Humor & Satire
Deutsch-Lesson

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"Deutsch-Lesson"
Veröffentlicht am 05. Januar 2012, 10 Seiten
Kategorie Humor & Satire
© Umschlag Bildmaterial: arztsamui / FreeDigitalPhotos.net
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Was ich so schreibe, ist natürlich erlebt, erlauscht, erlesen und erlogen; von alberich bis böse oder dunkeltrüb, und mit Vorliebe gereimt. Erfreue mich an Musik verschiedener Richtungen, an Literatur und natürlich an Menschlichem wie Situationskomik und liebevolle Reaktionen abseits des jeweiligen Business'. Solange ich die komische Seite der Dinge erkenne, geht's mir gut -- und das ist allermeistens.
Deutsch-Lesson

Deutsch-Lesson

Einleitung

„Er kann kein Deutsch und er nimmt auch keine Deutsch-Lessons.“ Sprach Josef Ackermann als Vorstands-vorsitzender der Deutschen Bank gegen den Inder Anshua Jain als seinen möglichen Nachfolger. Herr Ackermann wurde beliebt auch durch sein fröhliches „Victory“ vor einer Gerichtsverhandlung.


Sagen „Lockdown“ und „Hotspot“ wirklich mehr als „Ausgangssperre“ und „Gefahren-herd“? Sie können ja auch einen Schalter bzw. Prominentenspielplatz (wirklich!) meinen.


Hier ein paar ältere „deutsche“ Wörter und

ihre englischen Übersetzungen, alles gemäß leo.org: Smoking – dinner jacket Showmaster – presenter Oldtimer – veteran car Handy – mobile phone Und braucht ein Skater nun Spielkarten oder Rollschuhe?


Selbst der Deutsche (!) Buchpreis führt eine Shortlist.


Sind andere Völker auch so geil auf Englisch-Klang, oder sind sie etwa stolz auf die eigene Sprache? Wie meinte Voltaire: „Neue Worte sollten notwendig, verständlich und

wohlklingend sein.“ Na ja, das wird wieder; Trump und Johnson wären schonmal ein guter Grund zur Abkehr. Der Franösisch-Koller der Perückenzeit ging schließlich auch vorbei und hinterließ nur nützliche Begriffe wie Nougat, Oboe, Parfüm, Bordell, Pardon.

Der Pandabär lebt up to date.
Weiß, was im "Panda Daily" steht.
Trägt Sneakers, Basecap, Ghettoblaster.
War nach dem Bachelor gleich Master.
Sein After Shave und After-Peeling
verleihen ihm gehobnes Feeling.
Nur Daily-Soap ist ihm erträglich.
Gestylt und trendy zeigt er täglich
gepiercte Nase und dazu
am dicken Hintern ein Tattoo.


Im Backshop schlürft er Bubble Tea.
Erreicht bald seine Company,
gibt dort am Flipchart kurz Review
zum Outperform des Revenue.
Shareholder Value, Leadership
und Competence sind weiter

hip.
Sie tanzen einen Table Dance:
Controlling, Boss und Maintenance.
Zu Mittag geht man Outdoor walken
und small mit den Kollegen talken.


Nach Dienstschluß wird der Panda schnell.
Bei "Cut and Go" läßt er viel Fell.
Er kauft ein Bundle Kaffee-Pads,
fürs Frauchen Eyeliner in Sets,
den Gameboy für das Bärenkind,
den Soundtrack aus "Gone with the wind".
Der Player, die Remote Control
sind "sale", doch Pandas Bau ist voll.
Auch Prepaid Card und

Speicherstick
und Buggy braucht er nicht zum Glück.


Er fährt im City-Shuttle vor
zum Sell-Out in dem Outlet-Store.
Kennt ja den Wunsch der Pandafrau:
den Body in Pink, Peach und Blau.
Gestärkt mit Tee To-Go und Snacks,
denkt er schonmal an Ehesex.
Doch erst schleppt Bär sich mal zum Bus
samt PowerGear für'n Pandanus.
Plant schon das nächste Onlinebanking:
Swaps, Futures, Puts und Länderranking.


Wenn er dann morgen früh erwacht,
schwört er, wird endlich Sport gemacht.
Skateboard und Joggen, klarer

Fall,
Badminton oder Federball.
Vom Bus hat er's nicht weit nach Haus.
Wie wonderbra sieht alles aus!
Ruft cool und happy nach der Frau,
nur ist sein Timing ungenau:
Sie liegt mit ihrem Latin Lover
relaxed und chilled-out under cover.


© 2012 Brubeckfan P.S. Februar 2013 und Dezember 2020 jeweils aktuell aufgefrischt. Das macht Sense.




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Über den Autor

Brubeckfan
Was ich so schreibe, ist natürlich erlebt, erlauscht, erlesen und erlogen; von alberich bis böse oder dunkeltrüb, und mit Vorliebe gereimt. Erfreue mich an Musik verschiedener Richtungen, an Literatur und natürlich an Menschlichem wie Situationskomik und liebevolle Reaktionen abseits des jeweiligen Business'. Solange ich die komische Seite der Dinge erkenne, geht's mir gut -- und das ist allermeistens.

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pekaberlin Denn sie merken nicht was sie sprechen ... hatten wir das nicht schon mal, Gerd?
Wie war das mit Blasentee und Hinterladen, wie mit dem Berufskaufzentrum,?
Ach ja, und die öffentliche Leichenschau zu denFußballfesten!
Und dann gibt es ja noch den deutschen Unsinn ... Nachhaltigkeit, die -Innen, die machen keinen Sinn, weil sie keinen Sinn haben, also sinnlos sind ...
Gruß Peter
Vor ein paar Monaten - Antworten
Brubeckfan Genau, Peter, den Blasentee hast Du hier beigesteuert.
Jetzt joine ich gleich wieder den anderen Servicekundendienstleister_Inn:en*.
Aber erst koche ich mir einen Kaffee zum Weglaufen.
Tchüs,
Gerd
Vor ein paar Monaten - Antworten
Memory 
Klasse, lieber Gerd.
Oft merkt man ja gar nicht, wie denglisch unser Leben geworden ist.
Mir ist es aufgefallen, als ich im Urlaub in Kanada alles Mögliche automatisch übersetzen und verstanden habe, obwohl in meiner Schulbildung Russisch und leider nicht Englisch auf dem Lehrplan stand.
Ich glaube, mich stört es nicht wirklich. Englisch ist nun mal nicht wegzudenken.
Lieben Gruß
Sabine
Vor ein paar Monaten - Antworten
Brubeckfan Liebe Sabine, da gehts mir halt anders. Englische Fachbegriffe, ja, aber doch nicht Denglisch, diese -- oft auch noch falsche -- Vermengung, die man auch noch schick findet. Schon deshalb, weil eine Sprache allein schon mehrdeutig ist, erst recht durch Ersetzen von Begriffen einer Fremdsprache, die man ja nie perfekt beherrscht. Ich sage nur "public viewing" ... In Kanada hast Du sicher auch manchmal "falsche Freunde" gefunden?
Ich reite also gern mal gegen Windmühlen. Und weiche Schlimmerem möglichst aus, habe also Trump und Covidioten usw. nicht abonniert.

Vielen Dank und viele Grüße,
Gerd
Wsejgo dobrowo!
Vor ein paar Monaten - Antworten
Memory 
Ja, du hast schon recht. Natürlich benutze ich auch am liebsten meine Heimatsprache. Und ich mag es auch überhaupt nicht, wenn die englische Sprache in misshandelter Form benutzt wird.
Aber ansonsten stört es mich nicht wirklich :)
Lieben Gruß noch einmal
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Hallo Gerd,
ein sehr amüsantes und wohlgereimtes Denglisch-Gedicht, gefällt mir sehr. Dass Du für jeden Anglizismus einen englischen Reim findest zeigt, dass wir an Anglizismen reichlich gesegnet sind. Doch fällt es uns immer noch schwer, damit umzugehen: „Download“ z.B. kennen wir, aber zu dessen Verb-Formen streiten sich noch die Geister darüber, ob es gedownloaded oder downgeloaded oder gedownloadet oder downgeloadet heißt. Armes Deutschland.

Liebe Grüße,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Brubeckfan Freunde des Backshops und des Togo-Kaffees sind sicher für "down geladen".
Ach wo sind die netten Zeiten hin, als wir uns nur vor "Susi's Laden" gruselten und vor der Vermanschung von realisieren mit realize. Hätte man in der DDR so massiv russische Vokabeln verwendet, na dann wäre was los gewesen, gell?
Vielen Dank und viele Grüße,
Gerd
Vor ein paar Monaten - Antworten
baesta Nu hammer doch den Brexit, da könnten doch auch alle Anglizismen wieder verboten werden., nicht nur die Worte "Rassismus", Zigeunersoße", "Negerkuss" usw. (grien boshaft). Hab Dein tolle Gedicht wieder gern gelesen. Nun kann ich wennigsten noch ein paar Talerchen spenden.
Liebe Grüße
Bärbel
Vor ein paar Monaten - Antworten
Brubeckfan Liebe Bärbel, da hast Du eine Idee. Man muß Anglismen, diese tollen, vor der Verwendung erst verzollen... Wir werden schnell unverschämt reich und zahlen nicht nur die Corona-Schulden ab!
Vielen Dank für alles,
Gerd
Vor ein paar Monaten - Antworten
baesta Siehste mal, Mach doch bei der Regierung mal den Vorschlag.....
LG Bärbel
Vor ein paar Monaten - Antworten
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