Humor & Satire
Über sieben Brücken sollst du humpeln - Wenn Dichtkunst auf dem Zahnfleisch geht

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"Über sieben Brücken sollst du humpeln - Wenn Dichtkunst auf dem Zahnfleisch geht"
Veröffentlicht am 15. April 2009, 6 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Geboren und aufgewachsen in Süddeutschland. Lange in Berlin und Hamburg gelebt, später in der Lüneburger Heide. Neuerdings wieder in Berlin. Autor von bisher drei Romanen, von Erzählungen und von Kurzprosa. Eine Buchveröffentlichung: Alle Männer sind Brüder, Roman (BoD Norderstedt 2007). Weitere Werke als eBooks unter www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!
Über sieben Brücken sollst du humpeln - Wenn Dichtkunst auf dem Zahnfleisch geht

Über sieben Brücken sollst du humpeln - Wenn Dichtkunst auf dem Zahnfleisch geht

Beschreibung

Pamphlet wider die unkritische Massenproduktion

Über sieben Brücken sollst du humpeln

 

Eine Flut bricht über Deutschland herein, die Dämme sind längst gebrochen. Fast alle jungen Leute machen heute wieder Gedichte. Unser Land ertrinkt in Lyrik. Der Verfasser dieses hat zeitlebens Gedichte gelesen, doch selbst nie eines verfasst. Er war sich sicher: Du kannst das nicht, es fehlt dir das nötige Gefühl für Musikalität, für Melodie und Rhythmus im strengen Sinn. Sein Deutschlehrer raunzte früher schon mal einen Schüler so an: Sprachgefühl wie eine asiatische Sumpfschildkröte!

     Heute machen die Sumpfschildkröten Gedichte. Seriösen Schätzungen zufolge werden im deutschen Sprachraum jährlich fast 500.000 Gedichte ins Netz gestellt. Ich habe in letzter Zeit etwa ein Promille der Jahresproduktion gelesen. Was mich dabei am meisten verblüffte, war die Zeitlosigkeit vieler dieser Werke. Sie erinnerten mich nicht nur an das Poesiealbum meiner Mutter (geb. 1924), sie wirkten oft wie daraus abgeschrieben. Schon gut, der Mensch ändert sich nicht, die großen Themen bleiben dieselben: Herzeleid und Liebesfreud. Doch die Sprache ändert sich mit jeder Generation, dachte ich. Nun, das Herzschmerzgedicht von 2008 entspricht allzu oft einem lyrischen Versuch von 1938.

     Was kommt heraus, wenn man gebrochene Herzen mit eingestürzten Brücken kreuzt? Gebrochene Brücken! Sieben davon präsentierte uns eine junge Lyrikerin, ungelogen. Ich wollte schon kommentieren: Mann, da hat der Zahnarzt aber zu tun – als mich eine Hemmung überkam. Unter dem Gedicht bekannte eine Kollegin: Ja, so geht es mir auch immer, ich bin dann ganz wirr im Kopf, nur Chaos … Darf man sich da noch lustig machen?

     Wer fürs Erste genug gedichtet hat, verfasst noch rasch einen Aphorismus. Sie glauben nicht, wie schnell das geht – kein Kunststück. Auch Aphorismen sind in Mode, besonders wenn sie die Dichtkunst reflektieren. „Dichten ist Juwelierarbeit mit Sprache“, lässt uns eine wissen. Aphorismen traue ich mir eher zu als Lyrik. Also setze ich eins drauf: „Wenn Dichten Juwelierarbeit ist, warum ähneln dann so viele Produkte 08/15-Modeschmuck? Liegt’s am Material oder an der Fertigkeit?“ Das fand nicht den ungeteilten Beifall der Lyriker und Lyrikerinnen.

     Ich weiß noch einen: „Brücken bauen: Der geschickteste Brückenbauer ist der Zahnarzt. Auch er baut auf Pfeilern auf, nämlich Stümpfen.“ Auweia … Weh tut es ja in beiden Fällen, dem Patienten wie dem Leser.

     Ach was, ich fange doch mit Lyrik an. Und mein erstes Gedicht bekommt den Titel: Eingestürzte Herzen.

 

 
 

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Hörbuch

Über den Autor

Abendschoen
Geboren und aufgewachsen in Süddeutschland. Lange in Berlin und Hamburg gelebt, später in der Lüneburger Heide. Neuerdings wieder in Berlin. Autor von bisher drei Romanen, von Erzählungen und von Kurzprosa. Eine Buchveröffentlichung: Alle Männer sind Brüder, Roman (BoD Norderstedt 2007). Weitere Werke als eBooks unter www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!

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Abendschoen Re: Also ich kann -
Zitat: (Original von Lordkotz am 17.04.2009 - 09:07 Uhr) aus Erfahrung sagen: Viele Kuschelforen haben mich auch eingelullt. Ich bin auf Foren gestoßen in denen man 1. zerissen 2. zerissen 3. zerissen wird teilweise übrigens Grundlos...des zereißen wegens!
Andererseits natürlich geriet ich so auch an sehr gute Kritiker die Fehler aufzeigten und auch erklären konnten.
Der "Kritik" Hagel dem ich bereits ausgesetzt war möchte glaube ich niemand durchmachen! Größtenteils jedoch aufgrund meines Nicks (Autor = Lordkotz) ohne überhaupt die Texte gelesen zu haben usw. immerhin weiß ich ein paar Ansprechpartner von denen ich lernen kann und deren Kritik mitunter alles andere als angenehm ist, aber sofern ich darin einen Sinn erkennen kann mehr als hilfreich.
Houk ich habe gesprochen


Sehr interessant, Olli. Das mit der instinktiven Ablehnung des Nicks Lordkotz passt ins Bild. Er klingt weder idyllisch noch sentimental, da fühlen manche sich bereits genervt. (Ich fühlte mich beim ersten Lesen auf amüsante Weise zum Lesen provoziert.)Die Kuschelforen und die, in denen vor allem verrissen wird, sind im Kern nicht so verschieden. Die gleiche Mentalität äußert sich mal passiv, mal aktiv. - Arno Abendschön -
Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Re: Am Ende -
Zitat: (Original von Boris am 17.04.2009 - 08:29 Uhr) bleibt aber noch der triviale "Volksgeschmack", der meint - ein Reim wäre ein Gedicht!
Ich war auch mal der Meinung, die Menschen hätten eine furchtbar schlechten Geschmack, wenn sie "Dallas" konsumierten - später räumte ich ein, das deren Geschmacksniveau ein anderes ist, als meines.
Bei der Frage der Beurteilung geben ich dir unumwunden recht - nur wenn jemand versucht die Wertung zu objektivieren, dann bekommt er auch hier Hiebe ab...doch da stehen wir darüber!

Boris


Ja, Boris, kein Widerspruch. Vielleicht hätte ich in meinem Text Lyrik in Anführungszeichen setzen sollen. Gemeint waren die schlechten Kopien überlieferter Formen mit Endreim. Wobei der Endreim allein noch kein Merkmal für fehlende Qualität ist. - Arno Abendschön -
Vor langer Zeit - Antworten
Boris Am Ende - bleibt aber noch der triviale "Volksgeschmack", der meint - ein Reim wäre ein Gedicht!
Ich war auch mal der Meinung, die Menschen hätten eine furchtbar schlechten Geschmack, wenn sie "Dallas" konsumierten - später räumte ich ein, das deren Geschmacksniveau ein anderes ist, als meines.
Bei der Frage der Beurteilung geben ich dir unumwunden recht - nur wenn jemand versucht die Wertung zu objektivieren, dann bekommt er auch hier Hiebe ab...doch da stehen wir darüber!

Boris
Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Re: Sehr supjektiv und einseitig -
Zitat: (Original von MarionG am 16.04.2009 - 13:22 Uhr) Lieber Arno,
Du kannst gut schreiben, ohne Zweifel. Dennoch finde ich diesen Text sehr einseitig. Wer bestimmt denn, was ein guter Text ist? Klar, es gibt hier einige Brillianten unter vielen grauen Steinen, aber letztlich hat jeder das Recht (auch der graue Stein), seine Werke in Foren zu veröffentlichen.
Liebe Grüße
Marion


Liebe Marion, es gibt durchaus Merkmale von Qualität. Wer viel liest und vergleicht, dem erschließen sie sich allmählich. Über die Kriterien von Qualität kann man auch untereinander diskutieren, statt sie einfach für rein subjektiv zu erklären, was allzu bequem ist. Noch einfacher ist fehlende Qualität zu erkennen. "Gebrochene Brücken" zeugen von mangelnder Vertrautheit mit der deutschen Sprache. Brücken stürzen ein, sie brechen nicht wie Knochen. Es ist grundsätzlich gut, dass jeder fast alles in den Foren einstellen kann. Doch der massenhafte Gebrauch dieses Rechts bei im Übrigen dürftigen Voraussetzungen macht die Foren grau, unattraktiv für Leser. Am schlimmsten aber ist das gegenseitige unkritische Bejubeln für die Verfasser selbst. Sie glauben am Ende, schon etwas von Belang geleistet zu haben - und dadurch wird ihre eigene Selbstkritik eingeschläfert. Es wird ihnen so die Möglichkeit genommen, dazuzulernen und sich zu verbessern. Schreiben wird dann zum bloßen Zeitvertreib degradiert. - Arno Abendschön -
Vor langer Zeit - Antworten
MarionG Sehr supjektiv und einseitig - Lieber Arno,
Du kannst gut schreiben, ohne Zweifel. Dennoch finde ich diesen Text sehr einseitig. Wer bestimmt denn, was ein guter Text ist? Klar, es gibt hier einige Brillianten unter vielen grauen Steinen, aber letztlich hat jeder das Recht (auch der graue Stein), seine Werke in Foren zu veröffentlichen.
Liebe Grüße
Marion
Vor langer Zeit - Antworten
Boris Re: Re: du hast nur zum Teil - du hast ja unheimlich recht

LG JFW
Zitat: (Original von Abendschoen am 15.04.2009 - 21:21 Uhr)
Zitat: (Original von Boris am 15.04.2009 - 19:20 Uhr) recht - die Masse ist 08/15, aber auch nur, weil JEDERMANN meint viele Reime ergeben ein Gedicht.
Ich bin auch kein Juwelier
aber
ein Sucher nach Klängen
und Varianten

LG JFW


Boris, ich bin hoch erfreut, dass Du mir zum Teil recht gibst. Freilich entdecke auch ich nicht selten sehr lohnende Lyrik in diesem oder anderen Foren - gestern z.B. war da eines von einem gewissen JFW. Aber die Masse? Die Masse prägt das Bild solcher Foren. Man muss sich nur die Titel in den Charts durchlesen ... Und es ist gerade hier nicht üblich, Kritik zu üben. Man lobt generell nach dem alten, schlechten Motto: Lobst du meinen Mist, lob ich deinen Mist. Hauptsache, man sammelt Punkte. Die weitere Leserschaft merkt aber den Betrug und bleibt dem Forum fern. MyStorys hat dementsprechend sehr kümmerliche Leserzahlen. - Arno -
Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Re: Re: Re: Lach ... -
Zitat: (Original von Gunda am 15.04.2009 - 21:39 Uhr)
Zitat: (Original von Abendschoen am 15.04.2009 - 21:31 Uhr)
Zitat: (Original von Gunda am 15.04.2009 - 19:23 Uhr) ... wir sprachen ja schon drüber, Arno.
Ich warte immer noch auf dein erstes Gedicht ;-)

Lieben Gruß
gunda



Genau, das ist die Stelle. Ich glaube, die "Nase meiner Ollen" ist von Loriot selbst, als Kontrapunkt zu dem abgehobenen Gespräch seiner Nachbarn. - Arno -

Gunda, das hast Du doch nicht ernst genommen?! Ich bin nicht einmal zu einer Parodie eines Gedichts imstande. Dir traue ich das dagegen durchaus zu. Ich glaube, Loriot hat sich auf diesem Gebiet auch erfolgreich betätigt. Ich denke z.B. an die Szene über die Wolken, wo zwei sich mit Rilke-Zitaten bewerfen und der Dritte etwas unsäglich Plumpes beisteuert. - Arno -


... Ich muss die Nase meiner Ollen ...?

Nein, ich habe das nicht ernst genommen, Arno, aber einen Versuch wäre es doch mal wert, oder?

lg
gunda
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Re: Re: Lach ... -
Zitat: (Original von Abendschoen am 15.04.2009 - 21:31 Uhr)
Zitat: (Original von Gunda am 15.04.2009 - 19:23 Uhr) ... wir sprachen ja schon drüber, Arno.
Ich warte immer noch auf dein erstes Gedicht ;-)

Lieben Gruß
gunda



Gunda, das hast Du doch nicht ernst genommen?! Ich bin nicht einmal zu einer Parodie eines Gedichts imstande. Dir traue ich das dagegen durchaus zu. Ich glaube, Loriot hat sich auf diesem Gebiet auch erfolgreich betätigt. Ich denke z.B. an die Szene über die Wolken, wo zwei sich mit Rilke-Zitaten bewerfen und der Dritte etwas unsäglich Plumpes beisteuert. - Arno -


... Ich muss die Nase meiner Ollen ...?

Nein, ich habe das nicht ernst genommen, Arno, aber einen Versuch wäre es doch mal wert, oder?

lg
gunda
Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Re: Lach ... -
Zitat: (Original von Gunda am 15.04.2009 - 19:23 Uhr) ... wir sprachen ja schon drüber, Arno.
Ich warte immer noch auf dein erstes Gedicht ;-)

Lieben Gruß
gunda



Gunda, das hast Du doch nicht ernst genommen?! Ich bin nicht einmal zu einer Parodie eines Gedichts imstande. Dir traue ich das dagegen durchaus zu. Ich glaube, Loriot hat sich auf diesem Gebiet auch erfolgreich betätigt. Ich denke z.B. an die Szene über die Wolken, wo zwei sich mit Rilke-Zitaten bewerfen und der Dritte etwas unsäglich Plumpes beisteuert. - Arno -
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