,

zeigt mir, das sie es ernst meinten. Aber jedes Mal wenn ich am Abend zum Heim zur├╝ck musste, fing ich an traurig zu werden. Ich bekam dann in dem dunklen Zimmer ├ängste, wieder in das Frankfurter Kinderheim zur├╝ck zu m├╝ssen. So wurde ich oft durch meine Albtr├Ąume, zitternd aus meinem Schlaf gerissen und konnte mich am anderen Tag nicht mehr beruhigen. Ich schaute den ganzen Tag lang nur noch stumm aus meinem Zimmerfenster, um mir ein wenig heimatliche Erinnerungen vorzustellen. Den Erzieherinnen fiel mit der Weile mein ├Ąngstliches Verhalten auf. Dann versprachen sie mir hoch und heilig, dass ich nie in ein anderes

Kinderheim kommen werde, Frau H├Âhen w├╝rde so etwas nie zulassen. So machte man sich Gedanken dar├╝ber, wie man meine Albtr├Ąume bezwingen k├Ânnte und Frau Sophie erteilte mir die vor├╝bergehende Erlaubnis, dass ich ├Âfters bei der Familie H├Ânicke ├╝bernachten k├Ânnte wie vorgesehen. Ich hatte durch eine Erzieherin erfahren, dass Familie H├Ânicke f├╝r mich ein Kinderzimmer in ihrem Haus eingerichtet hat. Bis zum Weihnachtsfest 1994 schlief ich mehr bei den H├Ânickes, als im Kinderheim und mein Zimmer wurde derweilen St├╝ck f├╝r St├╝ck nach meinen W├╝nschen und Vorstellungen eingerichtet. Das war f├╝r mich in diesem

Jahr das beste Weihnachtsgeschenk nach dem Tod meiner Eltern. Als Dank f├╝r alles konnte ich mich mit unserem Kinderheimchor durch meinen ersten Gesang auf dem Weihnachtsmarkt so richtig beweisen und sang wie eine Nachtigall die sch├Ânsten Weihnachtslieder, wie eins unser Chor im Jahr 1991 gesungen hatten. Die ganze Heimleitung und die Familie H├Ânicke erfreuten sich unserer Melodien und sahen meine Augen vor Freude im leuchtenden Glanz des Kerzenlichts erstrahlen. Am 31. Dezember 1994 organisierte Familie H├Ânicke mit den Heimerzieherinnen f├╝r uns Kinder ein

riesiges Silvesterfeuerwerk, wovon wir noch viele Tage sprachen. Dieser Jahreswechsel war f├╝r uns Kinder der sch├Ânste Augenblick f├╝r unsere Kinderherzen und wurde im tiefsten unserer Seele bewahrt. So erwarteten wir Kinder f├╝r das Neue Jahr 1995 wieder neue Sehns├╝chte und Hoffnungen. Anfang 1995 ├Ąnderten sich schlagartig viele Dinge in unserem Heim. Frau Sophie H├Âhen erlitt einen Herzinfarkt und fiel dadurch f├╝r einige Wochen aus. W├Ąhrend Frau Stein sich um ihre t├Ąglichen Aufgaben k├╝mmerte, suchte man eine passende Ersatzleiterin f├╝r das Heim. Da keine Fachkraft als

Stellvertreterin f├╝r unser Heim zu Verf├╝gung stand, wurde unser Heim durch einen gerichtlichen Beschluss vorerst in staatliche Verwaltung gelegt. Am 10. Januar 1995 wurde von der staatlichen Heimaufsicht eine mir bekannte Frau, namens Lindner, als vor├╝bergehende Leiterin f├╝r unser Heim eingesetzt. Als ich davon erfuhr traten meine ├ängste gleich wieder schlagartig ein. Schon einen Tag nach ihrem Antritt wurde der Familie H├Ânicke der Umgang mit mir untersagt und ich musste wieder im Heim schlafen. Meine Gef├╝hle und Empfindungen fanden keine Relevanz mehr und wurden einfach weg ignoriert, sowie das Wohl meiner Kinderseele. (So

hie├č es doch immer im juristischen Jargon, alles zum Wohl des Kindes.) Die Begr├╝ndungen f├╝r dieses Verbot wurden darin begr├╝ndet, dass es illegal sei, wenn Waisenkinder bei fremden Familien ├╝bernachten, ohne eine Genehmigung vom Jugendamt oder einer staatlichen Heimaufsicht beantragt zuhaben. Mein aufgebautes Vertrauen zu den Erwachenden brach zusammen wie ein Kartenhaus und lie├č alle meine ├ängste wieder erneut aufflammen. Teilweise sprach ich kaum noch ein Wort mit jemand. Sollte das nun alles von meinem Gl├╝ck gewesen sein, dass hier alles zusammenbrach, was Frau Sophie m├╝hevoll Stein f├╝r Stein aufgebaut hatte?

In mich brach eine Welt zusammen. Was sollte ich nun ohne Frau Sophie und meiner vertrauten Familie tun? Soll ich fortlaufen wie in den anderen Heimen? W├Ąhrend Familie H├Ânicke sich mit den ganzen Beh├Ârden herumschlug, um mich k├Ąmpfte, verschloss ich mich vollkommen und lie├č keinen mehr an mich heran. Schnell und z├╝gig wurde aus unserem trauten Heim ein ├ťbergangsheim, wo st├Ąndig, die Kinder wechselten, au├čer die Stammkindern, den konnte man zum Gl├╝ck nichts anhaben. Das alles um staatliche Gelder in Beschlag zu nehmen, welche im selben Zuge an den bestehenden staatlichen Heimen weitergeleitet wurden. Nun

mussten wir t├Ąglich um 6:30 Uhr aufstehen, wie in den anderen staatlichen Heimen. Es kamen viele ausl├Ąndische Kinder zu uns, die sich aber wegen der schlechten Verst├Ąndigung von uns abkapselten und eigenen Gruppen bildeten. Mit dem fr├╝hen und strengen p├╝nktlichen Aufstehen verkn├╝pften sich f├╝r uns neue verantwortungsvolle Heimarbeiten. Das hie├č f├╝r uns, unsere Zimmer und Waschr├Ąume aus Kosteneinsparungen selbst zu reinigen. Und einmal in der Woche mussten wir die ganzen Treppen und Flure gewischt und durchgefegt haben. Es dauerte gar nicht lange, bis wieder heimlich geraucht wurde. Ich lie├č mich schnell von gro├čen

Jungen zum Rauchen verleiten. Die Bestrafung durch Frau Lindner war streng und ich bekam beim ersten Mal Hausarrest und beim zweiten Mal wurde ich f├╝r ein paar Stunden in einer Besenkammer eingesperrt, wodurch meine ├ängste noch verst├Ąrkt wurden. Im allgemeinem wurde ich auch noch sehr schreckhaft. Eine ganze Palette von psychischen St├Ârungen bahnte sich mir an. Ich verlor jeden Tag ein wenig mehr Vertrauen bei den Erwachenden. Selbst f├╝r unsere Erzieherinnen wurden die Arbeitstage im Heim immer unangenehmer und machten keinen Spa├č mehr, wie mir Frau Stein mitteilt. Einige Erzieherinnen wollten so gar ihren Job

hinschmei├čen. Obendrein musste sie ihre Arbeit mit dem Chor aus Zeitmangel v├Âllig einstellen. Der Einfluss der Stadtbewohner und die Zusammenarbeit mit unserem Heim nahmen ab, wie die Hoffnungen, die wir Kinder eins hatten. Gegen Ende Februar 1995 brach aus Kostengr├╝nden das staatliche gef├╝hrte System der Frau Lindner restlos zusammen. Sie sah schnell ein, dass durch die f├╝rsorglichen Unterst├╝tzungen der Stadtbewohner und Sponsoren, ein privates Heim f├╝r Kinder mehr bringt, wie ein staatliches Heim es jemals k├Ânnte. So trat die staatlich eingesetzte Vertreterin von dieser Aufgabe zur├╝ck. Meistens kommt die Einsicht allerdingst

zu sp├Ąt f├╝r uns Kinder. Nach der gesundheitlichen Genesung, ├╝bernahm nat├╝rlich Frau H├Âhen wieder die Heimleitung, wodurch auch alle eingefrorenen Gelder der Sponsoren wieder flossen. Durch einen Erlass des B├╝rgermeisters und der mithilfe vieler Einwohner wurde vom Amtsgericht das Kinderheim wieder in die privaten H├Ąnde von Frau H├Âhen gelegt. Man konnte den Schaden, den wir Kinder durch diese ├ťbernahme erlitten nur mit viel M├╝he wieder gut machen. Fremde Kinder wurden nach und nach auf staatliche Heime verteilt, wie es eigentlich auch die Pflicht vorher gewesen w├Ąre. Bis auf zwei kleine Kinder blieben nur noch die

Stammkinder im Heim. Nach 14 Tagen kamen die beiden j├╝ngsten in eine gute Pflegefamilie, in der N├Ąhe von Hildesheim. Durch einen Rechtsbeschluss von Familiengericht war der genehmigte Umgang mit meiner Familie H├Ânicke durch Frau Sophie H├Âhen vollkommen legal und sie brauchte keine besondere Zustimmung von staatlichen Heimbeh├Ârden, da sie ohnehin mit dem ├Ârtlichen Jugendamt Hand in Hand zusammengearbeitet hatte. Am 5. M├Ąrz 1995 konnte ich zum ersten Mal wieder zu meiner Familie H├Ânicke, die schon sehns├╝chtig auf mich wartete. Frau H├Ânicke sagte bei meiner ersten Begegnung: ÔÇ×Nun Fabian, wird sich f├╝r

dich alles wieder zum Guten wenden.ÔÇť Und sie nahm mich wie ein verloren gegangenes Kind in ihren Armen. Ich f├╝hlte, dass zwei verloren gegangene Monate, doch nicht so einfach an mir vor├╝bergezogen, denn diese Zeit zerrte noch ganz sch├Ân an mir. Alle Hoffnungen an das Kinderheim-Systemen waren dahin und die Kinder, welche in stiller Trauer um den Verlust ihrer Eltern nach Hilfe suchten, waren in diesen Einsparungssystemen verloren gegangen und interessierte offenbar keinen der Beh├Ârden. Dieses zerst├Ârte Vertrauen in mir und den anderen Kindern wieder aufzubauen, lag noch in weiter Zukunft. In der nicht wesentlichen Zuwendung

der verantwortlichen Personen an den Kindern. Der einzige Wunsch, den wir als Kinder hatten war, eines der Kinder zu werden, die eine liebevolle Pflegefamilie bekommen. Ich hatte das Gl├╝ck, einer von Hunderten Kindern mit 11 Jahren zu sein. Ich sp├╝rte in mir die Zuneigung und Liebe der Familie H├Ânicke und baute mein Vertrauen wieder auf, um diese Familie nicht noch zu verlieren. In einem Gespr├Ąch sagte Frau H├Âhen zu der Familie H├Ânicke, dass ich heimlich mith├Ârte. Als man mein Vertrauen zur Pflegefamilie feststellte, gab Frau H├Âhen das Okay, dass ich von montags bis freitags bei der Familie H├Ânicke ├╝bernachten durfte. So k├Ânnten sie sich

an den t├Ąglichen Schulalltag von mir gew├Âhnen. Dieser Satz gab mir meine zuversichtliche Hoffnung, dass ich vielleicht eines Tages von meiner lieb gewonnenen Pflegefamilie f├╝r immer aufgenommen werde. So dachte ich in meinem ├ťbereifer,ÔÇŽ mir so viel M├╝he wie m├Âglich zu geben, dass diese Familie an mir keinen Zweifel mehr hegte. So war ich bei meiner Familie immer h├Âflich und flei├čig, wie ich es im Kinderheim streng gelehrt hatte. So versuchte ich, in letzter Zeit keine Fehler zu machen oder un├╝berlegte Antworten zu geben. Ich ├╝berlegte mir im Laufe der Wochen in meinem eigenen Zimmer, wie ich mich unentbehrlich machen konnte. So fiel mir

ein, dass ich von nun an mein Zimmer selbst sauber mache, dass Fr├╝hst├╝ck vorbereitete, Post und Zeitung reinhole und die B├Ąder und den Flur t├Ąglich zu putzte. Ich merkte an dem freundlichen L├Ącheln von Peter und Ingrid, das sich mein Flei├č offenbar lohnte und ich in den letzten Wochen keine Fehler machte, die sich negativ auf mich auswirken k├Ânnten. Ich h├Ârte von meinen beiden, vielleicht zuk├╝nftigen Pflegeeltern nur lobende Worte. Frau Sophie vermutete hingegen, dass meine Sehns├╝chte nach einer Familie sehr hoch seien. Selbst meine schulischen Leistungen waren so gut, dass ich Anfang Juni 1995, kurz vor den Sommerferien von meiner

Klassenlehrerin, Frau Kampe, eine gro├če Lobeintragung in mein Hausaufgabenheft bekam, die ich dann ganz stolz meiner Pflegefamilie und Frau Sophie pr├Ąsentiert habe. Gegen Ende Juni 1995 bekam ich wegen meiner Leistung und liebevollen Hingabe ein riesiges, gelungenes ├ťberraschungsgeschenk von meiner Familie finanziert, worauf ich nie gekommen w├Ąre. F├╝r eine Woche ├╝bernahmen sie die ├ťberfahrtskosten f├╝r meinen besten, lang vermissten Freund und Kindergartenkamerad, Ronny Bergmann. Wir freuten uns ein Loch in den Bauch, als wir uns arme umringend nach fast zwei Jahren wiedersahen.

Unsere Augen standen in Tr├Ąnen und unser Atem verstummte. Kaum ein Wort fiel uns ├╝ber die Lippen, sondern nur eine tiefe, herzzerbrechende Verbundenheit. Die ganze Zeit lang, als ich ihn zu meinem Zimmer begleitete, sahen wir uns nur staunend in unsere kindlichen Augen, als w├Ąren all die Jahre zuvor nichts B├Âses geschehen. Es wurde f├╝r Ronny extra ein Bett in meinem Zimmer gestellt, so dass wir beide die Gelegenheit haben, die ganze Nacht lang zu reden. Eine Woche lang, mit vielen spielen, Abenteuern, Baden und Eis schlecken, erinnerten mich an die sch├Ânen Jahre in meiner richtigen Familie. Aber dennoch war diese Woche

bei meiner Pflegefamilie mit Ronny zusammen genauso sch├Ân geworden. ÔÇ×Diese Familie ist richtig nett, die darfst du dir nicht mehr nehmen lassenÔÇť, fl├╝sterte Ronny in mein Ohr und freute sich mit mir. Diese eine Woche baute mich so sehr auf, dass ich alles tat, um hier f├╝r immer bleiben zu d├╝rfen. Dennoch verging diese eine Woche so schnell, wie im Winde, dass sich unser Abschied, ohne Tr├Ąnen nicht vermeiden lie├č. So verkroch ich mich zum ersten Mal, als das Auto mit Ronny Richtung alter Heimat abfuhr, in den Armen von Frau Ingrid. Ich konnte meine Tr├Ąnen nicht bremsen und heulte vor lauter Heimweh so sehr, dass man mich an

diesem Nachmittag kaum noch beruhigen konnte. Nun waren seit unserer Verabschiedung schon weitere 5 Wochen vergangen, mit einzelnen Telefonaten zwischendurch und einigen Briefen. Um meinen Trennungsschmerz besser verkraften zu k├Ânnen, besch├Ąftigte ich mich wieder mit meinen Bem├╝hungen im Haushalt, um wie Ronny sagte, flei├čig in dieser Familie dazustehen. Bis meine Bem├╝hungen irgendwie den Erwachsenen komisch vorkamen. Das mein Bestreben f├╝r die Familie H├Ânicke ziemlich auffiel. So wurde ich am Vorabend von Frau Sophie H├Âhen, am Montag, den 19. Juli 1995 um 10:00 Uhr zu einer ernsthaften

Besprechung in ihr B├╝ro zitiert. Die Familie H├Ânicke sei zu diesem Termin auch geladen. An diesem Vorabend musste ich ohnehin im Heim schlafen, da es ein Sonntag war. So machte ich mir riesige Sorgen, was das wohl f├╝r ein ernsthaftes Gespr├Ąch sein muss. An diesem Abend brachte ich keinen Bissen herunter und mir ging es nicht gut. Da ich mich zu sehr besorgte konnte ich auch kaum schlafen. Zu viele Dinge verwirrten mich und gingen durch meine Gedanken. Ich f├╝hlte mich sehr schuldig und ├╝berlegte, was ich wohl falsches gemacht haben. Am n├Ąchsten Morgen wurde ich gleich vom Fr├╝hst├╝ckstisch, ohne ein Wort nach oben in das B├╝ro von

Frau Sophie H├Âhen gebracht. Schon als ich zur T├╝re eintrat, ahnte ich nichts Gutes, als ich meine Wunschfamilie H├Ânicke dort stehen sah. Das B├╝ro glich einem Studienratszimmer aus dem 18. Jahrhundert. Alte, dunkle verzierte Einbauschr├Ąnke, voller Akten und B├╝cher zierten das B├╝ro. Die Stuck Decke, sowie der gro├če alte Schreibtisch verwiesen auf sehr alte Lehrweisheiten, welche in Jahrhunderte hier gelehrt wurden. Ich sah Frau H├Ânicke an den Augen an, wie sie mein kleines, hereintretendes Kinderherz pochen h├Ârte. In diesen Moment erblickten auch die anderen im Raum mein ver├Ąngstigtes Auftreten, hielten sich aber dennoch

zur├╝ck. Als wir uns im B├╝ro gegen├╝berstanden, fing Frau H├Âhen an zu erz├Ąhlen: ÔÇ×Fabian mir ist leider zu Ohren gekommen, dass du viel zu viel im Haushalt der Familie H├Ânicke tust und du es in deinem ├ťbereifer ├╝bertreibst. Das findet deine Familie und ich nicht so gut, denn dadurch f├╝hlen sie sich dir gegen├╝ber sehr verunsichert, weil sie mit solch flei├čigen Kindern keine Erfahrungen haben!ÔÇť Erkl├Ąrte sie mit beruhigender Stimme, w├Ąhrend mein kleines Herz immer schneller raste. Ich suchte verzweifelt nach einer passenden Ausrede, um meinen ├ťbereifer plausibel zu machen. Mir vielen aber vor Schreck keine passenden Worte ein. ÔÇ×Familie

H├Ânicke hat dir etwas Wichtiges mitzuteilen, sie wollen dich als ihr Pflegekind nicht aufnehmen!ÔÇť Fuhr sie mit ihrer Unterredung fort, w├Ąhrend mir auf einmal mein Herz in die Hose rutschte und mein Kopf hei├č wurde. Ich konnte zu meinem Ungl├╝ck nicht einmal meinen Tr├Ąnenfluss zur├╝ckhalten, der in der kurzen Zeit unaufhaltbar seinen Weg durch die Lieder bahnte. Was sollte ich nun tun, wenn sie mich nicht haben wollen, schoss mir schlagartig durch den Kopf, dann will mich doch keiner. Mit Tr├Ąnen in den Augen und bitterlichem Weinen wollte ich schluchzend mich rechtfertigen, brachte aber immer noch kein einziges Wort ├╝ber meine Lippen.

Komme ich nun wieder in das schlimme Kinderheim zur├╝ck, schlug mir kurzzeitig durch den Kopf, w├Ąhrend mich die Erwachsenden leicht schmunzelnd ansahen. ÔÇ×FabianÔÇť, setzte Frau H├Âhen dann fort. ÔÇ×Sie wollen dich von ganzem Herzen adoptieren und f├╝r immer zu sich nehmen.ÔÇť Lenkte sie ganz schnell ein, um mein verzweifeltes Weinen zu beenden. Mich verschlug es die Sprache und sprang meinen Eltern spontan in die Arme. Ein Glanz lag wieder in meinen Augen, der die Gesichter der Er-wachenden erleuchten lie├č. Ein riesiger Traum, nach ├╝ber zwei schweren Jahren ging in Erf├╝llung. Das Adoptionsverfahren war f├╝r mich und

meine neuen Eltern wie im Fluge vergangen und ich bekam im Oktober 1995, mit 12 Jahren, den lieb-gewonnenen Namen Fabian H├Ânicke ├╝bertragen, der mich sehr stolz machte. Von nun an galt ich als der rechtliche Sohn von Peter und Ingrid H├Ânicke. So fiel es mir auch nicht sehr schwer, nach kurzer Zeit meine neuen Eltern, mit Mama oder Mutti, Papa oder Vati zu betiteln, was die beiden ebenfalls stolz machte. So hatten sie mich von nun an auch immer als ihren einzigen liebsten Sohn Fabian H├Ânicke im St├Ądtchen bekannt gemacht. Der Rest von diesem Jahr 1995 verlief im ├ťbrigen so schnell, dass wir den ├ťbergang in das Jahr 1996,

gar nicht richtig wahrnehmen konnten. Ende des Fr├╝hjahres 1996 lief es mit der Immobilienfirma meines Vatis nicht mehr so gut und er verlor viele Kunden und somit auch Gelder. Viele Leute verloren zu dieser Zeit ihre Arbeit und suchten verzweifelt bei den ├Ârtlichen Beh├Ârden und ├ämtern nach Hilfe, die aber auch nichts tun konnten. So zogen viele hoffnungssuchende, arbeitslose Menschen in den Westen und hinterlie├čen viele leer stehende H├Ąuser in unserer Stadt. Selbst an meiner Mutti ging diese Wirtschaftskrise nicht spurlos vor├╝ber und hinterlie├č Kundenausf├Ąlle, da sie zum gr├Â├čten Teil von dem Immobiliengesch├Ąft meines Vatis

abh├Ąngig war. Unsere Gelder reichten weder vorne noch hinten. So wurden nur noch die geringsten Zahlungen durchgef├╝hrt und viele konnten vorerst gar nicht beglichen werden. Viele W├╝nsche blieben f├╝r mich und meiner Familie unerreichbar und schwere, sparsame Zeiten brachen ├╝ber uns ein. So breitete sich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ├╝ber unsere kleine Familie aus. Eigentlich sollte ja mein bester Freund Ronny in den Fr├╝hlingsferien zu Besuch kommen, aber aus finanziellen Gr├╝nden ging es nicht. Und Ronnys Eltern war es finanziell unm├Âglich gewesen. Um ca. 400 Kilometer Fahrstrecke finanzieren zu

k├Ânnen reichte das Einkommen nicht. Mein Vater sagte mal zu meiner Mutti bei einem Abendessen. ÔÇ×Nur gut Ingrid, dass wir keine Schulden mehr auf unserem Haus haben. Also geht es uns dahin gehend doch ganz gut.ÔÇť Wir stimmten dieser klaren Aussage schmunzelt zu. Vereinzelt kamen noch gute, treue Kunden zu meinem Vater und Mutter und verschafften ihnen hin und wieder kleinere Kundenauftr├Ąge. So konnten sich, die einst gro├če Immobilienfirma und das Versicherungsgesch├Ąft einigerma├čen ├╝ber Wasser halten und liefen auf Sparflamme. Das h├Ârte ich bei einem Gespr├Ąch zwischen meiner Mutter und Vater. Eines Tages sagte er dann zu

meiner Mutter in seinem B├╝ro. ÔÇ×Wenn nur ein kleiner Sponsor die Krise ├╝berbr├╝cken w├╝rde, dann ginge es mit uns wieder aufw├Ąrts.ÔÇť Trotzdem mein Vater alles versuchte, unser Haus von den Banken nicht belasten zu m├╝ssen, klappte es aber am Ende doch nicht so richtig. ÔÇ×Es besteht immer noch eine Differenz von knapp 200.000,-- DM, die wir nicht so schnell begleichen k├ÂnnenÔÇť, f├╝gte er hinzu und kramte die ganzen angeh├Ąuften Akten und Unterlagen durch. Sie schauten sich ratlos und verzweifelt in die Augen. ÔÇ×Ingrid, wir br├Ąuchten ein richtiges Wunder, dass uns hierbei weiterhelfen k├Ânnte!ÔÇť So nahm er meine Mutti verzweifelt in seine Arme, w├Ąhrend

mir hinter der T├╝re auch keine L├Âsung einfiel. So zog sich unsere Krise noch bis Ende Mai 1996 hin. Noch vier Monate, dachte ich so bei mir dann werde ich schon 13 Jahre alt. Die Jahre, seit dem Tod meiner Eltern verliefen so schnell, dass ich mich nicht mehr recht an ihre Gesichter erinnern konnte. Dennoch konnte ich sagen, dass ich mich hier, bei meiner neuen Familie, auch ganz gl├╝cklich f├╝hlte. Sie standen mir immer zur Seite, wenn ich meine schweren Heimwehtage bekam und sie mich immer wieder neu aufbauen mussten. Durch diese Zuwendungen und tr├Âstenden Worte konnte ich schnell mein Heimweh ├╝berwinden und fing an, auf

meine Art und Weise mit meinen Elter herum zu bl├Âdeln. Das baute sie wiederum auf. Sie fanden es, trotz aller Schwierigkeiten immer am├╝sant und es zauberte ein L├Ącheln in ihre Gesichter. Auf diese Weise gab ich meinen Eltern halt, wenn sie ihre schlimmen Tage voll Sorgen hatten. ÔÇ×Einen Jungen, so lebhaft und aufgeweckt, haben wir uns schon immer gew├╝nscht und w├╝rden dich niemals missen wollen, ÔÇť sagte meine Mutter, als wir in meinem Zimmer herumtobten. Am 08. Juni 1996 gegen 11:00 Uhr, kam ein Zustellungsbrief von meiner Heimatstadt Bad Felds und dem zust├Ąndigen Amtsgericht Eibenstock, mit

der Anschrift; Fabian Franklin/Bad Felds. ... Irgendwie bekam ich es mit der Angst zu tun, als ich diesen Brief sah und machte mir gro├če Sorgen, was dieser Brief wohl beinhalten w├╝rde. Wir standen uns alle besorgt gegen├╝ber, als mein Vater diesen gerichtlichen Brief ├Âffnete. Beim Lesen des Briefes konnte ich an seinen Augen eine Neugierde aber auch sogleich Erleichterung erkennen. Diese signalisierte mir, dass es sich nicht um was Schlimmes handeln musste. ÔÇ×Fabian weist du was hier in diesem Brief steht?ÔÇť, fragte er mich mit gl├╝cklicher Stimme, worauf ich nur humorvoll, ÔÇ×n├ÂhÔÇť erwiderte und ihn mit meinen gro├čen braunen Kolleraugen

ansah. ÔÇ×Fabian du hast von deinen leiblichen Eltern durch eine Verm├Âgensverwaltung 3,2 Millionen DM, also ganz viel Geld bekommen!ÔÇť, f├╝gte er ganz aufgeregt hinzu und strahlte ├╝ber beide Ohren. Worauf ich gleich eifrig, ohne zu ├╝berlegen antwortete. ÔÇ×Fantastisch, dann k├Ânnt ihr eure Schulden bezahlen und Ronny kann doch noch zu Besuch kommen!ÔÇť Man sah mir mein Strahlen in den Augen an, so dass wir uns alle in die Arme nahmen. An diesem sch├Ânen Fr├╝hlingstag kam das Gl├╝ck wieder ├╝ber unsere kleine Familie. So hatte sich unsere Familie wieder erholt und ich hatte mit Ronny zusammen die gr├Â├čte Gartenparty aller

Zeiten gefeiert. ÔÇŽ The End

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Hörbuch

Über den Autor

Doletzky
Autorenbiografie von Detlef Doletzky.
Mit Beginn der Einschulung 1969, pr├Ągte der 7 j├Ąhrige Junge bereits, in den ersten 4 Schuljahren sein kreatives malerische k├Ânnen mit fantasievoller farblichen Bildgestaltung aus. Im fr├╝hen Alter von 12 Jahren erm├Âglichte der Sch├╝ler Detlef Doletzky (Jahrgang 1962), geboren in Bad Freienwalde, der Oberschule Oderberg im Jahr 1974 den 1. Platz der Kinderkreismeisterschaft f├╝r hervorragende Schattierungsaquarelle im Zeichnen und Malen. Bereits im Jahr 1978 gewann er den Jugendbezirksmeisterschaftstitel f├╝r malende DDR Kunst f├╝r seine Lehrausbildungsst├Ątte in Eberswalde. Seine ersten Bilder wurden 1981 und 1982 im DDR-Fernsehen ver├Âffentlicht und bewertet.
Im Jahr 1988 und 1989 wurden in Potsdam und Umgebung ├╝ber 80 ├ľlbilder seiner ersten Staffel ausgestellt. Mit der Deutsch/Deutschen Vereinigung im Jahr 1990 geriet die Kunst des Malens in Vergessenheit und begann erst im Zusammenhang mit der Kinderbucherz├Ąhlung "Der st├Ąhlerne Weg" 2007 einen neuen Anfang.
Im Jahr 2009 wurde das 1 Buch "Der st├Ąhlerne Weg" durch den Wagner- Verlag ver├Âffentlicht und im Fr├╝hjahr 2010 auf die Leipziger - Buchmesse pr├Ąsentiert. Gleichzeitig stattete 2010 bis 2011 die zweite Buchszenenmalerei Staffel, mit 4 Gro├črahmenbildern von ├╝ber 100 einzelne ├ľlbildszenen aus den Erz├Ąhlungen, "Der st├Ąhlerne Weg" und "Die Kinder der Vergangenheit" in Oderberg, Eberswalde, Bad Freienwalde und Angerm├╝nde.
Die Kinderdramaerz├Ąhlung, "Die Kinder der Vergangenheit", "Kinderheim der Hoffnung" und "Engel der Sehns├╝chte" zu lesen auf der Internetseite "myStorys" Doletzky, wurde als Buch vertraglich zur├╝ckgezogen.
Die Romanerz├Ąhlung mit den Titel: "Kindheitstrauma" wurden aus gesundheitlichen Gr├╝nden, vertraglich 2012 beim Wagner- Verlag aufgel├Âst, womit alle Rechte an den Autoren zur├╝ck├╝bertragen wurden.
Seit 2013 besch├Ąftigte sich der gesundheitlich angeschlagene Autor, Kunstmaler und Fr├╝hrentner mit ehrenamtlichen T├Ątigkeiten aus dem Zivil und Sozialrechtssystem. Seine gr├Â├čten St├Ąrken und Interessen liegen dennoch im journalistischen Bereich der Vergangenheitsforschung und Historik, vor allem aus dem Themenbereichen Menschenschicksale und mysteri├Âsen unaufgekl├Ąrten F├Ąllen.
Mai 2013...

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schnief interessant und sch├Ân geschrieben
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Gast Ich habe vor vielen Jahren diese tragische Erzählung gelesen und sie ist gut, aber ich wusste auch, dass diese Lektüre eins vom Wagner-Verlag, vom Lektorat korrigiert wurde. Nun musste ich bei der Lesung feststellen, dass autographische Fehler enthalten sind, trotz Freigabe.
LG. Perzolt
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