Humor & Satire
Befehl ist Befehl

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"SP 97 - Missverständnisse"
Veröffentlicht am 20. März 2022, 14 Seiten
Kategorie Humor & Satire
© Umschlag Bildmaterial: Pixabay
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SP 97 - Missverständnisse

Befehl ist Befehl




SP 97 - "Missverständnisse"

Vorgabe:

Fußpilz, Garten, Brille, Bratklops, Hausputz, Haubentaucher



Befehl ist Befehl Eines Morgens lag sie neben ihm, als wäre sie vom Himmel gefallen. Sie sah ihn, sprang auf und schrie aus Leibeskräften. Er kratzte sich verwundert den Kopf, denn bis dato war er das einzige aufrecht gehende Lebewesen gewesen. Er stellte eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen ihr und ihm fest, aber es gab auch Abweichungen von der Norm. Während seine Brust hart war und flach, verunzierten zwei komische Kugeln ihren Oberkörper. Ihre Sitzfläche wirkte weich und definitiv zu rund. So,

als habe sie eine Gewebeschwäche. Er musterte sie noch einmal kritisch und schüttelte ungläubig den Kopf. Dort, wo bei ihm die getrunkene Flüssigkeit durch eine Art Rohr wieder austrat hatte sie – -- nichts. Bei genauerem Hinsehen allerdings bemerkte er unten eine Vertiefung. Vielleicht war das eine Art Ablaufrinne. Eins war klar, ihr Entwickler musste einen rabenschwarzen Tag gehabt haben. Sie hatte aufgehört zu schreien und fixierte ihn interessiert. „Du bist ziemlich hässlich“, stellte sie fest. „Egal, du bist der einzige Zweibeiner hier, glaube ich. Du kannst mich Eva

nennen.“ Ein paar Tage waren vergangen. Er hatte sich damit abgefunden, dass diese andersartige Eva ihm nun ständig Gesellschaft leistete. Doch noch immer konnte er sich mit ihrem seltsamen Gehabe nicht abfinden. Statt endlich einmal einen ordentlichen HAUSPUTZ zu machen saß sie stundenlang am Teich, der sich in der Nähe der Behausung befand, starre auf die ruhige Wasserfläche und ordnete ihr Haar. Dabei schnitt sie Grimassen, war aber wenigstens ruhig. Manchmal steckte sie sich Blüten ins Haar und erinnerte ihn auf fatale Weise an einen zotteligen

HAUBENTAUCHER. Dann wieder spitzte sie den Mund und färbte sich die Lippen mithilfe einer Pflanze rot. Besonders störte ihn, dass Eva ständig redete und ihm immerzu erklärte, was er zu tun und zu lassen hatte. Regierte er nicht, so erhob sie die Stimme und die Lautstärke ihres Geschreis wurde unerträglich. Ließ er dies über sich ergehen, ohne sich um ihre Reglementierungen zu kümmern, lief ihr eine Flüssigkeit aus den Augen und aus ihrem Mund kam ein Nerv tötendes Gejammer. Heute versuchte sie ihm einzureden, dass

er sich gefälligst zum Wasserlassen auf die ToilettenBRILLE setzten solle, was er kategorisch ablehnte. Wieder schrie sie los und wurde immer lauter. „Verflixt noch mal, jetzt ist aber Ruhe hier“, ertönte plötzlich eine ebenso laute Stimme. Eva schwieg verdutzt, angenehme Stille breitete sich aus. Der unsichtbare Sprecher fuhr deutlich leiser fort. „Jetzt seid ihr zu zweit im GARTEN Eden, das ist gut. Hört zu: Erstens dürft ihr nicht vom Baum der Erkenntnis essen, das ist verboten, und zweitens seid fruchtbar und mehret euch.“ Anschließend war Stille. Die Angesprochenen schauten sich ratlos um,

doch es war weiterhin niemand zu sehen. „Was soll das jetzt? Wie geht das: Mehren? “, fragte Eva. Er zuckte hilflos mit den Schultern. „Das sind ja Informationen. Wer soll damit etwas anfangen?“ Die Schlange lag auf einem Ast und schaute die beiden aus großen, glänzenden Augen an. „Ich gebe euch einen Tipp: Es ist ganz einfach. Das Runde muss ins Eckige – Stopp, das ist eine andere Geschichte. Sie kommt erst viel später. Also, Freunde, das Längliche unten muss ins Schmale, auch unten rum.“ Er schaute an sich herunter. Das Längliche? Das Schmale? Unten? Ob sein kleines Rohr in ihre Ablaufrinne sollte?

Diese Variante erschien ihm nicht machbar, denn ihre Rinne war ziemlich klein, fast unsichtbar und sein Rohr extrem biegsam. „Sollen wir das ausprobieren?“, fragte er trotzdem vorsichtig." „Hier wird gar nichts ausprobiert. Wage es und du wirst es dein Leben lang bereuen, du FUßPILZverseuchter BRATKLOPS!“, schrie Eva mit voller Lautstärke und schaute ihn alarmiert an. Die Schlange, die vor Schreck vom Baum gefallen war, versuchte sich in praktischer Aufklärung: „Kinder, schaut doch mal auf eure körperlichen Unterschiede. Ihr müsst euch eurer Körperlichkeit bewusst werden und dann

Gefühle für einander entwickeln. Dann kriegt dein Rohr eine gewisse Festigkeit“, sie nickte ihm zu und fuhr in Richtung Eva fort: „Und deine Rinne erweitert sich. Das geht quasi alles von allein.“ In der Folgezeit mühten sich Eva und ihr Begleiter redlich ab, doch es gelang einfach nicht fruchtbar zu sein und sich zu vermehren. Beide fürchteten, dass der Unsichtbare sie kurz über lang wegen Befehlsverweigerung schwer bestrafen würde. In ihrer Not wandten sie sich an die verständnisvolle Schlange, die sie nach einigem Überlegen zum verbotenen Baum brachte. „Seht ihr die leckeren Äpfel? Ihr müsst einfach einen pflücken

und kräftig reinbeißen.“ Er trat einen Schritt zurück: „Das hat der Unsichtbare uns explizit verboten!“ „Blödsinn, der hat so viel zu tun, das merkt er gar nicht. Glaubt mir, ihr werdet euch hinterher herrlich erotisch fühlen.“ „Und wenn er doch was merkt?“, mischte Eva sich ein. „Seid doch nicht dumm. Wie sollt ihr euch mehren, wenn das Längliche nicht ...“ Dieses Argument leuchtete den beiden ein, sie griffen gleichzeitig nach einem Apfel, wobei Eva einen Touch schneller war. Lächelnd biss sie ein Stück ab und reichte ihm den Apfel. Anschließend

setzten sich beide unter den Baum und warteten auf die Erkenntnis. Plötzlich sprang Eva auf. „Wir haben ja nichts an!“, schrie sie in altbekannter Manier, riss einen dicht belaubten Zweig ab und versuchte sich damit zu bedecken, was nur unzulänglich gelang. „Stimmt“, stellte er fest und schaute Eva mit großen Augen an. Diese wunderbaren kugeligen Dinger, die ihren Brustkorb zierten gefielen ihm plötzlich richtig gut. Auch der Hüftschwung und das runde Hinterteil fand er sehr anziehend. Selbst ihre Stimme empfand er als einfach prächtig. Er begann zu schwitzen und schielte an sich herab, wo sich einiges tat. Auch Eva schaute ihn wohlwollend

an. Er gefiel ihr. Komisch, dass ihr nicht schon vorher aufgefallen war, wie toll er aussah. Sie begann zu schwitzen und schielte ihrerseits an sich herab, konnte aber nicht genau sehen woher das wohlige Gefühl zwischen ihren Schenkeln kam. Aber das kümmerte sie nicht. Sie warf den schützenden Ast ins Unterholz. „Ich glaube wir sollten jetzt probieren, ob das Längliche ...“, murmelte er, bevor Eva ihn ins Gras warf und sich auf ihn setzte. Das Letzte was er hörte, bevor er alles um sich herum vergaß war ein leises Lachen. „Geht doch“, murmelte die Schlange gut gelaunt.

©Dilettant


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derdilettant

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Loraine Köstlich - was für eine tolle Geschichte!
Feine Idee mega umgesetzt.
Danke für das Lächeln direkt vom Inneren - tut gerade gut
LG Loraine
Vor ein paar Monaten - Antworten
derdilettant Danke dir, Loraine.
LG
Alan
Vor ein paar Monaten - Antworten
Loraine Wohlverdient!!!!
Vor ein paar Monaten - Antworten
Enya2853 Lach, herrlich, was für eine Story. Daumen hoch, lieber Alan.
Gruß am Morgen.
Enya
Vor ein paar Monaten - Antworten
derdilettant Danke dir, Enya
LG
Alan
Vor ein paar Monaten - Antworten
Lagadere 

Ablaufrinne.........grins
Astrein!

:-)
LG Uli

Vor ein paar Monaten - Antworten
derdilettant Heißt das nicht so? ;o)
Danke dir.
LG
Alan
Vor ein paar Monaten - Antworten
HarryAltona Wenn der Chef schon mal die Anweisung gibt...
lg... harryaltona
Vor ein paar Monaten - Antworten
derdilettant Eben, da kann man nix machen --- hat ja noch geklappt.
Danke dir
LG
Alan
Vor ein paar Monaten - Antworten
Bleistift 
"Befehl ist Befehl..."
Ich-habe-mich-köstlich-amüsiert und ich hätte vielleicht doch mal
den einen oder anderen Apfel mehr essen sollen... ...grinst*
LG
Louis :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
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