Romane & Erzählungen
Klassentreffen - Gesamtausgabe

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"Klassentreffen - Gesamtausgabe"
Veröffentlicht am 12. Januar 2013, 156 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Bin Mitte 40, habe in Bonn Theologie studiert, arbeite aber jetzt was ganz anderes :-) Verheiratet ohne Kinder, habe aber trotzdem weniger Zeit zum Schreiben, als ich möchte. Trotzdem habe ich es geschafft, ein ganzes Buch zu schreiben, DIN A4 doppelseitig bedruckt immerhin 240 Seiten. Und jetzt habe ich den Schritt gewagt und es als reines E-Book auf Amazon veröffentlicht ( ...
Klassentreffen - Gesamtausgabe

Klassentreffen - Gesamtausgabe

Beschreibung

Auf speziellen Wunsch hin gibt es das 'KLASSENTREFFEN' hier noch einmal als Gesamtpaket, also bitte nicht wundern! ******************************************* Ein Klassentreffen, ein Wiedersehen mit dem Mann, der zuf√§llig deine erste, unvergessene gro√üe Liebe war. An sich nichts Ungew√∂hnliches, doch was, wenn dieser Mann seitdem Karriere gemacht hat? Und noch dazu ein Geheimnis hat, wegen dem er eine ungew√∂hnliche Bitte an dich richtet? Eine Spirale in den Abgrund bahnt sich an.... ******************************************** ~F√ľr Manu!~

 

 

Hahnöfersand, den 17.02.1998

Zeit ist das einzige, was ich im Moment noch habe. Zeit, alles auf zu schreiben, Zeit, nach-zudenken, wie das alles hat passieren können.

Ich wei√ü nicht, ob diese Zeilen jemals jemand lesen wird. Aber daf√ľr sind sie auch gar nicht in erster Linie da. Sie geh√∂ren mir, genau so wie die Erinnerung. An Momente, in denen nicht alles schlecht war....

 

Doch wenn es jemand liest, dann hoffe ich, er versteht, warum alles so gekommen ist, wie es eben gekommen ist.

 

 

Und so begann es...

 

 

¬†„Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium l√§dt ein:

Klassentreffen des Abitur-Jahrgangs 1981!”

 

 

Ja, die Klasse von 1981! Das waren wir gewesen, du meine G√ľte, war das auch schon wieder 15 Jahre her? Gruselig.

 

Mit zus√§tzlichem Schaudern dachte ich an meine Schulzeit zur√ľck. Obwohl unser Bezirk SPD-regiert war, herrschten grade am Gymnasium noch immer verkn√∂cherte Strukturen, waren die meisten Lehrer zu Zeiten ausgebildet worden, wo noch Zucht und Anstand gelehrt wurden. Eben das gleiche Problem, gegen das schon die 68er an ihren Unis protestiert hatten...

 

 

Aber unsere Provinz hier im schönen Bezirk Reinickendorf hatte nicht unbedingt Vorrang, wenn es um die Besetzung der Stellen mit jungen Lehrern ging. Ich war zwar nicht grade eine Vollzeitrebellin, aber eckte doch recht häufig an. Es fiel mir schwer, mich in diese Strukturen einzuordnen.

 

Wir f√ľhlten damals ja generell so eine Art Aufbruchszeit, vor allem, als Ende der 70er die Punkwelle zu uns schwappte. Nun gut, ich trieb es nicht so weit wie mein damaliger Freund, der sich nach unserer Klassenfahrt nach London zum Punk erkl√§rte. Damit war er einer der Ersten an unserer Schule, aber auf jeden Fall der einzige in seiner Reihenhaussiedlung, sehr zum Leidwesen der Nachbarn.

 

Aber er hatte aus seinem Anderssein eine Tugend gemacht, 'mein' Kai, und dann sp√§ter Karriere gemacht als Schauspieler. Also war es wohl schon mal ausgeschlossen, dass er kommen w√ľrde!

 

Was schade war, denn er allein w√§re f√ľr mich ein Grund gewesen, hin zu gehen. Nicht wegen seines Ruhms, sondern weil uns damals schon fr√ľh, noch bevor wir zusammen kamen, eine Freundschaft verbunden hatte, geboren aus dem Gef√ľhl, unter dem gleichen System zu leiden.

 

Da ich auch nicht als sonderlich angepasst galt Рschon gar nicht an das, was Mädchen sein damals noch definierte - hatten wir und ein paar andere uns ab und zu solidarisiert, wenn es darum ging, Unruhe zu stiften und gegen ein paar verknöcherte Strukturen anzustinken.

 

 

 

In unserem jugendliche Leichtsinn waren wir allerdings nicht sonderlich erfolgreich; muss ich leider zugeben. Aber wir hatten schon unseren Spa√ü damals, ich vor allem, weil ich als M√§dchen in den Augen der Lehrer nie f√ľr die Aktionen als Schuldige in Frage kam, so dass den √Ąrger meistens Kai und die anderen Jungs bekam! Sie haben das aber immer heldenhaft ertragen, sozusagen M√§rtyrer auf dem Schlachtfeld der Revolution.

 

Zum Gl√ľck gab es auch ein paar eher nette Lehrer, sonst w√§re es komplett unertr√§glich gewesen, die uns dann auch durchs Abi hievten. Wie zerbrechlich unsere kleine Notgemeinschaft war, sieht man daran, dass sie die Abi-Feier nicht lange √ľberlebte. Jan ging in die Firma seines Vaters, wurde also sofort vom Establishment verschluckt, ich und Reinhold gingen an die Uni...

 

 

 

Da hatte Kai auch hin gewollt, machte aber dann lieber als Schaupieler Karriere. Tja, so kann's gehen. Anfangs waren wir noch zusammen und ich bin ihm auf einige seiner Gigs gefolgt. Was f√ľr ein Chaos das immer war! Aber eine tolle Zeit...

 

Doch mit dem Fortlauf meines ersten Studiums, Sozialwissenschaften, wurden andere Dinge wichtiger, ich konnte mir irgendwann nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen. Eines Tages war es dann so weit, wir trennten uns, seltsam einvernehmlich, hatten auch eine Zeitlang noch freundschaftlichen Kontakt.

 

Irgendwann begann ich eine feste Beziehung mit einem Kommilitonen (ein Idiot, wie sich später herausstellte, aber das weiß man ja selten vorher), Kai ging ziemlich in seiner Karriere auf. Die Kontakte zu ihm und den Schulfreunden wurden jedenfalls spärlicher, bis

 

sie schließlich ganz abrissen, nur mit Kerstin hatte ich auch jetzt noch Kontakt....

 

 

 

Ich warf den Brief in die Ablage. Wegen dem Schei√ü w√ľrde ich bestimmt nicht die Fahrt von K√∂ln nach Berlin auf mich nehmen! Dann lie√ü ich die Fingerkn√∂chel knacken und widmete mich wieder meiner Arbeit. Nach dem Diplom hatte ich noch ein kleines BWL-Studium dran geh√§ngt (sch√§m) und erstellte nun Gesch√§ftsmodelle f√ľr Firmen-Neugr√ľndungen.

 

Auch nicht grad das, was unsere 'Rebellion' damals im Sinn hatte, aber ich konnte immerhin noch darauf achten, WEN ich da beriet und ob mein Gewissen dabei rein blieb. Kerstin war gleich ganz zum Feind √ľbergelaufen, sie hatte die Beamtenlaufbahn eingeschlagen.

Nur konnte ich mich heute irgendwie nicht so richtig konzentrieren. Statt dessen ging ich an den Schrank und zerrte mein altes Fotoalbum heraus. Darin fand ich, was ich suchte, die Zeit der Oberstufe. Himmel, warum ist das immer so komisch, wenn man die alten Fotos sieht?!

 

Da war die Klassen-Fahrt nach S√ľdtirol, auf der Kerstin und ich so richtig Freundschaft geschlossen hatten. Und auf welcher der gute √Ėli lernte, beim ersten Schluck am Morgen trotz Bleis auf den Augen erst mal die Flasche zu checken. Denn es k√∂nnte sich ja um die Flasche handeln, die am Abend als Aschenbecher gedient hatte. Den Aufschrei hab ich noch heute im Ohr!

 

Ah, da war ja auch ein Foto von Kai aus der 8. Klasse, noch mit dem klassischen Prinz-Eisenherz-Schnitt und dunklen Haaren. Auf den Fotos von der Fahrt in der 10. nach London hatte er dann schon die gr√ľnen Zottelhaare,

 

 

mit denen er sich zum Punk erkl√§rte. Mann, hatte der einen √Ąrger mit seiner Gastmutter gehabt, weil die bl√∂de T√∂nung das Kopfkissen gr√ľndlich ruinierte!

 

Aber egal, Hauptsache er hatte endlich was gefunden, mit dem er sich identifizieren konnte. Oje, da war ja auch ich, gerade von ihm in den Schwitzkasten genommen, mit kurzen Haaren und wie immer zu weiten Klamotten.

 

Das muss auch die Zeit gewesen sein, in der wir mit unseren ersten kleinen Knutschereien anfingen, anfangs aus einer Kabbelei heraus, dann, weil wir uns so richtig mit Wumms und Kribbeln im Bauch ineinander verliebten. Was dann sogar darin gipfelte, dass wir beide unser 'Erstes Mal' miteinander hatten...

 

 

Ich steckte das Album wieder weg. Wenn ich gar nicht hin fahren wollte, warum besch√§ftigte mich das dann so? Wahrscheinlich, weil die Schulzeit einfach ein wichtiger Teil deiner Jugend, √ľberhaupt deines Lebens ist. Da erlebt man alles noch viel intensiver, jede Kr√§nkung, die einem zuteil wurde, jedes Mal der erlebten Hilflosigkeit gegen√ľber einer Dem√ľtigung...

 

Und davon hatte es von meinen Klassenkame-raden gen√ľgend gegeben. Irgendwie war und bin ich immer eine Au√üenseiterin gewesen. Ich war einfach anders gepolt und wollte den schon damals herrschenden Sch√∂nheitswahn meiner Mitsch√ľlerinnen nicht mitmachen. Oh, diese Gespr√§che in der Umkleidekabine!! M√§dchen, die perfekt aussahen, lamentierten dar√ľber, dass sie ein Kilo zuviel hatten, oder dass sie wegen eines kleinen blauen Flecks nun drei Wochen lang keinen Minirock anziehen k√∂nnten. Nein, nicht meine Welt.

 

 

Ich seufzte. Aber die waren jetzt vermutlich gl√ľcklich verheiratet und wussten, wohin sie geh√∂rten. Arrgh! Ich musste aufh√∂ren, diesen Mist zu denken. Vielleicht w√ľrde mich ein Telefonat mit Kerstin aufmuntern. Die wohnte immer noch in Berlin und wusste das eine oder andere √ľber die ehemaligen Mitsch√ľler. Da konnte man ja eventuell mal ein wenig abl√§stern...

 

„Gro√ü?”, meldete sie sich.

 

„Hi Keule, wie geht’s?”, t√∂nte ich fr√∂hlich ins Telefon.

 

„Na gut, und dir? Endlich deinen Traummann gefunden?”

 

„Klar, wei√üt du doch! Er hei√üt Beauregard, ist 20 cm lang-”

 

„Du nennst deinen Vibrator Beauregard?!”

„Klar”, flachste ich, „Humor soll doch im Bett sehr wichtig sein.”

 

Kerstin prustete los. „Melanie, du bist die H√§rte.”

 

Die passende Antwort dazu verkniff ich mir erst mal. „Kerstin, du gehst doch bestimmt zum Klassentreffen, oder? Ist ja f√ľr dich nicht so weit...”

 

Sie st√∂hnte. „Ach ja, das... Ich wei√ü nicht, hei√üt das etwa, du willst nicht kommen?”

 

„Du wei√üt doch, so dicke hab ich's nicht, die Fahrt und Hotel w√ľrden mehr kosten, als mir die Sache wert ist!”

 

„Quatsch, Hotel! Du kannst bei mir pennen, dit wee√üte doch. Und sogar dir als Selbstst√§ndiger stehen ab und zu Ferien zu, als nimm das als Urlaub, komm zu uns und mach dir ein paar sch√∂ne Tage!"

 

Eins musste man Kerstin lassen, ihrer zynischen Art hatten auch √ľber 10 Jahre Beamtenlaufbahn nichts anhaben k√∂nnen. Deswegen wurde sie bei Bef√∂rderungen, die nicht automatisch erfolgen, jedes Mal √ľbergangen, doch das war etwas, mit dem sie sich arrangiert hatte. Genauso, wie ihr Lebensgef√§hrte akzeptieren musste, dass sie ihn wohl nie heiraten w√ľrde!

 

Inzwischen hatte sie mich eigentlich schon so gut wie √ľberzeugt. Es w√ľrde sehr viel Spa√ü machen, sie wieder zu treffen, was wahrscheinlich in durchquatschen und durchzechten N√§chten enden w√ľrde, etwas, was man jetzt in den 30ern auch nicht mehr so h√§ufig machte.

 

So kam es, dass ich dann doch noch zusagte, erst sie zu besuchen und gemeinsam mit ihr auf das Treffen zu gehen. Wir spekulierten noch ein bisschen und kamen dabei nat√ľrlich

 

auf den ber√ľhmtesten Spross der Klasse, wobei ich ihr gegen√ľber noch einmal meine Vermutung √§u√üerte, dass gerade der nicht kommen w√ľrde.

 

Kerstin meinte aber, dass es ihn vielleicht ja doch reizen w√ľrde, genau wie wir in die Vergangenheit abzutauchen. „Oder er kommt extra wegen dir!”, sagte sie dann noch und ich stutzte.

 

„Wegen mir?!” Holla, stieg mir da eine gewisse R√∂te ins Gesicht? Wie gut, dass das Bildtelefon nur im Sciencefiction existierte.

 

„Na klar”, frotzelte sie, „du warst schlie√ülich seine Erste, das verbindet! Da freut er sich vielleicht, dich mal wieder zu sehen...”

 

„Kerstin”, st√∂hnte ich, „sei froh, dass du deinen Klaus schon so lange hast, von M√§nnern verstehst du n√§mlich noch weniger als ich!”

 

„Wer sagt das? Beauregard?”

 

„Nein, der hat keinen Grund zur Klage. Also mach's gut, wir sehen uns dann Ende Mai!”

 

***

 

Tatsächlich schaffte ich es, mir die Aufträge so einzuteilen, dass ich nach Berlin fahren konnte. Es war wirklich herrlich, mal wieder mit der besten Freundin in der alten Heimat zu sein und dazu noch so große Teile neu zu entdecken.

 

Und dann war er endlich da, der 'gro√üe Tag'. Es sollte am Nachmittag mit einer Art kleinem Empfang im Garten der Schule losgehen, sogar der Wettergott schien gewillt zu sein, uns mit Regen zu verschonen. Die Kleiderfrage l√∂ste ich, indem ich einfach die Klamotten anzog, in denen ich mich auch sonst wohl f√ľhlte, Jeans und eine Bluse locker dort hinein

 

gesteckt, fertig. Ein Outfit, in dem ich mich gek√ľnstelt gef√ľhlt h√§tte, w√ľrde meine Unsicherheit nur noch verst√§rken.

 

Aber wie das meistens so ist, im Zuge des Wiedersehens schienen all die kleinen Fehden und Rivalitäten der Schulzeit plötzlich vergessen und alles löste sich in einer riesigen 'Weißt-du-noch?-Wolke' auf!

 

Okay, das war ja auch wirklich witzig, so in den Jugenderinnerungen zu schwelgen und man konnte sogar die Typen, die doch tats√§chlich im Anzug erschienen waren, mit ihren fr√ľheren Missetaten aufziehen. Trotzdem fanden sich schnell die Cliquen in ihrer einstigen Formation zusammen, also ich mit Kerstin, Jan, Reinhold und … tja, wie wir es uns schon gedacht hatten, Kai war nicht hier.

 

 

„Der ist wahrscheinlich bei Dreharbeiten oder beim Synchronisieren oder so was. Ach, und Musik macht er ja auch, nachdem er seine Band mit Ralle aus der Unterstufe gegr√ľndet hat, ist er ja auch da ganz gut im Gesch√§ft, wie man h√∂rt”, bemerkte Jan neidlos. F√ľr ihn w√§re die Vorstellung, derart im Rampenlicht zu stehen, wahrscheinlich der reinste Horror. Wir anderen h√§tten dagegen ganz gerne gewusst, wie sich das wohl anf√ľhlt und ergingen uns in den w√ľstesten Spekulationen.

 

„Also eines kann ich euch sagen, mit den Groupies ist das heute auch nicht mehr so wild”, ert√∂nte da pl√∂tzlich eine Stimme hinter mir. √úberrascht fuhren wir herum und da stand er doch tats√§chlich, in sommerlich wei√üer Jeans, Buzzcock-T-Shirt und Baseballkappe: Kai!

 

Wir waren so perplex und positiv √ľberrascht, dass ich mich mit einem Quieken spontan in

seine Arme warf. Was ihn aber offenbar nicht st√∂rte, im Gegenteil, er hob mich ein St√ľck in die H√∂he, dr√ľckte mich und sagte „Meine gute alte Meloni√Č” – dabei sprach er das i und das e getrennt aus und bewies damit, dass er diesen meinen schrecklichen Spitznamen nicht vergessen hatte - „ich wusste doch, dass ich euch alle hier treffen w√ľrde!”

 

Auch die anderen begr√ľ√üten ihn begeistert und so blieb √ľberhaupt keine Zeit, um Befangenheit aufkommen zu lassen. „Mann, das ist ja klasse, dass du auch hier aufschl√§gst!”, rief ich und knuddelte ihn noch einmal, lie√ü dann, weil er wie aus Gewohnheit den Arm um meine Schultern liegen lie√ü, ebenfalls die Arme um seine Taille liegen.

 

„Ja”, lachte er, „es war lange nicht sicher, aber ich dachte mir doch, dass ich mir den Spa√ü nicht entgehen lassen wollte! War mal wieder ein Grund, in der alten Heimat vorbei zu schauen.”

 

„Ging mir genau so”, grinste ich.

 

„Dann bist du auch weg gezogen?”

 

„Ja, nach K√∂ln, und du?”

 

„Nach Hamburg.”

 

Reinhold r√ľmpfte doch tats√§chlich die Nase. „Na, ob das eine Verbesserung ist?”

 

„Ja, vielleicht w√§re ich auch in K√∂ln besser aufgehoben”, meinte Kai darauf kryptisch, lachte aber dann. „Nee, das hat sich damals so ergeben, ich wollte weg aus West-Berlin, das war ja damals ganz praktisch, dass es uns den Wehrdienst erspart hat, aber es wurde mir irgendwie zu eng und ewig dieses Theater auf der Transitstrecke und an der Grenze.... Konnte ja keiner ahnen, dass die Mauer fallen w√ľrde...”

 

 

„Doch, David Hasselhof hat's gewusst! Der behauptet, sein Lied h√§tte Gorbatschow auf den richtigen Weg gebracht”, warf ich mit todernstem Gesicht ein, worauf alle br√ľllten vor Lachen.

 

Obwohl √ľberall an den Stehtischen meist ausgelassene Stimmung herrschte, fiel unserer mal wieder besonders auf!

 

 

Ein paar irritierte Blicke streiften uns, wobei ich glaube, dass nur wenige den Promi unter uns erkannten, diese Spät-Yuppies hatten sicher nicht die Zeit, ins Kino zu gehen.

 

 

 

„Warum bist du eigentlich weg von hier?”, warf Kai mir dann zu und ich zuckte die Achseln.

 

„Hm, das ist jetzt schon ein paar Tage her. Ich hatte mir einen Studiengang ausgesucht, den es nur in K√∂ln f√ľr meinen Schnitt gab, alle anderen hatten Numerus Clausus. Aber ehrlich gesagt hab ich mir den wohl auch ausgesucht, weil ich weg von einer beschissenen Beziehung wollte... Naja, was besseres hab ich da zwar auch nicht gefunden, aber wenigstens Abstand!”

 

Kai sah mich √ľberrascht an, dr√ľckte meine Schulter und lachte. „Beziehungen, ein gutes Stichwort. Ich bin wegen einer Beziehung da hin gezogen und nach deren Ende und nachdem ich …. √§h, jedenfalls bin ich aus Faulheit dort h√§ngen geblieben.”

 

In diesem Stil ging unser Geplänkel dahin. Ich bemerkte plötzlich, wie sehr mich seine Anwesenheit in Wallung versetzte, anscheinend hatte ich diese mehr herbei gesehnt, als ich dachte Рoder vor mir selber zuzugeben bereit gewesen war.

Deswegen bem√ľhte ich mich, nicht zu verkrampfen und dem Gespr√§ch locker weiter zu folgen. Doch auch Kai machte zwischen-durch einen etwas gehemmten Eindruck, was ich darauf schob, dass er selbst hier nicht allzu viel von seinem Privatleben offenbaren wollte. Womit ich ja im Nachhinein nicht falsch lag...

Es folgte nun der offizielle Teil, alle setzten sich auf die bereit gestellten St√ľhle. Ich gebe es zu, mein Herz h√ľpfte in beinahe sp√§tpubert√§rer Freude, als Kai von sich aus den Platz neben mir belegte, dann auch noch nach meiner Hand griff und diese kurz dr√ľckte.

 

 

Vielleicht hatte ich geguckt wie ein Auto, denn er meinte grinsend ¬†„Nun schau nicht so, ich freu mich halt auch, dich zu treffen! Und du warst schlie√ülich meine Erste, da werd ich mich doch mal neben dich setzen d√ľrfen!“


Von der Seite zischte Jan „Also doch!“, wof√ľr er einen dicken Knuff in die Rippen von Kerstin bekam. Sein folgendes „Au!“ war so laut, dass der Laudator, unser ehemaliger Stufenleiter Blanken (verdammt, lebte der Arsch also immer noch!) auf uns aufmerksam wurde.

Seinem Blick war deutlich zu entnehmen, dass unser Benehmen genau seiner Erwartung von unserer Clique entsprach, die mal wieder auffällig wurde. Mit Bedauern hatten wir zu Beginn der Veranstaltung erfahren, dass unser Lieblingslehrer Becker leider schon von uns gegangen war.

 

Umst√§ndlich nestelte Blanken seine Brille aus dem Jackett und begann mit seiner Ansprache. Die sich dann nat√ľrlich abartig lang hinzog.

Das Einzige, was uns aufhorchen lie√ü, war die Ank√ľndigung, dass nun die Verschlussfrist f√ľr unsere schriftlichen Abiturarbeiten abgelaufen war und wir sie deswegen nachher w√ľrden abholen k√∂nnen. Wow, das konnte interessant werden! Nat√ľrlich holte jeder seinen pers√∂nlichen Umschlag ab; vielleicht sollte ich meinen besser ungelesen verbrennen... Aber egal, es hatte ja f√ľr den Abschluss gereicht!

Jetzt wurde an langen Tischen zum Essen Platz genommen. Dazu wurde ziemlich langweilige Musik gedudelt, so dass wir uns bald nach dem Essen einig waren, uns lieber zu verdr√ľcken. Sogar Kai wollte mit uns gehen und nach kurzer Unterredung kamen wir auf die Idee, wenn schon denn schon, wir statten dem SO36 mal wieder einen Besuch ab!

 

Gesagt, getan und wir schmissen uns in die U-Bahn. Als wir vom Kottbusser Tor die Adalbertstra√üe entlang gingen, lief mir ein Schauer √ľber den R√ľcken. Fr√ľher konnte man von hier aus die Mauer sehen, wie sie den Bethaniendamm entlang lief. Jetzt war da ein freier Blick. Aber war die Stadt frei, oder ihre Menschen? Anscheinend machte sich das eine oder andere Gl√§schen Wein jetzt doch bemerkbar, deswegen hielt ich mich im Club etwas zur√ľck.

Da war ich ja nicht die Einzige, Kai und ich hielten uns eben an Cola. Wahrscheinlich waren wir deswegen die letzten, die noch durchhielten, w√§hrend die alten Weggef√§hrten – und hier musste die Betonung einfach mal auf 'alte' ruhen bleiben – so nach und nach wegbrachen. Irgendwann waren nur noch wir beide √ľbrig, aber beide noch hellwach.

 

 

Kai legte einen Schein auf den Tresen und zog mich vom Stuhl. „Komm, lass die Langweiler ins Bett gehen, wir machen jetzt noch einen Zug durch die Gemeinde!” Die Luft drau√üen war noch immer sehr angenehm f√ľr Mai und wir gingen vergn√ľgt plaudernd zur U-Bahn.

Meine anfängliche Befangenheit hatte sich gelegt, es war wieder der alte Draht zueinan-der, der uns verband, ergänzt durch die Erkenntnis, dass wir in vielen Dingen ähnlich dachten, noch immer.

So wurde es eine recht fr√∂hliche Tour, an deren Ende wir¬† in der „Beweg-Bar“ landeten, die mir irgendwie anders vorkam; aber zun√§chst konnte ich nicht den Finger darauf legen.
Wäh-rend wir uns den Weg zur Theke bahnten, wurde mir allerdings klar, was mir hier auffiel: Erstens fehlte hier fast komplett die weibliche Kundschaft und Zweitens folgten die Blicke der Männer alle nicht mir Рsondern Kai.

 

Was ich ihnen nicht verdenken konnte, denn er war in guter Form, mit Top-Figur und blonden, nach oben gegelten Haaren... Mich dagegen streiften ein paar irritierte, dann scheinbar wissende Blicke.¬† Am liebsten h√§tte ich allen die Zunge raus gestreckt und ihnen zugerufen „√Ątsch, ich hab ihn schon mal gehabt!”¬† Stimmte ja schlie√ülich!

Als wir uns auf zwei Barhocker am Tresen zogen, kicherte ich leise. „Ich glaube, du hast eine Schwulenbar erwischt!“
Kais Augenbraue schnellte nach oben, er warf einen Blick in die Runde und sagte dann „So? Und ist das ein Problem f√ľr dich?!“ ¬†Sein Tonfall hatte durchaus etwas lauerndes, als wollte er meine Toleranz testen. Doch eigentlich sollte er mich doch noch immer besser kennen, das sagte ich ihm auch.

„Quatsch!“, grinste ich ihn an, „soweit solltest du mich aber noch kennen!“

 

 

„Es st√∂rt dich also nicht?“
„Abgesehen davon, dass die Kerle mir nicht wie sonst auch geifernd zu F√ľ√üen liegen?!¬† Nein, wieso sollte es?“ ¬†
Doch er erkannte offenbar den kleinen Groll dahinter, nicht zu den oberen Zehntausend der Schönheitsköniginnen zu gehören und gab mir spontan einen Kuss auf die Wange. 

 

„Wenn sie dich kennen w√ľrden, w√ľrden sie dich verg√∂ttern”, sagte er und ich sah ihn √ľberrascht an.
„Aha, so als Schwulenmutti, meinst du? Interessant....”

Wie sch√∂n, so weit war ich also schon gesunken, zur potentiellen Fat Hag. Nichts dagegen, aber es klang nach wenig eigener sexueller Erf√ľllung... Autsch, dieser Kerl neben mir brachte mich doch tats√§chlich auf die abwegigsten Gedanken!


 

„...auch ein Glas Prosecco“ ¬†
 

Ich schreckte aus meinen Gedanken auf, als Kai die Frage an mich stellte. Mit Verzögerung registrierte ich das Ungewöhnliche daran.
„Was hei√üt hier auch? Ich dachte, du magst keinen Alkohol?“
„Verrat mich nicht weiter, aber Prosecco ist das einzige, dem ich ab und zu zuspreche, in netter Runde oder in der Familie. Alles andere mag ich aber wirklich nicht.“

Sieh an, kicherte ich in mich hinein, das war ja interessant. Wir stießen miteinander an und plauderten noch ein wenig, größtenteils belangloses Zeug, aber es machte viel Spaß.

So legte ihm nahe, sich die Betreuer seiner Internetseite mal zur Brust zu nehmen, weil sie mir das dort verloste Buch noch immer nicht geschickt hatten.

 

Er grinste in seiner unnachahmlichen Art und versprach, dort notfalls Köpfe rollen zu lassen. Zum Schluss bat er mich dann sogar noch um meine Telefonnummer und ich gab ihm meine Visitenkarte.

An der U-Bahn stellten wir fest, dass wir genau in die entgegengesetzten Richtungen mussten, deswegen verabschiedeten wir uns bereits jetzt mit einer festen Umarmung, dann musste ich auch schon in meinen Zug h√ľpfen.

Als die T√ľr sich schloss, dr√ľckte ich beinahe meine Nase an der Scheibe platt und versuchte, ihn so lange wie m√∂glich im Abfahren im Auge zu behalten. Kai sah mir nicht nach.

 

 

Am folgenden Sonntag fuhr ich nach Hause und war ziemlich froh, mich bereits vorher f√ľr den Zug entschieden zu haben. Nachdem ich n√§mlich Samstagmorgen erst in der fr√ľhen D√§mmerung heimgekommen war, hatte Kerstin, die trotz meiner Bem√ľhungen um Ruhe aufgewacht war, mich noch eine ganz Zeit lang gel√∂chert.

Wie es denn gewesen sei, ob wir uns wieder sehen w√ľrden, ob der alte Funke sich wieder entz√ľndet hatte. Ich erwiderte ihr wahrheits-gem√§√ü, dass es sehr sch√∂n gewesen sei, ich aber nicht w√ľsste, ob wir uns wieder sehen w√ľrden und dass zwischen uns kein Feuer entflammt war. Wobei letzteres nicht so ganz stimmte, denn ich hatte mich durchaus wieder angesteckt....

Den ganzen restliche Morgen hatte ich kaum schlafen können, denn kaum dass ich schlummerte, hatte ich die wildesten Träume

 

von IHM. Verdammt, ich war doch kein Teenager mehr! Wir hatten uns wider Erwarten wieder gesehen und zum Gl√ľck gut verstanden, aber mehr schien von seiner Seite aus nicht zu sein.

Ich war eine alte Freundin f√ľr ihn, wenn auch eine besondere, aber das war's wohl auch schon, jedenfalls war in seinem Verhalten nichts anderes ablesbar gewesen, mahnte ich mich ein ums andere Mal. Aber diese bl√∂den Gef√ľhle lie√üen sich dummerweise nicht ganz so einfach abstellen.

Ansonsten war der Rest des Tages mit Kerstin noch sehr sch√∂n. Unsere Freundschaft war zum Gl√ľck von der Art, welche kein st√§ndiges Zusammensein erfordert. Aber wenn wir es dann mal waren, ging es immer hoch her!

Und nun saß ich hier im IC, geplagt von einem Kater nach zwei durch gemachten Nächten und

 

fragte mich, wie ich nach dieser Woche wieder in meinen Alltag zur√ľck finden sollte.

Aber wie das halt immer so ist, ein paar vertraute Handgriffe und schon ist man wieder voll und ganz dabei.

 

Das einzig Spannende, was in den folgenden Wochen passierte, war der Urlaub einer Freundin, weil ich in dieser Zeit ihre Katze zu mir nahm. Gipsy war eine reinrassige und hinreißende Maine Coon, die sogar Preise auf Ausstellungen gewonnen hatte. Und außerdem war sie eine richtige kleine Quasselstrippe! So hatte ich ein paar Tage lang direkt mal jemanden außer meinen Klienten, mit dem ich mich unterhalten konnte....


An einem lauschigen Sommertag klingelte es an meiner T√ľr, ich erwartete keinen Besuch

 

und dr√ľckte einfach nur auf, da bei mir normalerweise nur der Prospektaustr√§ger klingelte. Der musste schlie√ülich auch von etwas leben! Doch kurz darauf ert√∂nte der Klingelton meiner Wohnungst√ľr und ich riss die T√ľr auf¬†¬† –¬† um total √ľberrascht zur√ľck zu prallen.

Dort stand doch tatsächlich Kai, mit Baseball-kappe und einer Umhängetasche an der Seite,  dazu wedelte er mit einem kleinen Päckchen in seiner Hand.

„Kai!”, keuchte ich perplex, „Was machst du denn hier?” Was besseres fiel mir halt nicht ein.

Prompt hatte ich das Paket unter der Nase. „Na, du hast dich doch beschwert, dass du deinen Buchgewinn noch nicht bekommen hast, oder?”

„Stimmt. Und tr√§gst du die dann immer pers√∂nlich aus?”


Er grinste. „Nee, nur wenn es sich um eine alte Freundin handelt und ich eh grade in K√∂ln bin.”

„Glaub ja nicht, ich h√§tte deine Betonung auf 'alte' nicht geh√∂rt!!”, grummelte ich, doch dann umarmten wir uns herzlich. „Komm rein. Willste was trinken?”, fragte ich dann, als er in mein Wohnzimmer kam.

„Das war die Absicht. K√∂ln ist ein verdammt teures Pflaster.”

„Ja, von den Reichen lernt man sparen. Setz dich!”

W√§hrend das Teewasser kochte, nahm er am Tisch Platz. Sofort war auch Gipsy da und umschmeichelte seine Beine.¬† Und obwohl meine Freundin sie schon vor l√§ngerer Zeit aus der Zucht frei gekauft hatte, war sie es immer noch gewohnt, dass jeder vor ihr vor Entz√ľcken in die Knie ging.

 

Nur dieser Besucher nicht, der schaute etwas irritiert auf das Fellkn√§uel, das ihm da um die Beine ging. Ich sah seinen Blick und sagte ein bisschen sp√∂ttisch zu Gipsy „Na, Sch√∂nheit, beeindruckst du ihn nicht? So ein √Ąrger aber auch!” Zu Kai gewandt frage ich, ob er hoffentlich nicht allergisch sei.

„Nein, das ist es nicht, aber ich bin dann doch mehr der Hunde-Mensch.”

Ich zuckte die Achseln. „Bin ich auch.”

„Und trotzdem h√§ltst du dir eine Katze?”, fragte er erstaunt.

„Nein, das ist nur Cat-Sitting. Und Hund geht als alleinstehende Berufst√§tige nicht so gut. Wenn man sich aber erst mal damit abgefunden hat, dass Katzen egozentrische kleine Opportunisten sind, kommt man ganz gut mit ihnen klar.”

 

Kai schaute nach unten, wo die Katze sich nun vor ihm aufgebaut hatte und auffordernd „Mau!”, sagte. Miau war nicht ihre St√§rke. „H√ľbsch ist sie ja schon”, murmelte er dann.¬†

 

„Fass sie mal an, einmal nur”, ermunterte ich ihn und er beugte sich zu ihr, um sie zu t√§tscheln.

„Wow”, entfuhr es ihm dann. „Was ist das denn? Das f√ľhlt sich ja fantastisch an!” Jetzt kraulte er sie doch. „Hm, reinfassen und nicht wieder loslassen... So f√ľhlt sich das an.”

Das Wasser kochte und ich goss den Tee auf. „Siehst du, halb so schlimm.”

„Stimmt. Aber insgesamt sind mir Hunde dann doch lieber.” Kai kam wieder hoch und nickte zustimmend; Gipsy, nun in ihrer Eitelkeit best√§tigt, rollte sich auf dem Sofa zusammen.¬†

 

W√ľrde ich sp√§ter wieder saugen m√ľssen...Ich servierte den Tee und fragte ihn, ob er selber Hunde habe. „Nein, ich leih mir ab und zu den meiner Schwester aus.”

„Ach ja, Claudia, wie geht es der denn?”, rief ich aus und er erz√§hlte.¬† Gierig saugte ich alle Informationen auf, die er mir gab. Er wollte auch ein paar Dinge von mir wissen, obwohl es von mir nicht viel zu erz√§hlen gab. Nach zwei Stunden brach er dann auch schon wieder auf, allerdings nicht ohne ein kleines K√ľsschen auf meine Wange und dem Versprechen, bald einmal wieder zu kommen.

Hinterher war ich von sehr vielen gemischten Gef√ľhlen erf√ľllt. Da ich immer versuche, realit√§tsbezogen zu leben, verbot ich mir zum gr√∂√üten Teil, in diesem Besuch mehr zu sehen als die Auffrischung einer alten Bekanntschaft. Was ja auch sehr sch√∂n war!


Nur des Nachts, wenn die Schatten in der Dunkelheit vergingen und die Katze die Hälfte meines Kopfkissens beanspruchte, erlaubte ich mir zu träumen. Und an damals zu denken, an unser erstes Mal...

 

Das war kurz nach meinem 17. Geburtstag gewesen. Seit einiger Zeit gingen wir so mehr oder weniger fest miteinander. Kai schrammelte damals bereits bei einer kleinen Band, deren Namen ich vergessen habe, mit und sie hatten einen Auftritt im „Stonz”. An diesem Abend lief es ausnahmsweise mal richtig gut und die Jungs waren bester Laune, als ich den Club betrat.

Kai war gerade an der Front und sagte etwas zu den M√§nner am Licht, dann musste ich blinzeln, weil mich pl√∂tzlich ein Scheinwerferstrahl traf und seine Stimme rief „Da ist sie ja, meine Traumfrau! Bitte hei√üt sie mit einem Applaus willkommen!!“

 

 

 

Das Publikums bejohlte die Ansage als Riesenspa√ü frenetisch, w√§hrend ich knallrot wurde¬† und dann von einem Typen geg√§ngelt auch noch in eine erh√∂hte Nische setzen musste! Mann, war mir das peinlich! Zum Gl√ľck verga√ü mich die feierw√ľtige Bande bald wieder, doch ich war noch immer leicht anges√§uert, als die Band abgel√∂st wurde.¬† Strahlend warf Kai sich auf die Bank neben mir und wollte mit einem Kuss belohnt werden, aber ich wei√ü noch, dass ich ziemlich stinkig war. Nur leider war es zu laut, um richtig gescheit zu streiten, deswegen stand er auf und zerrte mich mit sich in einen der hinteren R√§ume, die als Garderobe, Abstellraum und Schlafpl√§tze f√ľr m√ľde Crewmitglieder dienten.

Hier versuchte ich, mich so emanzipiert und feministisch zu geben, wie es damals eben √ľblich war, und verbat mir solche Zur-Schau-Stellung als h√ľbsches Anh√§ngsel. Wobei von h√ľbsch sowieso keine Rede sein konnte.¬†

 

Kai protestierte, ich sei ihm h√ľbsch genug, was mir wiederum schmeichelte. Es ging ein wenig hin und her, bis er ganz nah an mich herantrat und unbeholfen eine meiner Locken zwirbelte. „Und, sind wir wieder gut?”, murmelte er mit Hundeblick, da konnte ich ihm nicht mehr b√∂se sein. Wir gaben uns einen Vers√∂hnungskuss, der pl√∂tzlich ungewohnt heftig ausfiel.

¬†Auf einmal waren wir wie von einer inneren Hitze befallen, wir fingen an, uns gegenseitig die Klamotten vom Leib zu fummeln, bis wir endlich nackt waren. Ein bisschen Petting war ja vorher schon mal gewesen, deswegen nahm ich auch die Pille, aber diesmal √ľberkam uns der Wunsch, ES auch wirklich zu tun...

Aus heutiger Sicht war es eher nicht hocherotisch gewesen, aber wir waren erregt genug, um zum ersten Mal zueinander zu finden. Als Kai durch mein Hymen stie√ü, hielt er erschrocken inne, doch ich hatte kaum etwas gesp√ľrt und wir machten¬†

 

 

weiter. Nat√ľrlich 'kam' ich nicht, aber Kai half hinterher noch einmal nach. Das hatte er inzwischen ganz gut raus... Tja, so hatten wir es also hinter uns gebracht, unser erstes Mal.

Ein paar Mal hatten wir es dann noch wiederholt, man kann sagen, wir lernten durchaus dazu!  Aber trotzdem trennten wir uns dann, weil unsere Leben einfach nicht mehr zueinander passten... 

 

 

Dar√ľber schlief ich dann meistens ein, doch der Sex wurde in der Verkl√§rung der Vergangen-heit immer besser.

Mein Versuch, vern√ľnftig zu sein, wurde dann aber auch auf eine harte Probe gestellt! Denn kaum eine Woche nach seinem ersten Besuch war Kai schon wieder in der Stadt und wollte mich treffen.
 

 

Wir verbrachten einen wundervollen Tag in den Rheinauen, wo wir eine Decke auf der Wiese ausbreiteten und picknickten. Das war alles einfach so¬† … so vertraut. Ja, das vor allen Dingen. Die alte Zuneigung schien wieder entfacht, ich wei√ü nicht, ob man es Turteln nennen k√∂nnte, aber wir f√ľtterten uns mit ein paar Leckereien und ab und zu legte Kai den Arm um mich.

Am Ende dieses Tages bekam ich seine E-Mail-Adresse und seine Telefonnummer. Es war mir vorher gar nicht aufgefallen, dass bisher nur er meine Kontaktdaten gehabt hatte, aber ich wertete das nun als gutes Zeichen. Ach Eitelkeit, dein Name ist Weib!

 

 

 

 

Aber man muss mir zugestehen, dass meine Einsch√§tzung durchaus berechtigt war. In der Folgezeit kam Kai in mehr oder weniger regelm√§√üigen Abst√§nden bei mir vorbei, ansonsten schrieben wir uns Mails oder telefonierten. Kai fragte mich sogar in manchen Dingen um Rat oder sch√ľttete mir sein Herz aus, wenn die Band mal wieder Stress hatte.

Nur so langsam fiel selbst mir auf, dass es auf dieser Ebene zu bleiben schien. Woran lag es wohl? Wollte er nicht; dachte er, ich wolle nicht; traute er sich nicht? Sollte ich den ersten Schritt machen? Denn inzwischen war ich wirklich auf heftigste in Kai verliebt, mehr, als ich es damals je gewesen war...

Ich sah alle Filme von ihm und kaufte mir seine LP, die h√∂rte ich rauf und runter. Nat√ľrlich genoss ich das Zusammensein mit ihm auch so und war idiotisch stolz, mit ihm durch K√∂ln zu gehen. Wenn wir am Heumarkt entlang liefen,

 

folgten uns regelmäßig gierige Blicke beiderlei Geschlechts, obwohl auch die Blicke der Männer gerade hier in Köln leider nicht mir galten. 

Aber gerade deswegen hätte ich auch ihnen hier am liebsten die Zunge raus gestreckt. Der  Junge ist mit mir hier!

Allmählich, wir trafen uns schon einige Wochen, wurde ich aber immer ungeduldiger. Ich schrieb sogar Mails mit mehr oder weniger gleichem Inhalt an verschiedene Kummertanten von diversen Zeitschriften, etwa in der Art:


„Liebe Kummertante,
ich habe ein großes Problem. Ich habe vor kurzem einen Mann wieder getroffen, den ich noch aus meiner Schulzeit kenne. Ich muss dazu sagen, dass wir als Teenager schon mal miteinander, wie man schön sagt, gegangen sind, aber uns dann lieber

 

freundschaftlich getrennt hatten. Wir haben beim Wiedersehen fest gestellt, dass wir uns immer noch sehr gut verstehen, wir haben viel Spa√ü miteinander, k√∂nnen aber auch √ľber ernste Dinge diskutieren. Dar√ľber hinaus sieht er auch noch sehr gut aus!

Doch jetzt habe ich festgestellt, dass meine Gef√ľhle f√ľr ihn inzwischen weit √ľber das rein Freundschaftliche hinaus gehen... Man k√∂nnte sogar sagen, dass ich schwer in ihn verliebt bin. Allerdings habe ich, da er in einer anderen Stadt lebt und wir uns nicht oft sehen, keine Ahnung, wie es mit seinen Gef√ľhlen aussieht.

Was soll ich nun tun? Soll ich einen Versuch wagen und ihm meine Gef√ľhle offenbaren, auch auf die Gefahr hin, dass dann die neu gewonnene Freundschaft zerbricht? Oder soll ich hoffen, dass der Anfall vorbei geht und nichts unternehmen?“

 

 

 

Und ich erhielt folgende sehr hilfreiche, da diametral entgegengesetzte, Antworten. Soviel dazu, sich eine zweite Meinung zu holen.

Das ging von

„Wagen Sie es! Sie haben ein Recht sowohl auf Ihr pers√∂nliches Gl√ľck als auch auf die Wahrheit. Sprechen Sie Ihre Gef√ľhle an, Sie werden sehen, wahrscheinlich rennen Sie dabei offene T√ľren ein!“

bis

„Unternehmen Sie lieber nichts. Wo war er denn in den¬† letzten Jahren? Sollte es auf seiner Seite Liebe geben, h√§tte er sich eventuell schon eher gemeldet. Genie√üen Sie, was sich durch die zuf√§llige Begegnung ergeben hat und fordern Sie das Schicksal nicht heraus. Eine gute Freundschaft ist oft so viel mehr wert als eine fl√ľchtige Liebelei.“

 Also hatte mir das auch nicht weiter geholfen, anscheinend musste ich auf meine Instinkte vertrauen  -  was ja in der Vergangenheit

 

schon so unglaublich gut funktioniert hatte, haha! Die dritte Tante lie√ü gleich gar nichts von sich h√∂ren, wahrscheinlich war das positronische Gehirn am Dilemma der Frage zugrunde gegangen. Ach ja, Asimov, gute Idee, den w√ľrde ich mir vor dem Schlafengehen heute Abend zu Gem√ľte f√ľhren. W√ľrde mich vielleicht von meinem Kummer ablenken, von meiner Schicksalsgef√§hrtin zu lesen. Dr. Susan Calvin hatte ja auch nie Gl√ľck in der Liebe gehabt.

 

***

 

Der nächste Besuch stand an. Kai quartierte sich immer in einer kleinen Pension ein und kam danach zu mir, wo wir entweder etwas aßen, diskutierten oder ausgingen. Diesmal wollte Kai aber unbedingt zuhause bleiben.


„Ich w√ľrde gerne etwas mit dir besprechen”, meinte er dann und mein Herz begann, schneller zu schlagen. „Besser gesagt gibt es da etwas, was ich dir schon lange sagen wollte, sofern du es noch nicht selber gemerkt hast...!", fuhr er fort. So ernst war er bisher noch nie gewesen.

„Es gibt einen Grund, warum ich so oft in K√∂ln bin. Hier kennt man mich weniger und die Szene ist ausgepr√§gter. Ich habe n√§mlich, kurz nachdem wir uns getrennt hatten, etwas entdeckt.”

Endlich, es war soweit! Er w√ľrde mir seine Liebe erkl√§ren und wir w√ľrden gl√ľcklich bis an unser Lebensende leben! - War ich das, die das dachte? War ich total durchgeknallt?

Jetzt sah er mich direkt an und meine Knie wurden weich. „Eine sch√∂ne Frau ist nicht zu verachten, aber was mich wirklich gl√ľcklich

 

macht, ist ein Mann. Also M√§nner. Mellie, ich bin schwul.”

 

Zack!!!
.



…..

…....¬† ¬†

„Ich, √§h...”, stammelte ich fassungslos. In diesem Moment war schlie√ülich all meine Hoffnung zusammen gebrochen.

„Ach so”, brachte ich dann heraus, „wenigstens bist du nicht so tuntig drauf wie die Figuren in diesem Film.. Der bewegte Mann oder so...” So ganz genau wusste ich nicht, was ich da faselte, zum Gl√ľck sprach Kai jetzt weiter.

 

„Na vielen Dank. Die Rolle hab' ich extra deswegen abgelehnt. Grunds√§tzlich w√ľrde ich mich ja auch als bisexuell bezeichnen... Aber ich hab halt gemerkt, dass ich mit M√§nnern viel mehr Spa√ü habe. Trotzdem fehlt mir etwas in meinem Leben und ich werde ja auch nicht j√ľnger. Deswegen wollte ich dich fragen-”

 

Was kam jetzt? Warum √ľberhaupt hatte er mit der Freundschaft zu mir wieder angefangen? Wollte er mal wieder unverbindlich testen, ob er doch noch mit Frauen konnte?¬† MELANIE, du spinnst, rei√ü dich zusammen!!

„.... von dir.” Erwartungsvoll sah er mich an, aber vor lauter Gehirnsturm hatte ich nicht alles mitbekommen.

„Was?”

Kai zuckte zusammen und hob abwehrend die

 

H√§nde. „Sorry, bitte vergiss, was ich gesagt habe. Ich wei√ü ja, dass das Schwachsinn ist.”


„Nein nein, ich hab's echt nur akustisch nicht mitbekommen, bitte sag's noch mal.”


Hoffnung wanderte wieder in sein Gesicht. „Ich hab dich gefragt... Oh Gott... Ob du eventuell bereit w√§rst, mir ein Kind zu schenken.”

 

Bamm. JETZT hatte ich ihn verstanden. 

 

Erwartungsvoll, hoffnungsvoll und gleichzeitig sehr ängstlich sah er mich an.

„Entschuldige, ich muss mich grad nochmal verh√∂rt haben. Ich hab verstanden, du willst ein Kind von mir haben!”, versuchte ich zu¬†

 

scherzen.

„Hm, ja, oder eventuell auch nur eine Eizelle von dir, je nachdem...”
Im Moment sah der große Kai Zöller ganz schön alt aus, tiefe Linien sah ich um seinen Mund, und Angst in seinen Augen.

Na klar, das war ja sicher auch nicht leicht f√ľr ihn, SO eine Forderung an die Frau zu bringen. Welche zuf√§llig ausgerechnet ich war, feministisch angehaucht, allein lebend und so gut im Babysitten wie Freddy Krueger.

Also ausgerechnet mich bat er, schwanger zu werden und ein Kind auszutragen. Er konnte es ja nicht wissen, aber ich hatte mich schon einmal gegen eines entschieden. War dies die Gelegenheit, die ultimative Chance, das wieder auszugleichen?

 

Aber gut, wenn heute schon der Tag der unm√∂glichen Forderungen war, hatte auch ich eine. „Hm, mal angenommen, nach reiflicher √úberlegung w√ľrde ich zustimmen, wei√ü ich aber schon jetzt, dass ich eine ganz bestimmte Bedingung habe.“

Sein Ausdruck schwankte zwischen Erleichterung und Wachsamkeit. „Immer raus damit! Ich bin ja schon froh, dass du mir nicht gleich mit dem nackten Arsch ins Gesicht springst.“

Hm, dabei ging es aber schon in diese Richtung. „Also mal angenommen, ich sage Ja – und ich wei√ü echt noch nicht, ob ich das tue -, wei√ü ich jetzt schon, dass ich so eine Tortur wie IVF und ICSI nicht haben will! Wenn“, ich beobachtete ihn nun ganz genau, „ich also mit meinen Genen dein Kind austragen soll, dann nur nach einer nat√ľrlichen Zeugung.“

 

 

 

Sein Mundwinkel zuckte ganz kurz und ich hakte nach. Jetzt war eh schon alles egal. „Hast du verstanden, was ich damit meine? Keine Klinik, keine Reproduktionsmedizin, nur wir beide nackt im Bett und echter, schmutziger Sex.“¬†

Jetzt l√§chelte er ganz schmal. „Schmutzig?“
 

Ich zuckte die Achseln. „Oder Bl√ľmchensex, je nachdem, wozu du in der Lage bist“, forderte ich ihn heraus.

Wie gewohnt schnellte nun eine Augenbraue nach oben. „Nun, soweit ich mich erinnere, warst du damals ganz zufrieden. Und bisher kamen noch keine Klagen.“ Typisch Mann.

Spontan stand ich auf. „Ich wei√ü nicht, was du jetzt machst, aber ich brauch 'ne Runde frische Luft!”


Er sah mich an, mit diesem Lausbubenl√§cheln, das mich immer wieder dahinschmelzen lie√ü, auch heute, nachdem... „Darf ich mitkommen?”

„Klar.”

 

Wir gingen los, die Straße entlang, durch den Park, an den Rhein, schwiegen aber die ganze Zeit, jeder in seine Gedanken vertieft. Beim Einbiegen in die Uferpromenade musste  ich so einem Kastrationsstäbchen ausweichen, das den Weg teilte, dabei taumelte ich gegen Kai.

Der schubste mich leicht zur√ľck, mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Hey!”, rief ich und rempelte ihn noch einmal an, so dass er einen Ausfallschritt machen musste, doch auch ich grinste dabei. Mit Schwung stie√ü Kai mich dann noch einmal so heftig, dass ich beinahe durch die Gegend geflogen w√§re, wenn er mich nicht

 

am Zipfel meiner Jacke gehalten h√§tte. Rasch zog er mich an sich und gab mir mit dem Arm um meine Schulter Halt; wir mussten pl√∂tzlich beide laut lachen. So sehr, dass mir beinahe die Tr√§nen √ľber das Gesicht liefen. Schniefend sah ich ihn dann an und er wurde pl√∂tzlich wieder etwas ernster. „Alles wieder gut?!”, fragte er, fast ein wenig √§ngstlich.

Ich nickte. „Ja, soweit. Ich frag mich nur, wieso du auf mich kommst?!”

 

Kais Blick wanderte unruhig zwischen mir und dem Rhein hin und her. „Hm, naja... Ich kenn dich halt schon lange, auch wenn wir uns ein paar Jahre nicht gesprochen haben. Dein Charakter gef√§llt mir, du bist noch jung, ich mag dich und du ...¬† Also, von allem weiblichen Wesen, die ich kenne, k√∂nnte ich mir am ehesten dich als die Mutter meiner Kinder vorstellen.”

 

Du liebe Zeit, die meisten Frauen w√ľrden alles geben f√ľr diesen Satz, wenn er von dem Mann kam, den sie liebten. Oder von Kai Z√∂ller. Dummerweise war es bei mir auch so, obwohl dieser Mann klar gemacht hatte, dass ich letztendlich nur das Mittel zum Zweck sein w√ľrde. Aber wer wei√ü, wenn er sich ein Kind so sehr w√ľnschte, vielleicht war das ja auch f√ľr mich ein Weg in SEIN Herz.

 

Also nickte ich, fragte ihn dann, warum er sich so sehr ein Kind w√ľnschte. Das erkl√§rte er mir dann, ja, es waren nachvollziehbare Gr√ľnde, aber war er sich auch im Klaren dar√ľber, dass wenn das Kind einmal da war, man es nicht wie ein abgenudeltes Hobby in die Ecke stellen konnte?!

 

Entr√ľstet schnaubte er die Luft aus der Nase. „Mellie, was denkst du denn von mir?! Nat√ľrlich

 

habe ich mir das Ganze mehr als reiflich √ľberlegt. Wir, √§h, ich meine, ich, na, also, wir beide sind doch erwachsen, da kann man doch die Tragweite einer solchen Entscheidung ermessen, oder?”

Er wirkte seltsam erleichtert, vielleicht, weil er so seinen Standpunkt ausreichend klar gemacht hatte.


„Gut, aber ich muss mir das noch einmal reiflich √ľberlegen...”
 

Abrupt blieb Kai stehen und zog mich in seine Arme. Er dr√ľckte mich einmal fest und ich h√∂rte ihn „Danke, dass du nicht gleich 'Nein' gesagt hast!”, murmeln. In diesem Moment, f√ľrchte ich, so an seinen wundervollen K√∂rper gepresst, ist meine Entscheidung wahrschein-lich bereits getroffen gewesen.

 

Nachdem wir uns diesmal getrennt hatten, begann die Zeit des Nachdenkens f√ľr mich. Sollte ich wirklich, um diesen K√∂rper noch einmal zu sp√ľren, auf so eine verr√ľckte Idee eingehen? 38 Wochen Schwangerschaft f√ľr eine – oder vielleicht auch mehrere N√§chte Spa√ü?!

 

Und dann noch das andere, was w√ľrde eigentlich mit dem Kind passieren? W√ľrde ich es ganz ihm √ľberlassen sollen, es nie wieder sehen? Zwar war ich noch nie der m√ľtterliche Type gewesen, doch ich war sicher, die Oxytocinaussch√ľttung bei der Geburt w√ľrde schon daf√ľr sorgen, dass ich das Kind liebte. Und w√ľrde ich es in dem Fall weg geben k√∂nnen? Das Recht w√§re schlie√ülich auf meiner Seite, Leihmutterschaft war in Deutschland verboten...


***

 

Ein paar Tage sp√§ter fasste ich mir ein Herz und rief Kai an, um √ľber all dies mit ihm zu sprechen. Er lachte leise und meinte, er h√§tte sich auch schon Gedanken dar√ľber gemacht. „Ich denke, du k√∂nntest doch auch gut zu uns ziehen, das Kind braucht schlie√ülich eine Mutter, ein weibliches Bezugswesen...”

„Zu uns ziehen?”, fragte ich etwas irritiert, doch wieder einmal lachte er nur.

„Sorry, ich bin so mit dem Theater hier und der Band verwurzelt! Zu uns nach Hamburg halt, Ralle wohnt auch hier, den kennst du doch auch noch.”¬†

„Stimmt. Wei√ü der eigentlich von deinen Pl√§nen? Und wie w√ľrde sich das auf deine B√ľhnen-Tourneen auswirken?”

F√ľr einen Moment herrschte Schweigen am anderen Ende der Leitung. „Hm, nun ja.... Ich bin sicher, w√ľsste er jetzt schon davon, w√ľrde

 

er mich einweisen lassen. Er kommt zwar so langsam von den Drogen runter, aber Familie und Kinder h√§lt er f√ľr ein √ľberkommenes Konzept. Insofern w√§re es auch gut, wenn du hier bei mir bleiben w√ľrdest... Ich mein, das w√§re eh sinnvoll, wenn du schon eher kommst, so f√ľr die eigentliche, √§hm, na du wei√üt schon...”

„Zeugung”, sprach ich es statt seiner aus und er sagte erleichtert

„Ja, genau. Bei mir ist gen√ľgend Platz!”

Im Nachhinein ist mir auch klar, wie dumm dieser Plan im Grunde war. Ich sollte Mutter spielen? Aber heute weiß ich, es war die Hoffnung, welche noch immer tief in mir pulsierte. Denn so nah bei ihm, wer weiß, was da noch passieren konnte; so waren offenbar meine unbewussten Gedanken.

 

Nach einem kurzen Zögern holte ich tief Luft.

„Wei√üt du was”, sagte ich dann, „ich mach's!”

„Wirklich? Du w√ľrdest mir ein Kind schenk-en?!!”

Das klang so herrlich¬† …. pathetisch, verkl√§rt ... Mein Herz brannte, als ich ihm das best√§tigte. „Ja, ich bin einverstanden und werde dein Kind bekommen.”

„Melanie... Mellie, ich wei√ü gar nicht, was ich sagen soll.” Auch er schien zu Tr√§nen ger√ľhrt zu sein. Wie konnte man nur so versessen auf ein Kind sein? Aber mir sollte es Recht sein...

Zunächst aber waren noch ein paar logistische Probleme zu lösen, dazu noch einige inhaltlicher Natur. Da das, was wir vorhatten, im Grunde am Rande der Legalität war, blieb uns beinahe nur der Weg, zunächst mal hier in 

 

Köln eine Liebesbeziehung vorzutäuschen.

Oh, wie habe ich es genossen! Mit Kai Arm in Arm durch die Stadt zu schlendern, und wenn wir Bekannten begegneten, forderte ich auch den einen oder anderen Kuss ein. Es sollte ja schließlich echt aussehen! 

 

Der arme Kai, er machte bereitwillig mit und ich glaube,¬† ich habe ihn schon ziemlich gequ√§lt. Auch wenn er immer wieder beteuerte, es w√ľrde ihm sogar Spa√ü machen, mit mir zu knutschen, so wie fr√ľher.... Das war Musik in meinen Ohren!

 

***

 

Endlich war alles arrangiert, meine Arbeit konnte ich sehr gut nach Hamburg verlagern,

 

meine Wohnung war vermietet. Nun konnte ich die Reise in meine Zukunft beginnen und an einem nebligen Novembertag stand ich, getragen von einer Woge der Euphorie, vor seinem Heim. MEINEM Heim, so hatte Kai es selber gesagt. Arme Melonie, so eingesponnen in ihre Tagträume, dass sie die Anzeichen nicht bemerkte...

Aber was soll ich sagen, zun√§chst klappte alles sehr gut. Nach ein paar Stunden der Befangenheit fanden wir wieder zu dem locker-kameradschaftlichen Verh√§ltnis unserer Freundschaft zur√ľck. Wir verstanden uns ja schlie√ülich auch wirklich gut, waren in vielen Dingen einer Meinung, konnten √ľber andere leidenschaftlich miteinander diskutieren oder eben ausblenden, was gar nicht ging.

 

Eigentlich wie in jeder guten Ehe auch.


 

 

Allm√§hlich lebte ich mich ein, tags√ľber arbeitete ich, genau wie Kai. Ab und zu musste er f√ľr ein paar Tage fort fahren, Auftritte, Interviews etc. Seinen Manager hatte ich inzwischen auch getroffen. Frank war ein sehr netter Kerl, der manchmal verschmitzt lachte, wenn er uns zusammen sah.

Ralle hatte sich allerdings so gut wie nicht an mich erinnern k√∂nnen. Eines Abends, als Frank schon gegangen war, h√∂rte ich Ralle und Kai in der K√ľche streiten.

„Du musst absolut verr√ľckt sein!”, schimpfte der Andere, doch Kai knurrte nur.

„Dass DU dagegen bist, war mir ja klar! Aber das ist doch wohl meine Sache.”

„Ha! Soviel Verantwortungsbewusstsein hab ja sogar ich, dass ich ein Kind nicht nur als allein deine Angelegenheit ansehe!”
 

 

„Das Kind wird es gut haben bei mir und ...-”

„Ja klar, aber bist du dir wirklich im Klaren dar√ľber, was-”

Also war Ralle √ľber die Wahrheit informiert, genau wie es bei mir Kerstin war. Mit dem besten Freund bzw. Freundin wollte man so etwas halt teilen, trotzdem musste ich wohl einmal scharf die Luft eingezogen haben. Jetzt hatten die Zwei mich wahrgenommen und beendeten ihren Disput abrupt.

Charmant kam Kai auf mich zu und k√ľsste mich auf die Wange. „Sorry, es lie√ü sich nicht umgehen, Ralle ist mein Freund und Kollege... Und er findet unser Vorhaben nicht so toll.”

Nat√ľrlich nicht, denn als Vater w√ľrde sein Kumpel nicht mehr der gleiche sein, sondern von ihm weg driften. Zu mir ..., dachte ich triumphierend, w√§hrend ich √§u√üerlich gelassen

 

mit den Schultern zuckte.

„Das ist sein gutes Recht. Aber ich hoffe, du erz√§hlst es nicht Weiteren?!”

¬†„Keine Sorge, nicht einmal Frank wei√ü etwas.”

„Gut”, s√§uselte ich und legte meinen Arm kurz um Kais Taille.

Ralle sah uns unbehaglich an. „Na gut, ihr m√ľsst wissen, was ihr tut. Ich hoffe nur, Melanie, du wei√üt wirklich alles, was du wissen musst.”

Dessen war ich mir eigentlich sicher, oder? Doch bevor ich weiter fragen konnte, hatte der Dunkelhaarige schon seine Jacke geschnappt und war gegangen. Geflohen, konnte man es auch nennen.

 


Kai l√∂ste sich von mir und sah mich fragend an. „Na, was h√§ltst du davon, wenn wir uns jetzt ein Video anschauen?”

Ich nickte begeistert, denn das gab mir die Gelegenheit, mich neben ihn und an ihn zu kuscheln, etwas, wogegen er sich auch nicht wehrte. Na also!

 

So vergingen die Tage, während ich mich einlebte und es dauerte nicht lange, da hatte ich Ralles Auftritt auch schon aus meinem Gedächtnis gestrichen.

Manchmal ging Kai Abends weg und kam erst sp√§t wieder, ab und zu blieb er sogar √ľber Nacht weg. Da wusste ich zwar nicht, wo er war, aber ich traute mich dann doch nicht, ihn direkt zu fragen.

Hauptsache, er kam immer wieder zur√ľck und wir sa√üen zusammen, redeten...

 

Ich erfuhr viel √ľber seine Reisen, √ľber das Tourleben und berichtete von diversen Erlebnissen mit meinen Kunden. Alles in allem f√ľhlte es sich f√ľr mich nahezu perfekt an. Dass er immer √∂fter bis sp√§t in die Nacht fort blieb, fiel mir anfangs nicht so sehr auf, ich schob es auf sein K√ľnstlerdasein.

 

***

 

War mir ja eigentlich nicht der Sinn nach zu viel medizinisch-technischem Kram gestanden, musste ich nun meinen Zyklus √ľberwachen. Bis der gro√üe Tag pl√∂tzlich gekommen war.

 

Alle Messergebnisse zeigten sozusagen auf Gr√ľn und als ich es Kai beim Fr√ľhst√ľck mitteilte, verschluckte er sich prompt beinahe an seinem hei√üen Tee.

 

 

„Du liebe Zeit, jetzt hatte ich doch fast vergessen, warum du eigentlich hier bist”, murmelte er l√§chelnd und ich dankte ihm l√§chelnd f√ľr die kleine L√ľge. Dann folgte ein peinliches kleines Schweigen, bis er den Kopf hob und mich direkt ansah.

 

„Also … jetzt?”

 

Ich zuckte mit einer Achsel. „Warum nicht? Wir haben Zeit, sind beide frisch geduscht...”

 

„Ach, ich dachte, du wolltest schmutzigen Sex”, scherzte er, wohl um die Stimmung auf zu brechen.

 

„Hm, das schlie√üt sich ja nicht aus”, brummte ich und stand auf. „Ich, √§hm, geh dann schon mal vor...”

Er nickte und ließ mir sozusagen einen Vorsprung. Im Zimmer betrachtete ich mich

 

kurz im Spiegel. Du liebe Zeit, worauf hatte ich mich da blo√ü eingelassen? Langsam zog ich mich aus und der Spiegel best√§tigte mir, dass ich ganz passabel aussah. Ob das allerdings reichen w√ľrde, Kai anzumachen?

Es klopfte und gleich darauf steckte er seinen blonden Kopf durch die T√ľr. Mein Herz machte einen kleinen H√ľpfer. Ich w√ľrde gleich Sex mit dem Mann haben, den ich begehrte und wahrhaftig liebte. Mochte er mich auch nicht lieben, versprach ich mir dennoch ein prickelndes Erlebnis. Im Moment war es aber eher noch peinlich.

In Unterw√§sche stand ich im Raum und verschr√§nkte unwillk√ľrlich die Arme vor der Brust. Kai war barfu√ü, hatte aber noch Shirt und Hose an. Sein Blick war schwer zu deuten.

Mit einem Seufzer trat ich einen Schritt zur√ľck.

 

„Du musst nicht, wenn du nicht willst”, murmelte ich, doch er sch√ľttelte mit einem ganz feinen L√§cheln den Kopf.

„Nein, ist schon in Ordnung. Du schaust h√ľbsch aus. Dreh dich doch mal um.”

Das tat ich und h√∂rte ein Rascheln, dann stand er auf einmal direkt hinter mir. Mit den H√§nden fasste er meine Oberarme und zog mich n√§her zu sich heran. So sp√ľrte ich, dass er seine Kleidung ausgezogen hatte¬† –¬† seine gesamte Kleidung.

Das erregte mich, ich sp√ľrte, wie sich meine Brustwarzen aufrichteten, um so mehr als Kai nun von meiner Taille aufw√§rts √ľber meinen K√∂rper strich und meine Br√ľste in die H√§nde nahm. Mit den Daumen strich er durch den Stoff √ľber die Nippel, die sich prompt noch weiter aufrichteten.

 

 

Scheinbar zufrieden brummte er leise und seine H√§nde wanderten auf meinen R√ľcken, um den Verschluss des BHs zu l√∂sen, was ihm leider nicht auf Anhieb gelang. Zu wenig √úbung, nahm ich an und schickte mich an, es selber zu tun. Gleich darauf umarmte er mich wieder, k√ľsste mich in den Nacken.

„Alles okay? Mellie, ich m√∂chte, dass du dich wohl f√ľhlst...”

Ich drehte mich in seinen Armen um. „Wie geht es dir denn dabei?”

„Bei einer sch√∂nen Frau geht’s mir immer gut.”

„Du Schmeichler”, meinte ich und fuhr mit dem Finger eine Linie √ľber seine Brust etwas abw√§rts. Er sah toll aus, kein Sportlerbauch, aber auch kaum ein Gramm Fett zu viel. Und sein Glied schien zumindest ein wenig zu reagieren...
 

 

„Schlie√ü die Augen”, bat ich, „du sollst dich ja auch wohl f√ľhlen.” Vielleicht fiel es ihm leichter, wenn er mich nicht direkt sah und statt dessen an seine letzte Flamme dachte.

Er tat, wie ihm gehei√üen und ich begann ihn zu streicheln, seine Brust, seine Nippel, ich verteilte dort kleine K√ľsse und strich langsam mit meiner Hand weiter nach unten. Als ich sein Glied ber√ľhrte, st√∂hnte er leise auf, ein Ausdruck der Begierde machte sich auf seinem Gesicht breit. Anscheinend machte ich es nicht so verkehrt...

Mit einem kleinen Schritt kam Kai pl√∂tzlich n√§her, schloss mich in seine Arme. Ich meinte, ein kleines „Ach, was soll's”, zu h√∂ren, dann war ich pl√∂tzlich in einem Kuss gefangen.

Ein Kuss, der zumindest in mir alle Sicherung-en durchbrennen lie√ü. Wir machten uns gegenseitig mit K√ľssen und Streicheln hei√ü und schnell war klar, meine Bef√ľrchtungen

 

waren unnötig: Kai hatte keinerlei Schwierigkeiten, bei mir geil zu werden!

So wurde dieser Akt, nachdem die erste Verlegenheit verflogen war, eine √§u√üerst angenehme Veranstaltung, auch wenn es tats√§chlicher eher Bl√ľmchensex war. F√ľr mich war es jedenfalls sehr sch√∂n.

Hinterher lagen wir noch beisammen, Kai hatte den Arm um mich gelegt und strich √ľber meinen Oberarm. „Alles ok bei dir?”, fragte er und ich nickte.

„Jo, mir hat es gefallen”, meinte ich und kicherte dann. „Das ist ja gemeinhin immer der sch√∂ne Teil bei der Zeugung. Wie man dann mit dem Produkt fertig wird, steht in den Sternen.”

 

 

 

„Hm”, machte er abwesend, g√§hnte dann. „Wir schaffen das schon. Ist es ok, wenn wir noch ein St√ľndchen schlafen?”

„Um elf Uhr morgens? Warum nicht...” Offenbar wollte er hier bleiben, wie konnte ich dazu nein sagen? Er drehte sich auf die Seite und ich kuschelte mich von hinten an ihn, was er sogar mit einem zufriedenen kleinen Brummen quittierte. Meine Beine presste ich eng zusammen, um seinen Samen ja nicht zu verlieren....

Ich wachte auf, weil ich eine Ber√ľhrung sp√ľrte. Vorsichtig blinzelte ich, hinter der Jalousie war es schon wieder dunkel, gut, im Dezember kein Wunder, aber wir hatten anscheinend doch ein paar Stunden gepennt.

„Mellie?”, h√∂rte ich Kai fl√ľstern. „Wie schaut's aus? Gar keinen Hunger?”

 

Noch ziemlich traumverloren sah ich ihn stumm an. In diesem Moment sp√ľrte ich nur, dass ich Hunger auf IHN hatte. Er runzelte bei meinem Blick die Stirn, kam dann n√§her.

 

„Den Ausdruck in deinen Augen kenne ich doch noch”, wisperte er. Dann k√ľsste er mich. Es war ein Gef√ľhl, als w√ľrde eine Bombe in meinem Herzen hochgehen. Wenn ich nicht schon vorher in Kai verliebt gewesen w√§re, sp√§testens jetzt war ich ihm hoffnungslos verfallen. Er wollte noch einmal Sex mit mir, von sich aus!

Diesmal gingen wir schon wesentlich unbefangener zur Sache und probierten auch verschiedene Stellungen aus. Hinterher durfte ich liegen bleiben, w√§hrend Kai uns ein paar Eier zum Abendessen briet¬† –¬† die St√§rkung hatten wir echt n√∂tig!

 

An diesem Tag war ich unheimlich gl√ľcklich. So gl√ľcklich wie wohl noch nie vorher in meinem Leben. Kam mir der Gedanke, dass es hoffentlich mit der Zeugung noch gar nicht geklappt hatte, um noch m√∂glichst oft in diesen Genuss zu kommen?

Oder die Idee, selbst bei Erfolg diesen nicht so schnell zu melden?

 

Ganz ganz kurz nur. Ehrlich!!

Etwas sp√§ter klingelte das Telefon am Bett. Kai l√§chelte mich entschuldigend an und hob dann an. Schlagartig √§nderte sich sein Gesichtsaus-druck, er wirkte seltsam angespannt, zog die Brauen zusammen und sprach rasch in den H√∂rer¬† - auf Italienisch, wie ich √ľberrascht fest stellte.

 

„No, non stai disturbando.”¬† –¬† „Davvero? S√¨, naturalmente vorrei vederti! E forse ho una sorpresa!”¬† –¬† „Non gi√†, ma … Senti, facciamo un impegno, allora te lo posso spiegare, capici?”¬† – „Benissimo. Sai che ti voglio bene, ah?”¬† –¬† „Allora, ciao, a presto!”, beendete er das Gespr√§ch und sah mich schuldbewusst an.

„Sorry”, murmelte er nur, erkl√§rte aber nichts weiter.

 

Hatte er vergessen oder wusste er, dass ich mit ihm zusammen Italienisch gelernt hatte; sollte das ein geheimes Gespr√§ch sein? Welche Person war das, die er da vertr√∂stete und der er erkl√§rte, sie gern zu haben?! Immerhin hatte er nicht „Ti amo” gesagt. „Ti voglio bene” sagen auch Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt.

 

 

 

Ich war jedenfalls gewillt, mir den Abend nicht verderben zu lassen und nickte nur verständnisvoll.
 

Ein paar Wochen lange schwebte ich wie auf Wolken. Irgendwie schien auch Kai Gefallen am Sex mit mir gefunden zu haben, denn wir landeten wesentlich √∂fter im Bett, als es von meinem Zyklus her notwendig gewesen w√§re. Ich war glaub ich felsenfest davon √ľberzeugt, dass mein Plan, der keiner war, eher nur eine Hoffnung, nun doch aufgehen w√ľrde.

Bis dann eines Morgens der Schwanger-schaftstest zwei Striche anzeigte.

Positiv!

Aufgeregt lief ich, nur im T-Shirt und Slip, runter zu Kai. „Er ist positiv!”, rief ich jubelnd und sein Gesicht wechselte von √úberraschung zu Freude.

 

„Mellie! Das ist ja fantastisch!”, jubelte auch er und umarmte mich, gab mir sogar einen dicken Kuss. „Bist du denn sicher?!”

„Soweit es den Test angeht, ja. Aber zu Sicherheit m√ľsste ich noch zum Gyn√§kologen.”

„Dann nichts wie los”, war seine Antwort und kaum eine halbe Stunde waren wir auf dem Weg in die Stadt. Der Frauenarzt best√§tigte dann die Diagnose: Ich war definitiv schwan-ger.

Auf der R√ľckfahrt √ľberkam mich aber dann sowas wie eine kleine Depression. Kai strahlte¬† wie ein Honigkuchenpferd und ich freute mich noch immer, ihm seinen gro√üen Wunsch erf√ľllen zu k√∂nnen. Aber w√ľrde er mich jetzt noch anfassen?

Zuhause setzte er mich ab und fragte dann „Alles in Ordnung? Kann ich dich ein paar Stunden allein lassen?”

 

Etwas √ľberrumpelt stammelte ich „Ja klar, ich bin ja schwanger, aber nicht krank...”

„Prima!”, h√∂rte ich noch, dann war er schon davon ged√ľst.

Entt√§uscht ging ich allein ins warme Haus. Es war Ende Februar und der Wind blies kalt √ľber die Felder.

 

~~~~

 

Erst sehr spät kam Kai am Abend nach Hause und ich hätte schwören können, dass er leicht angeheitert war. Hatte der große Nichttrinker  zu tief in die Prosecco-Flasche geschaut?

Er lie√ü sich neben mich auf die Couch fallen, auf der ich es mir gem√ľtlich gemacht hatte, eingekuschelt in eins seiner Hemden, das ich

 

mir aus seiner Wäsche gemopst und zum Trost angezogen hatte.

Im Gegensatz zu heute Vormittag wirkte Kai jetzt irgendwie frustriert. Wie ein gekreuzigter Jesus hing er √ľber der Lehne des Sofas und starrte ein paar Minuten wortlos an die Decke.

„Hey”, murmelte ich leise, „alles in Ordnung?”

„Hm?” Sein Kopf ruckte hoch und er sah mich an, als h√§tte er mich gerade eben erst bemerkt. Ein Glitzern war in seinen Augen zu sehen. „Nein nein, nur ein kleines Problem, das ist alles.”

Anscheinend war er nicht gewillt, mir die Natur des Problems zu offenbaren. Ich versuchte zu scherzen.

 

 

 

„Oder ist dir jetzt die ganze Tragweite der Geschichte aufgegangen? Du lebst schlie√ülich ab jetzt mit einer drogens√ľchtigen Schizophrenen zusammen!”

Sein Gesicht war seltsam verzerrt, als er sich nun aufrichtete. Er wirkte wie jemand, der gro√üe M√ľhen auf sich nahm und doch nicht daf√ľr belohnt wurde ¬†- ¬†also ungef√§hr so, wie ich mich im Moment f√ľhlte. Und ich f√ľhlte mich ausgeschlossen, hatte keine Ahnung, was in ihm vorging.

Waren das schon die Hormone? Jedenfalls kamen mir auf einmal die Tr√§nen, f√ľrchtete ich doch, ab jetzt nur noch 'Das Gef√§√ü' zu sein, das nicht weiter in sein Leben eingebunden wurde. Kai beugte sich vor, ich konnte deutlich den Alkohol in seinem Atem riechen. ¬†
 

„Mellie?! Weinst du?”

 

„Nein”, versuchte ich zu antworten, doch der Laut ging in einem derma√üen elenden Schluchzen unter, dass er schnell zu mir r√ľber rutschte und mich pl√∂tzlich im Arm hielt.

„Meine S√ľ√üe, was ist denn los? Hast du Angst um deine Figur?”, versuchte nun er zu scherzen. „Angst, dass du jetzt wirklich zur MELONie wirst?!”

Unwillk√ľrlich musste ich lachen und er dr√ľckte mich zufrieden an sich. Dabei klaffte das Hemd auf und unerwartet √§nderte sich seine Haltung, er atmete etwas schneller und ein Ausdruck trat in seine Augen, fast so etwas wie Trotz. Langsam strich er √ľber meine Brust und ich erschauerte.


„Allerdings eine ziemlich sexy Melonie...”, murmelte er und dann k√ľsste er mich tats√§chlich.

 

War ich auf der Couch eingeschlafen, träumte ich das etwa nur?

Aber nein, es war real, Kai war hier, k√ľsste mich, streichelte mich mit einer brennenden Begierde im Blick, verf√ľhrte mich, obwohl ich doch schon schwanger war ... In dieser Nacht verlor ich mich endg√ľltig an ihn.

Es dauerte nicht lange, bis wir beide nackt waren. Kai schien wie von einem Fieber besessen, seine K√ľsse waren anders als sonst, h√§rter, fordernder.


Kurz bevor er zu mir kam, drehte er mich um und nahm mich zum ersten Mal von hinten. Das war trotzdem geil, ein schneller, leidenschaftlicher Akt, nach dem wir erschöpft auf dem Sofa einschliefen.

 

 

 

Am n√§chsten Morgen wachte ich aber in meinem Bett auf, offensichtlich hatte Kai mich hierhin getragen. Gl√ľcklich lie√ü ich mich wieder zur√ľck fallen. F√ľr mich gab es keinen Zweifel mehr.

Ein paar Tage sp√§ter fing diese elende Schwanger-schafts√ľbelkeit an. Aber mir war anfangs nicht nur Morgens √ľbel, nein, auch Mittags und Abends. Kai war sehr verst√§ndnis-voll und versuchte heraus zu finden, was ich vertrug und was nicht. Mir zuliebe bereitete er sogar gegen seine √úberzeugung Fleisch zu, in der Hoffnung, ich w√ľrde es drinnen behalten.

Der medizinische Fachbegriff daf√ľr lautet Hyperemesis, was f√ľr ein sch√∂nes Wort f√ľr diese √ľble Kotzerei! Das waren anderthalb furchtbare Monate, erst gegen Mitte April verlagerte sich die √úbelkeit haupts√§chlich auf den Morgen.¬†

 

Ab da entspannte sich die Lage etwas und Kai traute sich auch wieder, des öfteren aus zu gehen.

Das war nach dieser Phase des Sich-elend-F√ľhlens endlich mal wieder eine sch√∂ne Zeit – nicht zuletzt, weil Kai wieder ab und zu in mein Bett kam...

 

Manchmal auch erst sp√§t in der Nacht, wenn er nach Hause kam. Dann war er immer besonders aufgedreht, nahm mich leiden-schaftlich und fordernd, aber ich genoss das, liebte ihn ebenso gierig zur√ľck und ich darf sagen, dass er mein Bett nicht ein einziges Mal unbefriedigt verlie√ü!


***
 

 

 

Die warmen Sonnenstrahlen des Wonne-monats lockten und ich f√ľhlte mich stark genug, wieder einmal in die Stadt zu gehen. Gen√ľsslich zog ich die warme Luft ein und beschloss, mich in ein Caf√© zu setzen.

 

Als ich auf eines zusteuerte, glaubte ich erst, meinen Augen nicht zu trauen, doch da saß er tatsächlich, Kai, zusammen mit einem sehr gutaussehenden Mann mit Latinoeinschlag. Doch instinktiv wusste ich, dass dieser Mann Italiener war...

Na gut, er traf sich mit einem Bekannten ... Das hätte ich mir gerne eingeredet, aber alles an dieser Szene sprach eine andere Sprache. Die Art, wie Kai ihn ansah, anlächelte, ab und zu verstohlen die Hand auf sein Knie legte!

 

 

 

W√§hrend ich sp√ľrte, wie meine Tr√§ume und Hoffnungen nach und nach wie Seifenblasen zerplatzten, √ľberlegte ich, ob ich nicht besser den R√ľckzug antreten sollte. Er hatte mich ja gewarnt, hatte sich selber in erster Linie als schwul mit bisexuellem Einschlag bezeichnet. Da traf mich aber schon sein Blick.

Auch Kai schien einen Moment am liebsten leugnen zu wollen, dass er mich gesehen hatte, dann wich diese Idee einem entschlossenen Ausdruck. Rasch sprang er auf, kam auf mich zu und umarmte mich, zog mich dann hinter sich her.

Der Andere war ebenfalls aufgestanden und Kai schob mich ihm entgegen.


„Luca, das ist sie. Das ist Melanie, der Engel, der so nett ist, uns unseren gr√∂√üten Wunsch zu erf√ľllen.”

 

√úber die Schulter k√ľsste er mich dabei dankend auf die Wange und ich stand wie vom Donner ger√ľhrt zwischen den beiden M√§nnern, w√§hrend ich automatisch Lucas H√§ndedruck erwiderte, der mich unsicher ansah und nun „Piacere! Freue mich, dich endlich kennen zu lernen” sagte.

 

UNSEREN Wunsch?! Was sollte das denn heißen? Hilflos sah ich mich nach Kai um, doch der wechselte gerade seine Position und trat neben Luca, dessen Hand er ergriff. Seine, nicht meine! Um nicht umzukippen, sank ich auf den nächsten Stuhl.

„Ich verstehe nicht”, stammelte ich ehrlich, „was meinst du mit unser Wunsch? Du hast mir nie erz√§hlt, dass du einen Freund hast.”

Lucas Kopf ruckte zu Kai. „Du hast ihr gar nichts von uns erz√§hlt!?!”, fragte er

 

stirnrunzelnd.

Kai strahlte davon unbeeindruckt. „Weil ich dich”, dabei sah er Luca so z√§rtlich ¬†an, dass es mir beinahe das Herz zerriss, „ja auch erst vor kurzem davon √ľberzeugen konnte, das Risiko deiner Liebe zu mir einzugehen”, war seine kryptische Antwort und Luca l√§chelte sch√ľchtern dazu.

Mir wurde das alles zu viel und ich bewegte mich so ruckartig, dass mein Stuhl nach hinten umkippte. Na, besser als wenn ich es war, zum Gl√ľck gelang es mir, einigerma√üen Haltung zu bewahren.

„Das freut mich euch. Ich glaube, ich mach mich jetzt besser auf den Heimweg, das war genug Ausflug f√ľr heute.”

„Ja, pass auf unser Baby auf”, stimmte Kai zu und verabschiedete sich mit einem K√ľsschen

 

von mir, bevor er wieder neben seinen Schatz nieder sank und mich keines Blickes mehr w√ľrdigte, weil er nur Augen f√ľr ihn hatte. Diesmal war ich mir sicher, wer in diesem Fall wirklich mit 'uns' gemeint war...


Irgendwie schaffte ich es nach Hause, nach Hause, ha ha ha, wo mir die Wände meine Einsamkeit mit Widerhall entgegen warfen. Seltsamerweise hatte ich nicht einmal mehr Tränen.


In der Nacht schreckte ich hoch, als Kai durch die T√ľr gerumpelt kam. Im Arm hatte er einen zugegebenerma√üen riesigen Blumenstrau√ü, mit dem er vor meinem Bett nieder kniete. Doch die Vorstellung, er w√ľrde so um meine Hand anhalten, hatten mir die heutigen Geschehnisse gr√ľndlich ausgetrieben.

 

„Mellie, alles klar?”, fragte er leise, w√§hrend ich √ľberlegte, mich einfach schlafend zu stellen. Aber in dem Licht, das vom Flur hereinfiel, hatte er eh schon gesehen, dass ich wach war.

Also lie√ü ich ein kleines Schnauben h√∂ren. „Ich habe nicht das Gef√ľhl, dass mit mir alles in Ordnung ist.”

„Oh nein! Ist was mit dem Baby?”

Vergiss das dumme Baby! Hier geht’s um mich!, schrie ich ihm innerlich entgegen. „Nein, dem F√∂tus geht’s gut”, antwortete ich absichtlich h√§rter als notwendig. „Aber kannst du mir mal das von heute Nachmittag erkl√§ren??!”

Er sa√ü auf der Bettkante und knetete seine H√§nde. „Ich wei√ü, ich h√§tte dir schon viel eher von ihm erz√§hlen sollen, vor allem, weil ihr ja dann.... Also, ich bin schon eine ganze Weile in ihn verliebt. Luca ist einfach wundervoll,

 

intelligent, einf√ľhlsam, er sieht auch noch gut aus”, begann er zu schw√§rmen und ich f√ľhlte eine √úbelkeit aufsteigen, die diesmal nicht von der Schwangerschaft kam.

„Aber er ist nun mal Italiener und die machen sich noch ziemlich viel Stress mit Homosexuali-t√§t... Luca wollte seine eigene Neigung nicht akzeptieren, auch seiner Familie gegen√ľber f√ľhlt er sich in der Pflicht. Er hat immer gesagt, er mag mich, aber dass er sich nicht traut, weiter mit mir zu gehen.”

So langsam stieg da ein leiser Verdacht in mir hoch.
 

„Das hat mich echt fertig gemacht in den letzten Monaten... Ich liebe ihn ganz schrecklich, wei√üt du.”

In dem fahlen Lichtstrahl wirkte Kai plötzlich unglaublich jung und verletzlich.

 

Er sah mich an, aber ich brachte keinen Ton √ľber die Lippen.

„Doch stell dir vor, als ich ihm vor kurzem mal von unserem verr√ľckten Plan erz√§hlte, hat ihn das ins Nachdenken gebracht. Und seit ein paar Tagen”, jetzt seufzte er √ľbergl√ľcklich, „sind wir endlich ein Paar! Luca sieht in unserem Kind die M√∂glichkeit, die Erwartungen seiner Mutter auf ein Enkelkind wenigstens halbwegs zu befriedigen...”

 

„UNSER Kind?”, hakte ich jetzt nach und er antwortete schnell:
„Deins und meins nat√ľrlich! Aber … Wenn es erst mal da ist.... K√∂nntest du dir vorstellen, √§hm, dass wir hier zu Dritt, also zu Viert, wohnen k√∂nnten?!?”

 

 

Bei all dem Adrenalin, welches mich in diesem Moment √ľberflutete, hatte ich das Gef√ľhl, einen Tritt bekommen zu haben. Mit Versp√§tung bemerkte ich, dass es nicht nur der verbale von Kai gewesen war, sondern ein √ľberaus deutlicher in meinem Bauch.

Spontan lehnte ich mich zur√ľck und keuchte √ľberrascht „Das Baby...”

Alarmiert war der Vater sofort an meiner Seite. „Was ist?!!!?!”

„Es... Es hat mich gerade getreten! Ich habe unser Baby gesp√ľrt”, murmelte ich und sah ihn an.
Nie, nie!, h√§tte ich vorher geglaubt, welche Gl√ľcksgef√ľhle das in mir ausl√∂sen k√∂nnte. Es war wie ein rosa Woge der Liebe, die mich da √ľberschwemmte, zusammen mit dem Gef√ľhl, die Welt aus den Angeln heben zu k√∂nnen.

 

Mit gl√§nzenden Augen fragte Kai neben mir „Darf ich?”, und ich nickte. Sacht legte er die Hand auf meinen Bauch, ich nahm sie und schob sie in die Richtung, wo ich die erste Bewegung gesp√ľrt hatte. Und tats√§chlich, da war schon wieder ein kleiner Schubser.¬†

„Hast du es gesp√ľrt?”

Ein wenig unsicher meinte er „Ja, ich glaube schon... Mellie, das ist ja wunderbar!” Strahlend zog er mich fest in seine Arme und in diesem Moment f√§llte ich meine Entscheidung.

Wenn mir auch nicht sein ganzes Herz geh√∂rte, hatte ich dich offensichtlich einen gro√üen Platz darin. Ich trug sein Kind unter MEINEM Herzen, ein Kind, das er sich so sehr gew√ľnscht hatte. Und wenn es ihn dazu noch gl√ľcklich machen w√ľrde, dass dieser Luca hier einziehen w√ľrde, dann gut. Ich glaubte fest daran, dass ich stark genug sein w√ľrde f√ľr eine Liebe zu dritt.

 


Am n√§chsten Wochenende kam Luca dann zum Abendessen zu uns, damit wir uns beschnuppern konnten. Als der junge Italiener ankam, hatte er einen wundersch√∂nen Blumenstrau√ü mit meinen Lieblingsblumen dabei und au√üerdem ein kleines Geschenk f√ľr mich. Es war eine Brosche, die einen Engel darstellte, gerade so filigran, dass sie nicht kitschig wirkte.

Ich sah ihn fragend an, doch sein Blick war offen, treuherzig geradezu. „Perch√© per me sia un angelo... √Ąhm , weil du f√ľr mich-”
„Non non, lascia, ho capito”, unterbrach ich ihn. Kai hinter Luca wurde etwas bleicher. „Du hast ihn verstanden?!!”, murmelte er und ich nickte.

Sein Freund redete jetzt trotzdem auf Deutsch weiter. „Glaub mir, ich kann mir vorstellen, dass das”, er machte eine hilflose Geste zwischen Kai und sich, „√ľberraschend f√ľr dich kam.”

Luca war √ľberraschend hellsichtig und¬†

 

einf√ľhlsam, musste ich zugeben. Der Blick, den er Kai zuwarf, war so voller Liebe f√ľr ihn … Er spiegelte die Liebe wider, die auch ich f√ľr Kai empfand, doch seltsamerweise konnte ich ihn nicht daf√ľr hassen. Letztendlich ¬†konnte er ja nichts daf√ľr. ¬†Vielleicht sah ich in ihm eine Art von Verb√ľndetem, keine Ahnung, ich konnte nicht anders, ich musste ihn in mein Herz schlie√üen.

Das Essen verlief dann immer lockerer, nachdem die erste Befangenheit verflogen war, verstanden wir uns richtig gut, aber klar, Kai w√ľrde sich ja sicher keinen Vollidioten zum Freund aussuchen.


Nur meine Hyperemesis meldete sich erneut, ich spie einen Großteil des guten Essens leider wieder aus.

 

 

 

Als ich aus dem Bad zur√ľck kam, hatten die M√§nner schon abger√§umt und sa√üen auf dem Sofa. Luca strahlte mich an. „Wenn ich erst mal hier wohne, dann werde ich dich mit leckeren Rezepten meiner Mamma verw√∂hnen, da wird dir garantiert nicht schlecht werden! Dem Baby soll es doch gut gehen!”

Ein kleine Stimme im Hinterkopf fragte Warum nur dem Baby? Was ist mit mir?, doch ich ignorierte sie.

Kai legte ihm liebevoll den Arm um die Schultern. „Das finde ich toll. Ich bin so gl√ľcklich, dich zu haben...” Dann k√ľssten sie sich, zum ersten Mal vor meinen Augen.

„√Ąhm, ich bin dann doch ein bisschen m√ľde, ich geh ins Bett”, murmelte ich und verlie√ü den Raum. Doch ich h√∂rte noch, wie Kai seinen Schatz fragte „Und du? K√∂nntest du dir vorstellen, endlich auch einmal √ľber Nacht zu

 

bleiben... In meinem, hm, Bett?”

Die Antwort hörte ich nicht mehr, aber wenig später hörte ich Geräusche aus Kais Zimmer  nebenan. Plötzlich kam mir die Idee, dass dies wahrscheinlich wirklich ihr 'erstes Mal' war. Und damit auch die bittere Erkenntnis, woher Kais sexuelles Interesses an mir in den letzten Wochen gekommen war!!

Das war reine Kompensation gewesen, weil Luca noch nicht so weit war. Jetzt wurde mir so einiges klar... Und das hieß also wahrscheinlich auch, dass ich ab jetzt nicht mehr mit nächtlichen Besuchen rechnen konnte.

Traurig lie√ü ich mich auf mein Kissen fallen. F√ľhlte ich mich ausgenutzt?
Ja.
Liebte ich Kai trotzdem immer noch?
Ja, leider.


 

Ich legte die H√§nde auf meinen Bauch und bekam zur Belohnung einen Tritt. „Du wirst noch ein richtiger Nachtmensch, du W√ľrm-chen”, murmelte ich, nicht ahnend, wie Recht ich damit noch haben w√ľrde. Im Lauf der n√§chsten Tage machte ich eine emotionale Berg- und Talfahrt durch, immer schwankend zwischen dem Wunsch, dem Arrangement zu k√ľndigen oder aber Kai entgegen zu kommen. (Wie viel weiter kann man einem Menschen eigentlich noch entgegen kommen?)

Letztendlich hatte ich keine Argumente, mich dagegen zu stemmen und ich wollte immer noch, dass Kai gl√ľcklich war.

***

 

Ein paar Wochen später zog Luca dann wirklich bei uns ein und meine Hölle begann.

 

 

Ich hatte mich schon seit Mitte der Woche nicht sonderlich wohl gef√ľhlt, aber ich sollte ja auch beim Tragen nicht helfen. Es war Samstag, denn Luca musste unter der Woche arbeiten, in der kleinen Delikatessen-Importfirma seines Vaters.

Man kann sagen, dass er ziemlich aufgedreht war, was ihm den einen oder anderen schmunzelnden Blick von Kai einbrachte. Der strahlte √ľberhaupt vor Freude.

 

Luca hatte mir wieder ein kleines Geschenk mitgebracht, ein T-Shirt mit einem „La Mamma pi√Ļ bella del Mondo”-Aufdruck. Ger√ľhrt streifte ich es √ľber und gab Luca ein kleines K√ľsschen auf die Wange.

Sch√ľchtern sah er mich dann an, schaute auf mein bereits sichtbares B√§uchlein – ich war im sechsten Monat – und sah mich dann wieder

 

an. So leise, dass ich es fast nicht h√∂rte, hauchte er „Posso ... ¬†?”

Ich nickte und sehr vorsichtig legte er eine Hand auf die W√∂lbung, strahlte dann √ľbers ganze Gesicht. „Es wird werden eine so wundervolle Baby, weil es von euch beiden ist!”, meinte er dazu.

Nat√ľrlich war das geschmeichelt, aber ich fand es nett.

Pl√∂tzlich stand Kai auf meiner anderen Seite, legte ebenfalls die Hand auf meinen Bauch. „Ja, das glaube ich auch. Ich bin so froh, dass ich nun meine beiden gr√∂√üten Sch√§tze”, sein Blick ging zwischen mir und Luca hin und her, „endlich bei mir habe.”

 

Wie h√§tte ich in dieser Situation mich nicht wohl f√ľhlen sollen? Ich stand zwischen zwei M√§nnern, die bereit waren, ihre Zuneigung mit

 

die bereit waren, ihre Zuneigung mit mir zu teilen und mich zu verw√∂hnen; und ich f√ľhlte mich auch von meiner gro√üen Liebe angenommen.

Das war schlie√ülich mehr, als ich mir noch vor kurzem h√§tte ertr√§umen k√∂nnen, so legte ich die Arme um die M√§nner und dr√ľckte sie beide an mich.

Nach dieser zugegeben etwas r√ľhrseligen Szene machten sich die M√§nner daran, alles ins Haus zu schaffen. In der Zwischenzeit machte ich mich in der K√ľche n√ľtzlich, sie w√ľrden bestimmt einen Mordshunger haben hinterher. Das W√ľrmchen in mir strampelte kr√§ftig mit, endlich war es mal tags√ľber wach.

Summend wirbelte ich in der K√ľche herum und suchte mir meine Zutaten zusammen. F√ľr einige musste ich mich schrecklich strecken, das w√ľrden wir √§ndern m√ľssen.

 

Denn gerade, als ich mich am l√§ngsten machte, gab das Kind mir einen fabelhaften Tritt, der mich keuchend zusammen sacken lie√ü. Verdammt, ich w√ľrde es ab sofort nur noch 'Manni, der Libero' nennen!¬†

Und Luca war nicht viel gr√∂√üer als ich, am besten w√ľrden wir uns einen Tritthocker besorgen m√ľssen. Klar, dass der lange Lulatsch von Kai so etwas nicht besa√ü! Ich st√∂hnte ein bisschen und war froh, jetzt alles zusammen zu haben und zauberte ein leckeres Essen.

Dieser Einstandsabend war richtig sch√∂n. Wir sa√üen zusammen, die M√§nner lobten mein Essen und √ľberboten sich f√∂rmlich darin, charmante Unterhalter zu sein. Auch wenn es komisch klingt, aber es f√ľhlte sich einfach gut an.


 

M√ľde gingen wir fr√ľh in unsere Zimmer. Einen kleinen Schmerz sp√ľrte ich nat√ľrlich noch immer √ľber die Tatsache, dass ab jetzt Luca in Kais Bett liegen w√ľrde, aber wer wusste das schon, vielleicht hatte er ja doch mal wieder Appetit auf eine Frau....

 

Mit diesem Gedanken schlief ich schnell ein, erst ein dringendes Bed√ľrfnis weckte mich in den fr√ľhen Morgenstunden noch einmal. Verschlafen registrierte ich etwas, was ich ja nun seit ein paar Monaten nicht mehr kannte, etwas Blut in meinem Slip.

 

Aber in den Ratgebern stand, dass so etwas schon mal vorkommen konnte, solange man keine Schmerzen hatte. Die setzten erst gegen Morgen ein.

 

 

 

Es waren Kreuzschmerzen, die wie Nadel-stiche in meinen R√ľcken fuhren, dazu sp√ľrte ich einen heftigen Druck in meinem unteren Bauch. Jetzt bekam ich es doch mit der Angst zu tun. Keuchend und vor Schmerzen st√∂hnend stand ich auf und wankte in den Flur, zu Kais T√ľr. Dort klopfte ich lautstark an, wartete allerdings in meiner Panik nicht lange, bevor ich die T√ľr aufstie√ü.

Die M√§nner stoben auseinander und Kai sah mich mit wutverzerrtem Gesicht an. Aber ich hatte keine Zeit f√ľr Eifersucht, f√ľhlte ich doch wieder etwas warmes wie Blut mein Bein hinab laufen, und noch bevor Kai etwas sagen konnte, keuchte ich „Helft mir!”

Sofort waren beide aus dem Bett, nackt, was ich trotz allem registrierte. Aber ansonsten reagierten sie prima, sie sorgten daf√ľr, dass ich etwas anzog, packten mich dann ins Auto und rasten mit mir ins Krankenhaus.

 

 

Um es kurz zu machen, die √Ąrzte stellten eine massive Bindegewebsschw√§che bei mir fest, wodurch sich der Muttermund beinahe zu weit ge√∂ffnet h√§tte. In diesem Stadium w√§re das einer Fehlgeburt gleichgekommen. Der Arzt teilte mir mit, wir w√§ren zum Gl√ľck … gerade noch rechtzeitig gekommen.

Es klingt nach mittelalterlicher Medizin, aber die einzige Möglichkeit war, den Gebärmutterhals mit einer sogenannten Zervixumschlingung zu zu nähen. Zack, Nadel und Faden abgeschnitten, alles nach Innen gesäumt, fertig!

W√§hrend ich auf den Eingriff vorbereitet wurde, durfte Kai als werdender Vater zu mir. Aufgeregt st√ľrzte er an mein Bett. ¬†Ohne Trauschein hatten sie auch ihm keine Auskunft geben wollen, doch ich konnte ihn beruhigen. Er hielt meine Hand und gemeinsam lauschten wir den wunderbar stabilen Herzt√∂nen des

 

 

Babys. Unseres Babys, diesen Fakt konnte mir keiner nehmen. Am liebsten w√§re er bei mir geblieben, das ging aber nicht. So zog er meine Hand f√ľr einen Kuss an seine Lippen und als er zur T√ľr hinaus ging, warf er mir einen so liebevollen Blick zu, dass ich beinahe noch eine Medizin f√ľr mein Herz h√§tte gebrauchen k√∂nnen. Da war es auch kein Problem, dass ich durch die zufallende T√ľr noch sah, wie sich Kai und Luca in die Arme fielen. Im Gegenteil, ich war in diesem Moment froh, weil er nicht alleine w√ľrden warten m√ľssen.

Drei Tage musste ich dann noch in der Klinik bleiben und ruhig liegen, aber es wurde nicht langweilig. Fast den ganzen Tag lang hatte ich Besuch, Kai war fast die ganze Zeit da, dazu nat√ľrlich sein Freund und tats√§chlich auch seine Schauspielkollegen, die sich in letzter Zeit rar gemacht hatten.

 

Leider verschlechterte sich mein Zustand kurz nach meiner Entlassung insgesamt doch wieder und ich bekam strenge Bettruhe verordnet, zumindest f√ľr zwei Monate. Gl√ľcklicherweise musste ich dazu nicht ins Krankenhaus zur√ľck, wo die W√§nde so wei√ü und steril waren, sondern durfte unter der Auflage, nichts, aber auch gar nichts im Haus zu tun, zuhause bleiben.

 

Es war trotzdem furchtbar.


Die M√§nner waren allerdings gro√üartig, sie k√ľmmerten sich r√ľhrend um mich! Ich wurde nicht nur metaphorisch auf H√§nden getragen, sondern buchst√§blich, denn die M√§nner wollten vermeiden, dass ich zuviel lief. Und es war immer jemand bei mir, an Tagen, an denen Kai f√ľr einen Auftritt oder ein Interview fort musste, nahm Luca sich frei und wir verbrachten ein

 

paar nette Nachmittage auf der Terrasse. Ich saß je nach Wetterlage gut zugedeckt im Liegestuhl und Luca las aus seinem Lieblingsbuch vor, Dantes 'Divina Commedia'. Dabei verbesserten wir mein Italienisch immer mehr und man kann sagen, dass wir uns richtig anfreundeten.

Eines Nachmittags klapperte die Haust√ľr fr√ľher als gedacht und Kai steckte den Kopf zur Terrassent√ľr heraus. „√úberraschung! Ich hab jemanden mitgebracht!”, kr√§hte er und trat zur Seite. Dann kam Kerstin auf mich zugeschossen, kniete neben meinem Stuhl und umarmte mich liebevoll, dr√ľckte mich und murmelte irgendwelche Trost- und Koseworte.
 

Wir waren immer in Kontakt gewesen, sie war eine der wenigen, die auch die Wahrheit kannten. Nur zuletzt hatten wir nicht mehr so viel miteinander telefoniert.

 

 

Kai versorgte uns mit Getr√§nken, dann legte er den Arm um Lucas Schultern. „So, dann lassen wir euch Zwei mal alleine”, meinte er augenzwinkernd und die Beiden gingen ins Haus.

W√§hrend Kerstin ihnen noch nachsah, plapperte ich aufgeregt drauf los. „Mensch Kerstin, das ist ja 'ne Wucht, dass du hier bist, ick freu mir so! Wie bist du denn darauf gekommen?!”

„Kai hat mich angerufen”, meinte sie und drehte ihren Kopf wieder zu mir. „Aber kannst du mir mal sagen, was das hier zwischen euch ist? Euch dreien?!”

„Oh, sag's wie alles nicht weiter, aber die Ger√ľchte √ľber den gro√üen Kai Z√∂ller sind zum Teil wahr. Kai ist bisexuell und Luca ist, nun ja, sein Freund, der jetzt auch hier wohnt.”

 

„Ich glaub, ich spinne!”, war ihre Reaktion, doch ich versuchte, sie zu beschwichtigen. „Nee lass mal, das ist schon in Ordnung.”

„Wie bitte? In Ordnung? Ihr Zwei bekommt ein Kind zusammen und er v√∂gelt nebenbei fr√∂hlich mit dem kleinen Itaker rum?”

„Nicht nebenbei”, entfuhr es mir. „Nanana, was h√∂re ich da f√ľr Worte! Luca ist einer der nettesten Kerle, die ich kenne.”

„Sch√§tzchen, das sind Schwule f√ľr uns Heterofrauen doch immer.”

„Na, so lange bekennt er sich noch gar nicht dazu, auch wenn er wohl schon l√§nger in Kai verliebt ist. Deswegen freut er sich auch so mit uns auf das Kind, weil seine Eltern dann nicht mehr so einen Stress wegen Enkelkindern machen k√∂nnen.”

 

„Aber es ist doch gar nicht sein Kind”, merkte Kerstin verwirrt an und betrachtete mich, als w√ľrde sie mir das auch noch zutrauen. Leicht genervt verdrehte ich die Augen. „Nein, aber Kais, und wenn sie sein Kind wie ihr eigenes Enkelkind verw√∂hnen k√∂nnen, sind sie erst mal ruhig gestellt.”¬†

„Und du √ľbernimmst es dann wieder, wenn’s ums Wickeln und F√ľttern geht, was? Wie √ľberaus praktisch f√ľr Kai, eine Pflegerin f√ľr SEIN Kind im Haus und den Liebhaber obendrein...”

Ihr √§tzender Tonfall ging mir auf die Nerven. Sie hatte ja keine Ahnung, dachte ich, wir waren doch hier gl√ľcklich in unserer kleinen Dreiecksbeziehung. Und das sagte ich ihr auch.

„Denk dir mal nix, ich bin mehr als nur die Mutter seines Kindes f√ľr Kai. Er liebt mich¬†

 

fast¬† genau so wie Luca. Noch als ich schon schwanger war”, ich senkte verschw√∂rerisch meine Stimme, „haben wir richtig sch√∂nen Sex zusammen gehabt. Das w√ľrde er doch nicht machen, wenn er mich nicht liebte.” Heute wei√ü ich, dass ich mehr mich als sie √ľberzeugen wollte. Kerstin jedenfalls zuckte mit den Achseln. „Na gut, wenn es f√ľr dich wirklich passt...” Ich nickte und wir wandten uns anderen Themen zu.¬†

 

Zum Abendessen konnte sie dann selber erleben, wie toll die M√§nner mich behandelten. Kai nannte mich liebevoll sein kleines T√∂nnchen und hob mich in seine Arme, um mich an den Esstisch zu tragen. Stolz lehnte ich mich an ihn, thronte dann auf meinem Ehrenplatz an der Stirnseite, w√§hrend Luca und er sich um alles k√ľmmerten.

Kerstin zeigte sich angemessen beeindruckt

 

und fuhr am n√§chsten Tag beruhigt wieder nach Berlin. Es war Ende Juli und mir standen noch immer zwei qu√§lend lange Monate bevor. Zwar durfte ich mich nun wieder etwas mehr bewegen, aber nur in einem sehr einge-schr√§nkten Rahmen. Und obwohl 'meine M√§nner' auch weiterhin f√ľr mich da waren, war es doch eine unglaublich harte Zeit.

Au√üerdem hatte ich von Zeit zu Zeit schlimme Schmerzen, von denen ich aber nur dem Arzt erz√§hlte. Sie wirkten sich vorerst nicht auf die Schwangerschaft oder das Kind aus, nur auf mein Gem√ľt. Ab Ende August musste ich endg√ľltig das Bett h√ľten, durfte nicht einmal mehr das Haus verlassen.

 

Blass und ausgezehrt lag ich in meinem Bett, beileibe kein T√∂nnchen mehr, und litt stumm vor mich hin. Tags√ľber, wenn jemand bei mir war, gab ich mich gut gelaunt, √ľberspielte die¬†

 

Depression, die mich erfasst hatte, gekonnt. Was h√§tte es auch genutzt? Entsprechende Medikamente h√§tte ich eh nicht nehmen d√ľrfen...

In der Nacht qu√§lten die Ger√§usche von nebenan mich mehr und mehr. Vor meinem geistigen Auge sah ich Kai und Luca, wie sie sich wild auf den Laken w√§lzten und sich liebten wie einst ich und Kai, dabei vergoss ich hei√üe Tr√§nen. Allein die Hoffnung, nach der Geburt einmal wieder seinen K√∂rper, seine K√ľsse sp√ľren zu k√∂nnen, lie√ü mich durchhalten.

Mitte September wurde ich sogar wieder station√§r aufgenommen, dem Arzt war sonst das Risiko zu hoch. Doch es sollte noch immer zwei Wochen dauern, bis die Wehen einsetzten. Und dann, typisch f√ľr eine Sp√§tgeb√§rende, dauerte es sage und schreibe 32 Stunden, bis sich endlich wirklich etwas tat.

 

Diese Schmerzen... Wegen meiner Vorge-schichte wagte man keine PDA und mehr als einmal flehte ich¬† um einen Kaiserschnitt. F√ľr den war es zu sp√§t, aber endlich, endlich, unter wildem Schreien und entsetzlichen Schmerzen presste ich das Kind auf nat√ľrlichem Weg aus mir heraus.

Und dann … war es ein unglaublicher Moment der Ruhe. Die Schmerzen, sie waren nicht vergessen, aber sie waren … einfach weg. Die Ursache war weg und mit ihr der Schmerz, zur√ľck blieben die Endorphine, durch deren Wirkung hindurch ich mein Kind schreien h√∂rte.

Die Hebamme trat mit einem strahlenden L√§cheln auf mich zu und legte mir ein B√ľndel in den Arm. „Gratuliere, Frau Klogg, hier ist ihre kleine Tochter!”

 

Es war der 27.09.1997 und es war Liebe auf den ersten Blick. Sie war wundervoll, nicht zu klein und nicht zu gro√ü, mit einem blonden Flaum auf dem Kopf und anscheinend v√∂llig unbeeindruckt von all dem, was wir in den letzten Wochen und Monaten durchgemacht hatten. „Hallo Monique”, wisperte ich den Namen, den wir f√ľr ein M√§dchen ausgesucht hatten und sie griff nach meinem Finger, um ihn fest zu umklammern. Ich nahm das als Zeichen, dass sie mit diesem Namen einverstanden war.

Kurz darauf klopfte es und Kai kam herein. In den Armen hielt er den obligatorischen Blumenstrau√ü und ein gigantisches Stofftier, dem Monique sicher erst in f√ľnf Jahren √ľber den Kopf wachsen w√ľrde. Mit einem idiotisch gl√ľcklichen Gesichtsausdruck kam er an mein Bett und kniete sich ans Kopfende.


 

„Alles in Ordnung? Geht es dir gut? Und dem Baby?”, fragte er fl√ľsternd und strich mir √ľber den Kopf.

„Mir geht es prima”, antwortete ich und hob das B√ľndel in meinem Arm ein St√ľck h√∂her. „Monique, darf ich vorstellen? Das ist dein Vater!”

Ein kleiner Schluchzer entrang sich ihm. „Oh Gott, sie ist wundersch√∂n! So sch√∂n wie ihre Mutter!”

Ger√ľhrt schniefte auch ich ein wenig. „Willst du sie mal halten?”, fragte ich und er nickte.¬†

Vorsichtig legte ich ihm das Baby in den Arm und das ist der Moment, der sich auf ewig in meinem Gehirn eingebrannt hat.

Dieser Augenblick, in dem Kai seine Tochter das erste Mal in seinem Armen hielt und mit einem verklärten Gesichtsausdruck zwischen ihr und mir hin und her schaute. 

 

Mein Herz floss √ľber vor lauter Liebe und schloss auch den Mann mit ein, der nun sch√ľchtern den Kopf zur T√ľr herein steckte.

Kai und Luca steckten ihre K√∂pfe √ľber Monique zusammen und Luca gab mir ebenfalls ein K√ľsschen auf die Wange. Waren wir nicht die perfekte kleine Patchwork-Familie?

 

*~*

 

 

Leider war Monique, so s√ľ√ü sie auch war, von Anfang an ein schwieriges Kind. Sie schlief einfach nicht, schon gar nicht Nachts. Infolge dessen bekam auch ich so gut wie keinen Schlaf, dazu kam, dass sie jede Art der Zuf√ľtterung verweigerte, sondern sozusagen darauf bestand, von mir gestillt zu werden.

 


Ich wei√ü, die erste Zeit ist f√ľr jede Mutter schlimm aber niemand bereitet einen darauf vor, wie beschissen es WIRKLICH ist!

 

Die M√ľdigkeit, die Hilflosigkeit, das permanente schlechte Gewissen allem und jedem gegen√ľber.

Aber der Arzt best√§tigte mir noch im Krankenhaus, dass meine Kleine tats√§chlich ein Fall f√ľr sich war. So sehr wir Drei sie auch liebten, der Alltag mit ihr war unglaublich anstrengend. Sie wollte fast nie in ihrem Bettchen schlafen. Deswegen trug sie meistens einer von uns mit sich herum, da schlief sie manchmal friedlich ein.

Dazu kam, dass ich noch immer ziemlich schwach war.

 

 

 

Die Wochen des Nichtstuns hatten sich nicht positiv auf meinen Körper ausgewirkt und die Geburt war auch verdammt anstrengend gewesen, abgesehen von dem Mega-Dammriss, den sie mir beschert hatte.

Nach ein paar Tagen schaffte ich es dann doch, Monique einmal abgepumpte Mutter-milch in einem Fl√§schchen zu verabreichen. So konnte, wenn ich gen√ľgend Milch abpumpte, auch einer der M√§nner die Kleine in der Nacht f√ľttern.

Dazu nahmen sie die Kleine nachts in ihr Zimmer und ich begriff erst mit Versp√§tung, welch verh√§ngnisvoller Fehler das war ... Denn so waren die beiden M√§nner endlich total eingesponnen in ihrem Elternsein-Spiel, das sie so seltsam gl√ľcklich machte. Zun√§chst war ich ja total froh, endlich einmal eine Nacht durchschlafen zu k√∂nnen.

 

Und auch in der zweiten Nacht war ich einverstanden, als Kai freundlich meinte „Nein, Mellie, schlaf dich doch richtig aus. Luca und ich kommen schon klar.” √úber den verkl√§rten Blick, den sich die Zwei dabei zuwarfen, wei√ü ich heute noch, dass ich mich nur dar√ľber gewundert habe, wie zwei M√§nner einfach so vernarrt ins Vatersein sein konnten. Ehrlich gesagt tue ich es noch heute...

Aber am dritten Abend, ich hatte mein Kind schon tags√ľber kaum gesehen, wollte ich Monique wieder einmal bei mir schlafen lassen. Denn auch wenn ich froh √ľber zwei ruhige N√§chte gewesen war, ich liebe sie hei√ü und innig!!

Kai jedoch wehrte ab. „Mellie, das passt schon. Sie schl√§ft so sch√∂n ruhig bei uns, da haben wir alle was davon. Du kannst in Ruhe durchschlaf-en...”

 

Ich l√§chelte ihn an, leise ber√ľhrt von seiner F√ľrsorglichkeit. „Das ist lieb, Kai, aber ich m√∂chte sie einfach wieder mal bei mir haben. Ich vermisse sie schon!” „Aber wir auch! Schau, Luca muss doch demn√§chst wieder zur Arbeit, er hat sonst so wenig von dem Kind...”

Schon etwas energischer, aber immer noch leicht belustigt sch√ľttelte ich den Kopf. „Ach was, ihr Zwei habt sie eh schon den ganzen Tag mit euch herum geschleppt! Komm, P√ľppi,” damit hob ich sie in meinen Arm, „wir zwei gehen jetzt Heia machen.”

Er lie√ü mich ziehen, doch als ich vom Treppenabsatz aus noch einmal einen Blick zur√ľck warf, war sein Gesichtsausdruck der einer geballten Faust.

 

Ich zuckte die Achseln und ging schlafen.

 

 

Das hei√üt, ich versuchte es. Wei√ü der Teufel, was die Beiden anders machten als ich, aber Monique war bei mir wieder sehr unruhig und quengelig. Heute wei√ü ich, dass es nur die n√§chste Phase der Koliken war, welche sich nun leider verst√§rkten. Infolge dessen war ich am n√§chsten Morgen doch wieder schlecht ausgeruht, was man mir auch sofort anmerkte. Kais eigenartig triumphierendes L√§cheln √ľbersah ich geflissentlich. Den Tag √ľber gelang es uns mit vereinten Kr√§ften, das Baby bei Laune zu halten.

Beziehungsweise waren es in erster Linie Luca und Kai, die sich mit ihr besch√§ftigten und sich f√ľr einen Ausflug mit ihr bereit machten, die typische Sonntagsbesch√§ftigung halt.

Gerade schn√ľrte auch ich meine Schuhe, da fragte Kai „Was machst du denn da?”


 

Am√ľsiert lachte ich ihn an. „Na, ich kann ja wohl schlecht barfu√ü im Park rumlaufen, oder?” Er wechselte einen Blick mit Luca, der, das muss man zu seiner Ehrenrettung gestehen, sehr unsicher zur√ľck schaute. Daf√ľr guckte Kai um so bestimmter, als er dann zu mir meinte

„Ich denke, du solltest besser zuhause bleiben. Du bist noch nicht ganz auf dem Damm und solltest dich ausruhen.”

„Aber gerade da ist so ein kleiner Spaziergang doch das Beste!”, protestierte ich. „Ihr wollt ja schlie√ülich keinen Gewaltmarsch mit dem Kinderwagen machen, oder?”¬†

 

Jetzt verh√§rteten sich Kais Gesichtsz√ľge vollends.

„Melanie, du kapierst es nicht. Wir wollen einfach mal alleine mit Monique sein, okay!?!”

 

Okay?! Das war ganz und gar nicht okay, nicht so, nicht in diesem Ton. Gerade Luca hatte ja wohl gar keinen Anspruch auf das Baby. Als mein Blick ihn streifte, sah er auch unglaublich verlegen und schuldbewusst aus, die treibende Kraft war hier allein Kai.

„Na gut, okay, wenn euch so viel daran gelegen ist”, stammelte ich, „klar, dann zieht los und viel Spa√ü dabei.” An den letzten Worten erstickte ich fast, aber sie zauberten wieder das geliebte L√§cheln auf Kais Gesicht.

„Ich wusste, du verstehst das, Mellie!”, sagte er und k√ľsste mich auf die Wange. Und dann waren sie auch schon zur T√ľr hinaus.

 

Es wurde Abend, bis sie wieder zur√ľck kamen. Arm in Arm, mit ger√∂teten Gesichtern vom Oktoberwind und hungrigen Blicken in den Augen.¬†

 

Stumm nahm ich das Baby aus dem Wagen, w√§hrend sein Vater pl√∂tzlich seinen Freund umarmte und intensiv k√ľsste. Sie merkten gar nicht, dass ich mich mit Monique in mein Zimmer verzog.

Die Kleine war perfekt versorgt, gewickelt und gef√ľttert, da gab es nichts dran zu meckern. Im Moment schlief sie friedlich, ich legte sie auf mein Kopfkissen und betrachtete sie, wobei mein Herz vor Liebe √ľberquoll. Bis von dr√ľben √ľberlaute typische Ger√§usche her√ľber klangen. Verzweifelt vergrub ich mich in meine Bettw√§sche und versuchte, im Schlaf Erl√∂sung zu finden.

Irgendwann gegen Morgen fing die Kleine dann aber an zu schreien. Ich schreckte hoch und versuchte, sie zu beruhigen, wechselte ihre Windel, wiegte sie sanft, bot ihr meine Brust an ... Nichts half in diesem Moment, zu sehr quälten sie die Blähungen in ihrem kleinen

 

Bauch. Pl√∂tzlich wurde meine T√ľr aufgesto√üen und ich erkannte Kais Silhouette im Gegenlicht.¬†

 

„Ich hab doch gesagt, sie sollte besser bei uns bleiben in der Nacht. Du kannst es einfach nicht!”, knurrte er und seine Worte trafen mich wie Messer ins Herz.

„Ach ja?! Damit sie schon so fr√ľh wie m√∂glich tolerant gegen√ľber fickenden Kerlen erzogen wird?!”, giftete ich getroffen zur√ľck.

„Du spinnst ja. Ich nehme das Baby jetzt mit!” Er kam aufs Bett zu und wollte nach ihr greifen, doch ich hob sie reflexartig in meinen Arm.

„Nein!”

„Melanie, jetzt sei doch vern√ľnftig. Monique schreit sich die Seele aus dem Leib und du¬†

 

scheinst nicht in der Lage zu sein, sie zu beruhigen.” „Ja aber du, was?”, h√∂hnte ich. „Das kommt schon manchmal vor, dass man Babys nicht beruhigen kann, lies das mal nach.”

Als w√ľrde er mit einer Schwachsinnigen reden, seufzte Kai nun √ľbertrieben. „Bis jetzt hat es jedenfalls immer geklappt. Und Luca muss heute fr√ľh raus und zur Arbeit, also gib schon her!”

Ja, sein heiliger Luca, der war nat√ľrlich wichtiger als die Mutter des Kindes, wichtiger als meine Gef√ľhle, auf denen man so sch√∂n rumtrampeln konnte. Kai griff nun nach Monique. Was sollte ich tun? Mit ihm um das Kind ringen? Ich kam mir vor wie im kauka-sischen Kreidekreis und als gute Mutter gab ich nach und √ľberlie√ü ihm das Baby.


Ohne ein weiteres Wort verlie√ü er mein Zimmer, schloss noch nicht einmal die T√ľr. Die Schreie meiner Tochter gelten noch eine Zeitlang aus dem Raum nebenan, doch nach zehn Minuten verstummten sie tats√§chlich. Was man von meinen eigenen Schluchzern nicht sagen konnte.

 

*~*

 

Am n√§chsten Morgen folgte ich den Ger√§usch-en meiner Tochter und fand sie zusammen mit ihrem Vater in seinem B√ľro im ersten Stock. Die T√ľr zum Balkon war weit ge√∂ffnet und warme, w√ľrzige Herbstluft str√∂mte herein.

Als wenn nichts gewesen wäre lächelte mich Kai von seinem Schreibtisch aus an und wies auf die leise glucksende Monique in ihrem Stubenwagen.

 

„Sieh nur, vielleicht hat sie das Schlimmste jetzt hinter sich!“


Stumm nickte ich, trat an den Wagen und streichelte √ľber das kleine Babyb√§uchlein. Noch immer w√ľnsche ich mir, ich h√§tte sie damals wenigstens noch einmal hochgehoben und an mich gedr√ľckt.

Doch ich wollte sie nicht aufregen, statt dessen fragte ich Kai, ob Luca arbeiten sei und er bejahte. „Heute k√∂nnten wir ja einen kleinen Einkaufsbummel machen, wenn du fit genug bist, hm? Es gibt ein paar Vorr√§te aufzuf√ľllen. Am besten schreibst du mal mit...“

Wieder nickte ich, mich umgab ein seltsames Gef√ľhl der Bet√§ubung. Im Moment schien Kai wieder der liebste Mensch auf Erden zu sein, fr√∂hlich, angemessen besorgt um mein Befinden...

 

Aber was w√ľrde sein, wenn Luca wieder zuhause war?


Ich griff nach einem Blatt Papier von einem Stapel Schmierpapier. Gewohnheitsmäßig warf ich einen Blick auf die Vorderseite, ob wirklich nichts Wichtiges drauf stand  -  und erstarrte.

¬†¬†¬† „Liebe Frau Roder,
ich habe ein gro√ües Problem. Ich habe vor kurzem einen Mann wieder getroffen, den ich noch aus meiner Schulzeit kenne. Ich muss dazu sagen, dass wir als Teenager schon mal miteinander, wie man sch√∂n sagt, gegangen sind, ”¬†¬† ¬†
las ich und keuchte erschrocken.

 

Meine dritte Mail! Oh Gott, dann hatte ich die  -  nicht an die dritte Kummertante, sondern direkt an IHN verschickt!

 

 

 

Doch bevor ich vor Scham im Boden versinken konnte, traf mich eine andere Erkenntnis wie ein Schlag: „Du hast es gewusst! Du hast durch meine Mail gewusst, dass ich in dich verliebt war und hast das schamlos ausgenutzt!!“,¬† sagte ich laut zu Kai, der mich erschrocken und wie ertappt ansah.

Als er sah, dass ich den Ausdruck der Mail in der Hand hielt, war ihm wohl klar, dass Leugnen zwecklos war.

 

Er zuckte nur mit einer entschuldigenden Grimasse mit den Achseln und l√§chelte zuckers√ľ√ü, was mich aber zum ersten Mal seit langer Zeit nicht beeindruckte.

F√ľr einen Moment wurde mir f√ľrchterlich schwindelig. Pl√∂tzlich f√§cherte sich der GANZE irrwitzige Plan glasklar vor meinem inneren Auge auf.
 

 

 

„Ich kann es einfach nicht fassen. Dir war also sonnenklar, dass es ein leichtes sein w√ľrde, mich f√ľr deine Zwecke zu missbrauchen. Deswegen auch deine schnelle Einwilligung in die nat√ľrliche Zeugung!“

„Naja, du hast ja auch was davon gehabt“, murmelte er, anscheinend unf√§hig, gegen meine Wut an zu kommen.

„Du Schwein!“, entfuhr es mir, doch leider konnte ich nicht verhindern, dass mir die Tr√§nen nun √ľbers Gesicht liefen.

„Du hast mich benutzt und manipuliert“, weinte ich. „Und Luca auch. Du hast von Anfang an geplant, ihn mit dem Kind zu k√∂dern. Von wegen, du h√§ttest dir schon immer ein Kind gew√ľnscht!“, schoss ich ins Blaue, doch sein Erbleichen sagte mir, wie richtig ich damit lag.
 

 

„Dir war klar, dass du den kleinen Italiener mit einem Kind w√ľrdest √ľberzeugen k√∂nnen, nur dazu ist Monique auf der Welt, stimmt’s? Stimmt’s!?!“

In seinem Gesicht zuckte es, wahrscheinlich war es ihm peinlich, dass ich jetzt hinter alles gekommen war. Hilflos hob er die Schultern. „Mellie, Schatz..”

„Halt die Fresse! Nenn mich nicht so, du Heuchler!!”, fauchte ich ihn an. „All die Versprechen f√ľr die Zukunft, die netten Worte und Z√§rtlichkeiten, alles nur daf√ľr, dass dir DEIN gr√∂√üter Wunsch erf√ľllt wird“, st√∂hnte ich. „Und jetzt wollt ihr mir Schritt f√ľr Schritt das Kind entfremden. MEIN Kind!“

Kai lehnte sich mit gekreuzten Armen an die Br√ľstung, versuchte offenbar beruhigend auf mich ein zu reden.

 

„Ach Mellie, das wird es doch auch immer bleiben! Aber du musst auch mich und Luca verstehen ...“

In mir ging irgendetwas kaputt und das nicht nur sinnbildlich. Ein Rauschen machte sich in meinem Kopf breit, w√§hrend es mein Herz beinahe zerriss. “Luca, Luca, immer nur Luca!“, brach es aus mir hervor.

 

Über das Summen in meinen Ohren hörte ich Kai noch etwas sagen, dann kann ich mich nur noch an eine rote Wand vor meinen Augen erinnern.

 

 

 

""

 

 

Das ist sie, meine Geschichte bis hierher.

 
Es klappert an ¬†meiner T√ľr, ganz vorschrifts-m√§√üig wird erst das Guckloch ge√∂ffnet und als sie sieht, dass ich friedlich an meinem kleinen Tisch sitze, √∂ffnet die Vollzugsbeamte die Zellent√ľr und ruft „Besuch f√ľr Sie“.

Erfreut blicke ich auf. Mein Anwalt war erst gestern hier. Seit vier Monaten sitze ich nun schon hier in Untersuchungshaft, die wichtigsten Fakten hat er schon zusammen und muss nicht mehr so oft kommen.

So langsam lief die normale Sechsmonatsfrist ab, der Staatsanwalt w√ľrde seine Anklage sicher bald erheben.

 

 

 

Ist es also vielleicht der Besuch, um den ich gebeten hatte?

Doch hier drin habe ich schnell gelernt, keine dummen Fragen zu stellen und folge der Beamtin mit gesenktem Kopf. Wenigstens habe ich so mal eine Abwechs-lung, denn arbeiten darf ich nicht und kann mir die Zeit nur mit Lesen und Schreiben vertreiben.

Die Nächte aber sind das Schlimmste.

Erwartungsvoll sitze ich auf dem Stuhl, als mein Besuch herein gelassen wird.

„Kerstin!“, rufe ich voller Freude, zucke dann aber von selbst wieder zur√ľck.
 

Blass sieht sie aus und sehr ernst, als sie sich mir gegen√ľber setzt.

 

 

 

Wie ich sie dann aber mit so gro√üen Augen anstarre, schleicht sich ein L√§cheln √ľber ihr Gesicht.

„Hi, Keule, wie geht es dir?“, sagt sie befangen und ich l√§chle zur√ľck.

„Na ja, wie man so sch√∂n sagt, den Umst√§nden entsprechend.“ Ich schaue auf meine H√§nde. „Ich ... ich freue mich sehr, dass du da bist. Ich meine, hast du … ?“

Sie seufzt. „Leicht gefallen ist es mir nicht. Ich kann es einfach nicht verstehen, keiner von uns. Ihr habt so ... gl√ľcklich gewirkt!“

Ich nicke. „Ich wei√ü. Hast du sie gesehen?“

„Ja, das habe ich. Hier, die sind f√ľr dich.”

 

 

 

Damit schiebt sie mir unter den wachsamen Augen der Wache an der T√ľr ein paar Polaroidfotos √ľber den Tisch. Als wenn die nicht schon beim Einlass gr√ľndlich kontrolliert worden w√§ren.

Auf den Fotos ist mein Kind zu sehen und mein Herz wird schwer und leicht zugleich. Monique in ihrem Bettchen, beim F√ľttern, in den Armen einer mir fremden Frau, nat√ľrlich. Und auf einem ...

„Es geht ihr pr√§chtig, wenn dich das beruhigt. Sie wei√ü ja von Nichts und ist in sehr guten H√§nden.“

Jetzt muss ich doch schlucken. „Das ist gut. Ich hoffe, sie wird auch nie etwas erfahren.“

 

 

 

Hm. Das kann wohl keiner sagen. Aber ¬†... Mellie, ich kann es einfach immer noch nicht glauben, was du da getan hast! Ich, wir, alle stehen einfach fassungslos davor.“

Ein kleines sarkastisches Lachen erklingt, es kommt von mir.

Da bist du nicht die Einzige.“
 

Es ist mir nun egal, dass dieses Gespräch im Gegensatz zu denen mit meinem Anwalt von der Vollzugsbeamtin mit gehört wird.  


Es war ja auch nicht so, dass ich es geplant hatte. Aber was ich an jenem Morgen entdeckt habe, hat mich so w√ľtend gemacht...“


Auch jetzt noch sp√ľre ich etwas davon, dazu die Trauer dar√ľber, dass meine Gef√ľhle so ausgenutzt worden waren.

 

Mit den F√ľ√üen zertrampelt. Ganz kurz erz√§hle ich Kerstin leise das Gespr√§ch, an dessen Ende ich w√ľtend auf Kai losgegangen war. Dabei hatte ich wild gegen seine Brust geschlagen, er war beim Zur√ľckweichen gestolpert und pl√∂tzlich √ľber die Br√ľstung gest√ľrzt.

„Die Anklage gegen mich wird vermutlich auf Vorsatz pl√§dieren, aber ich schw√∂re dir, es war nichts au√üer Wut und entt√§uschter Hoffnung. Vielleicht noch ein wenig verletzte Eitelkeit, aber eigentlich nur Trauer √ľber den Verlust meiner Liebe.“

Kerstin schweigt zun√§chst. „Ja, ich dachte mir so etwas. Ich hoffte es.“

Von der T√ľr kommt eine kalte Stimme. „Es tut mir leid, aber die Besuchszeit ist bald vorbei. Verabschieden Sie sich bitte.“

 

 

Die Zeit ist knapp, aber etwas muss ich noch los werden.   

Wei√üt du, was seine letzten Worte an mich waren?“, frage ich und nat√ľrlich sch√ľttelt sie den Kopf.

„ ‚
Mellie, dich mag ich doch auch ganz gerne’ “, zitiere ich tonlos und sehe das Flackern in ihren Augen.

Stumm legt Kerstin ihre Hand auf meine, dann erhebt sie sich und geht. Aber ich wei√ü, SIE hat mich verstanden. Sie wei√ü, welch tiefe Ernie-drigung in diesem Satz f√ľr mich lag.

Die Beamtin f√ľhrt mich wieder in meine Zelle. Die Polaroids sind als harmlos eingestuft, ich darf sie behalten, sie erwarten mich noch immer, als ich vom Abendessen zur√ľck komme.¬†

 

18 Uhr, Einschlusszeit bis morgen fr√ľh um sechs. Das m√ľsste reichen.


Gl√ľcklich presse ich das sch√∂nste der Bilder an meine Brust, lege es dann auf mein Kissen.

 

Daneben ein Foto von Kai. Es waren ja gen√ľgend in der Zeitung in letzter Zeit und f√ľr Geld und Zigaretten bekommt man so ziemlich alles hier. Was mir mein Vorhaben sehr erleichtert hat. ¬†

 

Jetzt bleibt mir schließlich nur noch Eines zu tun.   

 

Monique wird sicher auch ohne mich gl√ľcklich sein, man wird sich gut um sie k√ľmmern.

Doch mein Kind soll nicht wissen, was rund um seine Geburt vorgefallen ist und deswegen ist es am besten, wenn ich ganz aus dieser Welt abtrete.
 

 

 

 

Sollen sie ihr halt etwas von einer Leihmutter erzählen, mehr war ich ja auch nicht.


Eine Leihmutter und eine hoffnungslos verliebte graue Maus.

                                                                      

 

 

 

""

 

 

 

Berlin, im April '98

 

Hier schicke ich dir Mellies Tagebuch, wie man es in der JVA vorgefunden hat, nachdem sie sich in der Nacht nach meinem Besuch das Leben genommen hat.

 

Offenbar will sie nicht, dass Monique von ihr wei√ü, aber letztendlich denke ich, dass diese Entscheidung nun am ehesten dir zukommt. Ich wei√ü oder kann es mir zumindest denken, was f√ľr eine schwere Zeit du durchmachst und noch durchmachen wirst.

 

Und ich bin froh, dass du Luca an deiner Seite hast. Im Grunde sind er und das Baby die einzig unschuldigen Opfer.

 

 

 

 

Bitte trage deinem Kind nicht nach, was seine Mutter getan hat und denke auch nicht nur schlecht √ľber Melanie. Aber das tust du ja meiner Meinung nach auch gar nicht, denn h√§ttest du mir sonst das Bild von dir mit Monique in deinem Arm gegeben? Oder wolltest du sie damit qu√§len?!

 

Sie liebte Monique, sie mochte auch deinen Freund, aber sie liebte eben auch dich so sehr, dass sie die Realität nicht sehen konnte.

 

Ich bin jedenfalls fest davon √ľberzeugt, dass sie nur im Affekt gehandelt hat und dir nie wirklich schaden wollte. Und ganz sicher hat sie nicht verwunden, dass du seitdem im Rollstuhl sitzt! Du, Kai Z√∂ller, die Liebe ihres Lebens.

 

 

 

Denn das warst du f√ľr sie, auch wenn du es nicht so recht gemerkt hast oder, wie ich nach der Lekt√ľre schlie√üe, es andererseits ein wenig f√ľr deine Zwecke ausgenutzt hast. Selbst wenn es in deinen Ohren sicher hohl klingt, auch Mellie war ein Opfer in dieser Geschichte und tut mir leid. Wer h√§tte gedacht, welch schlimme Dinge so ein Klassentreffen nach sich zieht?!

 

Ich hoffe, du ziehst die richtigen Schl√ľsse aus Mellies Zeilen und machst deinen Frieden mit ihr. Sei immer ein guter Vater f√ľr Monique und ein liebevoller Freund f√ľr Luca, er kann am wenigsten daf√ľr.

 

In Freundschaft

Deine

Kerstin

 

 

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Hörbuch

Über den Autor

QueenMaud
Bin Mitte 40, habe in Bonn Theologie studiert, arbeite aber jetzt was ganz anderes :-) Verheiratet ohne Kinder, habe aber trotzdem weniger Zeit zum Schreiben, als ich möchte.

Trotzdem habe ich es geschafft, ein ganzes Buch zu schreiben, DIN A4 doppelseitig bedruckt immerhin 240 Seiten. Und jetzt habe ich den Schritt gewagt und es als reines E-Book auf Amazon ver√∂ffentlicht ( http://www.amazon.de/Verrat-und-Vertrauen-ebook/dp/B007OH3DXI/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1332863393&sr=1-1 ), vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen ... Eine Leseprobe von "Verrat und Vertrauen" findet ihr auch in meiner B√ľcherliste.

Ansonsten gebe ich zu, eher einen Hang zum Happy-Ending zu haben, aber auch nicht immer, wie die Leser meines "Klassentreffen" sicher bestätigen können :-)

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QueenMaud Re: Und nochmal -
Zitat: (Original von Zeitenwind am 12.01.2013 - 15:39 Uhr) Jaaaaa, dieses Buch ist einfach nur gut!!

Gruß vom Trollbär


Vielen Dank auch dir noch einmal f√ľr's Lesen, Dranbleiben und die Tipps!
LG
QueenMaud
Vor langer Zeit - Antworten
Zeitenwind Und nochmal - Jaaaaa, dieses Buch ist einfach nur gut!!

Gruß vom Trollbär
Vor langer Zeit - Antworten
QueenMaud Re: -
Zitat: (Original von LinneaHazel am 12.01.2013 - 15:05 Uhr) Daaaaaaaaanke!:)
Ich brauch ja nicht nochmal zu erwähnen, dass ich das Buch Super finde!;)

Ganz liebe Gr√ľ√üe


BUSSI!

LG
Vor langer Zeit - Antworten
LinneaHazel Daaaaaaaaanke!:)
Ich brauch ja nicht nochmal zu erwähnen, dass ich das Buch Super finde!;)

Ganz liebe Gr√ľ√üe
Vor langer Zeit - Antworten
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