Romane & Erzählungen
Toddy und die böse Falle

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"Toddy und die böse Falle"
Veröffentlicht am 23. November 2009, 28 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Ich bin 59 Jahre alt und als Zeitungsdrucker im Schichtbetrieb tätig.Ich schreibe kleine Geschichten, um mich zu entspannen. Habe jetzt begonnen einige dieser Geschichten hier einzustellen, um mal zu sehen, wie das bei Euch so ankommt. Also, nicht mit Kritik geizen.Mein Hobby ist Golf spielen. Bin allerdings kein sehr guter Golfer. Habe aber sehr viel Spass daran. Neuerdings haben wir uns ein Wohnmobil zugelegt und das wird dann wohl mein ...
Toddy und die böse Falle

Toddy und die böse Falle

Beschreibung

Toddy geht mit seinem Hund Ben spazieren. Der Hund gerät in eine Tierfalle und Toddy versucht alles um ihn zu retten.

 Copyright Eckard Neu                                     

 

Toddy, Ben und die fiese Falle.


“Wo kommt denn dieser furchtbare Krach her?“ Ich schlug meine Augen auf und versuchte mich zu Recht zu finden.

„Ach ja, dieser bl√∂de Wecker. Eben noch in den sch√∂nsten Tr√§umen und jetzt! Aber n√ľtzt ja nichts. Ich legte mich auf die Seite und drehte dieser L√§rmmaschine den Hals ab. Ich hatte Ma versprochen mit Ben Gassi zu gehen. Gassi gehen ist nat√ľrlich nicht der richtige Ausdruck f√ľr einen Spaziergang auf dem flachen Land, denn Gassen, so wie man sie aus dem¬† S√ľden kennt, gibt es hier bei uns im Norden ¬†nicht. Und Ben war auch kein Hund, mit dem man mal einfach so Gassi gehen konnte.
Er war so eine Promenadenmischung aus allem, was man sich so vorstellen kann. Genau so verhielt er sich auch. Er zwang dir automatisch seinen Willen auf. Ich denke mal, da ist ¬†¬†wohl irgendetwas in seiner Erziehung falsch gelaufen. Gehorchen war nicht gerade eine seiner St√§rken. Seit sechs Jahren lebte er¬† schon in unserer Familie. Mit Erziehung war in dieser Zeit nicht viel gelaufen. Mutter lies ihn einfach so, wie er war. Sie sagte, man soll der Natur nicht ins Handwerk pfuschen. Ein Wolf wird auch nicht dressiert, und der Hund stammt nun mal von einem Wolf ab. Naja, war schon eine seltsame Begr√ľndung, immerhin lebt der Wolf ja auch nicht in einer Familie mit den Menschen zusammen, aber als Familienoberhaupt hatte sie nat√ľrlich immer Recht.

Es sei denn, Nina kam zu Besuch. Dann hatte nat√ľrlich Nina Recht, weil die den Hund ja schlie√ülich aus dem Tierheim geholt hatte.

Außerdem hat sie ja auch studiert. Irgend so einen sozialpädagogischen Kram. Irgendetwas mit Erziehung oder so. Nur bei Ben hat diese

- sozialpädagogische РErziehung wohl nicht gewirkt.
Nina wohnte in Hamburg und kam nur alle paar Wochen mal vorbei. Um nach dem Rechten zu sehen, wie sie meinte. Aber tatsächlich war immer, wenn sie bei uns war, Remmidemmi im Haus. Ben, der ja sowieso schon machte, was ihm gerade in den Kopf kam, flippte jedes Mal total aus und jagte durch die Wohnung, dass die Fetzen nur so flogen.

 

„So, jetzt aber blo√ü schnell aufstehen, den ich habe noch viel vor heute“, dachte ich und verschwand schnell im Badezimmer um mich zu waschen. H√§tte beinahe vergessen meine Z√§hne zu putzen, fiel mir aber gerade noch ein. In der K√ľche schmierte ich mir schnell noch ein Br√∂tchen und ab ging die Luzzi. „√Ąh, Ben! Gassi gehen ohne Ben w√§re nat√ľrlich Bl√∂dsinn. Was war denn heute blo√ü los mit mir?“ Ich lief runter in den Wirtschaftsraum; dort hatte Ben sein K√∂rbchen; und holte ihn. Kaum √∂ffnete ich die T√ľr, kam er auch schon freudig mit dem Schwanz wedelnd auf mich zu. Er freute sich jedes Mal, wenn ich mit ihm spazieren ging. Wahrscheinlich, weil ich ihn frei laufen lies. Bei Ma musste er immer an der Leine gehen, und nur wenn sie dann weit genug vom Ort entfernt war, lies sie ihn gelegentlich mal ein kleines St√ľck laufen.

Wir waren schon ein ganzes St√ľck von zu Hause entfernt, und ich war mit meinen Gedanken bei Dieter, mit dem ich mich nachher treffen wollte, als pl√∂tzlich zwei wild fuchtelnde Arme vor meinem Gesicht auftauchten. Noch ehe ich sie sah, roch ich sie, sie hatte so einen unangenehmen¬† Geruch. Ich kann es gar nicht genau beschreiben, wonach es roch, eben einfach nach¬† Frau Bauermann. Sie lief immer in den gleichen Klamotten rum und vom Waschen hielt sie auch nicht viel. Jedenfalls habe ich sie noch nie anders erlebt.

Die hatte mir gerade noch gefehlt. Seit der Geschichte mit dem Hahn konnte ich die alte Bauermann,¬† √ľberhaupt nicht mehr leiden. Jedem, der es h√∂ren wollte, oder auch nicht, erz√§hlte sie, wie ich im H√ľhnerstall auf der Leiter stand, und mich aus lauter Angst vor dem Hahn, nicht mehr herunter traute, bis sie mich erl√∂ste. War aber auch ein riesiges Vieh, ging immer wieder auf mich los. Aber wenn die Bauermann rein kam, haute das Vieh sofort ab.


Was wollte die denn jetzt von mir?
„Toddy, bist du taub? Oder warum h√∂rst du nicht, wenn ich dich rufe? Kannst deiner Mutter ausrichten, dass ich wieder genug Eier habe. Falls sie welche ben√∂tigt, soll sie mir bescheid geben", sagte sie, und dabei sah sie mich so seltsam an, so als wollte sie sagen: “musst die Eier aber selbst aus dem H√ľhnerstall holen“, und dann kam wieder so ein bl√∂des Grinsen in ihr Gesicht.

"Hast du mich verstanden? Was machst du eigentlich so allein hier drau√üen? Hast du Ben gar nicht dabei?“
“Klar hab ich sie verstanden, bin doch nicht bl√∂d“, dachte ich.“ Aber Ben, wo war der eigentlich? Eben lief er doch noch kurz hinter mir, und jetzt?“,
„Doch, nat√ľrlich ist Ben dabei. Er ist nur ein St√ľck vor gelaufen. Ich muss hinterher, damit er nicht verschwindet“, antwortete ich. „Geht in Ordnung, ich werde Ma bescheid geben. Sie wird sich dann schon bei Ihnen melden“. Schnell lief ich den Weg hinauf, um aus ihrem Blickfeld zu kommen.
Gleich hinter der Kurve, wo sie mich nicht mehr sehen konnte, rief ich¬† laut nach Ben. Aber auch nach wiederholtem Rufen erfolgte keinerlei Reaktion. Meistens bellte er wenn man ihn rief, aber¬† kam nat√ľrlich nicht, w√§re ja unter seiner W√ľrde gewesen. Dann, wenn man schon v√∂llig genervt war, stand er pl√∂tzlich vor einem und tat so, als w√§re er nie weg gewesen. Heute jedoch war kein Bellen zu h√∂ren. „So`n Mist“, dachte ich, ich sollte doch um neun¬† bei Dieter sein. Wenn Ben nicht bald auftaucht, wird aus der Verabredung nichts werden.
Dieter wird √úbermorgen elf Jahre alt. Damit war er genau drei Monate √§lter als ich, was er manchmal auch ganz sch√∂n raush√§ngen lies. Wir wollten hinten an der Au ein Flo√ü bauen und damit an Dieters Geburtstag auf gro√üe Fahrt gehen. Also gro√üe Fahrt bedeutet, wir wollten mal so`n bisschen auf der Au rumschippern. Und gro√üe Fahrt, sagte Dieter dazu, weil sein Onkel als Seemann immer auf gro√üer Fahrt war. Angeblich war sein Onkel Kapit√§n, aber Nina hatte ihn mal in Hamburg gesehen und meinte, dass er einfacher Matrose sei. War mir aber auch v√∂llig egal. Hauptsache, Dieter fing nicht jeden Satz mit: „Aber mein Onkel sagt“ an, das nervte total, denn alles was sein Onkel sagte, war Dieter heilig.
Im Moment ¬†allerdings war ich genervt, denn Ben kam einfach nicht. Und wie auf Bestellung, grollte es am Himmel. Kam¬† wieder so`n Gewitter auf, und dann durfte ich nat√ľrlich nicht an die Au. „Ist zu gef√§hrlich“, meinte Ma immer.
Gerade wollte ich √ľber einen am Boden liegenden Baumstumpf springen, da sah ich Ben am Boden liegen. Erschrocken blieb ich stehen. „Oh Mann, was war denn hier passiert?“ Ich kniete mich neben dem v√∂llig regungslos daliegenden Ben, und versuchte herauszufinden, ob er noch atmete.

Irgendwie bewegte sich da noch was, also lebte er noch. Gott sei Dank! Aber was war das? Es sah aus, als wenn er eine Kette um den Hals trug. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich diese „Kette“ als eine Schlinge aus einzelnen Gliedern. Ich versuchte Ben daraus zu befreien und stellte entsetzt fest, dass die einzelnen Kettenglieder mit messerscharfen Spitzen versehen waren. Diese waren so stark in sein Fell gedrungen, dass er ohnm√§chtig geworden war. Hier hatte jemand eine ganz gemeine Falle gebaut.
Ich bekam die Kette nicht auseinander, so sehr ich auch an ihr zerrte. Was sollt ich jetzt machen? Schnell nach Hause laufen und Hilfe holen? In der Zwischenzeit k√∂nnte Ben allerdings aufwachen und versuchen, sich selbst zu befreien. Dabei w√ľrde er sich bestimmt noch mehr verletzen. Langsam geriet ich in Panik. Wie konnte ich Ben nur helfen? Er atmete kaum noch. Kurz entschlossen sprang ich auf und rannte so schnell mich meine Beine trugen, nach Hause. Kurz vor der Hauptstra√üe stolperte ich √ľber einen Ast und knallte voll in eine Wasserpf√ľtze. So`n Mist, nun war auch meine Hose noch dreckig und verletzt hatte ich mich¬† dabei auch noch. Meine H√§nde und auch die Hose waren mit Blut verschmiert. Aber das konnte mich jetzt √ľberhaupt nicht aufhalten. Nur schnell nach Hause und Hilfe holen.
Dort angekommen, lief ich in die K√ľche, um Ma zu erz√§hlen, was mit Ben los war. Aber klar, es passte mal wieder alles zusammen. Sie war nicht da und auch sonst kein Mensch in der N√§he. Was mach ich jetzt blo√ü? Warum war denn keiner da, der mir helfen konnte?

Das Telefon!  Gott sei Dank, dass es so etwas gibt. Schnell hin und Nina anrufen, denn die wusste immer einen Rat. Die Nummer stand doch in diesem kleinen Buch, das immer neben dem Telefon lag.

Heute nat√ľrlich nicht. Vielleicht auf Mutters Schreibtisch im N√§hzimmer! ¬†Ich rannte in das Zimmer und fand nat√ľrlich nichts. O Gott o Gott. Was mach ich jetzt blo√ü? Ich stolperte in den Flur zum Telefon. Irgendwo musste doch dieses bl√∂de Buch mit den ganzen Telefonnummern herum liegen.

 
Tat es auch, n√§mlich unter dem Telefon. O Mann… Jetzt aber schnell die Nummer w√§hlen und dann t√ľt…t√ľt…, das dauerte alles viel zu lang. „Leider ist zurzeit keiner im Haus. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht, und ich rufe dann zur√ľck, “ kam die dusselig Ansage vom Anrufbeantworter. Na toll, muss ja so kommen. Immer, wenn man mal jemanden braucht, ist keiner da. Ich √ľberlegte kurz, r√ľber zu Frau Bauermann zu gehen, aber das lies ich lieber sein. Die war immer so neugierig und wollte dann wieder alles ganz genau wissen. Und dann die Geschichte mit dem Hahn. Nee, da geh ich auf keinen Fall r√ľber. Aber was tun? Ich entschloss mich, wieder zu Ben zu laufen. Irgendwie w√ľrde ich ihm auch alleine helfen k√∂nnen. Also schnell ¬†den Weg wieder zur√ľck.

Sp√§ter erz√§hlte Ma mir, dass ich wohl gerade wieder verschwunden war, als sie mit dem Rad um die Ecke gefahren kam. Sie war nur kurz beim Kaufmann, um noch einige Sachen f√ľrs Mittagessen zu besorgen. Als sie in den Flur kam, blieb sie erschrocken stehen. „Was war hier denn passiert?“, dachte sie. Der Telefonh√∂rer lag neben dem Telefon. Der kleine Stuhl war umgefallen, und zu allem √úberfluss war auch noch alles mit Blut verschmiert. Sie rannte durchs Haus und rief nach mir und Ben. Aber klar, es konnte ihr ja keiner antworten, denn ich war ja inzwischen wieder auf dem Weg zu Ben. Als sie dann auch noch die Verw√ľstung in ihrem N√§hzimmer sah, bekam sie furchtbare Angst. Hier musste was Schlimmes passiert sein. Sie lief zum Telefon und rief auf der Polizeistation an.
„Polizeistation Schellerby, Hauptkommissar Pohlmann, was kann ich f√ľr Sie tun?“ h√∂rte sie die Stimme am anderen Ende der Leitung sagen. „Hallo, Herr Pohlmann, hier ist Brigitte Kleinert, ich glaube, hier ist etwas Schlimmes passiert, ich komme vom Einkaufen nach Hause, und im Haus ist alles verw√ľstet. Im Flur ist Blut, der Telefonh√∂rer liegt daneben, und auch in meinem N√§hzimmer ist alles durchw√ľhlt. Toddy und Ben sind nicht im Haus. Ich habe furchtbare Angst, dass ihnen etwas passiert sein k√∂nnte“.

„Nun man ruhig Blut, junge Frau. Es kann ja auch f√ľr alles eine einfache Erkl√§rung geben. Bleiben Sie da, ich komme gleich vorbei“, entgegnet ihr der Polizeikommissar.
Es vergingen kaum f√ľnf Minuten und Polizeihauptkommissar Pohlmann stand vor der T√ľr. Nachdem Ma ihm dann nochmals alles erkl√§rt hatte, und er sich den „Tatort“ genau angeschaut hatte, kam er zu dem Schluss: „Hier muss die Spurensicherung ran.“
Wer jetzt aber denkt, es k√§men Polizeibeamte mit allen erdenklichen technischen Ger√§ten, um Spuren zu sichern, der liegt v√∂llig falsch. Spurensicherung hier bei uns auf dem Dorf bedeutet n√§mlich: Hasso. Hasso ist ein Hundekollege von Ben, nur dass er eben dem Polizeihauptkommissar Pohlmann geh√∂rt und sich somit quasi im Polizeidienst befindet. Kaum ausgesprochen, dreht der Polizeihauptkommissar sich um und geht zu seinem Dienstwagen, allerdings nicht ohne vorher noch schnell meiner Mutter zu erkl√§ren, dass sie alles so liegen lassen und nichts anfassen solle. Es dauerte auch nicht lange, und er stand wieder in der T√ľr, und bei ihm, wie sollte es auch anders sein, Hasso.
Hasso, der deutsche Sch√§ferhund, hatte schon einige Preise erschn√ľffelt. Ganz besonders gut war er im F√§hrten lesen.
“Haben sie noch einige, nicht gewaschene, Kleidungsst√ľcke von Toddy da? fragte er Ma. Sie legte ihm eine alte Hose und einen Pullover hin. Hasso machte sich auch gleich dar√ľber her, so als h√§tte er nur darauf gewartet, endlich mal wieder seinen ausgezeichneten Sp√ľrsinn beweisen zu k√∂nnen. Schnurstracks rannte er auf die Stra√üe. R√ľber auf die andere Seite, den schmalen Pfad entlang, runter zum Fluss. Ma und Polizeihauptkommissar Pohlmann konnten kaum mit ihm Schritt halten. Einmal blieb er kurz stehen, um am Boden herumzuschn√ľffeln. Das war wohl die Stelle, an der ich gest√ľrzt bin und mich verletzt hatte. ¬†

 

Und dann stand Hasso pl√∂tzlich vor mir und wedelte mit dem Schwanz. Dann erblickte er Ben und schn√ľffelte an ihm herum. Ma kam heulend auf mich zugerannt und schloss mich in die Arme, so dass ich beinahe keine Luft mehr bekam. Sie stammelte immer nur: „Oh Toddy, mein kleiner Toddy“. Da war es wieder „mein Kleiner“. Warum um alles in der Welt sagten die Erwachsenen immer „mein Kleiner?“, dachte ich. Irgendwann muss ich mal mit Ma dar√ľber reden. Jetzt allerdings war dazu keine Gelegenheit, denn sowohl meine Mutter als auch Herr Pohlmann wollten wissen, was passiert war und warum Ben so bewegungslos da lag. Dann sahen beide die Kette, die er um den Hals hatte. „Was ist das denn?“, riefen sie fast gleichzeitig und schauten sich das arme Tier genauer an.

Und just in diesem Moment fing Ben an sich zu regen. Das hei√üt, zuerst bewegte er seinen Kopf, und dann pupste er ganz furchtbar, sodass sich bald ein unangenehmer Geruch breit machte. Kurz darauf fing Ben an, leise zu winseln, so als h√§tte er furchtbare Schmerzen. Was sicherlich auch der Fall war. Ma und Herr Pohlmann sahen sich besorgt an und begannen dann, Ben von der furchtbaren Fessel zu befreien. Er jaulte dabei, und man merkte, dass er gro√üe Schmerzen haben musste. Nachdem sie es geschafft haben, ihn zu befreien, nahm Polizeihauptwachtmeister Pohlmann sein Handy zur Hand und rief Dr. H√ľ an. Dr. H√ľ ist der Tierarzt im Dorf. Er hei√üt eigentlich Dr. Pferdmenges, aber alle nennen ihn nur Dr. H√ľ. Es dauerte auch gar nicht lange, und der Doktor kam mit seinem Landrover um die Ecke gefahren. Er untersuchte Ben und meinte, “ Der Hund muss in meine Klinik“ Gemeinsam legten sie ihn vorsichtig auf eine Trage, und Doc H√ľ fuhr schnell mit ihm in seine Praxis, um ihn dort weiter zu verarzten.
Ma nahm mich an die Hand und f√ľhrte mich zum Polizeiwagen. Hasso bekam noch ein Leckerli und musste wieder in seine Hundebox. Herr Pohlmann legte die Falle ins Auto¬† und brummelte immerfort vor sich hin: „Was sind das doch f√ľr gemeine Menschen, die so etwas tun. Die muss man hinter Gitter bringen“.
Zu Hause angekommen, schickte Ma mich erst einmal unter die Dusche. Dann musste ich ihr genau erz√§hlen, wie es eigentlich zu dem Vorfall mit Ben gekommen war. Zuerst war mir gar nicht so wohl bei der Geschichte, denn immerhin hatte ich durch seine Tr√§umerei Ben ja aus den Augen verloren. Bald aber merkte ich, dass Ma mich so besorgt ansah, w√§hrend ich berichtete und nur froh war, dass mir nichts passiert war. Dabei erz√§hlte ich auch von dem Gespr√§ch mit Frau Bauermann. Gerade als ich mit dem Erz√§hlen fertig war, klingelte es, und Dieter stand vor der T√ľr. Er hatte nat√ľrlich l√§ngst mitbekommen, dass irgendetwas los war, denn ich war ja nicht zu unserer Verabredung gekommen und als er das Polizeiauto bei uns vor der T√ľr stehen sah. wollte er nat√ľrlich genau wissen, was passiert war.
Und so erz√§hlte ich noch einmal die ganze Geschichte, diesmal allerdings mit breiter Brust, denn jetzt f√ľhlte ich mich schon wie ein kleiner Held, der einiges erlebt hatte.
Ich fragte Ma, ob ich mit Dieter noch ein wenig raus durfte.

¬†„Ja, Toddy, aber um sechs bist du wieder zu Hause“, sagte sie. Und so zogen wir beide¬† erst einmal ab. Nat√ľrlich gingen wir zu der Stelle, an der Ben in die fiese Falle geraten war. Wir f√ľhlten uns jetzt wie Detektive, die den Fall aufkl√§ren wollten. Aber so leicht wie es im Fernsehen immer aussah, war es nun doch nicht. Wir wussten gar nicht, wo wir anfangen sollten zu suchen, und vor allen Dingen, wonach wir eigentlich suchen sollten.

„Was glaubst du denn, wer so etwas macht?“, fragte Dieter. „Ach, ich wei√ü nicht, bestimmt war es ein Wilderer, der nur zuf√§llig hier in der Gegend war und Wildfleisch oder das Fell der Tiere an die Gastst√§tten, oder an Touristen verkauft und Ben ist eher zuf√§llig in seine Falle geraten. Wir k√∂nnen ja mal im Dorfkrug nachfragen, ob irgendjemand dort etwas angeboten hat. Ich bef√ľrchte aber, dass uns, weil wir ja noch Kinder sind, die Erwachsenen nichts erz√§hlen werden.“ „Da hast du bestimmt Recht, dann gehen wir eben zur Polizeistation, und machen dem¬† Polizeikommissar Pohlmann diesen Vorschlag“, antwortete Dieter, und so machten wir uns auf den Weg.

Schon von weitem erblickten wir eine gro√üe Menschenmenge vor dem Polizeigeb√§ude. Alle redeten aufgeregt durcheinander, sodass wir uns erst einmal erkundigen mussten, was eigentlich los war. Da entdeckte ich meine Klassenkameradin Petra in der Menge und lief auf sie zu. Als sie mich sah, kam sie mir entgegen und erz√§hlte aufgeregt, dass ein Sch√ľler der neunten Klasse verhaftet worden sei, weil er angeblich eine Falle aufgestellt hatte, in der sich ein Kind verfangen haben sollte.
Oh Man Oh Man denke ich, jetzt ist Ben schon ein Kind. Warum die Leute wohl immer so √ľbertreiben m√ľssen? Ich nehme Petra an die Hand und erz√§hle ihr, was wirklich passiert ist und das Dieter und ich jetzt eigentlich zu Polizeikommissar Pohlmann wollen, um ihm einen Tipp zu geben. Aber das hat sich ja wohl erledigt. Ganz erstaunt sieht Petra mich an. Sie will sofort wissen, wie es Ben denn jetzt geht. Ich kann ihr aber dazu gar nichts¬† sagen. Ich weis nur, dass Ben zur Zeit bei Dr. H√ľ in Behandlung ist und operiert wird. Spontan beschlie√üen wir zur Praxis zu gehen um dort nachzufragen, wie es dem armen Hund geht. Ich halte Ausschau nach Dieter, aber der ist mal wieder verschwunden. Na egal, dann eben nicht. Und so geh ich mit Petra allein zu Dr. H√ľ. Bestimmt wird Dieter nachher wieder sauer sein, √ľberlegt ich noch, aber wenn er nun mal nicht aufzufinden ist, was soll ich denn machen?


Beim Doc angekommen, kommt uns Gaby, die Arzthelferin, entgegen und sagt: „Ihr kommt bestimmt wegen Ben, aber da gibt es noch nichts Neues zu berichten. Er wird noch immer operiert.“

In diesem Augenblick kommt Doc H√ľ aus dem OP. Als er uns sieht, kommt er gleich¬† zu uns her√ľber: „Euer Freund Ben hat noch mal Gl√ľck gehabt. Er braucht jetzt nur einige Tage Ruhe, dann kann er wieder nach Hause. Es sind keine inneren Organe verletzt.“ erz√§hlt er uns.

Ich bin √ľbergl√ľcklich und will so schnell wie m√∂glich nach Hause, um Ma diese freudige Nachricht zu √ľberbringen. Vor der T√ľr verabschiede ich mich von Petra, der das gar nicht so recht ist, denn sie m√∂chte noch mehr erfahren. Aber ich will jetzt schnell nach Hause, um Ma die freudige Nachricht von Bens Genesung zu √ľberbringen und renne los.

 

Ma und Frau Bauermann sitzen am K√ľchentisch als ich reingerannt komme.

„Na mein Kleiner“, sagt Frau Bauermann, „nu man nicht so st√ľrmisch, oder hast du schon wieder etwas Neues, Aufregendes erlebt, von dem du uns erz√§hlen m√∂chtest?“
Was will die denn hier? Bestimmt wieder neuen Gespr√§chsstoff f√ľr ihre Tratscherei suchen, damit sie sich nachher wieder √ľberall wichtig machen kann!

Ich beschlie√üe, erst einmal nichts von der guten Nachricht zu erz√§hlen. Soll sie doch ruhig noch ein bisschen schmoren, die alte Bauermann, und will schnell wieder aus dem Zimmer rennen, aber Ma merkt nat√ľrlich sofort, dass ich irgendwas auf dem Herzen habe. Da sie aber meine Abneigung gegen√ľber Frau Bauermann kennt, sagt sie nur: „Nun geh erst mal, ziehe deine Schuhe aus, wasch dir die H√§nde, und dann k√∂nnen wir auch gleich zu Abend essen.“

Ich k√∂nnte sie k√ľssen vor Freude, dass sie mich nicht in Gegenwart von Frau Bauermann ausfragt, und gehe darum auch gleich ins Bad. Kurz darauf ¬†kommt Ma ins Badezimmer, und ich kann ihr die freudige Nachricht √ľber Bens Genesung mitteilen.

¬†Sie fragt ¬†noch, wer denn der Junge aus der neunten Klasse ist, der angeblich die Falle gelegt haben soll. „Das weiss ich auch noch nicht, aber ich will gleich nach dem Essen noch mal los, um das in Erfahrung zu bringen“, erkl√§re ich ihr.

„Nichts da, du bleibst jetzt im Haus. Es ist schon sp√§t, und erlebt hast du heute ja wohl auch genug“, sagt sie. „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Da hilft auch alles Bitten und Betteln nichts, wenn sie einmal nein sagt, dann hei√üt das auch nein.
Beim Abendessen unternehme ich doch noch mal einen Versuch, werde aber sofort von Ma mit den Worten: „Ich sagte nein, mein Sohn“ unterbrochen. Und wenn sie mich so mit „mein Sohn“ anspricht, dann wei√ü ich aus Erfahrung, dass es allemal besser ist, den Mund zu halten. Also verschwinde ich nach dem Abendessen in mein Zimmer und versuche noch ein bisschen zu lesen. Aber das geht nat√ľrlich √ľberhaupt nicht. Ich kann mich nicht konzentrieren und lege das Buch gleich wieder zur Seite. Als das Telefon klingelt, renne ich sofort in den Flur. Ma war nat√ľrlich schneller und nahm gerade den H√∂rer ab. „Kleinert“, h√∂re ich sie sagen, „ach, Dieter, du bist es. Ja, er steht schon neben mir. Aber nicht so lange, morgen k√∂nnt ihr auch noch alles bereden“, und damit gibt sie mir den H√∂rer in die Hand. „Du hast geh√∂rt, nicht zu lange“.

¬†„Hallo Dieter, wo warst du denn eigentlich vorhin? Ich konnte dich nicht finden und bin dann mit Petra zu Doc H√ľ gegangen.“

¬†„Ah, Petra, dann wolltest du mich wohl auch gar nicht finden“, sagt Dieter.

¬†„Du spinnst total. Nat√ľrlich habe ich versucht dich zu finden, aber ist jetzt auch egal, Ben geht es besser und er kann bald wieder nach Hause.“

„Ja, habe ich schon geh√∂rt, aber ich habe etwas herausgefunden √ľber den Jungen aus der Neunten, und das ist sehr interessant.“ „Lass h√∂ren“, sage ich.

„Also, er hei√üt J√∂rg Petermann, und jetzt halt dich fest: Er ist vom Gymnasium geflogen, weil er dort immer wieder √Ąrger mit der Polizei hatte. Er soll mit Tierfellen und anderen Sachen gehandelt haben. Einige sagen sogar, er hat auch mit Drogen gehandelt, und der Polizei ist er aufgefallen, weil er einfach davon gelaufen ist, als Polizeihauptwachtmeister Pohlmann ihn befragen wollte. Der hatte n√§mlich von seinem Kollegen aus dem Nachbarort den Tipp bekommen, sich diesen Jungen mal n√§her anzuschauen. Sein Vater ist wohl schon lange tot, und seine Mutter ist kaum zu Hause. Sie hat angeblich einen Freund in Hamburg und k√ľmmert sich nicht um ihren Sohn. Vor einem Jahr ist er schon einmal erwischt worden, als er eine Falle aufgestellt hat. Jetzt soll er in ein Heim f√ľr schwer erziehbare Kinder geschickt werden.“ „Woher wei√üt du das denn nun alles“, frage ich Dieter.
„Tja, als du mit Petra H√§ndchen haltend durch die Gegend marschiert bist, habe ich einfach mal Detektiv gespielt und einige Leute, die dort vor der Polizeistation herumstanden, befragt. Und ob du’s jetzt glaubst oder nicht, ausgerechnet Petras Mama hat mir das alles erz√§hlt. Die Leute waren sehr aufgebracht und wollen, dass der Junge aus dem Dorf gejagt wird, weil sie Angst um ihre Kinder haben.“
Als ich gerade antworten will, kommt Ma in den Flur“ Jetzt ist Schluss mein Kleiner“, sagt sie, dabei streicht sie mir √ľbers Haar,“ ihr k√∂nnt euch morgen weiter unterhalten, jetzt ist Bettzeit.“ Da war es wieder „mein Kleiner“, „ich muss morgen unbedingt mal mit Mutter dar√ľber reden“, denke ich, bevor ich mich mit Dieter f√ľr den n√§chsten Tag ¬†verabrede.

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Über den Autor

Sportgolf
Ich bin 59 Jahre alt und als Zeitungsdrucker im Schichtbetrieb tätig.Ich schreibe kleine Geschichten, um mich zu entspannen. Habe jetzt begonnen einige dieser Geschichten hier einzustellen, um mal zu sehen, wie das bei Euch so ankommt. Also, nicht mit Kritik geizen.Mein Hobby ist Golf spielen. Bin allerdings kein sehr guter Golfer. Habe aber sehr viel Spass daran. Neuerdings haben wir uns ein Wohnmobil zugelegt und das wird dann wohl mein nächstes Hobby werden, durch die Lande reisen, schreiben und zur Entspannung zwischendurch golfen.

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MysticRose Toddy und die b√∂se Falle - Hallo Eckhard,
habe mich auch mal auf deinem Profil umgeschaut und Toddys Geschichte gelesen. F√ľr mich war es anstrengend, da es ziemlich lang war und leider auch nicht mein Gebiet.
Sie ist sicherlich gut geschrieben und auch die Art der Erzählung gefällt mir, genau so wie Marianne auch. Aber ich finde es leider langweilig und bewerte es deshalb auch nicht.
Gr√ľ√üe von MysticRose
Vor langer Zeit - Antworten
Sportgolf Re: Die Falle ... - [Danke, dass du meine Kindergeschichten liest. Ich freue mich √ľber jede Reaktion. Ich bin leider nicht der Mensch, der sich in Gedichte reindenken kann. Kann deshalb auch deine Gedichte nicht bewerten. Sorry
Liebe Gr√ľsse
Eckard
Vor langer Zeit - Antworten
MarianneK Die Falle ... - Kann Toddy verstehen wenn er nicht mein Kleiner genannt werden will. Auch die Reaktion auf mein Sohn, denn genauso habe ich mit meinem Sohn gesprochen.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen auch die Art der Erzählung.

Lieben Gruß Marianne
Vor langer Zeit - Antworten
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