Romane & Erzählungen
Engel auf Bew├Ąhrung (1) - Eine zweite Chance

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"Engel auf Bew├Ąhrung (1) - Eine zweite Chance"
Veröffentlicht am 12. Mai 2012, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Ich denke gern ├╝ber das Leben nach, manchmal starre ich einfach eine halbe Stunde ins Leere und bin dann wieder etwas schlauer. Ich mag respektvolle und tolerante Menschen und versuche auch selbst, tolerant zu sein. Ich rufe laut, wenn mir etwas gef├Ąllt, und sage meist gar nichts, wenn mir etwas nicht gef├Ąllt. Ich bin alles in allem ein Streiter f├╝r die gute Sache. Aber sollte es auf der dunklen Seite tats├Ąchlich Kekse geben, betrachtet mich als ...
Engel auf Bew├Ąhrung (1) - Eine zweite Chance

Engel auf Bew├Ąhrung (1) - Eine zweite Chance

Beschreibung

Abby wurde eigentlich schon als Engel geboren, aber durch ungl├╝ckliche Umst├Ąnde beging sie einen f├╝rchterlichen Fehler. Zur Strafe diente sie jahrhundertelang im Vorzimmer zur H├Âlle, bis der Rat der Engel einen Entschluss fasst: Abby soll als Schutzengel auf die Erde geschickt werden, um dem jungen Finn das Leben zu erleichtern und sich somit ihren Platz im Himmel wieder zu verdienen. Allerdings bringt Abby Finns Leben geh├Ârig durcheinander, der sich von nun an mit allen m├Âglichen Peinlichkeiten, Kleinkriegen zwischen Himmel und H├Âlle und Abbys eifers├╝chtigem Verlobten herumschlagen muss.

An jenem Tag, als sich die immer gut gesicherte T├╝r zum H├Âllenvorzimmer ├Âffnete und sie ihm wieder gegen├╝ber stand, erinnerte sie sich an ihre Verurteilung. Jedes kleine Detail fand den Weg zur├╝ck in ihr Ged├Ąchtnis. Sie wusste wieder genau, wer alles anwesend gewesen war, welche Farben die Roben des Hohen Rates gehabt hatten, welcher von ihnen das Urteil gef├Ąllt hatte. Sie konnte sich an die Blicke erinnern, die ihr zugeworfen worden waren. Abscheu, Fassungslosigkeit, Trauer, Entt├Ąuschung, es war alles dabei gewesen, und diese Gef├╝hle, die die anderen Engel ihr entgegen gebracht hatten, waren schmerzhaft f├╝r sie gewesen. Die ganze Zeit ├╝ber hatten seine blauen Augen sie angestarrt, mit einem Ausdruck, den sie einfach nicht hatte deuten k├Ânnen. Sehns├╝chtig hatte sie das Urteil herbei gesehnt, um diesen Augen zu entkommen, und lange hatte man sie auch nicht warten lassen: Dienst im H├Âllenvorzimmer, auf unbestimmte Zeit, und das war im Anbetracht dessen, was sie angerichtet hatte, mehr als gro├čz├╝gig gewesen. Das H├Âllenvorzimmer war zwar schon fast H├Âlle, aber eben nur fast, und die T├╝r, die den Weg in den Himmel versprach, gab Hoffnung, diesen Ort eines Tages noch einmal wieder sehen zu k├Ânnen. Neunhundert Jahre waren seit diesem Tag vergangen, und seitdem hatte Abigail, fr├╝her von ihren Freunden Abby genannt, nicht mehr viel mitbekommen von den Geschehnissen im Himmel und auf der Erde. Sie trug die Namen der schweren S├╝nder in das Buch des Satans ein, die Tag f├╝r Tag zu Tausenden durch die T├╝r kamen. Von ihnen konnte Abby wenig erfahren ├╝ber das Erdenleben, aber immerhin genug, um sich ein ungef├Ąhres Bild machen zu k├Ânnen: Die Erde war ein Ort mit gro├čen H├Ąusern, Maschinen, die ihren Bewohnern alle Arbeit abnahmen, und, nach der Anzahl der neuen H├Âllenbewohner zu schlie├čen, ein Ort voller S├╝nde und Verbrechen. Wenn sich Abby nicht gerade mit Str├Ąflingen oder ihrem schlechten Gewissen herumschlug, versuchte sie, den Staub und die Dunkelheit wegzufegen, die sich ├╝berall eingenistet hatten, sie legte Kohle im Ofen nach, machte irgendetwas zu essen und versuchte, in der Einsamkeit nicht durchzudrehen. Bis heute hatte sie damit gerechnet, dass auch die n├Ąchsten neunhundert Jahre genauso verlaufen w├╝rden. Aber jetzt war er gekommen. Seine blauen Augen sahen sie fast genauso an wie damals, und auch jetzt wusste sie nicht, was sie ihr sagen wollten. Er war zusammen mit zwei anderen Engeln eingetreten, aber Abby achtete nicht weiter auf sie, auch nicht, als sie irgendetwas davon erz├Ąhlten, dass der hohe Rat sie ┬ásprechen wolle. Sollte der Rat doch warten. Im Moment z├Ąhlte nur er. Er wandte seinen Blick kurz von ihr ab. „Ihr k├Ânnt drau├čen warten!“ sagte er zu den beiden anderen, und sie gehorchten. So blieben nur Abby und er in den ewig schmutzigen Fluren zur├╝ck.

 

„Galadriel!“ fl├╝sterte Abby. Es war ungewohnt, seinen Namen wieder auszusprechen. Er sah immer noch genauso gut aus, wie sie ihn in Erinnerung gehabt hatte, blond, blau├Ąugig und von schlanker Statur. Dieser junge Mann war alles, was Abby je gehabt hatte und haben wollte, und an einem Tag hatte sie ihn vollends verloren. Als er keine Anstalten machte ihr zu antworten, versuchte Abby nochmals, ein Gespr├Ąch anzufangen. „Es…es ist lange her.“ Wieder nichts. Abby begann zu zittern, genau wie ihre Stimme. „Warum bist du gekommen?“ Er schien wirklich ├╝berrascht zu sein. „Warum?“ „Ja. Ich verstehe es nicht.“ Ratlos sah er sie an. „H├Âr mal, ich hatte nach neunhundert Jahren erstmals wieder die Gelegenheit, dich zu sehen. Ich hatte etwas mehr Freunde erwartet.“ Abby konnte nicht glauben dass er das tat. „Du…du machst dich ├╝ber mich lustig, richtig? Du wolltest mich leiden sehen, deshalb bist du gekommen, und ich kann es verstehen.“ Tr├Ąnen traten ihr in die Augen, w├Ąhrend sie sprach. Es tat so weh. Der Mann, den sie liebte, stand vor ihr, zum Greifen nah, und doch so unglaublich weit entfernt. Galadriel machte einen Schritt auf sie zu, und Abby wich ein St├╝ck zur├╝ck. Er wirkte beinahe entsetzt, als er sie wieder ansah. „Sag mal, Abby, was redest du denn da? Willst du mich auf den Arm nehmen?“ Ihm schien eine schreckliche Ahnung zu kommen, daher sah er sie einen Moment mit versteinerter Miene an. „Sag jetzt blo├č nicht, dass du mich nach all der Zeit nicht mehr liebst.“ Er war ein wenig blass geworden. „Was?“ fl├╝sterte Abby. „Aber wieso…nat├╝rlich liebe ich dich. Das habe ich immer. Aber du?“ „Ich habe dir verziehen, sobald die T├╝r dort hinten sich geschlossen hat. Ich liebe dich nun mal, das kann man nicht ├Ąndern.“ Abby wusste, dass es jetzt auf der Erde Filme gab ├╝ber Dinge wie die, die hier gerade abliefen, und sie hatte von einem zweifachen M├Ârder erfahren, dass in den dramatische Liebesstreifen, die man dort unten ansah, kitschige Liebesszenen nicht fehlen durften. Abby fiel Galadriel in die Arme, bevor er es sich anders ├╝berlegen konnte, und der Himmel schien wieder zum Greifen nah. Ob sich die Leute, die Liebesfilme guckten, wohl auch so f├╝hlten wie sie sich jetzt gerade? Zun├Ąchst war er ├╝berrascht gewesen, aber jetzt hielt er sie fest, und er war mindestens genauso gl├╝cklich wie sie. „Endlich hab ich dich wieder“, murmelte er. „Wir werden die Vergangenheit hinter uns lassen. Ich habe daf├╝r gesorgt, dass unsere Liebe eine zweite Chance bekommt.“

 

Finn sa├č im Stadtpark auf einer Bank und h├Ârte Musik. Er hatte verschiedenste Klavierst├╝cke auf seinen MP3-Player ├╝berspielt, um sie in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen und dann eines auszuw├Ąhlen, dass er im Klavierunterricht f├╝r das Winterkonzert erarbeiten wollte. Er spielte schon, so lange er denken konnte, und es gefiel ihm, auch wenn er sich nat├╝rlich von den anderen Jungs den einen oder anderen dummen Spruch gefallen lassen musste. Nachdenklich starrte er in die Ferne und lauschte dabei den Kl├Ąngen von Beethovens Mondscheinsonate. Es war bestimmt nicht jedermanns Sache, aber in ihm l├Âste es eine angenehme Ruhe aus. Ein paar Schneeflocken fielen auf ihn herab, und Finn blickte erstaunt in den Himmel. Es war immer noch November, und f├╝r Schnee eigentlich zu warm. Schnee im November hatte er pers├Ânlich noch nie erlebt, und er ertappte sich bei dem Gedanken, es k├Ânne vielleicht ein Zeichen sein, dass etwas Sch├Ânes bevorstand. ├ärgerlich sch├╝ttelte er den Kopf. Von wem sollte denn ein Zeichen kommen? Von diesem Gott, an den alle anderen glaubten? Angenommen es w├╝rde ihn wirklich geben, dachte Finn, warum sollte er mir irgendwelche Hoffnungen machen wollen, jetzt, nachdem alles schief gelaufen ist? Ja, dieser Gott hatte Finn allein gelassen, als er ihn am Dringendsten gebraucht hatte, und so hatte er sich einfach eingeredet, dass es ihn nicht gab, diesen allm├Ąchtigen, g├╝tigen Herrn. Und vom Gegenteil w├╝rde ihn niemand ├╝berzeugen k├Ânnen. Das hatte Finn sich geschworen, und als er sich daran erinnerte, ballte sich seine Hand zur Faust. Seine Wut passte ganz und gar nicht zu der Klaviermusik, aber dass war ihm egal. Die Erinnerung lie├č sich nicht einfach abschalten.

 

Gerade wollte Finn den Park verlassen. Er hatte sich genug Zeit zum Nachdenken genommen, er wollte noch etwas essen, bevor er sich nachher mit einigen Freunden im Kino treffen w├╝rde. Beim Aufstehen rutschte einer der St├Âpsel seines Kopfh├Ârers aus seinem Ohr, und einer von Yirumas gr├Â├čten Erfolgen wurde merklich leiser. So konnte er es h├Âren. Das Rauschen. Was genau es war, konnte er nicht einordnen, es klang wie das Flattern von Vogelfl├╝geln, nur sehr viel schneller, lauter und irgendwie panischer. Es schien ihn einzukreisen, von ├╝berall her zu kommen, es hatte keinen regelm├Ą├čigen Rhythmus, aber es kam immer n├Ąher, direkt auf ihn zu. Finns Herz begann schneller zu schlagen, aber statt dem Impuls nachzugeben, den St├Âpsel wieder ins Ohr zu stecken und seine Schritte zu beschleunigen, blieb er stehen, sah sich ├╝berall um, versuchte, einen Hinweis auf den Ursprung des Ger├Ąusches zu finden. Schlie├člich richtete er den Blick zum zweiten Mal an diesem Tag gen Himmel. Er sah noch, wie eine Art riesiger Schneeball auf ihn zugeschossen kam, doch zum Ausweichen blieb keine Zeit mehr. Wie ein Felsbrocken f├╝hlte sich das Etwas an, als es mit Finn zusammenprallte und ihn von den F├╝├čen riss, sodass er mit dem R├╝cken auf dem harten Gehweg aufschlug. Ein stechender Schmerz breitete sich in seinem ganzen K├Ârper aus, und er war sich sicher, dass sein Kopf auch etwas abbekommen haben musste, denn er bildete sich ein, ein junges, dunkelhaariges M├Ądchen neben ihm liegen zu sehen, dass wei├če Federfl├╝gel auf dem R├╝cken trug und in einem fort „Ich bin eine Schande f├╝r alle Engel“ murmelte, bevor ihm schwarz vor Augen wurde.

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Hörbuch

Über den Autor

Luciana
Ich denke gern ├╝ber das Leben nach, manchmal starre ich einfach eine halbe Stunde ins Leere und bin dann wieder etwas schlauer. Ich mag respektvolle und tolerante Menschen und versuche auch selbst, tolerant zu sein. Ich rufe laut, wenn mir etwas gef├Ąllt, und sage meist gar nichts, wenn mir etwas nicht gef├Ąllt. Ich bin alles in allem ein Streiter f├╝r die gute Sache. Aber sollte es auf der dunklen Seite tats├Ąchlich Kekse geben, betrachtet mich als abgeworben.

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NanaBella Auch du scheinst in die gleiche Genre Richtung zu schreiben und das finde ich super gut, weil ich auch ein riesengro├čer Fantasy, Romance ( nicht so kitschig) Fan bin.

Von den ganzen Story Schreibern hier, finde ich ganz ehrlich deinen Schreib bzw. Sprachstil sehr bemerkenswert!

Die Orte beschreibst du oft ins Detail und Gedankeng├Ąnge und Gef├╝hle gibst du auch genau wieder.

Sehr lebendige Wortwahl muss ich sagen und vor allem gelungener Anfang :)
Sehr sch├Ân, auf jeden Fall hat dieses Buch einen Platz in meiner Favoliste verdient und ich werde mir auch gleich die Fortsetzungen reinziehen.

Na ja wie auch der alte Akuma schon gesagt hat. solltest du deinen Text in Abschnitte unterteilen, das hei├čt mach bei w├Ârtlicher Rede einen neuen Absatz, damit man wei├č wer gerade spricht :)

Das war dann schon mein bed├╝rftiger Kommi an dich ^^

Hust .... das schreit nach einem Abo! .... Hust xD

Liebe Gr├╝├če die Nana
Vor langer Zeit - Antworten
Luciana Re: -
Zitat: (Original von HollywoodAkuma am 01.07.2012 - 18:19 Uhr) Sehr sch├Ân zu lesender Schreibstil und eine interessante Story: Was will man mehr? ;)
Werde auf jeden fall auch die n├Ąchsten Kapitel davon lesen :)
Etwas mehr Abs├Ątze w├╝rden das Lesen viel mehr erleichtern, aber das wars an Kritik auch schon ;)

Liebe Gr├╝├če
HollywoodAkuma


Hey,
vielen Dank f├╝r dein Kompliment =)
Das mit den Abs├Ątzen werde ich versuchen, danke f├╝r den Tipp =)
W├╝rde mich jederzeit wieder ├╝ber deine ehrliche Kritik freuen.
Liebe Gr├╝├če von Lucy
Vor langer Zeit - Antworten
HollywoodAkuma Sehr sch├Ân zu lesender Schreibstil und eine interessante Story: Was will man mehr? ;)
Werde auf jeden fall auch die n├Ąchsten Kapitel davon lesen :)
Etwas mehr Abs├Ątze w├╝rden das Lesen viel mehr erleichtern, aber das wars an Kritik auch schon ;)

Liebe Gr├╝├če
HollywoodAkuma
Vor langer Zeit - Antworten
Luciana Re: himmlisch -
Zitat: (Original von Darkjuls am 28.05.2012 - 07:27 Uhr) Hallo Lucy,

ein Engel auf Erden, eine sch├Âne Idee und ich mag Deinen Schreibstil sehr.
Du hast nicht nur Deiner Fantasie sondern auch meiner Fl├╝gel verliehen, danke daf├╝r. Bin gespannt, wie es Abby und Finn weiter ergeht.

LG Marina


Das freut mich, dein Urteil bedeutet mir viel =)
LG Lucy
Vor langer Zeit - Antworten
Luciana Re: Sch├Ân :o -
Zitat: (Original von Teykna am 12.05.2012 - 21:43 Uhr) Sch├Ân geschrieben! Ich freue mich wenn ich weiterlesen kann - toll! *-*


Ich wei├č, meine Antwort kommt sp├Ąt, aber besser sp├Ąt als nie ;)
Danke f├╝rs Lesen, Kommentieren und bewerten.
Liebe G├╝├če, Lucy
Vor langer Zeit - Antworten
Darkjuls himmlisch - Hallo Lucy,

ein Engel auf Erden, eine sch├Âne Idee und ich mag Deinen Schreibstil sehr.
Du hast nicht nur Deiner Fantasie sondern auch meiner Fl├╝gel verliehen, danke daf├╝r. Bin gespannt, wie es Abby und Finn weiter ergeht.

LG Marina
Vor langer Zeit - Antworten
Teykna Sch├Ân :o - Sch├Ân geschrieben! Ich freue mich wenn ich weiterlesen kann - toll! *-*
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