Gedichte
EIN ZUG FÄHRT NACH AUSCHWITZ - (HEILI, HEILO)

0
"EIN ZUG FÄHRT NACH AUSCHWITZ - (HEILI, HEILO)"
Veröffentlicht am 24. Mai 2012, 8 Seiten
Kategorie Gedichte
© Umschlag Bildmaterial: Heinrich Himmler im Kindesalter
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"I've gazed into the abyss and the abyss gazed into me, and neither of us liked what we saw." Brother Theodore
EIN ZUG FÄHRT NACH AUSCHWITZ - (HEILI, HEILO)

EIN ZUG FÄHRT NACH AUSCHWITZ - (HEILI, HEILO)

Einleitung


Schwer erträglich vielleicht - aber um wie viel unerträglicher waren die Leiden der Opfer?


Der Junge auf dem Titelbild ist Heinrich Himmler.

EIN ZUG FÄHRT NACH AUSCHWITZ (HEILI-HEILO)

Ein Zug fährt nach Auschwitz! „Heili, heilo!“ Sie schwenken die Becher! „Heili, heilo!“ Die fröhlichen Zecher! Die randvollen Becher! Sie singen die Lieder, die fröhlichen Lieder! Sie kehren nun wieder, genügsam und bieder: „Heili und heilo und heila!“ Reisegruppe „Heimatstrand“ kehrt zurück ins Polenland: Auf den Spuren ihrer

Taten, trifft man sich hier im Privaten. Sehr betroffen, das durchaus!, doch der Krieg ist lange aus! Wollten das mal wiedersehen, vor dem großen Tore stehen: Stacheldraht und Todesrampe, aus der Haut ’ne Leselampe, Goethe-Eiche, Birkenau! „Darf ich vorstell‘n? Meine Frau!“ Ein Zug fährt nach Auschwitz! „Heili, heilo!“ Drin sitzen die Alten! „Heili, heilo!“ Die grimmigen Alten, die schalten, verwalten. Es tanzt auch ein Mädel, ein Warschauer Mädel, durchs flammende Stedl - ein jüdisches Mädl! „Heili und

heilo und heila!“ „Polenland ist abgebrannt! Knochenasche, Kalk und Sand! Aus den Öfen blakt der Rauch! Deutsche Sitte, guter Brauch! Dort verlief einmal die Front. Habe mich hier oft gesonnt. Seht den alten Galgen an, hing ein toter Rabbi dran! Mensch, wie lang ist all das her! Gold der Jugend, nimmermehr. Riecht verbrannt hier! Noch ein Stück. Seht, die Kammern! Rasch, zurück!“ Ein Zug fährt nach Auschwitz! „Heili, heilo!“ Drin sitzen die Mörder! „Heili, heilo!“ Die tüchtigen Mörder! Die tanzenden

Mörder! Sie kehren nun wieder, sie grölen die Lieder, versoffen und bieder! „Heili und heilo und heila!“ Zitat zum Text: „Ein politisch entgegengesetztes Beispiel wäre der Refrain des in der Wehrmacht (und auch 1968 von Heino) gesungenen alten Trinkliedes Ein Heller und ein Batzen, der in Frankreich als Nazihymne gilt: statt ,heidi, heido, heida‘ heißt es ,heili, heilo, heila‘.“ Genton, François: Das Populäre: Untersuchungen zu Interaktionen und Differenzierungsstrategien in Literatur, Kultur und Sprache, Göttingen: V&R unipress 2011, S.

190 © 2012 Doktor Seltsam

0

Hörbuch

Über den Autor

DoktorSeltsam
"I've gazed into the abyss and the abyss gazed into me, and neither of us liked what we saw."

Brother Theodore

Leser-Statistik
301

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Ninamy67 Ja, wir fahren heute zu den einstigen Todesstätten und so manches Mal, ist das alles so unwirklich...so unwirklich, dass es inzwischen immer mehr Stimmen gibt, die sagen, das alles hätte es eigentlich nie gegeben...
:(

Lg
Nina
Vergangenes Jahr - Antworten
HarryAltona Ein Fliegenschiss, sagt der gute Gauleiter Gauland dazu, während der herrliche Herrenmensch Höcke verbal die Öfen anheizt. Warum hat dieser Horror bloß immer noch seinen lieblichen Reiz für so manchen Michel?
lg... harryaltona
Vergangenes Jahr - Antworten
Herbsttag Ich frage mich: wäre heute ein neues "Auschwitz" möglich? Und ich muss sagen, ich weiß es nicht. Die rechte Szene, die ganz Linken, die Islamisten und was sonst noch so alles bei uns seine Stimme erhebt, erheben darf. Ich habe als Kind im damaligen Litzmannstadt (heute Lodz) erlebt, wie Juden an Pferde gebunden durch die Straßen gejagt wurden. Wer nicht schnell genug war, geriet unter die Hufe. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass dieses Bild mich auch heute noch nicht losläßt. Herbsttag
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Eine bizarre, fast surreale Vorstellung! Ein Bild, das einen nicht mehr so schnell loslässt, wenn man es einmal im Kopf hat.

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Ich denke mal, der Zynismus bringt den Leser noch stärker zum Nachdenken. Und leider gibt es so einige, die wiederkehren, nicht nur die Alten. Die gab es sicher auch, jene, die nichts gelernt haben. Doch mit Entsetzen denke ich an meinen Auschwitzbesuch. Damals posierten ukrainische junge Männer so um die 20 vor dem Tor mit erhobenem Arm und ließen sich fotografieren. Es ist mir schwer begreiflich, dass die Nachwelt nur am Vergessen interessiert ist. Aber klar, wo doch alles Spaß ist, bekommen sie ja von klein auf eingetrichtert.
Lieben Gruß
Christine
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Ich war im letzten Jahr zum erstenmal in Auschwitz. Ich erinnere mich an einen wundervollen Sommertag, die Sonne schien, der Himmel war tiefblau und die Wiesen saftig grün. Dann erschien vor uns das Lager. Es wirkte an diesem Nachmittag so fremd wie eine Kulisse, in der man einen Film über Auschwitz dreht.

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Lieber Dok,
ich stehe noch genau zu dem, was ich damals geschrieben habe ... aber 75 Jahre ist es noch nicht her, mach mich bitte nicht noch 5 Jahre älter, als ich bin.
Ich rechne es dir hoch an, dass du nicht zu denen gehörst, die diesen Gedenktag abschaffen wollen oder diesem Ansinnen zumindest gleichgültig gegenüberstehen ...

Lieben Gruß
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Ist mir heute morgen auch aufgefallen, fleur, vielen Dank. Da habe ich wohl '45 und 70 zusammengepackt, sorry.

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 
Die Opfer werden keinesfalls herabgewürdigt. Der Zynismus der Schergen und Henker, der Höss und Mengele und all der Schlächter in der zweiten Reihe werden angemessen satirisch massakriert... in ihrer ungeheuerlichen Indolenz und Ignoranz.

A propos Schimmler: Meine Mama war vor 69 Jahren ein ganz kleines Mädel und ging einmal ans Telefon meiner Oma, die damals ein Wehrmachtsübernachtungsheim leitete. Das arme Kind hatte den Schimmler dran, mit seiner eiskalten Schnarrstimme...

Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Vielen Dank, Cassy. Ich habe immer ein ungutes Gefühl bei diesem Gedicht. Ich weiß, dass meine Absichten die allerbesten sind, aber manchmal habe ich die Befürchtung, dabei zu weit gegangen zu sein.

Liebe Grüße

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
64
0
Senden

72210
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung