Romane & Erzählungen
BELLA ITALIA

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"BELLA ITALIA"
Veröffentlicht am 10. Juli 2011, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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BELLA ITALIA

BELLA ITALIA

Beschreibung

Hallo! :) Ich wusste nicht genau, wo ich meine Geschichte jetzt einordnen soll, hoffe es ist hier nicht ganz falsch. Also, vorab m├Âchte ich noch sagen, dass in meinem Text vielleicht nicht direkt die Merkmale und Kennzeichen einer Kurzgeschichte vorhanden sind (z.B. Wendepunkt usw.) . Es sollte auch eher eine kurze Erz├Ąhlung sein... Meinungen von Lesern w├Ąren mir recht wichtig, da ich mit dieser Geschichte eventuell an einem Wettbewerb teilnehme!

BELLA ITALIA

 

Lustlos bl├Ątterte ich durch den Reisef├╝hrer, den mein Vater mir aufgedr├Ąngt hatte. ›ROM – Die kulturellen H├Âhepunkte‹ stand in gro├čen Lettern auf dem Einband. Als ich gerade die zwanzigste Kirche intensiv begutachtete, schellte es an der T├╝r unserer Ferienwohnung. Ich hie├č die kleine Unterbrechung nur allzu gern willkommen und machte mich auf den Weg.

Kaum schwang die T├╝r auf, dr├Ąngten sich auch schon meine zwei ├Ąlteren Schwestern, Megan und Ellen, samt T├╝ten und Taschen in den Flur.

┬╗Halt das mal, Grace.┬ź

┬╗Und das hier auch.┬ź Na toll. Ich fungierte wieder als Taschenhalter.

Einen Augenblick sp├Ąter taumelte ich schwer beladen mit den Ergebnissen einer Shoppingtour in das Wohnzimmer. Das Geplapper meiner Schwestern ging mir schon jetzt auf die Nerven und ich verschwand z├╝gig in unserem ger├Ąumigen Badezimmer. Verloren betrachtete ich mich im Spiegel. Meine sonst so blasse Haut hatte einen leichten Braunton angenommen; die italienische Sonne half wohl doch ein wenig nach. Rund um mein schmales Gesicht kringelten sich rot – blonde Locken, die ich l├Ąssig zu einem Zopf zur├╝ckgebunden hatte.

┬╗Grace! Mum und Dad sind zur├╝ck! Wir wollen in einer Viertelstunde los┬ź, rief Megan Richtung Badezimmert├╝r.

Ich seufzte. Es blieben einem nicht mal zehn Minuten f├╝r sich.

Mein Vater ist von den antiken Gem├Ąuern und r├Âmisch – katholischen Kirchen vollauf begeistert. Deshalb wunderte es mich nicht, dass wir an diesem Tag die Vatikanstadt aufsuchten. Als ich den ersten Schritt ├╝ber die T├╝rschwelle unseres Hauses setzte, schlug mir die br├╝tend hei├če Luft entgegen. Kein L├╝ftchen regte sich, die Stra├čen flimmerten in der Hitze. Trotz des luftigen Sommerkleids brach mir nach einer gef├╝hlten Minute der Schwei├č aus. Wenn jemand nach meiner Meinung gefragt h├Ątte – was nat├╝rlich keiner tat – w├Ąren wir ans Mittelmeer gefahren, doch mein Vater hatte auf einen Kultururlaub bestanden. Dabei schien ihm das Wetter ganz egal zu sein. So krochen wir also im G├Ąnsemarsch zu der n├Ąchsten Bushaltestelle. Die Busfahrt entwickelte sich zum Horrortrip: Dicht aneinandergedr├Ąngt standen wir eine halbe Stunde in dem schaukelnden Gef├Ąhrt bei 50┬░ ohne Klimaanlage. Ich lauschte den fr├Âhlichen Gespr├Ąchen der Italiener, obwohl ich kein Wort verstand.

┬╗Wir steigen die N├Ąchste aus!┬ź, rief meine Mutter mir zu.

Erleichtert, der Enge und der Hitze des Busses zu entkommen, nickte ich.

Mit quietschenden Reifen kam das Fahrzeug schlie├člich zum Stehen. Wir standen direkt vor der Stadtmauer, die die Vatikanstadt umgab. So weit das Auge reichte tummelten sich Touristen mit Fotoapparaten und Reisef├╝hrer herum. Essensger├╝che wehten zu uns her├╝ber.

┬╗Ah, wunderbar!┬ź, schw├Ąrmte Dad. ┬╗Lasst uns keine Zeit vertr├Âdeln, wir haben heute viel vor.┬ź

Megan, Ellen und ich versuchten uns ein L├Ącheln abzuringen, das allerdings wie Eis in der Sonne zerschmolz.

Seufzend bildete ich das Schlusslicht unserer kleinen Karawane, die sich m├╝hsam durch die Menschenmassen voran k├Ąmpfte.

┬╗Wir werden als Erstes die Vatikanischen Museen besichtigen. Hierbei handelt es sich haupts├Ąchlich um ein Kunstmuseum. In dem Reisef├╝hrer stand, dass sie dort auch F├╝hrungen anbieten und …┬ź Dad redete wie ein Wasserfall, sodass ich nach dem zweiten Satz nur noch mit halbem Ohr lauschte. Stattdessen nahm ich meine Umgebung genauer unter die Lupe: Ich hatte mir den kleinsten Staat der Welt immer als verschlafenes St├Ądtchen, als Ruheoase vorgestellt. Nichts von meinen ├ťberlegungen bewahrheitete sich. Selbst an einem derartig hei├čen Tag waren die Stra├čen vollgestopft von Touristen, aber auch Einheimischen. Caf├ęs und Restaurants s├Ąumten die Stra├čen, boten den Besuchern Erfrischungen an und machten diesen Sommer sicherlich das Gesch├Ąft ihres Lebens. Sehns├╝chtig stellte ich mir vor, wie es w├Ąre, im Schatten eines Hauses zu sitzen und einen kalten Eiskaffee zu schl├╝rfen.

W├Ąhrend meiner ├ťberlegungen war ich stehen geblieben, ohne es zu merken. Schnell suchte ich nach dem bunten Top meiner Schwester, dem ich schon die ganze Zeit folgte. Pl├Âtzlich kam es mir vor, als h├Ątten sich die Menschen verdoppelt. Mit klopfenden Herzen hielt ich weiterhin Ausschau. Routinehalber tastete ich nach meinem Handy in der Hosentasche, nur das ich keine Hosentasche an meinem Sommerkleid fand. ┬╗Verdammt!┬ź, entfuhr es mir. Fremde Stadt, fremde Sprache, kein Handy, keine Karte und die Familie aus den Augen verloren. Wow, das klang typisch nach mir.

Ich stellte mich auf Zehenspitzen, um eine bessere Sicht zu bekommen. Innerlich betete ich, dass eine meiner Schwestern oder Mum bemerken w├╝rde, dass ich fehlte – und mich dann hoffentlich auch suchten. Meine Suche blieb erfolglos. ┬╗Blo├č keine Panik, Grace┬ź, murmelte ich vor mich hin. Dabei stand ich kurz davor, loszuheulen. Warum musste so etwas immer mir passieren?!

Verzweifelt setzte ich mich in einen schattigen Treppeneingang, um nachzudenken. Wie weit war es zu den Vatikanischen Museen? Sollte ich mich bis dorthin durchfragen und dann hoffen, dass meine Familie da auf mich wartete?

Unentschlossen stand ich auf und ging ein St├╝ck die Stra├če hinunter bis zur n├Ąchsten Kreuzung. Vielleicht gab es eine Ausschilderung, der ich folgen konnte.

┬╗Mi scusi, signorina!┬ź

Erschrocken wirbelte ich herum. Eine Handbreite entfernt stand der h├╝bscheste Junge, den ich je gesehen hatte. Er war einen Kopf gr├Â├čer als ich und schaute mit seinen nussbraunen Augen auf mich herab.

F├╝r einen Moment verschlug es mir die Sprache.

┬╗├ähm, ich spreche … i don‘t speak italien, sorry┬ź, brachte ich schlie├člich heraus. Nicht einen Moment konnte ich den Blick von ihm abwenden und versank f├Ârmlich in seinen Augen.

┬╗Kein Problem, zum Gl├╝ck kann ich deutsch┬ź, antwortete der Junge und grinste mich an. Nicht der Hauch eines Akzentes verriet ihn.

┬╗Oh.┬ź Ich l├Ąchelte sch├╝chtern. Es kostete mich einige Anstrengung, doch schlie├člich fragte ich:┬╗Kannst du mir den Weg zu den Vatikanischen Museen beschreiben?┬ź

┬╗Wie w├Ąr‘s, wenn ich dich dorthin bringe?┬ź, schlug mein Gegen├╝ber charmant vor.

Ich wollte schon ablehnen, aber wie durch ein Wunder willigte ich ein.

Er zwinkerte mir zu. ┬╗Da wir jetzt gemeinsam herumlaufen: Wie hei├čt du?┬ź

Bei dem Zwinkern wurden meine Beine weich wie Pudding. Schei├če, er war so hinrei├čend! ┬╗Ich hei├če Grace und du?┬ź

┬╗Claudio.┬ź

Wir sprachen noch eine Weile, bis in der Ferne die Museen in Sicht kam. Genug Zeit f├╝r mich, meinen neuen Begleiter zu begutachten. Er sah aus wie ein italienisches Model mit seinen schwarzen, gewellten Haaren und dem muskul├Âsen K├Ârper, der sich unter sein T-Shirt abzeichnete. Mit gr├Â├čter Selbstbeherrschung widerstand ich dem Drang durch seine Haare zu streichen und meine Arme um seinen Oberk├Ârper zu legen. Wie sich herausstellte, war er siebzehn, also ein Jahr ├Ąlter als ich. Nach weiteren f├╝nf Minuten entdeckte ich Ellen im Schatten eines Baumes nahe dem Museumseingang. Ein Gef├╝hl des Widerwillens ergriff mich. ┬╗Da dr├╝ben ist meine Schwester┬ź, erkl├Ąrte ich Claudio.

┬╗Sie hat dich bestimmt schon vermisst.┬ź Und dann beugte er sich zu mir herab und hauchte mir einen Kuss auf die Wange.

Im ersten Moment wusste ich nicht, wie mir geschah. Es hatte sich so gut angef├╝hlt.

┬╗Am Besten ich schreibe dir meine Handynummer auf┬ź, bot Claudio an.

Ich nickte. ┬╗Ich rufe dich dann an.┬ź

Er schloss mich f├╝r eine kleine Ewigkeit in seine Arme. ┬╗Ich w├╝rde mich sehr freuen, dich wieder zu sehen, Grace.┬ź

Oh ja, wenn‘s nach mir ginge, w├╝rdest du noch heute bei mir einziehen, S├╝├čer, dachte ich vergn├╝gt. Stattdessen sagte ich: ┬╗Tsch├╝ss, bis morgen.┬ź

Freudestrahlend lief ich zu Ellen hin├╝ber.

┬╗Da bist du ja, Grace!┬ź

┬╗Wo sind die anderen?┬ź, fragte ich fr├Âhlich.

Ellen musterte mich misstrauisch von oben bis unten. ┬╗Warum pl├Âtzlich so gut gelaunt? Schlie├člich bist du anderthalb Stunden alleine durch eine fremde Stadt geirrt. Zu deiner Frage: Megan, Mum und Dad haben sich aufgeteilt und suchen nach dir.┬ź Sie begann auf ihrem Handy herumzutippen und die anderen zu informieren, dass ich wieder da war.

┬╗Ich hab die Stadt mit anderen Augen kennengelernt, Ellen┬ź, er├Âffnete ich ihr.

Meine gro├če Schwester stie├č einen Seufzer aus. ┬╗Vielleicht l├Ąsst du deine Augen n├Ąchstes Mal lieber auf uns gerichtete.┬ź

Selbst der kleine Seitenhieb lie├č mich unber├╝hrt. Gl├╝ckselig dachte ich ├╝ber die pl├Âtzliche Wendung meines Sommers in Italien nach. Sofort musste ich an meine beste Freundin Lorna denken, die tats├Ąchlich an Liebe auf den ersten Blick glaubte. Bisher hatte ich mich immer dar├╝ber lustig gemacht, doch nach der Begegnung mit Claudio und dem fl├╝chtigen Kuss geriet meine Gewissheit ins Wanken.

Nun, wie auch immer: Viva l'Italia e l'Amore!

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MissWinky

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MarionG Gef├Ąllt mir recht gut - Die Geschichte ist fl├╝ssig geschrieben. Es gibt h├Âchstens ein paar Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind.
Z.B. : Seite 3: Touristen mit Fotoapparaten und Reisef├╝hrer.
Da Du die Fotoapparate ins Plural setzt, w├╝rde ich auch die Reisef├╝hrer in Plural setzen.
Insgesamt wirklich gut geschrieben. Kannst Du einreichen. ;o))
Liebe Gr├╝├če
Marion
Vor langer Zeit - Antworten
MissWinky Danke f├╝r eurer positives Feedback! ;)

Eigentlich dachte ich mir, dass dies eine abgeschlossene Geschichte ist, deshalb hab ich bis jetzt noch nicht ├╝ber eine Fortsetzung nachgedacht, aber mal sehen ...

Leider bin ich mit meinem recht zarten Alter noch nicht in den Genuss gekommen, Rom mit eigenen Augen zu sehen, aber ich denke, dass werde ich eines Tages ganz sicher nachholen. Es war mir doppelt wichtig, ob es mir ein wenig gelungen ist, die italienische Atmosph├Ąre einzufangen.
Danke f├╝r den Hinweis mit den Vatikanischen Museen. Werde ich mal verbessern.

LG, Miss Winky
Vor langer Zeit - Antworten
QueenMaud Hi! Als gl├╝hender Rom-Fan habe ich deine Geschichte nat├╝rlich doppelt gern gelesen und sie hat mir auch recht gut gefallen.

Wenn du damit in einen Wettbewerb m├Âchtest, w├Ąre eines vielleicht wichtig: Bitte schreib 'die Vatikanischen Museen', denn obwohl man durch alle in einem Rutsch mit nur einem Ticket laufen kann, handelt es sich doch offiziell um mehrere Museen und das weist dich als Kennerin aus ;-)
LG
QueenMaud
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Una escursione interessante - Gut geschrieben! W├╝rde gerne wissen ob dein Fremdnef├╝hrer am n├Ąchsten Tag wieder aufgetaucht ist.
Ciao Katakombe
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