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Schreiben, um zu sterben - 7. Kapitel

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"Schreiben, um zu sterben - 7. Kapitel"
Veröffentlicht am 06. Februar 2022, 30 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Schreiben, um zu sterben - 7. Kapitel

Schreiben, um zu sterben - 7. Kapitel

Kapitel 7: Martin

Von der Liebe zu Dir erzĂ€hle ich ausgesprochen gerne. Denn sie ist die Liebe, die mein Herz berĂŒhrt hat. So sehr, dass ich nicht mehr ohne dich leben mag. Lass mich erzĂ€hlen und dabei ganz nah bei dir sein 



..

Martin

„Wir sind ein Volk!“ Nachdem Hunderttausende DDR-BĂŒrger hartnĂ€ckig und friedlich in Leipzig, Dresden,

Schwerin und vielen anderen ostdeutschen StÀdten demonstriert hatten, war die Mauer tatsÀchlich offen! Zentrum dieser unglaublichen Ereignisse war Berlin; meine Geburtsstadt.

Neun Jahre hatte mein Schulweg an der Westseite der Mauer entlang gefĂŒhrt; vorbei an Graffitis, Brennnesseln und Hundekacke. Auf der Ostseite dagegen, hinter einer vier Meter hohen Betonwand, gab es einen siebzig Meter breiten Streifen feinst geharkter Erde, Grenzbeamte mit SchĂ€ferhunden, Bewegungslosigkeit: Den Todesstreifen!

Und nun sollte das alles vorbei sein?

Als Berliner Pflanze wollte, musste ich in der Silvesternacht unbedingt zum Brandenburger Tor! Ich wollte das Tor berĂŒhren, es anfassen. Das, was ich bisher nur ĂŒber eine dicke Betonwand hinweg sehen konnte. Ich hĂ€tte platzen können vor ĂŒberquellender Freude.

Am 29. Dezember fuhr ich mit dem Zug von Bremen nach Berlin; zu Freunden von mir: Gabi und Jan.Schon die Zugfahrt durch die Transitstrecke war ein herrlich schrĂ€ges Ost-West-Erlebnis. Die Stadt selbst war außer Rand und Band.Völlig fremde Menschen lagen sich in den Armen.

Am Silvesterabend stand ich schließlich mit Gabi und Jan vor dem Brandenburger Tor; zusammen mit zigtausend Anderen. Was war das fĂŒr eine irre Stimmung!Noch stand sie da, die Mauer in ihrer massigen Bedrohlichkeit. Doch die`Mauerspechte` hĂ€mmerten und klopften sich eifrig ihre ErinnerungsstĂŒcke heraus. Unweit des Brandenburger Tores, gab es einen neuen GrenzĂŒbergang.Die DDR-Grenzer dort schafften es lĂ€ngst nicht mehr, jeden DDR-Ausweis zu prĂŒfen. Wer irgendein Dokument in die Luft hielt, wurde durchgewunken.

Zusammen mit Gabi, Jan und vielen

Anderen schob, presste und quetschte ich mich auf das Tor zu. Immer riesiger und gewaltiger ragte es vor mir auf. Ich war nur noch Auge.

Da zerrte etwas an meinem Fuß. Ich rĂŒttelte, zog, doch ich kam nicht los! Hektisch versuchte ich, freizukommen, wĂ€hrend die Massen von hinten ungerĂŒhrt weiter schoben. Gleich musste ich das Gleichgewicht verlieren. Doch ich bekam nicht etwa Panik; ich bekam: Wut! Ich wollte weiter zum Brandenburger Tor, verdammt noch mal! Ich wollte mich jetzt nicht um einen blöden Schuh kĂŒmmern!!! Ärgerlich zerrte ich erneut. Und bekam den Schuh

endlich frei.

Gewaltig ragte das Brandenburger Tor vor mir auf. Dann war einer der Torbögen direkt ĂŒber mir. Da, die Steinreliefs mit Herkules. Es war unglaublich: Ich war tatsĂ€chlich unter dem Brandenburger Tor!!! In meinem Kopf war völlige Stille, in meinem Bauch Ehrfurcht.

Knacks! Mit einer ohrenbetĂ€ubenden LautstĂ€rke wurde ich wieder auf Sendung geschaltet: Menschen jubelten, warfen Knaller, hielten Sektflaschen hoch, schossen Raketen, es war ein unglaublicher LĂ€rm. Gabi brĂŒllte mir zu,

dass wir uns an den Rand des Pariser Platzes stellen sollen. Wir drÀngten uns aus der Menge. Hier war es tatsÀchlich etwas ruhiger. Und wir hatten einen sagenhaften Blick auf das Brandenburger Tor! Die Quadriga lenkte mit einer Deutschlandfahne in der Hand ihren Wagen durch die Menschenmassen. Wir öffneten den RotkÀppchen-Sekt und tranken aus der Flasche.

Neben dem Tor stand eine Videoleinwand, an der unzĂ€hlige menschliche Ameisen hochkletterten. Was mussten die fĂŒr einen großartigen Blick haben! Einige sprangen sogar von dort auf das Brandenburger Tor. Das

wollte ich auch versuchen. Ich ĂŒberlegte, von wo ich am besten den Aufstieg beginnen sollte. Als sich mit einem Mal,... kaum wahrnehmbar ... das GerĂŒst zu neigen begann. ... Es kippte! ... Immer schneller! 
 Schreie drangen zu uns. Dann war das GerĂŒst verschwunden! Zusammen mit unzĂ€hligen Menschen. Fassungslos starrte ich auf die leere Stelle, wo es eben noch stand. Es war umgestĂŒrzt! Mit den ganzen Menschen darauf! Und ich wĂ€re auch beinahe dabei gewesen!

Plötzlich teilte sich vor uns die Menschenmenge und zwei MÀnner schleppten einen im Gesicht blutenden

Mann herbei. Er stöhnte. Sie legten den Mann vor uns auf den Straßenboden, drehten sie sich um und rannten wieder weg; vermutlich um weitere Verletzte zu holen. Der Typ war etwas 20 Jahre, trug Jeans, eine helle Jacke, hektisch hob und senkte sich seine Brust, aus einem Auge floss Blut. Ich kniete mich neben ihn und legte meine Hand auf seine Brust. „Ooh!“ stöhnte er. „Die verfluchten Linsen; die mĂŒssen raus. Die tun scheiße weh. Los, hilf mir mal, mein Arm ist hin!“ Eine tiefe Stimme neben mir sagte: „Gar nichts mĂŒssen die Dinger.“ Ich blickte zur Seite: Der Mann, dem die Stimme gehörte, zog seine Jacke aus und deckte den Verletzten damit zu.

„Ruhig!“, sagte er, „gleich kommen die Sanis!“

Und tatsĂ€chlich: Plötzlich wie aus dem Nichts kam da ein Rettungswagen! Wie haben die uns hier gefunden? Zum zweiten Mal an diesem Abend war alles wie in einem Stummfilm. Ein Stummfilm, der in Zeitlupe lief. Zwei SanitĂ€ter stiegen aus, ... hoben den Verletzten auf eine Trage, ... schoben ihn in den Krankenwagen, ... der unbekannte Helfer bekam eine blutbefleckte Jacke wieder, ... er bewegte die Lippen, ... die SanitĂ€ter nickten, 
 stiegen ein 
 und der Krankenwagen quĂ€lte sich zentimeterweise durch die Massen. Mit

einem Mal schalteten sich Echtzeit und LautstĂ€rke wieder dazu: Mit einem knirschenden GerĂ€usch, dass Autoreifen machen, die langsam ĂŒber Glasscherben rollen.

Ich blickte dem Krankenwagen entgeistert nach, sah auf meine blutigen HĂ€nde und guckte zur Seite: Ein bĂ€riger Mann grinste mich an, hob seine großen HĂ€nde hoch und fragte: „Können wir uns hier irgendwo waschen?“

So haben ich Martin kennengelernt. Am Silvesterabend. In Berlin. Am Brandenburger Tor.

Wir gingen ins Stresemann-CafĂ© am Anhalter Bahnhof. Gabi und Jan suchten einen Platz, wĂ€hrend Martin und ich uns die HĂ€nde wuschen. Wieder am Tisch musterte ich ihn verstohlen: Nett sah der aus. Wie ein BĂ€r mit blauen Augen. Es wurde noch ein wundervoller Abend. Quatschend und lachend begrĂŒĂŸten wir 1990: Martin und ich, Gabi und Jan.

Martin war ĂŒber Sylvester bei seinem Bruder in Zehlendorf untergekommen. Er war ein `Fischkopp` und kam ebenfalls aus Bremen. Wieso waren wir uns vorher nie begegnet? Den Mauerfall wollte er mit eigenen Augen sehen. Drei Tage war er schon hier. Morgen musste er wieder

zurĂŒck. Wir beschlossen, dass er mich mit seinem Auto mitnimmt. Ich war vollgepumpt mit Serotonin, Endorphin und all ihren sympathischen Kollegen. Was hier gerade passierte, in dieser Stadt, mit diesem BĂ€ren und mit mir, war einfach nur magisch.

Martin holte mich mit seinem Saab ab. Als ich mich neben ihn setzte, war ich ĂŒberzeugt: Das war kein Auto! Das war ein Flugzeug! Überall leuchtete und blinkte es! Flug 7901 nach Bremen. Tower bitte kommen! Klar zum Starten? Das war keine der alten Schrabbelkisten, die ich gewöhnt war. Der KapitĂ€n lĂ€chelte mich an, legte seine großen

HĂ€nde auf`s Lenkrad ... und wurde eins mit seinem FliewatĂŒĂŒt! Eine geheimnisvolle Kraft schien in seine Arme zu fließen. Seine Schultern entspannten sich, er atmete tief und gleichmĂ€ĂŸig. So etwas hatte ich noch nie gesehen! Die ganze Strecke saß ich gemĂŒtlich auf dem Beifahrersitz und lĂ€chelte Martin an. Und Martin lĂ€chelte mich an. Und im Radio sang Phil Collins „Another Day In Paradise“.

WĂ€hrend wir uns anlĂ€chelten, erzĂ€hlten wir aus unserem Leben. Martin liebte Stahl, hatte „Schlosser“ gelernt, sich hochgearbeitet, eine Zusatzausbildung gemacht und war jetzt Abteilungsleiter in

einem Großhandel fĂŒr Metalle. Wenn er nicht gerade Stahl verkaufte, baute er alte MotorrĂ€der zusammen, die er selber fuhr; leidenschaftlich gerne!

Viele lĂ€chelnde Stunden spĂ€ter kamen wir verliebt in Bremen an. Dass wir gut zueinander passten, war fĂŒr uns ĂŒberdeutlich. Doch unsere Wunden...! Wir waren noch immer damit beschĂ€ftigt, sie zu lecken. Beide kamen wir aus Liebesbeziehungen, die mit einem schmerzhaften Knall geendet hatten. Unser erstes gemeinsames Jahr war deshalb ein einziges Hin und Her. Fast hĂ€tten wir uns wieder losgelassen.

Martin wohnte in einer BerufstĂ€tigen-WG, ich in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung. Dann kam der Tag, am dem wir beschlossen, gemeinsam auf das nĂ€chste Level zu klettern: Wir wollten zusammenziehen! Wir öffneten eine Flasche Sekt und gingen in die Wanne. In der einen Hand das Sektglas, in der anderen Hand das Klemmbrett, notierten wir alles, was unsere gemeinsame Wohnung haben sollte: Eine Garage fĂŒr Martin, einen Garten fĂŒr mich, Platz fĂŒr seine Werkstatt, viel Licht fĂŒr uns beide und der wichtigste Punkt: FĂŒr jeden sein eigenes Zimmer! Als wir wieder nĂŒchtern und ausgeschlafen waren, fingen wir an zu suchen. Und fanden eine traumhafte

Altbauwohnung mit Garten.

Der Alltag mit Martin war wunderbar. Ich lernte Dart-Spielen, Martin lernte Billard-Spielen. Gemeinsam lernten wir Walzer, Quickstepp und Tango. Martin bewegte Erde und Pflanzen in unserem Garten und ich guckte die Fußball-Weltmeisterschaft. Wir fuhren mit dem Motorrad nach Frankreich, zelteten zwischen duftenden Rosmarin-BĂŒschen und hörten bei Rotwein aus Plastikbechern den Grillen zu. Martin und ich beschlossen, zusammen zu bleiben und zu heirateten.

Bei der Wahl der Ringe gab es

ĂŒberraschend Schwierigkeiten: Martin mochte kein Gold; ich kein Silber. Martin wollte einen Ring, den er auch in seiner Werkstatt anbehalten konnte; meiner sollte zu einem hinreißenden Kleid passen. Zwei verschiedene Ringe? Nee, man sollte ihnen schon ansehen, dass sie zusammengehörten. Ohrringe? Nee, Martin hatte keine Ohrlöcher! Ein kariertes Maiglöckchen war einfacher zu finden. Bei einem befreundeten Goldschmied entdeckten wir sie endlich: Fein gehĂ€mmerte Ringe, denen man unsere Lebensspuren ansehen durfte. Martin`s Ring in Platin und meiner in Feingold! Wir ließen uns das Versprechen eingravieren: „Leben,

Lieben und Lachen“. Zum ersten Mal in meinem Leben war alles perfekt.

Aber Stillstand passt nicht zu mir. Ich wollte weiter. Der Kinderwunsch kam von mir: Martin hatte schon einen Sohn aus erster Ehe. Einen, den er kaum sah. Er war deshalb nicht sehr begeistert. Aber ein „Nein“ wollte er mir auch nicht geben. Ein „Ja“ war allerdings auch nicht aus ihm rauszukriegen. Irgendwann entschied ich mutig fĂŒr uns beide zusammen: Ich hielt den Mund und wurde schwanger; mit Anja. Martin freute sich ĂŒber alle Maßen. In einem brĂŒllend-heißen Sommer wurde ich zu einem mobilen Wasserbett. Gleichzeitig

mit der Schwangerschaft war ich mein eigener Arbeitgeber geworden: Ich verdiente mein Geld als selbstÀndige Kommunikations-Trainerin und Coach. Schon kurz nach der Geburt plante ich bereits wieder meine Seminare. Was recht gut ging, da Anja anfangs ziemlich viel schlief.

Dann fing Anja an zu krabbeln. Fast ĂŒber Nacht war nichts mehr sicher vor ihr: Fernbedienung, Telefon, Schere, Blumenvase 
 Mit der Hand an der HĂŒfte wanderten Martin und ich durch unsere Wohnung. Und alles, was unter Handhöhe war, kam in den Keller, wurde hochgestellt oder verschenkt.

Anschließend hatten wir eine kleinkind-gerechte Wohnung! Unsere eigenen Zimmer gab es nicht mehr. Nur noch Wickelkommode, Windeln und Sandspielzeug. Bald funktionierten wir wie eine perfekte Maschine: Martin kam von seiner Arbeit nach Hause, ich war schon umgezogen, kĂŒsste mit durchgestreckten Armen das Kind, damit es mich nicht vollspucken konnte und spurtete zu meinen Seminaren. Bald spĂŒrten wir in unserem Miteinander das `Getaktet-Sein` und die Platznot: Wir wurden gereizt und angespannt. Es war klar: Wir brauchten mehr Platz! Wir rechneten: Wir hatten Martins festes Einkommen und mein Einkommen wuchs.

Wir konnten es wagen!

Bei der Eroberung einer grĂ¶ĂŸeren Wohnung gingen wir wie Feldherren vor: Wir holten uns eine Stadtplan von Bremen, nahmen einen Zirkel und zogen um Martins Arbeitsstelle einen Kreis; einen zwanzig-Minuten-Kreis. LĂ€nger durfte Martin nicht nach Hause brauchen, weil ich dann los musste. Wir suchten und suchten und suchten. WĂ€hrenddessen wurde ich wieder schwanger; mit Jens. Kurz bevor er geboren wurde, fanden wir ein Haus mit Garten. Mit dickem Bauch fand der Umzug statt.

Bald waren wir zu viert: Martin und ich,

Anja und Jens. Doch es war bereits zu spĂ€t: Zwischen Martin und mir wurde es eng. Das Liebespaar von einst gab es nicht mehr. Nur noch der Geruch voller Windeln und durchwachte NĂ€chte! Ich hatte wohl zu viel gewollt! FĂŒr die Vorbereitung meiner Seminare musste ich mir ebenfalls was Neues einfallen lassen: Immer wurde ich von den Kindern unterbrochen. Aber noch mehr Stunden bei der Tagesmutter konnten wir uns nicht leisten. Wir mussten es schaffen!

Bei unseren Übergaben hatten wir nur Zeit fĂŒr einen kurzen Zustandsbericht: „JensÂŽ Windeln sind voll, Anja ist mit dem Stuhl umgekippt, der KĂŒhlschrank

ist leer, die SpĂŒlmaschine ist fertig, ich bin gegen 22.00 Uhr zurĂŒck.“ Wir gaben uns einen Kuss und weg war ich. Als ich spĂ€t abends zurĂŒckkam, setzte ich mich erschöpft mit einem Bier neben Martin vor den Fernseher. Nach einer Stunde machten wir den Fernseher aus und gingen schlafen; jeder auf seiner Seite. So war unser Leben. Als Paar hatten wir uns aus den Augen verloren. Wir waren nur noch mit Kindern und Arbeit beschĂ€ftigt. Doch wir reagierten völlig unterschiedlich: Ich wurde immer hektischer und Martin immer g e r u h s a m e r.

Ich war unglĂŒcklich: Klar, ich hatte

einen tollen Beruf und tolle Kinder, aber was war mit der erwachsenen, privaten Frederike? Martin, der BÀr, schien seinen Winterschlaf zu halten und wollte nicht gestört werden. Er hatte ja auch viel erreicht: Er hatte eine Frau, zwei, sogar drei Kinder, war zum Betriebsleiter aufgestiegen, hatte ein Haus, zwei Autos und zwei MotorrÀder. Ja, das konnte so bleiben. Gute Nacht!

Ich dagegen kannte keinen Winterschlaf! Ich wollte das Spannende, das Überraschende, das Neue. Auch im Winter. Ich war erst Mitte 30! Das konnte doch nicht alles gewesen sein? Ich wollte noch soviel erleben! Ich hatte

noch mindestens 50 Jahre zu leben! Es war also noch nicht einmal Halbzeit. StĂ€ndig gab es Streitereien, die Martin leider nur fĂŒr kurze Zeit aus seinem Winterschlaf weckten. Dann schlief er wieder ein. Bis ich erneut meckerte. So verging die Zeit. Ich bekam Falten um den Mund und Martin wurde schwerhörig.

Mir wurde klar: Wenn ich nicht auch einschlafen wollte, musste ich den BĂ€ren in seiner Höhle lassen. Ich musste alleine in die Welt gehen. Am liebsten wĂ€re ich sofort mit den Kindern ausgezogen. Doch wovon sollte ich all die regelmĂ€ĂŸigen Dinge bezahlen: Brot,

Schulsachen, Schuhe? Ich baute gerade meine SelbstĂ€ndigkeit auf. Mein Geld kam nicht schön regelmĂ€ĂŸig, sondern in Wellen. Ich traute mir viel zu, aber das? Es half alles nichts: Ich musste die ZĂ€hne zusammenbeißen, bis ich beruflich fester im Sattel saß. Bis dahin musste es gehen. Ich musste durchhalten! Musste, musste, musste...!

Und dann kam der Tag, der alles verÀnderte.

****

Ich schmeiße den Stift aufs Blatt. Verdammt! Ich bin nicht fertig geworden! Aber ich muss jetzt los; nach Kiel. Ich strecke mich: Mir tut alles weh! Verdammt, warum muss dieses blöde Rumbohren in der Vergangenheit eigentlich sein?

Ich muss zu Jens. Morgen hat er seine ZwischenprĂŒfung vor der IHK. Er hat sich so sehr gewĂŒnscht, dass ich dabei bin. Aber es passt gerade ĂŒberhaupt nicht; bin mittendrin im Schreiben. Eigentlich wollte ich fertig sein. Ich stehe mĂŒhsam auf, hole die Reisetasche und schleppe mich in mein Zimmer.

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PuckPucks

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MerleSchreiber Es geht dem Finale zu. Muss sagen, auch bei mir steigt extrem die Spannung, nachdem ich diese Folge jetzt ein zweites Mal gelesen habe. Halte mich dieses Mal mit Vermutungen lieber zurück und warte geduldig ;-)
Liebe Grüße, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
PuckPucks Hihi :o)))
Bis zum Finale musst du tatsächlich noch`n bißchen warten, liebe Merle. Frederike glaubt leider immer noch, dass sie besser bei Martin aufgehoben wäre. Wir werden sehen, was ich noch in die Waagschale schmeißen kann. Danke für deine Geduld :o)
Liebe Grüße
Judith
Vor langer Zeit - Antworten
Loraine Atemlos ins Leben einzutauchen von Friederike - Martin - Jens und...
Wunderbar - interessant und lebendig erzählt
Bleibt Spannung für die Leserschaft die hungrig auf das neue Kapitel wartet
LG Loraine
Vor langer Zeit - Antworten
PuckPucks Guten Morgen, liebe Loraine. Ich freu mich sehr über dein `atemlos`. Schön, dass es mir gelungen ist, euch zu unterhalten. Und es geht in der Tat spannend weiter.
Liebe Grüße und einen schönen Start in die Woche
Judith
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
"Schreiben, um zu sterben - 7. Kapitel..."
Geschichten, wie mitten aus dem Leben geschnitten und hier hineingklebt...
Ich denke, die Älteren unter uns können das alles noch recht gut nachvollziehen und der Mauerfall... Jeder, der es selbst erlebt hat, wird es wohl niemals vergessen, denn ein solch bedeutsames historisches Ereignis von diesem Ausmaß erlebt man gewiss nur einmal im Leben...
Interessanter Abriß eines Lebensabschitts und damit im Eiltempo durch die Zeit gerast... Nun werden wir sehen, was weiter passieren wird, denn das mit dem Gift, das kann eigentlich nicht wirklich klappen...
LG
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
PuckPucks Lieber Louis, lass mich mal ein Gedankenspiel mit dir machen: Wie ginge es dir, wenn das mit dem Gift klappen würde?
Ja, der Mauerfall: Was für ein Ereignis, Erlebnis und wir waren dabei! Yeah! Was war das für eine intensive Zeit damals.....Wäre das eigentlich auch mit einem Corona-Virus möglich geworden?
Liebe Grüße an dich
Judith
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift meint zur Frage : eher unbefriedigend...
lacht*
Du meinst Corona unter der Käseglocke? Gruslige Vorstellung...
Aber zum Glück war die Zeit einfach überreif dafür und es wäre genau so passiert,
egal, ob mit oder ohne Corona... ...smile*
LG
Louis :-)

Vor langer Zeit - Antworten
PuckPucks Na, siehst du, lieber Louis. Diesen Zustand würde ich doch nicht zulassen. Also wird noch was passieren. Aber was?
Rätselhafte Grüße
Judith
Vor langer Zeit - Antworten
Nereus Liebe Judith,
wenn ich an meinem Leben so zurückschaue weiß ich jetzt für mich, manches mal hatte ich einfach zu "bunte " Träume, habe mehr erhofft, ja auch mehr erwartet, als eigentlich nötig ! gewesen wäre. Und dieses Streben nach fast utopischen Wünschen schafft es Probleme entstehen zu lassen.
Ich hatte das Glück, meine Lieberline hatte so ein Lächeln, das mich oft wieder runterholte.
Der Problem Macher in vielen Lebenslagen ist einfach die Unfähigkeit, ja die Unwilligkeit sich zu mäßigen.
dankend lieben Gruß
markus
Vor langer Zeit - Antworten
PuckPucks Temperament, Träume, Lust auf Leben.... das ist halt eine wichtige Zeit in unserem Leben, lieber markus.
Irgendwann kommt dann die Zeit, wo man gelassener, ruhiger wird. Und das ist in der Tat eine ganz wunderbare Zeit, dich ich sehr genieße.
Ich schick dir liebe Grüße
Judith
Vor langer Zeit - Antworten
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