Romane & Erzählungen
Wer zu sp├Ąt kommt...

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"Wer zu sp├Ąt kommt..."
Veröffentlicht am 25. Mai 2012, 10 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Wer zu sp├Ąt kommt...

Wer zu sp├Ąt kommt...

Beschreibung

Der Text enstand nebenbei, als ich eine Ethikhausaufgabe schreiben musste (Wie eine "gute" Welt 2050 sein k├Ânnte). Kurz zuvor hatte ich einen Artikel in der "Zeit" gelesen, in dem es darum ging, dass in einem Norddeutschen Bundesland "sich die Nazis breitmachen". Da sind dann Geschichten wie diese in meinem Kopf enstanden... Und das ist dann dabei herausgekommen.

„Aus dem Weg und Fresse halten, dumme Kinder!“ Bodomar war wie immer zu sp├Ąt zur Morgenversammlung seiner Klasse und st├╝rmte in seinen Springerstiefeln die Treppe rauf. Er rannte eine Horde Sechstkl├Ąssler ├╝ber den Haufen, von denen einige sich lautstark beschwerten. Im n├Ąchsten Gang rammte er Thore, den Oberschw├Ąchling der ganzen Schule. Thore ging einfach seelenruhig weiter.
„Wohl immer noch keinen Anstand, h├Ą?“
„Entschuldigung, Bodomar.“
„Man geht zur Seite, wenn Gro├če an einem vorbeigehen, klar? In der Pause bistu dran!“
„Ist gut, bis dann.“ Thore war kein reinrassiger Arier, er war braunhaarig, klein und mitteldumm. Im Sportunterricht strengte er sich nie sonderlich an, weswegen er die Dauer-Nummer-Eins auf der Schw├Ąchlingstafel war. Er war den Unterricht nicht wert und geh├Ârte regelm├Ą├čig verpr├╝gelt.
Bodo kam inzwischen vor der T├╝r an. Heute war Montag, also hatte der alte Schmidt die Aufsicht ├╝ber die Klassenstufenversammlung. Als er die T├╝r ├Âffnete, schallte ihm lautes Gebr├╝ll entgegen. „100 Strafliegest├╝tze, und keinen Kommentar!“ Wortlos legte sich Bodo auf den Boden. „Jeder dumme Kommentar eines Mitsch├╝ler f├╝nf Liegest├╝tze extra und eine Runde f├╝r jeden! Ein Deutscher hat p├╝nktlich und schweigsam zu sein! Au├čerdem ist ein guter Deutscher stark und intelligent...“
Im Verlaufe der Rede des Alten war Bodo fertig und grinste Schmidt triumphierend an. „Feix nicht! Respektlosigkeit wird sofort geahndet! Nochmal 100 Liegest├╝tze, in ordentlichem Tempo!“
Der Alte bekam seinen ├╝blichen Hustenanfall. Er keuchte und kroch f├Ârmlich zur T├╝r. „Ganze Klasse, hinsetzen. Keinen Mucks! Adalbert, Aufgaben stellen, bis ich wieder da bin.“
„Morgen Bodo, 172.“
„289, Adi.“
„Alle Primzahlen bis 50.“
„2, 3, 5, 7, pfff...“
„Mach schon, f├╝nf Liegest├╝tze extra.“ Adalbert wusste, wie sehr Bodomar es genoss, seine Muskeln spielen zu lassen. Bodo grinste ihn breit an.
„11...13...17...19...23“
„Schneller. F├╝nf Liegest├╝tze extra.“
„29, 31, 37, 41, 43, 47.“
„Kosinussatz.“
„a2=b2+c2-2*b*c*sina.” Schmidt kam wieder zur T├╝r rein, nahm sich die Zeitung und setzte sich ans Pult. Die Versammlung konnte anfangen.

bearbeitete Fassung meiner Ethikhausaufgabe

Eine „gute“ Gesellschaft im Jahre 2050

 

Drei Jahre vor Kriegsbeginn gab es ein Unterrichtsverbot f├╝r Juden. Schon lange vor dem Krieg bekam die NPD die Mehrheit im Landtag Mecklenburgs. Jahre zuvor hatten sich die Neonazis schon dort┬┤ausgebreitet. Die meisten waren nette Menschen, haben sich ├Âffentlich engagiert. Sie haben Schulen und Kitas ├╝bernommen, sich besonders um den Nachwuchs gek├╝mmert, ├Âffentliche Veranstaltungen organisiert. Wer sich gegen sie engagiert hat, stand oft allein da. Wer jetzt etwas gegen sie sagt, muss mit drakonischen Strafen rechnen. Bei Beamtenbeleidigung f├╝nf Jahre Knast. Freundschaft mit Juden wurde h├Ąrter bestraft, wurde aber immer seltener,┬áda diese aus Angst vor Pogromen alle nach Israel gezogen sind. Aufgrund der Menschenrechtsgesetze Europas und wegen der 6. Bestimmung Pal├Ąstinas im Damaskus-Protokoll nach Kriegsende d├╝rfen die Neos nichts gegen die Juden unternehmen. Aufgrund des Vorschlags der Pal├Ąstinenser d├╝rfen die Juden weiterhin in ihrem Land leben.

Der Geschichtsunterricht der 10. Klasse eines Elitegymnasiums.
Adalbert h├Ąlt einen Vortrag ├╝ber den 2. und 3. Weltkrieg und soll zum Schluss noch die Kriegsenden miteinander vergleichen. „Beide Kriege endeten am 8. Mai, der 3. Weltkrieg jedoch 90 Jahre sp├Ąter. In beiden Weltkriegen ist es den Nazis nicht gelungen, die Juden auszurotten. Im 2. WK hat ihnen die Zeit einfach nicht gereicht, au├čerdem sa├čen ihnen die Alliierten im Nacken. Und im 3. WK wollten die Pal├Ąstinenser die Juden unbedingt ├╝berleben lassen, noch dazu im eigenen Land. Obwohl ich mir sicher bin, dass dies nur der Dem├╝tigung dienen soll. Der 8. Mai 1945 war ein Trauertag deutscher Geschichte, der 8. Mai 2040 die Befreiung Pal├Ąstinas von Israel und der Jubeltag des judenfreien Deutschlands. Siegerm├Ąchte sind im 2. WK die USA, Britannien, Russland und Frankreich, im 3. WK sind es die Arabische Union, Pal├Ąstina und Deutschland.“
Der alte Schmidt unterbricht ihn. „Welche Auswirkungen hat der 3. Weltkrieg bis heute?“
„Weltweit leben nur noch 2 Millionen Juden, 1,9 davon in Nordisrael. Die USA hat noch immer hohe Schulden bei Ostchina und Deutschland, weswegen aus den USA noch immer keine Raumfahrtprojekte starten k├Ânnen. Deutschland ist Maschinerie Exportweltmeister und die Arabische Union ist der f├╝hrende Technikhersteller. Die besten Karosserien kommen aus Deutschland, das zugeh├Ârige Funknetz wird weltweit von der Arabischen Union und Ostchina betreut. Nordisrael ist ans Netz nicht angeschlossen, die Euro-II-Zone hat minderwertige Systeme. Die zerst├Ârten Satelliten wurden bis heute nicht erneuert, und der Mond wird vorrangig von den Menschen aus der Euro-I-Zone und den Arabischen Staaten besiedelt. Die Euro-II-Zone wird immer noch von den Arabern besiedelt, durch den Damaskus-Pakt leben die Arier und Westeurop├Ąer weiterhin in der Euro-I-Zone.“

In der n├Ąchsten Stunde haben die Sch├╝ler Sportunterricht. Wer zu sp├Ąt kommt, macht Straf├╝bungen.
Adalbert ist gro├č, d├╝rr und blond. Er ist besonders unsportlich, weswegen er auf der Schw├Ąchlingstafel aufgef├╝hrt ist. Allerdings ist er intelligent, was ihm Pluspunkte einbringt. Thore, ein kleiner, unsportlicher und mitteldummer Sechstkl├Ąssler ist Dauergast auf der Tafel. Er hat es nicht verdient, unterrichtet zu werden und wird┬áregelm├Ą├čig verpr├╝gelt. Wenn er sich anstrengt, hat er eine Karriere als Schuhputzer vor sich, vielleicht darf er eines Tages der technischen Intelligenz die Schuhe s├Ąubern. Niedere T├Ątigkeiten wie diese werden in Deutschland haupts├Ąchlich von ├Ąrmeren Euro-II-Menschen und┬┤den Dummen des eigenen Landes, wie z.B. Thore verrichtet. Die Intelligenz von morgen sind die Schlauen von heute, wie z.B. Adalbert,┬á die Starken werden sp├Ąter die besser gestellten Arbeiter sein. Der, dessen Eltern in der Intelligenz sind, wird in der Schule automatisch besser gestellt und bekommt eine h├Âhere Karriere. Die Dummheit soll jedoch nicht ganz verschwinden, weil es dann niemanden f├╝r die niederen Arbeiten gibt. Deswegen werden die Geburten kontrolliert. Sollte der Embryo eines intelligenten Elternpaares fehlerhafte Gene besitzen, werden diese durch intakte Gene aus den Elternstammzellen ersetzt. Ebenso wird bei Krankheitsrisiken verfahren. Mitunter passiert es auch bei deutschen Eltern, dass das Kind keine blauen Augen hat. Durch Genuntersuchungen und k├╝nstliche Befruchtungen wird der Nachwuchs zu waschechten Ariern.

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Hörbuch

Über den Autor

Schumanski
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Moonoo Guter Text. Mit interessanten Ans├Ątzen und viel Mathematik. :)

Liebe Gr├╝├če
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Schumanski Re: traurig und gar nicht so unrealistisch - Zitat: (Original von d3f4c3r am 28.07.2012 - 12:08 Uhr) Kurz und kanckig gehalten, man bekommt nur ein paar Eckpfeiler gegeben, der Rest darf man sich selber denken. Ich find sch├Ân geschrieben, und wenn man sich das ganze Momentan anschaut, k├Ânnte es durchaus passieren.
Bei einer solchen Hausaufgabe, vermisst man es ja schon fast, das man nicht mehr in die Schule geht. Was mich aber interessieren w├╝rde, wie hat dein Lehrer darauf reagiert?

liebe Gr├╝├če und sch├Ândes Wochenende
defacer

Dankesch├Ân! Ich habs auch ├╝berarbeitet und ne Vorgeschichte geschrieben, bevor ichs reingestellt hab.
Mein Lehrer hat nur gesagt, es sei noch nicht ganz ausgereift und mir deswegen "nur" ne 2 gegeben...

Dir auch ein sch├Ânes Wochenende!
Katja
Vor langer Zeit - Antworten
d3f4c3r traurig und gar nicht so unrealistisch - Kurz und kanckig gehalten, man bekommt nur ein paar Eckpfeiler gegeben, der Rest darf man sich selber denken. Ich find sch├Ân geschrieben, und wenn man sich das ganze Momentan anschaut, k├Ânnte es durchaus passieren.
Bei einer solchen Hausaufgabe, vermisst man es ja schon fast, das man nicht mehr in die Schule geht. Was mich aber interessieren w├╝rde, wie hat dein Lehrer darauf reagiert?

liebe Gr├╝├če und sch├Ândes Wochenende
defacer
Vor langer Zeit - Antworten
Schumanski Re: Erinnert... -
Zitat: (Original von Weltenformer am 03.06.2012 - 18:37 Uhr) mich ein wenig an Phillip K. Dick "Das Orakel vom Berge". Ist n├Ąmlich auch eine Dystopie in der Deutschland aber den zweiten Weltkrieg gewinnt und die Welt mit Japan aufteilt.

Die Grundidee solch eine Geschichte schreiben zu wollen ist schon gut. Blo├č fehlen einige Backgroundinfos, warum gerade diese oder jene Parteien zusammenarbeiten. Mit ein bisschen mehr Tiefgang h├Ątte das eine gute Geschichte werden k├Ânnen. Aber der dritte Weltkrieg wird meiner Meinung nach der um die restlichen Trinkwasservorr├Ąte der Welt sein, denn diese gehen in 50 Jahren zu Ende.

Ach und mitteldumm klingt wirklich etwas unausgereift. Stolze Regime erfinden W├Ârter wie "minderintelligent" oder "semikognitiv".... Nagut, Spass bei Seite :-)

Aber du machst das schon noch...

Liebe Gr├╝├če Ralf


Hm, das mit Japan ist gar keine schlechte Idee...

Es war ja "Nur" eine Hausaufgabe, das sollte eigentlich weniger eine Geschichte sein, aber ja, daraus k├Ânnte man noch was machen.

Danke!
LG Katja
Vor langer Zeit - Antworten
Schumanski Re: - Zitat: (Original von Kenshin am 29.05.2012 - 23:45 Uhr)
Schockierend. Ich hoffe nicht das das wirklich deine Vorstellung einer "guten Welt" ist und das die Anf├╝hrungszeichen Ironie ausdr├╝cken sollen, oder?
Kleine Fragen w├Ąre:
Warum Deutschland ein B├╝ndnis mit Pal├Ąstina eingeht, wenn diese die Juden ├╝berleben lassen wollen?

Und das Wort mitteldumm finde ich irgendwie nicht so gut. Meinste nicht da w├╝rde "nicht so schlau" besser passen.

lg

Ja, das mit dem gut ist absolut ironisch.
und wegen Pal├Ąstina, da hast du prinzipiell
Recht... aber die haben eigentlich gar kein direktes B├╝ndnis... soweit ich mich erinnere...
Danke!
LG
Vor langer Zeit - Antworten
Weltenformer Erinnert... - mich ein wenig an Phillip K. Dick "Das Orakel vom Berge". Ist n├Ąmlich auch eine Dystopie in der Deutschland aber den zweiten Weltkrieg gewinnt und die Welt mit Japan aufteilt.

Die Grundidee solch eine Geschichte schreiben zu wollen ist schon gut. Blo├č fehlen einige Backgroundinfos, warum gerade diese oder jene Parteien zusammenarbeiten. Mit ein bisschen mehr Tiefgang h├Ątte das eine gute Geschichte werden k├Ânnen. Aber der dritte Weltkrieg wird meiner Meinung nach der um die restlichen Trinkwasservorr├Ąte der Welt sein, denn diese gehen in 50 Jahren zu Ende.

Ach und mitteldumm klingt wirklich etwas unausgereift. Stolze Regime erfinden W├Ârter wie "minderintelligent" oder "semikognitiv".... Nagut, Spass bei Seite :-)

Aber du machst das schon noch...

Liebe Gr├╝├če Ralf
Vor langer Zeit - Antworten
Kenshin Schockierend. Ich hoffe nicht das das wirklich deine Vorstellung einer "guten Welt" ist und das die Anf├╝hrungszeichen Ironie ausdr├╝cken sollen, oder?
Kleine Fragen w├Ąre:
Warum Deutschland ein B├╝ndnis mit Pal├Ąstina eingeht, wenn diese die Juden ├╝berleben lassen wollen?

Und das Wort mitteldumm finde ich irgendwie nicht so gut. Meinste nicht da w├╝rde "nicht so schlau" besser passen.

lg
Vor langer Zeit - Antworten
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