Kurzgeschichte
Mein ist die Rache

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"Mein ist die Rache"
Veröffentlicht am 11. März 2013, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Heilpraktikerin, Autorin, Mutter, Großmutter, Hunde- und Katzenmama Am liebsten fröhlich, ohne den Ernst außer Acht zu lassen. Mehr findet Ihr auf meiner Homepage: http://nachtfluege.de
Mein ist die Rache

Mein ist die Rache

Beschreibung

Kurzfassung einer Erzählung über zerstörtes Leben....

 

Sie überlegte, hatte sie wirklich an Alles gedacht? Die Liste war vernichtet, nun konnte sie nur noch darauf vertrauen, dass sie über 15 Jahre lang sich das Geschehen immer wieder im Sekundenabgleich ins Gedächtnis gerufen hatte, wenn nun ein Fehler passierte, lag es an äußeren Umständen, nicht an ihrer Planung, dann würde sie halt den schwarzen Peter ziehen.

Vor 2 Stunden hatte sie sich nach einer Vierstundenfahrt mit dem Zug von einem Taxi nach Werburg fahren lassen, war zu Fuß durch den Wald von dort, mit dem Rucksack auf dem Rücken,  nach Senkenberg gewandert.

Fröhlich lachte sie in sich hinein, denn ihr Spiegelbild schob sich vor ihre Augen. Die aschblonde Perücke mit dem Zottellook wurde von einem bunten Kopftuch fest am Kopf gehalten, die alte 70er Jahre - Brille mit den Fenstergläsern hatte sie vor 7 Jahren auf einem Flohmarkt in Hamburg gekauft, die

 

Kleidung stammte aus Second-Hand-Läden aus ganz Deutschland.  Einen ihrer Schneidezähne konnte sie, dank ihrer vor Jahren ausgeübten Maskenbildnertätigkeit so präparieren, dass er etwas schief und abgebrochen wirkte, ein Schälchen Erdbeeren hatte einen großflächigen Ausschlag am Körper und im Gesicht der Allergikerin erblühen lassen, so wirkte der Taxifahrer ein wenig angewidert, als sie mit breitem Grinsen, lispelnd ihre Zieladresse nannte.

Nun saß sie hier, den Blick auf das kleine Dorf gerichtet, aus dem aus vielen Gärten kleine Rauchschwaden auftauchten, Grillsaison, es wurde gefeiert, gegessen, getrunken bis tief in die Nacht hinein.

Genau so hatte sie es lange, lange geplant, in all den Jahren, in denen der innere Schmerz nicht weichen wollte, in all den Jahren, in denen sie nur auf diesen Tag X fixiert war, in all den Jahren, in denen sie ihr Umfeld, ihre

 

Selbstständigkeit, ihr Leben ganz neu gestaltet, in denen sie wie ein Einsiedler gelebt, in immer anderen Geschäften eingekauft und ohne Bindungen verbracht hatte und so den Menschen der Umgebung unbekannt blieb, ein Sonderling eben, eine kleine, zierliche, weißhaarige Gestalt, die mal auftauchte und dann wieder tagelang nicht gesehen wurde.

Der Tag ging über in die Nacht, die Feuer waren erloschen, die weit verstreut stehenden  Häuser mit den großen Grundstücken verdunkelten sich und die Geräusche der Nacht tönten durch die Ebene.

Sie ging zurück in den Wald, musste mit strammem Schritt durch das Unterholz marschieren, bis sie an einem kleinen eingezäunten, überwucherten Grundstück mit einer  zerfallenen, zum Teil abgebrannten Ruine ankam, ein Stückchen Land, dass schon in der Kindheit als ihr Zuhause mit den Großeltern bewohnte.

 

 

Unter einer Platte, die sie geschickt anheben konnte, verbarg sich ein großer Plastikbeutel, den sie schon vor Jahren hier deponiert hatte.  Daraus zog sie nun die alten, 3 Nummern zu großen Schuhe, in deren Sohle sie vorne ein paar kleine Bleigewichte eingearbeitet hatte und eine Pistole mit Schalldämpfer, die sie genau untersuchte, aus der sie mit einem leisen Plopp einen Schuss in den Waldboden abfeuerte..

Tüte und Schuhe verstaute sie nun tief aufatmend im Rucksack, schob die Platte zurecht und warf noch schnell einige Arme verrottendes Laub und trockene Äste darüber.

Nun musste sie die andere Seite des Waldes erreichen, denn dort grenzte das Grundstück an, das sie erreichen wollte, das schon so lange Ziel ihrer Gedanken war.

Nach einer Stunde stand sie vor dem großen, dunkel daliegenden Haus.

 

 

Stille, nur durchbrochen von den Geräuschen der Natur. Sie schlüpfte in die präparierten Schuhe, ging vom Tor aus über die Wiese zur Terrasse. Nichts hatte sich geändert, nur Büsche und Bäume waren gewachsen und ließen nun das Grundstück noch dunkler und bedrohlicher wirken.

Vor der Terrasse stand der große gemauerte Blumenbottich, und genau derselbe Stein ließ sich noch bewegen, der schon damals den Ersatzschlüssel für die Hintertür aufgenommen hatte, nichts hatte sich verändert.

Sie nahm ihn an sich, schlich zur Tür, öffnete, ging zurück, deponierte den Schlüssel wieder an der vorgesehenen Stelle, schob den Stein zurecht.

Aus der Tasche zog sie nun die kleine Taschenlampe, um im Haus nirgends anzustoßen, fand die Tür zum Schlafzimmer sofort, denn lautes Schnarchen wies ihr den

 

Weg.

Wie gut, dass er immer so pedantisch gewesen war und quietschende Türen hasste. Das ganze Dorf hatte sich immer wieder lustig über seine Marotten gemacht, die er natürlich auch im höheren Alter pflegte. So stand sie ohne Probleme vor seinem Bett, der Dunst von Alkohol, Knoblauch und Tabak ließ sie vor Ekel erschauern.

Sie hob ganz langsam die Waffe und im winzigen Lichtkegel der Taschenlampe sah sie auf das verhasste Gesicht, sie spürte wieder, wie das betrunkene Schwein sie in ihrem Waldhäuschen mit einem Messer an der Kehle vergewaltigte und ihre kleine Tochter, als diese abfing zu schreien, an die Wand schleuderte, wo diese liegenblieb und sich als letztes Bild von ihrem Kind in ihrem Gedächtnis eingrub, bevor er sie, die nicht aufhören konnte zu schreien, mit einem Holzscheit niederschlug und in ihrem Blut liegenließ, in der irrigen

 

 

 

Meinung, sie sei tot.

Krankenhaus, Gerichtsverhandlung, ihre Aussage…abgeschmettert, denn er hatte ein hieb- und stichfestes Alibi, wie der Staatsanwalt es benannte, da seine Frau bezeugte, er habe das Haus nicht verlassen in der Nacht. Unnötig, über ihren angeblichen  Freitod nach knapp zwei Jahren nachzudenken.

Ein Schuss in die Stirn, mit aufgesetzter Waffe, die ihn soeben noch erwachen ließ, ließ ihn mit aufgerissenen Augen, verzerrtem Gesicht zurück in den sich schnell färbenden Kissen.

Sie verließ das Haus, ging um es herum, schlug die Terrassentür ein, öffnete sie und machte sich auf den Rückweg, vergaß auch nicht, am Ende der Straße die Schuhe zu wechseln, begab sich diesmal bergab, an dem alten Kloster vorbei, zu der alten Kirche. Hinter der Kirche ging ein steiler Pfad über den

 

 

 

 

Friedhof und so gelangte sie wieder an den Waldrand.

Ihre Vorbereitungen machten sich bezahlt, ihr bewusst einsam geführtes Leben, das Marathonlauftraining, das Tage vorher abgestellte Auto, die über lange Jahre immer wieder erfolgten Beobachtungen des gesamten Gebietes…

 

Eine zierliche, weißhaarige Frau kam lächelnd mit einem jungen Hund aus einem Tierheim nach Hause.

 

FloravonBistram 1998

 

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flovonbistram
Heilpraktikerin, Autorin, Mutter, Großmutter, Hunde- und Katzenmama

Am liebsten fröhlich, ohne den Ernst außer Acht zu lassen.

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Annabel super spannend geschrieben. Gern gelesen. Ganz lieben Gruß
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monalisa592107 sehr real nachvollziehbar klasse lg monika
Vor langer Zeit - Antworten
flovonbistram Nach langer Abwesenheit hier ein Danke fürs Kommentieren
LG Flo
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Monczi es könnte zu einem Krimi verfilmt werden
sehr gut nachempfindbar, auch wenn ich nicht für Selbstjustiz bin
LG Monczi
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flovonbistram Danke, finde jetzt erst die Kommis, weil ich so lange nicht hier war.
LG Flo
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anna9111 sehr schön - ich kenne einige Filme, die in diese Richtung gehen..
sehr schön!
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flovonbistram Danke, es freut mich. War länger abwesend, darum erst jetzt meine Reaktion
LG Flo
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flovonbistram Re: -
Zitat: (Original von ViktorL am 01.04.2013 - 21:40 Uhr) Beeindruckend geschrieben. Ich hattee die Bilder beim Lesen vor Augen....sehr realistisch geschrieben!

LG
ViktorL



Das freut mich. Danke
LG Flo
Vor langer Zeit - Antworten
avewien Beeindruckend geschrieben. Ich hattee die Bilder beim Lesen vor Augen....sehr realistisch geschrieben!

LG
ViktorL
Vor langer Zeit - Antworten
Bart Das ist mal so, - dass ich absolut begeistert bin. Yes, so muss es gehen. Wenn Justitia nicht fähig ist, muss man selber...steht schon in der Bibel, Auge um Auge...
Bart
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