Humor & Satire
Fernsehglück

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"Fernsehglück"
Veröffentlicht am 25. März 2013, 14 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten. Hoffentlich glückt es. Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren. Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert. Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.
Fernsehglück

Fernsehglück

Einleitung

Meine bessere Hälfte und ich, wir haben ganz unterschiedliche Teilhabe am Fernsehglück.

Vielleicht lassen sich Parallelen erkennen.


(Diese satirische Geschichte wird recht oft gelesen und erfreut sich großer Beliebtheit. Wegen vieler neuer Abonnenten wieder eingestellt  am 14.09.2022)




Copyright: G.v.Tetzeli (welpenweste)

Cover: Monika Heisig

www.welpenweste.de

Fernsehglück

Ich sehe mir ganz gerne Krimis im Fernsehen an. Meine bessere Hälfte ist auch mit dabei, vielleicht auch nur notgedrungen, denn unsere Sichtweisen der Ereignisse sind völlig verschieden.


Auf dem Segelboot unterhalten sich - sie und er - noch nass, wie wunderbar sie den Leichnam versenkt haben. Auch ist die Wasserleiche steinbeschwert, wie es sich gehört. Ich folge gebannt. Welchen Fehler hat das Mörderpaar wohl begangen? Sie gehen zum Ruder nach hinten.

Neue Kameraeinstellung:

"Da", zischt meine Holde:

„So schnell trocknen ihre Haare nicht!“

Während eines atemberaubenden Schusswechsels werde ich aufgeklärt, dass die Tapete im Hintergrund schlampig angebracht ist. Nicht auf Stoß.


Im Wald wird die blonde Schönheit mit einem riesigen Küchenmesser aufgespießt und ich erfahre:

„Hast du gesehen, wie sich das arme Eichhörnchen erschreckt hat?“


Auch wenn wir raten, wer der Mörder sein mag, hat sie immer ungewöhnliche Erklärungen.

"Die aufgetakelte Tussi in schwarz ist es", meint sie zielsicher, "weil sie gelbe Ohrringe

trägt, die nicht zum Gürtel passen."

Und während der Mond über dem verwahrlosten Vorhof des Vampirschlosses aufgeht, sagt sie, dass mal sauber gemacht werden müsse.

"Kann denn niemand dort fegen?"


Das geht alles noch, aber es irritiert mich doch, wenn in einem Horrorfilm gerade ein Arm abgetrennt und die Frage eingeworfen wird, ob ich nicht endlich mit einem Glas Rotwein anstoßen möchte.


Ganz schlimm sind Szenen, die eine Küche im Hintergrund haben. Während also der Kopf des Opfers unter entsetzlichem Schreien in den siedenden Suppentopf hereingedrückt

wird, schreit sie:

"Schau mal, da hinten, die Kupfer Kasserolle, die wollte ich schon immer haben!"


Die geschundene Leiche mit dem verbrühten Gesicht sinkt zu Boden, der Held taucht auf und stürzt sich auf den riesigen Verbrecher, während sie äußerst wichtig bemerkt, dass die Schnitzel am Bildrand jetzt wahrscheinlich verbrennen würden.


Und während ich mich zu Tode erschrecke, als im Hintergrund der Schatten des Killers auftaucht, die Heldin nichtsahnend Butter dem Kühlschrank entnimmt, fügt meine bessere Hälfte lakonisch hinzu:

„Wir bräuchten  schon lange einen neuen

Kühlschrank!"

Der Killer schleicht sich von hinten an, hebt die Axt und...

„Mit Crascher!“


Es stimmt mich nachdenklich, wenn sie behauptet, dass der Krimi langweilig sei, weil sich in den ersten Minuten keine Leichen stapeln, oder zumindest ein Liter Blut vergossen wird. Das zieht sich, meint sie gelangweilt. Meine Hinweise auf Spannungsaufbau verpuffen regelmäßig.


Spielen Tiere mit, ist es ganz aus.

Western kommen aus diesem Grunde für sie nicht in Frage (die armen, armen Pferde!). Sieht sie einen Hund, eine Katze, ist der Film

von vornherein gelungen. Kommissar Rex ist natürlich ein Tausendsassa, wobei ich nur die Nase rümpfe.

Ein solcher Hund muss erst erfunden werden.

da kann sie doch gleich mit Lassie kuscheln! Ein solch logistischer Blödsinn ist mir zuviel, während rasende Raumschiffe ihr gegen den Strich gehen.


Also sind Science-Fiction-Filme auch nicht gefragt. Dabei sind ihr vor allem Begriffe, wie Hyperraum, oder Warp ein Dorn im Hausfrauen Auge. Sie kommen im Küchenwortschatz einfach nicht vor und sind deshalb grundsätzlich blöde.


Sie werden nun verstehen, warum ich nur

heimlich Fußball sehen kann, denn es handelt sich ja nur um 22 Idioten, die da herum rennen und einem Ball einen Tritt versetzen wollen. Zu Deutsch: dümmlicher geht es nicht mehr.

So sehe ich immer öfters notgedrungen ihre Kochsendungen. Für mich nicht wirklich inspirierend, zumal ich ihr Küchen Königreich sowieso nicht betreten darf. Ich würde nur Chaos hinterlassen, wird mir unterstellt.


So lasse ich sie in die Mattscheibe hineinkriechen, Rezepte notieren. Da ist sie in ihrem Element und erklärt mir Handgriffe, die ähnlich interessant sind, wie eine Vogelspinne auf einer Erdbeertorte. Im übrigen habe ich keine Lust eine neue Fremdsprache zu lernen, wie abseien, flotte Lotte, die nichts mit

Schifffahrt zu tun hat, oder pochieren, glacieren, Julienne. Geben sie zu, dass dieses Geschwurbel in der Fussballkneipe kaum für ein Gespräch nutzen kann.

Ich nutze also solche Gelegenheiten, um zu schreiben, während im Hintergrund auf der Mattscheibe geschnippelt und gebrutzelt wird. Das Ergebnis soll angeblich wunderbar schmecken und fantastisch duften.

Dabei erschrecke ich bisweilen, weil ein Aufstöhnen entweicht:

"So macht man das doch nicht", ruft sie. Das ist natürlich genauso sinnvoll, wie ich dem Fußballer auf der Couch durch den Fernseher zurufe, er solle endlich mal hinne machen, der faule Kerl.


Jedenfalls verkneife ich mir, den nicht nachvollziehbaren Duft und den ebenfalls nicht nachvollziehbaren Geschmack auch noch überschwänglich zu loben.


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welpenweste
Ich versuche mit guten Geschichten zu unterhalten.
Hoffentlich glückt es.
Ich bin Jahrgang 1958, in München geboren.
Seit meiner Kindheit schreibe ich, habe aber nie eine Profession daraus gemacht. Meine zarten Versuche mal eine meiner Geschichten bei einem Verlag zu veröffentlichen sind gescheitert.

Hier gibt es eine Auswahl von Kurzgeschichten aller Art. Sie sind in ihrer Kürze dem Internet und e-pub Medium angepasst.

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Brubeckfan Ja, Günter, jeder wird Dir hier schmunzelnd zustimmen. Was tun? Nach der Sendung gemeinsam drüber lachen? Getrennte Fernsehzimmer oder -zeiten?
Oder ins Konzert gehen. Aber ach, beim leisesten Piano: "Mist, Mist, die Alte auf dem Rang trägt dasselbe Kleid wie ich, ich schmeiß meins heut weg..."
Schmunzelnde Grüße,
Gerd
Vor ein paar Monaten - Antworten
welpenweste Freut mich, dass Du es nachempfunden kannst! Danke für die Lesezeit.
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Lieber Günter,
ich sitze jetzt gerade (am 14.9.22 um halb Elf abends) vor dem Fernseher und warte, bis im ZDF um 23:15h endlich die UEFA-Champions-League-Fußball-Übertragung beginnt und frage mich, warum die Fernseh-Deppen uns Fußballfans erst so spät (bis schließlich nach Mitternacht) bedienen. Da wurde mir nach der Lektüre Deiner sehr amüsanten und dennoch höchst lehrreichen Story plötzlich klar, dass ein kluger Jemand bei ZDF Dein „Fernsehglück“ las und umsichtigerweise hieraus schloss, dass zu solch später Stunde die Frauen schon schlafen und damit ihren fußballbegeisterten Männer den Genuss am Fußball durch ewigen SmallTalk verderben.

Liebe Grüße und herzlichen Dank fürs Lesevergnügen
Friedemann

PS: Deppen sind's doch: Aufgrund nicht-endenwollendem Gelaber begann die Fußball-Übertragung erst 23:33h!
Vor ein paar Monaten - Antworten
Bleistift 
"Fernsehglück..."
Schmunzelnd gerne noch einmal gelesen, lieber Günter, und uns selber auch darin unter dem Motto wiedererkannt,
"Wie sich doch die Bilder gleichen..." ...smile*
LG
Louis :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
cooki Wirklich lustig musste lachen. Bei mir ist es mein Freund der Physik studiert und dauernt dazwischen redet, wenn er der meinung ist dies würde aus Physikalischen gründen nicht gehen ;)
Liebe Grüße Eva
Vor langer Zeit - Antworten
Luann Du hast mich zum lächeln gebracht damit. Nun würde ich gern Mäuschen spielen wollen....:-)
LG Luann
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Ja, so sind die verschiedenen Ansichten.
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
Willie O, mein Gott- ich kenne das und meine freundin ist noch überdies blond....
LG
Sweder
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Prima, dass ich Dich gut unterhalten konnte!
Günter
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Himbeere Hehe, ja , die spezielle verpeilte Bilderwelt des Weibes - klasse auf den Punkt gebracht . LG Himbeere :)
Vor langer Zeit - Antworten
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