Journalismus & Glosse
Tja, warum eigentlich ...?

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"Tja, warum eigentlich ...?"
Veröffentlicht am 05. August 2009, 14 Seiten
Kategorie Journalismus & Glosse
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Tataaa ... meine erste Lesung liegt hinter mir und meine Aufregung hat sich gelohnt :o) Meine Stimme hat gehalten - trotz Erkältung - und, wie mir in einem Presseartikel attestiert wurde, sprang der Funke auf das Publikum über. Jedenfalls habe ich niemanden gähnen stehen, alle waren ganz aufmerksam. Jetzt habe ich auch die Genehmigung der Dame von der Presse, ihren Artikel an dieser Stelle zu zitieren. Ihr findet ihn nebst anderen Fotos von ...
Tja, warum eigentlich ...?

Tja, warum eigentlich ...?

Beschreibung

Keine Ahnung, ob die Kategorie passt, aber auf solche Gedanken kommt man eben durch entsprechende Strandlektüre ...

 

„Er sitzt am Steuer und fährt (warum eigentlich?!) und sie soll ihn lotsen.“



Ich wäre nicht ich, hätte mich dieser Satz, gefunden auf Seite 214 in dem Buch „Sonst noch Fragen?“ von Ranga Yogeshwar nicht spontan zum Kugelschreiber greifen lassen. Nein, nicht um darüber zu schwadronieren, ob frau Straßenkarten lesen kann – klar kann sie, sonst säße ich jetzt nicht hier am PC, sondern kurvte noch irgendwo in Kroatien herum – sondern um der Frage nach dem „warum eigentlich?“ nachzugehen.



Die Antwort ist ganz einfach. Na ja, fast jedenfalls.



Bitte vergegenwärtigen Sie sich folgendes Szenario:



Er und sie sind zu einer abendlichen Feier eingeladen, bei der elegante Garderobe erwünscht ist. Wer fährt? ER natürlich. Nein, nicht etwa aus Sorge, SIE könne sich die Absätze ihrer sündhaft teuren Highheels ruinieren ... Der wahre Grund ist die von ihm angestrebte Arbeitsteilung: ER fährt hin, SIE zurück: „Ist 'n bisschen glatt heute, besser, ich fahre. Kannst ja nachher zurückfahren.“



Aaah, ja! Auf dem nächtlichen Heimweg wird es natürlich weniger glatt sein.

Oder kann es sein, dass sich die Höhe der Rutschgefahr auf winterlichen Straßen – rein subjektiv empfunden – umgekehrt proportional zum Alkoholkonsum des männlichen Verkehrsteilnehmers verhält? Je höher der Promillegehalt, desto geringer die Glättewahrscheinlichkeit?

Hm, na gut, fährt SIE eben zurück. Oder?

Erübrigt sich meist auch, da ER überzeugt ist, auch nach sechs Bier den Wagen immer noch sicherer über den eisigen Untergrund zu navigieren als SIE nach einem Martini.

Na, wenn er meint ...



Nächster Akt, Autobahnfahrt in den Urlaub:



Sie darf zwangsweise ans Steuer, weil ER nach acht Stunden Daueraufenthalt hinter demselben (Nein, Schatz, ist schon okay, ich bin ÜBERHAUPT nicht müde) doch irgendwann die Leitplanken kreuzweise auf sich zukommen sieht. Die Plätze werden getauscht.

„Aber verstell nicht wieder den Außenspiegel.“

Nee, ist ja auch gar nicht notwendig bei 15 cm Größenunterschied ...

„Und fahr anständig, damit ich ein bisschen schlafen kann!“

Anständig fahren, aha ...



Er stopft sich ein Kissen zwischen Schädel und Seitenfenster und schließt mit einem befriedigten Seufzen die Augen, selbstverständlich erst, nachdem sie sich „anständig“ wieder in den fließenden Verkehr eingefädelt hat.

Alles läuft super. Der Tacho steht konstant auf 130 km/h, genauso wie der des Vordermannes mit dem schicken Hütchen auf dem Kopf und dem Duftbäumchem am Rückspiegel des Diesels. Der Tanklastzug, der auf der rechten Spur mit 80 Sachen dahinzieht, wird elegant überholt – na, jedenfalls ist es so geplant. Dem behüteten Schnösel in dem Diesel fällt nämlich dasselbe ein, allerdings exakt zwei Sekunden später als ihr. Lässig zieht er das Lenkrad nach links. Überflüssig zu erwähnen, dass vorheriges Blinken für Hütchen tragende Dieselfahrer Luxus ist.

Was macht die verantwortungsbewusste Fahrerin?

Statt auf die Hupe zu drücken, voll draufzuhalten und der Schlafmütze mal zu zeigen, wozu die Autoindustrie die Stoßstange und der liebe Gott die Schimpfwörter erfunden hat, latscht das dumme Weib auf die Bremse. Dellen im Kotflügel tragen nämlich erfahrungsgemäß nicht unbedingt zu einer positiven Grundstimmung bei. Schon gar nicht im Urlaub.



Was passiert?

Der bis eben friedlich schlummernde Beifahrer – dem Herzinfarkt nahe – zuckt zusammen, fasst sich theatralisch an die Brust und verdreht die Augen:

„Was ist denn jetzt schon wieder los. Kannst du nicht EINMAL aufpassen?“

Etwaige Erklärungsversuche sind überflüssig, weil nämlich das männliche Unterbewusstsein stets präsent ist (wenn SIE fährt, muss man ja auf alles gefasst sein) und er somit selbst im Tiefschlaf noch genau weiß, was vor sich geht.



„Ich habe dir doch gesagt, du sollst anständig fahren. Wenn du auch immer soviel Abstand lässt, ist es kein Wunder, wenn sich andere dazwischendrängeln. Ich sage doch immer ...“



Ja, nee – is klar ...



Neuer Vorhang, Stadtverkehr:



„Hallooo? Das Auto hat auch 'nen dritten Gang!“



Genau einen Wimpernschlag, bevor SIE ohnehin zum Schaltknüppel gegriffen hätte, fühlt ER sich bemüßigt, sie auf dieses interessante Konstruktionsdetail hinzuweisen.



„Die Ampel ist rohooot!!!“

Der rechte Fuß des Beifahrers tritt das Bodenblech durch, während sie einen Gang zurückschaltet, die Bremse leicht antippt und mit einem Meter Abstand zum Vordermann zum Stehen kommt.



Aber, nächste Ampel:

„Warum bremst du denn jetzt schon? Hättste doch noch locker dreimal geschafft ...“



Wie man's macht ...



Szenenwechsel:



Wohngebiet, konzipiert nach dem Prinzip „Bauland bringt Geld in die Gemeindekasse, Straßenfläche kostet welches“, also völlig am Bedarf Parkplatz suchender Bewohner vorbeigeplant, von Gelegenheitsbesuchern ganz zu schweigen.

Gesucht wird – na, was wohl – ein Parkplatz.

„Da war eben einer, haste den nicht gesehen? Mensch, jetzt ist es zu spät.“

Der Einwand, dass es sich um eine Lücke gehandelt hat, in der allenfalls ein smarter Kleinwagen Platz gefunden hätte, keinesfalls aber die eigene Mittelklasselimousine, wird unwirsch vom Armaturenbrett gefegt. ER hätte da mindestens einen Panzer drin untergebracht.



„Nun fahr man weiter, da ist einer hinter dir.“

Ja, glaubt ER denn, SIE benutzt den Rückspiegel nur zum Schminken, oder was?



Weiter geht es durch die rechts und links von parkenden Autos und Mülltonnen gesäumten Einbahnstraßen.



„Pass auf, ein Radfahrer.“

Ohne seinen liebevollen Hinweis wäre SIE natürlich unfähig gewesen wäre, einen Bogen um das Helmmännchen zu machen.



„Vorsicht, eine Kurve.“

Ach, die Hauswand direkt vor ihr war KEINE Fata Morgana?



„Musst du denn JEDES Schlagloch mitnehmen?“

Nein, über das nächste wird sie elegant hinwegschweben.



Grrrmmmpfff ...



Ergebnis: Sie wird zunehmend nervöser und brettert in der nächsten Kurve garantiert mit dem Hinterrad über den Bordstein.



„Oaahh, schönen Gruß von der Conti und die Felgenindustrie freut sich auch!“



Der dezente Protest: „Passiert mir nur, wenn du danebenhockst und mich wahnsinnig machst“, wird ebenso mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert, wie die Tatsache, dass sich kürzlich erst die Spiegelindustrie gefreut hat, elegant übergangen wird. Beim Rückwärtseinparken in die heimatliche Garage („Guck mal, sooo dicht musst du den Wagen an die Wand ranfahren, Schatz, damit ich noch mit der Schubkarre dran vorbeikomme.“) hatte sich nämlich der rechte Außenspiegel mit lautem Krachen vom Rest des Autos verabschiedet. Aber das war selbstverständlich etwas gaaanz anderes.



So, nun frage ich Sie: Muss frau sich DAS alles antun?

Nö, muss sie nicht.

Also überlässt sie ihrem männlichen Begleiter nur zu gerne das Steuer.

Schont ihre und seine Nerven und erspart den Kindern, Zeuge des väterlichen Repertoires an Ratschlägen und Flüchen zu werden, von der mütterlichen Unfähigkeit, einen Wagen zu lenken, ganz zu schweigen.



Und um die von Ranga Yogeshwar gestellte Frage zu beantworten: DARUM ! ! !

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Hörbuch

Über den Autor

Gunda

Tataaa ... meine erste Lesung liegt hinter mir und meine Aufregung hat sich gelohnt :o)
Meine Stimme hat gehalten - trotz Erkältung - und, wie mir in einem Presseartikel attestiert wurde, sprang der Funke auf das Publikum über. Jedenfalls habe ich niemanden gähnen stehen, alle waren ganz aufmerksam. Jetzt habe ich auch die Genehmigung der Dame von der Presse, ihren Artikel an dieser Stelle zu zitieren. Ihr findet ihn nebst anderen Fotos von der Lesung in meiner Fotogalerie.


Meine Bücher sind übrigens auch zu beziehen über Amazon oder direkt beim Verlag neun9zig.de

Liebe mbH ISBN 978-3-944907-00-0
Querfeldein ISBN 978-3-944907-02-4

Letzteres ab sofort auch per E-Book unter
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Mein neuestes Projekt ist übrigens meine erste eigene Homepage. Noch im Aufbau befindlich, dennoch bereits empfangsbereit für Besucher. Schaut doch mal rein: http://quertextein.jimdo.com/

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Gunda Re: Köstlich -
Zitat: (Original von britze am 28.08.2009 - 23:32 Uhr) So schön auf den Punkt gebracht.

Wieso gibt es von dieser Sorte Männer eigentlich so viele geklonte Exemplare? An und für sich sollen doch alle Menschen verschieden sein.

Bitte mehr davon. Es ändert zwar nichts, aber es macht das Leben fröhlicher.



Tja, deine Frage, Britze (witziger Name) könntest du eigentlich an Ranga Yogeshwar schicken - als Anregung für ein Kapitel seines nächsten Buches ...
Gut, ich gebe zu, es gibt auch Männer, die sich auf dem Beifahrersitzt toootal anders verhalten ... aber die haben in der Regel keinen Führerschein *grins*

Texte, die nix ändern, aber das Leben fröhlicher machen, findest du einige bei mir, allerdings meist eher in Gedichtform.

Ich danke dir für deinen Kommentar.

Lieben Gruß
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
britze Köstlich - So schön auf den Punkt gebracht.

Wieso gibt es von dieser Sorte Männer eigentlich so viele geklonte Exemplare? An und für sich sollen doch alle Menschen verschieden sein.

Bitte mehr davon. Es ändert zwar nichts, aber es macht das Leben fröhlicher.

Vor langer Zeit - Antworten
Arachova Re: Re: Bei vielen Deiner "Erlebnisse" -
Zitat: (Original von Gunda am 09.08.2009 - 19:30 Uhr)
Zitat: (Original von Arachova am 08.08.2009 - 19:27 Uhr) triffst Du den "Nagel auf den Kopf". Ich erlebte aber auch als Beifahrer und auf der Rückbank die Ehefrau und die Schwiegermutter des Fahrers die fast umgekehrter Situation, als der Fahrer freundlich fragte: Wer fährt eigentlich Du oder Schwiegermutter.
Gruß
Arachova


Ja, natürlich Lothar. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt, aber ich habe mir einfach mal diese einseitige Betrachtung erlaubt, um die Frage, die R. Yogeshwar in seinem Buch stellte, zu beantworten. Ich bin garantiert auch nicht immer die perfekte Beifahrerin, nur äußere ich mein Missfallen meist etwas subtiler *g*

lg
Gunda
[/quote)

Damit bist Du, liebe Gunda, mit mir und mit meiner mich liebenden Ehefrau auf gleicher Linie-
Herzlichst
Arachova
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Re: du -
Zitat: (Original von Rajymbek am 09.08.2009 - 12:57 Uhr) hattest im Urlaub viel Zeit zum Nachdenken, gelle?

LG Roland


Hatte ich in der Tat, Roland, aber bis auf dieses Stück hier und drei, vier Gedichte ist nicht viel dabei herausgekommen. Habe viel zu viel Zeit mehr verträumt ... War aber auch schön.

LG
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Re: Bei vielen Deiner "Erlebnisse" -
Zitat: (Original von Arachova am 08.08.2009 - 19:27 Uhr) triffst Du den "Nagel auf den Kopf". Ich erlebte aber auch als Beifahrer und auf der Rückbank die Ehefrau und die Schwiegermutter des Fahrers die fast umgekehrter Situation, als der Fahrer freundlich fragte: Wer fährt eigentlich Du oder Schwiegermutter.
Gruß
Arachova


Ja, natürlich Lothar. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt, aber ich habe mir einfach mal diese einseitige Betrachtung erlaubt, um die Frage, die R. Yogeshwar in seinem Buch stellte, zu beantworten. Ich bin garantiert auch nicht immer die perfekte Beifahrerin, nur äußere ich mein Missfallen meist etwas subtiler *g*

lg
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
Rajymbek du - hattest im Urlaub viel Zeit zum Nachdenken, gelle?

LG Roland
Vor langer Zeit - Antworten
Arachova Bei vielen Deiner "Erlebnisse" - triffst Du den "Nagel auf den Kopf". Ich erlebte aber auch als Beifahrer und auf der Rückbank die Ehefrau und die Schwiegermutter des Fahrers die fast umgekehrter Situation, als der Fahrer freundlich fragte: Wer fährt eigentlich Du oder Schwiegermutter.
Gruß
Arachova
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Re: Meine Frau ist schlau -
Zitat: (Original von webwiz am 06.08.2009 - 19:26 Uhr) sie hat nämlich keinen Führerschein!
Schön geschrieben.
Aber... wir Männer sind nicht alle so.
(Ich weiß, darauf wird garantiert wieder ein Kommentar fallen :-P )
LG
Guido


Och nö, ich kann auch ganz lieb sein:
Ja, lieber Guido, du hast vollkommen Recht. Nicht alle Männer sind so.
LG
Gunda

... aber die meisten ... ;-)))

Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Re: du hast es auch nicht -
Zitat: (Original von Boris am 06.08.2009 - 19:17 Uhr) einfach - ich habe es besser - ich fahre allein.

LG JFW


Deine Frau traut dir wohl nicht, was???
Am liebsten fahre ich allerdings auch alleine, muss ich sagen.

LG
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Re: gröööllll -
Zitat: (Original von Christina_Maverik am 06.08.2009 - 13:32 Uhr) ..du hast wie immer den Nagel auf den Kopp getroffen. Ist das herrlich, das so geschrieben nachempfinden zu können... da fühlt sich Frau doch gleich sowas von bestätigt.. ABER SOWAS VON!!!!

Liebe Grüße
Christa

PS: Besuch mich doch mal auf meiner neuen HP:
www.christinamaverik.de


Gelle? Irgendwo erkennt sich jede(r) wieder.

Ja, Christa, ich habe de facto schon auf deine HP geklickt aber nur oberflächlich. Hole ich demnächst etwas genauer nach, wenn ich mehr Muße habe.

LG
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
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