Biografien & Erinnerungen
Erinnerungen aus meiner Kindheit - Für mich ein ganz normaler Tag

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"Erinnerungen aus meiner Kindheit - Für mich ein ganz normaler Tag "
Veröffentlicht am 28. November 2012, 12 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
© Umschlag Bildmaterial: justdd - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Im Allgemeinen bin ich ein positiver Mensch und höre nicht hinter jedem Satz, der gesprochen wurde, noch einen zweiten. Ich mag nicht gern lügen, dann sage ich lieber nichts. Biete nur Hilfe an, wenn ich sie auch geben kann. Meine größten Schwächen sind? ? Finde es doch selber heraus Meine Stärken sind, für Freunde da zu sein, zu helfen, zu verstehen, zu zuhören und nicht dumm fragen, sondern lieber trösten, mit ihnen albern sein, ...
Erinnerungen aus meiner Kindheit - Für mich ein ganz normaler Tag

Erinnerungen aus meiner Kindheit - Für mich ein ganz normaler Tag

 




Meine Erinnerungen
Es ist gerade Sommer,
ich bin so um die 11 oder 

12 Jahre alt, und eines von 9 Kinder,


Meine Mutter ruft nach mir. Oh nein! Ich muss wieder einkaufen.Aber anders, wie du es meinst! Ganz anders!





Ein Tag aus der Erinnerung meiner Kindheit

Es ist ein wunderschöner Sommertag, ein Freitag, ich muss so um die 11/12 Jahre alt gewesen sein. Meine Mutter ruft nach mir, ich muss wieder einkaufen (sozusagen). Aber nicht so, wie ihr das kennt. Nein, so verliefen meine Einkäufe nicht.

 

Denn ich bekam 5 Mark und dafür hatte ich Essen zu besorgen. Es war immer dasselbe Spiel. Zuerst ging ich zu unseren Schlachter und fragte, ob er Wurstreste hat, für eine oder zwei Mark. Die Antwort kannte ich schon. Denn er

sagte. "Bärbelchen du kommst nachdem ich den Laden zu habe wieder und räumst alles auf. Du weißt, das was ich legen lasse, kannst du mit nach Hause nehmen, und grüße deine Mutter." Ich sagte wie immer ja und dass ich später wiederkämme und alles so erledigen würde.

 

Dann ging ich weiter zum Bäcker. Der wartete schon auf mich (wie gesagt, freitags immer das gleiche Ritual). Er fragte: "Bärbelchen was machst du am Sonntag?" "Nichts! Warum", antwortete ich. "Och", sagte er so wie immer, "hier habe ich dir schon das Brot von gestern und noch einiges mehr eingepackt. Aber

das Stück Kuchen ist für dich. Hier hast du es. Kommst dafür am Sonntag und pass für 4 Stunden auf die Kleinen auf!" Und meinte dann noch: "Das kostet eine Mark, das ist dann gut so." Ja es war gut so, denn jetzt kam ich mir auch nicht vor, als ob ich bettelte (und er wusste das). Ich versprach ihm, dass ich am Sonntag pünktlich um 2 Uhr da sein würde.

 

 So war mein nächstes Ziel auf meiner Tour die kleine Hühnerfarm in unserem Dorf. Ich wusste jetzt schon, was mich erwartete. Herr Meier, so hieß der Mann. Ihm half meine Mutter auch ab und zu im Haushalt. Denn Herr Meier hatte beide

Beine im Kriege verloren und konnte nur schlecht mit seinen Beinprothesen laufen. Er wartete schon auf mich und meinte: "Schön Bärbel, dass du schon da bist. Deine Mutter kann heute nicht kommen, sie meinte, du beziehst mir mein Bett und machst die Kammer fertig (wieder etwas, was ich vorher nicht wußte). Sammelst du dann noch die Eier ein? Alle, die nicht in Ordnung sind, kannst du nachher mitnehmen. Ach ja! Den zwei Hühnern dort hinten kannst du den Kopf abschlagen und sie mitnehmen. Dann kann deine Mutter eine Hühnersuppe kochen (es war schlimm für mich, den Hühner den Kopf abzuhacken). Aber ich musste es tun.

Voll beladen brachte ich alles nach Hause, war echt fertig. Mir war immer noch schlecht wegen der Hühner und als ich noch überlegte, ob ich auch bloß nichts vergessen hätte, hörte ich meinen Vater schon wütend rufen:" Komm sofort hierher, du schusseliche Kuh! Kannst du nichts richtig machen? Wo ist mein Kaffee? Ich habe keinen mehr." Ich wollte nicht zum Kaufmannsladen gehen. Nein, das wollte ich nicht, weil das immer der schlimmste Teil des Einkaufs war.

 

Denn der kleine Edeka-Laden gehörte einen Mann, der alles andere als freundlich war. Und Kinder konnte er

schon überhaupt nicht leiden. Aber ich hatte keine andere Wahl. Es mag wohl so um fünf Uhr gewesen sein, als ich im Oberdorf ankam (oh Mann!). Der Laden war voll. Die Bauern aus unserer Gegend trafen sich dort,.weil der Ladenbesitzer auch eine Kneipe mit Zugang zu seinem Laden hatte. So ging ich in den Laden und grüßte mit einem Hallo. Einige murmelten etwas. Ich habe es aber nicht verstanden, was sie sagten. Ich ging direkt zum Kaffee, nahm mir ein Glas aus dem Regal und schaute mich noch ein wenig um,


bevor ich zur Kasse ging. Ja, und an der Kasse stand er dann, der liebe Mann, sah

mich an und fragte gleich und das auch noch sehr laut, so dass es auch alle im Laden mit bekamen:

 

"Hast du das Geld auch mitgebracht (natürlich hatte ich kein Geld mit, weil meine Mutter mir sagte, es wäre schon alles bezahlt. Das war aber wieder eine Lüge). Er wollte mir den Kaffee nicht mitgeben und alle schauten mich an. Und, was machte ich? Heulte und bettelte und bat ihn, dass er mir den blöden Kaffee geben muss. Er sagte nur: "Ja, wenn deine Mutter die 34 Mark bezahlen könnte, dann könnt ihr wieder anschreiben lassen. Jetzt bleibt der Kaffee hier, den gibt es jetzt nicht

(könnt ihr euch vorstellen, was ich in diesem Augenblick gefühlte habe? Wohl kaum).

 

Es wurde auf einmal so ruhig in dem Laden. Alle schauten auf mich. Ich kann euch nicht sagen, was ich gedacht oder gefühlt habe. Denn ich stand neben mir selbst. Als mein Verstand wieder einsetzte, hatte ich den Kaffee in meiner Hand. Jetzt bekam ich erst mit, dass der Herr Meier von der Hühnerfarm auch da war. Er hatte wohl das Ganze mitbekommen, das, was der Ladenbesitzer veranstaltet hatte. Und weil er mich mochte und meinen Vater kannte, bezahlte er den Kaffee, gab ihn

mir und sagte: "Ist schon gut; Bärbelchen. Du hast meine Kammer so fein aufgeräumt. Nimm den  Kaffee und geh heim." Und so ging ich wieder nach Hause und ein ganz normaler Tag ging für mich damals zu Ende.

© Bärbel B.
alias lachmal


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Hörbuch

Über den Autor

lachmal
Im Allgemeinen bin ich ein positiver Mensch und höre nicht hinter jedem Satz, der gesprochen wurde, noch einen zweiten. Ich mag nicht gern lügen, dann sage ich lieber nichts. Biete nur Hilfe an, wenn ich sie auch geben kann.

Meine größten Schwächen sind? ? Finde es doch selber heraus

Meine Stärken sind, für Freunde da zu sein, zu helfen, zu verstehen, zu zuhören und nicht dumm fragen, sondern lieber trösten, mit ihnen albern sein, scherzen, Blödsinn machen, aber auch zusammen weinen. Und warum nicht auch mal mit ihnen schwimmen gehen, an einem verbotenen See ? Ich nehme mir die Zeit, wenn sie mich brauchen, denn sie wissen, dass ich immer hinter dem stehe, was ich sage. Auch wenn ich selbst sehr krank bin, meine Freunde legen Wert auf meine Meinung.PS: Mein Alter - mal frech wie ein Kind, mal lieb und vernünftig, so wie Frauen eben sind.

Das Schicksal meinte es nicht gut mit mir, ich habe MS ( Multiple Sklerose ). Man nennt es auch die Krankheit der Tausend Gesichter. Aber die MS hat mich auch sehr stark gemacht,
und mich zum schreiben gebracht. So das ich jetzt schreibe, trotz meiner Rechtschreibschwäche!

Ich sage immer Ich finde zwar immer die richtigen Worte,
aber leider nicht immer die richtigen Buchstaben dazu.

Wer mit mir nicht zu Recht kommt,
Der hat wohl damit sein eigenes Problem und nicht ich.

Ich lebe mit der MS, aber nicht für sie!
Ich habe liebe Freude. Sie helfen mir, wo ich Hilfe brauche,
korrigieren meine Fehler in meinen Gedichten und noch vieles mehr.
Ich danke ihnen sehr dafür
.
Und wer sich viel Zeit nimmt, um hinter meine Fassade zu schauen,
Ja der wird überrascht sein, was ihn dort erwartet!.
Für diese Menschen würde ich barfuß bis zum Nordpol fahren,
die anderen werden immer nur das in mir sehen,
was sie sehen wollen.
Aber niemals mich!

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sugarlady Eine ganz tolle Erzählung liebe Bärbel.
Lieben Gruß
Andrea
Vor einem Monat - Antworten
mohan1948 Es war damals eine sehr schlimme Zeit liebe Bärbel! Gerne nochmals gelesen..
Liebe Grüße
Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Auch beim zweiten Mal lesen war ich immer noch
beeindruckt von dieser Geschichte - danke dafür
Liebe Grüße
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
mohan1948 Eine sehr berührende Geschichte liebe Bärbl! Ich glaube, dass sich keiner der heutigen Jugend vorstellen kann, wie arm wir nach dem Krieg waren.
Liebe Grüße Hannelore
Vor langer Zeit - Antworten
KaraList Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Kinder sollten andere Erinnerungen haben.
Ein frühlingshaftes Wochenende für Dich,
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Ich habe Deine Geschichte mit angehaltenem Atem und Kopfschütteln gelesen und immer nur gehofft, dass Dir keiner etwas antut ...
Sehr beeindruckend und lebensnah geschrieben liebe Bärbel.
Liebe Grüße und ein entspanntes Wochenende
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
lachmal Danke für deine Worte Gertraud
diese kleine Geschichte war mein Alttag
es war wie mich ein ganz normaler Tag

Ich wünsche Dir Gertraud
einen bunten Frühling in der Osterzeit
liebe Grüße Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Auch wenn ich den Krieg und die Nachkriegszeit hautnah miterlebt habe, solche Dinge sind mir Gott sei Dank erspart geblieben.
♥lichen Dank für Deine Antwort und die Münzen.
Liebe Grüße an Dich ins Wochenende
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
Antonia Da muss man schon tief durchatmen! - Ja, diese Zeit nach dem Krieg habe ich auch erlebt und hatte das Glück in einer Großfamilie aufzuwachsen, die einen großen Garten besaß, wo nur die wenigsten Dinge eingekauft werden musste. Was möglich war, wurde im Sommer eingeweckt, eingesalzen, zu Marmelade verarbeitet, Kartoffeln, Äpfel u. Birnen eingelagert. Doch von dem heutigen Überfluss war nicht die Rede.
Dein Vater war auch noch alles andere als freundlich zu dir.
Ich habe beim Lesen nur gehofft, dass der Kaufmann dir nichts angetan hat!
Sehr gut geschildert aber da solche Szenen nicht dich alleine betrafen, fandest du es nicht ganz so entsetzlich, wie man denken sollte.
Herzlichst
Antonia
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Ich habe mit dir gelitten.
Vor langer Zeit - Antworten
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