Romane & Erzählungen
Mobbing, Magersucht, Heilung auf eine anderen Art

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"Mobbing, Magersucht, Heilung auf eine anderen Art"
Veröffentlicht am 01. August 2012, 314 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Mobbing, Magersucht, Heilung auf eine anderen Art

Mobbing, Magersucht, Heilung auf eine anderen Art

inhalt


Vorwort                                      10-11


Prolog                                   12-14


EndlichFerien¬†¬ī¬†¬†¬† 15-¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†

Familienurlaub


R√ľckblick


Gespräch mir dem Rektor


Round Table Gespräch


Neues Schuljahr


Ritzen


Die Klinge bedeutet Freiheit


Das grosse Ziel als Klassensprecherin


Klassengemeinschaft


Kunst auf alten Mauern


Der Druck steigt


Therapieplatz


Klassenfahrt


Schulwechsel


Recht


Die Suche geht weiter


Die grosse Liebe


Neue Schule


Das letzte Mal hinter dicken Mauern


Waldorschule


Sophie und Noah


Die etwas andere Schule


Freunde kann man nicht kaufen


Eine neue Freundin


Magersucht


Krankheitsverlauf


Auf der Suche nah Hilfe


Verantwortung


Folgeerscheinungen der Magersucht


Das schaffewn wir alleine


Selbsteinsicht


Anmeldung f√ľr die Klinik


Schön Klinik


Der Tagesablauf


Angst vor Gewichtszunahme


Die Stimme der Magersucht


Kunsttherapie


Konfrontationsarbeit


Lehrk√ľche


Gewichtszunahme


Der Alltag


Klinikaufenthalt der 2. Versuch


Ein anderer Weg der Heilung


Traumreise


Erläuterung zur Traumreise


Heilung


Essen ohne Angst


Lichtnahrung


Danke an meine Tochter


Nachwort
















Vorwort


Vorwort von Andreas Winter

Prolog

Dieses Buch handelt von mir.


Mein Name ist Sophie.


Meine Mutter hat dieses Buch geschrieben um den Menschen zu zeigen, dass es andere Wege gibt sich aus den Zwängen der Magersucht zu befreien.


Es ist meine Geschichte.


Meine Leidens-und Heilungsgeschichte.


√úber f√ľnf Jahre, habe ich meinen K√∂rper misshandelt.

Mein Weg der Hölle, begann mit Mobbing, Ritzen und endete mit Magersucht.

Endlich Ferien


Was man innerhalb eines Schuljahres alles erleben kann.
Vor allen Dingen,wenn man am letzten Tag vor den Sommerferien erfährt, dass die Klasse 8b im nächsten Schuljahr komplett neu Lehrer erhält.
Sophies Freude √ľber ihr super Zeugnis legte sich langsam.
"Es wird grauenvoll werden", sagte sie zu sich selber und konnte ihre Tr√§nen¬†nicht mehr zur√ľck halten.
"Was wird denn so grauenvoll", wollte ihre Schwester Anna wissen.
Ach sei ruhig, dass verstehst du mit

deinen 8 Jahren nicht. Na, dann eben nicht. Anna war sauer.
"Hast du deinen Koffer schon gepackt?", fragte Anna ihre Schwester, "du weißt ja wohl noch, dass wir alle morgen in Urlaub fliegen."
Aber klar wusste Sophie es noch, aber irgendwie wollte keine Urlaubsfreude aufkommen.
Ihr war die Lust auf Urlaub vergangen.
Blöder Familienurlaub. Eigentlich wäre sie viel lieber mit ihren Freundinnen zusammen in Urlaub gefahren. Egal wohin. Hauptsache cillen und abhängen.

Aber Elena und Igor ihre Eltern hatten es nicht erlaubt.
Du bist erst 15, war das

ausschlaggebende Argument.

Aber nun war es ihr egal. Ob Urlaub mit Freunden oder der Familie. Nach Urlaub stand ihr sowieso nicht der Kopf.

Griechenland, √Ąg√§is, Aphrodite, Zeus, Olymp, viel ihr spontan ein. Griechische Mythologie eingentlich schon spannend.¬†

Homer hatte sie in der Schule schon immer interessiert.

Aber nun hatte sich von einem Tag auf den anderen alles verändert.

Warum habe ich eigentlich so ein ungutes Gef√ľhl. Nur weil mein Lieblingslehrer und gleichzeitig Klassenlehrer uns nicht mehr unterrichtet. Nur weil meine Lieblingsf√§cher Kunst und Erdkunde

dadurch wegfallen.

Blödsinn, es wird schon werden. Das eine Jahr werde ich schon schaffen. Ab der 10 Klasse wähle ich sowieso den Leistungskurs Kunst und dann bin ich wieder in meinem Bereich.

Sophie f√ľhlte sich schon besser. Sie ging in ihr Zimmer um den Koffer zu packen.

Nebenbei fuhr sie ihren Laptop hoch und Nica ihr Mitsch√ľler meldete sich.¬†

"Hi Nica", postete Sophie, "freust du dich auch auf die Ferien. Ich fliege morgen nach Kreta."
"Klaro, ich fliege mit meinen Eltern nach Japan. Geil, nicht wahr," schrieb Nica.

"Sophie interessiert es dich, wen wir nach den Ferien als Klassenlehrer

bekommen?" postete Nica. "Na dann mal raus mit Sprache", spottete Sophie, in der Hoffnung es wäre eine freudige Überraschung.

Es ist Frau Flacker-Reusch.
F√ľr Sophie brach ihre Welt noch mehr zusammen.
"Schei√ü Schule, schei√ü Schule", schrie sie immer wieder.¬†Sie f√ľhlte wie¬†die Wut in ihr aufstieg.
Eine ganze Flut von Gedanken umsp√ľlte sie und wollten sie mit den Wurzeln ausreisen.
Es klingelte an der T√ľr.

Anna rief: "Sophie, Pirmin ist hier."

Sophie rannte die Treppe hinunter und fiel ihrem Freund um den Hals.

"Endlich Ferien", sagte Pirmin und k√ľsste Sophie.

Die beiden kennen sich nun schon 5 Monate.

Pirmin war ebenfalls 15 und sah sehr gut aus.

Es war ihr erster Freund und sie war abgöttisch in ihn verknallt.

Morgen geht es in Urlaub, dann sehen wir uns 2 Wochen nicht", sagte Sophie traurig.

"Na dann lass uns mal ein Abschiedskuscheln machen", erwiderte Pirmin.

Die Beiden verschwanden in Sophies Zimmer.

Anna hörte nur lautes Gekicher und

Gegacker.

Pirmin kam fast jeden Tag nach der Schule. Manchmal blieb er sogar die Nacht √ľber hier.

Familienurlaub


Sophie flog mit uns nach Kreta.
Zwei Wochen Sonne, Sand und Mittelmeer. Wir hatten ein Hotel direkt am Meer.
Fr√ľh morgens konnte man die Fischer beobachten, wie sie mit ihren Booten auf das Meer hinausfuhren und ihre Netze f√ľr den Fischfang auswarfen. Man konnte das Meer riechen, das Salz sogar in der Luft schmecken.

Das Hotel hatte einen riesigen Swimmingpool. Aber Sophie und Ihre Familie gingen lieber im Meer baden. Sophie mochte das

Salz
auf ihrer Haut. Wenn sie sich auf das Wasser legte, hatte sie das Gef√ľhl zu schweben. Einfach schwerelos zu sein. Ein Gl√ľckszustand breitete sich bei Sophie am ganzen K√∂rper aus. So k√∂nnte es immer sein. Einfach treiben lassen. Den Gedanken keine Bedeutung beimessen. Diese kamen und gingen, wie Ebbe und Flut.

Anna spritze ihr Wasser ins Gesicht. "Komm schon Träumerin, lass uns um die Wette schwimmen. Wer zuerst bei den Fischerbooten ist", sagte Anna. Sophie war Erster. "Gewonnen", rief sie. "Ist ja auch keine Kunst, wenn man 7 Jahre älter ist", schmollte Anna. Wieder war dieser

Gl√ľcksmoment da, nach dem sich Sophie so sehnte.

Endlich einmal Siegerin sein.


"Anna, Sophie, kommt ins Hotel," rief Igor, "es gibt gleich Barbecue." √úberall duftete es nach Oliven√∂l, Kr√§utern, Fisch und gegrilltem Gem√ľse. Alles sah lecker aus und schmeckte vorz√ľglich.

Nach dem Essen setzten sie sich noch ans Meer und hörten den Wellen zu, sahen den Sternenhimmel an und Igor begann zu erzählen.

Er kannte sich gut mit den Sterbilder aus. Es war ein leidenschaftliches Hobby von ihm. Es half ihm sich zu entspannen. Denn in seinem Beruf als

Elektroingenieur war er sehr eingespannt und die ganze Woche von seiner Familie getrennt.

"Das ist die Kassiopeia.¬†Die f√ľnf Hauptsterne der Kassiopeia bilden ein markantes¬†W¬†beziehungsweise M am Himmel, daher wird sie auch als Himmels - W oder Himmels - M bezeichnet. Die Kassiopeia geh√∂rt zu den n√∂rdlichen Sternbildern, die in unseren Breiten das ganze Jahr √ľber zu sehen sind.
Das dort dr√ľben die Leier ist ein kleines, aber auff√§lliges Sternbild. Der Hauptstern, ist die Wega der f√ľnfthellste Stern am Nachthimmel. S√ľdlich der Wega bilden vier Sterne ein

Parallelogramm. Sie sollen die Saiten einer antiken Lyra darstellen."
Igor hörte gar nicht mehr auf zu erzählen. "Das ist der Steinbock, Annas Sternzeichen, er ist wahrscheinlich eines der ältesten Sternbilder", erklärte ihr Vater. Der hellste Stern im Sternbild Steinbock heißt Deneb Algedi, der zweithellste Stern ist der ß Capricorni. Diese sind wie ihr seht, mit bloßem Auge zu erkennen. Eigentlich kann man bei Dunkelheit mit bloßem Auge nur 3.000 Sterne sehen, das ist sehr gering im Verhältnis zu 6,3 Trillionen Sterne, Planeten und Monde."


"Kann man auch mein Sternzeichen

sehen", fragte Sophie interessiert. "Nein, leider nicht", meinte Igor, "den Krebs kann man in der nördlichen Halbkugel nur im Winter sehen."

"Der Krebs" murmelte Sophie, und war ganz in Gedanken. In der griechischen Mythologie hatte er welche Bedeutung? Sophie √ľberlegte angestrengt. Na klar. Als Herakles seinem Kampf mit der vielk√∂pfige Hydra f√ľhrte, tauchte aus den S√ľmpfen ein riesiger Krebs auf, der den Helden attackierte. Herakles gelang es allerdings, das Untier zu zertreten. Zum Dank wurde der Krebs von Hera der Gattin des Zeus, an den Himmel versetzt. Denn Herakles war Hera verhasst, da er

ein unehelicher Sohn des Zeus war. 

Ja, ja Mythologie fand ich schon immer spannend. Nur leider gab es dort sehr viel Gewalt und Gewalt verabscheute sie.


Wenn ich mich noch recht erinnere sind die positiven Eigenschaften des Krebses: Intuitiv, z√§h, ausdauernd, entschlossen, methodisch, zielorientiert, planvoll, und sparsam. Tolle Eigenschaften. Die werde ich bestimmt noch ben√∂tigen. Die negativen, wie waren die noch, √ľberlegte Sophie angestrengt. Empfindlich, sentimental, selbstbemitleidend, besitzergreifend, reizbar, √ľbersensibel. Ja, ja, d√ľnnh√§utig. Das habe ich schon oft zu h√∂ren bekommen.

R√ľckblick


Wir genossen die Ferien. Jeder erlebte viele au√üergew√∂hnliche Dinge. Wir besuchten antike Ausgrabungsst√§tten. Machten verr√ľckte Sache, wie z. B, das Orakel befragen oder halfen beim Trocknen und R√§uchern von Fischen. Bauten Skulpturen aus Sand. Lernten Surfen und Wasserski fahren.

Aber auch diese tollen Ferien gingen langsam zu Ende.
Der Schulalltag begann wieder den größten Teil der Zeit zu bestimmen.

Anna freute sich auf die Schule. Endlich

3. Klasse. Auf dem Schulhof nicht mehr zu den Babys gehören.
Ein tolles Gef√ľhl.
Sie hatte ihre Ferienerlebnisse aufgeschrieben, welche sie ihrer Klasse vortragen wollte.
Mit Papa Boot gefahren, einen Tauchkurs gemacht, Wasserski gelernt und mit Mama eine große Sandburg gebaut.
Bei Sophie sah das Ganze etwas anders aus. Obwohl die Sonne schien, hatte sie keinen Lust aufzustehen.
Ich hatte sie schon zweimal gerufen. Mama ich gehe da nicht mehr hin. Die können mich alle mal.
In Sophie stieg eine unsagbare Angst

auf. Vielleicht sehe ich das alles nur so negativ. Neue Lehrer, kann auch ein Neuanfang bedeuten. Sei nicht immer so selbstkritisch Sophie, mahnte sie sich selber. Sehe nicht immer alles so pessimistisch. Ist doch bisher alles glatt gelaufen.¬†Glatt gelaufen, auf einmal lief es wie ein Film vor ihr ab. Das Erlebnis in der 7. Klasse. Damals f√ľhlte sie die gleiche Angst, wie jetzt. Das Gef√ľhl war ihr vertraut.

Wie sie von ihrer Kunstlehrerin Frau Hunasch gemobbt wurde.
Plötzlich sah sie alles klar vor sich.
Sie hatte sich damals f√ľr ihre beiden Klassenkameradinnen, Soanne und Franziska stark

gemacht.
Nur weil beide nicht richtig zugeh√∂rt hatten, was Frau Hunasch √ľber Piktogramme erz√§hlt hatte.¬†
Als sie nachfragten, sah man wie die Zornesr√∂te in ihr aufstieg und man hatte f√∂rmlich das Gef√ľhl, die Hunasch w√ľrde jeden Moment platzen.
Beide wurden von ihr angeschrien und vor die Klassent√ľr geschickt.
Nach 10 Minuten kamen¬†sie verheult und verst√∂rt zur√ľck. Die ganze Klasse war entsetzt. Doch keiner sagte etwas.
Sophie wartete noch einen Moment, in der Hoffnung, der Klassensprecher w√ľrde sich dazu √§u√üern, aber nichts geschah.
Sie hatte das Gef√ľhl etwas tun zu

m√ľssen. Sie hasste es, wenn Menschen ungerecht behandelt wurden. Die Wut stieg in ihr hoch.
Sie stand auf und sagte ganz ruhig zu Frau Hunasch. Ich finde ihr Verhalten ist unter aller Sau.
Es war mucksmäuschestill, fast unerträglich still.
Dann standen, zum Erstaunen von Sophie, alle Mitsch√ľler nacheinander von ihren St√ľhlen auf und fasten sich an den H√§nden.
Sogar Eric der Primus und Klassenstreber.
Die Klasse solidarisierte sich mit Sophie. So etwas hatte es in der Klasse noch nicht

gegeben.
Das erste Mal, dass die 7b zusammen hielt. Sophie erlebte dieses wunderbare Gl√ľcksgef√ľhl.
Aber sie ahnte auch, dass etwas Schlimmes bevorstehen w√ľrde.
Frau Hunasch rannte aus der Klasse und kam 5 Minuten sp√§ter mit dem Rektor zur√ľck.
Sophie musste grinsen, wie der Rektor sich seitw√§rts durch die T√ľr schob. Er wog bestimmt 180 kg und war ca 2,00 m gro√ü.
Er ließ sich auf den Lehrerstuhl fallen, als hätte er einen Marathonlauf hinter sich. Der Schweiß lief ihm von der Stirn.
Der Stuhl knarrte, aber er hielt stand.

Nachdem der Rektor mehrmals gehustet und gepustet hatte, wandte er sich an Sophie.
"Sophie", sagte er laut, "warum hast du zu Frau Hunasch gesagt, sie wäre eine alte Sau."
Sophie stockte der Atem, sie sp√ľrte die Anspannung die im Raum lag.
Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und sprach mit lauter Stimme.
"Das habe ich nicht gesagt."
"Was hast du denn gesagt," schrie er.
"Ihr Verhalten, Frau Hunasch ist unter aller Sau."

Man h√§tte eine Stecknadel fallen h√∂ren k√∂nnen, so still war es. "L√ľg nicht," schrie der Rektor, "du sagtest Frau

Hunasch wäre eine alte Sau. Nun gib es endlich zu."

"Nein!!!!!!!!!!!", schrie sie voller Entsetzen. NEIN!!!!!!!!!"
Endlich lies die innere Spannung nach.

Sophie sp√ľrte das Zittern in ihren Knien, w√ľrgte den Klos im Hals herunter und¬† starrte den Rektor an. Was w√ľrde nun als n√§chstes passieren. Frau Hunasch stand noch immer mit hochrotem Kopf an der Seite des Rektors, als pl√∂tzlich Eric laut sagte: "Ich kann die Aussage von Sophie best√§tigen. Sie sagte ihr Verhalten ist unter aller Sau." Alle starten Eric an. Die Klasse war verwundert, soviel Mut hatten sie ihm gar nicht zugetraut. Der Rektor schnaufte, damit hatte er nicht

gerechnet. Ausgerechnet Eric, der sich sonst nur um seine Leistung und Noten

bem√ľhte, zeigte pl√∂tzlich soziale Werte. Aber nicht nur Eric, sondern auch Melanie, S√∂nke, David, und Nica wiederholten das Gleiche.

"Ist ja auch ganz egal, was du gesagt hast, es macht sowie keinen Unterschied," rief der Rektor, der sich mittlerweile vom Stuhl aufgerollt hatte.
Jetzt platzte Sophie der Kragen. "Das macht wohl einen Unterschied," rief sie laut. "Ich habe das Verhalten kritisiert und nicht die Person."

Der Rektor runzelte seine Stirn, welche noch immer voller Schweißperlen stand.

Mit hoch rotem Kopf bewegte er sich aus

dem Klassenzimmer.

Gespräch mit dem Rektor


Nach der Pause mussten Eric, Melanie, Sönke, Nica und Sophie, nacheinander zum Rektor kommen. Jeder sollte nochmals unabhängg voneinander, berichten was geschehen war.
Eric musste als Erster rein. Er wirkte sehr ruhig und √ľberlegen. Er stand √ľber dieser Situation. Melanie, welche als n√§chste kam, hatte Angst, durch ihre Aussage, ihren Notenspiegel noch mehr zu verschlechtern. Aber sie hielt stand. S√∂nke taff wie immer, sagte, dass Sophie viel Mut bewiesen h√§tte, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Es m√ľsste

noch mehr Menschen geben, die so viel Zivilcourage zeigen w√ľrden. Dann kam noch Nica. Ihm ging die Schule sowieso am Arsch vorbei und wenn er einem Lehrer etwas anh√§ngen konnte, tat er es auch.¬†Sein Spruch lautete: Am Arsch vorbei ist auch ein Weg. Als letztes kam Sophie.
Da sa√ü sie nun dem Rektor, in seinem riesigen schwarzen Lederstuhl gegen√ľber.
Er fragte sie nochmals, diesmal allerdings freundlicher und sachlicher, als vorhin im Klassenzimmer. "So Sophie, nun erzähle mir nochmals genau was passiert ist."
Sie ging das Ereignis in Gedanken durch

und ließ alles nochmals Revue passieren. Danach erzählte sie ihm jede Einzelheit.
Er h√∂rte genau zu ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen. Alles sprudelte aus ihr heraus. Danach f√ľhlte¬†Sophie sich erleichtert. Trotzdem wurde sie das Gef√ľhl nicht los, dass dem Rektor diese Situation bekannt vorkam.
Am Ende des Gespräches war nicht nur Sophie erleichtert, auch er wirkte entspannter und lockerer als zuvor.
"Es muss dir allerdings klar sein, dass es einen Eintrag in deine Sch√ľlerakte geben wird. Dieser wird dann nach einem Schuljahr wieder entfernt, wenn sich so ein Ereignis nicht wiederholt.¬†Deine Eltern werden noch zu einem Gespr√§ch

eingeladen, um diesen Zwischenfall gemeinsam zu lösen,"

sagte er.
Dann gab er Sophie die Hand und sie verließ den Raum.

Zu Hause wurden ihre Eltern mit Telefonanrufen attackiert. Einige Lehrer riefen¬†abends an und erz√§hlten was f√ľr eine freundliche und hilfsbereite Kollegi¬†Frau Hunasch w√§re. Sie w√§re immer aufgeschlossen f√ľr die Probleme ihrer Sch√ľler. Es w√§re doch besser,¬†den Vorfall¬†zu vergessen.¬†nur weil sie einmal √ľberreagiert h√§tte.
Alles unter den Tisch kehren. Igor kochte vor Wut.

Solche Menschen gehören nicht als

Pädagogen vor eine Klasse.

Round Table GespräcH


Eine Woche sp√§ter sa√üen mein Mann und ich am Round-Table im Lehrerzimmer, um eine L√∂sung f√ľr den Konflikt zu finden.

Um es vor weg zu ehmen, das Ganze endete in einem Eklat. Die Klassenlehrerin Frau Heck-Blume, die Schulseelsorgerin und auch gleichzeitig Streitschlichterin Frau Bauer und Frau Hunasch die Kunstlehrerin, waren bereits anwesend. Igor und ich wurden hereingebeten. Sophie sollte vor der T√ľr warten. Also bekam sie erstmal rein gar nichts mit,

was in dem Raum besprochen wurde. Wir haben es ihr sp√§ter erz√§hlt. Frau Hunasch erz√§hlte die Geschichte aus ihrer Sicht. Sophie h√§tte das Thema verfehlt, welches sie im Kunstunterricht vorgegeben hatte, deshalb hat sie sich verletzt und gekr√§nkt gef√ľhlt. Was wiederum zum Ausl√∂ser, f√ľr die daraufhin entstandene Situation f√ľhrte. "Frau Hunasch, welches Thema wurde denn von Ihnen vorgegeben," fragte die Klassenlehrerin. "Die Aufgabenstellung lautete Piktogramme f√ľr die Schule zu entwerfen," antwortete Frau Hunasch. Liebe Kollegin k√∂nnen sie das etwas n√§her erl√§utern. "Piktogramme sind Symbole. Diese sollten es Fremden

erm√∂glichen, bestimmte Orte in unserer Schule zu finden, z. B. die Toilette, die B√ľcherei, das Lehrerzimmer, das Sekretariat, der Konferenzraum, Labor usw. Die Sch√ľler sollten davon eine Zeichnung anfertigen. Sophie hatte daraufhin ein Piktogramm erstellt, welches drei Sch√ľlern unterschiedlicher Hautfarbe zeigte, die sich an den H√§nden hielten. Diese Schule ist gegen Rassismus. Daraufhin habe ich ihr zu verstehen gegeben, dass dieses kein Piktogramm w√§re. Sophie habe deshalb die Beherrschung verloren und habe dann den beleidigenden Satz mehrfach gesagt."
Ich drängte nun dazu, dass Sophie bitte

hereinkommen sollte und dazu Stellung zu nehmen. Dieser Aufforderung wurde leider nicht Folge geleistet. Stattdessen meinte Frau Heck-Blume, dass es nicht die verfehlte Zeichnung w√§re, sondern, dass Sophie sich gerne in den Mittelpunkt dr√§ngt, vor allem in Situationen in denen es unangebracht w√§re. Sophie h√§tte das Bed√ľrfnisse sich zu pr√§sentieren. F√ľr sie ist die Welt eine B√ľhne. Dieser Vorfall m√ľsse von psychologischer Seite bearbeitet werden. Sophie br√§uchte dringend die Unterst√ľtzung eines Psychologen. Dieses h√§tte nichts mehr mit pupert√§rem Verhalten zu tun.
Nach ca. einer Stunde wurde Sophie

endlich hereingebeten. Als Sophie eintrat, waren alle Augen auf sie gerichtet.¬†Sie sp√ľrte die Spannung im Raum.¬†Schilderte nochmals den Vorfall, wie sie ihn erlebt hatte. Auf die Frage, ob ihr beleidigendes Verhalten etwas mit dem Piktogramm zu tun h√§tte, wurde von Sophie verneint. Ihr Verhalten h√§tte einfach damit zu tun, wie Frau Hunasch sich gegen√ľber den Sch√ľlern √§u√üerte.
Frau Hunasch meinte dazu, dass h√§tte Sophie alles falsch verstanden. Au√üerdem w√ľrde sie sowieso die Unwahrheit sagen.
Sophie sp√ľrte wie ihr Adrenalin in die H√∂he schoss. Innerlich war sie aufgebracht. Trotzdem erz√§hlte sie im

ruhigen Ton weiter. Es war auch die Anwesenheit von uns, die ihr die Kraft dazu gab, weiter zu sprechen und nicht aufzugeben.
Mit ruhiger Stimme redete sichalles von der Seele.

Ihre Mitsch√ľlerinnen Soanne und Franziska kamen ganz verst√∂rt und verheult in der Klassenraum zur√ľck, gefolgt von Frau Hunasch. In der Klasse herrschte absolute Stille. Keiner meiner Klassenkameraden hatte den Mut etwas zu sagen, alle haben nur weg geschaut. Wie so oft schauen die Menschen in unserer Gesellschaft einfach weg Das Gef√ľhl von Ungerechtigkeit, welches in mir aufkeimte, wollte und konnte ich

nicht unterdr√ľcken. Deshalb habe ich das Verhalten von Frau Hunasch kritisiert und nicht die Person.

Sophie f√ľhlte sich innerlich sehr angespannt, das sah man ihr deutlich an. Aber diese l√∂ste sich langsam. "Frau Hunasch was k√∂nnen Sie zu der Schilderung von Sophie sagen," fragte Frau Heck-Blume. Nur soviel. Sophie ist nicht ehrlich und ihre Fantasie geht mit ihr durch. Ich denke nach wie vor, dass sie mich wegen des Piktogramms als alte Sau bezeichnet hat. Igor konnte es nicht mehr mitanh√∂ren. Es ist wohl ein Unterschied, ob man die Person oder das Verhalten einer Person

kritisiert. Au√üerdem, er wollte gerade weiterreden, gab es einen Knall. Frau Hunasch sprang auf, der Stuhl fiel zu Boden und sie rannte zur T√ľr. Sie schrie nur alles L√ľgen und Intrigen. Der ganze Vorfall war nicht so, wie Sophie ihn wiedergibt. Sie riss die T√ľr auf und verlie√ü ohne sich umzudrehen den Raum.¬†

Sophie war einst die Lieblingssch√ľlerin von Frau Hunasch gewesen. In Kunst und Gestalten hatte sie eine Note 1. Das war nun allerdings nach diesem Vorfall Schnee von gestern
Von nun an ignorierte sie Sophie, kritisierte ihre Bilder und stellte sie in der Klasse

bloß.
Die Kunstnote stufte sie von 1 auf 4 herab. Die Verhaltensnote wurde ebenfalls auf die 4 gestuft.
Sophie war sauer und enttäuscht. Die sitzen doch immer am längeren Hebel. 

"Ach Sophie vielleicht hat alles doch einen Sinn gehabt, dass du dich f√ľr die Beiden stark gemacht hast," sagte ich Frau Hunasch blieb nicht mehr lange auf dieser Schule. Was aus ihr geworden ist, kann von uns niemand sagen.

Im Grunde interessiert es uns auch nicht mehr.

Sophie hofft nur, dass sie nicht mehr auf Kinder und Jugendliche losgelassen wird.

Neues Schuljahr


Nachdem ich Sophie nun zum dritten Mal gerufen hatte, stand sie missmutig auf und ging runter um etwas zu essen. 
Sie bekam keinen Bissen herunter.
"Wird schon gut gehen Sophie", sagte ihr Vater, "neues Schuljahr neues Gl√ľck, so oder √§hnlich."
Sophie starrte ihn an, als hätte er eben vom achten Weltwunder gesprochen.


Da stand sie nun in Ihrem Klassenraum 9b, des Augustiner-Gymnasiums. Diese Schule eingerahmt von dicken Mauern, wie bei Harry Potter. Allerdings nicht in

England, sondern in der Mitte von Deutschland, genauer gesagt in Friedberg /Hessen.

Was w√ľrde hier nun auf sie zukommen.
√úberall war Stimmengewirr, so dass man sein eigens Wort nicht verstehen konnte.
Ferienerlebnisse wurden ausgetauscht, Flirt- und Liebesgeschichten erzählt.
"Hi oder Kalimera, so heißt doch Guten Morgen auf Griechisch," sagte Nica, der freudestrahlend auf Sophie zukam. "Ja, so heißt es. Schade, dass ich kein japanisch kann, sonst hätte ich es erwidert."

"War es toll in Japan?" fragte Sophie. 

"Ja, allerdings waren die zwei Wochen definitiv zu kurz. Im Herbst fliege ich

mit meinen Eltern nochmals hin.
Weißt du, mein Vater arbeitet dort und ich möchte später auch mal dahin," erwiderte Nica.

Als die Schulglocke schlug, wie altmodisch, dachte Sophie, wo gibt es eigentlich noch eine Schulglocke, nur in diesen alten Gemäuern,
suchten sich alle einen Platz.
Auch Sophie suchte sich einen freien Stuhl. Ihr war es egal, neben wem sie saß.

Die T√ľr ging auf und Frau Flacker-Reusch, die neue Klassenlehrerin betrat den Raum.
Sophie fand sie vom ersten Moment an unsympathisch. Ihre langen, rötlichen

Haare, hatte sie zu einem Knoten zusammengebunden, was sie √§lter erscheinen lie√ü, als sie wirklich war. Warum zieht sie sich so streng an, sie k√∂nnte ihre Haare doch offen tragen. Das w√ľrde sie gleich sympathischer erscheinen lassen, dachte Sophie. Immer diese Strenge, immer diese Disziplin,¬†haupts√§chlich hier in Deutschland.

Ich bin Frau Flacker-Reusch, stellte sie sich vor, und eure neue Klassenlehrerin. Ich werde euch vor allem in Englisch und Geschichte unterrichten.

Den neuen Stundenplan stelle ich euch gleich im Anschluss vor. Ich w√ľrde vorschlagen, die Sitzordnung zu

verändern. Ich hätte gerne die Sitzordnung im Frontalunterricht.

ritzen


Es klingelte an der Haust√ľr.

Sophie machte auf und vor ihr stand Pirmin.

"Hi, warum hast du mir keine SMS geschickt. Das tust du doch sonst immer bevor du kommst," sagte Sophie.

"Ich muss mit dir reden," erwiderte Pirmin.

Sophie ahnte, dass er ihr etwas wichtiges zu sagen hatte. Da sah sie ihm an.

"Lass uns ungestört reden," sagte Pirmin.

Die Beiden verschwanden in Sophies Zimmer.

Nach einer Weile hörte man, dass die

Haust√ľr zugeknallt wurde.

Sophie kam schreiend aus ihrem Zimmer gerannt. "Mama, Pirmin hat Schluss gemacht." Ich nahm sie fest in den Arm. "Warum?"

"Ich weiß es nicht genau," schrie Sophie verzweifelt.

"Dann renne hinter ihm her und frage ihn, manchmal muss man √ľber seinen Schatten springen, um die Wahrheit zu erfahren," sagte ich zu ihr.

Sophie rannte hinter ihm her.

Kurze Zeit sp√§ter kam sie niedergeschlagen zur√ľck. "Er hat es mir nicht gesagt Mama. Bin ich so h√§sslich, dass er mich verl√§sst," schluchzte sie.

Sophie erfuhr es leider erst viel später,

warum Pirmin sie verlassen hatte. Er hatte durch sie herausgefunden, dass er mehr auf Männer stand.

F√ľr Sophie war eine Welt zusammengebrochen. Sie zweifelte an sich selbst und verschaffte sich Erleichterung in dem sie anfing sich zu ritzen.

Die Klinge bedeutet Freiheit


Sophie f√ľhlte sich in der Klasse nicht wohl. Der Druck in ihr stieg.
Manchmal empfand Sophie ihr Leben als ein Zimmer ohne T√ľren und Fenster. Es war ein Zimmer aus dem es kein entrinnen gab.

Sie dachte an Pirmin. Ich bin nicht schön, sonst wäre er nicht gegangen.

Er hat bestimmt eine neue Freundin. Diese sieht besser aus als ich und ist intelligenter. Ich bin es nicht wert geliebt zu warden.

"Mama ich kann nicht mehr," sagte sie immer √∂fters, als sie m√ľde und ersch√∂pft

am Nachmittag, nach achtst√ľndigem Unterricht, nach Hause kam.
"Aber Schatz, du gehst doch erst seit drei Woche da hin," sagte ich. Aber ich sah, dass Sophie am Ende war.

Ich wusste mir keinen Rat, wie ich ihr helfen sollte.

Sophie schloss sich immer √∂fters im Zimmer ein. Den Nachmittag, nach der Schule, schlief sie meistens. Sie hatte keinen Antrieb mehr √ľberhaupt etwas zu tun.
"Ich geh da nicht mehr hin Mama", sagte Sophie. " Die Lehrer sind echt schei√üe. Die bauen einen Druck auf und sprengen die Klassengemeinschaft. Alles was wir m√ľhevoll aufgebaut haben, wird zunichte

gemacht. Anscheinend lautet das Motto nur noch, jeder gegen jeden und nicht gemeinsam sind wir stärker. Wer braucht das," schrie Sophie mittlerweile ziemlich aufgebracht.
Auch nachts fand Sophie keine Ruhe mehr. Sie träumte von Engeln, Seelenfrieden, Blut und Tod. Morgens wachte sie schweißgebadet
auf.
"Mir will oder kann keiner helfen," sagte sie zu sich selbst. "Ich will frei sein," schrie sie ganz laut, dann schnitt sie zu. Erst leicht, dann immer fester. Sie sp√ľrte das kalte Metall der Rasierklinge. Es war ein triumphierendes Gef√ľhl.
Ein Gef√ľhl Herrscher √ľber sich selbst zu

sein.
Sophie f√ľhlte wie ihre Adern klopften und das Blut vom Handgelenk tropfte. Ihr linkes Handgelenk f√ľhlte sich irgendwie fremd¬†an, aber es tat gut. Der Druck sank langsam ab. Sie f√ľhlte sich frei, wie schon lange nicht mehr.
Ihr Unterbewusstsein sgnalisierte ihr, dass der Arm bzw. das Handgelenk verbunden werden musste, sonst w√ľrde sie verbluten.
Sie kam zu mir gelaufen, ich wurde kreidebleich als ich sah, was Sophie getan hatte. "Es ist nicht so tief, wir m√ľssen deshalb nicht ins Krankenhaus fahren," sagte ich. Sophie bemerkte, wie ich zitterte, als ich ihr den Verband

anlegte. 

Sophie hatte einen Weg gefunden, um sich innerliche Freiheit zu verschaffen, auch wenn dieses Gef√ľhl nicht sehr lange anhielt. Sie schaltete ihre Gedanken aus und schnitt immer √∂fter. Es war wie eine Art Zwang, dem sie nicht wiederstehen konnte und somit ritzte sie sich immer h√§ufiger.

Wir bem√ľhten uns einen Therapieplatz f√ľr¬†Sophie zu finden. Dieses gestaltete sich schwieriger als erwartet. Tut uns leid, wir haben erst in sechs Monaten einen Therapieplatz frei, dieses oder √§hnliches bekamen¬†wir zu h√∂ren.
Die Kinder- und Jugendtherapeuten waren restlos ausgebucht.

Hätte ich nur mehr mit ihr geredet, ihr Mut zugesprochen. Vielleicht hätte ich mehr zwischen den Zeilen lesen sollen. "Glaubst du, dass es unsere Schuld ist,"

fragte ich meinen Mann. Igor starrte mich an. "Ich glaube nicht, dass es an uns liegt Elena," sagte er.

Sie h√§tte keine Hilfe angenommen. Das Beste oder besser gesagt das Richtige wird wohl sein, wenn wir die Schule wechseln," sagte er. "Vielleicht ist das wirklich die einzige M√∂glichkeit, die uns momentan zur Verf√ľgung steht um Sophie zu helfen," erwiderte ich.

"Statt das Beste zu tun, m√ľssen wir manchmal entscheiden, das Richtige zu tun," meinte Igor. Aber wo ist da der

Unterschied. "Das Beste ist das, was du meinst, was getan werden sollte. Das Richtige ist das, was getan werden muss," sagte Igor.
"Wenn ich bedenke, wie oft wir schon in dieser Schule waren, hinter diesen dicken Mauern. Wie oft hatten wir um Hilfe gebeten. Aber wir haben keine bekommen. Es ist eher alles noch schlimmer geworden. Wei√üt du noch, wo der Rektor dich an der Arbeit angerufen hatte und dir drohte, wenn wir nicht bald einen Therapieplatz f√ľr Sophie finden, w√ľrde er das Jugendamt einschalten. "Was f√ľr ein Schwachsinn," √§u√üerte Igor. "Ich hatte eher den Eindruck, dass die dort alle mit der Situation etwas

√ľberfordert sind. Zumal Sophie auch kein Einzelfall ist, es gibt noch sehr viel mehr Jugendliche auf der Schule, welche ritzen," sagte Igor.

"Woher weißt du das". 

"Sophie hat es mir erzählt," erwiderte Igor.

Der Rektor war sogar der Meinung, wir sollten Sophie in die Psychatrie einweisen. Als ob man die Seele in einer Klinik heilen k√∂nnte. Ich wei√ü nicht was diese Menschen f√ľr Vorstellungen haben.

"Ich habe keine Lösung, wen soll ich noch um Hilfe bitten," jammerte ich verzweifelt.

Was haben die Lehrer eigentlich gegen

mich. Sophie schaute sich im Spiegel an. Was sie sah war ein Mädchen, groß, schlank, mit blauen Augen und bunten langen Haaren.
Ich passe nicht in das festgelegte Bild dieser Schule. Immer in das Raster passen, keinen Zentimeter davon abweichen. Sie kennt noch einige, die ebenfalls nicht in dieses Raster passen. Die ihre sexuellen Gef√ľhle zu gleichgeschlechtlichen Personen geheim halten. Andere die kiffen oder heimlich Shisha rauchen. Wenn die Schule das w√ľsste, w√ľrden sie einen hohen Preis daf√ľr bezahlen m√ľssen.


Das grosse Ziel als Klassensprecherin


Sophie lie√ü sich zur Wahl als Klassensprecherin aufstellen. Das Bed√ľrfnis, den sozialen Zusammenhalt in der Klasse zu f√∂rdern, war f√ľr sie wichtig, Au√üerdem brauchte sie Best√§tigung. Sie erhoffte sich dadurch auch Anerkennung von den Lehrern zu erhalten. Die √∂ffentliche Schikane, welche sie jeden Tag ausgesetzt war, lies nicht nach. Ihre bunten Haare waren immer wieder Ansto√ü, sie an den Pranger zu stellen. Es folgten auch Kommentare, wie siehst du denn heute wieder aus oder so etwas wie dich, hat uns hier noch

gefehlt. Man wollte Sophie weg mobben.

Sie passte nicht in das Bild, welches sich die Schule hinter dicken Mauern, m√ľhsam aufgebaut hatte.

Sophie wurde zur Klassensprecherin gewählt.

Sie brauchte diesen Status, diese Rolle.

Da dieses allerdings eine Seifenblase war, die irgendwann zu platzen schien, w√ľrde sie bald erfahren m√ľssen.

Sie f√ľhlte sich wohl in dieser Position.

Zumal Sophie ein Mensch war, die gerne in andere Rollen schl√ľpfte. Deshalb spielte sie auch in der Theater AG des Augustiner Gymnasiums mit. Sie liebte es andere Pers√∂nlichkeiten zu imitieren. Vor allem liebte sie es, selbstbewusste

Rollen zu spielen. Niemand merkte es, dass darunter ein junger Mensch war, der sich nach Anerkennung sehnte. Diese Rollen spielte sie mit bravour.

Ihre Position als Klassensprecherin lie√ü sie aufbl√ľhen. Sie verbrachte sehr viel Zeit damit,¬†Informationszettel, Brosch√ľren usw. f√ľr die Schulsprecher Wahl zu verteilen. Den Unterricht vers√§umte sie immer √∂fters. Sie war einfach froh, wenn sie nicht anwesend sein musste. Dieses spiegelte sich in ihren Arbeiten wieder. Ihre Noten wurden schlechter. Au√üerdem wurden ihre Klassenarbeiten von den Lehrern schlechter bewertet, im Vergleich zu ihren Mitsch√ľlern. Das konnte Sophie

auch ganz leicht beweisen. Da ihre Tischnachbarin die komplette Geschichtsarbeit von ihr abgeschrieben hatte und im Notenspiegel mit einer glatten Note besser, als Sophie bewertet wurde. 

Sophie sprach mit dem betreffenden Lehrer dar√ľber. Dieser meinte nur: "Das glaubt dir sowieso niemand, dass ich deine Mitsch√ľlerin besser benote als dich." Damit stand Sophie mit ihrer Meinung alleine da. Ihre Mitsch√ľlerin wollte sie nicht blo√ü stellen.

Das Verhältnis zu ihren Schulkameraden wurde mit der Zeit ebenfalls immer schlechter, sie wurde immer unbeliebter. "Leg dich nicht immer mit den Lehrern

an, das bringt uns nur Nachteile," schrien sie Sophie an. Sie merkte, dass der moralische Kompass ihrer Mitsch√ľler in eine andere Richtung ging, als ihr eigener.

Es gab keinen Zusammenhalt mehr. Die Sch√ľler, welche der gleichen Meinung waren wie Sophie, hatten keine Stimme oder es h√∂rte ihnen keiner zu. Sophie f√ľhlte sich immer mehr im Stich gelassen.

Auf dem Schulhof war sie meist alleine.

Alle machten einen großen Bogen um Sophie. Nur nichts mit der zu tun haben, sonst bin ich der Nächste, den sie auf dem Kicker haben.


KlassenGemeinscHaft


Sie ging in Gedanken zur√ľck und erinnerte sich noch gut, wie sie sich vor einem Jahr in dieser Schule gef√ľhlt hatte. In der achten Klasse, bekamen sie Herrn Bunter, als neue Klassenlehrer. Er unterrichtete Kunst und Erdkunde.
Vom ersten Tag an hatte sie den Eindruck, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Sophies Leidenschaft war Kunst. Sie malte schon seit sie 5 Jahre alt war. Sie besuchte Kunstkurse. Malte nach Klee, Kandinsky, Macke, Chagall um nur einige zu nennen. Alle ihre Bed√ľrfnisse dr√ľckte sie in ihren Bildern

aus. Sie erstellte Collagen und Skulpturen.
Bei Herrn Bunter konnte sie ihre Kunst ausleben und sie wurde von ihm gefördert. Er hatte die besondere Fähigkeit, Stroh zu Gold zu spinnen, sprichwörtlich gesehen. 

Er f√∂rderte die St√§rken der Sch√ľler. Das Ergebnis war, dass auch die Schw√§cheren viel besser wurden.

Er ging mit Ihnen auf Kunstausstellungen. Machte sie mit K√ľnstlern bekannt. Die Klasse durfte f√ľr die Theatergruppe die Kulissen malen.
Sie bekamen Eindr√ľcke in die moderne Malerei.
"Sophie, du musst aus deiner Kunst noch

mehr machen. Entwickele deinen eigenen Stil, du hast es echt drauf," sagte Herr Bunter. 

Sophie bl√ľhte auf, wie eine Blume, welche von den ersten Sonnenstrahlen ber√ľhrt wurde. Sie entwickelte Selbstbewusstsein, f√ľhlte sich kraftvoll und verstanden. Sie bekam Anerkennung von ihren Mitsch√ľlern, sie wurde zu L√∂sungen bei Problemen gefragt, gewann Freunde. "Sophie kannst du mir ein Abi Plakat malen, meine Schwester hat n√§chstes Jahr ihr Abitur."¬†

"Malst du ein Portrait von mir," fragte ein Anderer.
Morgens wurde sie mit einem lautstarken hallo begr√ľ√üt. Hat du heute Nachmittag

was vor. Gehen wir Eis essen. F√ľr Sophie war es ein geiles Gef√ľhl, so beliebt zu sein. Sie war motiviert und gl√§nzte durch gute Noten.
Es war ein starker Zusammenhalt in der Klasse.Vorher gab es immer nur einzelne Cliquen. Die Jungen ärgerten die Mädchen. Die Mädchen hänselten die Jungen. Einer verletzte den Anderen mit Worten oder Taten. Diese Zeiten waren vorbei. Herr Bunter hatte es geschafft, eine Gemeinschaft in dieser Klasse zu schaffen, die vorher nicht denkbar gewesen wäre.

Kunst auf alten Mauern


Sophie fing an Ihren eigenen Kunststil zu entwickeln. 

Er muss das ausdr√ľcken, was ich empfinde, was ich f√ľhle.

Diese Stimme wurde immer deutlicher. In ihrem Kopf entstanden immer konkretere Bilder. Es sollten Menschen sein. Lebensgro√ü mit schwarzer und wei√üer Farbe gemalt. Diese sollten √ľberall sichtbar sein. Kunst f√ľr jeden zug√§nglich machen, war ihr Motto. Am besten

eigneten sich alte Mauern, zerfallene Geb√§ude, Stromk√§sten und Br√ľcken. Sie

fing an verschiedene Techniken auszuprobieren. Sprayen lag ihr nicht so. Obwohl sie es bewunderte wie Street Art K√ľnstler gro√üfl√§chige W√§nde professionell gestalteten.

Sie malte auf Tapetenresten lebensgroße Menschen. Diese brachte sie dann in der ganzen Stadt an. Das tat sie heimlich in der Nacht. Manchmal dauerte jede Aktion 2-3 Stunden. 

Es durfte ja keiner sehen.
Sie bekam immer neue Ideen, wie sie ihre Street Art gestaltete. Mädchen die fliegende Herzen auffingen. Mädchen und Jungen in Liebe vereint. Ein anderes Mädchen, lief ihrem Traum hinterher. Die Figuren wurden immer lebendiger.

Viele davon waren in Bewegung. Sophie fand sich in ihren Werken wieder. Ja, das ist mein Stil. Ihre Werke wurden oft von anderen Menschen bewundert. Manche stellten sie ins Internet und schrieben positive Kommentare dazu. 

Einmal kam Sophie nach Hause und rief schon von weitem, "Mama meine Street Art ist in der Zeitung." Tatsächlich der Titel lautete, die Schöne im Tunnel. 


Einige Projekte waren abgebildet z. B. ein M√§dchen, welches in den Spiegel schaute und sich fragte, Who am I. Ein anderes Bild zeigte ein M√§dchen mit Fl√ľgeln. Sophie konnte ihr Gl√ľck kaum fassen. Sie lass den Text laut vor, welcher unter den Bildern gedruckt war. Endlich mal eine andere Art von Kunst. Keine Schmierereien und unprofessionelle Grafittys, sondern k√ľnstlerische Arbeit. Endlich wird dem Beton und den Mauern Leben eingehaucht. Hoffentlich wird die unbekannte K√ľnstlerin oder unbekannter K√ľnstler unsere Stadt noch mit anderen wundersch√∂nen Street Art Projekten

begeistern. Vielen Dank daf√ľr.


Herr Bunter war begeistert. Sophie hatte es im gepostet. 

Er meinte aber auch: "Sophie achte darauf, dass es dir etwas bedeutet, nicht weil andere dich √ľberzeugen wollen."

Er präsentierte das Projekt, der Klasse.

"Ihr habt eine richtige K√ľnstlerin unter euch," sagte er voller Stolz.¬†

Viele Mitsch√ľler gratulierten Sophie f√ľr ihr gelungenes Projekt. Andere waren neidisch und lie√üen es Sophie sp√ľren. Das machte ihr allerdings nichts aus. Sie hatte ihren Stil gefunden. Das Projekt sprach sich in der Schule wie ein Lauffeuer herum. Viele Oberstufensch√ľler waren pl√∂tzlich interessiert an Sophies Kunst.¬†

Das tat ihr richtig gut.
Sie¬†recherchierte im Internet nach Street Art K√ľnstler, wie zum Beispiel N√§geli oder Bansky. Sie studierte ihre Biographien. Wie waren sie zur Malerei bzw Street Art gekommen. Sophie

verbesserte und erweiterte ihre Technik. F√ľr Sophie stand fest, Kunst ist ihre Leidenschaft, ihr Zugang zur Seele.

Sie unternahm viel mit ihren Mitsch√ľlern. Fast jeden Tag war ein Anderer bei ihr zu Gast. Sie gingen gemeinsam ins Kino, ins Schwimmbad und manche halfen ihr bei den Street Art Projekten. Sie unterst√ľtzten sich gegenseitig bei den Hausaufgaben, bereiteten sich gemeinsam auf Klassenarbeiten vor. Wenn Kritik ge√ľbt wurde, dann immer rein sachlich, nie pers√∂nlich. Die Klasse 8b war die Vorzeigeklasse des Gymnasiums. Sogar den Jungen und M√§dchen in der Oberstufe wurde von den Lehrern gesagt,

nehmt euch mal ein Beispiel am Sozialverhalten der 8b.

Viele von der Klasse wurden sogar als Streitschlichter eingesetzt.

Der Druck steigt


Es war eine tolle Zeit,¬†mit Wehmut¬†dachte Sophie daran zur√ľck. Wenn sie nur Herrn Bunter, als Klassenlehrer behalten h√§tten, dann w√§re alles anderes gekommen. Aber leider¬†fielen die F√§cher Kunst und Erkunde in der neunten Klasse weg. Deshalb hatten sie Herrn Bunter nicht mehr als Klassenlehrer.

Wir als Eltern redeten mit Sophie, dass es wohl besser wäre, die Schule zu wechseln. Aber Sophie wollte nicht. Den Status als Klassensprecherin wollte sie nicht aufgeben. 

Ihr gesundheitlicher Zustand verschlimmerte sich immer mehr. Sie wurde immer d√ľnner, hatte dunkle R√§nder unter den Augen. Ihre helle Haut, hatte den Anschein, als bestehe sie aus Glas. Alles an ihr wirkte zerbrechlich.

"Elena, wir werden am besten den Schulpsychologischen Dienst um Hilfe bitten," meinte Igor. "Vielleicht können die mit der Schulleitung reden."
Einen Termin hatten wir relativ kurzfristig bekommen. Alle schöpften Mut, als Dipl. Psychologe Renzin sagte, er hätte so etwas schon öfters erlebt und meistens hätte es eine Verbesserung der Situation gegeben.

Er wollte mit dem Rektor des Augustiner Gymnasiums einen Termin vereinbaren. Sobald er n√§here Informationen h√§tte, w√ľrden wir Bescheid bekommen.

Es¬†kam aber keine R√ľckmeldung. Auch nach mehrmaligem Nachfragen, kam keine Stellungnahme.¬†

Vier Wochen sp√§ter erhielten wir eine E-Mail, dass Herr Renzin, leider nichts f√ľr uns tun k√∂nnte.

Diese wurde nicht von Herrn Renzin, sondern von dessen Vorgesetzten geschrieben. Unser Anliegen haben wir auch dem hessischen Kultusministerium mitgeteilt. Aber auch dieses verwies uns auf das staatliche Schulamt. Die Vermutung lag sehr nahe, dass eine

Krähe einer anderen kein Auge aushackt.

Lehrer sind halt wie √Ąrzte, G√∂tter nur nicht in weis.
Das Ritzen bei Sophie ging weiter. Es gab ihr die n√∂tige Freiheit. In der Schule wurde das nat√ľrlich bemerkt. Aber anstatt ihr zu helfen, kamen von den Lehrern, nur herablassende Kommentare. Schneid dir doch ganz die Pulsadern auf oder spring doch gleich aus dem Fenster. Ja, jetzt weinst du wieder, anscheinend musst du aus allem ein Drama machen. Glaube blo√ü nicht, nur weil du dich ab und zu ritzt, macht dich das zu etwas besonderem. Vielleicht ist es ja deine Art, dich in den Vordergrund zu spielen.

Die Lehrer hatten sich so auf Sophie

eingefahren. Sie wurde entweder blo√ügestellt oder generell √ľbersehen. Die schwierigsten Fragen wurden an sie gerichtet, obwohl die Lehrer¬†wussten,¬† dass Sophie diese¬†nicht beantworten konnte. Von den Mitsch√ľlern wurde sie als Versarger bezeichnet, au√üerdem sei aufm√ľpfig und arrogant.

THerapieplaTz


Sophie bekam nach vier monatiger Wartezeit, endlich einen Therapieplatz. Einmal in der Woche konnte sie alle Ihre Gef√ľhle, √Ąngste und Probleme herauslassen. Sie lernte wie sie an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten musste. Wie sie dieses zarte Pfl√§nzchen gie√üen sollte. Es brauchte Sonne, um gr√∂√üer und fester zu werden, damit es den St√ľrmen des Lebens stanh√§lt.¬†

Es war ein steiniger Weg f√ľr Sophie. Aber das Pfl√§nzchen wuchs und bekam Bl√§tter und Bl√ľten. Es hat sich von der Sonne w√§rmen und vom Regen berieseln

lassen. Der Boden auf dem sie sich bewegte war zwar immer noch sehr wacklig und steinig, aber er war wieder vorhanden.

"Papa, "ich will diese Schule verlassen." "Was ist denn mit deiner Funktion als Klassensprecherin,"¬†meinte Igor. "Die wollten mich abw√§hlen, deshalb bin ich vorher freiwillig zur√ľck getreten," antwortete Sophie. "Wei√üt du Papa, das haben die ganz geschickt eingef√§delt. Die Abstimmung mich abzuw√§hlen, fand statt, wo ich krank war und ich mich sowieso nicht wehren konnte."

"Aber das ist doch nicht rechtens," sagte Igor. "Papa was war in der letzten Zeit schon richtig an dieser Schule." Igor

dr√ľckte Sophie ganz fest an sich.¬†"Du hast das mit dem R√ľcktritt clever gemacht", sagte¬†Igor stolz. "Somit konntest du dein Gesicht wahren."

"Ja, die Luftblase ist endg√ľltig geplatzt und ich kann auch nicht mehr," schluchzte Sophie verzweifelt. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, was in der Klasse abging."
"Doch ich kann es mir vorstellen, ich bin jahrelang an meiner Arbeitsstelle gemobbt worden. Anscheinend ist das in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung. Es muss immer Menschen geben, die sich √ľber andere stellen, um ihr eigenes Image aufzupolieren. Deshalb weis ich genau was du gerade

durchmachst. Ich sehe den Schulwechsel als gro√üe Chance und einen Neubeginn f√ľr dich," sagte ihr Vater.
"Am besten machen wir schnellstens einen Termin mit deinem Rektor und besprechen den Vorschlag. Vielleicht kann er uns ja helfen einen Platz an einer anderen Schule zu finden.

Hast du schon eine Idee auf welche Schule du m√∂chtest." "Auf ein Gymnasium," meinte Sophie. "Wirklich, hast du dir das auch gut √ľberlegt. G8 ist keine leichte Sache, du hast es doch selbst zu sp√ľren bekommen," meinte¬†Igor erstaunt. "Ich bin doch nicht bl√∂d, diese Schule h√§tte ich auch geschafft, wenn man mir das Leben nicht zur H√∂lle

gemacht hätte und mich so angenommen hätte, wie ich bin."

Sophie f√ľhlte sich erleichtert, dass sie endlich eine Entscheidung getroffen hatte.
Sie wartete erst gar nicht ab, bis wir  einen Termin mit dem Rektor vereinbart hatten, sondern sie ging am nächsten Morgen gleich zu ihm und teilte diesem die Entscheidung mit. "Sophie, wenn du dich beeilst und zu meiner Kollegin Frau Wese, auf die Henry-Benrath-Gesamtschule gehst, kannst du vielleicht schon am Ende der Woche unsere Schule verlassen," sagte der Rektor. Sophie rief mich an der Arbeit an. "Mama, der Rektor war der Ansicht ich sollte sofort

zu Frau Wese, Rektorin, der Henry-Benrath-Gesamtschule gehen und mit ihr reden. Vielleicht kann ich schon am Ende der Woche die Schule wechseln," rief Sophie aufgeregt in ihr Handy. "Lass dass Sophie, alleine unternimmst du gar nichts. Warte bitte ab, bis wir mit Frau Wese einen Termin vereinbart haben," sagte ich aufgebracht. Ich war außer mir, wie konnte der Rektor nur so etwas sagen, anscheinend wollte er so schnell wie möglich ein Problem weniger haben. 

Sophie ging trotzdem zu Frau Wese. 

Diese schaute ganz entgeistert, als¬†Sophie sagte, sie wolle auf den Gymnasialen Zweig wechseln. Sie sch√ľttelte den Kopf und erwiderte,

dass¬†sie jetzt keine Zeit h√§tte und ein Schulwechsel w√ľrde generell nur zum Ende eines Schulhalbjahres stattfinden.
Sophie fing an zu weinen und war verzweifelt. H√§tte sie nur auf ihre Mutter geh√∂rt und w√§re nicht hingegangen. Warum mache ich immer wieder alles falsch.¬†Zur√ľck in die Schule gehe ich nicht mehr, sie lief nach Hause. Getrieben von Wut und Hass auf sich selbst. Sie sp√ľrte wieder diese Ohnmacht und Hilflosigkeit. Es war keiner da mit dem sie reden konnte. Ihre Mutter war an der Arbeit, genauso wie ihr Vater. Obwohl Mama gesagt hatte, dass sie immer anrufen k√∂nne, egal ob sie an der Arbeit war oder nicht. Diese Bl√∂√üe

wollte sie sich nun auch nicht geben.¬†Sie f√ľhlte sich mit ihrem Leben und der Welt √ľberfordert. Ihre Gedanken kreisten. Sie kam von den Gedanken des Ritzens nicht mehr los. Konnte sich nicht mehr beruhigen und der Druck stieg. Sie schien innerlich f√∂rmlich zu explodieren. Sophie nahm die Klinge und sp√ľrte ihre K√ľhle. Sie schnitt ganz langsam. Einmal, zweimal, sie schnitt ganz bewusst. Sie sah das Blut. Es befriedigte sie. Der Druck verschwand. Sie sp√ľrte wie die Endorphine freigesetzt wurden. Sie war gl√ľcklich. Den Schmerz sp√ľrte sie nicht, er war nicht vordergr√ľndig. Sie verband professionell ihre Wunden. Darin war sie schon ge√ľbt. "Endlich frei," sagte sie zu

sich selbst und legte sich auf das Bett. Uns erz√§hlte sie davon schon lange nichts mehr. Sie isolierte sich auch zunehmend von ihren Freunden. So musste sie mit ihren Gef√ľhlen und Widerspr√ľchen mehr oder weniger alleine klar kommen. Sophie konnte aus Ihrer Haut nicht heraus. Diese Isolation machte einsam und verdammt still.
Immer √∂fters machte sich bei Sophie des Schamgef√ľhl breit. Wieder versagt zu haben, dem Druck nicht anders begegnen zu k√∂nnen.
Wieder diesem Zwang der Selbstverletzung zu verfallen. Immer dieser Teufelskreis aus dem es kein entrinnen gab.


Klassenfahrt


Es stand die Klassenfahrt nach Stuttgart an.

Igor und ich waren voller Hoffnung, dass die Klassenfahrt den Kontakt zu den Klassenkameraden verbessern w√ľrde. Aber der Schein tr√ľgte.

Sophie hatte sich einen Plan ausgedacht, wie sie die Klassenfahrt f√ľr sich verk√ľrzen k√∂nnte. Sie konnte und wollte mit ihren Mitsch√ľlern keinen Kontakt mehr haben.

Sie hatte sich bewusst eine Klinge eingepackt und gut in ihrem Koffer versteckt. Jetzt musste sie nur noch auf

die beste Gelegenheit warten, dann w√ľrde sie es tun und mit etwas Gl√ľck am n√§chsten Tag schon wieder mit dem Zug zur√ľck nach Hause fahren.

Sie wollte nicht mit auf diese Klassenfahrt. In Stuttgart ereignete sich dann eine Situation mit der Sophie nicht mehr zu Recht kam.

Am zweiten Tag sprach sie ein fremder Mann mitten in Stuttgart an und machte anz√ľgliche √Ąu√üerungen. Wie hei√ü sie aussehe, sie w√§re doch bestimmt schon achtzehn, er w√ľrde auch gut bezahlen. Sophie kam damit nicht zurecht und es war auch keiner da, dem sie sich anvertrauen konnte. Sie schenkte anfangs den Spr√ľchen von diesem Typen keine

Aufmerksamkeit. Aber dieses Erlebnis lie√ü sie nicht los. Zuerst konnte sie¬†sich noch ein bisschen davon ablenken.¬†Aber als die¬†Sch√ľler dann alle auf ihren Zimmern waren, wurde die Stimme in ihrem Kopf lauter und lauter. Sie zog die Klinge aus ihrem Geldbeutel und schloss sich in der Zimmertoilette ein. Sie war allein in einem kleinen isolieren Raum. Alles war still um sie, zu still. Ihr Herz pochte so laut. Sie nahm die Klinge und schnitt drauf los. Es war schon lange nicht mehr so harmlos wie am Anfang. Nein!¬†

Denn irgendwann gewöhnt man sich an den Schmerz. Sie liebte diesen Anblick von Blut, welches an ihrem Arm

herunterlief. Es ist so sch√∂n k√ľhl und irgendwie faszinierend. Aber dann wachte sie¬†wie aus einer Trance auf. Sie bekam Panik, es war kein Spiel mehr. Sie wickelte¬†Klopapier um die Wunde. Ganz¬† viele Schichten, denn das Blut drang schneller und schneller durch. Sie st√ľrzte aus der Toilette und starrte in die erschrockenen Augen ihrer Zimmergenossinen. Sie mochten sich nicht wirklich, aber jetzt brauchte Sophie Hilfe. "Ich muss ins Krankenhaus," schrie sie v√∂llig verst√∂rt. Die drei M√§dels schauten Sophie unverst√§ndlich an. Da riss sie das Klopapier von ihrem¬†Arm. "Warum tust du so etwas"? fragten sie best√ľrzt. Sie bewegten sich

aber keinen Meter von der Stelle. Alle standen da wie angewurzelt. Sophie suchte sich selbst Hilfe.¬†Sie st√ľrmte auf den Flur. Ihr wurde ganz schwindelig. Sie rannte zum Zimmer¬†der Klassenlehrerin und h√§mmerte mit der Faust dagegen. Frau¬†Flacker-Reusch machte einen genervten Eindruck als sie die T√ľr √∂ffnete. Aber als¬†sie¬†Sophies Arm sah, verflog dieser sofort und sie¬†legte ihr, ohne ein Wort zu sagen einen schnellen Druckverband an.¬†Wir fahren ins Krankenhaus, die Wunde muss desinfiziert werden. Sophie nahm nicht sonderlich viel wahr. Es wurde nur hektisch telefoniert. Nach langem Warten, kam endlich das Taxi, welches

sie zum Krankenhaus brachte. Nach einer Stunde und trotz des Druckverbandes, floss immer noch das Blut¬†aus ihren Schnittwunden¬†heraus. Frau Flacker-Reusch versuchte mit Sophie ein Gespr√§ch zu beginnn, um zu erfahren warum sie das getan hatte. Aber nein mit mir nicht, mein Vertrauen¬†k√∂nnen sie nicht mehr gewinnen auch nicht in so einer g√ľnstigen Situation, dachte Sophie. Sie wird nie erfahren was in meinem Kopf vor sich geht. Sie wird das Wissen nur ausnutzen. Also schwieg sie.¬†Sophie wurde in das Behandlungszimmer gerufen. Der Arzt reinigte¬†die Wunden und redete dabei mit mir. Er bot¬†ihr an, die restlichen Tage der Klassenfahrt in

einer¬†Psychiatrie zu verbringen.¬†Sie konnte sich nicht entscheiden. Einerseits wollte¬†Sophie weg von diesem ganzen Mist. Andererseits aber hatte¬†sie schon viel negatives √ľber solche Kliniken geh√∂rt. Deshalb entschied sie sich, weiterhin an der Klassenfahrt teilzunehmen.¬†Die R√ľckfahrt zur Jugendherberge verlief relativ ruhig.¬†Frau Flacker-Reusch¬†startete noch √∂fters den Versuch Sophies Vertrauen zu erlangen, aber Sophie hatte innerlich schon dicht gemacht.¬†
Frau Flacker-Reusch, rief am gleichen Abend noch bei uns zu Hause an. "Hier ist Frau Flaker-Reusch, die Klassenlehrerin von ihrer Tochter. Ich

bin völlig außer mir, Sophie hat sich geritzt." "Wie ist das passiert", schrie Igor. Er rang mit seiner Fassung. "Ich kann nur so viel sagen, dass Sophie sich auf der Toilette geritzt hat. Dann ist sie zu mir gekommen und hat mir die Wunde gezeigt. Wir waren im Krankenhaus, dort ist sie ärztlich versorgt worden." "Ja, aber warum hat sie das gemacht", schrie Igor verzweifelt in das Telefon. Es kam keine Antwort. "Hallo sind sie noch da, kann ich mit Sophie sprechen."

Sie schluchzte nur: "Papa es tut mir so leid, ich will nach Hause." "Gib mir bitte noch einmal deine Lehrerin, warum hat sie das gemacht?" fragte Igor nochmals. "Ich weiß es nicht", sagte Frau

Flaker-Reusch. "Ich melde mich morgen nochmals bei Ihnen."

Igor hielt den Hrer noch lange in der Hand. Er sagt kein Wort.¬†Ich hatte alles mitgeh√∂rt. "Warum murmelte ich ganz leise, warum?" Igor hatte keine Antwort auf die Frage. "Sophie wird die 5 Tage in Stuttgart bleiben", sagte er. "Sie zieht das durch. Das werde ich Frau¬†Flacker-Reusch morgen sagen. Au√üerdem m√∂chte ich eine Antwort, warum sie das getan hat. Es sind 2 Lehrer mit auf dieser Klassenfahrt, au√üerdem 32 Sch√ľler. Irgendwer muss doch etwas gesehen haben." Ich sah es genauso, Sophie sollte diese Klassenfahrt zu Ende bringen.

Wir verbrachten eine schlaflose Nacht.

Am nächsten Morgen rief Igor Frau Flacker-Reusch an. "Ich habe mich mit der Schulleitung kurz geschlossen," sagte sie. "Sophie darf den Rest der Klassenfahrt mit den Anderen in Stuttgart verbringen."
Die Klassenfahrt ging zu Ende. Sophie kam verzweifelt zur√ľck, sie sah noch blasser aus als vorher.¬†Man sah ihr den Leidensdruck f√∂rmlich an, "Sophie," fragte ich: "Mochtest du erz√§hlen was passiert ist." Doch Sophie schwieg. Sie konnte und wollte es nicht sagen, warum sie sich geritzt hatte.
Von Frau Flacker-Reusch und Herrn Beier, welche die Klassenfahrt begleitet hatten, kam nie eine

Stellungnahme.
Was tatsächlich passiert ist, haben wir dann einige Wochen später erfahren. Sophie hatte alles mit ihrem Psychologen besprochen. Der Bericht wurde uns zugestellt.

Nach diesem Vorfall, wurde die Schule f√ľr Sophie noch schlimmer. Die Lehrer lie√üen sie sp√ľren, dass sie so etwas nicht tolerieren und akzeptieren.¬†Sie lie√üen Sophie wissen, wer am l√§ngeren Hebel sa√ü. Als sie im Sportunterricht versehentlich ihre Kette hatte liegen lassen und nochmals zur√ľck in die Turnhalle musste, war ihre Sportlehrerin noch im Raum. "Sophie pass ganz gut auf was du hier tust und was du sagst. Wer

hier die Macht hat, weist du ja, du jedenfalls nicht," sagte sich relativ leise, so dass es auch nur Sophie verstehen konnte. "War das eben eine Drohung," erwiderte Sophie. "Nenn es wie du willst. Ich hoffe du hast verstanden," sagte die Lehrerin grinsend.

Als Sophie nach Hause kam,¬†hielt ich sie ganz fest. Sophie fing an zu weinen. Ich sp√ľrte die Knochen unter ihrem dem T-Shirt. Wie d√ľnn sie geworden ist meine kleine Sophie, dachte ich. "Sophie, ich habe Angst dich zu verlieren. Ich habe Angst, dass es schon passiert¬†ist." Sophie hob ihren Kopf und starrte mich einen Moment lang an, dann¬†antwortete sie: " Ich habe Angst

mich zu verlieren."
Sie lief in ihr Zimmer wollte und konnte keinen mehr sehen. Sie war leer und ausgebrannt. Sie wollte weg von dieser Schule. Aber es war keiner da der ihr eine T√ľr √∂ffnete. Pl√∂tzlich fiel ihr der Spruch des Rektors ein, welcher er bei der Einschulungsfeiet in die f√ľnfte Klasse sagte. Jeder ist hier auf eignen Wunsch. Diese Schule h√§lt keinen fest. Wir sind eine Eliteschule. Jeder der diese verlassen m√∂chte, kann es tun. Wir werden ihn dabei allerdings nicht unterst√ľtzen. "Warum kann ich nicht gehen? Warum¬†gibt es keine offene T√ľr f√ľr mich. Die wollen mich doch loswerden und ich m√∂chte von dort weg.

Warum bekomme ich immer mehr Steine in den Weg gelegt."
Sie rannte auf¬†die Toilette und √ľbergab sich. Igor stand erschrocken im Flur.¬†

"Papa, was ist Gl√ľck."

Ihr Vater blickte Sophie erstaunt an. "Rein mathematisch gesehen ist Gl√ľck H=R/E, Gl√ľck gleich Realit√§t dividiert durch Erwartung. Sophie blickte ebenfalls erstaunt auf. Aber wenn du die Gleichung umkehrst, Erwartung dividiert durch Realit√§t kommt nicht das Gegenteil von Gl√ľck heraus, sondern Hoffnung." "So habe ich es noch nie betrachtet. Hast du Hoffnung, dass es einen besseren Weg gibt," Papa. "Was ist wenn die mich nicht aufnehmen? Wenn die Schule mich

nicht möchte? Wo soll ich dann hingehen?" "Das Schulamt wird uns eine Schule zuweisen." Sophie erschrack. "Eine zuweisen, das können die doch nicht machen." "Doch es ist leider so." "Verdammt nochmal," schrie Sophie, "das ist ein scheiß Spiel. "Ich komme mir wie eine Schachfigur vor, die man hin und her schieben kann, wie man möchte."

Schulwechsel


Ich versuchte schon seit einigen Wochen einen Termin mit der Rektorin der Henry-Benrath-Gesamtschule zu bekommen. Diese hatte allerdings auf die E-Mails nicht reagiert. So versuchten wir seit 4 Monaten einen Schulwechsel herbeizuf√ľhren. Alles schien schief zu

laufen. Mit dem Halbjahreszeugnis, welches Sophie in zwei Monaten bekommen w√ľrde,¬†konnte sie sich nicht bei einem anderen Gymnasium bewerben. Ihre Noten wurden schlechter. In der Schule gab sie sich nur noch ihren Tagtr√§umen hin. Die Lehrer, die bis dato

Sophie den R√ľcken gest√§rkt hatten wurden vom Rektor in ihre Schranken gewiesen.
Da Sophie immer schon der Mensch war, der die Fehler¬†meistens bei sich selbst suchte, ritzte sie immer weiter. Ihre Unterarme waren voller Narben. Sie versteckte diese auch nicht mehr. Es war ihr egal was andere dar√ľber dachten. Am liebsten w√§re ich tot. Besser tot als so weiter zu leben. Dieser Gedanke kam ihr immer √∂fters in den Sinn. "Ja, der Tod w√§re die Erl√∂sung, aber trotzdem, Angel never die," fl√ľsterte sie zu sich selbst. Wie sch√∂n w√§re es ein Engel zu sein. Mit gro√üen Fl√ľgel und ganz hell leuchtend. Nur noch das Gute zu sehen und √ľber den

Dingen zu schweben. Immer √∂fters √ľberkamen sie solche Vorstellungen. Sie fl√ľchtete damit aus der Realit√§t.
Sie hatte das Bed√ľrfnis, nein sogar den Drang, diese Tagtr√§ume in ihren Street-Art Bilden auszudr√ľcken.
Sie schaffte es aber nicht.

Die Bilder zeigten ihre Depression und ihre Angst. 

Allerdings merkte Sophie, wenn sie die Depression auf Papier brachte, sie also in das Außen manifestierte, wurde diese weniger.

Das Gleiche geschah mit der Angst.



Sophie merkte in sich, wie sie das zeichnen befreite. Immer wenn der Druck in ihr zu groß wurde, fing sie an, 

an ihren Bildern weiter zu arbeiten.

Sie kehrte ihr Inneres nach außen. 

Die Bilder wurden ausdruckstärker und

lebhafter.

Sie begriff, dass sie ihre Seele dadurch befreite und diese wurde leichter.

Die Klinge brauchte sie nicht mehr.

Dieses erf√ľllte sie mit Stolz.



Immer wieder versuchten wir als Eltern einen Termin bei der Rektorin zu

bekommen. Wir wurden abgewimmelt und vertröstet. Es war egal ob wir persönlich vorstellig wurden, per E-Mail Kontakt suchten oder telefonisch auf einen Termin hofften. 

Unverhofft kam tats√§chlich noch ein Gespr√§ch zustande. Wir drei wurden in den Konferenzraum gef√ľhrt. Anwesend waren die Rektorin, sowie die Leiterin des Gymnasialen Zweiges. Das Gespr√§ch verlief offen ohne Masken. Die Rektorin sagte: "Dass Sophie keine Chance h√§tte hier in der Schule den Gymnasialen Zweig zu besuchen. Sie w√§re von ihrer jetzigen Schule informiert worden, was f√ľr Ereignisse sich abgespielt h√§tten. Es tut mir leid, wir nehmen hier nicht jeden

auf. Bringe erst mal deine Probleme in den Griff, so dass du endlich vom Ritzen los kommst. Wir sahen uns an. Igor sagte: "Das ist Vergangenheit und gehört hier nicht mehr hin."

"Was heißt Vergangenheit", fragte die Rektorin, "wenn Sophie auf ihrem Gymnasium nicht klar kam, wie soll sie dann hier zurechkommen. Vielleicht sollte sie es mit dem mittleren Bildungsweg versuchen, vielleicht schafft sie diesen, vielleicht." "Das will ich nicht," schrie Sophie aufgebracht. "Disziplin scheinst du auch nicht zu haben", sagte die Rektorin. "Es gibt bestimmt andere Schulen, wo ihre Tochter besser aufgehoben ist." "Was

meinen sie damit," fragte Igor, "was hei√üt besser aufgehoben." "Ihre Tochter ritzt sich, meinen sie wir brauchen solche Sch√ľler." Aber, wollte Igor noch erwidern, doch die Worte blieben ihm im Halse stecken.

Ich sagte daraufhin: "Das tut Sophie nicht mehr. Sie hat andere Wege gefunden ihre Gef√ľhle auszudr√ľcken."

"So welche denn?"

"Sophie malt." "Ach ja, sie malt, und das hilft," spottete die Rektorin der Henry-Benrath-Schule.

"Wenn nur die Meinung der Anderen z√§hlt, kann man da √ľberhaupt eine Eigene haben Mama?" "Wie meinst du das." Nach meiner Meinung, bin ich

√ľberhaupt nicht gefragt worden, warum ich etwas m√∂chte und warum nicht."


Recht


Welche Möglichkeiten haben wir nun noch. Wir sind nun fast alle staatlichen Institutionen abgelaufen.
"Igor", sagte ich, "wir sind doch ein Rechtsstaat und dieser hat Gesetze. Daran sollten sich alle halten." "Ja", erwiderte Igor.
"Auf was willst du eigentlich hinaus?" Wir sollten uns einen Rechtsanwalt nehmen, das ist vielleicht unsere letzte Chance," sagte ich.
Wir kn√ľpften sehr viel Hoffnung an die Rechtsanw√§ltin. Die Gespr√§che verliefen sehr gut. Sie selber hatte ebenfalls das

Gymnasium vor Jahren als Sch√ľlerin besucht. Sie konnte sich sehr gut in Sophies Situation hineinversetzen und berichtete uns, dass sie schon einige Sch√ľler vertreten hatte, welche Opfer von Mobbing geworden waren.¬†"Einer Studie zufolge," sagte sie, "sind die Lehrer, welche Mobbing auf Sch√ľler aus√ľben, meistens selbst als Sch√ľler Mobbingopfer gewesen. Es zeuge nicht von gro√üem p√§dagogischen Wert, was Lehrer damit anrichten. Wie sie psychisch und physisch einen Menschen zerst√∂ren. Viele Sch√ľler werden damit ein Leben lang zu k√§mpfen haben, es wird bei ihnen in √§hnlichen Situationen immer die gleichen Gef√ľhle hervorrufen.

Ich kann Ihnen etwas Mut machen, das Recht haben wir auf unserer Seite. Als erstes werde ich mich mit dem staatlichen Schulamt in Verbindung setzen und um eine schriftliche Stellungnahme bitten, warum es mit dem Schulwechsel bisher nicht funktioniert hatte. Außerdem versuche ich einen Gesprächstermin mit den beiden Rektoren zu vereinbaren, damit wir zu einer Einigung kommen und der Schulwechsel noch vor dem ersten Halbjahr stattfinden kann. Ich werde Ihnen den Brief zukommen lassen, so dass sie diesen noch mal quer lesen, bevor ich diesen an das Schulamt versende."

Nach einer Woche hatten wir leider immer noch keine Stellungnahme vom staatlichen Schulamt. Eine Einigung der beiden Schulen, schien in weite Ferne ger√ľckt. Wir √ľberlegten, ob wir die √∂rtliche Presse einschalten sollten, um das Ganze √∂ffentlich zu machen. Die Anw√§ltin riet uns davon ab. Die Erfahrung habe gezeigt, dass der Sch√ľler durch solche Ma√ünahmen nur noch mehr Probleme bekommt.

Die Probleme wurden eigentlich durch jede Ma√ünahme, welche wir ergriffen, f√ľr Sophie nur noch schlimmer.
Sie rannte aus dem Unterricht, weil sie die Bloßstellungen der Lehrer nicht mehr ertragen konnte. Manchmal schloss sie

sich auf der Schultoilette ein, um endlich ein wenig Ruhe und Abstand zu bekommen.
In der Pause war sie meist alleine. Sie suchte die Einsamkeit. Sophie war ein Schatten ihrer selbst geworden.
Irgendwann bekam unsere Anw√§ltin doch noch den Juristen vom staatlichen Schulamt telefonisch zu sprechen. Dieser √§u√üerte s√≠ch sehr knapp auf die Frage des Schulwechsels von Sophie. "Liebe Kollegin, ihre Mandanten h√§tten mehr Schulen anfragen m√ľssen. Das ist nicht unser Verschulden, dass es bisher zu keinem Wechsel gekommen ist. Die Eltern h√§tten viel mehr tun m√ľssen. Au√üerdem sollte man doch bitte die

Rektoren der beiden Schulen aus dem Spiel lassen, die h√§tten doch genug zu tun. Mit solchen Banalit√§ten k√∂nnten sie sich nicht abgeben, daf√ľr h√§tten sie keine Zeit. Au√üerdem, liebe Kollegin, wird es doch sicherlich einen Weg geben sich au√üergerichtlich zu einigen. Am besten weisen wir ihren Mandanten eine Schule zu. Dann sind doch alle Probleme aus der Welt."
Das war auch das Letzte was wir von unserer Anwältin erfahren konnten. Denn diese ließ ebenfalls nichts mehr von sich hören.
Wieder waren wir auf uns allein angewiesen.
Ich lasse mir von niemanden eine Schule

zuweisen.
Sophie kam sich gefangener denn je vor. Gefangen in mehreren Kokons, wie eine dieser russischen Puppen.

Die Suche geht weiter


"Sophie wir fragen noch andere Gymnasien oder Gesamtschulen an, die einen gymnasialen Zweig haben, vielleicht haben wir dort mehr Gl√ľck," sagte ich zu ihr.
Aber auch diese verwiesen alle auf den Wechsel zum Schulhalbjahr.
"Sind sie eventuell umgezogen," fragte eine Rektorin, "warum", wollte ich wissen. "Ja das w√§re noch ein anderer Grund, wo man auch w√§hrend des Schuljahres die Schule wechseln k√∂nnte ohne das Zeugnis abwarten zu m√ľssen." Ist es nicht egal aus welchem Grund man

einen Schulwechsel vollzieht," fragte ich. "Nein ist es nicht, wir haben schließlich auch unsere Vorschriften."
"Igor bei eine Umzug, kann man sofort die Schule wechseln, das wäre die einzige Möglichkeit. Alle Schulen verweisen auf das Zeugnis."
"Umzug, Elena, ich will nicht schon wieder umziehen. Wir sind erst vor 6 Jahren hierhergezogen. Ich will nicht wieder irgendwo von vorne beginnen." Ich weiß, sagte ich, aber mit dem Zeugnis bekommt Sophie keinen Platz auf einem Gymnasium." "Dann geht sie halt auf die Mittelstufe. Wir haben nie verlangt, dass Sophie einen gymnasialen Abschlus machen

sollte.
Sie hatte eine Empfehlung f√ľr das Gymnasium. Sie wollte auch unbedingt dahin gehen. Aber damals konnten wir doch nicht ahnen, dass die Regierung die gymnasiale Schulzeit von 9 auf 8 Jahre verk√ľrzt. Au√üerdem kann man nach 10 Jahren mittleren Bildungsweg immer noch auf ein Gymnasium gehen."

"Nein! Nein! Wie oft soll ich es denn noch sagen, ich schaffe das Gymnasium. Ich habe eine klare Vorstellung, von dem was ich sp√§ter beruflich tun werde," schrie Sophie. "Ja, das wissen wir, dass du k√ľnstlerisch sehr begabt bist. Deshalb haben wir dich in dieser Richtung immer gef√∂rdert und unterst√ľtzt. Schon vom

Kindergarten an. Ich wei√ü selber wie sch√∂n es ist seine Kreativit√§t zu leben, sagte ich. Wenn man noch die M√∂glichkeit hat, sein Hobby zum Beruf zu machen, ist es¬†mit das Gr√∂√üte was es gibt." Ich verstand meine Tochter sehr gut und konnte sehr stark nachempfinden, wie sich sich f√ľhlte. "Mama es gibt nur diesen einen Weg f√ľr mich."

grosSe Liebe


"Mama, ich habe jemanden kennengelernt," sagte Sophie freudestrahlend zu mir.

Du kennst ihn auch, er wohnt genau gegen√ľber."

Ich √ľberlegte, kam aber nicht wirklich weiter.

"Es ist Noah." Wie Noah, der ist doch viel älter als du," meinte ich nachdenklich. "Ja genau 8 Jahre älter als ich, er ist 23."

"Ich habe ihn √ľber Facebook getroffen."

"Wie √ľber Facebook, der wohnt doch visa vi."

Ja eigentlich studiert er in Karlsruhe, er ist nur noch selten hier.

Er wird am Wochenende zu seinen Eltern kommen. Da werden wir uns sicherlich treffen. Ich bin richtig aufgeregt."

Sophies Augen strahlten. So hatte ich Sophie schon lange nicht mehr erlebt.

Die Beiden verstanden sich gut.

Noah kam jedes Wochenende.

Sie sahen als Paar wunderschön aus.

Beide groß. Er hatte schwarze Haare, Sophie blonde bzw. bunte Haare.

Man sah ihnen an wie verliebt sie waren.

Ihre Treffen fanden meistens heimlich statt. Mal waren sie im Haus seiner Eltern, wenn diese nicht da waren oder sie verbrachten die Zeit gemeinsam

draußen.

Sophie war gl√ľcklich und Noah war es ebenso.


Neue Schule


Endlich hatte das Suchen ein Ende.

Sophie hatte eine Schule f√ľr sich gefunden.¬†

Es war endlich vorbei. All die Diskriminierungen, die Bloßstellungen. 

Sie wurde auf der Freien Waldorfschule in Bad Nauheim aufgenommen. Es war ganz einfach. 

Sophie, Igor und ich gingen am Informationsabend in die Schule und gaben das Anmeldeformular ab. 

Es fragte keiner warum, wieso, weshalb.

Es schaute sie keiner schräg an, obwohl sie immer noch ihre bunten Haare trug.

Sie wurde so angenommen, wie sie war.

Sophie wurde zum Probeunterricht eingeladen. Dann durfte die Klasse entscheiden, ob Sophie bleiben konnte.

Sophie zitterte vor Aufregung.

Wie wird sich die Klasse entscheiden. Was wenn sie nicht genommen wird. Sophie wurde ganz √ľbel bei diesem Gedanken.

Doch innerhalb von zwei Wochen, kam ein Schreiben, worin bestätigt wurde, dass Sophie den Platz bekommen hatte.

Die Freude war riesig. Eine große Last viel von den Schultern.


Das letzte mal hinter den dIcken Mauern


Wir gingen noch einmal in die alte Schule um die Formalitäten zu erledigen.

Die B√ľcher abgeben und was halt sonst noch so anstand.

Das letzte Gespräch mit dem Rektor, verlief sehr angenehm. Die Erleichterung stand ihm im Gesicht geschrieben.

Sophie ging ohne sich umzudrehen.

Die alte Welt hinter sich lassen

Es konnte nur besser werden.

Waldorfschule


In der Waldorfschule war alles ein wenig anders.

Nicht nur das Schulgebäude, welches keine rechten Winkel besaß, auch die Menschen die dort arbeiteten.

Sophie hatte den Eindruck, dass die meisten, die dort unterrichten ihrer Berufung gefolgt waren.

Die K√ľche kochte √ľberwiegend nur mit selbst angebauten Lebensmitteln.

Die Klassenräume waren alle mit einer bestimmten Farbe lasiert.

In der 9. Klasse, welche Sophie besuchte, waren die Wände in einem

hellen gr√ľn lasiert

Rudolf Steiner, der Gr√ľnder der Freien Waldorfschule, sagte, dass die Raumformen und Raumfarben auf die Entwicklungsphasen der Sch√ľler abgestimmt sein sollten.

Die R√§ume sind nicht quadratisch oder rechteckig, sondern jeder Raum hat seine eigene Form und Farbe. Denn jede Farbe¬†hat einen tieferen Sinn und unterst√ľtzt die seelische und geistige Entwicklung der Sch√ľler.


SoPhie und NOah


Die Liebe zu ihrem Freund Noah hielt immer noch an. Man konnte sagen, sie wuchs jeden Tag mehr. Wir hatten zwar immer noch bedenken, wegen dem Altersunterschied, aber das machte den Beiden nichts aus.

Sie sahen sich nur am Wochenende. Sophie fieberte diesen Tagen schon entgegen.

Manchmal schlich sie sich nachts heimlich aus dem Haus, um sich mit Noah zu treffen. Fr√ľh morgens kam sie dann gl√ľcklich wieder zur√ľck. Sie kam sich so erwachsen vor an seiner Seite.

Aber manchmal sp√ľrte sie so ein Gef√ľhl von Minderwertigkeit bei sich. Er hatte sein Abitur an dem Augustiner Gymnasium gemacht. Nun studierte er. Was w√ľrde aus ihr nur werden. Die eine Schule abgebrochen, an der anderen Schule noch nicht einmal richtig Fu√ü gefasst. Gab es √ľberhaupt etwas was sie konnte. Sie wa nur mittelm√§√üig eben nichts Besonderes.

Sophie war felsenfest der Meinung, der Mensch ist nur dann etwas Wert, wenn er gute Leistungen erbringt.

Die etwas andere Schule


Der Unterricht viel Sophie leicht. Vieles hatte sie schon in ihrer alten Schule gelehrt bekommen. Dadurch viel eine gro√üe Last von ihr ab. Sie konnte freier atmen. Sie hatte zwar l√§nger Unterricht als vorher, aber das machte ihr nicht viel aus, da sehr viele handwerkliche und k√ľnstlerische F√§cher dazu gekommen waren. Das waren Dinge, die sie inspirierte. Sie lernte mit Weide einen Korb flechten, wie man selber ein Kleidungsst√ľck n√§hte oder wie man plastizierte. Sie hatte zwei wunderbare Klassenlehrer bekommen. Sie sp√ľrte die

Wärme und Herzlichkeit, welche die Beide ausstrahlten. 

Allerdings fand sie nicht wirklich Anschluss in der Klasse. Die Gruppierungen in der Klasse waren schon lange festgelegt. Da hinein zu kommen, war sehr schwierig. Sie unterhielt sich mal mit Lena, mal mit Frederick, aber so eine richtige Freundschaft, konnte Sophie nicht aufbauen. Ihre Schulischen Leistungen waren prima, aber so ohne Freunde f√ľhlte sie sich sehr einsam.


Freunde kann man nicht kaufen


Sophie lernte sehr viel. Ihr Bestreben die Klassenbeste zu werden, erforderte große Anstrengungen.

Ihr Klassenlehrer sagte zu Sophie, dass es gut wäre sich an den Besten zu orientieren, aber Überfoderung und zuviel Ehrgeiz, können auch auf Körper, Geist und Seele schlagen. Die Gesundheit ist immer das Wichtigste.

Sophie wollte es sich, uns und auch Noah zeigen, dass sie es schaffen konnte. Sie war kein Versager. Ihr flog das Wissen nicht so einfach zu. Nein sie arbeitete sehr hart daf√ľr.

Der Vorteil war auch, dass sie dadurch Anschluss in ihrer Klasse fand. So konnte sie ihren Mitsch√ľlern Nachhilfe erteilen. Sophie dachte sie k√∂nnte dadurch Freunde gewinnen. Aber weit gefehlt. Sie wurde nur ausgenutzt. Das musste¬†sie leider erfahren.


Eine neue FreunDin


So schlich sich langsam einer neue Freundin in das Leben von Sophie.

Es war die Magersucht.

Eigentlich fing es recht harmlos an.

Vielleicht sollte ich etwas abnehmen, meinte Sophie zu sich selbst, als sie sich nackt vor dem Spiegel betrachtete.

Jetzt kommt auch noch die Weihnachtszeit, da nehme ich noch mehr zu. Nein, das geht gar nicht. Ich muss mich besser unter Kontrolle haben.

Gesagt getan.

"Na Sophie, bist du krank," fragte Oma, welche zu Weihnachten zu Besuch war.

"Die Plätzchen, hast du doch sonst so gerne gegessen."

"Bin auf Di√§t," sagte Sophie. "Zu Weihnachten, da hast du dir aber eine ung√ľnstige Zeit ausgesucht," meinte Oma.

Oma meinte noch schmunzelnd, wo um Himmels Willen, willst du denn abnehmen. An dir ist doch so wieso nicht viel dran. Oma sagte immer alles sehr direkt.

"Lass das mal meine Sorge sein," sagte Sophie und stand auf ohne die Pl√§tzchen anger√ľhrt zu haben.


Magersucht


Das war der Anfang einer sehr langen Krankheit. Keiner in der Familie bemerkte die Magersucht bei Sophie. Das Fr√ľhst√ľck lie√ü sie heimlich in der Schule verschwinden. Beim Abendessen, teilte sie die Scheibe Brot in drei Teile. Butter war tabu. Diese hatte viel zu viel Fett.

Der Aufstrich bestand aus fettarmen Produkten. Ein Apfel war erlaubt.

Sophie kannte bald bei allen Lebensmitteln die Anzahl der Kohlenhydrate und Kalorien.

Sie studierte die Kochb√ľcher ganz genau und fing an, neue Gerichte aus zu

probieren. Sie bekochte die ganze Familie, aber selber bekam sie kaum einen Bissen herunter.

Es gab immer h√§ufiger Streit, wenn es um das Essen ging. Eigentlich hatte keiner mehr Appetit. Sophie vor ihrem leeren Teller zu sehen, war f√ľr Igor,¬†Anna und mich¬†be√§ngstige.

Anna fragte immer wieder, was mit Sophie los w√§re. Sie w√ľrde so blass und d√ľnn aussehen.


KRANKHEITSVERLAUF


Sophie nahm immer weiter ab.

"Nun ist aber langsam Schluss mir der Diät", sagte ich. "Schau dich doch mal an, wie du mittlerweile aussiehst".

"Lass mich doch in Ruhe, was weist du denn schon." Sophie knallte den Teller hin und rannte in ihr Zimmer. Ich hatte ein schlechtes Gewissen und¬†klopfte¬†deshalb an¬†ihre T√ľr. "Tut mir leid Sophie, langsam liegen meine Nerven blank."

"Mach doch die T√ľr auf, dann k√∂nnen wir in aller Ruhe dar√ľber reden." "Hau ab, verschwinde, ich will alleine sein," rief

sie nur.

Sophie schottete sich von uns ab.

Die Gespräche beim Essen, waren immer die Gleichen. Nun iss doch dein Brot auf, doch selber dein Brot auf, bekam ich zur Antwort.

Heute weiß ich, dass solche Gespräche kontraproduktiv sind. Sophie wurde immer aggressiver, ich immer verzweifelter.

Sophie nahm innerhalb von 15 Wochen, 15 Kilo ab.

Mama, ich kann keine Teigwaren mehr essen. Ich hatte mir Nudeln gekocht, danach hatte ich Bauchschmerzen. Ich glaube ich habe eine Gluten Unverträglichkeit. Der Arzt stellte

keinerlei Unvertr√§glichkeiten fest.¬†Ich hoffte er w√ľrde mit Sophie √ľber ihr Gewicht reden. Sie wog nur noch 47 Kilo und das bei einer Gr√∂√üe von 175 cm. Der Arzt redete allerdings nicht mit Sophie √ľber ihr Gewicht.

Also startete ich einen erneuten Versuch in der Hoffnung, dass Sophie nicht wieder ausrastete.

Sophie, der Arzt hat nun keine Gluten Unvertr√§glichkeit festgestellt. Ich vermute dein Magen vertr√§gt die Nahrung nicht mehr. Ich habe mich bei einem guten Therapeuten erkundigt. Sophie du bist magers√ľchtig und brauchst Hilfe.¬†Ich biss¬†mir auf die Lippen,¬†ich hatte etwas ausgesprochen,

was mir selber schwer fiel zu akzeptieren. 

Ich bin nicht krank Mama, nur weil ich eine Di√§t mache und w√§hrend der Fastenzeit meinen K√∂rper entschlackt habe, bin ich doch nicht krank. Doch das bist du. L√ľg dich nicht immer selber an.

Mama ich bin top fit. In der Klasse komme ich prima mit und in Sport bin ich super gut. Ich bin nicht krank.

Sophie viel es schwer, sich ihrer Krankheit zu stellen.

Auf der Suche nach Hilfe


Ich informierte mich in einschl√§gigen B√ľchern, in Internetforen und bei anderen M√ľttern. Suchte nach Anlaufstellen f√ľr Essgest√∂rte.

Im Internet gab es sogar eine Seite die mit dem Namen ANA. Darin wurden Menschen best√§rkt an ihrer Essst√∂rung festzuhalten. Man w√ľrde sogar bestraft werden, wenn man gegen diese Regeln versto√üe.

Hier ein kleiner Auszug aus lebenshungrig. de

Leider verbreitet sich aus der USA kommender gefährlicher Trend in

Verbindung mit Essstörungen via Internetforen und Fernsehshows aus.

Der provokative Slogan "Anorexia/Bulemia is a livestyle, not a disease", steht f√ľr die "Pro ANA" bzw. "Pro Mia", Bewegung.

Hierunter ist ein Zusammenschlu√ü junger Menschen zu verstehen, die kein Problembewusstsein bez√ľglich des Suchtcharakters und den Gefahren einer Essst√∂rung haben. "ANA", steht hierbei f√ľr Magersucht, "Mia", f√ľr Bulemie. Absichtlich klingen die Bezeichnungen wie M√§dchennamen, da sich die Betroffenen, nach einer kindlichen Figur sehnen.

Die Mitglieder reden √ľber Hunger und

Abnehmen, als wäre es eine Religion.

So lautet z. B. einer ihrer 10 Gebote D√ľnn sein ist wichtiger als gesund sein. In ihrem Glaubensbekenntnis ist zu lesen, dass Kontrolle, Perfektion Kalorientabellen und die Waage, das Wichtigste in Ihrem Leben sind. Weiterhin werden "ANA"und "Mia", personifiziert und als ihre einzig wahren Freunde genannt. Mit niedlichen Namen, wie Skinny, Cutie oder Schneewittchen, tauschen sie via Internet, Tipps und Tricks aus, wie der untergewichtigen Idealfigur noch n√§her zu kommen ist. Mit Slogans wie "Ana is love" oder "Hungry is beautifull", wirbt die Szene f√ľr einen Selbstmord auf Raten. Manche machen

das mit ATTE ganz bewusst, denn das bedeutet, Ana Till The End...Mit der Essstörung in den Tod...

Verantwortung abgeben


Soweit darf es nicht kommen, dachte ich. Es ist erst der Anfang der Magersucht. Das bekommen wir in den Griff.

Sophie, ich habe mit deiner Hausärztin gesprochen, du gehst jetzt einmal die Woche zu ihr, um dort dein Gewicht zu kontrollieren. Wenn du möchtest komme ich auch mit.

Ja das mache ich, da wir sowieso keine Waage haben, kann ich ja selber sehen, wie ich mein Gewicht halten kann. Wir als Eltern f√ľhlten¬†uns erleichtert, nicht mehr die ganze Verantwortung √ľbernehmen zu m√ľssen. "Mama, ich gehe

dort alleine hin", sagte Sophie. "Die Verantwortung f√ľr mein Gewicht, m√∂chte ich selber √ľbernehmen."

Ihr Gewicht sank innerhalb einer Woche um 1 Kilo.

Das liegt nur an der Schrottwaage von der √Ąrztin.

Folgeerscheinungen der Magersucht 


Bei Sophie blieb die Periode aus. Dieses z√§hlt nach Ansicht der √Ąrzte zu den stichfesten Anhaltspunkten der Magersucht. Diese schlie√üt eine ganze Heerschar gesundheitlicher Folgen ein. Als erstes Hormonmangel, am Ende Knochensch√§den, Verwachsungen bis hin zu Unfruchtbarkeit.

Ich¬†hielt¬†mich allerdings mit Vortr√§gen √ľber die gesundheitlichen Konsequenzen zur√ľck. Diese w√§ren bei Sophie nur auf taube Ohren gestossen. Aber in meinem Kopf raterten die Argumente gegen das Hungern: Die Organe wachsen noch, die

Gebärmutter bildet sich aus, ganz zu schweigen vom Gehirn.

Ich¬†sprach mit dem Psychologen, wo Sophie seit einiger Zeit in Behandlung war. Er hatte das alles schon Sophie erkl√§rt, allerdings nahm sie dieses nicht ernst. Sie steht immer noch auf dem Standpunkt nicht magers√ľchtig zu sein.

Au√üerdem¬†f√ľhle sie k√∂rperlich top fit.

Wir sollten dar√ľber nachdenken, ob es nicht sinnvoller w√§re, wenn Sophie f√ľr einige Monate in eine Klinik gehen sollte. Dort hat sie mehr M√∂glichkeiten sich mit ihrer Krankheit auseinander zu setzen, als er ihr bieten k√∂nnte.

Dass schaffen wir alleine


Nein, in eine Klinik geht Sophie nicht. In mir bebte alles. Das schaffen wir ohne Klinik.

Ich¬†hoffte immer noch, dass Sophie sich fangen w√ľrde. Den Bed√ľrfnissen des K√∂rpers nachgeben und normal essen w√ľrde. Das konnte doch so schwer nicht sein. Doch an ihrem Essverhalten √§nderte sich leider nichts. Sie hatte ihr Traumgewicht erreicht. Hielt aber trotzdem an ihrer Di√§t fest bzw. kam von ihr nicht mehr los.

Zu Beginn der Erkrankung gab die Magersucht Sophie viel

Selbstbewusstsein. Sie wurde ja auch von vielen wegen ihrer Figur bewundert. Auch das sie auf Essen mehr oder weniger ganz verzichten konnte, brachte ihr Applaus ein. Allerdings war der sogenannte Krankheitsgewinn, nur von kurzer Dauer.

Selbsteinsicht


Ich brauche Hilfe, ich bin krank. Da wurde mir klar, wie sehr sie unter der Essstörung litt. Ihre Nahrungsverweigerung war nicht mutwillig, wie ich manchmal in meinem Zorn auf ihr Verhalten unterstellte. Sie war Opfer und Täter zugleich.

Ich f√ľhlt wie eine Last von mir ab viel.

Aber gleichzeitig wurde mir auch klar, dass ich ihr nicht helfen konnte.

Ich kam mir selber schon wie ein Frack vor. Innerlich leer und voller Hass auf mich selbst. Hatte immer noch gehofft ihr helfen zu können oder dass sich die

Probleme in Luft auflösten.

Ich kann nicht anderes, ich brauche Hilfe. Dieser Satz, welcher Sophie zu mir sagte, ber√ľhrte mich¬†und brachte die Erkenntnis,¬†Sophie¬†ist gefangen, gefangen in sich selbst.¬†Sie tut etwas gegen ihren¬†eigenen Willen. Es ist eine dunkle Seite in Sophie, die m√§chtiger ist als sie selbst.

Anmeldung f√ľr die Klinik


Sophie meldete sich selber f√ľr die Sch√∂n Klinik, Roseneck in Priem am Chiemsee an.

Sie f√ľllte die Online Formulare aus.

Ich schaute mir die Klinik im Internet an. Diese sah sehr einladend und gar nicht wie eine Klinik im weitesten Sinne aus. Auch der Leitspruch hörte sich sehr gut an.


F√ľhrend bei der Behandlung von Essst√∂rungen. In der Sch√∂n Klinik Roseneck behandeln wir pro Jahr allein mehr als 800 essgest√∂rte Patienten ‚Äď so

viele wie keine andere Klinik in Deutschland. Denn auf die Behandlung von Magersucht, Bulimie oder Binge Eating Disorder ist unser Haus seit mehr als 25 Jahren spezialisiert. Entsprechend werden auch unsere Behandlungskonzepte seither stetig weiterentwickelt. Dabei haben unsere √Ąrzte, Pfleger und Therapeuten vor allem die Bed√ľrfnisse unserer Patienten im Blick. Schlie√ülich sollen im menschlichen Miteinander bei uns in der Klinik die Grundsteine f√ľr ein gesundes K√∂rpergewicht, starkes Selbstvertrauen und f√ľr ein neues K√∂rpergef√ľhl gelegt werden.


Sophie bekam auch sehr schnell eine Antwort. Man w√ľrde sie gerne aufnehmen, allerdings m√ľsste sie mit einer Wartezeit von 6 Monaten rechnen.

Das war f√ľr uns alle ein Schlag ins Gesicht.

6 Monate warten, mit einem Gewicht von 44 kg un einer Körpergröße von 175 cm, eine lange Durststrecke.

W√ľrden wir das durchhalten?

Es blieb uns nichts anderes √ľbrig.

Sophie, erkundige dich doch noch mal bei anderen Kliniken.

Nein, Mama das werde ich nicht tun.

Diese Klinik ist die Beste. Ich habe mich bereits schlau gemacht.

So blieb uns nichts anderes √ľbrig als zu

warten.

Es wurde allerdings von Tag f√ľr Tag f√ľr alle Beteiligten der Familie schlimmer.

Die K√ľche sah nach jeder Kochorgie aus wie nach einem Krieg. Die Lebensmittel verschwanden von einem auf den anderen Tag.¬†

Das Geld was wir f√ľr Nahrungs- und Lebensmittel in einer Woche ausgaben, belief sich auf 200 ‚ā¨.

Aber Sophie nahm weiterhin ab.

Die Nerven lagen bei allen blank. Wenn sie grundsätzlich zur Veränderung bereit war, warum fing sie nicht direkt damit an. Das Gegenteil war der Fall, sie schraubte sich immer tiefer in die Essstörung hinein.

Auch in der Schule lies die Leistung nach. Sophie fehlte einfach die Kraft daf√ľr.

Ich war auch nicht in der Lage Sophie und die Magersucht zu trennen. Oftmals warf ich alles zusammen, vor allem in Lebenslagen, wo eine Unterscheidung wichtig gewesen wäre.

Als sie von der Schule halb erfroren nach Hause kam und kreidebleich aussah, sagte sie Mama mir ist so schrecklich kalt.

Anstatt sie in den Arm zu nehmen, sagte ich blo√ü, dann iss doch mehr und du w√ľrdest nicht so schnell frieren. Au√üerdem k√§mest du in der Schule auch besser mit. Aber ich lerne doch schon

genug, war die Antwort. Hier h√§tte ich mich fragen k√∂nnen, wer spricht eigentlich, die Magersucht oder meine Tochter. Sophie war nicht in der Lage zu begreifen, dass ihre k√∂rperliche Schw√§che zum Leistungsabfall f√ľhrte. Dann sprach die Magersucht, aber ich lerne doch genug.

Die eine Seite zeigte die kranke Sophie und das Zerrbild der Magersucht zeigte die ehrgeizige, fitte, Sophie.

Im Nachhinein kann ich nur sagen, es w√§re f√ľr den Genesungsverlauf besser gewesen, wenn ich nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gerannt w√§re, sondern etwas mehr Gelassenheit an den Tag gelegt h√§tte. Aber das wei√ü man

immer erst hinter her.

Schön Klinik Roseneck, Priem

Die Durststrecke von 6 Monaten haben wir alle mehr oder weniger durchgestanden. Eher weniger als mehr. Sophie ging dann Ende Oktober nach Priem. Sie hatte noch ein Gewicht von 38 kg.

Der Abschied war nicht leicht, aber f√ľr uns alle war es ein Schimmer von Hoffnung.

Igor fuhr mit Sophie von Friedberg nach Priem am Chiemsee.

In der Sch√∂nklinik angekommen, war er geschockt √ľber die Menschen die dort lebten. Er sah nur bis auf die Knochen abgemagerte Erwachsene und

Jugendliche. Ihm wurde fast schwindlig von diesem Anblick.

Als auch noch eine Nonne in diesem abgemagerten Zustand an ihm vorbei lief, musste er sich setzten.

"Sophie willst du wirklich hier bleiben," fragte er.

Er sp√ľrte ein ungutes Gef√ľhl in seiner Bauchgegend.

Aber welche Wahl hatten wir.

Sophie blieb. Die beiden f√ľllten die Anmeldeformulare aus und Sophie wurde ihr Zimmer gezeigt.

Es war ein kleines Zimmer mit 4 Betten.

Dann wurden sie herumgef√ľhrt und ihnen wurden die einzelen R√§umlichkeiten erl√§utert.

Es wurden vielseitige M√∂glichkeiten f√ľr die Patienten angeboten.

Es gab den Speisesaal, eine Lehrk√ľche, Schwimmbad, Sauna, eine Reitanlage und vieles mehr. Das ist ja fast wie in einem Luxushotel, meinte Igor schmunzelnd zu Sophie.

Danach erfolgte das Aufnahmegespräch.

Die √Ąrztin, welche das Gespr√§ch f√ľhrte, leitete die Station f√ľr essgest√∂rte Jugendliche. Sie war hochkonzentriert und sehr sympathisch. Als erstes wollte sie wissen warum die Mutter bei diesem Gespr√§ch nicht anwesend w√§re. Igor erwiderte, dass Sophie noch eine Schwester h√§tte. Diese w√§re 8 Jahre und wollte nicht unbedingt alleine bleiben.

Daf√ľr hatte die √Ąztin Verst√§ndnis.

"So Sophie", sagte sie, nun erz√§hle bitte von dir. "Womit soll ich denn anfangen," erwiderte sie. Wie sind denn so deine Essgewohnheiten. Was isst du morgens, was mittags, was nachmittags, was abends? Wie viel und wie schnell hast du denn abgenommen habe? War eine Di√§t der Grund f√ľr das Abnehmen. Ob Sophie noch ihre Periode h√§tte, wurde sie gefragt.¬†"Nein", erwderte Sophie," meine Periode habe ich nicht mehr." "Ich wollte auch nur ein bisschen abnehmen, vor allem am Bauch." Man sah Sophie a, dass sie mit diesen Fragen einfach √ľberfordert war. Dann war Igor an der Reihe. Ob es sychische Auff√§lligkeiten oder auch

Krankheiten innerhalb der Familie oder Ursprungsfamilie gab. Der Vater von meiner Frau, hat sich freiwillig das Leben genommen, als meine Frau Elena 13 Jahre alt war. Meine Frau leidet selber an Zw√§ngen und war ebenfalls station√§r in einer Klinik. An welcher Art von Zwang leidet ihre Frau, wollte die √Ąrztin nun genau wissen. An Gedanken und Gr√ľbelzw√§ngen. Sie kann schwer Entscheidungen treffen.

Gibt es bei ihnen in der Familie etwas was erwähnenswert wäre. Ja, ein Bruder meiner Mutter, hatte sich ebenfalls das Leben genommen. Meine Eltern sind beide an Krebs gestorben.

Nach dem Aufnahmegespräch durfte

Sophie auf ihr Zimmer gehen um den Koffer auszupacken.

Igor nutzte noch die Gelegenheit zu fragen, wie sie bei Magersucht die Aussichten auf Heilung sehen w√ľrde. Von¬†Heilung k√∂nne keine Rede sein, die Sucht wird die jungen Frauen ein Leben lang begleiten. Hier werden Sie lernen damit umzugehen. Das sei allerdings harte Kost. Das war f√ľr Igor unverst√§ndlich, dass seine geliebte Tochter ein Leben lang darunter leiden sollte.


der Tagesablauf


In den ersten drei Wochen, durfte Sophie die Klinik nur stundenweise am Wochenende verlassen. Diese Regel galt f√ľr alle Neuank√∂mmlinge. Es kam auf die Einstellung der Patienten an. Wenn diese etwa zu d√ľnn waren oder keine Fortschritte erzielten, konnten sie nicht am Therapieangebot teilnehmen. Diese mussten dann die Zeit auf ihrem Zimmer verbringen.¬†

Das Therapieangebot bestand haupts√§chlich aus Gruppengespr√§chen. Wobei Sophie bem√§ngelte, dass die Gruppe aus einem bunt gew√ľrfelten

Haufen bestehen w√ľrde. Wie soll ich das verstehen fragte ich Sophie am Telefon. Wir telefonierten so circa zweimal in der Woche miteinander. In der Gruppe sind Jugendliche mit ganz verschiedenen Krankheitsbilde. Magers√ľchtige und M√§dchen die unter Bulemie leiden. Binge eating und auch welche wo mir noch nicht klar ist, was ihnen fehlt.

Hast du das Gef√ľhl, dass dir diese Gespr√§che etwas bringen. Ich wei√ü nicht so recht. Es ist schwer sich in der Gruppe zu √∂ffnen. Manchmal denke ich eigentlich bin ich gar nicht krank, wenn ich einige sehe, welche noch d√ľrrer sind. Dann denke ich, dass ich hier nicht hin geh√∂re.¬†

Sophie tat sich sehr schwer, ihre Krankheit anzuerkennen. Andere ben√∂tigen Hilfe, sie nicht. Ich ahnte, dass der Aufenthalt in der Klinik lange dauern w√ľrde. Die Mahlzeiten wurden nur unter Aufsicht eingenommen. Am Tisch sa√ü immer ein Co Therapeut, der die Aufsicht √ľber die jeweilige Tischgruppe hatte. Trotzdem schafften es einige M√§dchen das Essen heimlich verschwinden zu lassen. Die Tricks sprachen sich schnell herum. Auch wie man vor jedem Wiegen, mehr Kilos auf die Waage bekam. Sophie musste drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen. Aber trotzdem nahm sie nicht zu.

Sophie rief ganz verzweifelt zu Hause an. Mama ich darf die Klinik nicht verlassen, ich habe Hausarrest. Warum denn? Weil ich nicht zu nehme. Die denken ich w√ľrde mogeln. Aber das tue ich nicht. Ich bin nicht dort um mich selbst zu betr√ľgen. Das habe ich zu Hause lang genug getan.¬†

Am gleichen Tag rief die Klinik an. Sie wollte die weiteren Vorgehensweisen besprechen. Da Sophie trotz der f√ľnf Mahlzeiten nicht zunahm h√§tten sie den Eindruck, sie w√ľrde manipulieren. Das w√ľrde gegen die Regeln der Klinik versto√üen. Sie w√ľrden es noch eine Woche mit Sophie probieren, wenn dann alles nicht helfen w√ľrde, m√ľsste sie

entlassen werden. Wir waren entsetzt. Sollte alles umsonst gewesen sein.

Igor sprach mit Sophie, sie solle sich dort von einem Allgemeinmediziner untersuchen lassen. 

Sophie besprach das mit ihrer Therapeutin. Diese willigte ein.

Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass sie einen zu hohen Stoffwechsel hatte.

Nun bekam Sophie zu ihren f√ľnf Mahlzeiten auch noch hohe kalorienhaltige Fl√ľssigkeiten zu trinken. Sophie war die meiste Zeit des Tages mit essen besch√§ftigt.¬†

Die Einzelgespräche, welche leider nur einmal in der Woche stattfanden, taten

Sophie gut. Sie w√ľnschte sich mehr von den Gespr√§chen. Dieses w√ľrde leider nicht gehen. Jedem Patient steht nur ein Gespr√§ch pro Woche zur Verf√ľgung.

Sophie war verzweifelt. Das Einzige was ihr wirklich helfen könnte, waren diese Gespräche und davon bekam sie so wenig.

Sophie war nun drei Wochen in Priem.

Am Wochenende besuchten wir sie.

Sophie hatte auch Ausgang bekommen und durfte am Samstag direkt nach dem Mittagessen, die Klinik bis zum Abend um 22:00 Uhr verlassen.

Wir freuten uns so Sophie in die Arme zu nehmen. Sie f√ľhlte sich¬†immer noch¬†d√ľrr an und sah auch ganz blass aus. Anna,

welche das erste mal in der Klinik war, wurde ganz still und sah sich die M√§dchen an, welche auf und ab liefen. Mama, die sehen ja noch d√ľrrer aus als Sophie. Mama, die sehen aus wie ein Skelett.

Ich setzte sich zu Anna. "Ja Anna die sind alle krank." "So wie Sophie," fragte Anna. "Ja, so wie Sophie."

Wie lange sind die denn schon hier, wollte Anna wissen.

Sophie sagte: "Da dr√ľben das ist Lisa. Sie ist f√ľnf Monate hier. Julia, welche mit mir auf dem Zimmer lebt, ist sieben Monate hier und wird n√§chste Woche entlassen." "So lange sind die hier, sagte Anna. Man sieht aber gar nicht, dass es

denen gut geht. Was hat die denn am Fu√ü, wollte Anna noch wissen." Auch Igor und Ich staunten nicht schlecht. "Das ist ein Schrittz√§hler, ich habe es Fu√üfessel genannt. Den h√§tte ich auch fast bekommen, wenn der Arzt nicht den hohen Stoffwechsel bei mir festgestellt h√§tte," erwiderte Sophie erleichtert. F√ľr was ist der gut. Die wollen wissen, dass man sich nicht so viel bewegt oder schnell rennt. Wir waren geschockt.

Komm Anna wir wollen mit Sophie zusammen nach Rosenheim fahren.

So verbrachten alle ein schönes Wochenende zusammen. Sophie war froh, endlich mal einige Zeit außerhalb der Klinik zu verbringen. Das Abschied

nehmen war schwer. Mama, Papa ich will mit nach Hause. Sie fing an zu weinen und dr√ľckte Anna ganz fest an sich. Anna weinte ebenfalls und sah ratlos von einem zum anderen. Sophie wir m√ľssen jetzt wirklich fahren, wir sind bestimmt noch sechs Stunden unterwegs. In zwei Wochen kommen wir wieder. "N√§chste Woche besucht mich Noah, ich freue mich schon," sagte Sophie. So nahmen sie Abschied.

Die Heimfahrt verlief sehr still.



Angst vor Gewichtszunahme


Sophie nahm durch die kalorienhaltige Nahrung man nennt sie auch Astronautenkost, schneller zu, als ihre Seele dieses verarbeiten konnte. Sie rief sehr oft zu Hause an. Papa, damit komm ich nicht klar. Ich habe Angst davor total fett zu werden, vor allem an den Beinen.

Bei Igor stieg die Wut hoch. Sophie es reicht. Die wissen bestimmt was bei der Krankheit das Richtige ist.

Hofften nat√ľrlich, dass Sophie in dieser Klinik gesund werden w√ľrde. Deshalb vertrauten wir. Eine andere M√∂glichkeit sahen wir zu diesem Zeitpunkt noch

nicht. Ich versuchte mehrmals in der Klinik einen der behandelten √Ąrzte an das Telefon zu bekommen. Das war allerdings schwierig. Deshalb bat ich um einen R√ľckruf, um die Problematik mit der Gewichtszunahme zu besprechen. Dieser erfolgte leider nicht.

Sophie ging es nicht gut. Den ganzen Tag essen und essen.

Was ihr das Ganze etwas erträglicher machte war die Bewegungs- und Entspannungstherapie.

Wir gaben Sophie den Rat, sie solle am Wochenende in das gegen√ľberliegende Schwimmbad gehen und sich eine entspannende Massage k√∂nnen. Den Vorschlag griff sie gerne auf. Sie ging

mit einigen Jugendlichen aus der Klinik schwimmen und anschließend zur Massage. Das tat ihr richtig gut. Sie hatte zu den Mädels in der Klinik auch ein wunderbars Vertrauensverhältnis aufgebaut. Laura, welche auch auf ihrer Station war, brachte Sophie das Stricken bei. Sophie bedankte sich dadurch, dass sie Laura erklärte wie man Portraits zeichnen kann.


Die Stimme der Magersucht


Es kam f√ľr Sophie nun eine weitere anstrengende Herausforderung auf sie zu.

Die Körperakzeptanztherapie. Mittels eines Seils sollte sie ihren Körper einschätzen und das Seil auf den Boden legen. Im Anschluss das reale Gewicht messen und beide miteinander vergleichen.

Obwohl Sophie die Unterschiede deutlich sah, konnte sie es aber nicht als real begreifen. Denn zwischenzeitlich hatte sich bei Sophie eine Stimme eingeschlichen. Diese Stimme, welche männlich klang, sagte ihr, was du da

siehst stimmt nicht. Du bist nach wie vor zu fett. Diese Stimme drang erst vor kurzer Zeit in ihr ein. Sie hatte von einigen M√§dels geh√∂rt, wie sie √ľber ihre Stimmen berichteten. Welche mal lauter, mal leiser mit ihnen sprachen. Aber es ging immer nur darum, dass sie zu dick w√§ren und es¬† nicht verdienen zu essen. Sie h√§tten kein Anrecht darauf. Sie w√§ren es nicht wert geliebt zu werden. Nun war diese Stimme auch bei Sophie vorhanden und sie nahm regelrecht besitzt von ihr. Trotzdem arbeitete sie weiter an der Therapie.



Kunsttherapie


In der Kunsttherapie, welche Sophie besonders liebte, malte sie ihr K√∂rperbild. Zeichnen war f√ľr sie mehr als Leidenschaft. Hier konnte sie ohne die Stimme im Kopf zu h√∂ren, ihren K√∂rper genau so zeichnen, wie er war.

D√ľrr und untergewichtig.

Die Nachbesprechung von den Bildern, war f√ľr Sophie schwierig. Denn dann meldete sich die Stimme. Du bist so fett, schau doch selber, wie dick deine Oberarme noch sind. Ganz zu schweigen von deinem Bauch. Erst in der Gruppentherapie, war es f√ľr Sophie, auf Grund der Aussagen ihrer Leidensgenossinen m√∂glich, sich so zu sehen, wie sie auf den Bildern war. Das diese real waren und nicht was die Stimme sagte.

Konfrontationsarbeit


Auch bei den Video- und Spiegelkonfrontationen, benötigte Sophie Hilfe von der Gruppe. Denn sie sah sich immer mit den Augen der Magersucht. Nur mit Hilfe der Anderen, konnte sie die Realität erkennen. Das war eine schmerzhafte Erfahrung. Zur Zeit war sie weit davon entfernt, ihren eigenen Augen zu trauen.

Sie traute sich aber immer √∂fters zu mit den Freunden aus der Klinik schwimmen zu gehen. Das war ein gro√üer Fortschritt f√ľr Sophie. Sich selbst im Bikini zu sehen und sich nicht mit den M√§dels zu

vergleichen. Das Vergleichen war ein Teil ihrer Krankheit.


LehrK√ľche¬†


Sie war auch in der sogenannten Tischrangordnung aufgestiegen. Das ist ein besonderer Moment f√ľr die Jugendlichen in der Sch√∂n Klinik. Wenn sie ein bestimmtes Gewicht erreicht hatten, durften sie an einem Gruppentisch ohne Co Therapeut essen. Das Essen wurde nicht mehr protokolliert und auch nicht mehr kontrolliert. Da Sophie seit ihrer Krankheit rein vegan lebte, hatte sie dort die M√∂glichkeit sich vegetarisch zu ern√§hren. Rein vegan wurde ihr untersagt, mit der Begr√ľndung, dass sie dann noch mehr

essen m√ľsste.

Sie durfte nun auch in der Lehrk√ľche der Klinik kochen. Das motivierte. Sie erstellte sogar ein eigenes Kochbuch. Das Kochen war eine willkommene Abwechslung, im sonst so tristen Klinikalltag. Das gemeinsam zubereitete Essen, wurde dann auch gemeinsam zu sich genommen. Au√üerdem war eine Ern√§hrungsberaterin dabei, die f√ľr alle Fragen ein offenes Ohr hatte.

Gewichtszunahme


Sophie kam nun auch besser mit der Gewichtszunahme zurecht. Sie konnte ihr Gewicht von 48 kg anerkennen. Mama, mit einer 5 davor habe ich echt noch Probleme. Ich kann es mir nicht vorstellen 50 Kilo und mehr zu wiegen.

Wir waren fast jedes zweite Wochenende bei ihr. Wir besuchten gemeinsam den Weihnachtsmarkt auf die Fraueninsel. Besuchten Feste in der näheren Umgebung. Gingen zusammen ins Schwimmbad oder zur Massage.

Sophie besuchte auch dort eine Schule. Das war f√ľr sie sehr wichtig und sie

lernte dort neue Freunde kennen. Insgesamt war Sophie 7 Monate in Priem.

Sie hatte ein Entlassungsgewicht von 54 Kilo.


Der Alltag


Der Alltag hatte uns wieder. Sophie war wieder zu Hause. Sie hielt auch einige Zeit die 5 Mahlzeiten pro Tag ein. Sie schaffte es f√ľr einige Zeit ihr Gewicht zu halten.¬†Wir als Familie richteten uns nach den vorgegeben Essenzeiten. Sie ern√§hrte sich wieder rein vegan, was ich nun mittlerweile auch tue.¬†Die Stimme der Magersucht war auch zu Hause angekommen, wir hatten sie leider mitgenommen. Nach ungef√§hr 4 Wochen nahm Sophie wieder ab.¬†Im nach hinein, kann ich sagen, dass es allein mit der Gewichtszunahme nicht getan ist. Ich

denke sogar, dass es der falsche Weg ist. Im Nachwort habe ich dieses nochmals  erläutert. Sophie ging weiterhin zur Schule. Sie wurde von jeder Erkältung heimgesucht. Jeder Virus der in der Luft war, nistete sich in Sophie ein. Sämtliche Begleiterscheinungen waren vorhanden. Lanugo Behaarung am ganzen Körper. Haarausfall, ständiges frieren. Sophie stand immer wieder auf. Ihr Gewicht lag zwischenzeitlich bei 42 Kilo. Aber die Stimme erlaubte es ihr nicht mehr zu essen. Ich fragte Sophie, was sagt denn die Stimme. Ich bin es nicht wert. Wie ermittelt sich den dein Wert, fragte ich sie. Durch Leistung. Wenn ich die Leistung nicht bringe, bin ich nichts

wert. Schon gar nicht mich selbst zu lieben, noch geliebt zu werden.


Klinikaufenthalt 2. Versuch


Ich möchte nun nicht mehr alles erläutern, nur noch wichtige Details, welche mit der Krankheit eine wesentliche Rolle spielten.

Sophie machte ihr Abitur mit bravour. Sie meldete sich 2 Jahre nach dem Aufenthalt in Priem, in einer auf Magersucht spezialisierten Klinik in Bad Mergentheim an. Diese hatte Sophie auf Grund der Bewertungen im Internet gewählt.

Der Therapieschwerpunkt mit dem 4-Phasen Modell, hörte sich sehr gut an.

Hier folgt ein Auszug wie das Modell

funktioniert:

Von der modernen Traumatherapie sind intensive Impulse ausgegangen f√ľr die Weiterentwicklung der station√§ren Psychotherapie. Schritt f√ľr Schritt haben sich bei der Auswertung von Traumatherapien einige wesentliche Prinzipien gezeigt: Absolut grundlegend war die Erfahrung, dass psychische Heilung auf der Aktivit√§t eines psychischen Selbstheilungssystems beruht. Daraus ergibt sich die klare Aufgabe an die psychotherapeutische Klinik, Strategien zu entwickeln, die zur Unterst√ľtzung selbstorganisatorischer Heilungsvorg√§nge geeignet sind. Eine zweite grundlegende Erkenntnis

war, dass Emotionen sowohl bei der Krankheitsentstehung wie auch bei Heilungsprozessen eine zentrale Rolle spielen. Negative, unverarbeitete Emotionen von traumatischer St√§rke blockieren die seelische Entwicklung, auf der anderen Seite stehen im Kern der positiven, heilungskompetenten F√§higkeiten der Pers√∂nlichkeit ebenfalls emotional positive Erfahrungen. Die negativen traumatischen und die positiven gesunden Erfahrungen stehen sich gleichsam gegen√ľber, sie bilden das bipolare Prinzip. Die positiven Erfahrungen der Person werden auch als Ressourcen bezeichnet. Ein gutes Gef√ľhl f√ľr die eigene Gesundheit, also ein guter

Kontakt zu diesen Ressourcen ist f√ľr erfolgreiche Heilungsprozesse von gr√∂√üter Bedeutung. Die Besch√§ftigung mit ungel√∂sten Problemen bildet deshalb nur eine Seite der Psychotherapie. Die Besch√§ftigung, das Kennenlernen, das Neuorganisieren und Erweitern der eigenen Ressourcen ist ein mindestens genauso wichtiger Bereich. Die Strategien, mit denen man Menschen helfen kann, ihre eigenen Ressourcen kennen zu lernen und zu verbessern, sind in st√§ndiger Weiterentwicklung begriffen. Aus solchen Erfahrungen heraus wurde das 4-Phasen-Modell der station√§ren Psychotherapie entwickelt, welches der Arbeit unserer Klinik zu

Grunde liegt. Die 4 Phasen werden als Stabilisierungsphase, Ressourcenorganisation, Exposition und Neuorientierung bezeichnet. Sie bilden den nat√ľrlichen Heilungsprozess ab.

"Mama, ich melde mich f√ľr die Kitzbergklinik in Bad Mergentheim an," sagte Sophie.¬†Wir lasen uns das Behandlungskonzept der Klinik durch. Es h√∂rte sich vielversprechend an. Hier ging es nicht nur um zunehmen. Es ging um Eigenverantwortung. St√§rken aufbauen um der Magersucht entgegenzutreten. Ja mach das Sophie. Der Weg h√∂rt sich hilfreich an. Die Wartezeit f√ľr Sophie, betrug 7 Monate. Aber warten hatten wir

gelernt. Endlich kam der Tag der Abreise. Sophie wurde von 3 Freunden in die Klinik gefahren. Diesmal war die Fahrt auch nicht so weit. Von Friedberg bis W√ľrzburg waren es ungef√§hr 2 Stunden. Sophie war inzwischen 18 Jahre alt und durfte, die Formalit√§ten selbstst√§ndig erledigen. Sie wollte diesen Weg diesmal ohne uns gehen. Als sie sich am Abend bei uns meldete, h√∂rte sie sich sichtlich erleichtert an. Au√üerdem war sie Stolz darauf alles alleine erledigt zu haben.

Die Situation in der Klinik, wurde f√ľr sie allerdings sehr schmerzhaft. Jeden Morgen musste sie mit allen anderen Patienten joggen gehen. Es war August

und es war hei√ü. Obwohl Sophie sich massiv beschwerte, dass sie mit ihrem Gewicht, nicht in der Lage w√§re zu laufen, wurde darauf nicht eingegangen. K√∂rperlich ging es ihr nicht gut, Der Kreislauf versagte √∂fters und sie f√ľhlte sich nicht gut aufgehoben.

Auch in der Gespr√§chstherapie, wurde Sophie den Eindruck nicht los, dass ihre Therapeutin vom Chefarzt gesagt bekam, wie die Gespr√§che zu f√ľhren w√§ren. Die Therpeutin, machte einen sehr unsicheren Eindruck auf Sophie. Dann machten sich bei unserer Tochter auch noch Wassereinlagerungen im K√∂rper breit. Ich empfahl ihr Sch√ľssler Salze in der Apotheke zu holen. Nach dem dann die

Einlagerungen beseitigt waren, hatte Sophie nat√ľrlich weniger Gewicht auf die Waage zu bringen. Sophie wurde nahegelegt die Klinik sofort zu verlassen. Wenn sie dieser Aufforderung nicht Folge leisten w√ľrde, s√§he sich die Klinikleitung veranlasst, die Polizei zu verst√§ndigen und sie w√ľrde in ein Krankenhaus zur Zwangsern√§hrung eingewiesen werden. Sophie durfte das Zimmer nicht mehr verlassen. Wir wurden von der Therapeutin telefonisch verst√§ndigt sofort alles liegen und stehen zu lassen, um unsere Tochter abzuholen.

Diese taten wir auch. Somit ging f√ľr Sophie der Klinikaufenthalt nach 4 Wochen zu Ende.¬†

Ein anderer Weg zur Heilung


Ich¬†stand in der B√ľcherei und st√∂berte wieder einmal in B√ľchern √ľber Anorexie.

Da fiel mir ein Buch auf, welches den Titel trug, abnehmen ist leichter wie zunehmen.

"Wenn abnehmen leichter ist als zunehmen, muss es doch auch umgekehrt möglich sein", murmelte ich so vor mich hin. Ich nahm das Buch mit und zu Hause angekommen, fing ich sofort an darin zu blättern.

Andreas Winter, der Autor von diesem Buch, sagte, dass es egal ist, was man in welchen Mengen zu sich nimmt. Es

kommt auf das Gef√ľhl und die Emotionen an, welche man beim Essen hat. Er gab einige Beispiele an um es besser zu verstehen.

Wenn man als Kind h√§ufig mit Schokolade belohnt wurde, weil man etwas besonders gut gemacht hatte, dann bedeutete Schokolade ein Gef√ľhl von Zufriedenheit. Als Erwachsener greift man zur Schokolade um dieses Gef√ľhl wieder herzustellen. Durch dieses Gef√ľhlsessen, welches meist mit Angst und Stress verbunden ist, nimmt man zu Wenn man Schokolade vom Arzt als Schokoladendi√§t verschrieben bekommt, dann nimmt man ab. Dieses ist nicht mit Emotionen verbunden und der K√∂rper

verarbeitet dieses als Nahrung. Es werden somit keine Fettzellen angelegt.

Quasi alles was man ohne Emotionen zu sich nimmt, sondern aus Hunger, f√ľhrt nicht dazu zuzunehmen.

"So habe ich das noch nie gesehen", sprach ich leise zu mir. Ich drang immer tiefer in das Buch ein. Eigentlich wollte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen. Es war spannender wie ein Krimi. Herr Winter schrieb darin, dass alle Krankheiten, welche man nicht von Geburt an hatte, geheilt werden können. Weil es keine Krankheiten sind, sondern Symptome. "Dann kann doch auch die Magersucht besiegt werden," dachte ich so bei mir. Mir wurde heiß

und kalt, bei dem Gedanken. Es f√ľhlte sich so richtig an. Alles was¬†ich las, war so tiefgr√ľndig. Es war alles so logisch. Andreas Winter meinte, dass alle Krankheiten, Allergien usw. in der Schwangerschaft ihren Ursprung haben. Ab der dritten Schwangerschaftswoche bilden sich die Nervenzellen aus. Der Embryo bekommt alle Gef√ľhle der Mutter √ľber die Nabelschnur mit. Alle Emotionen von Freude, Trauer, Gl√ľck, Wut usw. werden √ľbertragen. Wenn die Mutter Drogen konsumiert oder Medikamente zu sich nimmt,

konsumiert dieses auch der Embryo. Somit sp√ľrt der Embryo bereits ob er willkommen ist oder nicht. Wenn der

Embryo gegen die Bauchdecke der Mutter tritt, merkt es sich die Reaktion. Ist diese liebevoll, werden Gl√ľckshormone also Endorphine ausgesch√ľttet. Merkt es allerdings durch die Reaktion, dass die Mutter gestresst ist, weil sie Schmerzen hat oder gar kein Kind wollte, aus welchem Grund auch immer, werden Stresshormone ausgestossen. Der Embryo merkt sich dieses. Da er dieses nicht subjektiv zuordnen kann, nimmt er dieses als absolut war. Hier findet man die Ursache aller Symptome. Auch Komplikationen bei der Geburt oder in den folgenden zwei Lebensjahren, speichert das Kind als Bedrohung ab. Es hat noch keine

M√∂glichkeit dieses zeitlich einzuordnen, sondern nur emotional. Somit wird alles Bedrohliche als Situation von ewiger Dauer abgespeichert. Da dieses Urtrauma als existenzbedrohlich abgespeichert wurde, ben√∂tigt es nur entsprechende Trigger, um das gleiche Angstmuster hervor zurufen. Weil ein Kind diese Angst nicht noch einmal erleben m√∂chte, bilden sich Symptome heraus, die es davor sch√ľtzen soll. Wenn nur die Angstsymptome bek√§mpft werden oder mit Medikamenten unterdr√ľckt werden, so Andreas Winter, f√ľrchtet das Kind oder auch der Erwachsene unterbewusst, dass er seinen Schutzmechanismus verliert und das Symptom verschlimmert

sich. Deshalb sind Konfrontatiostherapien meist ohne Erfolg geprägt.

Das Gef√ľhl was sich in¬†mir ausbreitete, war Freude, einfach nur pure Freude.

Das ist genau der richtige Weg. das f√ľhlte¬†ich in¬†meiner Seele.

Sophie hatte bei Ihrer Geburt die Nabelschnur um den Hals. Es war ein Kampf um Leben und Tod. Ihre Herzt√∂ne wurden schw√§cher und schw√§cher. Sie sollte schon per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden. Aber Sophie √ľberlegte es sich anders und befreite sich selbst. Sie wollte nicht sterben und nahm ihre ganze Kraft zusammen und leitete ihre Geburt ein. Sie selber hat sich aus

den Zwängen des Todes befreit. Sophie war 53 cm groß und hatte ein Gewicht von 3.200 Gramm.

Ich √ľberlegte lange.¬†Mir liefen die Tr√§nen.¬†

Was f√ľr ein Trauma Sophie erlebt hatte.¬†

Ich hatte nicht gedacht, dass ein so kleines Wesen, diese Eindr√ľcke abspeichert und diese nicht in Vergessenheit geraten. Alles was wir einmal erlebt haben, auch wenn wir uns nicht daran erinnern k√∂nnen. ist trotzdem vorhanden.

Dann nach der Geburt wurde Sophie noch Blut abgenommen. √Ąrzte mit sterlen Handschuhen, gr√ľnen Kitteln und Mundschutz, untersuchten Sophie.

Warum wurde mir Sophie nicht auf meinen Bauch gelegt, Sie hätte sich erholen können.

Nein sie wurde noch gebadet, gewickelt usw. Was soll der Quatsch. Wenn ich all das, damals gewusst hätte.



Traumreise


Ich fragte Sophie, ob sie bereit w√§re f√ľr diese Traumreise.

Sie erbat sich etwas Bedenkzeit.

Sophie wollte diese Traumreise, wie Herr Winter es nannte, antreten.

Es handelte sich dabei um eine Sitzung die vier Stunden umfasste. Im ersten Teil wurde dar√ľber gesprochen, was Sophie alles erlebt hatte. Der zweite Teil war eine Art Hypnose, eine sogenannte Traumreise. Der dritte Teil, die Nachbesprechung.

Herr Hoffs ein Mitarbeiter von Herrn Winter, bat Sophie, Igor und mich in

einen gem√ľtlich eingerichteten Raum, auf einem Ledersofa Platz zu nehmen.

Er fragte Sophie, was ihr Grund wäre, warum sie hier sei.

Sophie erzählte von ihrer Magersucht, ihren Klinikaufenthalten, welche keine Besserung gebracht hatten. Jeder Aufenthalt in den Kliniken, ob in Priem oder Bad Mergentheim, hatten ihren Zustand verschlimmert.

Herr Hoffs fragte warum dies so war.

Sophie meinte dazu, dass es niemanden dort interessierte hätte, wie es ihr ging.

Es ging eigentlich nur um Gewichtszunahme.

In Bad Mergentheim war es so schlimm, dass sie als Patientin mit Untergewicht,

sogar morgens mit den anderen Patienten, welche andere Symptome hatte, laufen musste, egal wie heiß es draußen war.

Egal wie schlecht sie sich f√ľhlte, sie musste laufen und das bei 38 Kilogramm K√∂rpergewicht. Au√üerdem war sie die einzige Patientin, welche Magersucht hatte, obwohl diese Klinik im Internet mit viel Erfahrungen im Bereich Magersucht, Bulemie und Borderlinie pr√§sentiert wurde.

Letztendlich wurde sie noch aus der Klinik geworfen, wegen Manipulation des Gewichtes.

"Wie das?" fragte Herr Hoffs.

Ich hatte Wasserasammlungen in den

F√ľ√üen und habe diese mit Sch√ľsslersalzen zum lindern gebracht, dadurch hat sich mein Gewicht verringert.

Der Chefarzt war davon nicht begeistert.

Dieses w√ľrde die Statistik ver√§ndern und das ginge gar nicht.

Schließlich stehe sein Ruf und das Ansehen der Klinik auf dem Spiel.

Meine Eltern wurden angerufen, sie sollten mich sofort abholen, sonst w√ľrden sie mich zur Zwangsern√§hrung in ein √∂rtliches Krankenhaus einweisen.

Das war zwei Wochen bevor ich entlassen werden sollte.

Wir haben sie abgeholt und sind nach Hause gefahren.

Wir wussten nicht mehr wie es weiter gehen sollte. Wir mussten unseren Lebensunterhalt bestreiten. Anna unsere zweite Tochter, fing bereits an, Symptome zu entwickeln und uns als Familie ging es ziemlich schlecht.

"Was ist dein Ziel,"  fragte Herr Hoffs, Sophie.

Die wolle wieder ein normales Leben f√ľhren und ihr Studium fortsetzen.

Ein normales Gewicht haben und all das nachholen, was sie auf Grund ihrer Erkrankung versäumt hatte.

Herr Hoffs fragte mich und Igor, wie die Geburt von Sophie war?

Ob es besondere Vorkommnisse in der Schwangerschaft gegeben hatte?

Da ich ein Schwangerschaftstagebuch gef√ľhrt hatte, war es f√ľr mich relativ einfach die Fragen zu beantworten.

Als ich sagte, dass sich bei der Geburt, die Nabelschnur um den Hals von Sohpie gewickelt hatte, wurde Herr Hoffs hellhörig.

Er fragte: "Elena, wie lange war die Nabelschnur um den Hals und wurde Sophie mit Kaiserschnitt auf die Welt gebracht."

Igor sagte daraufhin, dass die Herzt√∂ne immer schw√§cher bei Sophie wurden und die √Ąrzte √ľberlegten, ob sie Sophie per Kaiserschnitt holen sollten. Wie lange hatte es gedauerte, ich glaube es waren so circa 30 Minuten. Die √Ąrzte gaben

meiner Frau die Schuld, sie w√ľrde die Wehen nicht richtig veratmen. Bis sie dann endlich feststellten, dass die Nabelschnur um Sophies Hals lag.

Sie brauchten den Kaiserschnitt bei Sophie nicht anzuwenden. Sie wurde ganz normal geboren.

Darauf hin meinte Herr Hoffs, nein sie wurde nicht geboren. Sophie hat die Geburt in die Wege geleitet. Das tun alle Babys. Sie bestimmen selber, ob und wann sie zur Welt kommen m√∂chten. Sie leiten die Geburt ein, nicht die Mutter oder die √Ąrtzte.

Wir staunten nicht schlecht, √ľber diese Aussage.

Sophie erzählte, dass sie in der Schule

gemobbt wurde. Dass die Lehrer sie nicht mochten. Sie war so anderes als ihre Mitsch√ľler. Hatte bunte Haare und trug auffallende Kleidung. Das Augustiner Gymnasium war eine Schule, welche sich hinter dicken Mauern befand. Dort durfte man keine eigene Meinung haben. Man durfte nichts in Frage stellen und schon gar nicht Kritik √ľben.

Aber all das habe ich getan. Dieses kam leider nicht gut an.

Ich fing an zu ritzen, um mich zu sp√ľren.

Es hat leider lange niemand bemerkt.

Ich habe es vertuscht.

Aber innerlich hatte ich das Bed√ľrfnis, dass es jemand wahrnimmt.

Meine Mutter hatte es als Erste bemerkt.

Als sie mich daraufhin angesprochen hatte, habe ich versucht Entschuldigungen zu finden.

Sie lies aber nicht locker. Es fiel mir schwer zu l√ľgen.

Ich brach in Tr√§nen aus und sagte, dass ich auf dieser Schule keine Zukunft sehen w√ľrde.

Daraufhin leiteten meine Eltern dann den Schulwechsel ein. Dieser lief aber auch nicht optimal.

Das Schulamt stellte sich quer, die Schulleitung f√ľhlte sich √ľberfordert.

Meine Eltern fanden dann bei der Freien Waldorfschule Wetterau, Menschen die bereit waren mich aufzunehmen.

Daraufhin folgte der Schulwechsel auf

die Freie Waldorfschule, Wetterau.

Dort f√ľhlte ich mich Anfangs recht wohl.

Aber ich fand keinen 

Anschluss an die Klassengemeinschaft. Somit war ich oft alleine. Nur durch meinen Ehrgeiz und meine Noten, wurden meine Mitsch√ľler auf mich aufmerksam. Sie waren nur daran interessiert, dass ich Ihnen die Aufgaben erkl√§ren konnte.

Dann schlich sich die Magersucht, als meine Freundin, bei mir ein.

Sie wurde ein fester Bestandteil meines Lebens und das f√ľnf Jahre lang.

Wir als Eltern wurden dann gebeten den Raum zu verlassen.

Herr Hoffs wollte sich mit Sophie, noch

alleine unterhalten.

Nach dem Gespräch zwischen Sophie und Herrn Hoffs wurde dann die Traumreise eingeleitet.

Sophie wurde in einen Zustand versetzt, der losgel√∂st war von allem K√∂rperlichem. Sie befand sich in einer Trance. Das Bewusstsein, also das Ego wurde ausgeschaltet. Sophie war in einer Trance, welche auf der Tiefe der Alpha Wellen lag. Es wurden die Emotionen und Gef√ľhle angesprochen. Sie bekam auf dieser Ebene der Alpha Wellen alles mit, was gefragt und gesagt wurde. Sie konnte sich allerdings nicht bewegen und lag in einer entspannten Haltung da.¬†

Sie wurde St√ľck f√ľr St√ľck zur√ľck

versetzt. Von ihrer Jugend bis hin zu

ihrem Leben im Mutterleib. Sie sp√ľrte die Hilflosigkeit, welche sie bei der Geburt hatte. Sp√ľrte auch gleichzeitig die Kraft, welche sie ben√∂tigte um die Geburt auszul√∂sen.¬†

Es war genau diese Kraft, welche sie benötigte um sich aus den Fängen der Magersucht zu befreien. Die Kraft die sie brauchte um der Stimme in ihrem Kopf zu sagen, ich habe die Macht, nicht du.

Das ist mein Leben nicht dein Leben.

Was passiert hier mit mir, dachte Sophie.

Die Tr√§nen liefen ihr √ľber das Gesicht.

Sie f√ľhlte den Hass, die Wut und ihre eigene Hilflosigkeit..

Der Therapeut fragte Sophie, ob es

Personen gäbe in ihrem Leben, denen sie etwas sagen wollte.

Sophie dachte einige Zeit nach.

Der Therapeut fragte ob Sophie bereit wäre jede Person bei ihrem Namen aufzurufen um ihr etwas mitzuteilen.

Sophie sah die Menschen vor ihrem geistigen Auge. Sie rief jeden mit ihrem Namen.

Sie trat mit jedem in Kontakt der ihr Leben beeinflusst hatte im Positiven, wie im Negativen.

Dankte denen, welche ihr Kraft gegeben hatten und verabschiedete sich von denen, welche ihr Leben negativ beeinflusst hatten. Sie reichte Ihnen die Hand.

Sophie kam in das reale Leben zur√ľck.










Erl√Ąuterung zur Traumreise


Andreas Winter nennt diesen Heilungsprozess "Traumreise".

Dieses ist eine Hypnose, welche im Wellenbereich der Alphawellen liegen. Sie hat eine Trance Tiefe von 8-12 hz Der Normalbereich, also der Wachzustand liegt bei 13 bis 21 hz.

Es ist also nur ei leichter Trancezustand.

Der Klient kann jederzeit die Traumreise unterbrechen. Er kann immer Einfluss auf das Geschehen nehmen. Deshalb ist eine Manipulation ausgeschlossen.

Es findet ein Vorgespräch statt, wo die Lebensgeschichte, sowie die Geburt

besprochen warden.

Nach der Traumreise, findet eine Nachbesprechung statt.



Heilung


Nach einer Woche meldete Sophie sich bei mir. Mama, ich glaube ich bin gesund.

Die Stimme ist nicht mehr da, sie ist nicht mehr wiedergekommen. Die Stimme hatte mir befohlen, dass ich es nicht wert bin zu essen. Ich habe auf sie gewartet, jeden Tag, aber sie kam nicht mehr.

Bei jedem Brötchen, welches ich essen wollte, musste ich mir sagen lassen, dass ich nur die Hälfte essen sollte. Ich wäre es nicht wert, mehr zu essen.

Diese Stimme ist nun nicht mehr da. Ich hatte mich an sie gew√∂hnt, f√ľnf Jahre

lang war sie mein ständiger Begleiter.

Ich weinte ganz leise.

Mir fiel es schwer etwas zu sagen. Ich dachte nur der Spuck ist zu Ende.


Essen ohne Angst


Es war wunderbar mit anzusehen, wie es Sophie jeden Tag besser ging.

Wir sahen sie zwar nur einmal pro Woche, da Sophie ihrem Studium in Gießen nach ging.

Aber auch am Telefon klang ihre Stimme fester, zuversichtlicher, als vor der Hypnose.

Sie ernährte sich rein vegan. Das hatte sie zwar schon während ihrer Erkrankung getan, allerdings aus Angst. Aber nun lebt sie vegan aus reiner Überzeugung.

Da Menschen, Tiere und Pflanzen

Lichtwesen sind, ist es ges√ľnder, Nahrung zu essen, welche aus Licht hergestellt wurde. "Wie soll ich das verstehen", fragte ich. Nun stell dir einmal vor, ein Apfel, welcher am Baum w√§chst und nicht chemisch behandelt wurde, entsteht durch Sonnenlicht. Er speichert die Lichtenergie. Je mehr ein Lebensmittel mit unserer Lichtstruktur identisch ist, desto besser ist es f√ľr den K√∂rper.

Fleisch zu essen, w√ľrde f√ľr mich bedeuten, Lebewesen zu essen, die eine Seele haben. Das kann ich nicht. Wenn ich bedenke, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden und wieviel Getreide und Wasser sie bekommen um

dann elendig geschlachtet zu werden, Mit dem Getreide und dem Wasser könnte man das Hungerproblem auf der Erde ganz schnell lösen.

Aber f√ľr mich ist es wichtig und das ist anders es vorher, dass ich ohne Angst esse.



Lichtnahrung


Ich dachte lange dar√ľber nach, was Sophie gesagt hatte.

Es leuchtete mir ein, wie einfach, die Probleme auf der Erde gel√∂st werden k√∂nnten, wenn ein Umdenken in den K√∂pfen der Menschen geschehen w√ľrde.

Das mit der Lichtnahrung, war etwas womit ich mich lange auseinandersetzte.

Ich las in dem Buch von Siglinda Oppelt "Das Licht in dir".

Dort wurde ausf√ľhrlich erl√§utert, was mit Lichtnahrung gemeint ist.

Nahrung teilt man in zwei Kategorien ein.

- in grobstoffliche Nahrung

- in feinstoffliche Nahrung


Grobstoffliche Nahrung ist die Nahrung, die wir jeden Tag zu uns nehmen.

Das wichtigste dabei ist der Genuss. Man sollte das essen, was einem bekommt. Ohne Angst zu essen ist das A und O.

Die Lichtspeicherf√§higkeit ist ein weiterer Aspekt. Je nat√ľrlicher ein Lebensmittel ist, desto mehr Lichtenergie hat es gebunden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, je mehr Bearbeitungsprozesse es durchlaufen hat, desto weniger Licht ist vorhanden.

Der Körper kann dadurch weniger Lichtnahrung in sich aufnehmen.


Die feinstoffliche Nahrung ist Licht.

Der Körper besteht aus Licht.

Zuerst war das Licht und dann die H√ľlle.

Der Körper eines jeden Lebewesens baute sich von innen nach außen auf.

Wir versorgen unseren Körper mit Licht,

das bedeutet wir versorgen ihn mit Informationen und Energie.

Außerdem ernähren wir uns auch mit der Haltung, wie wir anderen Menschen begegnen. Wie die Zuwendung ist.

Ob im Beruf, im Alltag, in der Familie oder in der Partnerschaft.

Ist Zuwendung, Mitgef√ľhl, Anerkennung vorhanden. Dies alles n√§hrt uns. L√§sst das Licht in der Seele leuchten. Das

strahlt nach au√üen, und kommt mit einem L√§cheln oder einem Danke sch√∂n zur√ľck.

Danke an meine Tochter


Es ist möglich eine Krankheit zu heilen.

Egal, welchen Namen diese Krankheit trägt.


Wir wollen allen, welche von einer Krankheit betroffen sind, einen Weg aufzeichnen, welcher zur Heilung f√ľhrt.


Das Einzige, was dazu benötigt wird, ist der Wille gesund zu werden.


Ich danke meiner Tochter, dass sie diesen Weg gegangen ist.

Nachwort


Die Diagnose an der Oberfläche.


Typisch f√ľr solche Krankheiten ist, dass gleich zu Beginn eine Diagnose gestellt wird, die ausschlie√ülich an den k√∂rperlichen Symptomen festgemacht wird. Wer unter 40 Kilo wiegt und sich zu dick f√ľhlt, muss krank sein. Es wird ausschlie√ülich √ľber diese angebliche Krankheit gesprochen und wie sie geheilt werden kann. Mit allen m√∂glichen √úberredungsk√ľnsten wird versucht ganz rational zu erkl√§ren, dass zu wenig Gewicht ungesund ist und mehr gegessen

werden muss. Wenn das der Patient nicht. freiwillig macht, muss er halt zwangsernährt werden.


Wie wirkt das Schutzsystem?


Wie bei fast allen anderen Zwangshandlungen gibt es ein inneres Missverh√§ltnis von den vorhandenen M√∂glichkeiten und insgeheim gesuchten W√ľnschen und Ergebnissen. Das Aufl√∂sen dieses Missverh√§ltnisses ist vom inneren Schutzsystem ausdr√ľcklich gew√ľnscht. Es setzt allerdings ein Verstehen der wirklichen Hintergr√ľnde voraus.

Die Kunst besteht darin herauszufinden,

was zu wenig oder zu viel ist. Die Antworten sind in jedem Menschen vorhanden. Jeder Schutzmechanismus schaut sich den Helfer genau an. Erst wenn der Eindruck entstanden ist, dass die Angebote des Helfenden besser sind, als die Schutzmechanismen, wird sich das Unterbewusstsein auf einen Austausch einlassen. Einfach ausgedr√ľckt. Die angebliche Krankheit ist lediglich ein Ausdruck daf√ľr, dass etwas nicht stimmt. Die Behandlung setzt am Bewusstsein an, aber die L√∂sung liegt im Unterbewusstsein. Der Mensch wird zu 90% vom Unterbewusstsein gesteuert. Das bedeutet, dass der Mensch quasi fremd gesteuert wird. Der freie Wille

macht nur ein geringer Teil des Menschen aus. Jeder Mensch hat ein inneres Schutzsystem das vom Unterbewusstsein gesteuert wird. Dieses wird durch einen Impuls in Gang gesetzt, wenn etwas nicht stimmt. Ich nenne hier einige Beispiele: Unterforderung, √úberforderung, zu wenig Schlaf, unterdr√ľckte W√ľnsche, unterdr√ľckte Gef√ľhle, Missbrauch oder Missachtung. Die Auswirkungen sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Fakt ist, dass jedem Menschen Signale gesendet werden, dass etwas unternommen werden muss, sonst werden die k√∂rperlichen Symptome gr√∂√üer. Dieses k√∂nnen zum Beispiel Kopfschmerzen, √úbelkeit,

Bauchschmerzen, Unkonzentriertheit, Hautleiden, Migr√§ne, Allergien, zu viel oder zu wenig Essen sein. Es handelt sich dabei nie um eine Strafe, sondern um eine Hilfe. Das Unterbewusstsein ist kein einfacher Gespr√§chspartner. Da es eine andere Sprache spricht, muss es sich auf seine Weise bemerkbar machen. Man kann auch sagen, dass das innere Schutzsystem nur einen Teilzeitjob hat und die begonnene Alarminstanz gerne abgeben m√∂chte, um sich von diesem Stress zu erholen. Es w√ľrde sich gerne zur√ľckziehen um die eigentliche Ursache beheben. Das Unterbewusstsein kennt sehr genau die ungel√∂ste Ursache, kann sie aber selber nicht bearbeiten. Das

kann nur der Mensch alleine. Daraus ergibt sich, dass alle Antworten und L√∂sungen bereits im Menschen vorhanden sind. Die Kunst besteht darin, mit dem Unterbewusstsein ins Gespr√§ch zu kommen. Wenn man einmal verstanden hat, dass das Unterbewusstsein seinen Menschen besch√ľtzen will und nichts b√∂ses im Sinn hat, der versteht dann, dass Gespr√§che mit dem Schutzsystem nicht wie ein Telefonat zu f√ľhren sind. Da kann nicht einfach ein Arzt, Therapeut oder Psychologe daher kommen mit wohlgemeinten Ratschl√§gen oder Verhaltensweisen, das wird sofort abgewiesen. Um in ein Gespr√§ch zu

kommen, muss man sich erst einmal bewerben, wie bei einem neuen Arbeitsplatz. Das Schutzsystem pr√ľft erstmal den Anbieter mit seinen Vorschl√§gen, ob ihm auch nichts weggenommen wird ohne etwas besseres anbieten zu k√∂nnen. Wegnehmen bei der Magersucht w√ľrde bedeuten, mehr essen zu m√ľssen. Dieses ist aber nicht gewollt.

Denn das geringe Gewicht hat eine positive Absicht, so merkw√ľrdig sich dieses auch anh√∂ren mag. Vom Schutzsystem werden nur Menschen, die verstehen, was innen passiert, an sich heran gelassen,¬†welche Verst√§ndnis, W√ľrde, Einf√ľhlungsverm√∂gen und Aufmerksamkeit besitzen.

Grundvoraussetzungen. Es sollte klar sein, dass es mit einer netten Plauderei nicht getan ist. Das Unterbewusstsein gibt nur die Zwänge frei, wenn ihm eine bessere Lösung geboten wird

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Moonoo Leider ein Thema das √∂fter vorkommen kann als man denkt. Gut das du dich so einer Sache angenommen hast.

Liebe Gr√ľ√üe
Vor langer Zeit - Antworten
Undefiniert Also - Ich habe mich tats√§chlich festgelesen und finde deinen Schreibstil sehr gut (an einigen Rechtschreib- und Grammatikfehlern kann man ja arbeiten und sie st√∂ren auch nicht wirklich).
Aber ich glaube, du musst das ganze noch enorm in die L√§nge ziehen und mehr erkl√§ren. Bis jetzt hast du dich vor allem auf die Gef√ľhle der Hauptperson konzentriert, was sehr spannend zu lesen war, allerdings hat mir der Bezug zu den Geschehnissen in der Schule gefehlt. Ich habe noch nicht ganz verstanden, warum sie sich so f√ľhlt, wie du es beschreibst.
Immer weiter so, es ist ein guter Anfang! (Und kein leichtes Thema)
lg Undefiniert
Vor langer Zeit - Antworten
Alociir77 Ich finde wirklich gut, dass du das Thema ansprichst..

Vl k√∂nntest du die direkte Rede noch in Anf√ľhrungs- und Schlusszeichen setzen, damit es verst√§ndlicher wird. ;)

Sonst ist es spannend geschrieben..

Lg Alociir
Vor langer Zeit - Antworten
zurueckchen Ich w√ľrde es unter Kurzgeschichte einstellen oder wenn es l√§nger also ein richtiger Roman wird unter Romane einstellen, Erwachsenliteratur hat man ja nur einen Zugriff drauf wenn man 18 Jahre alt ist;))))), da ich aber nicht wei√ü wie heftig die Geschichte wird............?
Ansonsten geht Mobbing alle an ;)))
Vor langer Zeit - Antworten
picasso Re: Hinter dicken Mauern - Genau
Ich habe erst angefangen.

Es wird auch noch etwas dauern bis die Geschichte ein Ende findet.

Ich wollte eigentlich nur erstmal einFeedback haben, ob man das Geschriebene gut ankommt.

Meinst du ich soll es unter Jugenliteratur eintragen?

Danke f√ľr deine R√ľckmeldung



Zitat: (Original von zurueckchen am 01.08.2012 - 13:24 Uhr) Schreibst du eine Fortsetzung, kann deiner Geschichte gut folgen, doch mir fehlt hier wie Rainer der Bezug zum Vorwort, denke aber er wird noch folgen..................
Warum stellst du die Geschichte unter Erwachsenliteratur ein? Wird es so schlimm dass die Jugendlichen es hier nicht lesen sollten?
Denn dieses Thema geht doch alle an, es sei denn, es wird echt noch zu heftig.

Vor langer Zeit - Antworten
picasso Re: Hinter dicken Mauern - Genau
Ich habe erst angefangen.

Es wird auch noch etwas dauern bis die Geschichte ein ende findet.

Ich wollte eigentlich nur erstmal einFeedback haben, ob man das Geschriebene gut ankommt.

Danke f√ľr deine R√ľckmeldung


quote=PorterThomson am 02.08.2012 - 05:52 Uhr) Gemach Gemach! Et k√ľmmt wie et k√ľmmt! Der Autor hat doch gerade erst angefangen.
Auf jeden Fall eine angenehme Schreibweise.
Vor langer Zeit - Antworten
PorterThomson Gemach Gemach! Et k√ľmmt wie et k√ľmmt! Der Autor hat doch gerade erst angefangen.
Auf jeden Fall eine angenehme Schreibweise.
Vor langer Zeit - Antworten
zurueckchen Schreibst du eine Fortsetzung, kann deiner Geschichte gut folgen, doch mir fehlt hier wie Rainer der Bezug zum Vorwort, denke aber er wird noch folgen..................
Warum stellst du die Geschichte unter Erwachsenliteratur ein? Wird es so schlimm dass die Jugendlichen es hier nicht lesen sollten?
Denn dieses Thema geht doch alle an, es sei denn, es wird echt noch zu heftig.
Vor langer Zeit - Antworten
derrainer bis jetzt - sehe ich , bzw. lese ich nichts von mobbing ,
ausser im vorwort .
es gibt f√ľr alles zwei seiten , kinder vor der klassent√ľr zu stellen ist eine erziehrische massnahme ,
sollte sich ein kind gemobbt f√ľhlen , sollte es ein tagebuch f√ľhren , und wenn es m√∂glich ist , dieses von klassenkameraden unterzeichnen lassen .
so hat man etwas in der hand , aussagen dass es so ist . haben keinen bestand ,
sind sie aber schriftlich belegt , haben sie einen anderen stellenwert .
der zu vorlage zur schulbehörde dienlich sein kann.
gruß rainer
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