Romane & Erzählungen
Die Kinder der Vergangenheit

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"Die Kinder der Vergangenheit"
Veröffentlicht am 14. Februar 2013, 60 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Katja Xenikis - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Autorenbiografie von Detlef Doletzky. Mit Beginn der Einschulung 1969, prĂ€gte der 7 jĂ€hrige Junge bereits, in den ersten 4 Schuljahren sein kreatives malerische können mit fantasievoller farblichen Bildgestaltung aus. Im frĂŒhen Alter von 12 Jahren ermöglichte der SchĂŒler Detlef Doletzky (Jahrgang 1962), geboren in Bad Freienwalde, der Oberschule Oderberg im Jahr 1974 den 1. Platz der Kinderkreismeisterschaft fĂŒr hervorragende ...
Die Kinder der Vergangenheit

Die Kinder der Vergangenheit

Die Kinder der Vergangenheit

Neu Überarbeitung mit schnellen Lesefluss 19 August 2017 Einleitung Der elfjĂ€hrige Sonny Plötz fand eine Zeitung mit einem mysteriösen Artikel, der ihn dazu zwang, eine unglaubliche Geschichte auf ungewöhnliche Art zum Ende zu fĂŒhren. Der Artikel in dieser Zeitschrift hieß, „Die Kinder der Vergangenheit“. Vier elfjĂ€hrige Jungen und beste Freunde seit ihrer Kindergartenzeit, trafen sich ohne große Absprache an einem gewittrigen

stĂŒrmisch, Sommerabend auf dem Dachstuhl eines alten zerfallenen Hauses. Das Licht von 20 Kerzen sorgte fĂŒr genĂŒgend Helligkeit in dem dĂŒsteren und zugigen Dachboden, wo der Wind, wie heulende Wölfe, durch die alten, mit Moos bedeckten Dachziegel sĂ€uselte. Nach einigen schweigsamen und nachdenklichen Minuten, begannen die 4 Jungs, nacheinander eine besondere Geschichte ĂŒber die Kinder der Vergangenheit zu erzĂ€hlen. Nur, dass keiner der Jungen wusste, dass alle spannenden, zum Teil auch mysteriösen, unabhĂ€ngigen Geschichten, etwas Gemeinsames hatten. Allerdings fanden sie das erst zum Schluss ihrer

ErzĂ€hlungen heraus. Es war sehr warm in meinem Kinderzimmer und es wurde die Nacht zum 15. August 1992. Von draußen hörte man unaufhörlich das Gezirp der Grillen und Heuschrecken. Der Wind sĂ€uselte in den GeĂ€sten der hohen Linde ein leises Liedchen. Das Fenster stand zur HĂ€lfte angelehnt und die Gardinen wedelten sanft dem Wind entgegen. Eine leuchtende Laterne reflektierte den Schatten der LindenblĂ€tter an meiner Zimmerwand. „Sonny Plötz“, ist mein Name und ich bin 11 Jahre alt, so drehte ich mich zur Wandseite hinĂŒber, im selben Moment ertönte der Ruf eines KĂ€uzchens. Aus weiter Ferne erklang der

Glockenschlag einer alten Turmuhr, zwei Uhr schlug sie und verstummte wieder, in Auflösung mit dem Wind: „Sie waren doch erst 11 Jahre, warum sie, ... warum musste es die Kinder so hart treffen“, hallte es aus dem Mund einer fĂŒnfzigjĂ€hrigen, krĂ€nklichen Frau, welche die Mutter eines der Kinder war. „Florian war ein aufgeweckter blonder und zierlicher Junge, der sich nichts gefallen ließ. Er war manchmal sehr mutig, brauchte aber immer wieder die fĂŒrsorgliche Liebe seiner Mutter“, fuhr sie fort. „Florian war fĂŒr sein Alter verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig klein von seiner Statur und hatte drei richtige Freunde, Bernd, Sven und Uwe“, fĂŒgte sie verbittert

hinzu. „Seine großen, braunen Augen zierten sein hellfarbenes, kindliches Gesicht. Er war immer so glĂŒcklich und zufrieden, ich freute mich jedes Mal, wenn er strahlend von der Schule heimkam.“ ErklĂ€rte sie zweifellos berĂŒhrt und setzte sich auf einen alten Stuhl, nahe ihrem Wohnzimmertisch. „Warum sie alle?“ Sprach sie im Zweifel und glitt sich mit der Hand ĂŒber ihr graues Haar, wĂ€hrend sie ein Foto von Florian anschaute. Florian war ihr einziges Kind. Frau Anna Plötz, so hieß seine Mutter, war seit mehr als drei Jahren von ihrem Mann geschieden. Er wohnte sehr weit weg, im hohen Norden der Republik und kam nicht einmal zur

Beerdigung seines einzigen Sohnes, der am Rande der alten Stadt, auf einem Kastanienbaumfriedhof, in stiller Idylle beigesetzt wurde. Es kamen weitaus mehr TrauergĂ€ste zur Bestattung des Jungen, als sie annahm. Verzweifelt wischte sie sich ihre TrĂ€nen aus den Augen und zeigte mir das Foto von Florian. Es war ein Einschulungsbild, auf dem man die strahlenden GesichtszĂŒge des Jungen erkennen konnte. „Und hier“, sprach sie voller Eifer, „ist er gerade zehn Jahre alt geworden.“ Sie schwieg eine Weile, ab und an schnaubte sie ihre Nase durch. Dann drĂŒckte sie mir ein Foto in die Hand, worauf das Ebenbild meines Gesichtes ersichtlich wurde.

Dieses Bild fiel mir gleich in Erinnerung, weil es sich um ein Klassenfoto handelte, welches aus meiner dritten Klasse stammte. Ich hörte eine entfernte Quelle plĂ€tschern, die auf einen schmerzhaften TrĂ€nenfluss hindeutete. Schluchzen zog ich unĂŒberhörbar meine Nase hoch. Einige TrĂ€nen wollten mir gerade aus den Augen weichen, dennoch stĂ€rkte ich meine Interesse an dieser mysteriösen ErzĂ€hlung. Frau Plötz las mir meine Ratlosigkeit von den Augen ab. „Junge, man kann nichts dagegen tun, es sollte wohl so sein und so war es auch geschehen. Oh Herr, gib den Seelen ihren Frieden!“, rief sie um Vergebung. Ich

war wohl fast im selben Alter wie ihr geliebter Sohn, irgendwie mussten wir uns kennengelernt haben. Florian war ein Junge, der schnell Freunde gewann, aber genauso schnell wieder verlor, dennoch war ich sein bester GefĂ€hrte. Ich hingegen war sehr zurĂŒckhaltend und konnte nicht so schnell Kontakte schließen wie er, denn ich hielt mich immer ein wenig zurĂŒck in Freundschaftsbeziehungen und interessierte mich sehr fĂŒr mysteriöse Legenden. Es war nicht einfach, als Christ Freunde zu finden. Oftmals wurde man nicht geachtet, im Gegenteil, man wurde verachtet. Nicht jeder hatte sich so fest von dem Herrn leiten lassen, wie

ich es eins tat. GegenĂŒber den anderen Kindern hatte ich grĂ¶ĂŸere Vorstellungen vom Glauben, was sie kaum, oder ĂŒberhaupt nicht verstanden. Sie sagten immer in ihrer Unwissenheit. „Schaut mal da kommt Petrus.“ Ich machte mir nichts aus dieser UnglĂ€ubigkeit meiner MitschĂŒler und ließ sie links liegen. Oft sagte ich in meinen Gedanken ... in meiner Wut. Oh Herr, vergibt diese Jungen. Es war vielleicht auch der Grund, dass ich so wenige Freunde hatte. Ich war kein Junge, der verstĂ€ndnisvoll Theologiebegriffe fachgerecht vermitteln konnte und so hielt ich mich mehr aus Konfliktsituationen heraus. „Viele Jahre

sind seit dem Unfall vergangen“, sagte die alte Frau und schob sich ihre schwarzbraune Brille auf die Nase. „Es kommt mir vor, als wĂ€re es erst gestern passiert“, fĂŒgte sie demĂŒtig hinzu und griff sich noch einmal das Foto von der Einschulung. „Ich weiß noch immer nicht, wie es nur geschehen konnte“, fuhr sie in ihrer Unterhaltung fort und schĂŒttelte verzweifelt ihren Kopf. Mich verschlug es die Stimme, in dem Augenblick fiel mir kein gescheites, trostbringendes Wort ein. Ich schaute Hilfe suchend zum altmodischen, dunkelbraunen Wohnzimmerschrank, der gleich rechts neben der unansehnliche KĂŒchentĂŒr stand. Ein paar verblasste

Tapetenfetzen blĂ€tterten vom TĂŒrrahmen und hingen haltlos herunter. Was soll ich nur sagen, einer alten, verzweifelten Frau, tröstendes mitteilen, der ihren Schmerz annĂ€hernd lindert? Diese Hilfe suchende Frau, welche vor vielen Jahren ihren einzig geliebten Sohn tragisch verlor. Ich brĂ€chte es nicht ĂŒbers Herz, etwas zu sagen, dass letztlich ihren Schmerz noch verstĂ€rkt. Es kribbelte mir am ganzen Körper, der Herr konnte mir auch kein passendes Wort in den Mund legen, das ihre Gedanken ein wenig aufmuntern könnte. „Sonny“, klang es aus ihrem leicht, eingefallenen Munde. „Wie war es damals zu diesem traurigen Unfall gekommen?“, fragte sie mich

flehend. Suchend nach einer Antwort die ich ihr vielleicht nicht geben konnte. Ich schwieg einen Augenblick und kreiselte nervös meine beiden Daumen ĂŒbereinander. Derweilen brach sie wieder in ein verbittertes Weinen aus. „Bitte Frau Anna, hören sie auf zu weinen, es schmerzt mich so sehr“, flehte ich sie an und wischte mir die Augen aus. „Ich kann darĂŒber nicht sprechen. Ich kann nicht mehr und mir tut schon mein Kopf weh“, flehte ich sie abermals an. Diesen Fragen auszuweichen, sie auf ein anderes Thema zu lenken, wollte mir auch nicht gelingen. Da Frau Plötz meiner Mutter damals VorwĂŒrfe machte, warum sie die Kinder laufen ließ, erschwerte mir

ohnehin schon das Sprechen. Es war schon ein ziemlicher mysteriöser Fall. Frau Plötz stand auf, lief zum Wohnzimmerschrank und kramte darin herum. Nach einer Weile kam sie mit einer Flasche Schnaps zurĂŒck. Sie trank ohne Halt sehr viel Alkohol nach dem Tod ihres Sohnes. Somit hatte sie sich des Öfteren nicht mehr unter Kontrolle. Nachdem sie ein halbes Glas ausgetrunken hatte, fĂŒhlte sie sich offenbar etwas wohler. „Ich werde deine Worte schon ĂŒberwinden!“, versprach sie mir, um meine ErzĂ€hlung fortzusetzen. Ich musste kurz durchatmen und bewunderte ihren energischen Zwang nach verborgenen

Antworten zu graben. Sie sah sehr traurig aus, ihre Augen waren schon eingefallen und mĂŒde vom vielen Alkohol. Es musste fĂŒr sie ein großer Verlust gewesen sein, den sie bis heute noch nicht ĂŒberwunden hatte. Diesen Seelenschmerz konnte nicht einmal unser Vater im Himmel lindern. Unter anderem verlor sie dadurch ihren strengen Glauben, der sie dadurch noch schwĂ€cher erscheinen ließ. Mein Glaube wurde mir schon von Kindheit an in meiner Familie gelehrt. Streng wurde mir die Bibel eingepaukt, die meinen Lebensinhaltsweg aufzeichnen und wiederspiegeln sollte. Nein, ich wusste, dass der Vater nicht ihr verlassen hatte,

sondern sie den Vater. Sie irrte zwischen Himmel und Erde und fand nicht mehr zurĂŒck. Die Lichtquellen im Zimmer wechselten stĂ€ndig zwischen hell und dunkel. Einzelne Nebelschwaden umhĂŒllten unser GemĂŒt und brachten Feuerhitze und KĂ€lte in einen Raum zusammen. Hin und wieder waren die Bilder klar und mal erschienen sie trĂŒb, undurchsichtig. Ich fasste wieder Mut zu reden, so dass es mir leichter fiel, ĂŒber diesen Unfall zu sprechen. „Ich verstand es selber nicht, warum sie zum alten Haus liefen.“ „Sie wollten doch eigentlich zur Bude gehen“, unterbrach Frau Anna meinen Redefluss. „Es kann sein, dass sie gar nicht dort

verunglĂŒcken brauchten. Sie waren doch keine leichtsinnigen Jungen. Sie wussten doch, auf was sie sich dort einließen!“ Meinte Frau Anna, wĂ€hrend ich dachdachte. „Ja, dass stimmt schon, aber ich habe von all dem nichts gewusst.“ ErklĂ€rte ich und schaute in einen Dunklen Raum. Es wurde wieder kalt im Raum und draußen stĂŒrmte ein heftiges Gewitter. Als wolle Florians Seele auf irgendetwas hindeuten, vielleicht als eine Antwort der man nachgehen sollte. Ich kam nicht auf das Motiv, alles verschwamm um mich herum und meine Augen brannten. Die Bilder verschleierten immer wieder vor der Offenbarung, als schien was Böses

Besitz von ihnen ergriffen zu haben. Unweit schlug heftig ein Blitz ein und irgendetwas fing Feuer. Es grummelte im ganzen Haus und ein greller Lichtschein erlosch im Dunkel der Nacht. Frau Plötz schien vor Angst erst die passenden Worte zu suchen, denn sie schreckte dermaßen zusammen, als sie von mir erfuhr, dass ich vielleicht ebenso auf dem Friedhof liegen könnte. Im selben Moment fing mir an heiß zu werden und mir floss der Schweiß von meiner Stirn. 
 Am 14. August 1992 trafen sich die 4 besten Freunde, alle im gleichen Alter von 11 Jahren, um sich spontan wie schon des Öfteren, sich

Abenteuergeschichten, die sie gemeinsam erlebt hatten, zu erzĂ€hlen. Alle 4 Jungen kannten sich bereits seit dem Kindergartenalter und jeder hatte im Laufe der Zeit seine eigene Persönlichkeit entwickelt. Sven mit seinen 11 Jahren, war der bescheidenste der Jungen. Er schien sehr viel Elternliebe bekommen zu haben, die ihn sehr von seiner Mutter abhĂ€ngig machte. Sein dunkelbraunes Haar und der kleine Pony ĂŒber seinen Augenbraunen, passten gut zu seinen kindlichen GesichtszĂŒgen. Dennoch war sein Ideenreichtum von allen der beste, wie auch bei seinem gleichaltrigen Freund Florian. Sven hob sich als einziger rothaarige Junge von

seinen drei Freunden, mit dunklen und blonden Haaren, völlig ab, trotzdem passte er sehr gut in diese Kinderklicke. Florian hingegen trug blondes Haar und seine großen Augen zierten sein kindliches Aussehen. Seine hellbraunen, kugelförmigen Augen strahlten bei jeder geplanten Abenteuerreise, die sie erlebten. Seine baulichen Planungen halfen schon so oft bei ihren Abenteuererlebnissen. So kam es oft vor, dass sie ein ganzes Jahr im Voraus große Abenteuer planten, die durch Zeichnungen und StrategieplĂ€ne niedergeschrieben wurden. Florian wollte als Kosenamen Floh gerufen werden, denn den fand er immer cool. Bernd und

Uwe waren zusammen die stabilsten Jungen dieser Klicke und zugleich die, mit dem grĂ¶ĂŸten Mundwerk. Beide schienen sich vom Wesen her sehr zu Ă€hnlich, denn ihre kurzen Haare machten sie zum verwechseln Ă€hnlich. Wenn es durch fremde Jungs der Gruppe an den Kragen ging, stellten sie sich jeder Gefahr in den Weg und verteidigten ihre Einheit. Nur ihr vorlautes Mundwerk riss des Öfteren diese Gruppe in Probleme. Dennoch ergĂ€nzten sich alle vier in der Gruppe. Vom Schein her war Floh der KlĂŒgste in der Klicke, wobei Sven vom ideologischen Stand mit Floh mithalten konnte. Was man von Bernd und Uwe nicht so sagen konnte. Ihre schulischen

Leistungen standen an der untersten Grenze, trotz der stĂ€ndigen UnterstĂŒtzung durch Sven und Floh. FĂŒr die tĂ€glichen Abenteuer in der Gruppe sorgte jeder und wurden durch Sven und Floh ausgeklĂŒgelt, sowie Detailiert geplant. Die ElternhĂ€user Ă€hnelten sich bei allen vier und daher waren finanzielle Unterschiede in den Familien kaum vorhanden. Dennoch kannten sich die Eltern untereinander gut und unterbrachen diese Freundschaften nicht. Ohne Planung oder es gewollt zu haben, trafen sich alle vier Jungen zu ihrem letzten großen Abenteuer, am 14. August 1992. Es war ein stĂŒrmischer, gewittriger Sommerabend, in ihrer

Heimatstadt Oderberg, gelegen im Oderbruch direkt an der Alten Oder, umgeben von vielen BĂ€umen und hohen BerghĂ€ngen. Der Treffpunkt war auf einem Dachstuhl am Fuße des SteilhĂ€ngigen Geistberg, in einer alten Hausruine. Diese wurde um 2012 vollkommen Abgerissen und ausgeebnet. Das Kerzenlicht sorgte fĂŒr genĂŒgend Helligkeit auf dem dĂŒsteren zĂŒgigen Dachboden, wo der Wind wie heulende Wölfe, durch die alten, mit Moos bedeckten Dachziegel sĂ€uselte. Nur schwach wurde ein Teil vom Dachstuhl ausgeleuchtet und der Rest blieb den Jungen im Dunkel der Nacht verborgen. Sie setzten sich alle gegenĂŒber und

bildeten in der Mitte vom Boden einen Kreis, in dem sie ihre lodernde Wachskerze stellten. Davon waren genĂŒgend Vorhanden, gelagert in einem alten Schrank auf dem Dachboden. WĂ€hrend der starke Regen auf das Dach prallte, hörten die Jungs das quellenĂ€hnliche PlĂ€tschern an jeder undichten Hausecke. Hin und wieder knarrte es hier und dort in den alten GemĂ€uern, so dass sich die Kinder zeitweise riesig fĂŒrchteten. Als sie sich gegenseitig in den Kinderaugen sahen, ertönte ein lautes Heulen durch den alten, zerfallenden Schornsteinschacht und verstummte wieder mit dem Geheule des Gewittersturms. Spontan fing Sven

als erster an, ein gemeinsames Abenteuer zu erzĂ€hlen. Dieses Abenteuer hatten sie zusammen, vor langer Zeit, selbst erlebt. Unaufhörlich tobte der Sturm und alle rĂŒckten gespannt zusammen, um diese mysteriöse Geschichte zu verfolgen. Svens Geschichte handelte vom einen gemeinsamen Abendteuer am Waldsee. 
 „Es war an einem heißen Sommertag und die Sonne brachte uns auf die Köpfe. Die Mittagstemperaturen stiegen an diesen Tag auf ĂŒber 36° C. Ich weiß aber nicht genau, in welchem Jahr es war, denn es will mir einfach nicht einfallen. Ich kann mich nur daran erinnern, dass wir uns kurz nach Mittag mit Badesachen an unserem Waldsee getroffen hatten. Ich

hatte aber keine rechte Lust zum Baden“, fĂŒgte Sven hinzu und sortierte seine Erinnerungsfetzen, wĂ€hrend die anderen nachgrĂŒbelten, wann das wohl gewesen sein sollte! Nach einer kurzen Bedenk pause setzte Sven seine ErzĂ€hlung fort und rĂŒckte seinen Pony zurecht. „Bernd du sagtest, dass wir uns den alten Kahn, rechts vom verschilften Ufer holen sollten. Wir rannten alle zugleich dort hin, da sich zurzeit kein Fremder Mensch am See befand. Uwe sagte dann, er sei angekettet und wir wĂŒrden ihn gar nicht wegbekommen. Aber Floh hatte in der Zwischenzeit mit einem SchlĂŒssel das alte, verrostete Schloss geöffnet.“ Uwe unterbrach kurz diese spannende

Geschichte und konnte sich nur notdĂŒrftig an das alte Schloss erinnern, wĂ€hrend Bernd und Floh immer noch im Dunklen tappten. „Wir setzten uns alle in den Kahn und weil wir keine Ruder hatten, holten wir uns aus dem Unterholz der Buchen Holzstöcke zum Rudern. An der anderen Uferseite schwammen noch ein WildentenpĂ€rchen mit sechs jungen KĂŒken herum.“ Floh musste kurz unterbrechen und konnte sich an die Enten erinnern, aber an das alte Schloss nicht. 
 Bernd holte aus dem morschen Schrank zwei Ersatzkerzen, da die ersten schon fast heruntergebrannt waren. Es zog gewaltig auf dem Dachstuhl, so dass die

Kerzen stĂ€ndig flackerten und immer wieder ausgehen wollten. Sven setzte dann seine ErzĂ€hlung fort. „DrĂŒben, an der anderen Buchtseite, schwamm ein etwa 8-jĂ€hriger Junge im Wasser herum, wĂ€hrend Bernd und Uwe ein paar Runden um unseren Kahn schwammen. Floh und ich trauten uns nicht in das tiefe Wasser und bewunderten stattdessen die guten SchwimmkĂŒnste von euch. Allerdings hattet ihr durch das Hereinspringen die Wildenten mit den KĂŒken verscheucht. Im selben Moment, als ihr gerade in den Kahn klettern wolltet, hatte sich der kleine Junge im See kraut verfangen und nach Hilfe gerufen. Ihr seid gleich in den

Kahn gesprungen und so schnell wie möglich zu dem Jungen gerudert. Er schien dort allein zu sein, denn es kam kein anderer Mensch zu Hilfe. Wir zogen den kleinen, verĂ€ngstigten Jungen in unseren Kahn. Er zitterte am ganzen Körper und rief immer wieder nach seiner Mutter, war aber froh, als er uns sah. Er hieß Michael Herbst und war 8 Jahre alt und fĂŒhlte sich bis zu diesem Tag vollkommen alleingelassen.“ 
 Uwe unterbrach an dieser Stelle, konnte sich aber an den Namen Michael Herbst erinnern. Sven versuchte, den Rest der spannenden Geschichte zu beenden, aber ihm fiel auch nicht mehr ein, wie es weiterging. Er konnte sich nur an das

Herausziehen erinnern. Bernd ĂŒberlegte weiterhin und konnte sich BruchstĂŒcken mĂ€ĂŸig an Einzelheiten erinnern. Die Jungen froren ein wenig und legten sich alte Decken ĂŒber die Schultern. Draußen stĂŒrmte es unaufhörlich aus allen Wolken, wĂ€hrend Bernd fĂŒr Kerzennachschub sorgte. Sven stellte mit Floh noch zwei weitere Kerzen dazu, um noch ein wenig WĂ€rme zu erhaschen. Wieder schlug unweit entfernt ein Blitz ein und beendete das grelle Licht mit einem lang anhaltenden Donnerschlag, wĂ€hrend der Regen nach wie vor aus vollen Kannen vom Himmel ergoss. „So ein Sommergewitter gab es schon lange nicht mehr in unser Region“, sagte Sven

leicht verĂ€ngstig zu den anderen Jungen. Bernd war an der Reihe und erzĂ€hlte eine Geschichte von einem alten Bunker. Er war fest ĂŒberzeugt, dass dieses gemeinsame Abenteuer stattgefunden hatte. „Ich erinnere mich an ein wirkliches Abenteuer und ich könnte schwören, dass wir es Gemeinsam erlebt hatten. Aber in welchem Jahr es war, weiß ich nicht mehr. Irgendwann an einen Sommertag wollten wir zu dem alten Nachkriegsbunker gehen, um dort einen Einstieg zu finden. Floh organisierte seine selbst gemalten LageplĂ€ne und fand heraus, dass wir durch einen alten Schachteinstieg vom Kornfeld aus

einsteigen könnten. Der Schachteinstieg lag laut Flohs PlĂ€ne ungefĂ€hr 150 Meter von der Bunkeranlage entfernt. An einem Morgen machten wir uns auf den Weg zum Schachteinstieg. Ich brachte noch den Bolzenknacker von meinem Vater mit. Der Schacht lag zwischen einer dornigen Hecke und der Stahldeckel war vollkommen verrostet. Eine alte Kette, mit einem verrosteten Schloss, sicherte den Stahldeckel.“ Sven ĂŒberlegte und konnte sich an ein tiefes Schachtloch erinnern. Floh zögerte noch ein wenig, konnte sich aber an einen langen dĂŒsteren, feuchten Gang erinnern. Kurz darauf brauste kurz der Sturm auf und unweit vom Haus schlug abermals

ein heftiger, grellleuchtender Blitz ein. Es krachte so laut, dass alle zusammenzuckten und sich die Ohren zuhielten. Bernd ließ sich von diesem Blitz nicht einschĂŒchtern und fuhr mit seiner ErzĂ€hlung fort. „Wir haben mit dem Bolzenknacker dann das Schloss geöffnet und mussten mit viel Kraft den schweren Stahldeckel hochklappen. Der Schacht war mindestens 2 Meter tief, man konnte dort unten gar nichts erkennen. Erst mit der Taschenlampe sahen wir in der Tiefe vom Schacht, links einen Gang abzweigen, der mindestens 1,20 Meter hoch sein musste. Mithilfe eines Seils gelang es uns diese Tiefe zu erreichen.

Flohs PlĂ€ne bestĂ€tigten sich mit diesem langen dunklen Gang. Dennoch hatten wir alle den Mut, diesem unendlichen Gang, mit unseren Taschenlampen nachzulaufen.“ Bernd unterbrach an dieser Stelle und musste erst ĂŒberlegen, wie es nun weiterging. Sven und Uwe konnten sich an einen alten Abzweig erinnern, hinter dem leichte Sonnenstrahlen eindrangen. Floh schaute verwirrt, er konnte sich an nichts erinnern. Dennoch schien Bernd in seiner Hilflosigkeit den Faden doch noch gefunden zu haben und erzĂ€hlte seine einzigartige Geschichte weiter, obwohl der Gewittersturm draußen immer heftiger wurde. „Nach einer Weile kamen

wir tatsĂ€chlich zu einer Rechtsabzweigung, wo man weit hinten einen Lichtschimmer erkennen konnte. Uwe leuchtete aber in diesem Moment auf eine alte StahltĂŒre mit der Aufschrift Wehrmacht 1938. Diese TĂŒre war so stark verrostet, dass man sie nicht einmal mit Gewalt aufbrechen konnte. Die BemĂŒhungen von Uwe, die TĂŒre mit dem Bolzenknacker aufzubiegen waren fruchtlos. Nur seinen Finger hatte er sich dabei eingeklemmt. Wir gaben dann auf und liefen die paar Meter zum zuvor gesehenen Abzweig zurĂŒck, um nicht den ganzen Weg bis zum Haupteingang gehen zu mĂŒssen. Als wir diesen modrigen, feuchten Abzweig entlangliefen, hörten

wir weit weg ein wimmerndes Kind weinen. Wir rannten sofort zu dieser Stelle und sahen einen kleinen, verletzten Jungen. Er hatte ein gebrochenes Bein und einen blutigen Kopf. Offenbar ist er in seiner Neugierde in diesen Schacht gefallen und hinter ihm fiel der schwere Schachtdeckel zu.“ Bernd legte eine kurze Bedenk Pause ein, denn er bekam Durst vom vielen ErzĂ€hlen. Die letzte mitgebrachte Trinkflasche brach er an, um seinen Durst zu stillen. Sven, Floh und Uwe schienen sich zum Teil an einzelne Dinge zu erinnern, meinten aber, dass es schon sehr lange her sein mĂŒsste. Nun standen schon 10 Kerzen in den Mittelkreis, der schon

voller flĂŒssigen wachs gelaufen war. Vier StĂŒck waren bereits heruntergebrannt und sechs Kerzen gaben noch ihre WĂ€rme und Licht an den dunklen Dachstuhl ab. Draußen wĂŒtete noch immer der Sturm und wollte sich nicht vom Fleck rĂŒhren, als wĂ€hre er magisch angezogen. Und immer wieder knarrte und knackte es in jeder Ecke des alten Hauses. Bernd scheint seinen Durst gestillt zu haben und setzte seine Geschichte fort. „Wir gaben uns sehr viel MĂŒhe den alten Stahldeckel zu öffnen. In sich zusammen kauernd lag der Junge weinend in einer der feuchten Schachtecken. Der Schmerz und die Angst zerrten an seinem geschundenen

Körper. Neun Jahre war er alt und hieß Timo Steinhagen erzĂ€hlte er uns, wĂ€hrend sein Kopf immer noch blutete. Aber er war richtig froh, als er uns sah und schien sich erleichtert zu fĂŒhlen. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, dass wir ihn dort rausholten und zu einem Arzt bringen wollten. Ich habe Tage danach noch diese schmerzvollen Kinderschreie gehört. Aber trotz, dass es ein heißer Sommertag war, fĂŒhlte Timo sich so richtig durchfroren an.“ 
 Eine komische Geschichte meinten die vier Kinder, wĂ€hrend es ihnen so richtig heiß wurde. Irgendwie machte diese Geschichte alle Jungs nachdenklich, weil sie sich nur streckenweise an einzelne

Details erinnerten. „Nun bist du dran, Uwe!“, verstĂ€ndigten sich die Jungs und schauten erwartungsvoll, trotz der vielen Blitze, zu Uwe. Uwe begann seine Geschichte mit einem alten Bahntunnel. „Es geschah irgendwann im Sommer, aber in welchem Jahr es war, weiß ich nicht mehr. Wir planten eine Tour zum alten Eisenbahntunnel und die Sonne brannte uns auf den Köpfen. Weil es an diesem Nachmittag unten am Bahndamm sehr heiß war, wollten wir durch den kĂŒhlen zugigen Eisenbahntunnel gehen. In diesem Tunnel war es schön kĂŒhl und Windig. Jedes Mal, wenn ein GĂŒterzug durch fuhr, wurde es fĂŒr Floh riskant. Er war von uns der zierlichste und sehr

leicht, so musste Uwe oder Bernd ihn immer festhalten, dass er nicht mitgezogen wurde. Das waren noch schöne Zeiten.“ Unterbrach Uwe, um sich seine Decke ĂŒber die Schulter zu ziehen. Sven fiel auf, dass die Zeit ĂŒberhaupt nicht vergehen wollte, konnte aber mit diesem Abenteuer nicht viel anfangen. Floh ĂŒberlegte einen Augenblick, erinnerte sich aber an eine Affenschaukel, die an einer alten Kiefer, oben ĂŒber dem Bahndamm, angebracht war. „Ja genau“, meinte Uwe, als wĂŒrde er sich jetzt daran erinnern, wie seine Geschichte weiterging. Ein kalter Hauch breitete sich ĂŒber dem ganzen Dachboden aus und der Geruch von

abgebrannten Kerzen und Holz lag in der nebligen Luft. Teilweise konnten die Jungs ihre eigene Atemluft sehen und schauten sich dabei verwundert in die Augen. WĂ€hren der Wind sein SĂ€useln nicht aufgab, setzte sich Uwe bequem hin und fing an weiter zu erzĂ€hlen. „WĂ€hrend wir schon einige Meter vom Tunnel entfernt auf den Bahngleisen liefen, sahen wir oben bei der Affenschaukel zwei etwa 10-jĂ€hrige Kinder spielen. Sie wollten wohl die Schaukel ausprobieren. Der kleinere Junge nahm gerade in Richtung Bahngleis einen richtigen Schwung, um so weiter wie möglich ĂŒber den Bahndamm zu schaukeln. Aber aus dem Tunnel nĂ€herte

sich bereits ein Zug in Richtung Schaukel. Kurz zuvor ist das alte Seil gerissen und der Junge landete auf dem heißen Pudersand, kurz vor dem Zug. Er rollte ziemlich schnell den Hang zu dem Zug herunter. Wir rannten so schnell wie möglich zu dem Jungen und konnten ihn, einen Meter vor dem rasenden Zug noch festhalten. Er war wie geschockt, als er den großen, fahrenden Zug wahrnahm. Er war richtig froh und hatte sich ĂŒber unsere Rettung riesig gefreut. Er verriet uns seinen Namen, Rene Stern, hieß er und wurde vor ein paar Tagen erst 10 Jahre alt.“ Die Jungs verkrochen sich vor lauter KĂ€lte in den Decken und stellten 3

weitere Kerzen zu den anderen, um den Raum wĂ€rmer zu bekommen. Teilweise konnten sich die Kinder an Einzelheiten dieser ErzĂ€hlung erinnern. Selbst an den Jungen, aber was aus ihm wurde, wusste keiner mehr. Dennoch konnten sich einige an kein zweites Kind erinnern. Bernd fand in seinem ErzĂ€hlungseifer eine halbvolle, alte verrostete Petroleumleuchte im Schrank, die sogar funktionierte. Er stellte sie zu den noch sieben halb heruntergebrannten Kerzen im Kreis. Als sie sich dann wieder ein wenig aufgewĂ€rmt hatten, fiel Florian eine Geschichte ein, wovon er ganz fest ĂŒberzeugt war, diese zusammen mit allen erlebt zu haben. Florians begann seine

Geschichte vom einen Steilhang zu erzĂ€hlen, ganz in der NĂ€he der alten Hausruine. 
 „Ich habe ein ganz gutes Abenteuer mit uns vier“, fing Florian mit einem Leuchten in seinen Augen an zu erzĂ€hlen. „Könnt ihr euch noch an den Sommertag mit dem Steilhang erinnern, es muss so im August 1900 ... , ach ich weiß nicht mehr, welches Jahr es war. Es war jedenfalls ein sehr heißer Sommertag und wir wollten die AbkĂŒrzung, ĂŒber den schmalen Steilhang, zur Altstadt nehmen. Diese AbkĂŒrzung fĂŒhrte direkt zum Stadtkern. Bernd und Uwe, ihr hattet noch das kleine Amselnest gefunden, wo Sven euch noch sagte, was das fĂŒr eine

Vogelart sei. Die bunten Schmetterlinge tĂ€nzelten an der heißen Hangseite bis ganz nach oben. Das war eine Höhe von mindestens 7 Metern. Der lehmhaltige Hang war mit stachligen Kletterpflanzen bewuchert. Nach unten ging der Hang 18 Meter steil nach unten. Am Fuße vom Berg standen viele blĂŒhende AkazienbĂ€ume. Hoch am blauen Sommerhimmel zwitscherten die Feldlerchen und die Amseln in den grĂŒnen Baumkronen. Weit hinten konnte man die Alte Oder erkennen. Der AbkĂŒrzungsweg ĂŒber den Steilhang war sehr gefĂ€hrlich und nur 30 cm schmal und verlief ĂŒber eine LĂ€nge von 5 Metern, bis der Weg wieder breiter

wurde. Bernd lief mit dem RĂŒcken zur oberen Hangseite vorsichtig voran, weil er der Mutigste war. Dann folgte Uwe, Sven und zum Schluss ich, Hand in Hand haltend, mit dem Kopf in gerader Linie zum Horizont. Sven hatte doch noch gejammert, wĂ€hrend ich mich vor Angst ganz schön zusammenreizen musste.“ Floh musste schmunzelnd unterbrechen. Er amĂŒsierte sich so lustig ĂŒber diese Geschichte, dass er die anderen gleich mit sich riss und alle fĂŒr einen Augenblick den Sturm vergaßen. Sie kannten alle vier diesen gefĂ€hrlichen Hang und konnten sich auch gut an dieses Abenteuer erinnern. Nun schien die Zeit doch noch schneller zu

verfliegen wie gedacht, denn Florian konnte seine Geschichten sehr gut erzĂ€hlen. Er zog so gar alle mit sich in diesen Banner. Denn seine Geschichten waren fantasievollen begeisternd erzĂ€hlen. Auf alle FĂ€lle setzte er seine Geschichte ohne Pause fort. „Als wir uns schon ein paar Meter lang vorgetastet haben, wollte ein jĂŒngerer Junge denselben Weg von der anderen Seite zu uns gehen. Bernd du hattest gleich rĂŒber gerufen, er soll zurĂŒckgehen, weil es zu gefĂ€hrlich sei. Im selben Moment war er schon abgerutscht, aber du konntest ihn noch rechtzeitig greifen und hochziehen. Er freute sich, dass du ihn noch gerettet

hast und sprang uns voll an den Hals, nachdem wir auf festen Boden standen. Seinen Namen könnte ich niemals vergessen. Nico Bering war sein Name und 8 Jahre war er alt und lebte bei seiner Oma.“ An dieser Stelle beendete Florian sein Abenteuer, weil er nicht mehr genau wusste, wie es dann mit Nico weiterging. Die anderen konnten sich erinnern, hatten aber Einzelheiten auch nicht mehr im Kopf. Durch die mittlerweile 14. Kerzen wurde der Dachstuhl ein wenig heller, aber durch den nasskalten Gewittersturm bildeten sich immer wieder Dunstschwaden an der Bodenspitze. Sie hörten wieder Geknarre im alten Haus und fĂŒrchteten

sich ein wenig. Aber diese GerĂ€usche wurden eindeutiger und tönten vom Erdgeschoss zum Dachstuhl hoch. „Seit doch mal leise!“, rief Florian leise zu den anderen und dĂ€mmte ein wenig, die im Windzug lodernden Kerzen. Schweigend hielten sie ihren Atem an. 
 Irgendwie traute sich keiner von den Jungs zur dunklen Treppe zu schleichen, um nachzusehen, wer dort herumlief. Bernd riss sich zusammen und wagte den ersten Schritt zur Treppenoberstufe. Er konnte in der Dunkelheit einen Taschenlampenlichtstrahl erkennen. Auf einmal rief er leise. „Da kommt jemand die Treppe hoch.“ Die Herzen vor Angst in die Hosen gerutscht, machten sie die

Lichter aus und versteckten sich hinter den alten SchrĂ€nken und SchornsteinschĂ€chten. Ihre Herzen schlugen so schnell, dass man sie auf dem Dachboden leise hören konnte. In dem Augenblick leuchtete das Taschenlampenlicht den ganzen Boden flĂŒchtig aus und verschwand wieder Stufe fĂŒr Stufe nach unten, heraus aus dem alten Haus. Sie vernahmen nur noch auf dem Treppenhaus das Herunterfallen einer Tageszeitschrift. „Meine GĂŒte!“, rief Bernd erleichtert und bekam von allen die Zustimmung. „Das hĂ€tte beinahe schief gehen können“, sagte Florian und zĂŒndete wieder die gesamten Kerzen und Petroleumlampe an. Nun brannten auf

dem Dachstuhl genau zwanzig Kerzen in der Mitte von dem Kinderkreis. Selbst die tiefsten Ecken vom Dachboden wurden Sternenleuchten erhellt. „Da liegt eine Zeitung, die muss wohl derjenige verloren haben“, sagte Uwe ganz neugierig und gab sie Florian zum lesen. Als er laut einen Artikel auf der Hauptseite vorlas, blieb allen der Atem stehen. „Von wann ist denn diese Zeitung?“, wollte Bernd unbedingt wissen, worauf Florian verbittert Losweinen und diese zeigte. „Sie ist vom 14. August 1992 ...!“, meinte Florian und bekam kein Wort heraus, worauf Bernd verwundert sagte. „Na, das ist doch Heute, was ist denn so schlimm

daran?“ Und gab die Zeitung Floh zurĂŒck, der den Jungs einen sehr wichtigen, Artikel vorlas. „Die Kinder der Vergangenheit! Vor 20. Jahren: Ein mysteriöser Zusammenhang wurde in mehreren TodesfĂ€llen in der Region Oderberg festgestellt. Am 14. August 1972 verstarben durch ungeklĂ€rte mysteriöse UmstĂ€nde die 4 gleichaltrigen Jungen, im Alter von 11 Jahren, durch einen Brand im Dachgeschoss, in dem alten Haus, am Geistberg von Oderberg. In tiefster Trauer gedenken wir den 4 Kindern; Sven Berger, Florian Plötz, Bernd Brauer und Uwe Lerken, die am 18. August 1972 auf dem stĂ€dtischen

Kinderfriedhof, in stiller Trauer beigesetzt wurden. Am 14.August 1973, ein Jahr nach der Beisetzung, wurde der 8-jĂ€hrige Michael Herbst ertrunken aus dem Waldsee von Oderberg geborgen, wĂ€hrend am Nachmittag der seit 3 Wochen vermisste 9-jĂ€hrige Timo Steinhagen in einen ehemaligen NVA-Bunkerschacht erstickt geborgen wurde. Man stellte eine schwere Kopfverletzung und ein gebrochenes Bein bei der Autopsie fest. Am gleichen Nachmittag wurde auf dem Bahngleis, kurz vor der Tunneleinfahrt, der 10-jĂ€hrige Junge, Rene Stern, aufgefunden, wĂ€hrend zur selben Zeit, durch einen Feuerwehrgroßeinsatz, der 8-jĂ€hrige

Nico Bering, von dem 18 Meter hohen Steilhangberg zum Oberkietz abgestĂŒrzt ist und an den Folgen seiner schweren Verletzungen, auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. Wer kann diese mysteriösen ZusammenhĂ€nge dieser traurigen Schicksale von 8 Kindern aufklĂ€ren?“ Keiner der nunmehr verzweifelten Jungs bekam ein Wort ĂŒber die Lippen, wĂ€hrend sich ein kalter Nebeldunst um die verschreckten Kinder legte. Es gab kein Entrinnen fĂŒr die von Heimweh geplagten, nach Hilfe rufenden Kinder. Schmerzliche Erinnerungen breiteten sich in den Kinderherzen aus und geleiteten sie sicher durch ein grelles Licht in ihre

Sicherheit zu den Kindern der Vergangenheit. Erleichtert von all ihren Qualen und SehnsĂŒchten, weil sie ihre Ängste vor 20 Jahren nicht ĂŒberwinden konnten, um durch das Lebenslicht zu gehen. Einen Tag, nach dem 14. August 1992, besuchte ein Junge die 8 KindergrĂ€ber auf dem stĂ€dtischen Kinderfriedhof. Es war sehr heiß an diesem Tag und die Vögel zwitscherten ihre Lieder. Ganz traurig und verloren stellte ich mich an die GrĂ€ber und sprach folgende tröstenden Worte zu den Kindern der Vergangenheit. „Mein Name ist Sonny Plötz, ein Verwandter von Florian und ich bin 11 Jahre alt und kannte eure Geschichten von den

Kindern der Vergangenheit. Ich erlebte sie in meinen nĂ€chtlichen TrĂ€umen immer wieder und die Mutter von Florian erschien mir immer wieder, bis zur gestrigen Nacht, dann hörten diese TrĂ€ume auf. Ihr konntet das Feuer nicht löschen, dass eins euer Schicksal bestimmte. Es war fĂŒr euch zu mĂ€chtig und versperrte euren Ausgang. Es waren zu viele Feuerflammen und ihr fandet den Weg zum Licht nicht. So starben die vier Kinder ein Jahr spĂ€ter, weil ihr schon zu jedem Opfer einen Abenteuerplan fertig gestellt hattet. Ihr wart aber zu dieser Zeit schon verstorben und erlebtet diese Abenteuer 20 Jahre lang immer wieder in der Nacht des 14. August. Eure Seelen

haben nun ihren Weg gefunden und so seit ihr fĂŒr immer vereint mit den Kindern der Vergangenheit.“ Florians Mutter stellte an jedem Todesjahrestag eine Kerze fĂŒr euch auf. Die zwanzigste und letzte Kerze stellte ich fĂŒr euch auf, weil die Mutter von Florian vor einem Jahr, am 14. August 1991, an ihrem gebrochenen Herzen verstarb. Ich legte eine schwarze Rose an jedes Grab und stellte jeweils eine rote, brennende Kerze in die Mitte der 8 KindergrĂ€ber. Im selben Moment blĂŒhten sie prachtvoll auf und es flogen 8 junge, wunderschöne, Schmetterlinge empor zum Himmel und vereinten sich mit den prachtvollen Sonnenstrahlen am blauen

Sommerhimmel. Seither trĂ€umte ich nie wieder von euch, den Kindern der Vergangenheit. Die Kinder der Vergangenheit Die Kinder der Vergangenheit sind nie allein, denn sie sind fest verschlossen in meiner Einsamkeit. Sie sind tief verborgen in meiner Kinderzeit. Sie lassen sich dann erst wieder sehen, am letzten Tag meines Lebens. Wenn sie mich fĂŒr immer

holen, bin ich wieder vereint, mit den Kindern meiner Vergangenheit. Detlef Doletzky 1976 mit 14 Jahren geschrieben The End

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Hörbuch

Über den Autor

Doletzky
Autorenbiografie von Detlef Doletzky.
Mit Beginn der Einschulung 1969, prĂ€gte der 7 jĂ€hrige Junge bereits, in den ersten 4 Schuljahren sein kreatives malerische können mit fantasievoller farblichen Bildgestaltung aus. Im frĂŒhen Alter von 12 Jahren ermöglichte der SchĂŒler Detlef Doletzky (Jahrgang 1962), geboren in Bad Freienwalde, der Oberschule Oderberg im Jahr 1974 den 1. Platz der Kinderkreismeisterschaft fĂŒr hervorragende Schattierungsaquarelle im Zeichnen und Malen. Bereits im Jahr 1978 gewann er den Jugendbezirksmeisterschaftstitel fĂŒr malende DDR Kunst fĂŒr seine LehrausbildungsstĂ€tte in Eberswalde. Seine ersten Bilder wurden 1981 und 1982 im DDR-Fernsehen veröffentlicht und bewertet.
Im Jahr 1988 und 1989 wurden in Potsdam und Umgebung ĂŒber 80 Ölbilder seiner ersten Staffel ausgestellt. Mit der Deutsch/Deutschen Vereinigung im Jahr 1990 geriet die Kunst des Malens in Vergessenheit und begann erst im Zusammenhang mit der KinderbucherzĂ€hlung "Der stĂ€hlerne Weg" 2007 einen neuen Anfang.
Im Jahr 2009 wurde das 1 Buch "Der stĂ€hlerne Weg" durch den Wagner- Verlag veröffentlicht und im FrĂŒhjahr 2010 auf die Leipziger - Buchmesse prĂ€sentiert. Gleichzeitig stattete 2010 bis 2011 die zweite Buchszenenmalerei Staffel, mit 4 Großrahmenbildern von ĂŒber 100 einzelne Ölbildszenen aus den ErzĂ€hlungen, "Der stĂ€hlerne Weg" und "Die Kinder der Vergangenheit" in Oderberg, Eberswalde, Bad Freienwalde und AngermĂŒnde.
Die KinderdramaerzĂ€hlung, "Die Kinder der Vergangenheit", "Kinderheim der Hoffnung" und "Engel der SehnsĂŒchte" zu lesen auf der Internetseite "myStorys" Doletzky, wurde als Buch vertraglich zurĂŒckgezogen.
Die RomanerzĂ€hlung mit den Titel: "Kindheitstrauma" wurden aus gesundheitlichen GrĂŒnden, vertraglich 2012 beim Wagner- Verlag aufgelöst, womit alle Rechte an den Autoren zurĂŒckĂŒbertragen wurden.
Seit 2013 beschĂ€ftigte sich der gesundheitlich angeschlagene Autor, Kunstmaler und FrĂŒhrentner mit ehrenamtlichen TĂ€tigkeiten aus dem Zivil und Sozialrechtssystem. Seine grĂ¶ĂŸten StĂ€rken und Interessen liegen dennoch im journalistischen Bereich der Vergangenheitsforschung und Historik, vor allem aus dem Themenbereichen Menschenschicksale und mysteriösen unaufgeklĂ€rten FĂ€llen.
Mai 2013...

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