Romane & Erzählungen
Privatklinik Dr. Tobias Wald-Specht - der Arztroman

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"Privatklinik Dr. Tobias Wald-Specht - der Arztroman"
Veröffentlicht am 10. April 2013, 16 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Privatklinik Dr. Tobias Wald-Specht - der Arztroman

Privatklinik Dr. Tobias Wald-Specht - der Arztroman

Anstand und Sitte

Es gibt da ein vernachlässigtes Pflänzchen.

Das ist der Arztroman / der √Ąrztinnenroman.

Und wir wollen es gießen.

Wenn anderorts eine Literaturklinik gefordert wird

ja, mit Recht,

hier wird sie mit Anstand und Sitte gef√ľllt.

Prof. Dr. Tobias Wald-Specht,

 


Prof. Dr. Tobias Wald-Specht, ein √ľberzeugter Doppelnamentr√§ger - seine Gattin hatte das Geld und die Klinik in die Familie gebracht - trat sichtlich ersch√∂pft vor die Klinik seines verstorbenen Schwiegervaters.

Er dehnte und steckte sich. Was war das doch f√ľr ein anstrengender Tag gewesen. Erst Schwester Hildegard in der Besenkammer - Schwester Hildegard ist bekennender Boris Becker Fan - dann die beiden Lernschwestern in der Teek√ľche, uners√§ttlich, aber Prof. Dr. Tobias Wald-Specht machte seinem Namen alle Ehre. Ach ja, dann war ja da noch die Visite. Zum Gl√ľck nur Routine.

Was erwartete ihn nun? Die Heimfahrt mit seinem gepflegten Porsche 944, einem Geschenk seiner f√ľrsorglichen Gattin. Dann das Candle-Light-Dinner mit seiner ihm Angetrauten, anschlie√üend der schon lange geplante Abend im Swingerclub "Heidi & Kurti".

Nun, absagen konnten sie da nicht mehr.

Prof. Dr. Tobias Wald-Specht seufzte. Was tut man nicht alles f√ľr den Ruf der Klinik. Er hatte schlie√ülich seinem Schwiegervater auf dessen Sterbebett versprechen m√ľssen, alles genau so weiterzuf√ľhren, wie dieser es getan hatte. Und dazu geh√∂rte eben auch die Bet√§tigung mit Schwester Hildegard und den Lernschwestern. Gl√ľcklicherweise wechselten die Lernschwestern st√§ndig. Schwester Hildegard leider nicht. Auch der Swingerclub geh√∂rte zu den Pflichten, die er √ľbernommen hatte.

Aber er hatte ja eine verständnisvolle Gattin, die ihm immer dann gut zuredete, wenn es ihm zuviel wurde.

Prof. Dr. Tobias Wald-Specht bestieg seinen Porsche 944, erfreute sich an dem Sound dieses Sportgerätes und spurtete wie gewohnt davon.

Die Dolby-Surround-Anlage in dem Wagen h√§mmerte ihm eine Menge Watt um die Ohren. Ja, mit "Money for Nothing'" ging es ihm schon wieder viel besser. Und als er sich daran erinnerte, dass heute ein √úberraschungsgast den Swingerclub besuchen wollte, stieg seine Stimmung gewaltig. Wie sch√∂n war es doch, das Michaela Schaffrath immer wieder einen Bogen zur√ľck in ihr altes Gewerbe schlug.

 Ach ja, Prof. Dr. Tobias Wald-Specht hatte es gut erwischt.

 

Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht hat sich einen au√üerordentlichen Namen geschaffen in Medizinerkreisen. Nach seinem ersten etwas gr√∂√üeren Fehler auf dem medizinischen Feld hat er flugs eine Selbsthifegruppe gegr√ľndet, die mittlerweile wohl organisiert und von einem Strohmann geleitet wird. Fragen sie einen Mediziner, wird er ihnen, kommt die Rede auf die "Kunstfehler-Selbsthilfegruppe", sofort emp√∂rt um die Ohren schlagen "Kenne ich nicht!"

Doch die Kartei, die sorgsam gepflegt wird, enthält eine so große Anzahl an Namen, dass die Wahrscheinlichkeit, auf einen Mediziner zutreffen, der NICHT dieser Gruppe angehört, sehr, sehr gering ist.

¬†Nun hat Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht aber ein Problem. Ein gro√ües Problem. Denn aus seinem Tresor wurde nicht nur die Mitgliederliste gestohlen. Nein, es sind auch s√§mtliche Unterlagen verschwunden, in denen die abgesprochenen und ausgetauschten Gutachten verzeichnet sind. Und das ist Sprengstoff!! Denn es ist Fakt, dass die Mediziner, die sich Rat und tat in dieser Selbsthilfegruppe geholt haben, 96% der Prozesse, die wegen dieser Kunstfehler gef√ľhrt wurden, gewonnen haben.

Nun, diese Unterlagen sind verschwunden. Und so sitzt nun Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht hinter dem Steuerrad seines Porsche 944, befindet sich auf dem Weg nach Heidelberg und hat Mordgedanken im Sinn. Denn, das ist ihm v√∂llig klar, dieser Einbruch, dieser Diebstahl konnte nur von einer Person aus- und durchgef√ľhrt worden sein: seinem Ex-Freund, ehemaligem Geliebten, ehemaligen Assistenzarzt Dr. Dr. Heiko Masser.

¬†Der Hass auf diesen Menschen trieb den Porsche √ľber die 200 Stundenkilometergrenze. Und es waren nur noch 42 Kilometer bis Heidelberg.

¬†Hinzu kam noch ein leichtes Jucken im Genitalbereich, das Herrn Prof. Dr. Tobias Wald-Specht allerdings nur ein wenig beunruhigte. Der etwas ausgefallene Verkehr mit der Lernschwester Jasmin fiel ihm da ein. Und auf den letzten Kilometern Richtung Heidelberg √ľberlegte er, wie er sich selbst schnell und erfolgreich behandeln k√∂nnte. Er tippte auf kein gr√∂√üeres Problem. Er tippte auf einen Pilz. Das passierte √∂fter. Und das war nur eine Kleinigkeit.

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"Wie sch√ľtze ich mich vor Candida?"

Das war eine der Fragen, von denen Herrn Prof. Dr. Tobias Wald-Specht geträumt hatte. In der Nacht zuvor. Nach dem Swingerclubbesuch. Und auch jetzt.

Und er √ľberlegte immer wieder. Dabei hatte sie ihm so gut gefallen. 23 Jahre alt, schlank, blond, nicht auf den Mund gefallen (zum Gl√ľck, haha). Aber sie hatte eine Geschichte. Und es war schon richtig: Vor Candida sollte man sich in Sicherheit bringen.

Denn ihr eilte ein Ruf voraus und hinterher.

Hatte sie doch ihren ersten Sexualkontakt im zarten Alter von 14 Jahren. Und zwar in Bottrop. Und zwar mit dem Stenz von Bottrop. Und das hat sie f√ľr ihr ganzes Leben gepr√§gt. M√§nner waren f√ľr sie nur noch Freiwild. Was den M√§nnern ja bis zu einem bestimmten Punkt zu gefallen schien. Aber dann.

Nun, Herrn Prof. Dr. Tobias Wald-Specht dachte nach. Und er kam zu dem Schluss:

Ich sch√ľtze mich am besten vor Candida, wenn ich ihr nicht mehr zu nah komme."

Und mit der Antwort war er zufrieden. Und es waren nur noch 6 Kilometer bis Heidelberg.



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 Ein wahres Siechenhaus.

JA!

Und besonders angenehm ist, dass es jeden Abend von 18.00 - 18.30 Schampus aus der Schnabeltasse f√ľr alle (ich sage: ALLE!) gibt. Da ist Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht sehr freiz√ľgig. Er l√§sst das zu. denn die halbe Stunde reicht ihm v√∂llig, um seine Pflichten bei Schwester Hildegard zu erledigen.

¬†Sein Besuch in Heidelberg war √ľbrigens ein Reinfall. Sein Spezi, der Dr. Heiko Masser war nicht anwesend. Zumindest nicht in seiner Wohnung, deren Eingangst√ľr Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht mit chirurgischen Werkzeug innerhalb von Sekunden √∂ffnete, nachdem seinerseits ihm nicht ge√∂ffnet wurde. Die Wohnung war menschenleer. Leider auch unterlagenleer. Entweder hatte Dr. Heiko Masser ihr gar nicht bestohlen, oder aber dieser hatte geahnt, dass er, Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht, auf dem Weg zu ihm war.

Nun, er verbuchte die Fahrt nach Heidelberg als Schlag ins Wasser. Zus√§tzlich juckte es ihn noch. Um genauer zu sagen: An entscheidender Stellen bildeten sich kleine rote Flecken. Ein wenig besorgt war Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht da schon. Aber nur ein wenig. Denn ein anderes Problem stand vor der Haust√ľr. Vor seiner Haust√ľr. Mit blinkendem Blaulicht und schicken Uniformen. Und da verga√ü er kurzzeitig das Jucken und die roten Flecken.

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Was war nun geschehen?

¬†Eigentlich nicht viel, nur eine Verkettung ungl√ľcklicher Umst√§nde. Seine Frau hatte sich gerade um einen verk√ľmmerten Rosenstrauch vor der Haust√ľr gek√ľmmert, da flog zeitgleich ein depperter Falke in die Windschutzscheibe eines Fiat-Lieferwagen. Der Fahrer verriss vor lauter Schreck und ob des bl√∂den Falken das Lenkrad, raste √ľber den Rasen des Anwesens von Herrn Prof. Dr. Tobias Wald-Specht direkt auf dessen Ehefrau zu, die sich immer noch um den verk√ľmmerten Rosenstrauch k√ľmmerte. Nur Millimeter vor dem Knie der Frau Prof. Dr. Tobias Wald-Specht blieb der Lieferwagen stehen, jedoch kam jede Hilfe f√ľr den Fahrer (Pakistani, ohne Aufenthaltsgenehmigung) zu sp√§t. Dieser war schlagartig verschieden. Wem fliegt schon ein bl√∂der Falke vor die Windschutzscheibe! Von dem Falken war nat√ľrlich weit und breit nichts zu sehen. Die verpissen sich ja in der Regel immer klamm und heimlich, wenn sie Schei√üe gebaut haben. Der Falke hatte sich auf Schusters Rappen auf und davon gemacht. Fliegen war f√ľr heute nicht mehr so sein Ding.

¬†Das war also der Grund f√ľr den amtlichen Auflauf vor dem Haus von Herrn Prof. Dr. Tobias Wald-Specht.

¬†Dieser atmete auch auf und durch, als er √ľber die Situation aufgekl√§rt wurde. Dann eilte er in sein Arbeitszimmer, durchw√ľhlte den Medikamentenschrank und fand anscheinend das richtige Mittel gegen sein Jucken und gegen die kleinen roten Flecken. Denn er atmete erneut h√∂rbar erleichtet auf.

 Er setzte sich vor das Erkerfenster seines Arbeitszimmers und griff nach der Mappe, die auf einem kleinen Beistelltisch lag. Mit der anderen Hand goss er sich einen kräftigen Schluck Rioja in das bauchige Rotweinglas.

Er trank einen guten Schluck und schlug dann die Mappe auf. Oben auf lag ein weißes Blatt mit wenigen schwarzen Buchstaben. Da stand:

 Statt zu diskutieren blubbert Baker nur rum und mach den Thread dicht. Zensur ! Schwache Leistung - mieses Forum

 äähhh, falsch!!

da stand:

 

Prof. Dr. Tobias Wald-Specht

"Mein Leben als Helfer der Menschheit"

Ein Manuskript

 

Das Manuskript

 


Prof. Dr. Tobias Wald-Specht

"Mein Leben als Helfer der Menschheit"

Ein Manuskript

 

Und Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht blätterte weiter um und begann laut zu lesen:

 Als ich noch ein kleiner Bub war, sagte mein Vater eines Tages zu mir: "Bub, du bist noch klein, aber jeder muss sein Schäflein zum Familieneinkommen beitragen."

Da schluchzte ich sehr, doch mein schon fr√ľhes Verantwortungsgef√ľhl hinsichtlich des Familiensinns erwachte, und ich opferte mein Sch√§fchen. Nach so vielen Jahren kann ich sagen, dass es mir eigentlich gar nicht so schwer gefallen war, denn dieses struppige, filzige, schmuddelige, versaute Stofftier hing mir sowieso zum Halse raus.

Das konnte ich damals aber nicht so frank und frei sagen, denn dann hätte ich keinen psychologischen Vorteil aus meinem angeblichen Verzicht ziehen können.

Ich gab das Schäflein her und war froh, es endlich los zu sein. Hätte mein Vater damals aber gesagt: ""Bub, du bist noch klein, aber jeder muss seine Barbie-Puppe zum Familieneinkommen beitragen."

da h√§tte ich zum Sch√ľrhaken gegriffen und meine frisch gek√§mmte Barbie bis aufs Blut verteidigt. Nicht bis auf mein Blut, das sei hier schon ehrlich angemerkt.

So ging damals noch einmal alles gut. Ich hatte auf dem emotionalen Familienkonto einige Bonuspunkte gesammelt.

¬†Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht √ľberbl√§tterte einige Kapitel, dann hellte sich sein Blick sichtbar auf.

Aha! sagte leise, und dann strich er mit dem Zeigefinger zart √ľber die Seite, die √ľberschrieben war mit:

"Meine erste Operation"

 Wen hätte ich denn sonst nehmen sollen? Den Hund unseres Nachbarn, dieses räudige Vieh? Die Katze unserer Putzfrau, diese fette Kugel? Marie, die Tochter unseres Hausmeisters? Nein. Die waren alle zu beweglich und ich, das muss ich nun mal zugeben, ich hatte damals (!) bei einer Körpergröße von ca 150 cm nahezu Kugelform.

¬†Also musste Barbie her. Meine sch√∂ne, blonde, schlanke Barbie. Meine Barbie, die ich vor Jahren noch mit Z√§hnen, Klauen und Sch√ľrhaken gegen jeden Zugriff verteidigt h√§tte. Jetzt war der Punkt gekommen, meine Barbie zu opfern. F√ľr einen guten Zweck, denn h√§tte ich damals nicht Hand an meine Barbie gelegt, aus mir w√§re nie DER Prof. Dr. Tobias Wald-Specht geworden, der ich heute bin.

¬†Bet√§uben war nicht notwendig, das war mir schon klar. Ausziehen schon. Und das machte mir, wie jetzt auch noch, gro√üe Freude. Ein Kleidungsst√ľck nach dem anderen entfernte ich. Zu Beginn zaghaft, dann heftiger. Und da lag sie nun vor mir.

 Und ich ging ans Werk. Um alles ökonomisch und rationell zu gestalten, hatte ich mir eine multiple Operation vorgenommen:

Ein neues Knie,

Blinddarm raus,

Bandscheiben richten,

Nasenscheidewand begradigen,

Mandeln raus,

Ohrläppchen verkleinern,

Oberlippe unterf√ľttern,

Doppelkinn reduzieren.

 

Und, man wird es nicht glauben, bis auf die Begradigung der Nasenscheidewand klappte alles. Die Nasenscheidewand war nämlich so porös, da ging nichts mehr.

¬†Ich zog meiner Barbie dann ihr Nachthemdchen an, entsorgte die ausgebauten Teile im M√ľlleimer und ging zufrieden schlafen.

¬†Ich f√ľhlte, dass ich zum Arzt berufen war. Ja, damals stellte ich selbst die entscheidenden Weichen f√ľr meine sp√§tere Karriere als Prof. Dr. Tobias Wald-Specht.

¬†Zufrieden legte Herr Prof. Dr. Tobias Wald-Specht die Mappe auf das Beistelltischchen, griff nach dem Glas mit dem dunklen Rioja und schl√ľrfte den edlen Tropfen gen√ľsslich in sich hinein ....

 

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