Romane & Erzählungen
Fremdkörper

0
"Fremdkörper"
Veröffentlicht am 31. Januar 2013, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich glaube an Liebe auf den ersten Blick, den verl√§ngerten Arm des Schicksals, an wahre Freundschaft und Gef√ľhlstiefe, an Botenstoffe und guten Rotwein und daran, dass Leben Spass machen sollte. . . Au√üerdem glaube ich, dass Musik eine gro√üe vision√§re Kraft besitzt und an die Notwendigkeit sozialer Kompetenz, an Eigenst√§ndigkeit und die Verantwortung f√ľr eigenes Handeln. Ich glaube an heitere, nat√ľrliche Sexualit√§t und daran, dass man seine ...
Fremdkörper

Fremdkörper

Fremdkörper

Als Gregor Samsa eines Morgens aus seltsam unruhigen Tr√§umen erwachte, fand er sich in eine kurvenreiche Sch√∂nheit verwandelt. Samsa hatte die Merkw√ľrdigkeit dieses Momentes sofort ersp√ľrt - eine seltsam bedeutende Unfassbarkeit lag darin, die sich seiner bem√§chtigte, nachdem er die Augen aufschlug.

Die ihm vertraute Morgenerektion fehlte gänzlich und so griff er beherzt mit der rechten Hand in die Region, die ihm stets Anlass zu größter Freude bot, doch die suchende Hand griff ins Leere - jedenfalls fand er nicht das, was er zu finden erhoffte.

In einem Impuls puren Entsetzens zog er blitzschnell die Hand zur√ľck, schwang sich mit einer geradezu fluchtartigen Bewegung aus dem Bett und stand nun, wie versteinert, fast in der Mitte seines kleinen Mansarden-zimmers, dass er seit fast einem Jahr bewohnte.

Ganz langsam, fast ängstlich senkte er seinen Blick und nahm nun wie in Trance die Einzelheiten seines Körpers wahr.

Samsas Blick blieb wie hypnotisiert an den wohlgeformten Rundungen h√§ngen, die sich genau dort erhoben, wo noch vor Stunden eine schwarz behaarte Brust nicht unwesent- lich zu seiner m√§nnlichen Selbstsicherheit beitrug. Er erhob unwillk√ľrlich seine H√§nde und umfasste mit seinen zittrigen schlanken

Fingern die kleinen H√ľgel, als wollte er sich davon √ľberzeugen, dass er nicht tr√§umte.

Verdammt, verdammt...schrie es f√∂rmlich in ihm und er war nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Seine H√§nde erforschten weiter diesen Frauenk√∂rper, in dem er nun steckte. Fassungslos - doch auf eine seltsame Weise fasziniert, wanderte er √ľber die neuen K√∂rperlandschaften, bis zu dem neuralgischen Punkt seiner nicht mehr vorhandenen M√§nnlichkeit.

Er schloss seine Augen und f√ľr einen kurzen Augenblick f√ľhlte es sich an, bals w√§re er in einem Tagtraum gefangen.

Was h√§tte er noch vor Zeiten daf√ľr gegeben, genau diese Form einer weibliche B√§renfalle unter seinen H√§nden sp√ľren zu d√ľrfen. Seine

Wirkung auf Frauen war irritierender Weise nicht besonders groß, obwohl man ihm durchaus nachsagte, aufgrund seines ansprechenden Erscheinungsbildes ein ausgesprochener Frauentyp zu sein.

Vielleicht lag es an der Tatsache, dass er nur ein geringes Mass an Feingef√ľhl sein Eigen nennen konnte. Es war noch nie sein Ding gewesen, die Weiblichkeit mit manipulativen Worten zu umgarnen, die widerlich s√ľ√ü, wie Haselnusscreme, √ľber die Zunge rutschten. Nein, es gab f√ľr ihn klare Regeln in dem Miteinander von Mann und Frau, die von Natur aus ein begrenztes Spielfeld voraus setzten. Mann und Frau sondierten das Aktionsfeld, erfassten die gegnerische Position und schon begann das Spiel.

F√ľr Samsa bestand der Sinn des Spiels einzig darin, so schnell wie m√∂glich und so angestrengt wie n√∂tig, das Ziel zu erreichen. Er war der Mann f√ľr nur eine Nacht. Jede auch nur gedachte weitere Ann√§herung kam einer Spielfeld√ľberschreitung gleich und wurde von seinem inneren Linienrichter rigoros geahndet.

Noch immer in ambivalenten Gedanken versunken, ging er zu seinem Weichholz-schrank, in dessen Mitte ein gro√üer Spiegel eingelassen war und starrte verz√ľckt auf sein Spiegelbild.

Diese bezaubernde Frau mit den dunklen kurzen Locken und dem atemberaubenden Körper, sollte wirklich er sein?

Samsa war sprachlos und noch mit der Frage

besch√§ftigt, wie zum Teufel er wohl in diese irreale Situation geraten war, als es an der T√ľr klopfte. Es pochte noch einmal - dieses Mal kr√§ftiger und eine ihm wohl bekannte M√§nnerstimme forderte sehr unwirsch Einlass. So ein Mist, dachte Samsa und beeilte sich, seinen alten Bademantel aus dem Schrank zu kramen. Er warf sich das Kleidungsst√ľck √ľber und eilte zur T√ľr, w√§hrend er in seinem Kopf eine plausible Geschichte konstruierte. Beim √∂ffnen der T√ľr h√§tte Samsa fast mit der erhobenen Faust von Micha Bekanntschaft gemacht, der allerdings bei dem Anblick von so viel Weiblichkeit augenblicklich in seiner Bewegung verharrte und mit offenem Mund

die fremde Sch√∂nheit anstarrte. Samsa konnte den Schleiereulenblick seines besten Freundes fast k√∂rperlich sp√ľren und diese Reaktion st√ľrzte ihn in ein ungewolltes, abgrundtiefes Gef√ľhlschaos.

Wie sollte er das alles nur erklären? Blitzschnell fasste er den Entschluss, Micha das glauben zu lassen, was er ohnehin sah. Schließlich konnte er sich doch nicht einfach hinstellen und sagen: Hey, sieh her, ich bin es, Gregor, dein alter Kumpel.

Innerlich noch immer vehement den Kopf sch√ľttelnd, begr√ľ√üte er seinen Freund mit einem reizenden L√§cheln und der Bitte, einzutreten. Die lange, √ľberaus schwammige Erkl√§rung, die dann folgte, begann er mit der Vorstellung seiner neuen Weiblichkeit, indem

er Micha mitteilte, "er" sei Gregors j√ľngere Schwester.

Micha schien von der Frau im Bademantel √§u√üerst angetan zu sein und Samsa hatte wieder das Gef√ľhl, die bewundernden Blicke des Freundes, wie kleine Ber√ľhrungen auf seiner Haut sp√ľren zu k√∂nnen.

Eine ungewohnte Nervosität machte sich in dem Frauenkörper breit, als Augenpaare sich unvermittelt trafen.

Was passierte da mit ihm? Seine Weiblichkeit f√ľhlte sich von Micha angezogen! Von Micha! Und genau in diesem Augenblick fing sein bester Freund auch noch an, S√ľ√üholz zu raspeln und "ihn" auf genau diese ekelhaft manipulative Weise, die er als Mann immer so verabscheut hatte, zu umgarnen. Und zu

seiner allegr√∂√üten Verwunderung blieben Michas honigs√ľ√üe Komplimente nicht ohne Wirkung.

Stunden vergingen. Man plauderte angeregt, trank Tee und ganz nebenbei bemerkt, interessierte es anscheinend niemanden mehr, wann "Gregor" wieder daheim sein w√ľrde. Sie genossen die Zweisamkeit und v√∂llig unvermittelt war der Augenblick da, in dem sich zwei hungrige Lippenpaare, wie von einem Magneten angezogen, aufeinander zu bewegten.

Sie tauchten tief in den warmen Atem ein, sp√ľrten das lustvolle Kribbeln auf der Haut- dann ber√ľhrten sich ihre Lippen, glitten sanft und geschmeidig √ľbereinander, um ganz zu verschmelzen...

Mit einem unerträglichen Sehnen in seinen Lenden wachte Samsa plötzlich auf. Seine Männlichkeit - steil aufgerichtet, wie ein Marschflugkörper vor dem Abschuss - war unumstößlicher Beweis seiner Erregung.

Er war auf äußerst seltsame Art irritier - irgendwie noch diesem intensiven Traum nachhängend und dennoch unendlich froh, wieder er selbst zu sein. Und doch hatte sich etwas verändert...



©roxanneworks 2013 / 01

©cover by Fotolia


0

Hörbuch

Über den Autor

roxanneworks
Ich glaube an Liebe auf den ersten Blick, den verl√§ngerten Arm des Schicksals, an wahre Freundschaft und Gef√ľhlstiefe, an Botenstoffe und guten Rotwein und daran, dass Leben Spass machen sollte. . . Au√üerdem glaube ich, dass Musik eine gro√üe vision√§re Kraft besitzt und an die Notwendigkeit sozialer Kompetenz, an Eigenst√§ndigkeit und die Verantwortung f√ľr eigenes Handeln. Ich glaube an heitere, nat√ľrliche Sexualit√§t und daran, dass man seine Geburtstagsgeschenke nicht schon vorher auspacken sollte...und ich glaube an nie enden wollende, sanfte feuchte K√ľsse und die Macht der Liebe, die ein Leben lang andauert...

Mich inspiriert das Leben und die Menschen darin. Die innere Auseinandersetzung mit all den Stolpersteinen, die das Leben mir vor die F√ľ√üe legt. In meinen Texten versuche ich mich den unterschiedlichsten Themen des Lebens auf meine Weise zu n√§hern, sie aufzuschl√ľsseln und zu verarbeiten. Dabei werde ich das Leben stets von der heiteren Seite betrachten, gleichwohl finden sich auch Gedanken von mir, die mit schwarzer Tinte geschrieben wurden. Meine Pr√§ferenz in der Literatur geh√∂rt jedoch der Liebe, mit all ihren Facetten.
©roxanneworks
http://www.verwortet-by-roxanneworks.blogspot.com/..........www.net-verlag.de/roxanneworks.html

Leser-Statistik
396

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Dreamiie Interessante Idee :) Es hat mir definitiv gefallen! Man könnte diese Story sehr gut auch in das Genre Humor übertragen, wenn man sie anderst aufbaut :)
Aber dennoch, mir gefällt es.
♥ Dreamiie
Vor langer Zeit - Antworten
roxanneworks Hallo Dreamiie,
Grundlage der Story war eine Battle-Vorgabe, die neben 10 vorgegebenen Begriffen auch den Eingangssatz bestimmte...
Ich habe die Geschichte bewußt als Traumsequenz angelegt, wobei der offene Schluss auch andere Interpretationen zulässt...;-))
HERZlichen Dank an Dich. Freut mich, wenn der Text Dir gefallen hat. You're welcome!

Liebe Grüße
roxanne
Vor langer Zeit - Antworten
Silvi Was für eine großartige Story, die nachwirkt, die mich vor einen Spiegel stellt und ... nein, nicht zu viele Worte. Nimm mein Kompliment, es kommt von Herzen. Silvi
Vor langer Zeit - Antworten
roxanneworks 
Und ich danke Dir von HERZEN für das Kompliment, liebe Silvi...

Dir einen schönen Abend
roxanne
Vor langer Zeit - Antworten
cyranoDe Hammer Cover!

Gerne noch einmal!

Gruß
cyrano
Vor langer Zeit - Antworten
roxanneworks Vielen Dank,an Dich, lieber Cyrano.............

Ganz liebe Gr√ľ√üe
an Dich
und schönen Sonntag
roxanne
Vor langer Zeit - Antworten
NORIS Eine tolle Geschichte ... tja, was so eine Verwandlung doch im Leben ver√§ndern kann ...
LG Heidemarie
Vor langer Zeit - Antworten
roxanneworks Das kann ich Dir sagen....als ich die Story schrieb, habe ich auch dar√ľber nachgedacht, was w√§re wenn mir so etwas passieren w√ľrde ;-))

Ganz liebe Gr√ľ√üe
und Dank an Dich
roxanne
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Einfach nur klasse und die Worte wunderbar eingebaut!
LG
Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
roxanneworks Ich danke dir ganz herzlich, liebe Manuela....
f√ľr das lesen und nat√ľrlich f√ľr den Favo...
freue mich riesig, wenn Du Dich gut unterhalten f√ľhltest...

Ganz liebe Gr√ľ√üe
an Dich
roxanne
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
68
0
Senden

83881
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung