Kurzgeschichte
Der größte Fehler meines Lebens - Schreibparty 98

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"Der größte Fehler meines Lebens - Schreibparty 98"
Veröffentlicht am 26. Mai 2022, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Was mich inspiriert: Ich lasse mich am meisten von Filmen oder Videospielen inspirieren. Dort findet man so viele kreative Ansätze, die meine Fantasy ins kochen bringen können. Die Art, wie ein Film eine Geschichte erzählt, bringt mich auch des öfteren zu Erkenntnissen, was zu einer guten Geschichte wirklich dazu gehört. Auch bei Videospielen erfahre ich immer wieder, wie sehr ein Mensch in dieser Welt gefangen sein kann. Deshalb finde ich ...
Der größte Fehler meines Lebens - Schreibparty 98

Der größte Fehler meines Lebens - Schreibparty 98

Der größte fehler meines lebens

Es sind nun 8 Jahre vergangen, seit damals. Reden kann ich nicht darüber und obwohl meine Familie weiß, was ich getan habe, haben wir uns nie wirklich diesbezüglich ausgesprochen. Ich bringe es nicht über meine Lippen. Doch heute möchte ich zum ersten Mal darüber berichten. Anonym, als Kurzgeschichte. Es ist so viel passiert, doch ich erzähle euch nur das prägnanteste Ereignis. Vorab: Meine Familie kommt aus dem Libanon aus der Stadt Tripoli, aber ich bin in Deutschland geboren. Als Kind bin ich in einer Familie aufgewachsen, in der

viel Hass gegenüber dem Assad Regiment aus Syrien geschürt wurde. Wir gehörten zur Opposition, obwohl die meisten Libanesen Pro-Assad waren. In Deutschland lebend, ahnte meine Familie nicht, was ich als Kind alles so mitbekommen habe. Nach und nach übernahm ich den Hass auf Assad und ich war davon voll überzeugt. Ich hatte mir vorgenommen, die Welt zu verändern, den Übel des Hasses zu beseitigen. Ich wollte ein guter Mensch sein. Da kam mir mein Imam - er ist bekannt und heißt Sven - mir(leider) genau recht, als er mir anbot, Hilfsgüter nach Syrien zu transportieren. Das war der Beginn, als ich mich der Terrororganisation der

Jamwa anschloss. Im Terrorcamp lernten wir gerade einige theoretische Strategien für die Verteidigung, z.B., wie man sich bei Mörserbeschuss verhält und und und. Dann, durch meinen Vermittler, der mich nach Syrien geschickt hat, hatte es meine Mutter irgendwie geschafft mich telefonisch zu erreichen. Sie wusste von nichts. Ich habe niemanden etwas von meiner Reise nach Syrien erzählt. Als ich mit meiner Mutter telefonierte, bat ich sie, das Telefon meinem Bruder zu geben. Ich konnte ihr meine Situation nicht erklären, ich wusste nicht, wie ich es ihr erklären sollte. Also erklärte ich

meinen Bruder alles. Dann teilte er mir mit, dass meine Mutter Krebs habe und bald sterben würde. Das war ein Schock. Ich machte ihm klar, dass ich nicht zurück kann, weil man mich sofort hinrichten würde, wenn ich nach Hause wollen würde. Ich kannte den Standort des Terrorcamps und bin erst kurz dort gewesen, die würden mich sofort als Spion bezichtigen. Ich sagte ihm, er solle meiner Mutter meine Situation erklären, und merkte dann... dass der Lautsprecher an war und meine Mutter laut weinte. Sie rief auf Arabisch, ich solle keine Dummheiten machen und sofort nach Hause kommen. Ich rief zurück, die Sache sei größer als du, und legte auf.

Daraufhin wurde ich wie stumm, mir schien, als sei meine Lage aussichtslos und ich hätte alles in meinem Leben falsch gemacht, dabei wollte ich nur etwas Gutes tun. Ich versteckte mich, um eine Zigarette zu rauchen und weinte. Rauchen war verboten und ich wollte nicht, dass jemand sieht, dass ich weine. Mir wurde langsam bewusst, in welche Situation ich geraten bin. Es kam langsam die Einsicht und mir wurde klar, dass mir meine kranke Mutter wichtiger war als der Kampf gegen Assad. Aufgrund dessen machte ich mir nur noch Gedanken darüber, wie ich so schnell wie möglich lebend nach Hause kommen kann. Dieses Ereignis hat mein

Leben in eine entscheidende Richtung gelenkt, um später nicht als Terrorattentäter zu enden.

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Über den Autor

Ombladje
Was mich inspiriert:
Ich lasse mich am meisten von Filmen oder Videospielen inspirieren. Dort findet man so viele kreative Ansätze, die meine Fantasy ins kochen bringen können. Die Art, wie ein Film eine Geschichte erzählt, bringt mich auch des öfteren zu Erkenntnissen, was zu einer guten Geschichte wirklich dazu gehört. Auch bei Videospielen erfahre ich immer wieder, wie sehr ein Mensch in dieser Welt gefangen sein kann. Deshalb finde ich diese beiden Komponente sehr inspirierend.

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Enya2853 Jetzt, nachdem die Schreibparty zu Ende ist, möchte ich meinem Kommentar noch etwas hinzufügen.
Deine Geschichte hat mich beeindruckt.
In den Medien hört man ja öfter, wie junge Menschen von Terrororganisationen rekrutiert werden.
Du hast das sehr gut aufgegriffen und beschrieben.
Vor allem auch die Sprachlosigkeit, die deinen Protagonisten beherrscht. Verständlich, denn es muss sehr schwer sein, mit einem solchen Erleben klarzukommen.
Ein klein wenig hadere ich (und hier kritisiere ich eigentlich auf hohem Niveau und es ist meine persönliche Meinung) mit dem doch recht knappen Ende, dem Entschluss, sich diesem Camp zu entziehen.
Du schreibst, "langsam wurde mit bewusst" und "langsam kam die Einsicht". Hier hätte ich mir ein genaueres Beschreiben des inneren Kampfes, der Änderung der Gefühle gewünschtr, quasi eine innere Auseinandersetzung, denn solch einen Entschluss fasst man ja nicht leicht.

Ansonsten eine tolle Geschichte.
Liebe Grüße
Enya
Vor ein paar Monaten - Antworten
welpenweste Sehr eindrucksvoll.
Günter
Vor ein paar Monaten - Antworten
PuckPucks Ein heißes Eisen hast du da angepackt, lieber Ombladje. Du hast es geschafft, dass ich jetzt gerne wissen möchte, wie es dein Protagonist geschafft hat, einen anderen Weg einzuschlagen und aus dem Camp zu entkommen. Wie schön, dass er sich berühren ließ.
Viele Grüße
Judith
Vor ein paar Monaten - Antworten
welpenweste Sehr berührend. Wenn noch ein wenig an der Rechtschreibung gefeilt wird, dann sind dies mahnende Worte.
Herzlich Günter
Vor ein paar Monaten - Antworten
Enya2853 Meine Güte, wie gut, dass du noch rechtzeitig zur Einsicht kamst. Das hätte dein Leben kosten können.
Ich verstehe aber auch deine Motive für das, was du getan hast. Gerade als Kind und junger Mensch wird man ja geprägt und dein Wille, gegen Assad zu kämpfen, hat sich durch dein Umfeld und deine Erziehung manifestiert.

Danke, dass du bei der Schreibparty mitmachst.
Da ich in der Jury bin, werde ich mich nach dem Battle noch mal melden.
Liebe Grüße
Enya
Vor ein paar Monaten - Antworten
Ombladje Ich hätte es vielleicht besser im Buch vermerken sollen. Die Geschichte ist erfunden.
Vor ein paar Monaten - Antworten
Enya2853 Oh dann sind das die Erinnerungen eines imaginären Protagonisten. Dann sage ich mal so: Gut, dass dein Ich-Erzähler da rausgekommen ist.
LG
Enya
Vor ein paar Monaten - Antworten
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