Romane & Erzählungen
Und er malte

0
"Und er malte"
Veröffentlicht am 07. Mai 2010, 8 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich schreibe seit ich 14 bin und auch vorher hatte ich schon immer eine lebhafte Fantasie. In der Grundschule bin ich dem Star Trek Virus verfallen, spielte es in der Pause nach und machte meiner Klassenlehrerin wohl Sorgen, wenn ich von Photonentorpedos und Solantrieb sprach. Gleichzeitig war ich ein Fan von Darkwing Duck ^^ Und jetzt bitte Hand hoch, wer ihn auch heute noch witzig findet. Kurz bevor ich mit dem Schreiben begann, hatte ich ...
Und er malte

Und er malte

Beschreibung

Ein Kind, das nicht spricht. Ein Kind, das niemanden anschaut. Eine Schwester mit EngelsflĂŒgeln und Buntstiften...

Mein Bruder war 5 Jahre Ă€lter als ich und trotzdem hatte er nie mit mir gespielt. Er saß immer in der gleichen Ecke im Wohnzimmer und starrte mit angsterfĂŒllten Augen an die Wand. Er sprach nicht und wenn unsere Mutter ihn nicht gefĂŒttert hĂ€tte, dann wĂ€re er verhungert. Niemand wusste, warum er so war. Es war plötzlich passiert, kurz vor meiner Geburt.
Eines Tages mussten meine Eltern beide zu einem Termin. Das war bis dahin noch nie passiert. Einer war immer zu Hause geblieben, um auf meinen Bruder aufzupassen. Sie hatten mir gesagt, dass sie das taten, weil man nie wĂŒsste, ob er nicht doch einmal ausrasteten wĂŒrde oder so. Deswegen verboten sie mir auch in dieser Zeit in seine NĂ€he zu kommen. Aber ich hielt mich nicht daran. Ich hatte keine Angst vor ihm und wollte nicht glauben, dass er mir etwas tun könnte. Ich hatte ihm schließlich auch nichts getan.
Unsere Eltern gingen und ich setzte mich zu meinem Bruder ins Wohnzimmer. Neben ihm, sodass er auch alles sehen konnte, malte ich mit meinen Buntstiften. Irgendwann sah er mich an. Ungewöhnlich fĂŒr ihn. Sonst hatte er nie Menschen angesehen.
„Möchtest du auch malen?“, fragte ich und hielt ihm den Stift hin.
Er griff danach. Doch er konnte ihn nicht halten. Auch wenn er einmal in der Woche eine Therapie bekam, hing er weit in der Entwicklung zurĂŒck und seine HĂ€nde waren steif, weil er sie immer zur Faust geballt hatte. Ich legte meine Hand auf Seine, schob seine Finger so hin, wie er sie zum Malen brauchte. Er lenkte die Bewegung. Ich hielt das Gewicht des Stiftes. Am Anfang waren es nur Striche und Kreise. Dann ĂŒbernahm ich die FĂŒhrung und zeigte ihm, wie man einen Baum malte. Er machte es nach. So verbrachten wir den gesamten Nachmittag.
Ohne dass meine Eltern es wussten, malten wir jeden Tag und es ging immer besser. Mein Bruder begann sich sogar langsam zu verÀndern. Er konnte zwar nicht sprechen, aber die Zeichnungen waren unsere Sprache. Er lernte den Stift allein zu halten, was zwar seltsam aussah, aber funktionierte. Und manchmal schaute er zu mir hoch und sah mir direkt in die Augen. Doch es gab auch immer wieder Wochen, in denen auch unsere Sprache nicht funktionierte.

Je Ă€lter mein Bruder wurde, desto öfter dachten meine Eltern darĂŒber nach, was sie mit ihm machen sollten. Sie wollten ihn nicht ewig durchfĂŒttern. Inzwischen war er schon 20.

In einer Nacht kam mein Bruder zu mir. In seiner Hand hatte er Stifte und Papier. Er machte das Licht an. Ich wachte auf. Er setzte sich auf den Boden vor meinem Bett und fing an zu malen. Ich kĂ€mpfte meine MĂŒdigkeit runter und kniete mich zu ihm. Seine Zeichnungen waren nicht anders als die eines Kindergartenkindes, aber ich erkannte, was er malte.
„Ist das Papa?“, fragte ich mit zitternder Stimme.
Mein Bruder sah mich an und dann wieder auf das Bild. Ich wertete das als ja.
„Deswegen also. Hab keine Angst. Ich sorge dafĂŒr, dass er dir nie wieder etwas antun kann.“
Ich nahm mein Handy und wÀhlte die 110. Dass es mitten in der Nacht war, interessierte mich nicht. Das, was mein Vater ihm angetan hatte, durfte auf keinen Fall eine Minute lÀnger ungestraft bleiben.
Mein Bruder nahm wieder den Stift in die Hand. Ich erkannte mich selbst mit FlĂŒgeln und einem Stift in der Hand. Dann geschah etwas, womit ich nie gerechnet hĂ€tte. Mein Bruder nahm mich in den Arm und klammerte sich an mir fest. Er hatte mich noch nie so berĂŒhrt. Vor jeder Art von Körperkontakt hatte er bisher Angst gehabt und jetzt wusste ich auch warum. Er lehnte sich an mich und weinte.

Das alles ist jetzt 10 Jahre her. Mein Bruder hat das Sprechen wieder erlernt. Nachdem seine Mauer aus Angst und Pein endlich gebrochen und die Wahrheit endlich ans Licht gekommen war, konnte er zurĂŒck ins Leben finden. Ich lebe noch heute mit ihm zusammen und fiebere mit ihm, dass er in weniger Wochen seinen Abschluss machen kann.

http://www.mscdn.de/ms/karten/beschreibung_34885-0.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/beschreibung_34885-1.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_205813.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_205814.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_205815.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_205816.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_205817.png
0

Hörbuch

Über den Autor

Minyu
Ich schreibe seit ich 14 bin und auch vorher hatte ich schon immer eine lebhafte Fantasie.

In der Grundschule bin ich dem Star Trek Virus verfallen, spielte es in der Pause nach und machte meiner Klassenlehrerin wohl Sorgen, wenn ich von Photonentorpedos und Solantrieb sprach. Gleichzeitig war ich ein Fan von Darkwing Duck ^^ Und jetzt bitte Hand hoch, wer ihn auch heute noch witzig findet.

Kurz bevor ich mit dem Schreiben begann, hatte ich meinen ersten Kontakt mit Animes. Wie bei den meisten auch, handelte es sich dabei um PokĂ©mon, allerdings fesselte mich Digimon sehr bald viel mehr. Kurze Zeit spĂ€ter lernte ich Dragonball Z und Vegeta kennen. Mehr muss ich dazu nicht sagen Werft doch einen kleinen Blick in den FanFiktion Bereich ^^ Auch heute bin ich noch ein Anime und Manga Fan. Dank des Umzuges im letzten Jahr, habe ich auch wieder Platz, um meine Sammlung zu vergrĂ¶ĂŸern.

Neben dem Schreiben zeiche gerne und, wenn niemand in der NĂ€he ist, singe ich auch *g* Allerdings fallen dann meist die Vögel draußen von den BĂ€umen.

5 Fakten:
Ich bin ein Nerd und steh dazu
Ich kann an keinem Schreibwarenladen vorbei
Ohne Block gehe ich nicht aus dem Haus
Beim Schreiben muss ich immer HintergrundgerÀusche haben (gerne Dokus)
Ich stelle mir meine Charaktere meist als Animefiguren vor

Leser-Statistik
27

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Minyu Re: FlĂŒgel -
Zitat: (Original von Trollbaer09 am 07.08.2010 - 22:26 Uhr) Eine sehr einfĂŒhlsame Geschichte, hat mir gut gefallen. Ein halbes PĂŒnktchen möchte ich Dir dennoch abziehen. Du hattest Deine Geschichte im Kopf. Den Ablauf, das Ende usw. Ich aber hatte an einigen Stellen Probleme, Dir zu folgen. Da setzt Du vieles voraus, was der Leser noch nicht wissen kann. Da wir hier alle schreiben und uns mit solchen Dingen auseinandersetzen, fĂ€llt das vielleicht dem ein -oder anderen gar nicht mehr auf und geht somit unter. Vielleicht solltest Du versuchen, bei den nĂ€chsten Geschichten, die Handlung etwas ausfĂŒhrlicher zu beschreiben. Auch Kleinigkeiten gehören dazu.
Ich denke, dass Du eine gute Schreiberin werden kannst, oder gar schon bist, deswegen diese kleinkarrierte Kritik von mir. Nicht böse sein, bitte.

Gruß vom TrollbĂ€r


Hallo,

ich bin dir sicher nicht böse! Deine Kritik war begrĂŒndet und bringt mich weiter. So etwas hĂ€tte ich gerne öfter, anders kann ich mich nicht weiter entwickeln. Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar.

Lg. Minyu
Vor langer Zeit - Antworten
Minyu Re: Meine GĂ€nsehaut -
Zitat: (Original von KarinRegorsek am 11.07.2010 - 23:46 Uhr) spricht mehr als ich schreiben kann Minyu!

Das ist fĂŒr mich der Hammer!

LIEBE verleiht FlĂŒgel...!!!

Herzliche GrĂŒĂŸe an Dich! Karin


Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar. Es freut mich, dass ich bei dir erreicht habe, was ich wollen ^^
Vor langer Zeit - Antworten
KarinRegorsek Meine GĂ€nsehaut - spricht mehr als ich schreiben kann Minyu!

Das ist fĂŒr mich der Hammer!

LIEBE verleiht FlĂŒgel...!!!

Herzliche GrĂŒĂŸe an Dich! Karin
Vor langer Zeit - Antworten
Falkonide Wie gut mir der Text gefĂ€llt weist du ja :D
Und nach dem Telefonat gefÀllt es mir noch besser n_n
Vor langer Zeit - Antworten
Windflieger Re: Re: Deine Geschichte bewegt mich sehr! -
Zitat: (Original von Minyu am 07.05.2010 - 23:42 Uhr)
Zitat: (Original von Windflieger am 07.05.2010 - 22:06 Uhr) Ich wĂŒnsche Dir und Deinem Bruder, das die Sonne stets auf Eurem Weg scheint.
LG Ivonne


Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar. Die Geschichte ist frei erfunden. Ich habe (leider) keine Geschwister ;-)

Dennoch ist es sehr einfĂŒhlsam geschrieben, ich mag es sehr.
Du hast Dir eine wunderbare Geschichte ausgedacht.
LG Ivonne
Vor langer Zeit - Antworten
Minyu Re: Deine Geschichte bewegt mich sehr! -
Zitat: (Original von Windflieger am 07.05.2010 - 22:06 Uhr) Ich wĂŒnsche Dir und Deinem Bruder, das die Sonne stets auf Eurem Weg scheint.
LG Ivonne


Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar. Die Geschichte ist frei erfunden. Ich habe (leider) keine Geschwister ;-)
Vor langer Zeit - Antworten
Minyu Re: SEhr bewegende Geschichte. LG Ines -
Zitat: (Original von Buchfink am 07.05.2010 - 21:36 Uhr) Der Autor freut sich ĂŒber deinen Kommentar.


Danke ^^
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
12
0
Senden

34885
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung