Romane & Erzählungen
Ich bin Teufel Alkohol

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"Ich bin Teufel Alkohol"
Veröffentlicht am 03. April 2013, 14 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Ich bin Teufel Alkohol

Ich bin Teufel Alkohol

Beschreibung

Der Teufel Alkohol. H├Ąufig wird von ihm gesprochen. Doch was ist, wenn diese Gestalt Realit├Ąt annimmt.

Ich bin Teufel Alkohol

 


Bert war Trinker aus Leidenschaft. Ohne einige Flaschen Bier und billigen Fusels konnte er nicht auskommen. Seit Jahr und Tag sprach er dem Alkohol zu und konnte ohne ihn nicht mehr leben.

Tag f├╝r Tag bettelte er sich die Almosen zusammen, um die fl├╝ssige Nahrung zu besorgen, die er f├╝r sein Leben nun brauchte.

Er musste st├Ąndig seinen Pegel halten, um das harte Leben auf den Stra├čen Hamburgs zu ertragen. St. Pauli, Reeperbahn und Gro├če Freiheit verstand er ohnehin schon lange nicht mehr. Die Glitzerwelt der Huren und der Reichen, die sich die Huren leisteten, waren f├╝r ihn nichts weiter als Trugbilder, die er mit dem Alkohol zu verscheuchen trachtete.

Doch es gelang nur mit m├Ą├čigem Erfolg. Und die bunte Glitzerwelt umgab ihn, ohne dass er sich ihr entziehen konnte. Zwar hatte er schon versucht, sein Revier zu wechseln, doch er war immer wieder in diesen Stadtteil zur├╝ck gekehrt.

 

So sa├č er auch heute auf der Stra├če, angelehnt an einer etwas schmutzigen Hausmauer.Es war k├╝hl, aber er konnte es ertragen. Mit der Zeit gew├Âhnte man sich daran. Der Alkohol w├Ąrmte dazu gut von innen.

Neben ihm stand sein alter Hut, der heute jedoch nur wenige M├╝nzen beherbergte. Viel zu wenig f├╝r eine neue Flasche Fusels.

Doch was sollte er machen? Die Leute waren knausriger. Das Geld sa├č nicht mehr so locker in den Taschen. Man brauchte jeden Cent selbst.

Vor sich hielt er ein handgemaltes Pappschild mit der Aufschrift:

HELFEN SIE EINEM MANN, DER ALLES VERLOREN HAT! DANKE!

Damit hoffte er auf die Almosen der Passanten. Niemand fragte nach, was er eigentlich alles verloren hatte. Ob es Anstand oder Mitleid war, wusste Bert nicht. Aber solange man ihm einige M├╝nzen in den alten Hut warf, war ihm das eigentlich auch egal.

Ihm gegen├╝ber waren Schaufenster, die bunt ausstaffiert waren. Sie sollten ganz bestimmte K├Ąuferschichten anziehen. So war es ganz spezielle Mode, die ihm da entgegen schaute

Bert sah sich in einer seiner verschlissenen und zerrissenen Kleidung an, die er schon so lange Tag f├╝r Tag trug und nie wechselte. Der Duft der Stra├če und auch des Alkohols waren das Parfum dieser Kleidung. Doch Berts Nase roch diesen Duft schon lange nicht mehr.

Zwar hatte er schon ├╝berlegt, sich neue Kleidung zu besorgen, doch bisher hatte er immer noch Abstand davon gehalten. Er brachte es nicht ├╝bers Herz, sich von den alten Kleidungsst├╝cken zu trennen. Zudem kostete es Geld, dass er lieber f├╝r seine fl├╝ssige Nahrung ausgab.

Und so hatte er immer noch die alten Kleidungsst├╝cke an...

 

Die Menschen brausten wie Autos in einer ungeheuren Geschwindigkeit an ihm vorbei. Der Alkohol in ihm schien seine Welt zu verzerren. Er nahm sie nicht mehr so war, wie es eigentlich ├╝blich war.

Aber er bekam mit, dass kaum einer der Menschen, die da an ihm vorbei hasteten, eine M├╝nze in den alten Hut warf.

Bert f├╝hlte sich unbeachtet.

Es war eine d├╝rftige Zeit, was das Geben von Almosen betraf. So richtig gut lief es eigentlich nur w├Ąhrend der Adventszeit und vielleicht noch vor Ostern. Auch im Sommer, wenn die Touristen die Stadt unsicher machten, gab es die eine oder andere M├╝nze f├╝r ihn. Doch sonst war es eher mager..

Nun ja, da musste er heute ein wenig darben. Alkohol war zwar sein Brot, aber wenn es keine M├╝nzen gab, dann gab es auch keine fl├╝ssige Nahrung. Das musste er so akzeptieren.

In dem Moment kam ein Mann vorbei, der ihm einen gelben Flyer zuwarf.

Bert nahm ihn auf und las den Zettel mit seinem benebelten Verstand durch:

BILLIGSTER SCHNAPS! NIRGENDWO BILLIGER ALS BEI BILLIGSCHNAPS! FOLGEN SIE MIR UND ERLEBEN SIE DAS WUNDER!

Bert warf einen Blick auf den Mann, der sofort einen Eindruck des Vertrauens bei ihm machte. Sollte das wahr sein, was auf dem Flyer stand, so h├Ątte er m├Âglicherweise genau das gefunden, was er jetzt brauchte..

Bert traf die Entscheidung, dem Mann zu folgen.. Vielleicht konnte er etwas abstauben.

Schnell packte er seine Sachen zusammen. Er warf die M├╝nzen in ein abgegriffenes Portemonnaie und setzte den Hut auf.

Darf ich ihnen folgen?“ fragte er mit zittriger Stimme dem Mann, der scheinbar auf ihn gewartet hatte.

Aber sicher doch. Was auf dem Flyer steht, das ist mein Wort. Und ich stehe dazu. Dabei ist mir mein Klientel ganz egal.“

Bert verstand zwar nicht, was der Mann mit Klientel meinte, aber er vertraute ihm.

Und so machten sie sich auf dem Weg.

Doch kein anderer Mensch folgte dem fremden Mann. Bert war mit dem Fremden alleine unterwegs.

 

Nach einigen Minuten bogen sie in eine d├╝ster aussehende Seitenstra├če ein, die mehr einer Gasse glich. Sie wirkte in den inzwischen hereinbrechenden D├Ąmmerung fast ein wenig unheimlich.

Einen Augenblick sp├Ąter standen sie vor einer T├╝r, ├╝ber der die Aufschrift BILLIGSCHNAPS prangte. Sie waren an ihrem Ziel angekommen.

Treten sie in mein bescheidenes Gesch├Ąft herein!“ forderte der Mann Bert auf.

Aber ich habe nur sehr wenig Geld.“

Das macht nichts. Es wird schon reichen. Treten sie nur ein!“

Bert kam der Aufforderung nach und betrat das kleine Gesch├Ąft.

Und nun k├Ânnen sie mir gerne ihr Geld ├╝berlassen. Es reicht mir, keine Sorge. Und sie k├Ânnen frei w├Ąhlen, was sie m├Âchten.. Das ist doch ein Angebot, nicht wahr?“ Sein Gesicht grinste dabei. Das Diabolische, das dahinter stand, nahm Bert nicht wahr. Und es war auch nur einen winzigen Augenblick in den Augen zu erkennen.

Es ist ein tollen Angebot“, meinte Bert nur und gab dem Mann die M├╝nzen aus dem abgewetzten Portemonnaie. Dann st├Âberte er im Gesch├Ąft.

Es ist wirklich wenig“, sagte der Mann zu Bert, als er die wenigen M├╝nzen in seiner Hand betrachtete. „Aber ich habe ihnen mein Wort gegeben. Und bevor sie weiter st├Âbern, habe ich noch eine ganz besondere Kostprobe f├╝r sie.“

Bert hielt inne. Dann betrachtete er die Kostprobe, abgef├╝llt in einem Plastikbecher, die der Mann ihm pl├Âtzlich entgegen hielt.

Nehmen sie ruhig das Schl├╝ckchen. Geht auf Kosten des Hauses.“

Nun denn!“ Bert nahm den Plastikbecher und kippte denn Schluck in einem hinunter.

Und der Mann grinste dabei erenut, was Bert wiederum nicht auffiel.

Die Probe schmeckte gar nicht mal schlecht, aber im Nachhinein brannte sie h├Âllisch in seiner Kehle.

Was ist...“, wollte er noch fragen, dann fing Bert an zu w├╝rgen und schlie├člich sogar Blut zu spucken.

Der Mann grinste ihn weiter an. Eine Antwort auf die ungestellte Frage gab er nicht. Schlie├člich meinte er lakonisch: „Ist das nicht ein h├Âllisch guter Tropfen?“ Dann wurden seine Blicke h├Âhnisch.

Bert schaute ihn an, doch eine Antwort auf die Feststellung konnte er nicht geben.

Im selben Moment verwandelte sich das Gesicht des Mannes, bis es keine menschlichen Z├╝ge mehr trug. Ein gr├Ąsslicher Totensch├Ądel mit gl├╝henden Augen glotzte Bert an. Das Wesen schien direkt aus der H├Âlle gekommen zu sein.

Bert musste sich ├╝bergeben. Obwohl er den ganzen Tag praktisch nichts gegessen hatte, kam ihm alles hoch. Das teuflische Zeug stellte etwas mit ihm an, was er absolut nicht gewollt hatte.

Schlagartig verlie├č Bert den umnebelten Zustand und konnte wieder klar denken. „Was soll das?“ fragte er das Wesen.

Tja Bert. Kannst du dir das nicht denken?“

Er konnte es sich nicht denken. Er verstand gerade ├╝berhaupt nicht, was geschah..

Ich bin der Teufel Alkohol!“ f├╝hrte das Wesen fort, „Willkommen in der H├Âlle!“

Berts Gesicht verzerrte sich. Dann br├╝llte er vor Schmerzen auf. Und musste sich erneut erbrechen. Doch diesmal kam weit mehr heraus. Er schien n├Ąmlich seine gesamten Innereien heraus zu brechen. Zudem kam auch reichlich Blut mit heraus.Der Probeschluck schien den Trinker innerlich aufzuzehren und zu vernichten.

Schlie├člich kippte Bert nach hinten weg und blieb v├Âllig reglos liegen. Gebrochene Augen verrieten, dass jener mysteri├Âse Schluck sein letztes Tr├Âpfchen gewesen war.

Schade!“ meinte das Wesen mit den Totensch├Ądel und den rotgl├╝henden Augen. „Wirklich schade. Er war immer einer meiner besten Kunden. Wirklich schade!“

Dann brachte er die Leiche des Trinkers in die Gasse vor dem fingierten Laden und ├╝berlie├č sie den dort zahlreich versammelten Ratten.

 

Zwei Tage sp├Ąter stand in der Zeitung:

 

Stadtbekannter S├Ąufer tot aufgefunden !

 

Der bekannte Trinker und Bettler Bert H ist unter mysteri├Âsen Umst├Ąnden

tot aufgefunden worden. Sein K├Ârper ist gr├Ąsslich entstellt und wurde

von Ratten angefressen. Die Todesursache ist zur Zeit noch unbekannt,

aber die Kriminalpolizei hat bereits ihre Ermittlungen aufgenommen.

 

Viele Leute in der Stadt, die Bert von der Stra├če her kannten, meinten danach: „ Den hat bestimmt der Teufel Alkohol geholt!“

Wie nahe sie damit an der Wahrheit lagen, ahnten sie indes nicht!

 

┬ę Datore 2011/02

 

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datore Re: Ein Leben -
Zitat: (Original von cassandra2010 am 24.04.2013 - 15:34 Uhr) das unw├╝rdig endet... traurig

LG
Cassy


Hallo Casyy,
ja. Die Story zielt mehr auf den bekannten Ausspruch und was es real bedeuten w├╝rde.

LG Rene
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 Ein Leben - das unw├╝rdig endet... traurig

LG
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
Rehkitz Re: Re: -
Zitat: (Original von datore am 10.04.2013 - 10:36 Uhr)
Zitat: (Original von Rehkitz am 10.04.2013 - 00:03 Uhr) Gut gelungen. Von mir bekommt keiner der vor Eingangst├╝ren sitzt etwas.
Au├čer Strassenmusiker oder Schmuckverk├Ąufer etc. Von mir kann mal jemand was zu essen bekommen, aber Trinker sollte niemand unterst├╝tzen.
Sehr gerne gelesen.
Liebe Gr├╝├če Theresia


Liebe Theresia, herzlichen Dank f├╝r deinen Kommentar. Wem man was gibt, das sollte jeder f├╝r sich selbst entscheiden.
Mir liegt es fern, jemanden mit Alkoholproblemen anzuprangern, den die Menschen haben es schwer genug. Ich wollte einfach mal den bekannten Ausspruch vom Teufel Alkohol in einer Geschichte verarbeiten, indem ich die Gestalt eine Gestalt werden lie├č und die grausige Konsequenz durchspiele. Ich hoffe nur, dass es niemals so ist.

LG Rene

Nein Rene ,Anprangern m├Âcht ich niemanden. Es steht mir gar nicht zu. Ich werde so etwas nur niemals unterst├╝tzen.
Einen sch├Ânen Tag Theresia

Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Re: Re: -
Zitat: (Original von datore am 10.04.2013 - 10:38 Uhr)
Zitat: (Original von welpenweste am 10.04.2013 - 07:40 Uhr) Wie teuflisch!
G├╝nter



Hallo G├╝nter, ich wollte einfach mal das Thema Teufel Alkohol wortw├Ârtlich werden zu lassen. Nat├╝rlich liegt es mir fern, Menschen mit Alkoholproblemen anzuprangern. Aber wie leichtfertig wird der Spruch get├Ątigt. Was w├Ąre, wenn... das habe ich durchgespielt.

LG Rene

Ich wollte mit dieser kurzen Bemerkung nur mitteilen, dass du das hevorragend gemacht hast. Sogar mit dem nicht erhobenen Zeigefinger.
Will man sich in solch eine Situation hereinversetzen, dann bekommt man Schwierigkeiten, sofern man es nicht selber erlebt hat.
Das war in Deinem Beitrag einfach stark und deshalb gibt es meine Bewertung.
g├╝nter
Vor langer Zeit - Antworten
datore Re: -
Zitat: (Original von ulla am 10.04.2013 - 10:53 Uhr) Drastisch geschildert,
ein Riesenproblem, das man kaum in den Griff bekommt, da ja fast kein Alkoholkranker zu seiner Sucht steht ...
Rauchen ist verp├Ânt, trinken gesellschaftsf├Ąhig, doch wer setzt da die Grenzen
lg
ulla


Ja, die Frage steht am Ende. Und wie oft wird der Spruch vom Teufel Alkohol verwendet, ohne dar├╝ber nachzudenken.

Herzlichen Dank f├╝r das Lesen und Kommentieren!

LG Datore
Vor langer Zeit - Antworten
ulla Drastisch geschildert,
ein Riesenproblem, das man kaum in den Griff bekommt, da ja fast kein Alkoholkranker zu seiner Sucht steht ...
Rauchen ist verp├Ânt, trinken gesellschaftsf├Ąhig, doch wer setzt da die Grenzen
lg
ulla
Vor langer Zeit - Antworten
datore Re: Schwarzer Absinth -
Zitat: (Original von EphesusAlijan am 09.04.2013 - 23:49 Uhr)
So kanns gehen

LG Ephraim


Ich hoffe nur, dass es nie so geht.
Vor langer Zeit - Antworten
datore Re: Dem Alkohol -
Zitat: (Original von pepe50 am 10.04.2013 - 04:58 Uhr) wird so einiges in die Schuhe geschoben, dabei kann er gar nichts daf├╝r, dass er getrunken wird.

LG Fred



Ja, leider. In der Story spiele ich das mal durch. Was w├Ąre, wenn es ihn tats├Ąchlich in Gestalt g├Ąbe.
Nat├╝rlich liegt es mir fern, Leute mit Alkoholproblemen anzuprangern, denn die Menschen haben es schwer genug und k├Ânnen h├Ąufig nur sehr schwer von ihrer schlimmen Sucht wieder loskommen.. Der Spruch ist leicht gesagt...

LG Datore
Vor langer Zeit - Antworten
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