Romane & Erzählungen
Luzifer

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"Luzifer"
Veröffentlicht am 19. Juli 2012, 10 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Luzifer

Luzifer

 

In einer Zeit des Krieges sah eine Schar Engel auf die Erde hinab. Sie sahen den Hass¬†und die Gier der Menschen und sch√ľttelten die¬†K√∂pfe. „So kann es nicht weitergehen.“, sagte einer von ihnen. Die anderen nickten zustimmend. „Wir m√ľssen die unschuldigen Menschen besch√ľtzen und den Frieden auf die Welt zur√ľckkehren lassen.“ Und sie schickten dunkle Wolken zur Erde, gef√ľllt mit
Blitzen und dem Groll der Engel, auf dass sie den Kriegf√ľhrenden Einhalt gebieten m√∂gen. Doch die Menschen sahen diese Zeichen nicht. Die Engel berieten, was nun zu tun sei und kamen schlie√ülich zu dem Ergebnis, dass einer von ihnen h√∂chst pers√∂nlich auf die Erde entsandt werden sollte, um die Menschheit vor ihrem Untergang zu bewahren. Sie w√§hlten Luzifer, den j√ľngsten und kr√§ftigsten aus. Also machte sich Luzifer bald auf den Weg.
Er landete in einem kleinen Dorf, weit abseits der großen Städte und sah die Armut. Traurigkeit lies sein Herz schwer werden. Und er fragte sich, wie die reichen Menschen in den Städten so etwas geschehen lassen konnten. Der Himmel verdunkelte sich und es begann in Strömen zu regnen. Dicke Tropfen fielen wie ein Sturzbach vom Himmel und durchtränkten seine Kleider. Die Menschen suchten Schutz in ihren baufälligen Häusern.
Ein eisiger Wind lie√ü Luzifer fr√∂steln und er sah sich nach einem Schutz f√ľr sich um, als er pl√∂tzlich die Stimme eines kleinen Jungen hinter sich vernahm. „Willst du dich nicht unterstellen?“ Luzifer drehte sich um und sah einen Jungen von etwa 6 Jahren. Luzifer l√§chelten ihn an. „Ich wei√ü nicht, wo ich mich unterstellen kann.“ Der Junge nahm ihn bei der Hand. „Du kannst mit zu uns kommen. Wir haben bestimmt noch irgendwo Platzt f√ľr dich.“ Und Luzifer lie√ü sich von dem kleinen Jungen f√ľhren. Wenn doch nur alle Menschen so herzlich w√§ren, wie dieses Kind, dachte er. Der Junge f√ľhrte ihn zu einem kleinem H√§uschen unter einem gro√üen Baum. Es hatte noch nicht mal eine T√ľr. Vor dem Eingang hang eine zerfetzte und mittlerweile triefendnasse Decke. Der Junge schob sie zur Seite und lie√ü Luzifer eintreten, der den Kopf einziehen musste.
Im Inneren des Häuschens gab es einen großen Raum, in dem ein Feuer knisterte, an dem sich zwei Mädchen und drei Jungen die Hände
w√§rmten. „Nikolas!“ Der √§lteste Junge stand auf und ging zu dem kleinen Jungen, der Luzifer hergef√ľhrt hatte. „Ich hab dir doch gesagt du sollst reinkommen, wenn es anf√§ngt zu regnen, sonst holst du dir noch eine Lungenentz√ľndung!“ „Ja.“, antwortete Nikolas kleinlaut. „Aber schau Flee, ich hab jemanden mitgebracht.“ Erst jetzt schien der √§ltere Junge Luzifer zu bemerken. „Er darf doch hier bleiben, bis es auf h√∂rt zu regnen, oder? Bitte Flee!“ Flee musterte Luzifer. „Nat√ľrlich darf er bleiben.“ , sagte er dann. „Bei dem Wetter schickt man nicht einmal seinen gr√∂√üten Feind vor die T√ľr.“ Er bot Luzifer einen Platz am Feuer an, w√§hrend das √§ltere der beiden M√§dchen mit Nikolas durch die einzig andere T√ľr verschwand und ihm trockene Sachen anzog.
„Wir haben auch noch etwas zu Essen.“ Der Junge l√§chelte d√ľnn. „Ist nicht das Beste, aber immerhin etwas zu essen.“ Er reichte Luzifer ein St√ľck hartes Brot und eine Sch√ľssel Suppe, die aus warmem Wasser bestand, in dem ein paar Kr√§uter und Gew√ľrze schwammen. „Tunk das Brot ein, sonst bei√üt du dir noch ein Zahn aus.“, sagte das kleine M√§dchen zu ihm, das neben ihm sa√ü. „Ach ja und das sind Maria, Sophie, Maximilian und Friedrich.“, stellte der gro√üe Junge Luzifer die restlichen Kinder vor. „Mein Name ist √ľbrigens Felix und deiner?“ „Ich hei√üe Luzifer.“ Die Kinder musterten ihn neugierig. „Wo kommst du her, Luzifer?“, fragte Sophie, das gr√∂√üere der beiden M√§dchen, das den Raum gerade wieder betreten hatte. „Aus einem kleinen Dorf n√∂rdlich von hier. Es ist abgebrannt und v√∂llig zerst√∂rt worden.“ „Das tut mir Leid.“ Sophie l√§chelte traurig und wechselte dann das Thema. „So und ihr geht jetzt alle ins Bett.“, sagte sie zu den
Kleinen. „Erz√§hlst du uns denn noch eine Geschichte?“ Maria sah Sophie bittend an. „Na gut, aber nur, wenn ihr euch gleich in die Betten legt.“ Maria, Nikolas, Maximilian und Friedrich jubelten und beeilten sich dann in ihre Nachtlager, die sich im n√§chsten Raum befanden und aus ein bisschen Stroh und je einer Decke bestanden, zu kommen. Sophie entschuldigte sich und verschwand ebenfalls durch die T√ľr.

 

Eine zeitlang schwiegen Felix und Luzifer sich an. „Wann kommen eure Eltern denn nach Hause?“, unterbrach Luzifer das Schweigen. Felix starrte gedankenverloren ins Feuer, als er antwortete. „Unsere Eltern leben nicht mehr. Meine Mutter starb kurz nach Nikolas Geburt und mein Vater fiel im Krieg. Nikolas und die anderen sind alles, was ich noch habe.“ Luzifer war betr√ľbt. Warum mussten so freundliche Kinder ohne Eltern aufwachsen? Aus dem Schlafzimmer h√∂rte er das Lachen der Kinder. „Sophie ist gut im Geschichten erz√§hlen.“ Felix sprach mehr mit sich selbst als mit Luzifer. „Seid ihr alle Geschwister?“ Felix lachte. „Nein. Sophie und Maria geh√∂rt dieses Haus. Was mit ihren Eltern passiert ist wei√ü ich nicht, sie reden nicht dar√ľber. Friedrich und Maximilian kommen auch aus diesem Dorf. Friedrichs Eltern sind im Eis eingebrochen, als er gerade laufen konnte und bei Maximilian ist es genau wie bei uns.“ Er seufzte. „Nikolas und ich kommen von weiter her. Wir sind durch die Gegend gezogen auf der Suche nach Gelegenheitsarbeiten, mit denen ich gerade so viel Geld verdient habe, dass es f√ľr uns beide reichte. Als wir hierher kamen, hat Sophie uns aufgenommen. Seitdem Leben wir hier. Ich hacke Holz und verdiene ein bisschen Geld bei einem Schmied hier ganz in der N√§he, w√§hrend Sophie Kr√§uter, Pilze und so etwas sammelt und auf die Kleineren aufpasst.“
Sophie betrat den Raum und setzte sich neben Felix. Dann herrschte eine Weile wieder Schweigen. „Ich glaube ich werde mich auch etwas hinlegen, es ist schon sp√§t und es war ein langer Tag.“ Luzifer stand auf. Sophie erhob sich ebenfalls und begleitete ihn ins Schlafzimmer. „Ich habe schon ein Bett f√ľr dich hergerichtet.“ Luzifer bedankte sich und sie verlies den Raum. Luzifer legte sich hin. Das Stroh war genauso unbequem, wie es aussah. Er schloss die Augen und betete zu Gott und den anderen Engeln, dass sie auf die Kinder achten m√∂gen, wenn er fort musste und dass sie ein besseres Leben vor sich hatten, wenn die Kriege vorbei waren. Denn diese Kinder hatten ein besseres Leben verdient.
Luzifer lag auf seinem Bett und wartete, bis der Sturm vor√ľber zog. Dann stand er auf, um seine eigentliche Aufgabe zu erf√ľllen. Die Nacht war sternenklar. Luzifer breitete seine Engelsfl√ľgel, die er unter seinem Gewand versteckt gehalten hatte, aus und machte sich auf den Weg zu der n√§chstgelegenen Stadt. Er vernichtete ihre Waffen und schickte den Menschen Tr√§ume, die sie an das wirklich Wichtige erinnerten.
Luzifer erwischte einen Dieb, der seine Beute sofort fallen lies, als er Luzifer entdeckte und panikartig das Weite suchte. Luzifer hob den Beutel auf und fand jede Menge Geld darin.
Als es hell wurde, fand er in der Zeitung den Namen des Mannes, dem es gestohlen worden war. Er machte sich auf den Weg zu ihm und brachte es ihm wieder. Der Mann war so √ľbergl√ľcklich, dass er Luzifer einen Teil davon √ľberlies. Damit kehrte Luzifer zu Felix zur√ľck und schenkte ihm das Geld, damit er sich gut um die anderen k√ľmmern konnte. Und Luzifer dankte Gott und den Engeln, weil sie es ihm m√∂glich gemacht hatten, diesen Kindern zu helfen.
Luzifer kehrte noch oft zu den Kindern zur√ľck, brachte ihnen Geld, Essen, Kleider oder was immer er sonst noch auftreiben konnte. In der Welt kehrte langsam wieder Frieden ein. Stadt f√ľr Stadt, Land f√ľr Land. Die Menschen lie√üen endlich ihre Waffen fallen und gaben sich die H√§nde. Bald w√ľrde wieder alles so sein, wie es sein sollte. Doch als Luzifer eines Tages zu den Kindern zur√ľckkehrte, fand er das Dorf v√∂llig zerst√∂rt vor. Die H√§user waren gepl√ľndert und abgebrannt, √ľberall lagen Tote, die ihren Besitz hatten verteidigen wollen. Luzifer lief zu dem Haus der Kinder, das jetzt nur noch eine rauchende Ruine war. Felix lag tot davor. Er hatte einen dicken Ast in der Hand, mit dem er wohl gek√§mpft hatte. Luzifer beugte sich √ľber ihn. Tr√§nen liefen ihm √ľber die Wange und tropften auf Felix toten K√∂rper. Aber wo waren die anderen? Luzifer sah sich um und entdeckte Sophie, ebenfalls tot mit einem Stock in beiden H√§nden, um sich zu wehren. Sie war feige
von hinten erstochen worden. Was waren das f√ľr Monster, die Kinder von hinten erstachen?
Und dann entdeckte er Nikolas. Der kleine Junge hielt etwas in der Hand fest umklammert. Luzifer hockte sich neben ihn. Vorsichtig öffnete
er seine Hand. Es war das kleine Holzpferd, das Luzifer ihm einmal mitgebracht hatte. Luzifers Augen quollen √ľber vor Tr√§nen und er schrie die Engel im Himmel an, warum sie nicht auf diese Kinder geachtet h√§tten und warum die Kinder hatten sterben m√ľssen.
Er f√ľhlte sich verraten. Wut, Hass und ein unb√§ndiger Zorn kochten in ihm. Seine Fl√ľgel f√§rbten sich schwarz.
Die Engel sahen mit Entsetzen, wie Luzifer sich an den Menschen r√§chte. Er kam √ľber sie wie ein Fluch und brachte ihnen die grauenvollsten Tode. Wieder berieten die Engel, was nun zu tun sei. Und schweren Herzens nahmen sie Luzifer seine Fl√ľgel und verbannten ihn tief unter die Oberfl√§che der Erde, da sie es nicht fertig brachten ihn zu t√∂ten. Und dort wird er hausen, hassen und vor Zorn kochen, bis Nikolas, Felix, Sophie, Maria, Maximilian und Friedrich wieder auferstehen.

 

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Yukidaruma

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Killerkeks Eine wundersch√∂ne Geschichte :D
Eindrucksvoll beschrieben, und wirklich r√ľhrend..und traurig :/
LG,Killerkeks
Vor langer Zeit - Antworten
Yukidaruma Re: -
Zitat: (Original von nobara am 02.08.2012 - 16:56 Uhr) Die Geschichte ist wunderbar!!!!!!!!!!!!
Sie bewegt einen auf eine besondere Weise.....
daher gehört sie nun definitiv zu meinen Lieblingsgeschichten!!!!
Nur die Formatierung hat den Lesefluss gestört.
nobara


Freut mich, dass es dir gefallen hat!!!
So, jetzt habe ich die Formatierung ENDLICH √ľberarbeitet *hechel*!!
Zufrieden oder noch mehr Verbesserungsvorschläge?

HDL Yukidaruma
Vor langer Zeit - Antworten
nobara Die Geschichte ist wunderbar!!!!!!!!!!!!
Sie bewegt einen auf eine besondere Weise.....
daher gehört sie nun definitiv zu meinen Lieblingsgeschichten!!!!
Nur die Formatierung hat den Lesefluss gestört.
nobara
Vor langer Zeit - Antworten
Yukidaruma Re: -
Zitat: (Original von Strigoia am 21.07.2012 - 20:42 Uhr) Die Geschichte kannte ich schon :D

Und sie ist immer noch wundervoll mein Schatz



hab ich die dir schon mal geschickt? *nachdenk*
... Ich kann mich daran nicht mehr erinnern... *grusel*

Egal, danke, dass du es trotzdem nochmal gelesen hast :P

HDL Schatzi
Vor langer Zeit - Antworten
Strigoia Die Geschichte kannte ich schon :D

Und sie ist immer noch wundervoll mein Schatz
Vor langer Zeit - Antworten
Yukidaruma Re: Bis -
Zitat: (Original von Luzifer am 19.07.2012 - 21:40 Uhr) auf die Formatierung im Text, die es etwas den Lesefluss unterbricht, finde ich diese Geschichte sehr schön.
Ich finde auch nicht, dass es einer Fortsetzung bedarf, da alles Wichtige schon in der Geschichte verarbeitet ist.
Allein die Tatsache, dass Luzifer der J√ľngste der Engel sein soll, st√∂√üt mir pers√∂nlich etwas auf, da er einer der ersten Engel war/ist, aber dar√ľber kann man hinwegsehen. =)

Ich finde die Geschichte sogar eines Favo w√ľrdig.
Sch√∂ne Gr√ľ√üe
Luzifer


Danke f√ľrs Lesen :)
Die Sache mit der Formatierung tut
mir Leid, das √ľberarbeite ich nochmal.

Das Luzifer eigentlich einer der ersten Engel war, stimmt zwar, aber f√ľr meine Story brauchte ich einen unerfahrenen Luzifer, deswegen diese kleine Abwandlung. Es freut mich aber irgendwie, das jemand diesen kleinen Fehler entdeckt hat. Das zeigt, dass du dich gut mit ihm auskennst ;)

LG Yukidaruma
Vor langer Zeit - Antworten
Yukidaruma Re: -
Zitat: (Original von kkm1979 am 19.07.2012 - 21:25 Uhr) --------------------------------sprachlos ; )
Ich hoffe das war nicht alles ?!
LG
kkm :)


:D Es freut mich, dass es dir so gut gefallen hat.
Allerdings glaube ich, dass diese Geschichte ein Einzelband bleibt.

LG Yukodaruma
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Bis - auf die Formatierung im Text, die es etwas den Lesefluss unterbricht, finde ich diese Geschichte sehr sch√∂n.
Ich finde auch nicht, dass es einer Fortsetzung bedarf, da alles Wichtige schon in der Geschichte verarbeitet ist.
Allein die Tatsache, dass Luzifer der J√ľngste der Engel sein soll, st√∂√üt mir pers√∂nlich etwas auf, da er einer der ersten Engel war/ist, aber dar√ľber kann man hinwegsehen. =)

Ich finde die Geschichte sogar eines Favo w√ľrdig.
Sch√∂ne Gr√ľ√üe
Luzifer
Vor langer Zeit - Antworten
kkm1979 --------------------------------sprachlos ; )
Ich hoffe das war nicht alles ?!
LG
kkm :)
Vor langer Zeit - Antworten
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