Humor & Satire
Schussfahrt

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"Die tragische Geschichte meiner kurzen, aber intensiven Karriere als Skihase"
Veröffentlicht am 09. Januar 2013, 16 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. Zum zweiten Mal verheiratet lebe ich im Münsterland. Bisher veröffentlicht: Die Ruhrpottsaga: Ruhrpottklüngel, Ruhrpott Pärchen, Ruhrpottherzen, Ruhrpottabschied, Leben lernen. 14 weitere Bücher (darunter Reiseberichte, Tiergeschichten, Liebesgeschichten und -romane), 15 Kinderbücher, zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und ...
Die tragische Geschichte meiner kurzen, aber intensiven Karriere als Skihase

Schussfahrt

 

„Was hältst du von einem Skiurlaub im Schwarzwald?“
„Ich sage nur: Zillertal!“ 

Alan grinste. „Das Gesicht des Skilehrers, als du ihm die Bretter vor die Füße geknallt hast, werde ich niemals vergessen.“ 

Die Erinnerung ließ mich schmunzeln. „Ich hatte viel Geld für diesen Skikurs bezahlt. Der Jungspund von Skilehrer wollte mich niedermachen, weil ich nicht perfekt auf den Brettern stand. Das sollte er mir beibringen.“
„Du hast es ihm klar gemacht“, erwiderte Alan trocken. „Aber schau: Auf dem Feldberg geht es beschaulich

zu, dort könntest du in aller Ruhe von vorne anfangen. Vielleicht können wir zusammen ein paar Touren machen. Nur ganz leichte Pisten.“ „Versuchen kann ich es. Aber wenn‘s mit dem Skifahren nicht klappt, dann mache ich es mir gemütlich und du kannst allein fahren.“

„Grüß Gott, ich bin Toni“, der vertrauenerweckende Naturbursche schaute den Neulingen im Anfängerkurs fest und überzeugend in die Augen. „Ich verspreche euch, wenn der Kursus vorbei ist, fahrt ihr wie die Weltmeister.“ Na dann, ich beschloss alles zu geben, denn der Skilehrer war mir wirklich

sympathisch. „Auf geht's“, mit diesen Worten dirigierte uns Toni zum Babylift.

Ich hielt mich tapfer und stellte mich nicht dämlicher an, als meine Mitstreiter. Toni strahlte Wohlwollen aus, lobte auch die kleinste Kleinigkeit, ließ sich durch nichts erschüttern ... bis ... Wieder ergriff ich entschlossen das rotierende Seil des Babyliftes, um mich in schwindelerregende Höhen schleppen zu lassen, als das Unglück geschah: Ich blieb mit meinem Fausthandschuh am Seil hängen, kam zu Fall und wurde ein Stück weit mitgeschleift. Verzweifelt versuchte ich mich zu befreien, doch ich

hing hoffnungslos fest, rutschte auf dem Po immer näher auf die Zugmaschine des Liftes zu. Toni half mir aus der Misere, indem er mit einem kräftigen Ruck an meinem Arm zog, was die Hand aus dem Handschuh rutschen ließ. Das Teil, immer noch hoffnungslos mit dem Stahlseil des Liftes verpusselt, drehte eine Ehrenrunde und kam in ziemlich lädiertem Zustand wieder an mir vorbeigesegelt. Toni befreite auch den bedauernswerten Handschuh, drehte ihn hin und her und grinste mich aufmunternd an. „Mädel, deine Handschuhe sind klasse, aber nicht zum Skifahren eignet.“ „Wie war der erste Tag? Lebt der

Skilehrer noch oder hat er sich vor lauter Verzweiflung in eine Lawine gestürzt?“ Ich maß meine bessere Hälfte mit einem hochmütigen Blick. „Ich bin richtig gut, aber ich brauche neue Handschuhe, weil meine nicht so gut sind, meint Toni!“ Alan grinste gemein. „Ich habe aus der Ferne gesehen, dass jemand aus deiner Gruppe sich hoffnungslos im Babylift verkeilt hatte. Natürlich nicht du, oder?“ Ich ließ mir die Niederlage nicht anmerken. „Was glaubst du? Natürlich nicht!“


Heute war unsere sowieso überschaubare Gruppe heftig geschrumpft, was nichts anderes bedeutete, als dass Linda, eine

immer gut gelaunte Brasilianerin und ich allein vor Toni standen. „Die Anderen haben aufgegeben, aber wir machen weiter“, erklärte er. „Auf geht's. Heute üben wir die richtige Abfahrt.“ 

Linda sah erst ihn und dann mich fragend an. Offensichtlich hatte sie kein Wort verstanden. Toni erklärte ihr alles noch einmal mit Händen und Füßen, anschließend wandte er sich an mich. „Pass auf: Wir fahren jetzt mit dem Skilift, aber nicht bis ganz oben. An der Hütt`n müsst ihr aussteigen. Du fährst zusammen mit Linda und sagst ihr Bescheid, wenn ihr angekommen seid.“ „An der Hütte?“, fragte ich etwas dümmlich.

Wie immer strahlte Toni Optimismus aus. „Ja, du wirst schon sehen.“ So hopsten Linda und ich zusammen auf die Vorrichtung, die uns den Berg hinaufziehen sollte. Während ich mich bemühte, die ominöse Hütt‘n zu entdecken, zwitscherte meine Liftpartnerin vergnügt los. Ich hörte mit halbem Ohr zu, verstand aber wenig. Plötzlich erstarrte ich, denn neben der Piste stand eine kleine Hütte! Doch der vermaledeite Skilift dachte gar nicht daran, das Tempo zu drosseln. Aufgeregt schubste ich Linda an. „Da ist die Hütte! Wir müssen aussteigen!“ Wir stürzten uns todesmutig in den Schnee, während der Skilift munter

weiter den Berg hinauf fuhr und die Mitreisenden uns verwundert musterten. Wenig später stand ein erstaunter Toni vor uns. „Was macht ihr denn? Ich habe doch gesagt, ihr sollt an der Hütt‘n aussteigen.“ Ich deutete entrüstet auf die kleine Hütte. „Und was ist das?“ Toni grinste. „Das ist ein Geräteschuppen, ich habe das Restaurant oben gemeint. Ist aber nicht so schlimm, wir fahren einfach von hier aus runter.“ Alles in allem wurde es ein schöner Tag, Toni bemühte sich wirklich, Linda und mir die Grundlagen des Skifahrens beizubringen. An einem besonders steilen Hang, der uns ängstlich zögern ließ, fuhr er, die Hände zu einem

Trichter geformt, neben uns her. „Du schaffst es, nur Mut“, dröhnte er, während auf der anderen Seite ein ca. 5-jähriger Junge grinsend an uns vorbei raste. Am Ende des Tages verabschiedeten wir uns von unserem nur wenig genervten Skilehrer und verabredeten uns für den nächsten Vormittag, um die neu erworbenen Kenntnisse zu vertiefen.


„Grüß Gott.“ Toni schien sich über Nacht regeneriert zu haben, was ich für mich nicht sagen konnte. Ein tierischer Muskelkater zwickte an Stellen, an denen ich gar keine Muskeln vermutet hatte. Linda schien es ähnlich zu gehen, denn

sie ließ sich an diesem Morgen nicht blicken.

„Wollen wir?“, aufmunternd schaute der Skilehrer mich an und wies in Richtung Lift. „Aber nicht wieder am Geräteschuppen abspringen, gell!“ An der richtigen Hütt‘n angekommen ging es direkt auf die Piste. "Verlass dich ganz auf dein Gefühl", rief mir Toni zu und grinste optimistisch. "Du kannst es, wenn du nur willst", fügte er nach einem kurzen Zögern hinzu. Ja nun, wenn der Skilehrer so sehr an mich glaubte, so würde ich mich beherzt an die Abfahrt machen. Ich stieß mich entschlossen ab und kam auch sofort ins Rutschen, erst langsam, dann immer

schneller. Das war gar nicht so schwierig. Ich fühlte mich reif für die Streif und ließ den wild gestikulierenden Toni mühelos hinter mir zurück. Mit jedem gefahrenen Meter nahm ich mehr Speed auf, doch nach und nach machte sich ein mulmiges Gefühl breit, denn so schnell wollte ich nun auch wieder nicht abwärts fahren. Um etwas langsamer zu werden, versuchte ich die unendliche Male geübten, weiten Bögen zu fahren, was mir trotz aller Mühe nicht gelang. Meine Beine schienen ein Eigenleben zu führen, sie widersetzten sich allen Befehlen des Gehirns. "Pflugbogen", hörte ich Toni hinter mir brüllen, wagte es jedoch nicht, über die

Schulter zu gucken. Was meinte er denn jetzt damit? Vielleicht einen Schneepflug? Das ging gar nicht. Ein Blick voraus ließ mich erstarren, was die Skier nicht dran hinderte, weiter mit mir bergab zu sausen. Mitten auf der Piste, ragten groß und rammbockartig einige Tannen auf. 

In lebensbedrohlichen Situationen sieht man sein gesamtes Leben an sich vorbeiziehen, jedenfalls hatte ich das öfter gehört. Jetzt war ein solcher Moment gekommen. Die Zeit verlangsamte sich, alles schien in Zeitlupe zu geschehen. Ich sauste weiter auf das dunkle, gewaltige Ausmaße annehmende Bollwerk zu, hielt mich

zwar aufrecht, war jedoch nicht mehr Frau meiner Gliedmaßen. Doch statt eine liebliche Stimme zu hören, die verlockend 'Angie, komm ins Licht' rief, sah ich mich lediglich, alle Viere von mir gestreckt, an dem dicken, schwarzen Stamm einer der Tannen kleben. In letzter Sekunde erwachte mein Schutzengel aus seiner kältebedingten Lethargie, setzte mein körpereigenes ABS in Gang, was mich auf den Allerwertesten plumpsen ließ. Ich schlitterte noch eine ganze Weile weiter, um in einer ziemlich feuchten Schneewehe zu landen. 

Als ich wieder einigermaßen sehen konnte, stand Toni mit zuckenden

Mundwinkeln neben mir. „Donnerwetter“, sagte er. „Du hast zwar wenig Talent zum Skifahren, aber wenigstens bist du völlig angstfrei.“


„Sag mal, Honey, heute Vormittag gab es ein mittelschweres Erdbeben auf der Piste und ein Kugelblitz ist in einer riesigen Schneewolke an mir vorbei gedonnert! Kann es sein, dass du etwas damit zu tun hast?“ Auch Alans Mundwinkel zuckten verdächtig. Ich lächelte ihn zuckersüß an. „Toni, der nette Skilehrer, hat meine Unerschrockenheit sehr gelobt. Doch er meint, ich solle aus Rücksicht auf mich und meine Umwelt lieber Wellness im

Hotel machen ...“

© by Angie

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Über den Autor

AngiePfeiffer
Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. Zum zweiten Mal verheiratet lebe ich im Münsterland.
Bisher veröffentlicht:
Die Ruhrpottsaga: Ruhrpottklüngel, Ruhrpott Pärchen, Ruhrpottherzen, Ruhrpottabschied, Leben lernen. 14 weitere Bücher (darunter Reiseberichte, Tiergeschichten, Liebesgeschichten und -romane), 15 Kinderbücher, zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Literaturzeitschriften, sowie der Tagespresse.
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Kornblume Da hat der gute Toni wirklich recht. Halt mir einen Platz frei in der Sauna,da können wir hinterher ein bisschen quatschen über Toni und so.....
Schmunzelgrüße von der Kornblume
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AngiePfeiffer Hallo Blümchen,
das war ein strammer Bursche, der Toni. Und sehr unaufgeregt ... der Platz in der Sauna ist für Dich reserviert!
Lieben Dank und schöne Grüße zu Dir
Angie
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FLEURdelaCOEUR Habe mich gerne noch mal zwischen Mitleid und Lachanfällen geschüttelt, leider auch heute keine Pennys möglich! ;-)))
Liebe Grüße,
fleur
(der ihr Orthopäde längst sämtliche sturzgefährdeten Sportarten verboten hat)
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AngiePfeiffer Und der Orthopäde hat ja so recht, liebe Fleur!
Es freut mich sehr, dass ich Dich zum Lachen gebracht habe. Gerade bei den derzeitigen Nachrichtenten/Hiobsbotschaften.
Liebe Grüße und bleibt mir gesund, ja!
Angie
Ach, die Taler sind eh nicht wichtig. Der Kommentar macht es doch!
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MerleSchreiber Eine krass zwerchfellerschütternde Geschichte, Angie.
Bei "Reif für die Streif", lauthals losgeprustet!
Liebe Grüße, Merle
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AngiePfeiffer Das freut mich sehr, liebe Merle.
Die Geschichte soll unterhalten - ist aber aus dem Leben ...
Noch einmal Danke und Grüße
Angie
Diese Woche - Antworten
derrainer liebe angie ,
eine amüsante gschichte ,
man muss nicht alles können, manchmal reicht es auch mitreden zu können ,,,,
lieben gruß rainer
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Das sage ich mir jeden Tag, lieber Rainer. Mitreden ist sowieso mein Ding ;o)
Danke dir und schicke dir einen lieben Gruß
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Schussfahrt, nicht gerade ins Glück, was? Meine Ohren haben gerade Besuch bekommen, so breit habe ich gegrinst. Ähnlich verliefen meine Bemühungen beim Radfahren lernen. Man muss ja nicht alles können, reicht ja, wenn man theoretisch weiß wie's geht. Super Ira
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Ira, liebe Schwester im Geiste, auch mit dem Radfahren tue ich mich schwer, keine Ahnung warum. Weil - Motorrad geht ,o)
Jedenfalls freut es mich, dass du dich gut amüsiert hast.
Liebe Grüße in dein Wochenende
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
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