Gedichte
Zwei Tage im Mai

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"Zwei Tage im Mai"
Veröffentlicht am 24. April 2010, 12 Seiten
Kategorie Gedichte
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Über den Autor:

Einst brach ich auf, eine Welt zu erobern! Heut sitz ich in einem Käfig voller Narren! So kam ich zum Entschluss, "Will Hofnarr sein!" Und daran arbeite ich nun, in Berlin, das durch seine einmalige Nähe von Ost und West vielleicht schon einen Gedanken voraus ist. Mag sein, dass dieser Gedanke auch Nord und Süd einander etwas näher bringen kann.
Zwei Tage im Mai

Zwei Tage im Mai

Leider noch immer aktuell. 

Schauen wir in den Mittleren - und Nahen Osten! Schauen wir in die Ukraine!

Wonnemonat, Mai! Auch der Monat, in dem der größte Krieg der Menschheit zu Ende ging.

Der Mai, Monat des Neubeginns, des 

"Nie wieder!" von 1945.

Im Mai, vor vier Jahren, erreichte die Rache der ersten Welt, Bin Laden in der dritten Welt. Was hat es gebracht? Ließe man Bin Ladens Kinder mit denen Obamas spielen, lernen, aufwachsen ... Was könnte es bringen?

Am 9.Mai sah ich Russen, Belorussen, Kasachen, Armenier, Ukrainer und viele andere zusammen friedlich feiern, im Treptower Park.

Leider sah ich zu wenige Deutsche. 

Zwei Gedichte in einem, so verschieden wie ein und derselbe Tag hier und dort. b.w.

Zwei Tage im Mai


Wieder ein Mai

Faul sitze ich auf dem hohen Balkon

Und schau in des Frühlings Welt

Den Gedanken gleiten die Sorgen davon

Pure Lebenslust mich überfällt

 

Hellgrüne Flammen explodierender Birken

Zwischen der Kiefern sattem Grün

Wie unendlich hilflos die Jagdbomber wirken

Die am Himmel Kondensstreifen zieh’n

 

Denn kaum sind sie dem Auge entschwunden

Ist schon verschwommen die Malerei

Doch der Birken Flammen noch immer bekunden

Nach jedem Winter kommt wieder ein Mai

 



Die Elstern, die gestern noch so träge

Bauen rastlos an ihrem Nest

Eine feste Burg für ihr Gelege

Wie doch Sinn, Tatkraft wachsen lässt!

 

Die Singvögelhähne tirilieren so laut

Als wünschten alle die Henne herbei

Die in das Nest, das sie gebaut

Ihnen legt ein goldenes Ei

 

Ich lausche und denke: wie sonderbar

Kiebitz und Meise aus derselben Ecke

Und am Tag eine Nachtigall sogar?

Da seh’ ich den Star auf der Hecke!

 

Mehr scheinen als man wirklich ist

Das kenn ich von den Menschen genau

Doch was unterstell ich dir diese List?

Du besingst nur deine Starenfrau!

 



Ich höre Kinder. Voller Phantasie

Ihre Stimmen sich überschlagen

Sehe, wie einen Wurzelstock sie

Zu ihrem Sandkasten hin tragen

   

Die Wurzel wird zum Fabeltier

Aus der Welt der Märchen und Sagen

Doch stärker als die Angst ist die Gier

Nach Antwort auf ihre Fragen

  

So entwickelt sich ein langer Disput

Über Freuden und auch Leiden

Am Ende steht fest, die Wurzel ist gut

Und auch die Feinde sind gleich, bei beiden

 

Ach, wäret erwachsen wie ihr jetzt seid

Voll Neugier und vorurteilsfrei

In der Welt gäbe es wohl weniger Leid

Für die Menschheit käme wieder ein Mai

 



Da klingelt es an der Wohnungstür

Will der Nachbar sich etwas borgen?

Ein Versicherungsvertreter steht vor mir

Mit der Police gegen sämtliche Sorgen

 

Ich frage ihn: Wie viel zahlen sie mir

Wenn ich die Police denn nähme?

Um Geld zu verdienen, stände er hier

Als Wohltäter er nicht käme!

 

Da ist das Gespräch für mich vorbei

Die Tür klappt. Nicht noch mehr Sorgen!

Was ist heute wichtiger als der Mai?

Das andre kann warten bis morgen!







Nie mehr ein Mai?


Ich setz mich, schalte den Fernseher ein

Mein Fenster in die weite Welt

Schlimme Bilder strömen zu mir herein

Wütende Sorge mich überfällt

 

Hellrote Flammen explodierender Straßen

Dazwischen Lachen von sattrotem Blut

Wie unendlich hilflos die Menschen dort saßen

Wie sie schreien vor Schmerz und Wut

 

Die Jagdbomber sind so schnell entschwunden

Wie sie brachten das Inferno herbei

Doch die Toten und Ruinen noch lange bekunden

Ihr Kriegsverbrechen im Mai


Die Menschen beginnen, wie benommen

Zu graben im zerbombten Haus

Nicht Besitz, der den Flammen entkommen

Ihre Toten graben sie aus!

 

Sie trauern still, nur einer ruft laut

Die Gequälten zur Predigt herbei

In das Nest, das der Feind sich gebaut

Will er legen ein Sprengstoff - Ei



Sie  lauschen ihm, er macht ihnen klar

Teufel und Feind stehn in derselben Ecke

Wer sich opfert käm’ in’s Paradies sogar

Sein Rolls Royce parkt hinter der Hecke!

 

Er sagt ihnen nicht, wer er wirklich ist

Er kennt die Psyche der Menschen genau

Sein Versprechen ist nur eine List

Seine Machtgier verbirgt er schlau!

 

Ich höre Präsidenten. Voller Hysterie

Ihre Stimmen sich überschlagen

Höre, wie ihre Feindbilder sie

Dem eigenen Volke vortragen

  



Doch das Feindbild ist ein Fabeltier

Aus der Welt der Märchen und Sagen

Dem Volk macht es Angst, und die Gier

Nach Macht und Öl wird unterschlagen

 

So entwickelt jeder seinen Monolog

Über des Volkes Größe und Leiden

Der andre, der Feind schon immer log

So verschieden und doch gleich die beiden

 

Ach, wären alle Menschen wie ihr seid

Voll Machtgier und von Einsichten frei

Die Welt versänke wohl in Tränen und Leid

Für die Menschheit käme nie mehr ein Mai

 

Da klingelt es an der Wohnungstür

Bringt der Nachbar zurück, was er borgte?

Ein junger Mensch steht vor mir

Der um die Kriegswaisen sich sorgte

 



Er sagt: Alles, was ich spende hier

Zu den Kriegswaisenkindern käme

Nicht um Geld zu verdienen, sei er bei mir

Für sich selber er nichts nähme!

 

Ich bitte ihn freundlich zu mir herein

Denn wir haben ja dieselben Sorgen!

Zwei Kriegswaisenkinder könnten doch sein

Die beiden Präsidenten von morgen!


                                                              PeKa

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Hörbuch

Über den Autor

pekaberlin
Einst brach ich auf, eine Welt zu erobern! Heut sitz ich in einem Käfig voller Narren! So kam ich zum Entschluss, "Will Hofnarr sein!" Und daran arbeite ich nun, in Berlin, das durch seine einmalige Nähe von Ost und West vielleicht schon einen Gedanken voraus ist. Mag sein, dass dieser Gedanke auch Nord und Süd einander etwas näher bringen kann.

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Tintenklecks tiefe Gedanken und feine Bilder..
lese es ja erstmals..
aber auch 2015 sind wir noch keinen Schritt weiter, nur dass sich die Probleme weiter aufbäumen.
Meine lieben Grüße und eine Verbeugung
von Ungarn nach Berlin von einer ehemaligen Treptowerin aus Leipzig :-)
der Tintenklecks
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Berliner bleibt man ja immer! Weiß ich aus meiner eigenen Vita.
Also nehme ich an, dass du aus Leipzig stammst, und dich etwas Schönes und Großes nach Ungarn geführt hat.
Aber der Treptower Park bleibt (hoffentlich) für immer ein Symbol, zu dem du dich auch bekennst wie ich! (meine Interpretation)
Ich danke dir für deine Verbeugung mit einem ganz unmännlichen Knicks!
Liebe Grüße
Peter
Vor langer Zeit - Antworten
Tintenklecks der Soldat im Treptower Park, das Denkmal.. schon was Wichtiges. Die Stalintexte auf den Stelen sind ein Erinnerungsgegenstand der schlimmeren Art. Geschichte in ihrem Widerspruch, so auch das Leben darin.. wir als Subjekt und Objekt der Geschichte.. ja, und dann kommt Frau in Ungarn an und wird wieder von der Geschichte eingeholt. Ihr entkommen kann man nicht
schönen Sonntag vom Tintenklecks
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Wann wird sich endlich was ändern? Von mir aus, auch am Mai, der könnte bisschen wärmer sein.

Liebe Grüße
Christine
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Ja, wann? Christine,
solange Geld teurer ist als Leben, sicher nicht!
Was den Mai betrifft, er gefällt mir immer! Egal ob kühl oder warm.
Liebe Grüße
Peter
Vor langer Zeit - Antworten
Brigitte Noch einmal gelesen. Es war es wert. Liebe Grüße an dich Brigitte
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Ach, Brigitte,
ich hätte wirklich lieber was Neues präsentiert!
Nur, passiert nichts Neues, leider!
Dank dir und liebe Grüße
Peter
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Einfach Zustimmung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Alles Wichtige hat du gesagt!
LG
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Danke, Angie!
Ist ja schon ein altes Machwerk.
Aber was soll man Neues schreiben, wenn das Alte aktuell bleibt?
Liebe Grüße
Peter
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Noch immer topaktuell, leider ...
Und den Favo reiche ich heute endlich nach!

Liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
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