Romane & Erzählungen
Einmal Deutschland und zur├╝ck - Neuanfang

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"Einmal Deutschland und zur├╝ck - Neuanfang"
Veröffentlicht am 10. Januar 2022, 44 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Serghei Velusceac - Fotolia.com
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Über den Autor:

Wenn Gef├╝hle einen ├╝bermannen, f├Ąllt es oft leichter seine Gedanken, Empfindungen oder die Phantasie in Worte zu Papier zu bringen.
Einmal Deutschland und zur├╝ck - Neuanfang

Einmal Deutschland und zur├╝ck - Neuanfang

Ver├Ąnderung


Es war das Jahr 1978, Alessandro, dass bin ich, war gerade 20, als ich beschloss, es meinen Br├╝dern gleich zu tun um ins ferne Germania zu ziehen. Dort, wo laut Erz├Ąhlungen die M├Ądchen meist blond, h├╝bsch und freiz├╝giger sind, als in meiner Heimat. In dem Alter, hat man als junger Mann, Partys, Motorr├Ąder oder wenn man es sich leisten kann, Autos und h├╝bsche M├Ądchen im Kopf. Ich hatte schon mit 13 Jahren, in den Ferien in meinem Heimatdorf in Apulien

gearbeitet. In der Sommerhauptsaison, meist in den Urlaubsgebieten des Salento, wie die Einheimischen unsere Region nennen. Mein Heimatland Italien, dass auf der Landkarte wie ein Stiefel aussieht, ist in 20 Regionen aufgeteilt. Die Region Apulien, liegt im unteren Absatz des Stiefels und geh├Ârt leider bis heute, zu den ├Ąrmeren Regionen dieses sch├Ânen Landes. Noch heute glaube ich, dass dort in mancherlei Hinsicht, die Zeit irgendwann stehen geblieben ist. Arbeit gibt es wahrlich auch heute noch nicht gen├╝gend und genau wie in den sechziger und

siebziger Jahren, zieht es die jungen Leute, entweder Richtung Norden, nach Mailand oder in die benachbarten L├Ąnder, wie die Schweiz, ├ľsterreich oder noch weiter nach Deutschland. Ja, bei uns gab und gibt es immer noch viele arme Menschen und man hat auch heute h├Ąufig das Gef├╝hl, dass man vom modernen Europa ausgeschlossen wurde. Ich hatte im Vergleich zu den Kindern heute, eine wunderbare Kindheit und die war wundersch├Ân und voller Abenteuer. Immer an der frischen Luft, mit vielen echten Freunden und jede Menge Abenteuern, auf

dem Land und am Meer. Diese Zeit m├Âchte ich um nichts auf der Welt missen. Aber weiter mit meiner Erz├Ąhlung. Industrie gibt es nach wie vor, ├╝berwiegend im reichen Norden. Bei uns im Salento, leben unz├Ąhlige Bauern, die ihr Geld haupts├Ąchlich durch die Landwirtschaft verdienen. Die Ernte von Oliven, Zitrusfr├╝chten, Wein, Tomaten und Melonen, sind f├╝r viele die Haupteinnahmequellen und es ist wahrlich keine leichte Arbeit. Ich kann mit Stolz sagen, dass wir eines der besten Oliven├Âle herstellen, die leckersten Tomaten haben und

einige der besten Weine auf der Welt produzieren. Nun ja, wer schw├Ąrmt in der Ferne nicht von den Vorz├╝gen seiner Heimat. Ich allerdings war jung und wollte damals mein Geld anders verdienen. Viel Geld, mit einer nicht so k├Ârperlich anstrengenden Arbeit. Wenn ich im Sommer nicht meinen Ferienjobs nachging, dann musste ich oft nach der Schule bei der l`agricultura (ÔÇÄLandwirtschaftÔÇÄ) helfen. Es war eine schwere Arbeit, bei der einem Abends der R├╝cken und die H├Ąnde schmerzten. Lust auf Hausaufgaben, oder dann noch f├╝r die Schule zu lernen, hatte ich nach

der Arbeit auf dem Land, nat├╝rlich auch nicht mehr. Meine Eltern allerdings, waren da nicht so streng. Heute bedaure ich es, denn mein Leben h├Ątte, wenn sie mich mehr zum lernen angehalten h├Ątten, durchaus anders verlaufen k├Ânnen. Aber ich will nicht undankbar sein. Mir geht's gut, ich war immer flei├čig und das bew├Ąhrt sich irgendwann. Ich hatte eine sch├Âne Kindheit und Jugend, was arbeiten bedeutet, war mir bis heute nie fremd. Auf der faulen Haut zu liegen, kenne und kannte ich nie. Nun will ich fortfahren und ├╝ber mich, den Jungen Alessandro

aus dem Salento erz├Ąhlen. Alessandro, hatte f├╝r sein junges Alter, schon in viele berufliche Bereiche hinein geschnuppert. Schlie├člich hatte er ├╝bers Jahr verteilt, insgesamt fast 4 Monate Ferien. Dazu muss aber gesagt werden, dass davon schon 3 Monate auf den Sommer, von Mitte Juni bis Mitte September fallen, denn dass sind die hei├česten Monate des Jahres mit manchmal ├╝ber 40C┬░. Das wir allerdings auch jeden Samstag Schule hatten, ist heute immer noch so, m├Âchte ich ebenfalls kurz anmerken. Alessandro, hat Erfahrungen als

B├Ąckergehilfe, als Maurer, in der Autowerkstadt und sp├Ąter als Kellner in den Ferienhotels gesammelt, diese Erfahrungen sollten ihm sp├Ąter immer wieder zugute kommen. Daher kamen wohl auch die Erfahrungen, die er mit Touristinnen gemacht hat und diese lie├čen ihn darauf schlie├čen, dass die M├Ądchen freiz├╝giger sind, als die M├Ądchen aus dem Dorf. Meist wurden sie streng katholisch erzogen und standen unter der Obhut der V├Ąter oder Br├╝der, was aber nicht hei├čt, dass sie was ihre Freizeitgestaltung betraf, nicht auch ihre Geheimnisse hatten.

All das, hatte den jungen Alessandro dann wohl auch dazu ermuntert, mit seinem ersparten Geld. nach Deutschland zu ziehen. Zun├Ąchst um sich sein erstes eigenes Auto, einen kleinen gebrauchten Fiat 500 zu kaufen. Dann um seine Br├╝der zu besuchen und nat├╝rlich, um ein bisschen Spa├č zu haben. Alessandro hatte den kleinen Lederkoffer seines Vater, der aus der Zeit stammte, als dieser eine Weile in der Schweiz gearbeitet hatte gepackt und seine Mutter lief seit Tagen mit einer Trauermiene herum. Sein Vater versuchte und versprach ihm alles,

damit er bleibt und auch seine Gro├čeltern, Nonna Adriana und Nonno Paolo versuchten mit Tr├Ąnen in den Augen, ihren Enkel zum bleiben zu ├╝berreden. Alessandro aber wollte hinaus in die Welt. Er versprach bald zur├╝ck zu sein und so wurde dem jungen Mann Proviant eingepackt, als w├╝rde er f├╝r Monate auf eine Expedition in die W├╝ste ziehen. Dann musste er durchs halbe Dorf, um sich bei s├Ąmtlichen Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen verabschieden und auch hier wurde er mit Proviant ├╝berh├Ąuft, als g├Ąbe es in Deutschland weder Essen noch

Trinken. Er bekam die besten W├╝nsche mit auf den Weg, sollte seinen Br├╝dern Gr├╝├če ausrichten, auf sich aufpassen und seiner Mamma nicht das Herz brechen, indem er sich auch entscheiden w├╝rde, nicht zur├╝ck zu kommen, Es gab K├╝sse rechts und links auf die Wangen und lange Umarmungen. Nun musste er aber los, sonst w├╝rde er noch den Zug verpassen. Er kam bepackt wie ein Esel zuhause an und die selbe Prozedur wie bei den Verwandten, vollzog sich nun in seinen Elternhaus. Er wurde gedr├╝ckt und gek├╝sst, bekam gute Ratschl├Ąge und bei allen

flossen die Tr├Ąnen. Nun wurde es Alessandro doch mulmig zu Mute. Das war jetzt doch etwas anderes, als f├╝r kurze Zeit, zum arbeiten in die nahe gelegenen Touristenregionen zu reisen. Sein Vater brachte ihn mit seinem ganzen Gep├Ąck zum Zug nach Lecce und noch Jahrzehnte sp├Ąter, sollte er sich an den traurigen Blick in den tr├Ąnennassen Augen seines Vaters erinnern. Dann fuhr der Zug, mit Ziel Milano (Mailand) ein. Eine letzte Umarmung seines Vaters, der mit trauriger Stimme sagte:" Porta i miei saluti ai tuo fratelli. Abbi cura di te figlio mio e torna presto sano

e salvo". (Gr├╝├če deine Br├╝der von mir. Pass auf dich auf mein Sohn und komme bald gesund zu uns zur├╝ck) Ihm brach fast das Herz, als er seinen Vater so vor sich sah und er fragte sich ob es richtig war zu gehen. Er schob in seinem Abteil das Fenster runter und winkte noch, als er seinen Vater schon lange nicht mehr sah. Dann verstaute er sein Gep├Ąck in den Gep├Ącknetzen ├╝ber seinem Kopf und unter den Sitzen. Er hatte Gl├╝ck, niemand war zu ihm ins Abteil gekommen und dass blieb auch einige Zeit noch so. Es dauerte lange, bis auch er ruhiger wurde

und er erinnerte sich an die Worte seiner Mutter. Alleine mein Sohn, alleine. Nur so, lernst du selbst├Ąndig zu werden und das wollte er ja, deshalb sa├č er in diesem Zug. Er blickte aus dem Fenster und der Zug fuhr lange entlang des Meeres. Alessandro schaut auf das wundersch├Âne von hellblau ins t├╝rkisfarben wechselnde Meer hinaus. Es ging vorbei an Olivenhainen, Weinreben und gro├čen Kakteen, an deren oberen Bl├Ąttern sich gro├če rote und gelbe Kakteenfeigen der Sonne entgegen streckten. Die Landschaft ├Ąnderte sich. Zwischendurch wurde

es bergiger und dann wieder flacher und irgendwann schlief Alessandro ein. Er wachte erst auf, als der Zug in Mailand einfuhr und er umsteigen musste. Hier waren deutlich mehr Leute und diesmal waren alle anderen Pl├Ątze in seinem Abteil besetzt. Sie lachten ├╝ber ihn, den Junge aus der Provinz, der wie ein Esel bepackt ins Abtei kam und ziemlich erfolglos versuchte, sein Gep├Ąck unter zu bringen. Die Menschen hier waren anders, weniger freundlich und hilfsbereit, eher arrogant und spie├čig, aber dass kannte er ja zum Teil, aus seiner

Zeit als Kellner. Weiter ging es ├╝ber die Grenze in die Schweiz. Er war begeistert, von den riesigen Bergen, von denen Wasserf├Ąlle ins Tal st├╝rzten und den wundersch├Ânen Seen, an denen sie vorbei fuhren. Als der Zug nach einigen Stunden die Grenze zu Deutschland ├╝berquerte, waren die meisten Italiener aus und Deutsche zustiegen. Allerdings verstand er kein Wort und das sollte auch f├╝r lange Zeit so bleiben. Nach etlichen weiteren Stunden Zugfahrt, in denen sich auch die Landschaft ver├Ąndert hatte, fuhr der Zug in D├╝sseldorf ein und Alessandro

musste aussteigen. Hier, waren deutlich mehr Menschen unterwegs als in seiner Heimat. Am Bahnsteig ging sein Blick suchend ├╝ber die Menschen und dann entdeckte er seinen ├Ąltesten Bruder Enzo. Dieser umarmte ihn und fragte ob er eine gute Fahrt gehabt hat. Er griff eilig nach einigen Gep├Ąckst├╝cken und zog Alessandro hinter sich her. Er sagte;" Vai, vai wir m├╝ssen uns beeilen, ich muss noch arbeiten." Am Parkplatz angekommen, stopften sie alles in den Laderaum eines LKW`s. Enzo war ziemlich in Eile. Im Fahrzeug dann, war Alessandro froh, wieder die

gewohnte Sprache zu h├Âren. Enzo fragte, wie es allen geht und schon waren sie mitten im Gespr├Ąch. Alessandro fielen die sch├Ânen Autos auf, die er auf der Autobahn sah. Ganz andere Modelle als er von zu Hause gewohnt war, denn dort hatten noch nur wenige Leute schon einen eigenen PKW. Er erinnerte sich an eine Situation, als im Nachbarort die erste Ampelanlage installiert worden war. Vor dieser kam gerade ein Bauer mit Pferdegespann an. Er blickte zur Ampel, diese stand auf Rot, wechselte von Gelb zu Gr├╝n und dann wieder zu Rot. Nachdem

der Bauer sich das eine Weile angeschaut und alle Farben gesehen hatte, gab er dem Pferd das Kommando weiter, und der Karren rollte bei Rot ├╝ber die Kreuzung. Alessandro erinnerte sich, damals Tr├Ąnen gelacht zu haben. Dann kehrte er aus seinen Erinnerungen zur├╝ck und wieder auf die Stra├če, um nichts zu verpassen. Die Kleidung der Leute, sah anders aus als bei ihnen auf dem Land. An Enzos Zuhause angekommen, war Alessandro entt├Ąuscht. Lauter hohe H├Ąuser, H├Ąuser ohne Ende. Alles sah anders aus, aber es war sauber und ordentlich. Eine Nachbarin die

den Flur putzte sagte : " Ach, der Herr Moldini hat Besuch aus der Heimat bekommen, dass ist ja nett". Sie l├Ąchelte mir zu. "Ach ja, vergessen Sie nicht, dass Sie diese Woche mit Flur putzen dran sind." Wieder l├Ąchelte sie uns beide freundlich an und verschwand dann, mit ihrem Eimer in die Wohnung. Ich sah Enzo fragend an, doch der winkte nur ab. Ja, es war hier zwar irgendwie anders, aber einiges war doch wie zuhause. Enzo schleppte gemeinsam mit ihm, das Gep├Ąck nach oben, zeigte ihm wo er schlafen und seine Sachen unter bringen konnte und sagte dass er

nun wieder los muss, seine Waren ausliefern. Dann war Alessandro alleine. Zun├Ąchst war er entt├Ąuscht, aber dann packte er seinen Koffer und die Taschen aus, verstaute das Mitgebrachte und legte sich anschlie├čend ├╝ber sein Bett und schlief ein. Am Abend kam dann auch sein anderer Bruder Luigi und als Enzo ebenfalls kam, machten die Br├╝der sich ├╝ber den mitgebrachten Proviant her. Enzo und Luigi waren begeistert, denn viele der Dinge, die Alessandro im Gep├Ąck hatte, die gab es in Deutschland nicht. Die Br├╝der freuten sich ├╝ber die W├╝nsche und

Neuigkeiten aus der Heimat und Enzo sagte, das er Alessandro am n├Ąchsten Tag zum ausliefern der Lebensmittel mitnehmen wollte. Er arbeitete bei einem Gro├čhandel und belieferte Restaurants. Alessandro blieb ein paar Wochen, ging an den Wochenenden mit den Br├╝dern in die Discotheken in der Umgebung, lernte andere Italiener, die ebenfalls aus dem S├╝den Italiens kamen kennen, und nat├╝rlich einige Blondinen. Die jungen deutschen Signorine, waren wirklich sehr h├╝bsch und interessiert. Sie schauten ihn teilweise an, wie ein exotisches

Tier. Alessandro mit seinen dunklen Augen und Haaren, braun gebrannt, w├Ąre aber nicht Alessandro, wenn er sich durch die Sprachschwierigkeiten h├Ątte entmutigen lassen. Seine Br├╝der hatten ihm einige Komplimente beigebracht und Alessandro hatte ein gutes Gef├╝hl, wann er diese anbringen konnte. Es waren aber nicht nur deutsche junge Damen, die er kennen lernte. Hier lebten auch viele S├╝dl├Ąnderinnen. Darunter waren neben Italienerinnen auch Spanierinnen und Portugiesinnen, deren Familien ebenfalls nach Deutschland

gekommen waren, um hier Arbeit zu finden. Nach einigen Wochen Aushilfsarbeit im Gro├čhandel, hatte er noch einiges zusammen gespart und fand endlich seinen ertr├Ąumten, kleinen wei├čen Fiat Cinquecento. Nun wollte er seine Errungenschaft aber auch in seinem Dorf vorzeigen. Seine Familie und Freunde warteten schon gespannt auf seine R├╝ckkehr und was er zu berichten wusste. Er kaufte f├╝r seine Mamma und seine Nonna, noch je eine Flasche 4711, echt k├Âlnisch Wasser und f├╝r seinen Papa und seinen Nonno je eine Flasche Asbach uralt. Das war

ein Weinbrand, der in den Discotheken gern getrunken wurde, allerdings mit Cola, was hier im Ruhrgebiet als Asbach fertig bestellt wurde. Nach einigen Vorbereitungen, ging es f├╝r Alessandro zur├╝ck in die Heimat. Als er wieder zur├╝ck in sein Dorf kam, wurde er von allen gl├╝cklich und ├╝berschw├Ąnglich begr├╝├čt. Doch ein Jahr sp├Ąter, ergriff ihn wieder das Fernweh und Alessandro beschloss, ebenfalls nach Deutschland zu ziehen. Auch diesmal gab es viele Tr├Ąnen, und der Abschied war noch schmerzhafter. Ja, es tat mir weh,

alle meine Lieben so traurig zu sehen und doch wollte ich zur├╝ck nach Germania. Wieder in Deutschland angekommen, fand ich schnell eine Arbeit in einer Gie├čerei. Hier musste ich in Fr├╝h- Mittag und Nachtschicht arbeiten. Es war keine leichte Arbeit, aber als ich meine erste Lohnabrechnung bekam, entsch├Ądigte mich die Summe und ich war stolz, in Zukunft so viel Geld zu verdienen. Enzo heiratete ein Italienerin, die er hier kennen gelernt hatte. Bald darauf lernte ich meine Frau kennen, ein h├╝bsche blonde Signorina, die ich heiratete

und mit der ich nach ein paar Jahren, einen Sohn und zwei T├Âchter bekam. Meine Frau und meine wunderbaren Kinder sollten f├╝r die n├Ąchsten Jahre, mein absoluter Lebensmittelpunkt sein. Luigi der mittlere der Br├╝der, ging nach einer gescheiterten Beziehung wieder zur├╝ck nach Italien.Viele Jahre sp├Ąter, wechselte Alessandro seinen Arbeitsplatz und arbeitete nur noch in Tagschicht. Seine Frau und Kinder freute das, denn er war ein liebevoller Ehemann und Vater, dem seine Familie ├╝ber alles ging. Er engagierte sich im ├Ârtlichen Fu├čballverein, wurde Trainer und

sp├Ąter sogar zweiter Vorsitzender. Ja, neben der Familie hatte Fu├čball einen gro├čen Stellenwert in seinem Leben und die Spieler seiner Mannschaft, waren "seine Jungs". Seinen Urlaub verbrachte die Familie Jahr f├╝r Jahr in seiner Heimat Italien, schlie├člich war war es ihnen wichtig die Eltern und Gro├čeltern zu besuchen und au├čerdem, lag das wundersch├Âne Meer gleich vor der T├╝r. War das jedes mal eine Wiedersehensfreude. Die Kinder waren von klein auf, mit der italienischen Sprache aufgewachsen und auch seine Frau, konnte sich mit der Familie

verst├Ąndigen. Hier wurde gemeinsam gegessen und gelacht und alle genossen die Zeit miteinander, denn jeder war sich bewusst, wie schnell diese paar Wochen des Urlaubs vergehen und es ein weiteres Jahr dauern w├╝rde, bis man sich wieder sah. Es gab Jahre, da waren auch seine Br├╝der und deren Familien im Haus seiner Eltern zu Gast. Einmal war Alessandro mit der Familie ├╝ber Weihnachten in Italien. In den Wintermonaten fand hier die Olivenernte statt. Luigi hatte die Olivenplantagen des Vaters ├╝bernommen und da wurde zu

dieser Jahreszeit, jede Hand gebraucht. Sandro, wie ihn seine Frau Christine nannte schlug vor, bei der Ernte zu helfen und Christine war begeistert von der ungewohnten Arbeit. Im Gegensatz zu Deutschland, schien hier die Sonne. Sogar Fr├╝hlingsblumen bl├╝hten und ├╝berall h├Ârte man Vogelgezwitscher. Christine war gl├╝cklich und in ihr reifte ein Wunsch f├╝r "irgendwann"... Die Jahre vergingen und alle waren inzwischen ├Ąlter geworden. Alessandros Br├╝der hatten ihre eigenen, von den Gro├čeltern geerbten H├Ąuser im Ort, von denen

aber nur Luigi und seine Familie, in ihrem Haus im Dorf lebte. Enzo verbrachte nur die Ferien hier und er selbst, sollte irgendwann das Haus seiner Eltern und ein Grundst├╝ck mit etwa 100 Olivenb├Ąumen und mehreren Trullo, in denen wohl ganz fr├╝her Huftiere gehalten wurden als Erbe bekommen. Trullo, sind ├╝brigens Rundh├Ąuser, wie sie h├Ąufig im Salento vorkommen. Es gibt sogar einen sehr ber├╝hmten Ort, der sich Alberobello nennt und der aus ganz vielen bewohnten Trullos besteht. Als seine Eltern die Achtzig ├╝berschritten hatten, traten auch

sie nacheinander ihre letzte Reise an. Es war besonders f├╝r Alessandro ganz schlimm, seine Eltern zu Grabe zu tragen. Er hatte, je ├Ąlter seine Eltern wurden, mehrmals w├Âchentlich telefonisch, Kontakt zu ihnen gehalten und als sein Vater gestorben war, rief er sogar t├Ąglich die Mutter an. Nach dem Tod der Beiden, gab es zwischen den Geschwistern einige Streitigkeiten und das Verh├Ąltnis zu ihnen war teilweise zerr├╝ttet. Alessandros Kinder, inzwischen auch erwachsen und Eltern, zog es in den Ferien teilweise in andere Urlaubsl├Ąnder. Die Gro├čeltern

waren nicht mehr da und sie wollten auch andere Teile der Welt entdecken. Wenn sie jetzt in den Ferien hier her kamen, war es nicht mehr wie fr├╝her, niemand wartete im Haus auf sie und es hatte erheblichen Renovierungsbedarf. Wirklich freudig, wurden sie nur von ihren besten Freunden Matteo und Beatrice erwartet. Die sch├Âne Zeit mit ihnen, machte aber alles wett. In Christine reifte aber von Jahr zu Jahr mehr der Wunsch, dass Elternhaus ihres Mannes zu renovieren. Christine diskutierte speziell dieses Thema mit ihrem Mann immer wieder durch, bis sie

endlich ihren Kopf durchgesetzt hatte, denn schlie├člich wollten sie ihren eigenen Kindern ja keine Ruine hinterlassen. Gesagt - getan, unser Haus wurde kernsaniert und im Nachhinein muss ich sagen, dass es doch eine gute Idee war. Wenn ich jetzt das ganze Revue passieren lasse und in mich gehe, dann muss ich gestehen, dass meine Christine begeisterter von meiner Heimat zu sein schien, als ich selber. Hier in Deutschland hatte sich das Leben auch sehr ver├Ąndert. Frei nach dem Motto "Jeder ist sich selbst der N├Ąchste". So einige entsorgten ihren M├╝ll , wo sie gerade lang

liefen. ├ťberall war man in der Gro├čstadt von Unrat umgeben. Nichts erinnerte mehr an das saubere Land, in das ich einige Jahrzehnten zuvor gekommen bin. Die Menschen hatten sich auch ver├Ąndert. H├Âflichkeit und Anstand ist f├╝r viele ein Fremdwort geworden und nicht arbeiten zu gehen, schien im Trend zu liegen. Was fr├╝her eine Schande war, schien inzwischen niemanden zu interessieren. Die Steuern stiegen, die Rente wurde immer weniger und das Rentenalter stieg stetig an. Man hatte den Eindruck, die Politiker wurden immer d├╝mmer

und korrupter. Die arbeitende Bev├Âlkerung, wurde mehr und mehr ausgebeutet und die Zahl derer, die von Vater Staat lebten, wurde immer gr├Â├čer. Es gab reichlich Diskussionen diesbez├╝glich. Alessandro war inzwischen eingedeutscht, wie man so sch├Ân sagte. Er konnte sich lange nicht vorstellen, irgendwann nach Italien zur├╝ck zu kehren. Inzwischen war es aber so, dass man von dem was man in K├╝rze an Rente bekommen w├╝rde, kaum noch vern├╝nftig leben konnte. Christine hatte vor Jahren von ihrer Freundin Silke geh├Ârt, dass diese

mit ihrem Mann, der ein Workaholic war und bis sp├Ąt in die Nacht in seinem B├╝ro arbeitete, einen Individualurlaub in der Toscana geplant hatte. Sie w├╝rden ihren Urlaub auf dem Land verbringen und dort bei der Olivenernte mithelfen. Als Belohnung, gab es einen 5 Liter Kanister ├ľl, von den geernteten Oliven und eine fette Rechnung f├╝r diesen tollen Landurlaub. Klever von den Toskanern, sich von den arbeitenden Urlaubern auch noch bezahlen zu lassen. Als Alessandro eine ├ťbersicht seiner zuk├╝nftigen Rente bekam, sagte er zu Christine."

So wie es aussieht, werden wir wohl tats├Ąchlich nach Italien ziehen m├╝ssen, wenn wir von unserer Rente leben wolle. Dort sparen wir zumindest die Rente". Christine griff das gleich auf und erkl├Ąrte Alessandro, was schon lange ihr Traum war und wie man den verwirklichen k├Ânnte. Auf dem Grundst├╝ck mit den f├╝nf Trullo, sollte dieser Traum wahr werden. Sie hatte sich vorgestellt, die Trullo umzubauen und zu renovieren. Hier sollten drei der Trullo, als ├ťbernachtungsm├Âglichkeit f├╝r je zwei Personen mit Wohn/Essbereich und kleinem Bad umgestaltet

werden, Ein Trulli sollte als Gemeinschaftsraum und der andere als Gemeinschaftsk├╝che umgebaut werden. In der K├╝che, wollte sie den G├Ąsten die apulisch/salentinische K├╝che nahe bringen und den G├Ąsten zeigen, was ihr von ihrer Schwiegermutter beigebracht worden war. Alessandro sollte sich mit den interessierten Urlaubern, um die Olivenb├Ąume k├╝mmern und den G├Ąsten die Sehensw├╝rdigkeiten zeigen oder sie zu Strand bringen. Das ganze sollte sich allerdings nur auf insgesamt etwa 5 Monate im Jahr beschr├Ąnken, denn schlie├člich

sollten sie ja noch was von ihrem Rentnerdasein haben. In der restlichen Zeit, sollten sie zwischendurch, hin und wieder ihre Kinder und Enkel in Deutschland besuchen oder diese in den Ferien bei sich beherbergen. So w├Ąre das Geld, welches sie f├╝r ihr Rentenalter gespart hatten, doch gut angelegt. Nach einigem hin und her, fand auch Alessandro die Idee ganz gut, und seine Angst als Rentner vor Langeweile einzugehen, war auch wie weggeblasen. Nach zwei Monaten war es dann soweit, Alessandro war Rentner und Christine ging in den

Vorruhestand. Sie bereiteten den Umzug vor, verkauften die M├Âbel die sie nicht brauchten und lie├čen den Rest per LKW nach Italien bringen. Ja, so war das mit uns. Wieder in meiner Heimat Italien angekommen, besprachen wir nun den Umbau und die Renovierung der Trullo mit einem Architekten, schossen Vertr├Ąge mit Handwerkern ab und nach gut eine Jahr, war alles fertig. Christines Traum hatte sich erf├╝llt und ich f├╝hlte mich auch ganz wohl dabei. Wir hatten ein Abkommen, mit einem befreundeten Reiseb├╝roinhaber in Deutschland und waren online auf

Urlaubseiten auch ganz gut aufgestellt. Jetzt zwei Jahre sp├Ąter, kann ich nur sagen, es war die beste Entscheidung die wir treffen konnten. Die ganze Arbeit wurde von Erfolg gekr├Ânt. Wir sind f├╝r die n├Ąchsten drei Jahre im voraus ausgebucht, aus Urlaubern sind Freunde geworden und Christine und ich sind so gl├╝cklich wie am Tag, als wir geheiratet haben. Unsere Kinder und Enkel, freuen sich inzwischen auch wieder auf den Urlaub in bella Italia aber nicht nur auf uns, sondern auch auf unser neues Familienmitglied Rocki, unseren deutschen

Sch├Ąferhund....

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Lafelice
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