Romane & Erzählungen
Das Erbe der Fledermäuse

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"Die Menschheit steht am Abgrund. Viele wollen den Absturz verhindern. "
Veröffentlicht am 30. Juli 2022, 208 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Peter Ritter
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Die Menschheit steht am Abgrund. Viele wollen den Absturz verhindern.

Das Erbe der Fledermäuse

Das Erbe der Fledermäuse

Heute im Jahr 2098 ist es richtig schlimm geworden. Die Menschheit hat sich verändert, aber nicht zum Besseren. Es gibt kaum noch neue Ideen. Es gibt keinen Fortschritt mehr. Und das schlimmste, es gibt auch keine Babys mehr.

Ich hätte mir das früher nicht vorstellen können. Ich schrieb Bücher über die schönen Dinge des Lebens. Aber im Moment kann ich nichts Schönes mehr im Leben entdecken. Und so schreibe ich dieses Buch, das wahrscheinlich vom Untergang der Menschheit handelt.

Aufgefallen ist es vor etwa 60 Jahren,

immer, weniger Kinder wurden geboren. Keiner konnte sich erklären, warum. Die Menschen waren nicht krank. Doch sie hatten keinen Antrieb mehr, sie wollten nichts mehr entdecken, nichts mehr erforschen, nicht einmal auf Sex hatten sie mehr Lust. Ich selbst war zu dieser Zeit Journalist für die Süddeutsche Zeitung. Ich ging Wandern, Bergsteigen und wenn ich Muse hatte, schrieb ich Gedichte und Geschichten. Ab und zu machte ich auch ausgiebige Motorradtouren. Das Leben war schön!

Man setzte zu dieser Zeit zunehmend auf künstliche Befruchtung, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten. Doch die künstlich

gezeugten Babys starben kurz nach ihrer Geburt oder sie wurden schon als etwas geboren, was keiner haben wollte. Es war zu schlimm, um das hier genauer zu erläutern. Die Forscher und Biologen versuchten immer wieder neue Sachen, um dem Geburtenrückgang ein Ende zu setzen. Aber alle Versuche blieben erfolglos.

Natürlich war auch ich über solche Nachrichten erschüttert, da meine Familienplanung bereits abgeschlossen war, ergab sich für mich persönlich kein direktes Problem. Bei jungen Männern und Frauen hingegen sah das ganz anders aus. Sie hatten Angst vor der Zukunft. Mich würde das sicher nicht mehr

tangieren, dachte ich damals, es war ein Irrtum!

Das erste Mal, dass mir diese Veränderung mancher Menschen ziemlich schockartig bewusst wurde, war am 13. Oktober 2045.

Auf einer Bergwanderung zum Geißhorn im Tannheimer Tal hörte ich auf über 2000 Meter einen merkwürdigen Gesang. Es klang sehr melancholisch und traurig, dann plötzlich wieder fröhlich und lebhaft. Ich wusste, der die das singt, geht es nicht gut. Ich hielt Augen und Ohren offen. Aber ich konnte nur ahnen, woher der Gesang kam. Vom Grat ging es südwärts über eine Geröllflanke, hier war Aufmerksamkeit und Trittsicherheit

gefragt, für mich kein Problem, ich hatte vor einem halben Jahr in jedes Knie eine Knorpelaufbauspritze bekommen und war solches Terrain gewohnt.

Ich sah Schleifspuren im Geröll, sie waren sicher nicht frisch, eher ein paar Tage alt. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, den sie führten, genau in die Richtung, aus der der Gesang kam. Ich hielt kurz inne und überlegte, was ich tun soll. Vielleicht war da jemand verletzt und brauchte Hilfe. Andererseits hat heutzutage jeder ein Smartphone und kann Hilfe rufen. Funklöcher gibt es schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Aber der Akku könnte leer sein, doch dann würde sie „Hilfe“ rufen und nicht

singen? Ich war etwas verwirrt. Da mir eine Kante den Blick versperrte, beschloss ich, mich abzuseilen. Ja, ich war so ein Typ, der immer alles dabeihatte. Normal braucht man hier kein Seil auch keine Rettungsdecke, kein Messer und kein Feuerstahl. Blasenpflaster und Verbandszeug trug ich auch bei jeder Bergtour mit, auch wenn ich es nicht brauche kann es ja jemand anderen helfen. Ich suchte in diesem lockeren Gestein ziemlich lange, nach einem geeigneten Punkt, um das Seil zu fixieren. Doch nach einiger Zeit fand ich einen Block, der sich nach unten verjüngte und ziemlich festzusitzen schien. Ich begann, mich abzuseilen. Als

ich über die Kante kam, bot sich mir ein seltsames Bild. Eine junge Frau saß am Ende eines Geröllfeldes, direkt am Übergang zu einer Steilwand. Sie saß da und sang. Als ich näherkam, konnte ich erkennen, dass sie sehr viele Schürfwunden an den Armen und am Rücken hatte. Ich wollte sie nicht erschrecken, also räusperte ich mich, obwohl sie mich schon längst bemerkt haben musste.

Der Abstieg über das Geröllfeld hatte zahlreiche kleine Steine ins Rutschen gebracht, das konnte man nicht überhören. Sie wandte den Kopf zu mir und lächelte mich an. „Hallo, schöner Mann“, sagte sie zu mir. Ich wollte ihr

das nicht ganz glauben, denn ich war sicher 60 Jahre älter als sie. Ich bat sie das Seil zu greifen und von der Kante weg, ein Stück zu mir zu kommen. Sie sagte „warum, es ist doch so schön hier“.

Also fragte ich, ob ich mich neben sie setzen dürfte. „Ja, warum nicht, dann können wir diese Schönheit zu zweit genießen“.  Als ich neben ihr saß, sah ich wie schlimm ihre Verletzungen wirklich waren. Sie hatte Abschürfungen am ganzen Körper, ihre Klamotten waren total zerfetzt, der Sturz durch das Geröllfeld hatte deutliche Spuren hinterlassen. Ihr rechter Fuß zeigte nach innen, vermutlich war der Knöchel

gebrochen. Das komische war, keine der Wunden blutete. Entweder saß sie schon sehr lang hier oder sie war stark dehydriert – vermutlich beides, denn ihren Rucksack konnte ich etwa 50 Meter tiefer erkennen. Ich wählte sofort den Notruf. Sie fragte: „Was machst du?“. „Ich hole Hilfe“ Sie: „Brauchst du Hilfe?“ Ich: „Ich nicht, aber du“. Darauf sagte sie: „Ich brauche keine Hilfe, ich sitze hier an einem der schönsten Orte auf Gottes Planet, mit einer Aussicht, die nicht zu toppen ist. Und wenn ich hier sterbe, es gibt keinen schöneren Ort zum Sterben.“ Jeglicher Versuch ihr Lebensmut zuzusprechen war erfolglos. Sie sagte: „Was ist denn meine Zukunft?

Was bleibt von mir? Ich werde keine Kinder haben, es wird nicht einmal jemand merken, wenn ich weg bin.“ Ich war ziemlich erschrocken als ich das hörte und zudem war ich scheinbar in einem dieser angeblich nicht mehr existierenden Funklöcher, kein Notruf möglich.

Aber ich fing an, sie zu verstehen. Mir selbst war es nicht mehr wichtig, was nach meinem Tode geschieht. Ich habe keine eigenen Kinder, warum? Keine Ahnung, nicht zur rechten Zeit am richtigen Fleck? Anfangs wollte ich mein Leben leben und mich nicht mit einer Familie belasten. Dann kam eine Zeit, in der ich mich nach einer Familie sehnte.

Irgendwann lernte ich eine liebe Frau kennen, doch da war ich fürs Windeln wechseln bereits zu alt.

Ich fragte die Verunglückte, ob sie Schmerzen hat, sie antwortete: „Der größte Schmerz auf dieser Welt ist schon gekommen und niemand kann ihn mir nehmen, aber ich bin glücklich hier, geh weiter und kümmere dich um dein Leben“. Ich fragte: „Willst du wirklich hier und jetzt sterben?“. Sie: „Hier schon, aber ich habe sicher noch ein paar Stunden. Vielleicht überlebe ich die Nacht und sehe morgen noch einen herrlichen Sonnenaufgang, schöner kann man doch nicht sterben, oder? Ich fragte: „Und was spricht gegen

weiterleben“ Sie: „Wozu? Noch kann ich es mir aussuchen, wo, wann und wie ich sterbe. Wenn ich gelähmt in einem Pflegebett liege, kann ich das nicht mehr.

Ich: Aber du hast noch so viel Zeit, ich bin 60 Jahre älter als du und sitze hier neben dir, du hast noch viel Zeit diese Entscheidung zu treffen. „Zeit, Zeit, Zeit wofür? Es war immer mein Traum mindesten vier Kinder großzuziehen, die weitertragen, was meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern einst begonnen haben. Da ist nichts mehr für das es sich lohnt zu leben!“

Ich fragte sie nach ihren Namen und sie sagte:“ Wenn ich dir meinen Namen

nenne, wirst du ewig darüber nachdenken, was aus mir geworden ist. Ich verrate dir lieber, was aus mir wird. Irgendwann, wenn die letzten Kräfte mich verlassen, werde ich nach vorn kippen und diesen Abhang herunterstürzen. Dann bin ich hoffentlich tot.“

Ich nahm sie in den Arm, was sie keineswegs störte, langsam setze die Dämmerung ein und ich wusste, es ist Zeit zu gehen. Ich zog ihr meinen Pulli an und legte zwei Rettungsdecken um sie. Sie schimpfte und wehrte sich. Ich sagte „Das brauchst du, um morgen den Sonnenaufgang zu erleben.“ Mein restliches Wasser und den Traubenzucker

gab ich ihr auch. Sie schaute mich traurig an und ich sagte: „Ich bin noch nicht bereit kampflos von dieser Welt zu verschwinden, es wäre schön, wenn du mit mir kommst. Doch diese Entscheidung kann ich nicht für dich treffen. Ich umarmte sie und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann schaltete ich meine Stirnlampe ein und begann den Abstieg. Im Dunklen war es heikel, zumindest der erste Teil, wo es über Geröll ging. Nach circa 40 Minuten gelang es mir die Bergwacht zu alarmieren, ich drang noch darauf einen Psychologen mitzunehmen, aber irgendwie war mir klar, dass sie sie nicht lebend bergen werden. Gegen 23 Uhr

erreichte ich den Vilsalpsee. Ich war fertig, ich wusste nicht einmal den Namen dieser Frau. Ich wollte ihr so gern helfen und wusste doch ganz genau, dass keiner das konnte.

Das ließ mich nicht mehr los. Ich hatte einige gute Kontakte zu den Bergrettern und fing an zu horchen. Ich weiß, gerade bei einem tödlichen Ausgang, sagen die nichts.

Zwei Wochen später traf ich einen an diesen Einsatz beteiligten Bergretter. Wir kannten uns schon lange. Bei einem Bier sagte er etwas zu mir, was mich in einen Zwiespalt trieb.

Als wir die Verletzte erreichten sagte sie zu uns: Ihr könnt nichts mehr für mich

tun, alles, was es zu tun gab, hat schon dieser Mann erledigt, grüßt ihn von mir und dankt ihm.“ Sie schickte die Rettungskräfte zurück, sie würde springen, wenn sie näherkämen.

Aber in Wirklichkeit wartete sie nur auf den Sonnenaufgang, denn den hatte ich ihr versprochen.

Als auch der letzte Zentimeter der Sonne über den Horizont gekrochen war, schaute sie sich noch einmal um und gab den Bergrettern ihr schönstes Lächeln. Dann ließ sie sich ohne Emotionen einfach in den Abgrund stürzen. Sie konnte nur noch tot geborgen werden.

Die Medizin scheint ohnmächtig. Wobei die Pharmaindustrie bereits einen Impfstoff entwickelt hatte, der gegen jedes erdenkliche Virus wirkt. Dieser Impfstoff war in der Lage, die Hülle aller Viren zu zerstören. Ohne Hülle war ihre Tarnung verloren und das Immunsystem machte mit dem Rest kurzen Prozess. Es gab keine Grippe, keine Erkältungen oder ähnliches mehr. Viele warnten, sie meinten, dass durch die Impfung unser Immunsystem verkümmere.

Am 10.06.2046 startete ich meine lang ersehnte Motorradtour. Beladen mit Zelt, Schlafsack, einigen Lebensmitteln und 2 20 Liter Benzinkanistern ging es

Richtung Italien. Ich ging es langsam an, denn Benzin war teuer und auch nicht immer zu bekommen. Außerdem waren die Straßen in einem schlechten Zustand, es wurde nur noch das Nötigste repariert. Am Reschenpass war die Straße eine einzige Katastrophe. Es hatten sich zahlreiche Risse in Längsrichtung gebildet. Teilweise bis zu 30 cm breit und ca. 20 cm tief. Da will man mit dem Motorradreifen nicht hineinkommen! Am Reschensee denke ich: „Irgendetwas fehlt“. Der Kirchturm, welcher einst mitten im See stand, ist verschwunden. Hier musste einst das Dorf Graun dem Stausee weichen oder sagen wir besser es wurde unter oder in

ihm begraben. Und noch etwas fehlt. Heute ist Sonntag und Bilderbuchwetter. Doch ich sehe keinen einzigen Menschen am See.

Ich beschließe hier zu rasten und vielleicht eine Runde um den See zu gehen. Allerdings mache ich mir Sorgen um mein Motorrad und das Benzin. Wäre ziemlich doof, plötzlich ohne Maschine und / oder Benzin dazu stehen. Also beschloss ich beim Motorrad zu bleiben. Ich setzte mich auf eine alte morsche Bank, meine 60 Kilogramm hielt sie sicher gerade noch aus. Die Sonne im Gesicht, den See vor Augen und den Wind im Haar. Jetzt wollte ich mir eine der letzten gönnen. Tabakwaren durften

seit 5 Jahren nicht mehr verkauft werden. Aber ich hatte noch einige Zigaretten gehortet.

Als ich da so saß, meine Zigarette rauchte und einfach den schönen Tag genoss, kitzelte mich etwas am Bein. Ich wollte es verscheuchen da ich dachte, es wäre ein Insekt. Aber meine Hand spürte etwas Größeres.

Als ich unter die Bank schaute, erstarrte ich, vor Überraschung, Schreck oder was auch immer. Ich weiß es nicht mehr. Unter der Bank lag ein Kind, ein Mädchen höchsten 10 Jahre alt und hielt meinen Fuß fest. Da mein Italienisch sich auf ein Vokabular von höchstens zehn Worten begrenzte, löste ich ihre

Hand und wollte zu Motorrad gehen, um mein Smartphone zu holen. Ich brauchte einen Übersetzer, um mich mit ihr zu verständigen. Doch als ich aufstand, hielt sie meinen Fuß mit beiden Händen fest. Ich hielt kurz inne, ich erinnerte mich daran, was ich früher mit meinem Hund gemacht habe, wenn er verängstigt war. Ich habe ihm beim Einschlafen immer leise und ruhig gesagt: „alles gut“. Wenn er gestresst war, habe ich nur diese Worte gesagt und meistens wurde es dann etwas besser. Wenn das nicht reichte, rief ich ihn zu mir, kraulte ihn, streichelte ihn und sagte „alles gut“, hat meistens funktioniert.

Ich löste vorsichtig ihre Hände, kniete

mich vor sie, schaute in ihre wunderschönen leuchtenden blauen Augen, legte meine Hand auf ihre und sagte „Alles Gut“.

Sie sah mich an und ich sah einen Versuch von einem Lächeln in ihren Augen. Ich war berührt. Meine Seele war berührt. Als ich meine Hand in Richtung ihres Gesichtes bewegte, zuckte sie zurück. Ich sagte leise und sanft „Alles Gut“ und begann ihr mit der rechten Hand durch ihr langes blondes Haar zu streichen. Meine linke Hand hielt noch immer die Ihre. Sie schien Vertrauen zu fassen. Ich dachte noch kurz: „Was machst du, du behandelst sie jetzt wie einen Hund.“ Und in mich hinein

grinsend dachte ich: Wenn jeder seine Mitmenschen so gut behandeln würde, wie ich es mit meinem Hund getan habe, wäre diese Welt eine bessere“.

Was war passiert mit diesem Mädchen, dass es so verängstigt war? Sie kroch unter der Bank hervor und klammerte sich an mich. Das war schon fast keine Umarmung mehr, sondern ein Erquetschungsversuch, ich genoss es.

Der Smalltalk über die Handy-App funktionierte nicht besonders gut, aber sie genoss es bei mir zu sein. Eines musste ich erst noch verstehen. Sie hatte gesagt, sie hat keine richtigen Eltern und dafür würden sie alle hassen.

Ich glaube auch die Wörter Missgeburt

und Teufelskind gehört zu haben. Eigentlich wollte ich mit ihr ins Dorf, um Hilfe zu organisieren, doch sie hatte scheinbar panische Angst vor dem Dorf. Und wenn ich 1 und 1 zusammenzählte, verstand ich sie sehr gut.

Italien ist immer noch streng katholisch, wenn ich es richtig deute, ist dieses Mädchen durch künstliche Befruchtung entstanden. Wenn das so ist, passt sie wahrlich nicht ins Weltbild der Italiener. Ich bemühte nochmals die Übersetzer-App und fragte sie, wo und bei wem sie aufgewachsen sei.

Sie schaute zu Boden und schwieg. Ich nahm ihre Hand und sagte „ich muss es wissen“. Sie sah mir in die Augen und

sagte: „sie sind tot“. Ich fragte einfach gestorben, ein Unfall, was ist passiert? Sie sagte tot ist tot, der Rest ist egal. Ich fragte, ob sie Angst vor den Leuten im Dorf hätte und sie sagte „sie werden mich töten“. Ich nahm sie an die Hand und ging zum Motorrad. Als Sozius wäre sie sicher ein Problem, sie ist sicher noch nie Motorrad gefahren. Ich kramte meinen Yoga Gurt heraus und setzte sie zwischen mich und Tank. Mit dem Yogagurt schnallte ich sie an mir fest.

Wir kamen nicht weit, schon nach kurzer Zeit stand ein Mann schreiend und gestikulierend auf der Straße. Ich fuhr direkt auf ihn zu und er sprang zur Seite. Kurze Zeit später war ein wilder Mob

hinter uns her. Die Straße war nicht mehr wirklich befahrbar, wir waren so langsam, dass der Mob beständig näherkam. Ich bog auf einen Waldweg ab, da konnte man noch schneller vorankommen. Wir fuhren einen Berg herauf, doch irgendwann wurde die Steigung zu groß für das Touren-Motorrad. Das Hinterrad drehte durch und rutschte weg. Wir kamen unsanft zum Liegen. Das viele Gepäck fing unseren Sturz zum Glück auf, sodass sich keiner verletzte. Jetzt war guter Rat teuer.

Würden uns die Dorfbewohner bis hierher verfolgen? Dann müssten wir zu Fuß weiter fliehen. Ein Vorteil für die

Dorfbewohner, sie kennen sich hier aus, ich nicht.

In diesem Moment fiel mir auf, dass ich nicht mal den Namen des Mädchens kannte. Ich zeigte mit dem Finger auf mich und sagte Peter, dann zeigte ich auf sie. Sie sagte „bambino diavolo“. Zu Deutsch „Teufelskind“.

Ich fragte wie die Leute, die sie aufgezogen hatten, sie nannten und sie sagte „Bastardo „. Ich war erschüttert, was für eine Kindheit hatte dieses Mädchen durchgemacht. Als ich versuchte, das Motorrad in diesem steilen und rutschigen Gelände aufzurichten, gelang es mir zunächst nicht. Die Kleine stemmte sich mit

Leibeskräften gegen das Motorrad, gerade so als würde ihr Leben davon abhängen, es aufzurichten. Und nach vielen Versuchen gelang es schließlich. Ich fuhr oder besser rutschte an eine flachere Stelle.

Gut, wenn man immer alles dabei hat, was man nicht braucht. Denn jetzt brauchte ich es. Ich band mein Kletterseil durch das Hinterrad wie eine Art Schneekette. Zwischendurch lauschte ich immer wieder, ob ich Stimmen oder Schritte hören konnte, aber alles war ruhig und es waren auch keine Lichter zu sehen. Ich fragte Sole, so hatte ich innerlich ihren neuen Namen definiert, ob sie sich in diesen Bergen

auskenne. Der Übersetzer sagte mir „ja ich kenne mich hier aus, aber wer ist Sole? Ich sagte, du bist Sole, du bist meine Sonne. Sie lächelte. Sie beschrieb mir einen Weg durch die Berge, der auch mit dem Motorrad machbar wäre und sagte „Du fährst gut, aber du musst noch besser fahren“. Ich wollte heute noch so weit wie möglich weg von Reschen, doch im Dunklen, mit dem Motorrad durch unbekanntes Terrain war heikel. Sie zeigte mir einen schmalen Weg an der Flanke des Hanges entlang. Wir hatten sicher eine Stunde Vorsprung vor dem Mob, falls sie uns überhaupt noch folgten.

Ich beschloss noch zwei Stunden zu

fahren. Sole lief an den schwierigen Stellen vor und warnte mich vor Gefahrenstellen. Mittlerweile war es tiefste Nacht, die Stille würde und beschützen. Jetzt hört man jedes kleinste Geräusch. Ich errichtete einen Wall aus Steinen und entzündete darin ein Feuer. So konnte man es nicht weit sehen.

Ich erklärte ihr, dass ihr neuer Name Sole ist, sie lächelte und gab mir einen Kuss auf die Wange. Als ich ihr ein Stück Brot anbot, lehnte sie ab und zeigte auf mich. Ich zog ihr T-Shirt ein Stück hoch und fasste um ihren Bauch, mit den Händen formte ich den Umfang ihres Bauches nach. Das Gleiche tat ich bei mir. Dann brach ich ein Drittel des

Brotes ab und gab es ihr. Sie nahm es dankbar an. Da ich damit rechnete, dass wir vielleicht doch recht schnell aufbrechen müssen, habe ich kein Zelt aufgebaut. Ich habe einige große Steine ins Feuer gelegt und anschließend eingegraben. Darauf kam dann der Biwaksack plus Schlafsack.

Sie hielt mich die ganze Nacht fest, als hätte sie Angst, ohne mich aufzuwachen. Am nächsten Morgen gab es ein spärliches, aber energiereiches Frühstück. Quark mit Nüssen und Haferflocken.

Nach 11 Kilometern kamen wir auf einen etwas breiteren Waldweg, ich war fertig, dieses Gelände ist nichts für ein

Motorrad, das mit Gepäck und Fahrer fast 300 Kilogramm wiegt. Sole hatte immer noch Angst. Nach weiteren 7 Kilometern versteckte ich das Motorrad zwischen ein paar Felsen und legte mich hin. Ich konnte nicht mehr, ich musste ausruhen. Ich spürte wie Sole meine Hand streichelte und schlief ein.

Was war los? Etwas zog mich am Arm, ich hörte Stimmen und Hundegebell. Zum Fliehen war es zu spät, suchten sie uns, wir hatten doch so viel Vorsprung? Oder hatte dieser Mob andere mobilisiert, um uns abzufangen?

Ich legte noch ein paar Zweige über das Motorrad. Bevor wir auf die Felsen kletterten, besser gesagt ich kletterte mit

Sole auf dem Rücken, zuvor beseitigte ich noch die Spuren vom Motorrad. Aber ich konnte natürlich nicht die gesamte Spur verwischen. Ich leerte all meine Pfeffer-Vorräte am Eingang zu der Felsspalte, in der das Motorrad stand und in der wir aufgestiegen waren.

Das Motorrad wäre in 20 Sekunden einsatzbereit, damit könnten wir den Menschen entkommen, den Hunden vermutlich nicht.

Aber wir hatten Glück, wahrscheinlich war es nur eine Jagd-Gesellschaft, die zufällig hier vorbeikam. Die Hunde schnüffelten kurz in die Felsspalte, doch der Pfeffer tat seine Wirkung. Wir warteten noch eine Stunde, dann fuhren

wir weiter.

Nach weiteren 2 Stunden erreichten wir wieder eine Straße. Über den Reschenpass zurückzufahren, kam nicht infrage. Ich fuhr nach Mals und bog dort Richtung Tubre Taufers ab. Über Guarda kamen wir zurück nach Nauders.

Der kleine Abstecher über die Schweiz war nicht ganz legal, Sole hatte bestimmt keinen Ausweis dabei. Doch Grenzkontrollen gab es hier nur noch selten. Jetzt wurde es Zeit, nach Benzin zu suchen. Der Ausflug in die Berge und die 60 Kilometer Umweg durch die Schweiz haben sich bemerkbar gemacht. Ein Kanister ist schon leer. In Imst bekamen wir schließlich Benzin. 40 Euro

pro Liter und trotzdem durfte ich nur den Tank befüllen, der Kanister blieb leer. Normal wäre ich jetzt über das Hahntennjoch gefahren, aber es war schon dunkel und ich wollte nur noch nach Hause. Also fuhr ich Richtung Reute und weiter über die A7.

Um 5 Uhr kamen wir bei mir Zuhause an. Ich konnte kaum noch sitzen. Auf der Rückfahrt haben wir nur zum Tanken angehalten. Sole tappte etwas eigenartig neben dem Motorrad umher. Sie war das fahren nicht gewohnt und musste erst einmal Blut in ihre Gesäßmuskeln pumpen. Über mein Handy lud ich das Ereignis-Protokoll meiner Überwachungsanlage, es waren nur

Routineeinträge darin. Trotzdem blieb ich vorsichtig. Wir versteckten uns und ich schaltete das Licht im Gebäude und auf dem gesamten Grundstück an. Nichts bewegte sich, Geräusche gab es auch nicht. Ich schaltete wieder ab und wir warteten weitere 10 Minuten. Nichts. Im Dunklen gingen wir leise zum Haus. Im Haus überprüfte ich als Erstes die Alarm- und Überwachungsanlage, alles funktionierte perfekt. Ich gab ihr etwas Wasser und einen Müsliriegel. Ich selbst genehmigte mir jetzt ein Bier, genaugenommen ein halbes, denn danach schlief ich auf der Couch ein.

Morgens fühlte ich, dass etwas nicht stimmte. Sole war nicht da, hatte ich das

alles nur geträumt? Da stieg mir der Duft von frischem Kaffee in die Nase. Sie kam mit einer Tasse Kaffee zu mir und war sicher erschrocken als ich auf einmal aufsprang. Gerade in diesem Moment war mir eingefallen, dass ich das Motorrad gestern an der Grundstücksgrenze abgestellt und nicht mehr in die Garage gestellt hatte. Die letzten Meter waren wir ohne Licht gefahren, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, falls Einbrecher da wären. Ich sagte, zu ihr entschuldige bitte und Danke für den Kaffee, ich hole nur schnell das Motorrad. Ich wollte eigentlich, dass sie hier wartet, aber sie wollte partout nicht von meiner Seite weichen.

An dem Motorrad hatte sich keiner zu schaffen gemacht, auch die Kanister und meine Ausrüstung waren noch da. Nachdem ich das Motorrad und die Ausrüstung verräumt hatte, trank ich ein paar Schlucke Kaffee und machte Wurst-Rührei zum Frühstück. Man sah, dass sie sehr hungrig war, ich auch. Kein Krümel blieb auf den Tellern. Ich zeigte ihr das Haus als ich bemerkte wie sie hastig von einem Bein auf das andere trat. Wir waren gerade an der richtigen Stelle und ich öffnete ihr die Badezimmertür. Während sie sich erleichterte, überlegte ich, wie wir unsere Kommunikation verbessern könnten. Vieles ging mit

Blicken und Gesten, aber das konnte kein Dauerzustand sein. Ich würde sicher nicht sehr schnell Italienisch lernen. Als sie fertig war, gab ich ihr ein altes Smartphone, auf dem ich einen Sprachtrainer für Deutsch und eine Übersetzer-App Italienisch-Deutsch-Italienisch installiert hatte. Danach zeigte ich ihr den Rest des Hauses. Wir duschten uns. Danach kochte ich Chili con Carne.

Nach dem Essen brachte ich sie zum Gästezimmer, wir hatten beide noch eine Mütze Schlaf nötig. Als ich ins Schlafzimmer gehen wollte, hielt sie mich fest und ihre Augen sagten, lass mich nicht alleine. Ich wollte nicht, dass

sie mit in meinem Bett schläft.

Ich stellte ein Gästebett ins Schlafzimmer und zeigte, dass sie dort schlafen solle. Sie verstand es vermutlich nicht, aber sie akzeptierte es. Später zeigte ihr ich das Grundstück.

Sie kletterte auf ein paar Bäume, die waren aber schon alt und hatten morsche Äste. Also verbot ich ihr, darauf zu klettern. Ich hatte sicher noch genug Material, um ihr ein Klettergerüst zu bauen. Der Rest des Tages verging recht schnell, mit Fragen und Fragen und nochmals Fragen. Sie wusste die Übersetzer-App perfekt zu nutzen. Ich bekam nur selten eine Antwort auf meine Fragen. Bei allem, was ihre

Vergangenheit betraf, gab sie sich sehr verschlossen. Von mir wollte sie einfach alles wissen.

Als ich am nächsten Tag erwachte, roch es nach Kaffee und Rührei. Dann hörte ich eine Stimme: „Papa, Frühstück ist fertig!“. Das konnte nicht sein, das war fast akzentfreies Deutsch, wann hatte sie das gelernt? Über Nacht? Und wieso nannte sie mich Papa? Ok, das Papa schmeichelte mir schon ein bisschen, ich musste Lächeln.

Beim Frühstück fragte ich sie, ob sie die ganze Nacht gelernt oder auch ein bisschen geschlafen hat. Ihre Antwort war: „Ein bisschen geschlafen habe ich“.

Eines ging mir noch durch den Kopf.

Was würden die Menschen denken, wenn auf einmal ein Kind auf meinem Grundstück herumspringt? Ich wohne hier zwar weit ab vom Schuss, doch ab und zu kommt doch jemand vorbei.

Ich muss mir eine glaubhafte Geschichte einfallen lassen. Diese Geschichte muss Sole aber auch kennen. Die Leute hier kannten mich schon ein paar Jahre, also brauchte ich nicht mit einer Enkelin anzukommen. Ich fragte Sole, ob sie eine Idee hätte. Sie meinte gleich, ich bin natürlich deine Tochter. Ich erklärte ihr, dass das keiner glauben würde. Sie begriff es, auch wenn es ihr nicht gefiel. Wir einigten uns darauf, dass sie meine Großnichte sei und sie,

solange bei mir blieb, wie ihre Mutter im Krankenhaus lag, da diese einen Unfall hatte. Wir wiederholten es wieder und wieder. Im Gästezimmer hatte ich ihr einen PC eingerichtet, an dem sie weiter Deutsch lernen konnte.

Sie sollte aber auch andere Sachen lernen: Mathematik, Geschichte, Biologie, Informatik, Physik, Englisch und Waffenkunde. Sie wollte das alles nicht. Sie sagte: wozu soll ich das alles brauchen? Ich sagte, du wirst es brauchen, vertraue mir. Sie sagte: Wenn du es unbedingt willst, werde ich es lernen, aber du musst mein Lehrer sein. Ich willigte ein. Schon bald war ich mit meinem doch recht umfangreichem

Wissen so ziemlich am Ende. Es war kaum vorstellbar, wie schnell sie lernte. Nach einem halben Jahr sprach sie fast perfekt deutsch. Ihr Englisch war viel besser als meins – ok, das war nicht so schwer, aber sie war erst 10. Das Einzige, wo sie nicht mitzog, war Waffenkunde. Sie schien Waffen zu hassen. Ich wollte aber, dass sie sich verteidigen konnte. Eines Tages sagte sie zu mir: wozu brauche ich das? Ich sagte: Um dich zu verteidigen. Sie schaute mich an und lachte laut. Dann wurde sie ernst und sagte: Wenn ich mich nicht verteidigen könnte, wäre ich nicht hier. Aber es ist ok: Du zeigst mir wie man mit Waffen umgeht und ich zeige dir wie

man sich verteidigt. Mir blieb der Mund offenstehen, sie lachte herzhaft und kitzelte mich am Bauch, sodass ich auch lachen musste.

Abends als ich alleine war, Sole schlief mittlerweile im Gästezimmer, ging mir durch den Kopf, was eigentlich mit mir passiert war. Ich als alter Eigenbrötler, der immer stolz darauf war vollkommen alleine klarzukommen, hatte auf einmal eine Tochter? Ja für mich war sie wie eine Tochter und dieses Gefühl gebraucht zu werden möchte ich nimmer missen.  Ihr Lachen, die strahlenden Augen, ihre neugierigen Fragen, endlich hatte ich wieder eine Aufgabe und was für eine. Ich musste Sole beschützen und

lehren. Gleichzeitig musste ich den Wissenschaftlern mitteilen, dass künstliche Befruchtung funktionieren konnte, ohne Sole zu gefährden. Eigentlich eine Mammut-Aufgabe. Ich musste es irgendwie schaffen, zu viel hing davon ab. Vielleicht das Überleben der Menschheit. Mittlerweile war Sole 13 Jahre alt und sie hatte fleißig gelernt. Sie wusste und konnte mittlerweile viel mehr als viele Erwachsenen. Ich konnte ihr nichts mehr beibringen. Selbst wenn es um Softwareprogrammierung ging, wo ich eigentlich Experte war, war sie schneller, effektiver und vor allem noch kreativer als ich. Sie ließ mich, dies nie

so direkt spüren, vermutlich um mich nicht zu verletzen, aber ich wusste, sie ist ein Softwaregenie. Aber auch ich hatte von ihr gelernt: Ihre Verteidigungstechnik. Als sie mir erzählte, wie sie diese Technik gelernt oder besser erfunden hatte, stellten sich bei mir die Nackenhaare auf.

Sie sagte: Als sich mein Vater wieder einmal über mich beugte und sagte, lass uns ein bisschen Spaß haben, tat es wieder so weh. Ich kratzte, biss und schlug nach ihm, aber er hörte nicht auf. Irgendwann verließen mich meine Kräfte und aus dem Kratzen wurde nur noch ein Kitzeln. Ich kitzelte ihn am Bauch und er wich zurück. Jedes Mal, wenn er über

mich kam, kitzelte ich ihn an anderen Stellen. Kitzeln an einer bestimmten Stelle der Innenseite des Oberschenkels führt zu einem starken Schluckauf, an der Innenseite der Handgelenke wird die Erektion gestört, auf der Handinnenseite führt es zu einem kurzzeitigen Reaktions-Stopp des ganzen Körpers, er ist sozusagen erstarrt. Dieses kitzeln wirkt aber nur an einer winzigen Stelle, die muss man genau kennen. Damit konnte ich immer irgendwie verhindern, dass er in mich eindrang. Auch später, als die Dorfbewohner mich jagten, konnte ich sie mit einer kleinen Berührung außer Gefecht setzen. Ich war geschockt und beeindruckt zugleich. Im

Nahkampf konnte man damit jeden noch so körperlich überlegenen Gegner schlagen.

Jetzt war es Zeit ihr zu sagen, was an ihr so besonders war und dass sie so wichtig war um das fort Bestehen der Menschheit zu sichern. Wie sollte ich es ihr beibringen? Sie hatte so viel Schlimmes erlebt. Jetzt ging es ihr gerade richtig gut. Ich konnte es nicht! Ich konnte nicht all ihre Träume mit einem Schlag zerstören. Da kam mir eine Idee. Sie war so klug, vielleicht konnte sie das Rätsel selbst lösen. Ich erklärte ihr, wo das Problem der Menschen lag, sicher wusste sie es bereits. Ich sagte zu ihr: Du musst dich mit Molekularbiologie

befassen und dir einen Überblick verschaffen, wie Enzyme, Hormone und all die anderen Sachen im Körper zusammenwirken. Ich versuche, eine Laborausrüstung zu organisieren.  Sie schaute mich mit großen Augen an und sagte: Ich soll die Welt retten, was verlangst du da von mir. Ich bin noch ein Mädchen und sollte spielen und Spaß haben. Darauf sagte ich: Das sollst du ja auch und es tut mir in der Seele weh, dass du hier keine Spielkameraden hast. Glaub mir, ich suche schon lange nach einer Möglichkeit Kinder zu finden, mit denen du spielen und toben kannst. Bis jetzt leider erfolglos.

Sie unterbrach mich und sagte: Ich

weiß, was du alles für mich tust und ich bin dir sehr dankbar dafür. Aber jetzt verlangst du etwas, was ich nicht kann. Ich nahm sie in den Arm und sagte: Du musst die Welt nicht retten, ich traue es dir aber zu, Dinge zu entdecken, welche die Wissenschaftler übersehen, weil sie zu eingefahren in ihrem Denken sind. Sie denken nur noch in Formeln und Algorithmen. Du bist offen für alles, vielleicht siehst du das Teil des Puzzles, was alle anderen übersehen haben. Du sollst jetzt auch nicht jeden Tag 10 Stunden forschen.  Mach das am besten, wenn dir langweilig ist oder du Lust darauf hast. Sie nahm mich in den Arm und sagte: Du glaubst, das kann ich

schaffen? Ich sagte: Nein, ich weiß, dass du es schaffst, wie alles, was du wirklich willst. Sie lächelte mich an und sagte: Ich versuche es. Ich sagte ihr: Ich will dich da wirklich nicht unter Druck setzen, geh es locker an. Ich würde mir nur wünschen, dass du es versuchst. Jetzt muss ich dir noch etwas sagen, das schiebe ich schon lange vor mir her. Ich habe Angst, dich damit zu verletzen. Du bist mittlerweile der wichtigste Mensch in meinen Leben, ich liebe dich wie eine Tochter. Ich werde nicht zulassen, dass dir jemand weh tut. Und doch muss ich den Wissenschaftlern dieser Welt klarmachen, dass künstliche Befruchtung funktionieren kann. Du bist der Beweis.

 Ich werde dich sicher nicht den Wissenschaftlern überlassen, doch selbst wenn sie nur eine Blutprobe von dir hätten, würden sie dich suchen. Wir wären ständig auf der Flucht, doch irgendwann würden sie uns finden. Das kann ich nicht zulassen.

Sie fiel mir um den Hals und flüsterte: Ich werde das Puzzle schon lösen, es wird aber eine Weile dauern. Du hast so viel Zeit wie du brauchst, lass dir Zeit, sonst übersiehst du womöglich ein wichtiges Detail.

Sie fragte: Hast du das auch wirklich so gemeint, wie du es sagtest? Ich fragte: Was meinst du? Dass du mich liebst wie eine Tochter. Ich sagte: ja ich liebe dich

und für mich bist du jetzt meine Tochter. Sie klammerte sich an mich und fing an zu weinen. Ich hielt sie und brach ebenfalls in Tränen aus. Jetzt war alles ausgesprochen, ich hatte mich immer vor diesem Gespräch gefürchtet. Ich hatte Angst, sie würde glauben, ich hätte sie nur mitgenommen, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten.

Es war nicht leicht, eine Laborausrüstung zu erwerben, ohne aufzufallen. Mittlerweile wurden alle Käufe über das Internet in einer zentralen Datenbank registriert. Ich kannte ein Haus, das ziemlich abgelegen lag, der Besitzer war erst vor einigen Tagen verstorben. Also gab ich mich als

der Verstorbene aus, mit dem Risiko, dass die Ausrüstung Dieben zum Opfer fiel, wenn ich zu spät käme. Sollte jemand irgendeinen Verdacht hegen und mir eine Falle stellen, wäre es auch gefährlich sofort dorthin zu fahren. Alles lief nach Plan. Ein teurer Plan. Die Laborausrüstung kostete mich fast 30000 Euro, aber sie war vom feinsten.

30000 mag wenig klingen, doch meine finanziellen Reserven waren begrenzt. Dadurch, dass es immer weniger Menschen gab, die mit so einer Ausrüstung etwas anfangen konnten, hätte ich sie eigentlich umsonst bekommen müssen.

Die meisten Infektionskrankheiten waren ausgerottet. In ein paar ärmeren Ländern gab es noch gelegentlich Fälle von Pest und Ebola. Es gab noch weitere Fortschritte in der Medizin. Mittlerweile wurden Kindern kurz nach ihrer Geburt Knorpelzellen aus dem Ohr entnommen.

Diese wurden gentechnisch so umprogrammiert, dass sie problemlos in allen Gelenken als Ersatz für aufgebrauchten Knorpel verwendet werden konnten. Die Knorpelzellen wurden im Labor vermehrt und konserviert, sodass jeder für das Alter eine entsprechende Menge Knorpel für notwendige Gelenkprobleme zur Verfügung hatte. Künstliche Gelenke

waren nur noch nach schweren Unfällen nötig. Durch ein spezielles Verfahren wurde der konservierte Knorpel direkt in das betroffene Gelenk gespritzt. Wo er sich durch die genetische Veränderung an den richtigen Stellen festsetzt und innerhalb weniger Stunden seine ursprüngliche Konsistenz und Widerstandskraft erreichte. Auch bei älteren Menschen konnte man dieses Verfahren noch anwenden.

Allerdings brauche es anfangs sehr lange, bis man eine ausreichende Menge Knorpel gezüchtet hatte. Dadurch wurde das ganze sehr teuer und die Krankenkassen übernahmen die Kosten nicht. Im Jahr 2031 entwickelten

Wissenschaftler ein künstliches Enzym, das die Knorpelzüchtung revolutionierte. Aus einem winzigen Stückchen Knorpel entstand jetzt innerhalb von ein paar Stunden, eine ausreichende Menge Knorpel um jedes Gelenk zu versorgen.

2050 machten Geologen eine erschreckende Entdeckung. Mittlerweile konnten sie Vulkanausbrüche schon Wochen im Voraus erkennen. Ein neues Berechnungsmodell sollte noch weiter in die Zukunft schauen. So ergab die Berechnung, dass im März 2058 der Yellowstone ausbrechen würde. Die Folgen wären verheerend. Ein Vulkanischer Winter wäre die Folge, die

Temperaturen würden um mindestens 10 Grad fallen und das für mehrere Jahre. Es würde kaum noch Sonnenlicht auf der Erde ankommen, sodass fast alle Pflanzen sterben. Ohne Pflanzen haben auch die Tiere keine Überlebenschance und für die Menschen würde es auch eng. Die Wissenschaft suchte verzweifelt nach Lösungen.

Den Vulkan abzukühlen würde mehr Energie verbrauchen als verfügbar war und auch viel zu lange dauern. Die einzig denkbare Möglichkeit war, die Magmablase, die den Vulkan speist, anzubohren. So könnte man, verhindern, dass sich der Druck im Vulkan erhöht, weil kein neues Magma mehr aufsteigt.

Doch das war ein gewaltiges Unterfangen. Die Magmakammer liegt in einer Tiefe von etwa 45 Kilometern, kein Mensch hat je so tief gebohrt. Zudem reichte kein kleines Loch, das Magma würde sofort erkalten und das Loch verschlissen. Es musste ein gewaltiges Loch sein. Niemand war in der Lage, zu berechnen, wie groß es wirklich sein müsste. Es gab Überlegungen das Loch zusätzlich zu beheizen, doch es war schier unmöglich so viel Energie vor Ort bereitzustellen.

Seit den verheerenden Wetterkatastrophen der 2030’er gibt es

einen internationalen Krisenstab, indem jedes Land der Welt eingebunden ist. Dieser Krisenstab kann jeden Wissenschaftler, jeden Geologen, jeden Feuerwehrmann und bei Bedarf selbst die Putzfrau von ihrer Arbeit abziehen und für seine Anliegen beschäftigen. Finanziert wird alles aus einem internationalen Krisenfond. Dieser Stab hat sich in der Vergangenheit schon bewährt.

2036 saßen die hellsten Köpfe dieser Welt zusammen an einem virtuellen Tisch und erörterten Möglichkeiten, die nicht endenden Serien von heftigen Wirbelstürmen, die fast täglich

irgendeine Region dieser Erde verwüsteten, zu beenden oder zu wenigstens zu dezimieren. Die Wissenschaftler blieben auch nach dem Treffen noch in engem Kontakt. Jede Idee wurde diskutiert. Die meisten waren jedoch nicht umsetzbar. Doch schon 2037 hatte ein Klimaforscher aus Nauru eine einfache, aber brillante Idee.  Man könnte die Erdrotation stoppen, so würden die sich die Luftmassen nicht in Bewegung versetzen. Er wusste genau, dass dies nicht möglich war, doch jeder war aufgerufen, selbst die hirnrissigste Idee allen bekannt zu geben.

Ein Physiker aus Nevada wurde von ihm inspiriert und kam auf die Idee starke

elektromagnetischen Impulse neben den Wirbelstürmen abzugeben, um die Luftteilchen aus ihrer Kreisbewegung zu reisen. Ihm war klar, dass diese Impulse unsere Infrastruktur stark beschädigen konnten. So ein EMP (electromagnetic pulse) konnte sämtliche Computer beschädigen und somit nicht nur unser Bankensystem lahmlegen. Atomkraftwerke und alles was über Computer gesteuert wird, also einfach alles, könnte versagen.

Hier kam ihm ein deutscher Wissenschaftler zur Hilfe. Er hatte vor ein paar Jahren ein System entwickelt, um elektromagnetische Impulse abzuschirmen. Alles, was weiter als

10 km von dem EMP entfernt war, wäre damit sicher. Allerdings war der Energieverbrauch sehr hoch.

Ein Wetterforscher aus dem Irak hatte ein System entwickelt, welches Wirbelstürme durch Satellitendaten bereits kurz vor ihrer Entstehung orten konnte. Die ersten 20 Kleinversuche, einen elektromagnetische Impulse im Labor abzuschirmen, endeten im Chaos.  Alle Computer im Labor wurden unbrauchbar. Eigentlich kein Problem, denn es gab mindestens 20 eins zu eins Kopien dieser Computer an einem entfernten Ort. Doch die Messungen, die erforderlich waren, um zu ergründen, was falsch lief, waren auch verloren. In

nur zwei Tagen wurden 2 Kilometer lange Leitungen für alle Sensoren verlegt. Die Sensoren selbst wurden wie eine Prüfung ergab durch den EMP nicht beschädigt. Beim nächsten Versuch kam Licht ins Dunkel. Das Energiefeld, welches den EMP abschirmen sollte, brauchte statt der berechneten 0,03 Sekunden, satte 5 Sekunden um sich vollständig aufzubauen. Jetzt könnte man denken, kein Problem, einfach 5 Sekunden eher einschalten, aber die Menge an Energie, die dafür notwendig wäre, ist gigantisch.

Es war geplant, das Schild für 1 bis 2 Sekunden einzuschalten. Selbst dafür konnte man die Energie weder von einem

Flugzeug noch von einem Satelliten zur Verfügung stellen. Man plante in einem Weltraumspaziergang 20 Satelliten zu koppeln, doch diese Menge an Energie konnten auch diese nicht liefern. Doch sie fanden folgendes heraus: Das Abschirmfeld blieb nach dem Abschalten der Energiezufuhr fast 4 Sekunden stabil. Beim Einschalten versuchten sie zunächst mit hoher Energie zu starten und diese dann langsam abzusenken. Sie experimentierten 3 Tage, Tag und Nacht. Am vierten Tag standen die Computer nur noch 100 Meter vom Versuchsort entfernt. Zur Sicherheit waren alle Sensoren doppelt angebracht und die entfernten Computer auch noch im Einsatz.

Die Lösung war nicht berechenbar, aber Versuch macht klug. Bereits 10 Sekunden vor dem EMP wurde der Schirm mit nur 1,5 % Leistung aktiviert, fünf Sekunden vor dem EMP wurde die Leistung kontinuierlich auf 10 % gesteigert und 3,8 Sekunden vor dem EMP schließlich auf 100 %. Es gelang, kein Computer wurde beschädigt. Es folgten weitere Tests mit stärkeren EMP’s und weiteren Entfernungen der Computer, dabei wurde der Energieverbrauch weiter optimiert. Zur gleichen Zeit wurden bereits Vorbereitungen getroffen, um die Systeme für den EMP und das

Abschirmsystem in Satelliten zu integrieren. Weltweit bereiteten sich alle auf einen Totalausfall ihrer Computersysteme vor. Alle Daten und Betriebssysteme wurden auf Festplatten und Bänder kopiert, diese wurden unter tiefen Gesteinsschichten in speziellen EMP-sicheren Behältern abgelegt.

Im Dezember 2037 war es so weit, das war jetzt wirklich der Feldversuch.  Die Satellitenformation speiste ihre Energie zusammen, und der erste EMP wurde auf einen Hurrikan im Nord-Ost-Pazifik abgegeben. Er zog in Richtung EMP ab, aber wieder erwarten hörte er nicht auf sich zu drehen. 10 Minuten später gab es Entwarnung, seine

Rotationsgeschwindigkeit ging gegen null und 5 Minuten später existierte er nicht mehr. Ein Erfolg, denn von nirgends in der Welt kamen Meldungen über Ausfall der Computersysteme. Alle Länder dieser Welt bestätigten, dass die Computersysteme fehlerfrei liefen. Von nun an wurde, wenn nötig, ein EMP pro Woche gestartet. Etwas später bis zu drei. Das Wetter beruhigte sich schnell. Erstaunlicherweise nahm auch die Neubildung von Wirbelstürmen stark ab. Auch Starkregen und normale Stürme wurden weniger. Keiner kann sagen, ob das mit dem EMP zusammenhing, aber alle waren froh, dass es so war, wie es war.

Genau diese hellen Köpfe, die das geleistet hatten, versuchten jetzt den Ausbruch des Yellowstone zu verhindern. Es gab keine Besseren für diesen Job! Derweil wurden immer mehr Stimmen von Umweltaktivisten und Klimaschützern laut, welche forderten das Projekt Yellowstone zu stoppen, da es die Energieressourcen für eine ganze Generation verschlingen würde. Ich rief einen bekannten Geologen an und beriet mich mit ihm, wie man den Menschen den Ernst der Lage klarmachen konnte.

Er sagte: schaffe es einen Sendetermin in einem beliebten Fernsehsender zu organisieren, ich hole die Leute vom internationalen Krisenstab dazu. Du lädst

alle Reporter ein, die du kennst und vielleicht noch ein paar Staatschefs.

Ja ich war Journalist und hatte einige Kontakte, aber dafür waren es zu wenige und selbst die wenigen waren eher locker. Ich wusste nicht mehr weiter und zum ersten Mal bat ich Sole um Hilfe. Sie freute sich riesig und begann sofort am PC zu tippen und sagte: Wir gründen eine weltweite Vereinigung der Journalisten und eine weltweite Plattform der Staatschefs. Ich lege die Internetplattform an. Wenn ich das fertig habe, forderst du jeden den du kennst auf, sich dort einzutragen und alle die er kennt darüber zu informieren. Sage ihnen ruhig, dass es um das Überleben der

Menschheit geht, jetzt müssen alle zusammenhalten.  Ich kümmere mich derweil um die Regierungschefs.

Ich fragte sie, wie sie alle Regierungen erreichen will. Sie sagte: nichts leichter als das. Es gibt ein weltweites Terror- und auch ein Katastrophenwarnsystem. Ich hacke mich da ein und schicke ihnen eine Nachricht, die sie nicht ignorieren können. Und über welches Medium sollen sie antworten, ohne zu wissen, wer wir sind? Sie sagte: Sie werden nur eine Meldung über das Portal erhalten, mit einem Link auf eine Webseite, die ich für sie anlege. Du musst nur noch die Vereinigung der Journalisten und die weltweite Plattform der Staatschefs

sowie den internationalen Krisenstab zum Sendetermin einladen. Den internationalen Krisenstab solltest du auch beauftragen, diese Sendung weltweit in allen Sprachen zu verbreiten.

Ich war kurz davor den Kopf in den Sand zu stecken und Sole sieht ganz klar wie es funktionieren wird. Ich bin beeindruckt. Am Abend bereitete ich einen Artikel über die Auswirkungen eines solchen Ausbruchs vor, in dem ich die Auswirkungen möglichst ausführlich schilderte. Der Geologe beriet mich dabei. Ich fragte ihn, ob er jemanden kenne, der eine Computeranimation dazu erstellen könnte. Er antwortete: Die gibt es schon, es würde mich wundern, wenn

ich nicht die Genehmigung bekomme sie für dieses Projekt zu nutzen. Apropos, wie soll das Projekt heißen? Ich überlegte kurz, ja es war sinnvoll dem Projekt einen Namen zu geben. So wüsste jeder immer gleich wissen, worum es geht und das öffentliche Interesse wäre geweckt, wenn dieser Name ein paar Mal in den Nachrichten erscheint. Ich sagte zu Hans (so hieß der Geologe), der Name sollte gut gewählt sein, also brauche ich etwas Zeit.

Er fragte, ob er einen Namen vorschlagen dürfe. Ich bejahte. Er sagte: “prevent mass deaths”. Zu Deutsch, Massensterben verhindern. Es gefiel mir nicht so richtig und ich schlug „ticking

mega time bomb“ (tickende mega Zeitbombe) vor. Nach kurzer Zeit einigten wir uns auf “ticking death of millions of people“ (tickender Tod von Millionen Menschen). In den folgenden Tagen telefonierte ich jeden Tag mindestens 10 Stunden. Jeden und damit meine ich auch absolut jeden den ich kannte, rief ich an und bat ihn um Hilfe für dieses Projekt. Ich wollte kein Geld, sondern Kontakte und Ideen, um die Menschen zu überzeugen, dass diese Bohrungen alternativlos waren. Sollte jemand eine gute Alternative haben, wäre diese natürlich auch willkommen.

Die weltweite Vereinigung der Journalisten habe ich mit einigen meiner

Kollegen schnell ins Leben gerufen, dabei hatte ich große Unterstützung von einem israelischen Rechtsanwalt dem es wichtiger war, dass seine Familie überlebt, als eine Rechnung zu schreiben. Die Webseite war bereits fertig, die weltweite Plattform der Staatschefs hatte auch schon ihre Webseite. Ich bat die Internationale Journalisten-Föderation einen Link auf die Website zu setzen, oder ihre Mitglieder zumindest anderweitig darauf hinzuweisen.

Mittlerweile hatten einige Zeitungen meinen Artikel über die bevorstehende Katastrophe, mit der Überschrift “ticking

death of millions of people“ veröffentlicht. Jetzt kamen täglich Anfragen von Journalisten aus aller Welt, ob sie meinen Artikel oder Teile zitieren dürften. Meine Antwort war immer die gleiche: „Gerne dürfen sie meinen Artikel oder Teile daraus zitieren“, es wäre für mich und alle Menschen auf dieser Welt aber wichtig, die Überschrift (ticking death of millions of people) in ihren Artikel einfließen zu lassen, den ‚ticking death of millions of people‘ ist gleichzeitig ein Projekt das die Akzeptanz der Bohrungen verbessern, Hindernisse ohne Gewalt aus dem Weg räumen und die internationale Zusammenarbeit verbessern soll. Danke!“.

Viele der Journalisten, die meinen Artikel zitierten, erwähnten auch das Projekt und sein Ziel. Der Zug kam ins Rollen. Sole hat es irgendwie geschafft, 95 Staatschefs auf der Plattform zu versammeln. Als ich die Webseite besuchte, schaute ich nicht schlecht. Hier gab es mittlerweile Artikel über Gefahren durch Megavulkane, den Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems, Kriege durch Verteilungskämpfe, mögliche klimatische Veränderungen und vieles mehr. Was mir am besten gefiel, für jedes dieser Szenarien waren bereits Vorschläge vorhanden um sie abzuwenden oder zumindest abzuschwächen.

     Sole hatte ganze Arbeit geleistet und die 95 Staatschefs auch. Hans hatte mittlerweile die Genehmigung zur Verwendung der Computeranimation und noch eine Überraschung. Er hatte einige Kollegen mobilisiert, die in ihrer Freizeit eine Animation entwickelten, die wesentlich weiter in die Zukunft reichte. Außerdem hatte er einen Mediendesigner ins Boot geholt. Dieser hat die Menschen in die Computeranimation gebracht.

Wir hatten jetzt einen kleinen Film, der realistisch zeigte, was mit den Menschen auf der ganzen Welt geschehen würde, wenn wir diesen Ausbruch nicht verhindern. Es war der Hammer, wen das nicht überzeugte, den konnte nichts

überzeugen. Sole und ich übertrugen den Film auf die Plattform der Regierungschefs und die Seite der weltweiten Vereinigung der Journalisten, mit der ausdrücklichen Genehmigung und Bitte zur Weiterverbreitung.

Dann fing ich an, bei Fernsehsendern einen Sendetermin zu ergattern. Das war alles andere als leicht. Viele blockten gleich ab, kein Interesse, oder boten mir an, es als Werbung mit den dafür üblichen immensen Gebühren zu schalten. Man merkte: Hier zählt nur der Gewinn. Doch ich ließ nicht locker und schließlich wurde ich mit dem Intendanten eines Senders verbunden.

Ich erklärte ihm genau, worum es ging und welche Vorbereitungen wir schon getroffen hatten. Besonders hat ihm die „die Plattform der Regierungschefs“ beeindruckt.

Er sagte so viele Chefs an einen Tisch zu bekommen und das, ohne dass sie streiten erschien mir immer unmöglich. Mittlerweile waren 136 Staatschefs der Plattform beigetreten, und alle waren bereit, persönlich ein paar Worte zu dem Thema in ihrer Landessprache zu sagen. Als ich dies dem Intendanten sagte, wurde es zunächst still am anderen Ende der Leitung.

     Dann sagte der Herr, wenn es so viele Regierungsoberhäupter wollen,

dann müssen wir das machen, Entschuldigung, nicht nur wegen der Oberhäupter, sondern wegen allen die sich dafür einsetzen und wegen allen die es vor Schaden bewahrt. Es ist aber ein gewisser logistischer Aufwand nötig, um das mit den verschiedenen Zeitzonen zu schaffen. Ich sagte, die Statements der Regierungschefs werden wir aufzeichnen und einspielen. Aber der Plan sieht noch einen schwierigen Part vor. Die Sendung soll in alle Sprachen dieser Welt übersetzt und weltweit im Fernsehen ausgestrahlt werden. Das Übersetzen übernehmen heutzutage die Computer, die Frage ist, welcher Mensch oder Computer kennt alle Sprachen der Welt.

Wenn wir uns auf die Sprachen der 203 Staaten auf der Erde beschränken, kann ich das bis Morgen prüfen lassen. Allerdings brauchen wir für so viele Tonspuren zusätzliche Satellitenfrequenzen.

     Ich könnte in 5 Tagen einen Termin mit unseren Technikern organisieren, zu diesem müssten auch die Techniker der Fernsehsender aller Staaten, die es ausstrahlen wollen, online sein. Er schaute in seinen Terminplaner und sagte, das wäre dann Dienstag, der 27.09.2050 um 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Ich schätze, wir brauchen 5 Stunden, kann aber auch länger dauern. Bis Montag, 12 Uhr

brauche ich die E-Mail-Adressen aller Teilnehmer, um rechtzeitig einzuladen. Ein straffer Zeitplan, aber sie schaffen das. Rufen Sie mich am Montag ab 10 Uhr noch einmal an und jetzt an die Arbeit. Ohne Abschiedsfloskel legte er auf.

     Ich fragte Sole, ob sie den Termin an die Regierungschefs kommunizieren wollte, immerhin hatte sie die Kontakte aufgebaut. Sie freute sich riesig, dass ich so schnell einen Fernsehsender gefunden hatte, der unseren Aufruf senden wollte und übernahm diese Aufgabe gern. Am Montag telefonierte ich erneut mit dem Intendanten, er sagte, es müsse ab sofort Werbung für diese

Sendung gemacht werden, damit sie einen großen Effekt hätte, selbst wenn der Sendetermin noch nicht feststand. Sein Sender würde ein kleines, kostenloses Budget an Werbezeit zur Verfügung stellen. Doch Werbezeit ist teuer, darum war dieses Budget doch recht klein. Damit es richtig krachen kann (ich dachte nur, welch ungeeignete Wortwahl bei diesem Thema, aber egal) brauchen wir Geld. Selbstverständlich müssen die restlichen Länder auch vorab für die Sendung werben. Zudem brauche er ziemlich schnell einige Schlagzeilen und Bildsequenzen für die Werbung. Den Werbespot würde er dann an allen Fernsehsendern der Welt in ihrer

Landessprache zur kostenlosen Nutzung anbieten. Ich rief Hans an. Bis jetzt hatten wir nur die Genehmigung die Computeranimation für diese Fernsehsendung zu benutzen, jetzt brauchten wir eine Genehmigung sie weltweit für Werbung zu nutzen. Vorab habe ich den Intendanten die Skripte von mir und Hans für die Sendung zugeschickt.

     Schon 4 Stunden nach dem Anruf bei Hans hatten wir die Genehmigung für die erweiterte Nutzung der Animation, welche ich umgehend an den Intendanten schickte. Ich rief den israelischen Rechtsanwalt an, welcher mich schon einmal unterstützt hatte. Ich glaube, er

hat sich gefreut, von mir zu hören. Er sagte, Peter, wie geht es dir, was macht das Projekt und wo drückt der Schuh. Ich glaube, wir redeten fast eine Stunde, über das Projekt, über mich, über den Geburtenrückgang und schließlich kam ich auf den Punkt. Es war eine Wohltat mal wieder einfach nur so zu plaudern, aber die Zeit drängte. Ich sagte ihm, dass ich viel Geld bräuchte, um die Werbung für unser Projekt zu finanzieren. Dazu wolle ich einen Spendenfonds einrichten. An sich kein Problem, nur sollte der „Topf“ allen Staaten dieser Welt zur Verfügung stehen. Wie soll ich es verteilen? Wie schaffe ich es, dass nur die begünstigten

an das Geld kommen und keine Gauner? Und es sollte eigentlich sofort starten.

     Er meinte: Was machst du? Warum verlierst du Zeit? Richte dein Spendenkonto ein und mach es publik. Über die Art und Weise der Verteilung kannst du auch noch später entscheiden.  Das ist nicht wirklich mein Metier, aber ich weiß, es ist dir wichtig und ehrlich gesagt bin ich sogar ein bisschen neidisch darauf, was du in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hast. Ich habe da ein paar Spezialisten für Spendenkonten, davon ist einer bei der Polizei und untersucht Missbrauchsfälle, der andere berät Regierungen, mehr sag ich erst einmal nicht.

Richte du erst mal das Konto ein, ich melde mich morgen bei dir. Wenn du das Konto eingerichtet hast, gönne dir erstmal ein Bier und ein bisschen Ruhe, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wir verabschiedeten uns und in diesem Moment wurde mir klar wie Recht er hatte.

     Schon lange hatte ich keine Minute für mich selbst beansprucht, außer zum Schlafen. Ich war ziemlich platt. Das Spendenkonto hatte ich bereits eröffnet, aber noch nicht publik gemacht. Ich setzte einen Link mit der Bitte um Unterstützung zur Werbung für unseren Sendetermin auf die Website der weltweiten Vereinigung der Journalisten.

Dann rief ich Sole, sie sah mich an und sagte:

     Papa du schaust nicht gut aus, du musst eine Pause machen. Ich sagte, dein Wunsch ist mir Befehl, aber erst müssen wir noch etwas für unser Projekt tun und dann machen wir gemeinsam Pause. Sie fragte: und was? Ich habe ein Spendenkonto angelegt, um Werbung für unsere Fernsehsendung zu finanzieren.

Die Journalisten habe ich schon angetriggert, nur die Staatschefs noch nicht. Sie stellte mir ein kühles Bier auf den Tisch, einen Aschenbecher und eine Packung Zigaretten. Sie sagte: aber nicht alle auf einmal und lächelte. In einer halben Stunde bin ich wieder bei dir und

wir relaxen gemeinsam. Nach ca. 40 Minuten kam sie wieder, ich dachte, wir schauen gemeinsam einen Film und würden dann schlafen gehen. Doch sie sagte: Lass uns spazieren gehen, es wird Zeit das etwas frische kühle Luft an deinen Kopf kommt, der raucht ja schon. Ich lächelte und wir gingen los.

     Wir gingen fast 3 Stunden, ab und zu joggten wir ein Stück. Es war eine Wohltat für Körper und Seele. Zu lange waren wir nicht mehr aus dem Haus gekommen. Als wir zurückkamen, dämmerte es schon. Doch am Haus angekommen sah ich, dass der Wimpel hochgezogen war, ein stiller Alarm wurde ausgelöst. Ich prüfte das

Ereignisprotokoll der Alarmanlage auf dem Smartphone. In der Garage wurde die Lichtschranke ausgelöst. Als ich die Bilder der Überwachungskamera ansah, musste ich lächeln und gab Entwarnung. Ein Igel hatte sich irgendwie unter dem Tor durchgequetscht und suchte vermutlich ein Winterquartier. Dem Igel werden wir morgen ein Plätzchen für den Winter einrichten, für heute war es Zeit zu schlafen. Am nächsten Tag schauten wir zusammen das Werbevideo an. Es war ein ziemlich wilder Zusammenschnitt aus den Warnungen von mir, des Geologen Hans, Ausschnitten aus der Animation und, das hatte ich nicht erwartet, weiteren führenden

Vulkanologen. Es war beeindruckend, furchteinflößend und gab dennoch Hoffnung. Im Laufe des Tages meldete sich der Intendant bei mir und sagte am 08.10.2050 ist ihr Sendetermin . In einer Stunde ruft sie ein Mitarbeiter des Senders an, um die Einzelheiten mit ihnen zu besprechen, ihr Geologe sollte auch dabei sein.  Er wird mit ihnen ein Skript erörtern, in welchem steht, was wann wie gesagt wird. Sozusagen ein Drehbuch. Seien Sie bitte nicht enttäuscht, dass einiges nicht so umgesetzt wird, wie sie es gewünscht haben, vertrauen sie unseren Marketingprofis. Die wissen genau wie man eine Botschaft an den Mann oder die

Frau bringt, der Ordnung halber natürlich auch an diverse. Sofort rief ich Hans an, er konnte sich kurzfristig für den Termin frei machen. Es war noch etwas Zeit bis zum Termin, ich gönnte mir einen Kaffee und wagte einen Blick auf das Spendenkonto.

Gut, dass ich saß, sonst wäre ich vermutlich umgefallen. Es waren bereits fast 3 Milliarden US-Dollar auf dem Konto. Ich rief Sole und fragte sie, was sie den ganzen Tag gemacht habe, außer Geld einsammeln. Sie sagte: Nichts und grinste. Aber irgendwann solltest du auch ausruhen, sagte ich ihr. Ausruhen ist etwas für die Alten, sagte sie mit einem schelmischen Lächeln und

wollte gerade wieder gehen. Ich sagte, warte bitte. Bei uns haben sich viele namhafte Geologen und Vulkanologen gemeldet, alles Einzelkämpfer. Sie brauchen eine gemeinsame Plattform, die auch mit unserem Projekt und allem, was dazugehört, verknüpft sein sollte. Ich kümmere mich morgen darum, jetzt sammle ich noch ein bisschen Geld ein und heute Abend gehen wir noch mal spazieren. Ihr Blick schloss jedes VETO aus. Am nächsten Tag brachte sie mir ziemlich verschlafen Kaffee ans Bett und sagte: Die Plattform für die Vulkanologen steht, hier ist die Webseite.

     Sie reichte mir einen Zettel auf dem

stand_“httpss://VulkanologenundGeologen.com“. Du musst nur noch einladen. Sie gähnte. Ich sagte: Du hast heute frei. Schlaf dich erst einmal aus und mache etwas, was dir Spaß macht. Darauf sie: das tue ich bereits, aber den Vorschlag mit dem ausschlafen nehme ich gern an. Ich stellte auf unsere Projekt-Webseite einen Aufruf an Web und Softwareentwickler mit der Bitte um Unterstützung. Die Bezahlung wäre nur, der Erfolg und die Rettung von Milliarden Menschen. Es wuchs alles so schnell, dass wir es zu zweit nicht mehr stemmen konnten. Aber das war erst der Anfang. Wir hatten erreicht, dass Wissenschaftler und Regierungen fast

aller Staaten zusammenarbeiteten, um dieses Problem zu lösen. Wir brauchten eine weitere Plattform, in der sie ihre Forschungsergebnisse und Ideen so ablegen konnten, dass sie in allen Sprachen abrufbar und durchsuchbar wären. Und jetzt wo wir so viele Kontakte und Unterstützer hatten müssen wir dieses Projekt erweitern. Denn sollte es gelingen, den Ausbruch des Yellowstone Vulkans zu verhindern, muss das nächste Problem der Menschheit in internationaler Zusammenarbeit angegangen werden. Die quasi nicht mehr stattfindende Fortpflanzung und die Antriebslosigkeit der Menschheit.

     Jeder Staat forschte seit langen an

diesem Phänomen. Aber Zusammenarbeit und Austausch gab es höchstens unter den größeren Staaten. Wir mussten alle ins Boot holen. Das Telefon klingelte. Es war der Anwalt. Er sagte: Es gibt exakt 4132 bekannte Fernsehsender auf der Welt.

Also teile deinen Topf durch 4132 und erlaube es jedem Sender diese Summe in Anspruch zu nehmen, wenn er dein Werbevideo sendet. Das Geld wird zunächst auf ein Treuhandkonto überwiesen. Ein Fachkollege hat sich bereit erklärt, dieses zu überwachen und bei Erfüllung der Bedingungen an den Sender auszuzahlen. Er wird dafür keine Gebühr erheben. Allerdings wird der

kleinste Sender genau so viel Geld erhalten, wie der Größte. Ich denke, es wird die kleinen Sender stark motivieren, diese Werbung auszustrahlen. Die großen müssen eh mit ihrer Konkurrenz mithalten.  Heute Abend meldet sich ein Herr Simon Andaretz bei dir, er wird die Einzelheiten zum Treuhandkonto mit dir erörtern. Wenn alles klappt, könnt ihr übermorgen schon auszahlen. Ich schicke dir nachher noch eine Liste der weltweiten Fernsehsender. Ich war so frech bereits alle über die möglichen Werbeeinnahmen aus dem Fond sowie die Brisanz der Sache zu informieren. Jetzt brauchte ich nur noch jemand, der die Einhaltung der

Bedingungen kontrolliert und die Auszahlung veranlasste. Am Abend war auch dieses Problem geklärt, Herr Simon Andaretz wird diese Aufgabe übernehmen.

Mittlerweile hatten sich fast zwei Dutzend Programmierer gemeldet, um uns zu unterstützen. Sole übernahm die Koordination. Schon einige Tage später gab es eine internationale Austauschplattform für alle, die Ideen zur Verhinderung des Ausbruchs dieses Supervulkans hatten. Man konnte Einträge hervorheben, die man als wichtig empfand, aber auch Einträge zur Löschung vorschlagen. Das Thema hatte ich eigentlich an einen Moderator

abgegeben. Ich wurde aber über alle Hervorhebungs- und Löschungs-Anfragen informiert. Ein User schlug einen Beitrag zur Löschung vor, der mich aufhorchen ließ. Da stand sinngemäß: Bohrt euer großes Loch in die Magmakammer. Vielleicht funktioniert es. Bohrt aber zusätzlich etliche kleinen Löcher am Übergang der Magmakammer zum Vulkan und sprengt diese mit kleinen Ladungen. Bohrt so weit wie möglich weg von der Magmakammer, aber vor der Verzweigung des Zugangs zum Vulkan. So kann ein künstlicher Abfluss geschaffen werden, der erst aktiv wird, wenn Magma aus der Kammer

nachschiebt. Das gewinnt Zeit, in der man weitere Bohrungen durchführen und den Abfluss vergrößern kann. Es würde reichen das Gestein um die gewünschte Austrittsstelle des Magmas mit den Bohrungen zu destabilisieren, die restliche Arbeit würde das Magma selbst übernehmen.

Das klang für mich plausibel, warum sollte man das löschen? Ich sorgte dank Admin-Rechte dafür, dass der Beitrag nicht gelöscht, sondern hervorgehoben wurde.

Die Menschen werden immer älter . Mittlerweile erreichen einige Menschen ein Alter von über 150 Jahren. Und das nicht liegend

im Altenheim, sondern vital und fit. Nur die geistige Leistungsfähigkeit lässt bei den meisten schon zeitig nach. Die Medizin hatte vielen Krankheiten den Schrecken genommen. Knochen und Gelenkerkrankungen, aber auch Diabetes und Bluthochdruck, konnten so gut behandelt werden, dass sie fast keinen Einfluss mehr auf die Lebenserwartung hatten.

Es begann schleichend, dass die Geburtszahlen zurückgingen und es fiel auch nicht gleich auf. Mittlerweile gibt es keine natürlichen Neugeborenen mehr.

Vor fünfzehn Jahren war es eine Sensation als in Indien ein Kind auf natürlichem Wege geboren wurde, man

dachte schon: Es gäbe noch Hoffnung. Doch später stellte sich heraus, dass sich seine Geschlechtsorgane nicht entwickeln. Mittlerweile sank auch der Intelligenzquotient der Menschen beständig. Keiner wusste warum. Sie wurden antriebslos und lethargisch. Etwa fünfundneunzig Prozent der Menschen waren von diesem Phänomen betroffen.

Die Wissenschaft hat keine Antwort auf die Frage, warum? Sie kämpft seit fünfundzwanzig Jahren gegen das Aussterben der Menschheit und findet keine Antworten.

Mittlerweile schrieben wir das Jahr 2060. Das Projekt lief gut, aber nicht gut genug. Es wurden Heilmittel für viele

Krankheiten entwickelt. Den Fortschritt der Antriebsstörung konnte man bereits verlangsamen. Komischerweise wirkte das Mittel bei jüngeren Menschen kaum, bei älteren umso besser. Das wichtigste Problem, die faktisch nicht mehr stattfindende Fortpflanzung der Menschen, blieb jedoch ungelöst. Tapfer war circa dreizehn Jahre alt, mit mir altem Sack konnte er noch gut mithalten. Sole war mittlerweile fünfundzwanzig und Isabella? Ich wusste es nicht. Ich habe sie nie nach ihrem Alter gefragt. Vermutlich war sie um die fünfunddreißig Jahre jung. Ihre Uhr fing langsam an zu ticken und es war keine Lösung in Sicht.

Viele Menschen haben jeden Antrieb verloren und schauen nicht mal mehr Fernsehen, sie gehen nicht mehr zur Arbeit, sie Leben einfach nur noch in den Tag hinein. Sie haben keine Pläne mehr für ihre Zukunft. Es werden keine neuen Häuser mehr gebaut. Wozu auch? Es gibt mittlerweile mehr Häuser als Menschen.

Wasserleitungen, Gasleitungen oder sonstiges werden seit langem nicht mehr saniert.

Die ersten Stromkraftwerke gingen bereits vom Netz, weil keiner mehr das Wissen hatte sie zu bedienen und auch sowieso nur noch wenige zur Arbeit gehen. Die meisten Supermärkte werden

nicht mehr beliefert und gibt fast keine Verkäufer mehr. Bei vielen Geschäften sind alle Türen aufgebrochen und die Regale leergeräumt.

Viele Menschen haben mittlerweile sowieso wieder ihre eigenen Beete im Garten. Die Großstädte sind größtenteils verlassen. Ja das ist wirklich so, wenn man Leben in den Großstädten findet dann sind das meistens Tiere.  Sie sind von der eigenartigen Krankheit oder was immer es ist, nicht betroffen. So viele Tiere, wie es zurzeit gibt, gab es schon seit hunderten Jahren nicht mehr. Nur die Menschheit ist am Aussterben.

Auch wir hatten mittlerweile Schwierigkeiten, uns mit allem Nötigen

zu versorgen. Das Grundstück sah mittlerweile aus wie eine Festung, mit 4 Meter hohen Zäunen und Stacheldraht. Immer wieder wurden unsere Beete geplündert, damit sollte jetzt Schluss sein. Aber ich machte mir auch Sorgen. Wie weit würde ein Mensch gehen, der Hunger hat und sieht, dass ein anderer aus seiner Sicht alles hat? Es musste noch ein Sichtschutz her, zumal ich vorhatte auch Nutztiere auf dem Gelände zu halten. Diese würde man aber auch hören. Wie konnte ich erreichen, halbwegs autark zu leben, ohne Aufmerksamkeit zu erregen und uns in Gefahr zu bringen? Wir brachten einen Sichtschutz an und verzichteten vorerst

auf das Nutzvieh, abgesehen von ein paar Hühnern. Nur Eigennutz frotzelten Isabella und Sole. Ohne dein Rührei würdest du nicht überleben. Ich hatte mittlerweile einen jungen Mann in Soles Alter ausfindig gemacht.  Er lebte in Monaco und wurde so geheim gehalten, wie es nur ging.

Im Internet gab er sich immer als 50-Jähriger aus. Doch seine Ausdrucksweise und sein Verhalten deuteten darauf hin, dass er viel jünger war. Ich hatte ein paar Mal unter falscher Identität mit ihm gechattet. Er schien sehr intelligent zu sein. Eine Antriebsstörung hatte er sicher nicht. Irgendwann verplapperte er sich. Er

sagte, ich bin in den besten Jahren, doch alle Frauen sind steinalt und total verblödet. Ich hatte fast 2 Jahre gebraucht, um sein Vertrauen zu gewinnen. Jetzt musste ich mit Sole reden, ich wollte die beiden miteinander bekannt machen. Doch bevor es so weit war, passierte etwas Schlimmes.

Die Alarmanlage meldete unangekündigten Besuch. Auf den Monitoren erkannte ich mindestens vier schwer bewaffnete Männer. Doch es war zu spät, sie waren bereits ins Haus eingedrungen. Sie fesselten mich und Isabella, allerdings nicht sehr gut, Sole nahmen sie mit. Ich konnte mich

befreien. Auf dem Monitor sah ich, wie sie versuchten, mit Sole über den Zaun zu klettern. Sole stellte sich ziemlich blöd an, sodass sie nicht recht vorwärtskamen. Sie war höchstens eineinhalb Meter über dem Boden. Die Männer hatten Gewehre, ich hatte eine Schallkanone. Ich gab einen ganz kurzen Impuls ab.

Die Männer hatten sie zwar am Seil, aber sie sprang trotzdem und riss zwei von ihnen mit. Dann hielt sie sich die Ohren zu. Ich gab Vollgas oder besser Vollschall. Die Männer wälzten sich auf dem Boden. Isabella hatte sich mittlerweile auch befreit und mir die Ersatz-Akkus gebracht.

Ich sagte: steck dir etwas in die Ohren und hol ihre Waffen. Ich hielt voll drauf bis die Akkus leer waren. Isabella rannte mit zwei Karotten in den Ohren und zwei Karotten in der Hand raus. Als der Akku leer war, steckte sie Sole zwei Karotten in die Ohren. Sie fingen an, die Waffen einzusammeln. Als der erste Mann versuchte, sich aufzurichten, gab es erneut auf die Ohren. Ich hatte dieses Teil nie an Menschen erprobt, ich dachte, sie hören diese Frequenz nicht. Es hat funktioniert, warum auch immer. Bevor der zweite Satz Akkus leer war, hatten die zwei, die Männer gefesselt, doch was jetzt?

     Ich erinnerte mich an die Worte des

amerikanischen Präsidenten „Zögern Sie nicht, mich aus dem Schlaf zu wecken, wenn es wichtig ist.“ Er war vermutlich der Einzige, der uns jetzt helfen könnte. Diese Männer hatten es gezielt auf Sole abgesehen, bald würden die nächsten Männer kommen. Doch wie schnell konnte der Präsident helfen? Wir hatten den Männern alle Kommunikationsmittel abgenommen und sie solide verschnürt. Irgendwann würde es auffallen, wenn sie nicht antworten. Der Präsident klang verschlafen, es war 7 Uhr, in Washington, 1 Uhr. Ich schilderte ihn kurz den Sachverhalt, er meinte, das hat aber nichts mit dem Yellowstone Vulkan zu tun. Ich antwortete, mit dem nicht,

aber vielleicht entscheidend mit dem Fortbestand der Menschheit. Er fragte nach meinen Koordinaten. In zwei Stunden sind zwei Hubschrauber bei euch, so lange müsst ihr alleine klarkommen. Ich verbinde euch jetzt mit General Charly, er wird euch instruieren. Wir sollten die Türen mit allem verbarrikadieren, was wir hatten und in einen Raum möglichst ohne Fenster oder den Keller gehen. Wir vereinbarten noch eine Parole. Erst, wenn die Militärs diese riefen, würden wir herauskommen.

Ich beschloss, es anders zu machen. Wir nahmen sämtliche Aufzeichnungen über das Projekt, sowie die Laptops und externen Festplatten mit. Dazu ein paar

Decken. Wir mussten das Projekt vor fremden Zugriff schützen. Dann zogen wir uns an und Verliesen das Grundstück. Das Licht im Haus und auf dem Grundstück ließen wir eingeschaltet. Von einer etwa ein Kilometer entfernten Anhöhe, beobachteten wir mit Ferngläsern das Haus. Als wir die Hubschrauber hörten, begaben wir uns in die Nähe des Hauses. Die Soldaten riefen die Parole, wir erwiderten diese. Sie winkten uns zum Hubschrauber. Sie wollen Tapfer nicht mitnehmen. Sole sagte, dann bleiben wir auch. Schließlich kam Tapfer auch mit. Der Flug dauerte etwa eine Stunde. Es waren im Übrigen deutsche Hubschrauber und deutsche

Soldaten. Der Hubschrauber landete auf einem Militärflughafen, wo wir direkt in ein Flugzeug umstiegen. Später wechselten wir in ein anderes Flugzeug. Dieses fliege, so sagte man uns, direkt nach Washington. Etwa fünfzehn Stunden nach dem Entführungsversuch erreichten wir das Weiße Haus. Wir wurden in einem Seitenflügel untergebracht und bekamen alles, was wir brauchten. Aber eigentlich brauchten wir nichts, nur Schlaf. Am nächsten Tag bat der Präsident mich um eine kurze Unterredung. Nach einigen Sicherheitschecks wurde ich ins Oval Office geleitet. Der Präsident saß hinter dem Resolute Desk. Ich begrüßte ihm

mit „good morning mr. President“. Er sagte: Ich freue mich, sie und ihre Begleiter als Gäste in meinem Hause zu begrüßen. Ich bin neugierig, erzählen sie mir was passiert ist, aber versuchen sie sich kurzzufassen.

Ich erzählte ihm, dass Sole wahrscheinlich durch künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers entstand und ich sie davor beschützen wolle, als Versuchskaninchen zu enden. Er schaute mich fragend an, das Wort Versuchskaninchen kannte er vermutlich nicht. Ich will verhindern, dass man irgendwelche Versuche oder Experimente mit ihr macht, sagte ich. Im Folgendem beschrieb ich die neue Aufgabenstellung

unseres Projektes.

Dann kam ich zu dem Entführungsversuch. Das waren keine Laien, sie hatten Kampfanzüge, Schnellfeuergewehre und öffneten die Eingangstür ohne einen Kratzer zu hinterlassen. Er sagte: Die gängigen Eingangssicherungen sind bekannt und damit kein großes Hindernis. Es war kein gängiges System, entgegnete ich. Ich selbst hatte es entwickelt, programmiert und eingebaut, es gibt kein zweites dieser Art. Es erkennt Stimme, Iris und Fingerabdruck der angelegten Personen. Zusätzlich ist noch ein Passwort erforderlich. Das Anlegen neuer Personen ist nur lokal möglich. Es war

eigentlich unmöglich, sie ohne Gewalt zu öffnen. Nun, das werden wir herausfinden, sagte der Präsident. Machen Sie sich keine Sorgen um ihr Haus und ihr Grundstück, sie werden es, falls sie zurückkehren so vorfinden wie sie es verlassen haben. So lange bleiben sie und ihre Begleiter meine Gäste. Er sagte, ihr Hund, wie heißt er? Ich antwortete: Tapfer. Das muss man in ihrer Nähe wohl sein, sagte er. Wir lachten. Morgen möchte ich kurz mit den beiden Frauen sprechen, aber ohne sie. Das letzte Mal haben wir gut zusammen gearbeitet, dafür nochmals meinen Dank. Das Gleiche müssen wir jetzt wieder tun.

Ich würde innen auch gern jemanden an

die Seite stellen, der sich um ihre Englischkenntnisse kümmert. Ich sagte, gern. Dann verabschiedeten wir uns.

Das letzte „gern“ war nicht ganz ehrlich. Es war nicht wirklich mein Wunsch, mit 97 Jahren noch Englisch zu lernen. Aber ich konnte dem Präsidenten ja nicht widersprechen, nach allem, was er für uns getan hatte. Den Rest des Tages verbrachten wir im Rosengarten und bei kleinen Informationsveranstaltungen um Thema Geschichte Amerikas und geforderte Umgangsformen. Die Frauen waren zwei Stunden in einem Gespräch mit dem Präsidenten. Als sie zurückkamen und ich sie fragend anschaute, sagten sie

gleichzeitig: Streng geheim, wir dürfen dir nichts sagen und fingen an zu lachen. Abends kam ein Tierarzt zu uns. Er untersuchte Tapfer. Auch er fragte nach den vielen Narben, die er hatte. Er befand Tapfer für gesund und ließ uns ein Körbchen, Decken, Näpfe, Spielzeug und Futter da. Zwei Tage später lud uns der Präsident erneut ein. Er ließ ausrichten, wir sollten unser Forschungsprojekt zum Fottbestand der Menschheit einer größeren Menge Ärzten, Biologen und anderen Wissenschaftler detailliert vorstellen. In nur fünf Tagen sollten wir im East Room des Weißen Hauses vor einer unbekannten Anzahl Menschen sprechen.

Jetzt mussten wir uns schleunigst vorbereiten.

Dann kam auch noch mein Englischlehrer, muss das jetzt wirklich sein? Dachte ich. Ich sagte ihm, dass wir viel zu tun hätten. Er sagte, nur eine halbe Stunde, sozusagen Bestandsaufnahme. Nach der Bestandsaufnahme sagte er, wir haben auch viel zu tun, verabschiedete sich und ging. Wir kategorisierten alle Erfolge, Teilerfolge und Misserfolge des Projektes. Wir hatten unser Ziel nicht erreicht und trotzdem so viel. Das wurde uns erst jetzt klar. Das Projekt hatte Medikamente zur vollständigen Heilung vieler Krebsarten, Rheuma, Malaria,

Masern, Tuberkulose und Keuchhusten hervorgebracht. Ein Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall konnte durch Medikamente um ca. 80 % verringert werden. Aber all das wäre bald wertlos, wenn es keinen Nachwuchs gäbe. Künstliche Befruchtung gab es schon lange, doch seit Ende der 2030er waren die Babys nicht mehr lebensfähig. Viele vermuteten, unsere Gene hätten sich irgendwie verändert, Sole forschte mit einigen anderen Wissenschaftlern an Veränderungen im Gehirn. Die Antriebslosigkeit und Lethargie vieler Menschen ließen durchaus Schlüsse auf diese Region zu.

Zum Termin saßen im East Room circa

fünfzig Personen. Ein paar Kameramänner waren auch da. Darauf waren wir nicht vorbereitet, aber egal. Wir stellten kurz vor, worum es uns ging und was wir bereits erreicht hatten. Ein Übersetzer sorgte dafür, dass wir in unserer Muttersprache sprechen konnten und übersetzte uns alles, was aus dem Publikum kam. Dann kam der schwere Teil. Die Fortpflanzung der Menschen. Das Einzige, was wir vorweisen konnten, waren etliche Wege, die nicht funktionierten. Beim Thema künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers erhob sich eine Frau aus dem Publikum und sagte: I am aware of 11 cases of successful in vitro fertilization (Mir sind

11 Fälle einer erfolgreichen In-vitro-Fertilisation bekannt). Ich fragte, ob sie Kontakte zu diesen Personen oder ihren biologischen Eltern hätte. Sole schaute mich strafend an. Sie antwortete sinngemäß, Ich habe Blutproben von fünf Kindern, drei Vätern und zwei Müttern. Ich übergab an Sole, sie kannte sich in der Materie besser aus.

Sole redete lange. Sie erklärte, solche Informationen und sämtliche Ergebnisse der Blutuntersuchungen müssten auf unserer Projektseite veröffentlicht werden, damit alle Menschen Weltweit darauf zugreifen könnten. Auf eine Frage aus dem Publikum, warum nicht Wissenschaftler und Ärzte reichen

würden, antwortete sie: Weil wir keine Zeit mehr haben. Der entscheidende Hinweis für ein Mittel gegen Krebs, kam von einem Maurer, dessen Frau schon lange an Krebs erkrankt war. Er hatte alles gelesen, was es über Krebs zu lesen gab. Hatte jeden Arzt angerufen, von dem er sich Hilfe erhoffte. Und wie er selbst sagte: „Eines Tages ging mir ein Licht auf“, das müsste funktionieren. Aber fast keiner wollte ihn anhören. Jene, die ihm etwas Zeit schenkten, hörten nicht richtig zu, sie wollten nur nicht unfreundlich wirken. Ein Maurer hat ein Mittel gegen Krebs entwickelt: HA HA HA! So läuft es doch im Leben. Er hat seine Idee in unserem Projekt

veröffentlicht. Es war auch kein fertiges Mittel gegen Krebs. Aber es war der Anstoß, der alles ins Rollen brachte. Zweiundvierzigtausenddreihundertzwölf Personen haben seinen Artikel gelesen und nur eine davon erkannte, wie viel Potenzial darin lag. Sole machte eine lange Pause. Dann winkte sie mich und Isabella heran und legte ihre Arme auf unsere Schultern. Sie hatte Tränen in den Augen. Mit zitternder Stimme sagte sie, wir müssen zusammenarbeiten weltweit ab jetzt ab diesen Moment, dann brach sie in Tränen aus.

Isabella nahm das Mikrofon und sagte: Ich bin neununddreißig Jahre alt, meine Uhr tickt. Ich hatte schon aufgegeben

und wollte mich selbst töten. Diese beiden da an meiner Seite haben mir wieder Hoffnung gegeben und ich glaube an sie.

Mit ihrer Hilfe gelang es, den Ausbruch des YellowStone Vulkans zu verhindern und den Schrecken vieler Krankheiten zu lindern. Alles, was wir von euch wollen, ist etwas Hilfe und Unterstützung. Ich nahm ihr das Mikrofon weg und sagte: Das wird leider nicht reichen, wir brauchen eure volle Unterstützung und Zusammenarbeit, es geht schließlich um nichts Geringeres als den Fortbestand der Menschheit. Eigentlich könnte mir das persönlich egal sein. Ich bin dreiundneunzig Jahre alt und habe keine

leiblichen Kinder. Aber ich will, dass jede Frau und jeder Mann auf dieser Erde eine Zukunft haben. Ganz besonders gilt das für die beiden Frauen, die neben mir stehen. Jetzt hatte auch ich Tränen in den Augen. Auf einmal herrschte Totenstille. Nach einer gefühlten Ewigkeit erhob sich die First Lady und fragte: Wer will, dass die Menschheit überlebt, der erhebe sich. Alle standen auf. Und jetzt wieder setzen. Alle die glauben, dass es wichtig ist diese drei zu unterstützen erheben sich bitte.

Knapp zwei Drittel standen auf. Die First Lady sagte: Alle, die jetzt noch sitzen, sind Narren. Ich kann nicht garantieren, dass wir es schaffen. Aber

die drei sind eine Chance für uns alle. Wenn wir nicht jede Chance nutzen, sehe ich keinen Ausweg. Dann sprach der Präsident: Kein Mensch auf dieser Welt hatte daran geglaubt, überhaupt ein fünfundvierzig Kilometer tiefes Loch mit über zweihundert Metern Durchmesser in die Magmakammer des Yellowstone Vulkans zu bohren und das in einem Zeitraum von unter zehn Jahren, außer zwei Personen. Peter und Sole Richter, die beiden rechten Personen auf der Bühne. Mit ihrer Hilfe haben wir das in nur drei Jahren geschafft, was alle für unmöglich hielten. Dabei sind sie weder Geologen noch Geophysiker. Peter ist Journalist, Sole hat keinen Beruf erlernt,

zumindest nicht an der Schule oder Uni. Ihr Talent ist es, Menschen zu verbinden und zur Zusammenarbeit zu motivieren. Sole hat im Selbststudium Medizin und Biologie studiert und entscheidend bei der Entwicklung der Medikamente gegen Malaria und Krebs mitgewirkt. Glaubt ihr Peter würde mit siebenundneunzig Jahren hier stehen und um eure Hilfe bitten, wenn es Ausweglos wäre? Er wäre jetzt sicher viel lieber irgendwo in den Bergen unterwegs. Denkt noch einmal darüber nach, es gibt nichts Wichtigeres. Es gab einen Beifall für den Präsidenten. Nachdem er und die First Lady sich gesetzt hatten, standen die ersten auf und wollten gehen. Sole riss mir das

Mikrofon aus der Hand und rief laut: Stopp. Jetzt ist Schluss mit der Heimlichtuerei. Der Übersetzer kam kurz ins Stocken, fing sich aber gleich wieder.

Die nächsten zwei Sätze sprach oder schrie Sole in Englisch.

I have something very important to say (Ich habe noch etwas sehr Wichtiges zu sagen).

I am a test tube baby (Ich bin ein Retortenbaby).

Alle Informationen und Testergebnisse über mein Blut, meine Haut, meine Haare und einiges mehr finden sie, wenn sie in unserm Projekt nach „Devil child“ suchen. Das war der Name, den mir

meine Pflegeeltern gaben. Dank Peter bin ich dieser Hölle entkommen. Seitdem ist sein Weg auch mein Weg. Glaubt mir, es ist ein guter Weg. Es würde mich freuen, wenn ihr ihn ein Stück mit uns geht.

Jetzt saß kein Mensch mehr auf seinem Stuhl. Die Menschen drängten zu uns. Mir und Isabella würde keiner etwas tun, doch um Sole machte ich mir etwas Sorgen. Ich schickte sie mit ein paar Bodyguards von der Bühne. Doch sie weigerte sich. Nachdem ich ihr versichert hatte, dass wir alle Fragen, die Isabella und ich nicht beantworten konnten, mit Beruf, Telefonnummer und Name der fragenden Person notieren würden, willigte sie ein. Das Ganze hatte

sie sehr angestrengt und sie war diese Menge Menschen nicht gewohnt. Ich sprach mit der Frau, die über die 11 Fälle einer erfolgreichen In-vitro-Fertilisation berichtet hatte. Sie sagte, in Monaco lebt ein junger Mann in Soles Alter. Ich wurde stutzig. Ich fragte: Gibt er sich zufällig im Internet als 50-Jähriger aus, redet aber wie ein Teenie?

Erst jetzt fiel mir auf, dass wir die Sprache, der Jungen gar nicht mehr kennen konnten, weil es sie nicht mehr gab. Es war einfach die Art Sprache, die wir zuletzt von Jugendlichen gehört hatten.

Sie sagte, ja genau so ist es. Ich sagte, ich kommuniziere seit etwa zwei Jahren

mit ihm. Kurz nach unserem letzten Kontakt, versuchte man Sole zu entführen. Sie fragte, meinst du, er steckt dahinter. Wäre möglich. Aber er weiß sicher nicht, dass ich hier bin und dass wir uns kennen. Du willst doch sicher auch einen Kontakt vermitteln. Du könntest ihn in eine Falle locken. Als Erstes solltest du aber deinen Schützling in Sicherheit bringen. Sie bat mich um Hilfe. Der Präsident war schon weg, doch sein Berater war noch da. Ich schilderte ihm kurz die Situation.

Er sagte zu mir, ich kümmere mich darum und zu der Frau, sie solle mit ihm kommen. Fast drei Stunden wurde noch diskutiert und ausgetauscht. Das war

das, was wir wollten, austauschen, reden und Ergebnisse teilen. Wir waren alle ziemlich erledigt. Nach dem Abendessen wollten wir noch etwas Fernsehen, natürlich auf Deutsch. Sole zappte gerade durch, was so läuft. Bei ARD blieben wir hängen, ein Live-Mitschnitt aus dem East Room des weisen Hauses und wir waren die Hauptdarsteller. Das hatte uns keiner verraten.

Zwei Wochen hörten wir nichts vom Präsidenten, ich hatte täglich drei Stunden Englischunterricht und versuchte täglich alle neuen Einträge im Projekt zu lesen. Aber das war mittlerweile unmöglich. Mit Sole beriet ich mich, wie wir die Einträge besser

kategorisieren konnten, um sie gezielt bestimmten Fachbereichen zur Verfügung zu stellen. Es war schwierig, denn manche Themen überzogen mehrere Fachbereiche und diese wurden fast nie explizit erwähnt. Die Lösung wäre künstliche Intelligenz. Doch die Vergangenheit hatte gezeigt, dass diese klare Grenzen hat. Besser waren viele kleine Helferlein aus dem wissenschaftlichen und Medizinischen Bereich. So starteten wir einen Aufruf an alle aus einem wissenschaftlichen und medizinischen Beruf. Aber was war, wenn der Maurer sagt: Da muss es auch hin? Also schufen wir noch eine Möglichkeit, wo Jedermann einen

Vorschlag mit Begründung für die Helferlein hinterlassen konnte. Ganz oben auf die Webseite kam der Aufruf „Helferlein gesucht“ über den hinterlegten Link wurden die Aufgaben beschrieben. Nach zwei Wochen war ich nur noch damit beschäftigt, die abgelehnten Beiträge zu lesen. Ich markierte die aus meiner Sicht interessanten und beriet mich anschließend mit Sole darüber.

Eines Abends kam Isabella in mein Schlafzimmer. Sie schlüpfte einfach unter meine Decke, kuschelte sich an mich und sagte: Ich werde gehen. Ich war nicht einmal überrascht. Sie hatte hier keine richtige Aufgabe. Die

Kinderärzte dieser Welt abzuklappern war nicht schwer, es gab nicht mehr viele. Ich hatte gehofft, ihre Freundschaft zu Sole würde sie halten. Ich mochte Isabella so sehr, ich wollte nicht das sie geht. Also nahm ihre Hand, zog sie an mich und sagte: Ich brauch dich doch so sehr. Du brauchst nur dein Projekt und deine Anerkennung, sagte sie. Jetzt tust du mir Unrecht, die Anerkennung ist mir Scheißegal. Ja, das Projekt ist mir wichtig, aber nicht wegen mir. Anfangs war es mir für Sole wichtig, jetzt auch für dich. Sie antwortete nicht und fing an ihren Körper an mir zu reiben. Ich liebe dich, seit wir uns das erste Mal gesehen haben. Manchmal, nein sogar

sehr oft spüre ich, dass du auch etwas für mich empfindest. Aber du lässt keine Liebe an dich heran, als hättest du eine Mauer aus Eisblöcken um dein Herz gebaut. Ich sagte, sie kommt sehr wohl bei mir an. Aber ich bin sechzig Jahre älter als du, das kann ich nicht machen. Was kannst du nicht machen? Die Liebe einer Frau erwidern, dich einfach auf sie einlassen, ohne darüber Nachzudenken, was davor war oder danach kommt. Einfach das passieren lassen, was wir beide tief in unserem Herzen spüren. Uns einfach fallen lassen und der Liebe ergeben. Was ist falsch daran? Ich küsste sie und wir liebten uns die ganze Nacht, als würde es kein Morgen geben,

als müssten wir die versäumte Zeit nachholen. Nun war ich sicher, dass sie bleibt. Ich werde diese Nacht niemals vergessen.

Am nächsten Tag, es war schon fast Mittag als wir aufstanden, grinste mich Sole so komisch an, scheinbar hatte sie etwas mitbekommen. Dann sagte sie, Papa du hast alles richtig gemacht, endlich.

Dann verschwand sie wieder. Ich fühlte mich mindestens dreißig Jahre jünger. Schon zu Angelina hatte ich eine spirituelle Verbindung, bevor ich sie zum ersten Mal gesehen hatte. Bei Isabella war es ähnlich und doch ganz anders. Aber ich hatte mir schon in den ersten

Tagen eingehämmert, sie ist zu jung für dich, schlag dir das aus dem Kopf. Zehn Jahre. Zehn Jahre, die wir uns liebten, ohne es dem anderen zeigen zu können. Verdammte 10 verlorene Jahre, was war ich nur für ein Idiot. Ich sprach mit Isabella über diese zehn Jahre. Das war das gute, ich konnte einfach über alles mit ihr reden. Sie sagte, ob sie verloren sind, weißt du noch nicht. Wenn wir weiter fleißig üben, bekommen wir ja vielleicht noch ein Bambino. Vielleicht war es bei ihr auch nur Torschlusspanik, dass sie sich mit mir einließ. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass ihre Liebe ehrlich war. Es war auch egal, so wie es jetzt war, war es gut und es könnte nie

besser sein. Ich hatte im Laufe der Jahre fast vergessen wie schön es war Liebe zu empfangen und vor allem Liebe zu geben. Ja, ich bekam auch von Sole Liebe und gab auch Liebe. Aber das war etwas anderes, wenn auch genauso wertvoll.

In den Jahren bevor ich Sole kennenlernte, hatte ich versucht es total auszublenden. Ich war stark und da kann man sich Gefühle nicht leisten, besonders wenn sie unerfüllbar sind. In den letzten Jahren wurde das Leben immer mehr schwarz-weiß. Schaffen wir es, die Menschheit zu retten oder nicht? Jetzt war das Leben auf einmal wieder bunt und ich genoss es in vollen Zügen.

Sole schien glücklich, dass wir endlich ein Paar waren.

Eines Tages fragte ich sie, wie es ihr ohne Freund und Mann ging. Sie sagte: Ich habe einen sehr guten Freund, dich, es gibt keinen besseren und mit Isabella eine sehr gute Freundin. Ein Mann, der mich liebt, das bist auch du. Aber ich weiß, was du meinst.

Wenn es irgendwo auf dieser Welt diesen Mann gibt, der mich lieben wird, werden wir ihn finden, dessen bin ich gewiss. Ich glaube, es gibt im Moment keine Frau auf dieser Welt, die bessere Chancen hat ihn zu finden als mich. Sie lächelte, gab mir einen Kuss auf die Wange und verschwand mit den Worten,

sorry ich muss meinen Mann suchen. Doch dann drang wieder etwas Dunkles in mein Leben.  Tapfer verfließen seine Kräfte. Er war mittlerweile sechzehn Jahre alt, ich hätte nie gedacht, dass er so alt wird. Ich rief den Tierarzt, er sagte, mit der richtigen Behandlung kann er noch zwei Jahre leben. Ich winkte ab. Meinst du zwei Jahre Leben oder Leiden. Wenn er gehen will, soll er gehen. Ich möchte nur, dass er in seinen letzten Tagen oder Wochen, nicht leiden muss.

     Er nickte und gab Tapfer eine Spritze. Ich fragte nicht, was es war. Kurze Zeit später kam er zurück und gab mir CBD-Öl und sagte ein Teelöffel am Tag, wenn er immer noch Schmerzen hat

maximal 2 am Tag. Wenn das nicht reicht, informiere mich bitte. Nutze die restliche Zeit und unternehme noch etwas mit ihm. Es wird nicht mehr allzu lang sein. Ich wusste immer, dass er irgendwann gehen würde. Aber jetzt wo ich fühlte, dass es direkt bevorstand, trieb es mir die Tränen in die Augen. Als Isabella und Sole mich weinend mit Tapfer im Arm sahen, sagten sie nichts. Ich denke, sie wussten, was los war. Sie setzten sich zu mir und zeigten mir und Tapfer, wie gern sie uns hatten. Tapfer fühlte, dass er gehen musste, aber er schien nicht traurig zu sein. Im Gegenteil, er genoss so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung. Das

CBD-Öl half ihm, er wurde wieder etwas aktiver, doch lange würde er nicht mehr bei uns sein. Einige Tage später rieb er sich an meinen Beinen und sah mich mit großen Augen an. Ich spürte, dass es unser letzter Tag war und den wollte ich ganz alleine mit ihm verbringen.

Es war der 23.12.2063 . Wir fuhren in den nahegelegenen Rock Creek Park, wir spazierten, tollten herum, spielten Stöckchen werfen. Eigentlich ein toller Tag. Irgendwann kroch Tapfer in ein Gebüsch und kam nicht mehr heraus. Ich hatte gelesen, dass sich Hunde zum Sterben zurückziehen. Aber ich brachte es einfach nicht fertig, ihn in seinen letzten

Minuten oder Stunden alleine zu lassen. Ich kroch auch in das Gebüsch. Er lag auf der Seite, sein Atem war flach. Er schaute mich direkt an. Mit ruhiger Stimme sagte ich: „Alles gut Tapfer, ich weiß, du wirst jetzt gehen“, aber in meinem Herzen bleibst du für immer. Ich kraulte ihm den Hals und die Ohren, das hatte er immer so gemocht, bis zu seinem letzten Atemzug. Ich saß bestimmt noch eine Stunde neben ihm, ehe ich die Stimme von Isabella hörte. Hat er es geschafft? Ich sagte, ja, er ist jetzt im Hundehimmel. Als ich aus dem Gebüsch gekrochen war, fragte sie, willst du ihn nicht mitnehmen? Ich sagte, nein, er hat diesen Ort zum

Sterben gewählt, das werde ich akzeptieren.

Wir sollten Sole holen, damit sie sich verabschieden kann. Isabell sagte, sie ist hier, sie wollte auch nicht, dass ich zu dir gehe. Du wolltest diesen Tag alleine mit Tapfer verbringen. Ich sagte, es ist ok und rief Sole. Sie kroch ins Gebüsch und streichelte Tapfer ein letztes Mal. Zu Isabella sagte ich, geh schon und verabschiede dich.

Als die beiden aus dem Gebüsch kamen, kroch ich auch noch einmal zu Tapfer, streichelte ihn ein letztes Mal und wünschte ihm Glück für seine letzte Reise. Isabella sagte wenig später: Die wilden Tiere werden ihn fressen. Ich

sagte, ja, das werden sie, so war sein Tod wenigstens nicht ganz umsonst und vielleicht lebt etwas von ihm in diesen Tieren weiter. Die Heimfahrt verlief wortlos. Wir machten noch einen ungeplanten Halt in einem kleinen Park. Isabella und Sole führten mich zu einer kleinen Lichtung. Mitten auf der Lichtung stand ein Tisch mit zwei Bänken. Auf dem Tisch waren Zigaretten, Aschenbecher und eine Flasche guter Whisky. Die beiden wussten, was ich jetzt brauchte. Jetzt fingen wir auch an, zu reden. Wir redeten über alles, was wir mit Tapfer erlebt hatten und irgendwie war es, als wäre er noch bei uns. Das war er auch,

in unseren Herzen. Am nächsten Tag wollte das Zimmermädchen sein Körbchen wegräumen. Ich sagte ihr, lass es stehen. Sie schaute mich verdutzt an und ich sagte, es wird hier stehen bleiben bis wir ihn vergessen haben, was nie passieren wird, oder wir es selbst entfernen. Isabella fragte mich am nächsten Tag, sollen wir einen Welpen holen, das wurde deine Stimmung sicher aufhellen. Im ersten Moment dachte ich, das wäre Verrat an Tapfer, aber war es das? Ich glaubte, es würde ihn freuen, wenn wieder ein Hund an meiner Seite wäre.

Zu Isabella sagte ich, lass uns ein paar Tage warten und dann eine arme Seele

aus dem Tierheim retten. Für Welpen ist es leicht, ein neues Zuhause zu finden. Ich informierte mich schon vorab bei den Tierheimen. Nach fünf Tagen fuhren wir nach Kent. Es gab viele Tiere in diesem Tierheim, auch viele Hunde.

Ich fragte, welcher Hund die schlechtesten Vermittlungschancen hatte. Die Antwort war, diesen Hund willst du sicher nicht, er würde dich zerfleischen, doch ich wollte ihn sehen.

Es war ein vier Jahre alter Schäferhund Rüde. Er wurde von seinen Vorbesitzern geschlagen, eingesperrt und nur selten gefüttert. Ich wollte es dennoch versuchen.

Nach langen Diskussionen durfte ich mit

einer Art Vollschutzanzug in den Käfig. Neben dem Käfig stand ein Pfleger mit einer scharfen Waffe. Ich sagte ihm, wenn du schießt, bevor ich blutüberströmt am Boden liege, bekommst du Ärger. Er lächelte und sagte, das wird nur ein paar Sekunden dauern, dann wirst du froh sein, dass ich hier stehe. Ich setzte mich im Käfig in die Ecke gegenüber dem Hund und wandte dem Hund den Rücken zu. Ich sprach nicht mit ihm und tat einfach so, als hätte man mich zu ihm in den Käfig gesperrt, ohne dass ich irgendein Interesse an ihn hätte. Nach etwa 30 Minuten hörte ich, dass der Hund langsam auf mich zukam, aber er hielt

Abstand. Weiter 10 Minuten später fing er an mich zu beschnüffeln. Ich hatte etwas Leckeres dabei, doch das war mehrfach so dicht verschweißt, dass er es nicht riechen konnte, dachte ich zumindest. Er wollte seine Schnauzte in meine Jackentasche schieben, ich vermied es die Hände zu bewegen und schubste ihn mit dem Körper weg. Das Spiel spielten wir eine ganze Weile.

     Dafür, dass er Hunger kannte, war er recht friedlich. Irgendwann stand ich langsam, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, auf und ging zu seinem Napf. Er knurrte mich böse an, obwohl der Napf leer war. Ich setzte mich etwa einen Meter neben den leeren Napf und

zog diesen ganz langsamen Stück für Stück an mich heran. Dabei leckte ich mir ständig die Lippen und schmatzte. Ich hatte gelesen, dies wirke besänftigend auf Hunde. Ich hatte den Hund noch nicht einmal angesehen seit ich im Käfig war und ich war schon lang darin. Er legte sich mir gegenüber auf den Boden und fixierte mich. Ich beobachtete ihn immer nur aus den Augenwinkeln. Der Napf war etwa mittig zwischen uns, ich zog ihn langsam zu mir. Er stand auf und knurrte mich an. Ich blieb fast regungslos sitzen, den Blick abgewendet und verharrte so. Ich hätte es erst bemerkt, wenn sich seine Zähne in das Fleisch meiner Hand gruben.

     Ein kleiner Erfolg. Ich verließ den Käfig mit seinem leeren Napf, ohne dass er mich behelligte. Ein paar Minuten später kam ich mit vollem Napf zurück. Jetzt wird es spannend. Ich habe nicht vor, ihm den einfach reinzustellen. Ich werde mit dem Napf hineingehen und er soll mich darum bitten, ihn lehren zu dürfen. Ein höchst gefährliches Spiel, aber es schafft Klarheiten. Zunächst halte ich den Napf nur an den Käfig. Als er darauf zu stürmt, lege ich meine Hand auf den Napf. Er setzt sich hin und scheint zu akzeptieren, dass es jetzt mein Napf ist. Im Käfig sieht es anders aus, hätte ich die Hand nicht schnell vom

Napf genommen, wäre sie vermutlich blutig. Ich schrie ihn an, weg, aus, hau ab. Er wich etwas zurück. Dann warf ich ihm immer wieder etwas Futter zu. Das schien er zu akzeptieren. Seine Spannung legte sich etwas.

Als er erneut zum Napf gehen wollte, schrie ich ihn wieder an und er wich erneut zurück. Das ging so lange, bis der Napf leer war. Ich ging hinaus und füllte ihn wieder. Jetzt konnte ich unbehelligt den Käfig betreten. Nachdem ich ihm noch ein paar Stückchen zugeworfen hatte, schob ich den Napf zu ihm.

     Als ich den Käfig verlassen wollte, sprang er mich an. Da packte ich ihn beherzt am Genick und riss ihn zu

Boden. Ich stand auf und stellte mich über ihn. So konnte ich mein gesamtes Gewicht nutzen, um ihn notfalls Kampfunfähig zu machen. Doch es kam keine Gegenwehr, also drehte ich ihn auf den Rücken. Jetzt lagen seine verwundbarsten Stellen offen, doch er wehrte sich nicht. Hatte er sich unterworfen? Ganz sicher war ich mir nicht. Ich nahm etwas Futter aus der Tasche. Eine Hand war an seiner Kehle. Er versuchte nicht das Futter zu fangen. Ich lockerte den Griff an seiner Kehle und war auf einen Angriff vorbereitet. Doch der kam nicht, er fraß das Futter, das ich zuvor geworfen hatte und legte sich neben mich.

     Ich ging täglich ins Tierheim und verbrachte jeden Tag zwei Stunden mit ihm. Jetzt mussten Sole und Isabella mit in den Käfig, sie musste er auch akzeptieren. Das wollte ich aber nicht ohne Halsband und Leine riskieren. Halsband und Geschirr waren für ihn rote Tücher. Mittlerweile vertraute er mir ein bisschen und ich ihm, aber das mit Halsband oder Geschirr hat trotzdem noch drei Wochen gedauert. Als Sole in den Käfig kam, akzeptierte er sie sofort, bei Isabella war es anders. Hätte ich ihn nicht zurückgehalten, hätte er sie gebissen.  Nachdem ich ihn mit der Leine abrupt zurückzog, griff er mich an. Bevor er meine Hals erreichte, packte ich

ihn an der Kehle und drückte ihn zu Boden. Wenn es mir jetzt nicht gelang, ihm Respekt einzuflößen, wäre es vorbei. Er lag auf dem Rücken, eine Hand hatte ich an seiner Kehle, die andere drückte im Moment noch sanft auf seinen Brustkorb.

Ich erhöhte den Druck, bis ich merkte, dass er sich entspannte und sich sozusagen ergab. Meine Hand wanderte von seiner Kehle an sein Kiefergelenk, er hielt ganz still. Dann griff ich um sein Maul, das gefiel ihm gar nicht, er versuchte sich herauszuwinden. Doch auf einmal akzeptierte er es. Ich bat Isabella, ihn zu streicheln. Zuerst nur am Rücken, dann auch an den Läufen und

am Bauch.

Als ihre Hand an seinen Bauch kam, wollte er beißen, doch mein Griff war zu fest. Isabella hatte ihre Hand schnell weggezogen.  Jetzt legte ich eine Hand auf seinen Bauch und sagte Isabella, sie solle ihre Hand auf meine legen und langsam von meiner Hand auf seinen Bauch rutschen. Es Funktionierte. Am nächsten Tag durfte sie schon seine Kehle berühren. Jetzt hatte ich noch eine gewaltige Aufgabe, denn ich hatte den Hund durch körperliche und mentale Stärke seine Grenzen gezeigt. Ich hatte seinen Respekt, sein volles Vertrauen zu bekommen würde sehr viel länger dauern. Einer von uns ging jeden Tag mit

ihm spazieren, manchmal auch alle. Ich begriff sehr schnell, dass es niemals mein Hund sein würde, er hing an Sole wie eine Klette. Das war für mich eigentlich ok, solang er auch ab und mit mir schmusen würde. Er brauchte jetzt noch einen Namen. Bis jetzt riefen wir immer, komm her Hund. Ich schlug Kämpfer vor. Sole gefiel das nicht, sie sagte, nachdem was er Erlebt hat, sollten wir ihn Leid nennen. Ich sagte, was vorbei ist, ist vorbei, Schauen wir in die Zukunft und nennen ihn Glücklich. Damit waren alle einverstanden.

Ein paar Monate später wurde ich krank. Mein Blutzuckerspiegel stieg

sprunghaft an, obwohl ich an meiner Ernährung nichts geändert hatte. Die Untersuchungen ergaben, dass meine Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig arbeitete, obwohl sie nicht entzündet war oder andere Schäden erkennbar waren. So etwas kam fast nie vor und so kannten die Ärzte auch kein Mittel, um es zu heilen. Ich musste Insulin spritzen und auf viele Dinge verzichten, die ich mochte. Isabella und Sole machten sich große Sorgen um mich und fingen an, nach ähnlichen Fällen zu recherchieren. Komischerweise gab es Tage an denen ich auch ohne Insulin ganz normale Blutzuckerwerte hatte und dann schossen sie plötzlich wieder in die Höhe.

Rückblick

Im Jahre 2035 gab es ein Ereignis, das einige mit der merkwürdigen Entwicklung der Menschen in Verbindung bringen. Zu dieser Zeit galten Fledermäuse in vielen Teilen der Welt als nahezu ausgerottet.

Sie standen zwar immer noch unter Arten und Naturschutz, doch nach der Corona-Pandemie, die im Jahr 2020 ausbrach, nachdem 2019 ein Virus, vermutlich über einen Zwischenwirt von einer Fledermaus auf den Menschen übertragen wurde, hatten alle Angst vor

den Fledermäusen bekommen und jene welche die Möglichkeit hatten ihren Bestand zu minimieren, taten es, auch wenn es verboten war. Ob das Virus tatsächlich von einer Fledermaus stammte, oder aus einem Labor entwichen ist, werden wir vermutlich nie erfahren.

Die 2010’er und 20‘er Jahre waren eine schwere Zeit, geprägt von Terroranschlägen, Kriegen, einer hohen Inflation, regional verheerenden Unwettern und der alles überschattenden Corona-Pandemie. Es herrschte Krieg in folgenden Ländern: Kolumbien, Mali, Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanische

Republik, Kongo, Burundi, Äthiopien, Südsudan, Libyen, Ägypten, Somalia, Mosambik, Ukraine, Türkei, Syrien, Irak, Jemen, Armenien, Aserbaidschan, Afghanistan, Pakistan, Indien, Myanmar, Thailand und den Philippinen. Nachdem die terroristische Vereinigung Al-Qaida durch internationale Bemühungen zurückgedrängt wurde, ließen die Anschläge zunächst nach. Doch die Pause war nur kurz, dann kam das Corona-Virus. Anfangs dachte man, das ist in China, weit weg. Dann traten einzelne Fälle der Infektion in Deutschland auf, während in Italien bereits Triage zum Einsatz kam. Es gab mehr Patienten als versorgt werden

konnten und die Ärzte mussten entscheiden, wen sie einen Platz auf der Intensiv-Station gaben und wem nicht. Ärzte und das Klinik-Personal waren in einigen Regionen total überlastet. Die Menschen lagen auf Fluren und in Bereichen, die nicht für Behandlungen ausgelegt waren. Die täglichen Todeszahlen waren erschreckend. Anfangs dachte ich, unser modernes Gesundheits-System und der Staat würden die Verbreitung bei uns schnell eindämmen, zunächst schien das auch zu gelingen. Doch schon nach zwei Monaten war klar, dass sich dieses Virus nicht mehr stoppen ließ.

Es war die Zeit des Karnevals, dieser bot

dem Virus eine einzigartige Chance sich zu verbreiten. Das Virus nutzte sie. Weltweit traten plötzlich Infektionen mit dem Virus auf. Vermutlich lag es am auch am traditionellen Neujahrsfest in Wuhan, zu dem Menschen aus aller Welt kamen, dass sich das Virus so schnell verbreitete. Durch Globalisierung und internationalen Flugverkehr hatte sich das Virus längst auf dem gesamten Planeten breit gemacht.

Es dauerte nicht lang, bis fast alles nicht Lebensnotwendige dicht gemacht wurde. Schulen, Geschäfte (außer die für Waren des täglichen Bedarfes), Kinos, Friseursalons, jegliche Art von Gaststätten, Hotels, Discos, Clubs und

viele andere mussten schließen. Die einzigen, die verschont blieben, waren unverzichtbare Einrichtungen wie Polizei, Altenheime, Pflegedienste, Feuerwehr, Ärzte, Krankenhäuser, Supermärkte und einige andere. Auch die Industrie durfte unter Auflagen weiter Arbeiten. Für viele hieß das: Arbeiten – ja, Überleben – ja. Leben – Nein. Es gab nächtliche Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen. Zudem musste überall, wo ein Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden konnte, eine Maske, die Mund und Nase bedeckt, getragen werden. Sogar die Überschreitung der Ländergrenzen innerhalb Deutschlands war zeitweise

verboten, außer man arbeitete dort.

Im Medizinischen und im Pflegebereich fehlte es am Nötigsten, Schutzkleidung und Schutzmasken waren Mangelware. Zeitweise war sogar Desinfektionsmittel knapp. Manche sterilisierten ihre Einmal-Masken im Backofen oder im Reiskocher, weil einfach keine neuen zu bekommen waren. Die Regierung unternahm große Anstrengungen, diesen Engpass zu lindern. Sie kaufte für teures Geld alles Mögliche an Masken auf, ohne zu wissen, ob diese wirklich den erforderlichen Schutz bieten und die Handelspartner vertrauenswürdig waren. Viel Geld für keine oder minderwertige Ware. Einige Monate später, als wieder

ausreichend vollwertige Masken zur Verfügung standen, kam ein Politiker auf die Idee, die Masken mit schmaler Prüf-Sicherheit an Obdachlose abzugeben. Ausgerechnet denen, die abgesehen von den Alten und dem medizinischen Personal am gefährdetsten waren, wollte er minderwertigen Schutz zur Verfügung stellen. Der Applaus dafür hielt sich in Grenzen, so wie bei vielem, was dieser Politiker tat. Jedes Bundesland entschied selbst, welche Maßnahmen es traf. Dadurch galten für viele Menschen am Arbeitsort andere Regeln als am Wohnort. Zumal änderten sich diese Regeln fast ständig, sodass es schwer war zu wissen, was man noch darf und

was nicht. Im Sommer flauten die Infektionen ab, da das Virus schneller austrocknete.

Im Herbst, als es wieder kühler wurde, waren die Politiker total erstaunt, dass die Infektionszahlen wieder stiegen. Bis sie sich einig wurden, was man dagegen tun sollte, vergingen viele wertvolle Wochen. Diesmal wurde nur halbherzig gehandelt. Ein Lockdown Light sollte es bringen.

Über Weihnachten als die Infektionszahlen am höchsten waren, wurden die Maßnahmen gelockert. Im Sommer 2021 normalisierte sich das Leben einigermaßen. Selbst Reisen in andere Länder waren wieder möglich.

Doch man wusste nie, ob man ohne Quarantäne, wieder zurückkäme, falls das Reiseland zum Hochrisiko- oder Virusvarianten-Gebiet erklärt würde. Im Herbst 2021 fielen die Politiker wieder aus allen Wolken, als die Infektionszahlen stetig anstiegen, auf bis zu fast sechsundsiebzigtausend Neuinfektionen an einem Tag im November. Wieder dauerte es sehr lange, bis sich die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin einigen konnten. Doch obwohl die Infektionszahlen mehr als doppelt so hoch wie bei der bisher stärksten Welle waren, hielt unser Gesundheitssystem Stand.  Ja, es hielt Stand, doch um

welchen Preis? Viele der Pflegekräfte, aber auch Mitarbeiter von Laboren und anderen besonders geforderten Berufen, hielten diesem permanenten Leistungsdruck und vermutlich auch der seelischen Belastung, so viele nicht mehr retten zu können, nicht stand. Sie wurden krank oder wechselten den Beruf, was den Druck, auf die verbliebenen Mitarbeiter erhöhte. Die Politiker versprachen, die Pflege aufzuwerten und eine Prämie an die Pflegekräfte auszuzahlen. Es gab eine Prämie, doch damit war das Problem nicht gelöst. Überlastung und Verzweiflung kann man nicht mit Geld kompensieren, das hatte aber noch

niemand unseren Politikern vermittelt. Und so gab es mittlerweile mehr Intensiv-Betten, als Personal dafür.

Vermutlich waren die Impfungen die Ursache, dass trotz stark steigender Infektionszahlen, die schweren Verläufe der Krankheit und somit die Krankenhaus-Einweisungen nicht übermäßig stiegen. Doch unser auf maximalen Profit zusammengespartes Gesundheitssystem konnte das nicht mehr lang aushalten. Aber auch alle anderen waren der Angst vor dem Virus und den Einschränkungen im Leben leid. Die Zahl der psychischen Erkrankungen nahm in dieser Zeit stark zu. Doch irgendwann wurde das Virus

ungefährlicher, etwa wie eine Grippe. Bis sich das Leben wieder halbwegs normalisierte, dauerte es aber noch Jahre. Ganz wie früher wurde es nie mehr.

Der Krieg in der Ukraine, direkt vor unserer Haustür, lies die Inflation explodieren. Gas, Öl und Benzin wurden fast unbezahlbar, doch alles andere wurde auch teurer. Es war eine harte und unsichere Zeit. Die Politik reagierte, wie fast immer, zögerlich und inkonsequent.

Der Ursprung?

An besagten Tag hörte man am Himmel

ein Geräusch ähnlich einem Vogelschwarm. Aber es waren keine Vögel. Da es schon dunkel war, konnte man auch nichts erkennen.

Aus allen Teilen der Welt hörte man ähnliche Berichte.

Später fand man heraus, dass es riesige Schwärme von Fledermäusen waren.

Wie man am nächsten Tag sehen konnte, hatten sie große Mengen Kot auf den Feldern und damit auf den Lebensmitteln abgeladen.

In einer groß angelegten Aktion wurden von Hubschraubern und Flugzeugen die Felder mit Wasser besprüht, um den Kot von den Pflanzen abzuwaschen. Man bekam auch ein halbes Jahr danach keine

rohen Lebensmittel mehr zu kaufen. Alles wurde, bevor es in den Handel kam, ultrahocherhitzt. Dadurch wurden aber auch fast alle Vitamine zerstört. Fast jeder musste in dieser Zeit Vitamintabletten schlucken. Frische Salate gab es nur noch aus dem Gewächshaus. In Deutschland bezahlte man zu jener Zeit, für einen einzelnen Salatkopf weit über hundert Euro. Nachdem in den Jahren 2021 bis 2025, durch fragwürdige politische Entscheidungen und Kriege, die Energiepreise durch die Decke gingen, hatten sich nun auch die Preise für Lebensmittel um fast fünfhundert Prozent erhöht. Viele lebten an der

Armutsgrenze, oder darunter. Der Schwarzmarkt mit Lebensmitteln blühte. Doch was war mit dem Futter für die Tiere? Wurde das auch ultrahoch erhitzt? Vermutlich nicht.

Irgendwann fiel auf, dass selbst in Afrika die Geburtenquote (anfangs zwar nur ganz langsam) beständig zurückging.

Die Wissenschaftler und Biologen hatten damals schon die Lebensmittel von den betroffenen Flächen untersucht. Sie hatten in den Lebensmitteln einen Virus gefunden.

Es stellte sich jedoch heraus, dass der Virus erstens total harmlos war und dadurch, dass die Menschheit, fast komplett, mit einem Impfstoff, der gegen

alle Viren wirkt, geschützt war, keine Gefahr bestand. Das Ultrahoch erhitzen tötet das Virus ebenfalls sicher ab.

Ende der 2070‘er Jahre entdeckten einige der letzten Wissenschaftler, die noch nicht in die sich allgemein breitmachende Lethargie der Menschheit verfallen waren, dass in diesem Virus noch etwas anderes eingeschlossen war. Es war so klein, dass man es selbst zum heutigen Zeitpunkt nur mit den besten Laborausrüstungen entdecken konnte. Die Biologen nannten es damals Nano-Virus. Aber es war kein Virus, dafür war es zu klein. Es blieb ein Rätsel, um was es sich da handelte.

Das Irrwitzige ist, dass es niemals

freigesetzt worden wäre, hätte der Impfstoff nicht die Hülle des Virus zerstört.

Aber war dieses Nano-Virus die Ursache für die rückläufigen Geburten und die sich breitmachende Lethargie? Diese Frage konnte keiner beantworten. Tierversuche waren seit langem strengstens verboten.

Als die Geburtenraten in den nächsten zwei Jahren noch dramatischer zurückgingen, erhielt eine deutsche Universität eine Sondergenehmigung für Tierversuche mit Mäusen. Angesichts der dramatischen Entwicklungen blieben sogar die Proteste der Tierschützer fast aus.

Die mit dem „Nano-Virus“ infizierten Mäuse wiesen anfangs keine Auffälligkeiten auf, sie zeugten reichlich Nachwuchs und verhielten sich ganz normal. Erst nach circa einem Jahr begannen sie, sich zu verändern. Sie fraßen mehr, bewegten sich wenig und zeugten keinen Nachwuchs mehr. Anfangs sagten einige Wissenschaftler, es läge daran, dass die Mäuse zu alt seien. Doch auch bei ihrem Nachwuchs, welcher definitiv kein „Nano-Virus“ in sich trug, stellte sich ein gleiches Verhalten ein.

Die Wissenschaft stand vor einem Rätsel.

Die Zeit drängte. Die Zahl der Menschen

auf unserem Planeten war zu diesem Zeitpunkt von circa 10 Milliarden im Jahr 2040 auf 6 Milliarden zurückgegangen.

Nach weiteren langwierigen Untersuchungen stellte am 26.09.2048 ein Labormitarbeiter winzige Veränderungen an den Genen der Mäuse fest. Die Veränderungen waren nicht stark, aber sie passten zum veränderten Verhalten. Nach weiteren Untersuchungen stand fest, dass diese Änderungen sich mit jeder neuen Generation verstärken. Keiner konnte sich vorstellen, dass so etwas durch ein Virus, eine Bakterie, ein Nano-Virus oder etwas Ähnliches ausgelöst werden kann.

Die Forschungen an den menschlichen Genen wurden nach dieser Nachricht sofort intensiviert.

Schon einige Wochen später war sicher, bei den Menschen hatte es auch minimale Veränderungen an den Genen gegeben. Weitere Tests belegten, dass beim Menschen diese Veränderungen von Generation zu Generation exponentiell stärker wurden.

Weltweit wurden Tierversuche nun wieder zugelassen. In einem Labor in Wuhan verfolgten die Wissenschaftler einen neuen Ansatz.

Um wirklich nichts zu übersehen, infizierten sie Mäuse, mit dem ursprünglichen Virus. Es gab drei

Gruppen von Mäusen.

Die erste Gruppe wurde mit dem Impfstoff gegen alle Viren geimpft und anschließend mit dem Virus infiziert.

Die zweite Gruppe wurde mit dem Virus infiziert und anschließend mit dem Impfstoff gegen alle Viren geimpft.

Die dritte Gruppe wurde nur mit dem Virus infiziert und nicht geimpft.

Eine kleine Unachtsamkeit eines Mitarbeiters sollte sich später rächen. Er verletzte sich leicht am Finger, was an sich nicht schlimm war. Doch beim Handschuhwechsel und dem Versorgen der Wunde kam etwas Blut auf den neuen Handschuh. Ausgerechnet dieser

Mitarbeiter spritzte anschließend der 3. Gruppe das Virus. Durch einen winzigen Riss in der Spritze gelangte Virushaltige Injektionslösung auf seinen Handschuh. Ching liebte Tiere, jede Maus streichelte er nach dem Spritzen. Das Virus hatte Jahre lang keinen Wirt, als es auf das Blut an Chings Handschuh traf, begann es sofort zu mutieren und beim Streicheln übertrug er es auf die Maus. Da die Mäuse dieser Gruppe nicht geimpft waren, verbreitete sich das mutierte Virus in kürzester Zeit in der gesamten Gruppe.

Sowohl in Gruppe 1 als auch in Gruppe 2 wurde das Nano-Virus nachgewiesen.

Nur in Gruppe 3 gab es kein Nano-Virus.

Da man wusste, dass Nano-Virus kommt aus dem Virus, untersuchten die Wissenschaftler das Virus aus den Mäusen der Gruppe 3. Aber auch dieses enthielt kein Nano-Virus. Es hatte sich aber nachweislich verändert, doch sie wollten es nicht glauben. Sie impften die Mäuse aus Gruppe 3 mit dem Impfstoff gegen alle Viren, um zu sehen, ob das Nano-Virus nun erkennbar würde. Doch es wurde nichts erkennbar, außer einer zunehmenden Anzahl an Viren in Gruppe 3. Und dies trotz Impfung.

Sie hatten es geschafft, in nicht einmal vier Wochen einen Virus zu züchten, der gegen den besten jemals entwickelten Impfstoff immun war.

Natürlich wurde dieser Vorfall erst einmal verheimlicht.

Man wollte ja nicht schlecht dastehen und Ergebnisse liefern. Die Mitarbeiter isolierten die Mäuse der Gruppe 3 luftdicht. Zuvor bekamen sie auf Chings Initiative etwas Futter, das sie schmerzlos sterben ließ. Kein Mitarbeiter durfte das Gebäude verlassen und alle wurden eine Woche lang negativ auf das Virus getestet. Nach einer Woche informierten sie die Regierung und die WHO über den Vorfall. Die WHO war drastisch. Obwohl es nicht in ihrer Macht oder Zuständigkeit lag, drohte sie China mit militärischer Härte, sollte irgendjemand dieses Labor betreten. Nur

21 Stunden später wurde über diesem Labor von internationalen Kräften, ein luftdichtes Gebäude in Schnellbautechnik errichtet. Mit Robotern versorgten die Hilfskräfte über fünffach Schleusen die Mitarbeiter des Labors 3 Wochen mit Lebensmitteln. Danach kamen sie für weitere vier Wochen in spezielle Quarantäne-Container. Das Labor wurde danach mit einer speziellen Masse übergossen, welche UV-Stabil, absolut Luftdicht und mindestens 1000 Jahre Viren dicht ist. Durch die Sprinkleranlage des Labors werden täglich mehrere 1000 Liter Desinfektionsmittel zerstäubt.

Noch mal gut gegangen!

Mittlerweile waren wir im Jahr 2063 angekommen. Die Weltbevölkerung war auf 1,5 Milliarden Menschen geschrumpft, es gab nur noch wenige „Helle Köpfe“ und analytisches Denken war für die meisten ein Fremdwort. Die wenigen Wissenschaftler konzentrierten sich mittlerweile voll auf die Gen-Forschung. In einigen erfolgversprechenden Versuchen gelang es ihnen, die Gen-Änderungen bei den Mäusen rückgängig zu machen. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Wenige Stunden nach der Wiederherstellung des ursprünglichen Genstranges kollabierten die Mäuse und starben.

Und wieder stand die Wissenschaft vor

einem Rätsel.

Jetzt war höchste Eile geboten, denn bald würde es keine Wissenschaftler mehr geben. Der IQ der Menschen sank mit jeder neuen Generation erschreckend.

Am 12. Mai 2065 kamen Isabella und Sole aufgeregt zu mir gerannt. Wir haben etwas gefunden, riefen sie fast gleichzeitig. Ich fragte, ihr habt herausgefunden, warum es keine Babys mehr gibt? Sie schauten zu Boden, doch gleich hob sich ihr Blick wieder und sie grinsten mich an. Das leider nicht, aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit deine Insulinspritzen überflüssig zu machen.

In Peru gibt es einen Mann, etwas jünger als du, mit den gleichen Problemen. Er hat auch lange gespritzt und seine Zuckerwerte schwankten ohne Insulin von sehr gut bis katastrophal. Ein alter Medizinmann sagte ihm, dein Magen ist krank, deine Bauchspeicheldrüse nicht. Ich habe leider keine Medizin dagegen, aber wenn du immer nur ganz kleine Mengen isst sollte es besser werden. Der Mann wollte es nicht glauben, was hatte der Magen mit dem Blutzuckerspiegel zu tun? Er hatte nichts zu verlieren und aß ein paar Tage 10 winzige Mahlzeiten am Tag. Eigentlich eher förderlich für Diabetes, doch seine Blutzuckerwerte sanken schlagartig. Er notierte sich jeden

Tag seine Zuckerwerte und wie viel er wann gegessen hatte. Als er sich an einem Tag eine ordentliche Mahlzeit gönnte, schossen die Zuckerwerte sofort nach oben und er musste wieder spritzen.

Er ging mit diesen Ergebnissen zu seinem Arzt, welcher sagte, ach ja, die Medizinmänner, die wissen alles. Diabetes durch den Magen ausgelöst, so einen Unfug habe ich noch nie gehört. Medizinisch absolut unmöglich. Doch der Mann bestand darauf, seinen Magen zu untersuchen, er würde auch die Kosten übernehmen. Genervt willigte sein Arzt ein und schickte ihn zum Gastrologen. Nach einer Magenspiegelung und

Ultraschalluntersuchung sagte dieser, alles in Ordnung mit ihrem Magen, er hat eine recht große Aussackung an der Unterseite. Sie scheint aber stabil zu sein und wird nicht platzen.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass diese Aussackung, wenn sie gut gefüllt war, stark auf die Bauchspeicheldrüse drückte, sodass diese nicht mehr richtig arbeiten konnte. In einem kleinen Eingriff wurde diese Aussackung in den Magen gezogen und abgebunden. Seitdem ist er kein Diabetiker mehr.

Isabella sagte: In einer Stunde hast du einen Termin beim Gastrologen, wir drücken dir alle Daumen. Selbst Glücklich kam jetzt angerannt. Er sprang

an mir hoch und schleckte mir das Gesicht. Soviel Zuneigung war ich von ihm gar nicht gewohnt.

Bei der Untersuchung ergab sich, dass mein Magen vollkommen in Ordnung war und auch keine Aussackungen hatte.  Doch am Anfang des Zwölffingerdarmes sah es weniger gut aus. Kurz nach dem Übergang vom Magen hatte sich eine Aussackung gebildet, die direkt in die Bauchspeicheldrüse drückte und vermutlich zeitweise ihren Ausgang blockierte und auch den Ausgang der Galle. Dadurch, dass sich diese Blockade immer wieder öffnete, hatte ich vermutlich weder Gallenkoliken noch Bauchschmerzen. Doch was tun? Der

Arzt sagte, es wäre nur ein kleiner Schnitt, dann könnte man die Aussackung abbinden. Ich fragte, was hat die Aussackung ausgelöst? Er sagte, mit 100 Jahren braucht man solche Fragen nicht mehr zu stellen. Ich sagte, wenn sie die Ursache finden, lade ich sie und ihre Familie zum Essen ein. Er sagte, das kann ich mir selber leisten, aber sie könnten sicher viel über ihr langes Leben erzählen. Das wäre sicher interessant. Doch unabhängig von dieser Einladung werde ich nach der Ursache suchen. Dazu muss der Darm leer sein. Dann schlucken sie eine kleine Kamera mit 360° Bild und integrierter Beleuchtung. Die Kamera sendet die

Bilder an ein Gerät, das sie bei sich tragen. Es dauert etwa 9 Stunden, bis die Kamera durch den Dünndarm ist. Bis sie wieder rauskommt, 30 bis 120 Stunden.

     Er grinst und sagt, sie müssen nicht nach ihr suchen. Ein paar Tage später war klar, es gab eine Verschlingung im Darm, die zeitweise einen Rückstau auslöste. Eine Woche später hatte ich eine kleine Operation.

Die Verschlingung wurde beseitigt und der Darm an dieser Stelle mit ein paar Fäden fixiert. Ich aß 10 Wochen nur kleine Portionen. Die Auswölbung hatte sich mehr als halbiert und ich war kein Diabetiker mehr.

Im Jahre 2066 entdeckten Goldsucher in den Resten des Amazonas-Regenwaldes ein indigenes Volk. Es waren nicht viele, vielleicht so um die hundert. Aber man sah Kinder, Babys und glückliche Menschen.

Könnte ihre DNA die Menschheit retten?

Zunächst vermieden die Goldsucher jeden Kontakt zu den Eingeborenen um sie nicht zu gefährden.

Einige Monate später führten sie Mediziner und Wissenschaftler in das Gebiet. Sie waren sich sicher, keine Gefahr für den Stamm zu sein. Immerhin hatten sie die Impfung gegen alle Viren und Bakterielle Krankheiten waren sehr selten. Zudem ließen sie sich gut mit

Antibiotika behandeln.

Mittlerweile gab es einen Übersetzer-App, die anhand der Anzahl der gesprochenen Silben und Buchstaben sowie der Betonung nach kurzem Training alle Sprachen übersetzen konnte.

Nach kurzer Zeit konnten die Wissenschaftler und Mediziner mit dem indigenen Volk kommunizieren. Der Häuptling war beunruhigt, als sie nach ihrem Blut fragten und rief den Medizinmann hinzu. Die Mediziner sagten, dass sie nur ganz kleine Mengen Blut brauchten, um es zu untersuchen. Der Häuptling antwortete: Wir sind gesund, warum wollt ihr unser Blut

untersuchen?  Ein Mediziner antwortete: Wir sind nicht gesund und wollen euer und unser Blut vergleichen, um die Ursache für unsere seltsame Krankheit zu finden. Dann erzählten sie ihm davon, dass es bei uns fast keine Babys mehr gab. Nachdem klar war, dass die Besucher nur eine winzige Menge an Blut haben wollten, erbat sich der Häuptling eine Woche Bedenkzeit. Sofort liefen die Vorbereitungen an. Es war nicht einfach, das Blut brauchbar aus diesem Urwald zu schaffen. Das Ganze dauerte über zwei Wochen. Als sie bei den Indigenen ankamen, bot sich ein schreckliches Bild. Überall lagen teils stark verweste Leichen, das Blut von vielen war

vermutlich nicht mehr zu gebrauchen. Sie hatten bei ihrem ersten Besuch nicht bedacht, dass das Immunsystem der IndigenenStreptokokken nicht kennt. Bei uns lösten diese Bakterien Krankheiten wie Scharlach, Rachenentzündung oder Mittelohrentzündung aus. Sie waren mit Antibiotika gut behandelbar. Für die Indigenen waren sie tödlich.

Sie nahmen dennoch so viel Blut und Geschlechtsorgane mit, wie es ihre Kühlkapazität zuließ. Die Auswertung war ernüchternd.

Bei den indigenen Frauen befanden sich fünfzehn bis zwanzig Eizellen pro Eierstock, bei den europäischen Frauen waren es nur zwei bis drei.

Die Eizellen der europäischen Frauen waren auch viel kleiner, nicht einmal 60 % im Vergleich zu den indigenen Frauen und sie waren durch eine Art Haut umgeben, durch die Sperma nur schwer durchdringen konnte.

Ähnlich verhielt es sich bei den Männern. Die indigenen Männer hatten ca. zweihundert-Millionen Spermien pro Milliliter, die Europäer nur zwanzig-Millionen Spermien pro Milliliter. In anderen Ländern wichen die Zahlen nur wenig von denen der Europäer ab. Die Ergebnisse der Blut-Tests ließen keinen Schluss auf die Ursache der menschlichen Unfruchtbarkeit zu.

Im Labor gelang es schließlich eine

indigene Eizelle mit indigenem Sperma zu befruchten. Unter strengster medizinischer Überwachung entstand ein lebensfähiges Kind.

Alle Versuche indigene Eizellen mit Sperma von anderen Männern zu befruchten schlugen fehl.

Genauso verlief es beim Versuch, Eizellen von anderen Frauen mit Sperma von indigenen zu befruchten.

Da die Wissenschaftler keine neuen Ergebnisse liefern, wird eines klar: Sollte den Wissenschaftlern und Biologen nicht bald etwas einfallen, könnten nur die indigenen Völker den Fortbestand der Menschheit sichern. Doch statt diese Völker in ihrer Abgeschiedenheit zu

belassen, wird die Suche nach ihnen intensiviert. Ein Vollschutz-Anzug soll sie vor unseren Krankheiten schützen.

Viele Menschen sind anderer Meinung. Sie wollen die indigenen Völker als Garant für den Erhalt der Menschen schützen. Weil kein Mann und keine Frau auf dieser Welt Kinder haben, ist ihnen egal, was aus ihnen selbst wird. Doch alle wünschen sich, dass noch Menschen auf dieser Erde leben.

Sole hatte uns schon längst Untersucht, es war alles in Ordnung, sowohl mit den Spermien als auch mit den Eizellen und trotzdem wollte es einfach nicht klappen. Ich sprach offen mit Isabella darüber. Sie sagte, ja es wäre schön ein Kind zu

haben. Etwas Zeit haben wir ja noch. Aber eines darfst du nie vergessen, ich liebe dich, ob mit oder ohne Kinder und daran wird sich nie etwas ändern.

Sole hatte herausgefunden, dass bei fast allen Menschen ein Enzym fehlte, welches für die Fortpflanzung sehr wichtig war. Alle Blutproben von Menschen mit Kindern enthielten dieses Enzym.

Allerdings gelangte dieses Enzym nur bei Zellschädigung ins Blut, was den Vergleich hinken lässt. Es gelang jedoch nicht, dieses Enzym künstlich herzustellen.

Das Erbe der Fledermäuse

Kapitel 1

Heute im Jahr 2098 ist es richtig schlimm geworden. Die Menschheit hat sich verändert, aber nicht zum Besseren. Es gibt kaum noch neue Ideen. Es gibt keinen Fortschritt mehr. Und das schlimmste, es gibt auch keine Babys mehr.

Ich hätte mir das früher nicht vorstellen können. Ich schrieb Bücher über die schönen Dinge des Lebens. Aber im Moment kann ich nichts Schönes mehr im Leben entdecken. Und so schreibe ich dieses Buch, das wahrscheinlich vom Untergang der Menschheit handelt.

Aufgefallen ist es vor etwa 60 Jahren, immer, weniger Kinder wurden geboren. Keiner konnte sich erklären, warum. Die Menschen waren nicht krank. Doch sie hatten keinen Antrieb mehr, sie wollten nichts mehr entdecken, nichts mehr erforschen, nicht einmal auf Sex hatten sie mehr Lust. Ich selbst war zu dieser Zeit Journalist für die Süddeutsche Zeitung. Ich ging Wandern, Bergsteigen und wenn ich Muse hatte, schrieb ich Gedichte und Geschichten. Ab und zu machte ich auch ausgiebige Motorradtouren. Das Leben war schön!

Man setzte zu dieser Zeit zunehmend auf künstliche Befruchtung, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten.

Doch die künstlich gezeugten Babys starben kurz nach ihrer Geburt oder sie wurden schon als etwas geboren, was keiner haben wollte. Es war zu schlimm, um das hier genauer zu erläutern. Die Forscher und Biologen versuchten immer wieder neue Sachen, um dem Geburtenrückgang ein Ende zu setzen. Aber alle Versuche blieben erfolglos.

Natürlich war auch ich über solche Nachrichten erschüttert, da meine Familienplanung bereits abgeschlossen war, ergab sich für mich persönlich kein direktes Problem. Bei jungen Männern und Frauen hingegen sah das ganz anders aus. Sie hatten Angst vor der Zukunft. Mich würde das sicher nicht mehr tangieren, dachte ich damals, es war ein Irrtum!

Das erste Mal, dass mir diese Veränderung mancher Menschen ziemlich schockartig bewusst wurde, war am 13. Oktober 2045.

Auf einer Bergwanderung zum Geißhorn im Tannheimer Tal hörte ich auf über 2000 Meter einen merkwürdigen Gesang. Es klang sehr melancholisch und traurig, dann plötzlich wieder fröhlich und lebhaft. Ich wusste, der die das singt, geht es nicht gut. Ich hielt Augen und Ohren offen. Aber ich konnte nur ahnen, woher der Gesang kam. Vom Grat ging es südwärts über eine Geröllflanke, hier war Aufmerksamkeit und Trittsicherheit gefragt, für mich kein Problem, ich hatte vor einem halben Jahr in jedes Knie eine Knorpelaufbauspritze bekommen und war solches Terrain gewohnt.

Ich sah Schleifspuren im Geröll, sie waren sicher nicht frisch, eher ein paar Tage alt. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, den sie führten, genau in die Richtung, aus der der Gesang kam. Ich hielt kurz inne und überlegte, was ich tun soll. Vielleicht war da jemand verletzt und brauchte Hilfe. Andererseits hat heutzutage jeder ein Smartphone und kann Hilfe rufen. Funklöcher gibt es schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Aber der Akku könnte leer sein, doch dann würde sie „Hilfe“ rufen und nicht singen? Ich war etwas verwirrt. Da mir eine Kante den Blick versperrte, beschloss ich, mich abzuseilen. Ja, ich war so ein Typ, der immer alles dabeihatte. Normal braucht man hier kein Seil auch keine Rettungsdecke, kein Messer und kein Feuerstahl. Blasenpflaster und Verbandszeug trug ich auch bei jeder Bergtour mit, auch wenn ich es nicht brauche kann es ja jemand anderen helfen. Ich suchte in diesem lockeren Gestein ziemlich lange, nach einem geeigneten Punkt, um das Seil zu fixieren. Doch nach einiger Zeit fand ich einen Block, der sich nach unten verjüngte und ziemlich festzusitzen schien.

Ich begann, mich abzuseilen. Als ich über die Kante kam, bot sich mir ein seltsames Bild. Eine junge Frau saß am Ende eines Geröllfeldes, direkt am Übergang zu einer Steilwand. Sie saß da und sang.

Als ich näherkam, konnte ich erkennen, dass sie sehr viele Schürfwunden an den Armen und am Rücken hatte.

Ich wollte sie nicht erschrecken, also räusperte ich mich, obwohl sie mich schon längst bemerkt haben musste.

Der Abstieg über das Geröllfeld hatte zahlreiche kleine Steine ins Rutschen gebracht, das konnte man nicht überhören. Sie wandte den Kopf zu mir und lächelte mich an. „Hallo, schöner Mann“, sagte sie zu mir. Ich wollte ihr das nicht ganz glauben, denn ich war sicher 60 Jahre älter als sie. Ich bat sie das Seil zu greifen und von der Kante weg, ein Stück zu mir zu kommen. Sie sagte „warum, es ist doch so schön hier“.

Also fragte ich, ob ich mich neben sie setzen dürfte. „Ja, warum nicht, dann können wir diese Schönheit zu zweit genießen“.  Als ich neben ihr saß, sah ich wie schlimm ihre Verletzungen wirklich waren. Sie hatte Abschürfungen am ganzen Körper, ihre Klamotten waren total zerfetzt, der Sturz durch das Geröllfeld hatte deutliche Spuren hinterlassen. Ihr rechter Fuß zeigte nach innen, vermutlich war der Knöchel gebrochen. Das komische war, keine der Wunden blutete. Entweder saß sie schon sehr lang hier oder sie war stark dehydriert – vermutlich beides, denn ihren Rucksack konnte ich etwa 50 Meter tiefer erkennen. Ich wählte sofort den Notruf. Sie fragte: „Was machst du?“. „Ich hole Hilfe“ Sie: „Brauchst du Hilfe?“ Ich: „Ich nicht, aber du“.

Darauf sagte sie: „Ich brauche keine Hilfe, ich sitze hier an einem der schönsten Orte auf Gottes Planet, mit einer Aussicht, die nicht zu toppen ist.

Und wenn ich hier sterbe, es gibt keinen schöneren Ort zum Sterben.“ Jeglicher Versuch ihr Lebensmut zuzusprechen war erfolglos. Sie sagte: „Was ist denn meine Zukunft? Was bleibt von mir? Ich werde keine Kinder haben, es wird nicht einmal jemand merken, wenn ich weg bin.“ Ich war ziemlich erschrocken als ich das hörte und zudem war ich scheinbar in einem dieser angeblich nicht mehr existierenden Funklöcher, kein Notruf möglich.

Doch ich begann, sie zu verstehen. Mir selbst war es nicht mehr wichtig, was nach meinem Tode geschieht. Ich habe keine eigenen Kinder, warum? Keine Ahnung, nicht zur rechten Zeit am richtigen Fleck? Anfangs wollte ich mein Leben leben und mich nicht mit einer Familie belasten. Dann kam eine Zeit, in der ich mich nach einer Familie sehnte. Irgendwann lernte ich eine liebe Frau kennen, doch da war ich fürs Windeln wechseln bereits zu alt.

Ich fragte die Verunglückte, ob sie Schmerzen hat, sie antwortete: „Der größte Schmerz auf dieser Welt ist schon gekommen und niemand kann ihn mir nehmen, aber ich bin glücklich hier, geh weiter und kümmere dich um dein Leben“. Ich fragte: „Willst du wirklich hier und jetzt sterben?“. Sie: „Hier schon, aber ich habe sicher noch ein paar Stunden.

Vielleicht überlebe ich die Nacht und sehe morgen noch einen herrlichen Sonnenaufgang, schöner kann man doch nicht sterben, oder? Ich fragte: Und was spricht gegen weiterleben?

Sie: „Wozu? Noch kann ich es mir aussuchen, wo, wann und wie ich sterbe. Wenn ich gelähmt in einem Pflegebett liege, kann ich das nicht mehr.

Ich: Aber du hast noch so viel Zeit, ich bin 60 Jahre älter als du und sitze hier neben dir, du hast noch viel Zeit diese Entscheidung zu treffen. „Zeit, Zeit, Zeit wofür? Es war immer mein Traum mindesten vier Kinder großzuziehen, die weitertragen, was meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern einst begonnen haben. Da ist nichts mehr für das es sich lohnt zu leben!“

Ich fragte sie nach ihren Namen und sie sagte:“ Wenn ich dir meinen Namen nenne, wirst du ewig darüber nachdenken, was aus mir geworden ist. Ich verrate dir lieber, was aus mir wird. Irgendwann, wenn die letzten Kräfte mich verlassen, werde ich nach vorn kippen und diesen Abhang herunterstürzen. Dann bin ich hoffentlich tot.“

Ich nahm sie in den Arm, was sie keineswegs störte, langsam setze die Dämmerung ein und ich wusste, es ist Zeit zu gehen. Ich zog ihr meinen Pulli an und legte zwei Rettungsdecken um sie. Sie schimpfte und wehrte sich. Ich sagte „Das brauchst du, um morgen den Sonnenaufgang zu erleben.“ ein restliches Wasser und den Traubenzucker gab ich ihr auch. Sie schaute mich traurig an und ich sagte: „Ich bin noch nicht bereit kampflos von dieser Welt zu verschwinden, es wäre schön, wenn du mit mir kommst. Doch diese Entscheidung kann ich nicht für dich treffen.

Ich umarmte sie und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann schaltete ich meine Stirnlampe ein und begann den Abstieg. Im Dunklen war es heikel, zumindest der erste Teil, wo es über Geröll ging. Nach circa 40 Minuten gelang es mir die Bergwacht zu alarmieren, ich drang noch darauf einen Psychologen mitzunehmen, aber irgendwie war mir klar, dass sie sie nicht lebend bergen werden. Gegen 23 Uhr erreichte ich den Vilsalpsee. Ich war fertig, ich wusste nicht einmal den Namen dieser Frau. Ich wollte ihr so gern helfen und wusste doch ganz genau, dass keiner das konnte.

Das ließ mich nicht mehr los. Ich hatte einige gute Kontakte zu den Bergrettern und fing an zu horchen. Ich weiß, gerade bei einem tödlichen Ausgang, sagen die nichts.

Zwei Wochen später traf ich einen an diesen Einsatz beteiligten Bergretter. Wir kannten uns schon lange. Bei einem Bier sagte er etwas zu mir, etwas, was mich in einen Zwiespalt trieb.

Als wir die Verletzte erreichten, sagte sie zu uns: Ihr könnt nichts mehr für mich tun, alles, was es zu tun gab, hat schon dieser Mann schon erledigt, grüßt ihn von mir und dankt ihm.“ Sie schickte die Rettungskräfte zurück, sie würde springen, wenn sie näherkämen.

Aber in Wirklichkeit wartete sie nur auf den Sonnenaufgang, denn den hatte ich ihr versprochen.

Als auch der letzte Zentimeter der Sonne über den Horizont gekrochen war, schaute sie sich noch einmal um und gab den Bergrettern ihr schönstes Lächeln. Dann ließ sie sich ohne Emotionen einfach in den Abgrund stürzen. Sie konnte nur noch tot geborgen werden.

Kapitel 2

Die Medizin scheint ohnmächtig. Wobei die Pharmaindustrie bereits einen Impfstoff entwickelt hatte, der gegen jedes erdenkliche Virus wirkt. Dieser Impfstoff war in der Lage, die Hülle aller Viren zu zerstören. Ohne Hülle war ihre Tarnung verloren und das Immunsystem machte mit dem Rest kurzen Prozess. Es gab keine Grippe, keine Erkältungen oder ähnliches mehr. Viele warnten, sie meinten, dass durch die Impfung unser Immunsystem verkümmere.

Am 10.06.2046 startete ich meine lang ersehnte Motorradtour. Beladen mit Zelt, Schlafsack, einigen Lebensmitteln und zwei 20 Liter Benzinkanistern ging es Richtung Italien. Ich ging es langsam an, denn Benzin war teuer und auch nicht immer zu bekommen. Außerdem waren die Straßen in einem schlechten Zustand, es wurde nur noch das Nötigste repariert.

Am Reschenpass war die Straße eine einzige Katastrophe. Es hatten sich zahlreiche Risse in Längsrichtung gebildet. Teilweise bis zu 30 cm breit und ca. 20 cm tief.

Da will man mit dem Motorradreifen nicht hineinkommen! Am Reschensee denke ich: „Irgendetwas fehlt“. Der Kirchturm, welcher einst mitten im See stand, ist verschwunden. Hier musste einst das Dorf Graun dem Stausee weichen oder sagen wir besser es wurde unter oder in ihm begraben. Und noch etwas fehlt. Heute ist Sonntag und Bilderbuchwetter. Doch ich sehe keinen einzigen Menschen am See.

Ich beschließe hier zu rasten und vielleicht eine Runde um den See zu gehen. Allerdings mache ich mir Sorgen um mein Motorrad und das Benzin. Wäre ziemlich doof, plötzlich ohne Maschine und / oder Benzin dazu stehen. Also beschloss ich beim Motorrad zu bleiben. Ich setzte mich auf eine alte morsche Bank, meine 60 Kilogramm hielt sie sicher gerade noch aus. Die Sonne im Gesicht, den See vor Augen und den Wind im Haar. Jetzt wollte ich mir eine der letzten gönnen. Tabakwaren durften seit 5 Jahren nicht mehr verkauft werden. Aber ich hatte noch einige Zigaretten gehortet.

Als ich da so saß, meine Zigarette rauchte und einfach den schönen Tag genoss, kitzelte mich etwas am Bein. Ich wollte es verscheuchen da ich dachte, es wäre ein Insekt.

Aber meine Hand spürte etwas Größeres.

Als ich unter die Bank schaute, erstarrte ich, vor Überraschung, Schreck oder was auch immer. Ich weiß es nicht mehr. Unter der Bank lag ein Kind, ein Mädchen höchsten 10 Jahre alt und hielt meinen Fuß fest.

Da mein Italienisch sich auf ein Vokabular von höchstens zehn Worten begrenzte, löste ich ihre Hand und wollte zu Motorrad gehen, um mein Smartphone zu holen. Ich brauchte einen Übersetzer, um mich mit ihr zu verständigen. Doch als ich aufstand, hielt sie meinen Fuß mit beiden Händen fest. Ich hielt kurz inne, ich erinnerte mich daran, was ich früher mit meinem Hund gemacht habe, wenn er verängstigt war. Ich habe ihm beim Einschlafen immer leise und ruhig gesagt: „alles gut“. Wenn er gestresst war, habe ich nur diese Worte gesagt und meistens wurde es dann etwas besser. Wenn das nicht reichte, rief ich ihn zu mir, kraulte ihn, streichelte ihn und sagte „alles gut“, hat meistens funktioniert.

Ich löste vorsichtig ihre Hände, kniete mich vor sie, schaute in ihre wunderschönen leuchtenden blauen Augen, legte meine Hand auf ihre und sagte „Alles Gut“.

Sie sah mich an und ich sah einen Versuch von einem Lächeln in ihren Augen. Ich war berührt. Meine Seele war berührt. Als ich meine Hand in Richtung ihres Gesichtes bewegte, zuckte sie zurück.

Ich sagte leise und sanft „Alles Gut“ und begann ihr mit der rechten Hand durch ihr langes blondes Haar zu streichen. Meine linke Hand hielt noch immer die Ihre. Sie schien Vertrauen zu fassen. Ich dachte noch kurz: „Was machst du, du behandelst sie jetzt wie einen Hund.“ Und in mich hinein grinsend dachte ich: Wenn jeder seine Mitmenschen so gut behandeln würde, wie ich es mit meinem Hund getan habe, wäre diese Welt eine bessere“.

Was war passiert mit diesem Mädchen, dass es so verängstigt war? Sie kroch unter der Bank hervor und klammerte sich an mich. Das war schon fast keine Umarmung mehr, sondern ein Erquetschungsversuch, ich genoss es.

Der Smalltalk über die Handy-App funktionierte nicht besonders gut, aber sie genoss es bei mir zu sein. Eines musste ich erst noch verstehen. Sie hatte gesagt, sie hat keine richtigen Eltern und dafür würden sie alle hassen.

Ich glaube auch die Wörter Missgeburt und Teufelskind gehört zu haben. Eigentlich wollte ich mit ihr ins Dorf, um Hilfe zu organisieren, doch sie hatte scheinbar panische Angst vor dem Dorf. Und wenn ich eins und eins zusammenzählte, verstand ich sie sehr gut.

Italien ist immer noch streng katholisch, wenn ich es richtig deute, ist dieses Mädchen durch künstliche Befruchtung entstanden.

Wenn das so ist, passt sie wahrlich nicht ins Weltbild der Italiener. Ich bemühte nochmals die Übersetzer-App und fragte sie, wo und bei wem sie aufgewachsen sei.

Sie schaute zu Boden und schwieg. Ich nahm ihre Hand und sagte „ich muss es wissen“. Sie sah mir in die Augen und sagte: „sie sind tot“. Ich fragte einfach gestorben, ein Unfall, was ist passiert? Sie sagte tot ist tot, der Rest ist egal.

Ich fragte, ob sie Angst vor den Leuten im Dorf hätte und sie sagte „sie werden mich töten“. Ich nahm sie an die Hand und ging zum Motorrad. Als Sozius wäre sie sicher ein Problem, sie ist sicher noch nie Motorrad gefahren. Ich kramte meinen Yoga Gurt heraus und setzte sie zwischen mich und Tank. Mit dem Yoga-Gurt schnallte ich sie an mir fest.

Wir kamen nicht weit, schon nach kurzer Zeit stand ein Mann schreiend und gestikulierend auf der Straße. Ich fuhr direkt auf ihn zu und er sprang zur Seite. Kurze Zeit später war ein wilder Mob hinter uns her. Die Straße war nicht mehr wirklich befahrbar, wir waren so langsam, dass der Mob beständig näherkam. Ich bog auf einen Waldweg ab, da konnte man noch schneller vorankommen. Wir fuhren einen Berg herauf, doch irgendwann wurde die Steigung zu groß für das Touren-Motorrad. Das Hinterrad drehte durch und rutschte weg. Wir kamen unsanft zum Liegen.

Das viele Gepäck fing unseren Sturz zum Glück auf, sodass sich keiner verletzte. Jetzt war guter Rat teuer.

Würden uns die Dorfbewohner bis hierher verfolgen? Dann müssten wir zu Fuß weiter fliehen. Ein Vorteil für die Dorfbewohner, sie kennen sich hier aus, ich nicht.

In diesem Moment fiel mir auf, dass ich nicht mal den Namen des Mädchens kannte. Ich zeigte mit dem Finger auf mich und sagte Peter, dann zeigte ich auf sie. Sie sagte „bambino diavolo“. Zu Deutsch „Teufelskind“.

Ich fragte wie die Leute, die sie aufgezogen hatten, sie nannten und sie sagte „Bastardo „. Ich war erschüttert, was für eine Kindheit hatte dieses Mädchen durchgemacht. Als ich versuchte, das Motorrad in diesem steilen und rutschigen Gelände aufzurichten, gelang es mir zunächst nicht. Die Kleine stemmte sich mit Leibeskräften gegen das Motorrad, gerade so als würde ihr Leben davon abhängen, es aufzurichten. Und nach vielen Versuchen gelang es schließlich. Ich fuhr oder besser rutschte an eine flachere Stelle.

Gut, wenn man immer alles dabei hat, was man nicht braucht. Denn jetzt brauchte ich es. Ich band mein Kletterseil durch das Hinterrad wie eine Art Schneekette. Zwischendurch lauschte ich immer wieder, ob ich Stimmen oder Schritte hören konnte, aber alles war ruhig und es waren auch keine Lichter zu sehen. Ich fragte Sole, so hatte ich innerlich ihren neuen Namen definiert, ob sie sich in diesen Bergen auskenne.

Der Übersetzer sagte mir „ja ich kenne mich hier aus, aber wer ist Sole? Ich sagte, du bist Sole, du bist meine Sonne. Sie lächelte. Sie beschrieb mir einen Weg durch die Berge, der auch mit dem Motorrad machbar wäre und sagte „Du fährst gut, aber du musst noch besser fahren“. Ich wollte heute noch so weit wie möglich weg von Reschen, doch im Dunklen, mit dem Motorrad durch unbekanntes Terrain war heikel. Sie zeigte mir einen schmalen Weg an der Flanke des Hanges entlang. Wir hatten sicher eine Stunde Vorsprung vor dem Mob, falls sie uns überhaupt noch folgten.

Ich beschloss noch zwei Stunden zu fahren. Sole lief an den schwierigen Stellen vor und warnte mich vor Gefahrenstellen. Mittlerweile war es tiefste Nacht, die Stille würde und beschützen. Jetzt hört man jedes kleinste Geräusch. Ich errichtete einen Wall aus Steinen und entzündete darin ein Feuer. So konnte man es nicht weit sehen.

Ich erklärte ihr, dass ihr neuer Name Sole ist, sie lächelte und gab mir einen Kuss auf die Wange. Als ich ihr ein Stück Brot anbot, lehnte sie ab und zeigte auf mich. Ich zog ihr T-Shirt ein Stück hoch und fasste um ihren Bauch, mit den Händen formte ich den Umfang ihres Bauches nach. Das Gleiche tat ich bei mir. Dann brach ich ein Drittel des Brotes ab und gab es ihr. Sie nahm es dankbar an. Da ich damit rechnete, dass wir vielleicht doch recht schnell aufbrechen müssen, habe ich kein Zelt aufgebaut.

Ich habe einige große Steine ins Feuer gelegt und anschließend eingegraben. Darauf kam dann der Biwaksack plus Schlafsack.

Sie hielt mich die ganze Nacht fest, als hätte sie Angst, ohne mich aufzuwachen. Am nächsten Morgen gab es ein spärliches, aber energiereiches Frühstück. Quark mit Nüssen und Haferflocken.

Nach 11 Kilometern kamen wir auf einen etwas breiteren Waldweg, ich war fertig, dieses Gelände ist nichts für ein Motorrad, das mit Gepäck und Fahrer fast 300 Kilogramm wiegt.

Sole hatte immer noch Angst. Nach weiteren 7 Kilometern versteckte ich das Motorrad zwischen ein paar Felsen und legte mich hin. Ich konnte nicht mehr, ich musste ausruhen. Ich spürte wie Sole meine Hand streichelte und schlief ein.

Was war los? Etwas zog mich am Arm, ich hörte Stimmen und Hundegebell. Zum Fliehen war es zu spät, suchten sie uns, wir hatten doch so viel Vorsprung? Oder hatte dieser Mob andere mobilisiert, um uns abzufangen?

Ich legte noch ein paar Zweige über das Motorrad. Bevor wir auf die Felsen kletterten, besser gesagt ich kletterte mit Sole auf dem Rücken, zuvor beseitigte ich noch die Spuren vom Motorrad. Aber ich konnte natürlich nicht die gesamte Spur verwischen. Ich leerte all meine Pfeffer-Vorräte am Eingang zu der Felsspalte, in der das Motorrad stand und in der wir aufgestiegen waren.

Das Motorrad wäre in 20 Sekunden einsatzbereit, damit könnten wir den Menschen entkommen, den Hunden vermutlich nicht.

Aber wir hatten Glück, wahrscheinlich war es nur eine Jagd-Gesellschaft, die zufällig hier vorbeikam. Die Hunde schnüffelten kurz in die Felsspalte, doch der Pfeffer tat seine Wirkung. Wir warteten noch eine Stunde, dann fuhren wir weiter.

Nach weiteren 2 Stunden erreichten wir wieder eine Straße. Über den Reschenpass zurückzufahren, kam nicht infrage.

Ich fuhr nach Mals und bog dort Richtung Tubre Taufers ab. Über Guarda kamen wir zurück nach Nauders.

Der kleine Abstecher über die Schweiz war nicht ganz legal, Sole hatte bestimmt keinen Ausweis dabei. Doch Grenzkontrollen gab es hier nur noch selten. Jetzt wurde es Zeit, nach Benzin zu suchen. Der Ausflug in die Berge und die 60 Kilometer Umweg durch die Schweiz haben sich bemerkbar gemacht. Ein Kanister ist schon leer. In Imst bekamen wir schließlich Benzin. 40 Euro pro Liter und trotzdem durfte ich nur den Tank befüllen, der Kanister blieb leer. Normal wäre ich jetzt über das Hahntennjoch gefahren, aber es war schon dunkel und ich wollte nur noch nach Hause. Also fuhr ich Richtung Reute und weiter über die A7.

Um 5 Uhr kamen wir bei mir Zuhause an. Ich konnte kaum noch sitzen.

Auf der Rückfahrt haben wir nur zum Tanken angehalten. Sole tappte etwas eigenartig neben dem Motorrad umher. Sie war das fahren nicht gewohnt und musste erst einmal Blut in ihre Gesäßmuskeln pumpen. Über mein Handy lud ich das Ereignis-Protokoll meiner Überwachungsanlage, es waren nur Routineeinträge darin. Trotzdem blieb ich vorsichtig. Wir versteckten uns und ich schaltete das Licht im Gebäude und auf dem gesamten Grundstück an. Nichts bewegte sich, Geräusche gab es auch nicht. Ich schaltete wieder ab und wir warteten weitere 10 Minuten. Nichts. Im Dunklen gingen wir leise zum Haus.

Im Haus überprüfte ich als Erstes die Alarm- und Überwachungsanlage, alles funktionierte perfekt. Ich gab ihr etwas Wasser und einen Müsliriegel. Ich selbst genehmigte mir jetzt ein Bier, genaugenommen ein halbes, denn danach schlief ich auf der Couch ein.

Morgens fühlte ich, dass etwas nicht stimmte. Sole war nicht da, hatte ich das alles nur geträumt? Da stieg mir der Duft von frischem Kaffee in die Nase. Sie kam mit einer Tasse Kaffee zu mir und war sicher erschrocken als ich auf einmal aufsprang. Gerade in diesem Moment war mir eingefallen, dass ich das Motorrad gestern an der Grundstücksgrenze abgestellt und nicht mehr in die Garage gestellt hatte. Die letzten Meter waren wir ohne Licht gefahren, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, falls Einbrecher da wären. Ich sagte, zu ihr entschuldige bitte und Danke für den Kaffee, ich hole nur schnell das Motorrad. Ich wollte eigentlich, dass sie hier wartet, aber sie wollte partout nicht von meiner Seite weichen.

An dem Motorrad hatte sich keiner zu schaffen gemacht, auch die Kanister und meine Ausrüstung waren noch da. Nachdem ich das Motorrad und die Ausrüstung verräumt hatte, trank ich ein paar Schlucke Kaffee und machte Wurst-Rührei zum Frühstück. Man sah, dass sie sehr hungrig war, ich auch. Kein Krümel blieb auf den Tellern. Ich zeigte ihr das Haus als ich bemerkte wie sie hastig von einem Bein auf das andere trat. Wir waren gerade an der richtigen Stelle und ich öffnete ihr die Badezimmertür.

Während sie sich erleichterte, überlegte ich, wie wir unsere Kommunikation verbessern könnten. Vieles ging mit Blicken und Gesten, aber das konnte kein Dauerzustand sein. Ich würde sicher nicht sehr schnell Italienisch lernen. Als sie fertig war, gab ich ihr ein altes Smartphone, auf dem ich einen Sprachtrainer für Deutsch und eine Übersetzer-App Italienisch-Deutsch-Italienisch installiert hatte. Danach zeigte ich ihr den Rest des Hauses. Wir duschten uns. Danach kochte ich Chili con Carne.

Nach dem Essen brachte ich sie zum Gästezimmer, wir hatten beide noch eine Mütze Schlaf nötig. Als ich ins Schlafzimmer gehen wollte, hielt sie mich fest und ihre Augen sagten, lass mich nicht alleine.

Ich wollte nicht, dass sie mit in meinem Bett schläft.

Ich stellte ein Gästebett ins Schlafzimmer und zeigte, dass sie dort schlafen solle. Sie verstand es vermutlich nicht, aber sie akzeptierte es. Später zeigte ihr ich das Grundstück.

Sie kletterte auf ein paar Bäume, die waren aber schon alt und hatten morsche Äste. Also verbot ich ihr, darauf zu klettern. Ich hatte sicher noch genug Material, um ihr ein Klettergerüst zu bauen. Der Rest des Tages verging recht schnell, mit Fragen und Fragen und nochmals Fragen. Sie wusste die Übersetzer-App perfekt zu nutzen. Ich bekam nur selten eine Antwort auf meine Fragen. Bei allem, was ihre Vergangenheit betraf, gab sie sich sehr verschlossen. Von mir wollte sie einfach alles wissen.

Als ich am nächsten Tag erwachte, roch es nach Kaffee und Rührei. Dann hörte ich eine Stimme: „Papa, Frühstück ist fertig!“. Das konnte nicht sein, das war fast akzentfreies Deutsch, wann hatte sie das gelernt? Über Nacht? Und wieso nannte sie mich Papa? Ok, das Papa schmeichelte mir schon ein bisschen, ich musste Lächeln.

Beim Frühstück fragte ich sie, ob sie die ganze Nacht gelernt oder auch ein bisschen geschlafen hat. Ihre Antwort war: „Ein bisschen geschlafen habe ich“.

Eines ging mir noch durch den Kopf. Was würden die Menschen denken, wenn auf einmal ein Kind auf meinem Grundstück herumspringt?

Ich wohne hier zwar weit ab vom Schuss, doch ab und zu kommt doch jemand vorbei.

Ich muss mir eine glaubhafte Geschichte einfallen lassen. Diese Geschichte muss Sole aber auch kennen. Die Leute hier kannten mich schon ein paar Jahre, also brauchte ich nicht mit einer Enkelin anzukommen. Ich fragte Sole, ob sie eine Idee hätte. Sie meinte gleich, ich bin natürlich deine Tochter. Ich erklärte ihr, dass das keiner glauben würde. Sie begriff es, auch wenn es ihr nicht gefiel. Wir einigten uns darauf, dass sie meine Großnichte sei und sie, solange bei mir blieb, wie ihre Mutter im Krankenhaus lag, da diese einen Unfall hatte. Wir wiederholten es wieder und wieder. Im Gästezimmer hatte ich ihr einen PC eingerichtet, an dem sie weiter Deutsch lernen konnte.

Sie sollte aber auch andere Sachen lernen: Mathematik, Geschichte, Biologie, Informatik, Physik, Englisch und Waffenkunde. Sie wollte das alles nicht. Sie sagte: wozu soll ich das alles brauchen? Ich sagte, du wirst es brauchen, vertraue mir. Sie sagte: Wenn du es unbedingt willst, werde ich es lernen, aber du musst mein Lehrer sein. Ich willigte ein. Schon bald war ich mit meinem doch recht umfangreichem Wissen so ziemlich am Ende. Es war kaum vorstellbar, wie schnell sie lernte. Nach einem halben Jahr sprach sie fast perfekt deutsch. Ihr Englisch war viel besser als meins – ok, das war nicht so schwer, aber sie war erst 10.

Das Einzige, wo sie nicht mitzog, war Waffenkunde. Sie schien Waffen zu hassen. Ich wollte aber, dass sie sich verteidigen konnte. Eines Tages sagte sie zu mir: wozu brauche ich das? Ich sagte: Um dich zu verteidigen. Sie schaute mich an und lachte laut. Dann wurde sie ernst und sagte: Wenn ich mich nicht verteidigen könnte, wäre ich nicht hier. Aber es ist ok: Du zeigst mir wie man mit Waffen umgeht und ich zeige dir wie man sich verteidigt. Mir blieb der Mund offenstehen, sie lachte herzhaft und kitzelte mich am Bauch, sodass ich auch lachen musste.

Abends als ich alleine war, Sole schlief mittlerweile im Gästezimmer, ging mir durch den Kopf, was eigentlich mit mir passiert war. Ich als alter Eigenbrötler, der immer stolz darauf war vollkommen alleine klarzukommen, hatte auf einmal eine Tochter? Ja für mich war sie wie eine Tochter und dieses Gefühl gebraucht zu werden möchte ich nimmer missen.

Ihr Lachen, die strahlenden Augen, ihre neugierigen Fragen, endlich hatte ich wieder eine Aufgabe und was für eine. Ich musste Sole beschützen und lehren. Gleichzeitig musste ich den Wissenschaftlern mitteilen, dass künstliche Befruchtung funktionieren konnte, ohne Sole zu gefährden. Eigentlich eine Mammut-Aufgabe. Ich musste es irgendwie schaffen, zu viel hing davon ab. Vielleicht das Überleben der Menschheit. Mittlerweile war Sole 13 Jahre alt und sie hatte fleißig gelernt.

Sie wusste und konnte mittlerweile viel mehr als viele Erwachsenen. Ich konnte ihr nichts mehr beibringen. Selbst wenn es um Softwareprogrammierung ging, wo ich eigentlich Experte war, war sie schneller, effektiver und vor allem noch kreativer als ich. Sie ließ mich, dies nie so direkt spüren, vermutlich um mich nicht zu verletzen, aber ich wusste, sie ist ein Softwaregenie. Aber auch ich hatte von ihr gelernt: Ihre Verteidigungstechnik. Als sie mir erzählte, wie sie diese Technik gelernt oder besser erfunden hatte, stellten sich bei mir die Nackenhaare auf.

Sie sagte: Als sich mein Vater wieder einmal über mich beugte und sagte, lass uns ein bisschen Spaß haben, tat es wieder so weh. Ich kratzte, biss und schlug nach ihm, aber er hörte nicht auf. Irgendwann verließen mich meine Kräfte und aus dem Kratzen wurde nur noch ein Kitzeln. Ich kitzelte ihn am Bauch und er wich zurück.

Jedes Mal, wenn er über mich kam, kitzelte ich ihn an anderen Stellen. Kitzeln an einer bestimmten Stelle der Innenseite des Oberschenkels führt zu einem starken Schluckauf, an der Innenseite der Handgelenke wird die Erektion gestört, auf der Handinnenseite führt es zu einem kurzzeitigen Reaktions-Stopp des ganzen Körpers, er ist sozusagen erstarrt. Dieses kitzeln wirkt aber nur an einer winzigen Stelle, die muss man genau kennen. Damit konnte ich immer irgendwie verhindern, dass er in mich eindrang.

Auch später, als die Dorfbewohner mich jagten, konnte ich sie mit einer kleinen Berührung außer Gefecht setzen. Ich war geschockt und beeindruckt zugleich. Im Nahkampf konnte man damit jeden noch so körperlich überlegenen Gegner schlagen.

Jetzt war es Zeit ihr zu sagen, was an ihr so besonders war und dass sie so wichtig war um das fort Bestehen der Menschheit zu sichern. Wie sollte ich es ihr beibringen? Sie hatte so viel Schlimmes erlebt. Jetzt ging es ihr gerade richtig gut. Ich konnte es nicht! Ich konnte nicht all ihre Träume mit einem Schlag zerstören. Da kam mir eine Idee. Sie war so klug, vielleicht konnte sie das Rätsel selbst lösen. Ich erklärte ihr, wo das Problem der Menschen lag, sicher wusste sie es bereits. Ich sagte zu ihr: Du musst dich mit Molekularbiologie befassen und dir einen Überblick verschaffen, wie Enzyme, Hormone und all die anderen Sachen im Körper zusammenwirken. Ich versuche, eine Laborausrüstung zu organisieren.

Sie schaute mich mit großen Augen an und sagte: Ich soll die Welt retten, was verlangst du da von mir. Ich bin noch ein Mädchen und sollte spielen und Spaß haben.

Darauf sagte ich: Das sollst du ja auch und es tut mir in der Seele weh, dass du hier keine Spielkameraden hast. Glaub mir, ich suche schon lange nach einer Möglichkeit Kinder zu finden, mit denen du spielen und toben kannst. Bis jetzt leider erfolglos.

Sie unterbrach mich und sagte: Ich weiß, was du alles für mich tust und ich bin dir sehr dankbar dafür. Aber jetzt verlangst du etwas, was ich nicht kann. Ich nahm sie in den Arm und sagte: Du musst die Welt nicht retten, ich traue es dir aber zu, Dinge zu entdecken, welche die Wissenschaftler übersehen haben, weil sie zu eingefahren in ihrem Denken sind. Sie denken nur noch in Formeln und Algorithmen. Du bist offen für alles, vielleicht siehst du das Teil des Puzzles, was alle anderen übersehen haben. Du sollst jetzt auch nicht jeden Tag 10 Stunden forschen.  Mach das am besten, wenn dir langweilig ist oder du Lust darauf hast. Sie nahm mich in den Arm und sagte: Du glaubst, das kann ich schaffen? Ich sagte: Nein, ich weiß, dass du es schaffst, wie alles, was du wirklich willst. Sie lächelte mich an und sagte: Ich versuche es. Ich sagte ihr: Ich will dich da wirklich nicht unter Druck setzen, geh es locker an. Ich würde mir nur wünschen, dass du es versuchst. Jetzt muss ich dir noch etwas sagen, das schiebe ich schon lange vor mir her. Ich habe Angst, dich damit zu verletzen.

Du bist mittlerweile der wichtigste Mensch in meinen Leben, ich liebe dich wie eine Tochter. Ich werde nicht zulassen, dass dir jemand weh tut. Und doch muss ich den Wissenschaftlern dieser Welt klarmachen, dass künstliche Befruchtung funktionieren kann. Du bist der Beweis.

Ich werde dich sicher nicht den Wissenschaftlern überlassen, doch selbst wenn sie nur eine Blutprobe von dir hätten, würden sie dich suchen. Wir wären ständig auf der Flucht, doch irgendwann würden sie uns finden. Das kann ich nicht zulassen.

Sie fiel mir um den Hals und flüsterte: Ich werde das Puzzle schon lösen, es wird aber eine Weile dauern. Du hast so viel Zeit wie du brauchst, lass dir Zeit, sonst übersiehst du womöglich ein wichtiges Detail.

Sie fragte: Hast du das auch wirklich so gemeint, wie du es sagtest? Ich fragte: Was meinst du? Dass du mich liebst wie eine Tochter. Ich sagte: ja ich liebe dich und für mich bist du jetzt meine Tochter. Sie klammerte sich an mich und fing an zu weinen. Ich hielt sie und brach ebenfalls in Tränen aus. Jetzt war alles ausgesprochen, ich hatte mich immer vor diesem Gespräch gefürchtet. Ich hatte Angst, sie würde glauben, ich hätte sie nur mitgenommen, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten.

Es war nicht leicht, eine Laborausrüstung zu erwerben, ohne aufzufallen. Mittlerweile wurden alle Käufe über das Internet in einer zentralen Datenbank registriert. Ich kannte ein Haus, das ziemlich abgelegen lag, der Besitzer war erst vor einigen Tagen verstorben.

Also gab ich mich als der Verstorbene aus, mit dem Risiko, dass die Ausrüstung Dieben zum Opfer fiel, wenn ich zu spät käme.

Sollte jemand irgendeinen Verdacht hegen und mir eine Falle stellen, wäre es auch gefährlich sofort dorthin zu fahren. Alles lief nach Plan. Ein teurer Plan. Die Laborausrüstung kostete mich fast 30000 Euro, aber sie war vom feinsten.

30000 mag wenig klingen, doch meine finanziellen Reserven waren begrenzt. Dadurch, dass es immer weniger Menschen gab, die mit so einer Ausrüstung etwas anfangen konnten, hätte ich sie eigentlich umsonst bekommen müssen.

Kapitel 3

Die meisten Infektionskrankheiten waren ausgerottet. In ein paar ärmeren Ländern gab es noch gelegentlich Fälle von Pest und Ebola. Es gab noch weitere Fortschritte in der Medizin. Mittlerweile wurden Kindern kurz nach ihrer Geburt Knorpelzellen aus dem Ohr entnommen.

Diese wurden gentechnisch so umprogrammiert, dass sie problemlos in allen Gelenken als Ersatz für aufgebrauchten Knorpel verwendet werden konnten. Die Knorpelzellen wurden im Labor vermehrt und konserviert, sodass jeder für das Alter eine entsprechende Menge Knorpel für notwendige Gelenkprobleme zur Verfügung hatte. Künstliche Gelenke waren nur noch nach schweren Unfällen nötig. Durch ein spezielles Verfahren wurde der konservierte Knorpel direkt in das betroffene Gelenk gespritzt.

Wo er sich durch die genetische Veränderung an den richtigen Stellen festsetzt und innerhalb weniger Stunden seine ursprüngliche Konsistenz und Widerstandskraft erreichte. Auch bei älteren Menschen konnte man dieses Verfahren noch anwenden.

Allerdings brauche es anfangs sehr lange, bis man eine ausreichende Menge Knorpel gezüchtet hatte. Dadurch wurde das ganze sehr teuer und die Krankenkassen übernahmen die Kosten nicht. Im Jahr 2031 entwickelten Wissenschaftler ein künstliches Enzym, das die Knorpelzüchtung revolutionierte. Aus einem winzigen Stückchen Knorpel entstand jetzt innerhalb von ein paar Stunden, eine ausreichende Menge Knorpel um jedes Gelenk zu versorgen.

2050 machten Geologen eine erschreckende Entdeckung. Mittlerweile konnten sie Vulkanausbrüche schon Wochen im Voraus erkennen. Ein neues Berechnungsmodell sollte noch weiter in die Zukunft schauen. So ergab die Berechnung, dass im März 2058 der Yellowstone ausbrechen würde. Die Folgen wären verheerend. Ein Vulkanischer Winter wäre die Folge, die Temperaturen würden um mindestens 10 Grad fallen und das für mehrere Jahre. Es würde kaum noch Sonnenlicht auf der Erde ankommen, sodass fast alle Pflanzen sterben. Ohne Pflanzen haben auch die Tiere keine Überlebenschance und für die Menschen würde es auch eng.

Die Wissenschaft suchte verzweifelt nach Lösungen.

Den Vulkan abzukühlen würde mehr Energie verbrauchen als verfügbar war und auch viel zu lange dauern. Die einzig denkbare Möglichkeit war, die Magmablase, die den Vulkan speist, anzubohren. So könnte man, verhindern, dass sich der Druck im Vulkan erhöht, weil kein neues Magma mehr aufsteigt. Doch das war ein gewaltiges Unterfangen. Die Magmakammer liegt in einer Tiefe von etwa 45 Kilometern, kein Mensch hat je so tief gebohrt. Zudem reichte kein kleines Loch, das Magma würde sofort erkalten und das Loch verschlissen. Es musste ein gewaltiges Loch sein. Niemand war in der Lage, zu berechnen, wie groß es wirklich sein müsste. Es gab Überlegungen das Loch zusätzlich zu beheizen, doch es war schier unmöglich so viel Energie vor Ort bereitzustellen.

Seit den verheerenden Wetterkatastrophen der 2030’er gibt es einen internationalen Krisenstab, indem jedes Land der Welt eingebunden ist. Dieser Krisenstab kann jeden Wissenschaftler, jeden Geologen, jeden Feuerwehrmann und bei Bedarf selbst die Putzfrau von ihrer Arbeit abziehen und für seine Anliegen beschäftigen. Finanziert wird alles aus einem internationalen Krisenfond. Dieser Stab hat sich in der Vergangenheit schon bewährt.

2036 saßen die hellsten Köpfe dieser Welt zusammen an einem virtuellen Tisch und erörterten Möglichkeiten, die nicht endenden Serien von heftigen Wirbelstürmen, die fast täglich irgendeine Region dieser Erde verwüsteten, zu beenden oder zu wenigstens zu dezimieren. Die Wissenschaftler blieben auch nach dem Treffen noch in engem Kontakt. Jede Idee wurde diskutiert. Die meisten waren jedoch nicht umsetzbar. Doch schon 2037 hatte ein Klimaforscher aus Nauru eine einfache, aber brillante Idee.  Man könnte die Erdrotation stoppen, so würden die sich die Luftmassen nicht in Bewegung versetzen. Er wusste genau, dass dies nicht möglich war, doch jeder war aufgerufen, selbst die hirnrissigste Idee allen bekannt zu geben.

Ein Physiker aus Nevada wurde von ihm inspiriert und kam auf die Idee starke elektromagnetischen Impulse neben den Wirbelstürmen abzugeben, um die Luftteilchen aus ihrer Kreisbewegung zu reisen. Ihm war klar, dass diese Impulse unsere Infrastruktur stark beschädigen konnten. So ein EMP (electromagnetic pulse) konnte sämtliche Computer beschädigen und somit nicht nur unser Bankensystem lahmlegen. Atomkraftwerke und alles was über Computer gesteuert wird, also einfach alles, könnte versagen.

Hier kam ihm ein deutscher Wissenschaftler zur Hilfe. Er hatte vor ein paar Jahren ein System entwickelt, um elektromagnetische Impulse abzuschirmen.

Alles, was weiter als 10 km von dem EMP entfernt war, wäre damit sicher. Allerdings war der Energieverbrauch sehr hoch.

Ein Wetterforscher aus dem Irak hatte ein System entwickelt, welches Wirbelstürme durch Satellitendaten bereits kurz vor ihrer Entstehung orten konnte. Die ersten 20 Kleinversuche, einen elektromagnetische Impulse im Labor abzuschirmen, endeten im Chaos.  Alle Computer im Labor wurden unbrauchbar. Eigentlich kein Problem, denn es gab mindestens 20 eins zu eins Kopien dieser Computer an einem entfernten Ort. Doch die Messungen, die erforderlich waren, um zu ergründen, was falsch lief, waren auch verloren. In nur zwei Tagen wurden 2 Kilometer lange Leitungen für alle Sensoren verlegt.

Die Sensoren selbst wurden wie eine Prüfung ergab durch den EMP nicht beschädigt. Beim nächsten Versuch kam Licht ins Dunkel. Das Energiefeld, welches den EMP abschirmen sollte, brauchte statt der berechneten 0,03 Sekunden, satte 5 Sekunden um sich vollständig aufzubauen. Jetzt könnte man denken, kein Problem, einfach 5 Sekunden eher einschalten, aber die Menge an Energie, die dafür notwendig wäre, ist gigantisch.

Es war geplant, das Schild für 1 bis 2 Sekunden einzuschalten. Selbst dafür konnte man die Energie weder von einem Flugzeug noch von einem Satelliten zur Verfügung stellen.

Man plante in einem Weltraumspaziergang 20 Satelliten zu koppeln, doch diese Menge an Energie konnten auch diese nicht liefern. Doch sie fanden folgendes heraus: Das Abschirmfeld blieb nach dem Abschalten der Energiezufuhr fast 4 Sekunden stabil. Beim Einschalten versuchten sie zunächst mit hoher Energie zu starten und diese dann langsam abzusenken. Sie experimentierten 3 Tage, Tag und Nacht. Am vierten Tag standen die Computer nur noch 100 Meter vom Versuchsort entfernt. Zur Sicherheit waren alle Sensoren doppelt angebracht und die entfernten Computer auch noch im Einsatz.

Die Lösung war nicht berechenbar, aber Versuch macht klug. Bereits 10 Sekunden vor dem EMP wurde der Schirm mit nur 1,5 % Leistung aktiviert, fünf Sekunden vor dem EMP wurde die Leistung kontinuierlich auf 10 % gesteigert und 3,8 Sekunden vor dem EMP schließlich auf 100 %. Es gelang, kein Computer wurde beschädigt. Es folgten weitere Tests mit stärkeren EMP’s und weiteren Entfernungen der Computer, dabei wurde der Energieverbrauch weiter optimiert. Zur gleichen Zeit wurden bereits Vorbereitungen getroffen, um die Systeme für den EMP und das Abschirmsystem in Satelliten zu integrieren. Weltweit bereiteten sich alle auf einen Totalausfall ihrer Computersysteme vor.

Alle Daten und Betriebssysteme wurden auf Festplatten und Bänder kopiert, diese wurden unter tiefen Gesteinsschichten in speziellen EMP-sicheren Behältern abgelegt.

Im Dezember 2037 war es so weit, das war jetzt wirklich der Feldversuch.  Die Satellitenformation speiste ihre Energie zusammen, und der erste EMP wurde auf einen Hurrikan im Nord-Ost-Pazifik abgegeben. Er zog in Richtung EMP ab, aber wieder erwarten hörte er nicht auf sich zu drehen. 10 Minuten später gab es Entwarnung, seine Rotationsgeschwindigkeit ging gegen null und 5 Minuten später existierte er nicht mehr. Ein Erfolg, denn von nirgends in der Welt kamen Meldungen über Ausfall der Computersysteme. Alle Länder dieser Welt bestätigten, dass die Computersysteme fehlerfrei liefen. Von nun an wurde, wenn nötig, ein EMP pro Woche gestartet. Etwas später bis zu drei. Das Wetter beruhigte sich schnell. Erstaunlicherweise nahm auch die Neubildung von Wirbelstürmen stark ab. Auch Starkregen und normale Stürme wurden weniger. Keiner kann sagen, ob das mit dem EMP zusammenhing, aber alle waren froh, dass es so war, wie es war.

Genau diese hellen Köpfe, die das geleistet hatten, versuchten jetzt den Ausbruch des Yellowstone zu verhindern. Es gab keine Besseren für diesen Job!

Derweil wurden immer mehr Stimmen von Umweltaktivisten und Klimaschützern laut, welche forderten das Projekt Yellowstone zu stoppen, da es die Energieressourcen für eine ganze Generation verschlingen würde. Ich rief einen bekannten Geologen an und beriet mich mit ihm, wie man den Menschen den Ernst der Lage klarmachen konnte.

Er sagte: schaffe es einen Sendetermin in einem beliebten Fernsehsender zu organisieren, ich hole die Leute vom internationalen Krisenstab dazu. Du lädst alle Reporter ein, die du kennst und vielleicht noch ein paar Staatschefs.

Ja ich war Journalist und hatte einige Kontakte, aber dafür waren es zu wenige und selbst die wenigen waren eher locker. Ich wusste nicht mehr weiter und zum ersten Mal bat ich Sole um Hilfe. Sie freute sich riesig und begann sofort am PC zu tippen und sagte: Wir gründen eine weltweite Vereinigung der Journalisten und eine weltweite Plattform der Staatschefs. Ich lege die Internetplattform an. Wenn ich das fertig habe, forderst du jeden den du kennst auf, sich dort einzutragen und alle die er kennt darüber zu informieren. Sage ihnen ruhig, dass es um das Überleben der Menschheit geht, jetzt müssen alle zusammenhalten.  Ich kümmere mich derweil um die Regierungschefs.

Ich fragte sie, wie sie alle Regierungen erreichen will. Sie sagte: nichts leichter als das.

Es gibt ein weltweites Terror- und auch ein Katastrophenwarnsystem. Ich hacke mich da ein und schicke ihnen eine Nachricht, die sie nicht ignorieren können. Und über welches Medium sollen sie antworten, ohne zu wissen, wer wir sind? Sie sagte: Sie werden nur eine Meldung über das Portal erhalten, mit einem Link auf eine Webseite, die ich für sie anlege. Du musst nur noch die Vereinigung der Journalisten und die weltweite Plattform der Staatschefs sowie den internationalen Krisenstab zum Sendetermin einladen. Den internationalen Krisenstab solltest du auch beauftragen, diese Sendung weltweit in allen Sprachen zu verbreiten.

Ich war kurz davor den Kopf in den Sand zu stecken und Sole sieht ganz klar wie es funktionieren wird. Ich bin beeindruckt. Am Abend bereitete ich einen Artikel über die Auswirkungen eines solchen Ausbruchs vor, in dem ich die Auswirkungen möglichst ausführlich schilderte. Der Geologe beriet mich dabei. Ich fragte ihn, ob er jemanden kenne, der eine Computeranimation dazu erstellen könnte. Er antwortete: Die gibt es schon, es würde mich wundern, wenn ich nicht die Genehmigung bekomme sie für dieses Projekt zu nutzen. Apropos, wie soll das Projekt heißen? Ich überlegte kurz, ja es war sinnvoll dem Projekt einen Namen zu geben. So wüsste jeder immer gleich wissen, worum es geht und das öffentliche Interesse wäre geweckt, wenn dieser Name ein paar Mal in den Nachrichten erscheint.

Ich sagte zu Hans (so hieß der Geologe), der Name sollte gut gewählt sein, also brauche ich etwas Zeit.

Er fragte, ob er einen Namen vorschlagen dürfe. Ich bejahte. Er sagte: “prevent mass deaths”. Zu Deutsch, Massensterben verhindern. Es gefiel mir nicht so richtig und ich schlug „ticking mega time bomb“ (tickende mega Zeitbombe) vor. Nach kurzer Zeit einigten wir uns auf “ticking death of millions of people“ (tickender Tod von Millionen Menschen). In den folgenden Tagen telefonierte ich jeden Tag mindestens 10 Stunden. Jeden und damit meine ich auch absolut jeden den ich kannte, rief ich an und bat ihn um Hilfe für dieses Projekt. Ich wollte kein Geld, sondern Kontakte und Ideen, um die Menschen zu überzeugen, dass diese Bohrungen alternativlos waren. Sollte jemand eine gute Alternative haben, wäre diese natürlich auch willkommen.

Die weltweite Vereinigung der Journalisten habe ich mit einigen meiner Kollegen schnell ins Leben gerufen, dabei hatte ich große Unterstützung von einem israelischen Rechtsanwalt, dem es wichtiger war, dass seine Familie überlebt, als eine Rechnung zu schreiben. Die Webseite war bereits fertig, die weltweite Plattform der Staatschefs hatte auch schon ihre Webseite. Ich bat die Internationale Journalisten-Föderation einen Link auf die Website zu setzen, oder ihre Mitglieder zumindest anderweitig darauf hinzuweisen.

Mittlerweile hatten einige Zeitungen meinen Artikel über die bevorstehende Katastrophe, mit der Überschrift “ticking death of millions of people“ veröffentlicht. Jetzt kamen täglich Anfragen von Journalisten aus aller Welt, ob sie meinen Artikel oder Teile zitieren dürften.

Meine Antwort war immer die gleiche: „Gerne dürfen sie meinen Artikel oder Teile daraus zitieren“, es wäre für mich und alle Menschen auf dieser Welt aber wichtig, die Überschrift (ticking death of millions of people) in ihren Artikel einfließen zu lassen, den ‚ticking death of millions of people‘ ist gleichzeitig ein Projekt das die Akzeptanz der Bohrungen verbessern, Hindernisse ohne Gewalt aus dem Weg räumen und die internationale Zusammenarbeit verbessern soll. Danke!“.

Viele der Journalisten, die meinen Artikel zitierten, erwähnten auch das Projekt und sein Ziel. Der Zug kam ins Rollen. Sole hat es irgendwie geschafft, 95 Staatschefs auf der Plattform zu versammeln. Als ich die Webseite besuchte, schaute ich nicht schlecht. Hier gab es mittlerweile Artikel über Gefahren durch Megavulkane, den Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems, Kriege durch Verteilungskämpfe, mögliche klimatische Veränderungen und vieles mehr. Was mir am besten gefiel, für jedes dieser Szenarien waren bereits Vorschläge vorhanden um sie abzuwenden oder zumindest abzuschwächen.

Sole hatte ganze Arbeit geleistet und die 95 Staatschefs auch. Hans hatte mittlerweile die Genehmigung zur Verwendung der Computeranimation und noch eine Überraschung. Er hatte einige Kollegen mobilisiert, die in ihrer Freizeit eine Animation entwickelten, die wesentlich weiter in die Zukunft reichte. Außerdem hatte er einen Mediendesigner ins Boot geholt. Dieser hat die Menschen in die Computeranimation gebracht.

Wir hatten jetzt einen kleinen Film, der realistisch zeigte, was mit den Menschen auf der ganzen Welt geschehen würde, wenn wir diesen Ausbruch nicht verhindern. Es war der Hammer, wen das nicht überzeugte, den konnte nichts überzeugen. Sole und ich übertrugen den Film auf die Plattform der Regierungschefs und die Seite der weltweiten Vereinigung der Journalisten, mit der ausdrücklichen Genehmigung und Bitte zur Weiterverbreitung.

Dann fing ich an, bei Fernsehsendern einen Sendetermin zu ergattern. Das war alles andere als leicht. Viele blockten gleich ab, kein Interesse, oder boten mir an, es als Werbung mit den dafür üblichen immensen Gebühren zu schalten. Man merkte: Hier zählt nur der Gewinn. Doch ich ließ nicht locker und schließlich wurde ich mit dem Intendanten eines Senders verbunden. Ich erklärte ihm genau, worum es ging und welche Vorbereitungen wir schon getroffen hatten. Besonders hat ihm die „die Plattform der Regierungschefs“ beeindruckt.

Er sagte so viele Chefs an einen Tisch zu bekommen und das, ohne dass sie streiten erschien mir immer unmöglich. Mittlerweile waren 136 Staatschefs der Plattform beigetreten, und alle waren bereit, persönlich ein paar Worte zu dem Thema in ihrer Landessprache zu sagen. Als ich dies dem Intendanten sagte, wurde es zunächst still am anderen Ende der Leitung.

Dann sagte der Herr, wenn es so viele Regierungsoberhäupter wollen, dann müssen wir das machen, Entschuldigung, nicht nur wegen der Oberhäupter, sondern wegen allen die sich dafür einsetzen und wegen allen die es vor Schaden bewahrt. Es ist aber ein gewisser logistischer Aufwand nötig, um das mit den verschiedenen Zeitzonen zu schaffen. Ich sagte, die Statements der Regierungschefs werden wir aufzeichnen und einspielen. Aber der Plan sieht noch einen schwierigen Part vor. Die Sendung soll in alle Sprachen dieser Welt übersetzt und weltweit im Fernsehen ausgestrahlt werden. Das Übersetzen übernehmen heutzutage die Computer, die Frage ist, welcher Mensch oder Computer kennt alle Sprachen der Welt. Wenn wir uns auf die Sprachen der 203 Staaten auf der Erde beschränken, kann ich das bis Morgen prüfen lassen. Allerdings brauchen wir für so viele Tonspuren zusätzliche Satellitenfrequenzen.

Ich könnte in 5 Tagen einen Termin mit unseren Technikern organisieren, zu diesem müssten auch die Techniker der Fernsehsender aller Staaten, die es ausstrahlen wollen, online sein.

Er schaute in seinen Terminplaner und sagte, das wäre dann Dienstag, der 27.09.2050 um 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Ich schätze, wir brauchen 5 Stunden, kann aber auch länger dauern.

Bis Montag, 12 Uhr brauche ich die E-Mail-Adressen aller Teilnehmer, um rechtzeitig einzuladen. Ein straffer Zeitplan, aber sie schaffen das. Rufen Sie mich am Montag ab 10 Uhr noch einmal an und jetzt an die Arbeit. Ohne Abschiedsfloskel legte er auf.

Ich fragte Sole, ob sie den Termin an die Regierungschefs kommunizieren wollte, immerhin hatte sie die Kontakte aufgebaut. Sie freute sich riesig, dass ich so schnell einen Fernsehsender gefunden hatte, der unseren Aufruf senden wollte und übernahm diese Aufgabe gern. Am Montag telefonierte ich erneut mit dem Intendanten, er sagte, es müsse ab sofort Werbung für diese Sendung gemacht werden, damit sie einen großen Effekt hätte, selbst wenn der Sendetermin noch nicht feststand. Sein Sender würde ein kleines, kostenloses Budget an Werbezeit zur Verfügung stellen. Doch Werbezeit ist teuer, darum war dieses Budget doch recht klein. Damit es richtig krachen kann (ich dachte nur, welch ungeeignete Wortwahl bei diesem Thema, aber egal) brauchen wir Geld. Selbstverständlich müssen die restlichen Länder auch vorab für die Sendung werben. Zudem brauche er ziemlich schnell einige Schlagzeilen und Bildsequenzen für die Werbung.

Den Werbespot würde er dann an allen Fernsehsendern der Welt in ihrer Landessprache zur kostenlosen Nutzung anbieten. Ich rief Hans an. Bis jetzt hatten wir nur die Genehmigung die Computeranimation für diese Fernsehsendung zu benutzen, jetzt brauchten wir eine Genehmigung sie weltweit für Werbung zu nutzen. Vorab habe ich den Intendanten die Skripte von mir und Hans für die Sendung zugeschickt.

Schon 4 Stunden nach dem Anruf bei Hans hatten wir die Genehmigung für die erweiterte Nutzung der Animation, welche ich umgehend an den Intendanten schickte. Ich rief den israelischen Rechtsanwalt an, welcher mich schon einmal unterstützt hatte. Ich glaube, er hat sich gefreut, von mir zu hören. Er sagte, Peter, wie geht es dir, was macht das Projekt und wo drückt der Schuh. Ich glaube, wir redeten fast eine Stunde, über das Projekt, über mich, über den Geburtenrückgang und schließlich kam ich auf den Punkt. Es war eine Wohltat mal wieder einfach nur so zu plaudern, aber die Zeit drängte. Ich sagte ihm, dass ich viel Geld bräuchte, um die Werbung für unser Projekt zu finanzieren. Dazu wolle ich einen Spendenfonds einrichten. An sich kein Problem, nur sollte der „Topf“ allen Staaten dieser Welt zur Verfügung stehen. Wie soll ich es verteilen? Wie schaffe ich es, dass nur die begünstigten an das Geld kommen und keine Gauner?

Und es sollte eigentlich sofort starten.

Er meinte: Was machst du? Warum verlierst du Zeit? Richte dein Spendenkonto ein und mach es publik. Über die Art und Weise der Verteilung kannst du auch noch später entscheiden.  Das ist nicht wirklich mein Metier, aber ich weiß, es ist dir wichtig und ehrlich gesagt bin ich sogar ein bisschen neidisch darauf, was du in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hast. Ich habe da ein paar Spezialisten für Spendenkonten, davon ist einer bei der Polizei und untersucht Missbrauchsfälle, der andere berät Regierungen, mehr sag ich erst einmal nicht.

Richte du erst mal das Konto ein, ich melde mich morgen bei dir. Wenn du das Konto eingerichtet hast, gönne dir erstmal ein Bier und ein bisschen Ruhe, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wir verabschiedeten uns und in diesem Moment wurde mir klar wie Recht er hatte.

Schon lange hatte ich keine Minute für mich selbst beansprucht, außer zum Schlafen. Ich war ziemlich platt. Das Spendenkonto hatte ich bereits eröffnet, aber noch nicht publik gemacht. Ich setzte einen Link mit der Bitte um Unterstützung zur Werbung für unseren Sendetermin auf die Website der weltweiten Vereinigung der Journalisten. Dann rief ich Sole, sie sah mich an und sagte:

Papa du schaust nicht gut aus, du musst eine Pause machen. Ich sagte, dein Wunsch ist mir Befehl, aber erst müssen wir noch etwas für unser Projekt tun und dann machen wir gemeinsam Pause. Sie fragte: und was? Ich habe ein Spendenkonto angelegt, um Werbung für unsere Fernsehsendung zu finanzieren.

Die Journalisten habe ich schon angetriggert, nur die Staatschefs noch nicht. Sie stellte mir ein kühles Bier auf den Tisch, einen Aschenbecher und eine Packung Zigaretten. Sie sagte: aber nicht alle auf einmal und lächelte. In einer halben Stunde bin ich wieder bei dir und wir relaxen gemeinsam. Nach ca. 40 Minuten kam sie wieder, ich dachte, wir schauen gemeinsam einen Film und würden dann schlafen gehen. Doch sie sagte: Lass uns spazieren gehen, es wird Zeit das etwas frische kühle Luft an deinen Kopf kommt, der raucht ja schon. Ich lächelte und wir gingen los.

Wir gingen fast 3 Stunden, ab und zu joggten wir ein Stück. Es war eine Wohltat für Körper und Seele. Zu lange waren wir nicht mehr aus dem Haus gekommen. Als wir zurückkamen, dämmerte es schon. Doch am Haus angekommen sah ich, dass der Wimpel hochgezogen war, ein stiller Alarm wurde ausgelöst. Ich prüfte das Ereignisprotokoll der Alarmanlage auf dem Smartphone. In der Garage wurde die Lichtschranke ausgelöst. Als ich die Bilder der Überwachungskamera ansah, musste ich lächeln und gab Entwarnung.

Ein Igel hatte sich irgendwie unter dem Tor durchgequetscht und suchte vermutlich ein Winterquartier. Dem Igel werden wir morgen ein Plätzchen für den Winter einrichten, für heute war es Zeit zu schlafen. Am nächsten Tag schauten wir zusammen das Werbevideo an. Es war ein ziemlich wilder Zusammenschnitt aus den Warnungen von mir, des Geologen Hans, Ausschnitten aus der Animation und, das hatte ich nicht erwartet, weiteren führenden Vulkanologen.

Es war beeindruckend, furchteinflößend und gab dennoch Hoffnung. Im Laufe des Tages meldete sich der Intendant bei mir und sagte am 08.10.2050 ist ihr Sendetermin . In einer Stunde ruft sie ein Mitarbeiter des Senders an, um die Einzelheiten mit ihnen zu besprechen, ihr Geologe sollte auch dabei sein.  Er wird mit ihnen ein Skript erörtern, in welchem steht, was wann wie gesagt wird. Sozusagen ein Drehbuch. Seien Sie bitte nicht enttäuscht, dass einiges nicht so umgesetzt wird, wie sie es gewünscht haben, vertrauen sie unseren Marketingprofis. Die wissen genau wie man eine Botschaft an den Mann oder die Frau bringt, der Ordnung halber natürlich auch an diverse. Sofort rief ich Hans an, er konnte sich kurzfristig für den Termin frei machen. Es war noch etwas Zeit bis zum Termin, ich gönnte mir einen Kaffee und wagte einen Blick auf das Spendenkonto.

Gut, dass ich saß, sonst wäre ich vermutlich umgefallen. Es waren bereits fast 3 Milliarden US-Dollar auf dem Konto. Ich rief Sole und fragte sie, was sie den ganzen Tag gemacht habe, außer Geld einsammeln. Sie sagte: Nichts und grinste. Aber irgendwann solltest du auch ausruhen, sagte ich ihr. Ausruhen ist etwas für die Alten, sagte sie mit einem schelmischen Lächeln und wollte gerade wieder gehen. Ich sagte, warte bitte. Bei uns haben sich viele namhafte Geologen und Vulkanologen gemeldet, alles Einzelkämpfer. Sie brauchen eine gemeinsame Plattform, die auch mit unserem Projekt und allem, was dazugehört, verknüpft sein sollte. Ich kümmere mich morgen darum, jetzt sammle ich noch ein bisschen Geld ein und heute Abend gehen wir noch mal spazieren. Ihr Blick schloss jedes VETO aus. Am nächsten Tag brachte sie mir ziemlich verschlafen Kaffee ans Bett und sagte: Die Plattform für die Vulkanologen steht, hier ist die Webseite.

Sie reichte mir einen Zettel auf dem stand, “httpss://VulkanologenundGeologen.com“. Du musst nur noch einladen. Sie gähnte. Ich sagte: Du hast heute frei. Schlaf dich erst einmal aus und mache etwas, was dir Spaß macht. Darauf sie: das tue ich bereits, aber den Vorschlag mit dem ausschlafen nehme ich gern an. Ich stellte auf unsere Projekt-Webseite einen Aufruf an Web und Softwareentwickler mit der Bitte um Unterstützung.

Die Bezahlung wäre nur, der Erfolg und die Rettung von Milliarden Menschen. Es wuchs alles so schnell, dass wir es zu zweit nicht mehr stemmen konnten. Aber das war erst der Anfang. Wir hatten erreicht, dass Wissenschaftler und Regierungen fast aller Staaten zusammenarbeiteten, um dieses Problem zu lösen. Wir brauchten eine weitere Plattform, in der sie ihre Forschungsergebnisse und Ideen so ablegen konnten, dass sie in allen Sprachen abrufbar und durchsuchbar wären. Und jetzt wo wir so viele Kontakte und Unterstützer hatten müssen wir dieses Projekt erweitern. Denn sollte es gelingen, den Ausbruch des Yellowstone Vulkans zu verhindern, muss das nächste Problem der Menschheit in internationaler Zusammenarbeit angegangen werden. Die quasi nicht mehr stattfindende Fortpflanzung und die Antriebslosigkeit der Menschheit.

Jeder Staat forschte seit langen an diesem Phänomen. Aber Zusammenarbeit und Austausch gab es höchstens unter den größeren Staaten. Wir mussten alle ins Boot holen. Das Telefon klingelte. Es war der Anwalt. Er sagte: Es gibt exakt 4132 bekannte Fernsehsender auf der Welt.

Also teile deinen Topf durch 4132 und erlaube es jedem Sender diese Summe in Anspruch zu nehmen, wenn er dein Werbevideo sendet. Das Geld wird zunächst auf ein Treuhandkonto überwiesen.

Ein Fachkollege hat sich bereit erklärt, dieses zu überwachen und bei Erfüllung der Bedingungen an den Sender auszuzahlen. Er wird dafür keine Gebühr erheben. Allerdings wird der kleinste Sender genau so viel Geld erhalten, wie der Größte. Ich denke, es wird die kleinen Sender stark motivieren, diese Werbung auszustrahlen. Die großen müssen eh mit ihrer Konkurrenz mithalten.  Heute Abend meldet sich ein Herr Simon Andaretz bei dir, er wird die Einzelheiten zum Treuhandkonto mit dir erörtern.

Wenn alles klappt, könnt ihr übermorgen schon auszahlen. Ich schicke dir nachher noch eine Liste der weltweiten Fernsehsender. Ich war so frech bereits alle über die möglichen Werbeeinnahmen aus dem Fond sowie die Brisanz der Sache zu informieren. Jetzt brauchte ich nur noch jemand, der die Einhaltung der Bedingungen kontrolliert und die Auszahlung veranlasste.

Am Abend war auch dieses Problem geklärt, Herr Simon Andaretz wird diese Aufgabe übernehmen.

Mittlerweile hatten sich fast zwei Dutzend Programmierer gemeldet, um uns zu unterstützen. Sole übernahm die Koordination. Schon einige Tage später gab es eine internationale Austauschplattform für alle, die Ideen zur Verhinderung des Ausbruchs dieses Supervulkans hatten. Man konnte Einträge hervorheben, die man als wichtig empfand, aber auch Einträge zur Löschung vorschlagen.

Das Thema hatte ich eigentlich an einen Moderator abgegeben. Ich wurde aber über alle Hervorhebungs- und Löschungs-Anfragen informiert. Ein User schlug einen Beitrag zur Löschung vor, der mich aufhorchen ließ. Da stand sinngemäß: Bohrt euer großes Loch in die Magmakammer. Vielleicht funktioniert es. Bohrt aber zusätzlich etliche kleinen Löcher am Übergang der Magmakammer zum Vulkan und sprengt diese mit kleinen Ladungen. Bohrt so weit wie möglich weg von der Magmakammer, aber vor der Verzweigung des Zugangs zum Vulkan. So kann ein künstlicher Abfluss geschaffen werden, der erst aktiv wird, wenn Magma aus der Kammer nachschiebt. Das gewinnt Zeit, in der man weitere Bohrungen durchführen und den Abfluss vergrößern kann. Es würde reichen das Gestein um die gewünschte Austrittsstelle des Magmas mit den Bohrungen zu destabilisieren, die restliche Arbeit würde das Magma selbst übernehmen.

Das klang für mich plausibel, warum sollte man das löschen? Ich sorgte dank Admin-Rechte dafür, dass der Beitrag nicht gelöscht, sondern hervorgehoben wurde.

Der Tag war gekommen, heute war unser Fernsehauftritt, schade das Sole nicht dabei sein konnte, aber ihre Sicherheit war mir wichtiger. Wir hatten viel Werbung für diesen Auftritt gemacht. Aber nicht nur um die Sache. Einige meiner Kollegen sagten schon lange:

Das wird eine Sensation, fast alle Regierungen zur gleichen Zeit am gleichen virtuellen Ort, und sie werden einig sein, kein Streit über das wie und wann. Unter dem Slogan „erstmals in der Geschichte der Menschheit sind sich alle einig, hören sie fast alle Regierungsoberhäupter dieser Welt zum Thema „ticking death of millions of people“, wie können wir den Ausbruch verhindern. Setzten viele meiner Kollegen, eigentlich fast alle, Artikel in die verschiedensten Zeitungen mit Angabe des Sendetermins.

Die Sendung ging 4,5 Stunden und wurde, bis auf die Auftritte der Staatschefs, live übertragen. Nach einer kurzen Einführung, in der die Gefahr kurz erklärt wurde, spielten wir die Computeranimation des Ausbruchs ein. Danach erklärte ein Team von Geologen die genaueren Hintergründe und die geplante Maßnahme, um den Ausbruch zu verhindern, vor. Als Nächstes stellte ich das Projekt „ticking death of millions of people “ vor und erklärte, dass es nur gelingen könne, wenn wirklich alle zusammenarbeiten. Dann kamen die Statements der Staatsoberhäupter.123 Staatsoberhäupter hatten kurze Videos bereitgestellt, in denen sie Ihre Bürger aufforderten das Projekt zu unterstützen. Dafür allein brauchte es schon ca. 2 Stunden Sendezeit. Es war eine Premiere. Einigkeit unter so vielen Ländern hatte es noch nie gegeben. Auch die viele Werbungen hatte sich bezahlt gemacht, die Einschaltquoten waren gigantisch. Sole hatte vor der Sendung unsere Projekt-Webseite auf einen leistungsstärkeren Server umgezogen.

Wie ich später erfuhr, war auch dieser zeitweise überlastet.

Als ich spät abends, eigentlich war es schon Nacht, nach Hause kam, wartete Sole schon auf mich. Sie holte mir ein kühles Bier und fing sofort an zu fragen: „Wie war es?“. Ich fragte: Hast du es nicht im Fernsehen angeschaut? Sie sagte: Natürlich, aber live dabei sein ist doch bestimmt etwas anderes. Ich sagte ihr: Es war ein tolles Klima, so viele Leute, die für die gleiche Sache stehen. Die Einschaltquoten waren gigantisch. Aber es war auch sehr anstrengend. Ich fragte nach den Besucherzahlen auf unserer Webseite. Sie erzählte mir, dass die Webseite zeitweise nicht erreichbar war, vermutlich überlastet und die Seitenzugriffe in den Logfiles falsch angezeigt würden. Ich fragte: wie falsch? Sie meinte in ein paar Stunden fast 20 Millionen Besucher kann doch wohl nicht sein. Vielleicht doch, sagte ich. Am nächsten Morgen rief mich Hans an und gratulierte mir zu unserem erfolgreichen Fernsehauftritt.

Mittlerweile waren mehr als 100 Ideen zur Abwendung der Katastrophe eingegangen. Über 2000 Firmen hatten Hilfe bei der Entwicklung und dem Bau der Bohrgeräte zugesagt, darunter auch viele aus der Öl-Branche.

Die Ideen und Informationen flossen. Jetzt brauchte es einen Stab, der alles koordinierte und in die Tat umsetzte. Wir konnten das nicht leisten.

Unsere Politiker wären vermutlich noch am Diskutieren und streiten, wenn der Ausbruch stattfindet. Für mich kam nur das Militär infrage. Ich beriet mich mit Hans darüber und er fand, dass es uns viel Gegenwind einbringen könnte, wenn wir das dem Militär übergeben. Ich schlug vor, es einem General zu unterstellen, dem ein Geologen-Team zur Seite gestellt wird, welches ein Vetorecht hat. Somit könnte man verhindern, dass irgendein Hitzkopf einfach eine Atomrakete in den Vulkan schießt. Hans sagte: Das Geologen-Team muss die Führung innehaben, das Militär setzt, um, was die Geologen beschlossen haben. So muss es laufen. Die Militärs den Geologen zu unterstellen würde sicher schwierig, aber Hans hatte recht, es war der einzig richtige Weg. Dann sagte Hans: Du hast genug getan, gönne dir jetzt erst mal eine Pause. Du kennst doch meine vier Kollegen, die mit bei der Fernsehsendung waren. Wir fünf übernehmen ab jetzt, Soldaten, Offiziere und Generäle sind auch Menschen. Sie haben Frauen und Kinder. Um ihr Leben zu retten, werden sie machen, was wir sagen. Ich halt dich aber auf dem Laufenden.

Drei Tage später rief er mich wieder an und berichtete. Ein amerikanischer General bereitet die Infrastruktur vor Ort vor.

In wenigen Wochen werden alle benötigten Ressourcen wie Wasser, Strom, Computertechnik, Unterkünfte, Verpflegung etc. in mehr als ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Die NOC (National Oil Corporation) wird in Zusammenarbeit mit weiteren Öl-Firmen und Herstellern von Tunnelbohrmaschinen geeignete Bohrgeräte entwickeln. Die Produktion wird unter Leitung eines chinesischen Generals, weltweit erfolgen.

Ein deutsches Forschungsinstitut hat ein Verfahren entwickelt, welches die Standzeit der Bohrköpfe um mindestens das 10-fache erhöht.  Die Produktion dieser Bohrköpfe beginnt in 2 Tagen in Mexiko. Um den Transport der Maschinenteile und deren Montage kümmert sich ein russischer General. Shell hat bruchfeste Bohrstangen entwickelt, nicht in den paar Tagen, sie waren da schon länger dran. Eigentlich sind es zwei Stangen oder besser Rohre in einem. Zum Bohren wird nur der innere Teil verwendet, der äußere Teil koppelt sich erst mit dem Bohrkopf, wenn der innere Teil stillsteht. So kann man festgefressene Bohrköpfe wieder aus dem Bohrloch entfernen. Wir haben geplant, mit circa fünfhundert Bohrmaschinen kreisförmig fünfhundert Löcher bis kurz vor die Magmakammer zu bohren. In die Mitte kommt ein Loch, welches abschnittsweise mit einem Spezialsprengstoff gefüllt wird.

Bei der Zündung erfolgen tausende kleine Sprengungen, die das Gestein zwischen dem inneren Loche und dem Ring aus Löchern zerstören und zu einer losen Masse machen. Würde das nicht reichen, wären bereits weitere solche Sprengladungen in den äußeren Löchern platziert. Zusätzlich wird als Plan B, mit einer Art Tunnelbohrmaschine ein Loch in den Übergang von der Magmakammer zum Vulkan gebohrt.

Ein General aus Pakistan bereitet das Gelände für einen gezielten Abfluss der Lava vor.

Die Evakuierung bzw. Umsiedelung der Menschen, in den betroffenen Gebieten übernimmt die amerikanische Regierung. Ich sagte: Das ist falsch. Ein Geologen-Team muss mit dem pakistanischen General bestimmen, welche Gebiete evakuiert werden. Und ein Mann muss das ganze leiten. Egal ob vom Katastrophenschutz oder vom Militär. Aber das Militär kann nun mal besser organisieren. Am besten wäre ein amerikanischer General oder Major, der die Gegend und am besten noch die Menschen dort kennt. Hans sagte: Wenn der amerikanische Präsident sagt, wir werden das tun, kann ich ihm doch nicht widersprechen. Ich fragte ihn, ob er dort einen Ansprechpartner habe und er gab mir eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse. Nachdem ich mich bedankt und verabschiedet hatte, rief ich dort an.

Es meldete sich das Heimatministerium. Nach kurzer Erörterung der Sachlage fragte man mich wer ich eigentlich sei? Der Mitarbeiter fragte:

Sie sind der, der den Stein ins Rollen gebracht hat? Ich bejahte. Einen Moment bitte, ich verbinde sie weiter.

Auf einmal hatte ich den amerikanischen Präsidenten selbst am Telefon.  Schnell bemerkte er, dass mein Englisch nicht das Beste war und sagte: Reden wir doch einfach deutsch miteinander, ist sicher für uns beide leichter. Ich war beeindruckt, der Präsident sprach fast akzentfrei Deutsch. Ich fragte, woher er so gut Deutsch könne, er sagte: Das tut jetzt nichts zur Sache, ich glaube, wir haben wichtigeres zu bereden. Nachdem ich meine Bedenken zur Evakuierung durch das Heimatministerium geäußert hatte und ihm, sagte, welchen Weg ich für den besseren hielt. Antwortete er mir: Der Leiter des Heimatministeriums wohnt genau in diesem Gebiet, er hat alle nötigen Kontakte und Kompetenzen.  Aber das Geologen-Team müssen wir ihm zur Seite stellen, daran hatte ich nicht gedacht. Darf ich sie auch auf etwas aufmerksam machen, wenn wir schon bei den Geologen sind? Ich sagte: Sicher nur zu. Der Präsident sagte: Nach welchen Kriterien entscheidet der pakistanische General, wie die Lava ablaufen soll? Er kennt sich sicher im Gebirge aus, aber ein Geologen-Team wäre sicher auch für ihn hilfreich.

Ich sagte: Am besten eins, das sich vor Ort gut auskennt. Wenn sie die Geologen organisieren, lasse ich dem General mitteilen, dass er einen wertvollen und hilfreichen Klotz am Bein hat. Er fragte: was für ein Klotz am Bein? War ich bescheuert?

Ich sprach mit dem Präsidenten der USA wie mit einem Kumpel. Ich sagte: Ein Klotz am Bein ist eigentlich etwas, das einen behindert, aber vielleicht kann es auch vor Fehlentscheidungen schützen. Er sagte: Ich bin froh sie kennengelernt zu haben, so viel Energie und Tatkraft wie sie, bringen heutzutage nur noch wenige mit. Das mit dem pakistanischen General klären meine Leute ab, da brauchen sie sich nicht drum kümmern.

Ich bitte sie aber, mich anzurufen, wenn sie der Meinung sind, dass etwas nicht perfekt läuft. Haben sie etwas zu schreiben? Ich bejahte. Meine Telefonnummer unter der ich Tag und Nacht erreichbar bin, lautet **************. Zögern Sie nicht, mich aus dem Schlaf zu wecken, wenn es wichtig ist. Ich glaube, die letzten Wochen waren für sie ziemlich stressig, ruhen sie sich erst einmal aus. Wenn sie dennoch ein Auge auf die weitere Entwicklung haben, würde es mich sehr beruhigen. Wenn sie in irgendeiner Weise Hilfe benötigen, auch abseits von Vulkan und Magma, lassen sie es mich wissen. Ich würde sie gern unterstützen, sie haben es sich redlich verdient. Ich sagte:

Wenn sie unser Projekt unterstützen und ihm zu mehr Bekanntheit verhelfen, wäre es die beste Unterstützung.

Unser nächstes Ziel ist, den weltweiten Geburtenrückgang aufzuhalten.

Bereits eine Woche später wurden die ersten Teile für die Bohrmaschinen angeliefert. Während die Maschinenbauer und Ingenieure noch tüftelten, wie man in so große Tiefen bohren konnte, begann man bereits mit Maschinen, die für die Erdölbohrung konstruiert, worden, zu bohren. Am Zentralen Loch wurde mittels EIV-Verfahren gearbeitet.

Dabei wird das Gestein durch elektrische Hochspannungsimpulse zerkleinert und man schaffte einen Meter pro Stunde. An einigen der äußeren Bohrlöcher arbeitete man mit einer Technik, die Ultra- und Infraschall verwendete, um das Gestein zu zerkleinern. So schritten die Bohrungen voran und lieferten gleichzeitig den Entwicklern der neuen Bohrmaschinen wichtige Informationen über Verschleiß, Geschwindigkeit und Energiebedarf der verschiedenen Verfahren. Dennoch sollte in alle Richtungen weiterentwickelt werden. Man wollte nicht riskieren, dass man bei wechselnden geologischen Formationen mit einem Fuhrpark an nicht verwendbaren Maschinen dastand. Aber selbst, wenn man einen Meter pro Stunde bohren würde, bräuchte man ca.: fünf Jahre für die Bohrungen, wenn es keine Komplikationen oder Probleme gäbe.

Realistisch gesehen also etwa sieben bis acht Jahre.

Wir mussten schneller werden. Es wurde ein Verfahren erprobt, in welchem elektrische Hochspannungsimpulse mit Schallwellen, Laser, kleineren Sprengungen und Hochdruck-Wasserstrahlen zum Einsatz kamen. Zunächst erreichte man damit 2 Meter pro Stunde. Die Analyse der gewonnenen Daten zeigte, dass der entscheidende Punkt der Temperaturunterschied war. Beim Versuch als Erstes die Mikrosprengungen, dann die Schallwellen gefolgt von den Hochspannungsimpulsen und dem Laser, wiederum gefolgt von einem kalten Wasserstrahl kam man bereits auf 5 Meter pro Stunde. Damit konnten wir es in nur 2 Jahren schaffen. Jetzt brauchten wir nur noch etliche Maschinen, die elektrische Hochspannungsimpulse aussenden, starke Schallwellen erzeugen, Laserstrahlen abschießen, kleineren Sprengungen durchführen und Hochdruck-Wasserstrahlen konnten. Die Ingenieure hatten jetzt eine echte Aufgabe.

Schon am 12.12.2050 begannen die endgültigen Bohrungen. Ein Zentralloch und darum ein Ring aus Löchern. Der Ring hatte einen Durchmesser von etwa zweihundert Metern. Es würde ein gewaltiges Loch werden, welches man niemals wieder verschleißen konnte. Es sei denn, das Magma täte es selbst.

Zu dieser Zeit kümmerte ich mich relativ wenig um den Yellowstone.

Das offizielle Verhältnis zu Sole war immer noch, dass sie meine Großnichte sei. Ihre Mutter wäre nach langer Krankheit verstorben und ich sei ihr einziger Verwandter. Ich suchte nach Kontakten für sie. Sie sollte eigentlich mit anderen Kindern spielen und toben. Aber diese Kinder waren nicht zu finden. Sie tat mir so leid. Obwohl sie sich nie beklagte, wusste ich, dass ihr etwas fehlte. Manchmal sah ich, wie sie einfach da saß und weinte. Manchmal ließ sie sich von mir in den Arm nehmen, lehnte ihren Kopf an mich und beruhigte sich. Sobald ich anfing, Fragen zu stellen, lief sie in ihr Zimmer. Sie brauchte sich nicht einschliefen, es war wie ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn sie in ihrem Zimmer war, konnte ich anklopfen und kam darauf kein „Ja“ oder „komm rein“ war es für mich tabu. Wir haben das nie so besprochen und doch war es für mich wie ein Gesetz.

Es tat mir so weh, wenn ich sie leiden sah. Vielleicht fehlte ihr auch eine Mutter, ich wusste es nicht. Die Situation war auch so schon kompliziert genug. Wie sollte ich da noch eine Frau reinziehen? Nicht das ich etwas gegen Frauen hätte, aber Frauen entscheiden oft nach Herz und Bauchgefühl und das könnte Sole gefährden. Außerdem war ich schon so lang alleine und gewohnt, dass ich alle wichtigen Entscheidungen treffe. Ich hatte Angst, dass eine Frau im Hause mich überfordern könnte. Selbst wenn das alles kein Problem wäre, wo findet Mann im Alter von 84 Jahren noch eine passende Frau?

Am Yellowstone -Vulkan wurde hart gearbeitet. Die Wahl der Teams hatte sich als Gold-richtig erwiesen. Es gab Erfolge und Rückschläge. So traf man in einer Tiefe von dreizehn Kilometern auf eine Erdformation, die unbekannt war. Sie verhielt sich fast wie Gummi, man konnte sie weder sprengen noch bohren. Innerhalb von drei Wochen lösten die Ingenieure das Problem. Die Idee hätte von mir sein können. Sie froren diese Masse einfach mit flüssigem Stickstoff ein und konnten dann wie gewohnt weiterbohren.

Am 26. Juli 2053war es so weit.

Die letzte Sprengung stand an. Der Vulkan hatte bereits ein Art Beule bekommen, die darauf schließen ließ, dass die Berechnungen der Geologen nicht wirklich stimmten und der Ausbruch nur noch eine Frage von Wochen oder Monaten war. Alle Menschen im Umkreis von hundert Kilometern waren evakuiert. Ebenfalls alle Menschen, die in einem möglichem Durchflussgebiet des Magmas lebten.

Schon Monate vorher wurden Tiere durch Fluchtschreie über Lautsprecher und künstliche Mikro-Erdbeben vertrieben. Es wurden riesige Schneisen im Wald angelegt, um ein übergreifen von Flammen zu verhindern. Alle Arbeiter waren evakuiert. Die Zündungen werden ferngesteuert ausgeführt. Es gibt jeweils zehn identische Zündkreise, falls mehrere versagen. Zusätzlich wurde eine zeitgesteuerte Notzündung installiert.

Ein Hubschrauber mit einem Himmelfahrtskommando stand bereit, um die Sprengungen notfalls manuell zu zünden, diese Männer und Frauen hätten keine Überlebenschance. Etliche Drohnen waren über dem Spreng-Gebiet in der Luft. Sie waren in verschiedenen Höhen postiert, um zu gewährleisten, dass wenigstens einige die Sprengung und den darauffolgenden Ausbruch des Magmas überstanden. Alles wurde weltweit live übertragen. Um 16:30 Uhr MEZ war es so weit. Es gab einen lauten Knall und eine mächtige Staubwolke, mehr war nicht zu sehen. 20 Minuten später hatte der Wind den Staub verweht und man sah: einen riesigen Krater im Boden. Von Magma keine Spur. Nach einer halben Stunde, in welcher sich nichts änderte, wurde die Liveübertragung beendet. War das Projekt gescheitert? Wir hatten keine Zeit mehr für einen zweiten Versuch.

Es gab zwar noch die Option, das Loch mit Atomraketen aufzusprengen, und ein, nennen wir es mal Notausgang am Übergang von der Magmakammer zum Vulkan. Dies war aber die absolut letzte Option und keiner wusste, obwohl diese Raketen speziell für diesen Zweck entwickelt wurden, ob sie ihre Kraft bis in eine Tiefe von fünfundvierzig Kilometern abgeben konnten. Wenn das Magma am Übergang zum Vulkan ausströmte, wäre nicht sicher in welche Richtung es floss und wie lange diese Öffnung erhalten blieb. Dazu gab es einfach keine Erfahrungen. Eins war sicher.

Die Atomraketen würden dafür sorgen, dass ein riesiges Gebiet für Jahrhunderte unbewohnbar wäre. Es würde auch Gebiete treffen, die nicht evakuiert sind. Während die Livesendung unterbrochen war, gaben Geologen und Geo-Physiker Vermutungen und Prognosen ab. Einer sagte: Es ist möglich, dass durch die Sprengung eine nicht unerhebliche Menge Gestein und anderes Material, ein Stück in die Magmakammer gedrückt wurden und somit das Magma an dieser Stelle abgekühlt haben. Dadurch wäre es nur in diesem Bereich sehr zähflüssig. Es würde also wie ein Kaugummi vor dem künstlichen Ausgang kleben. Sobald dieser Teil vom restlichen Magma ausreichend erwärmt sei, würde dieses den künstlichen Ausgang freiräumen.

Niemals wird jemand erfahren, ob dem so war oder was da unten tatsächlich passiert ist. Fakt ist: Nach einer weiteren halben Stunde wurde wieder auf Livebild geschaltet. Man sah den Krater unverändert. Doch wenn man genau hinsah, waren kleine Veränderungen zu erkennen. Es rieselten Steine am Kraterrand, der Kraterboden hatte eine Art Schluckauf. Er hob sich kurz und senkte sich wieder. Kaum wahrnehmbar verringerte sich der Abstand vom Kraterboden zum Kraterrand. Nach 15 Minuten erhob sich in der Mitte des Kraterbodens ein Kegel. Weiter, 3 Minuten später war aus dem Krater eine Beule geworden.

Nach wenigen Minuten platzt die Beule auf und das erste Magma tritt aus. Zehn Minuten später fließt schon ein mehrere Meter breiter Strom Magma zu Tal. Gegen 18:30 Uhr MEZ beginnen fast alle Menschen auf der Welt eine riesige Feier. Die Liveübertragung läuft den ganzen Abend und die ganze Nacht. 22 Uhr hat sich das Austrittsloch bereits auf achtzig Meter verbreitert. 24 Uhr sind es satte zweihundertdreißig Meter Durchmesser.

Es war vollbracht.

Durch den Druckverlust im Inneren des Vulkans wird sich dieser stark verändern, es wird Absenkungen und Bodeneinbrüche geben. Der Yellowstone Park wird für Jahre oder Jahrzehnte ein gefährliches Terrain.

Kapitel 4

Dadurch, dass sich am Rande des künstlichen Abflusses immer mehr erkaltetes Magma ablagert, wird dieser immer kleiner. Irgendwann wird er sich schließen und uns lange Zeit darauf, vor das gleiche Problem stellen. Das wird aber sicher noch einige hundert, eher tausend Jahre dauern.

Ich bat Sole zu einem Gespräch, vermutlich war das ein Fehler, denn sie fragte gleich: Habe ich etwas falsch gemacht? Ich lachte und sagte: Nein, du hast nichts falsch gemacht. Es war bei uns nicht üblich, zu einem Gespräch einzuladen, man plapperte einfach drauflos. Mein Lachen schien sie zu entspannen. Ich möchte heute über etwas reden, was dich bedrückt.

Ich weiß, du möchtest nicht darüber reden. Deshalb verdrückst du dich schon in dein Zimmer, wenn ich nur daran denke dich zu fragen. Ich will dich aber auch nicht so sehr unter Druck setzen. Du musst mir auch heute keine Antworten geben, aber hör dir bitte an, was mich bewegt. Manchmal sehe ich dich weinen und merke, dass du leidest. Ich würde gern etwas dagegen tun. Ich kann mir denken, dass du unglücklich bist, weil du keine Freunde zum Spielen hast und auch keine Mutter. Aber vielleicht irre ich mich und der Grund ist ein ganz anderer. Es wäre wichtig für mich, zu wissen, was dich traurig macht. Denk einfach mal darüber nach und sage es mir, wenn du bereit dazu bist. Ich werde dich bis dahin nicht mehr auf das Thema ansprechen. Versprochen.

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pete519

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FLEURdelaCOEUR Extrem wichtiges und interessantes Thema, ich habe es sehr gern gelesen. Allerdings nicht alles, da 200 S. online für mich nicht machbar sind. Deshalb darf ich dir auch keinen Favo geben. Auch dein Schreibstil gefällt mir, nur fällt die Kommasetzung gelegentlich aus dem Rahmen. Mein Tipp wäre, das Werk in mehrere Einzelteile zu gliedern.
LG fleur
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pete519 Hallo fleur,
danke für dein Feedback. Ich habe deine Rat angenommen und das Buch in 9 Kapitel unterteilt. Ein paar fehlende Kommas habe ich auch noch entdeckt. Da es mein erstes Buch ist, bin ich sehr an Kritik interessiert, um eventuelle Fehler und Schwächen abzustellen.
Ich kann dir das Buch gerne als E-Book oder Taschenbuch zukommen lassen. Vieleicht hast du ja auch ein paar Tipps für die Buch-Beschreibung und das Genre. Es ist mir nicht so wichtig Geld mit dem Buch zu verdienen, aber es sollte zumindest die Kosten wieder einspielen. Das schlimmste für mich wäre, ein Buch geschrieben zu haben, das fast keiner liest.
Gruss Peter
Gestern - Antworten
FLEURdelaCOEUR Hallo Peter,
fehlende Kommas habe ich nicht bemerkt, eher das eine oder andere zu viel ...
Gut, dass du du es in Kapitel unterteilt hast, ich habe sie hier allerdings nicht gesehen. Ansonsten kann ich dir mit deinem Buch nicht weiterhelfen, ich habe noch nie ein "richtiges" Buch geschrieben und mein Genre ist eher die Lyrik. Aber jetzt bin ich zu alt, da kommt nix mehr. Hier ist zur Zeit ohnehin Flaute, leider!
LG fleur
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