Romane & Erzählungen
Yasin, der T├╝rke (3) - dritter von vielen Teilen

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"Yasin, der T├╝rke (3) - dritter von vielen Teilen"
Veröffentlicht am 11. Juni 2012, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Ich habe mein ganzes Leben damit zugebracht, mir Gedanken dar├╝ber zu machen, wie andere mich sehen. Hier gelten nur meine geschriebene Worte... mehr wird h├Âchstens in meinen B├╝chern ├╝ber mich erz├Ąhlt. Lest und lasst mir eure geschriebenen Worte da... ich freu mich ├╝ber jede Anregung :)
Yasin, der T├╝rke (3) - dritter von vielen Teilen

Yasin, der T├╝rke (3) - dritter von vielen Teilen

Beschreibung

Ein wichtiges Thema: Integration, wie sie funktionieren kann oder auch nicht!

Yasin war guter Dinge, als er abends aus der Bibliothek nach Hause kam. Endlich hatte er etwas Entscheidendes in Mathematik verstanden. Schnell jedoch wurde er wieder auf den harten Boden der Tatsachen zur├╝ck geschleudert. Seine Mutter sa├č auf dem gammeligen Sofa im Wohnzimmer und weinte leise vor sich hin. Der Vater stampfte w├╝tend immer wieder mit den F├╝├čen auf, w├Ąhrend er eine kleine Runde nach der anderen um das Sofa lief. Ohne das Yasin seinen kleinen Bruder trotzig auf dem K├╝chenstuhl hocken sah, dass dies alles mit ihm zu tun haben musste. Hassan hatte wieder etwas angestellt. Und er war nicht da gewesen um es zu verhindern. Die Schuldgef├╝hle schlugen ihm bis zum Hals.

„Was hat er gemacht?“, fragte Yasin, w├Ąhrend er sich mit bedrohlichem Schritt Hassan zu wandte.

„Die Polizei hat ihn vor einer Stunde hier abgeliefert. Er soll eine ├Ątere Dame mit dem Messer bedroht haben.“ Mohammad hielt ein kleines Klappmesser hoch, was Yasin nur eines kurzen Blickes w├╝rdigte und sich sofort wieder auf seinen Bruder konzentrierte. „Doch sie hatte Gl├╝ck und ein anderer Jugendlicher zeigte Courage und ging dazwischen. Hassan wurde das Messer abgenommen und dann solange festgehalten bis die Polizei kam. Allerdings hatte der Andere auch ein paar Verletzungen.“

W├╝tend zischte Yasin durch seine zusammengebissen Z├Ąhne: „Das hast du nicht wirklich getan!“

Hassan stand auf und nun sahen sich die so unterschiedlichen Br├╝der direkt in die Augen. „Was musste sich dieser pi├ž (Bastard) einmischen? Der kann froh sein, dass er noch lebt.“

Da konnte sich Yasin nur noch schwer beherrschen nicht zuzuschlagen. „Du bist so ein armer Wixer, wei├čt du das? Du hast nicht zuf├Ąllig mal dar├╝ber nachgedacht, wie sich das auf das Leben deiner Schwestern auswirkt, oder? Was jetzt die Arbeitskollegen von Papa denken, he? Aber nein, Hauptsache die Leute sprechen ├╝ber dich und haben Angst. Du bist kein gro├čer Gangster, weist du das? Du bist eine kleine, dreckige hamamb├Âcegi (Kakerlake)!“ Ver├Ąchtlich drehte sich Yasin um und schaute nur traurig seinen Vater an: „Es tut mir Leid. N├Ąchstes Mal passe ich auf ihn besser auf.“

Mohammad sah ihn liebevoll an. Er sch├╝ttelte den Kopf. „Hassan ist selber ein Mann. Du k├╝mmere dich um deine Schwestern und um die Schule. Um Hassan werde ich mich k├╝mmern.“ Mit diesen Worten hatte ihn sein Vater ins Zimmer geschickt und sich Hassan gewidmet, der sich in dieser Nacht w├╝nschte, nie geboren worden zu sein.

 

Vor lauter Frust hatte Yasin kaum geschlafen und man sah es ihm an. Seine Verachtung f├╝r den eigenen Bruder brodelte in ihm. Sollte ihm heute irgendjemand krumm kommen, w├╝rde er Yasin nicht von der besten Seite kennen lernen.

Heute gab es in den ersten zwei Stunden Englisch. Wieder war der einzige Platz neben diesem Blauauge von gestern frei. Sie sah mit voller Konzentration nach vorne. Er merkte es ihr an, wie sehr sie sich anstrengte ihn nicht anzuschauen und in einer gewissen Art und Weise war er ihr dankbar daf├╝r, sich um dieses kleine bisschen Normalit├Ąt zu bem├╝hen. Er sah ihr Profil und wusste, dass sie sehr sch├Ân war. Passend zu ihren strahlend blauen Augen trug sie heute einen Himmelblauen engen Pullover und normale Bluejeans. Naja, jetzt war Englisch dran und nicht Sexualkunde.

Genauso wie am Vortag, hatte er seine Sachen bereits zusammen gepackt, bevor die Schulglocke l├Ąutete. Er bemerkte nicht wie Frau Reimer auf seinen Tisch zu kam. Erst als es zu sp├Ąt war, sah er ihren┬á marineblauen Rock vor sich. Langsam sah er an ihr hoch und, wie er sich gut vorstellen konnte, machte er nicht gerade ein kluges Gesicht dabei.

„Was machen Sie da, Herr ├ľzmir?“

„Meine Sachen packen?“ Was sonst?

„Der Unterricht ist noch nicht beendet.“

„Es klingelt gleich.“

„Normalerweise beendete die p├Ądagogische Fachkraft den Unterricht Herr ├ľzmir. Nicht die Schulglocke.“

Fachkraft, dass er nicht lachte. Wenn die Fachkraft war, dann nur in dumm herumstehen.

„Entschuldigen Sie bitte, Frau Reimer, es war mir kurzfristig entfallen.“

„Damit Sie es nicht so schnell wieder vergessen, werden Sie jetzt bitte feins├Ąuberlich alle B├╝cher, Hefte und sonstiges aus Ihrer Tasche nehmen und auf Ihren Tisch stapeln. Und zwar sofort!“

Gegenrede brachte sowieso nichts und so tat er, wie ihm gehei├čen. Sein ganzer K├Ârper war unter Spannung, jeder Muskel in Alarmbereitschaft. 'Allah steh mir bei, nicht unpassend zu reagieren', schoss es durch seinen Kopf. Frau Reimer musterte ihn die ganze Zeit. Dann klingelte die Schulglocke. Yasin wollte wieder seine Sachen einpacken, doch Frau Reimer sah ihn strafend an. „Sie k├Ânnen einpacken.“, sagt sie zu der Klasse, „Sie nicht, Herr ├ľzmir.“

Seine Schultern spannten sich zum Angriff und sein ├╝berm├╝deter Verstand richtete jegliche Wut auf diesen ausgestopften Hasen vor sich, der es sich erdreistete ihn vor aller Welt blo├č zu stellen. Nur aus dem Augenwinkel merkte er wie sich das Blauauge an der T├╝r kurz umdrehte und zu z├Âgern schien. ‚Geh ruhig, dumme Kuh, hier kannst du auch nichts mehr machen.‘, dachte er bei sich.

„Was ist denn, Frau Filbur?“

„Ich warte auf Yasin, ich wollte noch etwas mit ihm wegen Geschichte durchsprechen, wo ich gestern nicht ganz mitgekommen bin. Er ist doch so gut in Geschichte.“

Das sa├č. Wie viele war Frau Reimer alles andere als, naja… ihr wisst schon… Das dieser ausgewachsene, auch noch gut aussehende T├╝rke da vor ihr, hier auf das Gymnasium geh├Ârte, wollte nicht in ihren engstirnigen Kopf hinein. Und das er jetzt auch noch gut sein sollte, passte ihr ├╝berhaupt nicht.

„Sie k├Ânnen gehen, Herr ├ľzmir.“

Jetzt war Yasin v├Âllig verbl├╝fft. Woher nahm dieses kleine, zierliche Ding diesen Mut? Nachdem er aber seine Sachen gepackt hatte und Judith immer n├Ąher kam, merkte er auf einmal, wie sehr sie zitterte. Als die beiden aus der T├╝r gingen und ein St├╝ckchen gemeinsam den Flur entlang gewandert waren, schielte ihnen immer noch ungl├Ąubig Frau Reimer hinterher.

Am Ende des Flures blieben sie stehen. Er sah ihr direkt in die Augen. „Danke.“ Mehr wusste er nicht zu sagen. Das M├Ądchen l├Ąchelte. „Kein Problem.“ Ihr zittern hatte nachgelassen, doch sie schaute ihm nicht mehr in die Augen. Yasin merkte, wie sie sich innerlich wand. „Bis gleich?“, fragte er. Blauauge sah nun doch wieder hoch und nickte erkennbar. Ein sch├╝chternes L├Ącheln zog um ihre Mundwinkel. Ermunternd l├Ąchelte er zur├╝ck und verschwand im get├╝mmel der Sch├╝ler.

 

Als er endlich drau├čen ankam, musste er sich erst mal setzen. So etwas h├Ątte er der Kleinen gar nicht zugetraut. Aber warum hatte sich das getan? Vielleicht, weil sie einfach anders war. Auf jeden Fall war sie etwas Besonderes f├╝r ihn, das wusste Yasin jetzt schon, egal wie das hier in dieser Stadt enden w├╝rde. Blaugauge blieb etwas Besonderes unter all den Menschen die er je kennenlernen w├╝rde. Da war er sich ganz sicher.

Obwohl er sich innerlich zu Vorsicht ermahnte, konnte er nicht umhin sich ein kleines bisschen auf Mathe zu freuen.

 

Doch es kam anders. Anstatt ihn freudig anzul├Ącheln, wenn er den Raum betr├Ąte, sah ihn das M├Ądchen nicht mal an. F├╝r ihn war es wie ein heftiger Schlag in die Magengrube. Erst als er neben ihr sa├č und schon seinen Block heraus geholt hatte, nahm er eine Bewegung neben sich wahr. Seine Nachbarin hatte sich kurz bevor der Unterricht begann zu ihm umgedreht und ihm verschw├Ârerisch zugezwinkert. Ihm fiel auf, dass er ihren Namen gar nicht kannte. ‚Aber es ist auch besser so, sonst komme ich noch auf dumme Gedanken!‘, schalt er sich selber im Geiste und versuchte sich den restlichen Tag voll auf den Unterricht zu konzentrieren.

 

Auf dem Weg nach Hause, was auch immer das Bedeuten f├╝r ihn mag, aber hei├čen tut es nun einmal so, dachte er nicht mehr an das M├Ądchen. Hassan machte sich in ihm breit. Die Wut von dem Morgen kam zur├╝ck. Warum war Yasin so und Hassan so? Woran lag es, dass die beiden so unterschiedlich waren, wie Tag und Nacht? Und warum gab es so viele Hassans in Deutschland, sodass keiner mehr den wahren T├╝rken kannte? ├ťberall starrten sie oder wechselten die Stra├čenseite. Unbewusst hatten sie doch alle Angst. Selbst die kleinen Kinder bekamen manchmal schon Panik, wenn ein brauner Mensch daher gelaufen kam und nicht deutsch aussah. Wie Yasin das hasste! Immer rechtfertigen f├╝r das, was er war, aufpassen, dass er nicht anfing, sich daf├╝r zu sch├Ąmen ein T├╝rke zu sein.

Alle waren zu Hause, bis auf Hassan. Besser so. Nevin kam auf ihn zu, seine kleinste Schwester. Sie war wirklich sehr sch├Ân, fand Yasin. Nicht so aufgetakelt, wie die meisten. Jedoch ging es ganz ohne Make-up auch nicht. „Abi (Bruder), wie geht’s?“ Ohne es wirklich zu wollen musste er l├Ącheln. Wie sehr er doch seine Schwestern liebte. Beide hatten einen unglaublichen Optimismus und eine fr├Âhliche Art alles durch eine kunterbunte Regenbogen-Brille zu sehen. Nur zu gerne lie├č er sich davon anstecken. „Soweit alles klar, und bei dir, wie war dein Tag?“ Hinten, in der K├╝che, sah er auch seine Mutter und seine andere Schwester S├╝kran.

Der Abend war wie ein Traum, eine Illusion. Jeder war friedlich miteinander. Familie ├ľzmir war eine gl├╝ckliche Familie an diesem Abend. Man lachte, a├č und hatte Spa├č. So ein Abend tat ihnen allen gut.

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Andy91
Ich habe mein ganzes Leben damit zugebracht, mir Gedanken dar├╝ber zu machen, wie andere mich sehen. Hier gelten nur meine geschriebene Worte... mehr wird h├Âchstens in meinen B├╝chern ├╝ber mich erz├Ąhlt. Lest und lasst mir eure geschriebenen Worte da... ich freu mich ├╝ber jede Anregung :)

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Andy91 Re: Im -
Zitat: (Original von Luzifer am 11.07.2012 - 19:13 Uhr) Vergleich zu den vorheringen Teilen, finde ich diesen eher schw├Ącher gelungen. Die erste Seite solltest du auf jeden Fall noch einmal durchsehen. Da haben sich doch etwas zu viele Fehler eingeschliechen. ;)
Die Formulierung "Hassan machte sich in ihm breit" ist, finde ich, sehr lustig. Es klingt so, als w├Ąre er irgend eine Krankheit. Vielleicht w├Ąre einfach "Hassan kam ihm wieder in den Sinn und damit auch die Wut vom Morgen." besser.

Etwas ├╝berrascht hat mich, dass Yasin versucht Hassan zu "bestrafen" bzw. die Schuld auf sich zu nehmen, da ich eher angenommen h├Ątte, dass von Anfang an der Vater ihm die Angst in die Glieder getreiben w├╝rde.

Aber sonst bin ich gespannt, was du aus ihnen noch machst und hoffe, dass nicht irgendwo die Schwestern von Yasin bel├Ąstigt oder ├Ąhnliches werden und er ausrastet. Das w├Ąre irgendwie viel zu typisch. ^^

Sch├Âne Gr├╝├če
Luzifer


Danke, f├╝r deine ehrlichen Worte. Ich werde sehen, was sich machen l├Ąsst. Kann sein, dass ich nicht ganz bei der Sache war... Werde noch mal einen pr├╝fenden Blick dr├╝ber werfen^^

Danke nochmal, auch f├╝r deine Zeit! Freut mich wirklich!

LG
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Im - Vergleich zu den vorheringen Teilen, finde ich diesen eher schw├Ącher gelungen. Die erste Seite solltest du auf jeden Fall noch einmal durchsehen. Da haben sich doch etwas zu viele Fehler eingeschliechen. ;)
Die Formulierung "Hassan machte sich in ihm breit" ist, finde ich, sehr lustig. Es klingt so, als w├Ąre er irgend eine Krankheit. Vielleicht w├Ąre einfach "Hassan kam ihm wieder in den Sinn und damit auch die Wut vom Morgen." besser.

Etwas ├╝berrascht hat mich, dass Yasin versucht Hassan zu "bestrafen" bzw. die Schuld auf sich zu nehmen, da ich eher angenommen h├Ątte, dass von Anfang an der Vater ihm die Angst in die Glieder getreiben w├╝rde.

Aber sonst bin ich gespannt, was du aus ihnen noch machst und hoffe, dass nicht irgendwo die Schwestern von Yasin bel├Ąstigt oder ├Ąhnliches werden und er ausrastet. Das w├Ąre irgendwie viel zu typisch. ^^

Sch├Âne Gr├╝├če
Luzifer
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Gast Kommentar vom Buch-Autor gelöscht.
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Zamperle sch├Ân.

Liebe Gr├╝├če Zamperle
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