Krimis & Thriller
Silver Rose: Das Gesetz der Killer (1) - Auftrag 1-4

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"Silver Rose: Das Gesetz der Killer (1) - Auftrag 1-4"
Veröffentlicht am 06. November 2011, 174 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Tjaaa.. eigentlich ich bin mehr eine Einzelgängerin und eine komlette Tagträumerin dazu xD Aber ab und an bin ich auch gerne unter Leuten, wobei es mir etwas an Gesprächsstoff fehlt, es sei denn es geht ums Schreiben und meine Geschichten. Da kann ich tagelang drüber reden :P Allerdings möchte ich hier auch mal zu meinen Geschichten anmerken, dass sie wirklich lange Stories sind, die sich über einen längeren Zeitraum erst richtig entwickeln und ...
Silver Rose: Das Gesetz der Killer (1) - Auftrag 1-4

Silver Rose: Das Gesetz der Killer (1) - Auftrag 1-4

Beschreibung

Eine sechzehnjährige Auftragsmörderin wechselt auf die Arrison Academy, eine Akademie für Killer. Dort lernt sie nicht nur einen scheinbar gewissenlosen Auftragsmörder kennen, sondern stößt mit der Zeit auf ein Geheimnis, das sie dazu bringt dieses eine Mal für den britischen Geheimdienst MI6 zu arbeiten und die Arrison Academy zu übernehmen. Kate wechselt auf die Arrison Academy, eine Akademie für Killer. Was nur als kleiner Zwischenstopp auf ihrem Weg nach Rache gedacht ist, wird für sie mehr zu einem Überlebenstraining. Der wohl beste junge Auftragsmörder Train versucht gleich mehrmals sie ohne offensichtlichen Grund umzubringen. Außerdem wecken die Existenz einer Organisation im Schatten der Akademie und vor allem Trains scheinbar dunkles Geheimnis Kates Interesse. Was verbirgt sich hinter all dem und wo liegt die Verbindung? Ihre Neugier kommt sie jedoch teuer zu stehen, als sie selbst als Versuchskaninchen eines Serums endet, welches sie nicht nur beinahe das Leben kostet, sondern auch in die Gesellschaft der wohl acht außergewöhnlichsten Killer der Welt katapultiert. Die ersten vier Kapitel des Romans: Auftrag 1: Willkommen auf der Akademie für Killer Auftrag 2: Ein bernsteinäugiger Killer als Teampartner? Auftrag 3: Auseinandersetzung unter Killern Auftrag 4: Killer unterm Sternhimmel

Auftrag 1: Willkommen auf der Akademie für Killer

Die Arrison Academy war eine angesehene Akademie für hochbegabte und reiche Leute, sie war auch weit außerhalb von Deutschland bekannt. Viele Eltern hätten alles dafür geben, ihre Kinder dorthin schicken zu dürfen. Schließlich bekam angeblich jeder Schüler, der von dort abging, sofort und eigentlich überall und in jeder Branche einen Arbeitsplatz. Ein Traum für viele, Eltern wie Kinder und Jugendliche. Schließlich sah die Schule auch vom Weiten beeindruckend aus.

Von oben aus gesehen war es ein riesiges Gelände, wo man über lange Wege die unterschiedlichen Gebäuden erreichte. Das Größte war das offizielle Schulgebäude, in dem die Schüler unterrichtet wurden. Dann gab es noch fünf weitere Häuser, die ein Stück entfernt vom Schulgebäude und mit jeweils etwa fünfzig Metern Abstand nebeneinander standen. Dies waren die Wohnhäuser, in denen die Schüler schliefen. Angeblich bekamen fast alle sogar ein eigenes Zimmer. Außerdem gab es hinter dem Unterrichtsgebäude auch noch eine große Sporthalle und auf der anderen Seite ein Stück im Wald noch ein nicht zu verachtendes Gewächshaus.

Viele träumten davon in einem der Wohnhäuser zu schlafen und nachmittags nach dem Unterricht in den Wäldern umherzustreifen, welche die sechs Gebäude umgaben, die auf einer weiten, freien Fläche gebaut worden und mit asphaltierten Wegen verbunden waren. Das ganze Gelände war außerdem noch von einer hohen Mauer umgeben, die jeden Einblick verhinderte. Einzig durch das große, eiserne Eingangstor kam man auf das Gelände und dieses wurde streng bewacht. Hier kam niemand einfach so rein.

Und dennoch, obwohl die strenge Überwachung ein wenig verdächtig war, gab es so viele, die alles dafür tun würden, nur ein einziges Mal diese Akademie besuchen zu dürfen.

 

„Sofort die Hände hoch!“

Meinen ersten Tag auf der Arrison Academy hatte ich mir anders vorgestellt. Wie genau kann ich nicht sagen, aber auf jeden Fall anders.

Der liebe Mr Hell richtete allerdings eine ziemlich gefährlich aussehende Pistole auf uns und so taten wir Schüler zögernd das, was der Lehrer verlangte. Es war klar, dass dies kein blöder Scherz war, dafür war seine Stimme viel zu ernst. Keiner hatte eine Ahnung, was hier plötzlich vor sich ging, doch die vor wenigen Sekunden noch entspannte Atmosphäre im Raum hatte sich nun drastisch verändert. Die Anspannung der Schüler war deutlich zu spüren und alle starrten Mr Hell wie vom Donner gerührt an.

Der etwa ein Meter achtzig große Mann sah sich hektisch um und schien fieberhaft zu überlegen. Ich war mir ziemlich sicher, dass irgendetwas Unvorhergesehenes passiert war. Die SMS schien keine guten Nachrichten für ihn gehabt zu haben.

Dann wurde der Lehrer erneut über Lautsprecher dazu aufgerufen sich ins Lehrerzimmer zu begeben.

„Verdammt“, fluchte Mr Hell leise und tippte eine Nummer auf seinem Handy, „Und ihr lasst alle schön die Hände oben! Wenn auch nur einer von euch eine falsche Bewegung macht, knall ich ihn ab!“

„Er macht seinem Namen wirklich alle Ehre“, stellte ich leise fest. Auch ich hatte die Hände über dem Kopf und wog gerade die Situation ab. Theoretisch gesehen stand mein Vorhaben durchaus im Bereich des Möglichen, doch noch war ich mir nicht sicher, in welcher Situation er sich befand und wie erfahren er in Sachen Kampfsport war.

„Hallo? Max?“, sagte der Lehrer in dem Moment und sah sein Handy schon beinahe flehend an, „Hol mich hier gefälligst sofort raus! Meine Tarnung ist aufgeflogen und ich sitze in einem Nest voller kleiner Killer! Also mach gefälligst was!“

Kurz schien er dem Mann am anderen Ende der Leitung zuzuhören, dann legte er auf und sah die Schüler an, die sich etwas unsichere Blicke zuwarfen. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn und er schien zu überlegen, wie er Zeit schinden konnte. Dann fiel der hastige Blick seiner grünen Augen auf mich.

„Du! Kate Randall!“, rief er plötzlich, „Komm sofort hier her!“

Ich war ein wenig überrascht, doch ich konnte mir an drei Fingern ausrechnen, warum er ausgerechnet mich vorne haben wollte. Das war so typisch, das Pech der Neuen auf einer Akademie wie dieser.

Darum stand ich gehorsam auf und betrat den Gang in der Mitte zwischen den ansteigenden Sitzreihen. Langsam und mit erhobenen Händen kam ich auf den angeblichen Lehrer zu, der seine Pistole auf mich richtete und nebenbei noch den Rest der Klasse im Auge behielt. Der Mann war zwar eindeutig in Panik, tat jedoch sein Bestes ruhig zu bleiben und nicht die Kontrolle zu verlieren. Unter dem verwaschenen Oberhemd konnte ich ansatzweise gut trainierte Muskeln sehen, was darauf schließen ließ, dass er stark und vermutlich ein guter Nahkämpfer war. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für mich.

Dann kam ich bei dem Lehrer an und er packte mich sofort unsanft am Oberarm, während er die Pistole auf die anderen richtete.

„Wehe irgendeiner von euch tut etwas Unüberlegtes!“, rief Mr Hell und richtete die Pistole dann auf meinen Kopf, „Und du wirst schön ruhig hier stehen bleiben, sonst bist du die Erste, die eine Kugel im Kopf hat!“

„Schon gut, ich bin ganz brav“, sagte ich nur gelassen. Meine abschätzenden Gedanken ließ ich mir nicht anmerken. Die Situation hier erinnerte mich allerdings an einen Krimi, den ich irgendwann mal im Fernsehen gesehen hatte.

„Das will ich dir auch raten“, sagte Mr Hell unfreundlich, auch wenn er wegen meiner Gelassenheit eindeutig etwas verwundert war.

Dann blicke er ruckartig nach rechts, weil sich dort einer meiner Mitschüler etwas bewegt hatte. Den Moment nutzte ich und war mit nur einem Schritt hinter ihm. Ich riss mein Bein hoch und trat ihm die Pistole aus der ausgestreckten Hand. Zur selben Zeit holte ich – in Ermangelung einer besseren Waffe – den spitzen Bleistift aus meinem Ärmel und zog Mr Hell am Kragen nach hinten. Dann drückte ich ihm die Spitze des Bleistifts in den Nacken und achtete darauf, dass er keine Chance hatte an seine Pistole zu kommen.

„Sie sollten allerdings auch aufpassen, sonst schlitze ich Ihnen den Hals auf“, sagte ich drohend und drückte die Spitze ihres Bleistifts demonstrativ noch etwas tiefer in seinen Nacken. Mit etwas Glück hielt er den Stift für ein Messer oder eine Nadel.

„Das hättest du wohl gerne“, sagte Mr Hell jedoch verbissen und packte mich am Arm. Zeitgleich trat er mir kräftig gegen das Bein und schleuderte mich mit Schwung über sich hinweg. Der Kerl war wirklich gut und leider auch ganz schön stark. Ich konnte mich nur gerade eben noch so drehen, dass ich auf den Füßen und nicht mit dem Rücken auf dem Boden landete. Jedoch bekam Mr Hell nun wieder seine Pistole zu fassen und erblickte auch den Bleistift, der auf dem Boden lag, da ich ihn leider fallen gelassen hatte. Ein dummer Fehler, über den ich mich ziemlich ärgern konnte.

„Ein hübscher Trick“, stellte Mr Hell grinsend fest, „Nur leider nicht gut genug.“

Der Lauf seiner Pistole war genau auf mich gerichtet, die ich auf dem Boden hockte und mit verzogenem Gesicht mein Bein hielt. Genau dort über meinem linken Knöchel, wo er mich getreten hatte, war eine alte Verletzung. Und diese schien jetzt wieder aufgegangen zu sein, denn sie schmerzte höllisch und ich musste mühsam die Tränen zurückhalten, was sonst kein so großes Problem für mich war. Das war doch echt zum Kotzen. Verdammt noch mal, hättest du Arsch mich nicht wo anders treten können? Vielen Dank auch!

Außerdem kam Mr Hell mit seiner Pistole langsam immer näher und ich kam gerade auf keine Idee, wie ich mich gegen ihn verteidigen sollte. Dann hielt er den Lauf gegen meine Stirn. Oh jeah, haargenau wie in dem Krimi, den ich geguckt hatte. Suuuper.

Plötzlich aber gab es ein lautes Klirren und eines der Fenster zersprang in tausende Scherben, die in die Klasse segelten. Das war anders als in dem Krimi.

Ein Junge war einfach von oben – wir befanden uns wohl bemerkt im vierten Stock – durch das Fenster hindurch gesprungen und landete nun nicht weit neben dem vollkommen überraschten Mr Hell. In weniger als fünf Sekunden war der angebliche Lehrer kampfunfähig und die Pistole rutschte in eine Ecke. Ich sah den mindestens ein Meter achtundsiebzig großen Jungen mit den fast schulterlangen, dunkelbraunen Haaren nur erstaunt an. Dieser sah mich ebenfalls an und unsere Blicke trafen sich schließlich kurz.

In dem Moment wurde die Tür zur Klasse aufgerissen und gleich mehrere Lehrerinnen und Lehrer erschienen. Der Junge verschwand genauso schnell wie er gekommen war wieder aus dem Fenster und ich sah ihm hinterher. Währenddessen packten gleich zwei Lehrer erstmal den ziemlich demolierten Mr Hell und verschnürten ihn behelfsmäßig mit einigen Seilen.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte eine der Lehrerinnen nun mich. Soweit ich mich erinnerte, war der Name der Frau Mrs Lane. Sie war Vertrauenslehrerin.

„Ja, es ist nichts weiter passiert“, antwortete ich und stand wieder auf, wobei ich mein verletztes Bein entlastete, „Keiner wurde verletzt, die meisten hier dürften nur einen leichten Schreck haben.“ Die sahen aus, als hätten sie ein Gespenst gesehen. Und die wollten mal Auftragsmörder werden? Das ich nicht lache.

„Freut mich zu hören“, seufzte Mrs Lane erleichtert, „Und ich möchte mich bei euch allen entschuldigen! Wir hätten schon viel früher merken müssen, dass er ein Spion war. Es tut mir wirklich sehr leid!“

„Er war beim Bundesnachrichtendienst, oder?“ Ich hatte einen kurzen Blick auf den Ausweis von Mr Hell erhaschen können, der in Wirklichkeit Rick Newen hieß und scheinbar Agent beim Bundesnachrichtendienst war. Auch wenn er sich meiner Meinung nach fast mehr wie einer von uns benommen hatte als wie ein Agent. Zumindest hatte ich mir die immer anders vorgestellt.

„Ja, du hast ein gutes Auge...“

„Kate“, stellte ich mich vor, „Ich bin heute erst hier angekommen.“ Müsste man doch eigentlich auch an meinen Klamotten erkennen können, oder? Schließlich lief hier sonst keiner in normaler Kleidung und mit Koffer durch die Gegend.

„Und dann gleich in so etwas hineingezogen worden, das tut mir wirklich leid“, sagte Mrs Lane zerknirscht. Sie schien tatsächlich ganz nett zu sein, worüber ich mir bei dem Rest der mir bisher bekannten Lehrerschaft nicht ganz sicher gewesen war.

„Ist halb so wild“, sagte ich lediglich, „Und hören Sie auf sich zu entschuldigen, es ist schließlich nichts Schlimmes passiert.“ Auch wenn das Ansichtssache war, einige hier dachten da bestimmt ganz anders als ich.

Jedoch hörte ich in dem Moment einen leisen Ruf und eines der Mädchen in der gelben Uniform deutete auf mein Bein. Als ich hinunter sah, musste ich feststellen, dass sich meine schöne, beige Jeans über meinem Knöchel langsam rot färbte. Der Fleck war schon ziemlich groß und ich seufzte.

„Die Stelle ist also wirklich aufgegangen“, murmelte ich resigniert.

„Oh Gott, du gehst sofort ins Krankenzimmer!“, sagte Mrs Lane entsetzt und blickte dann zum Rest der Klasse, „Einer von euch wird sie begleiten, da ich mich um unseren Spion hier kümmern muss.“

Kurz herrschte leises Stimmengemurmel und ich wollte gerade sagen, dass ich auch alleine den Weg zum Krankenzimmer fand, als ein Mädchen mit hellblauer Uniform aufstand und zu uns nach vorne ans Pult kam.

„Ich werde sie begleiten“, sagte das Mädchen lächelnd. Es hatte freundliche, blaue Augen und glänzende schwarze Haare, die es zu zwei Zöpfen geflochten hatte. Ich schätzte sie auf ein Meter dreiundsechzig, etwa zehn Zentimeter kleiner als ich es war. Und ich konnte mir nicht helfen, die vielleicht Vierzehnjährige sah eigentlich viel zu süß aus um bereits Rang 3 zu haben.

„Danke Anja“, sagte die Vertrauenslehrerin lächelnd, ehe sie den Rest der Klasse aus den Augenwinkeln ansah, „Wenigstens eine von euch besitzt noch die Freundlichkeit sich einer Neuen anzunehmen. Vielleicht sollten wir mal ein Unterrichtsfach einführen, in dem ihr lernt, nicht nur auf andere herabzusehen.“ Mit den Worten verließen sie und die anderen Lehrer, von denen zwei den bewusstlosen Mr Newen trugen, die Klasse. Ob er das Schulgelände wohl nochmal verlassen würde? Ich bezweifelte das stark.

Anja lächelte etwas schief, dann sah sie mich freundlich an. „Kommst du? Die Station ist nicht weit von hier.. oder soll ich dich stützen? Das sieht ziemlich ernst aus.“ Sie hatte einen Blick auf mein Bein geworfen und wirkte ein klein wenig unsicher.

„Sieht schlimmer aus, als es ist“, wehrte ich ab und ging auf die Tür zu, wobei ich versuchte nicht allzu sehr zu humpeln. Auch wenn sie wohl bemerkt verdammt wehtat!

„Du bist ganz schön mutig“, stellte Anja lächelnd fest, als wir den Gang runter gingen.

„Dafür, dass das hier eine Schule für Auftragsmörder ist, seid ihr alle ganz schön schreckhaft“, erwiderte ich weit weniger freundlich. Die Verletzung brannte höllisch und schon um mich davon abzulenken, hätte ich am liebsten irgendetwas mit viel Schwung an die Wand geklatscht. Aber da ich die eigentlich ganz nette Anja nicht erschrecken wollte, beschränkte ich mich darauf die Zähne fest zusammenzubeißen und von hundert rückwärts zu zählen. Nur nicht daran denken, dass mein Fuß mir bald den Dienst quittierte. Meine Laune näherte sich ihrem Tiefpunkt immer mehr und ich verdrehte die Augen. Echt klasse. So hatte ich mir meinen ersten Schultag auch gerade vorstellt.

„Na ja, wie du sicher gesehen hast, besteht die Klasse hauptsächlich aus Anfängern des Ranges 1 und 2 und die haben einfach noch zu wenig praktische Erfahrung, um mit so einer Situation richtig umzugehen“, sagte Anja und ihr Lächeln wurde wieder etwas schief, „Wobei auch wir von Rang 3 uns nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.“

Ich gab einen zustimmenden Laut von mir. Zu mehr hatte ich keine Lust.

„Aber du bist noch nicht mal einen Tag hier und nimmst es gleich mit jemandem wie diesem Mr Hell auf, das haut schon rein“, musste das junge Mädchen zugeben und grinste, „Das dürfte einigen unserer aufmüpfigen Jungsprosse mal was zu denken geben. Vielleicht kapieren sie ja nun, dass sie nicht die Besten sind.“

Mittlerweile waren wir bereits in dem großen Krankenzimmer, in denen einige Betten standen, die durch Vorhänge voneinander getrennt wurden. Ich war zu einer der Kommoden gehumpelt und hatte mir den nächstbesten Verband geschnappt, den ich hatte finden können. Danach war ich zu einem der Betten gegangen und hatte mich erstmal hingesetzt.

„Super, den Fleck wieder rauszukriegen wird eine schöne Arbeit“, murmelte ich, als ich so vorsichtig wie möglich meine Hose hoch schob. Dass sie recht eng saß, was aber so sein sollte und auch eigentlich sonst sehr gut aussah, erwies sich hierbei als eindeutiger Nachteil. Schließlich aber hatte ich es endlich geschafft meine Stelle so weit freizumachen, dass ich sie verbinden konnte. Endlich, ich war kurz davor am Rad zu drehen.

„Soll ich das nicht machen?“, fragte Anja mit schief gelegtem Kopf, „Von oben ist das doch ganz schön umständlich und außerdem hatte ich eine Ausbildung in erster Hilfe.“

Ich sah sie resigniert an und hätte am liebsten gesagt, dass ich das schon tausendmal selbst gemacht hatte, doch Anja hatte solch einen Dackelblick, dass ich mich seufzend geschlagen gab und ihr den Verband hinhielt. Ein echt seltsames Mädchen, anders als die meisten, denen ich begegnet war.

„Irgendwie habe ich mir eine Schule für Auftragsmörder ganz anders vorgestellt.“ Ich wusste auch nicht wieso, doch ich hatte das Gefühl, dass ich Anja vertrauen konnte. Und das hatte ich schon seit geraumer Zeit niemandem mehr, daher verwirrte es mich auch ein wenig. „Klar, das Getue von wegen Schule für Hochbegabte und Reiche ist nötig, aber irgendwie kommt es mir zu normal vor.“ Den Vorfall eben natürlich ausgeschlossen.

„Na ja, der eigentliche Unterricht, den wir für unseren späteren Job brauchen, beginnt ja auch erst nach der vierten Stunde, daher hast du den noch nicht sehen können“, bemerkte sie lächelnd, „Aber es stimmt schon, die Schulleiterin und vor allem unsere Vertrauenslehrer, zu denen ja auch Mrs Lane gehört, achten darauf, dass wir noch ein einigermaßen normales Leben haben. Sie wollen, dass auch wir etwas von unserer Kindheit haben und noch ein paar Erfahrungen sammeln, die nichts mit unserem Job zu tun haben.“

„Hmmm.. so ganz schlau werde ich aus euch Leuten nicht“, seufzte ich und sah zu, wie Anja die Stelle über meinem linken Knöchel fachgerecht verband, „Und wer war eigentlich der Junge, der da so plötzlich durchs Fenster gekracht ist?“ Über ihn wunderte ich mich noch immer, diesen Stunt von vorhin brachte nicht jeder fertig.

„Äh.. du meinst den mit den dunkelbraunen Haaren und der dunkelblauen Uniform, oder?“ Anja wirkte etwas beunruhigt. „Sein Name ist Train Phöenix und er hat bereits Rang 4.. deswegen ist er häufig auch schon auf Missionen unterwegs gewesen.. Ich weiß ehrlich gesagt nicht allzu viel über ihn. Wenn er mal zum Unterricht kommt, ist er meistens still und redet mit kaum jemandem. Er soll bei Aufträgen angeblich sogar seine eigenen Teamkameraden verletzt haben, weshalb er inzwischen immer alleine auf Missionen unterwegs ist. Kaum jemand traut sich, mit ihm ein Team zu bilden oder sich gar mit ihm anzulegen.“

„Aha“, sagte ich nur, „Du kannst langsam mal aufhören, ich wollte keinen Klumpen haben sondern nur verhindern, dass meine Klamotten noch mehr Blut abbekommen.“

„Oh, tut mir leid“, sagte Anja rasch und schnitt den Rest des Verbandes ab, ehe sie das Ende des anderen Teils so befestigte, dass es sich nicht mehr so schnell lösen konnte.

Ich stand daraufhin auf und ging probehalber einige Schritte. Noch immer schmerzte die Stelle höllisch und ich überlegte mal wieder, ob ich mir das verletzte Stück Bein samt Fuß nicht vielleicht doch abhacken sollte. Die alte Verletzung ging alle naslang auf und tat jedes Mal so verflucht weh, dass ich des Öfteren auch schon ein Messer in der Hand gehabt hatte. Letztlich hatte ich es mir zwar immer anders überlegt, doch so ganz war die Idee noch nicht aus meinem Kopf verschwunden.

„Gut, wir sollten dann besser zum Unterricht zurück“, sagte ich und Anja nickte.

Als wir im Gang waren, liefen wir einer der Lehrerinnen von vorhin über den Weg, die Mr Newen aus der Klasse geschafft hatten.

„Ihr beide seid doch auch in der Klasse zehn bei Mr Hell gewesen“, sagte die Lehrerin etwas überrascht, „Ihr habt den Rest des Tages frei. Dann könnt ihr euch von dem Schock etwas erholen.“

„Okay...“ Ich sah der Lehrerin stirnrunzelnd hinterher. „Ich scheine ja wirklich in einer der Anfängerklassen gelandet zu sein, wenn wir so fürsorglich behandelt werden als könnten wir an dem kleinen Schreck zerbrechen.“

Anja kicherte leise.

„Ist was?“, fragte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue. Es stimmte doch, wir wurden behandelt wie die letzten Weicheier. Ich kam mir echt dämlich vor.

„Nein, du hast nur eine komische Art die Dinge zu umschreiben“, sagte Anja kichernd, „Dabei sahst du am Anfang ziemlich unfreundlich aus, ich hätte nicht gedacht, dass du so nett bist.“

„Nett?“ Ich konnte nicht verhindern, dass meine Gesichtszüge ein wenig außer Form gerieten. „Ich bin nett?“

Nun bekam Anja einen richtigen Lachanfall und ich blickte resigniert aus einem der Fenster neben der Treppe. Ich war eine Einzelgängerin und hatte mich eigentlich extra darum bemüht, nicht zu freundlich auszusehen, doch Anja behauptete jetzt, dass ich nett war. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte.

„Oh Mann, du bist echt komisch“, sagte Anja schmunzelnd und wischte sich eine Träne weg, die ihr vor Lachen ins Auge gestiegen war, „Bin ich froh, dass ich eine Freundin wie dich gefunden habe. Bei Wendy und Yvonne hätte ich es nicht mehr lange ausgehalten, die beiden sind so was von hochnäsig geworden, seit sie Rang 3 haben, das ist echt nicht zum Aushalten.“

„Freundin?“ Mein Blick musste ziemlich verwirrt aussehen. „Nicht ich bin komisch, sondern du.“ Kam mir das nur so vor oder war diese Anja ziemlich direkt?

„Wieso denn?“, fragte sie lächelnd, „Lass uns von jetzt an Freundinnen sein. Oder bin ich dir zu aufgedreht?“

„Kann man so sagen“, sagte ich, fügte aber noch hinzu: „Aber es stört mich nicht sonderlich.“

„Gut, dann sind wir Freundinnen.“ Sie hatte ein strahlendes Lächeln im Gesicht.

Ich sah das Mädchen nachdenklich an. Schon lange hatte ich nicht mehr jemand so ehrliches wie Anja getroffen. Zwar fand ich sie etwas direkt und kam auch absolut nicht dahinter, wie ihre Gedanken tickten, doch irgendwie mochte ich sie. Es war angenehm in Anjas Nähe zu sein und sie lächeln zu sehen. Da vergaß sogar ich für ein paar Sekunden mal meinen Groll gegen einige bestimmte Menschen.

Am Eingang des Schulgebäudes trennten wir uns, da Anja noch etwas vergessen hatte und zur Klasse zurück musste. Ich sah ihr einen Augenblick lang nach, dann holte ich meinen Notizzettel hervor, den ich mir während des Unterrichts noch gemacht hatte. Laut dem war mein Haus auch noch das Hinterste von den Vier, die von den Schülern bewohnt wurden. Nur das Fünfte, in dem die Lehrer wohnten, lag noch weiter hinten. Ich stöhnte und machte sich humpelnder Weise auf den Weg.

Dabei kam ich natürlich auch an den ersten beiden Häusern vorbei, die in Gelb und Beige gehalten waren und beide dunkelrote Ziegeldächer hatten. In ihnen lebten die Schüler mit der gelben und der sandfarbenen Uniform. Gelb war die Farbe der Schüler von Rang 1, dem niedrigsten Rang. Dahinter kam Rang 2, dessen Schüler an der beigen Farbe zu erkennen waren. Das waren die normalen Ränge unter den Anfängern und den etwas erfahreneren Schülern. Wer Rang 2 hatte, war schon ganz gut.

Die Fortgeschrittenen hatten Rang 3 und hellblau als Farbe. Die Schüler dieses Ranges bekamen durchaus auch schon mal Missionen, die etwas schwieriger waren als die Übungsmissionen für Rang 1 und 2. Zu Letzt gab es noch Rang 4, der der höchste Rang der Schüler war und sich durch die schöne, nachtblaue Farbe auszeichnete. Es gab nicht sehr viele Schüler, die diesen Rang hatten. Denn wer diesen Rang besaß, bekam hochrangige und schwierige Übungsaufträge, die nur jemand mit Erfahrung durchführen konnte.

Als ich an den ersten beiden Wohnhäusern vorbei humpelte, sahen mir einige der Schüler, die gerade herumliefen, verwirrt hinterher. Eigentlich bekamen alle Neulinge, egal ob sie bereits Erfahrungen hatten oder nicht, erstmal in Rang 1 oder höchstens 2. Daher war es für sie wohl ziemlich unglaublich, dass ich einfach an den beiden Häusern vorbei ging und auf die Hinteren zwei zu hielt.

„Hey, solltest du nicht eher zu den Häusern da vorne gehen?“, fragte eines der Mädchen gehässig, als ich auch an dem Haus der Schüler mit Rang 3 vorbeiging, „Die in dem Haus da hinten sind die BESTEN! Und zu denen zählst du ja wohl bestimmt nicht!“ Wenn ich mich richtig erinnerte, ging das Mädchen in meine Klasse, auch wenn es mich gerade herzlich wenig interessierte.

Zur Antwort wedelte ich mit der Notiz in meiner Hand. „Ich hab´s mir nicht ausgesucht, also beschwer dich wenn dann bei Mrs Allison, sie hat mich schließlich dorthin geschickt.“

Daraufhin waren das Mädchen und auch alle anderen, die meine Antwort gehört hatten, so baff, dass sie glatt stehen blieben und mir ungläubig nachsahen.

Ein kleines, amüsiertes Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, dafür sahen die Gesichter der Mädchen einfach zu gut aus. Ich war gar nicht schadenfroh. Nein, nie. Ich doch nicht.

Allerdings erinnerte mich das an die Begegnung mit der lieben Mrs Allison, der ich noch einen Besuch abgestattet hatte, bevor der Unterricht begonnen hatte.

„Herein.“

Ich drückte die Türklinke herunter und betrat das Büro dahinter. Hinter einem wuchtigen Schreibtisch mit PC, Ringbüchern, Akten und allem Drum und Dran saß eine Frau mittleren Alters. Sie hatte ihre langen, schwarzen Haare zu einem Zopf zusammengebunden und trug eine sportliche Brille auf der Nase. Ihre Bluse war von einem dunklen Lila und die kleine Brosche an ihrer Brust sah ziemlich teuer aus.

„Ah, du musst Kate Randall sein“, sagte die Schulleiterin Mrs Allison in perfektem Englisch, „Es freut mich, dass du auf unsere Einladung reagiert hast und hier her gekommen bist. Wir suchen immer wieder Talente wie dich, daher freut es mich sehr, dass du von nun an unsere Schülerin bist.“

„Auch wenn ich jetzt hier bin, weiß ich noch nicht, ob ich auch hier bleiben werde“, bemerkte ich in kühlem Ton, „Ich bin mehr oder weniger unfreiwillig hier, daher bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich Ihren Vorstellungen entsprechen werde.“

Ich wusste auch gar nicht, ob ich das überhaupt wollte. Immerhin hatte der so nett in schmeichelnde und werbende Worte verpackte Befehl auf diese Akademie zu wechseln mir eigentlich nicht gepasst. Letztlich hatte ich die Schule nur gewechselt, weil es recht interessant schien mal auf eine Akademie für Auftragskiller zu gehen. Schaden konnte es mir eigentlich nicht.

„Da bin ich mir ziemlich sicher“, erwiderte Mrs Allison lächelnd, „Aber natürlich wirst du einige Zeit bekommen, um dich hier einzuleben und an den Tagesablauf zu gewöhnen. Hast du noch irgendwelche Fragen, die das Schreiben nicht geklärt hat?“

„Vorläufig nicht“, sagte ich nur. Der Brief war eindeutig gewesen.

„Gut.. da es schon ziemlich spät ist und der Unterricht bald beginnt, wirst du wohl leider nicht mehr dazu kommen dich umzuziehen und deine Sachen wegzubringen“, sagte Mrs Allison nachdenklich, „Ich hoffe, das ist kein Problem für dich?“

„Nein.“ Ich ließ meinen Blick kurz durch das Büro streifen. Ordentlicher ging es kaum, nicht ein Staubkorn konnte ich auf den Kommoden und Schränken entdecken. Da war aber jemand penibel ordentlich. Zu ordentlich für meinen Geschmack.

In dem Moment betrat ein hochgewachsener Mann das Büro und hielt überrascht inne, als er mich sah. Ich zog auf seinen Blick hin nur eine Augenbraue hoch. Sah ich so komisch aus mit der beigen Jeans und der dunkelblauen Bluse? Oder war es die etwas ungewöhnliche Farbe meiner schulterlangen Haare, deren Farbton eine Mischung aus orange und dem Farbton von Bernsteinen zu sein schien, den ich der Einfachheit halber aber als Orange oder Kupfer bezeichnete? Meine dunkelbraunen Augen konnten eigentlich nicht der Auslöser dafür sein, schließlich sahen sie ganz normal aus, im Gegensatz zu meinen widerspenstigen Haaren.

„Ah, Mr Flint, Sie kommen genau richtig“, sagte Mrs Allison erfreut, „Können Sie unsere neue Schülerin mit dem Wagen zum Schulgebäude bringen? Sie müssen doch sowieso dorthin und ich möchte ungern, dass Kate nur wegen der Verspätung des Zuges noch den Beginn des Unterrichts versäumt.“

Ich verzog kurz das Gesicht. Mein Gefühl hatte mich also doch nicht getäuscht, als ich während der Fahrt gedacht hatte, dass ich beobachtet wurde.

„Ähm.. ja, natürlich“, sagte der Mann namens Flint leicht verwundert.

„Schön, dann wünsche ich dir Kate eine schöne Zeit auf unserer Schule“, sagte Mrs Allison freundlich lächelnd.

„Danke.“ Ich fand es immer noch nicht sehr nett, dass man mich beschattet hatte. Das verleitete mich dazu, der ganzen Sache noch ein wenig misstrauischer gegenüber zu stehen, als ich es ohnehin schon tat. Zudem war es ziemlich unhöflich.

Na ja, inzwischen war ich bei dem Wohnhaus der Schüler mit Rang 4 angekommen. Schon auf der Suche nach meinem Zimmer merkte ich, dass in diesem Haus die Jungen eindeutig in der Überzahl waren. Es waren ohnehin nicht allzu viele, die hier drinnen wohnten, doch die, denen ich in den Korridoren begegnete, waren alles Jungen. Super. Und diese warfen mir alle argwöhnische Blicke zu und redeten leise mit ihren Kameraden. Noch besser. Nur zwei Mädchen sah ich still und leise durch den Gang gehen und in einem Zimmer verschwinden, als wollten sie den Jungen bloß nicht auffallen. Nicht zu übertreffen. Wo war ich denn jetzt schon wieder gelandet? Das konnte ja heiter werden.

Schließlich fand ich auch endlich mein Zimmer, das die Nummer 4 hatte. Wären die Zimmer nach Nummern geordnet gewesen, hätte ich nicht erst durch bestimmt das halbe Wohnhaus rennen müssen. Doch die Nummern waren einfach durcheinander gewürfelt und wie zufällig einem Zimmer zugeteilt worden, daher hatte es eine Weile gedauert, bis ich endlich im dritten Stock ganz links außen fündig geworden war. Sie hätten ja wenigstens mal Schilder aufhängen können, sonst brauchte man ja Tage, bis man hier ein bestimmtes Zimmer gefunden hatte.

Nun öffnete ich seufzend die Tür und betrat mein Zimmer. Der Raum war ziemlich groß und mit dem ausgestattet, was ich erwartet hatte. Ein großer Schreibtisch mit Stuhl, ein wuchtiger Schrank, ein gemütlich aussehendes Bett und eine kleine Sitzecke mit mehreren Stühlen, die ich als Plauderecke bezeichnete, da der normale Mensch wahrscheinlich dort mit seinen Freundin über dies und das und jenes quatschen würde. Was ich im Übrigen nicht vorhatte.

Es gab noch zwei Fenster, die sich rechts und links neben einer Balkontür befanden, welche auf eine sogar recht geräumige Terrasse führte. Ein eine Wand, die zur Hälfte in den Raum ragte, diente als Raumtrenner zwischen Plauderecke und Schrank mit dem Bett direkt dahinter. Ich konnte mich nicht beklagen, das Zimmer war schön.

Auch was ich hinter einer zweiten Tür direkt neben der zu diesem Raum fand, war sehr erfreulich. Ein geräumiges Badezimmer mit Toilette, Dusche, Badewanne und einer Kommode für Handtücher und allerlei.

Ich war zufrieden, wie ich zugeben musste. Von der Gesellschaft hier hielt ich zwar im Moment nicht sonderlich viel doch immerhin waren die Zimmer voll in Ordnung. Besser als ich es zu hoffen gewagt hatte.

Schließlich riss ich meinen Blick von der schönen großen Badewanne los und ging wieder in meinen Wohnraum. Ich öffnete den viel zu großen Kleiderschrank und fand drinnen meine Schuluniform. Wie hübsch. Ich zuckte mit den Schultern und packte meine wenigen Sachen aus, um sie dort drin zu verstauen. Auch wenn mir langsam der Verdacht kam, dass ich die Klamotten nur mitgenommen hatte, damit sie hier im Schrank einstauben konnten.

Gegen Abend ließ ich mich auf mein Bett fallen und starrte an die Decke. Nun war ich also auf einer Schule für Auftragsmörder gelandet. Ich hatte nie damit gerechnet, dass es wirklich eine Akademie für Killer geben würde, doch so war es. Ich ging ja inzwischen auf genau so eine Schule. Auch wenn ich zugeben musste, dass es hier etwas anders war, als ich es mir vorgestellt hatte. Jedoch musste ich auch zugeben, dass der Tag heute etwas chaotisch gewesen war und ich mir wohl erst morgen wirklich ein Bild machen konnte.

Als ich gerade am Einschlafen war, das Licht bereits ausgemacht und alle Vorhänge zugezogen hatte, hörte ich ein Geräusch. Wenn ich mich im Halbschlaf nicht allzu sehr täuschte, hatte gerade jemand die Balkontür nebenan geöffnet und wieder geschlossen. Allerdings hatte ich keine Lust mehr nachzusehen und drehte mich einfach auf die andere Seite.

 

Ich starrte meine toten Eltern entsetzt an. Ihre Kleidung war mit Blut durchtränkt und ihre nach innen verdrehten Augen waren auf mich gerichtet. Ich hockte zusammengekauert in einer Ecke des Zimmers und starrte die beiden Männer an, die meine Familie getötet hatten. Ihre Klamotten waren rot vom Blut meiner Eltern. Der eine hielt ein Messer in der Hand, der andere eine Pistole. Beide sahen sie mich, die gerade mal sieben Jahre alte Tochter der beiden Erwachsenen, grinsend an. Ich würde die Nächste sein, die starb. Alle Randalls sollten ausnahmslos ermordet werden. Alle.

Auftrag 2: Ein bernsteinäugiger Killer als Teampartner?

Ich setzte mich ruckartig auf und blickte einen Moment lang etwas verwirrt aus der Wäsche. Dann fiel mir wieder ein, dass ich ja auf die Arrison Academy gewechselt war, und rieb mir erstmal den Schlaf aus den Augen.

„Blöde Vergangenheit, die soll mich endlich in Frieden lassen“, murmelte ich und blickte verschlafen auf den Wecker auf der Fensterbank, an der ich mir beinahe den Kopf gestoßen hatte, „Erst fünf Uhr.. meine Güte, da hab ich ja noch Zeit...“

 Eine gute halbe Stunde lang lag ich noch in meinem Bett und wälzte mich hin und her. Dann stand ich auf und ging ins Bad. Anschließend öffnete ich die Balkontür und trat nach draußen. Die frische Luft füllte meine Lungen, dann streckte ich mich erstmal richtig und genoss den Ausblick, der sich im dritten Stock schon sehen ließ. Da es noch so früh war, war es mir ziemlich egal, dass ich noch meinen hellblauen Pyjama an hatte. Wer war denn außer mir schon um diese Uhrzeit wach?

Die Antwort kam jedoch schneller als ich erwartet hatte: Plötzlich hörte ich schräg über mir ein leises Schaben und im nächsten Augenblick landete der Junge mit den dunkelbraunen Haaren auf dem Balkon neben mir. Ich war einen Moment lang zu verblüfft, um etwas zu sagen. Wie lange war er schon da oben? Hatte er dort etwa geschlafen? Alles Fragen, die mir auf der Zunge lagen, die ich aber nicht aussprach.

Der Junge hielt inne und seine stechenden, aber durchaus schönen, bernsteinfarbenen Augen richteten sich auf mich. Sein Blick war finster, schon fast feindselig.

Ich blinzelte kurz, dann gab ich mir einen Ruck. „Gott hast du mich erschreckt“, seufzte ich, „Du bist Train, oder? Danke für die Rettung gestern. Ohne dich hätte ich wahrscheinlich eine Kugel im Schädel gehabt.“

Er sah mich nur noch gut zwei Sekunden lang an, dann öffnete er seine Balkontür und verschwand wortlos in seinem Wohnraum.

Ich starrte ihm einen Moment lang verdattert hinterher, dann fiel es mir auf und ich sammelte meine Gesichtszüge wieder ein. Was war denn mit dem los? War er mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden oder was?

Schließlich schüttelte ich den Kopf und ging ebenfalls wieder in mein Zimmer.

Gut zwei Stunden später hatte ich mich fertig angezogenen, unten im Gemeinschaftsraum gefrühstückt und war bereits auf dem Weg zum Schulgebäude. Die Stelle über meinem Knöchel hatte sich zum Glück weitestgehend beruhigt und so hatte ich keine Beschwerden beim Gehen. Sehr erfreulich.

Auf halbem Weg traf ich auch auf Anja, die mich nur mit großen Augen ansah.

„Du hast Rang 4?“, fragte sie verdattert.

Ich blickte an mir herunter. Die elegante, nachtblaue Bluse und der bis kurz unter die Knie reichende, ebenfalls nachtblaue Faltenrock kamen mir zu vornehm vor. Darunter trug ich noch eine dreiviertellange, weiße Hose. Auch die schicke weiße Weste mit einigen goldenen Eingravierungen fand ich zu edel, doch was sollte ich denn machen? Das war nun mal leider meine Schuluniform. Anja trug ja die Gleiche, nur waren Bluse und Rock bei ihr hellblau und nicht nachtblau wie meine.

„Sieht so aus“, sagte ich schulterzuckend. War das wirklich so unglaublich?

„Das hättest du gestern ruhig erwähnen können“, bemerkte Anja immer noch erstaunt und sah auf ihre Uhr, „Aber wir müssen uns beeilen, Mr Hell oder besser Mr Newen ist immer etwas zu spät gekommen, aber jetzt werden wir wohl einen neuen Klassenlehrer bekommen...“

„Deswegen sollten wir uns beeilen, schon verstanden“, sagte ich nur - ich war ja nicht schwer von Begriff - und zog die leicht verdutzte Anja hinter mir her, bis diese sich wieder eingekriegt hatte und von selbst mit mir Schritt hielt.

„Und? Wie findest du dein Zimmer?“, fragte sie nach einer Weile neugierig.

„Ich kann mich nicht beschweren“, antwortete ich schob eine Haarsträhne, die mir schon seit einer Weile in der Nase kitzelte, hinter mein Ohr. Blödes Haar, bleib gefälligst dort, wo du hingehörst. Verstanden?

„Ach ja, was ich dich schon gestern fragen wollte: Ist das dein Naturhaarton?“ Anja runzelte die Stirn.

„Ja, leider“, antwortete ich mürrisch, „Selbst wenn ich meine Haare färbe, sticht dieser blöde orangene Farbton immer wieder durch.“ Ich konnte das nicht ausstehen, nur leider konnte ich auch nichts dagegen machen. Blöd gelaufen.

„Ist ja cool.“

„Das ist nervtötend“, korrigierte ich sie etwas genervt. Wie konnte man das als cool bezeichnen? Wusste sie denn nicht, was ich mir schon für Sprüche darüber hatte anhören dürfen? Natürlich wusste sie es nicht, aber trotzdem. Das war definitiv alles andere als cool.

„Aber ich finde, der Farbton passt gut zu deiner Uniform“, bemerkte das Mädchen lächelnd.

„Mag sein, aber dafür kann ich einige andere Farben nicht tragen, die ich gerne mal anziehen würde“, murrte ich. Das fand ich schon immer nervig.

Inzwischen waren wir beim Schulgebäude angekommen und einige verwirrte Blicke folgten mir auf meinem Weg durch das Gebäude bis zu meiner Klasse. Es war ziemlich eindeutig, dass kaum einer glauben konnte, dass ich Rang 4 haben sollte. Das war unfassbar. Gerade in meiner Klasse, die wohl aus den sechzehn Anwesenden zu bestehen schien, die ich auch gestern schon gesehen hatte, wurde ich nur verdattert angestarrt.

„Da sind einige anscheinend noch überraschter als ich“, stellte Anja schief lächelnd fest. Sie saß auf ihrem Platz in der zweiten Reihe auf der Wandseite und ich hatte mich einfach vor ihr auf den Tisch gesetzt.

„Scheint so“ Ich wartete bereits auf die ersten Sprüche. Allerdings verhielt sich die Klasse heute irgendwie etwas anders als gestern vor dem Unterricht, wo ein halbes Chaos getobt hatte. Ob es an der Überraschung von Mr Newen lag? Ich war mir nicht ganz sicher.

Dann entdeckte ich aber auf einmal, dass in der hintersten Reihe rechts jemand war. Es schien ein Junge zu sein, der auf dem Platz direkt am Fenster saß und sich eine Zeitschrift über den Kopf gelegt hatte. Er schien zu schlafen.

Also war ich dort hinten rechts doch nicht allein. Das war doch mal eine erfreuliche Sache! Zugleich kam mir allerdings der Verdacht in den Sinn, dass der Junge der Auslöser für das verhaltene Benehmen der Klasse war. Denn selbst die drei Mädchen in der vorletzten Reihe vor mir, die die Lästertanten schlechthin waren, unterhielten sich nur flüsternd und möglichst unauffällig. Ich hatte zwar bereits gesehen, dass der Junge ebenfalls Rang 4 hatte – er trug die nachtblaue Hose, das nachtblaue Hemd und darüber die weiße Weste mit den goldenen Stickereien, die er offen gelassen hatte – doch das war eigentlich kein Grund so vorsichtig zu sein. Schließlich gab es hier auch noch einen weiteren mit Rang 4 und vier mit Rang 3. Weshalb also sah es ganz danach aus, dass alle Angst vor ihm hatten? Das war doch irgendwie seltsam.

Dann betrat auch schon eine mir unbekannte Lehrerin die Klasse und alle setzten sich auf ihre Plätze. So begab auch ich mich zu meinem Platz in der hintersten Reihe rechts am Gang. Einige meiner Mitschüler sahen mich daraufhin an, als hätte ich gerade etwas Unmögliches getan, und ich runzelte nur die Stirn. Was hatten die denn alle? Die starrten mich an, als wäre mir gerade ein zweiter Kopf gewachsen.

In dem Moment hob der Junge am anderen Ende der Sitzreihe die bunte Zeitschrift und sah mich missbilligend an. Nun stellte ich überrascht fest, dass Train derjenige war, der drei Plätze weiter neben ihr saß.

Die ganze Klasse war still. Die meisten sahen in meine Richtung und selbst die Lehrerin vorne an der Tafel schwieg. Auch sie beobachtete, was da in der hintersten Reihe als nächstes passierte. Schließlich war bekannt, was Train für ein Typ war – was mir im Übrigen erst später klar werden sollte.

Einen Moment lang sahen Train und ich uns nur an. Dann gab ich mir einen Ruck und sagte schlicht: „Hi.“

Trains Augen schienen ein Stück schmaler zu werden und sein Blick wurde drohend. Er wollte offensichtlich, dass ich mir auf der Stelle einen anderen Platz suchte.

Ich hob daraufhin allerdings nur eine Augenbraue. Ich ließ mich doch nicht nur durch unfreundliche und feindselige Blicke verscheuchen. Wer war ich denn? Zumindest niemand, der sich so leicht einschüchtern ließ. Also konnte sich dieser Idiot seine finsteren Blicke ruhig sparen. Ich würde gewiss nicht weichen, das wäre ja noch schöner.

Als ich mich nach einigen Sekunden immer noch nicht von meinem Platz wegbewegt hatte, stand Train auf einmal auf – einige schienen glatt den Atem anzuhalten. Einen kurzen Moment sah es tatsächlich so aus, als würde er mich angreifen wollen, doch er ging einfach nur an mir vorbei und verließ den Raum.

Sobald er hinter sich die Tür geschlossen hatte, seufzte fast die gesamte Klasse auf.

Ich hatte das Gefühl, dass die alle hier viel entspannter waren, wenn Train nicht im Raum war. Wäre ich nicht schon des Öfteren mit Ähnlichem konfrontiert gewesen, hätte mir sein durchdringender Blick wohl auch nicht behagt. Was war es doch für ein Vorteil, wenn man bereits Erfahrung hatte.

Einige meiner Mitschüler sahen mich währenddessen schon beinahe anerkennend an und ich schüttelte nur den Kopf. Irgendetwas lief nicht ganz richtig. War das hier nun eine Akademie für ruchlose Killer, die ohne zu Zögern einfach nach Auftrag bestimmte Leute umlegten, oder doch eher eine Sammelstätte für verzogene Gören? Meine Antwort tendierte stark zu Möglichkeit Nummer zwei. Wer anderer Meinung ist, hebt jetzt bitte seine Hand. Keiner? Gut, dann lag ich ja doch nicht daneben, als mir der Gedanke durch den Kopf ging.

 

Die ersten vier Stunden gab es, wie es hier üblich war, ganz normalen Unterricht. Deutsch, Mathe, zum Teil noch Geschichte und vor allem Englisch waren hier die am meisten geforderten Fächer. Chemie, Physik und Biologie sollte ich auch unterrichtet bekommen, doch in anderer Weise als ich es gewöhnt war. Außerdem war mir auch bereits aufgefallen, dass sich das Fach Geschichte hier nicht mit großen Schlachten und wichtigen Königen auseinandersetzte, sondern dass es hier viel mehr um die Geschichte von Waffen und großen Auftragsmördern ging. Wir lernten auch einiges über weltweite Geheimdienste wie die CIA, den deutschen Bundesnachrichtendienst und den Mossad in Russland. Zudem gab es hier noch Unterricht, der wohl in keinen normalen Schulen unterrichtet wurde. In Botanik lernten wir, wie man aus den verschiedensten Pflanzen verschiedene Gifte mit unterschiedlichen Wirkungen gewann. Dann gab es Technik, wo wir unter anderem lernten, wie man mehr oder weniger große Bomben mit unterschiedlichen Reichweiten zusammenbastelte.

Und zum Schluss gab es noch das Fach, was den meisten am besten zu gefallen schien. Im Fach Praktisches Training, das von der fünften Stunde bis zur siebten um zwei Uhr ging, lernten wir mit verschiedensten Waffen umzugehen. Von Kommandomessern über Pistolen, Revolver, Gewehre, Granaten und sogar eher altertümliche Waffen wie Schwerter, Lanzen mit langen Klingen und Morgensternen konnten wir so ziemlich alles in den Kammern der Trainingsräume im zweiten Untergeschoss finden.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass es unter dem Schulgebäude noch einen normalen Keller im ersten Untergeschoss gab, bei dem niemand Verdacht schöpfen konnte. Nur ein paar wenige, versteckte Türen – die eine war sogar nur durch einen alten Schrank zu finden – führten runter in die zwei weiteren Untergeschosse, in denen die schalldichten Trainingsräume untergebracht waren.

Ich hatte mich schon gefragt, wo man denn das aus dem Unterricht Gelernte mal ausprobieren konnte, denn auch wenn wir hier weit draußen waren, war es doch nicht hundertprozentig sicher, dass nicht doch mal jemand vorbei kam und uns hörte. Doch hier hatte ich meine Antwort. Ich war sogar ziemlich beeindruckt von den großen Trainingsräumen. In einigen gab es Schießstände für die Schusswaffen, in anderen lagen Matten auf dem Boden, wo wir den Nahkampf trainierten, und andere Räume waren zu mehreren Zwecken geeignet.

Trainieren taten hier fast alle Schüler zusammen. Es gab insgesamt sechsundzwanzig Klassen mit jeweils ungefähr fünfzehn bis zwanzig Schülern. In den ersten drei Unterrichtsstunden hatten von den sechsundzwanzig Klassen dreizehn Praktisches Training, die anderen dreizehn hatten zu der Zeit „normalen“ Unterricht. Die vierte Stunde wurde meist als Übergangsstunde genutzt. Während die Klassen, die Praktisches Training gehabt hatten, langsam wieder hoch kamen und in ihre Klassenräume gingen, machten sich die anderen dreizehn Klassen in der zweiten Hälfte der vierten Stunde nach und nach auf den Weg in die unteren Trainingsräume. So wurde verhindert, dass es von außen so aussah, als wäre zu bestimmten Zeiten gar kein Unterricht. Denn niemand wusste, auf welche Ideen manche Leute kommen würden, denen die Arrison Academy seltsam vorkam und die sie überwachen lassen wollten.

 Das Training wurde meistens von mehreren Lehrern überwacht. Die meiste Zeit über trainierten die Schüler in Gruppen von vier bis acht Personen. Unterbrochen wurden die Übungen eigentlich nur, wenn die Lehrer etwas vorführen wollten oder einer Gruppe Tipps gaben. Ansonsten lernten wir mit dem simplen „learning-by-doing“-System, wie es die Lehrer nannten. Dabei trainierten meistens nur Schüler eines Ranges miteinander. So kam es, dass es ziemlich viele Gruppen mit den gelben Uniformen gab, fast genauso viele Gruppen mit sandfarbenen Uniformen, nicht ganz so viele Gruppen mit hellblauen Uniformen und ein paar wenige Gruppen mit nachtblauen Uniformen.

Heute war ich in meiner Gruppe gerade mit dem „Überwältigen“ dran, wie es meine derzeitigen Partner bezeichneten. Vanessa, Leon und Florian, alle drei zwischen sechzehn und siebzehn Jahren, waren meine Gegner und wollten mich schlagen. Ich sollte sie alle drei überwältigen, wobei mir auffiel, dass die drei mir nicht zutrauten das zu schaffen. Schließlich hatten sie gehört, was sich vor knapp zwei Wochen bei dem Vorfall mit Mr Hell ereignet hatte. Da hatte ich versagt.

„Keine Sorge, wir werden dich nicht zu hart anpacken“, sagte Florian grinsend.

„Streng dich aber ein bisschen an“, forderte Leon, „Nur weil dir die Schulleiterin gleich Rang 4 gegeben hat, heißt das noch lange nicht, dass du auch wirklich so gut bist. Wir hatten schon ein paar Hochstapler, die allerdings ganz schnell wieder zu Rang 3 zurückgekehrt sind.“

Vanessa sah mich nur ein wenig unsicher an. Sie schien eigentlich nichts gegen mich zu haben, obwohl sie natürlich ebenfalls etwas skeptisch wirkte.

„Na dann kommt endlich“, sagte ich und ging in eine sichere Position. Es wurde wohl langsam mal Zeit, dass ich aufhörte nur zu beobachten. Außerdem vernachlässigten alle drei ihre Deckung so sehr, dass selbst ein Anfänger sie mit den passenden Handgriffen locker schlagen könnte. Echt unglaublich.

Als Leon gerade auf mich zu kommen wollte, kam ich ihm entgegen und rammte ihm meine Faust so schnell in den Magen, dass er meinen Schlag gar nicht hatte kommen sehen und nur überrascht in die Knie ging. Florian wollte sich von hinten auf mich stürzen, doch das Trampeltier hätte selbst ein Tauber kommen gehört. Ich trat  nur elegant einen Schritt zur Seite, drehte mich dann blitzschnell um mich selbst und verpasste ihm einen so kräftigen Tritt in den Rücken, dass er Leon in die Arme fiel.

„Ein Kampf ist wie ein Tanz. Deine Gegner sind deine Partner und du musst mit ihnen tanzen, wenn du sie besiegen willst. Erkenne ihre Bewegungen und verwende sie gegen sie. Das ist das Geheimnis eines echten Nahkampfes.“

Ich drehte mich mit einer schnellen Bewegung zu Vanessa um, die nun doch etwas verunsichert aussah. Mit wenigen Schritten war ich vor ihr und noch ehe Vanessa sich verteidigen konnte, rammte ich ihr meine Handkante in den Nacken und auch sie ging zu Boden.

„Du bist der Star. Du bist im Mittelpunkt und musst die anderen mit deinen Bewegungen so verzaubern, dass sie keine Gelegenheit haben sie zu durchschauen. Wenn du das kannst, bist du allen gewachsen. Dann kann dich niemand mehr schlagen...“

Als ich mich anschließend umsah, bemerkte ich, dass die anderen mich verblüfft anstarrten. Meine Bewegungen waren so schnell und unerwartet gewesen, dass sie keiner wirklich gesehen hatte. Doch da hatten anscheinend noch mehr Lust bekommen, gegen mich zu kämpfen, und die nächste Gruppe ging auf mich los. Davon waren drei von Rang 4 und gleich fünf von Rang 3. Jippie! Der Gruppenwahn war ausgebrochen und ich stand natürlich im Mittelpunk! Was war ich doch für ein Glückspilz.

Einige Lehrer sahen nur etwas erstaunt auf, als immer mehr auf mich losgingen und ich einen nach dem anderen k.o. schlug. Häufig kämpfte ich sogar gegen mehrere gleichzeitig und ließ sie sich durchaus auch gegenseitig ausschalten, das ersparte mir jedenfalls die Arbeit. Zu Letzt stand ich zwischen gut zwanzig Schülern aus Rang 2 bis Rang 4, die alle samt stöhnend auf dem Boden saßen oder lagen und sich die schmerzenden Körperteile hielten.

„Will noch jemand oder war´s das jetzt endlich?“, fragte ich genervt und zupfte einige Haarsträhnen wieder zurecht, die bei dem Kampf etwas außer Form geraten waren. Wenn sie schon so eine komische Farbe haben mussten, sollten meine Haare wenigstens richtig sitzen.

Die anderen Schüler sahen mich nur verdattert an. Auch die Lehrer wirkten ziemlich erstaunt und wussten nicht, was sie dazu sagen sollten.

Daraufhin stöhnte ich, bahnte mir einen Weg an den auf dem Boden hockenden Schülern vorbei und setzte mich auf eine Bank. Ich griff nach meiner Wasserflasche und trank erstmal einen Schluck. Insgeheim musste ich allerdings grinsen. Tja, Pech gehabt Leute. Was sagt ihr jetzt? Hm? Ich bin wohl besser, als ihr gedacht habt. Das gönne ich euch. Denn bisher hatte ich mich während der Trainingskämpfe immer zurückgehalten, um erstmal zu sehen, wie weit die anderen waren. Das hätte ich vielleicht mal erwähnen sollen, aber soll´s?

Allerdings ging ich auch davon aus, dass die anderen mich noch unterschätzt hatten. Bei den nächsten Trainingskämpfen würde das nicht mehr ganz so einfach werden, denn jetzt war klar, dass ich alles andere als eine Anfängerin war, und die anderen würden mich das nächste Mal mit ihrer wahren Stärke angreifen. Das war mir jedoch nur recht und ich lächelte herablassend. Wenn ich mein Ziel erreichen wollte, brauchte ich starke Gegner zum Trainieren. Dass ich mit diesem finsteren Lächeln möglicherweise ein klein wenig furchteinflößend aussah, fiel mir in dem Moment gar nicht auf.

Einzig Anja traute sich nach einigen Sekunden, in denen alle still gestanden hatten, zu mir zu gehen. Währenddessen fingen auch die anderen langsam wieder mit ihren Übungen an und die leicht Verletzten verzogen sich an den Rand, um ihre Wunden zu lecken.

„Wow.. du bist ziemlich gut“, brachte Anja nur verblüfft hervor.

Ich kehrte aus meinen finsteren Gedanken zurück und sah sie an. „Das ist da, wo ich herkomme, Standard“, bemerkte ich nüchtern.

„Oh...“ Dazu fiel ihr wohl nichts mehr ein.

Ich schüttelte nur den Kopf, dass meine schulterlangen Haare durch die Luft flogen, und trank anschließend erneut einen Schluck Wasser.

„Man, du bist verdammt gut“, sagte Leon, er klang ein wenig frustriert. Zusammen mit zwei weiteren Jungen namens Cedric und Elric, die Brüder waren und Rang 3 hatten, war er inzwischen wieder zu mir gekommen. „Aber glaub mir, das nächste Mal machen wir es dir nicht so leicht.“

„Das werden wir sehen“, erwiderte ich schlicht. Beim ersten Mal habt ihr euch jedenfalls nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

„Warst du vorher schon auf solch einer Schule oder wie bist du so gut geworden?“, fragte Cedric, dessen hellblonde Haare noch etwas verschwitzt vom Kampf waren. Er und sein Bruder gehörten zu denen, die am längsten gegen mich durchgehalten hatten. Immerhin fast sieben Sekunden.

„Nicht auf solch einer Schule“, antwortete ich, „Aber an verschiedenen Orten, von denen ich mein Wissen habe.“

„Vielleicht in Organisationen?“, riet Elric, dessen kurze Haare etwas dunkler waren als die von Cedric.

„Auf Fragen bezüglich meiner Vergangenheit antworte ich nicht“, bemerkte ich ohne eine Miene zu verziehen, „Basta.“

„Hey nun komm schon“, sagte Leon, „Viele von uns waren schon mal für mehr oder weniger lange Zeit für eine Organisation tätig.“

„Und?“ Ich hatte nur geflissentlich eine Augenbraue hochgezogen. Außerdem kaufte ich ihm das nicht ab. Wenn Schüler wie er oder die anderen, gegen die ich gekämpft hatte, mal erfolgreich für eine Organisation tätig gewesen waren, war ich die Kaiserin von China.

Nach dem Praktischen Training schlug ich nicht den Weg zu Wohnhaus Nummer 4 ein, sondern schlenderte geradewegs auf den Wald zu. Ich hatte keine Lust immer den ganzen Tag über in meinem Zimmer zu sitzen und die Grenzen des Computers auf meinem Schreibtisch auszutesten. Zudem wusste ich auch noch ganz genau, dass jeder einzelne Mausklick von mir überwacht wurde. Bei Gelegenheit sollte ich mal die Wanze suchen, die irgendwo in der Leitung stecken musste und all meine Züge überwachte. Allerdings hatte ich zurzeit nichts zu verheimlichen und von daher kümmerte ich mich erstmal nicht weiter darum.

Stattdessen wollte ich mal den Wald erkunden, der mich hier von allen Seiten umgab. Nachts wurden gelegentlich auch Trainingseinheiten im Wald abgehalten, doch bisher hatte ich noch keine Chance dazu gehabt mich genauer umzusehen. Deswegen tat ich das jetzt und auch absichtlich alleine. Ich hatte einfach gerne meine Ruhe und den ganzen Morgen über so unter Leuten zu sein, war ich nicht mehr gewöhnt. Zwar konnte ich schon wieder ganz gut damit umgehen, doch auf die Dauer ging es mir auf die Nerven.

Deswegen wanderte ich jetzt einfach gemächlichen Schritts quer durch den Wald. Es war angenehm beruhigend hier draußen zu sein und nicht das Gefühl zu haben unter ständiger Beobachtung zu stehen. Da die meisten hier aber sowieso nicht darauf achteten oder es noch nicht mal bemerkt hatten, war es im Prinzip auch nicht weiter schlimm, doch ich gehörte zu denen, die so etwas einfach nicht übersehen konnten. Dumm gelaufen. Das war das Pech derer, die zu aufmerksam waren. Und damit leider auch meines.

Zudem stellte ich mir inzwischen auch die Frage, warum die Arrison Academy, getarnt als Akademie für Hochbegabte und Reiche, eigentlich Kinder zwischen dreizehn und siebzehn Jahren zu Auftragsmördern ausbildete. War es persönliches Interesse Einzelner oder steckte mehr dahinter? Außerdem hatte ich erst vor kurzem gehört, wie einer der Schüler kurz nach seinem achtzehnten Geburtstag die Akademie verlassen hatte und angeblich einen Job bei einem Konzern gefunden hatte, der die Akademie finanziell unterstützte. Das kam mir verdächtig vor. Alle, die hier waren, waren höchstens siebzehn Jahre alt. Was geschah mit denen, die älter wurden?

„Wow, ich sollte nicht zu weit mit den Gedanken abschweifen“, stellte ich fest und sah den Baum unmittelbar vor meiner Nase resigniert an. Um ein Haar wäre ich glatt gegen ihn gelaufen.

Wenn ich allerdings genauer darüber nachdachte, war es mir eigentlich auch egal. Ich verfolgte meine eigenen Ziele und was die Interessen der Schulleiterin Mrs Allison waren, ging mich nichts an. Die Akademie war für mich nur ein Mittel zum Zweck und nicht mehr. Und da ich sowieso erst sechzehn war, brauchte ich mir über die Frage, was mit den Leuten über siebzehn passierte, keine Gedanken zu machen. Auch wenn mich das Ungewisse natürlich irgendwo reizte. Ich war schon immer neugierig gewesen, konnte diesen Drang aber die meiste Zeit über im Zaum halten. Nur diese Akademie warf einfach zu viele ungeklärte Fragen auf, um einfach ignoriert zu werden. Ich verzog das Gesicht. Vielleicht würde ich mich bei Gelegenheit mal im Büro der ach so netten Mrs Allison umsehen.

Plötzlich hörte ich jedoch einen Ast knacken und blieb wie erstarrt stehen. Ich lauschte. Im Moment befand ich mich vielleicht zehn Meter von der gut drei Meter hohen Mauer entfernt, die oben auch noch eiserne Spitzen hatte, sodass es so gut wie unmöglich war für normale Menschen dort rüber zu klettern. Das leise Rascheln kam eindeutig von der anderen Seite und ich spitzte die Ohren.

Als ich gerade langsam näher an die Mauer schleichen wollte, hörte ich auf einmal schnelle Schritte und im nächsten Moment sprang ein Junge über die Mauer. Blitzschnell versteckte ich mich hinter einem bereiten Baum und spähte an dem Stamm vorbei zu dem Jungen. Kurz war ich etwas verwirrt, doch dann erkannte ich Train, solche bernsteinfarbenen Augen hatte ich bei noch keinem anderen gesehen. Zurzeit trug er allerdings einen langen, lavagrauen Mantel und eine schwarze Hose. Er blieb auch gar nicht lange da vor der Mauer stehen sondern lief so schnell los, dass ich ihn keine zwei Sekunden später schon aus den Augen verloren hatte.

„Hui“, murmelte ich nur leise. Wo Train wohl gewesen war? Das würde mich ja mal interessieren.

Hinter mir war jedoch plötzlich ein ganz leises Rascheln zu hören und ich hechtete überrascht nach vorne. Als ich mich bei der Landung umdrehte, erblickte ich Train, der mich finster ansah.

„Heiliger...“ Ich hatte sich ziemlich erschrocken, denn ich hatte ihn absolut nicht kommen gehört, was schon was heißen sollte. Ich hörte sonst so gut wie alles, doch diesen Typen hatte ich nicht mal ansatzweise bemerkt.

„Spionierst du mir nach?“, fragte Train drohend und kam einen Schritt näher. In der Hand hielt er einen Revolver, der, soweit ich es jedenfalls erkennen konnte, zum Glück nicht geladen war und wohl mehr als Abschreckung dienen sollte. Es sei denn Train wusste, wie man Revolver auch ohne Munition verwenden konnte, was ich fast befürchtete. Wenn man danach ging, war der Revolver durchaus als Waffe zu gebrauchen, auch wenn er nicht geladen war. So ein Pech auch.

„Was? Nein, wieso sollte ich?“, fragte ich ein wenig perplex. Ich rief meinen Verstand zur Ordnung, der sich bei Trains plötzlichem Auftauchen hinter mir fast verabschiedet hatte. Er war verdammt schnell. Zu schnell und gleichzeitig präzise für jemanden normales. So viel wusste ich, aber auch nicht mehr. Und das gefiel mir ganz und gar nicht.

„Was suchst du dann hier?“, fragte Train und kam noch einen Schritt näher.

Unwillkürlich wich ich einen Schritt zurück, was zur Folge hatte, dass er noch ein Stück näher kam.

„Hey, ich bin spazieren gegangen und nicht mehr!“, sagte ich und versuchte dabei nicht allzu verwirrt zu klingen. Da hatte ich mich ja mit dem Richtigen angelegt. Ich war vor lauter Glück ganz aus dem Häuschen! Ich weiß, mein Sarkasmus war echt armselig. Aber, hey, meine Lage war nicht gerade die Beste, also spart euch die Kommentare.

Trains Augen wurden schmal. Dann kam er plötzlich auf mich zu geschossen und ich sprang zur Seite, um den Revolver nicht gegen den Kopf zu bekommen. Dem nächsten Angriff konnte ich ebenfalls nur knapp ausweichen und mich hinter einen Baum retten. Ich verzog das Gesicht und überlegte. Normalerweise behielt ich in solchen Situationen immer einen kühlen Kopf, doch dieser Train war anders als meine bisherigen Gegner. Er war wirklich ein Killer, so viel stand fest. Er zögerte nicht und hatte auch noch eine ausgefeilte Technik. Das war nicht gerade zu meinem Vorteil.

Plötzlich stand er dann vor mir und schlug mit dem Revolver zu, ich konnte mich nur gerade eben noch nach hinten lehnen. Ich nahm den Schwung mit und machte gleich mehrere schnelle Flickflacks hintereinander, ehe ich mich kräftig abstieß und auf dem niedrigen Ast eines Baumes landete.

„Was willst du von mir?!“, fragte ich aufgebracht. Das wurde mir langsam ein wenig zu abgedreht. Und warum griff er mich überhaupt an? Es hatte ja fast den Anschein, dass er mich umbringen wollte. Dabei hatte ich ihm nichts getan! Also was zum Henker wollte er?

Statt zu antworten trat Train langsam wieder näher. Sein tödlicher Blick war auf mich gerichtet, die ich versuchte abzuschätzen, ob ich ihm gewachsen war oder nicht. Er war definitiv eine andere Liga als die anderen hier. Bei ihm war ich mir ausnahmsweise mal nicht sicher, ob ich es schaffen konnte ihn zu besiegen. Und das war schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr vorgekommen.

„Kate!“, rief jedoch auf einmal Anja von weiter hinten im Wald, „Kate! Wo bist du?!“

Ich hatte überrascht aufgesehen und als ich nun wieder nach unten blickte, war Train verschwunden. Wow, der Typ war wirklich verflucht schnell. Der würde ja selbst einem Gepard Konkurrenz machen. Ich fand das ganz schön unheimlich, wie ich zu meiner Schande gestehen musste.

Kurz sah ich mich um, dann sprang ich von dem Baum und ordnete kurz mein Haar. Danach seufzte ich herzhaft und kam Anja entgegen. „Hier bin ich!“, rief ich nur. Ausnahmsweise war ich froh über ihr Auftauchen, dieses Mal hatte mir das wohl die Haut gerettet.

„Wo? Ach da bist du!“, sagte Anja und kam die letzten Meter zu mir gelaufen, „Was machst du denn hier draußen im Wald?“

„Mich umsehen, das Zimmer ist mir inzwischen zu langweilig“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Ich sah nicht ein, warum ich das mit Train erwähnen sollte. Sie würde wahrscheinlich sonst was denken und das wollte ich uns beiden ersparen.

„Du weißt aber schon, dass du inzwischen ganz schön weit ab vom Schulgebäude und den Wohnhäusern bist?“, fragte Anja, „Hier haben sich schon einige verlaufen und wurden manchmal erst zwei Tage später gefunden.“

„Ehrlich gesagt habe ich nicht so sehr darauf geachtet, wo ich bin“, sagte ich gelassen und sah mich um, „Außerdem habe ich eigentlich eine ganz gute Orientierung, so schlimm wäre es also nicht, wenn ich mich verlaufe. Das ist mir früher auch schon passiert und ich hab es überlebt, wie du siehst.“

Anja lächelte schief. „Schon gut, aber es gibt bald Abendessen, deswegen hab ich dich gesucht und die Jungen im Korridor sagten, dass du nach dem Unterricht gar nicht wieder im Haus warst. Daher hab ich dich hier draußen gesucht...“ Sie schien zu überlegen, ob sie mir auf die Nerven ging. Das sah ich ihr an der Nasenspitze an.

„Wolltest du mit mir zusammen essen oder warum hast du dir die Mühe gemacht, mich hier zu suchen?“, fragte ich und versuchte etwas freundlicher auszusehen. Allerdings hatte ich mich schon lange nicht mehr darum bemüht, daher war ich mir über das Gelingen meines Versuchs nicht ganz so sicher.

Mann ey, wie zog man noch mal eine fröhliche Miene? Ich konnte mich nicht mehr so richtig daran erinnern und mir war schleierhaft, wie ich das anstellen sollte. In den vergangenen Jahren hatte ich nie so etwas wie ein freundliches Gesicht gebraucht. Es war überflüssig gewesen, daher hatte ich mich nie darum bemüht. Und jetzt musste ich mir das irgendwie wieder angewöhnen, damit ich die viel zu nette Anja nicht mit meinem wenig freundlichem Gesichtsausdruck vergraulte. Bemerkt jemand die Ironie?

Anja nickte und sah mich fragend an. Schon wieder mit ihrem Dackelblick.

Ich verdrehte die Augen. „Woher hast du diesen verdammten Blick?“, fragte ich und sah Anja schief lächelnd – zumindest hatte ich meinen Mund so verzogen, dass es in etwa wie ein schiefes Lächeln aussehen sollte – an, „Du machst es mir ganz schön schwer nein zu sagen, weißt du das?“

Ein ganz leichtes Lächeln schummelte sich auf ihre Lippen, auch wenn ich das wahrscheinlich eigentlich gar nicht sehen sollte.

„Schon gut, ich leiste dir Gesellschaft“, seufzte ich und schüttelte über mich selbst den Kopf, „Was gibt es überhaupt?“

„Spagetti Bolognese“, sagte Anja grinsend, „Mein Lieblingsessen.“

„Hm, klingt nicht schlecht“, murmelte ich leicht resigniert, als wir uns so langsam mal auf den Rückweg machten, „Woher kommst du eigentlich?“

„Deutschland, das hier ist mein Heimatland“, sagte Anja und legte den Kopf schief, „Und du?“

„England, genauer gesagt London.“

„Cool, da wollte ich schon immer mal hin!“

„Wieso? Die Hotels sind teuer, es gibt viel zu viele Säufer und das Wetter ist die meiste Zeit des Jahres schlecht.“ Auch wenn ich gestehen musste, dass ich im Grunde gar nichts gegen meine Heimatstadt hatte. Allerdings war mir nicht ganz verständlich, wie es der Traum von jemandem sein konnte, einmal dorthin zu reisen.

„Trotzdem würde ich gerne mal dorthin“, sagte Anja und blickte zwischen den Blättern hindurch in den Himmel, „Einfach mal einen Tag lang alles erkunden und das Flair dort spüren. Das ist ein Traum, auch wenn er wahrscheinlich etwas komisch klingt.“ Sie kratzte sich verlegen an der Schläfe.

„Ist er nicht“, sagte ich, „Ich frage mich nur, warum du mit solchen Träumen ausgerechnet hier, auf einer Schule für Auftragsmörder, bist.“

„Na ja, meine Eltern haben das gedacht, was alle draußen denken, und mich hier her geschickt“, sagte Anja und klang ein wenig bedrückt, „Dann sind sie bei einem Unfall gestorben und zu meinen Großeltern konnte ich nicht. Deswegen bin ich am Ende hier geblieben. Schließlich ist es hier ja eigentlich gar nicht so schlecht und wir bekommen von der Schule sogar Geld...“

„Könntest du wirklich jemanden umbringen?“, fragte ich.

Anja sah mich ein wenig überrascht an, doch dann blickte auch sie nach vorne. „Ich weiß es nicht genau“, musste sie zugeben, „Wenn dieser Mensch etwas wirklich Schlimmes getan hat, könnte ich es wahrscheinlich.. und wenn nicht.. ich weiß es einfach nicht. Bisher hatte ich auch noch keine Übungsmission, bei der ich jemanden töten musste. Es ging immer nur darum gewisse Leute abzulenken und anderen Teams den Rest der Arbeit zu überlassen, die wohl von einer Organisation oder so stammen, die mit unserer Akademie zusammenarbeitet.“

Das beruhigte mich ein wenig. Ich konnte mir Anja einfach nicht neben einer blutverschmierten Leiche vorstellen. Das waren zwei Dinge, die nicht zusammenpassten, egal wie ich sie drehte und wendete.

Jedoch gab mir das zu Letzt Gesagte wieder Stoff zum Nachdenken. Es gab also eine Organisation, die mit der Akademie zusammenarbeite. Konnte es sein, dass die über achtzehn Jahre alten Schüler an die Organisation weitergereicht wurden, die die Ausbildung dann fortsetzte? Möglich war es.

Oje, so langsam bekam ich richtig Lust hinter das Geheimnis dieser Schule zu kommen. Nur passte das so gar nicht mit meinen eigentlichen Plänen zusammen. Ich verzog ein resigniertes Gesicht und Anja sah mich stirnrunzelnd an. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Meine Antwort lautete nein, doch meine Gedanken gingen sie nichts an, daher sagte ich nichts.

Das Essen mit Anja wurde ziemlich lustig.

Ja lustig, es war wirklich amüsant. Sie wollte mir zeigen, wie man richtig Spagetti Bolognese aß, doch dabei bekleckerte sie sich selbst und stieß aus Versehen auch noch ihr Glas mit Orangensaft um. Ich konnte am Ende nur knapp verhindern, dass Anja auch noch den kompletten Tisch umstieß, als ihr einige Nudeln von der Gabel rutschten und unter den Tisch fielen, sodass sie sie wieder aufheben musste und kräftig mit dem Kopf gegen die Tischplatte stieß, als sie wieder hoch kommen wollte. Bei so viel Ungeschicklichkeit hintereinander musste ich schließlich anfangen zu lachen. Denn Anja hatte dem Tisch einen so derben Stoß versetzt, dass einige Nudeln von dem Teller hüpften und auf ihren Kopf fielen. Als sie nun hoch kam, baumelten einige Spagetti vor ihrer Nase und sie verzog überrascht das Gesicht. Da konnte ich einfach nicht mehr an mich halten und musste lachen. Ich hatte vergessen, wie man ein fröhliches Gesicht zog, aber ich musste von Herzen lachen. Schon komisch, oder?

Anja war rot im Gesicht und wirkte ziemlich zerknirscht.

„Oh Gott, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so gelacht habe“, seufzte ich schließlich und stand auf. Das gab es doch echt nicht, dieses Mädchen brachte mich dazu alte Gesten, die ich schon lange verlernt geglaubt hatte, wieder neu zu lernen. Ich konnte es kaum glauben, doch es war tatsächlich so. Und obwohl mir das irgendwie seltsam vorkam, musste ich feststellen, dass es gar nicht mal so unangenehm war zu lachen. Es hatte eine befreiende Wirkung und ich fühlte mich seit langem mal wieder richtig wohl.

Ich holte ein schönes Stofftaschentuch aus meiner Tasche und nahm der etwas überraschten Anja die Nudeln vom Kopf. Dann wischte ich ihr noch etwas Sauce von der Nasenspitze und ging wieder zu meinem Platz, während Anja mich nur mit großen Augen ansah. Sie war ein klein wenig rot im Gesicht.

„Du solltest vorsichtiger sein“, bemerkte ich und dieses Mal schaffte ich es ohne weitere Probleme zu lächeln, „Du hättest dich dabei auch verletzen können.“

Anja nickte nur.

„Was hat dir denn jetzt auf einmal die Sprache verschlagen?“, fragte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue, „Du hast doch vorhin auch geredet wie ein Wasserfall.“

„Äh.. nichts, schon gut“, sagte Anja schnell und lächelte wieder fröhlich. Sie schien über irgendetwas ziemlich erleichtert zu sein, auch wenn ich mir nicht sicher war, was es war.

Nach dem Essen verabschiedete ich mich, auch wenn ich mich ein wenig darüber wunderte, dass Anja zum Schluss so glücklich ausgesehen hatte. Ich zuckte jedoch nur mit den Schultern und kehrte in das Haus Nummer 4 zurück. Zwar kam ich noch immer nicht ganz darüber hinweg, dass ich langsam wieder damit anfing andere Emotionen zu zeigen, doch im Grunde hatte ich gar nichts dagegen. Es war nicht so langweilig wie die ganze Zeit über eine Maske aufzusetzen. Im Gegenteil, es machte schon fast Spaß. Auch wenn ich trotzdem nicht vorhatte, ab jetzt immerzu ein Lächeln im Gesicht zu haben. Das entspräche nicht meinem Charakter.

In meinem Zimmer angekommen griff ich nach meinem MP3-Player auf dem Schreibtisch und steckte mir auf den Weg zum Balkon die Ohrstöpsel in die Ohren. Ich trat nach draußen, während leise Musik in meinen Ohren summte und ich meine Arme auf dem schönen, altmodischen Geländer verschränkte und meinen Kopf auf sie legte. Nach einer Weile schloss ich entspannt die Augen und genoss den seichten Wind, der mit meinen Haaren spielte. Zwar wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich beobachtet wurde, doch ich hatte einfach keine Lust nachzusehen. Ich kam selten dazu mich so schön zu entspannen und hatte keine rechte Lust es frühzeitig zu beenden.

Nach einer Weile klopfte es jedoch auf einmal an meiner Tür und ich kehrte nur langsam aus meinem Schlummer zurück. Schließlich nahm ich die Stöpsel aus meinen Ohren und rief: „Die Tür ist offen!“

Es war Mrs Lane, die die Tür öffnete und sich kurz umsah, ehe sie mich auf dem Balkon entdeckte und ebenfalls nach draußen kam. „Hier bist du“, sagte die Vertrauenslehrerin lächelnd, „Es ist immer wieder schwer die Zimmer einzelner Schüler zu finden, wenn man den Plan vergisst.“

„Das glaube ich“, sagte ich schlicht. Ich fand es nicht sonderlich toll, dass sie mich aus meinem Schlummer gerissen hatte.

„Tut mir leid, wenn ich dich gestört habe“, sagte Mrs Lane und es klang ehrlich. Sie schien gemerkt zu haben, dass ich nicht bei bester Laune war. „Aber da deine Leistungen stabil und hervorragend sind, wollte ich mit dir gerne mal darüber reden, ob du demnächst einige Aufträge akzeptieren und Missionen ausführen würdest.“

Ich horchte interessiert auf. Das war natürlich etwas anderes.

„Du musst selbstverständlich nicht sofort gleich die schwierigsten Missionen übernehmen“, sagte Mrs Lane schnell, „Aber wenn ich richtig liege, hast du auch bereits einige Erfahrungen mit solchen Einsätzen?“ Es klang wie eine Frage.

Ich nickte. „Ja.“ Die hatte ich wohl.

„Wärst du auch bereit für uns zu arbeiten?“, fragte die Vertrauenslehrerin weiter. Sie schien sich allerdings irgendwie unwohl zu fühlen, als wollte sie am liebsten über etwas anderes reden.

„Ja“, antwortete ich und mein Blick wurde ernst. Auf diesem Weg fand ich vielleicht auch etwas mehr über die Akademie und ihre Ziele heraus und konnte dem freudigen Entdeckergeist in mir endlich das lautstarke Mundwerk stopfen. Denn er ging mir langsam wirklich auf den Wecker.

„Das freut mich zu hören“, sagte Mrs Lane lächelnd, auch wenn es ein wenig außer Form geraten aussah, „Aber da ihr trotz allem immer noch Lehrlinge seid, sollt ihr in Zweierteams arbeiten und damit wären wir bei der Frage angekommen, wer dein Teampartner werden soll.“ Anscheinend hoffte sie, dass ich von mir aus Vorschläge machte, doch ich wusste beim besten Willen niemanden, den ich bei einer richtigen Mission ernsthaft als meinen Partner ansehen würde.

„Haben Sie jemanden im Auge?“, fragte ich daher, um das Gespräch schneller voran zu bringen.

„Nun ja...“ Mrs Lane schien mit sich selber zu ringen. „Er ist ein wenig schwierig, aber ihr beide seid so ziemlich die Einzigen mit einem so hohem Potenzial und ausreichenden Erfahrungen und ich bin mir sicher, dass du das schon irgendwie schaffen wirst...“

„Verraten Sie mir seinen Namen oder muss ich raten?“, fragte ich nüchtern.

Da schien Mrs Lane aufzufallen, dass sie etwas zu sehr um den heißen Brei herum redete und sie sah mich ernst an. „Deine Lehrer und auch die Direktorin Mrs Allison sind der Meinung, dass du und Train Phöenix ein Team bilden sollt...“

Es schien als wollte sie noch fortfahren, doch in dem Moment war schräg über uns ein Geräusch zu hören. Wenn ich mich nicht allzu sehr täuschte, war ein gewisser jemand gerade beinahe vom Dach gerutscht. Geschah ihm nur recht.

Im nächsten Moment bestätigte sich meine Befürchtung auch schon und Train landete auf den Balkon neben uns. Der Blick aus seinen bernsteinfarbenen Augen war düster wie immer und inzwischen trug er auch wieder seine Schuluniform. Ich hatte bereits geahnt, dass er derjenige gewesen war, der mich zuvor beobachtet hatte. Ich wusste nur noch nicht, ob ich deswegen sauer oder verwirrt sein sollte. Wofür wärt ihr?

Mrs Lane wirkte jedoch noch überraschter als ich im ersten Moment und brauchte einen Augenblick, um sich wieder zu fangen.

„Ich sagte doch, dass ich keinen Partner brauche“, sagte Train mit kalter Stimme.

„Sehr freundlich“, murmelte ich leise und fing mir wieder einen seiner tödlichen Blicke ein. Dass er mich heute bereits in ziemliche Bedrängnis gebracht hatte, vergaß ich dabei absichtlich.

„Nun komm schon, Train“, sagte die Vertrauenslehrerin ein wenig unsicher, „Du kannst doch nicht immer ganz allein die Missionen übernehmen...“

„Das kann ich wohl“, widersprach Train drohend, „Ich brauche keinen Partner.“

Mrs Lane schien zu überlegen, doch dann setzte sie eine strengere Miene auf und wurde nun wirklich ernst. „Train Phöenix, sicherlich hast du durch deinen hohen Rang und deine Erfolge das Recht zu widersprechen, aber du solltest nicht vergessen, dass es an dieser Akademie Regeln gibt, an die auch du dich halten musst. Dass du den Unterricht schwänzt, tolerieren wir bis zu einem gewissen Grad noch, aber dafür musst du dich auch mal unseren Anweisungen fügen. Ihr werdet die nächste Mission gemeinsam übernehmen und dann wird sich zeigen, ob ihr miteinander arbeiten könnt oder nicht. Bis dahin klärt ihr den Rest bitte unter euch. Einen schönen Abend noch.“ Damit verschwand die Lehrerin wieder in meiner Wohnung und zog die Tür hinter sich zu.

„Hui, jetzt hast du es geschafft sie aufzuregen“, stellte ich leicht erstaunt fest. Das war das erste Mal, dass ich die Vertrauenslehrerin so energisch gesehen hatte. Und es beeindruckte mich, wie sie ein Machtwort mit Train gesprochen hatte. Die Gute hatte also auch eine strenge Seite, ich war angenehm überrascht.

„Besser du kommst mir nicht in die Quere“, erwiderte Train jedoch unfreundlich, „Wenn du mir im Weg bist, schieße ich auch auf dich.“

„Das habe ich heute Mittag schon gemerkt, aber danke für die Warnung“, sagte ich und wunderte sich ein wenig über meine eigene Gelassenheit, „Und ich hatte auch nicht vor, dir öfter als nötig zu nahe zu kommen, aber da wir nun mal zusammen arbeiten müssen, wäre ich dir dankbar, wenn du mich wenigstens nicht schon immer mit Blicken aufspießen würdest. Das ist auf die Dauer nämlich etwas unangenehm.“

Train schien gerade mit dem Gedanken zu spielen, mich noch hier und jetzt zu erschießen, doch da verschwand ich unversehens in meinem Zimmer und schloss hinter mir die Balkontür. Ich würde sicherlich nicht warten, bis er sich entschieden hatte. So risikofreudig war ich dann doch nicht, auch wenn es mich ja durchaus mal interessieren würde, was er als nächstes getan hätte.

Auftrag 4: Killer unterm Sternhimmel

Ich starrte meine Eltern fassungslos an. Sie waren tot. Sie lagen leblos vor mir auf dem Boden. Blutüberströmt und die Augen nach innen verdreht sahen sie mich an. Ich zitterte am ganzen Körper. In meinen sieben Lebensjahren hatte ich niemals zuvor etwas so Schreckliches gesehen.

Die beiden Männer sahen mich grinsend an. Der eine leckte gerade über das Fleischmesser in seiner Hand, der andere richtete den Lauf seiner Pistole auf mich, die ich schon die ganze Zeit über vollkommen verängstigt in einer Ecke des Wohnzimmers hockte.

Vor noch nicht mal einer Stunde hatte ich mit meiner Familie fröhlich Tee getrunken und Kekse gegessen. Nun waren sie tot. Und sie würden nie mehr zurückkommen. Als ich die beiden Männer nur vollkommen verängstigt anstarrte, sah ich unweigerlich das Blut meiner Eltern, das die Klamotten der beiden Männer fast rot färbte. Sie erwiderten hämisch grinsend meinen Blick.

„Na kleine Kate?“, sagte einer der beiden und kam einen Schritt auf mich zu, „Du weißt doch sicher, wo deine jüngere Schwester ist. Deine Eltern wollten es uns nicht verraten, bist du so lieb und sagst es uns?“

Ich zitterte am ganzen Körper und starrte die beiden Männer nur an. Ich war außer Stande etwas zu antworten.

„Das bringt nichts“, sagte der andere Mann mit der Pistole und trat direkt vor mich, „Wir werden sie einfach ebenfalls töten und damit fertig. Ihre Schwester werden wir schon irgendwann finden.“ Der Lauf seiner Pistole berührte meine Stirn, während ich vor Angst vollkommen gelähmt war.

„Jaaa...“, sagte der andere Mann freudig und leckte erneut über das blutverschmierte Messer, „Und dann darf ich sie noch ein bisschen aufschlitzen.“

„Mach was du willst“, sagte wieder der Mann mit der Pistole, „Alle Randalls müssen sterben. Die ganze Familie gehört ausgerottet...“

Ein Schuss erklang.

 

Ich schreckte hoch und saß kerzengerade im Bett. Schweiß stand mir auf der Stirn und mein Atem ging schneller. So verdammt nah waren die Träume meiner Erinnerung noch nie gekommen. Nur sehr langsam beruhigte ich mich wieder und blickte auf den Wecker auf der Fensterbank. Es war bereits kurz nach neun, der Unterricht hatte schon seit einer Stunde angefangen. Das war mir allerdings ziemlich egal, ich war erst gegen drei Uhr morgens wieder hier in der Akademie angekommen. Da stand es mir zu den verlorenen Schlaf wenigstens etwas nachzuholen.

Allerdings war mir inzwischen auch einigermaßen klar, warum der Traum dieses Mal so genau war. Es musste etwas mit dem Massaker in der Villa von Gustav Hinren zu tun haben. Wahrscheinlich waren da meine alten Erinnerungen wieder aus der Ecke hervorgekommen, in die ich sie vor langer Zeit verbannt hatte. Nun konnte ich sie jedoch nicht mehr so einfach zurückdrängen. Sie hingen in meinem Kopf wie in der ersten Zeit nach der Ermordung meiner Eltern, unwillig in meinen Gedanken Platz für etwas anderes zu lassen. Ich konnte nur noch daran denken, wie sich mein ganzes Leben an nur einem einzigen Tag schlagartig um hundertachtzig Grad gewendet hatte.

Schließlich hatte ich mich angezogen und trat nach draußen auf den Balkon. Dass es bereits nach halb zehn war, war mir egal. Ich starrte in die Ferne und versuchte mit meinen Erinnerungen zu ringen. Ich kam jedoch nicht gegen sie an. Mit gesenktem Kopf stand ich am Balkongeländer, auf dem ich meine Unterarme abstützte. Tränen liefen meine Wangen runter und meine Zähne hatte ich fest zusammengebissen, damit ich nicht auch noch anfing zu schluchzen, obwohl mich sowieso keiner hören würde.

„Warum? Warum mussten sie sterben?“, fragte ich leise und die Tränen wollten gar nicht mehr aufhören meine Wangen hinunterzurinnen. Manchmal verabscheute ich mich selbst dafür, dass ich überlebt hatte. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich an diesem Tag ebenfalls getötet worden wäre.

Train sah sie vom Dach aus ungläubig an. Der Unterschied von der gestrigen Kate und der heutigen Kate war kaum zu beschreiben. Es war als lägen ganze Welten zwischen ihnen.

Als ich mich gut zwei Stunden später doch auf den Weg zum Schulgebäude machte, waren meine Tränen versiegt. Noch nie hatte jemand mich weinen sehen und das war gut so. Ich durfte keine Schwäche zeigen. Vor niemandem. Ich war eine Auftragsmörderin, die nur ein Ziel hatte. Rache. Blutige Rache.

Auf Höhe von Haus zwei hörte ich auf einmal ein Auto und als ich mich umdrehte, sah ich ein weißes Cabrio. Die Schuldirektorin Mrs Allison, die am Steuer saß, sah mich ein wenig überrascht an.

„Kate, was machst du denn hier? Solltest du nicht eigentlich beim Unterricht sein?“, fragte sie, „Und warum hast du gestern nicht auf die Nachrichten mit dem Pager reagiert? Mrs Lane war fast krank vor Sorge um dich.“

„Tut mir leid“, sagte ich nur.

Kurz sah Mrs Allison mich prüfend an, dann öffnete sie die Tür auf der Beifahrerseite. „Komm steig ein, ich nehm dich mit.“

Ich wollte eigentlich abwehren, doch der Blick von Mrs Allison befahl mir förmlich einzusteigen. Beinahe hätte ich gelächelt. Die freundliche Stimme der Schulleiterin passte so gar nicht zu ihren stechenden, hellgrünen Augen.

So stieg ich zu ihr ins Auto und Mrs Allison fuhr im Schneckentempo los. Eine Weile lang beobachtete die Direktorin mich nur, wie ich nach vorne blickte und eigentlich aussah wie immer.

„Willst du das Team aufgeben?“, fragte Mrs Allison schließlich, da sie aus meiner Miene scheinbar nicht schlau wurde, „Verdenken könnte ich es dir nicht, schließlich ist Train ganz anders als die anderen. Auch wenn er genau deshalb unser bester Schüler ist, ist es vielleicht doch etwas zu viel verlangt, mit ihm zusammen arbeiten zu müssen. Ich hätte halt nur gerne gesehen, wie er mit einem Partner arbeitet, schließlich ist das hier bei uns eigentlich Pflicht. Aber wenn selbst du mit seiner Art nicht klar kommst, kann man da wohl nichts machen.“

„Wer hat etwas davon gesagt, dass ich aufhöre?“, fragte ich nach einer Weile tonlos.

Mrs Allison sah mich daraufhin überrascht an.

„Ich verabscheue seine Art, aber ich werde ganz sicher nicht einfach aufgeben“, sagte ich entschlossen, auch wenn mein Blick kalt war, „Jetzt, wo ich weiß, was mich erwartet, wird es kein Problem mehr sein mich darauf einzustellen.“

„Bist du dir sicher?“, fragte Mrs Allison und sah mich abschätzend an.

„Sie vergessen wohl, dass ich schon eine Weile länger als Auftragsmörderin arbeite“, bemerkte ich und sah die Direktorin kühl an, „Ich habe vieles gesehen, wo sich andere von hier übergeben hätten. So leicht bin ich nicht in die Flucht zu schlagen. Train wird mich noch von einer Seite kennen lernen, die noch keinem gut bekommen hat.“ Der würde noch lernen, wem er gegenüberstand. Ich war niemand, den man unterschätzen sollte.

Kurz wirkte Mrs Allison noch etwas verwundert, dann lächelte sie. „Es war also doch eine gute Entscheidung, dich hier her kommen zu lassen“, sagte sie nur zufrieden und blickte wieder nach vorne, da wir das Schulgebäude fast erreicht hatten, „Du bist die Art Auftragsmörderin, die wir brauchen.“

Zu was brauchten sie mich wohl? Ich entschied mich dazu, dass ich darüber ein anderes Mal nachdenken würde. Nun musste ich mir erstmal eine Ausrede für Anja ausdenken, denn ich wollte noch immer nicht, dass meine Freundin erfuhr, dass ich mit Train in einem Team war.

„Echt? Dein ganzes Badezimmer war überflutet?“, fragte Elric erstaunt.

„Das gibt´s doch gar nicht“, fügte sein Bruder Cedric hinzu.

„Weißt du schon, was die Ursache dafür war?“, fragte Leon.

Ich hatte Anja gerade erklärt, warum ich den Morgen über nicht beim Unterricht gewesen war: Mein Badezimmer hatte unter Wasser gestanden und ich hatte den Morgen damit verbracht alles wieder in Ordnung zu bringen. Auch wenn ich mich nicht daran erinnern konnte, die drei Jungen zu dieser Konversation eingeladen zu haben.

„Ja. Das gibt es doch. Und nein, aber es ist mir auch egal, solange der Schaden wieder behoben ist“, antwortete ich leicht genervt auf die Fragen der drei.

Anja war auch etwas überrascht von der Erklärung, doch es musste wohl so gewesen sein. Viele andere Gründe fielen ihr wohl auch nicht ein, warum man sonst so viel zu spät zum Unterricht kam. Braves Mädchen, halt deine Nase lieber aus meinen Angelegenheiten raus.

„Wow, das ist ganz schön heftig“, sagte Leon, „War der Klempner da?“

„Ja, auch wenn er eine halbe Ewigkeit gebraucht hatte, um das Wasser endlich zu stoppen“, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, „Ich musste mit Handtüchern die Tür auslegen, sonst hätte womöglich auch noch mein ganzes Zimmer unter Wasser gestanden.“

„Ui, das wäre nicht sehr angenehm gewesen“, stellte Elric fest.

„Das kann man durchaus so sehen“, sagte ich nur. Wie lange wollten mir die drei eigentlich noch auf den Wecker gehen? Hatte ich irgendwie einen Magneten an mir, oder warum folgten mir die drei während des Praktischen Trainings zumeist auf Schritt und Tritt?

„Hey! Ihr fünf da hinten!“, sagte plötzlich Mrs Kingston, die eine der strengsten Lehrerinnen war, der mir je begegnet waren. Und heute hatte sie auch noch die Aufsicht über die Übungen am Schießstand. Echt klasse. „Es wird nicht gefaulenzt! Seht gefälligst zu, dass ihr wieder zum Schießstand zurückkommt!“

„Jawohl“, stöhnte ich und erhob mich von der Bank.

„Oje, da kann ich mich weiter blamieren“, sagte Anja schief lächelnd. Im Nahkampf war sie gar nicht mal so schlecht, doch bei den Schießübungen mit unterschiedlichen Pistolen und Revolvern traf sie höchstens den äußersten Kreis der Zielscheibe. Wenn überhaupt.

„Du bist nur zu verkrampft“, sagte ich und stellte sich hinter Anja, die sich eine der Pistolen genommen hatte und jetzt am Schießstand stand, „Du musst dich locker machen. Winkel die Arme am besten leicht an. Nicht so gerade als wolltest du mit ihnen jemandem die Augen ausstechen.. Gut. Und jetzt blick über den Lauf der Pistole hinweg. Sieh sie als eine Verlängerung deiner eigenen Hand an. Konzentriere dich genau auf das Ziel und auf nichts anderes.. Genau, und jetzt schieß!“

Anja betätigte den Abzug und blickte erstaunt die Zielscheibe an, die zur Abwechslung mal ein Loch im dritten Kreis von innen hatte.

„Siehst du? Wenn du es so machst, ist es gar nicht so schwer“, sagte ich und richtete nun meinen Revolver auf die Zielscheibe. Ich feuerte mit einer Hand drei Schüsse ab und alle drei trafen den innersten Ring.

Anja sah mich höchst erstaunt an.

Ich seufzte daraufhin. „Nun üb schon weiter, ich gebe dir ein paar Tipps.“

„Okay“, sagte Anja nun lächelnd und richtete ihre Pistole wieder auf die Zielscheibe. Sie hielt die Waffe allerdings noch immer mit beiden Händen, obwohl sie bereits den dritten Rang hatte. Das schien ihr zwar ein wenig unangenehm zu sein, doch mir war es gleich. Sollte sie schießen, wie sie es am besten konnte. Hauptsache sie traf.

„Du kannst ruhig atmen“, mahnte ich allerdings, „Es bringt nichts, wenn du zwar triffst, aber hinterher erstickst.“

Anja musste lachen und die Kugel verfehlte ihr Ziel vollkommen. Zumindest ihr eigentliches Ziel, denn ein paar Reihen weiter bohrte sie sich genau in den innersten Kreis einer Scheibe. Die anderen nebenan sahen sie zum Teil düster, zum anderen Teil aber auch erstaunt an. Anja lächelte schief und kratzte sich verlegen im Nacken, während ich nur den Kopf schüttelte.

Nach dem Unterricht musste sie noch länger bleiben und einige Extraübungen absolvieren, denn leider war der guten Mrs Kingston aufgefallen, dass Anja selbst mit Rang 3 noch leichte Probleme hatte. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt verabschiedet und die Untergeschosse verlassen.

Wäre meine Laune nicht ohnehin im Keller gewesen, wäre ich vielleicht auch geblieben und hätte Anja Beistand geleistet, wie es eine richtige Freundin tun würde. Doch ich wusste, dass ich keine gute Freundin war. Das wusste ich schon immer, weil ich es hasste, mich zu etwas verpflichtet zu fühlen. Ich war lieber frei. Besser gesagt traf ich lieber meine eigenen Entscheidungen und machte diese nicht von anderen abhängig. Eine Freundin stellte eine Verpflichtung dar. Man durfte sie nicht vernachlässigen und musste Kompromisse eingehen. Ich war nicht der Typ dafür. Das war ich noch nie gewesen. Und genau deshalb war ich eine Einzelgängerin und legte es gar nicht erst darauf an Freunde zu gewinnen. Ich hatte meine ganz eigenen Pläne und bei diesen konnte ich niemanden gebrauchen, der versuchen könnte mir ins Gewissen zu reden.

„Huh? Was ist das denn?“ Ich war inzwischen schon wieder in meinem Zimmer in Haus 4, doch ich runzelte die Stirn. Zwischen meiner Balkontür und dem Rahmen steckte etwas, das wie eine Zeitung aussah.

Etwas misstrauisch legte ich die Aktentasche auf meinen Schreibtisch und ging zur Balkontür. Bestimmt eine halbe Minute lang begutachtete ich das, was allem Anschein nach wirklich eine Zeitung war, von allen Seiten. Denn es war die Frage: Wer hatte die Zeitung dort platziert und zu welchem Zweck? Und vor allem, wie war derjenige hier in den dritten Stock hoch gekommen? Selbst für mich war der dritte Stock doch etwas, das ich bisher noch nicht so einfach mit einem Sprung erklommen hatte und die Wände dieses Hauses waren zu glatt, um daran Halt zu finden. War diese Person also über die Balkone nach oben geklettert, auch wenn dabei die Gefahr bestand, dass er oder sie gesehen werden konnte?

Ich schüttelte schließlich den Kopf und nahm die Zeitung in die Hand. Allem Anschein nach war in ihr keine Waffe versteckt. Jedenfalls hatte ich nichts dergleichen auch nur ansatzweise erkennen können. Also war es wohl wirklich nur eine Zeitung. Zu meinem Erstaunen war diese aber ausnahmsweise mal nicht auf Italienisch, sondern auf Englisch. Das verblüffte mich ziemlich. Wer auch immer mir die Zeitung gebracht hatte, wusste zumindest, dass ich kaum ein Wort italienisch verstand.

„Schlagzeile, Boss rechtsextremer Gruppe kaltblütig ermordet“, las ich verwundert und runzelte die Stirn, „Das war doch meine Mission.. Der Boss einer rechtsextremen Gruppe, deren Name nach wie vor unbekannt ist, wurde tot in seiner Villa gefunden. Zusammen mit Gustav H. wurden auch alle anderen Männer, die noch im Haus waren, erschossen. Alle Videokameras, die den Mord filmen konnten, wurden zerstört. Es konnte kein einziges brauchbares Videomaterial gefunden werden, weshalb noch lange nicht bekannt ist, wer dieses Attentat verübt hat. Wer auch immer es war, war sehr gründlich und hat keine Zeugen hinterlassen. Einzige überlebende des Attentats waren die Tochter von Gustav H. und das Kindermädchen. Beide wurden unverletzt in einem großen Wandschrank gefunden, wo sie sich während des Angriffs versteckt hatten. So konnten sie aber natürlich nichts sehen und die Frage, wer dieses Attentat begannen hat, bleibt bis auf Weiteres ungeklärt...“

Zwar ging der Artikel noch weiter, doch ich stockte. Inzwischen hatte ich mich auf mein Bett gesetzt und sah den Artikel nachdenklich an. Er war eindeutig echt und sogar noch druckfrisch. Ich hatte das kleine Mädchen und sein Kindermädchen vollkommen vergessen. Aber ich hatte ja gerade noch verhindern können, dass Train Milly auch noch erschoss.

Etwas weiter unten konnte ich auch noch lesen, dass das Kindermädchen Milly wohl adoptieren und mit zu sich nach Hause nehmen würde. Für das Mädchen war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass sein rechtsextremer Vater tot war. Es kam doch mit Sicherheit bald in den Kindergarten und dort hätte es unter Umständen vielleicht einige Probleme bekommen, wenn man etwas über ihre Herkunft herausgefunden hätte. Ich musste irgendwie lächeln. Wenn man es so sah, war es für Milly im Prinzip nur gut gegangen, denn das Kindermädchen schien sehr an der Kleinen zu hängen, so wie sie nach Milly gerufen hatte, als ich bei ihr gewesen war. Es hatte also sogar noch ein gutes Ende gegeben, von der klaren Verhinderung des von Gustav Hinren geplanten Attentats ganz zu schweigen.

Als ich aufsah, fiel mein Blick auf die geschlossene Balkontür. Vergeben würde ich nicht, doch vielleicht musste ich meine Meinung doch noch mal ein wenig überdenken.

Oben auf dem abgeschrägten Dach lag Train und starrte in den Himmel. Die Hände hatte er hinter dem Kopf verschränkt und das linke Bein angewinkelt. In dem Moment kam ein kleiner Vogel angeflattert und landete auf seinem angewinkelten Knie. Er legte den Kopf schief und sah Train an als würde er fragen, warum Train denn hier auf dem Dach lag statt durch die Luft zu flattern. Zur Antwort zog Train nur eine Augenbraue ein wenig hoch.

 

„Eure nächste Mission liegt auf der anderen Seite der Stadt“, sagte Mrs Allison, die dieses Mal die Vorabbesprechung der Mission übernahm. Inzwischen waren einige Tage vergangen und ich saß neben der Direktorin auf einem Stuhl im Lehrerzimmer. Train saß auf der anderen Seite und verzog keine Miene. „Wie ihr hier auf dem Bildschirm seht, ist es wieder eine große Villa, dieses Mal aber mit mehreren Stockwerken und natürlich auch mehr Überwachungskameras. Gordon Bright ist das Ziel dieser Mission. Bei ihm dürften nur sein Sekretär und seine Frau sein, abgesehen von den Bodyguards und dem Wachpersonal natürlich.“

Ich sah die Bilder an, die Mrs Allison nacheinander aufrief. Die Villa war der von Gustav Hinren gar nicht so unähnlich, wenn man von dem Unterschied bei der Anzahl der Stockwerke mal absah. Die Überwachung per Kamera war ebenfalls identisch. Aus den Augenwinkeln blickte ich zu Train, der die Bilder ebenfalls musterte. Würde die Villa wieder zu einem Massengrab werden? Ich würde es bald herausfinden.

„Der Auftrag zu dieser Mission kam ziemlich überraschend und von ganz oben“, sagte Mrs Allison, „Besser ihr seid vorsichtig und lasst euch nicht schnappen. Sollte das passieren, kennt euch keiner hier, aber das wisst ihr ja. Anders als Mrs Lane lege ich nicht zu viel Wert auf die Ausführung. Solange ihr die Mission erfolgreich abschließt, ist es mir ziemlich egal, was ihr mit dem Haus macht. Sprengt es von mir aus auch in die Luft, das wäre mal eine schöne Abwechslung...“

„Ihr Humor ist nicht sehr witzig“, bemerkte ich trocken, „Eine Explosion würde viel zu viel Aufsehen erregen und hinterlässt mit Pech verräterische Spuren. Wenn denn müssen wir schon gezielt rein und den guten Gordon Bright persönlich töten. Anders ist es auch gar nicht sicher, dass er bei dem Attentat wirklich stirbt.“

„Lass mich doch auch mal von alten Zeiten träumen“, murmelte Mrs Allison nur und fügte etwas lauter hinzu, „Natürlich wäre eine Explosion viel zu auffällig, ich wollte nur mal sehen, ob ihr auch noch mitdenkt oder nur einfach zuhört. Da der Auftrag wie gesagt ziemlich plötzlich kam, werdet ihr noch heute in zwei Stunden aufbrechen. Ich habe ein Taxi bestellt, das euch gut zwei Kilometer vor Gordon Brights Villa absetzen wird. Von da an ist es euch überlassen, wie ihr weiter vorgeht, da dies wieder ein Auftrag nur für euch zwei ist. Die von Scythe Society haben zur Zeit mit ein paar internen Problemen zu kämpfen, deswegen müsst ihr alleine klar kommen.. obwohl das für euch wohl keinen so großen Unterschied macht, im Gegensatz zu unseren Kandidaten von Rang 1 und 2. Na ja, damit wäre dieses Gespräch auch beendet. Seid pünktlich am Tor, diese Taxifahrer sind verdammt habgierig, wenn sie zu lange warten müssen.“

Ich nickte nur und stand auf. Ich verließ das Lehrerzimmer und machte mich auf den Weg nach draußen. Als mein Pager piepte, zog ich eine Augenbraue hoch. Es war wieder Code 011. Ich sollte auf das Dach kommen.

„Nein danke mein Freund“, murmelte ich resigniert, „Nochmal fall ich bestimmt nicht auf denselben Trick rein.“

Ich verließ das Schulgebäude und wanderte über den weiten Rasen. Mrs Allison hatte ein paar Dinge erwähnt, die in meinen Ohren ziemlich interessant klangen. Dass die Gute einen komischen Geschmack und anscheinend eine interessante Vergangenheit hatte, zählte zwar ebenfalls dazu, doch eine andere Sache beschäftigte mich viel mehr. Was war Scythe Society? Etwa die Organisation, die mit dieser Akademie zusammen zu arbeiten schien? Bevor ich das im Internet nachforschen konnte, musste ich aber definitiv erst die bescheuerte Wanze finden. Ansonsten käme die nette Schulleiterin noch auf falsche Gedanken, denn ich konnte es lediglich nicht ausstehen bespitzelt  zu werden und hatte nicht geplant etwas zu tun, was der Akademie schaden könnte. Es sei denn, dieser ganze Komplott kam meinen Plänen in den Weg, dann wäre die Sache wieder anders. Doch das war ziemlich unwahrscheinlich.

 

Pünktlich stand ich in meiner Arbeitskluft am Tor und wartete auf Train. Ob er es wieder vorzog zu Fuß bis zu unserem Zielort zu laufen? Eigentlich bezweifelte ich es, denn der Weg bis zur Villa von Gordon Bright war ein ganzes Stück weiter als der von Gustav Hinren, aber ihm traute ich es glatt zu.

Doch zu meinem großen Erstaunen, das ich äußerlich natürlich nur durch einen leicht verwunderten Blick zeigte, tauchte Train kaum zwei Minuten später ebenfalls auf und ging an mir vorbei auf das knallgelbe Taxi zu, das bereits vor dem Tor wartete.

„Na das ist mal eine Abwechslung“, flüsterte ich und stieg ebenfalls in das Taxi ein. Ich saß vorne neben dem Fahrer, da ich keine Lust gehabt hatte mich zu Train auf die Rücksitzbank zu setzen. Nun fragte ich mich, ob ich wohl den ganzen Weg über seinen finsteren Blick im Rücken haben würde. Komischerweise aber kam mir sein Blick heute weniger feindselig vor als die letzten Male. Irgendwie nicht mehr so absolut hasserfüllt wie sonst. Doch vielleicht hatte ich mich inzwischen auch nur so weit daran gewöhnt, dass ich ihn als gar nicht mehr so schlimm empfand. Das war natürlich auch möglich und viel plausibler als mein vorheriger Gedanke.

Ich stöhnte leise. Als ich einen Blick in den Rückspiegel geworfen hatte, hatte ich gesehen, dass Train mit verschränkten Armen auf der Rücksitzbank saß und mich finster anstarrte. Für die Landschaft schien er nichts übrig zu haben, es schien ihm viel mehr Spaß zu machen mich von hinten mit Blicken zu durchbohren. Oh wie toll. Hatte er keine besseren Hobbys?

„Das nervt“, nuschelte ich so unverständlich, dass selbst Train mich nicht verstanden haben sollte. Trotzdem schienen seine Augen irgendwie ein Stück schmaler zu werden. Komischerweise musste ich darüber aber lächeln und biss mir rasch auf die Unterlippe. Jetzt machte ich mich also schon darüber lustig, wie Trains Blick nach und nach immer finsterer wurde. Ich war ganz schön tief gesunken.

Es war kurz nach halb sechs Uhr abends, als das Taxi uns in einer belebten Straße in der Stadt absetzte. Der Himmel färbte sich langsam um und die Sonne näherte sich allmählich dem westlichen Horizont. In der Straße war es trotzdem noch ziemlich belebt, allerlei Leute waren unterwegs und es wurde auf den Fußwegen ziemlich voll. Als ich mich umsah, war Train bereits in die andere Richtung unterwegs und zwischen den ganzen Fußgängern kaum noch zu sehen.

„Warte gefälligst mal!“ Ich stapfte ihm hinterher und nun war mein Blick es, der ihn von hinten förmlich aufspießte. Das schien ihn nur leider nicht zu stören und so ging er mit flottem Schritt zwischen den ganzen Leuten hindurch. Ich hielt mich fast direkt hinter ihm und sah zu, dass ich ihn nicht verlor. Zwar hatte ich den Stadtplan auch in Etwa vor Augen, doch Train kannte sich eindeutig besser aus. Auch wenn er wie immer kein Wort sagte und mich ignorierte, wenn er mich nicht gerade düster ansah. War das nicht toll? Finstere Blicke oder ignoriert werden, eine reizende Auswahl.

Schließlich kamen wir zu einer schmalen Straße am Stadtrand, an der eine große Villa stand. Sie war fünf Stockwerke hoch und irgendwo dort drin war Gordon Bright. Nur kannten wir heute nicht seinen genauen Aufenthaltsort, da sein Tagesablauf sich fast jeden Tag änderte und daher nicht vorausgesagt werden konnte, wo er sich aufhalten würde. Deshalb mussten wir unsere Zielperson heute auch noch suchen und ich hatte bereits schlimme Befürchtungen über den Zustand der Personen in diesem Haus, wenn wir hier fertig waren.

„Hast du vor heute wieder so ein Massengrab zu hinterlassen?“, fragte ich nicht sehr begeistert, obwohl ich damit rechnete, dass es wieder so enden würde. Schließlich konnte ich ihn inzwischen ziemlich gut einschätzen, was die Ausführung seiner Missionen anging. Auch wenn mir das natürlich ganz und gar nicht passte.

Train sah mich einen Moment lang mal einigermaßen normal an, dann blickte er jedoch wieder zur Villa und ging ohne ein Wort weiter an dem hohen Zaun entlang, der das gesamte Anwesen umgab.

„Keine Antwort ist auch eine Antwort“, stöhnte ich. Da hatte ich mir wirklich einen sehr gesprächigen Teampartner ausgesucht. Unsere Konversationen waren immer sehr ergiebig. Wirklich erstaunlich. Ich schüttelte über meinen eigenen Sarkasmus den Kopf.

Wir schlichen um die Villa herum, die auf der anderen Seite sogar einen kleinen Swimmingpool hatte. Es ging einmal rundrum, doch von allen Seiten war die Villa von dem hohen Eisenzaun umgeben, der oben bedrohlich spitz war und allem Anschein nach auch noch ein ganzes Stück in den Boden hinein reichte. Der einzige Eingang zu dem Anwesen war der Haupteingang an der Straße, der jedoch ziemlich gut bewacht wurde. Train ging mehrere Minuten lang im Schutz der Büsche an dem Zaun entlang und ich blieb hinter ihm. Ich konnte mir schon ziemlich genau denken, was sein Plan war.

„Komm mir nicht in die Quere“, flüsterte Train und sprang plötzlich mit einem Satz über den bestimmt drei Meter hohen Eisenzaun hinweg. Sobald er auf der anderen Seite landete, flitzte er wie ein geölter Blitz über den Rasen und verschwand beinahe lautlos durch ein angelehntes Fenster in der Villa. Das geschah in noch nicht mal vollen fünf Sekunden.

„Wieso wusste ich, dass das passiert?“, fragte ich augenrollend und machte zwei schnelle Schritte, ehe auch ich mit einem Satz über den Zaun flog, ohne ihn zu berühren, denn das würde mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einen ohrenbetäubenden Alarm auslösen. Anschließend sauste ich über das kurze Stück Rasen und war im nächsten Moment durch das Fenster gesprungen. Lautlos landete ich auf dem roten Samtteppich und verharrte einen Augenblick lang. Die Überwachungskamera in einer Ecke des Zimmers, das nach einem Wohnzimmer aussah, war bereits kaputt. Wie von Train zu erwarten. Allerdings hatte ich auch keine Lust sein Werk noch länger zu betrachten und verließ das Zimmer.

Im Flur war niemand, nur ein Mann lehnte etwas schief an der Tür nebenan. Er schien kurz vor der Bewusstlosigkeit zu sein, zumindest stöhnte er noch leise. Im ersten Moment war ich etwas verwirrt, doch dann schüttelte ich den Kopf und lief an dem Mann vorbei. Zwar konnte ich mir nicht sicher sein, dass Train wirklich hier vorbeigekommen war – immerhin waren bisher alle Leute tot gewesen, die ihm bei Missionen vor den Lauf gekommen waren – doch ich hatte auch keine andere Spur.

Dann kam mir jedoch unsere Mission wieder in den Sinn und ich beschloss, dass die Ermordung von Gordon Bright Vorrang hatte. So bog ich an der nächsten Ecke rechts ab und lief die Treppe nach oben, während Train, laut den kaputten Überwachungskameras im Erdgeschoss, unten weiter gelaufen war. Daher war ich im ersten Stock vorsichtig und fand prompt eine Überwachungskamera. Ich überlegte gar nicht lange und schoss auf sie, durch den Schalldämpfer war der Schuss kaum bis gar nicht zu hören. Es gab ein leises Splittern, als die Kamera getroffen wurde, dann wurde es wieder still. Das kam mir zwar verdächtig vor, doch vielleicht war das Wachpersonal gerade anderswo beschäftigt. Zumindest war das möglich.

Dann wurde direkt vor mir plötzlich eine Tür aufgerissen und eine fette Maschinenpistole wurde auf mich gerichtet. Ich sprang schnell zur Seite und gerade als das Ding anfing zu feuern, lief ich nach vorne und war neben dem Mann aus dem Zimmer. Er versuchte noch die Pistole rumzureißen, doch ich war schneller und trat nach seiner Hand. Er ließ die Waffe fallen und versuchte sich gegen mich zu wehren, doch er war mir im Nahkampf nicht gewachsen. Nach zwei Schlägen fiel er bewusstlos hinten über und ich zog meinen Revolver wieder aus dem Halfter an meinem Oberschenkel.

Ich lief unbehelligt weiter, zerschoss noch genau dreizehn weitere Überwachungskameras und schlug fünf weitere Wachmänner bewusstlos. Inzwischen war ich im dritten Stock und überlegte, was hier eigentlich vor sich ging. Es war zu ruhig. Außerdem waren alle Männer, denen ich bisher begegnet war, nicht annähernd gut genug um es mit mir aufzunehmen. Dabei war Gordon Bright doch ein ziemlich wichtiger Mann und ich hatte mit weit mehr Bewachung gerechnet. Wo war das viele Wachpersonal, von dem auch Mrs Allison geredet hatte?

„Na ich werde noch herausfinden, was hier gespielt wird“, murmelte ich und ging weiter. Meine Sinne arbeiteten auf Hochtouren und nahmen alles wahr, was verdächtig erscheinen konnte. Dummerweise gab es im dritten Stock nichts, was auch nur ansatzweise verdächtig aussah. Weder die Überwachung war sonderlich ausgefallen, noch gab es irgendwelche Fallen oder etwas dergleichen.

Schließlich aber kam ich im fünften Stock an. Sobald ich oben am Treppenabsatz stand, meldete sich mein berühmter sechster Sinn. Ich spürte augenblicklich, dass es hier anders war, als in den unteren Stockwerken. Obwohl ich die viel zu offensichtliche Überwachungskamera bereits zerschossen hatte, hatte ich immer noch das Gefühl, dass ich beobachtet wurde. Dann richtete ich meinen Revolver auf einen Bronzekopf, der auf einem schwarzen Sockel stand und mich dämlich angrinste. Mit zwei Schüssen hatte ich seine Augen durchlöchert und so, wie es für mich aussah, hatte ich zwei Minikameras unschädlich gemacht. Dann fiel mir auf, dass die Patronen schon wieder alle verschossen waren und ich ließ den Kipplauf aufspringen. Die leeren Hülsen landeten auf dem Teppich und ich steckte neue Patronen in die Revolvertrommel. Im nächsten Moment rastete der Kipplauf wieder ein und ich schoss auf die Tür am Ende des Flures. Es waren genau fünfzehn Schritte, dann stand ich vor der Tür, deren Schloss von einer Kugel durchlöchert worden war.

Selbst vom Treppenabsatz aus hatte ich sehen können, dass diese Tür besonders stark überwacht worden war. Kaum hatte ich einen Schritt in die Richtung der Tür getan, war ein Rattern zu hören gewesen und gleich mehrere kleine Miniaturpfeile waren plötzlich aus einer Vorrichtung in einem der Bilder an der Wand links geflogen. Zum Glück nur hatten sie sich in die Wand rechts neben mir gebohrt und nicht in mich, die ich gerade noch den Kopf hatte einziehen können. Wow, das war ausnahmsweise mal verdammt knapp gewesen. Ich staunte nicht schlecht, dieser Gordon Bright hatte also durchaus einige ausgefallene Ideen seiner Sicherheit bezüglich. Ich zog meinen Hut vor ihm. Zu dumm nur, dass ich gerade keinen auf hatte. So ein Pech auch.

Ich richtete mich wieder auf und sprang schnell einen Satz nach vorne. Dort, wo ich zuvor gestanden hatte, und auch gut einen Meter in alle Richtungen von diesem Punkt aus, hatten plötzlich ziemlich viele lange Nägel aus dem Teppich geragt. Sehr schöne Falle. Wirklich geschmackvoll. An den Füßen aufgespießt. Auf die Idee kam nicht jeder. So arbeitete ich mich voran und musste eine Falltür im Boden umgehen, zwei plötzlich aus der Wand fallenden Äxten ausweichen und noch einiges mehr.

Nun nahm ich aber den Türknauf und drehte ihn herum. Ein leises Klicken verriet, dass das Schloss die Tür freigab. Was erwartete mich wohl auf der anderen Seite? Eine leichte Resignation war in meinem Gesicht zu sehen, als ich zu ahnen begann, was der Plan des Hausherren war. Ich entschied mich allerdings dafür, der Idee des netten Mr Bright eine Chance zu geben und stieß die Tür mit einem Tritt auf.

„FEUER!“

Wie ich bereits geahnt hatte, war das große Zimmer vollgestopft mit verschiedenen Wachmännern. Einige hatten ein Laptop auf dem Schoß, mit dem sie bestimmt die Fallen gesteuert hatten, andere waren bis an die Zähne bewaffnet mit Pistolen, Gewehren, Granaten und was es nicht noch so alles schönes als Mordinstrument gab. Ein wenig erstaunt war ich über das Aufgebot von Gordon Bright, der ganz hinten auf einem Stuhl saß und als Einziger von den hier Anwesenden einen hellblauen Anzug mit Krawatte trug. Sein leicht nervöser Blick war auf mich gerichtet, die ich hier allein einer halben Armee von mindestens zwanzig Mann, die alle in das zum Glück recht große Arbeitszimmer gequetscht worden waren, gegenüber stand. Dennoch wirkte ich nicht im Geringsten beunruhigt. Es war schon beinahe unheimlich. Dieser kurze Augenblick nach dem Befehl von Gordon Bright schien unendlich lange zu dauern. Es war fast als wäre die Zeit für einen kurzen Augenblick stehen geblieben.

Dann feuerten die ersten mit ihren Maschinenpistolen auf mich und mein Blick wurde ernst. Jetzt kam die echte Herausforderung. Mit eleganten Bewegungen, die schon fast einem leicht sonderbaren Tanz glichen, wich ich den Kugeln geschickt aus und zog dem ersten Mann meinen Revolver über den Schädel. Das war so was von einfach.

Mit fließenden Bewegungen schien ich zum nächsten Wachmann förmlich zu schweben und rammte ihm erst meinen Ellenbogen kräftig in den Magen, dann schlug ich gleichzeitig einmal nach der Pistole und mit der anderen Hand verpasste ich ihm einen satten Kinnschieber, der den Mann hinten über kippen und am Boden liegen bleiben ließ. Das war noch nicht mal der Rede wert.

Flink wie ein Wiesel war ich bereits unterwegs zum Nächsten Mann, ohne auch nur ein einziges Mal von den ganzen Kugeln getroffen werden, die aus den unzähligen Pistolen und Gewehren der anderen Männer stetig aber erfolglos abgefeuert wurden. Mit zwei Schlägen war der dritte Mann k.o. und ich orientierte mich kurz.

Es standen noch eine ganze Menge Männer zwischen mir und meinem Ziel, Gordon Bright. Dieser sah mich an und seine Augen schienen förmlich hervorzutreten. Er schien nicht glauben zu können, was ich da gerade im Alleingang bewerkstelligte. Jedoch hörte ich hinter mir plötzlich ein leises Zischen und dieser Kugel würde ich nicht mehr vollständig ausweichen können. Die Erkenntnis hatte ich in noch nicht mal einem Sekundenbruchteil erlangt. Es blieb mir allerdings noch nicht mal mehr eine halbe Sekunde zum Ausweichen, was selbst für mich so gut wie unmöglich war.

Plötzlich aber war ein metallisches Klacken zu hören.

„Sagte ich nicht, du sollst mir nicht im Weg sein?“ Ein bernsteinäugiger Killer mit etwas zerzausten, dunkelbraunen Haaren stand direkt hinter mir und hatte seinen schwarzen Revolver erhoben, an dessen Lauf die um ein Haar tödliche Kugel abgeprallt war.

„Train!“ Ich blickte ziemlich überrascht über meine Schulter und sah ihn ungläubig an.

Für einen kurzen Moment erwiderte er meinen Blick, dann sah er die etwas geschockten Männer an, die um uns herum standen und keine Ahnung hatten, von woher Train so plötzlich aufgetaucht war. Vor lauter Fassungslosigkeit hatten sie glatt vergessen zu schießen.

„Was ist los? Schießt verdammt noch mal!“, rief Gordon Bright wütend, der jedoch nicht weniger entgeistert aussah als seine Männer, „Oder wollt ihr etwa, dass ich draufgehe?!“

Da fiel den Männern auf, dass sie ihren Befehl ja ganz vergessen hatten und schon hagelte es wieder Kugeln in die Richtung von Train und mir. Wir beide standen Rücken an Rücken und sahen uns aus den Augenwinkeln heraus an. Dann, als hätte irgendwer ein geheimes Zeichen gegeben, liefen wir plötzlich zu verschiedenen Seiten los und streckten im Akkord einen Wachmann nach dem Nächsten nieder. Und das mit oftmals nur einem Schlag gegen empfindliche Körperteile! Selbst Train machte keinen Gebrauch von den Kugeln in seinem Revolver, was mich ziemlich erstaunte. Dennoch konzentrierte ich mich auf meine Arbeit, was im Moment das Ausschalten von diesen hartnäckigen Wachmännern war. Dabei schien es als ob von irgendwo her immer mehr Männer kamen, denn die Zahl der beteiligten Männer im Raum sank nur um vielleicht ein oder zwei Personen, obwohl wir schon weit mehr k.o. geschlagen hatten. Außerdem fiel mir auf, dass sich hinter Gordon Bright gerade ein Teil der Wand zur Seite geschoben hatte. Zwei Männer in schwarzen Anzügen führten den übereifrigen und zurzeit etwas panischen Geschäftsmann aus dem Raum und hinter ihnen schloss sich die Wand wieder.

„Tse.“ Ich hielt meinen Revolver hoch, an dessen Lauf eine verirrte Kugel abprallte. Zur selben Zeit verpasste ich einem etwas zu klein geratenen Wachmann oder Bodyguard – ich war mir nicht so sicher, welchen Job die Männer hier eigentlich hatten – einen kräftigen Schlag mit meiner Handkante in den Nacken, woraufhin der kleine Mann einfach zu Boden fiel. Das war ja lächerlich.

Es sah schon beinahe lässig aus, wie ich einigen Kugeln auswich, andere mit meinem Revolver abwehrte und nebenbei noch immer wieder einigen der Männer eins über die Rübe zog. Vielleicht waren die hier besser als die, denen sie im Flur begegnet war, doch Gordon Bright schien so einen Angriff auf seine Villa nicht für möglich gehalten zu haben. Sonst hätte er hundertprozentig mehr Geld in seine Sicherheit investiert.

„Wenn das so weiter geht, haut unser Fisch ab...“, murmelte ich.

Train feuerte vier Schüsse ab, die mich nur um Haaresbreite verfehlten. Daraufhin ging ein Fenster sauber zu Bruch und Train haute einem der Männer einfach eine runter, fast als wäre dieser ein nerviger Klassenkamerad.

„Du hättest mich ja wenigstens warnen können“, bemerkte ich nur resigniert und schüttelte den Kopf. Dann holte ich kurz Luft und konzentrierte mich. Wenn ich Train nicht mitrechnete, waren laut den Geräuschen der Füße und der Anzahl der feuernden Waffen noch elf Wachmänner übrig. Allem Anschein nach hatten wir sie inzwischen weitestgehend k.o. geschlagen. Nun hatte ich aber allmählich genug vom Rumspielen und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Wie durch ein Wunder verfehlten alle Kugeln mich, die in meine Richtung abgefeuert wurden.

Als ich meine Augen öffnete, sprang Train auf einmal an den Rand. Es schien fast als hätte er etwas geahnt, denn ich schien auf einmal mehr als doppelt so schnell wie zuvor zu sein. In der einen Sekunde stand ich noch mitten im Raum, im nächsten Moment stand ich plötzlich hinter zwei ziemlich überraschten Männern und zog beiden meinen Revolver über den Schädel. Dann war ich schon bei dem nächsten Mann und schlug ihn mit nur zwei Schlägen bewusstlos. Wenn man wusste, wo die Vitalpunkte eines Menschen waren, war das ganz einfach, wie ich fand.

Drei Männer wollten sich gleichzeitig auf mich stürzen, doch daraus wurde nichts. Schneller als die drei gucken konnten hatte ich dem einen einen Schlag direkt unter das Kinn verpasst, dem zweiten meinen Revolver an die Schläfe geschlagen und dem dritten mein Knie zwischen die Beine gerammt, ehe ich ihn mit einem Schlag mitten ins Gesicht endgültig außer Gefecht setzte. Auch die letzten fünf Wachmänner waren innerhalb von noch nicht mal einer halben Minute kampfunfähig und es herrschte Stille.

„Puh, das ist jedes Mal wieder nervenaufreibend.“ Ich wusste, dass das auch ganz schnell schief laufen konnte, wenn ich mich auch nur einen Sekundenbruchteil lang nicht konzentrierte. Meine Technik basierte auf Konzentration und Koordination, sowie der genauen Kenntnis meines Umfeldes. Nur wenn ich alle drei abschätzen und auch nutzen konnte, konnte ich diesen Kampfstil ohne Lücken anwenden. Wenn ich mich verschätzte, war mein Leben ganz schnell zu Ende.

Train war derweil zum Fenster gegangen und stieg gerade auf die Fensterbank, um nach draußen zu sehen. Sein Blick war nach oben gerichtet.

In dem Moment hörte auch ich das Geräusch von Propellern. Es war zwar noch ein Stück entfernt, doch es war eindeutig das Geräusch eines Hubschraubers. Ich verzog das Gesicht und kam ebenfalls zum Fenster. Wir waren im fünften Stock und hatten keine Zeit um einen Dachaufstieg zu suchen. Also blieb wieder nur eine Möglichkeit, die ich schon seit längerem gewöhnt war. Dennoch war ich noch immer nicht sehr begeistert, wenn es darum ging solche Kapriolen zu veranstalten.

Train stand allerdings schon auf dem Fensterbrett und sprang im nächsten Moment nach oben. Er erwischte die Dachrinne und zog sich mühelos aufs Dach hoch.

Ich sparte mir jedweden Kommentar oder Gedanken und machte es ihm nach. Kaum zwei Sekunden später stand auch ich auf dem Dach und erblickte die drei übrigen Männer. Einer war Gordon Bright, der sich leicht erschrocken umdrehte, die anderen beiden waren die Männer in schwarzen Anzügen, die ihre Maschinengewehre auf Train und mich richteten.

„S-Seid ihr von Scythe Society?“, fragte Gordon Bright nervös und machte einen Schritt rückwärts. Seine Stimme klang rau und alt und war von Angst erfüllt.

Ich sah ihn ernst an, während Train keine Miene zog und wortlos seinen Revolver hob. So kam er langsam auf Gordon Bright zu.

„Welches Team seid ihr?“, fragte Gordon Bright weiter und wich noch zwei Schritte zurück. Seine beiden Bodyguards richteten ihre Maschinengewehre auf Train, doch den schien das noch nicht mal zu interessieren.

Ich dachte unwillkürlich an den Tag, an dem der gute Mr Walker uns über unser Team aufgeklärt hatte. Eigentlich hatte ich den Lehrer mit seinen fast schulterlangen, gelockten Haaren mit dem hellblonden Farbton für einen seriösen Menschen gehalten. Ganz zu Anfang hatte er auch ernst ausgesehen, doch mit einem Mal hatte sein Gesichtsausdruck schlagartig gewechselt und er hatte ausgesehen wie sonst was, nur kein ernstzunehmender Lehrer.

„Ooooh! Was für eine süße Teamkameradin du dir ausgesucht hast Train!“, hatte Mr Walker begeistert gesagt und war auf dem besten Weg gewesen mich einfach so in die Arme zu schließen. Doch ich hatte ihm kurzerhand in die Hand gekniffen, die er nach meiner Brust ausgestreckt hatte. Er war ein waschechter Perversling! Und außerdem noch ziemlich jung, vielleicht fünfundzwanzig, aber keineswegs älter. Zudem schien sein Charakter irgendwo noch ein paar Jahre weiter zurückgeblieben zu sein. Als wäre er ein Kleinkind.

„Sie ist nicht mein Partner“, erwiderte Train ziemlich entnervt. Er schien den jungen Lehrer noch weniger ausstehen zu können als ich, denn sein Blick hätte den guten Mr Walker wahrscheinlich erdolcht, wenn dieser nicht irgendwie gegen ihn immun wäre.

„Aber, aber, sie ist doch so eine Schönheit“, schwärmte Mr Walker und schien in irgendwelchen Fantasien zu versinken, „Solch ein Mädchen findest du nur selten, du solltest sie nicht immer wie Luft behandeln!“

„Halt deinen verdammten Rand“, knurrte Train und griff in seine Tasche, aber dort fand er anscheinend nicht das, was er gesucht hatte. Wahrscheinlich seinen Revolver.

„Oh.. Du bist immer so kalt“, seufzte Walker und wandte sich mit einem charmanten Lächeln an mich, „Aber ich glaube, dir sollte ich auch erstmal erklären, wie das hier mit den Teams abläuft.“

Ich hatte nur genickt. Noch nie war ich einem so schrägen Mann begegnet, der ganz offensichtlich mit allem und jedem flirtete, was ihm vor die Augen kam. Stammte er überhaupt aus diesem Zeitalter? Sein mittelalterliches, weißes Rüschenhemd und die enge braune Hose sahen auch irgendwie mehr nach einer Zeit aus, in der sich die großen Helden noch mit Axt und Hackebeil die Köpfe eingehauen hatten.

„Ein Team zu bilden bedeutet hier, dass zwei Schüler, die in etwa auf dem gleichen Niveau sind, sich zusammen tun und gemeinsam Missionen übernehmen“, erklärte Mr Walker, „Diese Schüler sollten sich nach Möglichkeit besser kennen lernen und zu einer Einheit werden. Auch ihr müsst lernen jeden Wink eures Partners zu verstehen und darauf reagieren zu können. Kommunikation ist für euch das A und O.. Deshalb solltet ihr euch so schnell wie möglich kennen lernen und eure schmutzigsten Geheimnisse miteinander teilen...“

„Von was bitteschön reden Sie?!“, fragte ich aufgebracht und warf dem Lehrer ein Radiergummi aus meiner Federtasche an den Kopf. Was für perverse Gedanken hatte dieser Typ? War er überhaupt erwachsen? Ich konnte ehrlich gesagt nicht so ganz fassen, dass dieser Mann wirklich ein Lehrer sein sollte.

Train hatte anscheinend ebenfalls etwas nach ihm werfen wollen, doch er hatte den Briefbeschwerer in der Hand, der eigentlich auf dem Schreibtisch des Lehrers stand.

„Whaaaaa!“ Mr Walker fing plötzlich an zu weinen und wie aufs Stichwort kam ein anderer Lehrer mit dunklen Haaren herein. Er hatte eine schlichte Brille auf der Nase und trug einen dünnen, aschgrauen Pullover und eine schwarze Hose. Seine Haare waren länger als die von Mr Walker und mit einem Band nach hinten gebunden.

„Was ist denn nun schon wieder los?“, fragte er genervt und sah den wimmernden Mr Walker düster an.

„Sie haben mir etwas auf den Kopf geworfen!“, jammerte Walker und ergriff den Arm von Mr Folker, der seufzend seine Brille zurechtrückte.

„Wie lange planen Sie eigentlich noch so ein Theater zu machen?“, fragte Folker und warf seinem Kollegen einen finsteren Blick zu.

Dieser wich sofort zurück und sah Folker beinahe fassungslos an. „Wie kannst du nur?“, fragte er dann und sank in theatralischer Manier zu Boden, um die Decke dann flehend anzusehen, „Oh Herr, man hat mich im Stich gelassen. Ich arme Seele bin ganz allein, keiner mag mich...“

„Entweder Sie fangen jetzt sofort wieder an sich wie ein Erwachsener zu benehmen oder ich lehre Sie, was mit denen passiert, die hier über die Stränge schlagen!“, sagte Mr Folker und holte eine Reihe Messer aus seiner Tasche, die alle samt ganz schön spitz aussahen.

Sofort stand Mr Walker wieder auf den Füßen und sah die anderen Anwesenden an als wäre nichts gewesen. „Na ja, lassen wir den Herren mal oben im Himmel und fahren da fort, wo wir stehen geblieben sind“, sagte er und grinste etwas schief.

Ich musste aufpassen, dass sich meine Gesichtszüge nicht nach und nach verabschiedeten. Dieser Walker war definitiv schräger als alles, was mir in meinem Leben bisher über den Weg gelaufen war.

„Kommunikation ist wie gesagt sehr wichtig“, fuhr Walker trotz der resignierten Mienen seiner Zuhörer fröhlich fort, „Aber es ist auch wichtig, dass ihr euch selbst und euren Teampartner gut einschätzen könnt. Ihr müsst alle beide eure Stärken und Schwächen kennen und auch die eures Partners. Nur so könnt ihr vermeiden, dass sie eines Tages zu eurem Verhängnis wird...“

„Fahr mit dem wesentlichen Teilen fort, wir haben noch eine Versammlung, falls Sie es schon wieder vergessen haben“, unterbrach Mr Folker ihn genervt.

„Och, jetzt sei nicht so ein Spielverderber“, murmelte Walker enttäuscht, „Und wieso siezt du mich immer? Wir sind doch Kollegen.“

„Genau deswegen.“ Bei Folker pochte eine Ader über seinem Auge und verhieß nichts Gutes. „Würden Sie jetzt bitte fortfahren. Und zwar etwas sachlicher, wenn ich bitten darf.“

Walker zog eine beleidigte Miene, doch dann fielen ihm Train und meine Wenigkeit wieder ein, die wir beide nur ungläubig die Lehrer beobachteten. „Oje, oje“, seufzte Walker daraufhin nur, „Sobald ihr einen Auftrag bekommt, erhaltet ihr über den Pager eine Nachricht, wann und wo die Besprechung der Mission stattfindet. Da ihr bereits alle beide über viel Erfahrung verfügt und Rang 4 habt, werden eure Missionen natürlich schwerer ausfallen und dementsprechend hoch werden auch die Entlohnungen sein. Da eure Zimmernummern vier und sieben lauten, ist euer Team Number Eleven...“ Walker machte eine Pause. „Which were sent from heaven!“

Für den letzten Anhang hatte ich ihm mein zweites, noch etwas härteres Radiergummi an den Kopf geworfen, wozu Folker gar nichts gesagt sondern den schon wieder jammernden Mr Walker am Kragen aus dem Lehrerzimmer gezogen hatte. Doch die Nummer unseres Teams war Eleven, auch wenn es mir eigentlich gar nicht gepasst hatte nur eine englische Nummer als Teamnamen zu haben. Aber was sollte ich dagegen sagen? Alle Teams hatten irgendwelche Nummern, an denen man sie unterschieden konnte. Also brachte es nichts, wenn ich mich darüber beschwerte. Dass das nun wirklich geschmacklos war, war doch hoffentlich allen hier klar. Oder?

„D-Darüber können wir doch sicher noch reden“, stotterte Gordon Bright verängstigt, der inzwischen fast am Rand des Daches angekommen war. Train war keine zehn Meter von ihm entfernt. Einzig die beiden Bodyguards mit ihren Maschinengewehren standen noch zwischen ihm und seinem Ziel.

Mir kam das Bild irgendwie bekannt vor. Hatte sie so etwas schon mal irgendwo im Fernsehen gesehen? Bei dem Gedankengang bemerkte ich auch, dass Train mich aus den Augenwinkeln heraus ansah. Als hätte er die beiden Männer, die immer noch etwas unsicher ihre Gewehre auf ihn richteten und nicht wussten, ob sie nun schießen sollten oder ob das nur noch alles verschlimmern würde, gar nicht bemerkt. Sein Blick war auf mich gerichtet. Er war unergründlich und Trains bernsteinfarbenen Augen hatten im Licht der untergehenden Sonne einen feurigen Glanz.

„Ich zahle euch so viel ihr wollt, aber bitte erschießt mich nicht“, flehte Gordon Bright und kam hoffnungsvoll einen Schritt in unsere Richtung. Es war echt erbärmlich.

Ich stöhnte jedoch und zog den Revolver, den ich von Mrs Allison bekommen hatte, aus dem ledernen Halfter an meinem Oberschenkel. Ich brauchte nicht lange zu zielen. Mit einem Schuss steckte eine Kugel direkt zwischen den vor Schreck geweiteten Augen von Gordon Bright. Er war augenblicklich tot und fiel wie ein nasser Sack nach hinten.

Daraufhin wollten seine beiden Bodyguards endlich Gebrauch von ihren Maschinengewehren machen, doch da schoss Train zweimal und die beiden Gewehre waren unbrauchbar. Die Männer wichen zurück und bangten eindeutig um ihr Leben. Dann stürzten sie beide Hals über Kopf zu einer Luke nur wenige Meter neben ihnen im Dach und rannten davon.

Einen Moment lang sah ich ihnen lediglich hinterher, dann blickte ich nach oben, wo ein Helikopter ein Stück weiter über uns in der Luft hing und uns schon eine ganze Weile lang beobachtete. Nun drehte er ab und der starke Luftzug ließ meinen Mantel kräftige Falten schlagen. Ich nahm die schwarze  Schirmmütze ab und schüttelte den Kopf, damit meine schulterlangen, orangenen Haare wieder etwas Volumen annahmen. Als ich mich umsah, fiel mein Blick unweigerlich auf Train.

Er hatte sich einfach auf das Dach gesetzt und blickte hoch in den Himmel. Da die Sonne schon fast vollständig untergegangen war, war der meiste Teil des Himmels dunkel und man konnte die Sterne sehen. Auch der silberne Vollmond hing bereits hoch oben und blickte auf uns herab.

Ich seufzte. Dann setzte ich mich direkt hinter ihn und lehnte mich an seinen Rücken. „Die Sterne sind schön, nicht wahr?“

Train wirkte ein klein wenig überrascht, doch auf einmal lächelte er leicht und blickte wieder nach oben in den späten Abendhimmel.

Ich lächelte ebenfalls und legte meinen Kopf an seinen Rücken. „Vergeben werde ich dir nicht“, sagte ich leise, „Aber solange du es begriffen hast, werde ich damit leben können.“

Auftrag 3: Auseinandersetzung unter Killern

Die nächsten drei Tage verliefen ganz normal und ich verschwieg Anja erstmal lieber, dass ich anscheinend mit Train ein Team bilden musste. Meine viel zu ehrliche und fürsorgliche Freundin hätte sich nur unnötige Sorgen gemacht, so wie ich sie inzwischen kannte, daher erwähnte ich dieses Thema nicht und konzentrierte mich mehr auf den Unterricht. Dass ich Train kein einziges Mal in der Klasse sah, wunderte mich zwar ein wenig, doch anscheinend schwänzte er wirklich den gesamten Unterricht an allen Tagen in der Woche.

Ob er den ganzen Tag auf dem Dach unseres Wohnhauses verbrachte? Ich konnte es mir nur schwer vorstellen, doch bei ihm schien fast alles möglich zu sein. Da ich allerdings selber eine Einzelgängerin war, respektierte ich, dass er für sich sein wollte. Ich fühlte mich schließlich auch am wohlsten, wenn ich alleine in meinem Zimmer saß und mich bei schöner Musik entspannen konnte. Ganz konnte ich die Fragen jedoch nicht aus meinem Kopf verbannen und so schob ich sie in die hinterste Ecke meines Gehirnkastens und beachtete sie nicht mehr.

„Kennst eine von euch die Band Cape Nin?“, fragte Clare die drei an ihrem Tisch. Sie war eine Bekannte von Anja und hatte ebenfalls Rang 3. Ihre langen, blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz hochgebunden und die hellblaue Uniform stand ihr ziemlich gut.

„Ja! Ich finde Tim Philson am süßesten!“, sagte Chloé begeistert. Sie war die beste Freundin von Clare und ziemlich aufgedreht. Sie hatte Rang 2 und demnach die beige Uniform an.

„Aha“, war alles, was ich dazu sagen konnte. Ich warf Anja, die direkt neben mir saß, einen entnervten Blick zu. Die Konsequenzen für diese arge Belastung meiner Geduld würde sie später zu spüren bekommen. So viel war sicher.

Anja blickte etwas zerknirscht drein und flehte stumm um Erbarmen. Immerhin war nicht sie es gewesen, die die beiden dazu eingeladen hatte sich an unseren Tisch im Essraum zu setzen. Die beiden hatten sich selber eingeladen.

„Und was haltet ihr beide von den Jungs?“, fragte Clare neugierig, „Ich für meinen Teil finde Nicklas am knuffigsten, der hat einfach was.“

Knuffig? Ich kam mir vor wie im falschen Film. Manche Stofftiere mochten knuffig sein, aber doch kein halbwegs erwachsener Mensch. Ich hing mit zwei definitiv voll durchgedrehten Teenagern, die mitten in der Pubertät zu stecken schienen, an einem Tisch fest. So etwas kostete mich fast noch mehr Nerven als ein Kampf mit Train. Das war nicht nur ätzend, sondern obendrein auch noch absolut bescheuert.

„Äh.. ich kenne die Band leider nicht“, sagte Anja schief lächelnd.

„Und ich will sie gar nicht kennen“, murmelte ich entnervt. Dabei hatte ich meine Stimme allerdings so leise gehalten, dass die anderen beiden mich nicht gehört hatten. Sonst bekam ich vermutlich noch sonst was zu hören und darauf konnte ich beim besten Willen gut verzichten.

„Nein? Dann musst du dir unbedingt mal einige CDs von ihnen anhören“, sagte Clare, die sofort Feuer und Flamme zu sein schien, „Ich versichere dir, wenn du nur ein Lied von ihnen gehört hast, wirst du sie lieben...“

Plötzlich piepte etwas kurz und alle sahen sich überrascht um. Ich hob eine Augenbraue, griff in die Tasche meiner Weste und förderte den Pager zu Tage, den mir Mrs Lane noch zwischen zwei Schulstunden gegeben hatte. Ein kleines Gerät, etwa so groß wie ein schmaler MP3-Player, mit schwarzem Gehäuse. Abgesehen von einer kleinen Digitalanzeige, die nur drei Ziffern hintereinander anzeigen konnte, und zwölf kleinen Tasten mit den Zahlen von null bis neun war nichts weiter drauf zu finden. Für die verschlüsselte Übertragung von kurzen Befehlen reichte es jedoch.

Code 023 bedeutete, dass ich in fünf Minuten am Lehrerzimmer im Schulgebäude sein sollte. Zum Glück hatte ich die ganzen Befehle auswendig gelernt, das Handbuch mitzuschleppen wäre ziemlich bekloppt.

Ich seufzte und stand auf. „Tut mir leid Leute, aber ich muss mich verabschieden.“

Anja und auch unsere ungebetenen Gäste sahen mich verwirrt an.

„Und Anja, wolltest du mir nicht noch dieses eine Buch ausleihen, dessen Titel ich immer vergesse? Während ich weg bin, kannst du es ja schon mal suchen“, fügte ich hinzu und zwinkerte meiner Freundin zu, bevor ich den Essraum von Haus Nummer 3 verließ.

Anja verstand den Wink zum Glück und stand ebenfalls auf, während die noch etwas überraschten Chloé und Clare sitzen blieben und sich verwirrt ansahen.

Ich lief unterdessen leise fluchend quer über den Rasen. Auch von Haus 3 aus war der Weg zum Schulgebäude verdammt lang und in fünf Minuten kaum zu schaffen. Wer zum Kuckuck hatte die Idee gehabt die einzelnen Häuser so weit auseinander zu bauen? Demjenigen würde ich nur zu gerne mal meine Meinung sagen, doch leider befand sich besagte Person höchst wahrscheinlich schon zwei Meter fünfzig unter der Erde und so war es mir leider nicht möglich ihm oder ihr meine Meinung mitzuteilen.

Zum Glück nur war ich eine gute Sprinterin und schaffte den Weg in gut dreieinhalb Minuten, auch wenn ich die ganze Zeit über fluchte. Kaum eine halbe Minute später öffnete ich dann die Tür zum Lehrerzimmer, das um diese Uhrzeit fast leer war. An einem der runden Tische rechts in der Ecke saß jedoch bereits Mrs Lane vor einem grauen Laptop und ein Stück neben ihr saß Train mit verschränkten Armen auf einem der Stühle.

Als ich das Lehrerzimmer betrat, sah er mich missbilligend an und ich streckte ihm kurz die Zunge raus. Das war zwar kleinkindhaft, doch ich konnte es mir in dem Moment nicht verkneifen. Der Typ ging mir langsam richtig auf den Keks mit seinen bösen Blicken.

„Ah, schön dass du hier bist“, sagte Mrs Lane lächelnd, „Komm, setz dich hierher.“

Ich tat wie mir geheißen und zog einen Stuhl heran. Ich blickte Mrs Lane über die Schulter, welche mit wenigen Mausklicks einige Fenster aufrief. Auf dem ganz vorne war ein Mann Mitte fünfzig abgebildet. Er war anscheinend gerade irgendwo auf der Straße unterwegs, auch wenn er einen Anzug trug und mindestens vier Bodyguards um sich hatte.

Als ich kurz nach rechts blickte, bemerkte ich, dass sich Train von der anderen Seite aus über das Laptop gebeugt hatte und das Bild eingehend studierte. So blickte auch ich wieder auf das Bild und konzentrierte mich auf die wesentlichen Details.

„Um es kurz zu machen“, sagte Mrs Lane ernst, „Das ist Gustav Hinren, der Boss einer gefährlichen rassistischen Gruppe, die demnächst einen Anschlag auf den derzeitigen Premierminister plant. Was genau sie damit bezwecken wollen, ist uns nicht bekannt, aber solch ein Attentat aus unserer unmittelbaren Umgebung müssen wir verhindern. Es gibt schließlich schon einige Gruppen, die an den Absichten dieser Akademie zweifeln und diesen müssen wir nicht noch mehr Stoff geben. Deswegen werdet ihr in zwei Tagen in seine Villa etwas weiter östlich von hier einbrechen und ihn töten. Da er der Kopf der Bande ist, wird sich seine Gruppe danach mit großer Wahrscheinlichkeit in alle Winde zerstreuen und die mögliche Gefahr für uns ist gebannt.“

Inzwischen hatte sie das Bild einer Villa aufgerufen, was wohl per Satellit gemacht wurde, denn es war eine Draufsicht.

„Wie ihr seht ist die Villa zwar von Bäumen umgeben und nur ein schmaler Feldweg führt hinauf, aber in einem direkten Umkreis von etwa sechs Metern gibt es keine Bäume mehr. Und genau dieser Teil ist rund um die Uhr von Überwachungskameras gesichert, die abends auf Infrarot umschalten.. Dieses Mal werdet ihr alleine und nicht mit unserer Partnerorganisation arbeiten, deshalb seid ihr auf euch gestellt. Im Haus sind auch eigentlich überall Überwachungskameras und fast genauso viele Männer, die jedes Staubkorn überwachen, was sich bewegt.“

„Klingt ja richtig einladend“, murmelte ich. Ich sah die Bilder von innerhalb der Villa abschätzend an. Auf fast allen waren auch mehr oder weniger versteckte Kameras zu sehen. Es würde gar nicht so leicht werden dort einzubrechen. Und noch schwieriger würde es wahrscheinlich werden an diesen Gustav Hinren heranzukommen. Das sah ja glatt mal nach Arbeit aus, oh wie schön.

„Die Mission ist gefährlich, aber von höchster Wichtigkeit, wie ihr vielleicht gemerkt habt“, fuhr Mrs Lane fort, „Eure Bezahlung für diese Mission wäre bei dem hohen Schwierigkeitsgrad wohl etwa fünftausend für jeden von euch. Damit seid ihr doch zufrieden, oder?“

Ich versuchte nicht allzu überrascht auszusehen und nickte nur. Fünftausend für nur einen einzigen Auftrag, wenn wir ihn erfolgreich abschlossen, war ziemlich viel. Die Akademie musste ja ganz schön reich sein, wenn sie die Missionen ihrer Schüler so hoch entlohnte.

„Das mache ich alleine, ich brauche dazu keinen Partner“, sagte Train nur und richtete sich wieder auf.

„Train Phöenix, muss ich dich nochmal an die Vorschriften erinnern oder hörst du jetzt mal von alleine auf zu widersprechen?“ Mrs Lane klang genervt, anscheinend hatte Train in der Zeit bis heute schon ein paarmal versucht sie umzustimmen. „Und außerdem ist Kates Level gar nicht so weit unter deinem. Sie ist die Einzige von dieser Akademie, die mit dir fast gleichauf liegt. Außerdem hast du sie meines Erachtens noch kein einziges Mal in Aktion gesehen, also wirst du ihr gefälligst erstmal eine Chance geben, bevor du dich beschwerst. Haben wir uns verstanden, Train Phöenix?“

 Die starke Betonung und der volle Name schienen tatsächlich zu wirken, denn er wirkte zwar alles andere als begeistert, doch er nickte. Dann warf er mir wieder einen vernichtenden Blick zu und verließ das Lehrerzimmer.

„Das kann heiter werden“, seufzte ich und schüttelte den Kopf. Ich war weiß Gott kein Hasenfuß, doch irgendwie behagte mir der Gedanke, mit ihm auf eine Mission zu müssen, nicht sonderlich. Mein Gefühl sagte mir, dass etwas schief gehen oder nicht nach Plan verlaufen würde. Und wie ich bereits erwähnt hatte, behielt mein Gefühl eigentlich immer Recht. Das war also keine sehr rosige Aussicht.

„Es tut mir wirklich leid“, sagte Mrs Lane und seufzte, „Er war schon so, als er hier auf die Akademie kam. Er war genau wie du eines Tages plötzlich von der Direktorin hier her bestellt worden. Sein Talent als Auftragsmörder ist unübertroffen, aber seine Persönlichkeit ist dafür umso unverständlicher. Wir haben ihm auch schon ein paar andere hochrangige Schüler von Rang 4 als Partner zugeteilt, doch schon nach der ersten Mission wollte keiner von ihnen mehr sein Partner sein. Entweder weil sie selber verletzt wurden, weil sie Train ‚in den Weg‘ gekommen waren, oder weil sie mit Trains Vorgehensweise nicht klar kamen.“ Die Vertrauenslehrerin wirkte schon fast ein wenig traurig. „Alle nannten ihn hinterher ein Monster.“

Ich versuchte mir vorzustellen, was die anderen dazu bewogen hatte, ihn als ein Monster zu bezeichnen. Und ich musste zugeben, dass mir durchaus etwas dazu einfiel. Seine Art war einfach nicht normal, aber ob er wirklich ein „Monster“ war, würde ich wohl bald sehen können.

„Ich weiß, wie er vorgeht, und mir persönlich gefällt es auch nicht, aber wenn einer unserer Schüler so bezeichnet wird, trifft es trotzdem auch mich immer“, sagte Mrs Lane leise und sah das Laptop an.

„Sie sind zu herzensgut für diesen Job“, sagte ich lediglich und wandte mich zum Gehen, „Ich erwarte die näheren Informationen dann morgen, ist das in Ordnung?“

„Natürlich, ich lasse sie dir die Sachen rüber schicken“, sagte Mrs Lane ein wenig überrascht.

Ich konnte mir schon beinahe denken, dass Train auf nähere Informationen verzichtete und sich einfach ins Getümmel stürzte. Mir war klar, dass mich diese Mission wohl einige Nerven kosten würde. Nicht wegen der Ausführung, das war noch das kleinste Problem, sondern wegen Train.

Ich wollte gerade das Schulgebäude verlassen, da piepte mein Pager auf einmal wieder. Stirnrunzelnd holte ich ihn hervor. Es war Code 011.

„Auf´s Dach?“ Ich sah meinen Pager ungläubig an. „Von Train? Oh oh, vielleicht sollte ich mir vorher meine Waffe holen...“

Kopfschüttelnd machte ich auf dem Absatz Kehrt und ging zur Treppe. Er würde doch wohl hoffentlich nicht auf die Idee kommen, mich mitten auf dem Schulgebäude anzugreifen? Die Vorstellung erschien mir einfach zu absurd, so blöd würde er nicht sein. Oder?

Ich stieg nach oben und kam schließlich zum Dachaufstieg. Als ich die Tür öffnete, sah ich mich um und trat nach draußen. Ich sprang nach kurzem Umsehen sogar auf den Dachaufstieg rauf, um eine bessere Übersicht zu haben, doch von Train fehlte jede Spur. Wo steckte dieser Typ? Scheinbar hatte man vergessen ihm Manieren beizubringen, eine Dame ließ man nicht warten. Schon gar nicht, wenn der Herr derjenige war, der sie bestellt hatte.

„Komisch, wollte er mich nur verarschen?“ Ich runzelte die Stirn, doch mein Gefühl warnte mich. Dann zog ich den Kopf ein und hörte, wie eine Kugel, die eindeutig aus einem Revolver stammte, fast direkt über mich hinweg sauste. Ein wenig erschrocken kam ich wieder hoch und sah mich auf dem Schulgelände um. Aus welcher Richtung kam der Schuss? Oder andersherum, wo steckte der Schütze?

Im nächsten Moment ließ ich mich schnell nach hinten kippen und landete auf meinem Hintern, anders hätte jetzt wohl eine Kugel zwischen meinen Augen gesteckt.

„Man! Spielen wir hier Räuber und Jandarm oder was?!“, fragte ich trocken, auch wenn ich im Moment alles andere als gelassen war, „Der Typ will mich wohl wirklich umbringen...“

Ich ging davon aus, dass es Train war, der schoss. Ich kannte keinen anderen, der mich auf das Dach kommen ließ, damit ich eine schöne Zielscheibe darstellte. Er war der Einzige, der so dreist war. Nur Sekunden später surrte eine Kugel nur knapp an meinem Ohr vorbei und ich beschloss, dass es mir hier zu ungemütlich wurde.

„Na schön, wenn du unbedingt spielen willst, spiel ich mit“, sagte ich leise und kam auf meine Füße. Ich ließ mich von dem doch nicht zum Narren halten!

Mit einem Sprung stand ich wieder auf dem Dach und verschwand durch den Treppenaufstieg nach unten. Mir war klar, dass ich nun höllisch aufpassen musste. Train konnte sich überall verstecken. Ich musste auf meine Intuition vertrauen und wurde etwas langsamer, als ich im ersten Stock ankam und die Treppe nach unten in Angriff nahm. Auf der Hälfte der Treppe spähte ich vorsichtig ins Erdgeschoss. Ich war mir allerdings ziemlich sicher, dass Train, was auch immer er nun vorhatte, nicht im Schulgebäude eine Waffe benutzen würde. Immerhin benutzte er auch einen Schalldämpfer für seinen Revolver, also hatte er auf jeden Fall nachgedacht, bevor er das inszeniert hatte. So weit war ich mit meinen Überlegungen, doch der Grund und sein vorhergesehenes Ergebnis waren mir schleierhaft.

Schließlich atmete ich tief ein und ging durch den Flur bis zur Eingangstür. Kurz sah ich mich um, doch wie erwartet konnte ich draußen niemanden mit dunkelbraunen Haaren und bernsteinfarbenen Augen entdecken, der mich allem Anschein nach auf dem Gewissen hatte. Da ich keine Lust hatte mehrere Stunden hier zu hocken, ging ich einfach los und verließ das Schutz bietende Schulgebäude. Wenn er mich ins Visier nahm, während ich hier auf der freien Grasfläche und den Wegen war, konnte ich höchstens rennen, denn ein Schutz bietendes Versteck gab es hier nicht. Einzig der Wald neben mir konnte als solches dienen, doch ich vermutete auch, dass Train dort irgendwo auf der Lauer lag. Allerdings war das besser als zu riskieren, dass sich eine verirrte Kugel noch ein neues Ziel suchte und am Ende noch einen der anderen Schüler traf.

„Ich würde ja gerne mal wissen, was du damit bezwecken willst“, brummte ich leise und trat zwischen die Bäume. Wachsam lauschte ich und versuchte meine Schritte so leise wie möglich zu setzen.

Dann hörte ich wieder ein leises Zischen und versteckte mich schnell hinter einem Baum. Die Kugel war von schräg links gekommen, also von weiter drinnen. Und da Train anscheinend zwischen den ganzen Bäumen hindurch gut gezielt hatte, konnte ich mir in etwa ausrechnen, wo er sich gerade aufhielt. Die Bäume als Schutz nehmend lief ich in schnellem Zickzack, wenn auch mit recht unregelmäßigen Hacken, immer näher auf die Stelle zu, wo ich Train vermutete. Tatsächlich sah ich dann ein Stück weiter vorne kurz einen Schatten und änderte augenblicklich die Richtung. Wäre doch gelacht, wenn ich ihn nicht einholte.

Plötzlich jedoch hörte ich neben mir ein Geräusch und wollte noch zur Seite springen, doch ich blieb mit dem Fuß an einer Baumwurzel hängen. Da ich nun auch noch vollkommen aus dem Gleichgewicht gekommen war, konnte ich nicht mehr verhindern, dass Train mich plötzlich am Hals packte und gegen den Baum neben mir drückte. Und das geschah hart und gnadenlos.

Ich blickte in seine finsteren Augen und versuchte einigermaßen ruhig zu atmen, doch Train schnürte mir die Luft ab. Mann ey, das tat weh, verdammt! Allerdings schien er schon gemerkt zu haben, dass das lange Klappmesser in meiner Hand seinem Bauch gefährlich nahe war.

„Komm mir nicht in die Quere“, sagte Train dennoch drohend, „Ich töte jeden, der mir im Weg ist, also halt dich von mir fern.“

Ich verzog das Gesicht, als er noch etwas fester zudrückte. „Das würde ich ja gerne, aber da wir diese Mission gemeinsam erledigen müssen, werden wir zumindest dort zusammen arbeiten müssen. Und könntest du aufhören mich zu erwürgen? Dann ist es etwas leichter für mich mit dir zu re.. den...“ Ich bekam langsam wirklich keine Luft mehr.

„Muss ich dir erst zeigen, was mit denen passiert, die mich unterschätzen?“, fragte Train und drückte noch fester zu.

Ich verzog nun endgültig das Gesicht. Verfluchte Scheiße, jetzt war mir wirklich alles egal! Ohne vorher in irgendeiner Weise auszuholen trat ich kräftig zu und stieß Train von mir weg. Er stolperte zurück, während ich unsanft auf dem Boden landete und erstmal hustender Weise nach Luft schnappte. Ich hielt meinen Hals und war mir dabei ziemlich sicher, dass ich da kräftige Abdrücke von seinen Händen bekommen würde. Vielen Dank auch! Jeder andere hätte in meiner Situation wohl geschrien oder zumindest alles getan oder gesagt, was Train verlangte. Doch ich war nicht der Typ Person, der sich geschlagen gab, nur weil jemand sich darauf verstand einem Angst zu machen. Lieber würde mir selbst eine Kugel verpassen als mich seinem Willen beugen.

Als ich aufsah, war Train bereits verschwunden. „Der hat doch wohl ein Rad ab“, krächzte ich und atmete erleichtert auf. Dabei tat mein Hals zwar weh, doch ich bekam immerhin wieder Sauerstoff.

Die Mission schien ja noch besser zu werden, als ich es ohnehin schon geahnt hatte. Halleluja, was war ich doch vom Glück gesegnet.

 

Freitag hatte ich am Morgen noch ganz normal Unterricht, denn die Mission startete erst am frühen Abend. Das war mir nur recht, denn so konnte ich die Tatsache, dass ich mit einem ruchlosen Killer auf eine Mission gehen musste, der scheinbar am liebsten auch mich umbringen wollte, noch etwas länger verheimlichen. Zumindest wollte ich Anja nicht unnötig beunruhigen. Mir selbst bereitete das schon genügend Unbehagen.

Nach dem Unterricht ging ich allerdings in mein Zimmer und holte die Klamotten aus meinem Schrank, die anscheinend für Missionen gedacht waren. Die lange schwarze Hose und die ebenso pechschwarze Bluse waren viel zu schlicht, wie ich fand, doch ich zog beides an. Zu meinem Erstaunen passten sie genauso gut wie meine Schuluniform. Die Direktorin hatte wirklich umfangreiche Nachforschungen über mich angestellt, bevor sie mich hatte herkommen lassen. Allerdings hoffte ich, dass Mrs Allison trotz allem nicht zu viel über meine Vergangenheit wusste, denn das wäre etwas blöd für mich.

Zum Schluss zog ich mir noch den langen, lavagrauen Mantel über, den ich schon bei Train gesehen hatte. Dass das Grau im Prinzip genau so dunkel wie schwarz war, fand ich natürlich sehr toll. Andere Farben kamen hier für einen Auftrag wohl nicht in Frage. Hatte ich schon erwähnt, dass das einfach nur langweilig und geschmacklos war? Wenn nicht, tat ich es hiermit. Was das anging, hatte ich es früher besser gehabt. Da hatte mir niemand vorgeschrieben, was ich anziehen sollte.

„Hmm.. aber ich lasse die Zeit vor dieser Akademie wohl vorläufig besser ruhen...“, murmelte ich und stellte den Kragen des Mantels auf. In gut zehn Minuten sollten Train und ich uns am Tor treffen, um uns auf den Weg zu Gustav Hinrens Villa zu machen. Seufzend verließ ich mein Zimmer und schritt durch die Korridore. Um diese Uhrzeit war kaum einer der Schüler hier unterwegs, von daher brauchte ich mir keine Gedanken darüber zu machen, ob ich verheimlichen wollte, dass ich auf Missionen ging, oder nicht. Denn die Antwort wusste ich selber nicht so ganz.

Pünktlich kam ich am Tor an, wobei die schwarze Schirmmütze meine orangenen Haare zum größten Teil verdeckte, doch von Train fehlte jede Spur. Ich war mal wieder sehr erbaut.

„Super, ist er schon vorgegangen oder was?“ Als ich mich gerade umsah, erblickte ich etwas weiter hinten zwischen den Bäumen Train, der gerade kurz Anlauf nahm und mit nur einem Satz über die hohe Mauer samt ihren eisernen Stacheln flog. Dann war er schon im Wald hinter der Mauer verschwunden.

„Wirklich sehr freundlich“, seufzte ich nur und schritt aus dem Tor. Dieses Mal sahen die Wärter mich mit Respekt an und nicht so als wäre sie ein lästiges Insekt, das man am liebsten entfernen wollte. Das war so typisch für solche Männer, ich musste schon fast lachen. Stattdessen griff ich aber in die Innentasche meines Mantels und holte mein Handy heraus.

Als Train um halb acht den schmalen Feldweg zur Villa hinauf kam, lehnte ich an einem der Bäume und schien zu dösen. Sobald er näher kam, sah ich ihn jedoch an und stöhnte, während er mich wie üblich finster ansah.

„Mein Italienisch reicht gerade noch so weit, dass ich mir ein Taxi bestellen kann“, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, „Tut mir ja leid, dass ich dich belästige, aber umso schneller wir das hier hinter uns bringen, umso schneller trennen sich unsere Wege wieder und wir sind beide glücklich. Also würdest du dir deine bösen Blicke bitte für ein andermal aufheben und...“

„Du willst wohl unbedingt sterben“, stellte Train tonlos fest.

„Mal abgesehen davon, dass jeder irgendwann mal stirbt, hatte ich dies nicht so bald geplant“, erwiderte ich einigermaßen gelassen, „Zumindest nicht bevor ich mein Ziel nicht erreicht habe. Danach ist es mir ziemlich egal, aber bis dahin werde ich definitiv am Leben bleiben.“

„Dann solltest du aufhören, dich mit mir anzulegen“, sagte Train und seine Stimme schien mit jedem Wort drohender zu werden.

Ich seufzte zum keine Ahnung wievielten Mal an diesem Tag. Er wollte es einfach nicht kapieren. „Ich lege mich nicht mit dir an, sondern ich rede ganz normal mit dir“, sagte ich und machte mich langsam auf den Weg in Richtung Villa, „Du bist der, der mir nie zuhört und die ganze Zeit versucht mich umzubringen.“

Ich spürte Trains tödliche Blicke im Rücken und verkniff mir ein erneutes Stöhnen. Umso schneller ich hier fertig war, umso schneller entkam ich diesem unangenehmen Blick. Also Augen zu und durch.

Ich kam langsam an das Ende des Feldweges und versteckte mich hinter einigen Bäumen am Rande der kleinen Lichtung. In gut sechs Metern Entfernung stand die Villa von Gustav Hinren und soweit ich es sah, waren die Überwachungskameras alle samt eingeschaltet und aktiv. Egal wo wir raus kamen, jeder noch so kleine Schritt von uns würde sofort gefilmt werden und höchstwahrscheinlich einen Alarm auslösen. Als ich mich gerade zu Train umdrehen und ihn fragen wollte, ob wir unauffällig oder überraschend in die Villa eindringen sollten, hatte dieser bereits seinen Revolver erhoben. Fünf Schüsse klangen in der Luft und eine Kamera nach der anderen, die auf den Eingang gerichtet waren, wurde von einer Kugel zerstört. Noch bevor ich bis drei gezählt hatte, war Train bereits an der Eingangstür und verschwand in der Villa.

„Heiliger, warte gefälligst du Wildfang!“ Ich kam aus meinem Versteck hervor und rannte ihm hinterher. Obwohl ich nun wirklich nicht langsam war, konnte ich Train nicht mehr sehen. Ich konnte nur der eindeutigen Spur folgen, die er hinterlassen hatte.

Erstens waren alle Videokameras in diesem Korridor nur noch Schrott und zweitens lagen in beinahe regelmäßigen Abständen Männer in Uniformen am Boden. Alle hatten irgendwo eine Kugel im Körper stecken und Blut befleckte ihre Anzüge. Und auch wenn ich mir nicht sicher war, ging ich davon aus, dass keiner der Männer noch lebte. Train war wirklich ein ruchloser Killer, der jeden umbrachte, der ihm in den Weg kam. Das war wortwörtlich zu nehmen, wie mir jetzt mit Schrecken klar wurde.

„So langsam kann ich die anderen verstehen“, murmelte ich leise und atmete tief ein, auch wenn der Geruch von Blut in der Luft hing und mich ein wenig das Gesicht verziehen ließ. Das hier kam einem schrecklichen Alptraum gleich. Die Art Traum, aus dem jeder so schnell wie möglich wieder erwachen wollte. Nur war das für mich natürlich unmöglich. Für mich war das hier die pure Realität.

Als ich meine Augen wieder öffnete, hatte ich mich wieder vollständig gefasst. Ich schoss wie vom Katapult abgeschossen los und rannte durch die Gänge der großen und weitläufigen Villa. Ich wusste genau, wo das Arbeitszimmer von Gustav Hinren war, und ich wusste auch, dass Train genau dorthin unterwegs war. Tatsächlich hörte ich schon bald fast im Sekundentakt Schüsse. Es gefiel mir ganz und gar nicht, dass er jeden erschoss, der ihm vor den Lauf kam, doch es stand mir nicht zu, mich darüber zu beschweren. Schließlich waren wir Auftragsmörder und uns kümmerten die ethischen Grundsätze eigentlich nicht.

Als ich dann jedoch den angstvollen Schrei eines kleinen Mädchens hörte, weiteten sich meine Augen schlagartig. Im nächsten Moment sprang ich durch die Tür zu einem der Räume und sah gerade noch, wie Train seinen Revolver auf ein kleines, vielleicht fünfjähriges Mädchen richtete, das mit Tränen in den Augen vor ihm stand und ihn total verängstigt anstarrte. Es wagte noch nicht einmal mehr erneut zu schreien.

„NICHT!“, schrie ich entsetzt.

Doch Train schoss, aber er verfehlte sein Ziel. Mir war es im letzten Moment noch gelungen das kleine Mädchen zu packen und mit mir zu reißen. Die Landung war zwar äußerst unsanft, ich stieß mit meiner Schulter gegen eine Kommode und verzog das Gesicht, doch ich war froh, dass ich es noch rechtzeitig geschafft hatte.

Train sah mich missbilligend an und richtete seinen Revolver erneut auf das Mädchen in meinen Armen.

Noch bevor er aber schießen konnte, stand ich schon wieder auf den Füßen und vor dem kleinen Mädchen. Ich war vollkommen außer mir vor Wut. „HAST DU SIE NOCH ALLE?!“, fragte ich und meine Hand zuckte immer wieder zu dem Revolver, der in meiner Tasche steckte, „Das hier ist ein KIND! Ein wehrloses, kleines MÄDCHEN!“

Train sah mich einen Augenblick lang so finster an, dass jedem anderen wohl das Blut in den Adern gefroren wäre, dann war er schon aus der Tür verschwunden.

Ich ballte meine Hand zu einer Faust und hätte am liebsten etwas zertrümmert und in seine Einzelteile zerschlagen. Ich hasste es! Wenn es etwas gab, dass ich absolut nicht ausstehen konnte und auf das ich augenblicklich mit einem extremen und vor allem lang anhalten Wutanfall reagierte, dann war es das Bedrohen von hilflosen Kindern. Darauf reagierte ich allergisch. Das war für mich noch schlimmer als die Pest, das war schlimmer als alles andere.

„Milly! Milly?“, war auf einmal die verunsicherte Stimme einer Frau zu hören, „Milly wo steckst du?“ Als die Frau, anscheinend das Kindermädchen, den Raum betrat, sah sie mich erschrocken an, die ich noch immer vor dem vollkommen verängstigten Mädchen stand, das inzwischen angefangen hatte zu weinen.

„Verstecken Sie sich und das Mädchen und kommt in der nächsten Stunde nicht mehr raus“, sagte ich lediglich und verließ den Raum ebenfalls.

Ich folgte einfach den Leichen der Wachmänner und Bodyguards und kam so recht schnell beim Arbeitszimmer an. Dort stand Train gerade dem Mann gegenüber, den wir bereits auf dem Foto gesehen hatten. Gustav Hinren. Er hielt die Hände hoch und stotterte irgendetwas Unverständliches, doch Trains tödlicher Blick hatte ihn bereits erfasst. Zielsicher würde er ihn erlegen, wie ein Jäger das Wild.

Als ich in der Tür zum Arbeitszimmer erschien, sah Gustav Hinren mich erschrocken an. Dann wurde sein Blick jedoch flehend und er kam auf mich zu gelaufen. Die Arme nach mir ausgestreckt, als würde er glauben, dass ich ihn retten würde. Mein von zurückgehaltener Wut erfüllter Blick ruhte jedoch auf Train, der in dem Moment den Abzug betätigte. Gustav Hinren fiel mit einem Stöhnen zu Boden und blieb reglos liegen. Er war augenblicklich tot und sein weißer Anzug sog sich am Rücken mit Blut voll. Vielleicht war er einmal sehr teuer gewesen, doch nun war die schöne, weiße Farbe hinüber.

„Warum hast du nicht geschossen?“, fragte Train kalt.

„Wieso sollte ich? Du hättest ihn doch noch vor mir umgebracht“, erwiderte ich und meine Stimme wurde langsam so finster, dass sie der seinen glatt Konkurrenz machte, „Genauso wie du fast ein unschuldiges Kind getötet hättest.“

„Sie ist eine Zeugin“, sagte Train, „Und Zeugen müssen genauso eliminiert werden wie unsere Zielpersonen.“

„Aber doch keine KINDER!“, erwiderte ich aufgebracht.

„Kinder sind genauso Zeugen wie Erwachsene“, widersprach Train jedoch und seine bernsteinfarbenen Augen wurden schmal, „Sie können uns genauso verraten wie es die Erwachsenen können, deshalb müssen wir beide ausschalten.“

„Du bist der widerwärtigste Mensch, der mir je begegnet ist“, sagte ich und meine Stimme war bedrohlich ruhig, „Besitzt du überhaupt so etwas wie ein Herz? Oder gar Gefühle?“ Eine unbeschreibliche Wut kochte in mir. Dieses Gefühl vermochte ich noch nicht mal zu beschreiben, doch umso länger ich mit Train redete, umso stärker wurde es und umso schwieriger wurde es für mich, meine unbändige Wut im Zaum zu halten.

„Ein Herz und Gefühle hindern am makellosen Ausführen einer Mission und sind deshalb unnötig“, erwiderte Train tonlos.

„Weißt du was? Du klingst wie eine Maschine“, sagte ich und wegen der heftigen Emotionen, die in mir tobten, standen mir beinahe schon Tränen in den Augen, „Wie eine Maschine, die man programmiert hat und die nicht ein bisschen von den Befehlen abweicht, die man ihr gegeben hat. Egal was auch passiert, sie macht das, zu was man sie programmiert hat.“

„Wir sind Auftragsmörder und unser Job ist es Leute umzubringen“, sagte Train mit eiskalter Stimme, „Wenn du das nicht kannst, hast du dir den falschen Beruf ausgesucht.“ Damit ging er einfach an mir vorbei und verließ das Arbeitszimmer.

Ich hatte schon gesehen, dass niemand in diesem Haus überlebt hatte. Selbst eine Frau mit schickem Kleid und teurem Schmuck hatte tot auf dem Boden gelegen. Soweit ich sie noch erkannt hatte, war sie die Frau von Gustav Hinren gewesen. Nun waren beide tot.

Ich ballte die Fäuste zusammen und schrie vor Wut laut auf. Das ganze Haus schien unter meinem Schrei zu beben, doch es gab niemanden mehr, der hören konnte, wie ich versuchte meiner Wut und Verzweiflung Luft zu machen. Alles war still. Totenstill.

Heute wurde mir klar, was dieses Wort wirklich bedeutete. Absolute Stille.

 

Als sich einige Stunden später Polizeisirenen der Villa von Gustav Hinren näherten, wobei man die Villa wohl inzwischen mehr als ein Grab bezeichnen konnte, ging ich gerade durch den dichten Wald. Es war noch ein ganzes Stück Weg bis zur Akademie, doch das war mir egal. Mein Pager hatte bereits mehrmals gepiept, doch auch das war mir egal.

„Verdammt.“ Der leise Fluch hing einige Sekunden lang in der Luft.

Etwas weiter rechts raschelte es in einem Gebüsch und ein leichter Wind versuchte einige Blätter zum Spielen aufzufordern. Der Klang von meinen leisen Schritten war das Einzige, was nicht in diese Nacht gehörte. Aber auch dies war mir egal.

Diese erste Mission war schlechter gelaufen als meine schlimmsten Befürchtungen. Besser gesagt hatte sich das schlimmste Szenario abgespielt, das es für mich gab. Ich hasste es. Normalerweise hatte ich mit meinem Beruf kein Problem, schließlich hatte ich ihn selbst gewählt. Doch wenn Kinder in die Sache hineingerieten, weil der verdammte Schicksalsgott sie nicht davor bewahrt hatte, hasste ich meinen Job. Noch mehr verachtete ich jedoch Train. Wie konnte er so herzlos sein? War er überhaupt menschlich? Zum Schluss hatte ich wirklich fast das Gefühl gehabt einer Maschine gegenüber zu stehen. Seine Antworten klangen so, als hätte ihm das jemand vor langer Zeit eingeredet. Es klang so, als wären sie für Train absolut. Die Regeln für seine Welt.

Ich rammte meine Faust gegen einen Baum. Was war nur los? Erst diese Akademie, die viel zu viele ungelöste Fragen aufwarf und deren Schulleiterin mir irgendwie verdächtig vorkam. Dann noch die Schüler, von denen ich vielleicht drei Prozent für fähig hielt den Job als Auftragsmörder auszuführen. Und zu Letzt noch Train, der der gewissenloseste Killer war, der mir jemals über den Weg gelaufen war. Dabei kannte ich einige, die auch alles andere als zimperlich gegenüber von Zeugen waren. Doch Train übertraf sie alle. Es war so, als wäre er einzig zum Töten erzogen worden. Es war furchteinflößend. Ich verstand nun, warum keiner Trains Partner werden wollte. Unter Garantie sahen alle Schauplätze von Trains Missionen hinterher aus wie ein Massengrab.

Ich blieb stehen und blickte zwischen den dicht belaubten Ästen hindurch in den dunklen Nachthimmel. Hier draußen, fernab von den hellen Lichtern der Stadt, waren die Sterne um einiges heller als ich sie in Erinnerung hatte. Auch der Mond strahlte in seinem silbernen Licht hoch oben am Himmel. Unerreichbar für jeden, der hier unten auf der Erde stand und seine Hände nach ihm ausstreckte. Wie ein stiller Beobachter, der keine Tränen vergoss, egal was auch geschah. Es konnten Kriege vergehen, wir Menschen konnten leiden und sterben, doch der Mond würde trotzdem nur unberührt von allem weiter seinen Blick auf die Erde richten. War das nicht irgendwie schon fast unglaublich?

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Hörbuch

Über den Autor

SilverRose
Tjaaa.. eigentlich ich bin mehr eine Einzelgängerin und eine komlette Tagträumerin dazu xD
Aber ab und an bin ich auch gerne unter Leuten, wobei es mir etwas an Gesprächsstoff fehlt, es sei denn es geht ums Schreiben und meine Geschichten. Da kann ich tagelang drüber reden :P
Allerdings möchte ich hier auch mal zu meinen Geschichten anmerken, dass sie wirklich lange Stories sind, die sich über einen längeren Zeitraum erst richtig entwickeln und daher auch gut und gerne zwischen zwanzig bis vierzig Kapitel mit unterschiedlichen Längen varieren. Sie sind nichts für Leute, die nur gerne kurze Happen lesen, sondern mehr für die, die auch im normalen Buchladen gerne mal zu einem drei - bis vierhundert-Seiten-Wältzer greifen. Sorry, aber kurz schreiben ist nicht gerade meine Stärke. Wenn ich das versuche, werden sie am Ende nur umso länger xD
(Auch wenn ich ja mittlerweile auch wenigstens ein paar Kurzgeschichten zum Reinschnuppern in meinen Schreibstil habe :P)
Und (der Ordnung halber) die erste Interviewfrage hier oben: Welche Geschichten hast du bisher schon verfasst?
Hm, das sind mittlerweile so einige...meine abgeschlossenen sind der Reihenfolge nach:
Meine abgeschlossenen Manuskripte sind der Reihenfolge nach:
1.1) Das Geheimnis der Federn: Die Wächterinnen der Federn;
1.2) Das Geheimnis der Federn: Der Kampf gegen die Finsternis;
2) Kyra: Die Wahl zwischen Licht und Finsternis;
3) Scarlett und das Geheimnis von Avalon;
4.1) Kampf der Geister: Vertrag;
4.1) Kampf der Geister: Geschwister der Dunkelheit;
5) Das verlorene Buch;
6) Silver Rose: Das Gesetz der Killer;
7) Der Schlüssel zum Tor der Feuergeister;
8) Reinblut & Halbblut;
9) Die Wächterin von Reilong;
10) Die letzte Zauberin;
11.1) Juwelenritter: Das vergessene Jahr des Blutes;
11.2) Juwelenritter: Die sieben Höllenfürsten;

Meine noch laufenden Geschichten (auch wenn ich nicht weiß, ob und wann ich es schaffe sie zu beenden) sind:
11.3) Juwelenritter: Dämonenherz (aktiv)
12) Bund mit dem Tod (neu - auf Standby)

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Gast das buch ist einfach unglaublich spannend du musst unbedingt weiter schreiben!!! ich habs an einem stück durchgelesen und konnte gar nicht mehr aufhören. Hut ab, nur dummerweise hab ich keinen da. ; )
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Wow - Hammer. Ich warte auf eine Fortsetzung ;)
Vor langer Zeit - Antworten
Montag Gesetz der Killer - Gut und interessant geschrieben. Prima gemacht. Die Seitenzahl 117 irritiert, es sind 33 gut geschriebene Seiten eines spannenden Krimis.

Ich wünsche dir viel Erfolg.
MfG Montag
Vor langer Zeit - Antworten
MamaBobo Habe mir mal - ein Lesezeichen gesetzt, gefällt mir auf den ersten Seiten gut. Die Szene mit dem BND-Agenten ist gut beschrieben, man konnte die Action nachvollziehen.
Vor langer Zeit - Antworten
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