Kurzgeschichte
Stummer Schrei - Herztod

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"Stummer Schrei - Herztod"
Veröffentlicht am 28. Februar 2010, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de
Stummer Schrei - Herztod

Stummer Schrei - Herztod

Beschreibung

Weil Caro mich mit "Schweigen" dazu inspiriert hat.

Stummer Schrei - Herztod

Mir ist kalt. Eiskalt. Sie ist mir unter die Haut gekrochen, frisst sich wie ein widerlicher Parasit durch meinen Körper, schließt sich wie ein Schraubstock um mein Herz, das sich bei jedem Schlag schmerzhaft zusammen zieht. Ein Klumpen in meiner Brust, der mit jeder vergangenen Minute ein wenig mehr an Kraft verliert. Ich wünschte es würde ganz aufhören zu schlagen, einfach sterben. Ich friere immer noch, obwohl die Strahlen der Sonne meine Haut erwärmen, ich stehe in ihrem Licht und trotzdem ist mir kalt. Mein Körper erschaudert, zittert.

Tränen laufen meine Wangen hinab, verweilen für einige Augenblicke an der Spitze meines Kinns und tropfen schließlich auf die grauen Steine des Fußgängerabschnitts. Gleich eines Flusses bahnen sie sich ihren Weg, benetzen meine trockene Haut, lassen meine Lippen salzig schmecken. Obwohl ich mich mitten unter Menschen befinde, die eilig an mir vorbei huschen, deren Gesichter für mir unkenntlich scheinen, sieht niemand meine Trauer. Niemand achtet auf meinen Tränenstrom, sie sind blind. Obwohl ich mich mitten unter Menschen befinde, bin ich einsam, denn niemand beachtet mich.

Mein Mund öffnet sich einen Spalt breit, meine Unterlippe bebt, ich sauge Sauerstoff in meine Lungen. Ich hole tief Luft, dann schreie ich. Schreie so laut ich kann, schreie bis mein Brustkorb zu bersten droht, schreie bis meine Stimmbänder brennen, schreie bis es nur noch ein schwaches Krächzen ist. Ich schreie, damit man mich wahrnimmt, damit man mich sieht. Meine Trauer, meinen Schmerz bemerkt, damit jemand sieht, dass mein Herz langsam einen qualvollen Tod stirbt. Und der Schrei durchbricht die Hektik, die Egozentrik dieser Welt und doch ist er stumm. Kein Laut kommt über meine Lippen und noch immer hetzen die Menschen an mir vorbei, interessieren sich nicht für mich, für meinen Schmerz und für meine Trauer. Ich zweifle ob ich überhaupt existiere, ob ich mich nicht schon vor langer Zeit in Luft aufgelöst habe, schon vor langem verschwunden bin, es nur noch nicht realisiert habe. Doch dieser Schmerz ist zu echt, zu wahrhaftig. Ich bin noch nicht tot, atme noch immer, doch ich lebe nicht mehr. Schon lange nicht mehr.

Ich schreie noch immer, gebe die Hoffnung nicht auf, denn sie ist das einzige was mich noch aufrecht hält, meine Stütze, das Rettungsseil, das mich über Wasser hält. Doch noch immer bin ich nur ein Schatten, ein Schatten, der von allen ignoriert wird. Ein stummer Schrei.

Dann erkenne ich ein Gesicht, das aus der Menge von verschwommenen Farben ganz klar heraus sticht. Er sieht mich direkt an, sieht mir in die Augen. Er erkennt meinen Schmerz, hat meinen stummen Schrei vernommen. Einer unter Millionen. Seine Augen sind kalt, ausdruckslos. Er kommt auf mich zu, bahnt sich einen Weg durch die Menge. Mein Herz klopft schneller, ist dennoch ein sterbender Klumpen. Er steuert noch immer direkt auf mich zu, kommt immer näher, hat mich fast schon erreicht. Ein Lächeln legt sich auf sein Gesicht, doch es wirkt steif und fehl am Platz. Es ist genauso kalt und ausdruckslos wie der Ausdruck in seinen Augen. Zu spät erkenne ich, das ihm mein Schmerz egal ist, das auch er meinen stummen Schrei nicht hört. Allerdings bleibe ich stehen, renne nicht weg, denn es ist schon längst zu spät, das Rettungsseil ist gerissen, ich treibe davon, gehe unter in dem Meer aus Trostlosigkeit, Trauer, Schmerz. Meterhohe Wellen brechen über mir zusammen, reißen mich in die Tiefe, rauben mir den Atem, die letzte Kraft.

Er bleibt vor mir stehen, das Lächeln auf seinem Gesicht ist eingefroren. Er hebt den Arm, streckt seine Hand nach mir aus und bevor ich begreife, was geschieht, reißt er mir das Herz aus der Brust. Mit offenem Mund starre ich ihn an, dann verziehen sich meine Lippen zu einem leichten Lächeln, denn der Schmerz ist verschwunden, der stumme Schrei auch für mich nicht mehr zu hören. Mein Herz ist tot, jetzt kann ich in der Masse verschwinden und mein Gesicht wird eines von vielen, niemand wird mich wahrnehmen und ich werde auf niemanden achten und mein stummer Schrei wird in Vergessenheit geraten.

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Robin

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Robin Re: Das find ich... -
Zitat: (Original von booksarelovly am 14.04.2010 - 19:13 Uhr) Krass, am Anfang erst so depressiv und dann die Person, wow!
Ich denke und hoffe man darf interpretieren und die Person ist nicht echt, doch das Ich setzt seine Maske wieder auf um stumm weiter zu vegitieren- wenn es anders gedacht ist bitte eine erklärung ;)
LG booksarelovly


Nein, nein. Doch ganz wunderbar interpretiert und schließlich soll das ja auch jeder für sich machen. Selbst wenn ich etwas anderes gemeint hätte, was ich ja nicht hab :-), dann wäre es auch okay :-)
Ich freu mich einfach total, dass du's gelesen hast!

Liebe Grüße
Lisa
Vor langer Zeit - Antworten
Robin Re: So tiefe Verzweiflung... -
Zitat: (Original von TheCherrystick am 01.03.2010 - 15:57 Uhr) ...macht einen echt fertig :(
Hmm, den Mann am Ende sehe ich irgendwie als rettenden Engel an. Niemand sieht ihn außer ihr.
Ich weiß, hört sich komisch an, dass er sie rettet indem er ihr das Herz rausreißt, aber ich glaube sie möchte einfach nicht mehr fühlen. Nie mehr diesen Schmerz fühlen und genau wie die anderen in dieser Welt untergehen und nie mehr etwas empfinden...

Gaaanz liebe Grüße
Bianca


So da hast du ungefähr so interpretiert wie ich :-)
Freut mich echt riesig, dass man diesen Schmerz spüren konnte. Ich dachte es wäre vielleicht zu abstrakt und nicht nachvollziehbar. Ich freu mich so über dein Kommentar Bianca, auch wenn die Antwort etwas spät kam ;-)

Ganz liebe Grüße
Lisa
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Re: Re: Re: Re: -
Zitat: (Original von Robin am 28.02.2010 - 21:52 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 28.02.2010 - 21:48 Uhr)
Zitat: (Original von Robin am 28.02.2010 - 21:45 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 28.02.2010 - 21:43 Uhr) Oh mein Gott... also das ging mir echt unter die Haut...

Und es zwingt sich mit seinem eigenen Klumpen auseinander zu setzen... Toll geschrieben und wahrhaftig herzergreifend.

Irgendwie fallen mir keine passende Worte ein..., es ist aber einfach sehr berührend...

Glg, Lilly


Also ich denke der Favo und das dir keine passenden Worte einfallen, sind ein schöneres Lob, als es Worte gewesen wäre. So bastel ich mir das jetzt einfach mal ganz wunderbar zurecht :-)
Dein Klumpen scheint ja doch noch zu etwas gut zu sein, wenn es "herzergreifend" ist ;-)
Ach, ich freu mich so sehr, wirklich! Ich danke dir vielmals!

Liebe Grüße
Lisa


Das hast du ganz richtig interpretiert... Mir fehlen echt die Worte. Ich komme nach Hause und bin sowieso eher frustriert und denke mir "schau ich kurz bei mystorys vorbei", sehe, dass du einen neuen Text hast und sage mir "Ach, komm, den lies jetzt nochmal" und lese und lese und kann nicht mehr aufhören und bin wirklich... sprachlos.

Es mag an meiner Stimmung liegen, aber genau in diesem Moment war dieser Text einfach perfekt für mich!

Glg


Das ist ja glatt noch besser liebe Lilly :-)
Ja, manchmal passt ein Text einfach perfekt zu einer Situation oder zu einer Stimmung und ich freu mich gerade wie ein kleines Kind, dass es meiner war :-P


Hehe, das kann ich nachvollziehen, ich freue mich nämlich auch gerne wie ein Kind, führe bescheuerte Tänze auf usw. (wie du weißt^^)! Sollte man immer machen :)
Sag mal wann schreibst du die Texte denn bloß immer?? Ich lese jeden Tag etwas Neues von dir und jedes Mal hat es dieselbe Qualität... Echt, du hast so ein Talent, wenn ich das mal schleimerisch sagen darf ;) Ist ja nich zu fassen :P
Naja, jedenfalls hat dieser Text gerade wirklich super zu meiner Situation gepasst, aber nichts desto trotz ist sie auch ohne selbigen Hintergrund einfach klasse geschrieben und drückt einfach so viel aus. Ich glaube wäre ich belustigt nach Hause gekommen und hätte deinen Text gelesen, er hätte mich irgendwie traurig gestimmt. Das ist allerdings jetzt ein gutes Zeichen! Weil der Text so viel Gefühl vermittelt... Ha, ich finde so langsam meine Worte wieder ;)
Mich heitert es irgendwie auf, dass du dich so freust :) Erinnert mich immer an mich, weil ich mich auch über jeden Kommentar so sehr freue und ich glaube, liebe Lisa, dir geht das auch so! :)

Glg
Vor langer Zeit - Antworten
Robin Re: Re: Re: -
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 28.02.2010 - 21:48 Uhr)
Zitat: (Original von Robin am 28.02.2010 - 21:45 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 28.02.2010 - 21:43 Uhr) Oh mein Gott... also das ging mir echt unter die Haut...

Und es zwingt sich mit seinem eigenen Klumpen auseinander zu setzen... Toll geschrieben und wahrhaftig herzergreifend.

Irgendwie fallen mir keine passende Worte ein..., es ist aber einfach sehr berührend...

Glg, Lilly


Also ich denke der Favo und das dir keine passenden Worte einfallen, sind ein schöneres Lob, als es Worte gewesen wäre. So bastel ich mir das jetzt einfach mal ganz wunderbar zurecht :-)
Dein Klumpen scheint ja doch noch zu etwas gut zu sein, wenn es "herzergreifend" ist ;-)
Ach, ich freu mich so sehr, wirklich! Ich danke dir vielmals!

Liebe Grüße
Lisa


Das hast du ganz richtig interpretiert... Mir fehlen echt die Worte. Ich komme nach Hause und bin sowieso eher frustriert und denke mir "schau ich kurz bei mystorys vorbei", sehe, dass du einen neuen Text hast und sage mir "Ach, komm, den lies jetzt nochmal" und lese und lese und kann nicht mehr aufhören und bin wirklich... sprachlos.

Es mag an meiner Stimmung liegen, aber genau in diesem Moment war dieser Text einfach perfekt für mich!

Glg


Das ist ja glatt noch besser liebe Lilly :-)
Ja, manchmal passt ein Text einfach perfekt zu einer Situation oder zu einer Stimmung und ich freu mich gerade wie ein kleines Kind, dass es meiner war :-P
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Re: Re: -
Zitat: (Original von Robin am 28.02.2010 - 21:45 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 28.02.2010 - 21:43 Uhr) Oh mein Gott... also das ging mir echt unter die Haut...

Und es zwingt sich mit seinem eigenen Klumpen auseinander zu setzen... Toll geschrieben und wahrhaftig herzergreifend.

Irgendwie fallen mir keine passende Worte ein..., es ist aber einfach sehr berührend...

Glg, Lilly


Also ich denke der Favo und das dir keine passenden Worte einfallen, sind ein schöneres Lob, als es Worte gewesen wäre. So bastel ich mir das jetzt einfach mal ganz wunderbar zurecht :-)
Dein Klumpen scheint ja doch noch zu etwas gut zu sein, wenn es "herzergreifend" ist ;-)
Ach, ich freu mich so sehr, wirklich! Ich danke dir vielmals!

Liebe Grüße
Lisa


Das hast du ganz richtig interpretiert... Mir fehlen echt die Worte. Ich komme nach Hause und bin sowieso eher frustriert und denke mir "schau ich kurz bei mystorys vorbei", sehe, dass du einen neuen Text hast und sage mir "Ach, komm, den lies jetzt nochmal" und lese und lese und kann nicht mehr aufhören und bin wirklich... sprachlos.

Es mag an meiner Stimmung liegen, aber genau in diesem Moment war dieser Text einfach perfekt für mich!

Glg
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Robin Re: -
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 28.02.2010 - 21:43 Uhr) Oh mein Gott... also das ging mir echt unter die Haut...

Und es zwingt sich mit seinem eigenen Klumpen auseinander zu setzen... Toll geschrieben und wahrhaftig herzergreifend.

Irgendwie fallen mir keine passende Worte ein..., es ist aber einfach sehr berührend...

Glg, Lilly


Also ich denke der Favo und das dir keine passenden Worte einfallen, sind ein schöneres Lob, als es Worte gewesen wäre. So bastel ich mir das jetzt einfach mal ganz wunderbar zurecht :-)
Dein Klumpen scheint ja doch noch zu etwas gut zu sein, wenn es "herzergreifend" ist ;-)
Ach, ich freu mich so sehr, wirklich! Ich danke dir vielmals!

Liebe Grüße
Lisa
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Oh mein Gott... also das ging mir echt unter die Haut...

Und es zwingt sich mit seinem eigenen Klumpen auseinander zu setzen... Toll geschrieben und wahrhaftig herzergreifend.

Irgendwie fallen mir keine passende Worte ein..., es ist aber einfach sehr berührend...

Glg, Lilly
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PhanThomas Re: Re: Das Ende der... -
Zitat: (Original von Robin am 28.02.2010 - 20:25 Uhr)
Zitat: (Original von PhanThomas am 28.02.2010 - 20:21 Uhr) ... Geschichte hat was recht Bizarres. Eigentlich hast du ja eine Emotion beschrieben, die wohl jeder kennt und doch niemand kontrollieren kann, und dann am Ende kommt dieser Moment, dieser Schlag, der uns erkalten lässt - in deinem Fall personifiziert. Damit gewinnt die ganze Sache etwas Gruseliges. Wow, nicht schlecht! Und wie immer natürlich sehr detailliert beschrieben. Toll! :-)

Liebe Grüße
Thomas


Guten Abend Thomas,
im Moment steh ich wohl auf bizarr, und gruselig find ich toll. War wohl eher so ein Nebeneffekt und nicht drauf abgezielt, aber ich find's sehr gut :-) Und ich freu mich immer so über deine Kommentare, weil's mich einfach freut (hö? irgendwie doppeltgemoppelt ^^), wenn sich jemand damit auseinander setzt und nicht nur so ein 0815 Kommentar schreibt. Da hüpft mein Herz *lach*

Liebe Grüße
Lisa

Na ja, bei deinen Texten muss man sich ja quasi mit der Materie auseinandersetzen, weil du doch immer sehr viel mit Symbolik arbeitest. Und wenn man das eh tut, dann kann man's auch ruhig in den Kommentaren tun. :-) Außerdem hat man bei dir auch wirklich Spaß beim Lesen und denkt nicht, uh, wieder so'n Lisatext, den man sich mal eben reinwürgt wie 'ne Schüssel Müsli ohne Milch. ;-)
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