Romane & Erzählungen
Der Weltenchat - 2.Anekdote des Abschiedes

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"Der Weltenchat - 2.Anekdote des Abschiedes"
Veröffentlicht am 19. August 2011, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Der Weltenchat - 2.Anekdote des Abschiedes

Der Weltenchat - 2.Anekdote des Abschiedes

2.aNEKDOTE DES aBSCHIEDES


 


Unruhig knackte sie an ihren Fingerkn├Âchelchen, diese Zappeligkeit konnte sie sich immer noch nicht abgew├Âhnen. Eine alte Angewohnheit, trivial, wirkungslos, aber ganz einfach automatisch. Irgendwas war anders, sie rutschte nerv├Âs auf ihrem B├╝rostuhl hin und her, sah sich kurz um und staunte ├╝ber ihre ungew├Âhnliche Hektik. Naja, alles beim alten eben, arbeiten gehen, nach Hause kommen, Katze f├╝ttern, M├╝ll raus bringen, immer der gleiche Typ auf der Couch vor der Glotze, sie konnte ihn echt nicht mehr

sehen. Doch heute hatte sie das seltsame Gef├╝hl, etwas w├╝rde sich ver├Ąndern. Sie w├╝rde zwar noch arbeiten, nach Hause kommen, Katze f├╝ttern, M├╝ll raus bringen und dem Penner auf der Couch einen Kuss aufdr├╝cken, doch das w├╝rde das letzte Mal sein. Es w├╝rde anders werden, nicht mehr so automatisch wie die Wochen zuvor es schon geworden ist, denn Abschied ist neu und neu ist aufregend. In der Bahn stank es nach Schwei├č und Feierabendbier, sie dr├Ąngte sich durch die Mengen ganz dicht an die T├╝ren, so konnte sie als erste dem

Geruchsschlachtwerk, ebenso wie den typischen ausdruckslosen Gro├čstadtgesichtern entfliehen. Noch eine Station, T├╝r ging auf und sie t├╝rmte aus der Menge. Frische, kalte Luft schlug ihr ins Gesicht und sie war dankbar, den unausweichlichen Ger├╝chen der Industriezombies zu entkommen. Ein paar Meter noch, Treppe hoch, T├╝r auf. Gut, in der Wohnung roch es nicht unbedingt angenehmer. Ihr bescheidenes Apartment versank im M├╝ll der letzten 3 Tage, die Katze pisste auf den Teppich und der Alte roch auch nicht viel besser. Kein Wunder auch, zu besoffen um den M├╝ll hinauszubringen, das Katzenklo zu leeren, von anderen scheinbar

selbstverst├Ąndlichen Aktionen ganz zu schweigen. Suri, so hei├čt n├Ąmlich unsere Heldin, mal ganz so nebenbei bemerkt, fragte sich nun, erstaunlicherweise zum allerersten mal, ob es allen Frauen in ihrem Alter so erging. Ob jeder Freund einer Freundin zum Liebesbeweis einen Waschentzug macht, r├╝lpst und schmatzt, selbst im Schlaf und gibt weitere, Etikett- freundliche Ger├Ąusche von sich, auf die ich nicht weiter eingehen m├Âchte, schlie├člich soll das ja eine anst├Ąndige Lekt├╝re werden und den Lesern nicht schlaflose N├Ąchte bereiten. Jedenfalls, m├Âchte ich nun hiermit, ein

wenig vom Thema ablenken und mich wieder unserer Heldin widmen.Wie nun schon zuvor gesagt, Suri 25Jahre alt, nicht verheiratet, zu ihrem Gl├╝ck, muss ich nun hier zuf├╝gen, da ihr M├Ąnnergeschmack noch gro├če Defizite aufweist, siehe oben. Charakterlich ruhig, gelassen, leicht zu sehr introvertiert, gelegentlich auf den ersten Blick pr├╝de wirkend. Nicht dass sie schlecht aussehen w├╝rde, denn das tat sie nun gar nicht, es ist wohl eher ihr Auftreten, dass so zur├╝ckhaltend und etwas ergraut wirkt, was sie wohl stark in Partnersuche einschr├Ąnkte. Wenn man so das Objekt ihrer Begierde in Augenschein nimmt, eine kurze

Beschreibung scheint ja als Beweis auszureichen. Nat├╝rlich, schlechter Geschmack hin oder her, als sie ihn kennen lernte verstand er sich noch auf den K├╝nsten der K├Ârperpflege und nahm auch gelegentlich Anspruch von mehr- oder weniger wertigen Pflegeprodukten. Doch innerhalb k├╝rzester Zeit, lie├č dieses nach und aus Parf├╝m wurde Billigdeo und aus Billigdeo ,wurde an guten Tagen, wenn ├╝berhaupt ein frisches Hemd. Nun sah sie ihn an, so wie er halb aufrecht sitzend auf der Couch schlief,

der Kopf leicht zur Seite gesunken, ein wenig zu sabbern schien, sah er ja sogar ganz niedlich aus. Erinnerte sie ein wenig an einen treuen Hund- haarig war er ja auch genug. Dumm nur, dass Suri kein Hundefreund war und diesen, dem launischen Stubentiger vor zog. Sie f├╝hlte sich nicht mehr wie Freundin... eher wie Mutter, Oma? Frauchen?! Da wurde ihr nun jedenfalls klar, ihr Gef├╝hl von eben vorhin hatte sie nicht im Stich gelassen, das hier w├╝rde ein Abschied werden und einen kurzen Moment hatte sie den Affekt, ein schlechtes Gewissen haben zu m├╝ssen, wenn sie die Trennung nicht schmerzen

w├╝rde. Doch der heutige Tag schien grundlos von der Norm abzuweichen und die pr├╝de Suri verwarf ihr schlechtes Gef├╝hl schnell wieder, kompensierte dies mit ihrer zynischen Art ÔÇ×Sein beachtliches Ausma├č an Dummheit, das ja schon bewundert werden m├╝sste, schmerzt genugÔÇť Suri dr├╝ckte ihm einen kurzen Kuss auf die Stirn, warf sich eine Tasche ├╝ber die eine Schulter, die aufgehetzte Katze ├╝ber die andere und ├Âffnete ihre T├╝r in die Freiheit. Nur ein kurzer Blick zur├╝ck. ÔÇ×Ich werde nichts vermissen.ÔÇť

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Reila88

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Gast TheJesus von LC - TheJesus von LC

hey honey
schreib weiter ├╝bung macht den meister ich finde die egschichte gut vom schreibstil mit den zwischengeworfenen infos.
an eine rtselle ein wenig zuviel aber wei├čte ja shcon von ingame ;9
Vor langer Zeit - Antworten
Gast gef├Ąllt mir :)
LG Shad :D
Vor langer Zeit - Antworten
Reila88 Re: -
Zitat: (Original von Draconian28 am 25.08.2011 - 12:51 Uhr) Das ist krass:-)
Gef├Ąllt mir gut
LG


..und nichtsdestotrotz gar nicht so unreal
:-)
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Reila88 Re: -
Zitat: (Original von Leichtmatrosin am 24.08.2011 - 11:15 Uhr) Wirklich schade, dass sie ihren Freund nicht schon fr├╝her verlassen hat. All die Jahre (oder auch Monate) an einen Menschen zu verschwenden, der die eigene Liebe nicht w├╝rdigt, sondern sich immer mehr gehen l├Ąsst, muss ziemlich hart sein. Und da m├Âchte noch einer behaupten, dass es immer die Frauen sind, die sich, nach der Schwangerschaft bevorzugt, gehen lassen. Pah!
Was mir als Allererstes beim Lesen aufgefallen ist, ist dein Schreibstil, der den Leser von der ersten Sekunde an packt. Auch in der Mitte der Lekt├╝re, dort, wo ich bei all den anderen zu lesen aufh├Âre, weil mich die Rechtschreibung oder die Reihenfolge der W├Ârter an den Rand des Wahnsinns treibt, fesselst du mich mit deiner koketten und am├╝santen Erz├Ąhlsweise, sodass ich nicht anders kann, als bis zum Schluss zu lesen.
Zwar ist es nun mal bei den Kurzgeschichten ├╝blich, dass die Anzahl der Seiten relativ gering und die Handlung recht kurz gehalten werden soll, doch du hast es sehr gut hinbekommen, dass der Leser viele Informationen ├╝ber die jeweiligen Protagonisten erfahren, ohne sich zu langweilen oder Kopfschmerzen von den vielen Details zu bekommen.
Was kann ich noch dazu sagen? Hm, eigentlich nur, dass es mir Spa├č gemacht hat, diesen Text zu lesen. :-)



vielen dank f├╝r die nette kritik und die bem├╝hung, fast eine halbe seite, ich f├╝hl mich geehrt^^
ich werde mich bem├╝hen mehr von dieser sorte zu bringen, hab ja auch ein paar ganz passable ideen und eventuel die geschichte fortf├╝hren- es ist ja eigentlich nur ein abge├Ąnderter auszug

danke noch mal und liebe gr├╝├če
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