Biografien & Erinnerungen
Mein Tagebuch - 14.01.2021

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"Gebt niemals auf! "
Veröffentlicht am 14. Januar 2022, 12 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Über den Autor:

...ich bin Ines, geboren und aufgewachsen in der ehemaligen DDR, nach der Grenzöffnung und seit dem Auszug meiner 3 Kinder viel unterwegs, woraus sich auch mein spitz- und username vagabundinchen (vagabund + inchen) ergibt. Ich bin ein Typ, mit dem man Pferde stehlen kann (wenn ich das von mir selbst behaupten darf), meine Hobbys sind lesen, schreiben, Fahrrad fahren, wandern, angeln, zelten ...und alles, was Spaß macht. Ich mache ein paar Mal ...
Gebt niemals auf!

Mein Tagebuch - 14.01.2021

Vom Kindheitstrauma und der heutigen Bewältigung



oder...


Gebt niemals auf!


So, wie die Überschrift schon vermuten lässt, geht es heute um einen nicht sehr erfreulichen Vorfall. Der hat sich in meiner frühen Kindheit ereignet. Direkt daran erinnern kann ich mich nicht mehr. Und das geschah. Ich war so etwa 2 Jahre alt, denke ich mal, denn wir wohnten zu dieser Zeit in Thüringen und ich saß noch auf dem Fahrrad meiner Eltern in einem Kinderkörbchen, welches an den Lenker gehängt wurde. Ich finde ja diese Transportart wesentlich besser und verstehe gar nicht, warum heute die

Kinder alle auf dem Gepäckträger der Eltern geschnallt werden. Da haben sie nur den Hintern direkt vor Augen. Ich hab vor meiner Mama oder meinem Papa gesessen, sozusagen in seinen Armen, mit Blick in die Fahrtrichtung. Die Position vor dem Radler ermöglicht einerseits, dass die Eltern die Kinder immer im Blick haben und andererseits können sich Mutter und Kind auch verständigen, miteinander kommunizieren. Finde ich viel entspannter so. Aber na ja, wird sich schon irgend ein kluger Kopf ausgedacht haben, das Abseits-Parken der Kleinen außer Sichtweite, am Arsch der Eltern.

Aber was ich eigentlich erzählen wollte: Unsere Familie hat sich immer ganz gut ernährt. Fisch stand daher auch immer wieder einmal auf dem Speiseplan. Und so lange das Essen nicht grün war oder sonst nach Gemüse schmeckte, hab ich es auch meist gegessen. Eines Tages gab es also wieder Fisch, welchen, keine Ahnung, aber anscheinend einen mit vielen kleinen spitzen Gräten. Jedenfalls hatte meine Mutter wohl mindestens eine übersehen, als sie mir mein Essen vorbereitet hat. Und die blieb natürlich in meinem Hals

stecken und hakte sich da fest. Da ging nichts mehr, weder vor noch zurück. Nun war guter Rat teuer. Ich nehme mal an, dass ich ganz schön viel Stress gemacht habe. Wie gesagt, genau daran erinnern kann ich mich nicht mehr. Aber ein Kind von ungefähr zwei Jahren, vielleicht auch jünger, und eine pieksende Gräte, die im Hals steckt und sowohl Husten- als auch Brechreiz erzeugt... da hält Kind bestimmt nicht still und ist ruhig. Könnte ich mir gut vorstellen. Auto hatten wir damals nicht und Telefon geschweige Handy sowieso nicht. Also musste Mama mit schreiendem Inchen mit dem Fahrrad durch ganz Hermsdorf

radeln, den der nächste Kinderarzt wohnte und praktizierte hinter dem Bahnhof. Und das alles bei Atemnot. Zu meinem Glück waren die Straßen damals größtenteils noch mit den alten Backsteinen ausgestattet. In unserem Wohnviertel nicht, denn im Zuge der Errichtungen der neuen Wohnblöcke wurden auch die Straßen erneuert. Aber auf dem Weg am Bahnhof entlang und durch die Altstadt, da hoppelte das Fahrrad ganz schön. Und siehe da! Schwups, konnte ich die Gräte wieder ausspucken. Ich finde ja, jeder Ort sollte seine

Kopfsteinspflaster-Hoppelstraße haben! Kann nützlich sein und sogar unter Umständen Leben retten. Auch wenn ich mich an diesen genauen Vorfall nicht mehr erinnern kann, so blieb er mir doch in meinem Unterbewusstsein hängen. Noch 35 oder 40 Jahre später konnte ich keinen Fisch essen. Nicht mal Thunfisch aus der Dose. Ich hab es versucht, wirklich. Aber wenn ich einen Bissen im Mund hatte, konnte ich den einfach nicht herunterschlucken. Auch nicht mit viel Soße oder gemischt mit Kartoffeln oder so. Ich war nicht dazu in der Lage.

Dabei war ich als Kind und in meiner Jugend sehr gerne mit meinem Papa angeln. Ich war sogar im Verein. Angeln ja, auch mit Erfolg. Aber gegessen habe ich die nie. Nicht einmal gekostet. Irgendwann fand ich das aber zu albern. Immerhin bin ich ein erwachsener Mensch, der logisch denken kann und sich nicht mehr länger von seiner Angst blockieren lassen möchte. Und so habe ich begonnen, immer wieder Fisch zu kosten. Begonnen habe ich mit geräuchertem Aal, denn der hat ja bekanntlich keine Gräten, die im Hals

steckenbleiben können, nur eine Wirbelsäule die sich leicht und in einem Stück vom Fleisch lösen lässt. Die ersten Male bekam ich auch dann immer Brechreiz, sobald ich mir ein Stück Fisch in den Mund geschoben habe. Reflexartig. Aber irgendwann hat es dann geklappt. Mit viel Geduld bezwang ich irgendwann meinen Drang, den Fisch gleich wieder auszuspucken und gewöhnte mich auch langsam an den Geschmack. Dann wurde es Zeit, auch andere geräucherte Fische zu kosten. Was mir ebenfalls mit der Zeit gelang. Und was habe ich daraus gelernt? Man solle niemals aufgeben.

Auch wenn ich auch heute immer noch keinen gekochten oder gebratenen Fisch essen kann, so gönne ich mir doch hin und wieder ein kleines Stück Heilbutt oder Schillerlocke oder so. Eben einen Fisch, bei dem man die Gräten schlecht übersehen kann. So viel für heute. Habt alle da draußen noch einen schönen Abend … und passt auf euch auf Euer vagabundinchen

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Über den Autor

vagabundinchen
...ich bin Ines, geboren und aufgewachsen in der ehemaligen DDR, nach der Grenzöffnung und seit dem Auszug meiner 3 Kinder viel unterwegs, woraus sich auch mein spitz- und username vagabundinchen (vagabund + inchen) ergibt. Ich bin ein Typ, mit dem man Pferde stehlen kann (wenn ich das von mir selbst behaupten darf), meine Hobbys sind lesen, schreiben, Fahrrad fahren, wandern, angeln, zelten ...und alles, was Spaß macht. Ich mache ein paar Mal in der Woche Linedance und probiere gerne mal was Neues aus. Freundschaften sind mir sehr wichtig. Wenn ihr mir schreiben wollt, dann traut euch ruhig. Ich beiße nicht.
Ansonsten viel Spaß beim Lesen...

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