Kurzgeschichte
Taschen voll Staub.

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"Taschen voll Staub."
Veröffentlicht am 03. März 2013, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Hi, ich bin Krysztyna, mache bald Abi. Von daher immer im Stress. Ich liebe Literatur, vor allem die der Postmoderne, Kunst und Musik. Romantik und Impressionismus sind am geilsten. Mein Klavier ist das Allerheiligste.
Taschen voll Staub.

Taschen voll Staub.

Beschreibung

Glück.

Taschen voll Staub.

Menschen. Hörbares Atmen. Schuhsohlen auf Asphalt. Das Kratzen einer Straßenmalkreide, lautes Gelächter einer Gruppe Jugendlicher.

   Ich atme tief ein. Die Luft schmeckt nach verbranntem Gummi, kaltem Zigarettenrauch, abgestandenem Alkohol. Eine Note frischer Brötchen, aber sie verfliegt so schnell, wie sie gekommen ist.

   Ich blicke den endlosen Schlauch der Fußgängerzone entlang. Die bunten Lichter der Werbeplakate lassen die trostlosen Gesichter der Menschen noch fahler erscheinen, als sie schon sind. Maschinell bewegen sich ihre Beine im flotten Takt über die grauen Steinplatten. Die hängenden Mienen starren grimmig auf die polierten Schuhspitzen. Ich bekomme ein beklemmendes Gefühl und presse mein Akkordeon fest an mich.

   Immer bevor ich zu spielen beginne, werfe ich ein paar Münzen in meinen offenen Koffer. Ich greife in meine Hosentasche. Dort ist nichts als Staub. Aber ich bin nicht enttäuscht. Vorsichtig packe ich ihn und ziehe ihn hinaus.

   Ich betrachte das Häufchen grauen Goldes in meiner Hand. Ich muss lächeln und hebe es hoch in die von Wolken verdeckte Sonne. Es glitzert ein wenig. Schön sieht es aus.

   „Darf ich auch mal?“, fragt mich ein zaghaftes Stimmchen von unten. Vor mir steht ein kleines Mädchen, die Hände auf dem Rücken verschränkt, den Oberkörper immer hin und her drehend.

   „Klar!“ Ich lächle und beuge mich ein wenig zu ihr hinab. Ihre großen Kulleraugen strahlen vor Freude. Mit ihrem kleinen Händchen greift sie nach dem Staub, doch er rinnt zwischen ihren kurzen Fingern hindurch und fliegt mit dem Wind davon.

   „Vorsichtig!“, lache ich und streiche ihr über das Haar. „Du musst es heben, dann hast du es eine Weile. Wenn du danach greifst, dann läuft es immer weg!“

   Sie blickt beschämt zu Boden, nickt und murmelt ein undeutliches „‘tschuldigung.“ Ich zwicke in ihr errötetes Bäckchen. „Quatsch, kein Ding.“, sage ich.

   Unwirsch wird sie von ihrer Mutter zurückgewiesen. „Ich hab doch gesagt, sprich nicht mit solchen Leuten!“, zischt sie. „Sie sind nicht gut!“

   Wieder muss ich lächeln. Arme Frau. Sie hatte noch nie Staub in ihren Taschen. Ich beginne zu spielen.

 

   Die Menschen beachten mich gar nicht. In ihrem strammen Tempo rauschen sie an mir vorbei, dem Blick auf der Uhr, auf den Schuhen, auf dem Asphalt.

   Manchmal bleibt einer stehen und greift in seine Hosentasche. Er zieht ein paar Münzen hinaus und schmeißt sie unachtsam in meinen Koffer.

   Was andere Menschen wohl in ihren Taschen tragen? Vielleicht verstauen sie dort ihre Uhr. Ihre Geldbörse. Ihr Handy. Ihr Brillenetui. Ich unterbreche mein Spiel und greife noch einmal in meine.

   Als ein Mann mir ein Geldstück zuwirft, frage ich ihn: „Entschuldigung, haben Sie auch Staub in Ihren Hosentaschen?“

   Er starrt mich verdutzt an. „Was will ich mir von Staub denn kaufen?“

   Ich hebe nur die Schultern.

   „Von Geld kann man sich was kaufen, Mädchen!“

   „Aber keinen Staub."

Bild & Hörbuch

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Am Akkordeon spiele ich selbst.

 

 Ungarischer Tanz No. 5; Brahms (ein wenig gekürzt)

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Hörbuch

Über den Autor

Krysztyna
Hi, ich bin Krysztyna, mache bald Abi. Von daher immer im Stress.
Ich liebe Literatur, vor allem die der Postmoderne, Kunst und Musik. Romantik und Impressionismus sind am geilsten. Mein Klavier ist das Allerheiligste.

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Hofdichter Ich weiß nicht was ich schreiben soll aber ich fand deine Zeilen sehr schön.

Einen lieben Gruß von mir

ODE AN DAS AKKORDEON
Es ist die Zieharmonika,
Es ist die Quetschkommode,
Es ist das Schifferklavier.
Es ist edel,
Es ist billig.
Es ist schwarz,
Es ist weiß,
Es ist rot.
Es ist groß,
Es ist klein.
Es schnauft,
Es arbeitet,
Es streckt sich,
Es zieht sich zusammen.
Es spielt alleine,
Es spielt mit der Geige,
Es spielt mit der Gitarre.
Es spielt mit dem Baß,
Es spielt im Orchester.
Es ist für Dilettanten,
Es ist für Virtuosen.
Es spielt einen Tango,
Es spilet einen Walzer,
Es spielt ein Musette.
Es spielt traurig,
Es spielt fröhlich,
Es spielt euphorisch,
Es spielt melancholisch,
Es spielt frech,
Es spielt ängstlich,
Es spielt laut,
Es spielt leise.
Es kann trauern,
Es kann jubeln.
Es ist wundervoll,

Das Akkordeon.
Vor langer Zeit - Antworten
RSchulz Ich will was mit dir zusammen schreiben. bei Interesse, meld dich. R.
Vor langer Zeit - Antworten
Carolyn2 Große Klasse - dein Schreibstil gefällt mir sehr.

LG

Dörte
Vor langer Zeit - Antworten
Zeitenwind Staub - Hey wo nimmst Du diese feine Beobachtungsgabe her? Nicht nur, dass die Bilder, die Du am Anfang beschreibst, anfangen zu leben, sich zu bewegen, ja sogar Farbe bekommen, sondern auch dieses Feingefühl und den Blick für die Mitmenschlichkeit und der damit auch verbundenen Ungerechtigkeiten. Wieder ein Favo

Gruß vom Trollbär
Vor langer Zeit - Antworten
Krysztyna Re: von staub kann man sich nichts kaufen -
Zitat: (Original von derrainer am 06.03.2013 - 09:01 Uhr) das ist wahrlich wahr , was zählt ist geld ,
geld kann viel zerstören , aber auch beruhigen und sorglos leben .
die fantasie der kindheit , lässt fragen aufkommen , die erwachsene nicht verstehen .
die musik , harkt etwas , kann aber an meinem pc liegen .

gruß rainer


Ein bisschen Geld braucht man immer, das ist klar. Als Straßenkünstler würde ich nicht leben wollen. Das ist für mich ein chilliger Nebenjob, weil man als Abiturient natürlich immer ein leeres Konto hat. Ich muss aber weder Wohnung, noch Strom, noch Wasser, noch Essen, noch sonst was bezahlen. Aber ganz generell, meine Familie hat noch ein bisschen Zigeuner- oder Nomadentouch und so wurde mir immer beigebracht, mir alles selbst zu basteln. Kleidung, Schmuck, Hautcreme und soweiter. Die Menschen der Industrieländer meinen immer nur, das Geld zu brauchen. In Wahrheit brauchst du fast nichts.

Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar!
Krysztyna
Vor langer Zeit - Antworten
Krysztyna Re: -
Zitat: (Original von maninkka am 05.03.2013 - 22:09 Uhr) Ich hab zuerst das 'Hörbuch' angemacht und war enttäuscht. Doof, weil es wirklich schön gespielt ist und natürlich wunderbar zu dem Text passt.. jetzt habe ich ihn gelesen und freue mich über die Musik :D

Womöglich muss ich eine Weile warten, bis mir die Metapher gefällt. Nein, falsch. Die Metapher gefällt mir gut, aber der Staub nicht. Oo Vielleicht liegt es an mir... das Glück kommt grad bei mir nicht an. Und trotzdem gefällt mir die Geschichte. Womöglich muss ich eine Weile warten.


Sei mir nicht böse, wenn ich dir sage, ich check absolut und überhaupt nicht, was du mir jetzt sagen willst.:D
Vielleicht gefällt sie dir ja übermorgen.;)

Liebe Grüße,
Krysztyna
Vor langer Zeit - Antworten
derrainer von staub kann man sich nichts kaufen - das ist wahrlich wahr , was zählt ist geld ,
geld kann viel zerstören , aber auch beruhigen und sorglos leben .
die fantasie der kindheit , lässt fragen aufkommen , die erwachsene nicht verstehen .
die musik , harkt etwas , kann aber an meinem pc liegen .

gruß rainer
Vor langer Zeit - Antworten
maninkka Ich hab zuerst das 'Hörbuch' angemacht und war enttäuscht. Doof, weil es wirklich schön gespielt ist und natürlich wunderbar zu dem Text passt.. jetzt habe ich ihn gelesen und freue mich über die Musik :D

Womöglich muss ich eine Weile warten, bis mir die Metapher gefällt. Nein, falsch. Die Metapher gefällt mir gut, aber der Staub nicht. Oo Vielleicht liegt es an mir... das Glück kommt grad bei mir nicht an. Und trotzdem gefällt mir die Geschichte. Womöglich muss ich eine Weile warten.
Vor langer Zeit - Antworten
Krysztyna Re: Wahnsinnig gut! -
Zitat: (Original von Experimenta am 05.03.2013 - 18:42 Uhr) Mit Dir würd ich mich gern mal auf die Straße stellen. Ich studiere Querflöte in Paris - na, wie wär's ;-)

Aber wirklich, Die Geschichte ist wunderschön. Vor allem der Satz

"Du musst es heben, dann hast du es eine Weile. Wenn du danach greifst, dann läuft es immer weg."

hat es mir angetan. Genau so ist das Glück nämlich. Was wie ein süßes Geschichtlein wirkt, ist eigentlich sehr tiefsinnig. Das macht es zu etwas besonderem. Wie auch bei Deiner anderen Kurzgeschichte entdeckt man hier erst beim zweiten Lesen ganz viele kleine Metaphern. Das ist wirklich toll. Und auf deiner Tastenkiste bist Du echt gut unterwegs. ;-)

Liebe Grüße


Wie cool, ich spiele auch Querflöte!;) Ist ja geil. Aber bitte kein Flötenduett, eine Soloflöte ist das schönste der Welt, aber zwei oder mehr klingt immer nach Dampflok!;)

Ich würde mal behaupten, dieser Satz ist auch als Schlüsselsatz gedacht.;)

Vielen Dank!

Liebe Grüße,
Krysztyna
Vor langer Zeit - Antworten
Experimenta Wahnsinnig gut! - Mit Dir würd ich mich gern mal auf die Straße stellen. Ich studiere Querflöte in Paris - na, wie wär's ;-)

Aber wirklich, Die Geschichte ist wunderschön. Vor allem der Satz

"Du musst es heben, dann hast du es eine Weile. Wenn du danach greifst, dann läuft es immer weg."

hat es mir angetan. Genau so ist das Glück nämlich. Was wie ein süßes Geschichtlein wirkt, ist eigentlich sehr tiefsinnig. Das macht es zu etwas besonderem. Wie auch bei Deiner anderen Kurzgeschichte entdeckt man hier erst beim zweiten Lesen ganz viele kleine Metaphern. Das ist wirklich toll. Und auf deiner Tastenkiste bist Du echt gut unterwegs. ;-)

Liebe Grüße
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