Kurzgeschichte
SEELIGMANNS PARADIES DER VOLLKOMMEN SINNLOSEN DINGE - Eine deutsche Geschichte

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"SEELIGMANNS PARADIES DER VOLLKOMMEN SINNLOSEN DINGE - Eine deutsche Geschichte"
Veröffentlicht am 06. September 2011, 114 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Marc Chagall
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Über den Autor:

"I've gazed into the abyss and the abyss gazed into me, and neither of us liked what we saw." Brother Theodore
SEELIGMANNS PARADIES DER VOLLKOMMEN SINNLOSEN DINGE - Eine deutsche Geschichte

SEELIGMANNS PARADIES DER VOLLKOMMEN SINNLOSEN DINGE - Eine deutsche Geschichte

Seeligmanns Paradies der vollkommen sinnlosen Dinge - Eine deutsche Geschichte

Seeligmanns Paradies der vollkommen sinnlosen Dinge befand sich in einem der ältesten Viertel der Stadt, am Wendeplatz einer verwinkelten Gasse, direkt neben der dickbauchigen Kirche des Heiligen Benedikt, dort wo die Häuser eng aneinander geschmiegt auf den Bürgersteigen dösten - windschief und wie aus einer anderen Zeit gefallen. Das große Menschenfressen lag vier Jahre zurück, doch hätten es tausend oder mehr

sein können, soweit schien alles entfernt; so schemenhaft, so verblasst, wie ein böser Traum oder ein abscheulicher Spuk. Ich war zehn Jahre alt. Was verstand ich schon? Nur das, was ich gelegentlich aufschnappte, hier und da eine Bemerkung, nichts Konkretes. Alles beizeiten im Nebel der Ausflüchte gestrandet. Inmitten der Stadt waren noch die Narben des Krieges zu sehen, tiefe Schründe, die Bomben und Granaten in die Häuser und Straßen gerissen hatten. Dort, inmitten des sich neu organisierenden Lebens, standen immer noch einige Kriegsruinen, ragten in den Himmel, zerfetzt und rauchgeschwärzt, wie Eingeweide, die ein tollwütiger Teufel aus einem kranken Leib gerissen hatte.

Militärjeeps patrouillierten dazwischen. Kräftige Männer in Uniformen scharwenzelten um die deutschen Mädchen herum, lachten mit blendend weißen Zähnen, verteilten Chewing Gums oder Lucky Strikes und schienen das Leben, das Überleben, nach Kräften zu genießen. Das allerdings, was der bleierne Regen, der Sturm eines höllischen Feuers, im Verborgenen getan hatte, tief drunten in einem Winkel der vordem so stolzen Herzen, war nicht im gleichen Maße augenfällig. Kein Wort darüber. Nicht über das, was im hellen Licht des Tages und vor den Augen aller geschehen war. Sie, die Überlebenden, sprachen vom Hunger, den sie erlitten hatten, vom Kampf ums Dasein in

einer Welt, die aus den Fugen geraten war, vom Verlust der Heimat, der teuren, drüben, im Osten vorrangig; doch das Andere, das Unfassbare, das Unsagbare, blieb versiegelt. Begraben hinter den Lippen derer, die dabei gewesen: Hakenkreuzschmierer, Mitmarschierer, „Heil“-Rufer, erst recht die große Gruppe derer, die einfach nur keine Schwierigkeiten bekommen wollten. Sie hatten, so schien es, einen Pakt geschlossen, ein Stillhalteabkommen mit dem eigenen Gewissen. Der Blick war nach vorn gerichtet, auf die Zukunft, auf das unbefleckte Land, das, nach all dem Schlachten, Hungern, Jammern, Wehklagen, wie eine Vision des himmlischen Jerusalems erstrahlen sollte. Die Trümmer wurden beiseite geräumt, die

Fahnen eingeholt, die alten Insignien entsorgt, eingeschmolzen oder als Souvenirs verhökert. Was machte es da für einen Sinn, den Blick auf die Toten zu richten. Die Toten, diese „teuren Toten“, würden nicht wiederkehren. Niemals. Soviel stand fest. Doch einer, den sie gewiss nicht mehr erwartet hatten, ein leibhaftiger Toter (kein teurer allerdings), ein ausgemergelter Leichnam, der durch die sieben Ringe der Hölle mäandert war, kehrte dennoch zurück; auf blutigen Füßen humpelnd, einen alten Kartoffelsack wie eine tote Ziege hinter sich her schleifend, an einem nebelverhangenen Sonntagmorgen im Januar ‘47. Er kam zurück in die Stadt, in der seine Familie gelebt hatte,

über Generationen hinweg. Geachtet, wenn auch nicht von jedermann geschätzt. Geduldet, wenn auch nicht wirklich geliebt. Er kam zurück in jene Stadt, in der nun, nachdem das Reich, nicht aber dessen Geist, im Feuer vergangen war, keiner mehr lebte, der seinen Namen trug, und keiner, der seinem Gott, dem zornigen alten Jahwe, den gebührenden Respekt gezollt hätte. Eine silbern schimmernde Kugel aus Messing, groß wie ein Kürbis, hing über dem Eingang zu „Seeligmanns Paradies für Ramsch und Dinge aller Art“ - so stand es auf einem emaillierten Blechschild neben der Tür, in dick gemalten, ein wenig ungelenk aufmarschierenden Buchstaben. Den Sinn der

Kugel vermochte niemand zu entschlüsseln. Vermutlich besaß sie keinen, und wenn, dann behielt Seeligmann das Geheimnis für sich. Der hölzerne Türrahmen war verzogen und befand sich etwas unterhalb des Straßenniveaus, sodass man zwei Stufen hinabklettern und sich dann vorsichtig bücken musste, um die stets klemmende, aus rohen Brettern gezimmerte Pforte zu durchschreiten. Drinnen herrschte sommers wie winters ein fadenscheiniges Dunkel. Inmitten zigtausender Papiere - Bücher, Zeitungen, Postkarten, Pergamente – hockte, tagein, tagaus, stumm und nahezu reglos, ein rotnasiger, übellauniger Buddha: der Jude Seligmann - nicht als Herr, sondern vielmehr als ein Teil der unüberschaubaren Menge an

Gerätschaften, die dort zu verhandeln waren. Viel gab es zu entdecken, Dinge, die einstmals wohl einen Nutzen besessen hatten, und die nun, im „Paradies“, zu Objekten frei jedweder sinnvollen Verwendung degradiert waren, beraubt ihres ursprünglichen Zwecks und der Anwendung, der sie einstmals treulich gedient hatten. Spülwannen sah man dort und Plattenhalterungen, kleine Schaufelräder, Handbrausen, Waschbretter und Jakobsmuscheln aus Porzellan, Schallplatten, ein Orchestrion, Lampengehäuse, Standuhren, Brummkreisel, mechanische Rechenmaschinen, einen ausgestopften Fuchs (räudig), Leiterwagen, Milchkannen, Fahnen, Wimpel, Springspreizen, Ablagekörbe, Fäustel, Kompottschalen,

Spargelheber, Telefon-Wählscheiben, Mikrofone, Volksempfänger, Fockschotklemmen, Ofenrohrkrümmer, Schaukelstühle, Matrosenanzüge, Postkarten, Ölgemälde (gerahmte wie ungerahmte), eine fein gebundene Ausgabe der Werke Goethes, eine zerfledderte, vermutlich den reinigenden Flammen entgangene von Heines „Wintermärchen“, ein Kruzifix mit dem Heiland aus Messing (dem der linke Arm fehlte, sodass er nun wirkte, als ob er am Kreuz hängend den Hitler-Gruß vollführe), Wäscheklammern, Gartenschläuche und tausenderlei Dinge mehr. Sie standen, lehnten, hingen auf Stühlen und Regalen, Nachtschränken und Kartoffelkisten, wurmstichigen Weinfässern und Vitrinen,

hinter Glas, Papier, Pappe, und was sonst noch so zur Hand gewesen war. Nichts davon ließ auf eine systematische Ordnung schließen, die dem Kunden Orientierung geboten hätte. Dort waren Schaufelräder neben Abflusshähnen, Spitzhacken neben Federkielen, Stupfbürsten bei Cognac-Flaschen, Bremshebel und Fechtmasken, Langschilde und Kornzangen – allesamt in wildester Unordnung, so als hätte ein gewaltiger Sturm all den Ramsch durch die Türe gefegt und ein jedes wäre an dem Platz liegengeblieben, auf den es vorzeiten gefallen war. Für immer. Und immer. Und ewig. Alles, was dort feilgeboten wurde, gab es in anderen Geschäften ebenfalls, fein sortiert und wohlgestalt den Blicken des Publikums

dargeboten, neu oder doch neuwertig, mit guter Beratung, zu vernünftigen Preisen. Kein Mensch hatte einen Grund bei Seeligmann zu kaufen, denn Seeligmann, der Jude Seeligmann, verachtete seine Kundschaft. Nie hörte man ein freundliches Wort von seinen Lippen. Undenkbar, dass er dem Eintretenden auch nur die Ehre seiner Aufmerksamkeit erwiesen hätte, dienstbeflissen, wie es bei Krämern seit alters her Sitte ist. Nichts davon. Jedes Mal, wenn die Türglocke schellte, warf er einen Blick über die ovalen Gläser der Brille, feindselig und voller Abscheu, so als habe man ihn, den Ladeninhaber, bereits durch das simple Eintreten geradezu persönlich beleidigt. Er blieb einfach sitzen, abwartend, lauernd, ein kleiner, mittlerweile

recht korpulent gewordener Herr mit einem mächtigen weißen Bart, gehüllt in einen Gehrock aus dunklem Stoff, an den Füßen blank gewienerte schwarze Schuhe, auf dem Kopf einen breitkrempigen Hut von ebendieser Farbe, unter dem die Stirnlocken grau wie die Tentakel eines toten Oktopoden hervorquollen. Man hätte annehmen dürfen, dass seine Geschäfte mühsam und wenig einträglich seien, doch war genau das Gegenteil der Fall. Es schien, als kämen die Leute, um einen Teil ihrer Schuld abzutragen, bei ihm, dem Juden. Es schien, als erhofften sie vom alten Seeligmann eine Geste des Verzeihens, oder besser: des nachsichtigen Verstehens. Was hätten wir denn tun sollen? Was hättest du an unserer Stelle getan, Seeligmann? Wir sind

keine Helden, wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, mit all der Gleichmut und all der Feigheit, zu der Menschen, sicher geborgen im Rudel der Wölfe, imstande sind. Doch Seeligmann verzieh nicht, und er wollte auch nicht verstehen. Konnte nicht verstehen. Er war der Stachel in ihrem Fleisch, der sichelnasige Geist der vorherigen Weihnacht. Er konnte in sie hineinblicken, die stummen, fast flehenden Worte hören, auch wenn sie stets unausgesprochen blieben. Die meisten derer, die kamen, manche nur einmal im Monat, andere fast täglich, hatten seinen Vater noch gekannt, auch die Mutter. Ihre verfluchten Ohren hatten die Schreie gehört, als die Mitglieder der Familie abgeholt und auf Lastwagen verladen worden waren, Bündeln

abgetragener Kleider nicht unähnlich. Nun waren sie fort, die Israeliten, in Rauch aufgelöst, zu Knochenstaub vermahlen. Nur er, Seeligmann, ausgerechnet er, der nach dem Krieg aus Gründen, die sich der Kenntnis des Chronisten entziehen, zum christlichen Glauben übergetreten war, konnte auf wunderliche und kaum zu begreifende Weise dem Herz der Finsternis entrissen werden und kehrte zurück an den Ort ihrer ewigen Schande und den Altar seiner nicht minder währenden Genugtuung. Kein anklagendes Wort kam je über seine Lippen, nicht ein einziges. Kein ausgestreckter Finger wies auf die Stirn eines Schuldigen – und derer waren viele! Nichts von alledem. Es schien, als genügte es ihm, das Feuer in den

unbefriedeten Seelen am Lodern zu halten, um seiner Rache die Nahrung zu geben – und seinen heulenden, jaulenden Alpträumen die Tiefe. Meine Eltern gingen nicht zu Seeligmann. Sie waren erst nach dem Krieg in die Stadt gezogen. Vielleicht entband sie das der Notwendigkeit, Buße zu tun. Oder sie besaßen nicht die geeigneten Sünden für diese Art von Läuterung. Für uns Jungen hingegen war das „Paradies“ ein herrlich verlockender Ort, ein Shangri-La, das es zu entdecken galt, angefüllt mit den absonderlichsten, kuriosesten, Neugier und Fantasie gleichermaßen anregenden Dingen – und das, obwohl allgemein bekannt war, dass

Seeligmann Kinder nicht ausstehen konnte. Buben und Mädchen sind jedoch wie die Katzen, die sich zielstrebig auf dem Schoß desjenigen zusammenrollen, der sie am wenigsten leiden mag. Noch unschuldig genug, um zu glauben, dass so etwas nicht möglich sei, noch selbstbewusst genug, sich über die schnöde Wahrheit hinwegzusetzen. Eines Tages standen wir also, dieser unabänderlichen Logik folgend, nur partiell gewaschen, aber frohen Mutes zu dritt in seinem Laden: Seppl, mein bester Freund, Ecki, mein kleiner Bruder, und ich, Heinz, den sie damals Heiner nannten. Der Blick, den Seeligmann uns zuwarf, oder besser: auferlegte, schien nicht einmal verwundert, nicht wirklich, nur ein wenig irritiert vielleicht

von der Chuzpe, mit der wir es gewagt hatten, vor ihn, den Gott der sinnlosen Dinge, hinzutreten. Er legte die Zeitung, in der er gelesen hatte, mit umständlicher Sorgfalt beiseite, griff sich in den Bart, neigte den Kopf und musterte uns der Reihe nach, in Erwartung dessen, was nun kommen würde. Seppl stupste mich an. Vorausschauend hatten wir, vor Betreten des Ladens, Einigkeit darüber erzielt, wer die geschäftlichen Konsultationen zu führen hatte. Alle waren der Überzeugung gewesen, dass ich, als der Sohn eines Steuerbeamten (Gehobener Dienst), am besten dafür geeignet sei. „Los, frag schon.“ „Ich frag ja.“ „Ich hör aber nichts.“ „Dann wasch dir die Ohren.“ „Du traust dich nicht.“ „Ich trau mich wohl.“ „Dann frag jetzt.“ „Ich

frag, wenn’s mir passt.“ „Ihr Tölpel“, sagte Seeligmann, nicht unfreundlich zwar, aber dennoch mit Überzeugung. „Ihr elenden, sauerstoffstehlenden Tölpel.“ „Zwei Groschen“, entgegnete ich, in der festen Überzeugung, dass es meine Verhandlungsposition stärken würde, auf seine Beleidigungen nicht weiter einzugehen. Denn dass es Beleidigungen waren, die er da ausstieß, daran zweifelte ich keinen Moment, auch wenn ich den Sinn der Worte nicht wirklich verstand. „Was bekommt man für zwei Groschen.“ Der Alte starrte mich an, als hätte ich mich nach dem Preis der Welt erkundigt. „Bist du meschugge? Fragst mich, was du für zwanzig

Pfennige bekommst? Die Luft hier drinnen ist pro Atemzug mehr wert als deine lächerlichen zwanzig Pfennige!“ „Nein“, sagte ich im Brustton der Überzeugung. „Die Luft zum Atmen ist frei. Dafür darf man nichts verlangen.“ „Das mag für die Luft da draußen gelten, für die Luft im öffentlichen Raum. Doch hier, in meinem Laden, gehört die Luft mir, und wer sie atmen oder auch nur kosten will, der muss dafür bezahlen.“ Dieser Einwand brachte die Verhandlungen vorerst zum Erliegen. Was konnte man darauf schon erwidern? Seeligmann betrachtete uns, und da wir keine Anstalten machten, zu gehen, öffnete er die Schreibtischschublade unterhalb seines mächtigen Bauches, fasste

hinein, nahm etwas heraus und legte die rechte Hand flach auf die Tischplatte, den Gegenstand, den er entnommen hatte, darunter verborgen. „Ihr wollt kaufen?“ Wir nickten. Er hob die Hand. Darunter kam ein Ding aus mattglänzendem Metall zum Vorschein, etwas größer als ein Fingerhut vielleicht, in seiner Form einem Kreisel nicht unähnlich, nur dass die eine Seite abgeflacht war, wohingegen auf der anderen eine Art Zapfen erwuchs, der die Form eines Zuckerhutes besaß. Wir rückten unsere Nasen näher, um das Wunderwerk ausgiebig zu betrachten. „Was ist das?“, fragte Ecki, nachdem keiner von uns Anstalten machte, ein Urteil

abzugeben. „Ein Stumpel“, erklärte Seeligmann ungerührt, und die Augen zu Schlitzen verengend. Wir sahen uns ratlos an. „Was ist ein Stumpel?“ „Ein Stumpel ist ein Stumpel, was denn sonst, ihr Tölpel?“ „Ja, aber welchen Sinn hat er?“ „Garkeinen. Gegenstände müssen keinen Sinn haben. Das Leben hat auch keinen. Man stirbt und ist tot. Wo ist da der Sinn? Sag mir das, Junge!“ Ich zuckte mit den Schultern. Seeligmann tippte mit dem großen, bräunlichen Zeigefinger auf die Spitze des Stumpels. „Zwei Groschen“, sagte er, „und dieses außergewöhnliche und höchst seltene

Exemplar gehört euch.“ Wir schwiegen. „Atemluft oder diesen nahezu neuwertigen Stumpel. Liegt ganz bei euch.“ „Wir atmen schon die ganze Zeit“, erklärte Seppl, mit nur mühsam beherrschtem Triumph in der Stimme. „Klar“, sagte Seeligmann, „probieren ist frei. Alles andere wäre Beschiss. Kann niemand von euch verlangen, dass ihr die Katze im Sack kauft. Nicht mal die Atemluft.“ „Zehn“, platzte ich heraus und spürte, wie mein Gesicht feuerrot anlief. Seeligmann kniff ein Auge zusammen und trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte. „Bist du ein Mauschel?“ „Weiß nicht.“ „Wenn du’s nicht weißt, dann bist du einer.

Zwanzig – mein letztes Angebot!“ „Das Ding hat keinen Sinn“, wagte ich einzuwenden. Seeligmann nickte. „Es hat keinen Sinn, richtig. Wenn du einen Stumpel mit Sinn willst, kostet der mehr.“ „Wieviel?“ „Dreißig!“ „Wir haben aber nur zwanzig.“ Der alte Krämer nahm den Stumpel und warf ihn von einer Hand in die andere. „Dann eben ohne Sinn. Schlagt ein oder geht zum Deibel.“ „Abgemacht“, sagte ich. Seeligmann grinste. Wie mir scheinen wollte, höchst zufrieden. „Als Präsent verpacken?“ „Nein.“ Er legte den Stumpel, der sich kalt und glatt

und fremd anfühlte, auf meine Handfläche. „Wenn ihr Ärger damit habt, sagt Bescheid. Lebenslange Garantie. Aber ihr werdet keinen Ärger haben. Sind unverwüstlich, diese Dinger.“ „Sicher?“, fragte Ecki, der augenscheinlich von der Klugheit des Geschäftes nicht vollkommen überzeugt war. „So sicher wie die Wolken grün und die Bäume blau sind.“ Ecki wandte sich ab, und als er glaubte, dass der Alte sein Gesicht nicht mehr sehen könne, zog er eine Grimasse. „Stets zu Diensten“, spottete Seeligmann und wies mit dem Finger auf den Spiegel über der Tür, der Eckis Fratze getreulich abgebildet hatte. „Kommt mich bald wieder beehren, ihr

jungen Herren. War mir ein Vergnügen, mit euch Geschäfte zu machen.“ „Müssen wir irgendwas beachten?“, fragte Seppl, der gewiss der Dümmste von uns war Seeligmann zog die Stirn in Falten und dachte einen Moment nach, währenddessen er mit der rechten Hand im Urwald seines Bartes kraulte. „Nicht verschlucken“, erklärte er. „Das ist wichtig. Nicht verschlucken. Alles andere findet sich.“ Von da an gingen wir jeden Tag nach der Schule und vor dem Weg nach Hause in Seeligmanns Paradies der vollkommen sinnlosen Dinge, um dort für ein Viertelstündchen oder auch mehr nach Kuriositäten zu stöbern, deren Preise bei

Wohlgefallen den Gegenwert unserer geringen Barschaft nicht übersteigen würden. Es war keineswegs so, wie wir ursprünglich und im Triumph des ersten Geschäftsabschlusses geglaubt hatten, dass sich unsere Beziehung automatisch auf ein menschlich höheres Niveau begeben würde. Weit gefehlt. Auch danach ließ Seeligmann nur übellaunige Verachtung erkennen, wenn wir eintraten, hob gar die Zeitung so weit, dass ihn die Schlagzeilen wie eine Spanische Wand vor unseren erwartungsvollen Blicken verbargen, und machte darüber hinaus nicht die geringsten Anstalten, Höflichkeit oder auch nur herablassendes Entgegenkommen zu signalisieren. Dennoch, oder besser: trotzdem!, erwarben wir im Laufe der Zeit eine

stattliche Anzahl vollkommen sinnloser Dinge, die, wie ich sagen darf, unsere Schatzkammern füllten und den Neid jener Altersgenossen unbändig anstachelten, die, auf Anordnung einer höheren Gewalt, in der Regel der elterlichen, das „Paradies“ aus Gründen der Aufrechterhaltung gutdeutscher Gesinnung zu meiden hatten. Unter den im Laufe der Zeit gehorteten Schätzen befanden sich Preziosen wie diese: Ein purpurfarbenes Schneckenhaus (an den Rändern leicht angestoßen, aber dennoch „voll funktionsfähig“), eine verbogene Schiffsschraube aus Bronze, die einst die große Pracht-Barke des babylonischen Königs Nebukadnezar angetrieben hatte (dies durch Aussage des Verkäufers rechtskräftig

bestätigt), ein kristallenes Gefäß, zur Hälfte gefüllt mit einer grauen, nach verdorbenen Eiern riechender Substanz, bei der es sich um einen kostbaren Rest vom „Badesalz der Königin Kleopatra“ handelte, sowie ein vertrockneter Gegenstand, von blaudunkler Färbung, einer alten Dörrpflaume in Form und Geruch nicht unähnlich, von dem Seeligmann zu berichten wusste, dass jener - „Glaubt es, oder glaubt es nicht, ihr Löffel!“ - der „Original-Putz des großen Imperators Napoleons“ gewesen sei, mithilfe dessen dieser, „glaubt es oder glaubt es nicht, … in so mancher Schlacht auf der ehelichen Bettstatt“ siegreich gefochten hatte. Man mag sich unser Erstaunen als äußerst lebhaft

vorstellen. An jedem Sonntag, den der liebe Gott werden ließ, schritt Seeligmann gemessenen Schrittes in den christlichen Tempel. Er saß stets in der ersten Reihe und sang die heiligen Lieder zum Lobe des falschen Herrn, dies mit einer Inbrunst, die schon an Verhöhnung grenzte. Er schlug das Kreuz an den im liturgischen Ablauf vorgesehenen Stellen. Er sank auf die Knie. Er aß das Fleisch und trank das Blut des Heilands - Jude, wie er selbst. Er sprach: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!“ Es waren nur Worte. Es machte keinen Unterschied, ob er daran glaubte, oder nicht. Kein Mitglied der Gemeinde wagte, gegen die Anwesenheit des

Konvertiten Einspruch zu erheben. Nicht offen zumindest. Seeligmann, eingedenk seiner ursprünglichen Religion, trug stets den großen schwarzen Hut, unter dem die grau gesprenkelten Stirnlocken wie Tentakel hervorlugten - also auch im Hause des christlichen Herrn. Er schaukelte mit dem Oberkörper vor und zurück, so als halte er an der großen Mauer zu Jerusalem Zwiesprache mit dem schrecklichen, alten Jahwe. Er lächelte nicht. Er grüßte niemand. Doch beim Verlassen des Gotteshauses ergriff er die ausgestreckte Rechte des Pfarrers, drückte sie inbrünstig und versicherte freudestrahlend, nie zuvor im Leben habe er die Werte christlicher Nächstenliebe wahrhaftiger ausgestellt gefunden als hier, an diesem

wahrhaft heiligen Ort. Der Priester, ein Veteran der Schlacht von Stalingrad, ein Mann von imposanter Figur (abzüglich dreier Zehen und des linken Unterschenkels, den eine feindliche Granate mit sich fortgenommen hatte), suchte bei diesen Gelegenheiten in den Augen des alten Spötters nach einem Zeichen, irgendeinem verräterischen Funkeln. Vergeblich. Es gab nichts auszusetzen am Gemeindemitglied Seeligmann. Er, der Jude, war der beste Katholik, den sich der liebe Gott nur wünschen konnte. Mochten die braven Bürger insgeheim mutmaßen, dass seine Anwesenheit an diesem geweihten Ort einer unaussprechlichen Lästerung gleichkam; einen Grund, ihm das vorzuwerfen, gab es indes nicht. „Halleluja“, rief der Alte, wenn er

an dem mächtigen Kruzifix innehielt. Er winkte und lächelte, als ob er dort oben einen alten Freund erkannt hätte. Einen Rabbiner, wie auch er, Seeligmann, ein Rabbiner gewesen war. In der Zeit, als die Öfen in Deutschland noch mit Kohlen und nicht mit Menschen befeuert wurden. Immer öfter ging ich allein ins „Paradies“, von der irrigen Überzeugung geleitet, dass mich meine exponierte Stellung als Verhandlungsführer in besonderer Weise der tätigen Misanthropie des Alten würdig machte. Stund um Stund saß ich bei ihm, die Dinge um mich her studierend, begutachtend, das Fortschreiten der Zeit standhaft ignorierend, arglos drauflos schwatzend, während

Seeligmann, hinter der Mauer seiner Tageszeitung verborgen, meine Einlassungen, welcher Art und Form auch immer sie waren, lediglich durch kurzes Knurren oder Bellen zu quittieren pflegte. „Seeligmann“, fragte ich einmal, „wo ist deine Frau?“ „Welche Frau? Ich seh‘ keine Frau. Wenn hier eine wäre, würde sie in der Küche stehen und mir Suppe kochen. Die Küche ist leer, also gibt es keine Frau.“ „Aber jeder Mann hat doch eine Frau.“ „Und du? Was ist mit dir?“ „Ich habe noch keine. Ich bin ja schließlich noch ein Kind.“ „Na also, ich hab‘ auch keine. Gibt schließlich kein Gesetz, das vorschreibt, der alte Mosche

müsse unbedingt ’ne Frau haben. Stimmt’s?“ „Ich weiß nicht.“ „Eben. Was weißt du schon. Du bist ein Kind, wie du ja selbst festgestellt hast.“ Darüber dachte ich nach. „Ein Kind ist ein Mensch wie jeder andere. Nicht besser und nicht schlechter.“ Seeligmann ließ die Zeitung sinken, betrachtete mich über den Rand der Brille hinweg und begann wie ein Vulkanausbruch zu lachen. „Da haben wir mal einen zehnjährigen Philosophen. Willst du mir das Leben erklären, Anshel?“ „Nein. Ich denke nach“, sagte ich, gleichwohl etwas eingeschüchtert. Nie zuvor hatte ich ihn lachen gehört, und, ich vermute, auch kein anderer hatte ihn jemals lachen gehört, seit er

zurückgekehrt war, den Kartoffelsack wie eine tote Katze hinter sich her schleifend. „Nachdenken!“ Verächtlich spuckte er das Wort zu Boden. „Die Leute wollen immer nachdenken. Wäre doch klüger, vorher zu denken, oder? Bevor sie was tun. Würde die Welt vermutlich zu einem besseren Ort machen.“ Ich zuckte mit den Schultern. Seeligmann warf die Zeitung auf einen Stapel neben dem Ofen. „Ich mag’s nicht, wenn einer schlau daherredet und doch in Wahrheit nichts weiß.“ Schamesröte färbte mir die Wangen. „Ich weiß … sehr viel.“ „Ach, ja? Lass hören.“ Verzweifelt kramte ich in meinem Gedächtnis

nach der einen, unwiderlegbaren Erkenntnis, die ich ihm, dem Spötter, ins Gesicht schleudern konnte. „Ein großer Gott ist der Herr, ein großer König über alle Götter“, war alles, was mir einfiel. Ein Psalm, den ich irgendwo gehört und aus Gründen, die mir selbst nicht ganz klar waren, in einem Winkel meiner Erinnerungen aufbewahrt hatte. Seeligmann schnaubte wie ein Walross. Eine Zornesfalte wuchs inmitten der Stirn. „Es gibt keinen Gott, auch keinen Herrn. Wenn es einen Gott gäbe, wüsste ich das zufällig. Ich hätte ihn nämlich gesehen, mit ihm gesprochen, ihn gefragt, wo er war, als wir ihn gebraucht haben – damals, in Auschwitz, in Sobibor, Treblinka. Also, entweder Gott ist tot,

oder es gibt ihn nicht. Am Ende kommt beides auf dasselbe hinaus. Deshalb, verdammt nochmal, bring niemals deinen verfluchten Gott in diesen Laden. In der Kirche mag er gut genug sein – hier nicht!“ Ich schwieg betreten, und auch er schien, als er mein Gesicht sah, ein wenig erschrocken über die Härte, mit der er sein Urteil gefällt hatte. „Was?“, knurrte er. Was ist?“ Ich öffnete den Mund und schloss ihn wieder. „Red‘ schon. Bist doch sonst nicht auf den Mund gefallen.“ „Auschwitz“, sagte ich, „wo liegt das?“ Seine Gesichtsfarbe wurde grau, die Falten, die sich an der Nase herab um die Mundwinkel zogen, schienen mit einem Mal

tiefer zu sein. Es dauerte eine volle Minute, bis er Antwort gab. „Auschwitz, das ist ein Ort, den man nur dann zu finden vermag, wenn man einmal dort gewesen ist.“ „Aber, wie soll man dort gewesen sein, wenn man ihn nicht finden kann.“ Er musterte mich über die Ränder der Brille hinweg. „Das ist eben das Geheimnis, ein großes Geheimnis. Und die, die dort waren, hat man zum Stillschweigen verpflichtet.“ „Bist du dort gewesen, Seeligmann?“ Er schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Was geht’s dich an, wo ich gewesen bin. Seit Stunden bist du hier und stiehlst mir den Sauerstoff. Willst du kaufen, ja oder nein?“ Ich sah mich rasch um, dabei mit der rechten Hand die geringe Barschaft in meiner

Hosentasche einschätzend. „Was kostet ein Bleistift?“, fragte ich. Am Abend desselben Tages saßen wir gemeinsam in der Küche und löffelten Graupen-Eintopf. An der Kopfseite thronte mein Vater, in einer Hose aus dunkelblauem Tuch, die Träger links und rechts hinuntergelassen, mit einem weißen, ärmellosen Unterhemd angetan, während das Oberhemd, das er tagsüber im Büro getragen hatte, zum Auslüften am Fensterkreuz hing. Er war ein schmaler Mann mit knochigen Schultern und einem scharf geschnittenen Gesicht, in dem die Augen wie magere Füchse in ihren Höhlen kauerten. Er sprach nicht viel, grundsätzlich nicht, war die meiste Zeit in sich

gekehrt und mürrisch. Ein Mann ohne Leidenschaften. Ein Mann ohne Gott. Russland hatte das mit ihm getan. „Unternehmen Barbarossa“. Nach Vernichtung der 6. Armee war er im letzten Moment der Hölle der Überlebenden entkommen. Zwei Jahre folgten, in denen er er mit lumpenumwickelten Füßen geflohen war, immer dicht am Hungertod vorbei, gejagt von Einheimischen, Rotarmisten und deutschen Häschern, die allesamt nichts Gutes im Sinn hatten. In dieser Zeit war ihm das Lachen abhandengekommen, der Glaube auch. Er kam zurück, doch ein wesentlicher Teil dessen, was ihn ausgemacht hatte, wahrscheinlich der bessere Teil, war dortgeblieben, in den Weiten der Tundra -

erfrorenes Fleisch, hart wie Stein, begraben zwischen den Gebeinen seiner toten Kameraden. Mutter war in jeder Hinsicht das Gegenteil. Sie war fröhlich, trotz der harten Zeiten, optimistisch, obwohl es keinen Grund dafür gab; sie lachte viel und gern, auch wenn es gelegentlich zum Rotz und Wasser heulen um uns stand. Während Vater tausende Kilometer entfernt, im Osten gekämpft hatte, um dem Führer einen Sieg zu schenken, hatte sie, ihrem nach Liebe hungernden Wesen entsprechend, dem teuren Vaterland ein Kind geboren. Unter den zahlreichen, als Erzeuger in Frage kommenden Männern, oder, wie sie spöttelnd sagte: „diesen unrasierten Wärmflaschen“, befand sich ein alter

Gymnasiallehrer, Wernicke, ein Mann von kleiner Gestalt und großem Geist, der nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich Erleichterung verschaffte, sondern auch großzügig Einlass in die Wunderwelt der Literatur gewährte. Sie las viel und gern seither, praktisch alles, was ihr in die Hände fiel, ohne sich dabei von der Schwere der Gedanken oder der Wucht der Worte beeindrucken zu lassen. Manches Mal, wenn ich abends in die Küche trat, liefen ihr Tränen übers Gesicht, während sie vor einem Korb zu schälender Kartoffeln hockte, und wenn man schaute, was die Ursache dafür sein mochte, so konnten es ebenso gut Rilkes Duineser Elegien wie eine für Groschen beim Zeitschriftenhändler erworbene

Liebesschmonzette sein. In dieser Hinsicht war sie überaus demokratisch: das Erhabene schien ihr ebenso kostbar wie das schlichtweg Profane. Das Schwere ebenso gewichtig wie das ausgesprochen Federleichte. Mit dieser unbekümmerten Art war sie mir Trost an trostlosen Tagen und Licht dort, wo mein verbitterter und früh in die Jahre gekommener Vater Dunkelheit säte. Wenn er denn mein Vater war. Worüber berechtigte Zweifel bestanden. „Mutter“, hub ich an, dabei ein ungeschriebenes Gesetz verletzend, das besagte, bei den Mahlzeiten möge nicht geschwatzt werden, „wo liegt Auschwitz?“ Es schien, dass die Zeit für einen Moment zu

Eis gefror – die Löffel schwebten über den Tellern, die Augen waren unverwandt auf mich gerichtet, die Gesichter schienen ausdruckslos wie die Gesichter von Toten und mit einer Schicht aus kaltem Wachs überzogen. Dann, ohne erkennbaren Grund, löste sich die Spannung. „Dein Essen wird kalt“, sagte Mutter und warf meinem Vater einen Blick zu. Der legte den Löffel beiseite, ergriff die Enden der Hosenträger und zog sie über die Schultern, als würde ihn das auf irgendeine Weise gegen die Mächte der Finsternis wappnen. „Woher kennst du diesen Namen?“, fragte er. „Von Seeligmann. Er will mir nicht verraten, wo das liegt. Er sagt, man könne es nur finden, wenn man dort gewesen

sei.“ „Seeligmann.“ Vater und Mutter tauschten erneut einen Blick. Es war, als habe dieses Wort Auschwitz einen magischen Klang, einen Ton, der die Erwachsenen in ihrem dumpfen alltäglichen Trott zum Innehalten zwang. „Was treibst du bei Seeligmann?“ „Ich kaufe.“ Kurzes Schweigen, als müsste diese Neuigkeit erstmal bedacht werden. „Du kaufst. Und was kaufst du, Junge?“ „Sachen“, antwortete ich. „Sachen.“ „Einen Stumpel“, sagte ich. Mein Vater wandte den Kopf in meine Richtung. Er betrachtete mein Gesicht, als habe er dort etwas Neues, zuvor nie

Bemerktes entdeckt. „Was soll das sein, ein Stumpel?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Du weißt es nicht?“ Ich schwieg. „Du kaufst etwas und bezahlst dafür Geld. Aber du weißt nicht, was es ist oder wozu es dient.“ „Ein Stumpel ist ein Stumpel“, erklärte ich. „Wer sagt das?“ „Seeligmann.“ Mein Vater nahm den Löffel. „Juden“, sagte er. „Das kommt dabei heraus, wenn man ihnen erlaubt, wieder unter deutschen Menschen zu leben. Was wollen sie, diese Juden. Sie haben doch den Krieg gewonnen. Jetzt steht ihnen die ganze Welt offen. Warum geht Seeligmann

nicht nach Palästina oder New York, so wie die anderen. Was will er hier? Sollen wir auf den Knien rutschen und um Vergebung bitten? Ich habe den Israeliten nichts getan. Aber sie, sie kommen zurück und betrügen unsere Kinder. Setzen ihnen Flausen in den Kopf.“ „Seeligmann ist kein schlechter Mensch“, versuchte Mutter zu beschwichtigen. „Er hat es schwer gehabt, im Lager.“ „Wissen wir, ob er dort gewesen ist. Er sagt es, aber gibt es Beweise dafür? Was glaubst du, wie viele jetzt herumlaufen und sich damit brüsten, dass sie ,im Lager‘ waren. Nur um ein bisschen Geld zu erbetteln. Für das, was sie erdulden mussten. Erdulden! Weißt du, was sie behaupten? Sechs Millionen sollen dort gestorben sein. Umgebracht – von uns! Von

den Deutschen! Sechs Millionen Juden. Keine Stadt in Europa, nicht mal die größte, hat so viele Einwohner. Und, das frage ich dich, wer würde so etwas tun? Wer wäre dazu fähig oder überhaupt willens? Mein Gott, wir sind doch keine Mörder. Es war, verdammt nochmal, Krieg! Wir haben gekämpft. Mit echten Waffen, nicht mit Spielzeugpistolen. Auf beiden Seiten sind Menschen gestorben. Auf beiden Seiten!“ „Du machst den Kindern Angst.“ „Diese Kinder werden mit den Lügen aufwachsen, die ihnen die Sieger auftischen. Sie werden glauben, dass ihre Väter und Mütter Raubtiere waren. Nicht besser als Schakale.“ „Auschwitz“, murmelte mein kleiner Bruder,

das neue, fremde Wort genussvoll auf der Zunge gleiten lassend. Er hatte nichts von dem begriffen, was Vater gesagt hatte. Ich ebenfalls nicht. „Esst weiter“, sagte Mutter. Vater schwieg. Er saß da und starrte auf den Teller. Es schien, als ob jede Farbe, jede Form von Leben - Blut und Gefühle - aus diesem maskenhaften Antlitz entwichen seien. Später lag ich in meinem Bett, betrachtete den Mond, der durch das offenstehende Fenster glupte, lauschte den nächtlichen Geräuschen, dem Zirpen der Grillen, dem entfernten Rollen und Rattern der Straßenbahnen, und träumte mich, allmählich fortschlummernd, an jene geheimnisvollen Orte, die so exotisch nach

Abenteuern, nach Glücksucherei und verborgenen Schätzen klangen: Auschwitz, Sobibor, Treblinka. Einige Wochen später – Ich saß bei Seeligmann, verscheuchte die Fliegen, plauderte vor mich hin, nahm dieses und jenes prüfend in die Hände, einige Wochen später also öffnete sich die Tür zum „Paradies“ und Bürgermeister Hunte, gefolgt von den gewählten Vertretern des Stadtrats sowie den Sachverwaltern protestantischer und katholischer Provenienz, betrat den Raum, das feiste Gesicht eine Maske der Betulichkeit, die Hände wie zum Segen oder Treueschwur erhoben. „Seeligmann“, rief der Vollstrecker mit

bierschäumendem Pathos. „Der Bürgermeister“, rief Seeligmann und grinste ein wölfisches Grinsen. „Plus die Honoratioren“, ergänzte Hunte augenzwinkernd. „Plus die Honoratioren“, bestätigte Seeligmann. „Alle da, schön demokratisch. Sogar die linke und die rechte Hand des Teufels. Fehlt nur noch das kleine Jesulein.“ „Nun“, Pfarrer Holdenthau rang sich ein süßsaures Lächeln ab, „der ist natürlich stets inmitten unter uns.“ „Stets inmitten unter uns“, echote Seeligmann und nickte zustimmend. „Das kann ich bezeugen. Gleichwohl, natürlich, nur der katholische Messias, nicht wahr…“ „Ich hoffe, wir stören nicht,

Moshe.“ „Doch, Bürgermeister, allerdings, Sie stören, denn ich habe geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen. Dieser noch unfertige Bursche -“ (Er wies auf mich.) „– ist einer meiner besten Kunden. Immer kauft er, selbst Dinge, die kein Mensch, der noch all seine Sinne beisammenhat, jemals kaufen würde. Und immer zahlt er in klingender Münze. Nie auf Pump. Obwohl ich aufgrund der langwährenden Geschäftsbeziehung durchaus geneigt wäre, natürlich im Rahmen des wirtschaftlich Vertretbaren, eine bescheidene Kreditlinie einzuräumen.“ Er zwinkerte mir komplizenhaft zu. „Heinz.“ Der Pastor vermerkte meine Anwesenheit mit einigem Stirnrunzeln.

„Müsstest du jetzt nicht in der Schule sein.“ Zunächst erstarrte ich vor Schrecken, dann gelang mir ein recht überzeugendes Krächzen bronchialer Natur. „Krank“ röchelte ich. „Husten. Fieber.“ Seeligmann nickte, dabei über alle Zähne strahlend. „Jawohl, krank. Seine Mutter, die gute Frau, hat mir den Buben in Obhut gegeben. Damit er nicht unter die Räder kommt. Sie verstehen?“ „Die Mutter? Durchaus.“ „Schön. Schön, dass Sie so verständig sind. Doch vielleicht darf ich erfahren, womit ich dienen kann. Meine Zeit, geehrte Abgesandte, ist kostbar, und, wie es so schön heißt, der Rubel muss rollen.“ „Der

Rubel?“ „Die D-Mark. Bitte um Vergebung. Die gute Deutsche Mark. Unerschütterlich und fest wie das germanische Wesen.“ „Seeligmann“, sagte der Bürgermeister, in eine offizielle Tonart verfallend und die mit der schweren goldenen Kette des Amtes dekorierte Brust straffend, „wir sind gekommen, wir alle, um dir zu gratulieren. Zu deinem heutigen Geburtstag. Dem sechzigsten.“ Es entstand eine kurze Pause, die Seeligmann Gelegenheit gegeben hätte, seiner aufrichtigen Freude verbalen Ausdruck zu verleihen – doch der Alte, wie zumeist, zog es vor, mit lächelnder Unergründlichkeit zu schweigen. Der Bürgermeister, durch dieses

Nicht-Reagieren, dieses Nicht-Erfreut-sein kurzzeitig aus dem Konzept gebracht, sandte irrlichternde Blicke erst nach links, dann nach rechts, warf einen fragenden Blick in meine Richtung, und setzte, nachdem keinerlei Hilfe aus dieser oder jener Richtung zu erwarten war, die einmal begonnene Rede tapfer und mit nachgerade bühnenreifem Aplomb fort: „Hier bist du geboren, alter Freund, hier inmitten dieser ehrwürdigen Mauern, die so viel vom Leben erzählen könnten, vom Leben und vom Wirken der Jahrhunderte. Gute und auch weniger gute Zeiten hast du erlebt - wie im Übrigen wir alle! Der Krieg hat keinen von uns geschont. Er mag uns entzweit und einen Keil zwischen die Menschen getrieben haben, doch jetzt, verehrter Seeligmann, bist du uns,

uns allen, den Bürgern dieses Gemeinwesens und darüber hinaus, ein leuchtendes Beispiel für die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden, für die neuerlich wachsende Freundschaft, die zwischen den Rassen allerorten gedeihen mag.“ Er stockte, was Seeligmann veranlasste, trocken zu fragen: „War’s das?“, doch der Bürgermeister schüttelte sein fettglänzendes Haupt. „Nein, nein, mein Freund, nein. Das soll es nicht gewesen sein. Natürlich kommen wir an diesem, deinem Ehrentag, nicht mit leeren Händen. Wie’s Sitte und Brauch ist, seit alters her, möchten wir ein Geschenk überreichen, in der Hoffnung, damit eine Freude zu machen, die wiederum der Freude, die wir, die Honoratioren, an diesem Ort und

zu dieser Stunde empfinden, in nichts nachsteht.“ Er zückte einen großen, gelben Umschlag aus einer abgegriffenen Aktentasche und hielt ihn hoch, als befände sich darin der große Preis einer Tombola. „Natürlich ist uns bewusst – und das nur zu gut! -, wie sehr du, und auch deine Glaubensbrüder, wie ihr, die Juden, meine ich, unter den wenig beglückenden Umständen vergangener Zeiten gelitten habt. Wir, die Bürger dieser Stadt, und damit spreche ich für jeden einzelnen von uns, empfinden ein tiefes und aufrichtiges Bedauern angesichts dessen, was geschehen ist, und was sicher nicht hätte geschehen dürfen. Jahrhundertelang haben Juden und Deutsche einvernehmlich Seite an Seite gelebt

…“ „Juden und Deutsche?“ „Jawohl, Deutsche und Juden, deutsche Juden sozusagen. Nachbarn, Freunde, Geschäftspartner, gar manches Ehepaar über die Rassengrenzen hinweg. Und wäre nicht dieser … ja, unselige Zeitgeist, wäre nicht diese Verwirrung des gesunden Volksempfindens über uns gekommen, wir würden auch heute noch, Seite an Seite, weiterhin, in aufrechter Gesinnung …“ „Seite an Seite?“ „Ganz recht. Doch haben wir – und das aus vollem Herzen! - Verständnis dafür, wie du, lieber Mosche, dich fühlen musst, inmitten dieser Stadt, in unserer Stadt, in der deine verstorbenen Eltern gelebt haben, so viele

Jahre.“ „Meine Eltern. Du sprichst von meinen Eltern, Bürgermeister?“ „Von eben denen, Mutter und Vater, die leider nicht mehr unter uns weilen können …“ „Weil sie ermordet wurden …“ „Die gewiss ermordet wurden und daher nicht mehr unter uns weilen können …“ Hunte schien durch Seeligmanns Einlassung aus dem Konzept gebracht und stockte in seinem Redefluss. „Kurzum, wir, das heißt der Stadtrat dieser Stadt, die Vertreter der großen christlichen Konfessionen und manch besorgter Bürger, sind der Auffassung, dass es dir – Wie soll ich sagen? – nach all dem, was geschehen ist, obzwar ohne Wollen unsererseits, ohne ausdrückliches Wollen

unsererseits, aber dennoch … Das also dir, lieber Moshe, nicht länger noch zuzumuten sei, an diesem Ort der Schrecknisse, deiner Schrecknisse, inmitten unter uns, inmitten der ehrwürdigen Mauern dieser Stadt, die so viel Leid gesehen haben …“ Seeligmann hieb mit der Faust auf den Tisch. „Komm zur Sache. Ich verstehe kein Wort deines Sermons.“ Der Bürgermeister warf hilfesuchende Blicke in die Runde, doch erntete nur lauerndes Schweigen. „Seeligmann, Moshe, wir haben gesammelt. Geld. Für dich.“ Er hob den Umschlag und schüttelte ihn, als wäre der ein Sparschwein aus Porzellan oder die Kollekte in der Kirche. Seeligmanns Gesichtsausdruck verdüsterte

sich. „Was soll ich mit deinem Geld? Ich habe ja mein Auskommen. Hier, das Geschäft. Du stehst darin, auf deinen eigenen zwei Füßen.“ „Auskommen, ja. Doch denke ich, denken wir, dass die Vergangenheit, all die Erinnerungen …, dass es nicht gut ist, für dich, hier zu leben. Und auch nicht gut für uns, für die Deutschen. Diese Vergangenheit, diese allgegenwärtige Vergangenheit … Kurzum, es muss ein Ende haben, Seeligmann. Um deiner und auch um unserer willen. Wir möchten … Frieden. Verstehst du? Einfach Frieden!“ „Den wohlverdienten Seelenfrieden. Natürlich. Nur zu verständlich. Und wo, liebe Nachbarn, soll ich von nun an mein Haupt betten, damit euch der vormitternächtliche Schlaf, welcher bekanntlich der Beste ist, auf einem sanften

Ruhekissen findet?“ Hier schob sich Matthis Schulze nach vorn, ein kleiner, feister Mann, von Beruf Schuhmacher. „Israel“, rief er, als sei ihm aufgetragen, das Nahen des Messias zu verkünden. „Israel, Moshe. Dort haben sie einen eigenen Staat für deinesgleichen.“ Das Wölfische in Seeligmanns Lächeln wurde um eine Nuance schärfer. „Was meinst du, Schulze, mit ,deinesgleichen‘? Das verstehe ich nicht ganz, einfältiger Narr, der ich bin.“ Pfarrer Holdenthau verstieg sich zu einer Geste wenig christlicher Ungeduld. „Du weißt, was wir meinen, Seeligmann, weißt es doch ganz genau und kannst nicht sagen, dass dein Empfinden ein anderes wäre.“ „Woher willst du wissen, was mein Empfinden

ist, Pfarrer? Und weiter: Was geht es dich überhaupt an? Hat einer von euch das Recht, den ersten Stein zu werfen? Habe ich vielleicht irgendetwas getan, um das Gemeinwesen dieser friedfertigen Stadt aus dem Lot zu bringen – außer vielleicht, immer noch am Leben zu sein, hier, unter euch, unter all den aufrechten Volksgenossen, von denen doch jeder in der Tiefe seines Herzens ein verdammter Widerständler war!“ „Seeligmann!“ Der Bürgermeister trat einen Schritt nach vorn. Den Arm erhoben ging er auf den Alten zu, hielt jedoch auf halbem Wege inne. „Bitte versteh uns recht. Niemand hier will dir Böses. Wir haben genug Geld gesammelt, damit du die Überfahrt bezahlen und dir dort eine neue Existenz aufbauen

kannst. Es ist zu deinem Besten, Moshe. Die Vergangenheit können wir nicht ungeschehen machen, du nicht, und auch wir nicht. Damit alle ihren Frieden finden, musst du … solltest du …“ „Ganz einfach verschwinden!“ soufflierte Seeligmann. „Gehen. Nur gehen. Im Guten. Wie ein Freund - einer, den wir in guter Erinnerung behalten werden, wenn er nicht mehr unter uns weilt.“ Danach herrschte Schweigen. Alle Blicke waren auf den Alten gerichtet. Er musterte sie, der Reihe nach, lächelnd, bis dann, am Ende, sein Auge scharf und unerbittlich auf dem Bürgermeister ruhte. „Otto“, hub er an, „weißt du, was das Erste war, das ich tat, am Tage meiner

Rückkehr?“ Der Angesprochene regte sich nicht. „Ich bin an das Grab deiner lieben Mutter gegangen. Ich habe mich vor ihren ehrwürdigen Knochen auf die Knie geworfen und das Kaddisch gesprochen. Weißt du, warum ich das tat?“ Hunte schüttelte den Kopf. „An jenem schicksalsträchtigen Tag, wie du ihn wohl nennen würdest, an dem Tag vor dem Tag, an dem sie kamen, um die Letzten von uns in die Lager zu bringen, klopfte jemand spät in der Nacht an unsere Tür. Es war deine Mutter, Bürgermeister, und es regnete, als hätten sich sämtliche Schleusen des Himmels eigens geöffnet, um den Gestank, der durch diese ehrwürdige Stadt wehte, die Rinnsteine

hinab in die Kloaken zu schwemmen. Pitschnass war sie, hatte sich nicht einmal die Zeit genommen, in den Mantel zu schlüpfen. ,Du musst fliehen, Seeligmann‘, rief sie mit bebender Stimme. ,Nimm deine ganze Familie und flieh! Jetzt! Sofort! Ich habe gehört, wie mein Mann telefonierte. Morgen bei Tagesanbruch kommen sie, euch zu holen. Verliert nicht eine Minute – anderenfalls wird es zu spät sein!‘ Ich starrte sie an, Bürgermeister, ich starrte sie an und wusste mit jeder Faser meines wie rasend hämmernden Herzens, dass sie, diese Frau, die Wahrheit sagte. Sie, die Gattin deines widerlichen, arschkriechenden, speichelleckenden Nazi-Vaters, sie - als Einzige! - empfand so etwas wie Mitleid mit

uns – mit den gottverdammten Juden! Sie, als Einzige, handelte in jener Stunde wie ein Mensch, in dessen Brust ein Herz aus Fleisch und Blut schlägt!“ Die letzten Worte brüllte er fast in die bleichen und schuldbewussten Gesichter. „Seeligmann, Moshe …“ „Halt’s Maul und hör das Ende der Geschichte. Es lohnt sich. Mein Vater, von dem du gesprochen hast, war ein alter und kranker Mann, ans Bett gefesselt, und nicht mehr fähig, die Strapazen einer Flucht auf sich zu nehmen. Meine Mutter, die fünfzig Jahre mit ihm verheiratet gewesen ist, sagte, dass sie auf keinen Fall ohne ihn gehen werde, komme, was und wer da wolle. Und sei’s der Herr Führer in eigener Person. So sprach sie,

meine Mutter, eine stolze Dame, die keinem Menschen je etwas Böses getan hat. Ich aber, Moshe, ihr Sohn, ich brachte es nicht übers Herz, die alten Leuten schutzlos den Bestien zu überlassen! Also ging ich zu Ilya, meiner Ilya, die im Nebenzimmer saß, unseren Sohn David auf dem Schoß, der mir stumm und verängstigt entgegensah. Ich sagte, dass sie das Kind nehmen und verschwinden müsse, sofort. Sie blieb stumm, bewegte sich nicht, schien nicht einmal zu atmen. Ich brüllte, tobte wie ein Irrsinniger, riss Schränke und Schubladen auf, verteilte sinnlos Kleidungsstücke auf dem Bett. Sie tat nichts, um mir Einhalt zu gebieten. Doch als ich dann nach zehn oder zwanzig Minuten zur Besinnung kam, ergriff sie meine Hand, küsste

dieselbe und sagte, dass es ihr unmöglich ist, ohne mich zu gehen. So wie es meiner Mutter unmöglich wäre, ohne meinen Vater zu gehen. Sie sagte, sie wisse nicht, wie sie dereinst unserem Sohn erklären solle, warum sie geflohen sei und den Vater zurückgelassen habe - den Mann, den zu lieben und zu ehren sie doch geschworen hatte, in guten wie in schlechten Zeiten. So sprach sie, meine schöne, tapfere Ilya und wusste, dass sie damit das Todesurteil gefällt hatte, nicht nur über sich selbst, auch über das Kind, das sie unter dem Herzen getragen hatte. Denn, wie euch sehr wohl bekannt ist – und auch damals schon bekannt war, liebe Mitbürger -, die Wölfe mit den Hakenkreuzbinden, die besaßen kein Mitleid in ihren stolzen

germanischen Herzen. Diese Wölfe, meine Freunde, haben Menschen wahllos zerrissen, Frauen, Kinder, Alte, und deren geschändete Körper in rußgeschwärzten Öfen mit deutscher Gründlichkeit zu Asche verbrannt. Solchermaßen den fetten, stinkenden Rauch ihrer Verbrechen aus den Schornsteinen der Krematorien hinauf in den deutschen Himmel blasend. In diesen wunderbaren, treusorgenden deutschen Himmel – damit jeder, jeder Einzelne, das Nahen der neuen Zeit mit eigener Nase riechen konnte! Ich, ihr wahrhaft Gerechten, ich bin der einzige Überlebende meiner gesamten Familie! Und nun, am Ende meiner Tage, bin ich, nicht mit Stolz, sondern erfüllt von Scham und Ekel, der Sohn toter Eltern, der Gatte einer toten Frau,

und der Vater eines toten Kindes! Jeden Sonntag gehe ich in die Kirche des Zimmermanns und bete für die, die mir anvertraut waren und die ich leichtfertig geopfert habe – leichtfertig, jawohl, weil ich schwach war, weil ich feige war, weil ich nicht entscheiden mochte, wessen Leben schwerer wiegt vor Gottes strahlendem Antlitz: das meiner Frau und meines Kindes oder das meiner armen, bedauernswerten Eltern. Ich bin einer von euch, ihr guten deutschen Bluthunde! Ein Christenmensch! Ob’s euch passt nun oder nicht. Kein Itzig, kein Samuel, kein Grünspan, und erst recht nicht Ahasverus. Nicht ein Tag vergeht, nicht ein Tag, den Gott werden lässt, an dem ich nicht das Gesicht meines toten Kindes vor mir

sehen würde, blutend, mit weit aufgerissenen Augen, die Züge bis zur Unkenntlichkeit entstellt – so wie ich’s mir tausendmal in meinen Alpträumen vorgestellt habe. Ich hielt sein Leben in diesen Händen. In diesen unwerten Händen! Im Tausch gegen den Tod meiner Eltern, die alt und schwach waren, die am Ende ihrer Tage standen. Ich habe nichts getan, ihr tapferen deutschen Schmeißfliegen. Ich bin geblieben. Ich habe gezaudert, bis sie kamen. Einfach gezaudert. Der Tod, dieser blinde Schnitter, hat jeden Einzelnen von ihnen niedergemäht: Sara, meine Mutter, Abraham, meinen Vater, Ilya, meine Frau, und auch meinen Sohn David, der zu jung war, um zu verstehen, warum sein Ende beschlossene Sache war. Von Amts

wegen sozusagen. Mit Brief und Siegel und Hakenkreuz. Und das Schlimmste daran: Ich, ausgerechnet ich, der für seine Unentschlossenheit die Qualen der Hölle verdient hätte, ich bin davongekommen! Ich, ihr braven Bürger dieser braven Stadt, Moshe Seeligmann, bin genauso schuldig wie jeder Einzelne von euch. Denn, jawohl, ich hätte fliehen können. Mit meiner ganzen goldigen Mischpoke! Ein paar Stunden Vorsprung wären ganz sicher drin gewesen. Vermutlich hätten sie uns im nächsten oder übernächsten Dorf trotzdem geschnappt. Wahrscheinlich sogar. Aber die Chance habe ich verstreichen lassen. Ich habe sie nicht beim Schopfe gepackt. Deshalb bin ich hier, Brüder, in Deutschland, in der Stadt, in der meine Wiege

stand. Ich bin einer von euch, Hunte, ein Mörder. Und wir Mörder, das ist zumindest meine Überzeugung, müssen fest zusammenhalten. Jeder, der das überlebt hat, trage seinen Teil der Schuld. Ich habe euer Lager nicht verlassen Landsleute, mich hat niemand befreit. Meine Gefangenschaft währt bis zum Ende meiner Tage. Bis dahin muss ich darben, in Flammen, die von meinen Erinnerungen gespeist werden. Für David, für Ilya, für meine Eltern, die bessere Deutsche waren als ihr alle zusammen, ihr gottverdammten Gojim. Denn dies ist mein Reich der Finsternis, meine widerwärtige Abscheulichkeit, bis in alle gottverdammte Ewigkeit! Amen! Und nun: Hinaus mit euch, ihr ruchlosen, windelweichen Spuckefresser! Ihr

seid eine jämmerliche Schande für euren glorreichen Führer Adolf Hitler, dem zu folgen ihr doch geschworen hattet, sei’s in den Himmel oder in die finstersten Abgründe der Hölle! Eine gottverdammte Schande seid ihr!“ So schlichen sie davon, wortlos, grußlos, mit hängenden Köpfen, genauso überflüssig und billig wie all die nutzlosen Dinge, die sie im Paradies umgaben. Ich sehe mich rennen, durch Sturm und Hagel – Blitze wie brennende Kreuze zucken um meinen Kopf! Ich laufe, renne wie nie zuvor in meinem Leben. Die Toten sind mir auf den Fersen, die Toten aus den Lagern: Auschwitz, Sobibor, Treblinka! Mit verkohlten, brüchigen Fingern greifen sie nach meinem Haar, nach

dem dünnen Hemd, das, klitschnass vom prasselnden Regen und kalt wie Eis, auf meiner Haut klebt. Seeligmanns Stimme dröhnt: „Die Wölfe, meine Freunde, die Wölfe.“ Doch nun bläst ein neues Signal: „Näher mein Gott zu dir.“ Ich wiederhole die Worte ein ums andere Mal, wie ein Mantra, einen Rosenkranz, den es zu beten gilt. „Näher mein Gott zu dir. Näher mein Gott zu dir. Näher mein Gott zu dir.“ Sie werden mich beschützen, die Worte – beschützen vor den wilden Tieren. Dort, in den Tiefen des Waldes, nehmen die Bestien Witterung auf. Der Regen fällt so dicht und stark, dass mir die Augen verkleben. Kaum mehr sehe ich, wohin mein Weg mich führt - durch Wälle aus blattlosen Ästen, durch dornenbewehrte Hecken, dem

Fegefeuer entgegen. Es ist, als sei ich nun selbst ein Wolf, Sohn eines wölfischen Vaters, dazu verdammt, das Leben hechelnd, geduckt und auf allen Vieren kriechend, in der Finsternis der Hölle zu verbringen. „Näher mein Gott zu dir!“ Das Eine jedoch brennt in meinem Herzen: Seeligmanns Augen, diese kummervollen, schmerzzerrissenen Augen, als er mich ansah, als er mich wieder ansehen konnte, nachdem sein alles verschlingender Zorn verraucht war; als ihm klar wurde, dass ich dabei gewesen und alles mit angehört hatte. Diese hilflose, fast väterliche Geste, in der er die Hand nach mir ausgestreckt hatte – vergeblich! Nur weg, hinaus, nichts mehr hören müssen, nichts von alledem. „Anshel“,

rief der alte Jude, während ein Vorhang aus Regentropfen auf meine Schultern klatschte. Nur weg hier, weg, weg, weg! Schuld und Sühne! Das Blut an den Händen der Väter kommt auf die Söhne. Kein Erbarmen. Die Toten rufen, sie stemmen sich mit verbrannten Knochen gegen die asphaltene Decke des Schweigens. Autobahnen! Ich renne. Ich bin eine deutsche Autobahn! Meine Gedanken rasen auf der Überholspur. Nur nicht innehalten, nicht stehenbleiben. Das wäre grundverkehrt. Wenn du stehenbleibst, Junge, werden die Toten dich erwischen. Sie sind nicht schnell, diese Toten, aber zäh. Ja, zäh. Sechs Millionen, man stelle sich vor, sechs Millionen. So viele Einwohner hat keine Stadt. Unmöglich, völlig unmöglich. Alles Lügen. Die

Sieger schreiben die Geschichte, weiß doch jeder. Und so werden wir aufwachsen – aufwachsen und gedeihen - zum Wohle des deutschen Vaterlandes, nicht als die Täter, nein, schlimmer, als die Söhne und Töchter dieser Täter, die nächste Generation, unfähig, die Schuld aus Fleisch und Blut abzutragen – zur ewigen Reue verdammt! Jawohl, verdammt! „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang, sollen in der Welt behalten ihren alten schönen Klang …“ Ich renne um mein Leben. Wohin? Die Wolken. über den Bäumen, über meinem Kopf (barhäuptig) haben sich die Wolken zu schweren, tiefklüftigen Gebirgen verdichtet, Schwarz, Rot, Gold! In meiner Brust hämmert das Herz, die Lungen brennen

wie glühende Öfen. Die Beine sind taub. Dornen und Zweige haben Gesicht und Arme zerkratzt. Blut tropft hinunter, warm, Blut, mein Blut. Ich bleibe stehen, mitten im Wald, allein, heimatlos, atemlos, unfähig die Flucht fortzusetzen. Flucht? Wovor? Ich blicke nach oben. Alles dreht sich. Der Himmel dreht sich. Die Äste drehen sich. Ein wildes, brüllendes, brodelndes Karussell. Die Toten sitzen auf hölzernen Pferdchen, auf den Kutschen aus Gold. Sie lachen mit rauchenden Schädeln. Sie tanzen und winken mir zu. „Komm, Anshel, komm mit uns.“ Dann stürze ich und verliere das Bewusstsein. Alles ist dunkel. Alles ist gut. Auschwitz? Ein böser Traum nur. Ein böser Traum. Vergib mir,

Vater. Sie kommen und gehen, kommen und gehen. Das Licht geht an, das Licht geht aus. Doktor Ford steht an meinem Krankenlager, ein riesiger Mann, kahl wie ein Ei, gehüllt in einen schweren, nach Seehund und Tabakrauch duftenden Mantel. „Lungenentzündung“, konstatiert er. „Fieber: 40,5. Kein Wunder. Rennt draußen im Wald herum. Was soll das?“ „Er war bei Seeligmann.“ Mutter hält meine Hand. „Wir wissen nicht, was geschehen ist. Wir haben gesucht. Die ganze Nacht. Er saß unter einem Baum. Zusammengekauert wie ein wildes Tier.“ Vater: „Wie ein

Tier.“ Doktor Ford: „Seeligmann. Soso. Der Jude.“ Vater: „Jawohl, der Jude.“ Er steht vor dem Licht im Türrahmen. Nur die Silhouette zeichnet sich gegen den Hintergrund ab. „Kein guter Geist in dieser Stadt“, bemerkt der Doktor. Lächelnd. Bitter. „Kann nicht angehen, dass einer alle närrisch macht. Noch dazu die Kinder. Was haben die Kinder mit dem zu tun, was ihm geschehen ist?“ Keine Antwort. „Na, wird schon, Jungchen. Bist ja vom deutschen Geblüt. Hart wie Krupp-Stahl. Hier, deinen alten Herrn, den hab ich zusammengeflickt, damals, in Stalingrad.“ Vater tritt nach vorn. Auf den Lippen erscheint das wölfische Lächeln. Wie bei

Seeligmann. „Sollten wir nicht besser in ein Krankenhaus …“ Mutter lässt die Frage im Raume stehen. Doktor Ford schüttelt das schmissverzierte Haupt. „Unsinn. Alles, was der Junge braucht, ist Schlaf. Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Dazu Hühnerbrühe und Tee. Trinken muss er. Treibt das Fieber aus dem Körper.“ Er packt die Instrumente in die abgeschabte Ledertasche, wendet sich an Vater. „Haben Sie die Polizei gerufen?“ Vater: „Nein.“ Doktor Ford: „Na, ist wohl auch besser so. Gibt nur Ärger mit den Revanchisten. Davids Söhne und Töchter. War nicht grundverkehrt. Natürlich, die Methoden … Verstehen Sie mich nicht falsch…Die Methoden …

Keinesfalls gutzuheißen … Trotzdem … Trotz alledem … Mitnichten …“ „Die Welt hat sich geändert.“ Mutter. Starr wie Eis. Die Pupillen schwarze Löcher. „Geändert? Die Welt? Niemals, gute Frau. Nicht die Welt ändert sich – nur die Sicht auf die Welt. Heutzutage blicken alle durch das große bunte Fernglas. Amerika! Wissen Sie, wer den Präsidenten in Washington wählt? Plutokraten und Zinsgewinnler. Revanchisten.“ „Zinsgewinnler.“ Verhaltenes Gelächter. Hackenschlagen. Stoff reibt an Stoff. Blicke wechseln den Besitzer. Man versteht sich. Wir verstehen uns? Selbstredend. Abgang Doktor Ford. Irisblende. Es klingelt an der Tür. Einmal, zweimal. Vater

öffnet. Seeligmann steht vor der Tür, groß, monolithisch. Den Hut, den er niemals abnimmt, zwischen den Fingern der rechten Hand. In der Linken ruht ein winziges Paket, eingeschlagen in Seidenpapier, zweifach umwunden mit einer roten Schleife aus Krepp. Vater und Seeligmann nicken einander wortlos zu. „Ich hoffe, ich störe nicht“, beginnt zögernd der Alte. „Ich bin Seeligmann vom Paradies.“ „Ich weiß“, erwidert Vater. Nicht mehr und nicht weniger, so als sei damit das Wesentliche gesagt. „Ich komme wegen dem Jungen.“ „Heinz.“ „Genau, Heinz. Hab‘ gehört, dass er krank ist. Wollte mich erkundigen …“ Er

stockt. „Geht ihm besser.“ „Das Fieber?“ „Gesunken. Nicht vollständig, aber …“ „Sehr schön.“ Seeligmann blickt auf das Paket in seiner Hand. „Er war bei mir, an dem Tag, müssen Sie wissen…“ „Ich weiß. Er hat davon erzählt. Im Fieber.“ „War nicht für seine Ohren bestimmt, was ich sagte.“ „Dennoch.“ „Ja, dennoch. Vielleicht gut so. Keine Lügen mehr.“ „Lügen?“ Der alte Jude hebt den Kopf, studiert das Gesicht des Russlandveteranen und lächelt. „Natürlich, verstehe, alles maßlos übertrieben.

Das ist doch sicher, was Sie meinen, Herr Noll.“ „Ich weiß, was ich weiß. Habe die Wahrheit mit eigenen Augen gesehen.“ „Interessant. Nebenher bemerkt, gut gesprochen. Wir alle haben damals gesehen, nur der Standpunkt war ein anderer. Hat über Leben und Tod entschieden, der verdammte Standpunkt.“ „Mag sein.“ „Sie zweifeln?“ „Es ist mir nicht erlaubt, die offizielle Lesart in Frage zu stellen. Ich bin im Staatsdienst.“ „Früher doch wohl auch. Gewissermaßen. Hat keinen daran gehindert, die Wahrheit zu leugnen.“ „Mich

schon.“ Die Küchentür öffnet sich, und Mutter tritt in den Flur, eine Schürze mit bunten Blumen um die Hüften geschlungen. „Wir haben Besuch?“ „Das ist Herr Seeligmann. Er hat sich nach Heiner erkundigt.“ Mutter bleibt stehen, so als habe sie etwas vergessen, geht dann weiter, die Schritte behutsam abzirkelnd, eine Hand dem Gast entgegenstreckend. „Kommen Sie doch bitte herein, Herr Seeligmann. Stehen Sie nicht vor der Tür wie …“ Ja, wie was? Seeligmann nimmt ihre Hand, schüttelt sie kurz, lässt sie fallen wie eine verdorrte Frucht. „Will nicht stören. Bin nur zufällig vorbeigekommen. Dachte mir

…“ „Natürlich. Wir freuen uns. Heiner wird begeistert sein. Wissen Sie, er spricht viel von Ihnen.“ Seeligmann lächelt, ist aber auf der Hut. „Ja, ein guter Junge. Höflich. Intelligent.“ „Haben Sie auch Kinder?“ Mutter stellt die Frage. Kaum ausgesprochen, wird ihr klar, dass etwas daran nicht stimmt. Nicht stimmen kann. Zwangsläufig. Vater tritt einen Schritt nach vorn, als müsse er gleich einen Angriff parieren. Doch nichts geschieht. „Nein“, sagt der Alte ruhig, „keine Kinder. Ich hatte einen Sohn, doch der ist gestorben.“ „Das ist … traurig. Ein Kind … Ein Kind sollte nie vor den eigenen Eltern …“ Vater stellt fest: „Viele Söhne starben, nicht

nur der Ihre, Herr Seeligmann.“ Mutter wirft ihm einen Blick zu, den er nicht erwidern mag. „Mit allem Respekt gesprochen.“ Seeligmanns Hände spannen sich um die Krempe des großen schwarzen Hutes. „Es gibt einen feinen, aber wesentlichen Unterschied zwischen Hitlers Soldaten, die im Krieg für eine ungerechte Sache gefallen sind, und dem, was man den Kindern in den Lagern angetan hat.“ „Sie waren dort? In den Lagern?“ (Vaters Gesicht leer, befreit von jeder Empathie.) Seeligmann nickt, die Kiefer mahlen. „Ja. Ich war dort. Habe die Toten gesehen. Und auch gerochen.“ Mutter sagt: „Wir verstehen ihren Schmerz.“ Sie nimmt, nein, packt Vaters Arm und drückt

ihn heftig. „Nicht wahr?“ Er schweigt. Sie wiederholt eindringlicher: „Nicht wahr?“. Er nickt. Seeligmann sieht es und nickt ebenfalls. „Schwierig, ein ganzes Leben … Sie waren jung, Sie haben geglaubt – an das …“ „Kann man an die Wahrheit glauben, Herr Seeligmann? Sie sind ein gebildeter Mann. Sie kennen vermutlich die Antwort.“ „Nein“, entgegnet Seeligmann. „Ich bin nur ein Händler. Wäre ich ein klügerer Mann, dann würde ich nicht vor Ihnen stehen. Ein Leben ist nur so gut wie die innere Wahrheit, der es folgt. Ich habe meine Prinzipien vor langer Zeit abgeschafft, weil sie mir nutzlos erschienen. Können sie das verstehen?“ Vater schweigt. Mutter ist unangenehm berührt, weiß aber nicht warum. Seeligmann

hält das kleine, zwiefach mit der Schleife umwundene Paket in die Höhe. „Ich habe dem Jungen etwas mitgebracht. Ein Geschenk.“ Niemand fühlt sich berufen, das Präsent entgegenzunehmen. „Das tut nicht Not …“ Mutter verstummt ratlos und fügt hinzu: „Was ist es denn?“ Seeligmann lächelt durch die struppigen, grauen Barthaare. „Ein Stumpel.“ Vater übernimmt das Paket, so vorsichtig, als ob darinnen eine Handgranate oder ein Skorpion verborgen sein könnte. „Ein Stumpel, aha.“ „Ja“, sagt Seeligmann. „Der Junge weiß, welchem Zweck er dient. Er kennt sich aus mit Stumpeln.“ „Und was ist der

Zweck?“ Seeligmann scheint die Frage zu amüsieren. „Schwer, das zu beantworten, mein Herr. Ein Stumpel ist eben ein Stumpel. Könnte man ihn erklären, wäre er vermutlich keiner.“ Vater nickt, Seeligmann drückt den Hut auf die Locken. „Na, dann…“ Mutter ergreift seine Hand und drückt sie. „Vielen Dank, dass Sie hier waren, sich erkundigt haben. Den Jungen wird’s freuen.“ „Das hoffe ich.“ „Kommen Sie wieder.“ Seeligmann, halb im Gehen begriffen, dreht sich um. Sein Gesicht bleibt ausdruckslos. „Das werde ich vielleicht wirklich. Adieu nun. Adieu.“ Abgang Seeligmann. Die Tür wird

geschlossen. Zeit fürs Abendbrot. O du wunderliche Zeit, du wunderliche, wunderbare Zeit. Wir bauen auf, wir packen an. Stein auf Stein hebt sich das Land aus Ruinen empor. „Blüh‘ im Glanze diese Glückes, blühe deutsches Vaterland“. Die Wirtschaftsrepublik. Bald auch wieder unter Waffen. Inmitten alter Stahlhelme tickt der neue, der demokratische Geist. Die Massengräber werden mit Geld zugeschissen. Durch einvernehmliches Schweigen versiegelt. Einigkeit und Recht und Freiheit. Ja, Freiheit. Unsere Brüder und Schwestern in der Zone, sie mögen sich ein Beispiel daran nehmen. „Jugend erwach, erhebe dich jetzt, die grausame Nacht hat ein End. Und die

Sonne schickt wieder die Strahlen hernieder vom blauen Himmelsgezelt.“ Wohlan, das könnte das Lied sein, das wir singen. Könnte. Kann aber nicht. Der Geist der Diktatur schreitet uns nach. Nicht zu weit allerdings. Das nicht. Nein. Nicht allzu weit. Der Führer, unseligen, aber gleichwohl unentrinnbaren Angedenkens, wird nur noch heimlich bedacht. In Bonn regiert Adenauer. Wir, die Deutschen, sind wieder wer. Freunde. Partner. Verbündete. Alles entwickelt sich. Nur ein paar Unverbesserliche mögen der Friedhofsruhe nicht trauen. Niemand achtet ihrer. Niemand misst ihnen Bedeutung bei. Alles wird gut. Frieden. Wohlstand. Frieden. Schlaf. Moral. Zipfelmütze. Frieden. Alles wird gut.

Und dann brannte Seeligmanns Paradies! In der Nacht heulten die Sirenen. Löschzüge kurvten mit singenden Reifen durch die Gassen. Ein blakender Widerschein erfasste den Himmel. Bald war die ganze Stadt auf den Beinen. In Nachthemden, Schlafröcken, Pantinen. „Feuer, Feuer! Es ist bei Seeligmann! Rasch nur, das muss man gesehen haben!“ Wie aufbäumende Pferde schlugen die Flammen auf das morsche Gebälk, bliesen schwefelgelben Dampf durch glühende Nüstern, geiferten zum Mond empor, der blass und pockennarbig am Himmel stand. Auch ich war gekommen, mit Seppl und Ecki

im Schlepptau. Streng verboten selbstverständlich, doch die Neugier war zu groß! Ein Feuer inmitten der Stadt – das war doch mal ein Abenteuer. Den Krieg hatten wir nicht bewusst erlebt, nicht wirklich mit angesehen, wie die ehrwürdigen Mauern, all die Butzenscheibenromantik und das treudeutsche Wesen im Feuersturm der Alliierten zu Asche zerstoben waren. Weit, weit weg schien das für uns. Weit weg. Nicht jedoch für die Erwachsenen. Für die selbstredend nicht. Da standen sie, in variierenden Zuständen der Entkleidung, haltsuchend, klammernd, mit aufgerissenen Mäulern - die Blicke in den vernichtenden Strudel der Flammen gesenkt. Seeligmann, durchfuhr es mich. Wo war Seeligmann?

Ziellos rannte ich zwischen den Schaulustigen auf und ab, stieß hier den einen, der mir im Wege stand, beiseite, rempelte dort eine Gruppe an, wurde beschimpft, geknufft, verflucht. Seeligmann. „Jetzt brennt der Jude doch noch.“ Matthis Schulze rief das, die Nase rot gesprenkelt vom Suff. Die Umstehenden lachten. Wollten sich ausschütten vor Lachen. So etwas wie Erleichterung verschaffte sich Bahn. Da loderte das Paradies, und mit ihm all die sinnlosen Dinge, all die Erinnerungen, Schmerzen, Schuldgefühle, die doch keiner mehr haben wollte. Das große Reinemachen. Flamme empor. FREI! Wo war der Alte? Nirgends zu sehen. In der ersten Reihe standen die Feuerwehrmänner, besahen das Spektakel – schweigend, die

Zigaretten im Mundwinkel. „Nichts zu machen“, sagte der Hauptmann. „Brennt wie Zunder. Wird alles zum Teufel gehen.“ „Wo ist Seeligmann?“, brüllte ich. Er starrte mich an. „Woher soll ich das wissen?“ „Seeligmann“, rief ich. „Wir müssen ihn suchen!“ „Bist du verrückt, Junge? Da kommt keiner mehr lebend raus.“ „Perdü, dein Seeligmann. Längst bei den Weisen von Zion.“ Ein Gaffer in der Menge, der’s gehört hatte, klatschte in die Hände und rief: „Bravo!“ Ich schlug nach ihm, trat gegen das Schienenbein, bekam als Antwort eine Maulschelle, dass mir der Schädel brummte. „Rotzlöffel“ „Judenfreund!“ Das Licht der aufgehenden Sonne balgte sich mit dem Widerschein der Flammen. Wie das Brüllen eines Tieres drang ein Laut aus dem

Inneren der glühheißen Mauern. Der Dachstuhl brach zusammen, ein stiebender Funkenregen wehte über die Schaulustigen hinweg. Am Ende fand ich ihn. Er stand inmitten der Nachbarn, die keinen Finger rührten, den schwarzen Hut auf dem Kopf, bekleidet nur mit Hemd und Rock, ohne Beinkleider, in langen, geflickten Unterhosen. Die Blicke hielt er auf das Inferno gerichtet. Ich trat neben ihn, ergriff seine Hand. Es brauchte Zeit, bis er den Kopf neigte. Die Miene war unbewegt, die Augen füllten sich mit Tränen. Dicken, schimmernden, nutzlosen Tränen. „David“, flüsterte er, und nochmals: „David!“ Heftig zog er mich an seine Brust. Ich atmete den Geruch feuchter Wolle, roch Schweiß und Rauch. Ich fühlte den nassen Stoff an meiner

Wange. Die Stirnlocken kitzelten mein Gesicht. „David, David.“ Die Zeit war bedeutungslos, die Gegenwart nichtig. Moshe Seeligmann hielt in diesem Moment, an diesem Ort der Schrecken, inmitten der Flammen, die sein Hab und Gut verschlangen, ein letztes Mal den toten Sohn im Arm. Ich, Heinz, genannt Heiner, Kind großdeutscher Eltern, Arier reinsten Wassers, war zu David geworden, einem jüdischen Jungen, einem Kind, dessen Schicksal so grausam und jenseits aller Menschlichkeit war, dass in keiner Sprache Worte dafür existieren! Der Frieden des gütigen Herrn, wer immer er sein mag, wo immer er sein mag, hatte sich in diesem, aus der Zeit herausgebrochenen Augenblick wie ein Gnadenbeweis auf unser

beider Dasein gelegt. Und so standen wir, einander festhaltend, inmitten der gaffenden Meute, gaben uns Trost durch die Nähe des anderen und bedauerten das, was mit uns geschehen war. Bedauerten zutiefst. Alles. Alles. Die Ursache des Feuers wurde niemals geklärt. Offiziell äußerte man, dass wohl eine schadhafte Stromleitung den Brand ausgelöst habe. Seeligmann focht das nicht an. Wenn irgendjemand geglaubt hatte, der alte Jude würde das Menetekel an der Wand erkennen und klein beigeben, so hatte er sich getäuscht. Unbeirrt, ja, unbeirrbar, zog er in ein neues altes Haus, wieder in den Keller, hängte die silberne Kugel an ihren Platz und malte

eigenhändig das Schild: „Seeligmann’s BRANDNEUES Paradies für Ramsch und Dinge“. Dann setzte er sich, die alten Gewohnheiten zum Teufel jagend, auf einen Stuhl mit Kissen vor die Tür, sichtbar für alle, entzündete seine Pfeife, ließ die klugen, listigen Blicke umherspringen und freute sich diebisch, wieder mal, immer noch, verdammt, am Leben zu sein. „Bürgermeister“, rief er, die Hand zum Gruß erhoben und dabei sichtlich amüsiert. „Ein prachtvoller Anblick, das. Die Legislative wandelt festen Schrittes durch die Untiefen der Kommunalpolitik.“ Besagter Bürgermeister, Otto Hunte, mied das „Paradies“ von nun an wie der Teufel das Weihwasser. Besagter Bürgermeister unterließ

es von da an, den Gruß des alten Juden zu erwidern. Besagter Bürgermeister wurde abgewählt. Ein anderer, jüngerer zog ins Rathaus ein. Mehrfach wiederholte sich dieser schöne demokratische Vorgang. Seeligmann blieb unbeeindruckt. Er hockte auf dem Stuhl vor dem Laden, sichtbar für alle, die ihn sehen wollten, unerschütterlich in seiner Gemütsverfassung, denn, unter dieser Oberfläche, gezeichnet von einem Leben der fürchterlichsten Verwundungen, schlug weiterhin, unsichtbar, unablässig, ein wehrhaftes Herz aus Glas. Die Jahre enteilten im Sauseschritt. Vater starb an einem Lungenkarzinom. Mutter, keineswegs untröstlich, nahm den dicken

Gymnasiallehrer ins Haus, Wernicke. Ich selbst reifte zum Mann und begab mich zwecks Studiums nach Göttingen. Gelegentlich, in den Semesterferien, schlenderte ich auf alten Pfaden zum „Paradies“, setzte mich auf den Stuhl neben Seeligmann und stopfte meine Meerschaumpfeife, die ich dort vor Jahren für zwanzig Pfennige aus dem Nachlass Friedrich Schillers erworben hatte. „Anshel“, sagte er traditionell und mit bewährt spöttischem Unterton, „groß bist du geworden. Kannst dem alten Juden bald auf den Hut spucken.“ „Warum nennst du mich Anshel, Moshe? Mein Name ist Heinz. Das weißt du.“ Seeligmann lachte. „Na, weil du Anshel bist.

Schau in den Spiegel. Wenn jemals einer Anshel war, dann du.“ Ich nickte, sah ins Innere des „Paradieses“, das öde, dunkel und verstaubt dalag. Offenbar war die Bereitschaft, alte Schulden abzutragen, mit steigendem Wohlstand rapide gesunken. „Warum machst du den Laden nicht dicht? Kommt doch eh keiner.“ „Was sprichst du, Holzkopf? Kommt keiner? Du kommst und du kaufst. Stumpel. Fabrikneu. Mit und ohne Sinn. Bekommt niemand außer dir. Exklusiv an den Studiosus der Rechtswissenschaften.“ „Du balbierst mich über den Löffel, Seeligmann.“ „Du nennst mich einen Betrüger? Du? Hab ich

dir jemals etwas vorgemacht? Ein Stumpel ist ein Stumpel. Er dient keinem Zweck. Der Sinn eines Stumpels liegt in dem, was wir darin sehen wollen.“ Ich nickte, lächelnd, als redete ich mit einem alten, etwas seltsam gewordenen Onkel. „Willst du mir nicht verraten, wozu dein Stumpel diente, Moshe. Unter alten Freunden.“ Seeligmann hob den Finger. „Merke dir, Anshel: Im Geschäft und in der Liebe ist Freundschaft eine ganz schlechte Währung. Man gibt ein wenig, man nimmt ein wenig. Am Ende sollten alle zufrieden sein. Wenn nicht – na, dann war es womöglich die falsche Frau!“ Letzteres mit einem Augenzwinkern. Und das, ich schwöre, war alles, was ich

jemals zu diesem Thema in Erfahrung bringen konnte. Am Ende seines Lebens angekommen, entließ das Alter Seeligmann in die ungewisse, unbeständige Freiheit, nach der er sich so lange, so hartnäckig und scheinbar vergeblich gesehnt hatte. Sein scharfer Geist, der in der Vergangenheit allen Anfechtungen trotzig widerstanden hatte, verwehte unter dem Ansturm der Jahre, und mit ihm die Erinnerungen, die ihn so lange, so erbarmungslos in Geiselhaft genommen hatten. In dem verfallenden Körper wurde das Kind, das er einstmals gewesen war, ein letztes Mal wiedergeboren. Nun nicht mehr verfolgt von den Bildern der Vergangenheit.

Nun nicht mehr ein Gefangener des Lagers. Frei, frei. Ich besuchte ihn, den listenreichen Hüter des „Paradieses“, in der Pflegeanstalt, wo er, geschwächt und verwirrt, Abschied vom Leben nahm. Der schwere Leib war, zu seiner eigenen Sicherheit, wie es hieß, mit Riemen am Bettgestell fixiert, doch die spöttischen Blicke konnte niemand fesseln. Sie funkelten unverdrossen, auch wenn der Tod schon nahe war. Er freute sich, mich zu sehen. Er lächelte. Seine Sprache, dieses Instrument, auf dem zu spielen, er so meisterlich verstanden hatte, war zu einem heiseren, meist unartikulierten Krächzen versandet. Doch gelegentlich gab es Momente großer Wahrhaftigkeit. „Anshel“, sagte er bei unserer letzten Begegnung. „Bald werde ich sie alle

wiedersehen. Die ganze goldige Mischpoke. David, alle.“ Ich nickte und schwieg. „Ich werde sie an den Händen nehmen, und gemeinsam werden wir auf den Gräbern ihrer Mörder tanzen! Und lachen, lachen, lachen!“ „Das wirst du, Moshe, ganz bestimmt.“ Ich nahm seine Hand. Er drückte die meine mit dem bisschen Kraft, das ihm noch verblieben war. „Ich wünsche dir viele glückliche Jahre hier auf Erden, mein Junge. Und wenn es dereinst auch für dich ans Sterben geht, dann versprich mir, dass du uns besuchen kommst – dort oben, auf unserer Seite des Paradieses, der jiddischen. Bist nur ein oberschlauer Goj, aber ich werde trotzdem ein gutes Wort für dich einlegen.“ „Versprochen, Moshe. Großes

Indianer-Ehrenwort.“ Er nickte und schloss zufrieden die Augen. Bevor ich ging, warf ich einen letzten Blick zurück, durch die Tür auf die marode Gestalt in dem viel zu kleinen Bett, auf den Mann, der mich die Sinnlosigkeit aller Dinge und noch einiges mehr gelehrt hatte. Menschlichkeit, zum Beispiel, die keiner schönen Worte bedarf. Der Stumpel, den ich bei unserer ersten Begegnung nach harten Verhandlungen von ihm erworben hatte, lag nun kalt und glatt in seiner ausgestreckten Rechten. Welchem Zweck er auch immer gedient haben mochte, nun war er dort, wo er hingehörte. Leise schloss ich die Tür. Es war ein kalter, eisgrauer Morgen. Der Winter, noch um einiges entfernt, entsandte frostige Boten

durch die zu Fäusten geballten Wolken. Ich trat hinaus auf den Parkplatz und atmete einmal tief durch. Das ist das Ende der Geschichte. Das war das Ende meiner Kindheit. Ich kehrte nie mehr dorthin zurück.

© 2011 Peter Umland

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Herbsttag Diese Geschichte hat mich ziemlich mitgenommen und erschüttert. Aus meiner Kindheit weiß ich um das Ghetto Litzmannstadt und wie überheblich und unmenschlich Nazis damals mit Juden und anderen Nationalitäten umgegangen sind. Und ich habe Bedenken, dass es - wenn vielleicht auch in anderer Form - wieder geschehen könnte.
Könnte ich diese Geschichte irgendwo erwerben? Es würde mir viel daran liegen. Liebe Grüße Ira
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Liebe Ira, gerne würde ich dir deinen Wunsch erfüllen - allein, ich weiß nicht, was du meinst. Die Geschichte gibt es nur hier, eine gedruckte oder gebundene Version existiert nicht, kann demnach auch nicht erworben werden. Vielleicht lässt du mich wissen, was ich tun könnte.

Liebe Grüße
Dok
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Liesse sich denn eine Kopie erstellen?
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Natürlich, kein Problem. Ich glaube sogar, man kann den Text aus MyStorys ausdrucken, aber, wenn du das möchtest, schicke ich dir gerne eine Kopie zu - sofern gewünscht, auch mit Widmung. Ist ein bisschen eitel, oder? Was soll's! ;-)

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Sehr, sehr gerne. Dazu brauchst du vermutlich für die Schneckenpost meine Adresse?
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Ich würde natürlich raten - aber ich befürchte, dass könnte sehr lange dauern! ;-) Schick mir 'ne Nachricht, wenn du magst, oder eine Mail über meine Homepage!

Dok
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Du hast eine Antwort unter privat. Mit deiner Homepage habe ich offensichtlich ein Problem. Vielleicht altersmäßig zu dämlich, wer weiß! :-) Danke für die Münzen! Liebe Grüße Ira
Vor langer Zeit - Antworten
Sophia ...nein, lieber Dr. Seltsam...in keiner Weise wurde ich beim Lesen Deines Buches enttäuscht...eher im Gegenteilt...ich bin zutiefst berührt. Gerade dieses Geschehen, das uns zeitlebens begleiten und verfolgen wird ...zu recht! auch wenn wir als Nachkommen nicht direkt an diesem Völkermord beteiltigt waren...so wird es auch uns immer irgendwie belasten...so viel Schmerz, so viel Leid für das das deutsche Volk verantwortlich ist. Aber das was wir anderen antun, fällt letztendlich auch auf uns zurück und wird auch unser eigenes Leben überschatten...und ob wir Vergebung finden... Hier, in Deinem Buch hast Du Dich auf Deine Art mit der Thematik auseinandergesetzt...ohne mit dem Finger zu zeigen, ohne Überheblichkeit oder Anklage...ein sehr gutes Buch...lieben Gruß Sonja Sophia
Vor langer Zeit - Antworten
Sophia Ein Buch, das mein Interesse weckt es bis zum Schluss zu lesen...ich habe mir ein Lesezeichen gesetzt und werde es, da es mir nicht immer zeitlich möglich ist, in Ruhe lesen. Lieber Dr. Seltsam...schon der Anfang zeigt hier Deine große Gabe des Schreibens, schon jetzt bin ich sehr beeindruckt....lieben Gruß Sonja Sophia
Vor langer Zeit - Antworten
DoktorSeltsam Vielen Dank, Sophia. Ich hoffe, der Rest wird dich nicht enttäuschen. Lass mich bitte wissen, ob es dich angesprochen hat.

Liebe Grüße
Dok
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