Romane & Erzählungen
Mein Film

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"Mein Film"
Veröffentlicht am 05. Oktober 2012, 42 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Mein Film

Mein Film

Beschreibung

Jona ist 18, geht zur Schule, trifft Freunde, verliebt sich. Ein ganz normales M√§dchen eben, denken die Leute. Aber sie ist anders, denkt anders und verliert den Boden unter den F√ľ√üen. ¬© Nachteule 2012

Klappe, die Erste

Kennst du dieses Gef√ľhl, wenn du morgens aufwachst und dein erster Gedanke ist: Schei√üe, ich bin aufgewacht!?

In den meisten Fällen denkt man das, weil man mitten aus dem atemberaubenden Traum, den man bis vor ein paar Sekunden noch geträumt hat, gerissen worden ist und die Wahrscheinlichkeit, dass man je erfährt wie er geendet hätte eher gering ist. Ja, manchmal denke ich das auch, aber heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich deprimiert war, weil ich nachts nicht an einem Herzinfarkt krepiert bin.

 

Im Leben begleiten einen viele Menschen, manche mehr, manche weniger. Man hat einige Freunde und einen Haufen Feinde und so ein paar, die nur Nebencharaktere und Komparsen sind, ab und an mal durchs Bild laufen, ihren Text aufsagen und wieder verschwinden.

Jackie hingegen war anders. Jackie war eine Hauptrolle, also eigentlich spielt man in seinem eigenen Leben ja immer selbst die Hauptrolle, aber sie war so etwas wie die zweite Hauptrolle oder der gr√∂√üte Nebencharakter. Jemand, dessen Name im Abspann an zweiter Stelle erscheint. Ich wei√ü nicht an wievielter Stelle mein Name wohl in ihrem Abspann erscheinen w√ľrde, aber ich denke eher nicht unter den ersten Sieben.

 

Und w√§hrend „Bound to you“ von Christina Aguilera in meinem Autoradio ert√∂nt und ich auf die Bundesstra√üe abbiege, nicht um mich mit dieser Karre vor den n√§chsten Baum zu setzen, sondern nur um Einkaufen zu fahren, denke ich mal wieder √ľber den Sinn meines Lebens nach. Und √ľber sie. Jackie. Ich schalte um auf „I Follow Rivers“ von Triggerfinger und drehe die Lautst√§rke auf. Mit heruntergelassenem Beifahrerfenster bretter ich die Bundesstra√üe Richtung Kotteln, einem kleinen Ort 10 Minuten Fahrtzeit von zu Hause entfernt, entlang. Heute werden es sicher √ľber 30 Grad denke ich und pfeife mit.

 

L√§ssig schiebe ich die Sonnenbrille √ľber die Stirn, w√§hrend ich die T√ľren des Supermarktes passiere. Man hat dann immer diese Vorstellung wie im Film: In Slowmotion r√ľckt sie ihre Sonnenbrille zurecht und alle umstehenden Leute blicken zu ihr auf, w√§hrend sie sich, in einem Outfit wie Mila Kunis am Ende des Filmes „The Book of Eli“, auf den Weg nach Hause macht.

In Wirklichkeit beachtet dich keiner. Es sei denn du siehst aus wie Mila Kunis oder Amanda Seyfried. M√∂glicherweise wirft ein Kaffee trinkender, dickb√§uchiger Beamter hinter dem Bildschirm der √úberwachungskameras einen kurzen Blick auf dich, aber alles was er da zu sehen bekommt ist eine 18 j√§hrige junge Frau, die in Schlabberjeans und Top Richtung Gem√ľseabteilung schlendert.

 

Die meiste Zeit √ľber ist mein Leben ein Film. Und ich als Hauptdarstellerin muss st√§ndig auf der Hut sein, gut aussehen, sich der Situation entsprechend verhalten, immer die k√ľhle, toughe, attraktive Frau sein, um die sich alle rei√üen. Warum ich das tue? Mhm, wahrscheinlich weil ich es gar nicht bin. In Wirklichkeit bin ich sch√ľchtern, eine Durchschnittspers√∂nlichkeit unter vielen. In einer Menge w√ľrde ich gar nicht auffallen. Ich habe keine neongr√ľnen Haare, kein zu gepierctes Gesicht und kein Ganzk√∂rper-Tattoo (nur ein kleiner schwarzer Schmetterling ziert meinen Intimbereich...war ein Scherz). Ich trage keine Minir√∂cke oder tiefe Ausschnitte, denn daf√ľr habe ich nicht die Figur. Mein Lachen ist nicht √ľberm√§√üig laut, ich bin keine Partymaus und kein Klassenclown. Im Grunde genommen kennt mich fast keiner. Da ich nie ausgehe, lerne ich nie neue Leute kennen. Ich bin die, die in der Schule meistens alleine sitzt, die immer freundlich ist und die trotzdem, aus was f√ľr Gr√ľnden auch immer, kaum Jemand mag.

Ach ja √ľbrigens, ich hei√üe Jona. Jona bedeutet Taube oder die Friedliebende und ist hebr√§ischer Herkunft. Eigentlich ein M√§nnername und im alten Testament ein Prophet, der den Auftrag erh√§lt, nach Ninive zu gehen, sich dann aber anders entschlie√üt und mal eben nach Jaffa schippert. Aber Gottes Augen entgeht nichts und schlie√ülich wird Jona von einem Wal verschlungen. Naja so ist das wohl im Leben. Wer Jona hei√üt ist halt gearscht.

Ich meine, wer will schon von einem Wal gefressen werden? Gott sei Dank ist die Wahrscheinlichkeit, auf dem Land von einem Wal verschlungen zu werden, ja eher gering.

 

Ich biege in die geschotterte Einfahrt zu unserem Haus ein und parke neben dem K√ľchenfenster. Von weitem h√∂rt man schon das Gekl√§ffe unserer Cocker Spaniel H√ľndin Lina. Lina ist so gar nicht der Hund, den ich haben wollte. Sobald ich ausgezogen bin und Geld verdiene kaufe ich mir einen Rottweiler. So einen richtig gro√üen, b√∂sartig aussehenden, vor dem die Leute Angst haben. Lina ist genau das Gegenteil. Sie ist klein, hat puscheliges, orangebraunes Fell und jeder findet sie s√ľ√ü. Sie findet alle Menschen toll, will den ganzen Tag gestreichelt werden und Ball spielen. Irgendwie nicht sehr furchteinfl√∂√üend, oder?

 

Ich bin wieder zu Hause“, rufe ich und die T√ľr f√§llt mit einem Klacken hinter mir ins Schloss. Wild mit dem Schwanz wedelnd springt Lina an mir hoch und wirft sich anschlie√üend mit erwartungsvollem Blick auf den R√ľcken. „Nee jetzt wird nicht gestreichelt...“ Ich steige √ľber sie hinweg, gehe in die K√ľche und stelle die Einkaufst√ľten auf dem K√ľchentisch ab und fange an die Eink√§ufe auszupacken.¬†

* * *


Jackie knallt die Haust√ľr hinter sich zu, wirft l√§ssig ihr Skateboard vor sich auf die Stra√üe und skatet los. W√§hrend sie f√§hrt wirft sie sich ihren Rucksack √ľber die Schultern, weicht einem herrenlosen Kinderwagen aus und springt elegant mit ihrem Board die Bordsteinkante herunter. Die Hausfronten fliegen nur so an ihr vorbei, w√§hrend sie mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Stra√üen gleitet als h√§tte sie nie im Leben etwas anderes getan.

Hey Jackie!“, ruft David und begr√ľ√üt sie mit einer kurzen Umarmung als sie auf dem Skaterplatz ankommt. „Heey, na alles klar bei euch?“, sagt Jackie auch an die anderen aus ihrer Clique gewandt und wirft ihren Rucksack auf den Boden. Dann schnappt sie sich ihr Board und skatet zur Pipeline. Skaten, das ist ihr Leben, da bl√ľht sie immer erst so richtig auf. F√ľr Jackie gibt es nichts Wichtigeres, abgesehen von ihrem Freund vielleicht.¬†Loris.¬†Wie kann man sein Kind bittesch√∂n Loris nennen?¬†Loris ist ein Jahr √§lter als sie, also 18 und leider ein total netter Kerl. Jetzt w√ľrde man vielleicht denken, er ist so ein totaler Skatermacho, aber er skatet nicht. Und ein Macho ist er leider auch nicht, was es mir vermutlich erleichtern w√ľrde ihn zu hassen. Loris ist cool, kein Nerd, er ist intelligent, macht Abitur am selben Gymnasium wie Jackie und m√∂chte sp√§ter BWL studieren. Nein gut, das habe ich mir gerade ausgedacht, aber ein BWL Studium w√ľrde ich ihm durchaus zutrauen. Au√üerdem sieht er verdammt gut aus. Der zweite Gedanke, der einem jetzt kommt ist, dass er aus einer Akademiker-Familie stammt und stinkreich ist. Aber sein Vater ist kein Arzt sondern Kriminalhauptkommissar und seine Mutter ist Hausfrau. Arm ist er deswegen aber auch nicht. Loris und Jackie sind seid 2 Monaten zusammen. Jetzt hat sie noch weniger Zeit f√ľr mich, aber das ist √ľberhaupt kein Problem, wenn ich mir nur oft genug einrede ich w√ľrde sie hassen.

                                                                                      

Mein Handywecker klingelt. Hast du mich beobachtet? Von Beckmann. Kennt man nicht. Ist aus dem Soundtrack von „T√ľrkisch f√ľr Anf√§nger - Der Film“. Wird an der Stelle gespielt, wo Cem nackt unter dem Wasserfall duscht und Lena ihn dabei heimlich beobachtet. By the way, ein netter Film, nicht so gut wie die Serie, aber trotzdem eine nette Fernsehabendunterhaltung. Ich zwinge mich aufzustehen und schlurfe ins Bad um mich anzuziehen. Schule. So eine √ľberfl√ľssige Aktivit√§t im Leben eines Menschen. Wenn man wenigstens blo√ü wichtige Sachen lernen w√ľrde, aber nein, man lernt die Entfernung von der Sonne zum Mond zu berechnen um damit dann den Abstand der Sprossen im Eiffelturm errechnen zu k√∂nnen. Ja brauch ich unbedingt als Zahnarzthelferin oder Edekakassiererin. Definitiv!

 

Mathe. Der Lehrer redet, rechnet an der Tafel eine Aufgabe, redet weiter, erklärt, redet. Alle hören zu. Naja, die meisten tun so und versuchen dabei nicht einzuschlafen, manche schlafen auch einfach.            Leute wie ich.

„Jona?“ Ich schrecke hoch, vor mir steht Herr Halver mit verschr√§nkten Armen. „Jona, ich w√ľrde dich nach der Stunde gerne kurz Sprechen. Und jetzt schlag bitte Seite 53 auf und bearbeite die Aufgaben 1-3 wie alle anderen auch.“ ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬†Wortlos schlage ich mein Mathebuch auf.

Weißtannen können bis zu 70m hoch werden. Das Höhenwachstum einer Weißtanne kann Nährungsweise durch eine Funktion h mit h(t)=70/1+100e^-70*k*t beschrieben werden. Dabei ist h(t) die Höhe der Tanne (in Metern) t Jahre nach Beobachtungsbeginn.             a) Die Tanne hat 8 Jahre nach Beobachtungsbeginn eine Höhe von 6m erreicht. Wie groß war sie bei Beobachtungsbeginn?                b) Zu welchem Zeitpunkt ist die Wachstumsgeschwindigkeit am größten?

 

Bitte was? Wei√ü ich doch nicht. Mit meinem Bleistift male ich Tiere in mein Matheheft. Pferde und Hunde, Elefanten und Tiger. Es klingelt. Der Lehrer redet noch, aber alle stehen auf und packen im Akkord ihre Sachen ein und st√ľrmen raus. Nachdem ich alles eingepackt habe gehe ich nach vorne zum Lehrerpult. Er wartet bis alle den Klassenraum verlassen haben und schlie√üt dann die T√ľr. Ich habe mich auf einen der Tische gesetzt und warte stumm.

„Jona. Was ist los mit dir? Du bist so eine gute Sch√ľlerin und ich wei√ü, dass du das alles hier kannst wenn du willst. Warum verweigerst du dich so?“¬†Er sieht mich fragend an mit seinem P√§dagogen-Blick. „Ich kann's halt einfach nicht. In Mathe war ich noch nie gut.“¬†Und das ist nicht mal gelogen. Ich bin einmal sitzengeblieben. Ist doch klar, dass ich dann in dem Wiederholungsjahr ganz gut bin, wenn ich das alles schon mal gemacht habe. Aber er glaubt mir nicht. ¬†¬†„Ich hab doch gesehen, dass du das kannst. Und die anderen Lehrer sind auch der Meinung, dass...“ ¬†Aber ich unterbreche ihn: „Nee verdammt ich bin halt zu bl√∂d. Kann ich jetzt gehen?“¬†„Nein, ich bin noch nicht fertig. Was ist passiert? Warum hast du dich so ver√§ndert? Blabla blala...“ Ich blende ihn aus, gucke aus dem Fenster, beobachte einen Vogel, der √ľber das Dach h√ľpft und weg fliegt. Herr Halver schweigt. Ich schweige. Wir schweigen gemeinsam, aber er wartet doch eisern auf eine Antwort, die ich ihm nicht geben werde. Nach etwa 20 Minuten, es hat bereits zur n√§chsten Stunde geklingelt, gibt er auf.¬†„Du kannst gehen.“ Und ich stehe auf und gehe.¬†Ich gehe raus, nicht zur n√§chsten Stunde. Im Gehen st√∂psel ich mir Kopfh√∂rer in die Ohren und schalte meinen MP3-Player an. Ich drehe die Lautst√§rke auf. Skyfall von Adele dr√∂hnt meine Gedanken weg, w√§hrend ich das Schulgel√§nde verlasse und den Park betrete. Es regnet aber das ist mir egal. Regen tut gut. Mitten im Park bleibe ich stehen, den Kopf im Nacken und mit geschlossenen Augen.


Let the Skyfall

When it crumbles

We will stand tall

Face it all together

Let the Skyfall

When it crumbles

We will stand tall

Face it all together

At Skyfall

 

* * *


Eigentlich war ich heute gar nicht so schlecht, denke ich als ich √ľber die Mauer in den Hinterhof vom Jugendzentrum springe. Keine Megan Fox bei Transformers, aber es kann ja auch nicht jeder Film ein potentieller Oscar-Preistr√§ger sein. Vorbei an den Graffiti-W√§nden, die auch nicht Oscar-preisverd√§chtig sind, gehe ich zum Eingangsbereich und dann, nach einmal kurz Luft holen, verlasse ich das sichere Terrain der Einsamkeit und betrete das JUZ.

 

Hallo Jona, alles gut bei dir?“ Das ist Anna, Anna Levin. Sozialarbeiterin im Jugendzentrum „JUZ“ hier in Marchheim. 30 Jahre jung, h√ľbsch, attraktiv, gutaussehend, nett, h√∂flich, offenherzig, hat immer ein Ohr frei um sich jeden Schei√ü von uns anzuh√∂ren und hatte ich schon erw√§hnt, dass sie verdammt gut aussieht?!?

Neben ihr am Tisch mit einem fr√∂hlichen L√§cheln im Gesicht der Martin. Martin Polkat, Anfang 40, kurze Haare und immer mit ein paar Bartstoppeln im Gesicht, die ihm - doch ich muss es zugeben - sehr gut stehen. Ja Martin ist auch nett, mit M√§nnern hab ich's ja nicht so, aber schlie√ülich muss ja auch f√ľr den Andrang an m√§nnlichen Jugendlichen ein Ansprechpartner bereit sitzen. Und zu guter Letzt Natalie Ronning, die Psychologin hier im Team. Leider auch eine ganz Nette, die nebenbei noch gut aussieht und...ja...das ist der seltene Typ Psychotante der man sich wirklich anvertrauen WILL!

In den meisten Fällen sind die Therapeuten zu denen man geschickt wird ja Mitte 50 und irgendwie immer unsympathisch! Ich bin jung, alle die hierhin kommen sind jung und da will man ja auch mit jungen Leuten reden und nicht mit irgendwelchen halb mumifizierten Greisen aus unbekannter Vorzeit, oder? Naja jedenfalls sind die Leute hier echt cool, deshalb kommen wir auch immer wieder hierhin um zu chillen oder zu schwänzen oder beides zu tun.

 


Hey, ja alles gut.“, antworte ich, w√§hrend ich den Raum betrete. Etwas unentschlossen stehe ich vorm Tresenbereich, an dem die drei sitzen. Was mache ich eigentlich hier? An ihren Gesichtern l√§sst sich ablesen, dass in ihren Hinterk√∂pfen Tausend Fragezeichen lauern, gekn√ľpft an Fragen auf die sie sich Antworten von mir erhoffen. „Setz dich doch zu uns.“, sagt Anna. Das war eigentlich nicht der Plan. Der Plan war kostenloses Internet im JUZ nutzen, aber ich setze mich trotzdem.

„Hast du gar keinen Unterricht?“, fragt Martin und schiebt ein Glas Cola √ľber den Tisch auf mich zu. „Nicht direkt, nein.“ Verdammt was rede ich da?! Wie kann man blo√ü so bl√∂d sein und ihnen auch noch Anlass zum Fragen stellen geben. Im Improvisieren und schnell Reagieren bin ich ja schon mal nicht so der Hit. „Ich hab keine Lust zu reden, nicht √ľber mich okay? K√∂nnen wir √ľber was anderes reden?“, f√ľge ich noch schnell hinzu, bevor sie mit ihren unausgesprochenen Fragen tiefer in mein Unterbewusstsein eindringen k√∂nnen.

Sie sehen mich an mit ihrem P√§dagogen-Blick, dennoch geht Anna darauf ein und teilt mir unerwartet mit: „Wir planen eine Aufkl√§rungsstunde am Samstag. Was h√§ltst du davon?“ Ich sehe sie etwas entgeistert an und antworte: „So lange es nicht wie die Letzte wird...den Anblick von Speisegurken kann ich n√§mlich immer noch nicht ertragen.“ Und alle m√ľssen lachen. Super, jeden Tag eine Gute Tat. Jetzt kann ich den restlichen Tag durch und durch schlecht sein!

 

Like a Virgin

 

Ich w√ľrde ja mehr √ľber Jackie erz√§hlen, aber das ist wie wenn dich jemand nach deiner Lieblingsschauspielerin fragt. Du gibst bei Google den Namen ein und alle Bilder sind schei√üe! Selbst wenn du ein Gutes findest, allein die Gewissheit, dass dein Gegen√ľber bei Google alle h√§sslichen Bilder sehen kann, hindert dich daran frei den Namen zu nennen. Man muss den Film dazu sehen, denn keine Bilder und keine Worte sind gut genug, um die Person genau so zu beschreiben wie du sie siehst.

 

 

                                                                                       Like A Virgin

Im Schwimmbad. Frau Prelle-Diehl hatte die glorreiche Idee mit uns im Sportunterricht Schwimmen zu gehen. Nach Anderthalb Stunden Qu√§lerei stehen alle wieder in der Sammelumkleide und ziehen sich an, da f√§llt mir ein, dass ich meine Shampoo-Flasche in der Dusche vergessen habe. Ich ziehe meine Schuhe also wieder aus und gehe barfu√ü in Richtung Duschen, ohne mir gro√ü etwas dabei zu denken. Als ich aber den Duschraum betrete, in dem ja alle Duschen offen sind, stockt mir der Atem. Vor mir splitterfasernackt: Frau Prelle-Diehl. Wie versteinert starren wir uns an, bis ich ein „Entschuldigung“ rauspressen kann, mir meine Shampooflasche schnappe und so schnell wie nur m√∂glich den Raum wieder verlasse.

 

Es war wie der Tag, an dem pl√∂tzlich alle meine Freundinnen ihre Unschuld verloren hatten und glaubten, dieses Ereignis unbedingt mit MIR teilen zu m√ľssen.

 

Dina: "Weißt du, es war so romantisch. Überall waren Kerzen aufge..."

Jenny: "...und als wir dann am Strand lagen und der Sonnenuntergang..."

Melinda: "...und wir sahen uns so total kitschig in die Augen und da wusste ich es sofort..."

...dass du aus versehen den Backofen angelassen hast?

 

Nein, ich sollte von vorne beginnen.

Es begann damit, dass ich morgens den Anschlussbus zur Schule verpasste.

Ich sa√ü also auf dem Marchheimer Bahnhof fest. Nachdem ich eine gef√ľhlte halbe Stunde am Bahnhofsb√§cker angestanden hatte, in dessen Radio Madonnas "Like A Virgin" lief, entschied ich mich dazu nicht noch eine Stunde auf den n√§chsten Bus zu warten, sondern ging zu Fu√ü los. In der Stadt traf ich dann Dina, die sich, anstatt Englisch bei Rothmann zu pauken, lieber neue Schuhe kaufte. Mitten bei Schuhstar in der Damenabteilung teilte sie mir dann Folgendes mit:

"Ich habe mit Lukas geschlafen."

Drei Stunden später im Deutschunterricht warf Melinda mir einen Zettel zu, auf dem stand:

ICH BIN KEINE JUNGFRAU MEHR!!

Wenige Minuten später schleusten wir uns nacheinander aus dem Unterricht und trafen uns auf der Mädchentoilette, wo ich dann die ganze Geschichte zu hören bekam.

Und noch am selben Abend wurde ich von Jenny aus dem Bett geklingelt, um mir die wundervolle Geschichte von ihrem Ersten Mal anh√∂ren zu m√ľssen.

W√§hrend die Drei mir aber von ihrem Ersten Mal erz√§hlten, hatte ich noch immer einen Ohrwurm von Madonnas „Like A Virgin“ im Kopf. Zu ihren eher kitschig-romantischen Erz√§hlungen entstand in meinem Kopf also ein kleiner Softporno, begleitet von Madonnas rauchiger Stimme, die "Touch for the very first time" in einer erotischen Remix Version, gef√ľhlvoll ins Mikro hauchte.

 

Dina: "...und dann hat er meine Hand genommen..."

Like a virgin

Sie liegt in Dessous auf dem Bett mit l√ľsternem Blick.

Jenny: "... und dann hat er mich gek√ľsst wie..."

Touch for the very first time

Er dr√ľckt sie aufs Bett und leckt √ľber ihre erregten Nippel.

Melinda: "...und dann ist es passiert..."

Like a viiiiiiiiiiiiirgin

Sie stöhnt, er fickt sie von hinten. Nicht jugendfreie Szenen, ich werde nicht näher darauf eingehen...

When your heart beats - Next to mine

Dina: "...er war so liebevoll zu mir..."

Er schlägt sie auf den Arsch, während er sie vögelt wie ein Tier und...

 


...so weiter.

 

Oh mein Gott! Und? Wie sieht sie aus?“, fragt mich Melinda, als wir Drau√üen vor dem Schwimmbad auf die Anderen warten. „Ich √§hm sag da nichts zu.“, antworte ich und inspiziere das Geb√§ude. „Ach komm schon!“, sie sieht mich an. „Ohnein, du stehst doch wohl nicht etwa auf die oder...?!“ Ich verdrehe die Augen: „Nein!?!?!“

Jona?“ Frau Prelle-Diehl (Boah dieser Name h√∂rt sich so schei√üe an, haha.) verl√§sst gerade das Geb√§ude und kommt auf uns zu. „Jona kann ich dich mal kurz sprechen, bitte?“ Etwas perplex starre ich sie an und sage: „√Ąhm na klar.“ und an Melinda gewandt: „Geht doch schon mal vor, ich komme gleich nach.“ Wir gehen ein St√ľck und bleiben abseits von den anderen stehen. Frau Prelle-Diehl atmet einmal kurz durch bevor sie zu sprechen ansetzt, aber ich unterbreche sie. „Ich hab' nichts gesehen, also doch aber ich hab keinem erz√§hlt was genau...also √§h...“ Verdammt, nicht sehr einf√ľhlsam. Wir werden beide etwas rot. „Ehm, okay, also ich f√§nd's ganz nett, wenn du es auch nicht rumerz√§hlen w√ľrdest. Nicht, dass alle Sch√ľler irgendwelche Geschichten dar√ľber erz√§hlen wie ich aussehe oder so...“ Wir w√ľrden beide am liebsten im Erdboden versinken. „√Ąh kein Problem, auch wenn ich nichts Negatives erz√§hlen k√∂nnte.“ Ich muss grinsen. „Wie bitte?“, sie sieht mich fragend an. „Naja, Sie sehen gut aus, oder nicht?“, sage ich, drehe mich ohne ein weiteres Wort um und gehe den anderen hinterher. Mission erf√ľllt.

 

 

Klappe, die Zweite

An dieser Stelle muss ich ein Lied empfehlen. Wobei, nein eigentlich sollte ich es besser nicht empfehlen. Egal, es hei√üt „Twice“ und ist von der (ich glaube schwedischen) Band Little Dragon. Man findet es auf Youtube zu einem kleinen s√ľ√üen Kurzfilm √ľber ein M√§del, einen Vogel und ein Skelett und es ist so wahnsinnig depressiv, dass man sich eigentlich sofort umbringen m√∂chte. Vielleicht gef√§llt es mir deswegen so sehr, ich h√∂re es fast ununterbrochen. Am besten h√∂rt man es nachts alleine beim Autofahren. Ganz laut! Dann h√∂re ich es in der Regel abwechselnd mit „Halo“ von der Band Mono und meinem immer noch absoluten Lieblingslied „Youth“ von Daughter. Das Lied ist so toll, so wahnsinnig ergreifend, wenn ich das h√∂re bin ich vollkommen weggetreten. Das ist wie eine Droge, eine tieftraurige zwar, aber der perfekte Einstieg in meinen Selbstmord. In meinem geplanten, Tausendmal im Tagtraum akribisch durchlebten Selbst√∂tungsdelikt kommt es zwar eigentlich gar nicht drin vor, aber jetzt wo ich es gerade noch einmal h√∂re kann ich das Ganze ja noch einmal √ľberdenken. Wahnsinn. Es tut mir Leid, ich h√∂re mich wie eine Wahnsinnige an, aber dieses Lied ist einfach nur so verfickt geil, ein musikalischer Orgasmus quasi. Das ber√ľhrt mich so tief im Herzen wie sonst nichts. Musik ist das Einzige was mich noch tief in mir drin erreicht und ber√ľhren kann. W√§re ich taub, w√§re ich vermutlich schon l√§ngst nicht mehr da. Ohne Musik ist ein Leben nicht einmal mehr halb so cool.

 

We are the reckless,
we are the wild youth
chasing visions of our futures
one day we'll reveal the truth
that one will die before he gets there.


Einmal nachts ging es mir so schlecht, da bin ich mit dem Hund rausgegangen, das war so Ende Sommer. Es hatte den ganzen Tag schon geregnet und war demnach nachts um 2 doch relativ k√ľhl. Ich bin in Boxershorts und Top mitten in der Nacht barfu√ü mit dem Hund und einer Zigarette in der Hand raus in den Garten gegangen und habe in der riesigen Pf√ľtze, die bei Regen immer an derselben Stelle im Gras entsteht, getanzt. Die Pf√ľtze war so gro√ü, dass ich mich ausgestreckt h√§tte reinlegen k√∂nnen und von den Haarspitzen bis zu den Zehn√§geln nass geworden w√§re. Nass von oben wurde ich nat√ľrlich auch, weil es immer noch leicht am regnen war. Aber es war perfekt. Allein dieser Augenblick war perfekt. In meinem iPod lief „Candles“, „Landfill“ und „Woods“ von Daughter auf Repeat. Das war einer der wenigen Augenblicke von denen ich wirklich behaupten kann mit allen Fasern meines K√∂rpers gelebt zu haben. Es war episch. Es war wie im Film. Magisch. Allein der Gedanke daran bereitet mir immer noch eine G√§nsehaut.


                                                                                         

Ich sitze in meinem Zimmer. Drau√üen scheint die Sonne, die ich meide wie ein Vampir. Im Fernsehen l√§uft nichts, keine Lust zu Lesen, Schlafen kann ich nicht, also hock' ich mit meinem Laptop im Bett, h√∂re Musik und chatte. Ich k√∂nnte mich verabreden oder mit dem Hund gehen. Nein, keine Lust, keine Motivation zu nichts. Sogar Aufstehen um auf's Klo zu gehen f√§llt mir schwer. Der Weg zum K√ľhlschrank eine einzige √úberwindung, die mich soviel Kraft kostet, sodass ich die n√§chsten zwei Stunden gar nicht mehr das Bett verlasse. Heute ist wieder so ein Tag, an dem man einfach nur darauf wartet, dass er zuende geht und ein Neuer beginnt.

 

 

 

Dog eat Dog. Adam and the Ants. Ich hasse es. Nein, falsch, ich mag es. Aber wenn ich ein Lied l√§nger als eine Woche als Weckton habe, beginne ich es zu hassen. Nicht, weil ich es so oft schon geh√∂rt habe, sondern weil es der laute Ton ist, der mich aus meinem Schlaf rei√üt. Noch blind vor M√ľdigkeit klatsche ich mit meiner Hand wahllos auf dem Nachttisch rum, bis ich mein Handy gefunden habe und schalte den Wecker aus. Dann lasse ich mich zur√ľck in die Kissen fallen und strecke mich gen√ľsslich. Perfekt. Heute ist einer dieser Tage, an denen man aufwacht und feststellt, dass einfach alles perfekt ist. Ich liege perfekt bequem im Bett. Meine Bettdecke liegt perfekt, nirgendwo guckt ein Zeh raus. Die Kissen liegen perfekt, sogar die Sonne scheint so perfekt, dass ich nicht geblendet werde. Und was ist unperfekt? Die Tatsache, dass ich aufstehen muss. Es ist Samstag Morgen, 10 Uhr und ich habe mir vorgenommen Shoppen zu fahren. *Brechreiz unterdr√ľck*. Nein, so schlimm ist es nicht.

Es ist bloß so: Ich hasse Shoppen.

 

 

 

Ich stehe in dieser verdammt engen Umkleidekabine bei G&N und zwänge mich aus meinem T-Shirt. Vor mir ein langer Spiegel, der vom Boden bis hoch zum oberen Ende der Kabinenwand reicht. Rechts von mir bloß ein Umhang, der bei jeder Bewegung außerhalb leicht raschelt. Allein der Gedanke daran, dass ihn jeder zur Seite reißen könnte während ich halb nackt da stehe, bereitet mir alles andere als Frohsinn. Aber das habe ich im Griff. Viel schlimmer, die Überwachungskameras in dem Geschäft.

 

Ich wei√ü noch, dass ich mal Die Simpsons gesehen habe und in genau der Folge versuchte ein M√§del wei√üe Tennissocken zu klauen, in dem sie diese in der Umkleidekabine anzog und die alten Socken liegen lie√ü. Das Dumme nur, die Umkleide war Video√ľberwacht und sie wurde geschnappt. Ich gehe mal davon aus, dass es in Deutschland verboten ist Umkleidekabinen mit √úberwachungskameras auszustatten, weil man ja s√§mtliche Leute dabei beobachten k√∂nnte, wie sie sich aus- und wieder anziehen. Deshalb sind Klamotten ja auch mit diesen Plastikchips ausgestattet, die blo√ü die Kassiererin abmachen kann. Versucht man es selber, sind die Anziehsachen nachher kaputt.

 

Trotzdem lasse ich meinen Kopf in den Nacken fallen und starre an die Decke. Was sind das dann f√ľr seltsame kleine Ger√§tschaften da an der Decke? Rauchmelder? √úber den Kabinen? Wohl kaum. Doch Kameras?

 

Ich guck mich im Spiegel an, betrachte mein Gesicht, meinen Bauch, ich bin zu dick.

 

Ich ziehe den Bauch ein, jetzt ist der Anblick ertr√§glicher. Wenn ich sage, ich bin zu dick, sagen alle: Du spinnst! Aber ich finde es trotzdem. Ich wei√ü, dass ich nicht zu dick bin, also nicht √ľbergewichtig in dem Sinne. Auch laut BMI bin ich in der Norm, aber ich finde mich so nicht sch√∂n, ich will schlank sein. Aber ich esse zu gerne, bin eher der unsportliche Typ, nein, zu faul um Sport zu treiben definiert es besser. Also ziehe ich den Bauch ein, zumindest wenn ich hautenge Oberteile trage oder Bikinis. Kann ich gut, muss nicht dar√ľber nachdenken, das ist schon so in meinem Unterbewusstsein verankert, dass es wie von selbst passiert.

 

Shoppen, ich hasse es. Ich wei√ü nie welche Gr√∂√üe ich habe und muss mich Hundertmal in die Umkleiden zw√§ngen und alles anprobieren. Mit einer Verrenkung meines Armes √∂ffne den Verschluss meines BH's, greife sofort nach einem der mitgebrachten G&N-Exponate und streife es √ľber so schnell ich kann. Die Kameras an der Decke ignoriere ich. Und den Anblick meines nackten Oberk√∂rpers ebenfalls.

 

 

 

 

 

In der Schule.

 

An der Wand lehnend warte ich darauf, dass eine Kabine in der M√§dchentoilette frei wird. Eine T√ľr √∂ffnet sich und meine Franz√∂sischlehrerin tritt aus der Kabine. Sie gr√ľ√üt mich kurz w√§hrend sie an mir vorbei zu den Waschbecken geht. Ich dachte immer die Lehrer h√§tten eigenen Toiletten. Ich atme kurz durch und gehe dann ganz normal in die Kabine, deren T√ľr ich hinter mir schlie√üe bevor ich das Klo ganz genau inspiziere. Da. Ein Haar auf der Klobrille. Es ist schwarz, etwa 1 cm lang und leicht gewellt. FUUUUUUUUU!

 



 

Frau Kozlowski war vor mir auf Klo und es war ein schwarzes Haar auf der Klobrille.“, sage ich und halte Daumen und Zeigefinger etwas auseinander um die Gr√∂√üe des Haares zu demonstrieren. Melinda grinst: „Damit w√§re die Frage, ob sie sich rasiert auch endlich mal gekl√§rt.“ „Vielleicht hat sie ja auch eine Katze.“, meint Dina, w√§hrend sie die Jungs aus der Parallel beobachtet. Ich verziehe das Gesicht. „Zwischen ihren Beinen oder wie?“ „Naja, wer wei√ü, wozu das arme Tier im Hause Kozlowski alles gezwungen wird.“, antwortet Dina und rei√üt sich m√ľhsam vom Anblick der Jungen los. „Na so genau will ich das auch gar nicht wissen.“

 

 

Es klingelt zur Stunde. Wir haben Mathe, aber auf Mathe habe ich gerade gar keine Lust also gehe ich in die Stadt. Ich wei√ü, dass das ein Fehler ist und habe auch ein schlechtes Gewissen, aber irgendwie kann ich auch nicht anders. Mathe zieht mich nur runter. Und mal abgesehen davon, dass ich es nicht kann und es total √ľberfl√ľssig finde, verbringe ich die Zeit lieber an der frischen Luft und h√∂re w√§hrenddessen Musik. In meinem Kopf ist momentan einfach kein Platz f√ľr mathematische Formeln und Franz√∂sisch Vokabeln. Ich bin viel zu sehr mit mir selbst besch√§ftigt, als dass ich mich noch aufs Lernen konzentrieren kann.


 










* * *
Another dream has come undone
You feel so small and lost
Like you're the only one
You wanna scream
'Cause you're desperate

You want somebody, just anybody
To lay their hands on your soul tonight
You want a reason
To keep believin'
That someday you're gonna see the light


W√§hrend ich mal wieder endlos tief in Selbstmitleid versinke, (Dieses Lied passt einfach nur perfekt. Man h√∂re es auf repeat, sitze nachts auf der Fensterbank mit einer Fluppe in der Hand und kann gar nicht anders: man heult.) herrscht da drau√üen das Leben. Das wahre Leben, aber manchmal bin ich einfach nicht daf√ľr gemacht im 21. Jahrhundert zu leben. Das Mittelalter, das w√§re vielleicht meine Zeit gewesen, vielleicht habe ich da sogar gelebt, vielleicht auch nicht. Aber heute Nacht wird nicht gestorben, denn in einer Stunde geht’s zu Jackie! Aber das macht das ganze auch nicht einfacher.

 


Es ist Nacht. Die Jalousien sind unten, nur durch einen kleine Spalt am Fenster dringt ein d√ľnner Strahl Mondlicht ins Zimmer. Ich liege
wach im Bett und versuche so leise wie m√∂glich zu atmen und glaub mir, das ist verdammt schwer! Bewegungslos liege ich auf dem R√ľcken, unf√§hig mich zu bewegen weil Jackie eng an mich gekuschelt neben mir liegt. Eine Tr√§ne rollt meine Schl√§fe entlang in mein Ohr. Ich schlie√üe die Augen und st√∂psel mir meine Kopfh√∂rer in die Ohren. „All Night long“ von Triggerfinger dudelt aus meinem MP3-Player
wodurch ich nur noch mehr weinen muss. Jetzt versuche ich also schon krampfhaft mich nicht zu bewegen, damit sie sich nicht umdreht und mich loslässt, nicht laut zu atmen, damit sie davon nicht aufwacht und nicht zu weinen. Kann man noch tiefer sinken? Ich sollte DVD-Abende mit ihr in Zukunft einfach unterlassen!

Ich öffne die Augen. Es ist stockduster im Zimmer. Ein Blick auf mein Handy verrät mir, dass es 11 Uhr ist.

11 Uhr? Wieso liegen wir noch im Bett?!

Ich leuchte mit dem Handy neben mich, aber Jackie ist weg. Naaa toll. Haut die einfach ab morgens. Ich stehe auf, lass die Jalousien hoch und √∂ffne das Fenster. Warme Luft und Vogelgezwitscher dringen in das Zimmer ein. Nachdem ich mich angezogen habe schleiche ich nach unten bis mir einf√§llt, dass es ja mitten in der Woche ist und ihre Eltern eh arbeiten sind. Ich schnappe mir einen Apfel vom K√ľchentisch, schlie√üe sachte die Haust√ľr hinter mir und schwinge mich auf mein Rad.


 

Justin Timberlake, „Cry Me A River“, ich radle durch die Innenstadt, die Sonne scheint, alles ist perfekt, zumindest f√ľr den Moment. Ich komm mir vor wie im Film, sehe schon die Kameras, die meinen Blick einfangen, mein Gesicht, die Fu√üg√§ngerzone, die Passanten, einfach alles. Sehe aus der Zuschauerperspektive schon das fertige Bild, die fertigen Filmszenen, breite die Arme aus und schlie√üe die Augen,

nur f√ľr den Moment.

 

 

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Nachteule

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Nachteule Re: - aloha, naklar gehts weiter, ich muss blo√ü im Moment immer so viel arbeiten und hab irgendwie nie Zeit um zu schreiben und neue Ideen k√ľndigen sich ja auch nie vorher an sondern sind pl√∂tzlich da oder halt mal 4 Wochen im Untergrund verschollen :D

Zitat: (Original von Piachen am 01.11.2012 - 20:43 Uhr) Ich muss mich Alociir77 anschließen.
Mir gefällt total, wie du schreibst und dich äußerst :-)
ich bin auch eher der Typ (die Typin, haha), die einfach nach Lust und Laune raushaut.. vielleicht gefällt es mir gerade deswegen so sehr!

Die Fortsetzung w√ľrde ich auf alle F√§lle lesen, sofern es eine geben sollte!
Wenn ja, dann lass es mich wissen :D

Liebe Gr√ľ√üe

Vor langer Zeit - Antworten
Nachteule :D
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MartinaS Re: Re: Favo -
Zitat: (Original von Nachteule am 05.10.2012 - 18:05 Uhr) ich muss zugeben, ich h√§tte nicht gedacht, das es jmd gefallen wird, grade weil ich so frei Schnauze schreibe (aber das werdet ihr ja sp√§ter merken, sofern ihr flei√üig weiterlest) au√üerdem ist bzw wird die Story nicht unbedingt eine fr√∂hliche Lekt√ľre aber trzd lustig. Macht das Sinn?? :D

Zitat: (Original von MartinaS am 05.10.2012 - 15:18 Uhr) Seeehr schön :) Spannend, und ich freue mich auf die Fortsetzung.

LG Martina




Haha, aber ich bleibe trotzdem dran! :D

LG
Vor langer Zeit - Antworten
Nachteule Re: Favo - ich muss zugeben, ich h√§tte nicht gedacht, das es jmd gefallen wird, grade weil ich so frei Schnauze schreibe (aber das werdet ihr ja sp√§ter merken, sofern ihr flei√üig weiterlest) au√üerdem ist bzw wird die Story nicht unbedingt eine fr√∂hliche Lekt√ľre aber trzd lustig. Macht das Sinn?? :D

Zitat: (Original von MartinaS am 05.10.2012 - 15:18 Uhr) Seeehr schön :) Spannend, und ich freue mich auf die Fortsetzung.

LG Martina

Vor langer Zeit - Antworten
Nachteule Re: - Na aber nat√ľrlich gehts da noch weiter :D ich schreib blo√ü nicht in der Reihenfolge der Geschichte sondern immer da wo mir was einf√§llt, deshalb ist da noch viel L√ľcke und momentan schreibe ich grade mittendrin. Aber jetzt muss ich mich wohl mal wieder mit dem Anfang befassen ;D

Zitat: (Original von Alociir77 am 05.10.2012 - 13:07 Uhr) Kann mich der Meinung des Gastes nur anschliessen. Mir gefällts auch.. ;) Du hast einen guten Schreibstil und ich finde die Erzählweise echt toll.. ;)

Gehts doch hoffentlich noch weiter, oder? Sag jetzt nicht Nein!! ;)

Lg Alociir
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MartinaS Favo - Seeehr sch√∂n :) Spannend, und ich freue mich auf die Fortsetzung.

LG Martina
Vor langer Zeit - Antworten
Alociir77 Kann mich der Meinung des Gastes nur anschliessen. Mir gef√§llts auch.. ;) Du hast einen guten Schreibstil und ich finde die Erz√§hlweise echt toll.. ;)

Gehts doch hoffentlich noch weiter, oder? Sag jetzt nicht Nein!! ;)

Lg Alociir
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