Romane & Erzählungen
GuiltyArt - Eine lange Reise

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"GuiltyArt - Eine lange Reise"
Veröffentlicht am 14. Januar 2007, 12 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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GuiltyArt - Eine lange Reise

GuiltyArt - Eine lange Reise

Guiltyart und seine Bedeutung

Lieber Leser, ich haben den Wunsch an dieser Stelle , etwas ĂŒber die Menschen zu schreiben , die mich in meinem Leben , nicht nur begleitet haben , sondern mein Leben entscheidend geprĂ€gt und es mich haben , so leben lassen , wie ich es als RICHTIG empfunden habe und weiterhin auch empfinde. GuiltyArt ist zunĂ€chst nur eine aneinanderreihung von zwei Worten , die ĂŒbersetzt bedeuten :, Schuldige Kunst , der Kunst schuldig sein . Genau aus dieser Interptretation ist im Jahre 1997 die Kunstgruppe GUILTYART entstanden . Diese Gruppe bestehend aus Gefangenen des , In NRW C- Vollzuges, Inhaftierten,in der Ich so viel Potential, aber auch bis zum heutigen Tage Menschlichkeit erleben durfte , veranlasst mich , nicht etwa ĂŒber etwaige Straftaten zu schreiben , vielmehr ist es mein erklĂ€rtes Ziel ĂŒber diese Menschen und deren Geschichte zu schreiben . Ich will hier an dieser Stelle auch nicht ergrĂŒnden , warum es zu den Straftaten gekommen ist , oder warum der Eine oder Andere diesen Weg genommen hat , mir geht es hier um die Geschichte und deren Verlauf . Wer in einer Institution , wie einer Haftanstalt fĂŒr Langzeitinhaftierte arbeitet, der hat , wenn er das Vertrauen der Inhaftierten genießt , einen wirklichen Einblick in deren Schaffen. Ich bin in gewisser Hinsicht stolz darauf diese Vertrauen zu geniessen und mit Erlaubnis meiner WeggefĂ€hrten zu handeln.
Ich maße mir hier nicht an zu urteilen , vielmehr will ich das mir anvertraute, an den interessierten Leser weitergeben , vielleicht um etwas VerstĂ€ndnis zu wecken, oder aber um ihm Einsicht in eine andere Welt , die trotz Allem teil unserer Welt ist , zu ermöglichen

Die Schwelle

Als ich im Jahre 1990 meine Karriere begann , stand noch nicht geschrieben , dass ich aus der heutigen Perspektive berichten soll. Nach nahezu 12 Jahren bei der Bundeswehr und einem anschließenden Studium der Sozialwissenschaften , war nicht absehbar , wohin meine Reise gehen sollte. Heute ist der Weg klar vorgezeichnet und ich bin in der Lage das Erlebte zu reflektieren .
Zu Beginn meiner TĂ€tigkeit im NRW Strafvollzug , war ich wie jeder Neue davon angetan , das Neue zuallererst zu verstehen und mich darin zu bewegen . Ich lernte schnell und wenn ich zurĂŒckblicke dann weiß ich auch warum . Ich war und bin im Grund meines Wesens nicht anders , als die Menschen die hinter Gitter sitzen . Da fĂ€llt mir ein Ausspruch von Kaiser Napoleon ein , der einmal von einem Zeitgenossen auf die Frage : Wie er denn seine grössten Verbrecher bewachen lassen wĂŒrde , antwortete: Von noch grĂ¶ĂŸeren Verbtrechern.
Genau diese Antwort eines großen Feldherrn trifft des Pudels Kern. Nur wer den Menschen und dessen MentalitĂ€t kennt , kann ihn und sein Tun verstehen und demgemĂ€ĂŸ handeln. Mir wurde sehr schnell klar. Ich war einer von Ihnen. Nur das ich , dank eines Wink des Schiksals, auf der anderen Seite stand.
Mir geht es bei dieser Veröffentlichung nicht darum , ĂŒber Straftaten zu berichten , auch will ich nicht ĂŒber Ethik und Moral sprechen . Meine Intention liegt vielmehr darin , den Einzelnen , dessen Geschichte , ob wahr oder verschönert , so zu erzĂ€hlen , wie sie mir zugetragen wurde und ich ĂŒberlasse es dem Leser sich sein eigenes Urteil zu bilden . Namen und Geschichten sind also nicht rein fiktiv, sondern entsprechen dem ErzĂ€hlten. Wer jetzt auf reisserische Berichterstattung hofft, den kann ich nur entĂ€uschen , denn die Geschichten schrieb das Leben selbst und so Manche ist vielmehr traurig, als denn spektakulĂ€r. Namen und Begebenheiten entsprechen also der mir dargestellten und dem Gefangenen verbliebenen Erinnerungen .

Eingesperrt. Na und !

Jeder Mensch , der schon einmal in einer Haftanstalt war, wird nahezu die gleichen EindrĂŒcke wiedergeben , wie ich sie hier in dem Kapitel schildere.
Man betritt eine andere, eine neue, einem vollkommen unbekannte Welt in der man ohne fremde Hilfe absolut abhĂ€ngig ist .Hier herrschen andere Gesetze . Schon das Wissen um die Tatsache das ich keine TĂŒre von Hand öffnen kann, macht einem zu schaffen, verurteilt selbst den Besucher einer solchen Institution sich in die HĂ€nde des Systems zu begeben und mit sich schalten und walten zu lassen.Alles dreht sich nur um die Sicherheit , denn zum Unbehagen ĂŒber sich nicht selbst öffnende TĂŒren kommt ja noch das Wissen umgeben zu sein von StraftĂ€tern , die in Freiheit mitunter die grausamsten Verbrechen verĂŒbt haben .
SelbststÀndigkeit wird hier klein geschrieben , jede TÀtigkeit ist geplant und wenn man es genau nimmt, so wird der gesamte Tagesablauf vorgegeben.
Nachdem ich mich um diese TĂ€tigkeit beworben hatte und ein mehr oder weniger umfangreiches Testing durchlaufen hatte bekam ich die Anstellung und ich wurde ohne auch nur jemals einen Blick hinter die Mauern einer JVA geworfen zu haben auf die dort einsitzenden Inhaftierten losgelassen.SelbstverstĂ€ndlich durchlĂ€uft jeder Bedienstete eine zweijĂ€hrige Ausbildung, die ihn auf die Arbeit mit Inhaftierten vorbereiten und rĂŒsten soll ,aber aus meiner Erfahrung weiß ich das nur das Leben die richtige Schule fĂŒr diese Art TĂ€tigkeit ist. Wie kann ich wissen wie viel Schmerz ich einem Menschen zufĂŒge , wenn ich ihn schlage , wenn mir das nicht schon selbst widerfahren ist ? Wie soll ich erkennen das ein Mensch traurig ist , wenn ich slber nicht weiß was Trauer bedeutet und was sie auslösen kann? Ich habe mich die ganzen Jahre auf neine Instinkte verlassen , ich spĂŒre es wenn etwas in der Luft liegt , ich weiß wann ich wie mit jedem einzelnen Gefangenen sprechen kann. Meine Sinne sind durch meine Arbeit geschĂ€rft und ich kann mich auf sie verlassen . Ich möchte hier einfach nur zu verstehen geben , dass ein Inhaftierter bei der ersten Begegnung weiß mit wem er es zu tun hat, denn seine Sinne mĂŒssen gut entwickelt sein , um die bevorstehende Haft zu bestehen .
An meinem ersten Arbeitstag war fĂŒr mich klar:" Hier darfst du niemals einen Schritt zurĂŒckgehen!
Und damit beginnt eigentlich meine Geschichte

Mein neues Leben beginnt

Zeit meines Lebens hatte Sport fĂŒr mich immer eine ganz besondere Bedeutung.
Nicht nur das ich mich mit Anderen messen konnte, ich konnte mit sportlicher BetĂ€tigung meine Stimmung beeinflussen, mein SelbstwertgefĂŒhl wurde gestĂ€rkt, ich fĂŒhlte mich in vielen Situationen meinem GegenĂŒber ĂŒberlegen. Der Sport hat mich reich an Freundschaften gemacht und mich auch in persönlich schwierigen Situationen davor bewahrt vom rechten Weg abzukommen. Kurzum , Sport ist nicht nur gut fĂŒr die Gesundheit im Allgemeinen , vielmehr kann ich durch sportliche BetĂ€tigung viele SchĂ€dliche EinflĂŒsse egalisieren und das war es was mich dazu veranlasst hat bei meiner Berufswahl, Sport mit Gefangenen durchzufĂŒhren . Mir sollte sich im Laufe der Jahre, in denen ich das praktiziert habe , ein noch viel wichtiger Aspekt zuteil werden . Menschlichkeit.
Mein erster Tag in der Sportabteilung der JVA war fĂŒr mich wie ein Sprung ins kalte Wasser. NatĂŒrlich hatte ich im Laufe meines Lebens schon viele gut gefĂŒllte Sporthallen gesehen , aber was ich bis heute nirgendwo anders erlebt habe ist die Hingabe , mit der sich die Gefangenen auf jede Art von Sport stĂŒrzen . Anfangs waren meine GefĂŒhle , mit ca 60 Mann aller Coleur eingesperrt in einer Sporthalle , zwiegespalten , heute weiß ich das diese anfĂ€ngliche Angst völlig unbegrĂŒndet war und ist.Ich möchte deshalb aus der Vielzahl der menschlichen Begegnungen zu Beginn meiner Arbeit einen Menschen und dessen Geschichte herausstellen und die Geschichte dieses Menschen erzĂ€hlen.............

Hab Scheiße gebaut !

Man muß sich einmal vorstellen . Ich bin an einem Montagmorgen im Begriff ein Hafthaus zum Sport abzuholen und in den Fluren drĂ€ngen sich die Gefangenen, weil sie wissen das auch ich an gewisse Regeln gebunden bin , d.h. ich darf , wenn ich den Sport alleine durchfĂŒhre nur eine bestimmte Anzahl von Inhaftierten mit in die Halle nehmen. Also frei nach dem Motto: Wer zuletzt kommt , den bestraft das Leben "
Eigentlich ist das in den Reihen der Gefangenen schon entschieden , wer an diesem morgen mit mir zum Sport geht und wer nicht , aber just an diesem Tag zeichnet sich ein etwas anderes Bild , denn unter den ansonsten bekannten Inhaftierten erscheint mir ein HĂŒne , der mit gewohnt sicheren Schritten auf mich zuhĂ€lt und mir sagt. Ich habe Scheiße gebaut "
Etwa 198cm, groß , braun gebrannt , langes schwarzes Haar, muskelbepackt und einem klaren Blick , der beim Betrachter keine Fragen offenlĂ€sst. Genau so habe ich mir immer die Indianer aus den ErzĂ€hlungen vorgestellt.Er spricht gebrochenes Deutsch, aber mit einem Schlag wie es bei Spaniern ĂŒblich ist . Sein Blick ruht auf mir und erwartet eine Antwort. Ich sage ihm , ohne zu wissen mit wem ich es zu tun habe, "Wenn du bei mir Scheiße baust , fliegst du raus ", worauf er verstehend nickte . Sein Name war LOUI und er sollte lange Zeit als eine Art Guard an meiner Seite bleiben . Fortsetzung folgt
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SBeyen Ich freue mich - auf die Fortsetzung. :-)
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