Romane & Erzählungen
carpe noctem - gefangen zwischen Tag und Nacht

0
"carpe noctem - gefangen zwischen Tag und Nacht"
Veröffentlicht am 17. Dezember 2009, 46 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

verr├╝ckt und freiheitsliebend.
carpe noctem - gefangen zwischen Tag und Nacht

carpe noctem - gefangen zwischen Tag und Nacht

Einleitung

Es gibt Vampire, die gek├╝sst werden, um zu Blutsaugern zu werden. Es gibt Menschen, die ahnungslos ihr befristetes Dasein f├╝hren. Und es gibt mich. Weder Vampir, noch Mensch. Ich bin ein Halbwesen und z├Ąhle damit zur untersten Rasse. Wer sich zu keiner Gruppe hin zugeh├Ârig empfindet, kann nur ein Einzelg├Ąnger werden oder? Mal verletzend, mal verletzbar. Sterblichkeit. Unendlichkeit. St├Ąndig auf der Suche nach etwas Menschlichem, an das ich mich heften k├Ânnte oder etwas Vampirisches, was mir zum Durchhalten verhilft, bahne ich mir meinen Weg durch die Gossen und die Kanalisation Santa Monicas. Und das als Halb-Vampirin.

 

 

 

 


┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬áDie Lieb' ist wie ein Wiegenlied:Es lullt dich lieblich ein. Doch schl├Ąfst du kaum, so schweigt das Lied, und du erwachst allein. (Theodor Storm)

Hintergrundszenario

Nachdem Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, wanderte er aus in das Land Nod. Er war von Gott versto├čen, welcher ihm untersagte, je wieder von den von ihm erschaffenen Fr├╝chten zu essen. Statt dessen solle er sich nur noch von Blut ern├Ąhren k├Ânnen. Aber weil dies noch nicht reichte wurde ihm jegliche M├Âglichkeit genommen in das himmlische Paradies eintreten zu k├Ânnen, indem Gott ihm die Unsterblichkeit schenkte.

Kain blieb eine ├äone lang im Land Nod, doch war er der ewigen Einsamkeit ├╝berdr├╝ssig und er kehrte zur├╝ck in das Land, das sein Bruder Set aufgebaut hatte. Hier gr├╝ndete und herrschte er ├╝ber eine gro├če Stadt. Doch immer noch f├╝hlte er sich einsam, denn er war der Einzige seiner Art. Und so beschloss er Nachkommen zu zeugen. Damit beging er eine weitere Tods├╝nde, denn seine Kinder wurden nicht auf herk├Âmmlichem Wege erschaffen. Drei Menschen hat Kain seinen Fluch aufgezwungen, die weiterhin 13 Kinder zeugten. Doch er f├╝rchtete die Rache Gottes und untersagte es seinen Kindern und Enkeln eine weitere Generation zu zeugen. Seine Brut gehorchte.

Dann kam die Sintflut und vernichtete alles Leben auf Erden. Kain hielt dieses f├╝r eine Strafe Gottes und zog es vor ins Exil zu gehen. Seine Kinder baten ihn zur├╝ckzukommen, doch er wollte sich nicht weiter in das Geschehen auf Erden verwickeln lassen.

Seine Kinder begannen nun sich untereinander zu bek├Ąmpfen. In diesem Krieg erschlugen Kains Enkel ihre Eltern und bauten eine neue Stadt auf. Jeder einzelne von ihnen gr├╝ndete seinen eigenen Clan, indem er weitere Nachkommen zeugte. Doch f├╝rchtete man, dass weitere Generationen benutzt werden k├Ânnten, um die Streitereien zwischen den 13 Vorsintflutlichen auszutragen. Daher ward es der vierten Generation verboten selbst Kinder zu schaffen.

Mit der Zeit starb die Stadt und die Macht der Vorsintflutlichen ├╝ber ihre Kinder, woraufhin diese eigene Nachkommen zeugten und erneut begannen, einander zu bek├Ąmpfen. Nur die Bindung an das Gebot der Maskerade hat bis zum heutigen Tag verhindert, dass die Menschen von der tats├Ąchlichen Existenz von Vampiren erfahren konnten.

Vorgeschichte

Als ich gek├╝sst wurde und sich der Wille des Blutsaugens meiner bem├Ąchtigte, wurde ich als neues Wesen ohne Seele geboren. Sieben Jahre lang schlich ich in geduckter Haltung durch Santa Monica, um mir meine Opfer zu suchen. Sieben Jahre bereits untot. Doch als eines Nachts eine Seraphim, ein himmlischer Kampfengel, meinen Weg kreuzte und ich von ihrem Blut kostete, das so silbern und s├╝├č, h├Ątte ich mir nicht tr├Ąumen lassen, was mit mir geschehen war. Es war wie eine Droge. Das beste Blut aller Zeiten. Das Beste, das meinen

Z├Ąhnchen je untergekommen war. Das Beste, das mein Gaumen je zu schmecken gewagt hatte. Und kaum hatte ich sie beinahe leer getrunken, tat die Droge ihre Wirkung. Wie ein heftiger Heroin-Kick, schoss das Blut durch meine Adern, l├Âste ein Kribbeln aus und lie├č mich zu Boden sinken. Es haute mich einfach weg! Und als ich wieder zu mir kam, schien die Wirkung des himmlischen Blutes noch nicht verflogen. Ich f├╝hlte mich eigenartig. Mir war so schwindelig. Ich fand das Gef├╝hl atemberaubend! Ich war so high, dass ich jede Sekunde davon auskostete. Auch nach Stunden war das Gef├╝hl noch

nicht vergangen. Ich taumelte durch die Gassen und versuchte meinen K├Ârper daran zu hindern, das sch├Âne Blut hochzuw├╝rgen und wieder auszuspeien. Etwas in meinem K├Ârper, das Widerspruch anklagte, sagte mir, das Blut sei Gift und m├╝sse wieder aus mir heraus gelangen, und etwas anderes in mir, m├Âglicherweise meine bet├Ąubten Sinne selbst, sagten mir, es w├Ąre das Einzige, das dazu in der Lage w├Ąre mir ein Gef├╝hl zur├╝ck zu bringen. Ein Gef├╝hl, das man hat, wenn man lebt. Wenn man lebendig ist. Und noch bevor ich verstand, was wirklich mit mir passierte, trat mir ein Nosferatu entgegen, die

verabscheuenswerteste Rasse der Blutsauger, die es f├╝r mich gab. Keine Regeln, keine Achtung der Maskerade vor den Menschen. Kein Erbarmen. Noch immer etwas taumelnd, ging ich also die Gasse entlang, ich hatte den Eindruck das Kribbeln unter der Haut h├Ârte niemals auf, stand einige Meter entfernt vom Gullideckel, der runter in die Kanalisation f├╝hrte und damit zu einem meiner bisherigen Aufenthaltsorte bei Tag (und auch mal bei Nacht) und sah, wie dieser h├Ąssliche, mit Blut befleckte, verstellte K├Ârper des Nosferatu auf mich zutrat. In jenem Moment fragte ich mich nur, was diese Vampirgruppe dazu bewegte, solch eine

Einstellung zu haben, dass jegliche K├Ârperhygiene abgeschafft und jede Menschlichkeit verloren war. Der Nosferatu kam auf mich zu und sah mich erschrocken an. Seine wirren Augen, oder zumindest kamen sie mir in meinem Zustand wirr vor, starrten mich ungl├Ąubig an. ÔÇ×Ich glaub's nicht! Da l├Ąuft so ein Leckerbissen des Nachts einfach auf mich zu und hat mich nicht einmal bemerkt!ÔÇť Nat├╝rlich fragte er sich, warum ich bei seinem erschaudernswerten Anblick nicht zumindest ein flaues Gef├╝hl im Magen bekam, doch statt zu antworten, was ich war, stand ich einfach reglos da, ich konnte mich nicht sonderlich

bewegen. ÔÇ×Schnuckelchen, bist du so auf'm Trip, dass du nicht einmal merkst, wen du hier vor dir hast?ÔÇť Solch gro├če Reden waren mir von den Nosferatu neu. Er nahm wohl an, ich war irgend so ein Drogen-Junkie und w├╝rde mir einbilden bei dem Monster vor mir zu halluzinieren. ÔÇ×Ich bin ein Vampir, Sch├Ątzchen...!ÔÇť, sprach er und wartete meine Reaktion ab, doch ich konnte mich gerade nur auf mich selbst konzentrieren und suchte Halt an einem der M├╝llcontainer. Dann wollte ich etwas sagen, aber mein Mund schien mir nicht zu gehorchen. Der s├╝├čliche Geschmack des Blutes schien

das Innere meines Mundes noch immer zu bet├Ąuben. Ich sah den Nosferatu n├Ąher kommen und mein Verstand wurde langsam wieder klarer. Irgendwie k├Ąmpfte mein Kopf noch mit der Wirkung der Droge, doch meine Glieder schienen sich bereits wieder zu befreien, um sich in dieser Notlage helfen zu k├Ânnen ÔÇô Ein instinktiver Verteidigungsmechanismus. Er packte mich und setzte zum Biss an, doch noch ehe er meinen Hals erreicht hatte, biss ich ihm abrupt in die Hand. Kurz und ger├Ąuschlos waren meine Bei├čerchen in sein Fleisch gedrungen. Daraufhin riss er seinen Arm nach hinten und sah an meinem ge├Âffneten Munde,

dass ich, wie er, lange, spitze Z├Ąhne besa├č. Dann hatte ich die Kontrolle ├╝ber meinen Mund wieder: ÔÇ×Scher dich zum Teufel!ÔÇť, fauchte ich ihm entgegen mit einem Mut, den ich lange Zeit nicht mehr versp├╝rt hatte. Als Vampir tut man alles N├Âtige, um ├╝berleben zu k├Ânnen. Das hat nichts mit Mut zu tun. Man macht es einfach. Aber in diesem Moment kam dieses unglaubliche Gef├╝hl eines Adrenalinkicks zur├╝ck. Der Nosferatu hatte gesehen, dass ich ebenfalls ein Blutsauger war, aber mir schien, dass er es noch immer nicht richtig begriffen hatte, er es m├Âglicherweise nicht einsehen wollte

oder irgendwie anderweitig von Sinnen war, da er erneut auf mich zusprang, um mich zu bei├čen. Vielleicht hatte er sich auch einfach bedroht gef├╝hlt, weil ich ihm gesagt hatte, er solle sich zum Teufel scheren. Vielleicht ging er auch jenem tierischen Trieb nach, den man von Nosferatu gew├Âhnt war. In jenem Moment wusste ich keine Antwort auf sein Benehmen und konzentrierte mich beharrlich darauf, mich weiter zu verteidigen. Wieder kam dieser Adrenalinkick! Ich sp├╝rte mich urpl├Âtzlich st├Ąrker als sonst und schlug kr├Ąftig mit meiner linken Kralle nach ihm, die ihn tats├Ąchlich zu Boden

warf! Etwas benommen, aber nat├╝rlich keine Schmerzen sp├╝rend, stand er wieder auf und sah mich an. Ich ahnte, er w├╝rde sich nicht trauen zu ergr├╝nden, was mit mir geschehen war und so beobachtete ich, wie er mich, verachtend anblickend, verlie├č. Ich wusste ja selbst nicht, was mit mir los war. Noch immer f├╝hlte es sich an, als k├Ânnte ich jede Vene und jede noch so kleinste Ader unter meiner Haut brodeln sp├╝ren. Dieses Zeug war der reinste Wahnsinn! Und so langsam h├Ârte mein K├Ârper auf sich dagegen zu wehren und nahm die immense Kraft und das Kribbeln

an. So stieg ich hinab in die Kanalisation, ich konnte mittlerweile auch endlich wieder normal gehen, und stellte, unten angekommen, etwas sehr Merkw├╝rdiges fest. Meine Sinne hatten sich ver├Ąndert. Sobald ich die Stufen hinabgestiegen war, trat mir ein m├Ąchtiger, vergammelter Geruch entgegen. Zuvor hatte ich es nie so stark wahrgenommen. Die grotesken Ger├╝che der Unterwelt waren f├╝r uns nie ein Problem gewesen, da man seinen Geruch daran anpassen konnte, doch jetzt schien mein Geruchssinn zu riechen, was ihm unterkam, statt mir zu gehorchen.

Aber noch etwas Schlimmeres trat ein: Ich konnte nicht mehr sehen! Als Vampir passt man sich sehr schnell der Umgebung an und da man praktisch nur in der Nacht wirksam sein kann, ist die Dunkelheit unser gr├Â├čter Freund, weshalb wir in der Nacht wesentlich besser sehen k├Ânnen als die Menschen am Tage. Aber was hier unten geschah, verstand ich einfach nicht. Meine Augen ben├Âtigten fast Stunden, um sich in den d├╝steren G├Ąngen so zurechtzufinden, wie fr├╝her, daher tastete ich mit den H├Ąnden die W├Ąnde ab, um voranzukommen, sehr m├╝hsam. Auch wenn das Gef├╝hl, das das Blut mir

gab, noch nicht verflogen war und es einfach so berauschend war, merkte ich, dass es etwas mit mir gemacht hatte. Es hatte mich irgendwie, ja das mag bl├Âd klingen, menschlicher gemacht...

Kapitel 1, Todes-Ende.

Am Morgen erwachte ich und stellte mit Erschrecken fest, dass ich nicht mehr da war, wo ich mich in meinem Zustand gestern gedacht.

Ich lag auf einer Parkbank, umringt von Tauben, die den ersten Sonnenstrahlen entgegen turtelten. Sonne!? SONNE?? Unm├Âglich!

Als Vampir kann dir nicht so schnell jemand etwas B├Âses. Du sp├╝rst keinen Schmerz und selbst wenn du Knoblauch riechen kannst, wird es dich niemals umbringen! Auch ein Pflock, in der Geschichte so oft erw├Ąhnt, vermag es nicht, deinen K├Ârper ins absolute Jenseits zu bef├Ârdern. Wenn es richtig eingesetzt w├╝rde, k├Ânnte es dich abermals l├Ąhmen.

Aber die Sonne (!), die Sonne war der gr├Â├čte Feind der Vampire!

Und da lag ich, unf├Ąhig, mich zu regen, starrte gen Horizont und sah, wie die ersten Sonnenstrahlen die Welt um mich herum ber├╝hrten.

Es war zu sp├Ąt! Ich konnte nicht mehr entkommen. Es war kein Gullideckel, der in die Kanalisation f├╝hrte, in der N├Ąhe und keine Dunkelheit, in der man sich h├Ątte verstecken k├Ânnen.

Und gerade als ich dachte, es w├Ąre um mich geschehen, f├╝hlte ich eine ungewohnte W├Ąrme auf meiner Haut.

Ich sah auf und versuchte die Herkunft dieses seltsamen Gef├╝hls zu orten und betrachtete ungl├Ąubig meine H├Ąnde, die vom Sonnenlicht ber├╝hrt wurden.

Ich lebte! Ich lebte noch! Oder wieder! Oder wie auch immer... Jedenfalls hatten mich die Sonnenstrahlen nicht ins absolute Jenseits bef├Ârdert.

Ich wartete noch einen Moment... Nein, es geschah nichts. Ich war noch immer da! Und ich verstand es nicht.

Die schmerzlichen Erinnerungen an eine gar nicht so in der Ferne liegenden Vampir-Freundschaft, die vom Tageslicht beraubt worden war, trat mir zur├╝ck ins Ged├Ąchtnis. Es war einfach unm├Âglich. Claire hatte es damals einfach vergl├╝hen lassen. Kaum hatten die ersten Strahlen sie ber├╝hrt, war sie unter Schmerzen in Flammen aufgegangen... Aber ich sa├č hier und trotzte diesem Erlebnis, einfach so.

Doch noch etwas Anderes hatte sich ver├Ąndert und jagte mir mehr Angst ein als alles andere: Ich h├Ârte ein Herz schlagen! Und ich war mir sicher, dass es wie meines klang, was absolut unm├Âglich war, da ich bereits vor sieben Jahren gestorben war. Doch das Auflegen meiner Hand auf meine Brust best├Ątigte erschreckenderweise meine Annahme. Ich h├Ârte es. Pochpoch, Pochpoch, Pochpoch, ...

Noch etwas wirr lie├č ich die dreckige Parkbank zur├╝ck und ging einige Schritte in Richtung Stadt.

Wie lange hatte ich mich dort nicht mehr aufgehalten bei Tag? Es f├╝hlte sich wie eine Ewigkeit an. Eine Unendlichkeit seit des Vampirkusses, der mich einst in dieses Wesen verwandelt hatte. Eine Unendlichkeit seit ich gelebt hatte. Aber nun war ich zur├╝ck! Ich f├╝hlte mich gar lebendig. War ich erneut unter die Lebenden zur├╝ckgekehrt?

Erinnerungen an das himmlische Blut, das ich getrunken hatte, kamen mir ins Ged├Ąchtnis zur├╝ck. Ich strich mit einer Hand ├╝ber meine Z├Ąhne, doch statt kleiner spitzen Bei├čerchen waren dort wieder kurze, normale Menschenz├Ąhne!

Selbst meine Haut schien die Bl├Ąsse und Festigkeit verloren zu haben und die Krallen, die einst aus den H├Ąnden geworden waren, um als m├Ârderische Waffe zu fungieren, waren nun wieder wie zuvor.

Ich ging auf die Stra├če, die gerade erst vom Sonnenlicht erweckt wurde.

Menschen stiegen in ihre Autos, um zur Arbeit zu fahren. Einige nahmen die „Geschlossen!“-Schilder aus ihren L├Ąden und beleuchteten ihren Eingang. Viele tranken in ihrer Eile einen Kaffee in einem kleinen Pappbecher, etliche von ihnen eilten die Stra├čen entlang und es schienen immer mehr zu werden...

Einst war ich eine von ihnen und nun schien ich zur├╝ckgekommen zu sein, aber diese Welt war mir nun fremd. Und so machte ich es ihnen nach, ging auch durch die Stadt, die so sehr lebte, menschenfremd.

Ich sah diese Welt wie mit Kinderaugen, alles war so gro├č und neu. Ich wirkte fast schreckhaft und das, obwohl mir so einiges Grauen bekannt war. Aber das hier haute mich um. Ich wusste nicht, ob ich gl├╝cklich oder traurig sein sollte. Was wohl alles passiert war, seit ich gestorben war!? Waren meine alten Freunde noch am Leben, an die ich so lange nicht mehr gedacht hatte, weil ich es vor Schmerzen irgendwann einfach aufgegeben hatte?

Ich zog meine Jacke zu, da mir erschreckenderweise auch noch kalt wurde und ging von der Stra├če, die nun wieder befahren wurde.

Zur K├Ąlte kam noch ein anderes Gef├╝hl zur├╝ck und stellte sich mehr und mehr in den Vordergrund.

Ich betrachtete skeptisch meinen Bauch, der ein Hungergef├╝hl voraussagte. Wie lange hatte ich so etwas nicht mehr versp├╝rt?

Auf der anderen Stra├čenseite war eine Art Caf├ę oder ├ähnliches und so ging ich unbeholfen dorthin, um meinen Hunger zu stillen.

Als Vampir war es leicht, zu wissen, wann man zu trinken hatte. Es war reine Instinktsache. Verlie├č man sich auf das Gef├╝hl, war es einfach, sich zur richtigen Zeit ein Opfer zu suchen oder wiedermal die Blutbank aufzusuchen, um sich mit dem ein oder anderen Blutbeutel zu versorgen.

Mit dem Hungergef├╝hl kam auch die Fr├Âhlichkeit. Vielleicht konnte ich ja wieder all die s├╝├čen Leckereien schmecken? O ja, das tat ich auch!

Im Caf├Ę angekommen, schlang ich eine Portion nach der anderen von meinem restlichen Geld herunter, das ich eigentlich f├╝r Notf├Ąlle bei mir trug, wenn ich Jason in der Blutbank besuchen musste. Aber ich schmiss das alte, graue Leben einfach weg und feierte meinen Neuanfang - ohne auch nur einen weiteren Gedanken an die Vergangenheit zu verschwenden - mit dem n├Ąchsten Pfannkuchen!

Erst nach einiger Zeit fielen mir die Blicke der anderen Kunden auf, zwischen denen ich sa├č auf einer kleinen roten Eckbank. Ich musste auf sie gewirkt haben, wie eine Obdachlose – dreckig und hungrig.

Eine ├Ąltere Dame, die zuvor immer an der Kasse gestanden hatte, kam mit einer Kanne Kaffee vorbei, stellte mir eine Tasse hin und schenkte mir ein. Sie sah etwas einsch├╝chternd aus und wirkte genervt, jedoch verzog sich ihr Gesicht zu einem L├Ącheln und fiel in Falten, als ich sie intensiver betrachtete.

„Geht aufs Haus.“, sagte sie ruhig und freundlich mit erk├Ąlteter Stimme, sog Luft durch ihre Nase hoch und ging zum n├Ąchsten Tisch.

So eine Freundlichkeit hatte ich lange nicht erlebt. Als Vampir war man grunds├Ątzlich ein Einzelk├Ąmpfer. Und wenn man nicht allein umherzog, dann gab es Vampire h├Âchstens in Paaren, die sich einander nie sicher sein konnten, dass sie dem anderen vertrauen k├Ânnen.

Ich schlang noch einen Bissen des s├╝├člichen Pfannkuchen hinunter und verbrannte mir danach die Zunge am hei├čen Kaffee.

Nie war ich gl├╝cklicher gewesen!

Kapitel 2 Ende.

Nachdem ich meinen Magen gef├╝llt hatte, zog es mich zu meiner Wohnung. Sie zum ersten Mal nach so langer Zeit betreten als Mensch. Wer h├Ątte gedacht, dass so etwas passieren w├╝rde, als ich meinen immensen Durst stillen wollte und auf die Seraphim gesto├čen war. Nie k├Ąme ein Vampir auch nur auf die Idee von ihrem Blut zu trinken, zu absurd war dieser Gedanke, aber zu jener Zeit war ich so blutleer, ich h├Ątte alles getrunken. Jasons Blutbank hatte zu und ich musste trinken, um nicht durchzudrehen. Die Angst vorm Durchdrehen hatte ich jetzt nicht mehr. Brauchte ich nicht mehr. Ich war wieder ein Mensch. Normal. So wie alle anderen. So wie die Unwissenden.

Richtig, kaum jemand wusste ├╝berhaupt von der Existenz der Blutsauger. Ich war m├Âglicherweise mit Jason der einzige Mensch in ganz Santa Monica, der wusste, was f├╝r Gestalten sich des Nachts ihre Snacks holten!

Und dadurch war ich ihnen ├╝berlegen. Als Mensch war man in jeglichen F├Ąhigkeiten dem Vampir m├Ąchtig unterlegen, weswegen ich theoretisch automatisch nun in die Opferrolle zugeteilt werden m├╝sste. Aber ich kannte ihr Vorgehen. Und ich w├╝rde mich nicht aussaugen lassen.

Au├čerdem kannte ich ihren Ort, an dem sie feierten. Sie hatten quasi einen ganzen Club f├╝r sich. Er steht sogar unter vampirischer Leitung. Wenn ein dummer Mensch sich dorthin verirrte, hatte er nicht mehr lange zu leben.

Mit einem L├Ącheln ├Âffnete ich meine Wohnungst├╝r und trat hinein. Ich packte mit Kraft an (die ich jetzt wirklich mit M├╝he aufbringen musste) und riss das Holz, das ich als Schutz vor den Fenstern hatte, ab und lie├č die Sonne Eintritt gew├Ąhren.

Ich lie├č mich nieder und switchte den Fernseher an. Es dauerte nicht lange und die wiedergekehrte M├╝digkeit, welche ich als sehr eigenartig empfand, zwang mich in den Schlaf. Aber schon nach wenigen Stunden wachte ich wieder auf und der Fernseher war noch an. Nachrichten. Vielleicht war es nun mal an der Zeit, sich denen wieder zuzuwenden und nicht nur darauf zu achten, ob die Polizei sich nachts im Club „Elysium“ herumtreiben wollte oder sonst wo, wo Vampire nach Opfern suchten.

Ein Bericht ├╝ber die leeren Vorr├Ąte der Blutbank und die Aufforderung der Mithilfe zur Suche des Inhabers mit mittelkurzen, dunklen Haaren, einer Brille und gr├╝nen Augen trat in den Vordergrund. Ich erschrak. „Sie haben Jason drangekriegt?“, murmelte ich mir selbst und dem Fernseher zu.

Da ich mir bewusst wurde, dass er der einzige war, der ├╝ber die Existenz meines fr├╝heren Wesens Bescheid wusste und trotzdem der Umgang mit Menschen gel├Ąufig war, sah ich es als Aufgabe an, ihn zu finden.

Schlie├člich war ich jahrelang sein Kunde gewesen. Er w├╝rde mich erkennen.

Nat├╝rlich hatte ich auch mit dem Gedanken gespielt, zun├Ąchst einmal zu gucken, wer von meinen damaligen Freunden oder gar meiner Familie noch in der Stadt war, aber mir war etwas mulmig bei dem Gedanken nach fast sieben Jahren wieder aufzutauchen. Wie sollte ich es ihnen erkl├Ąren?

Sollte ich ihnen versuchen wei├č zu machen, dass ich meinen Tod blo├č vorget├Ąuscht hatte? Dass ich sie keinesfalls verletzen wollte, aber mir jetzt nach sieben Jahren danach war, sie auf zu kl├Ąren? Unsinnig...

Au├čerdem kannte ich diese Welt nicht mehr. Sie war so hell. So unglaublich hell. So unglaublich schrecklich hell.

Unwissend dar├╝ber, warum in mir auf einmal Pessimismus aufkam, zog ich w├╝tend die Gardinen zu, um dem Licht den Weg in die Wohnung erneut zu versperren.

Jason ist meine einzige Chance in dieser Welt zu ├╝berleben. Ich habe niemanden. Ich bin kein Vampir mehr... und trotzdem bin ich allein, wenn nicht sogar einsamer als je zuvor, sprachen meine Gedanken.

Ver├Ąrgert schmiss ich ein Kissen meiner Couchgarnitur an die Wand und verlie├č die Wohnung aufgekratzt.

Es war mittlerweile Mittag. Die Sonne brannte auf meiner Haut. Vorhin noch war es ein warmes, angenehmes Gef├╝hl gewesen, die leichten Sonnenstrahlen auf der Haut zu f├╝hlen, doch nun wirkte die Sonne brennend und todbringend. Ich zog mir meine Jacke ├╝ber den Kopf, um mein Gesicht zu sch├╝tzen und lief die Stra├če hinunter zum Diner, in dem ich gefr├╝hst├╝ckt hatte.

Die T├╝ren waren verschlossen. „Wir sind ab morgen wieder f├╝r sie da!“ stand dort auf dem Schild.

„Fuck!“, pressten meine Lippen hervor und ich rannte die Stra├če hinunter. Ich hatte keine Ahnung, wo ich ├╝berhaupt hin rannte, aber diese furchtbare Hitze trieb mich voran. Ich bog in eine mir bekannte Gasse und machte abrupt Halt vor der Blutbank. Geschlossen. Nat├╝rlich, Jason war ja auch untergetaucht, nahm ich an.

Dort vor ihr stehend, schlug ich mit der Faust gegen die T├╝r, welche fr├╝her bei jenem Kraftaufwand sicher mindestens eine Delle hinterlassen h├Ątte, und sackte zusammen. Wenigstens war es in dieser Stra├če etwas dunkler.

Ein Mensch? Ich? Wie k├Ânnte ich nach so langer Zeit wieder ein Mensch sein? Mit zwanzig Jahren erhielt ich den Blutkuss und bin nun dementsprechend siebenundzwanzig Jahre alt und kein bisschen gealtert.

Doch nun f├╝hlte ich die Sterblichkeit zur├╝ckkehren, mit jeder Sekunde alterte ich. Sogar meine Faust schmerzte, nur weil ich sie gegen die T├╝r geschlagen hatte.

Vielleicht hatte ich mich selbst hierher gelockt, weil mir das Ganze mit dem „Wieder-Mensch-sein“ einfach zuwider war. Ich meine, ich war mir sicher, dass es niemals so einen Fall zuvor gegeben hatte, dass ein Vampir wieder zu einem Menschen wurde. Mir war jedenfalls keiner bekannt.

Blutsauger k├Ânnen nicht wieder Tagwandler werden, das ist Gesetz. Die Nacht ist das einzige, das sie fortan begleitet, genau wie das Risiko bei zu wenig Blut in tierische Raserei zu verfallen. Nicht sich um seinen Job und die Kinder zu k├╝mmern und jeden Tag demselben Tun zu folgen, sondern sich nur um den Moment zu k├╝mmern, das war es, was ich kannte.

In sieben Jahren Vampirdasein lernt man einiges ├╝ber Leben und Tod.

Als Mensch ist die Zukunft wichtig, Hektik regiert und Gl├╝cklichsein wird angestrebt. Gl├╝cklichsein..., ich war gerade alles andere als das. Als Vampir war es nur wichtig den Instinkten zu vertrauen und sich ums Hier und Jetzt zu scheren.

M├Âglicherweise war das Nachtleben einfacher als das Leben selbst. Vielleicht war es auch nur die Gewohnheit, die mich zwang, so zu denken. Ich wollte versuchen, die Gedanken beiseite zu legen. Und heute Nacht w├╝rde ich mich in die H├Âhle des L├Âwen wagen und ins „Elysium“, der Vampirclub, als Mensch gehen. Bis dahin w├╝rde ich Jason suchen und wenn es mir nicht vorherbestimmt war, ihn zu finden, dann w├╝rde ich mich wieder zu einem Vampir machen lassen...!

Kapitel 3 Ende.

Von dem Geld, das ich einem Penner geklaut hatte, kaufte ich mir einen Hotdog und lief durch die Stra├čen auf der Suche nach einem Anhaltspunkt f├╝r Jasons Aufenthalt.

Ich wurde bald f├╝ndig, als ich einen Mann im Tattoo-Studio fragte. Er wies mich daraufhin, dass ich doch seinen Freund fragen sollte, der der illegal Waffen verkauft am Ende der Main Street. Er sollte angeblich wissen, wo Jason sich herumtrieb. Mir war der Kerl durchaus bekannt, also machte ich mich auf den Weg dorthin.

Als ich vor dem alten, heruntergekommenen Geb├Ąude ankam und hineinging, schien es so, als wollte der illegale Waffenverk├Ąufer mir nicht so recht trauen, da er aussagte, er w├╝rde wirklich keine Waffen besitzen. Aber wenn ich etwas als Vampir gelernt hatte, war es ├╝berzeugend zu sein. Ich trat n├Ąher an das Gitter, das zur Sicherheit zwischen ihm und den Kunden war, und forderte ihn auf, n├Ąher zu kommen.

Sein Ohr kam n├Ąher und n├Ąher und als es fast ganz am Gitter angekommen war, hauchte ich ihm meine Worte entgegen: „Die Nacht ist erfreut dich zu sehen...!“, wisperte ich und ich bemerkte, dass er nerv├Âs wurde.

Er trat wieder etwas vom Gitter zur├╝ck. Ihn schien meine Botschaft erreicht zu haben: „Das ist unm├Âglich... es ist Tag! Wie bist du hierher gelangt?“, fragte er, da mein Satz ihm unverkennbar mitteilte, dass ich der Blutsauger-Bande angeh├Ârte.

„Du bist doch keiner von denen oder? Ich meine, ich dachte, ihr k├Ânntet nur nachts...“, doch ich unterbrach seine unsicheren Worte: „Nein, nein, ich geh├Âre nicht zu ihnen, aber ich sag dir mal etwas: Ich kenne da einige interessante Nachtmenschen, die sich freuen w├╝rden, hier vorbei zu schauen, um deinen Laden auseinander zu nehmen, solltest du mir nicht die Informationen geben, die f├╝r mich wichtig sind. Wom├Âglich w├╝rdest du als Mensch ihnen auch reichen, aber naja, sie machen, was sie wollen...“

Er schien zu verstehen: „Was kann ich tun?“, nun war seine Stimme ernst und trotzdem angsterf├╝llt.

Ich erkl├Ąrte ihm mein Anliegen und er gab mir am├╝santerweise den Tipp, dass ich doch einmal ins Tattoo-Studio gehen und dort nach Jason fragen sollte, woher ich ja gerade erst gekommen war. Was f├╝r ein Spielchen trieben sie blo├č mit mir?

Aber ich wusste der Waffenh├Ąndler w├╝rde mich nicht anl├╝gen, nicht jetzt, da er wusste, dass er es nun mit Vampiren zu tun hatte. Mir fiel auf, dass auch er einer der wenigen war, die von den Blutsaugern wussten, aber er hatte so gro├čen Respekt vor ihnen, dass er niemals auch nur mit einem von ihnen n├Ąher zu tun haben wollte.

Skeptisch, aber relativ zufrieden und doch mich fragend, ob ich nur Vermutungen nachging, trat ich zur├╝ck vom Gitter, l├Ąchelte, nickte ihm zu und verschwand.

Zur├╝ck auf der Main Street waren einige Wolken sch├╝tzend ├╝ber mich getreten, um die Sonne von mir fernzuhalten. Ich war froh dar├╝ber, doch als ich beim Tattoo-Studio nach einigen Minuten eingetroffen war, stellte ich fest, dass die T├╝r verschlossen war.

Der Besitzer, den ich zuvor angetroffen hatte, verheimlichte mir etwas. Warum hatte er mich sonst davon geschickt? Wenn er ahnungslos gewesen w├Ąre, h├Ątte er nicht l├╝gen m├╝ssen. Sicher hatte er mich nur zum Waffenh├Ąndler geschickt, um Zeit zu schinden, um Jasons Aufenthalt vor mir zu verbergen oder um ihn gar wegbringen zu k├Ânnen. M├Âglicherweise fand ich ja im Studio selbst heraus, wohin sie gegangen waren. Ich wollte mich nicht mit einer Entt├Ąuschung, wie dieser, zufriedengeben, also ging ich in eine der schmalen Gassen zum Hintereingang.

Auch diese T├╝r war versperrt, doch ich h├Ârte Stimmen und lauschte diesen angestrengt und es war f├╝r mich eine gro├če Anstrengung, so menschlich wie ich war. Ich spitzte meine Ohren und nach einigen endlos wirkenden Sekunden konnte ich ihnen endlich zuh├Âren.

„... und was sollen wir jetzt machen? Jetzt ist nicht nur die Polizei hinter mir her, sondern auch noch eine ganze Bande von Vampiren!“

„Beruhige dich, Jason, du wei├čt nicht einmal, ob sie dich dran kriegen k├Ânnten wegen dem Blut, das du verkauft hast. Wir m├╝ssen einfach nur einen versteckten Platz in Downtown finden, dann bist du erst einmal sicher.“

„Sicher? Ich bin nirgens sicher! Die wollen ihr Blut! Denkst du, wenn sie keine Blutbeutel mehr von mir bekommen k├Ânnen, werden sie sich mit Luft zufriedengeben? Die werden mich aussaugen, Dean!“

Nachdem ich eine Weile gelauscht hatte, wurde mir klar, dass ich Jason gefunden hatte und der Tattoo-Studio Besitzer ihn wirklich versteckt hielt und es meine vermutlich einzige Chance war, ihn jetzt anzutreffen.

Sicherlich hatte er Recht und die Blutsauger waren auch auf der Suche nach ihm, wenn sie durstig waren. Besonders die Frischlinge. Umso wichtiger war es mir, nun mit Jason sprechen zu k├Ânnen.

Ich holte einen Dietrich heraus und sah um mich herum. Trotz der herrschenden Dunkelheit in der Gasse, vermochte die gegen├╝berliegende Stra├če mich genau einzusehen. Aber ich musste es jetzt tun. Also brach ich die T├╝r mit all meinem Geschick auf, das ich als Vampir gelernt hatte. Man lebte ja praktisch von Kriminalit├Ąt.

Geschafft! Die T├╝r entriegelte sich und ich ├Âffnete einen Spalt.

Jason und Dean stritten immer noch, w├Ąhrend Jason dabei war, einen gro├čen Koffer zu packen. Sie hatten mich nicht bemerkt. Eine kleine Weile beobachtete ich sie dabei, wie sie mit den Armen fuchtelten und sich gegenseitig Schimpfw├Ârter zuriefen.

Pl├Âtzlich knartschte meine T├╝r und ich hatte keine andere Wahl, als schnell hinein zu treten oder zu verschwinden. Ich entschied mich f├╝r Ersteres.

Dean, der eben noch mit dem R├╝cken zu mir gestanden hatte, drehte sich ruckartig um, z├╝ckte und zielte mit einer Waffe auf mich. Er hatte sie so schnell in die Hand genommen und so schnell entsichert, dass ich mich nur noch mit einem Sprung auf den Boden retten konnte.

„Wer bist du?“, rief er bedrohlich, er trat n├Ąher, die Pistole noch immer auf mich richtend. Er feuerte einen Warnschuss ein paar Zentimeter neben meinen Kopf ab. Nie war mir das Ger├Ąusch so laut vorgekommen. Es zuckte mich einmal durch den ganzen K├Ârper.

Ich drehte mich zaghaft auf den R├╝cken und hielt meine H├Ąnde ergebend nach oben.

„Du schon wieder!? Was willst du??“, fragte er patzig und Jason trat zaghaft n├Ąher, um mein Gesicht zu ersp├Ąhen.

„Jason...“, ich l├Ąchelte gequ├Ąlt, als er so nah gekommen war, dass er mich erkannte.

Aber anstatt dass er mir freundlich zugewandt war, stolperte er zur├╝ck, zeigte entsetzt mit dem Finger auf mich und rief immer wieder: „Vampir! Vampir! Vampir!“

Ich sah Dean den Abzug dr├╝cken und versuchte mich aus dem Weg zu rollen und fl├╝chtete gerade noch rechtzeitig hinter ein Sofa. Gott, war ich schon immer so langsam gewesen? Das war ja brutal, wie langsam ich nun reagierte.

„Jason, ich bin nicht wegen dem Blut hier... ich bin ja nicht mal mehr ein Vampir... es ist Tag, ist dir das schon aufgefallen? Wie h├Ątte ich herkommen k├Ânnen, ohne, dass mich die Sonne zerst├Ârt h├Ątte? Bitte, du musst mir glauben!“, rief ich und die Angst kroch h├Âher, dass mein menschlicher Tag gez├Ąhlt war und ich nun hier durch eine Kugel sterben musste.

„Warte!“, rief Jason Dean zu und schien ihn davon abzubringen weiterhin in meine Richtung zu schie├čen.

Das Feuer wurde eingestellt und ich seufzte erleichtert auf.

Sie fl├╝sterten etwas, das ich nicht verstehen konnte. Ich ├Ąrgerte mich erneut ├╝ber die Beschr├Ąnktheit meiner menschlichen Sinne und wartete ab, was als N├Ąchstes passierte.

„Ich verstehe das nicht! Ich meine, du bist meine Kundin gewesen..., hast dir immer Blut geholt... und bist dennoch keiner von ihnen? Und was willst du eigentlich von mir? Warum bist du hier?“, die Stimme klang so als w├Ąre sie n├Ąher gekommen.

Mir war es zuwider alles hinter dem Sofa erkl├Ąren zu m├╝ssen und um mein Leben zu bangen, also stand ich auf und drehte mich in Richtung der beiden, den Kopf beharrlich sch├╝ttelnd. Sofort zielte Dean wieder mit seiner Pistole auf mich.

Immer den Blick auf den Lauf gerichtet, antwortete ich: „Ich bin kein Vampir mehr... Ich meine, ich war ein Vampir, aber ich bin es nicht mehr!“

Ich sah ihnen mutig entgegen, mutig aussehend, aber dennoch ├Ąngstlich, der n├Ąchste Schuss, den Dean abfeuern w├╝rde, k├Ânnte mein Lebenslicht ausl├Âschen.

Jason f├╝hrte seine Hand auf den ausgestreckten Arm von Dean, um ihm somit mitzuteilen, er solle die Waffe herunternehmen.

„Wie ist das m├Âglich?“, fragte Jason und trat mutig n├Ąher.

Ich trat vom Sofa hervor und und begann zu l├Ącheln. „Jason, du bist der einzige, der von uns wei├č oder nun ja, zumindest dachte ich, du w├Ąrst der einzige, der von der Existenz der Nachtwesen wei├č...“, ich sah verstohlen zu diesem Kahlkopf namens Dean.

„Ich bin wirklich kein Vampir mehr, hier, sieh dir das an!“, ich ├Âffnete weit meinen Mund und lie├č ihn einen Blick gew├Ąhren, der ihm zeigte, dass meine vampirischen Rei├čz├Ąhne verschwunden waren.

Er glaubte mir und bat mich, mich zu setzen, hielt mich aber dennoch auf Abstand.

„Nelly, hab ich Recht? Oder ist das nicht mehr dein Name, wo du nun wieder menschlich bist?“, Jason wirkte unsicher.

Ich wollte etwas sagen, aber Dean unterbrach mich. „Sie war vorhin schon einmal hier und war auf der Suche nach dir, ich dachte ich h├Ątte sie abgeh├Ąngt, als ich sie zu Tyler schickte.“

Jasons Blick wanderte von ihm zu mir zur├╝ck: „Nun, du hast mich gefunden. Was willst du von mir?“

Ich ├╝berlegte. So recht wusste ich selbst nicht, was ich wollte. Ich wollte wissen, wie ich ├╝berleben sollte – als Mensch – und was mit mir passiert war und warum Jason sich nun verstecken musste, warum er drangekriegt worden war, warum er untergetaucht war bei diesem Mann, der anscheinend auch von den Blutsaugern wusste. Ich wollte alles wissen.

„Nun, ich warte!“, entgegnete er, als ich nicht antwortete, „Ich habe nicht all zu viel Zeit!“

„Jason, du bist der einzige, den ich au├čerhalb des Kreises der Nachtgestalten kenne. Du bist der einzige, der mir sagen kann, was ich nun tun soll.“, mir war bewusst, dass meine Worte wirr waren, weil ich wirr war.

„Woher soll ich das wissen? Geh feiern! Erfreue dich des Lebens und sei froh, dass du kein Blut mehr von mir kaufen musst, denn diese T├Ątigkeit werde ich jetzt auch nicht mehr machen k├Ânnen!“, er stand auf und packte wieder hektisch seinen Koffer, dem Dean ein paar Dinge beigef├╝gt hatte.

„Moment mal...“, sagte Dean und verharrte.

„Wenn du ein Vampir warst, dann hast du doch bestimmt gute Verbindungen zu den meisten von ihnen, nicht wahr?“, mir war nicht klar, worauf Dean hinaus wollte, also antwortete ich: „Vampire sind zwar grunds├Ątzlich Einzelg├Ąnger, aber ich kenne schon einige, warum?“

Dean wandte sich dem hektisch packenden Jason zu: „Dann lassen wir sie das regeln! Du musst hier nicht abhauen und ich kriege keinen ├ärger, weil ich dir geholfen hab, zu fliehen, denn das musst du dann gar nicht mehr! Wir behalten dich etwas hier, bis Ruhe eingekehrt ist, sie ├╝bernimmt das mit den Vampiren und schon ist alles, wie gehabt!“

Ich sah sie skeptisch an und funkte dazwischen: „Oh nein! So war das nun nicht gedacht! Dass ich einige kenne, hei├čt nicht, dass ich ihnen weismachen kann, was passiert ist. Ich meine, seht mich an, ich bin ein Mensch. Oder wenigstens etwas Menschen├Ąhnliches. Nichts weiter. Sie w├╝rden mir nicht einmal zuh├Âren!“

Jasons Stimme klang d├╝ster: „Dann lass dich aussaugen und werde wieder ein Vampir...“ Ich traute meinen Ohren nicht.

Sicher, ich hatte dar├╝ber auch schon nachgedacht, aber es war nach sieben Jahren Vampirdasein einfach ein irres Gef├╝hl, wieder ein normales Wesen zu sein. Dass es viele Nachteile hatte, wollte ich gar nicht leugnen, aber vielleicht war es mir vorherbestimmt diese zweite Chance entgegen zu nehmen und wieder ein Mensch zu sein.

„Unm├Âglich...“, sagte ich und mein Blick verfinsterte sich, „Es muss einen anderen Weg geben.“

„Ich wei├č ja nicht, was du willst, Nelly, aber ich kann dir nicht helfen, wenn du mir nicht hilfst. Ich verlange nicht, dass du wieder ein Vampir wirst, ich gebe zu, das ist nicht richtig. Aber vielleicht gibt es eine andere M├Âglichkeit, mit ihnen Kontakt aufzunehmen!? Eine sichere M├Âglichkeit? Ich meine, wenn das einer wei├č, dann du.“, sagte Jason und mir leuchtete ein, dass er Recht behielt.

So willigte ich ein. „Gut, ich finde einen Weg, die Vampire von dir fernzuhalten bis sich die Situation beruhigt hat. Und du musst mir im Gegenzug zeigen, wie es ist, ein Mensch zu sein.“

Jasons gewohntes L├Ącheln kehrte zur├╝ck und er gab mir sch├╝chtern die Hand.

„Abgemacht!“

Kapitel 4 Ende.

Als sich der Tag dem Ende neigte, beschloss ich mit dem Geld, das ich von Jason bekommen hatte, meinen kleinen Hunger zu stillen und ging in ein nahegelegenes Restaurant.

Obwohl die Nacht jahrelang mein einziger Freund war, f├╝rchtete ich mich nun vor ihr. Die grausamen Wesen, die sie inne hielt, warteten nur darauf, sich an mir zu verzehren.

Ich schlang das Essen hinunter, genoss es aber trotzdem wie beim 'ersten Mal' und machte mich auf den Heimweg. Nur noch wenige Minuten lagen zwischen mir und dem Sonnenuntergang.

Als ich die Treppe zu meinem Appartement hinauf ging, bemerkte ich schon auf der H├Ąlfte der Treppenstufen, dass meine T├╝r weit ge├Âffnet war.

Einbruch! Jemand hatte bei mir eingebrochen!

Ich stieg langsam und leise die letzten Stufen hinauf und sah in die D├Ąmmerung meines Wohnzimmers.

Adrenalin durchdrang meinen K├Ârper. Ich trat ein und machte mir ein Licht an, um besser sehen zu k├Ânnen. Mein Sofa lag auf der Seite, s├Ąmtliche Regale waren entweder heruntergerissen oder dessen Inhalt lag zerstreut in der Mitte des Raumes. Mein K├╝hlschrank war weit ge├Âffnet und die T├╝r zu meinem Bad war oben ausgehakt und lag nun in Schr├Ąglage ge├Âffnet.

Was mir sofort auffiel war, dass der Fernseher noch da war. Unversehrt.

Da hatte jemand etwas gesucht, aber er hatte es nicht auf Wertsachen angelegt.

Auch mein Radio lag auf dem Boden. Der Einbrecher hatte es verschont. Er hatte etwas anderes gesucht. Aber was nur?

Ich beschloss meine Wohnung auf der Stelle aufzugeben und zog wieder nach drau├čen, um dorthin zu gehen, wo ich zun├Ąchst einmal sicher w├Ąre: zu Jason und Dean. Als ich die Treppe wieder hinunter ging und die T├╝r f├╝r drau├čen ├Âffnete, kam mir eine kalte Brise entgegen.

Es war soweit! Es wurde Nacht! Zum ersten Mal seit sieben Jahren w├╝rde ich durch die gef├Ąhrlichen Stra├čen Santa Monicas gehen und durch die Menschlichkeit gezwungen werden, die Opferrolle einzunehmen.

Je l├Ąnger der Weg dauerte, desto dunkler wurde es vor meinen Augen. An den Stra├čenecken tauchten die Nutten auf, um Geld zu machen.

Eine davon hatte ich sogar mal selbst gek├╝sst, nun machte sie Geld damit, Vampire zu erschaffen oder einfach nur das Blut ihrer Kunden zu trinken.

Ich ging schneller und versuchte meine Augen zu sch├Ąrfen, aber meine Sehf├Ąhigkeit war zu nichts zu gebrauchen, seit ich wieder Mensch war.

W├Ąhrend ich durch die mir bekannten Abk├╝rzungen den Weg zum Tattoo-Studio zur├╝ck schaffte, machte sich ein seltsames Gef├╝hl breit.

├ängstlich tippelnd ging ich immer hektischer durch die n├Ąher kommende Dunkelheit. Sie war nun nicht mehr l├Ąnger mein Freund, sondern zwang mich dazu, mich irgendwo anders sicher wissen zu m├╝ssen.

Obwohl wir Sommer hatten, kam mir diese n├Ąhernde Nacht unheimlich k├╝hl vor. Das lag bestimmt daran, dass sich jegliche meiner Gef├╝hle bei ihrer Wiederkehr in ├Ąu├čerster Intensit├Ąt ├Ąu├čerten. Und so ├╝berraschte mich auch ein Freudengef├╝hl als ich mich pl├Âtzlich vor dem „Elysium“ vor fand. Von drau├čen h├Ârte ich die stimmungsvolle Musik, die bereit war, mich mitzurei├čen.

Blind trat ich und wie gewohnt die Stufen zum Eingang des Vampirclubs hinauf. Die Dunkelheit war eingekehrt.

In seltsamen Abst├Ąnden sah ich mich erst kurz vor der T├╝rklinke stehen, mich fragend, ob ich sie ├Âffnen sollte und dann war ich pl├Âtzlich drinnen im Flur des Clubs und beim n├Ąchsten blitzartigen Kontrollverlust, der sich nicht ank├╝ndigte, sondern einfach wie ein Schlag kam und ging und trotzdem Schmerzen hinterlie├č, sah ich mich direkt vor der Bar stehen.

Ich setzte mich auf einen der Barhocker und schloss die Augen. Unm├Âglich, ich war wirklich im Elysium! Und das als Nichtvampir. Es w├╝rde nicht lange dauern bis die Meute sich auf mich st├╝rzen w├╝rde. Was hatte ich mir dabei gedacht? War ich wirklich durch eigenen Willen hereingekommen? Und warum hatte ich jetzt solche Kopfschmerzen? Waren sie so intensiv, weil sie mich seit sieben Jahren das erste Mal wieder heimsuchten?

Ich sp├╝rte eine Hand auf meiner Schulter.

„Na, wen haben wir denn da? Weilst du wieder unter uns?“, als ich meine Augen ├Âffnete, sah ich zun├Ąchst noch etwas verschwommen, dann immer deutlicher das mir bekannte freche Grinsen der Clubbesitzerin Annette.

Wieder unter ihnen weilen? Wurde ich etwa wieder gek├╝sst? Ging es so schnell, dass ich mich nicht einmal daran zu erinnern vermochte?

Zu viele Fragen, die sich mir stellten und die Angst, die in mir hoch kroch, meine Vertraute w├╝rde merken, dass etwas nicht stimmte, lie├čen mich die Kontrolle zur├╝ck erlangen.

„Mensch, Kindchen! Du warst ja ganz ausgelaugt! Was hast du die N├Ąchte getrieben? Naja unser lieber Phil hat sich darum gek├╝mmert und dir einen kr├Ąftigen 'Bloody Mary' zubereitet. Du schuldest mir was!“, sie sah erst zum Barkeeper, zwinkerte ihm zu und wandte sich dann wieder mir zu.

Meine Gedanken ├╝berschlugen sich. Sie hatten mir Blut gegeben! Ihnen war nicht aufgefallen, dass ich ein Mensch war und nun hatten sie mich zum Ghul gemacht! Doch bevor ich mein Gedankenchaos einigerma├čen wieder gesammelt hatte, um Annette etwas Schnippisches zu sagen, gehorchte mir mein Mund nicht mehr. Ich hatte erst jetzt den bet├Ąubenden Geschmack bemerkt. Er war anders als der vom Seraphimblut. Ekeliger. Unglaublich bitter. Es war ungewohnt diesen Geschmack von Blut so wahrzunehmen, so als Mensch.

Annette lachte: „Na, ich sehe schon, das braucht noch eine Weile mit dir. Wenn du dich wieder gefangen hast, schau doch mal oben bei mir vorbei. Zweiter Stock, wei├čt du ja, aber naja, wer vergisst zu trinken, dem sollte man auch das lieber noch einmal sagen.“, sie ging elegant, beinahe arrogant, wie immer, einige Schritte in Richtung Aufzug und machte dann noch einmal kurz kehrt und drehte sich zu Phil: „Und gib der Kleinen noch Einen. Geht aufs Haus!“, dann verschwand sie im Lift.

Meine Zunge wirbelte in meinem Mund umher, immer wieder schluckte ich, um den Geschmack loszuwerden, doch dann stand schon der n├Ąchste Drink vor mir.

„Du hast die Frau geh├Ârt! Trink, der geht aufs Haus!“, sagte Phil.

Ich nickte benommen und seltsamerweise kehrte beim Anblick des Martini-Glases mit r├Âtlichem Inhalt die Lust zur├╝ck Blut zu schmecken.

Meine Hand n├Ąherte sich dem Drink zitternd. Ich sah im Augenwinkel, dass Phil mir belustigt bei meinem Versuch zusah, doch es war f├╝r mich als g├Ąbe es in diesem Raum nichts weiter au├čer mir und dem Glas, das bis fast oben hin gef├╝llt war mit Blut.

Ich nahm das Glas in die Hand und schlang den Inhalt herunter. Ein Schauer durchfuhr mich und eine warme Atmosph├Ąre machte sich in mir breit. Der Geschmack des Blutes hatte sich ver├Ąndert. Es schmeckte wie damals und stellte mich ruhig.

Wenn es so einfach war, sich hier zu bewegen, im „Elysium“, ohne als Mensch enttarnt zu werden, konnte ich meine Chance nutzen, um die Nachricht zu verbreiten, warum die Blutbank geschlossen war. Mein Kopf erholte sich schnell und das warme Gef├╝hl breitete sich weiter in meinem K├Ârper aus. So f├╝hlte es sich also an ein Ghul zu sein. Das war nicht schlecht, es kam dem Gef├╝hl des Vampirseins sehr nahe.

Ich schnippste Phil zu mir. „Na, soll's noch einer sein?“, fragte er.

„Nein, nein, aber danke... sag mal, hast du schon davon geh├Ârt, dass die Blutbank geschlossen wurde!?“, ich versuchte seine Aufmerksamkeit durch eine geheimnisvolle Stimme zu erregen, doch die Musik war so laut, dass ich sie kaum richtig einsetzen konnte. Als Vampir hatte man die F├Ąhigkeit besonders ├╝berzeugend zu wirken – entweder durch Einsch├╝chterung oder die Kraft der Verf├╝hrung. Allerdings war nicht jeder Blutsauger mit diesen vampirischen F├Ąhigkeiten best├╝ckt, die man auch nicht immer und nicht immer mit derselben Kraft einsetzen kann.

Phil nahm mein Glas weg und stellte es zu den anderen Schmutzigen, dann nahm er ein frisch abgewaschenes Glas und reinigte es mit einem Handtuch und kehrte w├Ąhrenddessen, daran reibend, zu mir zur├╝ck.

„Ja, ist ziemlich ├Ąrgerlich, was? Aber das bedeutet nicht, dass du jetzt gar nichts mehr trinken kannst. H├Âr mal, um dich stand es echt schlimm. Deine Augen ├Ąchzten vor Blut, so rot waren sie! Du musst besser aufpassen!“, tadelte er mich. Er stellte das Glas zur├╝ck und holte das N├Ąchste, um es abzutrocknen. Wenn sogar die Augen eines Vampirs r├Âtlich leuchteten, dann war eine Raserei nicht mehr fern und selten w├╝rde man an diesen Punkt gelangen, ohne es zu wissen und gewiss nicht wissentlich die Grenze zur Raserei ├╝berschreiten.

„Ja, ich wei├č... kommt sicher nicht wieder vor.“, ich musste wieder zum Thema Blutbank zur├╝ckkehren.

„Sagt dir der Kerl Jason was? Er hat in der Blutbank gearbeitet. Hab geh├Ârt einige Vampire haben es nun auf ihn abgesehen, weil sie glauben, er w├╝rde ihnen das Blut vorenthalten.“

„Der Kerl mit der Brille, nicht wahr? Ja, ich hab auch schon einigen dummen Besuchern erkl├Ąren m├╝ssen, dass der vermutlich schon l├Ąngst in Downtown ist, um da das Blut zu verh├Âkern. Da macht er sicher ein besseres Gesch├Ąft... Aber wieso fragst du? Was interessiert dich der Kerl? Wenn's dir um das Blut geht – wir haben hier noch einiges an Vorr├Ąten, also brauchst du deswegen unbesorgt sein!“, er nahm das saubere Glas und f├╝llte noch einmal das rote, liebliche Getr├Ąnk hinein und gab es an eine Kundin, die ein paar Meter entfernt von mir stand. Mein Blick blieb an der lieblichen Farbe des Glases haften und folgte ihm bis zu den zarten Lippen der Kundin, die gen├╝sslich daran nippte.

„Ansonsten wei├čt du ja, wo man noch Blut her bekommt! Wir tun, was wir tun m├╝ssen, Sch├Ątzchen!“, Phil lachte laut los und winkte eine weitere Kundin zu sich. Eine besondere Kundin.

„Sicher...“, sagte ich und sah das bezaubernde Fr├Ąulein n├Ąher kommen. In meinen alten Vampirtagen h├Ątte ich sie gerne zum Vampir gemacht. Sie hatte wei├čblonde Haare und auffallend helle, blaue Augen. Ihre Haut war elfenbeinfarben und sie schien trotz ihrer Anmut zierlich und zerbrechlich. Das arme menschliche Wesen hatte ja keine Ahnung, wo es sich hier befand. In welcher Gefahr sie sich hier befand.

„Shelly ist heute zum Beispiel zum ersten Mal hier, du kannst ihr bestimmt den Club und seine Besonderheiten einmal zeigen!“, er lachte leise und drehte sich um zu seinen Gl├Ąsern.

Irgendwie hatte das alles bisher nicht so geklappt, wie es h├Ątte klappen sollen.

Shelly setzte sich zu mir und fragte nach einem gew├Âhnlichen Drink, den Phil auch vorr├Ątig hatte. Mir war klar, dass er auf neue Stammg├Ąste lauerte.

Doch, dass es nun an mir war, ihm diese zu beschaffen, lag mir schwer im Magen. Ich war nun mal kein Vampir mehr. Ich war allenfalls ein Ghul, obwohl man dazu das Blut eines Vampirs getrunken haben m├╝sste. Aber bei mir war nun eh alles so wirr, dass ich keine Bezeichnung f├╝r mich hatte. Ich wusste aber, dass ich kein Vampir mehr war und Phils Wunsch, sie zu einer von den Blutsaugern zu machen, nicht erf├╝llen konnte. Aber um nicht aufzufallen, war ich nett zu Shelly und wollte sie in eine dunkle Ecke des Raumes entf├╝hren, sodass Phil zumindest den Eindruck erhalten w├╝rde, ich w├╝rde mich um sie 'k├╝mmern'.

Dies sollte sich jedoch schnell als schwierig erweisen...

Ich l├Ąchelte, die Musik dr├Âhnte lauter und lauter und meine Kopfschmerzen kehrten mit einem Schlag zur├╝ck.

Ende Kapitel 5.

Wo war ich? In einer Gasse? Wie zum Teufel war ich denn hierher gekommen??? Ich war doch noch wenige Sekunden zuvor im Elysium gewesen. Ich sa├č benebelt an einer Hausmauer neben einem M├╝llcontainer in der v├Âlligen Dunkelheit. War ich verschleppt worden?

Ich krempelte meinen ├ärmel hektisch hoch, um auf die Uhr zu sehen. Halb drei? Wie konnte es so sp├Ąt sein? Langsam krempelte ich meinen ├ärmel wieder herunter und erst da fiel mir auf, dass ich etwas Nasses an den H├Ąnden hatte. Mich weiter an die Hausmauer lehnend, raffte ich mich auf und sah dann zum ersten Mal, was vor mir lag.

Ich wollte einen Schritt vor tun, doch nahm ich meinen Fu├č schnell zur├╝ck und lehnte mich schmerzverzerrt an die Mauer.

Es war gut zu erkennen, was passiert war. So h├Ątte ein Vampir in Raserei gehandelt. Shelly, das sch├Âne Fr├Ąulein aus dem Elysium lag dort vor mir , in ihrem eigenen Blut getr├Ąnkt, ihr K├Ârper ├╝berseht mit Kratz und – Bissspuren. Sie lag mit dem Gesicht zum Boden und ihre hellen Haare waren fast komplett durchn├Ąsst durch die Blutlache, die von einer Platzwunde aus ihrem Hinterkopf ausging.

Zitternd vor Angst wagte ich mich um sie herum zu schleichen. Meine Augen f├╝llten sich mit Tr├Ąnen. Ich sah benommen meine H├Ąnde an. Es waren Todesklauen. Todesklauen, die ihr das Leben gekostet hatten. Als ich verstand, dass, wie auch immer es geschehen war, ich Schuld an diesem Gemetzel war, brach ich heulend zusammen und streichelte schluchzend Shellys feuchten Haare.

Auch wenn ich kein Vampir mehr war, in mir schien ein vampir├Ąhnlicher, unkontrollierbarer Trieb zu sein, der ihr das angetan hatte und mich gleichzeitig in gr├Â├čte Angst und Verzweiflung fallen lie├č.

Mir kam es vor, dass ich Stunden um die junge Frau trauerte, doch als ich mich langsam und leise, wie ich es gelernt hatte mich zu bewegen als Vampir, aus der Gasse schlich und erneut auf die Uhr sah, war es gerade mal zehn Minuten nach drei.

Mein menschlicher Stolz war dahin. Ich konnte nicht fassen, was geschehen war. Hatte das einen psychischen Aspekt als Hintergrund? Durch die Gewohnheit und die Angst dem Neuen, Antiparanormalem entgegenwirkend kam der Wunsch zur├╝ck ins Elysium zu gehen, Bloody Marys zu trinken und Menschen als unterste Rasse anzusehen, die h├Âchstens zum Selbstzweck dienten (also als Getr├Ąnk oder T├Âtungsspa├č oder, wenn sie es verdienten, als Neulinge gek├╝sst zu werden)?

Es machte keinen Sinn und ich erinnerte mich einfach nicht mehr. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was passiert war. Aber ich wusste, dass ich ihr das angetan hatte, meine blutverschmierten Krallen waren der Beweis daf├╝r!

Ich trat in eine dunklere Ecke einer Stra├če, um Halt zu machen. Krallen? Wieso hatte ich Krallen? War ich doch wieder ein Vampir? Ich tastete meine Z├Ąhne ab und tats├Ąchlich waren die kleinen, spitzen Blutsaugerz├Ąhnchen zur├╝ckgekehrt!

Nicht wissend, ob ich mich dar├╝ber freuen oder davor f├╝rchten sollte, lief ich in Richtung Strand, um mir bei n├Ąchster Gelegenheit im Meerwasser das Blut von den H├Ąnden und besonders den Krallen waschen zu k├Ânnen. So konnte ich kaum bei Jason und Dean auftauchen oder ├╝berhaupt durch die Stadt gehen, ohne recht deutlich aufzufallen.

Auf dem Weg zum Strand, den ich ziemlich z├╝gig antrat, kamen mir einige Vampire entgegen, die ich schon einmal im „Elysium“ gesehen hatte und einige, die ich zum ersten Mal sah, aber dessen vampirische Aura sich mir so eindeutig wie fr├╝her zeigte.

Endlich am Strand angekommen stapfte ich durch den Sand und ging einige Schritte ins dunkle und k├╝hle Nass und fing an, die Hinterlassenschaften des Kampfes oder der Raserei oder was auch immer es gewesen war, abzuwaschen.

Im hellen Licht des Mondes sah ich nun auch, dass mein Gesicht in der Mundgegend blutverschmiert war und ich wusch alles kr├Ąftig ab, um mich von dieser Last zu befreien.

Als ich mich wieder gefangen hatte, sauber war und mich die Nacht wieder in Richtung Stadt lockte, erinnerte ich mich wieder, dass ich Annette einen Besuch schuldete. Die Clubbesitzerin, f├╝r die ich damals den einen oder anderen Job erledigt hatte, hatte mir erlaubt, mich meinen vampirischen Trieben wieder hinzugeben. Eigentlich gab ich in diesem Moment ihr die Schuld, dennoch wusste ich nat├╝rlich, dass irgendetwas mit mir selbst nicht stimmte und ich der Grund daf├╝r war, dass das sch├Âne, hellblonde Fr├Ąulein nun zu den ungekl├Ąrten Todesakten hinzugef├╝gt w├╝rde.

Aber ich musste nun noch einmal zur├╝ck ins „Elysium“. Jetzt war gerade Bl├╝tezeit, es w├╝rden sich unz├Ąhlige Vampire der Stadt dort treffen und ich hatte noch etwas f├╝r Jason zu erledigen, obwohl ich mich fragte, ob ich es nun noch ben├Âtigte, die Vampire ├╝ber ihn aufzukl├Ąren, um von ihm zu lernen als Mensch zu leben, wo ich doch nun wieder selbst ein Vampir zu sein schien.

Gedankenversunken ging ich eine Abk├╝rzung durch die Kanalisation, die nun f├╝r mich so gut einsehbar war, wie fr├╝her. Nur riechen konnte ich sie trotzdem so stark wie am Tage.

Als ich um die n├Ąchste stinkende Ecke bog, sah ich, wie sich eine gr├Ąssliche Kreatur ├╝ber einen fetten, h├Ąsslichen Kuriermann beugte und an seinem Hals leckte. Ich ging langsamer und vorsichtiger und jedoch erkennbar, dass ich da war, um nicht den Eindruck zu erwecken, ich k├Ânne ihm seine „Beute“ streitig machen, als ich das Gesicht des Vampirs pl├Âtzlich wiedererkannte.

Es war jener Nosferatu, der mir nach meinem Seraphimblutrausch entgegengekommen war und mich bei├čen wollte.

Er machte einige schmatzende Ger├Ąusche und tat so, als g├Ąbe es mich nicht, aber ich blieb stehen, um mich zu vergewissern, dass er es wirklich war. Er reagierte, sah von seinem Opfer hoch und starrte mich mit seinem durchdringenden Blick an.

„Du schon wieder!“, kr├Ąchzte er, „Willst du ihm Gesellschaft leisten?!“, er fauchte mich m├╝rrisch an.

Bedrohlich zuckte ich mit meinen Krallen und l├Ąchelte. Schon wieder gab es etwas in mir, das einen Kampf nicht scheute, sondern es herausfordern wollte. Ich erschrak und mein L├Ącheln verblasste. Stumm ging ich voran und versuchte das Gef├╝hl zu unterdr├╝cken. Nicht noch einmal sollte so etwas Schreckliches passieren. In Raserei zu geraten ist das Unmenschlichste, Abnormalste, das es gab und obwohl es mir schon gefiel anders zu sein, wollte ich mich nicht zu jenen Wesen herablassen, wie die Nosferatu.

Ich ├Âffnete den n├Ąchstgelegenen Gullideckel und stieg hinauf. Oben angekommen sah ich zu meiner ├ťberraschung auf der anderen Stra├čenseite Dean, der sich mit irgendwelchen M├Ąnnern angeregt unterhielt.

Meine menschliche Neugier zwang mich dazu mich an parkenden Lastwagen und M├╝llcontainern vorbei zu schleichen, um mitanh├Âren zu k├Ânnen, was Dean mit den Leuten sprach. Zugegeben, ich h├Ątte auch einfach auf ihn zugehen k├Ânnen und so auch erfahren, was er so sp├Ąt noch vor hatte, doch der Reiz, sich den Instinkten des Tieres in mir hinzugeben, schien erneut gr├Â├čer als meine Menschlichkeit zu sein.

In der N├Ąhe einer brennenden M├╝lltonne, an der am Abend oft die Penner standen, um sich zu w├Ąrmen, machte ich Halt und lauschte.

„... Aufenthalt ist Ihnen also bekannt? Nunja, dann veranlasse ich eine ├ťberf├╝hrung am Morgen. Denken Sie, er wird am Morgen noch dort sein?“

„Ja, sicher Officer. Ich denke, er schl├Ąft jetzt tief und fest und morgen fr├╝h wird er eine ├ťberraschung zum Fr├╝hst├╝ck erleben!“

„Ja, das werde ich meinen. Ich danke f├╝r ihre Mitarbeit. Sollte es Probleme geben, sie wissen ja die Nummer.“

„Ja, Sir, die habe ich... und das mit der Belohnung geht dann in Ordnung, richtig?“

„Aber nat├╝rlich. Bis morgen dann und achten sie darauf, dass er sich auch wirklich zu dem Zeitpunkt dort aufh├Ąlt!“

„Das werde ich!“

Ich traute meinen Ohren nicht. Dean hatte vor Jason an die Polizei zu verkaufen! Jason, derjenige, der meine einzige Chance momentan war. Den, den ich in meiner gr├Â├čten Not aufgesucht hatte. Dem, dem ich Schutz versprochen hatte, zumindest vor den Vampiren, dem wollte ich auch jetzt Schutz geben.

Ich z├Âgerte nicht l├Ąnger und rannte los, ich sah den Cop und Dean sich verabschieden und schlupfte schnell in einen der Gullis. Die Kanalisation war immer die perfekte Abk├╝rzung! Jedoch hoffte ich nicht wieder der gr├Ąsslichen Nosferatu-Gestalt begegnen zu m├╝ssen und sah mich gr├╝ndlichst um. Doch als ich in jene Ecke einbog, war da nur noch der tote Kuriermann im Abwasser liegend. Ich rannte schneller und bemerkte wie gut mir diese Anspannung lag, wie sie mich ver├Ąnderte und doch froh stimmte.

Ich schob den Gulli hektisch zur Seite und verschloss ihn lautstark, aber schnell und rannte zum gegen├╝berliegenden Tattoo-Studio.

Hoffentlich hatte ich genug Zeit Jason zu ├╝berzeugen. Hoffentlich vertraute er mir genug, dass ich ihn da herausholen konnte.

Ich bog in die schmale Gasse, die ans Parkhaus grenzte und h├Ąmmerte gegen die T├╝r. Nat├╝rlich ├Âffnete niemand. Auch als ich rief, schien niemand da zu sein. Nach einer Weile jedoch, er hatte mich wohl an meiner Stimme erkannt, ├Âffnete Jason schlaftrunken die T├╝r, vor die er eine Kette gezogen hatte. Als er mein Gesicht sah, schloss er die T├╝r wieder, entriegelte die Sicherheitskette und ├Âffnete die T├╝r einen gro├čen Spalt.

„Jason! Wir m├╝ssen hier weg! Die Polizei wird in ein paar Stunden hier sein und Dean, dieser Verr├Ąter, er wird gleich hier sein!“, ich redete vermutlich viel zu schnell und unverst├Ąndlich.

„Wovon zur H├Âlle redest du?“, fragte Jason ungl├Ąubig, seine Augen waren klein und zwinkerten kr├Ąftig.

„Dean ist ein Verr├Ąter! Er hat vor dich an die Polizei zu verraten! Ich habe ihn vorhin gesehen mit einem Cop! Sie redeten dar├╝ber dich morgen mitzunehmen! Schnell, du musst verschwinden!“, noch immer war ich hektisch, aber langsam ging meine Geduld zu Ende, ich wollte ihn am liebsten packen und einfach entf├╝hren.

„Moment, mal ganz langsam. Du hast was? Geh├Ârt, wie sich Dean mit einem Polizisten unterhalten hat? ├ťber mich?“, er lie├č mich eintreten.

„Ja, genau, das sagte ich doch. Beeilung, wir m├╝ssen weg, Dean ist bereits auf dem Weg hierher!“

„Und warum sollte Dean das tun? Er ist ein langj├Ąhriger Freund von mir... er hatte vor mich nach Downtown zu bringen, wieso sollte ich dir glauben, dass er mich an die Polizei ausliefert?“

„Jason! Ich bin doch zu dir gekommen, weil ich deine Hilfe brauche, warum sollte ich dich bel├╝gen? Ich bin auf dich angewiesen... Du musst verschwinden, los!“

Jason sah mich noch immer skeptisch an, w├Ąhrend ich seine Jacke holte und einige Sachen vom Tisch kramte, wie Zigaretten, ein rotes Feuerzeug, Deans Pistole und Jasons Brieftasche.

Meine Vampirsinne erlaubten es mir exakt zu h├Âren, was drau├čen vor sich ging. Ein Auto parkte. Die T├╝r fiel zu. Es war mit Sicherheit Dean, das erkannte ich an der Art seines Ganges und bald best├Ątigte mir auch sein Geruch, dass er es war.

„Sind das...? Hast du etwa wieder Vampirz├Ąhne??“, fragte mich Jason ruhig, aber eindringlich.

Ich verstummte f├╝r einen Moment.

„Das erz├Ąhle ich dir gleich, aber du musst jetzt mit mir verschwinden! Schnell, Dean kommt bestimmt durch den Hintereingang, das hei├čt wir gehen vorne raus!“

„Oh nein, das werden wir nicht. Ich wei├č, was hier gespielt wird! Du bist wieder ein Vampir und hast es auf mich abgesehen! So sieht es also aus! Was kriegst du von deinen Blutsaugerfreunden daf├╝r, hm, sag schon!?“, er wirkte w├╝tend und tat einige Schritte weg von mir.

Ich konnte es nicht fassen. In wenigen Sekunden konnte es schon zu sp├Ąt sein! Also tat ich blitzschnell, was mir durch den Vampirkuss angeboren war: Ich kramte aus einer Schublade Panzertape hervor, brachte Jason gewaltsam zu Boden, klebte ihm seinen Mund zu, schwang ihn auf meinen R├╝cken und rannte zur Vordert├╝r, dort ├Âffnete ich einen Spalt, um zu sehen, ob die Luft rein war und in dem Moment, als die Vordert├╝r hinter uns ins Schloss fiel, tat Dean die Hintert├╝r auf.

Ich rannte zum n├Ąchsten Gullideckel und verschwand mit Jason in der Kanalisation, der sich vehement wehrte und es mir damit nicht gerade einfacher machte.

„Irgendwann wirst du es mir danken, du Idiot!“, rief ich und schleppte ihn mit mir.

Kapitel 6 Ende.

Nach einer Weile kamen wir an der Stelle vorbei, an dem der Nosferatu seinen Snack zu sich genommen hatte und Jasons abgeschn├╝rte Schreie wurden intensiver, also lie├č ich ihn hinab.

„Da, du hast viel gr├Â├čere Probleme als du denkst. Es gibt Vampire, die ihre Opfer nicht einfach nur austrinken, sondern auch gerne an ihnen knabbern. H├Ątte ich das vorgehabt, h├Ątte ich das schon l├Ąngst tun k├Ânnen. Ich meinte das ernst, was ich sagte: Ich brauche deine Hilfe! Und ohne, dass du das wei├čt, hast du auch meine Hilfe n├Âtig! Denn jetzt hast du niemanden mehr au├čer mir!“, ich hatte Schwierigkeiten ihn am Weglaufen zu hindern, aber ich bekam seine Arme immer wieder unter meine Kontrolle und nach meinen Worten verhielt er sich wieder einigerma├čen ruhig.

„Gibt es einen Ort, den du kennst, an dem wir f├╝r einige Zeit sicher sind? Denn ansonsten sind wir gezwungen in die H├Âhle des L├Âwen zu gehen.“, nat├╝rlich sprach ich vom „Elysium“, in dem wir zumindest vor Dean und der Polizei erst einmal sicher waren.

Jason sah verachtend zur Seite.

„Gut, dann also die H├Âhle des L├Âwen.“, ich w├╝rde schon einen Weg finden, die Vampire von ihm fernzuhalten. Vielleicht w├╝rde mir Annette ja helfen k├Ânnen, der ich zu meinem Nachteil immer noch etwas schuldete. Doch nun hatten wir keine andere Wahl mehr. Es w├╝rde nicht lange dauern, bis sich ein Vampir der beliebten Abk├╝rzung hier unten bem├Ąchtigen w├╝rde.

Ich trug Jason noch einige Minuten, dann erreichten wir den Eingang zum „Elysium“.

Es war dunkel, verrucht und verraucht, sie spielten einen meiner liebsten Songs. Als wir drinnen waren, stellte ich mich sch├╝tzend vor ihn, sodass niemand sah, dass ich seinen Mund zugeklebt hatte.

„Jason...“, fl├╝sterte ich, „Bitte mach jetzt nichts Falsches. Nur ein Wort und die Vampire st├╝rzen sich auf dich, also mach keinen Mucks, ja?“

Jason sah ├Ąngstlich um sich und nickte zaghaft und als ich ihm das Tape vom Mund riss, verzog er schmerzverzerrt das Gesicht.

„Wenn du Monster vorhast, mich an sie auszuliefern, knallt Dean dich ab!“, fl├╝sterte er diabolisch, ich ignorierte diesen Kommentar und wir gingen in Richtung Bar.

Phil war wieder damit besch├Ąftigt, Gl├Ąser abzuwaschen, also setzten wir uns. „Du hast keine Ahnung, was ich f├╝r dich tue. Und Dean ist der Letzte, der dir helfen wird.“, er schien meine Worte jedoch zu ignorieren, wie ich seine zuvor.

„Was ist das f├╝r ein Laden hier?“, fragte er etwas ├Ąngstlich und schien einige Kundengesichter wieder zu erkennen.

„Im Moment der sicherste Ort f├╝r uns beide...“, gab ich zur├╝ck und lauschte dem n├Ąchsten Lied.

Jason rief Phil zu sich und ich erschrak innerlich. Er sollte doch den Mund nicht aufmachen!

„Ein Bier, bitte!“, Phil sah ihn an, erkannte ihn, lachte und machte sich daran, ihm seinen Wunsch zu erf├╝llen.

Ich stie├č ihn von der Seite an und sah w├╝tend in sein Gesicht. „Was ist denn? Darf ich mir jetzt nicht einmal einen Drink genehmen?“, fragte er mich fassungslos und nahm sein Getr├Ąnk entgegen.

Phil kam zu mir, lachte noch einmal und nahm wohl an, dass er mein n├Ąchstes Opfer sein w├╝rde. Ich kam n├Ąher zu Jason. „Ich sagte doch, du sollst dich unauff├Ąllig verhalten...!“, doch er h├Ârte mir wieder nicht zu, nippte an seiner Flasche und seufzte nur.

Um die T├Ąuschung aufrecht zu erhalten, bat ich ihn l├Ąchelnd, mit mir tanzen zu gehen. Jason sah mich verwundert an und f├╝rchtete sich wohl vor mir und der potentiellen Gefahr auf der Tanzfl├Ąche, doch ich schliff ihn einfach mit.

Ein guter Song und ich tanzte drauf los und auch Jason begann sich unsicher zu bewegen. „Was soll das hier?“, fl├╝sterte er, als er dicht an meinem Ohr tanzte. Ich beobachtete w├Ąhrenddessen die Blicke der Anderen. Sie hatten erkannt, dass er ein Mensch war und vermutlich erkannten sie auch, dass er derjenige war, der ihnen immer Blut verkauft hatte, doch ich tanzte so nah bei ihm, dass ich jede m├Âgliche bedrohliche Bewegung sofort erkannt und aufgehalten h├Ątte.

Jason sah mich eindringlich an, immer noch auf eine Antwort wartend.

„Du musst mir vertrauen!“, fl├╝sterte ich beim n├Ąchsten n├Ąheren Kontakt.

Er hatte keine Wahl und tat, wie ich ihm gesagt. Ein Fluchtversuch und jeder Vampir w├╝rde sich auf ihn st├╝rzen und aussaugen wollen, nicht nur um einen leckeren Snack einnehmen zu k├Ânnen, sondern vor allem, um das „Elysium“ zu besch├╝tzen, die Maskerade zu bewahren.

Er schien das zu ahnen.

Als wir etwas getanzt hatten und ich auf die Uhr sah, wurde es langsam Zeit f├╝r die Vampire zu verschwinden. Keiner von ihnen hatte Lust bei Sonnenaufgang den Club verlassen zu m├╝ssen, in dem t├Âdlichen Licht, vor dem sie sich alle f├╝rchteten.

Ich schickte Jason zur zweiten Ebene, wo eine weitere menschliche Person auf jemanden wartete. Ich musste ihn kurz allein lassen.

Unten wieder angekommen machte ich mich zu Phil, dieser l├Ąchelte mir erneut entgegen. „Hast dir wohl jemand Neuen ausgeguckt. Hat die kleine Blonde dir nicht mehr gereicht?“, fragte Phil mich und die schrecklichen Bilder der Erinnerung taten ihre Wirkung. Ein eiskalter Schauer rannte meinen R├╝cken herunter. Ich schluckte und verdr├Ąngte den Gedanken so gut es eben ging.

Ein gestelltes L├Ącheln zur├╝ckgebend erkundigte ich mich nach der Clubbesitzerin: „Ist Annette da?“

„Sicher, sie ist oben. Hast du ihn etwa als Geschenk mitgebracht? Wenn ich mich nicht irre ist das doch der Typ aus der Blutbank, der gesucht wird, nicht wahr?“, Phil sah mich fragend an und ich nahm seine Geschichte einfach an: „Ja, sicher, er ist ein Geschenk f├╝r Annette. Hat wohl noch ein paar Vorr├Ąte, die er loswerden will.“

Der dicke Barkeeper freute sich sichtlich und wendete sich dann wieder seinen Kunden zu.

Ich ging nach oben, um nach Jason zu sehen, der sich angeregt mit dem Menschenm├Ądchen unterhielt. Angst, er k├Ânnte etwas verraten haben, riss ich ihn weg von ihr. „Was machst du da?“

„Ach, das ist also die Freundin, von der du gesprochen hast!“, sie l├Ąchelte mir entgegen, doch ich achtete nicht auf sie, tadelte zun├Ąchst weiter Jason, erst nachdem sie den n├Ąchsten Satz aussprach, sah ich zu ihr: „Hm, dann hast du ja gefunden, nach wem du gesucht hast... und ich warte schon seit Stunden hier auf meine Schwester! Ob die auch nochmal irgendwann hier eintrifft?“

Mein Blick wanderte an Jason vorbei und ich betrachtete das M├Ądchen n├Ąher. Mich durchzuckte es erneut. Dieselben hellblauen Augen. Zwar hatte sie ihre Haare dunkel gef├Ąrbt, so schien es, aber es waren dieselben, h├╝bschen blauen Augen der jungen Frau, die ich ermordet hatte.

Ich starrte sie eine Zeit lang an, unf├Ąhig mich zu bewegen, dann bemerkte ich Jasons skeptischen Blick. Ich riss mich zusammen, verabschiedete mich von ihr und sagte ihr, ich hoffte, sie w├╝rde nicht mehr allzu lange warten m├╝ssen, dann lie├č ich Jason sich verabschieden und zerrte ihn mit mir.

„Ich glaub... Ich will es gar nicht wissen, richtig?“, fragte Jason im Gehen. Ich war ├╝berrascht ├╝ber seine gute Auffassungsgabe und lie├č meine Schweigen f├╝r mich antworten.

Nachdem ich den Knopf gedr├╝ckt hatte, fuhr der Lift herunter und wir stiegen ein. „Und wohin wollen wir nun? Jetzt wei├č hier schonmal jeder, dass ich doch noch in der Stadt bin, also wozu das Ganze? Ich f├╝hle mich nicht gerade sicher...“

Es ├╝berkam mich das Gef├╝hl, dass meine Traurigkeit dem armen Wesen gegen├╝ber, das ich gerissen hatte, wiederkehrte und meine Augen sich mit Tr├Ąnen f├╝llten, aber ich schluckte diese herunter, biss mir auf die Unterlippe bis ich bemerkte, wie sehr meine Vampirz├Ąhnchen schmerzten und lie├č wieder von ihr ab.

„Nelly!?“, Jasons Stimme war eindringlich und riss mich aus meiner verlorenen Welt.

Heuchlerisch l├Ąchelnd sah ich ihn an: „Wenn sie uns nicht helfen kann, kann es keiner und ich hoffe, dass du eben nichts diesem M├Ądchen verraten hast, denn dann w├Ąre das dein Untergang.“, die T├╝r vom Lift ├Âffnete sich erneut und ich trat hinaus. Ich hatte Angst, Jason w├╝rde im Lift bleiben, schnell herunterfahren und einfach wegrennen, aber zu meiner Verwunderung und Erleichterung stieg er mit aus und ging behutsam hinter mir her. Seine Entscheidung.

Mein erstes Klopfen schien ungeh├Ârt, doch nach meinem zweiten, lauterem Klopfen, h├Ârte ich Schritte und die T├╝r zu Annettes Appartement ├Âffnete sich. Die Clubbesitzerin selbst trat vor mich und schmunzelte.

„Na, Kleine. Hast du dich wieder gefangen? Sahst ja so elend aus, dass ich nicht anders konnte, als dir auf Kosten des Hauses einen Drink zu spendieren!“, Ich trat ein und Jason folgte mir.

„Was will der Kerl hier?“, sagte sie sofort als Jason mir folgen wollte. Sie stellte sich vor ihn und erkannte sofort seine menschliche Aura. Ihr Blick wurde erst finster und dann freudig strahlend. „Oh, du hast mir was mitgebracht!?“, doch ich sch├╝ttelte den Kopf. Ich wollte sie auf keinen Fall auch nur einige Sekunden davon ausgehen lassen, Jason sei ein Geschenk f├╝r sie, das sie aussaugen durfte.

„Gemein, na und warum hast du ihn dann hierher gebracht? Willst ihn wohl f├╝r dich...Na, was solls...“

Jason hatte die Nase voll und rief dazwischen: „Hey, ich bin hier niemandens Eigentum!“, sein Gesicht sah entschlossen aus, doch wir sp├╝rten seine Angst.

Annette lachte: „Den kannst du haben! Den will ich gar nicht!“, sie ging her├╝ber zu ihrer Sitzecke und bot uns einen Platz an.

Jason gesellte sich sehr z├Âgerlich zu uns. „Annette, das ist Jason. Er hat eigentlich seinen Mund zu halten!“, mein Blick verfinsterte sich, als ich ihn kurz ansah. „Wir sind hier mit einem Anliegen.“

Annette z├╝ndete sich eine Zigarette an und bat mir auch eine an, die ich zu meiner eigenen Verwunderung ablehnte. Jason bot sie keine an, sondern wendete sich nun nur noch mir zu.

„Das da w├Ąre?“, fragte sie und inhalierte kr├Ąftig den Rauch.

„Wir bieten unsere Dienste an und im Gegenzug ben├Âtigen wir deinen Schutz.“, ich versuchte es mit einem Satz zu sagen.

Annette lachte geh├Ąssig und sah mir tief in die Augen. „Was sollte der mir schon f├╝r Dienste leisten k├Ânnen? Du, du kannst einiges f├╝r mich erledigen. Aber der kleine Mensch da dr├╝ben hat doch keine Ahnung. Aber er scheint dir irgendwie wichtig zu sein, also warum setzt du dich neuerdings f├╝r so welche ein?“

Mein Wesen blieb ruhig, doch Jason sprang erschrocken vom Stuhl auf.

„Hei├čt das...!? Ist sie etwa auch einer von denen??“, seine Augen hatte er weit aufgerissen und er sah mich panisch an.

Annette l├Ąchelte zufrieden. „Keine Sorge, ich habe nat├╝rlich die T├╝r verschlossen.“ Jason atmete schneller und schneller und sah sich in gr├Â├čter Not. Ich sah Annette etwas ├Ąrgerlich an: „Mach ihm keine Angst!“, dann ging ich her├╝ber zu Jason, um ihn zu beruhigen.

„Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, aber ausgenommen die kleine Blonde, deren Schwester ich in meiner Vampirraserei gestern kaltbl├╝tig ermordet habe, sind unten alle Clubg├Ąnger vampirischen Ursprungs!“

Jason sah mich verschreckt an, wusste aber, dass es kein Entrinnen gab, nicht jetzt und nicht hier, und sackte auf dem Boden zusammen. Er hatte wohl geahnt, dass es viele Vampire in diesen Club zog, hatte aber nie damit gerechnet, dass es so viele waren und nun schien er die Situation auch auf mich zu beziehen.

„Dann bist du doch wieder...“, ich unterbrach ihn: „Ja und nein, ich erkl├Ąre dir das noch. Du bist jetzt hier und ich bin hier und es ist der einzige Weg, dass wir es schaffen, wenn wir es gemeinsam schaffen, verstanden?“, doch Jason sah mich weiterhin so verschreckt an, bis Annettes Klatschen uns unterbrach. „Das ist so r├╝hrend!“, sie lachte und machte sich auf zu Jason.

„Dass ich das nicht gleich erkannt habe! Du bist der Blutverk├Ąufer!“, sie schien nun voll euphorischer Freude.

„Ich bin quasi deine erste Kundin gewesen... du erinnerst dich vielleicht nicht mehr, aber es war vor ca. acht Jahren und damit zu meiner Anfangszeit hier in Santa Monica und ich wusste nicht, wie ich in dieser Stadt ungehindert Blut saugen sollte, weil es so viele Menschen und so wenige Vampire gab. Au├čerdem schien die Stadt voller Wissenden zu sein, was sich nun allm├Ąhlich ver├Ąndert hat, da wir die meisten von ihnen entweder umgebracht oder zu unseren gemacht haben. Aber wie dem auch sei, war ich damals die erste Vampirin, die deine Dienste in Anspruch genommen hat!“

Jason schien sich zu erinnern: „Du siehst noch genauso aus wie damals...“, gab er erstaunt zur├╝ck. „Ich habe dich gar nicht erkannt, dabei hast du dich nicht ver├Ąndert. Du kamst zu mir und hast mir einen Haufen Geld angeboten und dann kamen Freunde von dir und dann deren Freunde und es wurden immer mehr...“, Jason hatte sich wieder beruhigt.

„Und nun ist die Polizei hinter ihm her!“, warf ich in das Gespr├Ąch.

„Verstehe...“, sagte Annette, nahm einen letzten Zug von ihrer Zigarette und dr├╝ckte sie dann im Aschenbecher, auf dem „Elysium“ stand, aus.

„Dann soll auch er meinen Schutz in Anspruch nehmen. Aber denk dran, Mensch, wenn ich deine Hilfe ben├Âtige, musst du bereit sein. Du bist eine Verpflichtung eingegangen und auch wenn du mir in Vampirfragen keine Antwort geben kannst, so kannst du dich zum Beispiel gut in Menschenangelegenheiten einlenken oder dich als K├Âder anbieten. Sind wir im Gesch├Ąft?“, sie reichte mir die Hand und streckte sie dann Jason entgegen. Der wiederum sah mich ├Ąngstlich an und sch├╝ttelte daraufhin Annettes Hand. „Wenn es keine andere M├Âglichkeit gibt..., muss es wohl so sein.“

Kapitel 7 Ende.

Wir verlie├čen den Club und machten uns auf ins Diner. Jason hatte seine Kapuze aufgesetzt und wir nahmen an einem der freien Tische Platz. Es war nicht viel los dort und Annette sagte uns beim Verlassen des „Elysiums“ es w├Ąre der sicherste Ort zu dieser Uhrzeit, da kurz vor dem Morgengrauen immer ein Vampir dort nach dem Rechten sah, der f├╝r sie arbeitete.

Auch jetzt war es still und Jason konnte sich einen kleinen Imbiss genehmigen. „Wo bin ich da nur hineingeraten...“, sagte er wieder und nahm einen gro├čen Bissen seines Burgers.

„Sag mal, wieso hast du den Deal angenommen? Wieso bist du mit mir zu Annette gekommen?“, fragte ich und Jason schlang seinen Bissen herunter. „Wie bitte? Du hast mich da doch mit hingeschliffen! Ich hatte doch ├╝berhaupt keine Wahl!“, er nahm noch einen gro├čen Bissen und sp├╝lte das Ganze mit einer Coke herunter.

„Du hattest eine Wahl. Was ich meine ist, warum du nicht weggelaufen bist. Wir waren im 'Elysium' und ich hatte dich losgemacht. Du h├Ąttest fliehen k├Ânnen, aber du hast es nicht getan.“, ich sah nachdenklich auf meinen mit Kaffe gef├╝llten Becher, den ich mir nur geholt hatte, um meine H├Ąnde zu w├Ąrmen, die pl├Âtzlich immer k├Ąlter wurden.

„Warum bist du wieder ein Vampir? Warum hast du dich wieder bei├čen lassen?“

Ich schaute wieder auf. „Du kannst meine Frage nicht mit einer Gegenfrage abblocken!“, doch er widersprach: „Wie du siehst, kann ich das sehr wohl. Also, was ist passiert, Nelly?“

Meinen Namen zu h├Âren war f├╝r mich irgendwie seltsam, weil ich selbst nicht mehr wusste, ob ich diese Person noch war. Meinen menschlichen Namen hatte ich vor Ewigkeiten abgelegt und mir den Namen Nelly gegeben, um meiner Vampiridentit├Ąt wahren Ausdruck zu verleihen und um als Kopfgeldj├Ąger nicht aufgefunden werden zu k├Ânnen, denn meine Adresse lief noch auf meinen menschlichen Namen. Und mal davon abgesehen, dass meine alte Wohnung nun nicht mehr mein zu Hause war, fragte ich mich, welch Frechheit Jason besa├č, mich zu fragen, was ich mir selbst nicht erkl├Ąren konnte.

„Ich glaube... du stehst auf den ganzen Vampirkram, nicht wahr?“, fragte ich ihn, ohne ihn eines Blickes zu w├╝rdigen und damit schien ich mitten ins Schwarze getroffen zu haben.

Er lachte und trank noch einen Schluck von seiner Coke. „Sicher, wenn man wei├č, dass solche Dinge existieren, fragt man sich, wie weit man selbst in dieser Welt mitspielen kann, ohne gef├Ąhrdet zu werden. Aber mir hatte es eigentlich gereicht ihnen nachts Blut zu verkaufen, um zu h├Âren, was es Neues in ihrer Welt gab. Dass ich mich so weit in die Finsternis herabwagen w├╝rde, war ja eigentlich nicht geplant..., aber dann kamst du. Und irgendwie schien ich keine Wahl mehr zu haben. Du hast mir Angst gemacht, deshalb bin ich nicht weggelaufen und das machst du ├╝brigens noch immer und so habe ich auch der anderen Vampirtussi aus dem Club eingewilligt.“

„Also aus purer Angst vor den Vampiren?“, ich wusste, dass es nicht stimmte, was er sagte, deshalb hakte ich nach.

„Was willst du h├Âren? Dass ich Angst vor allen anderen Vampiren habe, au├čer dir? Ja, das ist wohl so und weil ich anscheinend nun auch alle anderen Menschen f├╝rchten muss.“, dies machte mehr Sinn f├╝r mich, also lie├č ich es dabei beruhen.

„Und was ist nun mit dir? Wieso hast du dich wieder bei├čen lassen? War dir die Menschlichkeit so zuwider?“, als er mich fragte, biss er noch einmal vom Burger ab und schob den Rest danach beiseite.

„Im ├ťbrigen bin ich kein Vampir mehr. Ich habe mich nicht wieder bei├čen lassen, aber was auch immer mit mir passiert ist, hat mich irgendwie wieder vampirisch gemacht. Nachdem ich von einem himmlischen Wesen getrunken hatte, ver├Ąnderte sich irgendetwas in mir. Ich wei├č aber nur, dass ich kein Vampir mehr bin..., aber auch kein Mensch.“, und in jenem Moment, in dem ich es sagte, bemerkte ich, dass es zwischen den Wolken langsam heller wurde.

„Gruselig!“, kam es gespielt erschreckt von Jason. „Es gibt nur eine M├Âglichkeit herauszukriegen, ob du ein Vampir bist oder nicht.“, sagte er und ich sah ihn nerv├Âs an, da ich gerade an dasselbe gedacht hatte, wie er und mich doch fragte, ob er mich wirklich der Gefahr des Sonnenlichts aussetzen wollte.

„Also, was sagst du?“, wollte er wissen und h├Ârte auf zu kauen, doch ich wusste keine Antwort und stand einfach auf.

Ich bezahlte meinen nicht getrunkenen Kaffee und machte mich auf den Weg zur T├╝r, Jason eilte mir nach.

„Wenn mich das Sonnenlicht zerst├Ârt, bist du auf dich allein gestellt und ich bezweifle, dass du es allein schaffst, was Annette von dir verlangen wird.“ Ich stand in der T├╝r und sprach weiter. „Ihr sind Menschen egal. Nur weil du der Erste warst, von dem sie Blut gekauft hat, wird sie nicht einen Freund in dir sehen. T├Ąusche dich nicht, wir sind noch immer aufeinander angewiesen.“, meine Worte klangen so, als wollte ich, dass es so war. Ich wollte nicht vergl├╝hen, aber vor allem wollte ich nicht Jason in dieser Situation alleine lassen. Ich hatte ihn da hineingebracht, ich w├╝rde ihm da auch wieder heraus helfen, sobald die Sache mit Dean und der Polizei erledigt war.

Jason ging an mir vorbei und trat zur T├╝r hinaus. „Dann m├╝ssen wir zur leeren H├╝tte am Strand.“ Ich willigte ein und so machten wir uns auf den Weg zum zweiten Ort, den uns Annette empfohlen hatte und blieben in der vampiroptimierten, sonnenversperrenden Wohnung, um auf einen Anruf von unserer Auftraggeberin zu warten.

 

Als wir dort so sa├čen und warteten, beobachtete ich, ob ich mich m├Âglicherweise aufgrund der Zeit wieder zum Menschen ver├Ąndern w├╝rde oder ob es ein Indiz daf├╝r gab, dass ich nun endg├╝ltig wieder ein Vampir war.

Dort in der kleinen H├╝tte stolperte Jason aufgrund der Dunkelheit immer und immer wieder an M├Âbelst├╝cken vorbei und stie├č wieder und wieder einen Klageschrei aus.

Jason tastete sich den Weg zur K├╝che vor und sah nach, ob etwas Essbares oder ├ähnliches sich darin befand. An der Wand lehnend, bemerkte ich, wie etwas von hinten auf mich zuflog, drehte mich blitzschnell zur K├╝che um und fing den Blutbeutel auf, den mir Jason ohne ein Wort zugeworfen hatte. „Gutes Reaktionsverm├Âgen habt ihr Blutsauger ja...“, er hatte wohl am Ger├Ąusch erkannt, dass ich den Gegenstand rein intuitiv gefangen hatte.

Ja, er hatte Recht, Reaktionszeit der Vampire war etwas, in dem sie jedem Menschen und jedem Tier etwas voraus hatten. Dank der besonders ausgepr├Ągten Sinneswahrnehmung; von der ich das Gef├╝hl hatte, dass sie kam und mich wieder verlie├č, wie sie es wollte; war die Reaktion eines Vampirs extrem schnell und daher extrem gef├Ąhrlich. Nur in einem anderen Vampir sahen wir einen wirklichen Gegner. Menschen hatten Feuerwaffen, die uns umbringen konnten, aber sie waren zu langsam, sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. Das war vielleicht auch der Grund, warum viele Rassen und Clans der Vampire sich als eine Art „h├Âhere Macht“ ansahen und Menschen zum Vergn├╝gen ermordeten und die Maskerade brachen, weil sie jegliche Konsequenzen nicht interessierte.

So zB. Waren die Nosferatu, aber ich hingegen war anders. Von vornherein war mir wichtig, mich gut an das zweite Leben, das mir gegeben wurde, anzupassen. Regeln z├Ąhlten f├╝r mich dazu. Die Maskerade einzuhalten und damit unsere Existenz zu bewahren, war f├╝r mich eins der wichtigsten Dinge, die ich von meinem Clan lernte, aber auch erst lernen musste.

Wer als Vampir einmal sich in Raserei befunden hat, wei├č, wie es ist, Kontrolle zu verlieren, Fehler zu machen, die man nicht einmal verantworten kann, da man keinen Einfluss hat. Als ich nach meiner ersten Raserei zur Anfangszeit meines Vampirdaseins dar├╝ber aufgekl├Ąrt wurde, was ich war und welche Regeln bestanden, hatte ich vor, niemals wieder so die Kontrolle ├╝ber mich zu verlieren.

Aber gestern war es wieder passiert. Ich hatte das h├╝bsche, blonde M├Ądchen brutal ermordet und das lag mir noch immer schwer auf der Seele.

Obwohl ich mir nun nicht einmal mehr sicher sein konnte, dass ich noch so etwas wie eine Seele besa├č; denn als Wesen der Nacht war man seelenlos und es war mir ein R├Ątsel, wie man nach seinem Tod und der Geburt als Vampir noch einmal menschlich sein konnte; war es mir wichtig an die Grundprinzipien festzuhalten. Aber mir war es verg├Ânnt gewesen noch einmal das Gef├╝hl zu besitzen, eine Seele zu haben. Und wenn es auch nur f├╝r einen Tag war. Die Sch├Ânheit des Sonnenlichtes w├╝rde ich so schnell nicht wieder vergessen.

Mittlerweile auf einem der Sessel sitzend ├Âffnete ich meinen Blutbeutel und trank einige Schl├╝cke daraus.

Alles hatte begonnen als mir das wundersame Himmelswesen ├╝ber den Weg gelaufen war und ich, wie in Raserei, mich auf es gest├╝rzt und bis fast aufs Letzte ausgetrunken hatte.

W├Ąre das nicht passiert, w├╝rde ich ein ganz normaler Vampir mit ganz normalen Vampirproblemen sein. Vielleicht lag die Schuld aber doch an meinem fr├╝heren Leben, so naiv und gutgl├Ąubig wie ich war, hatte ich mich letztendlich den Vampiren quasi freiwillig hingegeben. Aber das war nun egal, ich musste irgendwie mit dieser neuen Situation fertig werden und ich w├╝rde mich schon wieder daran gew├Âhnen k├Ânnen, wie zu meiner Anfangszeit, nur aus Blutbeuteln zu trinken. Schlie├člich k├Ânnte ich bei zu wenig Blut in mir leicht wieder dem vampirischen Urinstinkt verfallen und jemanden anfallen ohne Kontrolle ├╝ber mich selbst und dieser Jemand konnte Jason sein.

Und das wollte ich nat├╝rlich nicht. Genauso wenig aber wollte ich, dass er mitansehen musste, wie ich mich ├╝ber einen anderen Menschen beugen und ihn aussaugen w├╝rde. Also musste ich mich auf den Blutvorrat im K├╝hlschrank zun├Ąchst einmal verlassen.

Jason switchte den Fernseher an. In den Nachrichten kam ein Bericht ├╝ber seltsame Todesf├Ąlle im Hotel von Santa Monica. ├ťberall Blutlachen und nirgens einen Hinweis auf Fremdeinfluss oder Selbstmordversuche, die Opfer bluteten einfach aus. Wer diese Schweinerei wegmachen musste, tat mir jetzt schon Leid und ich w├╝sste genau, welche Wesen sich dieser gerne annehmen w├╝rden, wenn keiner hinsah. Aber ├╝ber die dreckigen Unterwesen der Vampirrassen, wie die Nosferatu, wollte ich mir jetzt keine Gedanken machen. Auch die r├Ątselhaften Tode gingen ├╝ber meine Synapsen ins Hirn, aber vermochten sich nicht lange dort aufzuhalten und wurden somit mit einem Seufzer von mir wieder in den Raum hinausgestreut.

„Wenn es Vampire gibt, gibt es doch auch sicherlich viele andere Wesen, von denen man auch immer gedacht hatte, sie seien Fiktion oder?“, fragte mich Jason pl├Âtzlich. Ich dachte eine Weile dar├╝ber nach, da ich ├╝ber nicht viel andere Wesen Bescheid wusste und mich das auch nie so richtig gefragt hatte.

„Ja, es gibt schon ein paar andere Wesen...“, meine Antwort klang genauso lustlos, wie es mir auch erging bei dem Thema. Doch Jason schien ganz wissbegierig zu sein: „Welche Wesen denn? Gibt es auch Meerjungfrauen? Und Zwerge? Was ist mit Engeln?“

Ich stand auf, switchte den Fernseher wieder aus und sah Jason w├╝tend an, der durch die Dunkelheit vermutlich nicht erahnen konnte, wie sehr es mir widerstrebte dar├╝ber zu sprechen, besonders ├╝ber Engelswesen, die mich sofort an Seraphim erinnerten.

„Vampire sind Realit├Ąt! Und das sollte f├╝r dich zun├Ąchst einmal an h├Âchster Stelle stehen! Sie sind nun unsere Feinde, also frag nicht weiter, welche anderen, schnuckeligen Wesen deinen Arsch retten k├Ânnten, denn das kannst nur du selbst!“, ich verlie├č, von mir selbst ├╝berrascht, wie w├╝tend ich war, den Raum und trat in die K├╝che. Dort lie├č ich mich nieder und sah zum Fenster, vor das, wie in meiner Wohnung zuvor, Bretter genagelt waren.

Zwei der Holzbretter lie├čen einen kleinen Lichtschein hindurch und ich beobachtete, wohin dieser Lichtschein f├╝hrte bis zu einem kleinen Fleck vor mir auf dem Boden.

Jason folgte mir nach einigen Minuten, er war vermutlich irritiert, weshalb ich so zornig gewesen war und stand dann in der T├╝r zur K├╝che, mich beobachtend. Er glaubte wohl, ich h├Ątte ihn nicht bemerkt.

Ich kniete mich hin und robbte auf dem Boden auf den winzigen Lichtschein des Sonnenaufgangs zu. Jason wollte mich aufhalten, machte erst einen Schritt vor, doch dann ging er wieder zur├╝ck , verschr├Ąnkte seine Arme und sah mir wieder gespannt zu.

Ich lie├č meine Finger sanft ├╝ber den Boden gleiten, immer weiter auf den Lichtschein zu, jedoch sehr behutsam und vorsichtig. Das Gerede ├╝ber die Engelswesen und anderen M├Ąrchen wich aus meinen Gedanken.

Mein Atem wurde schneller. Ich bemerkte meine Angst. Meine Augen begannen schmaler zu werden und ich konzentrierte mich auf die vielleicht 2 cm gro├če Lichtfl├Ąche und f├╝hrte meinen Zeigefinger weiter darauf zu. Wenn mich der Lichtschein traf, wer w├╝sste ob ich nicht mindestens meine Hand verlieren w├╝rde? Mein Mut kehrte wieder und ich spreizte meine gesamte Hand aus, um nach dem Licht zu greifen, doch pl├Âtzlich klingelte das Telefon und Jason und ich schraken zusammen.

Ich zog meine Finger zur├╝ck, atmete erleichtert aus, stand auf und wartete darauf, dass Jason ans Telefon ging.

Ich h├Ârte seine Stimme, die das Gespr├Ąch annahm und lie├č mich wieder auf meinen Stuhl nieder.

Nach nur wenigen Sekunden kam Jason zur├╝ck in die K├╝che und nahm sich Deans Pistole, die wir mitgenommen hatten, vom Tisch.

„Annette hat einen Auftrag.“, sagte er trocken und zog seine Jacke ├╝ber. Ich sah w├Ąhrenddessen auf die Uhr und be├Ąugte ihn skeptisch. „Ja, sicher hat sie das, aber das kann warten. Wir haben noch nicht einmal Mittag und zu dieser Zeit...“, doch Jason unterbrach mich: „Der Auftrag ist f├╝r mich.“, er hielt inne und wartete meine Reaktion ab.

Ich sah ihn eine Zeit lang an, seufzte genervt, ging dann zum Telefon und w├Ąhlte die Nummer von Annette. Ich nahm an, Jason wartete in der K├╝che, doch ich h├Ârte, dass seine Schritte sich aus dem Haus bewegten und die Vordert├╝r zugefallen war und lie├č den H├Ârer einfach fallen, weil er einfach weggerannt war.

„Hey! Jason! Wo willst du hin?“, ich schrie fast und blieb vor der T├╝r stehen aus Angst vor dem Sonnenlicht, das sich dahinter verbarg.

„Was f├Ąllt dir ein einfach abzuhauen!?“, ich wurde hysterisch und schlug gegen die Wand, danach eilte ich zur├╝ck zum Telefon.

Annette war schon am Apparat: „Liebes, warum l├Ąsst du mich denn warten? Du hast doch angerufen.“, sie kicherte.

„Wo ist Jason hingegangen? Was f├╝r einen Auftrag hast du f├╝r ihn? Wo will er hin?“, fragte ich energisch, doch auf der anderen Seite der Leitung h├Ârte ich wieder nur ein Kichern. „Annette, wo ist er???“, rief ich ins Telefon, sehr eindringlich.

„Ganz ruhig Sch├Ątzchen. Jason ist ein Mensch, wie du wei├čt... und Menschen m├╝ssen sich erst einmal beweisen...!“, ich traute meinen Ohren nicht und ahnte schon das Schlimmste. „Du hast ihm deinen Schutz versprochen, Annette! Wenn ihm etwas geschieht, dann...“, wieder konnte ich meinen Satz nicht zu Ende bringen: „Dann was, Nelly? Du stehst bis zu den Knien in Schei├če! Und ich bin die Einzige, die dir da heraus helfen kann. Au├čerdem schuldest du mir was... Und jetzt mach dir keine Sorgen um das Menschchen, ihm wird schon nichts passieren. Mach dir lieber mal Sorgen um dich, denn du wirkst irgendwie nicht mehr wie du selbst. Frag dich nicht, was mit ihm geschehen wird, ihm wird es nach seinem Auftrag wesentlich besser gehen... Frag dich lieber, was du bist und was dir wichtig sein sollte und das sind wir Vampire!“, Ihre Stimme drang in meinen Kopf und ihre Worte wurden lauter: „...ihm wird es nach seinem Auftrag wesentlich besser gehen...“, hatte sie etwa vor...? Wollte sie ihn etwa...?

„Annette! Was hast du vor? Willst du aus Jason einen Vampir machen??“, nach einer kurzen Pause schrie ich ins Telefon: „Antworte mir!“, doch die Clubbesitzerin und damit eine der m├Ąchtigsten Vampire Santa Monicas lachte nur und legte dann den H├Ârer auf.

Ich kochte vor Wut! Ich wollte Jason da heraus helfen, er wusste ja nicht, in welcher Gefahr er war, doch ich konnte nichts tun, als zu warten.

Jasons Leben war in Gefahr und es war allein meine Schuld, wie das M├Ądchen, das ich eigenh├Ąndig ermordet hatte ohne Grund, so hatte ich ein weiteres Leben in Gefahr gebracht und es war aussichtslos, denn niemand konnte ihm nun helfen. Ich war hier eingesperrt und Jason sah vermutlich in wenigen Minuten seinem Ende entgegen. Was sollte ich tun?

Kapitel 8 Ende.

Ich ging in der H├╝tte auf und ab und stie├č immer wieder aus Wut irgendetwas um. Sicherlich war das Vampirdasein nicht das Ende, aber es war ein v├Âllig anderer Anfang eines Lebens. Es war grausam und hart und Jason war trotz seines Vorwissens dieser Welt einfach nicht gewachsen. Ich konnte nicht fassen, was Annette ihm antun wollte!

Immer schneller werdend, wirbelte ich von einem Raum zum N├Ąchsten.

Es gab kein Entrinnen. Selbst wenn sich das Wetter so stark verdunkeln w├╝rde, dass die Sonne f├╝r andere fast nicht mehr zu sehen war, so war es f├╝r einen Vampir unm├Âglich einen Sonnenstrahl ohne Schmerzen zu erdulden, welcher bis zum endg├╝ltigen Tode f├╝hren k├Ânnte.

Ich schrie herum und zerschmetterte vor Wut einen Stuhl. Wie konnte Jason nur so dumm sein und diesen Auftrag ohne mich annehmen?

In Gedanken versunken, die mir zeigten, welch grausames Schicksal es mit ihm nehmen k├Ânnte, sah ich mich pl├Âtzlich wieder vor der T├╝r stehen.

Ich umfasste den T├╝rknauf und h├Ârte mein Herz so laut pochen, dass ich dachte, es w├╝rde jeden Moment aus meiner Brust springen.

Was, wenn ich nun durch diese T├╝r trat? Wollte ich mein unendliches Leben f├╝r einen Menschen wirklich aufs Spiel setzen?

Auf der anderen Seite: Ich h├Ârte mein Herz, ich h├Ârte es schlagen, obwohl es schon seit vielen Jahren nicht mehr schlagen durfte.

Ich wusste nicht, warum, aber dieser Mensch war mir nicht unwichtig und ich konnte ihn jetzt nicht einfach sterben lassen. Ich wusste genau, wie sich das anf├╝hlte. Es war ein grausamer Schmerz, wenn das Gift sich verteilte und man diese grausames Stechen im Inneren des K├Ârpers sich wie eine Welle ausbreiten sp├╝rte. Ich wollte nicht, dass das mit Jason passierte. Nicht Jason!

Zitternd drehte ich den T├╝rknauf herum. Ich atmete so schnell, dass ich f├╝rchtete wie damals als kleines M├Ądchen einfach umzukippen. Mir war einfach schwarz vor den Augen geworden.

Aber wenn ich nichts unternahm, war Jason derjenige, der bald schwarz vor Augen sah...

Ich atmete tief ein und wieder aus. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Vielleicht war diese Menschlichkeit in mir noch vorhanden. Ich betete, zum ersten Mal seit mindestens 10 Jahren. Ich betete die h├Âhere Macht an, nicht mich zu verschonen, aber ihn. Mein Leben hatte sich erledigt. Ich hatte keine Freunde mehr, musste das Tier in mir unter Kontrolle bringen und war unf├Ąhig Gef├╝hle zu entwickeln.

Aber f├╝r diesen Menschen fing das Leben gerade erst an. Nur weil er sich irgendwie in diese Szene eingefunden hatte, sollte das nicht sein Untergang werden. Das hatte er nicht verdient. Er war viel zu g├╝tig. Zu verletzlich f├╝r diese grausame Welt...

Ein weiteres Mal atmete ich tief ein. Und hielt die Luft an.

Gerade als ich den Mut gefasst hatte, die T├╝r wirklich aufzuziehen, stach etwas in meinem Mund. Ich lie├č den T├╝rknauf los und fasste mir mit den Fingern ├╝ber meine Vorderz├Ąhne. Ich verzog mein Gesicht. Was passierte da? Meine Z├Ąhne schrumpften erneut! Zumindest f├╝hlte es sich so an.

Und so fasste ich meinen Entschluss... f├╝r Jason... und trat die T├╝r mit einem Male ein!

Das Sonnenlicht traf mich mitten ins Gesicht. Es brannte, aber das Gef├╝hl verging sofort wieder und ich sah mich ein zweites Mal im Sonnenlicht stehen, ohne zu vergl├╝hen.

„Jason!“, fl├╝sterte ich rasch und eilte los, dabei wusste ich nicht einmal, wohin ich ├╝berhaupt laufen sollte. Das einzige, was er gesagt hatte, war, dass es sein Auftrag war. Und Annette hatte mich ermahnt, ich solle mich mehr um unsere Rasse k├╝mmern.

Gott, habe ich dir schon daf├╝r gedankt, dass ich noch lebe und ihn m├Âglicherweise noch retten kann?

Und Gott, f├╝hlt sich dieses Sonnenlicht nicht wahnsinnig gut an?

 

Ich raste orientierungslos davon. H├Ątte ich blo├č meine vampirischen Sinne, die sich abermals verabschiedeten, dann k├Ânnte ich ihn vermutlich durch seinen Geruch aufsp├╝ren. Aber je mehr ich mich anstrengte, mich auf ihn zu konzentrieren, desto weniger vermochte es zu funktionieren.

Ich blieb irgendwann an einer Kreuzung verzweifelt stehen und schrie einfach los: „Jason, du rennst in dein Ungl├╝ck!... Wo steckst du blo├č???“

Mir fielen die Blicke der Menschen auf, aber es war mir egal, was sie von mir dachten. Sie kannten die Umst├Ąnde nicht. Sie kannten mich nicht. Uns Vampire nicht und was sie den Menschen antun konnten, wenn sie wollten. Und meistens wollten sie das. Aber heimlich taten sie es. Das war unsere Spezialit├Ąt. Schnell und heimlich t├Âten, aber mit Stil.

Aber sicher! Heimlich! Auch Jason musste sich still verhalten, um nicht aufzufallen, denn die Polizei suchte noch immer nach ihm und es war mitten am Tag.

Ich lachte. Es w├Ąre so viel einfacher gewesen, wenn Jason damals einfach die Stadt verlassen h├Ątte. Ich fasste einen neuen Entschluss. Wenn ich Jason gefunden hatte und er noch am Leben war, dann w├╝rde ich ihn fort bringen. Weit, weit weg von hier. Au├čer Gefahr bringen. Er sagt mir einfach, was wichtig f├╝r ein Menschenleben heutzutage w├Ąre und dann w├Ąrs das. Oder ich w├╝rde es auch selbst herausfinden. Ich w├╝rde ihn nicht herausfordern sein Leben nochmals in Gefahr zu bringen, sollte er noch am Leben sein.

Aber so viel Zeit hatte ich noch nicht verloren. Ich musste nur herausfinden, wo er hingegangen war. Wo dieser verdammte Treffpunkt war.

Er konnte ├╝berall sein, aber ich hatte die gro├če Bef├╝rchtung, sie w├╝rden sich im „Elysium“ selbst treffen. Damit w├Ąre sein Schicksal besiegelt.

In dem Club befand sich mit Sicherheit kein einziger Mensch und wenn es einen gab, dann hatte er nicht mehr lange zu leben.

Zum ersten Mal, als ich an dieser Kreuzung angekommen war, machte sich ein Gef├╝hl in mir lautstark bemerkbar. Ich schluckte. Atmete hektisch und ├Ąngstlich. Traurigkeit...

Meine Finger strichen unter den Augen entlang, um die Tr├Ąnen aufzufangen. Auf der einen Seite f├╝hlte ich diese Trauer und Angst um Jason so echt an und auf der anderen Seite sah ein Teil in mir zu, wie dieser technische Vorgang von Statten ging. Es war faszinierend. Wie lange hatte ich nicht mehr geweint? Und wie oft hatte ich es damals getan, vor dem Blutkuss?

Ich war bestimmt kein Vampir mehr. Dessen war ich mir nun endg├╝ltig bewusst. Ich war auch kein Mensch, aber vielleicht etwas dazwischen. Und dieses Wesen dazwischen w├╝rde nun den Vampiren im „Elysium“ in den Arsch treten!

 

Ich ├Âffnete die T├╝r zum Elysium und konnte erkennen, dass die Vampire ├╝ber meinen Besuch sehr erfreut waren, da sie mich als Menschen sahen.

Vorsichtig trat ich n├Ąher und hielt Ausschau nach Jason. Einige M├Ąnner tanzten auf der Tanzfl├Ąche, also ging ich eine Treppe nach oben, um von dort aus einen guten Blick ├╝ber den Club und die Tanzfl├Ąche zu haben.

Gierig folgten mir zwei Frischvampire, die sich wohl in ihrem Kopf schon ausmalten, wie mein Blut schmecken w├╝rde. Aber diese Gelegenheit w├╝rden sie niemals bekommen.

Mein Blut war etwas Besonderes, das ich mit niemandem teilen wollte. Nicht, weil ich so stolz darauf war, sondern weil es ein schlimmerer Fluch war, als der Vampirfluch selbst es schon war.

Nicht tot zu sein, aber auch nicht zu leben, das war mit Abstand das Schlimmste. Und keiner hier ahnte etwas davon.

Obwohl es bereits tags├╝ber war, schienen die Vampire sich hier in Scharen zu versammeln. Ich kannte diese Tage. Es war eine Art „Sonderangebot“ der Clubbesitzerin Annette. Sie lie├č den Schuppen bis zur n├Ąchsten Nacht offen und lud einige Menschlein ein, um ihren Kunden einen gewissen Service zu bieten...

Verdammt, ich fand ihn einfach nicht! Was, wenn er doch nicht hier war? Sah er nun wohl schon seinem Tode entgegen?

Dann pl├Âtzlich packte mich eine Hand an meiner und zog mich in die Dunkelheit. Ich fauchte, wie es nur ein Vampir konnte. Die vampirischen Instinkte lie├čen sich anscheinend nicht absch├╝tteln.

Der Mann an meiner Hand fauchte schwach zur├╝ck und gab mir einen Kuss auf den Mund. Relativ schnell l├Âste er seinen Mund wieder und blickte mich an. „Jason...“, fl├╝sterte ich regungslos und fuhr mir mit zwei Fingern ├╝ber die Lippen.

Jason schmunzelte, nahm einmal kurz seine Sonnenbrille ab und kramte dann aus seiner Tasche seine Zigaretten, z├╝ndete sich eine an und blie├č mir den Rauch entgegen und sah sich anschlie├čend im Raum um.

„Es ist nett hier... Beinahe wie beim letzten Mal.“, sagte er dann und ich stand noch immer da und wusste nicht, was ich sagen sollte. Dann endlich konnte ich mich wieder regen, aber das Gef├╝hl des Kusses verweilte noch eine ganze Weile in mir.

„Was ist passiert!?“, fragte ich eindringlich, obwohl ich wusste, dass aus ihm wenigstens kein Vampir geworden war.

Er zog eine Karte aus seiner Jacke, auf der eine Adresse stand. Er lie├č mich einen Blick auf sie werfen und schnappte sie sich dann wieder, um sie erneut in seiner Jacke zu verstauen.

„Kennst du Bajon? Das ist Annettes Schwester! Wer h├Ątte gedacht, dass die beide den Club leiten!?“, er schien am├╝siert, doch ich war einfach nur froh, dass er mit Bajon und nicht mit Annette gesprochen hatte.

Sie war wesentlich vern├╝nftiger. Vielleicht konnte man ihr besser trauen als Annette. Aber auch bei ihr w├Ąre ich vorsichtig. Besonders als Mensch.

„Um was hat sie dich gebeten?“, ich wollte sagen, wie froh ich dar├╝ber war, dass ihm nichts zugesto├čen war, aber ich brachte es irgendwie nicht ├╝bers Herz.

„Hey, ich sagte doch: das ist mein Job! Was machst du ├╝berhaupt hier? Bist du durch die Kanalisation gekrochen oder wie hast du es hierher geschafft?“, er zog erneut an seiner Zigarette, aber nur ich bemerkte den Vampir, der uns von der anderen Seite belauschte.

„Kleiner Ghul, du hast ja keine Ahnung!“, lachte ich und Jason sah mich verwirrt an, machte aber keine Anstalten. Ich schlug ihm kr├Ąftig auf die Schulter und dr├Ąngte ihn in Richtung Ausgang. „Du musst noch viel lernen, Frischlingsghul! Ich als Profighul werde dir das wohl nochmal erkl├Ąren m├╝ssen. Naja, lass uns mal losziehen und nach ihm suchen, damit wir unser Blut bekommen, das uns aufpeppt!“

Jasons Blick wanderte zu einem der Spiegel und er bemerkte nun auch den Kerl, der an der Wand gelehnt stand und uns beobachtete.

„Dann lass uns!“, sagte er ein wenig ├Ąngstlich, aber zustimmend.

Ich drehte mich zur Treppe und umfasste das Treppengel├Ąnder, ich wollte so schnell wie m├Âglich hier verschwinden. Jason folgte mir, doch gerade als ich einen Schritt heruntermachen wollte, stand dieser Mann vor uns, der uns eben noch beobachtet hatte, griff nach meiner Hand und benutzte die andere, um meine Wange zu streichen. Mir schoss das Blut in die Wangen. Ich ahnte, was er vorhatte. Je n├Ąher er mir kam und je mehr mein Blut sich bewegen w├╝rde, desto mehr k├Ânnte er allein durch seinen Geruchssinn ├╝ber mein Blut herausfinden.

Nicht jeder Vampir hat diese F├Ąhigkeiten, aber er war eindeutig vom Clan der Toreador und diese beherrschten diese F├Ąhigkeit zu gut und konnten sich zus├Ątzlich ziemlich schnell bewegen, was mir erneut Angst einjagte.

Jason blieb hinter mir. Gut so, dachte ich mir.

„Lass uns passieren!“, sagte ich ruhig, aber energisch.

Der Vampir hatte hellblonde Haare und ein f├╝r Menschen verf├╝hrerischen Anblick: ein so makelloses Gesicht und seine graublauen Augen stachen einem besonders entgegen. Ein bisschen hatte er mich an Shelly erinnert, die genauso bezaubernd ausgesehen hatte.

Er l├Ąchelte mich verf├╝hrerisch an. Ich musste zugeben: etwas an ihm machte Eindruck auf mich. Aber das Wissen dar├╝ber, das es nur seine vampirische Natur war, die es ihm erleichterte sich unauff├Ąllig unter den Menschen zu verstecken und um damit leichter Opfer anlocken zu k├Ânnen, gab mir das Gef├╝hl von Kontrolle ├╝ber diese Situation zur├╝ck.

„Ich hoffe wir seh'n uns bald mal wieder...!“, er zwinkerte mir zu und lie├č uns dann weitergehen, wor├╝ber ich sehr dankbar war, dass er uns anscheinend doch nicht f├╝r einen von Annette besorgten Snacks hielt.

Als ich auf der H├Ąlfte der Treppe angekommen war, da h├Ârte ich seine Stimme erneut, doch sie fl├╝sterte und sie schien nur in meinem Kopf zu sein, denn Jason hielt seinen Blick auf die Tanzfl├Ąche gerichtet, die T├Ąnzerinnen beobachtend. „...Glaub mir, wir werden uns ganz bestimmt wiedersehen!“

Ich drehte mich noch einmal um, um nach dem Vampir zu sehen, doch er war nicht mehr in Sichtweite. Vermutlich war er in blitzschneller Geschwindigkeit davonged├╝st.

Wir beeilten uns zum Ausgang zu kommen, standen letztendlich drau├čen vor der Eingangst├╝r und ich seufzte tief und erleichtert, weil wir es lebend (ich mehr oder weniger lebend wenigstens) geschafft hatten.

Zwar spukte mir der Toreador noch in meinem Kopf herum und erst Recht seine Worte, aber ich verschwieg sie vor Jason und wir machten uns gemeinsam auf.

„Ich finde es gut, dass du bei mir bist...“, sagte Jason pl├Âtzlich leise, aber doch so, dass ich ihn h├Âren konnte. Und ich teilte seine Meinung. Irgendwie hatte ich meinen Entschluss, ihn zu retten, ├╝berdacht. Ich wusste, er w├╝rde diesen Auftrag erf├╝llen wollen und ich k├Ânnte nichts tun, was ihn umstimmte. Und da ich nicht wollte, dass ihm etwas zustie├č, beschloss ich, bei ihm zu bleiben.

Kapitel 9 Ende.

Die Sonne schien wieder hinter einigen Wolken verschwunden zu sein, aber es war dennoch hell genug f├╝r mich, um das Leben zu genie├čen.

Ocean House. Das war unsere n├Ąchste Adresse. Bajon hatte von Jason verlangt, er solle in das leerstehende Hotel einbrechen und einen pers├Ânlichen Gegenstand einer der fr├╝heren Besitzer stehlen. Jason hatte nat├╝rlich nicht nachgefragt, warum er dies tun sollte, aber er schien auch noch nie etwas ├╝ber das Ocean House geh├Ârt zu haben, denn es stand nicht umsonst einfach leer.

Jeder Vampir der Gegend war sich im Klaren dar├╝ber, dass die Ger├╝chte der heimlichen und unsichtbaren Bewohner des Hauses nicht einfach blo├č Ger├╝chte waren.

Wir stiegen in die U-Bahn und zum ersten Mal setzte Jason seine bl├Âde M├╝tze ab, die er schon im Elysium getragen hatte und auf der Stra├če hierher, nur, um nicht als Jason erkannt zu werden.

„...Ich bin schonmal wo eingebrochen...!“, sagte er pl├Âtzlich und ich musste mir das Lachen sehr verkneifen.

Vermutlich bemerkte er mein Grinsen und f├╝gte hinzu: „Damals auf der High School haben ein paar Freunde und ich den Lieblingssessel unserer Lehrerin entwendet. Du h├Ąttest ihr Gesicht sehen sollen, als sie nach Hause kam, um nach einem langem, anstrengenden Tag sich gen├╝sslich in ihren Sessel zu pflanzen! Sie war ganz au├čer sich als sie nichts als ein hellerer Teppichfleck anstarrte, der von ihrem Prachtsessel ├╝ber war!“

Ich sah ihn an und lachte einfach drauf los. Es war etwas an ihm, das ich einfach zu witzig fand. Es war nicht einmal die Tatsache, dass er so unerfahren und tollpatschig war oder weil er so seltsame Dinge erz├Ąhlte, nur um ├╝berhaupt etwas zu sagen. Mir gefiel seine naive Art. Er hatte Interesse gegen├╝ber den Blutsaugern bewiesen. Aber er st├╝rzte sich auf ein Abenteuer, das ihm eindeutig ├╝ber den Kopf wuchs. Und trotzdem. Ich war froh mit ihm hier zu sein. Einerseits, weil ich mittlerweile glaubte mit niemand anderem dieses Abenteuer bestehen zu k├Ânnen und weil er in mir eine Art Besch├╝tzerinstinkt geweckt hatte und ich nun die Chance hatte, ihn zu retten.

Die Bahn wurde schneller und schneller und ich sah hinaus in die Dunkelheit. Durch die Kanalisation w├Ąre es zwar schneller gegangen, aber wir wollten uns keiner unn├Âtigen Gefahr aussetzen.

„Steht das Hotel auch wirklich leer oder sollen wir uns lieber Waffen oder so besorgen? Also nur f├╝r den Fall?“, fragte Jason. Er machte den Anschein, als w├Ąre er etwas nerv├Âs, was mich erneut schmunzeln lie├č.

Wom├Âglich hatte er doch davon geh├Ârt, was es mit dem Haus auf sich hatte.

Es war unsere Station, die durch die Lautsprecher summte und ich stand auf. Jason folgte mir, ohne eine Antwort bekommen zu haben.

Reflexartig nahm ich seine Hand in der Menschenmenge und zum ersten Mal kamen mir die Bewegungen der Menschen erneut wie in Zeitlupe vor.

Ja, die Vampirwahrnehmung kehrte zur├╝ck!

Jason machte keine Anstalten und versuchte sich meiner Geschwindigkeit, die schneller und schneller wurde, anzupassen. Bald jedoch lie├č er sich einfach an meiner Hand hinterherziehen, was f├╝r mich angenehm war, da ich mir einen Weg durch die Menschen bahnen konnte, ohne sie zu ber├╝hren. Wir waren nicht schnell, aber wir waren exakt, da ich alles im Blick hatte und mein Blick schien sich noch mehr zu ver├Ąndern, denn je d├╝nkler es in der U-Bahn-Station wurde, desto besser konnte ich mir den Weg durch die Lebenden bahnen.

In wenigen Minuten hatten wir es hinausgeschafft und schon im Untergrund hatten meine Ohren das Ger├Ąusch des Regens angek├╝ndigt.

„Oh nein, wieso regnet es jetzt? Das musste ja kommen!“, sagte Jason beim Hinausgehen und st├╝lpte seine Jacke ├╝ber seinen Kopf. Seine d├Ąmliche M├╝tze hatte er wohl (zu meiner Freude) in der U-Bahn vergessen.

Wir gingen die Stra├če entlang und ich machte Halt an einer Stra├čenecke. Jason folgte mir, den Regen verfluchend.

„Also wo geht’s jetzt hin? Waffen besorgen? Oder gleich in das Hotel spazieren und es hinter uns bringen?“

Ich bog um die Ecke und Jason versuchte mir eilig zu folgen. Dort blieb ich stehen und packte ihn ruckartig am Arm.

„Du hast noch nie etwas vom Ocean House geh├Ârt oder?“, wollte ich nun endlich wissen und sein besch├Ąmter Blick verriet mir, dass ich Recht hatte. „Was muss man da wissen? Es ist ein leerstehendes Haus und ich soll einen Gegenstand mitbringen. Ganz egal welchen, hat sie sie gesagt. Hauptsache pers├Ânlich!“, entgegnete er und wich mir aus, indem er weiterging.

Ich seufzte und l├Ąchelte in mich hinein.

„Ja, du hast Recht. Es ist dein Auftrag. Ich lasse dich das machen...“, murmelte ich und wir gingen die Fair Street hinunter und machten nach einigen Minuten Dauerregens Halt vor einem gro├čen Geb├Ąude, das sehr heruntergekommen aussah.

Zufrieden betrachtete Jason die offenstehende Pforte zum Gel├Ąnde und sah sich rasch um, dass uns keiner beobachtete, winkte mir dann zu und glitt durch das Tor. Ich folgte ihm schweigend und wusste uns w├╝rde niemand sehen.

Jason war so frohen Mutes, dass es mir das Herz brechen w├╝rde, ihn scheitern zu sehen. Dennoch lie├č mein Stolz es nicht zu, ihm irgendetwas zu verraten und so ging ich behutsam hinter ihm her und ├╝berlie├č ihm die F├╝hrung. Bald schon erreichten wir den Vordereingang, dessen Treppe vom Regen so rutschig war, dass ich dachte das arme Menschlein w├╝rde sich bei dem Versuch heraufzugehen, die Beine brechen. Trotzdem blieb ich hinter ihm und lie├č ihn machen.

Er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, aber wer versucht einen Vampir in die Irre zu f├╝hren, kommt nicht weit – Ich sp├╝rte seine Nervosit├Ąt ganz deutlich, als er den Schl├╝ssel, den Bajon ihm gegeben hatte, aus seiner Jackentasche herausfummelte.

Gerade als er sich b├╝ckte, um den Schl├╝ssel in das Schl├╝sselloch hineinzutun, tat sich die T├╝r von allein auf mit einem knartschenden Ger├Ąusch, das so typisch f├╝r Gruselfilme war.

Ich sp├╝rte, dass meine Vampirwahrnehmung vollkommen wieder in mir war und konnte nun sogar seinen Angstschwei├č riechen, was ihn nicht davon abhielt, so zu tun, als w├Ąre alles in bester Ordnung.

„Sieh mal, wie praktisch. Hier k├Ânnte jeder einbrechen.“, sagte Jason ohne sein Gesicht zu verziehen, als er langsam eintrat.

„Ja, ging wie von Geisterhand...“, ich schmunzelte und folgte ihm in das Haus, dessen Eingangshalle riesig war, gr├Â├čer als man es von drau├čen vermutet h├Ątte und die zwei Treppen, die zur selben obigen Etage f├╝hrten, waren alt und vermodert und ich erkannte, dass einige Stufen bereits eingebrochen waren.

Ich selbst war noch nie hier gewesen, aber man erz├Ąhlte sich in der Menschenwelt und bei den Blutsaugern dasselbe: Dass man diesem Haus besser fernblieb.

Aus seiner Tasche zog Jason eine kleine Taschenlampe, um sich besser umsehen zu k├Ânnen. F├╝r mich war alles deutlich zu erkennen durch meine vampirischen Sinne, aber f├╝r ihn war es kaum m├Âglich die Hand vor Augen zu sehen, was seine Unruhe noch verst├Ąrkte.

Nach einigen Minuten des Umsehens lie├č das prasselnde Ger├Ąusch des Regens nach. Es herrschte pl├Âtzlich eine Totenstille und wir sahen uns gemeinsam in der Eingangshalle um.

Als wir dort so gingen und ich mir den gro├čen Kronleuchter ├╝ber dem Raum ansah, fiel pl├Âtzlich eine Vase, gar nicht weit von uns, von seinem Regal und landete mit einem Klirren auf dem Boden.

„Was war das?“, Jason drehte sich ├Ąngstlich in die Richtung, von der man das Scheppern geh├Ârt hatte.

„Eine Vase.“, antwortete ich sachlich und k├╝hl und ging am verschreckten Jason vorbei, der nun sichtliche Schwierigkeiten hatte, sich in seiner Selbstbeherrschung zu ├╝ben.

Ich selbst probierte an mir eine ganz andere F├Ąhigkeit aus und versuchte die Aura der Wesen auszumachen, die hier wohnten. Schnell wurde ich f├╝ndig und betrachtete die grellen Umrisse der Toten, die dieses Haus bewachten.

Jason r├Ąusperte sich und folgte mir, w├Ąhrend ich eine der Treppen anvisierte. Ich wollte gerade meinen Fu├č heben, um auf die Treppe zu steigen, da sah ich die Umrisse einer Gestalt ├╝ber uns hinwegfliegen. Mein fixer Blick folgte dem Wesen, doch ich konnte nicht so schnell ausmachen, was die Gestalt vorhatte und erkannte es erst sehr sp├Ąt.

Der Kronleuchter, der sich nun genau ├╝ber uns befand, fing an zu wackeln, die Lichter gingen an und wieder aus, mehrere Male hintereinander, dann krachte der Leuchter zu Boden und ich konnte Jason in der allerletzten Sekunde in Sicherheit bringen, indem ich mich auf ihn st├╝rzte und wegzog.

Dann krachte der Leuchter inmitten des Raumes mit voller Wucht zu Boden. Einige L├Ąmpchen darin zersprangen, einige Funken taten sich auf und verloschen wieder und pl├Âtzlich war es wieder still.

Doch das Licht schien sich wieder von allein anzuschalten, d.h. S├Ąmtliche andere Lampen im Haus strahlten uns hell entgegen.

Ich bemerkte, dass ich Jason immer noch sch├╝tzend in meinen Armen hielt, lie├č ihn hektisch los und klopfte mir den Schrecken von der Kleidung.

Jasons Atem war unregelm├Ą├čig und seine Augen weit aufgerissen.

„Kranke Schei├če – was geht hier vor?“, fragte er und betrachtete noch immer den heruntergekrachten Kronleuchter.

Eigentlich war mir zum Lachen zumute, doch nicht ein L├Ącheln umspielte meine Lippen, da ich mit meiner F├Ąhigkeit erneut sah, wie die Aura der Gestalt um uns herumflog.

„Du kannst es nicht sehen, richtig?“, fragte ich Jason, um mich zu vergewissern, dass man das Wesen nur anhand seiner Aura erkennen konnte.

Jason sah verschreckt um sich und sein Herz fing an noch schneller zu schlagen.

„Was, was meinst du?“, seine Stimme zitterte ein wenig, seine Angst war unverkennbar und nahm mir etwas meiner eigenen Ruhe.

„Dachte ich es mir doch...“, murmelte ich vor mich hin und versuchte die fliegende Gestalt erneut zu orten. Leider konnte ich nicht permanent die F├Ąhigkeit einsetzen, um sie immer vor Augen zu haben.

„Okay, das damals war schon eine heikle Angelegenheit f├╝r mich, aber das hier ├╝bertrifft alles...“, Jason schien mit sich selbst zu reden und blieb ganz nah bei mir, da er wusste, dass ich ihn rechtzeitig in Sicherheit wissen konnte, wenn wieder etwas passierte.

„Das Haus ist wohl ├Ąlter als ich dachte.“, sagte er und ich wusste, dass er immer noch nicht ahnte, womit wir es hier zu tun hatten.

Und als ich dort so stand und endlich die F├Ąhigkeit wiedergekehrt war, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass die Aura sich verdoppelt, nein verdreifacht hatte. Und immer wenn ich dachte die Gestalt war vor mir und ich mich umdrehte, sah ich dort eine weitere. Es schienen auf einmal sich mehr und mehr in der Eingangshalle zu versammeln, nur zu dem Anlass, dass wir zu Besuch waren... und die Geister endlich jemanden zum Spielen hatten.

Kapitel 10 Ende.

„Wir sind nicht allein!“, mein leises S├Ąuseln ging in ein Fl├╝stern ├╝ber. Ich war ├╝berrascht, wie viele Geister sich in diesem Haus tummelten. Sie flogen immer wieder im Sturzflug ├╝ber uns hinweg und lie├čen erneut Gegenst├Ąnde des Hauses zu Boden krachen, um uns zu verschrecken.

Jason schien nun endlich den Ernst der Lage begriffen zu haben, er hielt sich geduckt und hielt Ausschau nach etwas Sichtbarem. Aber f├╝r ihn w├╝rden sie immer unsichtbar bleiben und f├╝r mich auch, wenn ich wieder meine Auspex-F├Ąhigkeit verlieren w├╝rde, die leider nicht permanent anhielt.

„Was meinst du damit?“, Jason schluckte und seine Nasenfl├╝gel bebten unter seiner Angst vor dem Unbekannten.

„Geister!“, rief ich, als ich wieder einem von ihnen ausweichen musste, der eine Schublade nach mir warf.

Mir wurde dieses Spiel langsam zuwider und ich zog Jason n├Ąher zu mir, da ich meine Augen f├╝r ihn mitbenutzen musste.

Immer wieder hechteten wir aus dem Weg, die Geister schienen noch ├╝berhaupt nicht bes├Ąnftigt zu sein, sondern schienen immer mehr Gefallen an diesem dummen Spiel mit uns zu entwickeln.

Irgendwann wurde es mir zu viel. Meine Hand krallte sich in Jasons Jacke, was mir erst dadurch bewusst wurde, dass sein Blick pl├Âtzlich kurz auf mir und dann auf meiner zuckenden Hand verwahrte.

Meine Geduld hatte ein Ende als auch ein Bild in unsere Gegend, wie ein ├╝berdimensionaler Wurfstern, gef├Ąchert wurde.

Ein durch die Gr├Â├če der Halle beeinflusstes lautes, furchteinfl├Â├čendes Fauchen entfl├Ąuchte meiner Kehle und brachte die Geister aus ihrem Tumult. Die Attacken stoppten f├╝r einen Moment, die bleichen, fast nicht sichtbaren Gesichter der Toten sahen verschreckt in meine Richtung. Selbst Jason schien mein Fauchen erschreckt zu haben.

Langsam schienen auch die Geister realisiert zu haben, wem sie gegen├╝berstanden und, dass sie nicht so leichtes Spiel mit uns hatten, wie mit gew├Âhnlichen Menschen.

Doch ihre Furcht wich binnen Sekunden und schien ihre Wut gest├Ąrkt zu haben. Nun war es unm├Âglich all den Gegenst├Ąnden und auf uns zufliegenden Geistern, dessen Ber├╝hrung nicht sehr angenehm war, auszuweichen.

Immer wieder sprang ich vor Jason, wetzte meine Krallen an den Gegenst├Ąnden, um sie zu zerst├Âren bevor sie uns erreichten oder fauchte die Geister an, sodass sie zumindest zur├╝ckschreckten.

Pl├Âtzlich, der Zeitpunkt h├Ątte nicht ung├╝nstiger sein k├Ânnen, verlie├č mich die F├Ąhigkeit zu sehen erneut...

Jason schien die Gefahr erkannt zu haben, dass die Sicherheit um ihn nicht ewig wahren w├╝rde und so hechtete er nach vorn auf die Treppe zu.

„Was hast du vor?“, rief ich ihm hinterher, nachdem er sich aus meinem Griff gewunden hatte und stolperte ihm hinterher, nicht mehr in der Lage den frostigen und doch auf der Haut brennenden Attacken der Geister auszuweichen.

„Ich schnappe mir einfach ein Bild und dann hauen wir hier ab!“, er atmete sto├čweise, machte einen kleinen Sprung auf die Treppe und hastete sie hinauf, um von der Erh├Âhung den n├Âtigen pers├Ânlichen Gegenstand zu entwenden. Er machte einen weiteren Schritt und auf einmal krachte etwas zu seinen F├╝├čen und innerhalb eines Augenblicks war er verschwunden.

„Jason, nein!!“, schrie ich hinterher, doch da war er schon in ein Loch der Treppe gekracht. Der innere Impuls Jason besch├╝tzen zu wollen, war st├Ąrker als die Vernunft und so rannte ich auf das Loch in der einst├╝rzenden Treppe zu und lie├č mich ebenso hinab, unwissend, wo das Loch sein Ende haben w├╝rde.

Unten angekommen, raffte ich mich nach dem harten Sturz schnell wieder auf. Ich wusste, mir w├╝rde es gut gehen. Als Vampir konnte so ein Fall einem nichts anhaben. Ich blickte auf und erkannte wenige Meter neben mir Jason, der seitlich auf dem Boden lag, regungslos.

Ein kleines Husten aus seiner Richtung verriet mir, dass er jedenfalls bei Bewusstsein war. Wie es um seinen gesundheitlichen Zustand stand, konnte ich jedoch nicht erahnen.

Ich zog Jason an den Armen, um ihn hochzuheben. Es w├╝rde nicht viel Zeit vergehen, ehe die Geister uns hierher folgen und weiter massakrieren w├╝rden. „Kannst du aufstehen?“, fragte ich in einer merkw├╝rdig besorgten Stimmlage. Jason nickte, sackte mir jedoch immer wieder zusammen. Er st├Âhnte auf und griff mit einem Arm an sein Bein. Er musste es sich beim Sturz aus den 5 Metern H├Âhe gebrochen haben. Seinen freien Arm schwang ich ├╝ber meinen und schliff ihn mit mir. Sein Gewicht war keine gro├če Last f├╝r mich, aber ich bemerkte in diesem Augenblick, dass ich sehr viel Kraft damit zugebracht hatte, die Auspex-F├Ąhigkeit einzusetzen, um die Geister zu lokalisieren.

Das brachte eine sehr schlechte Nebensache mit sich: Ich war beinahe blutleer! Ich wusste noch genau, wie sich das anf├╝hlte. Dieses schreckliche Gef├╝hl w├╝rde man nie vergessen. Und je blutleerer man war, desto reizvoller w├╝rde jedes potentielle, wandelnde Blutgef├Ą├č sein, wie Jason.

Ich sch├╝ttelte meinen Kopf hin und her, um den Durst damit abzusch├╝tteln, zumindest f├╝r den Augenblick.

Ein weiteres Mal hustete Jason kr├Ąftig, er schien mit dem Gesicht irgendwo aufgekommen zu sein, denn seine Nase war blutig, was meine Situation nicht gerade besserte, da mich sein Blut noch gieriger machte.

„Sind die Schei├č-Geister immer noch hinter uns her?“, fragte er und hustete erneut.

Ich nickte und sah mich in dem dunklen Raum um. Wir waren wohl bis in den Keller hinabgefallen. Massive W├Ąnde trennten einen von dem anderen Raum. Mit Jason im Schlepptau schlenderte ich durch einen langen Gang, der, so hoffte ich, vielleicht zu einer Treppe oder etwas ├ähnlichem f├╝hren konnte. Pl├Âtzlich ruckelte etwas hinter uns und ich versuchte mich sofort dem Ger├Ąusch zuzuwenden, doch Jason konnte sich nicht so schnell wenden und stie├č ein weiteres, schmerzverzerrtes St├Âhnen aus.

Zwei Schiebet├╝ren machten sich auf, ein kleines, warmes Licht lag vor uns und gab den Blick auf einen Lift frei.

„Oh nein!“, gab Jason klagend von sich, als er bemerkte, dass ich vor hatte, einzusteigen. „Bist du bescheuert, da oben warten sie doch auf uns! Oder sie lassen gleich den ganzen Aufzug herunterkrachen, wenn wir erst mal drin sind!“

Ich konnte nicht leugnen, dass seine Theorie etwas hatte. Als Einzelg├Ąnger, wie ich es jahrelang war, h├Ątte ich ihn zur├╝ckgelassen und h├Ątte gesehen, wohin mich das Gl├╝ck trieb, aber in diesem Fall musste und wollte ich R├╝cksicht auf das menschliche Wesen machen, das so zerbrechlich war – ganz anders als ich.

Die T├╝ren schoben sich wieder ineinander und das Licht wurde schmaler und blieb schlie├člich im Lift und lie├č uns zur├╝ck.

„Ja, du hast Recht“, und das war nicht sehr leicht f├╝r mich zuzugeben, „die wollen ihren Schabernack mit uns treiben.“, ich klang leicht entt├Ąuscht, aber es war mehr die Unsicherheit, die in mir wohnte, da sich das Gef├╝hl des Durstes immer mehr ausbreitete, das ich nicht aufzuhalten vermochte. Nicht mehr lange und ich w├╝rde der Raserei verfallen und Jason ohne Willen angreifen und zu Tode aussaugen. In dieser instinktf├╝hrenden Phase w├Ąre ich sofort im Stande, das Haus kurz und klein zu metzeln.

„Schabernack!“, wiederholte Jason betont ironisch.

Wieder rumpelte etwas ├╝ber uns und wir hielten uns automatisch geduckt, obwohl es nicht in unserer unmittelbaren N├Ąhe war. Es klang als w├Ąren die Geister nun vollkommen ├╝bergeschnappt und w├╝rden das ganze Haus auseinandernehmen, so wie ich es ihnen bald nachtun w├╝rde, wenn ich kein Blut trank.

Jason bat um eine Pause, die ich ihm nur zu gern genehmigen konnte, da ich sie selbst ben├Âtigte und die Geister oben anscheinend vorerst besch├Ąftigt waren, also lie├č ich ihn hinab. Zwischen all dem Gepolter und der Angst, betrachtete ich meinen menschlichen Partner etwas genauer. Vielleicht kam es durch meinen zu gro├čen Blutdurst, aber er sah selbst in dieser Situation ansehnlich aus, trotz gebrochenem Bein und blutverschmierter Nase und Angstschwei├č auf der Stirn. Was er nicht alles aushielt - f├╝r ein menschliches Wesen jedenfalls. Ich hatte ihn eindeutig untersch├Ątzt.

„He, sieh mal!“, Jason machte mich auf eine Brosche aufmerksam, die anscheinend achtlos auf dem Boden hinterlassen wurde.

Ich hob sie vorsichtig auf, Jason weiterhin festhaltend. „Guter Fund, Jason. Damit h├Ątten wir endlich einen pers├Ânlichen Gegenstand...“

„Und wir k├Ânnen endlich hier raus!“, beendete er den Satz, den meine Gedanken getragen hatten.

Ich versuchte zu l├Ącheln, aber meine spitzen Z├Ąhnchen bohrten sich dabei in meine Unterlippe und verrieten meine gr├Â├čte Sorge.

„Geht's dir nicht gut?“, Jason schien bemerkt zu haben, dass mein Zustand nicht willk├╝rlich besser war als seiner. Vielleicht hatten meine Augen sogar schon in leuchtendes Rot gewechselt, um mitzuteilen, wie schwer es um mich stand.

„Ich muss dich... einen Moment allein lassen.“, sagte ich nerv├Âs. Meine Krallen zuckten unaufhaltsam. Um Jason nicht l├Ąnger Angst einzujagen, bog ich kurz um die Ecke, um mich wieder zu fangen. Aber der Geruch seines Blutes hing mir noch immer in der Nase, zumindest bildete ich mir das ein.

Doch etwas zog meine Aufmerksamkeit wieder zu Jason: Er war hingefallen und st├Âhnte laut auf. Er hielt sich sein Bein und versuchte sich an der Wand wieder hochzuziehen, vergeblich.

Ich h├Ârte, wie meine Z├Ąhne aufeinander schlugen und ich so fest zubiss, um mich unter Kontrolle zu halten. Dennoch war es unm├Âglich die alten, gewohnten Gedanken des Vampirdaseins zu verdr├Ąngen.

Er war ein gefundenes Fressen. Kr├Ąnklich, schwach und das Blut war frisch und pulsierend. Es w├╝rde nur wenige Minuten dauern ihn bis aufs Letzte auszusaugen. Den guten Geschmack seines Blutes konnte ich bis hierhin riechen. Unweigerlich lief mir das Wasser im Munde zusammen. Ich erschrak vor meinen eigenen Gedanken und schnellte auf Jason zu, der dabei war nun komplett zu st├╝rzen, um ihn aufzufangen. Gerade noch rechtzeitig hielt ich ihn in meinen Armen und stellte ihn vorsichtig wieder auf. Nein, ich konnte mich kontrollieren, wenn ich wollte. Noch war nicht alles Blut aus mir gewichen. Ich hatte mich jawohl besser im Griff als die dreckigen Nosferatu, denen jedes menschliche Leben egal war! Und wie ich mich besser im Griff hatte!

Ich riss mich zusammen und konzentrierte mich wieder auf unseren Auftrag.

Nach einigen Sekunden des Schweigens gingen wir weiter und bemerkten die ungew├Âhnliche Stille erst jetzt. Die Blicke wanderten zwischen uns hin und her. Ich hatte mich nicht einmal gefragt, warum die Geister nicht sofort durch die W├Ąnde auf uns zu geflogen waren, um uns endg├╝ltig den Gar auszumachen, daher kam ich mir nun unheimlich naiv vor, nicht einmal die beinahe bedr├╝ckende Stille nicht vernommen zu haben. Was war blo├č mit meiner Wahrnehmung los? Hatte ich mich so mit Jason besch├Ąftigt, dass ich nicht bemerkt hatte, was eine Etage ├╝ber uns passierte?

Wieder wanderten unsere Blicke hin und her, diesmal, weil ein lautes, starkes Poltern ├╝ber uns zu h├Âren war. Ich w├Ąre beinahe erleichtert gewesen die Geister wieder ├╝ber uns geh├Ârt zu haben, aber es war ein zu starkes, gef├Ąhrliches Poltern, das mich irgendwie beunruhigte.

„Was geht da oben vor sich?“, fragte ich mich selbst, doch Jason schien zu antworten: „Jetzt drehen die Geister v├Âllig durch!“

Wir humpelten weiter und kamen endlich an einer Treppe an. Mir war erst jetzt wieder eingefallen, dass Jason ja vermutlich beinahe blind war durch die hier herrschende Dunkelheit. Doch am Ende der Treppe schien ein Lichtschein auf uns zu warten, der immer wieder heller wurde und wieder erlosch, wie ein Blitz.

Jason lie├č sich ohne wenn und aber huckepack nehmen und so trug ich ihn vorsichtig die Treppe hinauf. Ich versuchte mich wie ein Vampir dem Geschehen zu n├Ąhern, also leise und bedacht, doch als wir um die Ecke der Treppe bogen und ich meine F├Ąhigkeit einsetzte, zu sehen, bek├Ąmpften die Geister nicht l├Ąnger uns, sondern schienen sich mit zwei anderen Gestalten abzum├╝hen.

Sachte lie├č ich Jason von mir ab und beobachtete, wer dort seine Krallen an den Geistern wetzte.

Kapitel 11 Ende.

Neben dem heruntergekrachten Kronleuchter, dessen Lichter nun ganz verloschen waren, standen zwei M├Ąnner. An ihrer Aura erkannte ich sofort, dass es Vampire waren. Der Eine war gro├č und st├Ąmmig, seine Muskeln unter seinem Shirt waren kaum zu ├╝bersehen. Er schleuderte Energieblitze aus seinen Handinnenfl├Ąchen, die die gesamte Eingangshalle f├╝r einige Milisekunden in helles blau verwandelte.

Ich hatte keine Ahnung, ob das den Geistern etwas ausmachte, aber sie waren jedenfalls nicht mehr damit besch├Ąftigt Jason und mich zu attackieren.

Dann sah ich zu dem anderen Mann her├╝ber, dessen hellblondes Haar und schlanke und doch muskul├Âse Statur mir sehr vertraut vorkam. Doch ehe ich mich versah, schien er nicht mehr da zu sein und tauchte auf der anderen Seite des Raumes wieder auf. Der eine warf mit Blitzen und er schien sich wie einer zu bewegen.

„Der Typ aus dem Elysium!“, brach es aus mir heraus, als ich ihn erkannte und obwohl es nur ein Fl├╝sterruf war, schienen die Geister ihre Aufmerksamkeit wieder uns zuzuwenden und damit sahen auch die beiden M├Ąnner in unsere Richtung.

Auch wenn er weiter weg stand, der Blonde konnte sich ein verf├╝hrerisches L├Ącheln zu meiner Begr├╝├čung anscheinend nicht verkneifen.

Jason schien falsch aufgekommen zu sein und brachte einen Schmerzschrei heraus, der mich zu ihm blicken lie├č.

Er machte mir bewusst, dass wir schnellstens verschwinden mussten. Ich nickte, als h├Ątte ich seine stillschweigende Bitte verstanden und nahm ihn erneut Huckepack. Als wir dabei waren das Haus zu verlassen, flogen die Geister bereits neben uns her und versuchten uns irgendwie aufzuhalten. Erneut bewarfen sie uns mit Gegenst├Ąnden des Hauses und hofften uns zu treffen, doch im Moment eines Augenzwinkerns brauste der Blonde vorbei und gab uns Schutz.

Verwirrung stand mir und Jason ins Gesicht geschrieben, aber ich musste jetzt an die verletzte Person auf meinem R├╝cken denken und ging z├╝gig zur Eingangst├╝r. Als ich sie ├Âffnen wollte, tat sie sich wie von allein auf und wir traten hinaus in den str├Âmenden Regen. Ich nahm an der Blonde hatte uns innerhalb von Milisekunden die T├╝r ge├Âffnet und war dann wieder an unsere Seite gehuscht, um uns Deckung zu geben.

Ich bemerkte erstmals, dass ich schwerer atmete, dass ich v├Âllig aus der Puste war, obwohl dies alles f├╝r einen Vampir keine Anstrengung sein konnte.

Apropos Vampire. Dort waren gerade Zwei gewesen und hatten uns den Arsch gerettet! Sehr seltsam f├╝r Blutsauger, zumindest ein Menschenleben zu retten. Aber, als wenn das nicht schon seltsam genug w├Ąre, war es mitten am Tag! Also ein absolut unm├Âgliches Ereignis! Wie also konnten sie sich an diesem Nachmittag einfach so drau├čen herumtreiben? Auf der anderen Seite – wie war das bei mir m├Âglich? Ich hatte nicht einmal das Geheimnis um mich selbst gel├╝ftet, da taten sich noch weitere fragw├╝rdige Abgr├╝nde auf.

Der Regen tropfte von meiner Nasenspitze, als ich den Gullideckel ├Âffnete und Jason und mich hinablie├č. Diesmal mussten wir den k├╝rzeren Weg nehmen. Ich h├Ątte zu gern gewusst, was aus dem Blonden und seinem Freund geworden war und h├Ątte ihnen gern gedankt, aber erstmal musste ich sichergehen, dass Jason au├čer Gefahr war.

Nach einigen Minuten des Laufens, und ich schien beinahe zu keuchen vor Anstrengung, fiel mir auf, dass der Ballast auf meinem R├╝cken sich weniger festhalten konnte als zuvor. Auch seine Kr├Ąfte schienen ihn zu verlassen. Er hatte wohl einiges an Blut verloren, dass ich vorhin zu gern aufgesogen h├Ątte. Doch in diesem Moment war mir nichts wichtiger als ihn in Sicherheit zu bringen. Ich rannte noch schneller, das Wasser zu meinen F├╝├čen erschwerte mir das Eilen durch die Kanalisation erheblich. So sehr hoffte ich jetzt keinem anderen Vampir zu begegnen und es schien als w├Ąre, f├╝r Jason, meine Bitte erh├Ârt worden.

Immer wieder bog ich in Abzweigungen ein und nahm mir vor den schnellsten Weg ins Krankenhaus zu nehmen und h├Ârte dabei Jason auf meinem R├╝cken meinen Namen s├Ąuseln.

Als ich endlich Jason aus der Kanalisation den Gullideckel hinaufgezogen hatte, bemerkte ich, dass sein K├Ârper gl├╝hte. Er hatte vermutlich Fieber und kr├╝mmte sich wieder vor Schmerzen.

Auch in mir sp├╝rte ich, dass sich ein Gef├╝hl wie Schmerz ausbreitete. Mein R├╝cken f├╝hlte sich unglaublich erleichtert an, als Jason vor mir auf dem Boden lag und meinen R├╝cken entlastete. Meine Beine waren krampfhaft angespannt und lie├čen sich nur schwer entspannen. Au├čerdem h├Ârte ich wieder jenes Herz schlagen, das eigentlich nicht mehr schlagen durfte.

Es war verr├╝ckt, aber der Blutdurst war verschwunden!

War ich jetzt wieder menschlich?

Unsicher sah ich mich um. Konnte ich Jason jetzt einfach so ins Krankenhaus bringen? Schlie├člich war man auf der Suche nach ihm.

Mich durchzuckte ein kleiner Schmerz in den Z├Ąhnen und ich stellte erstaunt fest, dass meine Z├Ąhnchen sich wieder verkleinert hatten. Statt in Raserei zu verfallen, weil mir jegliches Blut aus dem Organismus ausgegangen war, hatte ich mich einfach wieder in etwas Menschliches verwandelt. Vielleicht ganz automatisch, vielleicht auch bewusst. Dennoch war ich mir nun beinahe sicher, dass die Sonne, welche sich hinter dunklen Wolken versteckt hielt, mir jetzt definitiv nichts anhaben konnte.

So wie jenen Vampiren nicht, die uns vor den Geistern besch├╝tzt hatten.

Jason keuchte lautlos meinen Namen. Immer wieder h├Ârte ich ihn sagen: „Nelly... Nelly... Ne...lly...Nelly!“ und mir schauderte es dabei, diesen Namen zu h├Âren, da ich ihn mir vor sieben Jahren selbst gegeben hatte, weil dort f├╝r mich ein neues Leben begonnen hatte – im Tod. Das Vampirdasein. Die Einsamkeit.

Ich zerrte Jason wieder auf meinen R├╝cken, der durch Schmerzen zu rebellieren versuchte, und beschloss ihn in ein Taxi zu verfrachten, das ihn bis in die n├Ąchste Stadt bringen sollte. Daf├╝r bediente ich mich an Jasons Portemonnaie, zog ein paar Scheinchen heraus und gab noch ein paar Scheinchen von mir dazu. Seine Geldb├╝chse mit seinem Ausweis etc. behielt ich. „Sein Name ist Jake!“, belog ich den Taxifahrer und bat ihn, ihn ins Krankenhaus nach Downtown zu bringen.

Doch ehe ich es verga├č, schnappte ich mir die Brosche, die er in dem Geisterhaus gefunden hatte, schrieb ihm einen kleinen Zettel und stopfte ihn lieblos in seine Hemdtasche. „Triff mich in 3 Tagen bei unserem liebsten Hotel! Deine dunkle Freundin“ hatte ich mit krickeliger Schrift hinterlassen, in der Hoffnung, er w├╝rde in wenigen Tagen dort auf mich warten.

Dann machte ich dem Taxi Platz, klopfte an dessen Fahrerseite, um zu signalisieren, dass er fahren konnte und sah Jason davonfahren.

Es hatte keine andere M├Âglichkeit gegeben. Ich kannte niemanden, der ihn h├Ątte verarzten k├Ânnen. Niemanden, der beim Anblick und Geruch seines heraustretenden Blutes und der Schwachheit seines K├Ârpers die Kontrolle ├╝ber sich bewahrt h├Ątte, um ihm zu helfen.

Da er ein Mensch war und ich keine Menschen kannte, jedenfalls keine, die uns helfen w├╝rden, musste er ins Krankenhaus gebracht werden, um sich dort sicher erholen zu k├Ânnen.

Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen ihn allein zu lassen. Nicht selbst bei ihm zu sein, um sicher zu gehen, dass es ihm schnellstens besser ging. Noch einige Minuten verbrachte ich an der Kreuzung, an der ich Jason in das Taxi verfrachtet hatte und hielt meinen Blick auf die Stra├če gerichtet, als w├╝rde das Taxi pl├Âtzlich kehrt machen und er w├╝rde zu mir zur├╝ckkehren.

Doch dann seufzte ich schwer und trug mich wieder in Richtung Stadt.

War es immer schon so still hier? Mir kam es so eigenartig leise vor, obwohl Autot├╝ren knallten, Glocken beim Betreten der L├Ąden klingelten und sich viele Menschen angeregt unterhielten.

Das war so seltsam, dass es mich wirklich wunderte, aber ich hatte mich so an Jasons Gegenwart gew├Âhnt, dass sie mir nun fehlte.

Aber es war besser so. Es w├╝rde ihm schnell besser gehen und wenn er es wollte, und dessen war ich mir leider nicht sicher, w├╝rden wir uns bald wiedersehen.

Ich betrachtete die Kirchenuhr. Halb Zwei Uhr nachmittags. Menschenzeit. Menschenleben. D.h. Ich musste nur darauf achten, dass mein Organismus nicht wieder vor hatte mich auf einmal wieder in einen Vampir zu verwandeln. Vor jenen w├Ąre ich vorerst sicher und musste und konnte mich nun auch nicht mit Annette auseinandersetzen.

Doch als ich es mir genau im Kopf ausmalte, stimmte eine Sache nicht. Es gab zwei Vampire, die die Sonne nicht scheuten und wenn ich sie finden w├╝rde, k├Ânnte ich herausfinden, warum sie dies nicht taten, k├Ânnte ihnen danken – besonders wegen Jason – und k├Ânnte wom├Âglich sogar noch etwas ├╝ber meinen eigenen Zustand erfahren. Warum es bei mir funktionierte, dass ich zum Tagwandler wurde. Und warum sie ebenso im Sonnenlicht spazierten.

Also beschloss ich meine gerade erst wieder gewonnene Einsamkeit wieder von Bord zu werfen, um mir die Gesellschaft zweier besonderer Exemplare der Blutsauger zu angeln.

Orientierungslos inmitten der friedlosen Menschen schien es mir sinnlos sie zu suchen, also nahm ich mir vor, einen Waldspaziergang zu machen oder in verlassenen H├Ąusern Ausschau nach ihnen zu halten. Sie w├╝rden sich sicher nicht mehr im Hotel aufhalten.

Ich bog in eine schmale Gasse und sah in einem Schaufenster zu verkaufende Fernseher, auf deren flimmernden Bildschirmen Nachrichten liefen, ein Sonderbericht, welcher meine sofortige Aufmerksamkeit auf sich zog.

„ … Wieder ein Anschlag ver├╝bt. Die sechs verst├╝mmelten Leichen wurden in der Gallerie Noir aufgefunden. Auf der Wache herrscht eine st├Ątige Unruhe. Die Gallerie wurde vorerst geschlossen. Niemand hat eine Ahnung, warum die Menschen so grausam sterben mussten. Die Ermittlungen laufen.“

Schon wieder wurden Menschen get├Âtet von irgendeinem Irren. Mir war nur nicht klar, warum der M├Ârder so unbedingt Aufmerksamkeit verlangte. W├Ąren es Vampire gewesen, h├Ątten sie ihre Morde in Perfektion ausgef├╝hrt und keine Spuren hinterlassen.

Nicht einmal f├╝r Nosferatu w├Ąre es typisch gewesen, Menschen so offensichtlich hinzurichten. Sie h├Ątten eher noch an ihnen geknabbert und sich etwas f├╝r sp├Ąter mitgenommen. Das Ganze sah keinesfalls nach einem Vampir aus, dennoch bereitete es mir ein unwohles Gef├╝hl und das verhie├č nichts Gutes.

Pl├Âtzlich klopfte es an der Fensterscheibe, ich erschrak, wurde aus meinen Gedanken gerissen und blickte vom Fernseher hinauf in ein bleiches, helles und makelloses Gesicht, dessen Augen ein wenig versperrt wurden durch die verwuschelten blonden Haare, die ihm sein L├Ącheln in nichts nachkommen lie├čen.

Ich erstarrte. Er war es. Der Vampir aus dem Elysium und aus dem Hotel, der uns mit seinem Freund gerettet hatte.

Witzig, wie er sein wollte, hauchte er sanft seinen Atem gegen die Scheibe, woraufhin nichts geschah. Uns Vampiren war es nicht m├Âglich zu atmen, da unser Mechanismus von einem einzigen Motor angetrieben wird - Blut. Ich erkannte seine Vorstellung als eine Art Beweis an, dass er es war und beschloss in das Gesch├Ąft zu gehen. Doch als er sah, dass ich mich in Bewegung setzte, ver├Ąnderte sich sein Gesicht und er verlie├č fluchtartig den Laden, um mich beinahe ├╝ber den Haufen zu rennen.

„Hey, nicht!“, rief er und seine Augen funkelten seltsam in der seichten Sonne, „Lauf nicht weg!“

Ich machte einen Schritt zur Seite und sah ihn skeptisch an. Ich h├Ątte ihn ├╝berall vermutet, nur nicht hier.

„Mache ich nicht. Ich wollte hereinkommen.“

„Na dann ist ja gut. Und wie geht’s dir, Sch├Ątzchen?“, fragte er in einem Ton, der mich rasend machte.

„Mir... geht es... gut.“, sagte ich langsam und meine Lippen hatten sich spitz nach vorn geschoben und meine Z├Ąhne waren aufeinandergepresst, weil ich es hasste, wenn man mich so nannte.

Eine Weile standen wir schweigend da, vermutlich, weil er gehofft hatte, ich w├╝rde ihn ebenso nach seinem Befinden fragen, doch das tat ich nicht.

Er blickte gen Himmel und sah mir dann wieder mit seinen funkelnden Augen ins Gesicht. Erst da begann ich zu verstehen, dass er gerade meinen Geruch aufgefasst hatte.

„Interessant.“, sagte er anscheinend zu sich selbst, als h├Ątte er sich von einer Sache ├╝berzeugt.

Neugierig und missmutig wich ich einen Schritt zur├╝ck.

„Wer bist du?“, fragte ich und mein Blick war nun unglaublich zornig.

Der Blonde lachte herzhaft und strich sich mit einer Hand beil├Ąufig durch die struppeligen Haare.

Er tat einfach so, als h├Ątte er meine Frage nicht geh├Ârt und tippte l├Ąssig mit einem Finger an die ihm mit dem R├╝cken zugewandte Fensterscheibe des Gesch├Ąfts.

„Fiese Geschichte, oder?“, fragte er, als w├╝rde er sinnlosen Smalltalk der Wahrheit vorziehen.

„Wer oder was bist du?“, sagte ich zwingender, doch wieder lachte der Blonde nur und sah kurz zum Himmel.

„Wei├čt du, ich w├╝rde gerne noch weiter plaudern. Aber ich muss leider etwas erledigen. Aber vielleicht setzen wir unser Gespr├Ąch heute Nacht fort, wenn du nicht ganz so zerbrechlich bist.“, sagte er und schaute immernoch gen Himmel.

Diese Arroganz lie├č meine Adern brodeln und er schien das zu sp├╝ren und daher zu provozieren.

„Wieso beantwortest du nicht einfach meine Frage?“, entgegnete ich daraufhin dr├Ąngend, doch darauf tat sich nur ein starker Wind auf und er war im n├Ąchsten Augenblick verschwunden.

Er besa├č doch tats├Ąchlich die Frechheit mich hier einfach stehen zu lassen! Zudem in aller ├ľffentlichkeit! Hatte er nicht Angst irgendjemandem h├Ątte etwas auffallen k├Ânnen?

W├╝tend und doch reserviert stand ich da und hoffte nur, dass niemand sein rasches Verschwinden bemerkt hatte, aber die schmale Gasse war zum Gl├╝ck leer. So leer wie mein Magen, der kr├Ąftig protestierte, weil er nach Nahrung bettelte.

So beschloss ich meinen Hunger und meine Wut mit etwas Deftigem herunter zu sp├╝len.

Kapitel 12 Ende.

Es war seltsam kalt als ich das Diner verlie├č, in dem ich mir jede Menge Pommes geg├Ânnt hatte.

Eine d├╝stere Brise trug eine braune Papiert├╝te voran und lie├č sie auf der beleuchteten Stra├če tanzen. Es war trotz der Laternen so dunkel als w├╝rde mit jeder Sekunde die Nacht n├Ąher r├╝cken. Es war als w├╝rde sich der Himmel auftun, um all die unschuldigen Seelen zu verschlingen und inmitten eines gewaltigen Unwetters in die H├Âhe zu zwingen.

Es wurde windig und mein mulmiges Gef├╝hl nahm zu.

In meiner Hosentasche stach die Brosche in mein Bein und erinnerte mich an den Besuch im Elysium, den ich Anette schuldete.

Meine F├╝├če bewegten sich schneller und tanzten beinahe zum d├╝steren Vampirclub und als ich direkt davorstand, war es geschehen – die Dunkelheit war eingekehrt und meine H├Ąnde hatten sich wiedermal innerhalb weniger Sekunden in gef├Ąhrliche Krallen verwandelt.

Mir war es immer noch unbegreiflich, wie einfach diese Verwandlung von statten ging, wenn ich daran dachte, wie schmerzlich und grausam die allererste Verwandlung zum Vampir gewesen war.

Aber dennoch war es wieder mal geschehen. Einfach so. Sobald die Dunkelheit eingetreten war, schien sich mein Mechanismus sofortig an die Nacht anpassen zu wollen und verwandelte mich in das m├Ąchtige Wesen, das geschaffen war, um zu t├Âten. Ich war nur froh, dass ich nicht wieder einen Kontrollverlust erlitten hatte und mich Kopfschmerzen plagten, nachdem ich letzendlich wieder ein vampir├Ąhnliches Wesen war.

Meine Krallenhand dr├╝ckte den T├╝rknauf herunter und ich betrat den Club. Schon beim Eintreten fiel mir ein intensiver, s├╝├člicher Duft auf. So scharf waren meine Sinne noch nie zuvor gewesen, da war ich mir sicher. Entweder hatten sie zwei Menschen aufgeschnitten und ihr Blut auf dem gesamten Boden verteilt, an dem sich nun wahrscheinlich zig durstige Vampire labten oder, und das war auch sehr unwahrscheinlich, ich kannte die beiden Wesen bereits, denn dann w├Ąre es mir einfacher, Ger├╝che sofort zu erkennen.

Seltsam war, dass ich nicht einsch├Ątzen konnte, ob es sich um menschliches oder vampirisches Blut handelte, dessen Duft sich in meiner Nase festgesetzt hatte. Ich konnte es bisher auch keinem Gesicht zuordnen.

Als ich um die Ecke bog, schien sich der Geruch noch zu verst├Ąrken, aber der Boden war nicht mit Blut getr├Ąnkt, wie ich es erwartet hatte.

Alles schien wie immer. Vielleicht etwas leerer noch als sonst, aber eigentlich sah alles aus wie immer. Doch ich wusste, etwas war anders. Anders f├╝r mich. Ich sp├╝rte es genau.

Erstarrt blieb ich stehen, um meinen Geruchssinn zu sch├Ąrfen und um dem Unbekannten auf die Schliche zu kommen.

„Du riechst es auch oder?“, fl├╝sterte pl├Âtzlich ein Vampir von der Seite, der mich aus meinen Gedanken riss.

„Die K├╝ken k├Ânnen's nicht riechen, nur ├Ąltere Vampire.“, sagte er und ich blickte mich nach ihm um.

Er war klein, hatte verfilste schwarze Haare und eine spitze Nase, die ihn beinahe arrogant aussehen lie├č. Nur sein Blick ├╝berzeugte von wirklicher Freundlichkeit. Er war vermutlich einer der wenigen Vampire, die sich auch in Vampirkleingruppen wohl f├╝hlte.

„Aber was ist es?“, fragte ich in normalem Ton.

Er trat n├Ąher an mein Ohr und begann erneut zu fl├╝stern: „Ein Vampirpaar. Zwei Sintflutliche. Sie waren hier und haben ein paar von uns gerissen, um ihre Macht zu demonstrieren. Seitdem herrscht hier ziemlich viel Trubel... oder ├Ąngstliches Schweigen, k├Ânnte man auch sagen.“

Ich war ratlos. Ich sah mich im Raum um. Nichts deutete auf einen Kampf hin. Hatte er mir die Wahrheit erz├Ąhlt? Nie zuvor hatte ich etwas von so todesm├╝den Vampiren geh├Ârt und sie waren ein Liebespaar? Das gab es auch nur ├Ąu├čerst selten in unserer Geschichte, aber anscheinend waren alle Reden davon mit einem Funken Wahrheit versehen, wenn es wirklich so geschehen war, wie er mir erz├Ąhlte.

Eigentlich unverst├Ąndlich sich mit einem anderen Vampir zusammen zu tun. Aber noch unverst├Ąndlicher war f├╝r mich etwas anderes.

„Sintflutliche?“, fragte ich und achtete dabei genau auf seine Reaktion.

Ein heftiges Leuchten funkelte f├╝r einen Moment in seinen Augen und er lachte tief in sich hinein, als w├╝sste er von einem Geheimnis und kein anderer.

Er ging ohne ein weiteres Wort zur Bar und wendete mir seinen R├╝cken zu. Er hatte nichts mehr zu sagen.

Verwirrt und frustriert fiel mein Blick auf den Lift. Ich w├╝rde Anette fragen, was hier vorgefallen war und woher dieser Geruch kam. Sie musste eine Antwort haben.

Eine seltsame Erleichterung ├╝berkam mich, als sich die T├╝ren des Lifts vor meinen Augen schlossen und ich ein wenig Einsamkeit hatte, um nachzudenken.

Wenn es so furchtbare Vampire in der Gegend momentan gab, die ihre Macht durch die Vernichtung der eigenen Rasse demonstrierten und dabei anscheinend nicht gehindert werden konnten, war es ganz und gar keine sichere Umgebung f├╝r Jason.

Erneut ├Âffnete sich der Lift und ich trat hinaus, ging einige Schritte den Gang entlang und kam schlie├člich an meinem Ziel an.

Anettes T├╝r stand weit offen, also trat ich ohne Bedenken ein.

Ein ├Ąchzendes Fauchen kam mir entgegen, als ich um die Ecke trat und Anette dort auf dem Boden lungern sah.

Etwas erschrocken wich ich zur├╝ck. „Anette?“, fragte ich etwas verwirrt.

Anette robbte auf dem Boden herum und schnappte sich eine Pistole, die einige Meter entfernt lag.

Als sie ihren Blick wieder auf mich richtete, war Schrecken in ihr Gesicht gemei├čelt, das sich auch nicht gro├čartig ver├Ąnderte, als sie mich erkannte.

„Anette, was ist denn los?“, ich sah hektisch auf die Pistole, die sie nun in beiden H├Ąnden hielt, zitternd.

Wieder fauchte sie, um mich auf Abstand zu halten.

„Sie... sie waren hier... sie waren hier im Club...“, brabbelte sie und ihre Augen waren aufgerissen, ihr Blick zeigte einen gewissen Wahnsinn, den ich noch nie bei ihr gesehen hatte.

Anette, die m├Ąchtigste Vampirin der Stadt, furchtlos, eher selbst furchteinfl├Â├čend, sa├č dort und sah mich an wie eine Fremde.

„Die... die Sintflutlichen?“, wiederholte ich die Worte des Vampirs von unten aus dem Club.

Erst nickte sie zaghaft, dann immer schneller.

„Wer sind sie?“, fragte ich ruhig, um endlich eine klare Antwort zu bekommen.

Anette schloss ihre Augen. Ein tiefes Knurren aus ihrer Kehle war zu h├Âren, das jedem Angst eingejagt h├Ątte. Reflexartig ging ich wieder einen Schritt zur├╝ck, aber die Neugier hielt mich bei ihr.

Als sie die Augen wieder ├Âffnete, war etwas Ruhe in ihren Blick gekehrt. Sie hatte immer noch panische Angst und sah mich mit einem nicht trauenden Ausdruck an.

Endlich legte sie die Pistole beiseite und begann zu erz├Ąhlen: „Die Sintflutlichen... sind Monster... sie halten sich f├╝r die m├Ąchtigsten Vampire der Welt... sie halten sich f├╝r m├Ąchtiger als ich es bin... und als sie kamen, sagten sie nur sie wollten die Stadt 'aufr├Ąumen', was auch immer sie damit meinten... Die Sintflutlichen sind ohne Zweifel st├Ąrker als ich es bin..., aber das gibt ihnen noch lange nicht das Recht in meiner Stadt so f├╝r Verw├╝stung zu sorgen!“

Es kam mir eher vor, dass sie mit sich selbst als mit mir redete, da sie meinem Blick weiterhin auswich.

Ich setzte mich behutsam zu ihr, um sie nicht weiter zu verschrecken, aber mittlerweile hatte Zorn ihre Panik eingeholt.

„Sind sie wirklich so stark?“, fragte ich und versuchte es so zu sagen, dass sie annahm, ich w├╝rde sie f├╝r die St├Ąrkste halten.

„Ja, leider... und deshalb denken sie, sie k├Ânnen tun und lassen, was sie wollen!“, sagte sie und trat mit ihrem Fu├č gegen die Pistole und schleuderte sie damit quer durch den Raum.

„Du hast noch nie etwas von den Sintflutlichen geh├Ârt, nicht wahr?“, endlich konnte sie mich wieder ansehen und ich begriff, dass ich nun meine Antwort bekommen sollte.

Nachdem ich meinen Kopf sch├╝ttelte, sprach sie: „Von ihnen gibt es nur sehr wenige auf der Welt. Es hei├čt, sie haben ihren Kuss durch die Vorsintflutlichen erhalten, welches die direkten Nachkommen der Kinder Kains waren. Und es hei├čt, wer einen Sintflutlichen t├Âtet, wird automatisch selbst zu einem. Teufel, was w├╝rde ich daf├╝r geben, auch nur einen von ihnen in St├╝cke zu rei├čen! Aber das ist leider so gut wie unm├Âglich. Amanda und William sind schon seit etlichen Jahrhunderten Sintflutliche. Sie haben Kr├Ąfte entwickelt, von denen selbst wir ├Ąlteren Vampire nur tr├Ąumen k├Ânnen. Sie haben so viel St├Ąrke und Beherrschung, dass sie ihre F├Ąhigkeiten perfektioniert haben. Als sie herkamen, hatten wir keine Chance sie aufzuhalten. Sie haben etliche meiner Kunden get├Âtet... einfach so... 'aufr├Ąumen' nennen sie es, als w├Ąren sie G├Âtter!... Und sie lagen schon einige Wochen auf der Lauer, haben Menschen get├Âtet, sodass sie Teil der Nachrichten wurden. Sie haben ihren Besuch angek├╝ndigt! Und trotzdem hat keiner es geahnt!“

Endlich ging mir ein Licht auf: „Die seltsamen Morde! Der gestrige Mord in der Gallerie!?“

Anette nickte zustimmend, dann ver├Ąnderte sich ihr Blick.

„Haben sie dein Anh├Ąngsel auch gerissen?“, fragte sie und sah links von mir und be├Ąugte den leeren Platz.

Sofort ├╝berkam mich eine Welle der Traurigkeit.

„Nein..., ich denke nicht. Jason ist vorerst in Downtown. Ihn hat es schwer erwischt beim Ausf├╝hren deines Auftrags.“, erkl├Ąrte ich.

„Kindchen, du h├Ąttest dich nicht mit deiner Mahlzeit verb├╝nden sollen...! H├Ątten die Sintflutlichen das geh├Ârt! Sie h├Ątten sich irgendeine Laterne gesucht, euch zusammen aufgespie├čt, gebraten und anschlie├čend gefressen!“, ich bemerkte ihr geh├Ąssiges Lachen, das darauf anspielte, das ihr die Vorstellung gefiel.

„Hey, du warst sein erster Kunde in der Blutbank. W├╝nscht man so etwas seinem Verk├Ąufer? Au├čerdem hat er sich gut geschlagen im Geisterhaus.“, wieder kicherte sie, doch ich versuchte sie zu ignorieren und holte die mitgenommene Brosche aus meiner Tasche.

„Verteidigst einen Menschen...“, sagte sie, schnappte sich die Brosche und sah sie eingehend an, „das werd ich nie verstehn! Trotzdem... gute Arbeit! Wenn er wieder zusammengeflickt ist, richte ihm aus, er bekommt meinen Schutz!“

Ich lie├č keine Sekunde vergehen, ehe ich die Brosche wieder gez├╝ckt hatte.

„Wie sollte das m├Âglich sein, jetzt, wo diese Sintflutlichen hier sind? Wie solltest du ihm Schutz bieten k├Ânnen?“, mein mulmiges Gef├╝hl im Magen kam zur├╝ck.

„Wie sollte ihm irgendwer Schutz vor diesen Bastarden bieten k├Ânnen?“, ihre Gesichtsz├╝ge wurden wieder zorniger. „Ich tue, was ich kann. Ich bin schlie├člich auch noch relativ am Leben.“, sie griff nach der Brosche, doch ich zuckte zur├╝ck.

„Nein. Jason muss da bleiben, wo er ist. Dort ist er jetzt am sichersten. Ich werde ihn umgehend dorthin zur├╝ckschicken, sollte er am Treffpunkt auftauchen. Aber f├╝r all die Zeit, die er in deiner Stadt verbringt, steht er unter deinem Schutz, egal, wann das sein wird.“, ich empfand dies als die vorerst sicherste Variante.

Anette be├Ąugte mich nochmals skeptisch, dann stimmte sie zu: „Gut. Wann immer dein Haustier in der Stadt ist, wird er unter vampirischen Schutz gestellt. Zufrieden?“

Ich nickte und ├╝bergab ihr die Brosche.

„Und, bitte tue uns allen den Gefallen – dusch dich, du stinkst so sehr nach Mensch als w├Ąrest du selbst einer!“, sagte sie geh├Ąssig, w├Ąhrend ich aufstand, um den Raum zu verlassen.

Ich l├Ąchelte, kehrte ihr den R├╝cken zu und verlie├č ihr Zimmer.

Kapitel 13 Ende.

Jetzt machte alles pl├Âtzlich viel mehr Sinn als zuvor. Die seltsamen Morde, bei denen ich immer ein eigenartiges Gef├╝hl hatte, gingen also wirklich auf das Konto von Vampiren.

Ein R├Ątsel war bereits gel├Âst, aber das weitaus wichtigste und fragw├╝rdigste R├Ątsel meiner selbst lag weiterhin im Dunkeln. Aber vielleicht konnte ich etwas ├╝ber mich selbst herausfinden, indem ich den beiden Tagwandlern, dem Blonden und seinem muskol├Âsen Freund, mal einen Besuch gestattete. Es war bereits tiefste Nacht, die mir eindeutig d├╝sterer als sonst vorkam, und es war damit die Hochsaison der Vampire. Irgendwo w├╝rden auch die beiden herumlungern, da war ich mir sicher. Au├čerdem ging der Blonde anscheinend sowieso davon aus, dass wir uns sehen w├╝rden. So etwas ├ähnliches hatte er n├Ąmlich gesagt, bevor er davongerauscht war.

Als erstes versuchte ich es im Elektronikladen, in dem ich den Blonden noch wenige Stunden zuvor getroffen hatte, doch nat├╝rlich war der Laden bereits geschlossen und er nirgens zu sehen.

Dann schleppte ich mich, unter schmerzlichen Erinnerungen an Jason, zur├╝ck zum Ocean House, in welchem ich ihn in Gefahr gebracht und ihn mit dem Taxi nach Downtown geschickt hatte und in welchem ich ihn bereits sehr bald erwartete oder zumindest in dessen N├Ąhe.

Ich sah mich vor dem Haus um und traute mich nicht hinein zu gehen. Zu ├Ąngstlich war ich, mich den vielen Geistern allein zu stellen.

Gelangweilt und etwas frustriert lehnte ich am Eingangstor und blickte in die Nacht. Ein frostiger Wind kam auf, dessen K├Ąlte ich nur erahnte und nicht sp├╝ren konnte. So seltsam war der Unterschied der Wahrnehmung als Mensch und als Vampir. Jetzt sp├╝rte ich wieder keinerler Schmerz oder Hunger oder M├╝digkeit.

Aus weiter Ferne h├Ârte ich pl├Âtzlich ein klingendes Ger├Ąusch. Es klang so als h├Ątte jemand eine Eisenstange auf die Stra├če geworfen. Ich stellte mir vor, wie ein Einbrecher eine T├╝r aufbrach, jegliches Hab und Gut des Bewohners in einen gro├čen Sack verstaute und beim Hinausgehen durch einen Nachbar bemerkt w├╝rde, sich mit seiner Eisenstange und dem Sack aus dem Staub machte und schlie├člich in seiner Hektik und Not die Eisenstange fallenlie├č.

So w├Ąre es damals wohl bei mir abgelaufen, als man in meine Wohnung eingebrochen war. H├Ątte ich denjenigen oder diejenigen dabei erwischt, h├Ątten sie schnellstens das Weite gesucht. Aber was h├Ątte es ihnen gen├╝tzt? W├Ąre ich in jenem Moment ein Vampir gewesen, h├Ątte ich keine Gnade walten lassen und sie ausgesaugt.

In dem Moment als ich wieder an das Aussaugen eines Menschen dachte, ├╝berrannte mich mein Durst. Es war schwierig immer darauf zu achten als Mensch genug zu essen und als Vampir genug zu trinken. Wiedermal hatte mich erst das enorme Bed├╝rfnis daran erinnert.

Meine Zunge wirbelte in meinem Mund umher und umstrich die spitzen Bei├čerchen. Zu lange hatten sie auf die Jagd verzichtet, nur wegen Jason. Ich hatte keinerlei Blutbeutel bei mir und mir war klar, dass ich es heute Nacht tun musste. Dass ich es heute Nacht tun konnte.

„Hallo Kleines!“, kam es urpl├Âtzlich von hinten und ich wirbelte herum, so in meinen Durst vertieft, dass ich fauchte, als ich erkannte, dass es zwei Vampire waren, die mir dort gegen├╝berstanden und kein durstl├Âschender Mensch.

Der Muskol├Âse lachte und hielt sich dabei die Hand vor den Mund. Der Blonde sah erst ein wenig erschrocken aus, dann lachte auch er.

Doch mir war nicht zum Lachen zu Mute.

„Ich muss trinken...“, fl├╝sterte ich beinahe stimmlos und die beiden anderen l├Ąchelten mich an.

Der Blonde trat n├Ąher und legte seinen Arm um mich und ging mit mir voran. „Jetzt musst du trinken und morgen wirst du wieder essen!“, sagte er und mich traf es wie ein Schlag!

Ich wollte stehen bleiben, ihm in die Augen schauen und nach Antworten suchen, aber der Durst trieb mich weiter. Vielleicht blieb nachher noch Zeit daf├╝r, zu fragen, woher er das wusste. Bis dahin versuchte ich sein Grinsen zu ignorieren und mich auf das Trinken zu konzentrieren.

Bald schon hatten wir eine bewohntere Gegend erreicht. Die Nacht zwang die Menschen dazu zu schlafen. Ihre Sinne waren im Schlaf so schlecht, dass selbst ein K├╝ken, also ein Frischvampir, eine ganze Familie umbringen k├Ânnte. Es war eigentlich nicht meine Art, in H├Ąuser einzubrechen, um dort zu jagen, aber mein Durst bat mich dringend und so mussten wir in ein Familienhaus einbrechen.

Der Blonde flitzte voraus, brauste durch die Garage und holte einen Ersatzschl├╝ssel. „Wir machen das heute mal ganz stilvoll. Wir wollen ja nicht, dass irgendjemand gleich Verdacht sch├Âpft.“

Der Muskul├Âse lachte und schlug mir freundschaftlich auf die Schulter: „Das haben wir damals nat├╝rlich nicht gemacht!“

Ich be├Ąugte ihn skeptisch, doch die T├╝r stand bereits offen und ich trat ein, ohne sie zu fragen, was sie damit meinten.

Wie dumm ich mir pl├Âtzlich vorkam. Ich ging auf die Jagd mit zwei Vampiren, die Jason und mich gerettet hatten, die im Tage gehen konnten wie ich, denen ich irgendwie vertraute und irgendwie auch nicht.

Mir war es schleierhaft, warum sie sich gemeinsam mit mir auf die Jagd begaben und weshalb sie so furchtbar nett zu mir waren, aber ich wollte alle Antworten erfahren. Sp├Ąter. Aber jetzt, jetzt war das Trinken das wichtigste f├╝r mich.

Wir schlichen durch die K├╝che und der Blonde war bereits verschwunden.

„Mach dir nichts draus, er will immer der Erste sein!“, fl├╝sterte der Muskul├Âse.

Ich nickte und ging voran. Als ich auf das Wohnzimmer stie├č und ich mit meiner Auspex-F├Ąhigkeit, die sich anscheinend automatisch eingestellt hatte, die Aura eines Menschen erkannte, welcher dort auf dem Sofa schlief, ├╝berrannte mich mein Jagdinstinkt beinahe. Es machte mir Angst, wie einfach und un├╝berlegt ich in wenigen Sekunden direkt neben ihm stand.

Meine Augen vergr├Â├čerten sich beim Anblick seines freiliegenden Halses, worunter die Halsschlagader nur so pulsierte. Mir kam es so vor, als w├╝rde sie sich immer schneller bewegen, als w├╝rde die Ader selbst zu mir gelangen wollen, um mir das s├╝├čliche, herrliche Blut zu trinken zu gew├Ąhren.

Langsam ├Âffnete sich mein Mund und meine Zunge spielte mit meinen Z├Ąhnchen. Ich war mir sicher, nie hatte ich so lange gebracht, um mich einem Opfer zu n├Ąhern und um ihn auszusaugen, ich z├Âgerte beinahe, nein, ich genoss jeden Augenblick!

Aber ich hatte es auch lange nicht mehr getan. Jason zuliebe hatte ich darauf verzichtet Menschen zu jagen. Und einem Teil in mir kam es noch immer nicht richtig vor, auch wenn Jason kilometer weit weg war.

Aber ich ├╝berlie├č mich nun ganz meinem Instinkt, n├Ąherte mich von hinten ans Sofa, packte mit der linken Klaue seinen Kopf und zeitgleich mit der Rechten seinen rechten Oberarm, ├Âffnete weit meinen Mund und biss zu.

Mein Mund zog sich zusammen und ich saugte kr├Ąftig und gierig das Blut in mich hinein. Herrlich! Wieso hatte ich darauf blo├č verzichtet? Ich vergass zu denken und saugte immer heftiger, der Mensch, der nichtmal wusste, wie ihm geschah, hatte keine M├Âglichkeit sich zu wehren. Er war wie gel├Ąhmt und zuckte nur einige Male – sinnlose Fluchtversuche, die ich mit Leichtigkeit unterbinden konnte.

Ich saugte noch kr├Ąftiger und verfiel meinem Rausch, bis sich pl├Âtzlich abrupt und ungewollt mein Mund von seinem Hals l├Âste und ich mich auf dem Boden wiederfand.

Der Blonde war ├╝ber mich gebeugt und starrte mich zornig an. Erst da verkleinerten sich meine Augen wieder und ich erkannte, dass ich beinahe einen gro├čen Fehler begangen hatte.

„Du h├Ąttest ihn beinahe get├Âtet!!“, fl├╝sterte er w├╝tend und umklammerte meine angespannten Krallen.

Meine Zunge fing die letzten ├ťberreste des Blutes von meinen Lippen auf und verhielt sich danach wieder still.

Hastig versuchte ich meine Arme wieder zu bekommen, doch der Blonde war st├Ąrker als ich annahm.

Als Vampir hatte man die Wahl, wie man ├╝berleben wollte. Die J├╝nglinge entscheiden sich meistens dazu, ihrem Instinkt zu folgen, weil das am einfachsten ist. Auch ich tat das in meiner Anfangszeit. Man saugt den Menschen das Blut komplett aus und t├Âtet sie damit.

Manche Vampire entscheiden sich sogar aufgrund dieser Grausamkeit komplett gegen die Aufnahme von menschlichem Blut, ern├Ąhren sich nur noch von Tieren oder Blutbeuteln.

Aber es gibt auch die M├Âglichkeit von Menschen zu trinken, ohne sie umzubringen. Diese Technik ist schwer zu erlernen, aber f├╝r ├Ąltere Vampire meist der intelligenteste Weg zu verhindern, dass die Existenz der Blutsauger bekannt wird. Und es war auch mein Weg gewesen. Aber es war h├Ąufig so schwer mit dem Trinken aufzuh├Âren, dass man wiedermal einen Menschen t├Âtete, ohne es zu wollen.

Und es schien, dass gerade jetzt, wo ich zwischen Menschsein und Vampirdasein switchte, der Schwierigkeitsgrad aufzuh├Âren, noch gewaltiger war.

Der Muskul├Âse packte mich und zerrte mich zur├╝ck nach drau├čen, wo der Blonde bereits wartete, weil er vorausgeflitzt war.

Als ich meine Arme wieder zur├╝ck hatte, hielt ich mir meinen Mund sofort zu. Die Schuldgef├╝hle begannen zu wirken und w├╝rgten das Blut wieder hoch.

Mit einer Mischung aus Verwirrung und Besorgtheit sahen mich die beiden Vampire an und wussten nicht, wie mir geschah.

Mein Befinden wechselte urpl├Âtzlich so stark, dass ich nicht mehr sagen konnte, ob ich stand, lag oder gar schwebte.

Das Blut in mir l├Âste einen eigenartigen Zustand aus. Es war nicht mit dem Blut der Seraphim zu vergleichen, aber kam dem Gef├╝hl ein wenig nahe. Der einzige Nachteil war, dass ich das Gef├╝hl hatte, ich w├╝rde schreien oder eine Stimme in mir w├╝rde das tun.

Mal hatte ich auch das Gef├╝hl ich w├╝rde mich ├╝bergeben, dann sah ich wieder f├╝r einige Sekunden die beiden Vampire vor mir stehen und mich ├Ąngstlich anblicken. Das war anders als die bisherigen Blackouts, die ich gehabt hatte, wenn ich kurz vor der Verwandlung stand.

Dann sah ich verschiedene Auren, sah wieder normal und auf einmal gar nichts mehr. Es war wie eine unendliche Fahrt mit einer d├╝steren Achterbahn. Mein flaues Gef├╝hl im Magen brachte mich beinahe um.

Mittlerweile war ich mir ganz sicher, dass das Gef├╝hl nicht zu vergleichen war mit dem Zustand, in den mich das Seraphimblut versetzt hatte. Es war wie ein Horrortrip, der nicht enden wollte.

Das Letzte, was ich h├Ârte und wor├╝ber ich nicht im Stande war, nachzudenken, waren die Worte des Muskul├Âsen: „Jetzt kann ich mir denken, warum Amanda so interessiert an ihr ist...“

Dann wurde alles schwarz vor meinen Augen, die ├ťbelkeit siegte ├╝ber meinen Verstand und mein Bewusstsein verschwand.

Kapitel 14 Ende.

Als ich erwachte, sp├╝rte ich eine gewisse Taubheit in meinen Armen und Beinen. Als ich endlich wieder in der Lage war, meine Augen zu ├Âffnen, fand ich mich liegend in einem Zimmer wieder, dessen Decke ich anstarrte und mir sehr bekannt vor kam.

Es war bereits Tag und ein kleines Licht flitzte an der Wand hin und her. Ein kleiner Kreis, der sich nicht entscheiden konnte, zu welcher Seite er wollte und mein Blick folgte ihm, wie der einer Katze.

Das ging eine ganze Weile so, bis das Licht pl├Âtzlich verschwand und ich mich gezwungen sah, aufzusehen.

Als ich meinen Kopf anheben wollte, bemerkte ich zum ersten Mal, dass eine Art Gurt meine Stirn an das Bett fesselte, in dem ich lag. Auch als ich meine Arme und Beine bewegen wollte, war dies nur in geringem Ma├če m├Âglich, da etliche Gurte meinen K├Ârper festhielten.

Mit einem leichten St├Âhnen demonstrierte ich mein Unbehagen und endlich machten sich Schritte auf zu mir.

Ein mir bekanntes Gesicht beugte sich ├╝ber meins. Der Blonde, der seinen Kopf mit einer tiefen Kapuze versteckt hielt, versuchte mich mit einem ruhigen Blick zu bes├Ąnftigen.

„Alles okay... du bist hier in Sicherheit.“, sagte er und in meinem Kopf wirbelte ein kleiner Gedanke umher, der sich nicht fangen lie├č.

Ich versuchte zu sprechen, doch war es mir aus irgendeinem Grund nicht m├Âglich, daher st├Âhnte ich wieder, um mein Unbehagen auszudr├╝cken.

Der Blonde ber├╝hrte mich mit seiner versteckten Krallenhand und blitzte mir etwas vergn├╝gt mit seinen Augen in meine.

Endlich lie├č sich der Gedanke in meinem Kopf einfangen!

Ich wusste nun endlich genau, wo wir waren: Wir waren in meiner alten Wohnung, die ich verlassen hatte, nachdem dort irgendjemand eingebrochen war, so demonstrativ, als h├Ątte derjenige gewollt, dass ich es erfahren sollte. Und ich wusste nun genau, wer dahinter steckte. Es waren dieselben Vampire, die Jason und mich vor den Geistern besch├╝tzen lie├čen. Es waren dieselben, die „interessiert“ an mir waren, aus welchem Grund auch immer. Es waren dieselben, vor denen sich Anette so f├╝rchtete.

Ich versuchte mich kr├Ąftigt zu r├Ąuspern, was mir erst nach einigen Sekunden richig gelang.

„Die... Sint...flut...lichen...“, brachte ich heraus und der Blonde l├Ąchelte zufrieden.

Er brauchte mir keine Antwort zu geben, ich wusste ganz sicher, dass ich Recht hatte. Er legte seine Krallenhand auf meinen Mund nieder und brachte mich mit einem „Scht.“ zum Schweigen.

Danach stand er auf und gesellte sich zum Muskul├Âsen in die Ecke, der dort an meinem Computer sa├č und anfing, etwas zu tippen, woraufhin wieder ein kleiner Lichtschein an der Wand auftauchte, um hin und her zu flitzen.

Es war anstrengend f├╝r mich, aber ich versuchte meinen Kopf so weit anzuheben, dass ich erkennen konnte, woher der Lichtschein kam, bis ich in meinem Augenwinkel erkannte, dass eine goldene, alte Uhr, sein Handgelenk zierte, die die Ursache daf├╝r war.

Als ich meinen Kopf wieder tief ins Kissen dr├╝ckte, dachte ich ├╝ber diese Uhr nach, die so gar nicht zu ihm passte. Sie war alt und schn├╝rte sich eng um sein breites Handgelenk, welches die Klauen des Todes hielten.

Ich h├Ârte ihn tippen und achtete auf die Unterhaltung der beiden.

„Willst du ihnen wirklich per Mail Bescheid geben? Du wei├čt, wie sehr Amanda diese neue Technologie verachtet...“, sagte der Blonde zum Muskul├Âsen, der kurz eine Pause beim Tippen einlegte.

„Leo, manchmal habe ich das Gef├╝hl, du m├Âchtest sie nicht zu ihnen bringen...“

Der Blonde namens Leo schwieg eine Weile, ehe er sagte: „Darum geht es nicht, obwohl es in mir schon etwas Unbehagen ausl├Âst. Ich meine h├Ąttest du die Wahl, noch einmal zu entscheiden, ob du dich ihnen anschlie├čen m├Âchtest, w├╝rdest du es tun?“

Der Muskul├Âse lachte kurz und hielt inne.

„Sag schon, was w├╝rdest du tun?“, fragte Leo erneut und diesmal kam eine einleuchtende Antwort zur├╝ck: „Ist es nicht d├╝mmer sich gegen sie zu stellen als sich ihnen anzuschlie├čen?“

Daraufhin herrschte Schweigen und das Tippen fing an Stelle der Unterhaltung wieder an.

„Leo...“, brachte ich beinahe tonlos heraus, doch er verstand und gesellte sich zu mir. Ich hatte erwartet, er w├╝rde in Windeseile bei mir sein, stattdessen brauchte er eine halbe Ewigkeit bis er bei mir war, obwohl ich wusste, er konnte sich bewegen wie ein Blitz.

Erneut strich er mit seiner Hand ├╝ber mein Gesicht und versuchte mich zu beruhigen.

„Wir m├╝ssen dir wohl nichts mehr erkl├Ąren, du bist von selbst darauf gekommen. Trotzdem m├Âchte ich dir alles sagen, was noch unklar ist und bis dahin m├╝ssen wir dich leider an dein Bett gefesselt lassen, obwohl das vermutlich ├╝berfl├╝ssig ist bei einem Menschlein wie dir.“

Nachdem er die Worte ausgesprochen hatte, erkannte ich das ungewohnte Ger├Ąusch in meiner Brust. Mein Herz schlug wie wild, es erkannte fr├╝her als ich in welcher aussichtslosen Lage ich mich befand.

Ich konnte mich auf keinen Fall befreien, so viel war sicher, daf├╝r war ich jetzt viel zu schwach. Sie hatten Recht, ich war nun ein Mensch und war ihnen damit v├Âllig ausgeliefert.

Dennoch gab es einige Fragen, die mich interessierten: „Warum...?“ war jedoch das einzige, das ich vorerst durch meinen tauben Mund sagen konnte und ich wartete gespannt auf eine Antwort.

Ich h├Ârte genau, wie der Muskul├Âse, dessen Namen ich noch immer nicht kannte, aufh├Ârte zu tippen, vermutlich, um Leos Antwort zu lauschen.

„Nunja, Nelly...“, beim Aussprechen meines Namens lief mir unweigerlich ein Schauer ├╝ber den R├╝cken, „wie du dir bereits gedacht hast, arbeiten wir f├╝r die Sintflutlichen Amanda und William. Sie sind die st├Ąrksten Vampire der Welt, die es in Jahrtausenden geschafft haben, sich Kr├Ąfte anzueignen, von denen wir nur tr├Ąumen k├Ânnen. Und wir sind nach Santa Monica gekommen, weil William einen ├Ąu├čerst ausgepr├Ągten Geruchssinn hat. Er hat deine F├Ąhrte im Umkreis von hunderten von Kilometern erschn├╝ffelt! Und etwas an deinem Duft schien ihn nicht mehr loszulassen. Er berichtete vorerst nur Amanda davon und zusammen beschlossen sie, sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Duft zu begeben. Sie waren bereits vor Wochen nur noch an dir interessiert, ja, ich glaube sogar sie f├╝rchteten sich vor dir! Warum auch immer. Sie setzten uns auf dich an, mehr ├╝ber dich und deine Gewohnheiten zu erfahren und wir erkannten, dass du dich tags├╝ber nicht versteckt hielst, wie alle anderen. Sondern, dass du im Sonnenlicht spaziertest, als w├Ąre es das Normalste der Welt f├╝r einen Vampir! Du trotzt der Gefahr einfach so und vermutlich ist es das, was den Sintflutlichen Angst bereitete. Sie befahlen uns, dich zu fangen und dich davon zu ├╝berzeugen, nunja, dass es f├╝r dich das Sicherste w├Ąre, ...“, doch Leo sprach nicht weiter, weshalb sein Freund das f├╝r ihn erledigte: „... dich ihnen anzuschlie├čen.“

Beim Gedanken daran, dass diese Sintflutlichen, diese legend├Ąren Vampire, nur an mir interessiert waren und deshalb solch einen Tumult veranstaltet hatten, verstand ich einfach nicht.

„Wenn du mich fragst, wollen sie nur herausfinden, wie du es schaffst, wieder zu einem Menschen zu werden. Und wenn sie diese Information haben, … na, wer wei├č, ob sie dich dann noch brauchen!“, Leo seufzte.

Noch einmal kurz wirbelte der Lichtschein der goldenen Uhr an der Wand umher und erinnerte mich damit daran, dass es bereits Tag war.

Ich ignorierte Leos Worte und versuchte hochzuschnellen, wurde jedoch schnell von den Gurten gebremst.

„Jason!“, gab mein Hals fl├╝sternd, aber eindeutig hervor.

Der Muskul├Âse stand von meinem Computer auf und stand nun direkt neben mir, auch sein Kopf war eingeh├╝llt in eine Kapuze.

„Der Mensch, der sonst immer mit dir zusammen ist?“, fragte er und ich wagte nicht zu antworten. Ich bef├╝rchtete, ihn damit in Gefahr zu bringen. Vielleicht aber wussten sie bereits, dass wir uns heute beim Ocean House treffen wollten und hatten ihn vor mir abgefangen.

Ich biss mir auf die Unterlippe und entschied zu schweigen.

„Wir wissen nicht, wo er sich befindet. Wir nahmen an, du h├Ąttest ihn weggeschickt, ihn in Sicherheit gebracht!?“, kam es von Leo, der mich mit seinem Blick durchbohrte.

Meine Augenbrauen zogen sich tief nach unten und mein Mund schob sich spitz zusammen. Wut tauchte in mir auf. Ich hatte keine Ahnung, wie sp├Ąt es war und ich hatte keine Ahnung, ob Jason ├╝berhaupt nochmal zur├╝ckkehren wollte, aber sollte dies der Fall sein – sollte er wirklich meinetwegen zur├╝ckkekommen sein! - wo w├╝rde er sich nun befinden, da ich nicht am Treffpunkt war? Er w├╝rde sich in st├Ąndiger Gefahr befinden, ohne es zu wissen! Ich war mir sicher, selbst wenn Leo und sein Freund seinen Namen nicht kannten, so w├╝rden sie ihn an seinem Geruch mit Sicherheit erkennen k├Ânnen. Und wenn dieser Sintflutliche namens William wirklich einen so starken Geruchssinn hatte, so w├Ąre es f├╝r ihn ein Leichtes, ihn zu fangen und ihn dann dazu zu benutzen, mich zu erpressen, mein Geheimnis des Menschseins preiszugeben!

Dabei wusste ich ja nicht einmal selbst, wie dies zustande gekommen war. Aber ob sie mir das glauben w├╝rden?

Das einzige, worauf ich hoffen konnte, war, dass Jason nicht so leichtsinnig sein wunderbares Leben aufgab, um zu mir und dieser Gefahr, die von mir ausging, zur├╝ckzukehren...

Und sollte es ihn doch hierher verschlagen haben, so konnte ich nur beten, dass Anette sich an die Abmachung hielt und ihn zumindest versuchte, zu besch├╝tzen...

Kapitel 15 Ende.

Mir kam die Welt furchtbar langsam vor, so an dieses Bett gefesselt. Ich hoffte nur, dass ich vielleicht die Chance bekommen k├Ânnte, zu fliehen, um Jason wieder nach Downtown bringen zu k├Ânnen. Um mich selbst davon zu ├╝berzeugen, dass es ihm gut ging.

Und irgendwann erkannte ich meine Chance. Ich t├╝ftelte jedoch viele weitere Minuten an meinem Plan, um auch ja keinen Fehler zu machen. Das schwierigste w├╝rde es sein, vor Leo davonzulaufen, welcher mich innerhalb weniger Sekunden einholen und festhalten w├╝rde. Und als Mensch war es mir unm├Âglich ihn daran zu hindern.

Zun├Ąchst jedoch musste ich versuchen mich aus den Gurten zu befreien. Ich hatte eigentlich keine Abneigung gegen die zwei Vampire, die hier auf mich aufpassten. Sie hatten mir nie ein Leid getan und sie hatten auch daf├╝r gesorgt, dass Jason am Leben blieb, was die Sintflutlichen sicher nicht von ihnen verlangt h├Ątten.

Dennoch. Sie w├╝rden mich nicht freiwillig gehen lassen und so musste ich meinen Plan in die Tat umsetzen.

Vorerst musste ich aber noch etwas anderes wissen. Mittlerweile hatte ich meine Stimme wiedergefunden: „Wie k├Ânnt ihr eigentlich jetzt hier sein? Ich meine so am Tag...“

Der Muskul├Âse lachte wieder statt mir eine Antwort zu geben, aber Leo versuchte zu erkl├Ąren: „Eigentlich k├Ânnen wir das nicht. Die Sintflutlichen, also Amanda und William, haben uns trainiert. Es hat Jahre gedauert diesen Zustand zu erlangen. Deshalb waren wir auch so erstaunt, dass du mit Leichtigkeit durch die Sonne gingst. Jedenfalls lernten wir von ihnen. Es hat viel mit K├Ârperkontrolle und Willensst├Ąrke zu tun. Wir verkleiden uns zudem, damit das Brennen auf der Haut nicht zu stark ist, aber es ist trotzdem schwierig. Die Kleidung bringt so gut wie gar nichts... Wenn die Wolken uns nicht sch├╝tzen, m├╝ssen wir in kurzer Zeit zur├╝ck in ein Geb├Ąude oder in die Kanalisation verschwinden. Aber f├╝r einige Minuten trotzen wir der Gefahr und lassen das Brennen ├╝ber uns ergehen. Ich habe es leichter als Kev – ich bin unfassbar schnell!“, er unterbrach seine Erkl├Ąrung durch ein kleines Schmunzeln, „Aber es ist dennoch beinahe unm├Âglich. Selbst Amanda und William k├Ânnen der Sonne nicht so trotzen wie du. Bei dem Versuch hat William vor einigen Jahren sogar einen Finger verloren. Wenn du ihm bald begegnest, dann achte da mal drauf. An seiner linken Hand der kleine Finger. Davon ist nur noch ein Stummel ├╝brig!“, er lachte belustigt und wurde schnell von Kev, dem Muskul├Âsen, unterbrochen: „Leo, ich glaube es reicht jetzt mit Erkl├Ąrungen...!“

Leo nickte zustimmend und wich von meinem Bett.

Also gab es eine Chance. Wer h├Ątte gedacht, dass ich als Mensch ihnen etwas voraus hatte?

Nur musste ich schnell sein und ich musste so bald wie m├Âglich handeln.

„Oh Gott... auch das noch...!“, kam es genervt von Kev, der mit den Augen rollte.

Leo lauschte einen Moment, dann seufzte auch er genervt. „Was Menschen daran so toll finden... ich kann es wirklich nicht verstehen.“, sagte er und hielt sich demonstrierend die Ohren zu, doch ich h├Ârte nichts. F├╝r mich war es v├Âllig still. Wenn nicht einer von ihnen wieder aufst├Âhnte oder etwas sagte, h├Ârte ich nichts.

Das einzige, das ich h├Ârte, und ich strengte mich so sehr an, war ein dumpfes Pochen, das aus meiner Brust kam.

Doch das Pochen wurde lauter und schlug pl├Âtzlich schneller. Schlug mein Herz jetzt anders? Oder war das ein anderes Ger├Ąusch?

Ich erkannte einen wiederkehrenden Rhythmus und dann verstand auch ich: Eine Parade.

Es konnte nicht perfekter sein! Eine Parade und sie schien diese Stra├če entlangzumarschieren.

„Das klingt furchtbar...“, kam es wieder von Kev, „Ich hasse das.“, doch er wirkte trotzdem gelassen.

Der Rhythmus wurde lauter.

Ich strampelte im Bett hin und her und erregte somit seine Aufmerksamkeit. Kev stand auf und trat zu mir.

„Gibt es irgendein Problem?“, fragte er und ich versuchte so gut zu schauspielern wie es nur ging.

Ich r├Ąusperte und sah verlegen zur Seite.

„Nunja...“, wieder ruckelte ich ein wenig. „Was ist denn los?“, fragte Leo nun, der in der Ecke sa├č und zu uns her├╝ber sah.

„Ich hab da so ein... menschliches Bed├╝rfnis.“, sagte ich resignierend und die beiden wechselten ├Ąngstliche Blicke untereinander.

Leo l├Ąchelte verf├╝hrerisch zu mir her├╝ber, woraufhin ich so bittend wie m├Âglich Kev ansah.

„Bitte, hilf du mir. Leo hat... keinen Anstand.“, gab ich von mir und Leo stand auf und wirkte etwas ersch├╝ttert.

„Ach, bitte!“, sagte er abweisend, „als w├╝rde ich...“, doch Kev unterbrach ihn und l├Ąchelte mir zu.

„Ist schon gut. Ich ├╝bernehme das.“, sagte er und ich versuchte zufrieden zu gucken, aber dennoch nicht preiszugeben, wie zufrieden ich wirklich war, dass er und nicht Leo mich zur Toilette begleitete, um nicht auff├Ąllig zu wirken.

Kev schnallte zuerst den Gurt von meinem Kopf, der mir schon ein wenig Kopfschmerzen bereitet hatte. Danach l├Âste er die Gurte von meiner Brust, meinem Bauch und meinen Beinen. Zum Schluss die zu meinen F├╝├čen. Endlich konnte ich mich wieder bewegen.

Erleichtert streckte ich meine Glieder und setzte mich langsam auf.

„Ich werde mit ins Bad kommen m├╝ssen.“, warnte Kev mich und half mir hoch. Meine Beine waren eingeschlafen und kribbelten furchtbar, als ich aufstand.

Ich ging einige Schritte durch den Raum, ehe ich meine F├╝├če wieder richtig sp├╝rte. Dann ging ich voran und versuchte mich an meinen Plan zu halten.

Als Kev mir in mein kleines Bad folgte, schloss ich hinter uns die T├╝r.

„Er guckt schon nicht!“, lachte der Muskul├Âse, der beinahe den gesamten Raum einnahm.

„Na, wer wei├č...“, sagte ich und ging die letzten Meter zur Toilette. Ich ├Âffnete meine Hose, doch drehte mich erneut zu Kev um.

Ich starrte ihn eine Weile an, ehe er verstand und mir den R├╝cken zuwendete. „Jaja, ist ja schon gut.“, meinte er und kicherte.

Jetzt musste alles sehr schnell gehen.

Langsam ging ich an der Toilette vorbei zum kleinen Fenster und versuchte es tonlos zu ├Âffnen. Dabei konzentrierte ich mich darauf, mein Herz zu beruhigen, sodass es mich und mein Vorhaben nicht verriet.

Drau├čen kam die Parade immer n├Ąher und daher wusste ich, dass ich schnell sein musste, denn die Parade w├╝rde deutlich lauter in seine Ohren dringen, sobald ich das Fenster ge├Âffnet hatte.

Mit einem Ruck riss ich das Fenster auf, drehte mich so schnell ich konnte herum, schnappte die Innenseite des Badezimmerschrankes, welches ein Spiegel war und blendete damit Kev, der sich gerade nach dem Ger├Ąusch umgedreht hatte.

Er st├Âhnte auf, als das Sonnenlicht ihn direkt blendete und ich versuchte keine Zeit zu verlieren, ehe Leo darauf aufmerksam wurde, sprang so schnell ich konnte auf den heruntergeklappten Toilettendeckel und hechtete aus dem Fenster.

Als ich unten landete, ich war mir sicher, ich hatte mir irgendetwas gebrochen, weil ich gerade aus dem 2. Stock gesprungen war, wurden schnell Leute der Parade auf mich aufmerksam und eilten herbei, um mir zu helfen. Ich h├Ârte ein lautes „Schei├če!“ aus dem kleinen Fenster und sah Leo, der im Bad zu mir herunterschaute.

Unter Schmerzen gab ich ein kleines L├Ącheln preis, ihnen entkommen zu sein. Dann verschwand sein Gesicht.

Eine ├Ąltere Dame und ein junger Mann k├╝mmerten sich um mich und versuchten mir aufzuhelfen, aber ich konnte nicht aufstehen.

Mir war, als h├Ârte ich beim Versuch mein Gewicht zu halten, mein Bein entzweibrechen. Da schrie ich einmal kurz auf und brach wieder zusammen. Der junge Mann rief einen Sanit├Ąter herbei, der zur Sicherheit in der Parade mitgelaufen war.

Es tummelten sich bald so viele Menschen um mich herum, die aus der Nachbarschaft sich der Parade angeschlossen hatten oder ihr angeh├Ârten, dass es f├╝r Leo und Kev unm├Âglich war, mich aus dieser Menschenmenge zu entf├╝hren.

Ich hatte es tats├Ąchlich geschafft! Und das als Mensch!

Selbst wenn sie mir nun folgen sollten, wusste ich, dass es bei der Hitze, die aufgekommen war, ihnen sehr schwer fallen w├╝rde. Die Sonne stand hoch ├╝ber uns und war mit den vielen Menschen um mich das einzige, das mir Schutz gab.

Es dauerte nicht lang, da kam ein Krankenwagen herbei, um mich ins Krankenhaus zu bringen.

So weit jedoch hatte ich meinen Plan ausgefeilt. Ich w├╝rde angeben, ich sei eine Austauschsch├╝lerin und h├Ątte meinen Ausweis nicht dabei. Ich w├╝rde irgendeine Adresse angeben oder so tun, als w├╝rde ich nicht genau ihre Sprache verstehen, weil ich nat├╝rlich nicht meinen richtigen Namen angeben konnte, weil ich f├╝r sie vor mehr als sieben Jahren gestorben war.

Danach w├╝rde ich mich so schnell wie m├Âglich aus dem Staub machen, um Jason zu finden.

Ich konnte es schaffen! Wartet's nur ab, Amanda und William, ihr Sintflutlichen, ihr habt keine Ahnung, wozu ich f├Ąhig bin!

Kapitel 16 Ende.

Jason Nicholas Barefield

 

Als ich erwachte, fand ich mich in einem wei├čen, sterilen Raum vor. Ich hasste Krankenh├Ąuser! Schon immer. Mir kam die Welt furchtbar langsam vor, so an dieses Bett gefesselt. Aber was noch viel schlimmer war als in diesem wei├čen, h├Ąsslichen, stinkenden Raum und an einem Tropf gebunden zu sein, war die Tatsache, dass ich allein war.

Ich wusste, w├Ąre sie bei mir geblieben, w├╝rde sie jetzt neben meinem Bett wachen. H├Ątte sie bei mir bleiben wollen, h├Ątte sie es getan.

Aber sie war fort. Nicht bei mir. Das war das erste, was mir auffiel.

Ich sah aus dem Fenster und der Sonnenschein trieb Verachtung in mich hinein. Ich hoffte auf die Dunkelheit. Ich hoffte auf Nelly.

Wie viel Zeit wohl vergangen war? Meine Uhr hatte man mir abgenommen und ich trug eine Art leichtes, gr├╝nes Tuch, das Patienten wohl gezwungen waren zu tragen.

Zu meiner Rechten erkannte ich einen Nachttischschrank, auf der meine Brille lag, die ich mir wieder auf die Nase setzte, doch als ich mich erheben und die kleine Schublade ├Âffnen wollte, die mich so verlockend ansah, tat die T├╝r sich auf und eine Krankenschwester strahlte mir entgegen. Sie hatte blonde, lange Locken und einen kleinen, spitzen Mund. Ihre blauen Augen erinnerten mich an das Fr├Ąulein, das ich im Vampirclub kennengelernt hatte und dessen Schwester Nelly wohl zum Opfer vorgefallen war.

Der Gedanke an Nelly lie├č sich so leicht nicht absch├╝tteln. Die Schwester nahm meine Akte und schlug ein Blatt um.

„Hallo, Jake. Ich bin Natalie. Dr. Runks wird sicher bald hier sein, um Ihnen mehr zu ihrem Befinden sagen zu k├Ânnen. Haben Sie gut geschlafen? Sie hatten hohes Fieber... so viel darf ich zumindest schonmal sagen.“, sie l├Ąchelte und legte die Akte beiseite.

Ich verstand nicht, warum sie mich Jake nannte. Ich war mir sicher, dass mein Name Jason lautete, aber ich versuchte nicht, sie zu verbessern und beantwortete aus H├Âflichkeit ihre Frage: „Ich hab ganz gut geschlafen... etwas gew├Âhnungsbed├╝rftig diese gr├╝nen Hemdchen, aber es ging wohl...“

Die Schwester kicherte und trat n├Ąher.

„Aber Ihnen steht sie doch“, sagte sie und ich bemerkte, dass sie wohl versuchte mit mir zu flirten, doch ich ging nicht darauf ein.

Als sie dies bemerkte, lag ein Hauch der Entt├Ąuschung in ihrem Gesicht und sie nahm beil├Ąufig meine Akte wieder in die Hand.

„Tja, die gr├╝ne Patientenkleidung ist nicht Jedermanns Sache...“, sie zog die Schultern kurzzeitig nach oben, „Im kleinen Schr├Ąnkchen neben sich finden Sie ihre Privatsachen.“, erneut l├Ąchelte sie kurz, gab es jedoch auf sich mit mir gut zu stellen und verschwand schlie├člich aus dem Zimmer.

Als sie endlich gegangen war, richtete ich mich endlich auf und bemerkte, dass meine Beine eingeschlafen waren. Ich wollte sofort meine privaten Sachen ├╝berpr├╝fen, doch in der Angst, dass alles, was ich bisher erlebt hatte, m├Âglicherweise nur ein Traum gewesen war und meine kribbelnden Beine ├╝berzeugten mich vorerst davon, dass ich mich etwas bewegen sollte.

Ich stand auf und ging eine Weile hin und her, konnte mich jedoch nicht zu weit entfernen, da ich noch am Tropf hing.

Endlich sp├╝rte ich meine Beine wieder und lie├č mich erneut auf mein Bett nieder.

Ich dachte dar├╝ber nach, was alles passiert war. Es war so absurd. Zu absurd, um wahr zu sein.

Vampire? Was hatte ich mir dabei gedacht? Es gab keine Vampire. Und es gab auch nicht jene Halbvampirin, die mich zu besch├╝tzen versucht hatte. Es gab sie nicht. Sie existierte nur in meinen Tr├Ąumen.

Ihre schulterlangen, dunkel violetten Haare und ihren vollen, herzlichen Mund hatte ich mir eingebildet.

Ich hatte wohl einige Zeit im Koma gelegen und mir in meinen Tr├Ąumen die wildesten Abenteuer ├╝berlegt. Ich lachte dar├╝ber, wie absurd es war, davon auszugehen, dass es vielleicht doch keine Tr├Ąume waren, dass ich wirklich in einem Haus voller Geister gewesen war oder, dass ich einen Pakt mit einer Vampirin eingegangen war, die einen Club voller Vampire leitete.

Das kleine Nachttischschr├Ąnkchen zog erneut meinen Blick auf sich.

Aber was, wenn es doch wahr war?

Meine Hand bewegte sich wie automatisch auf die Schublade zu und ├Âffnete sie.

Ich erinnerte mich pl├Âtzlich daran, dass ich dort eine Brosche finden m├╝sste. Sie w├Ąre das einzige Indiz darauf, dass jene Tr├Ąume die Wirklichkeit waren. Als ich die Schublade einen Spalt ge├Âffnet hatte, starrte mir jedoch nur mein Haust├╝rschl├╝ssel entgegen.

Nicht einmal meine Brieftasche war hier! Hatte ich sie irgendwo vergessen? Oder hatte meine sorgsame Mutter sie an sich genommen, um mein Passbild immer bei sich zu haben, w├Ąhrend ich, ihr einziger Sohn, im Koma lag?

Ich ├Ąrgerte mich dar├╝ber, dass ich so wenig ├╝ber mich und mein letztes Ereignis zu wissen schien. Das einzige, an das ich mich erinnerte, waren die gemeinsamen Erlebnisse mit Nelly.

Die T├╝r ging ein weiteres Mal auf. „Guten Tag, ├Ąhm, ich bin Dr. Runks... wie f├╝hlen Sie sich, Jake- ?“, der Arzt sah mich an und machte eine Handbewegung, ich solle weiterreden. Aber ich wusste es nicht. Ich wusste nicht, wie mein Name lauten sollte, wenn nicht Jason Nicholas Barefield.

Also antwortete ich: „Mir geht es... besser. Danke!“

Dr. Runks be├Ąugte mich misstrauisch, schaute dann in meine Akte hinein und l├Ąchelte pl├Âtzlich.

„Nunja, wenn Sie sich dementsprechend f├╝hlen, k├Ânnen Sie bereits morgen die Klinik verlassen. Sie hatten 40┬░ Fieber und ein paar Platzwunden, die wir gen├Ąht haben. Jetzt sollten Sie sich noch etwas ausruhen und morgen kl├Ąren wir dann die Formalit├Ąten.“, er schlug meine Akte wieder zu, „Gut, dann bel├Ąstige ich Sie nicht l├Ąnger... achja, ehe ich es vergesse!“, er grinste unentwegt, „Haben Sie den Zettel schon gefunden? Das war mit das einzige, das wir gefunden haben... man, Sie sind ein Gl├╝ckspilz, wenn ich richtig rate! Und keine Sorge, wir behandeln so etwas mit h├Âchster Integrit├Ąt! Aber heute ist bereits der dritte Tag, also m├╝ssen Sie ihr ein andernmal das Vergn├╝gen bereiten!“, mir unverst├Ąndlicherweise zwinkerte er mir zu und lie├č mich schlie├člich allein zur├╝ck.

Ein Zettel?

Ich zog hektisch die Schublade ein St├╝ck weiter auf, riss sie beinahe heraus und fummelte mit einer Hand darin herum. Dann endlich fand ich ein kleines St├╝ck Papier, auf dem geschrieben stand: „ Triff mich in 3 Tagen bei unserem liebsten Hotel! Deine dunkle Freundin“

Da war er! Der Beweis! Ich war Jason Nicholas Barefield und ich hatte eine dunkle Freundin namens Nelly!

Jetzt war ich mir ganz sicher! Nelly, die Vampirin oder Halbvampirin, existierte! Und sie wartete auf mich... vielleicht bereits jetzt!

Ich musste mich also beeilen.

Ich hoffte nur, dass ich vielleicht die Chance bekommen k├Ânnte, zu fliehen, um zum Hotel zur├╝ckkehren zu k├Ânnen, um bei Nelly sein zu k├Ânnen.

Um mich selbst davon zu ├╝berzeugen, dass es ihr gut ging.

Und irgendwann erkannte ich meine Chance. Ich t├╝ftelte jedoch viele weitere Minuten an meinem Plan, um auch ja keinen Fehler zu machen. Das schwierigste w├╝rde es sein, vor Schwester Natalie davon zu laufen, von der ich glaubte, sie w├╝rde trotz Entt├Ąuschung noch immer Gefallen an mir haben und mich deshalb genau im Auge behielt.

Und als Mensch war es mir unm├Âglich sie daran zu hindern.

W├Ąre jedoch Nelly hier, h├Ątte sie mich jederzeit befreien k├Ânnen. Aber sie war aus irgendeinem Grund nicht hier, sondern erwartete mich bereits im Ocean House.

Also machte ich so schnell ich konnte.

Zun├Ąchst einmal m├╝sste ich mich daran machen, diese Kleidung gegen Allt├Ąglichere zu ersetzen, sodass ich nicht auffallen w├╝rde, sobald ich das Geb├Ąude verlie├č.

Doch in dem Moment, als ich versuchte mich vom Tropf zu l├Âsen, um endlich von diesem Ort zu verschwinden, passierte etwas, womit ich nie gerechnet h├Ątte. Ein drittes Mal sprang die T├╝r auf und ein mir bekanntes und mittlerweile verhasstes Gesicht strahlte mir entgegen, mit einer Pistole und einem Grinsen bewaffnet, zielte er auf meine Beine und schoss drauf los. Zu meinem Gl├╝ck schoss er daran vorbei ins Bett, doch das leise Puffen der schallged├Ąmpften Pistole war f├╝r die anderen Im Krankenhaus leider ungeh├Ârt.

Der Schock sa├č tief, denn nie h├Ątte ich hier mit ihm gerechnet!

„Ich wusste doch fr├╝her oder sp├Ąter w├╝rde ich dich in Downtown finden!“, rief er und schlug die T├╝r hinter sich zu.

Jetzt war ich dem Kahlkopf v├Âllig ausgeliefert.

Unachtsam riss ich mir den Kateter aus der Hand und stolperte r├╝ckw├Ąrts.

„Dean, nimm die Waffe herunter, ich bitte dich...“, ich bem├╝hte mich ruhig zu bleiben, aber was er wollte, war, dass ich mich vor Angst kaum winden konnte und den Gefallen konnte ich ihm leider zu gut erf├╝llen.

Etwas an ihm war anders. Er war schon immer rachs├╝chtig gewesen und bei Leibe auch zornig, ja, aber so grausam fr├Âhlich an diesem Tun, das h├Ątte ich ihm nicht so leicht zugetraut. Er h├Ątte lieber jemand anderen vorgeschickt, um mich zu holen. Dass er es selbst tat, mit der Waffe in der eigenen Hand (auch wenn er einen Hang dazu hatte, seine Macht zu demonstrieren), das war ├Ąu├čerst merkw├╝rdig und auff├Ąllig.

„F├Ąllt dir eine Ver├Ąnderung an mir auf?“, fragte Dean, der Verr├Ąter, beinahe stolz. Aber bis auf, dass er in unz├Ąhlig viel Kleidung eingeh├╝llt war, fiel mir nichts an ihm auf. Ich wusste trotz Kapuze, dass er noch immer einen kahlen Kopf hatte, in dem nicht viel Intelligenz wohnte.

Nachdem ich verzweifelt nach Ver├Ąnderung gesucht hatte, aber nichts fand, entschied ich mich sachte den Kopf zu sch├╝tteln, um ihm dies mitzuteilen.

Da er so ein Hitzkopf war, wusste ich, dass jede Entt├Ąuschung ihn vielleicht dazu brachte, mir mit der Pistole den Sch├Ądel zu spalten.

Aber stattdessen lachte er vergn├╝gt ├╝ber mein Unwissen und sprach geheimnisvoll: „Du wirst nie erraten, was passiert ist! Aber du wirst es noch erkennen... Wichtig ist vorerst nur, dass ich den Auftrag habe, dich mitzunehmen! Also pack deine Sachen, du Mensch, wir geh'n!“

Kapitel 17 Ende.

Mia Janies

 

Hey, woher sollte ich wissen, dass Rob mit solchen Freaks abhing? Er war eigentlich nicht der Typ f├╝r dauerschwarze Kleidung, d├╝stere Musik und umgedrehte Kreuze!

Ich gebe zu, dass ihn ein gewisses Charma umgab und dass ich auch Satansanbetung f├╝r ihn bewilligt h├Ątte, aber nie h├Ątte ich mir tr├Ąumen lassen, was dort am Meer auf mich wartete...

Als ich die ersten Schritte durch den Sand auf ihn zustapfte, war er wie ver├Ąndert. Er sah mich mit einem Gesichtsausdruck an, den ich nicht einordnen konnte. Er sah irgendwie entt├Ąuscht von mir aus – dabei wollte ich doch alles tun, um bei ihm zu bleiben!

Ich versuchte es locker zu sehen und unterhielt mich deswegen mit den anderen schwarzgekleideten und dunkel geschminkten Gestalten. Manche waren h├Âflich zu mir, aber die meisten billigten mich nicht, das wusste ich. Vermutlich weil ich nicht wie sie war und wenn ich ehrlich war, auch nie sein wollte. Rob schlenderte zum Wasser. Ich beobachtete, dass er eine breite, halbleere Flasche in der Hand trug und nahm an, er w├Ąre betrunken.

Als ich ihm folgen wollte, um mich nach seinem Befinden zu erkundigen, hielt mich eine kleine Blondine an meiner Schulter zur├╝ck.

Sie lachte mich an, beinahe h├Ątte ich gedacht sie lachte mich aus, so sch├Ân wie sie war. Sie hatte zu beiden Seiten ihre glatten, blonden Haare zu Z├Âpfen gebunden, die ihr an den Schultern hinabhingen.

Sie sah aus wie eine Art d├╝sterer Cheerleader. Sie war die einzige, die sich nicht in langen, d├╝steren Kleidern herumtrieb, sondern die, wie ich, einen roten Minirock bevorzugte.

Doch ehe ich sie fragen konnte, warum sie mich davon abhalten wollte, zu meinem Freund zu gehen, h├Ârte ich einen tiefen, ├Ąngstlichen und weinerlichen Schrei hinter mir.

Das M├Ądchen mit den blonden Z├Âpfen und ich drehten uns zum Ger├Ąusch herum, doch unsere Reaktionen waren nicht dieselben.

Beim Anblick, der sich mir bot, schlug ich sofort vor Schreck meine Hand vor den Mund und meine Augen riss ich auf, obwohl sie nicht weiter diese Grausamkeit mitansehen wollten.

Das blonde M├Ądchen hingegen riss die Augen genauso weit auf wie ich, doch in ihren lag ein Glitzern, das besonders betont wurde durch ihr breites Grinsen.

Lange konnte ich sie jedoch nicht ansehen, weil das M├Ądchen, das ungef├Ąhr in meinem Alter war, und dort zu meinen F├╝├čen lag, zu gro├če Schmerzen hatte. Sie schrie immer und immer wieder, doch der Mann mit der schwarzen Robe lie├č sie nicht entkommen und krallte sich immer mehr an ihr fest, das Blut rann ihren Hals entlang und ich stolperte r├╝ckw├Ąrts. Warum biss er ihr in den Hals? War das hier ein schlechter Scherz?

Pl├Âtzlich f├╝hlte sich der Strandausflug mit Robs Freunden an wie eine Folterkammer. ├ťberall ringsum wurden M├Ądchen in meinem Alter zu Boden geworfen und gebissen. Nur ich stand da und sah es mitan, hilflos.

Es gab nur einen Ort, an dem ich mich sicher f├╝hlte und so rannte ich auf das Meer zu, der Strandsand zu meinen F├╝├čen wirbelte durch die Luft und lie├č das lachende, blonde M├Ądchen mit den Z├Âpfen zur├╝ck.

Ich lief schneller und machte erst Halt, als ich direkt neben Rob war, dort lie├č ich mich fallen und begann zu weinen.

Zum ersten Mal sah ich wieder einen anderen Ausdruck in seinem Gesicht. Ich erkannte die Entt├Ąuschung in seinen Augen, aber es war eigene Entt├Ąuschung. Er war aus irgendeinem Grund von sich selbst entt├Ąuscht.

Wieder nahm ich an, er w├Ąre einfach zu betrunken, um mich zu verstehen, nie h├Ątte ich geahnt, dass er so viel trinken konnte, wie er wollte und dass ihm dies nichts ausmachen konnte.

„Rob!“, kr├Ąchzte ich und weinte unaufh├Ârlich. Der Schrecken sa├č noch zu tief.

Doch Rob h├Ârte mich nicht, sah starr geraus aufs Meer, nahm mich nicht in den Arm, sondern lie├č mich neben ihm bitterlich zu Grunde gehen.

Nach vielen einsamen Minuten des Schluchzens folgte endlich eine Ber├╝hrung, f├╝r die ich so dankbar war. Er rieb mir mit seiner ungewohnt harten Hand ├╝ber den R├╝cken und fl├╝sterte mir zu, ich solle aufh├Âren zu weinen.

Dann drehte er sich endlich zu mir, als w├╝rde er endlich auf meinen Kummer eingehen wollen. „Mia, gleich ist es vorbei...“, sagte er und es war das Letzte, an das ich mich erinnerte, bevor ich in seine dunkelroten Augen blickte, die so r├Âtlich und t├Âdlich wie das Blut des M├Ądchens waren.

Noch ehe ich alles verstand, klammerte Rob sich an mich, saugte kr├Ąftig an meinem Mund und ├╝bergab mir damit den Fluch... Von da an war ich Nelly.

Kapitel 18 Ende.

Es dauerte nicht lange, da hatte ich raus, wie ich den Leuten aus dem Krankenhaus entkommen konnte.

Schlie├člich lag es nun an mir. Ich musste so schnell wie es ging zum Ocean House gelangen. Auch wenn der Ort sicherlich nicht der Sch├Ânste oder der Sicherste war, so empfand ich doch viel beim Gedanken an das Geisterhaus. Ich empfand viel beim Gedanken an Jason.

Ich kannte ihn eigentlich zu wenig, um ihn so vermissen zu d├╝rfen. Vielleicht lag es an meiner zur├╝ckkgekehrten Menschlichkeit, die mich tags├╝ber einholte, aber ich konnte den Gedanken nicht ertragen, ihn nicht bei mir zu haben.

Als ich aus dem Fenster entwischt war, unter Schmerzen meines gebrochenem und zum Gl├╝ck noch nicht eingegipsten Beines, machte ich mich daran mich im Schutze des Sonnenlichts zum Treffpunkt zu begeben.

Es dauerte unwahrscheinlich lange, bis ich dort eintraf. Zu hinderlich war es, nicht auf meine ungehaltenen Sinne vertrauen zu k├Ânnen.

Doch als ich endlich dort ankam - und ich war mir beinahe sicher, dass mir niemand gefolgt war – sackte ich am Eingangstor zusammen und versuchte meine Gedanken zu ordnen.

Er war noch nicht hier, falls er ├╝berhaupt kommen w├╝rde.

Etwas in mir widerstrebte der M├Âglichkeit, dass es ihn nicht hierher verschlagen wollte, auch wenn es f├╝r ihn das Sicherste w├Ąre, nicht der Gefahr der Sintflutlichen ausgesetzt zu sein.

Jede Sekunde seiner Abwesenheit sp├╝rte ich die Sterblichkeit in mir deutlicher. Es war beinahe so, als k├Ânne ich dem Verfall meines K├Ârpers zusehen. Das war ein grauenhaftes und doch nat├╝rliches Gef├╝hl.

In manchen Momenten w├╝nschte ich mir, es k├Ânnte immer so sein. Ich k├Ânnte immer ein Mensch bleiben. Sollte die Sonne niemals untergehen. Ich k├Ânnte bei Jason sein, ohne Angst haben zu m├╝ssen, ihn zu verletzen...

Aber auf der anderen Seite hatte ich es verlernt ein Mensch zu sein. Und ohne Jasons Hilfe war es mir m├╝hsam, mich in dieses nicht vertraute Leben zur├╝ck zu finden.

Au├čerdem hatte ich die Jagd mit Leo und Kev wirklich genossen. Ich genoss das st├Ątige Gef├╝hl der ├ťberlegenheit und nutzte gerne meine ├╝bersinnlichen Sinne. Mal davon abgesehen, dass es nat├╝rlich kein gutes Erlebnis war, dass ich den Mann im Familienhaus beinahe get├Âtet hatte. Das w├╝rde jedoch nicht wieder vorkommen, sollte ich mich daf├╝r entscheiden ein Vampir sein zu wollen. Das, was ich sieben Jahre lang hart lernen musste. Das, was ich als meine unendliche Zukunft gesehen hatte.

Ich dachte deshalb ├╝ber eine Entscheidung nach, weil ich nicht wusste, ob es nicht vielleicht besser war, wenn ich einfach blo├č wieder ein Vampir w├Ąre. Ich k├Ânnte mich bei├čen lassen und es w├Ąre vorbei mit dem menschlichen Teil in mir, oder? Aber wollte ich das wirklich?

Und war es wirklich eine so schreckliche Vorstellung sich diesen Sintflutlichen anzuschlie├čen? Wenn sie dies von Jason fernhielt, ging ich das Opfer dann ein? W├╝rde es mir vielleicht sogar gefallen an der Seite der st├Ąrksten Vampire, die es hier zuweilen gab, zu k├Ąmpfen? Aber m├Âglicherweise lag ihr „Interesse“ an mir auch nur in der Erforschung meiner Einzigartigkeit. Hatten sie erst einmal herausbekommen, dass mich vermutlich das Seraphimblut in einen Menschen verwandelt hatte, wozu war ich ihnen dann noch von Nutzen?

Da fiel mir wieder ein, wie seltsam es war, dass ich mich noch immer st├Ątig verwandelte. Obwohl das Seraphimblut in mir eigentlich keine Wirkung mehr haben konnte. Ich hatte derweil so viel Menschenblut getrunken und so viele Pfannkuchen verdr├╝ckt, dass es unwahrscheinlich war, dass sich das himmlische Blut noch in meinem Organismus befand. Also warum verwandelte ich mich noch immer?

Ich betrachtete ungl├Ąubig meine H├Ąnde. Ich vergewisserte mich belustigt mit einem Zwicken, dass ich nicht tr├Ąumte.

Aus meinen Gedanken und meinem kleinen Schmerz, den ich mir selbst zugef├╝gt hatte, starrte ich in Richtung des Geisterhauses, aus dem es polterte. Noch immer belustigt fiel mir zum ersten Mal eine m├Âgliche Erkl├Ąrung f├╝r den Begriff „Poltergeist“ ein. Leider war ich mir nicht sicher, ob es die Geister waren, die dort f├╝r Krach sorgten, da es sie eigentlich nur in Unruhe versetzte, wenn sie ungebetene G├Ąste erhielten.

Schleppend zog ich mich ein St├╝ck in Richtung des leerstehenden Hotels.

Waren es Leo und Kev, die dort auf mich lauerten, um mich zu packen, sobald ich die Sicherheit der Sonne verlie├č und in das Haus hineinging? Oder war es Jason, der dort im Innern des Hauses sehns├╝chtig auf mich wartete?

In diesem Moment w├╝nschte ich mir meine Auspex-F├Ąhigkeit zur├╝ck, die mich erkennen lie├č, welche Auren im Haus herumirrten.

Doch schon bald erkannte ich, welch wundersames Wesen dort f├╝r Aufruhr sorgte. Daf├╝r brauchte ich keine vampirischen Augen.

Aus Neugier, warum das Haus auf einmal st├Ąrker zu leuchten schien als die Sonne es bereits drau├čen tat (als g├Ąbe es im Haus eine eigene Sonne), schlich ich mich n├Ąher an das Haus heran, mein kr├Ąnkliches und hinderliches Bein hinterherschleppend.

Ich versuchte mich so leise, wie m├Âglich zu bewegen, doch gelang es meinem tollpatschigen, schweren, halbmenschlichem K├Ârper nicht und so versiegte das Leuchten mit einem Mal, ehe ich ankam.

Es war anders als das bl├Ąuliche Licht, das Kev aus seinen H├Ąnden schleuderte. Es war greller und eher orangefarben statt blau.

Als ich bereits fast an der Veranda angekommen war, krachte etwas erneut und ich h├Ârte ein lautstarkes, weibliches Husten.

Ich versuchte zu lauschen, doch auch das fiel mir zu schwer, ich war viel zu sehr an das Vampirdasein gew├Âhnt, sodass ich wieder n├Ąher heran musste.

Das Husten h├Ârte bald auf, als h├Ątte die Person innerhalb des Hauses meine Anwesenheit nun bemerkt.

Ich traute mich gewiss keinen Schritt weiter, denn ich ahnte, dass die Geister noch immer nicht friedlich auf mich reagieren w├╝rden.

Als die T├╝r aufging, war ich nicht darauf gefasst, etwas so Helles vor zu finden, dass ich meine Arme sch├╝tzend vor meine Augen halten musste. Diesmal war ich froh kein Vampir zu sein, denn dieses Licht h├Ątte meinen K├Ârper vermutlich ins absolute Jenseits bef├Ârdert.

Als ich mich etwas an das Licht gew├Âhnt hatte oder es etwas abgeklungen war, trat eine gro├če, schlanke Person auf mich zu.

Zun├Ąchst erahnte ich ihre Sch├Ânheit nur, die ich schon durch ihren grazi├Âsen Gang ausmachen konnte, da sich mein Blickfeld zun├Ąchst auf ihre Beine beschr├Ąnkte aufgrund der Blendung meiner Augen.

Als sie n├Ąher an mich herantrat, nahmen ihr Becken und ihr nackter, heller und doch muskul├Âser Bauch Gestalt an.

Und als sie genau vor mich trat, schaffte ich es, ihr makelloses Gesicht zu betrachten. Sie war mit Abstand das hellste und sch├Ânste Gesch├Âpf, das ich je gesehen hatte.

Ihre ellbogenlangen, wei├č-silbernen Haare und ihr blutroter Mund stachen mir sofort ins Auge, aber noch viel auff├Ąlliger waren jene fast schon mechanisch metallisch aussehende Fl├╝gel, die sie auf dem R├╝cken trug und ganz besonders hatten es mir ihre grellen, wei├č leuchtenden Augen angetan.

Ich verlor mich ganz in ihren schimmernden Augen, die aussahen, als h├Ątte man kleine L├Ąmpchen hinter die Augenh├Âhlen getan, damit diese so leuchteten. Sie wirkte beinahe wie eine Blinde, da ich mir nicht erkl├Ąren konnte, wie sie sehen sollte so ohne Pupillen.

Und trotz dieser Auff├Ąlligkeit, erkannte ich in ihrem Blick Ernsthaftigkeit bis Wut.

Mit einer tiefen, sanften Stimme sprach sie zu mir: „Ein Engel des Lichts, geboren um die Unendlichkeit des Himmels zu bewahren und zu besch├╝tzen. Ein Engel, geboren um zu k├Ąmpfen, f├╝r all jene, die es verdienen. Ein Engel, geboren, um zu t├Âten, all jene, die es wagen sich gegen das Licht zu stellen.“

Etwas eingesch├╝chtert, aber eingenommen von ihren Worten, lie├č ich einige Sekunden verstreichen.

Mir kam es so vor, als w├Ąre dies etwas, das sie rein formell sagen m├╝sste, sollte sie einem anderen Wesen begegnen.

Nat├╝rlich kannte ich ihre Rasse. Ich wusste, wer sie war und wof├╝r sie stand. Aber ihre Sch├Ânheit war au├čergew├Âhnlich und ihr Leuchten heller als ich es der Erinnerung an eine andere Seraphim zu verdanken hatte.

Ob sie wohl wusste, dass ich es war? Dass ich die M├Ârderin war? Dass ich eine ihrer Kameradinnen, Schwestern, Mitstreiterinnen oder wie auch immer man es sagen sollte, ausgesaugt hatte? Ob sie ├╝berhaupt wusste, dass ich nachts zum Vampir wurde? Ob sie wohl gar auf mich gewartet hatte?

Sie wich eilends zur├╝ck, als h├Ątte sie jene Gedanken vernommen und nahm eine Abwehrhaltung ein.

„Woher stammen sie?“, sprach sie, wie aus einer fernen Zeit, „Woher stammen jene Erinnerungen deiner Gedanken? Wem stahlst du sie?“, doch ich konnte nicht folgen.

„Seraphim, nun, ...“, begann ich und atmete tief ein und aus und kostete die Luft um mich herum, „ … ich denke, ich bin es, die diese Gedanken...hat.“

Es war mehr ein Raten als Wissen, ob ich richtig lag bei dem, was sie von mir wissen wollte.

Ein gro├čer Schreck durchfuhr mich, als sie mich pl├Âtzlich mit einem Arm packte und mir tief in ihre leuchtenden Augen blickte. Alles erhellte sich um mich herum, bis einzelne Bilder aufblitzten.

Als sie in mich eintauchte, ist da erst Nichts. Einen Augenblick lang befindet sich mein K├Ârper in einer Starre und ich sehe nichts als wei├če Dunkelheit. Erst h├Âre ich dumpfe Ger├Ąusche, dann entwickeln sich Stimmen daraus. Ich kann sogar etwas riechen und beginne bereits zu schmecken. Ich h├Âre zwei verschiedene Herzschl├Ąge – meinen eigenen und den meiner Mutter, als ich noch in ihrem Mutterleib bin! Wieder ver├Ąndern sich die Ger├Ąusche, werden lauter, ich werde aus der W├Ąrme gezogen, in eine grausame Welt gesto├čen, in die ich nicht geh├Âre. Ein langer, kl├Ąglicher Babyschrei, dann geht alles furchtbar schnell. Ich sp├╝re meinen K├Ârper wachsen, unglaublich schnell, beinahe rasend schnell! Im n├Ąchsten Moment lache ich mit Freunden, sp├╝re eine eigenartige W├Ąrme beim Ber├╝hren eines anderen Menschens. Ich verliebe mich. Und verliebe mich wieder. Habe Streit mit Menschen, ziehe mich zur├╝ck. Verliere meine Mutter. Treffe Robert Strainsworth. Es gibt nichts, das mich mehr anzieht, als er. Ich verliebe mich. Liebe ihn. Will f├╝r Rob alles sein. Erlebe den gr├Â├čten Schock meines Lebens beim Zusehen, wie die Vampire sich ├╝ber ihre Opfer hermachen. Der Blutkuss. Mein Herz h├Ârt auf zu schlagen.

Eine Weile ist es dunkel. Eine pechschwarze Dunkelheit, in die der Kampfengel keinen Einblick hat. Pl├Âtzlich befinde ich mich auf einer Parkband - mein Herz schl├Ągt wieder! Ich treffe Jason. Aus irgendeinem Grund vertraue ich Jason. F├╝hle mich trotzdem einsam. Hin und her gerissen. Wieder schwarze Dunkelheit. Herz setzt aus. Herz schl├Ągt wieder und bringt das Licht wieder zur├╝ck und dann geht es immer so weiter..., dann war es vorbei und die Seraphim schreckte zur├╝ck, konnte es beinahe nicht mehr ertragen, schleuderte mich beim Zur├╝ckschrecken ebenfalls zur├╝ck, w├Ąhrend ich stark blinzelte, um wieder klar sehen und denken zu k├Ânnen.

„Bahh! Das ist ja widerlig... so etwas Ekelerregendes habe ich noch nie gesehen!“, rief sie pl├Âtzlich mit einer gar nicht so sanften, lieblichen Stimme. Sie sch├╝ttelte sich und das Leuchten in ihren Augen schimmerte nun nur noch leicht, mittlerweile erkannte ich darin eine graue Pupille, die von wei├čer Iris umh├╝llt war.

Noch immer verwirrt dar├╝ber, was sie ├╝berhaupt mit mir gemacht hatte und warum sie nun eine so fast menschliche Reaktion an den Tag legte, machte ich mich daran, meinem Bein etwas Entlastung zu spenden, in dem ich mich hinsetzte.

Wie eine unausgeprochene Bitte, die sie erh├Ârte, setzte sich die Seraphim, trotz offentsichtlicher Abscheu mir gegen├╝ber, zu mir.

Sie bewegte ihren Kopf auf ihrem Hals hin und her, der daraufhin ein kr├Ąftiges Knacken hinterlie├č und sah mich mit gro├čen, nicht mehr leuchtenden Augen, wartend an.

Nach einer Weile des Schweigens, sprach sie in wieder etwas sanfterem, doch nicht mehr all zu ├╝bertriebenen heiligem Ton, der mit einer gigantischen Neugier versehen war: „Das musst du mir erkl├Ąren!“

Kapitel 19 Ende.

„Bist du sicher, dass du wissen m├Âchtest, wieso ich mich nachts wieder in einen Vampir verwandle? Wieso ich zumindest denke, dass ich mich verwandle. Ich meine, wissen tu ich es nicht.“, fragte ich das helle Wesen, das anscheinend nicht genug bekommen konnte von meinen Geschichten.

„Na aber sicher doch! Das ist alles so interessant!“, sagte sie mit einer Freude, die sich ziemlich echt anh├Ârte.

Trotzdem. Ich konnte nicht glauben, dass das Kampfengelfr├Ąulein vor mir mich wirklich dazu gebracht hatte, ihr von Jason und meiner seltsamen Verwandlung zu erz├Ąhlen. Und besonders mochte ich nicht daran denken, was sie mit mir anstellen w├╝rde, wenn sie w├╝sste, was ich getan hatte mit einer von ihnen. Oder wusste sie es bereits? Ihre Reaktion war so eigenartig gewesen, als nur die Gedanken an jene Nacht aufgetaucht waren.

Aus Angst, sie k├Ânnte sie wirklich h├Âren, schob ich die Gedanken erneut beiseite.

„Ich wei├č nicht, das ist keine so interessante Geschichte. Und, wie gesagt, ich wei├č auch nicht, ob das dazu f├╝hrte...“, wich ich aus, doch das schlanke, riesige und bildh├╝bsche M├Ądchen, das mir aufgrund ihres Alters eigentlich h├Ątte nur bis zu den Schultern gehen d├╝rfen anstatt mich mit einem halben Kopf zu ├╝berragen, setzte einen beleidigten Blick auf, der mich an einen kleinen Hund erinnerte, wenn er ganz hungrig aussah und man ihm Essen gab, obwohl er es wahrscheinlich gar nicht ben├Âtigte.

„Nun, du kannst es mich auch einfach sehen lassen! Die kleine Reise vorhin hat mir zwar einiges gezeigt, aber l├Ąsst noch immer einige Fragen offen.“, sagte sie und ihre metallischen Fl├╝gel klappten sich einmal kurz zusammen.

„Du hast also in mich hineingesehen?“, fragte ich fassungslos. Sie hatte also wirklich dieselben Bilder vor Augen gehabt, wie ich. Sie hatte einen Schnelldurchlauf meines Lebens gesehen. Und zwar nur des Lebens. Von meinem Vampirdasein hatte ich ihr erst erz├Ąhlen m├╝ssen.

„Ja, wenn ich eine Seraphim w├Ąre, h├Ątte ich sogar deine Gedanken lesen und vielleicht sogar kontrollieren k├Ânnen! Obwohl ich keine Ahnung habe, ob das auch bei Vampiren funktioniert...“

Wenn sie eine Seraphim w├Ąre...?

„Du bist keine Seraphim?“, fragte ich und mittlerweile klang ich genauso neugierig wie sie.

„Nein!“, strahlte sie, „Noch nicht! So und nun erz├Ąhle mir mal, wieso du dich verwandelst!“

Als sie lautstark „Nein!“ gesagt hatte, w├Ąre mir fast ein Stein vom Herzen gefallen und ich h├Ątte mich ├╝berwinden k├Ânnen, es ihr zu erz├Ąhlen, denn obwohl ich sie erst einen Augenblick lang kannte, wollte ich sie nicht so sehr verletzen. Aber leider wog der Stein mindestens dreifach so viel wie zuvor, als sie die Worte „Noch nicht!“ erg├Ąnzt hatte.

„Ich glaube es waren Drogen oder sowas in der Art... vielleicht f├╝hle ich mich auch nur ab und zu menschlich und dabei bin ich es gar nicht... Ich wei├č auch nicht genau...“, ich redete meinen Mund fusselig, aber, wie angenommen, w├╝rde sie mir kein Wort glauben und sie lachte beherzt los.

Ich versuchte sie wieder auf ihre Geschichte zu lenken: „Und wann wirst du eine Seraphim?“

Ihre fr├Âhliche Miene wurde pl├Âtzlich schwer und ihre Mundwinkel fielen rasch nach unten. Als sie ihre Unterlippe schmollend nach vorn geschoben hatte, antwortete sie: „Bestimmt nie!“

Und noch ehe ich sie fragen konnte, erz├Ąhlte sie bereits ihre Geschichte ausf├╝hrlich: „Ich wei├č nicht inwiefern dir die Mythen unserer Wesen bekannt sind, aber Seraphim werden geboren aus der ersten Flamme und tragen deshalb immer selbst eine Flamme in ihrem Innern. Die sechs Fl├╝gel, die ihnen wachsen, stehen f├╝r die Verteidigung der Menschen, die Verteidigung des Himmelreichs und nunja, die letzten Paar Fl├╝gel dienen einfach dem Fliegen... Um eine Seraphim zu werden, werden uns – wir, die Anw├Ąrter, werden Veraphim genannt – Aufgaben auferlegt. Die erste Aufgabe besteht darin, fliegen zu lernen, was ich bereits geschafft habe. Bei der zweiten Aufgabe muss man in das Leben eines Toten 'sehen'. Und die letzte Aufgabe kann ich dir noch nicht erkl├Ąren, weil ich noch immer an der zweiten Aufgabe verzweifle!“, doch auch nach einem schweren Seufzer war sie noch nicht fertig: „Neben all dem Kampf und – Lufttraining ist das 'Sehen' f├╝r mich das schwierigste. Aber um eine Seraphim zu werden, ist es notwendig, die Gedanken des Gegen├╝ber einzusehen, um entscheiden zu k├Ânnen, ob er ein S├╝nder ist oder nicht. Denn der erste Seraph erhielt von Gott die Aufgabe, einem Menschen mit gl├╝hend hei├čer Kohle, die er durch seine eigene Flamme erhitzt hatte, die Lippen zu versiegeln, weil er mit ihnen ges├╝ndigt hatte. Nachdem er sie ber├╝hrte, hatte der Mann Bu├če getan. Es geh├Ârt zu unseren Aufgaben, S├╝nder zu bestrafen.“

Eine Weile stellte ich mir den Mann vor, ein L├╝gner, ein Kahlkopf, der es nicht besser wusste und dem reinen Himmelsgesch├Âpf weitere L├╝gen auftischte, weil er nicht wusste, dass er gepr├╝ft wurde und der dann unter Schmerzen die Prozedur der Verbrennung standhalten musste, um nicht wieder zu l├╝gen, um nicht einmal daran zu denken, es nochmal zu tun. Doch in meiner Vorstellung bekam der sechsfach befl├╝gelte Seraph schwarze Schwingen und lie├č Dean ganze drei riesige, gl├╝hende Kohlest├╝cke schlucken, bis er daran erstickte. Ich kicherte d├╝ster und heimlich in mich hinein.

„Und wieso bereitet dir die zweite Aufgabe solche M├╝hen? Ich dachte du h├Ąttest guten Einblick in mich gehabt!?“, ich stelle die Frage auch, weil ich wissen wollte, ob sie gesehen hatte, dass ich in Raserei eine Seraphim get├Âtet hatte.

„In deine zwanzig Jahre Leben, schon. Aber nicht was dar├╝ber hinausging. Als Vampir ist man doch eigentlich tot oder?“

Ich nickte und sie seufzte erneut.

„Da haben wir's. Ich kann nicht in totes Leben sehen.“, sie sagte es schroff und gleichg├╝ltig, als h├Ątte sie die Hoffnung bereits aufgegeben.

„Das hattest du also im Ocean House vor – du wolltest in Geister einsehen, richtig?“, schlussfolgerte ich, doch die Seraphim sch├╝ttelte den Kopf.

„Das war es, was ich ihnen erz├Ąhlte, doch ich kam hierher, um mal ein bisschen Abstand zu haben. Das ganze Training und die Floskeln, die wir auswendig lernen m├╝ssen...“, sie verdrehte die Augen und streckte mir die Zunge heraus, „das nervt manchmal ganz sch├Ân. Also bin ich abgehauen.“

Unweigerlich entglitt mir ein L├Ącheln. Sie erinnerte mich sehr an mich, als ich noch j├╝nger war und als ich noch lebte. Sie erinnerte mich an Mia Janies, im Alter von sechsszehn Jahren, als ich immer aus dem Fenster geklettert war, wenn ich Hausarrest aufgebrummt bekam (nat├╝rlich nur dann, weil es am ├Ąrgerlichsten f├╝r meine Eltern war!) oder ich meiner Mutter, als sie noch lebte, lautstark erkl├Ąrte, warum ich nicht zur Schule gehen wollte.

Nun grinste ich beinahe und versuchte es mit einem Husten zu unterdr├╝cken, sie hatte es anscheinend nicht wahrgenommen.

„Und wann taucht dein Jason hier mal auf?“, fragte sie beinahe beil├Ąufig, doch in mir lie├č es einen Orkan los.

Ich dachte wieder an all die Gefahren, die hier auf ihn lauerten, und, dass es wirklich, wirklich besser f├╝r ihn w├Ąre, in Downtown zu bleiben. Aber vor allem dachte ich daran, wie egal mir das war, wenn er doch blo├č wieder auftauchen und wieder in mein Tod-Leben treten w├╝rde. Wie sehr ich mir w├╝nschte, er w├╝rde, trotz der Gefahren, zu mir zur├╝ckkommen, machte mir selbst schon Angst.

Trotzdem sagte ich tapfer: „Hoffentlich gar nicht.“ und versuchte den Klo├č im Hals herunterzuschlucken.

Als h├Ątte sie geahnt, was f├╝r Schmerzen das Thema mir bereitete, lie├č sie mich damit in Ruhe.

„Oh, ich wei├č!“, rief sie nach einer Weile freudig und sprang aus dem Sitzen auf, ich nahm an, ihre zwei metallischen Fl├╝gel halfen ihr, und ihre Augen begannen wieder wei├č zu gl├╝hen, „Du hilfst mir!“

Etwas verwirrt und holprig, da ich den immensen Schmerz in meinem Bein vergessen hatte, stand ich auf und wartete darauf, dass sie erkl├Ąrte.

„Bald ist es Nacht und wenn du dich verwandelst, dienst du mir als Versuchsobjekt. Vielleicht ist es einfacher in einen Halbtoten zu 'sehen' als in einen Toten?!“, ihre Vorfreude war un├╝bersehbar, meine dagegen hielt sich in Grenzen.

Wenn die Nacht eintraf, wurde ich vermutlich wieder ein Vampir. Und was w├╝rde passieren, wenn ich in meinem Zustand Blut ben├Âtigte und ich ihr weh tat? Das wollte ich auf keinen Fall. Sie war mir in der kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen. Aber es war schlie├člich schon einmal passiert. Au├čerdem konnte Jason bald hier sein, ich wusste nicht, ob er sie dulden w├╝rde... oder ob er sie vielleicht zu gern haben w├╝rde, so h├╝bsch, wie sie war...

Na, aber was viel wichtiger war, war die Tatsache, ob ich ihr meine Entgleisung weiterhin vorenthalten konnte oder nicht und ob Jason es konnte. Sie hatte etwas so Ehrliches an sich, das ich sie nur ungern belog. Au├čerdem f├╝rchtete etwas in mir, sie w├╝rde mir, sollte sie die Wahrheit erfahren, mit einem St├╝ck gl├╝hender Kohle den Mund verbrennen...

Und weil ich sie irgendwie gern hatte (oder vermutlich nur der menschliche, sozialere Teil in mir), willigte ich ein, ihr bei ihrer Aufgabe zu helfen. Ich w├╝rde eh noch die ganze Nacht hier bleiben und auf Jason warten. Warten und hoffen, dass er dort blieb. Warten und hoffen, er w├╝rde trotzdem wiederkommen...

Kapitel 20 Ende.

„Sag mal, m├╝ssten wir nicht eigentlich Todfeinde sein?“, fragte ich beil├Ąufig als sich die sanfte Veraphim nach einem weiteren Sehversuch auskurierte.

Sie hielt sich angestrengt den Kopf als h├Ątte sie starke Kopfschmerzen.

„Ja, sind wir...“, antwortete sie und lie├č es so klingen als w├Ąre es ihr egal.

„Und wieso bist du dann noch hier?“, fragte ich sie, doch da tat sie einen weiteren Versuch in mich hinein zu sehen, aber erneut erfolglos. Ich sp├╝rte keine Ver├Ąnderung und vor ihren Augen blieb weiterhin meine Todeszeit und alles dar├╝ber hinaus pechschwarz.

„Und wieso bist du noch hier?“, fragte sie mich und hielt sich erneut die Stirn. Ich ├╝berlegte nicht lange: „Ich warte auf Jason.“ Ich versuchte es gleichg├╝ltig klingen zu lassen, aber die Veraphim durchschaute mich.

„Und du bist jetzt vampirisch, tot, du k├Ânntest mich angreifen, wenn du es wolltest. Aber du willst es nicht. Du brauchst mich.“

├ťber einiges war ich jetzt bei Nacht sehr froh. Zum Einen war mein gebrochenes Bein endlich geheilt, ich sp├╝rte wieder keinerlei Schmerzen, was leider nicht in jeder Hinsicht so war, denn Jason lie├č sich immer noch nicht blicken und das schmerzte schon sehr. Zum Anderen f├╝hlte ich mich nun viel sicherer, vor allem auch vor Kev und Leo, die bestimmt bald meinen Geruch aufnehmen und mich auffinden w├╝rden. Aber diesmal w├╝rde ich nicht vor ihnen davonlaufen.

„Wieso brauche ich dich?“, eine Weile sah ich sie starr an, doch sie kicherte nur vor sich hin. „Ist es nicht eher so, dass du mich brauchst?“, fragte ich sie k├╝hl als sie einen weiteren Sehversuch starten wollte.

Diesmal hielt sie mich an meinen Schultern und stemmte ihre Stirn gegen meine. Ich sp├╝rte nicht, wie viel Druck sie anwendete, aber sie schien Kraft aufzuwenden. Mit ihrem Blick durchbohrte sie mich, fand jedoch nichts.

„Vielleicht geht es nur bei Vampiren nicht!?“, ich versuchte sie irgendwie zu entlasten, aber anstatt darauf einzugehen, kl├Ąrte sie die Frage davor: „Du brauchst mich. Vielleicht gibt es irgendetwas in dieser Finsternis, das dir Aufschluss dar├╝ber geben kann, warum du kein richtiger Vampir mehr bist und auch kein Mensch.“

Sie konnte ihre eigene Neugier nicht verbergen. Ich wusste, dass es sie auch interessierte, warum ich so besonders war. Aber ich f├╝rchtete immer noch, dass es ihr irgendwann gelingen k├Ânnte, dass sie in mich hineinsehen w├╝rde und mich gebeugt ├╝ber eine Seraphim entdecken w├╝rde, wie ich mich an ihrem Blut berauschte und dabei beinahe den Verstand und wohl meinen Vampirismus zur H├Ąlfte verlor.

Mich schauderte es bei dem Gedanken eine aufgebrachte Veraphim bes├Ąnftigen zu m├╝ssen. Oder vielleicht w├╝rde sie gar auf einen Kampf hinauswollen? Schlie├člich hatte ich ein Wesen ihrer Art get├Âtet.

Die Nacht wurde dunkler und es schien auch in ihrem Kopf dunkel zu bleiben. Die ganze Nacht lang redeten wir und probierten verschiedene M├Âglichkeiten aus, wie ich es ihr erleichtern k├Ânnte, in mich hineinzusehen. Aber es blieb dennoch erfolglos – zu meiner Erleichterung.

Ca. eine Stunde vor Sonnenaufgang war es so weit. Meine scharfen Sinne erm├Âglichten es mir in der Ferne einen ├Ąu├čerst schnellen und einen ├Ąu├čerst st├Ąmmigen Vampiren auszumachen. Sie gaben sich nicht sonderlich M├╝he unentdeckt zu bleiben.

„Wir bekommen Besuch.“, warnte ich das Himmelswesen.

„Oh, ist Jason endlich da?“, fragte sie aufgeregt, doch als sie in mein angespanntes Gesicht blickte, verstummte sie.

„Ihre Namen sind Leo und Kev. Der Eine sieht ziemlich nahkampferfahren aus, er ist gro├č und kr├Ąftig, und wenn er nicht mit seinen F├Ąusten und Krallen auf uns losgeht, besitzt er leider noch die Gabe Blitze aus seinen H├Ąnden zu schleudern. Der Andere ist... nunja, ein ziemlich nerviger Kerl. Er redet die meiste Zeit gerne oder spielt Spielchen und er ist sehr schnell, also pass besonders vor ihm auf.“, als meine Gedanken an den blonden Vampir geheftet waren, erstaunte ich dar├╝ber, was f├╝r eigenartige Regungen er in mir hervorrief. Wie absto├čend er war und auf der anderen Seite auch nicht.

„Und was wollen sie genau?“, fragte die Veraphim mich, ehe sie aufstand und eine stolze Haltung einnahm, zum Kampf bereit.

„Mich.“, war das einzige, das ich sagen konnte, ehe Leo auch schon direkt vor uns stand. Er tauchte wie aus dem Nichts auf und stand grinsend vor mir. Ich konnte mir nicht erkl├Ąren, warum er ein so ehrliches L├Ącheln mir zeigen konnte, obwohl ich sie doch so gelinkt hatte und sie das unglaublich ├Ąrgern m├╝sste.

Wenige Sekunden sp├Ąter stapfte Kev neben ihn, sofort erkannte ich in seinem finsteren Ausdruck auch eine Brandnarbe direkt im Gesicht, die direkt ├╝ber ein Auge f├╝hrte, das statt r├Âtlich zu schimmern nun leicht gelblich aussah.

Ich zuckte mit meinen Krallen und war erregt von der Vorstellung eines Kampfes. Jetzt war ich ihnen jedenfalls nicht mehr so unterlegen wie zuvor. Und ich hatte das Himmelsgesch├Âpf an meiner Seite. Ich war mir sicher, sie w├╝rde nicht einfach dieser Geschichte entfliehen k├Ânnen. Daf├╝r war sie viel zu neugierig, wie es ausgehen w├╝rde.

„Na, sieh mal einer an! Seit wann ist es ├╝blich f├╝r einen Vampir sich mit einer Veraphim zu umgeben?“, fragte Leo und Schabernack blitzte in seinen Augen auf.

Ich sp├╝rte den heller werdenen Schein neben mir und sah erneut die Augen meiner Gef├Ąhrtin wei├č aufleuchten.

Nun l├Ąchelte auch sie. „Ich wei├č gar nicht, was du meinst, Nelly, die beiden sehen mir nicht gerade gef├Ąhrlich aus!“, sie gab ein h├Ąmisches Grinsen ab an Leo, der sich sichtlich dar├╝ber freute, dass jemand ihm mit seinem Unsinn konkurrierte.

„Vielleicht sollte man fragen seit wann es ├╝blich ist, dass Himmelswesen sich mit Halbvampiren abgeben...“, grummelte Kev und sah trotzdem mich an, obwohl die Frage ja an die Veraphim zu meiner Linken gerichtet war.

Einen Moment lang dachte ich ├╝ber den Begriff „Halbvampirin“ nach. Er beschrieb mich tats├Ąchlich ganz gut.

„Was wollt ihr hier?“, fragte jenes Himmelswesen und ich wunderte mich dar├╝ber, dass sie nicht, wie einst vor mir, mit ihren Engelsflosken angab.

„Mein Name ist Leo...“, sagte der Blonde und zwinkerte mir einmal kurz zu und sah dann erneut zur Veraphim, „und das ist Kev.“, er zeigte mit seinem Daumen zu seiner Rechten.

„Das wei├č ich bereits.“, antwortete die Veraphim z├╝gig und k├╝hl. Wieder lachte Leo. Kev sah mich noch immer gebannt an. Ich wusste, wie sehr es ihm nach Rache d├╝rstete f├╝r das, was ich seinem Gesicht angetan hatte.

Es lag etwas in der Luft. Eine seltsam ruhige und trotzdem angespannte Atmosph├Ąre war es, die jederzeit in einen Kampf ├╝bergehen konnte.

„So und wie ist dein Name?“, fragte Leo l├Ąchelnd, er war der einzige, der die Atmosph├Ąre mit Absicht ruhig belie├č. Wir anderen h├Ątten nur ein falsches Zucken oder ein schlechtes Wort ben├Âtigt und w├Ąren aufeinander los gegangen, aber er hielt uns irgendwie in Schach.

„Juliette Miller. Das war zumindest mein menschlicher Name.“, sagte sie nun in genau derselben ruhigen Art und Weise, wie Leo zuvor.

Nur ich sp├╝rte noch zu deutlich, wie angespannt Kevs Muskeln waren, weil er jederzeit zum Sprung ansetzen und mich au├čer Gefecht setzen wollte.

Bis dato war mir nicht aufgefallen, dass ich den Namen meiner Gef├Ąhrtin nicht gewusst hatte. Sie war f├╝r mich eine Veraphim. Mir war nicht bewusst gewesen, dass diese auch Namen hatten, obwohl es sogleich auch wieder eine absolute Dummheit war, so zu denken.

Au├čerdem hatte sie gesagt, es w├Ąre ihr menschlicher Name gewesen. Das w├╝rde also bedeuten Juliette war auch einst ein Mensch?

Erneut warf mir Kev einen dieser 'Gleich krieg ich dich!'-Blicke zu und mein Mechanismus machte sich automatisch daran, noch mehr in Kampfhaltung zu gehen. Sollte er mich doch angreifen. Eigentlich bestand dazu kein Anlass, wenn man davon absah, dass ich ihm ein Viertel seines Gesichts geraubt hatte nat├╝rlich. Aber sollte er es doch ruhig wagen, mich zu attackieren, er w├╝rde es sehr bereuen.

Bald schon war mir das Warten zuwider, mein K├Ârper krampfte beinahe, weil er Kevs d├Ąmlichem Gesicht eine weitere Narbe verpassen wollte.

Das Tier in mir lie├č sich nicht l├Ąnger b├Ąndigen und so riss es mich in die Hocke, Krallen nach vorn gerichtet. Ich ├Âffnete reflexartig meinen Mund und fauchte Kev an, dessen Augen erregt aufgerissen waren und der ebenfalls beinahe gleichzeitig mit mir in Angriffstellung ging.

Juliette jedoch hielt mich zur├╝ck. Ihr Blick wirkte nachdenklich, als ihr grelles Leuchten wieder erlosch und sich ihre Pupillen in wei├čliches grau verwandelten.

„Was wollt ihr von uns?“, ihre Frage beinhaltete ein „uns“, das mich aufschauen lie├č. Ich kannte sie noch k├╝rzer als Jason und schon schien sie ein Teil des „wir“ zu sein.

„Das ist unsere Angelegenheit, Himmelswesen!“, fauchte Kev und fra├č mich mit seinem Blick.

Leo versuchte ebenso seinen Gef├Ąhrten zur├╝ck zu halten, wie Juliette es bei mir tat, und wendete sich dann zum ersten Mal nur zur Veraphim.

„Hey, Jules, du brauchst dich nicht in Vampirgeschichten einzumischen. Sie geh├Ârt zu uns und du geh├Ârst nicht hierher. Nelly kommt jetzt mit uns.“, er wirkte wesentlich ernster als zuvor und zum ersten Mal schien nichts die dr├╝ckende Stimmung unterbinden zu k├Ânnen.

Ein erneutes, kurzes Aufleuchten von Juliette best├Ątigte mir, dass auch sie nun nicht mehr so ruhig war.

„Mein Name ist Juliette...!“, sagte sie d├╝ster und dann begann sie mit den Engelsflosken, auf die ich gewartet hatte: „Ein Engel des Lichts, geboren um die Unendlichkeit des Himmels zu bewahren und zu besch├╝tzen. Ein Engel, geboren um zu k├Ąmpfen, f├╝r all jene, die es verdienen. Ein Engel, geboren, um zu t├Âten, all jene, die es wagen sich gegen das Licht zu stellen.“

Als sie ihren Satz beendete, klang es wie ein Kriegsruf, der mir best├Ątigte, dass wir nun mit unseren Gegen├╝bern k├Ąmpfen w├╝rden, aber um das zu verhindern, stellte sich Leo blitzschnell vor uns und hielt die H├Ąnde resignierend nach oben.

„Wartet!“, rief er und schaffte es unseren Angriff zu stoppen. Sogar Kev schien inne zu halten und sich dar├╝ber gleichzeitig m├Ąchtig zu ├Ąrgern.

„Das ist sehr r├╝hrend, dass du dich auf die Seite eines Vampirs stellst, ...“, beinahe h├Ątte er wieder Jules gesagt, doch wartete er einen winzigen Augenblick und sprach weiter, „...Juliette. Nichts desto trotz ist es unsere Angelegenheit, weshalb wir hier sind. Ich sehe ein, dass es hier heute nichts zu holen gibt. Wir lassen die Halbvampirin in deiner Obhut – zumindest vorerst! Aber unsere Meister w├╝nschen Nelly zu sehen und wenn ihr das Leben ihres kleines Menschenfreundes wirklich so viel wert ist, dann l├Ąsst du sie allein zu uns kommen!“, noch im Satz st├╝rzte ich hoch, um ihn anzugreifen, aber Juliette hielt mich zur├╝ck.

„Jason! Jason! Ihr Mistkerle! Wo ist er?“, schrie ich und abwechselnd fauchte ich zwischendurch. Meine Wut hatte seinen H├Âhepunkt erreicht. Nicht mehr lange k├Ânnte mich das helle Wesen neben mir zur├╝ckhalten.

Die Veraphim schlang ihre Arme um mich und ich f├╝hlte ihr Nicken in meinem Nacken, als Leo und Kev sich ruhig und gelassen davonmachten. So einfach lie├č sie sie gehen? Obwohl sie meinen Jason bei sich hatten?

Ich schlug mit meinen Krallen nach jenen, die immer mehr in die Ferne r├╝ckten und bald nicht mehr zu sehen waren.

Ich wettete damit, dass ich nie solche Ger├Ąusche aus meiner Kehle zuvor vernommen hatte. Kl├Ągliche Laute, beinahe wie Hundejaulen.

Es dauerte noch einige Minuten, in denen ich wild mit den Armen herumwirbelte, dann sank ich zu Boden und Juliette lie├č mich endlich frei.

Auf der Erde keuchte ich wie wild und die Laute verstummten und ich begann zu schluchzen und zu weinen, w├Ąhrend die ersten Sonnenstrahlen den Tag ank├╝ndigten.

Kapitel 21 Ende.

So aufgebracht, wie ich jetzt war, war es mir total egal, dass ich menschlich war und zugleich im „Elysium“. Und wenn ich Anette die ganze Geschichte erz├Ąhlen musste. Dass ich so etwas wie eine Halbvampirin war. Ich w├╝rde es tun. Sie war mir und ihm trotzdem etwas schuldig. Vor allem ihm. Sie hatte ihm seinen Schutz zugesprochen und die Sintflutlichen hatten ihn trotzdem gefunden. Und dabei war Jason wirklich zur├╝ckgekehrt – zu mir... und das hatte ihn nun in gr├Â├čte Schwierigkeiten gebracht.

Ich schubste mich regelrecht durch die Vampirmassen am Eingang und im Flur, ehe ich vor dem Lift zu Anettes Appartement angekommen war. Ich kannte diese Tage. Mal wieder ein Spezialangebot des Elysiums. Dennoch war es mir egal, dass ich menschlich war. Mir war alles egal – au├čer Jason. S├Ąmtliche Gedanken fokussierten sich auf ihn, ich war mir sicher, nicht einmal der gr├Â├čte Blutdurst im Vampirismus k├Ânnte mich nun von ihm ablenken.

Juliette hatte ich geraten drau├čen zu bleiben, herumzufliegen, um nach Jason zu schauen, ob sie ihn irgendwo entdeckte oder eher ob sie dessen Entf├╝hrer ausfindig machen konnte, schlie├člich hatte sie ja keine Ahnung, wie Jason aussah.

Es war bereits morgens und ich wusste, dass Leo und Kev etwas Sonnenlicht ertragen konnten, aber nicht zu viel, deshalb w├╝rde es sie ganz sicher bald in etwas Dunkelheit zwingen, in die Juliette leider keinen Einblick mehr haben w├╝rde. Aber einen Versuch war es doch wert.

Der Lift fuhr f├╝r meinen Geschmack viel zu langsam und, als w├╝rde es etwas n├╝tzen, dr├╝ckte ich wie wild auf dem Knopf herum, der die T├╝r ├Âffnen sollte.

Als sich die T├╝r endlich aufmachte, schnellte ich heraus und raste um die Ecke. Nicht wie sonst machte ich Halt vor Anettes Wohnungst├╝r, sondern trat sie einfach ein, beinahe m├╝helos als h├Ątte ich immense Kr├Ąfte bekommen, und stand dann wutentbrannt mittem im Zimmer. Ich atmete angestrengt, da mein Herz wieder schlug und die Empfindungen zur├╝ckgekehrt waren. Und mal eben so eine T├╝r einzutreten, war f├╝r einen Menschen nicht gerade eine Lappalie.

Keuchend stand ich da und eine blonde Sch├Ânheit drehte sich zu meiner um.

„Bajon!“, schrie ich und ballte meine H├Ąnde zu F├Ąusten, da ich Anette erwartet hatte und es f├╝r mich kein Problem war, sie zu bestrafen und zu beschimpfen. Doch mit ihrer Schwester Bajon hatte ich hier nicht gerechnet und sie konnte ich f├╝r all das nicht zur Rechenschaft ziehen. Au├čerdem mochte ich sie. Sie hatte so etwas Beruhigendes und trotzdem sehr Ernsthaftes.

Sie sah mich an mit einem sorgsamen Blick und trat vorsichtig auf mich zu. In v├Âlliger Unbewusstheit dar├╝ber, was diese Entt├Ąuschung mit mir gemacht hatte, bemerkte ich, dass meine Augen feucht wurden. Nein, es war nicht direkt die Entt├Ąuschung nicht Anette vorfinden zu k├Ânnen, sondern die Gewissheit, dass es Jason nicht gut ging.

Wieder eine Tr├Ąne huschte sachte ├╝ber mein Gesicht. Und eine weitere. Das war alles andere als gut. Ich durfte nicht verraten, wer ich war. Dass ich jetzt kein Vampir war, durfte keiner wissen.

Doch es geschah wieder und wieder. Die Tr├Ąnen rannen mein Gesicht hinunter und lie├čen Bajon schreckhaft zur├╝ckweichen.

„Wo ist sie...?“, brachte ich unter Tr├Ąnen des Schmerzes heraus. Sollte meine Menschlichkeit mich doch verraten, das war jetzt eh egal, „Wo ist deine Schwester...?“

Bajons schreckhafte Augen verrieten ihre Furcht. Einen Vampir, der weinen kann, gibt es nicht.

„Wer bist du?“, fragte sie schlie├člich, als meine Tr├Ąnen versiegten und mich in einem j├Ąmmerlichen Schluchzen zur├╝cklie├čen.

Ich war so unglaublich w├╝tend! Wieso heulte ich also?? Ich wollte Anette den Arsch versohlen! Ich wollte ein Vampir sein und sie in Fetzen rei├čen!! Sie kaputt machen, weil sie alles kaputt gemacht hatte! Weil sie Jason nicht besch├╝tzt hatte!

Meine Hand versuchte mein feuchtes Gesicht zu trocknen.

Noch einmal sah Bajon mich unverwandt an und fragte mich: „Wer bist du?“ Diesmal verlangsamte die Frage mein Herz, lie├č mich hinabsinken.

Mein Blick traf den ihren. Ich wusste einfach keine Antwort.
Weiter fixierten meine nun leer starrenden Augen die ihre, doch Bajon r├╝hrte sich nicht.

„Liebes...!“, sagte sie urpl├Âtzlich und mir wurde zum ersten Mal richtig bewusst, wie ├Ąhnlich sich Anette und sie doch waren. Sie hatten dieselben blonden Haare und dieselben gr├╝nblauen Augen, die vermutlich schon zu ihren Lebzeiten so weltfremd aussahen.

Bis auf, dass Bajon sich eher klassisch kleidete und Anette sehr flippig und jugendlich unterwegs war, hatten sie besonders im Klang ihrer Stimme etwas gemein.

Bisher war es mir nie aufgefallen, aber in diesem Moment waren sie sich sehr ├Ąnhlich und dies gab mir Kraft, wieder aufzustehen. Wenn Bajon etwas mehr wie Anette sein konnte, k├Ânnte ich meine Wut doch zeigen.

„Bajon.“, sagte ich ernst und mein Blick kehrte wieder in diese Welt und sah sie eindringlich an.

Noch einmal atmete ich tief ein, ehe meine Wut endlich wieder in mir aufloderte. Meine Augenbrauen zogen sich tief zusammen und ich presste meine kurzen Z├Ąhne aufeinander. Unter diesen zusammengepressten Z├Ąhnen gab ich erneut hervor: „Wo ist sie?“

Noch immer sehr irritiert sah Bajon mich an, doch ich merkte, dass sie nach einer Antwort suchte. Suchte sie nach einer, weil sie eigentlich keine hatte?

„Sie ist weg.“, sagte sie schlie├člich und meine Nasenl├Âcher bl├Ąhten sich auf, als ich erneut eine gigantische Menge Luft inhalierte.

„Wo-Ist-Sie!?“, fragte ich diesmal lauter und Bajon zuckte mit den Achseln.

„Anette ist weg. Und sie wird auch nicht wiederkommen.“

Diese Antwort hatte ich nicht erwartet. Was meinte sie damit, dass ihre Schwester nicht wiederkommen w├╝rde?

Bisher hatte ich aufgrund meiner Erfahrung mit ihr immer angenommen Bajon w├Ąre die glaubhaftere der beiden Schwestern. Doch an diesem Tag wusste ich nicht mehr so Recht, ob ich dies noch l├Ąnger glauben konnte.

Aufgew├╝hlt drehte ich mich um und trat auf die auf dem Boden liegende T├╝r und ging hastig aus dem Zimmer, doch Bajon eilte mir nach.

Sie rief mir meinen Namen nach, so als w├╝rde sie fragen, ob ich es sei.

Noch einmal. Doch ich h├Ârte nicht. Irgendetwas stimmte hier nicht. Wieder rief sie meinen Namen und ich dr├╝ckte den Knopf, der den Lift ├Âffnete. Zum Gl├╝ck war dieser bereits oben und die T├╝ren machten sich sofort auf.

Bajon war bereits hinter mir und blieb auf dem Flur stehen und sah mir hinterher. Und dann sagte sie etwas, das mich zu ihr blicken lie├č.

„Halbvampirin!“, rief sie und schien genau auf meine Reaktion zu achten.

Ich st├╝rmte aus dem Lift und raste auf sie zu und machte erst direkt vor ihr Halt.

„Was?“, fragte ich sie fassungslos und sie verstand.

Sie begann, mir unverst├Ąndlicherweise, zu grinsen. „Dann stimmt es also. Du bist ein Halbwesen. So etwas ist verdammt selten, Nelly.“

Ihre Art zu sprechen verstand ich nicht. Nur am Klang ihrer Stimme erkannte ich es. Sie verachtete mich. Sie verstie├č mich, obwohl wir uns jahrelang kannten und ich auch unter ihrem Schutz stand.

„Woher wei├čt du davon?“ Hatte sie es allein durch die Tr├Ąnen erraten? Doch ich musste nicht lange auf meine Antwort warten, aber sie folgte ernster und flehender, als ich erwartet hatte: „Wenn du sie retten willst, musst du in die Kanalisation hinab. Ins Zentrum. Dort gibt es einen gro├čen feuchten Keller, den die Nosferatu manchmal f├╝r sich beanspruchen. Kannst du mir folgen?“, ich nickte, „Dort hinter einem Gitter und dahinter in so etwas wie K├Ąfigen haben sie die beiden hingebracht.“

„Die beiden?“

Es dauerte eine Weile, ehe Bajon sprach: „Anette... und den Menschen.“

Alle Wut und Verwirrung fiel aus meinem Gesicht und Einsicht kl├Ąrte meinen Schmerz. Nat├╝rlich! Die Sintflutlichen hatten sich beide geschnappt! Jason und Anette. Sie hatte ihr Versprechen also doch gehalten. Und vermutlich besch├╝tzte sie ihn noch immer. Das musste ich zumindest hoffen.

„Ich kann hier nicht weg. Hab mich hier versteckt, wei├čt du. Nicht einmal f├╝r die M├Ąchtigen ist es m├Âglich ewig durch die Sonne zu laufen. Aber sie kamen und nahmen sich einfach, was sie wollten. Anette erz├Ąhlte mir ich sollte auf eine Halbvampirin warten, auf dich. Nur du k├Ânntest sie retten, wo das Sonnenlicht uns andere aufh├Ąlt ihr zu helfen. Nur du, Nelly, kannst sie wohl aufhalten.“, Bajon erz├Ąhlte es mit einer Hingabe, die mich hoffen lie├č.

Anette verlie├č sich auf mich. Und wenn sie wollte, dass ich sie vor den Sintflutlichen besch├╝tzte, dann hatte sie keine Wahl als Jason ebenso zu besch├╝tzen, sonst w├╝sste sie, w├╝rde ich es nicht auf mich nehmen.

Pl├Âtzliche Zuversicht trat in meinen Ausdruck. Ich nickte aufmerksam bis sie zu Ende erz├Ąhlt hatte und lie├č sie mit einem letzten, l├Ąngeren Nicken wissen, dass ich es auf mich nehmen w├╝rde.

Ein ehrf├╝rchtiges „Danke...“ erwies sie mir, ehe ich mich erneut zum Lift drehte, hinabfuhr und mich durch die Vampirmassen im Club nach drau├čen dr├Ąngte.

Es dauerte nicht lange, ehe Juliette, an einer M├╝lltonne lehnend, auf sich aufmerksam machte. Sie hielt sich in einer Gasse auf, daher nahm ich an, dass sie auch f├╝r Menschen sichtbar war und sie sich deshalb vor ihnen zu sch├╝tzen versuchte.

Als ich zu ihr kehrte, wirkte ihr Blick traurig und noch ehe ich direkt vor ihr stand, versuchte sie mit entschuldigender Stimme zu erkl├Ąren: „Es tut mir so Leid, ich habe sie nicht gefunden. Sie m├╝ssen irgendwo drinnen sein und sich vor meinem Blick verbergen. Und ich konnte nicht einfach so in alle Menschen sehen, um heraufzufinden, ob sie etwas bemerkt h├Ątten, ob sie die zwei Gestalten in den Kapuzen geh├╝llt gesehen h├Ątten. Es erfordert schon viel Kraft zu sehen und sie dann noch vergessen zu lassen, ist wesentlich schwieriger und...“, doch ich unterbrach ihre Entschuldigung.

„Juliette. Ich wei├č, wo sie sind.“, sagte ich ernst, aber versuchte meine Miene freundlich aussehen zu lassen.

„Wirklich!?“, fragte sie erleichtert, ihr Blick hellte sich auf. Ich wollte sie nicht l├Ąnger in Gefahr bringen, also trat ich an ihr vorbei und suchte mit meinem Blick nach dem n├Ąchsten Gullideckel.

Doch Juliette folgte mir. Bei den n├Ąchsten Worten konnte ich, wollte ich ihr nicht in die Augen sehen, deshalb hielt ich einfach im Gehen an und lie├č ihr meinen R├╝cken zugewendet.

Wenn ich es sagte, musste es ├╝berzeugend klingen. Ehrlich. Und ein Teil in mir, der wirklich dieser Meinung war, schaffte es, diese Ehrlichkeit in meine Stimme zu ├╝bertragen.

„Veraphim... Juliette..., wie auch immer du hei├čt, du kannst mir nicht mehr folgen. Ich danke dir f├╝r alles, was du getan hast, aber es ist genug. Bis hierhin und nicht weiter. Das hier muss ich allein tun.“

Ich ging angespannt auf einen Gullideckel an einer Seitenstra├če zu und lie├č mich zu diesem hinab, um ihn zu ├Âffnen.

Einige Meter entfernt stand Juliette, sich vor den Menschen versteckend, und sah mir reglos hinterher.

Sie konnte mir nicht folgen. In zweierlei Hinsicht. Die Menschen w├╝rden sie sehen und erkennen, dass sie anders war, deshalb konnte sie mir nicht einfach nachlaufen. Und sie w├╝rde sich diesem vermeitlichen Beschluss niemals entgegensetzen. Meinem Beschluss.

Nicht noch einmal wollte ich jemanden so in Gefahr bringen. Dass es eine meiner engsten Vampirvertrauten getroffen hatte und meinen geliebten Jason, das war mehr als genug. Ich wollte nicht, dass aus dem Ganzen, aus dem „wir“, letzendlich wieder nur ein „Ich“ bleiben w├╝rde. Ich wollte nicht wieder jemanden verlieren, wie ich damals mein 20-j├Ąhriges Leben verloren hatte, wie ich Rob mit dem Blutkuss seinerseits verlor und wie ich Claire in den Sonnenstrahlen verloren hatte. Diesmal w├╝rde ich k├Ąmpfen. Was ich auch war: Mensch oder Vampir. Oder Halbvampirin.

Ich hielt noch einen Moment inne, drehte mich aber nicht zu ihr um, sondern ├Âffnete den Deckel und seufzte vor dem, was mir bevorstand. Dann lie├č ich mich einsam hinab.

Kapitel 22 Ende.

In den dunklen, feuchten G├Ąngen schien absolute Stille zu herrschen. Als w├╝sste der Ort selbst, um was es ging und als w├╝rde er mit mir leiden, weil er wusste, was mir bevorstand.

Bei meinen leichten und doch z├╝gigen Schritten schwappte das Wasser zu meinen F├╝├čen laut und verst├Ąrkt durch die G├Ąnge im Echo. Es k├╝ndigte mich an. Denn das schlimmste an meinem Kommen war nicht, dass meine Feinde mit Sicherheit st├Ąrker waren als ich, sondern, dass ich bereits erwartet wurde.

Wie sollte die Nachricht sonst von Anette zu Bajon gelangt sein? Sicher, wir lebten im Mobiltelefonzeitalter, aber etwas an Bajons Blick hatte mir verraten, dass sie genau wusste, worum es ging und dies nicht nur aufgrund eines histerischen Anrufs oder einer m├Âglicherweise nicht ernst zu nehmenden SMS ihrer Schwester. Sie hatte es mit eigenen Augen gesehen, dessen war ich mir sicher. So wie sie ├╝ber die Sintflutlichen sprach und wie sich ihr Ausdruck dabei ver├Ąnderte, so ├Ąhnlich war es gewesen, als sie davon erfuhr, dass ich ein Halbwesen war. Eine Mischung aus Verwirrung, Angst und Verachtung formte sich in ihren Wangen, funkelte in ihren Augen und spitzte sich mit ihrem Mund zusammen.

Was w├╝rde eigentlich geschehen, wenn ich das Zentrum der Kanalisation erreicht hatte? Bestimmt w├╝rden sie auf mich warten. Sie wollten, dass Anette und Jason hier unten waren. Und sie wollten, dass ich es wusste. Sie wollten, dass ich zu ihnen kam und das bereitete mir Unbehagen.

Das einzige, das ich ├╝ber die Sintflutlichen wusste, war, dass sie mehrere Jahrhunderte alt waren und dadurch angeblich unvergleichbare Kr├Ąfte entwickelt hatten.

Ich war ihnen in jeder Hinsicht unterlegen. Ich war nur eine einzige Person und sie warteten dort zu zweit mit einem jahrhunderte altem Wissen, zwei Leibwachen (einem unheimlich schnellen Gegner und einem, dessen Gesicht ich verbrannt hatte und damit seinen unmittelbaren Zorn auf mich gelenkt hatte) bei sich und nicht einmal das ├ťberraschungsmoment auf meiner Seite.

In keiner Sekunde wollte ich bereuen, dass ich Juliette weggeschickt hatte, aber ich musste zugeben, dass ihre N├Ąhe mich schon etwas in Sicherheit gewogen h├Ątte.

Nichts desto trotz h├Ątte es mich genauso in Unsicherheit gewogen, sie in solch eine Gefahr zu bringen. Wie gesagt, es hatte bereits genug getroffen.

Etwas planlos lief ich weiter durch die G├Ąnge, die zu meinem Nachteil alle gleich aussahen. Niemand kannte die Kanalisation so gut wie die Vampire, die sie zur st├Ąndigen Abk├╝rzung benutzten oder sich dort vor der Sonne versteckt hielten. Aber wo genau das Zentrum lag, wusste ich nicht genau.

Doch ich wusste, ich brauchte nicht zu hetzen. Sie w├╝rden Jason und Anette nichts tun, ehe ich eintraf. Ich war es, die sie wollten... und eigentlich wusste ich nicht so recht, warum. Wenn sie w├╝ssten, was es f├╝r ein Fluch war, Menschlichkeit zur├╝ckzuerlangen, nur um sie dann wieder zu verlieren oder sich hilflos zu f├╝hlen in der Sterblichkeit, waren Dinge, die ich niemand anderem w├╝nschte.

Als ich das n├Ąchste Mal einbog, bemerkte ich erst zu sp├Ąt, dass ich in diesem Gang nicht allein war. Abrupt stoppte ich mein Herumirren und sah einem Nosferatu in sein scheu├čliches Gesicht. Reflexartig zuckte ich zur├╝ck. Ich war ein Mensch und es d├╝rstete ihm nach Blut, das sah ich ihm an. Seine Augen gl├╝hten bereits r├Âtlich. Ich konnte jetzt nicht einem Vampir zum Opfer fallen und schon gar keinem Nosferatu, der nur etwas Gerippe von mir zur├╝cklassen w├╝rde!

Er stellte seinen Kopf schief und versuchte sich mit seinem krummen R├╝cken aufrecht hinzustellen, um bedrohlicher zu wirken.

„Nein... ich kann nicht. Ich kann mich jetzt nicht mit dir auseinandersetzen, Vampir. Ich bin... selbst einer... oder war es, wie auch immer, ich muss ins Zentrum gelangen. Dort treffe ich mich mit den... Sintflutlichen.“, sagte ich, ehe ich langsam auf ihn zutrat, um an ihm vorbeischleichen zu k├Ânnen. W├Ąhrend ich ging und redete, kippte sein Kopf auf eine Seite und er be├Ąugte mich interessiert.

Und als er das Wort 'Sintflutliche' h├Ârte, begann er zu lachen. Ich wollte nicht, dass es mich ├Ąrgerte und aufhielt, aber der dreckige Nosferatu lachte mich aus. Also blieb ich neben ihm stehen und versuchte aus seiner Miene Klarheit zu erlangen.

„Warum lachst du?“, fragte ich verwirrt und ein wenig gereizt, nachdem ich nichts in seinem Ausdruck hatte lesen k├Ânnen. Doch statt mir zu antworten, lachte er nur noch lauter und grunzte etwas dabei.

Den Kopf sch├╝ttelnd, ging ich schlie├člich an ihm vorbei und machte den n├Ąchsten Gang ausfindig, doch der Nosferatu humpelte kr├╝pplig hinter mir her. Sein Lachen war in ein seltsam grunzendes Kichern ├╝bergegangen, doch er verfolgte mich immer noch.

Als ich mich zu ihm umdrehte und ihn mit meinem Blick durchbohrte, fing er wieder an zu lachen. In seiner Kauerstellung erinnerte er mich eher an einen trotteligen Affen als an eine wilde Bestie, welche er ja war.

„Das darf ich mir nicht entgehen lassen... eine Halbvampirin... das kommt vielleicht alle Eintausend Jahre vor!“, rief er durch seine fauligen Z├Ąhne und mir lief ein Schauer ├╝ber den R├╝cken.

„Du wei├čt, was ich bin?“, fragte ich vorsichtig und er begann langsam n├Ąher zu kommen.

„Dein Duft ist f├╝r einen Menschen nicht gerade verf├╝hrerisch und eine Todesnote liegt auf ihr. Als w├Ąrest du mal gestorben und nun zur├╝ckgekehrt. Nur ein einziges Mal habe ich solch einen ├Ąhnlichen Geruch wahrgenommen und das ist ├╝ber siebenhundert Jahre her! Du musst ein Halbwesen sein. Und wenn ein Halbwesen so dumm ist, sich den Sintflutlichen anzuschlie├čen, dann muss ich das mit eigenen Augen sehen!“, wieder lachte er sein grunzendes Lachen.

Ich sch├╝ttelte langsam den Kopf: „Nein, ich habe nicht vor mich ihnen anzuschlie├čen. Ich bin hier, um zwei Freunde von mir zu befreien. Aber nat├╝rlich bin ich ihnen vollkommen unterlegen, deshalb werde ich wohl tun, worum sie mich bitten... und wenn sie wollen, dass ich mich ihnen anschlie├če, werde ich das wohl tun m├╝ssen.“

„Ihnen unterlegen?“, fragte er skeptisch und ich wusste nicht, was diese Skepsis zu bedeuten hatte.

„Ja, sicher. Du riechst es doch. Ich bin im Moment nicht vampirisch. Das hei├čt ich kann absolut nichts gegen sie ausrichten.“

„Ihnen unterlegen!?“, grunzte er und kratzte sich mit seiner Krallenhand ├╝ber den beinahe kahlen Sch├Ądel, „Du bist ihnen doch nicht unterlegen! Warum denkst du, wollen sie ausgerechnet dich? Weil du etwas hast, das sie nicht haben! Du bist das perfekte Bindeglied zwischen Sonne und Mond, zwischen Himmel und H├Âlle, zwischen Mensch und Vampir. Wenn sie etwas f├╝rchten, dann das! Sie f├╝rchten dich! Und ehe sie dich zum Feind haben und nicht finden oder t├Âten k├Ânnen, wollen sie dich als Verb├╝ndete!“

Seine Worte taten ihre Wirkung und ich erkannte, worum es hier wirklich ging. Ich wusste, dass sie mich wollten, aber ich konnte mir nicht vorstellen, was es ihnen n├╝tzen k├Ânnte, da es f├╝r mich bisher eher ein Fluch als ein Segen gewesen war.

„Was ist mit dem Halbwesen passiert, das du vor siebenhundert Jahren getroffen hast?“, fragte ich neugierig, ich konnte mir kaum vorstellen, dass noch ein Vampir so bl├Âd gewesen war und eine Seraphim gebissen hatte.

„Sie hat die eine Seite t├Âten lassen.“, sagte er trocken und seufzte auf eine gressliche Art und Weise, „Fiona Asbury, eine bildh├╝bsche Frau. Sie war verliebt. Sie hat es f├╝r ihn getan. Und weil sie nicht mehr konnte. Weil das hin und her sie verr├╝ckt gemacht hatte.“

Also war sie in ihrem Zwispalt auf eine L├Âsung gekommen, wie sie kein Halbwesen mehr sein musste. Ich nahm an, sie hatte die richtige Wahl getroffen und hatte f├╝r ihren Liebsten die Sterblichkeit angenommen und hatte mit ihm ein sch├Ânes, ansehnliches, langes und dennoch nicht unendliches Leben. Es war wie in einem M├Ąrchen.

„Wie ist dein Name, Nosferatu?“, wollte ich wissen. Diesmal wollte ich von vornherein die Namen meiner Verb├╝ndeten oder Feinden wissen. Doch der Nosferatu kicherte nur.

„Ich habe es nicht nur gerochen.“, gab er zu, „Ich wusste, dass ich dich hier finde. Ein anderer Nos, Ratshaw, verriet mir, dass er einem seltsamen Wesen begegnet war. Ich brauchte nur zu warten.“

Meine Erinnerung spiegelte in meinem Kopf jenes Geschehen ab, als ich dem anderen gresslichen Nosferatu begegnet war. Jener Nos, der mich versucht hatte zu bei├čen. Er musste ihm von mir erz├Ąhlt haben.

„Und was willst du von mir?“, fragte ich und ich war mir nicht sicher, ob ich diesem h├Ąsslichen Wesen Vertrauen schenken konnte. Alles, was er sagte, konnte gelogen sein. Vielleicht hatten die Sintflutlichen auch ihn gekauft und er sollte mich nur davon ├╝berzeugen, dass ich auch auf jeden Fall auf sie traf.

„Ich will dir helfen... Ich will, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.“, sprach er geheimnisvoll und lotste mich zu einem Abwasserkanal, in den er hineinging.

„Hier entlang!“, rief er mir zu und ich wusste nicht, ob ich folgen konnte oder ob es sich um eine Falle handelte. Aber was konnte schon noch Schlimmeres passieren, als dass ich den Sintflutlichen hilflos gegen├╝berstand? Damit rechnete ich bereits. Und mir war bekannt, dass den Nosferatu diese Abwasserg├Ąnge gel├Ąufiger waren als allen anderen, also, wenn jemand den Weg ins Zentrum wusste, dann er.

Also atmete ich noch einmal kr├Ąftig ein und folgte dem humpelnden Gesch├Âpf vor mir durch den mit noch mehr Abwasser gef├╝llten, schmalen Gang.

Kapitel 23 Ende.

Noch einmal inhalierte ich den grausigen Duft des Abwassers, dann tauchte ich unter.

Als ich wieder hochkam, um Luft zu holen, wartete bereits eine Krallenhand auf mich, um mich aus dem Wasserschacht hoch zu ziehen. Der Nos, der mir bislang immer noch nicht seinen Namen verraten hatte, zog mich hinaus und musste sich damit abm├╝hen mich fest zu halten, da ich so ersch├Âpft war vom Tauchen und beinahe keine Luft mehr bekommen hatte, dass ich nur sehr kurz davor gewesen war, in Ohnmacht zu fallen und m├Âglicherweise beinahe ertrunken w├Ąre.

Nachdem ich mich einen Moment ausgeruht hatte und immer noch kr├Ąftig nach Luft keuchend dort auf dem Boden kauerte, erfasste mein Blick die ersten Gitter, die Bajon beschrieben hatte.

Noch immer atmete ich hektisch, doch erweckte der Anblick des nicht mehr all zu weiten Weges neue Kraft in mir.

Ich k├╝mmerte mich nicht darum, dass mein ganzer K├Ârper klitschnass war und ich vor K├Ąlte und Aufregung zittern musste. Auch war es mir egal, dass der mich lotsende Nosferatu gerade einige Ratten verspeiste (Mir war es ja vorhin schon aufgefallen, welch ein gro├čer Blutdurst ihn verfolgte und ich empfand es als ├Ąu├čerst erstaunlich, wie ruhig er es genommen hatte).

Ich f├╝hlte mich bereit. Es war nicht mehr weit, das sp├╝rte ich. Was auch immer die Sintflutlichen verlangen w├╝rden, ich w├╝rde alles tun, wenn sie Jason und Anette wieder freilie├čen. Aber ich wusste, dass sie nicht gerade nachsichtig waren in solchen Dingen, nicht einmal ihrer eigenen Rasse gegen├╝ber. Wieso h├Ątten sie sonst das „Elysium“ halb auseinandernehmen oder die unschuldigen Menschen ermorden sollen, nur um Aufmerksamkeit zu erregen?

Der Nos begab sich zum Gitter, das den einen Raum vom anderen trennte, und ├Âffnete es, das Schloss war bereits geknackt worden. Ein weiterer Hinweis darauf, dass wir uns auf dem richtigen Weg befanden.

Noch einmal atmete ich tief ein, dann folgte ich ihm.

Wieder schwappte das Wasser zu meinen F├╝├čen auf und ab w├Ąhrend ich die letzten Meter ging.

„Egal, was sie dir anbieten werden, du musst Geduld haben und darfst dich nicht auf sie einlassen.“, ermahnte mich der Nos und ging weiter voran, wendete sich mir nur kurz zu, ehe er wieder weiterging.

Ich seufzte. Er hatte ja keine Ahnung, was er da verlangte.

„Wenn das so einfach w├Ąre...“, entgegnete ich, doch er schien es ├╝berh├Ârt zu haben.

Ein letztes Mal bogen wir um die Ecke und fanden uns pl├Âtzlich in einem riesigen Raum mit starken Betons├Ąulen wieder.

Der Boden hier war besonders nass und die Decke besonders hoch. Trotz der herrschenden Dunkelheit der Kanalisation, schien es hier ├Ąu├čerst hell zu sein, ich konnte besser sehen als zuvor. Und der Raum war ├Ąu├čerst hellh├Ârig. Sie w├╝rden wissen, dass wir angekommen waren.

Hier w├╝rde er also stattfinden. Der letzte Kampf. Mein letzter Kampf.

Und dann endlich erblickte ich ihn! Weit, weit hinten in einer Art K├Ąfig, vor dem sich bereits Kev, Leo und eine weitere Person positioniert hatten.

„Jason!“, fl├╝sterte ich atemlos.

Zwar waren es mindestens noch 500m zum anderen Ende des Raumes, aber jeder Schritt kam mir so vor, als w├Ąren wir kilometer weit entfernt, als w├╝rde keiner meiner Schritte uns wirklich n├Ąher bringen.

Ein seltsames Gef├╝hl kam in mir auf, das mich schneller gehen lie├č. Der Nos lief die ganze Zeit voraus, doch mittlerweile hatten meine hektischen Schritte ihn eingeholt. Er hielt mich allerdings mit einer Pranke zur├╝ck, als ich ├╝ber sein Tempo hinausgehen wollte.

Ehe wir eintrafen, sagte niemand ein Wort.

Es dauerte eine ganze Weile bis ich die Sintflutlichen ausfindig machen konnte, aber als ich sie entdeckte, war es eindeutig, dass es sich bei ihnen um die legend├Ąren Vampire handelte. Sie hatten sich auf zwei S├Ąulen aufgeteilt, auf denen sie hockten, lauerten, auf uns warteten und uns beobachteten.

William stand auf der rechten S├Ąule, die uns am n├Ąchsten war. Er war sehr muskul├Âs, weitaus muskul├Âser als Kev es war und doch hatte er etwas sehr Edles an sich, das ihn wie aus einer anderen Zeit aussehen lie├č.

Dies galt erst Recht f├╝r Amanda, welche auf der hintersten linken S├Ąule sa├č und ihre ├╝berschlagenen Beine baumeln lie├č.

Sie hatte einen zierlichen und kleinen K├Ârperbau und war sehr schlank. In einer Krallenhand hielt sie einen Zigarettenhalter, an dem eine Zigarette vor sich hinbrannte. Die andere hatte sie in die H├╝fte gestemmt. Je n├Ąher wir ihr kamen, desto tiefer zog sich ihr Grinsen.

Erst als wir in ihrer unmittelbaren N├Ąhe standen, gesellten sich die Sintflutlichen ebenso zu uns, hechteten von den S├Ąulen hinunter und landeten perfekt und synchron nebeneinander einige Meter vor uns.

Mein Blick ging an ihnen vorbei zu den K├Ąfigen und ich ersp├Ąhte Leo und Kev und nun erkannte ich auch das Gesicht der anderen Person, die dort Wache hielt. Es war der Kahlkopf Dean, der Jason verraten hatte und den ich eigentlich fast vergessen hatte. Warum war er hier? Ich konnte mir das nicht erkl├Ąren.

Dann ging mein Blick weiter und blieb einen Moment an einer blonden Gestalt h├Ąngen, die ihre Augen w├╝tend auf die Sintflutlichen gerichtet, am K├Ąfig stand und mit einer Hand fest ein Gitter umklammerte. Anette.

Und dann wurde es ganz still in meinem Herzen. Dort sa├č Jason, weit weg von Anette (er hatte wohl noch immer mit seiner Angst vor ihr zu k├Ąmpfen) mit dem R├╝cken am K├Ąfig, die Seite zu uns gerichtet und bemerkte, dass mein Blick auf ihm lag und erwiderte ihn mit traurigen Augen.

Die Welt h├Ârte fast auf zu existieren.

Mein Mund ├Âffnete sich. Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte nicht. Es tat mir so Leid, dass ich ihn in diese Gefahr gebracht hatte.

Doch mein Mitgef├╝hl wurde unterbrochen durch Amanda, die sich zum ersten Mal seit dem Sprung bewegte: „Interessant.“

Eine weitere Weile herrschte Schweigen, ehe sich meine Schuldgef├╝hle in Wut umwandelten und sich mein besorgter Blick f├╝r Jason in einen Zornigen f├╝r Amanda verwandelte.

„Hat unsere Nachricht dich erreicht?“, fragte William unter einem Schmunzeln und ich erkannte seinen fehlenden Finger und die Brandnarben an seiner Hand, die ihm ein zu langer Spaziergang in der Sonne beschert hatten.

Anstatt etwas zu sagen, nickte ich. Der Nos, der mit mir gekommen war, ging einen Schritt vor.

„William...“, er neigte kurz und k├╝hl seinen Kopf, „Amanda...“, wieder neigte er seinen Kopf ein wenig, doch diesmal schien es h├Âflicher als zuvor.

„Das Halbwesen kommt mit mir.“, sagte er bestimmt und mein Blick fiel automatisch auf ihn. Wann hatten wir jemals davon gesprochen, dass ich mit zu ihm kommen w├╝rde?

Amanda kicherte erst kurz, dann lachte sie laut und teuflisch, als h├Ątte sie einen gro├čartigen Witz geh├Ârt.

William, der so steif stand wie ein Soldat, blickte einen langen Moment zu seiner Verb├╝ndeten und dann wieder zu uns. Ich fragte mich, ob sie sich wohl auf einer Art Ultraschallfrequenz unterhalten hatten.

„Nein, wird sie nicht. Sie ist hier, um ihren Menschenfreund zu retten.“, sagte Amanda mit einer grausamen Verachtung beim Wort 'Menschenfreund'.

„Jason.“, sagte ich k├╝hl und schritt an die Seite des Nosferatu.

Amanda war wohl beendruckt davon, dass ich nun auch etwas sagte und nicht l├Ąnger dem brodelnden Schweigen in mir unterlag, sondern die Wut nun preisgab, weil es nun an der Zeit war.

„Sein Name ist Jason.“, verbesserte ich Amandas Annahme, „Und ich bin hier, um ihn und Anette zu befreien.“

William lachte kurz und wartete anscheinend darauf, dass Amanda in sein Lachen miteinstieg. Diese brauchte lange daf├╝r. Ihr Kichern stieg langsam in ihr teuflisches Lachen auf. Es dauerte gef├╝hlte Minuten, ehe sie ausgelacht hatten.

„Was bin ich froh, dass sie fr├╝her eingetroffen ist als du. Den Spa├č h├Ątte ich um nichts in der Welt verpasst!“, mit einer eleganten Bewegung machte sie kehrt und nickte Kev zu, der am n├Ąhesten am Gitter stand. Mit einer Armbewegung und mir wieder zugedreht deutete sie auf das n├Ąchste Ereignis hin.

Kev holte einen Schl├╝ssel heraus und schloss den K├Ąfig auf, Jason stand ruckartig auf und ging tiefer in seine Ecke des K├Ąfigs, w├Ąhrend Anette sich zum Ausgang begab.

Skeptisch betrachtete ich Kev, der die K├Ąfigt├╝r aufmachte und Anette passieren lie├č. Diese machte einige Schritte auf uns zu, blieb jedoch direkt zwischen Amanda und William stehen.

Der Nos drehte sich zu mir und wollte genauso wissen, was das zu bedeuten hatte, wie ich, doch mein Blick heftete sich noch immer an Anette, die langsam anfing zu l├Ącheln.

„Ich verstehe das nicht...“, gab ich zu und hoffte in den anderen Gesichtern Antworten zu finden.

Ich fand eine Antwort in einem Gesicht. Anette l├Âste die Schn├╝re ihrer zu beiden Seiten herunterh├Ąngenden Z├Âpfe, dann nahm sie eines der B├Ąnder und knotete ihre blonden Haare zu einem Pferdezopf zusammen, so wie ihn ihre Schwester immer trug...

Meine Augen und mein Mund weiteten sich automatisch.

„Das kann nicht sein!“, fl├╝sterte ich ungl├Ąubig, ehe ich mir vor Schreck den Mund mit meiner Hand verdeckte.

Es war jetzt so eindeutig. Nie hatte ich diese Vermutung gehabt. Zwillinge, ja, siamesische, aber doch nicht als dies hatte ich sie gesehen!

Endlich erkannte ich die Wahrheit.

„Bajon und Anette sind ein und dieselbe Person...!“, schlussfolgerte ich und sch├╝ttelte entsetzt den Kopf.

„Dann war es von Anfang an dein Plan gewesen mich zu ihnen zu bringen! Du hattest Jason nie Schutz bieten wollen, sondern wolltest ihn die ganze Zeit entf├╝hren, um mich zu ihnen locken zu k├Ânnen! Bereits als wir den Schutzvertrag gemacht hatten, wolltest du nicht, dass er dir irgendetwas beweist mit dem Auftrag – du wolltest ihn in das Ocean House locken, einzig allein, um ihn dort entf├╝hren zu lassen! Es hatte nie einen Auftrag gegeben! Und Leo und Kev waren auch nicht zuf├Ąllig da. Sie hatten den Auftrag Jason zu entf├╝hren... Sie wollten gar nicht unser Leben retten, aber sie hatten auch nicht mit mir gerechnet, weil es ausdr├╝cklich ein Auftrag nur f├╝r Jason war. Und Bajon war auch nicht zuf├Ąllig vorhin da, um mir die Nachricht zu ├╝berbringen, sodass ich meine Meinung auf keinen Fall ├Ąndern w├╝rde, hierher zu gelangen... Es war einfach alles geplant!“

Nun ging mir ein Licht auf. Das alles war meinetwegen. Nicht zu fassen, dass meine Vampirfreundschaft mit Anette und auch Bajon so eine Wendung genommen hatte. Sie war eine Verr├Ąterin. Sie hatte das Ganze eingef├Ądelt...

„Interessant.“, sagte Amanda, „ Sehr interessant. Wenn du mal den Mund aufmachst, dann nicht umsonst. Du hast Recht. Wir mussten nichts weiter tun, als einen dir vertrauten Vampir zu finden, sie mit unseren Argumenten zu ├╝berzeugen und dich t├Ąuschen zu lassen. Und als wir von Bajonette von deiner Zuneigung zu diesem Menschen erfuhren, waren wir zutiefst ger├╝hrt und hatten unsere L├Âsung gefunden. Nun hatten wir das Druckmittel, das wir brauchten, um dich auf ewige Knechtschaft zu unterweisen. Und hier sind wir und lassen dir die Wahl. Lass deinen Freund laufen, schenke ihm sein noch so junges Leben, und verb├╝nde dich mit uns oder beende sein Leben jetzt sofort, in dem du dich gegen uns stellst!“

Kapitel 24 Ende.

„Halt dich zur├╝ck, Nelly.“, riet mir der Nos und machte sch├╝tzend einen Schritt vor mich.

Aber es war unm├Âglich sich zur├╝ck zu halten bei jenen Worten. Es war, als h├Ątte man in mir einen Schalter umgelegt. Auf der Stelle verwandelte sich meine unendliche Trauer in rasende Wut.

„Nicht..., du bist ihnen nicht gewachsen! Au├čerdem wollen sie dich lebend. Nur wenn du jetzt den Fehler machst und sie zuerst angreifst, werden sie sich wehren. Sie suchen doch nur eine Schwachstelle!“, tadelte mich der Nos wieder und meine H├Ąnde ballten sich zu F├Ąusten, mein gesamter K├Ârper war so angespannt, dass ich dachte, er w├╝rde jeden Moment krampfen.

Mein Atem ging unregelm├Ą├čig, es war beinahe ein Knurren aus meinem Inneren zu h├Âren. Bestimmt eine Art vampirischer Reflex, der sich trotz momentaner Menschlichkeit nicht absch├╝tteln lie├č.

„Toe hat Recht. Halte dich zur├╝ck. Nicht nur dein Leben h├Ąngt davon ab. Denk doch an deinen Liebsten...“, ein fettes Grinsen konnte sich Amanda nicht verkneifen.

Mein Blick wich ihr automatisch aus und folgte den Gitterst├Ąben zu Jason, doch Dean stellte sich meinem Blick in den Weg, verschr├Ąnkte die Arme vor der Brust und grinste ebenso.

Mir fiel nun bereits das Schlucken und Atmen so schwer, weil ich mich so verkrampfte, weil ich mich so zur├╝ckhielt, dass einzelne T├Âne zwischen meinen zusammengepressten Z├Ąhnen entwichen.

„Du hast selbst Schuld... du hast mir meine Tour versaut. H├Ąttest du dich blo├č nicht eingemischt!“, kam es von Dean, doch er wurde schnell gebremst durch Leo, der, wie ich annahm, wiedermal der einzige Ruhepunkt der grausamen Stille zu sein schien.

Meine Schuld. Ja, es stimmte und das war das schlimmste daran.

Der Nos, mit Namen Toe, drehte sich zu mir um und vergewisserte sich, dass ich nicht auf ihre Reden anspringen w├╝rde. Aber wie konnte ich auch? Es ging immerhin um Jason und ich hatte schon genug angerichtet. Ich hatte schon genug Blut an mir kleben (und das oftmals auch im w├Ârtlichen Sinne). Ich war mit Schuld befleckt. Ich konnte hierbei nicht gewinnen. Aber Jason vielleicht.

„Ich schlie├če mich euch an. Egal, was ihr mit mir vorhabt, ich werde es tun. Aber ich w├╝nsche, dass im Gegenzug Jason freigelassen wird.“, mein K├Ârper h├Ârte auf zu krampfen, ich resignierte.

„Nelly, nein!“, rief Toe und versuchte mir den Mund zuzuhalten.

In jenem Moment sah ich im Augenwinkel, wie Dean seine Arme aus ihrer Verschrenkung nahm und losrannte.

„Das reicht mir nicht!“, hatte er geschrien und lief auf mich zu.

Dean hechtete auf mich zu und Bajonette wich sachte einen Schritt beiseite, um ihn durch zu lassen. Leo verfolgte ihm blitzschnell und hatte ihn eingeholt, ehe er direkt vor mir, in Kauerhaltung, war und die Z├Ąhne bleckte.

Toe stand noch immer einen Schritt vor mir und hielt sch├╝tzend seine rechte Krallenhand vor mich, ehe er sich ganz vor mich stellte und Dean entgegenfauchte.

Amanda und William hingegen hatten sich kaum einen Zentimeter bewegt, ebenso wie Kev, der mich nur zu gern h├Ątte sterben gesehen.

„Nicht, Devin!“, warnte Leo ihn und hielt ihn an seinen Armen zur├╝ck.

„Devin...?“, wiederholte ich langsam seine Worte. Dean war tot. Gestorben. Diese Kreatur hier vor mir war ein Vampir und kein Mensch. Er hatte sich bei├čen lassen und sich ebenso mit den Sintflutlichen verb├╝ndet.

Ich hatte gewusst, dass es ├Ąu├čerst schlecht f├╝r mich aussehen w├╝rde, aber hier stand ich sechs Vampiren gegen├╝ber, selbst nur einen zur Seite stehend.

Bajonette ging aus Amandas und Williams Mitte hervor.

„Liebes...“, sagte sie wieder, wie sie es fr├╝her oft gesagt hatte. Diesmal hatte es f├╝r mich jedoch eine v├Âllig neue Bedeutung.

„Ich hatte keine Wahl. Du hast keine Wahl. Wir sind Vampire und das sollten wir auch bleiben. Entweder du entscheidest dich f├╝r uns oder gegen uns. Entscheide dich f├╝r das, was du bist oder f├╝r den endg├╝ltigen Tod. Nelly, sei nicht dumm, er ist nur ein Mensch!“, sprach sie und klang wirklich besorgt um mich. Aber jegliche ihrer Emotionen prallten an mir ab.

Gerade wollte ich ihr etwas entgegensetzen, ihr k├╝hl in ihre falsche Fratze sehen, und ihr erkl├Ąren, was Jason war, was er f├╝r mich war, denn er war viel mehr als einfach nur ein Mensch f├╝r mich, da wurde ich bereits unterbrochen.

„Ihr werdet ihn ja doch nicht am Leben lassen...“, kam es pl├Âtzlich ruhig von Toe, der die Augen geschlossen hatte und mittlerweile wieder an meine Seite getreten war. Irritiert blickte ich ihn an.

„Sintflutliche k├Ânnen untereinander Gedanken austauschen...“, sprach er und ich achtete auf Amanda und William, die unter sich einen Blick austauschten, als w├╝ssten sie nicht weiter.

„Ich bin erstaunt, Toe, zu was du f├Ąhig warst. Du hast einen Sintflutlichen ermordet, nicht wahr?“, nun sprach William mit seiner klaren, harten Stimme.

Nicht lange brauchte ich zu ├╝berlegen. Damit waren wir ihnen vielleicht doch nicht so unterlegen, wie ich angenommen hatte!

„Und wer einen Sintflutlichen t├Âtet, der wird selbst zu einem!“, sprach ich begeistert und Toe nickte.

„Und schon seit Minuten warten sie darauf, dass du einen Fehler machst, Nelly. Sie wollen dich nur zu eigenen Zwecken missbrauchen. Und sie hatten von Anfang an vor Jason zu eliminieren. Du h├Ąttest ihnen versprechen k├Ânnen, was du wolltest. Das h├Ątte nichts ge├Ąndert. Sie h├Ątten verlangt, dass du dich von ihm lossagst. Und h├Ąttest du dies getan, h├Ątten sie ihn in der n├Ąchsten Nacht aufgesp├╝rt und umgebracht.“, sagte Toe und sofort ├Ąnderte sich die Stimmung.

Wut und Hass spiegelten sich nun auch in den Augen der Sintflutlichen wider.

„Dann hei├čt es alles oder nichts.“, sagte Bajonette und sah mich feindlich an. Mir w├╝rde es schwer fallen, aber ich konnte nun auch ihr nicht mehr trauen und musste sie hier und heute t├Âten, irgendwie.

Devin machte sich ruckartig los, als Leo nicht aufgepasst hatte, und schnappte mit seinen Pranken nach mir, doch sofort trat mein Nosferatu-Begleiter Toe an meine Seite und umkrallte diese mit seiner Krallenhand. Es machte ein knirschendes und knackendes Ger├Ąusch, als Toe Devins Arm einmal herumdrehte und ihm jegliche eiserne und extrem harten Knochen brach.

Devin selbst hatte keine sonderlichen Schmerzen, aber sein Arm war einmal herumgedreht und es kostete ihn M├╝he und etwas Zeit, kostbare Zeit f├╝r uns, ihn wieder gerade zu drehen.

Amanda und William sprangen auf uns zu, nun war der Kampf entfacht, und es kostete Toe sichtlich viel Kraft es mit zwei Sintflutlichen auf einmal aufzunehmen.

Ich schreckte immer wieder einen Schritt zur├╝ck und sah mitan, wie immer wieder ein Vampir auf mich zu hechtete, um mir den Gar auszumachen.

Ein lautes „Nein!“ erf├╝llte den Raum, nur ich h├Ârte dieses Wort, mein Blick eilte nach hinten zu den K├Ąfigen, dann huschte er zum K├Ąfig, indem Jason war und ich sah, wie er dort mit H├Ąnden und F├╝├čen versuchte zu entfliehen. Und er schrie um mich.

Mit jedem Mal, das er meinen Namen rief, dass er Angst um mich hatte, sprang mein Herz beinahe aus meiner Brust.

Es konnte sich nur noch um Sekunden handeln, ehe ich von einem von ihnen erfasst wurde und einen grausamen Tod starb. Wahrscheinlich war es sogar der Kahlkopf Devin, ehemaligst Dean, selbst, der mir mein Lebenslicht ausl├Âschen w├╝rde.

Und pl├Âtzlich war es geschehen. Eine Krallenhand, ich sch├Ątzte die von Devin oder Kev, traf mich und warf mich zu Boden. Noch im selben Moment erbot sich mir der wundervolle Anblick eines glei├čendes Lichtes, das so sonnig und hell, und lie├č mich dahinschwinden.

Mir war schummrig. So f├╝hlte es sich also an einen gew├Âhnlichen Tod zu sterben. Mir war schwindelig. Es war so, als w├╝rden mehrere Personen gleichzeitig an meinen Gliedern zerren und mich herumwirbeln.

Ich konnte meine Augen nicht ├Âffnen. Mir war so, als w├Ąren sie bereits offen und das g├Âttliche Licht blendete so sehr, dass ich sobald das Himmelstor erblicken w├╝rde.

Aber ich h├Ârte etwas. Erst waren es nur stumpfe Ger├Ąusche, die sich anh├Ârten, als w├╝rden dumpfe Sch├╝sse auf eine Mauer treffen. Dann h├Ârte ich pl├Âtzlich eine Befreiung meines Schwindelgef├╝hls: „Ein Engel des Lichts, geboren um die Unendlichkeit des Himmels zu bewahren und zu besch├╝tzen. Ein Engel, geboren um zu k├Ąmpfen, f├╝r all jene, die es verdienen. Ein Engel, geboren, um zu t├Âten, all jene, die es wagen sich gegen das Licht zu stellen.“

Ich war nicht tot!

Die freudig ├╝berraschte Aussage von Leo, best├Ątigte mich darin. „Jules!“, rief er und ich konnte darin sein L├Ącheln h├Âren.

Pl├Âtzlich erlosch das helle Leuchten und ich sah Juliettes Gesicht direkt vor mir. Ich lag in ihren Armen und bemerkte jetzt einen stechenden Schmerz auf meiner Haut in der N├Ąhe meiner Brust.

„Juliette...!“, verbesserte sie wiedermal Leo, aber sie sagte es unter einem zufriedenen L├Ącheln und ich sp├╝rte ihre metallischen Fl├╝gel auf und ab – flattern.

Nun sah ich wieder um mich herum. Amanda und William, die vor dem Licht geflohen waren und daher nicht mehr direkt vor uns standen, tauschten erneute Blicke aus, doch unterlie├čen dies schnell wieder, weil sie wussten, dass Toe ihre Gedanken ebenso h├Âren konnte.

„Weil sie kein Vampir ist, ihr Dummerchen. Deshalb hast du sie nicht riechen k├Ânnen mit deiner Supersp├╝rnase, William!“, erkl├Ąrte Toe, der seltsamerweise nicht vor dem grellen Licht verschwunden war, wie alle anderen.

„Aber was machst du denn hier...?“, fragte ich Juliette, aber sie antwortete nur mit einem lieblichen L├Ącheln und einem Kopfsch├╝tteln.

„Ich will meine Rache!“, rief Devin und Kev stieg mit ein: „Genau wie ich. Himmelswesen hin oder her.“ und so atete alles pl├Âtzlich wieder in einen Kampf aus.

Aber es sah nun gar nicht mehr so finster f├╝r uns aus. Die Veraphim Juliette legte mich sanft hinab und stieg mit Toe an ihrer Seite in den Kampf mit ein. Sie hatte wohl erkannt, dass er auf unserer Seite stand.

Weil Kev Angst hatte in die unmittelbare N├Ąhe des Engels zu kommen, bevorzugte er es, mit seinen Energieblitzen herumzuwirbeln. Er hatte aber nicht damit gerechnet, dass Juliette in die H├Âhe flog und seine Blitze mit Leichtigkeit umkehrte. Dieser hatte bisher noch nie seinen eigenen Energieblitzen ausweichen m├╝ssen.

Kapitel 25 Ende.

Toe war weiterhin damit besch├Ąftigt sich Amanda und William gleichzeitig zu stellen. Daher fragte ich mich, warum Bajonette nicht die Chance nutzte, um mich zu bestrafen, dass ich nicht zu den Vampiren geh├Âren wollte. Wie konnte ich auch, wo ich doch keiner mehr war?

Als ich durch die Mitte zweier S├Ąulen hindurchsp├Ąhte, erkannte ich etwas Seltsames. Etwas, das ich erst glaubte, als es auch direkt vor meinem gesamten Blick zu erkennen war: Leo ringte mit Bajonette.

Nicht nur, dass ich mir sicher war, dass er eigentlich eine Schw├Ąche f├╝r sch├Âne (Vampir-) Frauen hatte, nein, er k├Ąmpfte doch tats├Ąchlich f├╝r die falsche Seite! Also eigentlich empfand ich es so als richtige Seite, aber mir war nicht recht klar, warum er nun f├╝r uns k├Ąmpfte und sich sogar gegen Kev stellte oder ging es ihm nur um die Clubbesitzerin?

Immer wieder sprangen sie aufeinander zu und versuchten sich Biss und – Kratzwunden zuzuf├╝gen.

Ich versuchte das Geschehen weiter zu beobachten und hoffte, dass keiner der Vampire es bis zu mir schaffen w├╝rde oder auf die Idee kam, sich an Jason zu vergreifen, als ich wieder auf meinen eigenen Schmerz gelenkt wurde, der sich unterhalb meines Halses auf meinem Dekolletee befand. Als ich zum ersten Mal an mir hinabsah, erkannte ich drei tiefe Einschnittwunden. Eine der Schnittwunden zog sich direkt durch mein Schl├╝sselbein, die anderen beiden lagen direkt darunter. Einer der Vampire, der mich soeben attackiert hatte, hatte meinen Hals nur knapp verfehlt.

Noch war ich also wirklich am Leben. Aber es war fragw├╝rdig, ob und wie lange ich es noch machen konnte. Nicht immer w├╝rde ich mich gekonnt aus dem Weg rollen k├Ânnen oder mich auf Toe und Juliette verlassen, dass sie mich besch├╝tzten.

Doch pl├Âtzlich wendete sich das Blatt. Mit einem gekonnten Sto├č, in jenem Moment als Amanda Toe auswich, um zu mir zu gelangen, brachte Toe William zum Schweigen. Selten hatte ich den Anblick erhalten k├Ânnen, wie es aussah, wenn ein Vampir einen anderen t├Âtete und besonders nicht, wenn es sich hierbei um Sintflutliche handelte.

Toe hatte seine Hand zu einer Faust geballt, zur├╝ckgenommen, um Schwung zu bekommen, und lie├č sie dann mit den Krallen voran in Williams Brust sausen. Auf der anderen Seite seines muskul├Âsen K├Ârpers erkannte ich Toes Krallenhand, die sich einmal durch ihn durch gebohrt hatte.

Williams Angriff wurde gestoppt, er konnte sich kaum regen, fiel dann hilflos auf die Knie mit weit aufgerissenen Augen und sank noch tiefer als Toe seine Krallenhand wieder aus ihm l├Âste.

Allein das kr├Ąftige Ger├Ąusch, das der Sto├č tat, hatte Amanda aufgehalten zu mir zu rennen. Sie war herumgewirbelt, doch es war zu sp├Ąt f├╝r sie, ihren Geliebten zu retten.

William fiel zu Boden, seine Augen waren leer und langsam, von seinem riesigen Loch im Herzen an, verwandelte sich sein K├Ârper in Staub und lie├č schlie├člich nichts mehr von ihm zur├╝ck.

Ein langer, eisiger und uns alle l├Ąhmender Schrei ert├Ânte.

Amanda sprang zu den ├ťberresten ihres Verb├╝ndeten und tauchte ihre H├Ąnde in den Staub, ungl├Ąubig dar├╝ber, was passiert war.

Toe atmete hektisch und betrachtete seine eigene Krallenhand, die mit Blut ├╝berstr├Âmt war. Mit Williams Blut.

Amandas K├Ârper wirkte klapprig. Sie sah aus, als w├╝rde sie jeden Moment zerbrechen. Sie sah jetzt gar menschlich aus. Ihre Krallenh├Ąnde zitterten mit den Asche oder Staubresten im Inneren, die sie versuchte zu umklammern.

Da ich auf dem Boden lag, machte das n├Ąchste Ereignis besonders Eindruck auf mich. Wie ich zuvor, verwandelte Amanda ihre unendliche Trauer in rasende Wut. Aber es war nicht einfach rasende Wut. Es war blinde Wut. Ich hatte von den unglaublichen F├Ąhigkeiten der Sintflutlichen geh├Ârt, aber nie hatte ich mir sie so gigantisch vorgestellt.

Amanda streckte ihre Arme in die H├Âhe und kreischte wie eine Mischung aus einer Sirene und einer Kettens├Ąge. Es war ein gressliches Ger├Ąusch.

Ringsumher verwandelte sich der Boden pl├Âtzlich. Erst f├Ąrbte er sich rot und ich sp├╝rte, dass mein R├╝cken immer w├Ąrmer wurde, dann verschwand langsam das Wasser zu unseren F├╝├čen, immer schneller verdampfte es und der Boden schien zu gl├╝hen.

Ihre Augen f├Ąrbten sich in tiefes, dunkles Rot, das eigentlich von gr├Â├čtem Blutdurst zeigte, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie Durst hatte, denn ihre Augen verf├Ąrbten sich nicht langsam und st├Ątig in diese Farbe, sondern waren urpl├Âtzlich so. Als h├Ątte etwas in ihr den Urvampir entfacht.

Aber etwas ├Ąhnelte diesem Zustand sehr, der mit Blutdurst heraufbeschworen wird. Sie befand sich ohne Zweifel in einer Art Raserei...

Bald schon erzeugte sie eine grausame Hitze, die mich noch schwerer atmen lie├č als schon zuvor.

Flammen z├╝ngelten sich bald durch den gigantischen Raum, wanderten die S├Ąulen hinauf und brennten alles nieder.

Amanda lie├č die Flammen ihrem Willen folgen und schleuderte sie in unsere Richtung. Juliette schaffte es jedoch, mich rechtzeitig aus dem Weg zu ziehen und nahm mich dann wieder auf den Arm, um mit mir in die H├Âhe zu fliegen. Selbst Bajonette und Leo hatten aufgeh├Ârt zu ringen. Alles sah gespannt auf die Sintflutliche, die den Verstand zu verlieren schien.

Da das Feuer bald ├╝berall war und uns eingekreist hatte und wir selbst in der Luft uns nicht mehr davor verstecken konnten, mussten wir uns hinter die S├Ąulen begeben, hinter denen das Feuer es bisher noch nicht geschafft hatte.

Devin rannte von der N├Ąhe des K├Ąfigs aus auf seine Herrin zu, um ihr zur Seite zu stehen, doch Amanda schien nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden zu k├Ânnen und lie├č ihn einfach vor aller Augen in Flammen aufgehen. Immer wieder schrie sie, benommen von ihrer Raserei.

Juliette, die hinter den S├Ąulen mit mir gelandet war, legte mich ab. Leo stand neben ihr und auch Bajonette stand in unserer N├Ąhe. Nun war nur noch Toe in der brennenden Hitze und stand eingeschlossen zwischen den Flammen, die sich bereits meterweit t├╝rmten.

„Amanda...!“, rief er und hielt sich die Arme sch├╝tzend vors Gesicht. Feuer war nicht gerade jeder Vampirs Freund...

„Amanda...! Beruhige dich! Komm zu dir! Du wirst dich noch selbst t├Âten!“, schrie er, doch sie schien nicht zu h├Âren.

Nun ging das Getuschel auch bei uns los. Keiner verstand, wie ein Vampir so ausrasten konnte. Mir war bewusst, dass jeder Vampir in Raserei eine t├Âdliche Waffe war, aber so etwas hatte ich noch nie gesehen.

„Sie hat sich nicht mehr unter Kontrolle...“, nuschelte Bajonette vor sich hin, doch ich h├Ârte es genau.
Ich versuchte mich aufzurichten, Juliette verlangte zwar von mir, dass ich mich wieder hinlegte, aber ich wollte es dennoch versuchen.

„Sie ist so... wegen William... oder?“, fragte ich und ich blickte in ratlose Gesichter. Nun trat Bajonette n├Ąher an unsere Gruppe heran.

„Ich habe schon mal davon geh├Ârt. Wenn Vampire sich in Paare zusammentun, ist es meistens eine Beziehung, die nur auf Macht aufbaut und auf kein Vertrauen oder ├ähnliches. Aber bei Sintflutlichen, die Jahrhunderte miteinander verbringen, entsteht wom├Âglich eine menschen├Ąhnliche Bindung...“, sprach sie und wechselte mit mir einen Blick. Hatte sie tats├Ąchlich zugegeben, dass Menschen eine solche Verbindung hatten, dass sie lieben konnten?

Vielleicht verstand sie nun ein wenig besser, wie es um mich und Jason ging.

„Du meinst... Amanda hat ihn wirklich geliebt?“, fragte Leo fassungslos und runzelte die Stirn.

Ich konnte mir das gut vorstellen. Eigentlich war ich immer der Meinung gewesen, dass Vampire so etwas wie Liebe nicht erfahren konnten, aber als ich Jason als Halbvampir kennenlernte, war es auch in meinen Vampirstunden so, dass ich ihn in Sicherheit wissen musste.

Vielleicht gab es also doch eine solche Verbindung unter Blutsaugern.

„Ich muss irgendwie zu Jason... Er ist noch in dem K├Ąfig... Bald wird das Feuer auch da sein...“, sagte ich zu Juliette und sie nickte.

„Ich wei├č..., aber wir kommen da jetzt nicht hin. Das w├Ąre Selbstmord. Du siehst doch, wie sie ist.“, sie versuchte mich zu bes├Ąnftigen, aber es half nicht. Ich sch├╝ttelte vehement den Kopf, um ihr zu signalisieren, dass mir das egal war, dass ich auch zu ihm robben w├╝rde, wenn es nicht anders ging, aber sie schlang ihre Arme um mich und lie├č mich nicht entkommen.

Zu meiner Verwunderung trat Bajonette an meine Seite und sah mich an mit Anettes Augen. Ein jugendliches, freches Funkeln lag darin. Wie damals, als ich sie am Strand kennengelernt hatte, als ich noch Mia Janies war. Und auch sie schien sich an jenen Moment zur├╝ck zu erinnern.

„Robert hatte Recht. Du w├╝rdest niemals einen normalen Vampir abgeben. Deshalb verwandelte er dich. Er wollte, dass deine Besonderheit f├╝r immer existiert.“, sprach sie und l├Ąchelte urpl├Âtzlich freundlich, wie Bajon es getan hatte, und ging zu den n├Ąchsten S├Ąulen hin├╝ber, um von dort aus auf das Kampffeld zur├╝ck zu gelangen.

„Nein...!“, rief ich ihr hinterher, aber sie schien mir Wiedergutmachung schenken zu wollen, rannte durch das Feuer, lie├č sich vom Feuer treffen und wurde schnell von Amanda bemerkt. Diese wendete sich ihrem n├Ąchsten Opfer in ihrem blinden Wahn zu und attackierte sie. Diesmal schien es ihr nicht zu gen├╝gen mit dem Feuer zu spielen, sondern biss auf sie ein.

Die Grausamkeit dieser Tat l├Ąhmte mich abermals, bis Leo es erkannte: „Das ist ein Ablenkungsman├Âver!“

So schnell sie konnten, machten sich Leo und Juliette auf den Weg ins Feuer und lie├čen mich bei Kev zur├╝ck, den ich jetzt erst in unserer Gruppe bemerkt hatte.

Es war ein grausiges Unbehagen, das mich erf├╝llte, das er nun in meiner N├Ąhe war. Er konnte mich ohne Probleme t├Âten, jetzt, da wir allein waren.

Er grummelte und setzte sich zu mich.

„Leo ist f├╝r mich wie ein Bruder...“, sagte er, aber seine Miene blieb hart, „Er hat die Seite gewechselt. Er hat sich auf deine Seite gestellt.“

Ich nickte zaghaft und wartete ab, ob er noch etwas tun oder sagen w├╝rde, aber er machte keine Regung und lie├č irgendwann seinen Blick von mir ab und sah Leo und Juliette hinterher.

Wenn ich mich unbeobachtet f├╝hlte, erhaschte ich einen Blick seiner Narbe und f├╝hlte mich erneut schuldig. Der Jagdausflug mit Leo und ihm hatte mir damals wirklich Spa├č gebracht. Sie hatten mir nie ein Leid tun wollen. Erst als ich Kevs Gesicht verbrannte, hatte ich mir seinen Rachedurst selbst eingebracht.

Leo flitzte in seiner Blitzgeschwindigkeit zu den bei├čenden Flammen hin├╝ber. Als Amanda mit Bajonette fertig war, schien sie sich schon ein neues Opfer auserkohren zu haben. Jeder, der ihr zu nah kam, w├╝rde es schnell bereuen. Aber vielleicht war Leo ihr mit seiner Schnelligkeit ├╝berlegen.

Er rannte hin und her und wich den Flammen aus, die sie ihm entgegensendete. Juliette versuchte w├Ąhrenddessen durch die Luft zum K├Ąfig zu gelangen. Ich f├╝hlte mich so hilflos, dass ich nur zusehen und ihnen nicht aktiv helfen konnte.

Wie aufs Stichwort, stand Kev auf und ging langsam ebenso zum Kampfschauplatz hin├╝ber. Ich wusste nicht direkt, warum, aber er schien mir nun auch helfen zu wollen. Oder zumindest seinem Gef├Ąhrten.

Doch keiner konnte es schaffen, keiner kam an Amanda vorbei. Nicht einmal Leo, der sich so schnell bewegte, wie er nur konnte, vermochte es durch die Flammentore hindurch zu rennen.

Ich versuchte mich erneut aufzurichten, diesmal wollte ich aufstehen, um selbst dem Geschehen n├Ąher zu kommen.

Als ich mich an einer S├Ąule hinaufzog und n├Ąhertrat, erblickte ich das gesamte Ausma├č des Feuers.

Toe befand sich immer noch in der Mitte des Raumes kurz vor Amanda und schien sie zur Vernunft bringen zu wollen, doch vorerst nichts, was er sagte, schien bei ihr Geh├Âr zu bekommen.

Zu seinen Seiten befanden sich Kev, Leo und Juliette, die verzweifelt einen Durchgang in ihrem Flammenmeer suchten.

Doch dann schrie Toe laut und eindringlich einen Namen und die Flammen erloschen urpl├Âtzlich.

„Fiona!“, schrie Toe und hielt die H├Ąnde vor sich, beinahe so, als ob er nach ihr greifen wolle.

Fiona... ich ├╝berlegte. Diesen Namen hatte ich schonmal irgendwo geh├Ârt.

„Fiona... komm zu dir! Alan ist tot! Nichts bringt ihn wieder her! Du musst aufh├Âren! Es ist nicht meine Schuld! Du hast damals die Entscheidung getroffen, erinnerst du dich? Du hast die falsche Entscheidung getroffen, nicht ich! Ich bin hier, damit sich die Geschichte nicht wiederholt!“, sie schien ihm zuzuh├Âren, doch lie├č einzelne Flammen um sie herum wirbeln, sodass ihr keiner zu nahe kommen konnte.

Jetzt pl├Âtzlich wirkte sie wieder so verletzlich. Aber was hatte Toe damit gemeint, dass er nicht wollte, dass sich die Geschichte wiederholte?

Doch anstatt, dass es jetzt endlich vorbei war und sich Amanda beruhigte, schien sie jetzt erst richtig loszulegen. Sie schenkte mir einen hasserf├╝llten und trotzdem tieftraurigen Blick.

Sie t├╝rmte die Flammen vor sich auf, sodass niemand sie mehr sehen konnte. Sie versperrte uns den Weg zu sich und auch zu Jason. Was hatte sie vor?

Hinter den hiesigen Flammen, die alle anderen von ihr fernhielten, vernahmen wir ihre Worte. Sie hegte noch immer einen Groll gegen Toe, das war mir bewusst, aber etwas an ihrer Stimme stimmte mich ├Ąngstlich, beinahe mitf├╝hlend.

„...Dass sich die Geschichte nicht wiederholt...! Toe..., du wei├čt nicht, wovon du da sprichst! Diese Geschichte hat Jahrhunderte ├╝berlebt! Nur du hast sie zerst├Ârt! Du hast sie kaputt gemacht!“, schrie sie verzweifelt und sie jaulte schrill und laut. Dabei erinnerte sie mich an mich, als ich Bajon meinen Besuch abgestattet hatte und von ihr erfuhr, dass Anette und Jason entf├╝hrt worden waren.

„Das ist nicht wahr! Du hast dich falsch entschieden! Und du hast es immer bereut, das wei├č ich. Fiona, komm zu dir und h├Âr auf mit dem Wahn, du wirst dich noch selbst zerst├Âren!“, auch in Toes Worten lag eine gewisse F├╝rsorge und Angst um die Vampirin.

Nun kam ich hinter den S├Ąulen hervor und betrat humpelnd unter Schmerzen meiner Brust die riesige Halle.

„Fiona Asbury!“, die Worte machten sich aus meinem Mund, ehe ich ├╝berhaupt verstand, was sie bedeuteten.

Toe sah zu mir her├╝ber und einige der Flammen vor Amanda schienen sich zu legen. Der Name hatte sie irritiert, denn es war ihr Name gewesen, als sie noch ein Mensch war.

„Fiona Asbury... du warst das Halbwesen vor siebenhundert Jahren! Du hast dich nicht f├╝r das Menschsein entschieden, sondern hast die menschliche Seite in dir t├Âten lassen, um f├╝r immer mit deinem Geliebten zusammen sein zu k├Ânnen...“, meine Worte taten ihre Wirkung und die Flammen schossen in die H├Âhe, machten sich auf zur Decke und schl├Ąngelten sich die Decke entlang. Die falsche Entscheidung, die sie getroffen hatte, war, dass sie die Menschlichkeit aufgegeben hatte, denn die wahre Liebe w├╝rde nur in einem menschlichen Herzen Platz finden. William und sie hatten trotzdem eine seltene Verbindung, aber die Liebe war ausgel├Âscht.

„Und es darf sich nicht wiederholen, Nelly!“, rief mir Toe zu, als h├Ątte er meine Gedanken geh├Ârt. Ich nickte zaghaft, doch ein Schrei lie├č mir meine Adern gefrieren.

„Nelly!“, schrie Jason hinter dem Feuervorhang. Was hatte sie mit ihm vor? „Nun muss sie dasselbe erleiden, was ich erlitt, Jahrhunderte lang! Die Geschichte wird sich wiederholen! H├Ąttet ihr mir meine Liebe gelassen, h├Ąttet ihr mir mein Leben gelassen, h├Ątte es nicht so enden m├╝ssen!“, schrie sie und ich konnte h├Âren, dass Jason sich in ihren Armen wehrte.

„Nein, Jason!!!“, schrie ich und lief n├Ąher auf die Flammen zu, die mich sofort wieder zur├╝ckjagten.

Toe lief mir nach und zog mich einige weitere Meter nach hinten. Leo brauste an meine Seite und versuchte ebenso mich festzuhalten. Juliette hingegen versuchte sich wieder auf in die L├╝fte zu machen, aber es war so hei├č, dass ihre Fl├╝gel nicht funktionierten.

Fiona Asbury wollte mir also nun denselben Fluch anh├Ąngen, den sie sich selbst auferlegt hatte, siebenhundert Jahre zuvor.

„Jason!“, schrie ich und weinte verzweifelte Tr├Ąnen. Gegen die immensen Kr├Ąfte von Toe und Leo w├╝rde ich ja doch nichts ausrichten k├Ânnen.

Und dann mit einem Mal fielen die Flammen wie ein seidiger Schleier zu Boden, klatschten auf dem Boden auf und l├Âsten sich langsam auf. Hinter der brennenden Fassade, die sich noch durch die Luft zog, sah man nur eins: Amanda, die sich ├╝ber Jason beugte, seinen Kopf in beide Krallenh├Ąnde legte, ihn zu sich zog und sich seinen Lippen n├Ąherte.

Die Welt h├Ârte auf zu existieren...

Ich lauschte der Stille und sogar mein Herz hatte aufgeh├Ârt zu schlagen. Ich konnte nichts mehr sagen. Mein Mund f├╝hlte sich taub an. Es war ein seltsamer R├╝ckblick, der mich einholte. Ich sah mich am Strand mit Rob, der mir versicherte, alles w├╝rde gut werden, mich an sich zog und mir den Blutkuss ├╝bergab.

Als meine Augen weinen wollten, bemerkte ich, dass sie nicht konnten. Dass sie sich weigerten und, dass ich stattdessen jaulende Ger├Ąusche von mir gab. Das Stechen auf meiner Brust hatte ebenso nachgelassen, daf├╝r begann etwas in meinem Mund pl├Âtzlich zu schmerzen und meine H├Ąnde f├╝hlten sich hart an. Ich riss mich augenblicklich los und rannte auf Amanda zu.

Ein gigantisches Knurren erf├╝llte meine Kehle, das Amanda zu mir blicken lie├č. Sie legte Jason zu Boden, der sich vor Schmerzen kr├╝mmte, und wich zur├╝ck. In ihrem Ausdruck lag Todesangst und ich erkannte den Anblick der Schuld in ihren Augen.

Doch das half nichts, ich rannte direkt auf sie zu und attackierte sie mit Bissen, entriss ihr Fleisch bis ihr Blut ihren K├Ârper ├╝berstr├Âmte und ich von ihr fortgerissen wurde. Ich hatte sie gerissen, wie ein Tier. Ich sp├╝rte den Vampirismus. Die Nacht musste angebrochen sein. Und statt mich um Jason zu k├╝mmern, hatte ich mich um Amanda 'gek├╝mmert'.

Am K├Ąfig lehnend wurde ihr Blick immer tr├╝ber. Leo versuchte mich zur├╝ckzuhalten, denn mein K├Ârper schien immer noch k├Ąmpfen zu wollen, dabei dachte ich schon l├Ąngst nicht mehr daran. Ich wollte nicht mehr k├Ąmpfen, aber meine Krallenh├Ąnde und Z├Ąhne schienen nicht auf meinen Wunsch zu h├Âren. Oder vielmehr schienen sie auf den inneren Wunsch mehr zu h├Âren, als ich es selbst tat. Ich wollte Jason retten, etwas in mir verfolgte Amanda bis zu ihrem bitteren Ende und ging davon aus, dass es sein Leben verschonen w├╝rde. Aber es war zu sp├Ąt. Jason hatte den Blutkuss bereits empfangen. Endlich gab auch mein K├Ârper nach und stimmte in meine tragischen Gedanken mitein. Jason lag auf dem Boden, zuckte immer wieder zusammen und st├Âhnte laut unter den gresslichen Schmerzen auf.

„Jason...!“, fl├╝sterte ich, ehe ich sah, dass er stark am Hals blutete. Ich hechtete zu ihm her├╝ber und erkannte, dass sie ihn nicht verflucht hatte, dass er nicht den Blutkuss empfangen hatte, weil sie ihn verschont hatte. Irgendetwas schien Amanda doch daran gehindert zu haben, ihn zu einem Vampir zu machen. Doch schnell erkannte ich, weshalb die Schuld in ihren Augen dennoch so echt gewesen war.

Sie verlangte es von mir... Sie verlangte es von mir, dass ich es tat. Als ich Jason herumdrehte, sah ich, wie tief verwundet er wirklich war. Selbst mit Leos Schnelligkeit und Juliettes Flugk├╝nsten zusammen h├Ątten wir es nicht rechtzeitig in ein Krankenhaus geschafft.

„Nein! Nein! Nein!“, rief ich immer wieder. Toe trat an meine Seite und atmete schwer ein, als er es ebenso erkannte.

„Du hast die Wahl.“, sagte er und hockte sich neben uns, w├Ąhrend ich Jason im Arm hielt.

„Halt durch, halt durch!“, rief ich immer wieder, doch Toes Krallenhand, die mich ber├╝hrte, stoppte meine sinnlosen Rufe.

„Er hat nur noch ein paar Minuten..., wenn ├╝berhaupt. Du musst dich entscheiden. Amanda konnte ihn nicht selbst k├╝ssen, sie wollte, dass du genauso entscheiden musst, wie sie es einmal musste. Daher werde ich dir ebenso die Entscheidung ├╝berlassen. Wenn du ihn jetzt k├╝sst, wird er f├╝r immer ein Vampir sein. Aber er wird dich nicht lieben k├Ânnen. Aber wenn du jetzt nichts tust, wird er bald sterben...“, sagte Toe langsam und bedacht, doch ich sch├╝ttelte immer wieder den Kopf.

Wieso verlangte er das von mir? Ich wollte ihm nicht sein Leben nehmen, in keinerlei Hinsicht.

Mich hatte man damals nicht gefragt, ob ich ein Vampir sein wollte. Und auch wenn ich wusste, dass Jason diese Welt gefiel, war ich mir nicht sicher, ob er auch diese Welt sein wollte.

Gerade auch, weil ich wieder wusste, wie es war, menschlich zu sein, wie es war zu lieben..., wollte ich ihn am Leben lassen. Aber er hatte nur noch ein paar Minuten. Was sollte ich tun?

Ich n├Ąherte mich Jasons Gesicht, welches schmerzverzerrt hin und her schaukelte aufgrund der Schmerzen. Sein Blut rann immer weiter seinen Hals und seine Brust hinab. Es war bereits ├╝berall. Ich bemerkte, dass Leo sich zur├╝cknahm aufgrund des Geruchs. Ich vermutete, er hatte etwas Durst bekommen bei diesem Anblick und wollte das gef├Ąhrliche Gef├╝hl niemandem zeigen.

„Jason...! Jason...!“, rief ich immer wieder und ein trauriges Jaulen erf├╝llte meine Brust. Es war ein Wunder, dass das viele Blut keinen Durst in mir aufkommen lie├č.

„Ne...lly...“, kam es kraftlos zur├╝ck und alles, was als n├Ąchstes geschah, wirkte auf mich wie in Zeitlupe. Noch einen winzigen Augenblick sah ich ihn an, dann schloss ich meine Augen, dr├╝ckte sanft meine Lippen auf seine und dr├╝ckte ihn nah an mich heran. Mein Vampirk├Ârper tat, wie ihm mit dem Fluch aufgetan. Ich sp├╝rte die frostige K├Ąlte auf unseren Lippen und versiegte sie mit dem Blutkuss.

Er schloss ebenso seine Augen und sein Herz h├Ârte auf zu schlagen. Und auch ich ├Âffnete meine Augen nicht mehr.

Mein Herz f├╝hlte sich hohl an. Dann schwanden jegliche Gef├╝hle und ich h├Ârte nur den dumpfen Aufprall meines Kopfes auf dem harten Steinboden, auf dem ich neben ihm zu Boden glitt.

Kapitel 26 Ende.

„Jules!“

„Mein Name ist immer noch Juliette, kleiner Vampir!“

„Mir gef├Ąllt Jules aber besser!“

„Das ist mir doch egal! Mein Menschenname war Juliette Miller.“

„Okay, dein Menschenname. Aber du bist ein Engel oder sowas, also leg den Namen doch ab.“

„Machen wir es so: Wenn ich eine Seraphim bin, nenne ich mich Jules! Und da das niemals eintritt, musst du mit Juliette leben!“

„Mir egal, irgendwann hei├čt du Jules! F├╝r mich bist du es eben jetzt schon!“

„Und verr├Ątst du mir auch, wie dein Name war? Ihr Vampire ├Ąndert eure menschlichen Namen doch auch um, wenn ihr euch verwandelt habt oder?“

„Der war Leo!“

„Erz├Ąhl keinen Unsinn!“

„Doch, ich hie├č Leo Hicks.“

„Leo Hicks? Hicks, wie ein Schluckauf?“

„Das ist nicht so lustig, wie du denkst...!“

„Ach, doch, ich finde schon!“

„Oh, sieh mal, sie ist aufgewacht...“

Schweigen herrschte bis sich meine Lider langsam hoben und ich zu blinzeln begann. Erst nach einigen Sekunden erkannte ich wieder einige Umrisse. Ich befand mich in meiner alten Wohnung. Das Licht war nicht eingeschaltet, also nahm ich an, es w├Ąre Nacht. Das war es, was ich nun am wenigsten wollte: Vampir sein. Aber das war es, was ich nun war.

„Kev hat dich hierher getragen, ist das nicht ├Ąu├čerst lieb von ihm, nachdem du sein h├╝bsches Gesicht so enstellt hast?“, Leo grinste mir entgegen und ich h├Ârte ein Grummeln aus einer Ecke des Raumes und nahm an, dass es Kev war.

„Wenn du was trinken willst..., hier ist ein Blutbeutel...“, murmelte Juliette mit sichtlicher Abneigung.

Ich erhob langsam meinen K├Ârper und nahm aus Reflex den Beutel in meine Kralle. Ich betrachtete das Blut, das so verf├╝hrerisch darin aufblitzte. Sie hatten den Beutel sogar f├╝r mich aufgew├Ąrmt.

„Wo ist er...?“, sagte ich monoton und legte den Beutel wieder beiseite. Ich wollte jetzt nicht trinken.

Augenblicklich wurde es bedr├╝ckend still im Raum. Leo und Juliette wechselten traurige Blicke.

Juliette seufzte tief und entfernte sich von meinem Bett. Leo setzte sich zu mir und machte mir den Beutel auf. „Du solltest erst einmal was trinken.“, sagte er sanft, doch in mir kam schnell Panik auf.

„Wo ist er? Wo ist Jason??“, fragte ich hektisch, doch keiner antwortete mir. „Trink.“, sagte Leo wieder und f├╝hrte den Blutbeutel an meinen Mund, doch ich stie├č ihn mit meiner Krallenhand beiseite und er landete mit einem lauten Platschen an der Wand und platzte auf. Das Blut floss aus ihm heraus und verteilte sich auf dem Boden, so wie es Jasons Blut in der Kanalisation getan hatte, so wie es aus seinem Hals geflossen war, als ich bei ihm war und nicht mehr weiter gewusst hatte.

Eine ganze Weile herrschte Schweigen, als h├Ątten alle dieselben Bilder vor Augen, ehe Kev sich erhebte und den Platz von Leo einnahm, der sich erhob und sich zu Juliette gesellte.

Kev r├╝ckte n├Ąher und ich betrachtete schuldig seine Narbe im Gesicht.

„Jason ist dort unten gestorben.“, sagte er ruhig und meine Augen weiteten sich. Also hatte ich ihn get├Âtet! Ich hatte ihn in diese Gefahr gebracht und er war trotz meines Versuchs ihn zu verwandeln gestorben. Vielleicht hatte er die Schmerzen des Fluches nicht ertragen. Ich hatte von solchen Geschichten geh├Ârt. Dass nicht jeder Mensch den Fluch annehmen konnte. Dass manche bei den grausamen Schmerzen der Verwandlung ums Leben kamen...

„Sein Herz h├Ârte auf zu schlagen und er wurde zu einem Vampir.“, erg├Ąnzte Kev und meine Augen verkleinerten sich wieder.

Ich wusste nicht recht, ob dies besser war. Ob es nicht besser gewesen w├Ąre, wenn er einfach gestorben w├Ąre.

„Und wo ist er...? Geht es ihm gut?“, fragte ich, doch Kev sah ├Ąngstlich zu Leo und Juliette in die Ecke her├╝ber.

Dann kamen die beiden ebenso zu mir und setzten sich auf mein Bett, w├Ąhrend Kev wieder zu seinem Stuhl ging und sich dort setzte.

„Ehrlich gesagt..., wir wissen es nicht. Wir blieben noch einige Stunden da unten. Du schienst bewusstlos oder in einer Art Trance zu sein, w├Ąhrend Jason die Verwandlung absolvierte. Irgendwann konnte Jason seine Augen wieder ├Âffnen und sie hatten einen r├Âtlichen Schimmer. Als wir ihm alles erkl├Ąren wollten, stand er hektisch auf und entfernte sich von uns. Er hatte Durst und Toe zeigte ihm, dass man sich als Frischvampir zun├Ąchst einmal auch von Ratten ern├Ąhren k├Ânne. Und als wir beschlossen dich erst einmal zur├╝ck in deine Wohnung zu bringen, sagte Jason, er wolle nicht mitkommen. Also blieb Toe bei ihm. Aber als wir vor ein paar Stunden das letzte Mal unten waren, gab es keine Spur von Toe und ihm. Es tut mir Leid...“, erkl├Ąrte Juliette und umfasste meine Krallenhand.

Ich schluckte. Er wollte nicht bei mir sein? Ich hatte ihn zerst├Ârt. Ich hatte ihn kaputt gemacht. Ich hatte ihn verloren...

 

 

 

Fiona Asbury liebte einst einen Mann namens Alan William Walden. Sie trafen sich heimlich an einem Brunnen und erkl├Ąrten sich ihre Liebe. Doch Fiona sagte, sie w├╝rde Alan nie bei Nacht treffen k├Ânnen. Den Grund hielt sie geheim. Irgendwann kam Alans Vater dahinter und wollte die Halbvampirin, welche Fiona war, umbringen. Doch Alan sch├╝tzte sie mit seinem Leben. In ihrer Wut riss sie seinen Vater, der ihre Liebe zu zerst├Âren gedroht hatte, der seinen eigenen Sohn t├Âdlich verletzt hatte, weil dieser seine Liebste zu besch├╝tzen versucht hatte.

Fiona wollte nicht ohne ihn leben. Und auf sie wartete noch so etwas wie die Unendlichkeit. Sie liebte ihn so sehr, dass sie ihn immer bei sich haben wollte. Sie ├╝bergab Alan den Blutkuss und somit den Fluch des Vampirismus. Doch dieser hatte zur Folge, dass die Liebe in seinem Herzen erlosch. Also t├Âtete sie ihre Menschlichkeit, um so zu sein wie er. Doch das ├Ąnderte nichts. Die Liebe war noch immer verloren.

Zwar verband sie etwas sehr Sinnliches und daher trennten sie sich nie und beschritten fortan zusammen ihr Vampirdasein, doch die Liebe, die sie einst verband, war verloren und kehrte nie zur├╝ck. Das wussten sie. Und Fiona machte sich auf die Suche nach dem einzigen Weg, sich wieder zu vereinen. Jahrhunderte begab sie sich auf die Suche nach einem Halbwesen, wie sie es war. Nur jenes Halbwesen konnte vielleicht Aufschluss dar├╝ber geben, wie man jene Liebe zur├╝ckerlangen k├Ânnte. Nur jenes Halbwesen w├╝rde sie verstehen...

 

 

„Jason sagte uns, wir sollen dir etwas mitteilen.“, sprach Juliette, „Ich wei├č nicht, ob es etwas zu bedeuten hat, aber... Jason wollte, dass du wei├čt, dass sein jetziger Name nicht mehr Jason lautet, sondern Jake.“

Jake... Der Name hatte allerdings etwas zu bedeuten.

„Jake?“, wiederholte ich und begann zu l├Ącheln. Von drau├čen h├Ârte ich den Regen auf das Haus prasseln.

„Triff mich in drei Tagen bei unserem liebsten Hotel!“, sagte ich gl├╝cklich und nahm mir einen Blutbeutel von meinem Bett, trank gen├╝sslich und lie├č die W├Ąrme des Blutes in meinen K├Ârper flie├čen, meine Adern erf├╝llen und meinen Kopf berauschen...

0

Hörbuch

Über den Autor

LorelaiPatton
verr├╝ckt und freiheitsliebend.

Leser-Statistik
161

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Apollinaris Cover gelungen der Rest ist ( nur ) nicht so meins. :-)

Simon
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Re: Soo -
Zitat: (Original von Schlauchen am 19.02.2010 - 11:12 Uhr) hab bis kapitel 8 gelesen!
Ziemlich gut und ich komm wirklich hervoragent im Geschehen mit.
Bin schon gespannt was Annette mit Jason vor hat..

Liebe Gr├╝├če
Caro


Achja, sein Auftrag :) Sei gespannt, denn es tauchen neue Personen auf, w├Ąhrend der Auftrag von statten geht ;)
Aber meine liebste Person ist dir bisher noch nicht begegnet... Aber das kommt noch, kommt noch ;)
Viel Spa├č beim Weiterlesen und danke daf├╝r, dass du so flei├čig am Ball bleibst!!! :)

Lg
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Re: Oh -
Zitat: (Original von Schlauchen am 16.02.2010 - 10:22 Uhr) ist das herrlich viel..
Ist die Geschichte am Schluss schon zu Ende?
Ich werd jetzt erstmal soweit lesen, wie ich komme und mir den Rest aufteilen :)
Der Prolog(Hintergrundszenariio) ist genial beschrieben. Erinnert mich an die Geschichte aus einem Computerspiel, das auch von Vampiren handelt. Alles klingt so logisch und ist sehr gut erz├Ąhlt!
Okay, ich habe weiter gelsen und Santa Monica und die verschiedenen Rassen (abgesehen von dem Engel) kommen mir so bekannt vor!
Aber du erweckst es genial zum Leben, wenn ich das so sagen darf .
Kennst du das Spiel??
Wahrscheinlich wird es das sein, aber du erschaffst, finde ich, eine ganz eigene Atmosph├Ąre!
Ich bin irgendwie so hibbelig weil ich die ganze Zeit nicht das Spiel vor Augen habe, aber mir die Szenen so ├╝berdeutlich vorstellen kann! TOLL :)
Hab jetzt die ersten beidnen Kapitel gelesen und mach mich nachher dran weiterzukommen..

Liebe Gr├╝├če
Caro

ps.: Huch, ist ja lang geworden :P


Hehe, das hast du aber gut erkannt ;)
Das Buch (ist ├╝brigens nur der 1. Teil von 3!) habe ich f├╝r einen Freund geschrieben und es basiert auf dem Computerspiel "Vampire the Masquerade Bloodlines"! Ein einfach grandioses Spiel!!
Freut mich, dass du mal reingelesen hast :) Ich gebe zu, es ist nicht eins meiner besten Werke, aber wenn du weiter am Ball bleibst, bereust du es sicher nicht, denn das Ende hat es in sich! Wenn man denn von einem "Ende" sprechen kann ;)

Glg und gerne weiter lesen!

Lilly
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Re: Hab -
Zitat: (Original von Robin am 23.01.2010 - 18:48 Uhr) sogar das 2. Kapitel noch geschafft und bin alles andere als entt├Ąuscht :-)
Muss wirklich verwirrend sein, pl├Âtzlich wieder als Mensch aufzuwachen und mit deren ganzen kleinen Schw├Ąchen zu k├Ąmpfen. Sehr sch├Ân dargestellt!

LG


juhu, das freut mich aber :)
immer flei├čig weiterlesen (was besseres kann der eigene autor seinen lesern ja auch schlecht raten :P) wenn du zur mitte in richtung ende des buches kommst, w├╝rde mich gerne interessieren, welchen charakter du am besten findest...
und denk dran, es wird noch 2 weitere teile geben :)
danke schonmal f├╝rs lesen!!!

glg
Vor langer Zeit - Antworten
Robin Hab - sogar das 2. Kapitel noch geschafft und bin alles andere als entt├Ąuscht :-)
Muss wirklich verwirrend sein, pl├Âtzlich wieder als Mensch aufzuwachen und mit deren ganzen kleinen Schw├Ąchen zu k├Ąmpfen. Sehr sch├Ân dargestellt!

LG
Vor langer Zeit - Antworten
Robin Also - leider bin ich ja l├Ąngere Zeit nicht mehr zum Lesen gekommen, aber jetzt hab ich mir endlich mal ein paar freie Minuten geg├Ânnt, in denen ich das erste Kapitel (ja, ich wei├č, noch nicht sehr weit ^^) f├Ârmlich verschlungen habe.
Toll, toll, toll. Eine Geschichte nach meinem Geschmack. Mal schaun, ob ich noch ein bisschen Zeit f├╝r das 2. Kapitel hab :-)

Liebe Gr├╝├če
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton Re: Re: Re: Re: Re: Wahnsinn! -
Zitat: (Original von Robin am 07.01.2010 - 18:32 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 07.01.2010 - 18:28 Uhr)
Zitat: (Original von Robin am 07.01.2010 - 18:25 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 07.01.2010 - 18:21 Uhr)
Zitat: (Original von Robin am 06.01.2010 - 19:25 Uhr) Das ist genau so eine Geschichte, die ich gerne lese!
Bis jetzt hat sie schon alles was dazu geh├Ârt finde ich und du hast einen unheimlich genialen Schreibstil!
Nat├╝rlich bin ich noch nicht ann├Ąhernd fertig mit dem Lesen, aber was ich bisher gesehn habe, gef├Ąllt mir wirklich richtig gut!
Vor allem das Hintergrundszenario hat mich beeindruckt. So etwas muss man sich erst einmal einfallen lassen.
Ich werde auf jeden Fall weiterlesen!

Herzlich liebe Gr├╝├če,
Robin


Dankesch├Ân, immer sch├Ân flie├čig weiterlesen :) Der Anfang und der Mittelteil sind mir nicht sonderlich gelungen, wie ich nun im Nachhinein feststelle :P Aber das Ende ist richtig gut, also wenn man alles flei├čig liest, dann findet man das Ende, denke ich, sogar richtig spannend! :D Jedenfalls danke nochmal f├╝rs Lesen und by the way: Das Hintergrundszenario ist gar nicht mal erfunden. Das steht alles so in der Bibel!

Lg


Ja, das werde ich sicherlich :-)
Also, was ich bis jetzt vom Anfang gelesen habe, erscheint mir doch ziemlich gelungen, allerdings ist man mit sich selbst immer am kritischsten, deswegen verstehe ich dich ;-)
Oh, das wusste ich gar nicht xD
Trotzdem toll geworden :-)

LG


Ja, das mit dem Kritischsein stimmt wohl allemal :) Aber mir ist auch aufgefallen, dass mir Kurzgeschichten besser gefallen, zu schreiben, weil man sie einfach runterschreiben kann... Bei carpe noctem hat es ├╝ber ein Jahr gedauert bis ich es fertig hatte... und da ich leider nur phasenweise (also haupts├Ąchlich in den Ferien) geschrieben habe, merkt man das auch leider hin und wieder beim Lesen. Also nicht verwirrt sein ;)
Aber freut mich, dass du trotzdem willens bist, es weiter zu lesen! :)
Und wenn du dann noch nicht genug hast, gibt es Teil 2 und 3 auch noch irgendwann dazu ;)

Lg


Wow, ich bewundere Menschen, die es tats├Ąchlich schaffen etwas fertig zu schreiben xD
Mir f├Ąllt das unglaublich schwer, obwohl ich jetzt ganz gut dabei bin. Ich hab immer zu viele neue Ideen und kann sie nicht alle einbringen und dann muss ich eine neue Geschichte anfangen, damit ich sie nicht vergessen :-)
Du hast wirklich meinen Respekt ;-)

Hm, bei einer guten Story macht es mir nichts aus, wenn ich hin und wieder verwirrt bin. Sollte ich mal etwas ├╝berhaupt nicht checken, dann frag ich dich einfach :P

LG



Genau, einfach fragen, wenn du nicht mehr weiter wei├čt :P Aber, wie gesagt, gegen Ende hin wird es endlich mal recht spannend. Wenn man die Zusammenh├Ąnge versteht und der letzte Showdown stattfindet, quasi ;)

Ja, das mit dem zu Ende bringen... das ist wirklich so eine Sache :D Mir ergeht es da genau wie dir... zu viele neue Ideen, die dann nicht zu dem passen, an was man gerade schreibt, schnell aufschreiben, damit man sie ncht vergisst und dann schafft man wom├Âglich beide Geschichten nicht fertig :P
Aber naja, solange man immer irgendwie die Motivation findet, weiter zu schreiben, ist ja alles gut ;)

Lg
Vor langer Zeit - Antworten
Robin Re: Re: Re: Re: Wahnsinn! -
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 07.01.2010 - 18:28 Uhr)
Zitat: (Original von Robin am 07.01.2010 - 18:25 Uhr)
Zitat: (Original von LorelaiPatton am 07.01.2010 - 18:21 Uhr)
Zitat: (Original von Robin am 06.01.2010 - 19:25 Uhr) Das ist genau so eine Geschichte, die ich gerne lese!
Bis jetzt hat sie schon alles was dazu geh├Ârt finde ich und du hast einen unheimlich genialen Schreibstil!
Nat├╝rlich bin ich noch nicht ann├Ąhernd fertig mit dem Lesen, aber was ich bisher gesehn habe, gef├Ąllt mir wirklich richtig gut!
Vor allem das Hintergrundszenario hat mich beeindruckt. So etwas muss man sich erst einmal einfallen lassen.
Ich werde auf jeden Fall weiterlesen!

Herzlich liebe Gr├╝├če,
Robin


Dankesch├Ân, immer sch├Ân flie├čig weiterlesen :) Der Anfang und der Mittelteil sind mir nicht sonderlich gelungen, wie ich nun im Nachhinein feststelle :P Aber das Ende ist richtig gut, also wenn man alles flei├čig liest, dann findet man das Ende, denke ich, sogar richtig spannend! :D Jedenfalls danke nochmal f├╝rs Lesen und by the way: Das Hintergrundszenario ist gar nicht mal erfunden. Das steht alles so in der Bibel!

Lg


Ja, das werde ich sicherlich :-)
Also, was ich bis jetzt vom Anfang gelesen habe, erscheint mir doch ziemlich gelungen, allerdings ist man mit sich selbst immer am kritischsten, deswegen verstehe ich dich ;-)
Oh, das wusste ich gar nicht xD
Trotzdem toll geworden :-)

LG


Ja, das mit dem Kritischsein stimmt wohl allemal :) Aber mir ist auch aufgefallen, dass mir Kurzgeschichten besser gefallen, zu schreiben, weil man sie einfach runterschreiben kann... Bei carpe noctem hat es ├╝ber ein Jahr gedauert bis ich es fertig hatte... und da ich leider nur phasenweise (also haupts├Ąchlich in den Ferien) geschrieben habe, merkt man das auch leider hin und wieder beim Lesen. Also nicht verwirrt sein ;)
Aber freut mich, dass du trotzdem willens bist, es weiter zu lesen! :)
Und wenn du dann noch nicht genug hast, gibt es Teil 2 und 3 auch noch irgendwann dazu ;)

Lg


Wow, ich bewundere Menschen, die es tats├Ąchlich schaffen etwas fertig zu schreiben xD
Mir f├Ąllt das unglaublich schwer, obwohl ich jetzt ganz gut dabei bin. Ich hab immer zu viele neue Ideen und kann sie nicht alle einbringen und dann muss ich eine neue Geschichte anfangen, damit ich sie nicht vergessen :-)
Du hast wirklich meinen Respekt ;-)

Hm, bei einer guten Story macht es mir nichts aus, wenn ich hin und wieder verwirrt bin. Sollte ich mal etwas ├╝berhaupt nicht checken, dann frag ich dich einfach :P

LG
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
30
0
Senden

28243
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung