Science Fiction
Sie leben mitten unter uns

0
"Sie leben mitten unter uns"
Veröffentlicht am 23. März 2013, 12 Seiten
Kategorie Science Fiction
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Matthias März wurde am 28.10.1961 in Hannover geboren und ist ebenda wohnhaft. Der Hobbyautor hat schon von Kindesbeinen an Kurzgeschichten geschrieben, wovon z. Zt. circa 200 veröffentlicht sind. Hinzu kommen etwa 50 Drabbles. Der Roman "Fast die gleiche Welt" ist fast fertig und wird im Laufe des Jahres 2018 vollendet. Überwiegend bewegt sich März in den Bereichen Humor und Satire, SF, Krimis und Thriller. Bereits erhältlich sind ...
Sie leben mitten unter uns

Sie leben mitten unter uns

Beschreibung

Der elektromagnetische Krieg führte dazu, dass nichts mehr funktionierte. Kein Auto, kein Flugzeug, keine Maschine. Die Menschheit musste sich neu ausrichten.

Nach dem elektromagnetischem Krieg

Nachdem der elektromagnetische Krieg im Jahre 2145 beendet war, musste sich die Menschheit neu einrichten. Nichts funktionierte mehr: kein Fahrzeug, kein Telefon, kein Computer. Und auch die vielen Roboter, die seit Jahrzehnten unser Leben angenehmer gestaltet hatten, versagten ihren Dienst. Wir hatten jedoch verlernt, einfache Tätigkeit zu verrichten. Niemand war mehr in der Lage, Müll wegzuräumen, Feuer zu löschen oder Dinge von einem Ort zu einem anderen zu verbringen. Das Chaos brach aus.

 

Als es unerträglich wurde, wurden Stimmen laut, sich auf etwas zu besinnen, was seit weit über einhundert Jahren weltweit verboten war: das Klonen von Menschen. Zum Glück gab es genug Bücher und Schriftstücke, die diese Technik beschrieben. Trotz heftiger Proteste der verschiedenen Kirchen und anderen religiöser Verbände, begannen wir mit der Aufzucht künstlicher Menschen. Die ersten Versuche endeten kläglich, doch dann kam der Durchbruch.

 

Die „Anderen“ übernahmen all die unangenehmen und gefährlichen Aufgaben, die wir nicht verrichten konnten oder wollten. Sie sahen aus wie wir, aber wir mieden jeden Kontakt, obwohl sie mitten unter uns lebten. Denn die „Anderen“ waren kalt und gefühllos, sie hatten keine Seele. Die Klone konnten keine Freude oder Furcht zeigen.

 

Schon bald traten Probleme auf. Als bei einem Brand eines Hauses in Berlin eine Gruppe von Feuerwehr-Klonen dieses gezielt niederbrennen ließ, ohne die Bewohner zuvor zu retten, kam es zu massiven Protesten der „normalen“ Menschen. Niemand von uns verstand, dass den Seelenlosen die Erhaltung des benachbarten Museums wichtiger war, als die Leute vor dem Flammentod zu bewahren. Das eiskalte Verhalten der Klone erboste uns. Ich wurde Mitglied einer Widerstandsgruppe, deren Ziel der Vernichtung aller Klone war. Rasch wuchs unsere Bewegung.

Der Auftrag

Im September 2188 versammelten wir uns in kleineren Gruppen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Es sollten Bomben mit mechanischen Zeitzündern gebaut werden, um möglichst viele von den „Anderen“ gleichzeitig zu töten. In der Bibel stand zwar: „Du sollst nicht töten“, aber bei diesen seelenlosen Wesen galt das nicht. Sie waren weniger wert als eine Maus oder eine Ratte. Es war so, als ob man einen Gegenstand zerstört.

 

Ich erhielt den Auftrag, eine dieser Bomben in das hiesige Hauptquartier am Potsdamer Platz zu bringen. Dort lebten Hunderte der Seelenlosen. Angst hatte ich keine, auch wenn ich höchstwahrscheinlich selber sterben würde. Das war mir egal, die Zukunft der Menschheit war wichtiger. Doch wie würde diese Zukunft aussehen, wenn wir es tatsächlich geschafft hatten, die „Anderen“ zu eliminieren? Würde erneut das Chaos ausbrechen?

 

„Nun, Jens, es ist soweit. Du weißt, was du zu tun hast!“, sprach Leonhard, unser Anführer, zu mir. Er war der Fanatischste von uns allen. „Du musst die Bombe möglichst in die Mitte des Lagers der Seelenlosen bringen. Sie müssen vernichtet werden“, ergänzte er. Ich nickte, nahm mein Pferd und ritt los. Mein Vater hatte mir, als ich klein war, von den fantastischen Fortbewegungsmitteln erzählt, die es einst gab. Doch diese Zeiten waren lange vorbei. So musste mein treues Ross dazu dienen, mich an mein Ziel zu bringen.

Am Ziel

Nun lag es vor mir, das halbverfallene Gebäude, in dem früher ein sogenanntes Kino untergebracht war. Auch von diesem hatte mir mein alter Herr erzählt. Das Haus beeindruckte mich, es war fast zweihundert Jahre alt. Ich hatte mich verkleidet und trug die typische lilafarbene Kleidung der „Anderen“ und hoffte, nicht aufzufallen. Keinesfalls durfte ich irgendwelche Emotionen zeigen. Doch ich hatte mich gut vorbereitet.

 

Problemlos gelang ich in das Gebäude. Die große Halle war von Fackeln spärlich erleuchtet, aber ich konnte trotzdem die Bilder an den Wänden erkennen. Es waren Gemälde und Fotos, die über Jahrhunderte die Geschichte der Menschheit wieder spiegelten. Man sah Hexenverbrennungen, Hinrichtungen, Bilder von verfolgten dunkelhäutigen Menschen und vieles mehr. Es war schrecklich, aber ich durfte mir nichts anmerken lassen, das durfte mich nicht berühren. Das klappte auch sehr gut, bis ich zur letzten Tafel in dem Raum gelang. Dort ging es um die Nationalsozialisten, die vor 250 Jahren ihr Unwesen in Deutschland trieben. Ich hatte von alldem im Geschichtsunterricht gehört, doch dass was ich hier sah, überstieg meine Vorstellungskraft bei Weitem. Es ließ sich nicht vermeiden – ich schrie auf. Ich hatte mich verraten.

Es gab immer die anderen

Binnen weniger Sekunden hatten mich Dutzende der Seelenlosen umringt. Einer trat hervor und sprach zu mir: „Wir wissen, was Ihr vorhabt. Aber sieh dir die Bilder an, all diese Leute wurden einst ausgegrenzt, weil sie anders waren, wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihren sexuellen Vorlieben, ihrer politischen Meinung. Es gab immer die Anderen. Jetzt sind wir es. Ihr sagt, dass wir keine Seele haben und gefühllos sind. Das mag stimmen, aber so wurden wir erschaffen – von Euch! Wenn Ihr uns tötet, seid ihr nicht besser, als jene Menschen, die diese Taten, die du gerade erblicktest, vollzogen.“

 

Ich nickte. Die Augen wurden mir geöffnet. Die Menschheit hatte sich nicht gebessert. Moralisch lebten wir noch immer im Mittelalter, nur die Feinde waren andere.

 

Es dauerte viele Jahre, bis auch der Letzte davon überzeugt war, dass es falsch war, die Klone zu hassen, zu verfolgen und zu töten. Kein Mensch hat dazu das Recht, einen anderen zu töten, und sei er auch seelenlos. Die Erde ist nun befriedet, keiner muss mehr um sein Leben fürchten, nur weil er anders ist.

 

Jetzt müssen wir nur noch Vegetarier werden…

http://www.mscdn.de/ms/karten/beschreibung_86765-0.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/beschreibung_86765-1.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022580.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022581.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022582.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022584.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022585.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022587.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022588.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022589.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_1022590.png
0

Hörbuch

Über den Autor

Katerlisator
Matthias März wurde am 28.10.1961 in Hannover geboren und ist ebenda wohnhaft.

Der Hobbyautor hat schon von Kindesbeinen an Kurzgeschichten geschrieben, wovon z. Zt. circa 200 veröffentlicht sind. Hinzu kommen etwa 50 Drabbles.

Der Roman "Fast die gleiche Welt" ist fast fertig und wird im Laufe des Jahres 2018 vollendet.

Überwiegend bewegt sich März in den Bereichen Humor und Satire, SF, Krimis und Thriller.

Bereits erhältlich sind im Handel die humoristischen Kurzgeschichten-Sammlungen "Die dreiundzwanzigste Deutschstunde" und "Hubert deckt auf", sowie "Siebzehn Wege zu Yin und Yang", eine Sammlung dramatischer Kurzgeschichten; allesamt als E-Books. In Kürze erscheint ein weiteres E-Book mit SF-Geschichten zum Thema Zeitreisen. Der Titel steht noch nicht fest.

In der Märchen-Anthologie "Märchen unterm Regenbogen Band 4" des Sarturia-Verlages ist das Werk "Es gibt kein elektrisches Obst" des Autors zu finden.

Leser-Statistik
47

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
welpenweste Die Andersartigen hatten es schon immer schwer.
Die Andersartigen sind an allem Schuld!
Die Andersartigen gehören ausgemerzt.
Und wer sagt uns denn, wer nun die Andersartigen sind?
Andersartige entartete.
Günter
5 Sterne
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Im Gegensatz ... - ... zu zweien meiner Vorkommentatoren bin ich der Ansicht, dass deine Geschichte ganz genau die Länge hat, die sie braucht. Jedes weitere Bild hätte nur von der wesentlichen Aussage abgelenkt.
Eine gelungene Geschichte, katerlisator.

Lieben Gruß
Gunda

Vor langer Zeit - Antworten
Enya2853 Interessante Geschichte - mit mahnenden Worten.

Der Mensch wird es immer schaffen, andere "anders" zu sehen und dabei vergessen, dass er selbst ein "anderer" ist.

Traurige Zukunftsvision mit hoffnungsvollem Ausblick.

Die Kirchen gibt es dann also noch - unverwüstlich....

lg
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
Katerlisator Re: Hi Matthias, -
Zitat: (Original von fantasy66 am 23.03.2013 - 19:19 Uhr) wie´s der Zufall will, ich habe gerade "Puls" von Stephen King gelesen und fühlte mich gerade ein wenig zurückversetzt ins Buch, da die Thematik mich EIN WENIG daran erinnerte.
Als der Protagonist auch noch, wie ich, Jens hieß, habe ich mich erstmal umgeschaut :-) .
Aber die Moral, mit der Du spielst, ist natürlich viel hintergründiger.

Schöne Geschichte und volle Punktzahl.

LG,
Jens


Danke Jens!

Stephen King mag ich sehr, aber das Buch kenne ich nicht. Mein Lieblingswerk von ihm ist "Dolores".

LG

Matthias
Vor langer Zeit - Antworten
Katerlisator Re: Sie leben mitten unter uns -
Zitat: (Original von rainergoecht am 23.03.2013 - 19:21 Uhr) Hallo,
nette Geschichte, hättest Du mehr daraus machen können.
LG Rainer



Danke Rainer!

Ich kann sie ja noch ausbauen.

LG

Matthias
Vor langer Zeit - Antworten
rainergoecht Sie leben mitten unter uns - Hallo,
nette Geschichte, hättest Du mehr daraus machen können.
LG Rainer
Vor langer Zeit - Antworten
fantasy66 Hi Matthias, - wie´s der Zufall will, ich habe gerade "Puls" von Stephen King gelesen und fühlte mich gerade ein wenig zurückversetzt ins Buch, da die Thematik mich EIN WENIG daran erinnerte.
Als der Protagonist auch noch, wie ich, Jens hieß, habe ich mich erstmal umgeschaut :-) .
Aber die Moral, mit der Du spielst, ist natürlich viel hintergründiger.

Schöne Geschichte und volle Punktzahl.

LG,
Jens
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Etwas kurz, aber defninitiv eine interessante Geschichte
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
8
0
Senden

86765
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung