Humor & Satire
Das letzte Ohnhorn

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"Das letzte Ohnhorn"
Veröffentlicht am 22. März 2013, 16 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Matthias März wurde am 28.10.1961 in Hannover geboren und ist ebenda wohnhaft. Der Hobbyautor hat schon von Kindesbeinen an Kurzgeschichten geschrieben, wovon z. Zt. circa 200 veröffentlicht sind. Hinzu kommen etwa 50 Drabbles. Der Roman "Fast die gleiche Welt" ist fast fertig und wird im Laufe des Jahres 2018 vollendet. Überwiegend bewegt sich März in den Bereichen Humor und Satire, SF, Krimis und Thriller. Bereits erhältlich sind ...
Das letzte Ohnhorn

Das letzte Ohnhorn

Beschreibung

Kaarkaar ist auf der Suche nach dem letzten Ohnhorn. Dafür bereist er das Reich der verlorenen Magie, unsere Welt. Er erlebt dort Dinge, die er niemals für möglich gehalten hätte.

St. Pauli

Raunen erfüllte den Rat des Reiches der weißen Magie. Ein vorwitziger Kobold meldete sich: „Kaarkaar, konntest du mit deiner Zauberkraft nicht das Geschehene verhindern?“

„Mein lieber Paartirr, unser Zauber wirkt nicht im Reich der verlorenen Magie. Nicht umsonst heißt das Reich so. Niemand kann dort zaubern. Einige nennen sich zwar Zauberer, das sind aber Scharlatane, ebenso wie die dortigen Hexen. Es gibt aber magische Orte in diesem Reich, und diese habe ich aufgesucht. Aber lasst mich weiter berichten. Meine zweite Materialisierung erfolgte viel weiter nördlich. Ich erblickte viele bunte Lichter um mich herum. Nicht weit von mir zogen einige junge Männer vorbei, die in ähnlichen Kleidern umhüllt waren, wie die an dem Ort, wo ich zuvor war. Nur waren sie von bräunlicher Farbe. Sie riefen ständig: `Sankt Pauuulliii´. Offenbar eine Art Schlachtruf. In der Ferne sah ich weitere Männer, die jedoch in rot-weißer Bekleidung. Als die Erstgenannten jene erblickten, riefen diese: `Zieht den Bayern die Lederhosen aus.´ Sehr seltsam. Die anderen hatten eindeutig keine Lederhosen an. Dieses Reich brachte immer wieder Überraschungen. Jetzt fiel mir auf, dass viele, leicht bekleidete Frauen am Rand des Weges standen. Eine sprach mich an. ´Na, Kleiner, hast du Zeit für mich?´ Ich erwiderte: ´Aber ja doch. Sie können mir sicherlich helfen. Ich bin auf der Suche nach dem letzten Ohnhorn.´

`Hier auf Sankt Pauli gibt es fast alles, was man sich denken kann. Dein Ohnhorn werden wir schon finden. Wie heißt du dann und woher kommst du?´ Nach meinen letzten Erfahrungen war ich etwas vorsichtiger und antwortete wahrheitsgemäß: `Ich komme gerade aus Schalke.´

`So siehst du aber gar nicht aus mit deiner seltsamen Kleidung. Kommst du trotzdem mit? Für einen Fuffi bist du dabei.` Ich hatte zwar keine Ahnung, was ein Fuffi ist, aber ich folgte trotzdem der jungen Dame. Sie brachte mich in einen kleinen, dunklen, rot ausgeleuchteten Raum, in dem sich lediglich ein kleiner Tisch, ein Stuhl und ein Bett befanden. Ich hatte Zweifel, dass mein Ohnhorn hier irgendwo zu finden wäre. Die Frau begann, sich auszuziehen. Offenbar war sie müde. ´Möchtest du etwas trinken? Bier, Cola oder etwas Stärkeres?´, fragte sie mich. `Ich weiß nicht, vielleicht ein Wasser.´, antwortete ich. `Oder wie wäre es mit einem Fernet, du weißt doch, man sagt, er habe magische Kräfte.´ Ich war erfreut. `Das ist genau das Richtige. Meine magischen Kräfte sind hier nämlich völlig erloschen. Ich wusste nicht, dass ich sie zurück gewinnen kann.´ Sie lachte und sagte: `Ich hoffe, du hat noch genug Kräfte für mich. Aber stärke dich ruhig. Hier: dein Fernet.´ Sie reichte mir eine Flasche mit einer bräunlichen Flüssigkeit. Ich nahm einen kräftigen Schluck. Nichts war zu spüren - keine Magie strömte auf mich ein. Ich musste mehr trinken und setzte erneut an. Das Gebräu schmeckte nicht schlecht, brannte aber auf der Zunge. Der gewünschte Zauber stellte sich nicht ein, ich wurde aber sehr müde und legte mich auf das Bett. ´Ehhh, nicht einschlafen.´, rief sie aus. Doch schon war ich eingenickt. Wenig später erschien ein kräftiger, großer Mann und packte mich am Schlafittchen. Er warf mich vor die Tür und nahm mir noch mein Geld ab. Natürlich hatte ich nicht die Münzen dabei, mit denen man in dieser Welt bezahlt, aber mit den drei Golddukaten aus meinem Beutel gab er sich zufrieden. Wieder musste ich feststellen, dass auch hier das Ohnhorn nicht aufzufinden war und verschwand.“

Auf der Wiesn

Eine der Feen meldete sich zu Wort und sagte mit der für ihre Art goldenen Stimme: „Du bist sehr mutig, Kaarkaar. Dieses Reich der verlorenen Magie ist wahrhaftig eigenartig. Hast du einen dritten Versuch gewagt?“

„Ja, ein drittes und letztes Mal probierte ich es, diesmal an einem Ort im Süden des Landes. Ich fand mich in einem riesigen Zelt wieder, in dem sich viele Tische und Bänke befanden. Dort saßen Hunderte von fröhlichen Menschen, die Männer waren zumeist in Leder bekleidet, die Damen trugen Kleider aus leichtem Stoff. Es roch unangenehm, ähnlich wie an dem Ort, an dem ich zuerst war. Ich nahm an einem der Tische Platz. Es näherte sich eine dickliche Dame. `Woass wuilst trinke?´, fragte sie mich. Offenbar war Trinken in dieser Welt von großer Bedeutung. ´Möchst oah Moass?´

`Eigentlich suche ich das letzte Ohnhorn. Aber ich denke, vorerst reicht auch dieses Moass.´ Ich wollte nicht schon wieder auffallen. Mein Tischnachbar sprach mich an: `Buist erstmals hiar in Minchen? Oder woast scho moa in Bayern?´

`Ja, ich war noch nie hier. Wo bin ich denn hier genau?´

´Joaa, mei. Auf de Wiesn bist.´ Nach einer Wiese sah das hier aber gar nicht aus. Ich sagte lieber nichts mehr. Mein Getränk kam. Es war anscheinend die gleiche Substanz, wie die in dem Oval in dem sogenannten Schalke. Vorsichtig nahm ich einen kleinen Schluck. Es schmeckte furchtbar. Ich zog die Blicke auf mich. Mit Todesverachtung setzte ich den Becher erneut an und schluckte und schluckte. Nach kurzer Zeit hatte ich ihn geleert. Der Nachbar klopfte mir auf die Schultern und spendierte mir noch eines dieser Getränke. Dabei drehte sich alles um mich. Dieser seltsame Trank hatte eine ähnliche Wirkung, wie der den mir die Dame in dem dunklen Raum gereicht hatte. Nach dem dritten Becher sah ich mich veranlasst, die Stimmung etwas aufzulockern. Lauthals rief ich den Spruch, den ich an dem zweiten Ort gelernt hatte: ´Zieht den Bayern die Lederhosen aus.´ Das kam gar nicht gut an. Die dickliche Dame eilte herbei und packte mich an und schrie: ´Moach, dass de wegkimmst, dua Saupreiß.´ Ich verstand zwar nicht, was sie meinte, sah aber zu, dass ich mich schnellstmöglich entfernte. Auch an den dritten Ort fand ich das Ohnhorn nicht, ich hatte erneut jede Menge Ärger bekommen. Daher verließ ich das Reich der verlorenen Magie und kehrte hierher zurück.“

 

Die Rückkehr

Die Menge applaudierte. „Eines habe ich dennoch mitgebracht, meine Lieben.“, sagte Kaarkarr und stellte eine kleine bräunliche Flasche mit einem gelb-roten Etikett auf den Tisch. Er nahm die Flasche und versprühte den Inhalt. Nichts geschah. Auch dieser Zauber aus dem Reich der verlorenen Magie war wohl wirkungslos. Dabei hatte Kaarkaar doch genau gehört, dass da „Magie“ drin sein sollte.

Das Reich der verlorenen Magie

Kaarkaar, der Vertreter der Menschen, trat vor, um im Rat des Reiches der weißen Magie zu sprechen. Alle Wesen hatten sich versammelt: die Gnome, die Trolle, die Elfen, die Zwerge, die Riesen, die Zauberer, die Hexen, die Kobolde, die Zentauren, die Drachen und auch die Feen. Sie hörten aufmerksam zu. Kaarkaar hatte das Reich der verlorenen Magie besucht und sollte nun davon berichten. Er hatte die Aufgabe, dort nach dem letzten Ohnhorn zu suchen, jenem sagenhaften Wesen, das in dem Reich der weißen Magie längst ausgestorben war.

Schalke

Die Lichtung in Mitten des Zauberwaldes war von Fackeln erhellt. Die Wesen saßen in Kreisform um das Podest herum, angeordnet nach ihrem Rang, entsprechend ihrer Zauberkraft. Es herrschte gespannte Stille, niemand sagte etwas, selbst die schwatzhaften Elfen waren verstummt. Kaarkaar begann mit seiner Rede: „Meine lieben Freunde. Ich bin froh, wieder bei Euch zu sein. Das Reich der verlorenen Magie ist gefährlich, beängstigend und unheimlich. Wesen wie wir sind dort nicht willkommen. Aber ich will der Reihe nach berichten. Ich hatte mich dafür entschieden, mich auf ein Gebiet zu beschränken, dass dort `Deutschland´ genannt wird. In dieser Gegend sind viele Mythen und Märchen zu Hause. Am ehesten wäre dort noch das Ohnhorn zu finden gewesen. Nachdem ich das Portal zu dem anderen Reich durchschritt, materialisierte ich mich in einem großen Gewölbe. Dutzende von Rängen in dem Oval waren aneinander angereiht. Dort waren Tausende von grölenden Menschen, die eigenartige Gesänge intonierten. Ganz unten war eine grüne Fläche mit seltsamen weißen Umrandungen zu sehen. Ich wandte mich an einen der Umstehenden, der wie die meisten in einen hellblauen Gewand eingehüllt war: `Verzeihung, der Herr, wo bin ich hier gelandet? Was ist das für ein seltsamer Ort?´

`Häää, du weiaaaassst nichhht, wo du bist? Du bist auf Schaaaaalke.´

`Auf Schalke. So, so. Ist dieses ein magischer Ort?`

`Natürlich, ist das maaaagisch. Aber samma, Macker. Bist du ein Königsblauer oder ein Schwarz-Gelber?´ Erst jetzt fiel mir auf, dass ein Großteil der Besucher in eben diesen Farben bekleidet war. Sie waren sorgsam getrennt. `Ich komme aus dem Reich der weißen Magie.´ ´Ein Gladbacher? Was machste denn hier?´

`Ich suche das letzte Ohnhorn.´ Allgemeines Gelächter ringsherum. `Den Spieler kennen wir nich. Wie heißte denn überhaupt?´

`Ich bin Kaarkaar.´ Erneut wurde gelacht. `Also, hör ma, Kacker, oder wie de heißt. Du bist hier auf Schalke. Entweder hältst du für uns, oder für dieses schwarz-gelbe Pack.´ In diesem Moment war einer der Männer unten auf der grünen Fläche mit einer Kugel nach vorne gelaufen und hatte diese hinter eine Stange mit einem Netz dahinter verbracht. Riesiger Jubel bei den Blaugekleideten. Viele hatten durchsichtige Becher mit einem gelblichen, übelriechenden Getränk in der Hand und spritzten damit um sich. Ich fühlte mich nicht wohl hier. Der von mir angesprochene merkte es sehr wohl, zumal ich nicht mitjubelte. `ÄHHHH, du bist doch ein Schwarz-Gelber. Mach dich vom Acker.´ Erneut tat sich unten etwas. Wieder hatte einer der Männer die Kugel in das Netz geschossen. Diesmal wollte ich keinen Fehler machen. Ich riss die Arme hoch und freute mich. Eisiges Schweigen um mich herum. Alle starten mich an, keiner der Blauen jubelte, hingegen frohlockten die Schwarz-Gelben. Offenbar hatte ich schon wieder falsch gehandelt. Eine Faust traf mich. Benommen wankte ich und versuchte zu entkommen. Von Ferne sah ich mehrere Grüngekleidete, die offenbar neutral waren. Sie eilten zu uns. Ich wurde in eine Zelle gebracht. Dieses war keinesfalls der richtige Ort, um das letzte Ohnhorn zu finden. Ich dematerialisierte mich, um es woanders zu versuchen.“

 

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Über den Autor

Katerlisator
Matthias März wurde am 28.10.1961 in Hannover geboren und ist ebenda wohnhaft.

Der Hobbyautor hat schon von Kindesbeinen an Kurzgeschichten geschrieben, wovon z. Zt. circa 200 veröffentlicht sind. Hinzu kommen etwa 50 Drabbles.

Der Roman "Fast die gleiche Welt" ist fast fertig und wird im Laufe des Jahres 2018 vollendet.

Überwiegend bewegt sich März in den Bereichen Humor und Satire, SF, Krimis und Thriller.

Bereits erhältlich sind im Handel die humoristischen Kurzgeschichten-Sammlungen "Die dreiundzwanzigste Deutschstunde" und "Hubert deckt auf", sowie "Siebzehn Wege zu Yin und Yang", eine Sammlung dramatischer Kurzgeschichten; allesamt als E-Books. In Kürze erscheint ein weiteres E-Book mit SF-Geschichten zum Thema Zeitreisen. Der Titel steht noch nicht fest.

In der Märchen-Anthologie "Märchen unterm Regenbogen Band 4" des Sarturia-Verlages ist das Werk "Es gibt kein elektrisches Obst" des Autors zu finden.

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fantasy66 Herrlich, - puuuh, was für eine Reise, dass der arme Kerl sich aber auch gerade Deutschland aussuchen musste...

Herzhaft gelacht.

LG,
Jens
Vor langer Zeit - Antworten
flovonbistram Mir laufen die Tränen.. - Am herrlichsten finde ich die Stelle auf St. Pauli...wir werden Dein Ohnhorn schon finden...ich schmeiß mich weg..

Lachende Grüße
Flo
Vor langer Zeit - Antworten
rainergoecht Das letzte Ohnhorn - Es ist schon verrückt, wie sich die unterschiedlichsten Menschen zur wichtigsten Sache der Welt zusammenraufen, sich in den Armen liegen Hurra brüllen, ein oder mehrere Bier zusammen trinken, und die verabscheuen, die in der wichtigen Sache anders denken.
Gut geschrieben
LG Rainer
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