Krimis & Thriller
Mörderische Himmel - Teil 2

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"...hinter dem, was danach noch bleibt, muss sich die Wahrheit verbergen..."
Veröffentlicht am 08. Januar 2022, 136 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
...hinter dem, was danach noch bleibt, muss sich die Wahrheit verbergen...

Mörderische Himmel - Teil 2

Mörderische Himmel

(Teil 2)




Der Ring beginnt sich zu schließen, als die beiden Kommissare einem Verdacht nachgehen, der so unglaublich scheint, dass er eigentlich kaum für bare Münze genommen werden kann...

Mörderische Himmel



»Ich bin ganz Ohr«, äußerte die Kommissarin, als sie wieder in dem Daimler saßen und sie den blanken Zündschlüssel ins Schloss schob. »Vor allem, was deine Theorie betrifft, die so verrückt sein soll.«

»Erklär ich dir unterwegs, jetzt fahr erst mal los, nach Finthen.« »Was wollen wir denn in Finthen?«, fragte sie verblüfft, während sie den Motor startete. Kreuzer lächelte »Das ist eine abenteuerliche Mischung

aus Raumschiff Enterprise und einem Märchen der Gebrüder Grimm. Kennst du das Märchen von der klugen Bauerntochter, die zu ihrem König befohlen wurde?«

Verena Süss nickte, »So ungefähr, allerdings nicht mehr so ganz genau, ist schon zu lange her. Ich gehe mal davon aus, du wirst mir jetzt gleich ein kriminalistisch hochinteressantes Märchen erzählen wollen. Willkommen also bei Kreuzers Märchenstunde«, griente sie und startete den Motor der Limousine. Danach zog sie im sportlich, eleganten Stil einer versierten Rallyefahrerin den schweren Wagen auf die Hauptstraße und gab Gas.

Kreuzer, der kräftig in die Halteschlaufe des Beifahrersitzes gegriffen hatte, um nicht beim Anfahren auf dem Schoß seiner Kollegen zu landen, nickte. »Das hast du überaus feinsinnig formuliert, zu dem Märchen komme ich gleich. Erst zum Raumschiff Enterprise. Commander Spock hat einmal sinngemäß gesagt, als sie mit einer äußerst rätselhaften Sache beschäftigt waren, erst wenn wir alles andere mit logischer Sicherheit ausschließen können, so muss in dem verbliebenen Rest, die Wahrheit stecken, so unglaublich uns das auch erscheinen mag! Und damit hat er absolut recht. Nun zu dem Märchen. Wie sollte die Bauerntochter zu ihrem König

kommen, hoffentlich krieg ich es noch zusammen. Also sie sollte nicht gegangen kommen, aber auch nicht gefahren und nicht geritten. Nicht angezogen und nicht nackt! Kannst du dich erinnern?« Verena Süss nickte erneut und konzentrierte sich dabei voll und ganz auf den Gegenverkehr, »Dunkel, aber jetzt, wo du es sagst«, meinte sie, während sie zügig einen grünen Traktor mit Anhänger überholte. »Okay, und was hat das alles mit unserm Fall zu tun?« »Überleg doch mal, wir können im Moment nicht ermitteln, wie der Täter auf den Weinberg gekommen ist, also

müssen wir alles Logische mit Sicherheit ausschließen und dann brauchen wir nur noch in dem Rest, der dann noch da ist, nach der Wahrheit suchen. Du hattest da gestern am Tatort einen Satz gesagt, der mir in der Nacht keine Ruhe gelassen hatte und von dem ich sogar schlecht geträumt hatte«, begann der die Erklärung. »Und ich hab da was gesagt?«, fragte sie nun vollends neugierig geworden. »Du sagtest sinngemäß, dass der Täter dann ja nur noch vom Himmel gefallen sein kann, wenn keine Spuren auf den Berg hinaufführen«, meinte Kreuzer. »Und wo fahren wir jetzt hin?«, frage er. »Nach Finthen...?«

»Richtig und was befindet sich in Finthen?« Die Kommissarin zuckte mit den Schultern, »Keine Ahnung, sag du es mir.« »Dort ist der nächstgelegene Feldflugplatz, für Segel, und Sportflugzeuge. Praktisch der absolut ideale Ausgangspunkt für alle Fallschirmspringer der Region, wenn man von den militärischen Springern mal absieht. Aber die schließe ich vorerst einmal aus, denn die springen bestimmt nicht mit irgendwelchen Adidas-Sportschuhen ab, die haben dafür garantiert 1A-Schnürstiefel. Kannst du mir folgen? Der Karabinerhaken und ein Fallschirmspringer? Klingelt es da bei

dir nicht?« Verena Süss schob ihre Unterlippe vor und nickte bedächtig mit dem Kopf, »Aber hallo, wie bist du denn darauf gekommen? Das klingt ja jetzt wirklich eher nach ein bisschen verrückt und geradezu absurd! Wie stellst du dir denn den Tathergang vor, wenn ich fragen darf?« Kreuzer lächelte versonnen, »Ich hab' alle infrage kommenden Möglichkeiten abgecheckt, wenn der Täter nicht zu Fuß auf den Weinberg gekommen ist und dafür gibt es keinerlei Beweise, müsste er zusammen mit dem Opfer gekommen sein. Da sie aber allein vom Hotel abgefahren ist und sie keinen

Umweg machen konnte, weil es zeitmäßig gar nicht gepasst hätte, muss der Täter zu ihr in den Weinberg gekommen sein. Und wie kam er dort hinauf? Gefahren? Nein, ganz sicher nicht, keine anderen Reifenspuren, außer die von der Ente und Bauer Perschkes Traktor. Dann kann er ja nur noch vom Himmel gefallen sein, als ein Fallschirmspringer, zum Beispiel. Ein Fallschirmspringer, der einen Führerschein besitzt und Auto fahren kann. Es könnte praktisch so gewesen sein, der Mann springt aus dem Flugzeug ab, sein Fallschirm hat einen Defekt und er benutzt den verfügbaren Reserveschirm, der verfängt sich etwas

in den abgeworfenen Leinen und der Springer kann das Fluggerät jedenfalls nicht mehr richtig steuern und ihm gelingt nur noch eine Notlandung in den Weinbergen von Bauer Perschke. Also in unmittelbarer Nähe, wo Mademoiselle Delacroix gerade ihre Staffelei aufgestellt hatte und mit dem Malen anfangen wollte. Bei der Notlandung auf dem Hang bricht er mehrere Weinstöcke ab und verletzt sich etwas an den zerstörten Ästen. Sein Blut bleibt an dem zerbrochenen Holz und an den Blättern haften. Er bemerkt bei seiner Landung die hübsche junge Frau und da sie offensichtlich ganz allein hier oben ist und da niemand ihn gesehen hat,

vergewaltigt er die ihm eigentlich zur Hilfe eilende Frau und bringt sie anschließend um. Da er natürlich keine Spuren zurücklassen kann, nimmt er alles mit, was eine Verbindung zu ihm herstellen könnte, ihre Sachen, das komplette Malgerät und schließlich sogar die Weinstöcke. Beseitigt alle Spuren seiner Tat, stopft alles, einschließlich des Fallschirms, in den roten Citroën, übersieht dabei allerdings den abgerissenen Karabinerhaken und verlässt mit der Ente des Opfers den Tatort in unbekannter Richtung. Unterwegs vernichtet er ihre Sachen und lässt die Beweise seiner Tat sicher verschwinden. Dann fährt er die Ente zu

der Autoverwertungsfirma und da er dort jemanden kennt, lässt er die Ente von dem Bekannten zum Einpressen fertigmachen. Oder er ruft jemanden an, der diesen Job für ihn übernimmt. Wie dem auch sei, wir müssen zunächst herausbekommen, wer die Ente für die Schrottpresse vorbereitet hat. Das nehmen wir gleich nachher in Angriff, jetzt aber fahren wir erst mal zu dem Flugplatz und überprüfen, ob jemand gestern früh mit dem Fallschirm über diesem Gebiet abgesprungen ist«, beendete Kreuzer sein Vortrag. »Könnte tatsächlich etwas dran sein, wenn auch ein bisschen weit hergeholt, deine Theorie«, meinte die Kommissarin

dennoch leicht anzweifelnd und jagte die schwarze Limousine mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit über die Bundesstraße in Richtung Finthen. Eine halbe Stunde später standen die beiden Kriminalisten im Büro des Flugplatzleiters. »Tja, tut mir wirklich leid, dass Sie sich extra die Mühe gemacht haben, um hier zu uns heraus zu kommen, aber wie ich Ihnen schon sagte, seit vier Tagen führen wir in der Tat jede Menge Wartungsarbeiten auf dem Flugfeld, an der Funk, und Radaranlage durch und mindestens ebenso lange ist definitiv kein einziger Segelflieger und schon gar

kein Fallschirmspringertransporter mehr von hier gestartet. Wenn Sie wollen, können Sie ja gerne im Flugplatz-Tagebuch nachschauen«, bedauerte Theo Brückner, der Flugplatzleiter. Er drehte den flachen Monitor zu den Kriminalisten herum. Kreuzer starrte auf den Monitor. »Tatsächlich«, murmelte er, »keine Starts und Landungen seit dem offiziellen Beginn der eingetragenen Wartungsarbeiten. Und ganz allein, mal so völlig unkontrolliert, geht keiner von Ihren Leuten einfach mal so in die Luft?«, fragte Kreuzer enttäuscht und schüttelte dabei den Kopf. Brückner grinste,

»Aber Herr Kommissar, welcher Pilot würde denn so dämlich sein? Das wäre dann nämlich auch definitiv sein letzter Flug gewesen. Da hätte er auch gleich seine Lizenz hier bei mir zerreißen und dort in den Papierkorb werfen können. Mit Verlaub, es gibt zwar einige, die es mitunter manchmal ziemlich derb treiben, aber so etwas würde sich noch nicht einmal der Hartgesottenste unter ihnen erlauben. So eine Fluglizenz, die bekommt man nun mal nicht so schnell wieder zurück, wenn man sich ein solches Bubenstück geleistet hat. Das ist ja schließlich auch kein Führerschein für einen PKW. Und glauben Sie mir, so ein Risiko geht garantiert keiner der Piloten

ein. Aber Sie können ja auch gerne noch die anwesenden Wartungstechniker und ebenso die Flugzeugmechaniker befragen. Die meisten von ihnen sind ohnehin seit dem Beginn der Flugsperre auf dem Gelände und warten ihre Maschinen und die technischen Ausrüstungen der Piloten. Nur zu.« Kreuzer winkte nun resignierend ab. So hatte er sich das Ergebnis nicht vorgestellt. Es hätte alles so wunderbar in sein Konzept gepasst und nun das. »Ja leider Fehlanzeige«, brummte er nun tief enttäuscht. Die beiden Kommissare verabschiedeten sich von dem Flugplatzleiter und verließen unverrichteter Dinge das Areal.

Auf dem Weg ins Präsidium hing jeder seinen Gedanken nach und schwieg sich aus. Verena Süss war klug genug ihren Chef in seinen Gedankengängen allein zu lassen, denn diesen herben Rückschlag, den musste er erst einmal verdauen. Später, im Präsidium, im Büro der Kripo, da donnerte Kreuzer unvermittelt mit der Faust auf den Tisch, das es laut krachte. Die Kommissarin, die gerade die Angestellten der Autoverwertung durchgecheckt hatte, schreckte auf. »Ach Justus, du nimmst das mal wieder viel zu persönlich. Es hat so nicht sollen sein, also müssen wir einen anderen Ansatzpunkt finden«, versuchte sie Kreuzer zu beruhigen.

Der schaute sie unverwandt an, »Du hast recht, auch wenn ich persönlich glaube, dass es genauso abgelaufen ist, aber trotzdem ist etwas ist faul an der Geschichte und da dürfen wir jetzt nicht lockerlassen. Hast du was herausbekommen bei der Überprüfung der Angestellten der Autoverwertung?« Sie streckte den rechten Daumen nach oben. »Unser Instinkt hatte uns nicht getäuscht. Einer der Angestellten hatte bis vor einem halben Jahr in der JVA Santa Fu in Hamburg eingesessen. Fred Bonger. Zweieinhalb Jahre wegen schwerer Körperverletzung, seit dem Frühjahr ist er wieder draußen und

arbeitet seither bei der Firma Jahnke als Hilfsarbeiter auf dem Schrottplatz und wohnt hier in Mainz bei seiner Freundin.« »Was meinst du, sollten wir uns den mal herholen lassen, um ein wenig mit ihm zu plaudern?«, fragte Kreuzer grinsend. »Unbedingt«, stimmte Verena Süss zu. »Er ist der einzige mit einem kriminellen Hintergrund und selbst sein Chef, dieser Bredow, kann nicht ausschließen, dass er damit nichts zu tun hat. Wir sollten ihn also definitiv befragen.« Kreuzer nickte, »Dann schick doch bitte gleich mal einen Funkstreifenwagen in die Firma Jahnke, und die Jungs sollen den Bonger zur Befragung unverzüglich herbeischaffen.

Ach, und gib ihnen doch auch sicherheitshalber gleich noch die Adresse von seiner Freundin mit, könnte doch möglich sein, der Gute hat ausgerechnet heute verschlafen.« Während Verena Süss mit den Kollegen der Schutzpolizei telefonierte, setzte sich Kreuzer vor den Rechner und suchte im Internet zielgerichtet einige Seiten auf. »Wonach suchst du eigentlich?«, fragte die Kommissarin nach einer Weile der relativen Ruhe. »Nach Alternativen von Startplätzen, aber nichts liegt auch nur annähernd in einer vertretbaren Entfernung. Es ist aber auch zum … Ko … Kolben-Fressen« Verena Süss konnte sich ein lautes

Lachen nicht verkneifen, als sich plötzlich die Bürotür öffnete und Oberstaatsanwalt Beiersdorf mit einer tiefen Zornesfalte auf der Stirn, zwischen Tür und Angel stand. »Schön, dass ich Sie beide hier so in illustrer Runde antreffe, gibt es einen Grund zum Lachen? Wenn ja, dann lassen Sie mich daran teilhaben, auch ich lache gern einmal. Wenn nicht, sollten Sie sich besser um Ihren Fall kümmern, denn da gibt es ab jetzt definitiv nichts mehr zu lachen. Die ganze Sache hat eine völlig neue Dimension erreicht. Also sitzen Sie mir hier nicht lauthals lachend herum, solange Sie den Täter noch nicht gefasst haben, sondern bewegen Sie besser ihren

Arsch und tun Sie lieber etwas. Vor allem, verschwenden Sie besser keine teuren Steuergelder meiner Spurensicherung mehr. Wie kommt es eigentlich, dass Sie, Herr Kreuzer, das Budget meiner ohnehin schon viel zu teuren Spurensicherung so maßlos über Gebühr für sich in Anspruch nehmen? Können Sie mir erklären, warum Sie ein paar abgerissene Weinstöcke kriminaltechnisch untersuchen lassen? Also Herr Kreuzer, Ihre Aufklärungsrate in allen Ehren, aber langsam fressen Sie mir mit Ihren Extratouren mein ohnehin schon zusammengestrichenes und spärlich abgemagertes Budget, komplett auf. Auf diese Erklärung von Ihnen, da

bin ich aber schon so was von gespannt, das können Sie mir glauben, Kreuzer.« »Sicher kann ich das, Herr …« Beiersdorf schnitt dem Leiter der Mordkommission mit einer einzigen Geste, regelrecht das Wort ab, »Sie brauchen sich jetzt nicht zu rechtfertigen Herr Kreuzer, das kann ich ja demnächst alles Ihrem Bericht entnehmen, den Sie mir hoffentlich sehr bald zusenden werden.«

Kreuzer konnte nur noch stumm nicken. »In der Zwischenzeit nur so viel, das Mordopfer war die Lebensgefährtin vom Bürgermeister von Marseille, mehr brauche ich Ihnen ja wohl nicht zu sagen, vor allem nicht, was das für für jeden

von uns letzten Endes bedeutet. Meine Herrschaften, ich erwarte von Ihnen umgehend eine umfassende und vor allem eine vollständige Aufklärung dieser Straftat und das möglichst alles noch gestern. Allerspätestens aber noch in dieser Woche. Die Sache muss nun zu einem schnellen Abschluss kommen, der Ministerpräsident höchst persönlich hat seinerseits ebenfalls schon Druck gemacht. Enttäuschen Sie mich also nicht Kreuzer, ich sagte ihm, dass ich bereits meine besten Leute auf diesen Fall angesetzt habe. Oder wollen Sie, dass er veranlasst, dass der Fall an das BKA abgegeben wird? Nun zu Ihrer Anfrage, die Bundeswehr betreffend. Nein, es hat

in der letzten Woche keine Übungen der Bundeswehr gegeben, wobei im Raum Mainz Fallschirmspringer abgesetzt worden sind. Mensch Kreuzer, was soll das denn jetzt? Manchmal denke ich, Sie haben sie …« Beiersdorf holte tief Luft und machte an dieser Stelle eine Pause, weil er sich sonst sehr wahrscheinlich im Ton vergriffen hätte. »Fallschirmjäger? Was noch? Womöglich noch Luftlandetruppen? Wollen Sie nicht auch noch eine Anfrage an den Bundestag stellen, ob hier eventuell nicht sogar die Russen abgesprungen sind?« Beiersdorf schüttelte bedauernd den Kopf. »Wie auch immer, Sie kennen nun die Lage und denken Sie an meinen Bericht. Ich

erwarte von Ihnen handfeste Ergebnisse und Fakten, Fakten, Fakten, nichts als belegbare Fakten, Herr Kreuzer.« Ohne weiteren Kommentar drehte er sich um und verließ das Büro. Die beiden Kriminalisten schauten sich wie auf Kommando, stumm an. Kreuzer zuckte ratlos mit den Schultern, während sich die Kommissarin von ihrem Stuhl erhob, um die Tür zu schließen, die der Oberstaatsanwalt hatte offenstehen lassen. Kreuzer atmete hörbar aus, »Na das erklärt ja alles, auch die Laune vom Chef und den Rabatz, den er deswegen macht. Denkt er womöglich, es geht deshalb schneller, nur weil das Mordopfer mit einem Prominenten liiert

war? Wir kochen deshalb auch nur mit Wasser und ein Mörder bleibt ein Mörder, ob er nun Lieschen Müller auf dem Gewissen hat oder Marylin Monroe, obwohl das ja wohl auch noch nicht endgültig geklärt zu sein scheint oder?«

Verena Süss grinste, »Richtig! Gib's ihm Kasper, nimm den großen Löffel!«, ließ die Kommissarin grinsend vernehmen. »Na, ist doch wahr, was denkt der denn, was wir hier machen, etwa Däumchen drehen?«, gab Kreuzer entrüstet zurück. »Eines kann ich dir nach diesem Gewitter allerdings versichern, unsere künftigen Feierabende, die werden wir demnächst wohl erst einmal in den Rauch

hängen können. Das bedeutet nämlich im Klartext, noch mehr Überstunden. Ich glaub, ich geh‘ am Ende gar fünf Jahre eher in Pension, wenn ich überhaupt jemals bis dahin kommen sollte. Apropos neue Lage, müssen wir uns möglicherweise auf ein neues Tatmotiv einstellen? Vielleicht wollte man ja dem Bürgermeister von Marseille politisch eins auswischen, indem man seine attraktive Lebensgefährtin ermordet und es im Vorfeld wie eine ‚zufällige‘ Vergewaltigung aussehen lässt?«

Bevor Kommissarin Süss darauf antworten konnte, öffnete sich erneut die Tür und ein Polizist in Uniform steckte seinen Kopf zu Tür herein,

»Herr Oberkommissar, wir bringen Ihnen den Bonger, Fred zur Befragung. Woher wussten Sie eigentlich, dass er heute nicht in der Arbeit sein würde?«

Kreuzer grinste, »Das hatte ich heute morgen so im Kaffeesatz gelesen, Polizeimeister. Bringen Sie ihn bitte in das Vernehmungszimmer drei. Wir kommen dann gleich nach.« Der Polizist nickte und schloss die Tür.

»Na dann mal ran, Süsse. Ich vertraue vor allem deinem weiblichen Feingefühl. Wenn er ruppig werden sollte, dann komm ich hinzu und wir spielen ein bisschen‚ 'guter Cop, böser Cop‘, alles klar? Ich versuche inzwischen zu klären,

mit wem der Bonger in Santa Fu zusammen in einer Zelle saß oder mit wem er dort im Knast überhaupt befreundet war. Vielleicht hilft uns das ja etwas weiter«, sagte er und klemmte sich hinter das Telefon, während die Kommissarin das bereits zuvor avisierte Vernehmungszimmer aufsuchte. Kommissarin Süss, wendete den schmutzigen Personalausweis von Bonger und studierte scheinbar gelangweilt die Rückseite des Personaldokumentes, während Fred Bonger auf dem hölzernen Stuhl lümmelte und auf den Beginn der Befragung wartete. Eine erste allgemeine Verunsicherung entstand bei Bonger, als die Kommissarin ihrem Gegenüber

plötzlich fest in die Augen schaute, »Warum waren Sie heute nicht in der Arbeit, Herr Bonger?« Verblüfft starrte Bonger die Polizistin an, »Seit wann interessiert es die Bullen, wann ich zur Arbeit gehe und wann nicht?«, gab er patzig zur Antwort. »Ich hab mich einfach nur ‚Scheiße‘ gefühlt und da läuft bei mir nämlich gar nix«, griente er dümmlich zurück. »Kann es nicht sein, dass Sie sich aus einem bestimmten Grund ‚Scheiße‘ gefühlt haben, wie Sie sich auszudrücken pflegten, Herr Bonger? Nämlich weil es Ihnen nicht gelungen ist, einen Mord zu vertuschen?«

»Mord? Dass ich nicht lache, ich hab keinen je umgebracht, solchen Quatsch, den können Sie jemand erzählen, der sich die Hose mit ner‘ Kneifzange anzieht, aber nich‘ Freddi Bonger. Mit Mord hab' ich nix am Hut, so was lass‘ ich mir nicht anhängen und von Sie schon gar nicht.« Er winkte etwas nervöser geworden, ab und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. »Sie haben sich da schon selbst reingezogen und stecken sogar schon bis zum Hals mit drin. Was ist mit der Ente, Herr Bonger? Wie kamen Sie an den Citroen? Es wird den Staatsanwalt freuen, wenn er hört, das der Mord schon so schnell und unkompliziert aufgeklärt

worden ist«, erklärte ihm die Kommissarin in einem ziemlich überzeugenden Ton. Bonger knetete auf der Tischplatte seine Riesenpranken und wischte sich mit dem Unterarm ständig den Schweiß aus dem Gesicht, welches plötzlich wie ein Chamäleon seine Farbe von blass weiß nach hochdunkelrot gewechselt hatte. Er spielte nervös mit dem Aufnahmemikrophon und schob es immer wieder zwischen seinen Pratzen hin und her. Mit einer blitzschnellen Handbewegung entriss die Kommissarin ihm das Mikro. »Die Ente, Bonger!«, donnerte jetzt ihre knallharte Frage auf den völlig Überraschten nieder. Der zuckte

erschrocken zusammen. »Ich,...ich ich weiß von keiner roten Ente nicht«, versuchte er schnell, die scharf gestellte Frage abzuwehren. »Welche rote Ente, Bonger? Ich kann mich nicht erinnern, je eine Farbe genannt zu haben. Wie kommen Sie darauf?« Bonger ließ seine Hände schwer auf die Tischplatte fallen und senkte seinen Kopf. »Ich warte auf eine Antwort, Herr Bonger, welche rote Ente?« Bonger schwieg, dann ging sein Blick kurz an die Decke, danach drehte er seinen Schädel zum Fenster und sah draußen eine Zeitlang dem Gras beim Wachsen zu. Eine Weile später schaute er der Kommissarin unvermittelt ins

Gesicht,

»Na schön, die verdammte Ente, aber von einem Scheiß-Mord weiß ich wirklich nichts. Es war nur die Ente«, räumte er genervt ein. Erneutes Schweigen. »Die Wahrheit, Herr Bonger.« »Ja, ja, ist ja gut, ich habs‘ ja kapiert«, bellte er aufgebracht zurück. Einen kurzen Augenblick später hatte er sich wieder im Griff. »Er hat mich vor zwei Tagen, ziemlich früh am Morgen angerufen, mir fünfhundert Glocken angeboten, wenn ich ihn die Ente vom Hals schaffe. Ich kenne diesen Typen nicht, ehrlich, hab noch nie mit dem zu tun gehabt. Keine Ahnung woher der meine Nummer hatte. Ich sollte die Ente

auch nur verschrotten, er hätte sie in der Nacht von einem Parkplatz geklaut, weil er nachhause wollte. Nun wurde ihm die Kiste zu heiß unterm Hintern, da musste sie weg. Mehr weiß ich nicht.« Die Kommissarin lächelte, »Diese abenteuerliche Geschichte soll ich Ihnen abkaufen, Herr Bonger? Sie müssen mich für ziemlich naiv halten, wenn Sie denken, dass ich Ihnen diese Märchenstunde durchgehen lasse. Ich werd‘ es Ihnen jetzt sagen wie es war, Bonger. Sie allein sind vorgestern früh, unterwegs auf dem Heimweg von einem Ihrer Gelage mit Ihren Kumpels. Da kommt Ihnen eine rote Ente entgegen. Sie stellen sich auf die Straße und halten

das Auto an. Als sie sehen, dass da eine charmante junge Frau allein drin sitzt und nötigen sie Sie mitzunehmen. Die junge Frau aber weigert sich. Da beschließen Sie einfach, mit ihr mitzufahren und zwingen die verängstigte Frau auf den Beifahrersitz. Sie fahren mit dem Auto runter von der E42 und rein in den Weinberg, wo sich unbeobachtet und ungestört fühlen. Dort oben, auf dem Weinberg angekommen, vergewaltigen Sie Mademoiselle Delacroix und bringen sie anschließend um. Und nun, Herr Bonger, da haben Sie allerdings recht, nun muss die Ente natürlich weg! Sie allein müssen sie sich vom Halse schaffen.«

Diese schwere Anschuldigung verfehlt ihre Wirkung auf Bonger nicht. Schwer atmend protestierte er, »So war es nicht!«, verteidigte er sich. »Wie war es dann?«, schoss die Kommissarin sofort zurück. »Das weiß ich doch nicht, ich sollte nur die Ente verschwinden lassen, von einer scheiß-ermordeten Frau war nie die Rede.« »Wie sind Sie an das Fahrzeug des Mordopfers gekommen?« »Der Typ hat mir die Ente auf den Parkplatz direkt vor der Firma abgestellt und die Kohle in das Handschuhfach getan, da bin ich gleich zur Firma und hab die Ente für die Presse vorbereitet.

Einen Schlüssel für das Vorhängeschloss am Firmentor hat ja bei uns jeder von den Kollegen in der Tasche.« »Wo ist das Geld jetzt?«, fragte die Kommissarin. »Ausgegeben, Schulden bezahlt, den Rest versoffen, die Kohle ist komplett weg«, erklärte Bonger. »Das Telefon?« Bonger zog sein Handy aus der Tasche und reichte es der Kommissarin. Die checkte sofort die aktuellen Gesprächslisten. »Kein angenommenes Gespräch vorgestern früh, Herr Bonger. Das letzte Gespräch war von 22.17 Uhr, das war vom Abend zuvor.«

Bonger zuckte mit den Schultern,

»Habs‘ gleich gelöscht, war eh‘ keine Telefonnummer dabei, war bestimmt unterdrückt die verdammte Nummer, ich hab jedenfalls keine Nummer darauf sehen können«, ereiferte er sich. »Wissen Sie was, das ist mir völlig Schnuppe, Herr Bonger. Ihre Angaben bestätigen Ihren Bezug zum Fahrzeug, welches der Ermordeten gehörte und Sie haben es so manipuliert, damit es unauffällig und vorsätzlich entsorgt werden kann. Und eins garantiere ich Ihnen, das wird die Staatsanwaltschaft ganz genau so sehen, dass Sie die Tat gemeinschaftlich gegangen haben, was natürlich das Strafmaß für Mord deutlich verschärfen wird. Es tut mir leid für Sie,

Herr Bonger, aber Sie hatten jetzt Ihre Chance und Sie haben sie dummerweise nicht genutzt. Ich brauche Sie und Ihre Aussagen heute nun nicht mehr. Ich nehme Sie daher vorläufig fest, wegen des Verdachtes, eines gemeinschaftlich begangenen Mordes an Mademoiselle Francoise Delacroix. Polizeimeister, abführen, den Herren!« Bonger sprang auf. »Das können Sie nicht machen, ich hab damit nichts zu tun, ich hab doch nur das Auto …« »Sparen Sie sich das für Ihre Verteidigung vor Gericht, Herr Bonger, denn das ist höchstwahrscheinlich nun auch auf längere Sicht für Ihre nächste

Adresse zuständig. Mehr hab ich Ihnen nicht zu sagen.« Sie nickte dem Polizisten, der neben der Eingangstür stand, zu. Der ließ die stählernen Handschellen um Bongers‘ Gelenke klicken und packte ihn am Oberarm. »Ach und Polizeimeister, bitte das gesamte erkennungsdienstliche Programm für unseren ehrlichen Autoverwerter hier.« Der Polizist nickte und führte den nun für -Vorläufig Festgenommen- erkärten Mann ab. Kurz darauf betrat Kreuzer das Vernehmungszimmer. »Du weißt schon, dass das, was du da gegen Bonger vorbringst so dünn ist, dass es definitiv keinen Bestand vor dem

Staatsanwalt haben wird?«, mahnte er und überreichte ihr einen Plastikbecher mit heißem Kaffee aus dem Automaten vom Flur. Sie nickte dankend und trank einen kleinen Schluck von dem dunklen, dampfenden Gebräu. »Glaubst du wirklich, ich wüsste das tatsächlich nicht? Aber das bringt uns auch nicht weiter. Wir können ihm nicht beweisen, dass er mit dem unmittelbaren Tatgeschehen in Verbindung zu bringen ist. Aber die Mittäterschaft aufgrund der Bonger belastenden Indizien steht nach wie vor im Raum. Auch wenn es jetzt so aussieht, als hätte er tatsächlich nur das Fahrzeug des Opfers entsorgen sollen. Ist die denn Spurensicherung mit dem

Autowrack inzwischen etwas weiter vorangekommen?«

Jetzt lachte Kreuzer erheitert auf,

»Du wirst es kaum glauben, aber ich bin hier, um dich abzuholen, wenn wir unseren Kaffee ausgetrunken haben, gehen wir rüber zu Heinemann. Denn der hat mir am Telefon soeben eine kleine Überraschung á la ‚eingepresste Ente in Rouge‘ angekündigt, die sogar auf einen möglichen Täter hindeuten könnte.« Zehn Minuten später standen die beiden Ermittler in der Heinemannschen‘ Werkstatt und staunten nicht schlecht, was die Kollegen aus dem eingepressten Metallpaket des Citroëns inzwischen

gezaubert hatten. Mit einer diversen Spezialvorrichtung und mehreren kleinen Flaschenzügen hatte man das massiv zusammengestauchte Metallpaket vorsichtig wieder zu entfalten versucht, sodass die Ente in ihren charakteristischen Grundzügen sogar als solche im Ansatz auch wieder zu erkennen war. »Nun ja, fahren wird man mit dem Ding jetzt wohl nicht mehr können, aber vielleicht nachvollziehen, wer damit zuletzt gefahren ist und viele andere Details mehr lassen sich nun mit etwas Mühe wenigstens wieder halbwesgs rekonstruieren«, brummte Heinemann vergnügt, als er in die überraschten

Gesichter beiden der Kriminalisten sah. Ohne, dass sie es gemerkt hatten, war er hinter sie getreten. Heinemann reichte ihnen die Hand und wies mit einem hinterlistigen Grinsen im Gesicht, auf sein Büro.

»Was, wenn ich euch vielleicht sogar mit etwas Glück, den Täter präsentieren könnte?« Die Ermittler starrten ihn an, »Du hast ihn doch nicht etwa tatsächlich herausgefunden, Bernhard?«, fragte Kreuzer den Chef der Spurensicherer. Der grinste diabolisch über das ganze Gesicht. »Nun, das vielleicht noch nicht, aber wir haben etwas gefunden, was euch mit

Sicherheit auf diesem Weg dahin bestimmt recht gut weiterhelfen kann. Die Einnahme der Festung überlasse ich dann der Infanterie«, meinte er verschmitzt lachend. »Mach es doch nicht so spannend, Berni, was ist es?«, hinterfragte nun auch Verena Süss. Heinemann lotste die beiden in sein Werkstattbüro. Dort schaltete er mit einem Fingerdruck seinen Rechner auf ‚on‘ und ließ ihn aus dem Stand-by-Modus erwachen. »Als erstes, haben wir im Inneren der Ente, zwei Blätter jener Weinreben, eingeklemmt in den Sitzen der Ente, gefunden. Also das Fahrzeug war mit Sicherheit definitiv dort oben auf dem

Weinberg, das belegen auch die Reste von dem Rotliegenden, welche wir in dem Reifenprofil sicherstellen konnten. Zweitens, haben wir die Fingerabrücke, eines gewissen Fred Bonger am Lenkrad gefunden, einem entlassenen Straftäter, der noch bis vor kurzem …« »Der sitzt bei uns oben zur Befragung, Berni, da waren wir ein ganz klein wenig schneller«, grinste nun Kreuzer seinerseits. Worauf ihn Heinemann leicht verdutzt anstarrte. »Okay, das sollte dann wohl nicht so sein«, resümierte er etwas enttäuscht. Aber Heinemann wäre nicht der Leiter der Spurensicherung, wenn er nicht zu guter Letzt doch noch ein Trumpf-Ass

aus dem Ärmel hätte zaubern können. »Und was haltet ihr davon?« Er tippte auf eine Taste seines Rechners und das gewechselte Bild zeigte nun einen DNA-Vergleich. »Die DNA des Täters, die wir unter den Fingernägeln des Opfers sicherstellen konnten und diese hier, die wir in Form von Hautschuppen in der Ente gefunden haben entspricht der eines männlichen Blutsverwandten ersten Grades.« »Also zum Beispiel, der DNA des Bruders, vom Täter …«, ergänzte Kreuzer tonlos. Heinemann nickte. »So könnte man es auch sagen oder in diesem Falle noch besser, finde den Halbbruder, denn nur der führt dich mit

Sicherheit zum Täter«, dozierte Heinemann. »Nun ja, das klingt scheinbar einfacher, ist aber bestimmt genauso schwer, als den Täter selbst zu ermitteln«, meinte Verena Süss skeptisch. »Nicht ganz«, widersprach Kreuzer, »wir haben jetzt zwei sachlich korrekte Ansatzpunkte, den Täter zu ermitteln. Das erhöht unsere Chance nahezu um das Doppelte, denn beide Richtungen führen am Ende zu einem Punkt, zu unserem Mann. Also ich halte diese Erkenntnis für einen Riesenschritt in die richtige Richtung.« »Das wäre erst einmal unser neuster Erkenntnisstand, macht was draus.

Sobald sich etwas Weiteres ergibt… Ich halt‘ euch selbstverständlich auf dem Laufenden«, verabschiedete sich Heinemann. Auf dem Rückweg in das Büro fragte die Kommissarin ihren Kollegen, »Hat denn dein Telefonat mit Hamburg was ergeben?« Kreuzer lächelte, »Natürlich, wir werden uns den Bonger noch einmal vorknöpfen müssen. Der Bursche hat uns verständlicherweise recht kurz gehalten mit Informationen, ist ja auch sonnenklar warum. Ich bin aber gespannt auf die Auswertung seiner Handyverbindungen. Diese Sache läuft allerdings noch. Und dann schaun‘ wir mal. Aber nun zu deiner Frage. Die Jungs

dort sagten mir, es gäbe da wohl jemanden. Aber das wisse leider nur ein einziger Kollege ziemlich genau und ausgerechnet der wäre zur Zeit aber dummerweise im Urlaub. Allerdings käme er schon übermorgen aus Kanada zurück. Urlaub im Indian-Summer, du verstehst?« »Nur zu gut, denn genau da wollte ich auch schon mal mit meinem Mann hindüsen, aber bei diesem stressigen Job hier, seh‘ ich selbst in absehbarer Zeit keine realistischen Chancen dafür. Es wird wohl noch länger nur ein Traum bleiben«, seufzte sie. Kreuzer nickte betrübt, auch er kannte dieses Dilemma, denn auch seine Frau lag ihm schon

lange in den Ohren, einmal mit ihm auf die Malediven zu fliegen. »Okay, Süsse, dann lass uns erst mal für heute Schluss machen. Morgen ist auch noch ein Tag. Auch Rom wurde nicht an einem Tag gebaut«, meinte Kreuzer, wohl auch weil er wusste, dass heute einfach nichts mehr zu reißen war, als er auf seine Uhr geschaut hatte.


Lange, viel zu lange schon in diesem Herbst, verwöhnte die Sonne die Rheinländer und ihre Umgebung, denn auch dieser neue Tag kam mit einem wolkenlos blauen Himmel und ungewöhnlich milden Temperaturen für die Jahreszeit daher.

Und weil Kreuzer so viel Licht im Moment einfach nicht brauchen konnte, schaltete er die Motoren der Jalousetten ein und verdunkelte den Raum. »Wo hast du den ganzen Krempel nur gelassen, du Kretin?«, murmelte er vor sich hin und schaltete den Beamer auf den Schreibtisch ein. Der scharf gebündelte Lichtstrahl jagte die Photonen durch die Optik und erzeugte an der weißen Wand des Büros, ein farbiges, virtuelles Bild. Der Kommissar hatte sich bei Google Earth die Umgebung vom Tatort als Landkarte auf den Beamer gelegt. Er stellte den Tatort, rund um den Weinberg von Bauer Perschke in den Mittelpunkt und suchte

nach diversen Möglichkeiten, das Gelände mit einem PKW zu verlassen. Dann schaltete er in den Satelliten-Modus um und zoomte solange an dem Bild herum, bis er einen übersichtlich erkennbaren Ausschnitt zur Verfügung hatte. »Wonach suchst du eigentlich, Justus?«, lautete die Frage von Verena Süss, nachdem sie die beiden personalifizierten Kaffeepötte mit dampfenden Kaffee aus der Kaffeemaschine aufgegossen hatte. Kreuzer drehte sich herum, »Er muss mit der Ente vom Weinberg gefahren sein, zuvor hatte er die Sachen des Mordopfers und ihre Malausrüstung in das Auto gepackt. Als er die Ente auf

dem Parkplatz an der Autoverwertung abgestellt hatte, war die bis auf die beiden Rebenblätter, die er offensichtlich nur übersehen haben musste, leer. Wo also hat er sich iher Sachen entledigt? Hat er die Dinge mit nach Hause genommen? Viel zu heiß, sie könnten bei ihm sogar gefunden werden und das wäre dann das absolute Aus. Also musste er sie verschwinden lassen, möglichst unauffällig, dafür aber um so schneller. Hat er sie womöglich in den Rhein geworfen? Der Fluss trägt eigentlich alles fort, sogar von Deck abgerissene riesige Container eines auf Grund gelaufenen oder havarierten Container-Schiffes verschwinden mitunter spurlos

in dem Bach und werden unglaublicherweise niemals wieder aufgefunden.«

Kreuzer schüttelte den Kopf, daran wollte er nicht so recht glauben. »Sehr riskant, es war nicht genug Zeit und immer das Risiko, in den sonnigen Morgenstunden dabei von irgend jemand gesehen zu werden. Ganz zu schweigen, von den Unwägbarkeiten, wenn der Fluss die Dinge ein paar Meter weiter, wieder ans Ufer gespült hätte. Nein, nein, unserer Täter musste definitiv auf Nummer sicher gehen. Entweder das ganze Zeugs irgendwo vergraben, es an unauffälliger Stelle verbrennen oder es geschickt zu verstecken. Genau nach so

einer Stelle suche ich. Sie sollte einerseits, nahe genug an der Straße liegen, aber auch anderseits auch unverdächtig genug erscheinen, um ungefährdet vielleicht ein kleines Feuerchen machen zu können. Man muss nur versuchen, sich mal in die Rolle des Täters hineinzuversetzen. Nach der Tat, die er ja dennoch nicht logisch vorgeplant haben konnte, geht er zielgerichtet und ziemlich sorgfältig vor. Das heißt, er denkt logisch und verfällt nicht gleich in Panik. Um sicher zu gehen, beseitigt er nicht nur die Spuren, die ihn belasten, er beseitigt alle Spuren. Keine Papiere, keine Kleidung, keine Blutspuren. Seinen Fallschirm beseitigt

er ebenso, wie die verräterischen Weinstöcke, an deren Blättern sein Blut von der Notlandung klebt, genauso das Malequipment von Mademoiselle Delacroix, sowie deren komplette Kleidung. Keinerlei Rückschlüsse auf das Opfer zulassen. Alles was A, zur Identifizierung der Leiche oder B, zu seiner eigenen Identifizierung führen könnte, musste rasch vernichtet werden, bis hin zu dem Auto des Opfers. Also vernichtet er es. Das erscheint ihm als die sicherste Methode. Und immer dieser elende Zeitdruck im Nacken, der auf ihn lastet, denn er steht sehr unter einem enormen Zeitdruck. Er musste also schnell handeln, was er ja dann auch tat.

Denn schon relativ kurze Zeit nach dem Mord, stand der komplett ausgeräumte Citroën bereits auf dem Parkplatz vor der Autoverwertung Jahnke. Du verstehst, worauf ich hinaus will? Der Typ hatte einfach nicht genug Zeit, um sich eine umfassende Lösung für all seine Probleme einfallen zu lassen. Er musste schnell agieren, ihm lief quasi die Zeit davon. Also könnte sich das, was wir suchen, ganz in der Nähe des Weinbergs befinden. Eine sich anbietende günstige Stelle, wo er das Zeugs vergraben oder verbrannt haben könnte. Wobei ich nun eher zu einem kontrollierten Ablegen neige, denn ein Feuer in der Landschaft, ist oftmals gut zu sehen und natürlich

auch meilenweit zu riechen. Mal ganz davon abgesehen, ist es zurzeit seit Wochen absolut windstill, kaum eine Luftbewegung ist zu verspüren und eine senkrecht aufsteigende Rauchfahne würde ihn unter Umständen erst recht schnell verraten können. Vergraben glaube ich auch eher weniger, da er nicht über das notwendige Grabwerkzeug verfügte. Ich gehe auch nicht davon aus, dass er in dem Auto von Mademoiselle Delacroix, eine Schippe oder einen Spaten gefunden hat. Ich tendiere eher dazu, dass er das Zeugs irgendwo günstig abgelegt und es mit Zweigen und Ästen geschickt getarnt hat. Vielleicht, um es später abzuholen und es dann sicher zu

vernichten, wenn die Zeit dafür gekommen ist.« Kreuzer suchte nun intensiv nach der Ausfahrt aus Perschkes Weinberg mit der größtmöglichen Vergrößerung des Satellitenbildes auf der Europastraße 42 in Richtung Mainz, nach einer geeignet erscheinenden Möglichkeit, die Straße zu problemlos zu verlassen. Seine Suche erstreckte sich bis zu den ersten Siedlungshäusern der Mainzer Stadtgrenze. »Es kommt eigentlich nur der Lennebergwald infrage«, sagte er nachdenklich. »Weiter in Richtung Ingelheim zu suchen, macht keinen Sinn, da entfernt er sich zusehens aus dem

Aktionskreis und kommt dann später mit der Zeit nicht mehr klar. Es kann nur dieser Wald auf der E42 hier sein. Hier gibt es auch einen wilden Parkplatz unmittelbar an der Europastraße, den sollte wir unbedingt mal näher ins Auge fassen. Das machen wir heute Nachmittag, wenn du keine anderwärtigen Termine hast, Verena.« »Die Theorie vom Fallschirmspringer als Täter, lässt dir wohl gar keine Ruhe, oder wie soll ich das sehen? Es kann doch gar kein Fallschirmspringer gewesen sein, denk doch mal an den Leiter vom Flugplatz oder an deine Nachfrage bei der Bundeswehr. Da war doch nichts, alles negativ, es kann kein

Fallschirmspringer gewesen sein, meiner Meinung nach. Denn für einen, wie auch immer ausgestatteten Fallschirmspringer gibt es doch überhaupt keinen einzigen akzeptablen Beleg«, widersprach ihm seine Kollegin und nippte an ihrem heißen Kaffeepott. Gerade eben wollte Kreuzer seine Position noch mit Nachdruck vehement verteidigen, als er urplötzlich inne hielt. Er verharrte starr in der eingenommenen Pose und seine erstarrten Augen schauten durch die Mauern dieses Gebäudes hindurch, ebenfalls ins Leere.

Erstaunt betrachtete die Kommissarin ihren Kollegen in dieser urkomischen

Erkenntnisgewinnungspose und kreierte

im Geiste ein Denkmal für den Chef der Mainzer Mordkommission. Heureka, so sollte man es nennen, nach dem griechischen Erfinder Archimedes, dachte sie und schmunzelte über sich selbst. In diesem Moment bedauerte sie, gerade keinen Fotoapparat zur Hand zu haben, denn das ergäbe mit Sicherheit ein frappierendes Bild für die Götter. »Ich glaube, ich hab's gefunden!«, sagte Kreuzer plötzlich ganz leise und setzte sich kommentarlos auf seinen Stuhl. »Ich Idiot, was war ich nur für ein Idiot, ich bin immer von einem Fallschirmspringer ausgegangen, mea culpa! Oh‘ Mann, mea culpa! Natürlich war es kein Fallschirmspringer, das wissen wir ja

nun. Süsse, ich könnt‘ dich küssen, du erst hast mir die Augen geöffnet, vielen Dank dafür.«

Verena Süss war immer noch ganz verdattert und konnte nicht so recht verstehen, warum Kreuzer so urplötzlich einen höchst ungewöhnlichen Veitstanz aufführte. »Okay, aber vielleicht klärst du mich erst mal auf, warum das denn nun plötzlich doch kein Fallschirmspringer mehr gewesen sein soll?« Kreuzer schüttelte den Kopf, »Ja überleg doch mal, was gibt es denn noch, was frei fliegt? Ich hab da viel zu kurz gedacht. Es gibt doch auch noch Gleitschirmflieger und andere diverse

Drachenflieger… «, zählte Kreuzer auf. »Und nicht zu vergessen, Ballonfahrer«, ergänzte Verena Süss. Kreuzer zeigte wieder mit dem Finger auf seine Kollegin, »Genau. Obwohl ich Letztere hier so gut wie ausschließe, der Korb ist einfach zu groß, um ihn mit einer Ente wegzuschaffen. Aber ein Gleitschirm darin zu verstauen ist jedoch ohne Probleme möglich. Ein Drachen ist möglicherweise auch zu groß, aber zusammengelegt, passt er vielleicht doch hinein. So man die starre Konstruktion mit wenigen Handgriffen demontieren kann. Warum nicht? Also, wir machen uns gleich daran und suchen primär nach

diversen Gleitschirmflieger-Clubs und Drachenflieger-Clubs der Umgebung im Internet. Ich halte einen Durchmesser von einhundert Kilometer für sinnvoll. Oder wie weit kann man mit so einem Drachen überhaupt fliegen? Keine Ahnung, aber genau das müssen wir jetzt in Windeseile herausbekommen, Süsse!« Die Kommissarin hatte schon mit Feuereifer ihren Rechner in Marsch gesetzt, um die umliegenden Clubs der Drachenflieger im Internet zu besuchen. »Fiat Lux«, rief Kreuzer seiner Kollegin nun gut gelaunt zu und drückte auf den Knopf, der die Jalousetten aufwärts bewegen ließ. Die morgendliche Helligkeit flutete wieder ins Büro.

»Ja, es werde Licht, auch in unserem Fall, ich glaube wir sind jetzt auf einem richtigen Weg«, meinte die Kommissarin nun ebenfalls wieder vom Jagdfieber gepackt und blinzelte gegen das grelle Sonnenlicht an. Kreuzer schaltete den Beamer aus und machte sich daran, die Gleitschirm-Clubs zu durchforsten. Nach einer guten Stunde hatten die beiden Kommissare ihre Recherche beendet und waren fündig geworden. Man war sich darin einig, dass es in der Nähe nur einen einzigen diesbezüglichen Club gab, der infrage kam und zugleich auch alle Voraussetzungen erfüllte. Das war der Gleitschirmclub "Free Flight“ in Walluf, einem kleinen Ort, südwestlich

von Wiesbaden. »Wir fahren am besten gleich dorthin, auf die andere Rheinseite in die Rosenstraße und machen uns direkt vor Ort sachkundig, eh‘ wir jetzt erst den umständlich langen Dienstweg nehmen. Was meinst du?« Die Kommissarin nickte bestätigend, »Wir könnten ja gleich auf dem Rückweg dem wilden Parkplatz auf der E42 noch einen Besuch abstatten, wenn wir schon mal unterwegs sind«, griff sie Kreuzers Idee auf. »Genau so machen wir das, Süsse«, sagte Kreuzer kurz entschlossen. Während die Kommissarin nach dem Zündschlüssel für den Daimler langte, der an der

Tischleuchte hing, verharrte Kreuzer einen Moment lang. »Wir kommen jetzt immer mehr in eine Phase, wo es durchaus auch mal richtig heiß werden kann. Bitte Verena, nimm ab jetzt, besser immer auch deine Waffe mit«, mahnte Kreuzer an und entnahm seinem geöffneten Schreibtischschubfach seine Dienstwaffe. Eine schwarz brünierte SIG Sauer und schob sie sich in das Holster an seinem Hosenbund.

Verena Süss steuerte den Daimler zügig durch den vormittäglichen Mainzer Straßenverkehr. Sie nahm die kurze Autobahnauffahrt bei Mombach, um über die Rheinbrücke auf die Wiesbadener

Seite zu kommen. Den Weg kannte sie recht gut, da ihr Mann im Wiesbadener BKA tätig war. Etwa zwanzig Minuten später standen sie in der Rosenstraße vor dem Gebäude des Gleitschirmclubs in Walluf. »Wir machen es so, während ich rede, behältst du den Betreffenden im Auge und achtest mir auf jede Veränderung in seinem Verhalten, besonders wenn ich relevante Punkte anspreche, okay?« Verena Süss zog eine Grimasse, »Ich hab absolut nichts dagegen, Herr Oberkommissar Kreuzer...«, lautete ihre etwas lakonische Antwort. Kreuzer musste grinsen,

»Mensch Mädel, nun bleib doch mal

locker, Verena, deine Zeit kommt auch noch, wirst sehen und denk an meine Worte.« »Deine Worte in Gottes Gehörgang«, entgegnete sie leicht verschnupft. »Sieh doch das mal so, ich fühl' mich einfach viel sicherer wenn ich weiß, es steht jemand hinter mir und schützt mir im Falle der Gefahr, mein Leben. Da kann ich doch gleich viel besser agieren, ja sogar auch viel schneller denken«, argumentierte Kreuzer, während er bereits die Wagentür des Daimlers öffnete. »Du musst es ja wissen, Boss«, lächelte die Kommissarin. Jetzt musste Kreuzer sogar richtig laut lachen,

»Und ob, Süsse, und ob...« Kurz darauf betraten sie das Gebäude. In dem fast kreisrunden Foyer hingen überall Werbeplakate und Poster von gleitschirmfliegenden lachenden Leuten. Junge Gesichter, denen man es ansah, wie gern sie diesen Sport betrieben. Die Kommissare hatten kaum Zeit, sich umzusehen, da wurden sie auch schon von einer jungen Frau angesprochen, »Zur Anmeldung für den privaten Luftfahrerschein, kommen Sie zu spät, der Lehrgang ist bereits vollständig ausgebucht, die nächsten Anmeldungen nehmen wir erst wieder nächstes Jahr im März entgegen.«

Kreuzer und Süss hielten ihre jeweiligen

Dienstausweise in die Höhe, »Oberkommissar Kreuzer, Kripo Mainz und das ist meine Kollegin Süss. Wir kommen nicht wegen einer Anmeldung zu einem Lehrgang, wir hätten gern einmal den Clubleiter oder den Chef gesprochen, wenns möglich ist.« »Oh‘ der Chef isch gar net da, ich kann Ihnen nur seinen Stellvertreter rufe lasse, wenn Ihne des genehm isch?«

Kreuzer deutete eine leichte Verbeugung an, »Wenn Sie bitte so freundlich wären.« Die junge Frau nickte, »Wenn Sie bitte einem Moment hier warte würde.«

Sie verschwand in den hinteren

Geschäftsräumen. Kurz darauf trat ein lächelnder junger Mann, in das Foyer hinter den Empfangstresen. Er war etwa Mitte bis Ende zwanzig und trug runde schwarze Brille und einen dünnen rotblonden Bartkranz. »Guten Tag, die Herrschaften, von der Polizei, wie ich höre?« Kreuzer zeigte noch einmal seinen Dienstausweis, »Oberkommissar Kreuzer, Kripo Mainz und das ist meine Kollegin, Kommissarin Süss. Wir hätten gern den Chef gesprochen, wenn es möglich wäre.« »Mein Name ist Möller, ich bin nur der stellvertretende Clubleiter, der Chef, also der Herr Kortner ist leider nicht da.

Aber vielleicht kann ich ihnen ja weiterhelfen?« »Ja selbstverständlich, warum denn nicht? Wenn Sie mir sagen können, ob vorgestern in der Früh jemand von Ihrem Club mit einem Gleitschirm oder einem Drachen geflogen ist?«, fragte Kreuzer. »Ich glaube, es ist besser, wir gehen lieber ins Büro, denn das müssen wir ja nicht im Foyer klären. Ich darf dann mal voraus gehen?« Möller wies mit einer einladenden Geste auf die Durchgangstür zu den Geschäftsräumen. Die beiden Kommissare folgten dem jungen Mann in dessen Büro. »Sie kommen gewiss wegen des schweren Flugunfalls, obwohl die Herrschaften von

der zuständigen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung auch schon da waren und ich annahm, dass die Sache damit schon so gut wie aufgeklärt wäre. Aber bitte, so nehmen Sie doch Platz.« Möller wies auf zwei Ledersessel vor seinem Schreibtisch. Die Kommissare setzen sich und Kreuzer schaute dem jungen Mann unverwandt ins Gesicht. »Wir hätten nur gern Ihre ganz persönliche Sicht auf die Dinge gehört, die sich da vorgestern früh bei Ihnen abgespielt haben, wenn Sie uns dabei behilflich sein könnten«, lenkte Kreuzer vorsichtig ein und holte einen winzigen Notizblock und einen kurzen Bleistiftstummel aus seiner Jackettasche.

»Erzählen Sie doch mal in aller Ruhe und ganz von vorn, wie sich das aus Ihrer Sicht alles zugetragen hat, das wäre schon sehr hilfreich.«

»Ja gut, aber ich kann es also nur so wiedergeben, wie ich es weiß, denn ich war ja nicht unmittelbar dabei«, meinte der junge Mann etwas verunsichert. »Das macht nichts, erzählen Sie es so, wie Sie es wissen«, beruhigte Kreuzer den Mann. »Okay, also der Chef hatte vorgestern früh angekündigt, dass er vormittags einen Gleitflug machen wolle, von unserem Startpunkt hier, also genauer vom Sommerberg bei Frauenstein. Er hatte auch seinen Rucksack mit dem

Schirm und dem Rettungsgerät ordnungsgemäß gepackt und ist auf den Hügel gestiegen. Dann soll er wohl auch normal gestartet sein und machte seinen Rundflug. So zwischen halb und dreiviertel zehn klingelte dann aber mein Handy und der Chef, also der Herr Kortner, teilte mir mit, dass er abgestürzt sei, schwer verletzt wäre und ohne fremde Hilfe nicht mehr gehen könne. Medizinische Hilfe habe er bereits schon angefordert, er wollte nur, dass ich zu ihm hinkommen sollte, um den schwer beschädigten Schirm zu bergen. Daraufhin bin ich dann sofort zu ihm gefahren. Da war dann aber auch schon der Notarztwagen vor Ort und man hatte

ihn bereits notärztlich versorgt. Ich habe mir auch gleich seinen lädierten Schirm angesehen, der war wirklich unglaublich stark eingerissen und zudem war die rechte Steuerleine gebrochen. Also hab' ich dann ein paar Fotos von dem Schirm gemacht, ihn so gut es eben ging zusammengepackt, und ihn dann ins Auto verbracht. Die Ambulanz hat den Herrn Kortner mit einem offenen Beinbruch danach dann auch gleich ins Krankenhaus transportiert. Soweit ich weiß, wurde er ins Mainzer Universitätsklinikum gebracht. Das ist leider alles, was ich Ihnen dazu sagen kann, und wie diese Steuerleine brechen konnte, weiß ich echt nicht, ist allerdings auch noch nie

vorgekommen«, beendete Möller seinen Bericht. Kreuzer hatte sich ein paar Notizen gemacht und begann dem Mann einige Fragen dazu zu stellen. »Wo genau bitte, war die Absturzstelle, Herr Möller? Wenn Sie mir das mal auf der Karte hier, mit einen Punkt markieren könnten?« Er reichte ihm eine kleine Straßenverkehrskarte vom ADAC, die er aus seiner Jackettasche gefischt hatte. Möller faltete die Karte auseinander und markierte mit seinem Kugelschreiber eine Stelle, westlich von Mainz, etwa in der Höhe der E42. »Ungefähr hier, denke ich«, meinte Möller. Kreuzer ließ sich mit keiner Regung anmerken, was er dabei dachte,

als er erkannte, dass Möller mit seinem Kugelschreiber einen kleinen blauen Kreis um den Punkt mit dem wilden Parkplatz gezogen hatte. »Und da sind Sie sich ganz sicher, dass es exakt dieser Ort war?«

»Muss ja wohl, denn ich bin ja anschließend sofort dort hin gefahren und da lag der Herr Kortner ja auch mit seinem offenen Beinbruch.« »Okay und wo haben Sie den Gleitschirm von Herrn Kortner, kann man den mal sehen?«, fragte Kreuzer weiter. »Das tut mir leid, der ist schon weggeschickt, seit gestern unterwegs nach England, zur Reparatur. Der Herr Kortner wollte ihn so schnell wie

möglich repariert haben und bat mich das beschädigte Fluggerät umgehend in die britische Herstellerfirma zu schicken, was ich natürlich auch sofort getan habe.« »Aber Sie werden doch sicher die Fotos von diesem ramponierten Schirm noch haben, Herr Möller?«, hakte Kreuzer sofort nach. »Kein Problem, soll ich sie Ihnen schnell ausdrucken?« »Das wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie dann so nett wären«, lächelte Kreuzer. Möller erhob sich von seinem Platz hinter dem Schreibtisch und verließ den Raum. Die Kommissarin Süss wollte ihm

schon folgen, aber Kreuzer hielt seine Kollegin kurz am Ärmel fest. »Lass ihn, der kommt wieder, er ahnt noch nichts, belassen wir es einstweilen dabei.« Sie setzte sich wieder in den Sessel und schüttelte nur mit dem Kopf. Aber Kreuzer winkte lächelnd ab, als wolle er sagen, nur Geduld, unsere Stunde kommt noch. Tatsächlich brachte Möller nach ein paar Minuten mehrere farbige A4 Bilder und reichte sie dem Kommissar. Sie zeigten einen stark beschädigten rot-blauen Gleitschirm, dessen Nähte in der Mitte bis zu einem Meter tief eingerissen waren.

»Ich hatte mit dem Handy sogar noch weitere Fotos gemacht, aber nicht mehr daran gedacht. Ich war natürlich echt geschockt, als ich den Herrn Kortner so habe daliegen sehen, mit diesem offenen Oberschenkelbruch.« »Natürlich, das kann ich sogar absolut nachvollziehen«, brummte Kreuzer, während er sich intensiv die farbigen A4-Ausdrucke anschaute. »Ach, und sagen Sie, zu dieser Zeit war auch nur der Herr Kortner unterwegs, ich meine mit einem Gleitschirm oder einem Drachen?«

Möller schüttelte verwundert den Kopf, »Ich verstehe Ihre Frage nicht ganz, Herr Kommissar, natürlich war er der Einzige,

der zu diesem Zeitpunkt in der Luft war. Ich habe etwa ab acht Uhr, Theorie-Unterricht erteilt für den privaten Luftfahrerschein und die beiden anderen Ausbilder sind seit einer Woche mit dem aktuellen Lehrgang in Bayern zur Flugprüfung. Aber was hat Ihre Frage mit dem Unfall von Herrn Kortner zu tun?« »Es gibt da noch einige offenstehende Fragen zu beantworten und deshalb wollten wir uns erst einmal ein ganz persönliches Bild von dem Geschehnis machen, ehe wir noch andere, möglicherweise damit im weiteren Zusammenhang stehende Dinge aufklären können, Herr Möller«, antwortete

Kreuzer geschickt ausweichend. »Sollten Ihnen aber unter Umständen auch im Nachhinein noch einige relevante Details zu diesem Unfall einfallen, so würde ich Sie bitten, uns einfach anzurufen. Ich lass Ihnen mal meine Karte da, nur für den Fall, dass …«

Er reichte Möller seine neutrale Karte mit der Telefonnummer der Abteilung Kriminalpolizei vom Präsidium. »Verlangen Sie einfach mich oder die Kollegin Süss«, er wandte sein Gesicht seiner Kollegin zu. Die Kommissarin grinste zustimmend. »Sollten wir noch Fragen an Sie haben, melden wir uns noch einmal bei Ihnen. Haben Sie zufällig eine Karte von sich dabei?«

Möller langte unter den Tresen und reichte Kreuzer eine Club-Karte. Kreuzer bedankte sich und die Kommissare verließen das Clubgelände. Zurück blieb ein sichtlich verunsicherter junger Mann, der etwas nachdenklich auf die Karte des Kriminalisten starrte. Als die beiden Ermittler wieder im Daimler saßen, schob Verena Süss den Schlüssel ins Zündschloss und lehnte sich zurück, jedoch ohne den Motor zu starten. »Was war denn das jetzt? Das war ja, gelinde gesprochen, ein Musterbeispiel von einem Lehrstück der Polizeischule für eine Informationsbeschaffung, ohne

die Wahrheit zu sagen und ohne zu lügen. Justus, ich bin ehrlich gesagt, ziemlich beeindruckt, wie du das gedeichselt hast«, lobte die Polizistin ihren Kollegen. Ein kurzes Grinsen huschte über Kreuzers Gesicht, der hatte jetzt aber ganz andere Intentionen. Nachdem er sich etwas gesammelt hatte, wandte er sich wieder seiner Kollegin zu, »Was fangen wir denn mit diesen frisch gewonnenen Information an? Ich hatte nicht den Eindruck, dass dieser Möller uns die Unwahrheit gesagt hat. Es klang plausibel und sehr überzeugend. Ich denke, dass es sich aus seiner Sicht genau so abgespielt haben muss. Ob dies allerdings die Wahrheit ist, das wag' ich

zu bezweifeln. Ich glaube nun aber, dass Kortner ganz sicher unser Mann ist.« Die Kommissarin schob nun erneut wieder ihre Unterlippe etwas vor. »Vielleicht hast du ja recht und Kortner ist der, den wir suchen, aber wie geht das in Einklang mit seiner schweren Verletzung? Das wäre ja doch wohl ein Unding, dass er mit einer so eklatanten Verletzung, eine solche Handlung begehen könnte, ein offener Oberschenkelbruch... Eigentlich unmöglich«, gab sie zu kopfschüttelnd zu bedenken. »Da magst du wohl mit deiner Einschätzung richtig liegen, entweder er ist unschuldig und alles ist purer Zufall,

die Zeit, der Gleitflug, der Absturz, die Verletzung oder aber alles hat nur eine reine Alibifunktion, um zu belegen, dass er gar nicht der Täter gewesen sein kann. Vielleicht sollen wir ja gerade das glauben, dass er es genau deswegen nicht gewesen sein kann, weil es einfach viel zu absurd klingt einem so schwer verletzten Menschen, eine solche Handlungsweise zu unterstellen. Und wenn er uns das so dermaßen überzeugend glauben machen kann, dann ist er in der Tat, der perfekte Täter. Ich meine, wir sollten zumindest solange an seiner Unschuld zweifeln, bis wir ihn mit absoluter Sicherheit als Täter definitiv ausschließen können. Schön wäre es

natürlich, wenn wir an seine DNA gelangen könnten, aber so weit sind wir noch nicht. Dazu brauchen wir in der Tat noch mehr Beweise, so ein paar Indizien reichen dafür nicht aus. Aber zum Glück kann er uns ja vorerst nicht weglaufen. Was wir verhindern müssen ist, dass er uns zuvorkommen könnte, bei der Vernichtung oder beim Beiseiteschaffen von Beweismitteln. Er könnte jemanden, der ihm vertrauenswürdig genug erscheint, beauftragen die Sachen des Opfers irgendwann mal sicherzustellen. Deshalb werden wir rasch unsere Spurensicherung an bezeichneter Stelle, nach den verschwunden Sachen von Francoise Delacroix, suchen lassen.

Heinemanns‘ Jungs, sollen den wilden Parkplatz und das angrenzende Gelände mal etwas näher unter die Lupe nehmen. Wenn Kortner tatsächlich dahinterstecken sollte, dann hat er nämlich nicht allzu sehr viel Zeit gehabt, etwas gründlich zu verstecken. Also wenn überhaupt, dann liegt das Zeug höchstwahrscheinlich dort drüben, im Lennebergwald, in der Nähe dieses wilden Parkplatzes an der E42.« Er nahm sein Handy aus der Jackentasche und wählte Heinemanns Nummer, die er auf der Kurzwahl gleich unter der Taste der Nummer zwei abgespeichert hatte. Einen Moment später erläuterte er bereits dem obersten Spurensicherer, was er von

ihm erwartete und beschrieb ihm genau, wo er mit seiner Suche beginnen sollte. »… ja, ich denke, der Einsatz von Suchhunden könnte sich lohnen, da es ja um die persönlichen Kleidungsstücke vom Opfer handel«, beendete er das Telefonat. »So und nun fahr zu, Süsse, denn wir beiden Hübschen werden uns jetzt noch mal unsern Freund Bonger vornehmen, ich will endlich wissen, wer die Ente auf den Parkplatz vor dieser verdammten Autoverwertung abgestellt hat.« Verena Süss lächelte und startete den Motor. Beim Anfahren knallten ein paar Steinchen ziemlich heftig gegen den

Unterboden des Daimlers, aber das war Kreuzer von seiner Kollegin ja bereits gewohnt. Fred Bonger saß auf seinem Stuhl und war längst nicht mehr so zuversichtlich, wie noch am gestrigen Tag, als die Kommissarin ihn ein kostenloses Übernachtungsquartier zur Verfügung gestellt hatte. Bonger bestand nun auf einen Anwalt und seither wartete man auf den Juristen, der ihm laut Gesetz auch zustand. Während die beiden Kommissare hinter der halbdurchlässigen Spiegelwand ihren Kaffee aus dem Automaten von Flur tranken, saß Bonger nervös auf seinem Stuhl und hielt sich

mit seinen Pranken krampfhaft an der Sitzfläche fest. »Ich bin fest davon überzeugt, der Bonger weiß ganz genau, wer ihm die Ente vor die Tür gestellt hat«, meinte die Kommissarin. »Davon gehe ich auch aus, ich hoffe nur, dass sein Anwalt das ebenso sieht und ihn dazu bewegen kann, mit uns zusammenzuarbeiten. Na, der kommt ja wie auf Stichwort«, sagte Kreuzer, als er sah, wie die Tür aufging und Bongers Rechtsanwalt das Vernehmungszimmer betrat. Er verließ den Beobachtungsraum und betrat ebenfalls das karg möblierte Vernehmungszimmer. »Rechtsanwalt Keese, ich nehme an, Sie

sind der leitende Ermittlungsbeamte?« »So ist es Herr Anwalt, Kriminaloberkommissar Kreuzer.« Der Anwalt nickte nur kurz, »Ich möchte mich mit meinem Mandanten erst einmal ungestört allein besprechen, ehe wir uns hier zur Sache äußern, Herr Kreuzer.«

»Das ist Ihr gutes Recht und wenn Sie dem Kollegen bitte folgen wollen?«

Er nickte dem Polizeimeister zu.

»Bitte bringen Sie den Anwalt und seinen Mandanten nach nebenan«, wies er den Polizisten an. Die drei verließen den gerade den Raum, als der Pieper von Kreuzer anschlug. Der Kommissar warf einen Blick auf die

Nummer und deutete seiner Kollegin hinter der Spiegelwand an, dass er ein Telefongespräch führen müsse. Dann verließ auch er das Zimmer. Eine halbe Stunde später saßen sie alle wieder zusammen, als Kreuzer mit der amtlichen Vernehmung begann. »Herr Bonger, wie wär's, wenn Sie uns endlich die Wahrheit sagen würden, wer Sie vor zwei Tagen früh morgens angerufen und Ihnen den roten Citroën 2CV auf den Parkplatz vor Ihrer Firma abgestellt hat. Sie wollen uns doch nicht ernsthaft glauben machen, Sie wüssten nicht, von wem dieser Auftrag kam?« Bonger sah seinen Anwalt an. Der nickte. »Also ich habe ihn am Abend zuvor in

der Kneipe getroffen und er hätte die Ente von einer Bekannten geklaut. Nun wäre sie ihm allerdings zu heiß geworden, weil er alles aus dem Auto schon vertickt habe, Computer, Kamera, Camcorder und so weiter. Deshalb musste die Ente verschwinden.« Er blickte Kreuzer mit einer Unschuldsmine an, dass dem beinahe der Geduldsfaden gerissen wäre. »Der Name des Kumpels?«, fragte Kreuzer hart. »Keine Ahnung, ich kenne nur seinen Spitznamen, die nannten ihn in der Kneipe immer nur „Pitt“«, beteuerte er. Kreuzer stand auf und ging um den Tisch herum und positionierte sich direkt

neben Bonger. »Pitt, he?« Bonger nickte. Kreuzer schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, dass es kurz knallte. »Nun bleiben Sie mal bitte sachlich, Herr Kommissar...«, mahnte der Anwalt an. »Wie wärs, Herr Anwalt Keese, wenn Sie Ihrem Mandanten mal kräftig ins Gewissen reden würden, damit er endlich mit der Wahrheit heraus rückt. Denn Ihr Mandant hier, der lügt hier nämlich wie gedruckt und ich sehe überhaupt keinen Grund dafür, warum wir ihn nicht der Mittäterschaft des Mordes an Mademoiselle Delacroix anklagen sollten«, donnerte Kreuzer. Der Anwalt wollte sich gerade äußern, als Kreuzer

erneut loslegte. »So, Herr Bonger und jetzt werde ich Ihnen sagen, wer Sie beauftragt hat, den Citroën verschwinden zu lassen, da Sie es ja immer noch vorziehen, hier ständig weiter zu lügen. Hieß Ihr ominöser Auftraggeber nicht zufällig etwa Heinz Lodd oder auch ‚der kleine Lord‘, genannt?« Bonger schluckte und sein Gesicht nahm wieder einmal die Farbe einer vollreifen Tomate an. »Sie sehen, es nutzt ihnen gar nichts, nur ist es jetzt zu spät, denn wir konnten den Namen Ihres Mittäters auch ohne Ihre Hilfe ermitteln. Dafür wird sich der Staatsanwalt noch extra bei Ihnen bedanken, Herr Bonger.«

»Bonger, ich hatte Ihnen doch klar geraten,…«, schimpfte der Anwalt. »Polizeimeister, führen Sie den Mann ab, das Gespräch ist beendet«, wies Kreuzer den Polizisten an. »Hamburg?«, fragte die Kommissarin, als sie im Daimler saßen und zu der Adresse von Heinz Lodd unterwegs waren »Hamburg«, bestätigte Kreuzer. »Der Beamte von der JVA kam einen Tag früher aus seinem Urlaub zurück, als sein Kollege ursprünglich angenommen hatte. Natürlich hat er mich gleich angerufen. Heinz Lodd, alias, ‚der kleine Lord‘, vier Jahre wegen schwerer Körperverletzung und wegen Raubes, wurde vor gut einem Monat aus der JVA Santa Fu entlassen,

wohnt jetzt wieder in Mainz, unter seiner alten Adresse bei seiner Noch-Immer-Freundin, Martina Vollrath, Prostituierte. Er soll sehr aufbrausend und äußerst jähzornig sein, verliert schnell die Kontrolle über sich und reagiert besonders brutal, wenn er sich angegriffen fühlt. Höchstwahrscheinlich, weil er nur einen Meter fünfundsechzig groß ist, deshalb auch sein Spitzname, ‚der kleine Lord‘. Also unterschätzen darf man den auf keinen Fall, aber wir werden ihn natürlich zur Befragung gleich mitnehmen und dann werden wir ja sehen, wo er zu dem Citroën gekommen ist. Wir fahren jetzt erst mal zur Heugasse und hoffen, dass er da ist

und wenn ja, was er uns zu dem Sachverhalt zu sagen hat.« Diesmal fuhr Kreuzer selbst den Daimler und parkte ihn in der Nähe des Fischtorplatzes, unten am Rhein. Den Rest des Weges bis zu dem Wohnhaus, gingen die Kommissare zu Fuß. Sie blieben vor dem Haus stehen, in welchem Lodds‘ Freundin eine Zwei-Zimmer Mietwohnung bewohnte. Kreuzer klinkte an der Eingangstür des Mehrfamilienhauses und öffnete die Tür. »Sie wohnt im ersten Stockwerk rechts und du bleibst bitte immer hinter mir, okay?« »Geht klar, Chef«, grinste Verena Süss

und stieg hinter ihm die Treppe hinauf. Vor der dunkelgrün lackierten Wohnungstür an der ein Papierschildchen mit dem handschriftlich vermerkten Namen, M.Vollrath, angezweckt war, blieb Kreuzer stehen und hielt kurz inne. „Alles klar, Süsse?“ Verena Süss nickte und Kreuzer betätigte den Klingelknopf. Drinnen schellte eine Türklingel. Kurz darauf wurde die Tür von einem kleinen blonden Mann mit freiem Oberkörper geöffnet. Er war barfuß und trug nur eine Jeanshose. Kreuzer hatte ihn sofort als Heinz Lodd identifiziert. Er hielt seinen Dienstausweis hoch, »Mein Name ist Kreuzer, Kripo Mainz, meine Kollegin Süss, Herr Lodd?«,

fragte er den Mann. Der nickte nur gelangweilt. »Wir hätten nur ein paar Fragen an Sie, dürfen wir kurz hereinkommen?« Lodd gab die Tür frei und drehte sich um und steckte seinen Kopf zur Zimmertür hinein, »Leg dich wieder hin Tine, es sind nur die Bullen, sie haben nur ein paar Fragen, ich komm‘ gleich wieder.«

Dann schloss er die Tür wieder und platschte barfuß in das Nebenzimmer. Die Kommissare betraten die Wohnung und gingen gerade durch den Flur, als Kreuzer gerade noch wahrnahm, wie Lodd plötzlich eine Pistole in der Hand hielt und auf Verena Süss zielte. Mit einem Satz warf sich Kreuzer in die

Schusslinie, als der Schuss brach. Im Bruchteil einer Sekunde später, peitschte ein zweiter Schuss durch den Flur. Kreuzer war getroffen zu Boden gestürzt, aber auch Lodd kippte wie in einer gerafften Zeitlupenaufnahme, langsam nach vorn über. Seine Waffe glitt ihm aus der Hand und fiel polternd auf den alten Dielenfußboden. Dann schlug auch er lang hin. Verena Süss steckte ihre Waffe wieder ein und kniete sich neben Kreuzer auf den Boden. Sie sah, dass er einen Schuss in den Oberkörper bekommen hatte und nun stark aus der Schusswunde blutete. Schnell riss sie den Packen Papiertaschentücher auf, den sie rasch aus ihrer Handtasche herausgefingert

hatte und drückte ihn nun fest auf die Einschussstelle. Das Projektil hatte Kreuzer knapp unterhalb des Herzens getroffen. Sein hellblaues Hemd begann sich nun rasend schnell rot zu färben. Plötzlich stand eine junge Frau, nur mit einem langen T-Shirt bekleidet, wimmernd in der Tür und hielt sich die Fäuste ins Gesicht gepresst. »Was stehst du hier so nutzlos herum, du dämliche Kuh! Hör auf zu flennen und hilf ihm lieber, siehst du nicht, dass er sonst verblutet?«, herrschte die Kommissarin die junge Frau an und zeigte auf Lodd, der ebenfalls ein Einschussloch in der Brust aufwies. Stoßweise pumpte das noch immer

kräftig schlagende Herz des schwer Angeschossenen das Blut aus der Einschussstelle, auf den hölzernen Fußboden. »Hol‘ gefälligst ein Handtuch und drück‘ es ihm auf die Wunde sonst dauert es nicht mehr lange und der Kerl ist hin, er hat nur sechs oder sieben Liter und wenn die Hälfte erst mal raus ist, dann ist‘s auch vorbei!« Während die junge Frau dieser Aufforderung nur sehr zögerlich nachkam, rief die Kommissarin über ihr Handy den Notarztwagen und die Polizei im Präsidium an. Mit einer Hand drückte sie den mittlerweile bereits blutdurchtränkten Packen Papiertaschentücher noch fester auf die Wunde und redete dabei ständig auf

Kreuzer ein, »Halt durch, Justus, der Notarzt ist gleich da, nicht einschlafen, du musst jetzt wachbleiben, hörst du, nicht einschlafen!« Tränen rannen über ihr hübsches Gesicht...


* Kaum jemand konnte sich erinnern, dass es jemals einen so langen und intensiven Altweibersommer gegeben hatte, wie in diesem Jahr. Auch Verena Süss nicht. Sie saß am nächsten Morgen allein im Büro der Mordkommission und starrte regungslos auf die im hellen Sonnenlicht stehenden Kastanienbäume vor dem

Präsidium. Gedankenverloren rührte sie ihren Kaffee um, in den sie ganz gegen ihre Gewohnheit ein Stückchen Würfelzucker getan hatte. Leise und zaghaft öffnete sich die Tür und Heinemann betrat den Raum. Die Kommissarin wandte ihm ihr müdes Gesicht zu. »Hallo Verena, wie geht es ihm?«, fragte er und reichte ihr die Hand. »Er lebt, … gerade noch. Sie haben ihn in der Uniklinik zwar gleich notoperiert, aber dafür liegt er jetzt auf der Intensiv und kämpft um sein Leben«, antwortete sie mit einem dicken Kloß im Hals. »Verstehst du, er hat sich einfach in den Weg gestellt, die Kugel galt eigentlich

mir. Auf mich hatte dieser Dreckskerl gezielt und Justus hat sich für mich geopfert«, schluchzte sie nun doch noch. Heinemann nickte verständnisvoll. Er kannte den Hergang und hatte persönlich die Spurenlage analysiert. Die ganze Nacht hatte die Truppe daran gesessen und den Fall systematisch aufgearbeitet. Er legte nun seinen Bericht dazu auf ihren Schreibtisch. »Ihr wart schon auf dem richtigen Weg, denn der Lodd ist nachweislich der Halbbruder eures gesuchten Täters. Die DNA-Analyse hat ihn überführt, er hatte am Morgen des Tattages den Bonger angerufen und auch den roten Citroën vor der Verschrottungsfirma abgestellt.

Der Täter sollte ein gewisser…« »Kortner… sein?«, ergänzte sie gefasst. Jetzt war Heinemann es, der wieder mal völlig überrascht dreinschaute. »Wie seid ihr denn auf den gekommen? Ich meine, den haben wir doch jetzt erst ermitteln können, nachdem wir Lodds‘ DNA analysieren konnten.« »Justus hatte ihn schon geraume Zeit im Visier, denn er war der einzige, der zur Tatzeit mit einem Gleitschirm in der Luft unterwegs war. Dann war er angeblich abgestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. Sein Halbbruder, den er nach der Tat angerufen hat, kümmerte sich um das Auto des Mordopfers, während Kortner die Sachen von Mademoiselle

Delacroix in der Nähe dieses wilden Parkplatzes an der E42 versteckt haben muss. Dann hat er sich vorsätzlich das Bein gebrochen oder brechen lassen um ein Alibi für die Tatzeit zu haben. Das ist schon heftig oder? Wie dem auch sei, der mutmaßliche Mörder liegt jetzt ebenfalls mit einer schweren Verletzung im Uniklinikum und ich habe schon die Kollegen beauftragt, eine DNA-Probe von Kortner zu Prokopp ins Labor bringen zu lassen. Das wäre dann der endgültige Beweis, für den Mord an Francoise Delacroix. Sobald ich den in den Händen halte, fahre ich ins Uniklinikum und teile ihn seine Festnahme wegen Mordes mit. Die

beiden Anträge auf Überführung in ein Haftkrankenhaus, die hat Beiersdorf auch schon auf seinem Schreibtisch zu liegen. Ihr fahrt aber doch noch mal raus, um nach den Sachen von Mademoiselle Delacroix in der Umgebung des Parkplatzes zu suchen oder?« »Ach, Verena, die Kollegen sind doch schon längst unterwegs und machen da weiter, wo wir gestern aufhören mussten. Auch eine Hundestaffel ist dabei. Mach dir also darum keine Sorgen, das läuft bereits alles«,beruhigte Heineman die Kriminalistin. Sie blickte ihn dankbar an, »Danke Bernhard, es tut gut zu wissen, dass man damit nicht allein ist«, sagte

sie und drückte ihm die Hand. Heinemann nickte, »Wir sehen uns, grüß ihn von uns, wenn du hinfährst«, sagte er und verließ das Büro. Eine Minute später klingelte das Telefon und der Pathologe Prokopp informierte sie über das positive DNA-Ergebnis. »Ich schicke dir gleich das Fax mit der Bestätigung. Albrecht Kortner ist der Mörder von Frau Delacroix, er hat sie vergewaltigt und anschließend auch umgebracht. Aus wissenschaftlicher Sicht, steht das inzwischen felsenfest. Wenn du ihn festnimmst, schau‘ dir seine Kratzwunden an den Unterarmen oder im Gesicht an, sie sind ein bedeutendes

Kriterium für seine Täterschaft. Ja und schau‘, wenn du schon mal in der Uniklinik bist, dann bestell‘ doch dem Justus bitte meine besten Wünsche und wir alle hier, wir drücken ihm fest die Daumen. Servus, Verena«

Sie legte den Hörer auf und das Faxgerät spuckte ein bedrucktes Blatt Papier aus. Die Bestätigung, des DNA-Vergleiches. So also sieht der Tatbeweis eines Mordes aus, dachte sie, faltete das Blatt Papier zusammen und steckte es in ihre Tasche. Dann verließ sie das Büro und fuhr mit dem Daimler in die Uniklinik. Als sie unten in Empfang nach Albrecht Kortner fragte, teilte man ihr mit, dass der keinen Besuch mehr empfangen darf

und bereits ein Polizist vor seinem Einzelzimmer steht und den Zutritt von Fremdpersonen auf Anordnung der Mainzer Staatsanwaltschaft unterbindet. »Ich bin keine Fremdperson«, sagte Verena Süss und zeigte ihren Dienstausweis vor. »Ich bin die gegen Albrecht Kortner ermittelnde Kriminalkommissarin.« Man beschrieb ihr den Weg, wie sie auf die Intensiv der Unfallstation gelangen konnte. Als sie dann vor dem Zimmer stand, wies sie sich gegenüber dem Polizisten aus, der neben seiner Tür auf einem Stuhl saß. Der Polizist erhob sich. »Hat man ihn schon über den Sachverhalt informiert, Polizeiobermeister?«

»Tut mir leid, aber davon weiß ich nichts, ich habe nur die Aufgabe, den Zutritt von Unbefugten zu verhindern und natürlich, dass der Kortner das Zimmer unkontrolliert verlässt.« »Gut, dann werde ich jetzt mit ihm sprechen«, sagte sie und öffnete die Tür. Kortner lag in seinem Bett, über ihn ein Gestell, in welchem sein rechtes Bein eingegipst, einen Zentimeter über der Bettdecke schwebte. Er las in einem Buch. Offensichtlich wusste er noch nicht, was ihn in den nächsten Minuten erwarten würde, denn er war deutlich entspannt und betrachtete überrascht seine attraktive Besucherin. Die kam jetzt langsam auf ihn zu und musterte ihn

eindringlich. Sofort fielen ihr die tiefen Kratzwunden an seinen Unterarmen auf. Mademoiselle Delacroix muss sich wirklich heftig gewehrt haben, dachte sie. »Mit wem hab ich die Ehre, schöne Frau?«, lächelte er jovial. Das Lächeln wird dir gleich vergehen, du Mistkerl, dachte die Kommissarin. Laut und deutlich aber sagte sie zu ihm, »Herr Albrecht Kortner?« Der Mann nickte und lächelte immer noch. »Mein Name ist Verena Süss, ich bin Kriminalkommissarin bei der Mordkommission Mainz und ich verhafte Sie wegen des dringenden Tatverdachtes der Vergewaltigung und wegen des

dringenden Verdachtes des Mordes an der Malerin, der französischen Staatsbürgerin, Mademoiselle Francoise Delacroix. Sie werden, sobald es Ihr ärztlich attestierter Gesundheitszustand erlaubt, in ein Haftkrankenhaus überführt werden. Ab sofort stehen Sie unter strengem Arrest und Ihnen ist es untersagt, Besuche zu empfangen und dieses Zimmer ohne polizeiliche Genehmigung zu verlassen. Vor Ihrer Zimmertür steht ab jetzt ein bewaffneter Polizist, der die Einhaltung dieser Maßnahme garantieren wird. Sie haben jetzt die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern oder Sie können dies auch später im Beisein eines

Anwaltes tun. Haben Sie mich verstanden?«

Kortner erblasste von einer Sekunde auf die andere, bis unter die Spitzen seiner Haarwurzeln und das smarte Lächeln in seinem Gesicht erstarb zu einer grotesken Grimasse. Natürlich hatte er sofort begriffen, was diese Worte für ihn bedeuteten. Er war dermaßen überrumpelt, dass er schlagartig das gesamte Ausmaß der Bedeutung dieser Verhaftung erfasste. Seine Tat, die aufwendige Verschleierung, der schwere, selbstherbeigeführte Bruch des Oberschenkels, sein Gleitschirmclub, alles. Alles war von jetzt auf gleich, in eine nahezu unerreichbar weite Ferne

gerückt. »Wollen Sie sich jetzt zu den Vorwürfen äußern, Herr Kortner?« Zusammengebrochen schüttelte er seinen Kopf, »Ich habe Ihnen nichts zu sagen«, murmelte er immer noch fassungslos. »Und ich habe dem nichts hinzuzufügen, betrachten Sie sich als informiert, Herr Kortner...« Ohne eine weitere Reaktion des Mannes abzuwerten, verließ die Kommissarin das Krankenzimmer. Draußen teilte sie dem Polizisten mit, dass Albrecht Kortner nun wegen dem dringenden Tatverdacht des Mordes, verhaftet worden sei und ihm Besuche, Telefonate und jegliches

Verlassen des Zimmers, aus diesem Grund strengstens untersagt wäre.

Dann suchte sie die Intensivstation auf, wo Justus Kreuzer immer noch um sein Überleben kämpfte. Man ließ sie natürlich nicht zu ihm, aber durch die halbgeöffneten Jalousetten, konnte sie ihn sehen. Blass und reglos lag Kreuzer in seinem Bett, an Schläuchen und unterstützenden Apparaturen angeschlossen, die sein Leben erhalten sollten. Aber noch atmete er, noch schlug sein Herz und selbst die schwierige, hochriskante Not-Operation hatte er zum Glück überstanden, auch wenn es am Ende tatsächlich noch doch noch einmal ganz eng geworden war. Sollte es jetzt

keine weiteren Komplikationen mehr geben, konnte man wenigstens hoffen...


Zwei Tage später erhielt die Kommissarin ein Fax, im dem ihr mitgeteilt wurde, dass Heinz Lodd an den Folgen seiner schweren Schussverletzung verstorben sei. Der Mann, der seinem Halbbruder bei der Vertuschung des Mordes an der Französin geholfen hatte, der Mann, der ohne ersichtlichen Grund, den Kriminalisten Justus Kreuzer ohne Vorwarnung niedergeschossen hatte, war gestorben. Ein unbelehrbarer Krimineller hatte sein Leben ausgehaucht. Ihr Mitleid mit dem Verblichenen hielt sich in überschaubaren Grenzen, denn ihr

Kollege war selbst nur knapp dem Tod entronnen und nun nach dem aktuellen ärztlichen Bulletin zu urteilen, wohl auch gerade so über den Berg. Das war die zweite Nachricht des Tages und das war endlich eine gute Nachricht. Erneut fuhr sie in die Uniklinik und diesmal brachte sie ihrem Kollegen einen kleinen Blumenstrauß als Lebensgruß mit. Zwar lag Kreuzer immer noch an den Gerätschaften angeschlossen in seinem Bett, aber sein Gesicht hatte inzwischen wieder etwas an Farbe gewonnen und im Beisein seiner Frau rang er sich sogar ein winziges Lächeln ab. Verena Süss öffnete die Tür zum Krankenzimmer und winkte ihm mit dem

Blumenstrauß. Sie begrüßte auch Kreuzers Frau sehr herzlich, denn die beiden Frauen kannten sich schon seit langem recht gut. Kreuzer grinste ein bisschen und tippte leicht mit beiden Handflächen auf die linke und die rechte Seite seines Bettes. Die Geste war eindeutig, reden konnte er zwar noch nicht, aber die Frauen sollten sich zu ihm auf das Bett setzten. Verena lachte und setze sich, sie nahm seine Hand und hielt sie fest umschlossen. »Nur gute Nachrichten«, sagte sie. »Du hattest mit allem recht, Justus. Das Wichtigste zuerst, wir haben ihn... Der Gleitschirmflieger Albrecht Kortner, ist der tatsächlich der gesuchte Mörder von

Francoise Delacroix. Seine Steuerleine am Gleitschirm war gebrochen und deswegen musste er auf dem Weinberg von Weinbauer Perschke notlanden. Er stürzte aus geringer Höhe direkt in die Rebstöcke, wobei er sich nur unbedeutend leicht verletzt hatte. Die Malerin wollte ihm wirklich noch helfen, so wie du es schon vermutet hattest...« Verena Süß machte eine kleine Pause, »Wie riesig muss ihr Erschrecken allerdings erst gewesen sein, als sie erkennen musste, was für ein Monster da vom Himmel gefallen war. Ein Kerl, der sie erst vergewaltigt und anschließend ermordet. Danach hatte Kortner alle ihre Sachen im Lennebergwald, nahe dem

wilden Parkplatz an der A42 versteckt und seinen jüngeren Halbbruder Heinz Lodd angerufen. Lodd ließ sich mit einem Taxi bis kurz vor den Parkplatz auf die A42 fahren. Auf dem Parkplatz hat sich Kortner von seinem Bruder mit dem Wagenheber aus der Ente, seinen Oberschenkel zu einer offenen Fraktur brechen lassen und es damit wie eine Unfallverletzung vom Absturz aussehen lassen. Während Lodd seinen ehemaligen Knastkumpel Bonger aus Santa Fu-Zeiten aktiviert, um die Ente verschwinden zu lassen, ruft Kortner über sein Handy die Feuerwehr an und behauptete, dass er sich bei einer Notlandung in den Bäumen über dem Parkplatz auf der A42 mit

seinem Gleitschirm verfangen habe und nun in zirka zehn Metern Höhe festhängen würde. Als die Feuerwehr am Unfallort eintraf, lag der aber mit einem gebrochenen Bein, bereits am Boden. Er behauptete später, er sei nur deshalb abgestürzt, weil der Gleitschirm, der an einem Ast hing, an der Naht eingerissen sei. Kortner hat es tatsächlich wie einen Flugunfall aussehen lassen und sowohl die Feuerwehr, als auch der Notarzt haben ihm diese Geschichte abgekauft. Deshalb ist auch nichts vermeldet worden. Für eine spektakuläre Pressemeldung zu wenig, da er ja zwar verletzt, aber dennoch überlebt hatte. Wir haben jetzt alle Aufzeichnungen bei

der Feuerwehr und bei dem Notarzt überprüft und es ist überall nur als bedeutungsloser Unfall mit minimalem Personenschaden eingestuft worden. Fast wäre er damit durchgekommen, aber du hast ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.«

Kreuzer hob den Daumen und zeigte an, dass sie beide den Erfolg daran gehabt haben. Verena nickte. »Apropos durchkommen, der Lodd hat es doch nicht geschafft, seine erlittene Schussverletzung war zu schwer, er konnte nicht gerettet werden«, endete Verena Süss ihren Bericht. Kreuzer drückte nun merklich fester ihre Hand.

»Ich soll dir aber die besten Wünsche und Grüße von all deinen Kollegen ausrichten, besonders von Prokopp, von Bernhard Heinemann und seiner ganzen Truppe und last but not least, sogar von Beiersdorf allerhöchst persönlich. Ich selber aber finde es in der Tat wirklich bewundernswert, mit welcher Raffinesse du es wieder fertiggebracht hast, dich erfolgreich um die Berichtschreibung in diesen Fall zu drücken. Denke aber nicht, dass das jetzt ewig so weitergeht…« Sogar Kreuzer konnte sich am Ende zu einem breiten Grinsen durchringen. ***














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Cover: selfARTwork

Text: Bleistift

© by Louis 2013/5 last Update:2022/1

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Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Brubeckfan Lieber Louis,
welch ein Stehvermögen. Komplex, aber glaubhaft komponiert (Scheiß-Hormone und Aggression). So ganz und gar kein Drabble ;-)

Applaus!

Die Polente sucht ne Ente ...

Kleine Späße nebenbei: Den Prokop habe ich auch erkannt. Und Delacroix, aber dazu gibts in Wiki nur männliche Maler, dafür gleich 4 (und eine Mätresse an der Cote d'Azur). Ich kannte aus der Schule nur das Barrikadenbild.

Viele Grüße.
Zum Hochrad respektvoll aufschauend,
Gerd
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Bleistift 
Merci, lieber Gerd, fürs Lesen meinens zweiteiligen Krimis aus der Mainzer Gegend,
ja und dieser Österreicher gehörte seinerzeit wohl eher zu der Gilde der Elite der europäischen Pathologen, an den ich ansatzweise aus Respekt von dessen Persönlichkeit erinnern wollte, wie auch der Film, "Die Charitè" deutlich zeigte... ...smile*
Und am Ende fand die Polente, die gar eingepresste Ente... ...grinst*
Merci also für das zeitaufwendige Lesen meines Krimis,
wie auch für diesen wohlmeinenden Kommentar von Dir...
LG von 'nem Berliner zu 'nem Berliner... ...smile*
Louis :-)
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KaraList Endlich habe ich es geschafft, den zweiten Teil Deiner Kriminalgeschichte zu lesen, lieber Louis. Die akribische Ermittlungsrabeit hat Deinen Protagonisten letztlich den Erfolg beschert. Es gibt ja den Unterschied zwischen Kriminal- und Detektivroman. Ich würde Deine Geschichte eher letzterem zuordnen, obwohl Kriminalisten den tragenden Part spielen.
Die Fülle der Dialoge zieht die Handlung etwas ... eber das ist vielleicht Geschmackssache. Auf jeden Fall eine Fleißarbeit ... Hut ab ... und sie hat Unterhaltungswert.
Es ist schon erstaunlich, dass der Täter trotz seines Missgeschicks noch so viel kriminelle Energie aufbringen konnte.
Lieben Gruß aus dem feucht-dunstigen Brandenburg
Kara
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Bleistift wow*
Liebe Kara, herzlichen Dank dafür, dass Du Dir nun auch das Ende der mühseligen Ermittlungsarbeit meiner beiden Kriminalisten in diesem Fall erlesen hast und merci also für deine Lesezeit, den Kommi and last but not least, auch für die Schütte zu dieser lange im Dunklen liegenden Story... ...smile*
Leider ist es in der Realität nicht immer so, wie es uns im TV-Krimi oder im "Tatort" von den Machern oftmals gerne suggeriert wird: »Veni, vidi, vici...«
Hier ist in aller Regel sehr viel Kleinarbeit nötig, um einen Täter beweiskräftig zu überführen und letztlich auch um ihn dingfest zu machen... ...smile*
LG zu Dir ins feucht-dunstige Brandenburgische
aus dem ebenfalls feucht-dunstigen Berlin... ...smile*
Louis :-)
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Valerina 
Erst einmal meine große Anerkennung für so viel Fleißarbeit, lieber Louis.
Dein Roman ist auf einer großen Leinwand vor mir abgelaufen und neugierig und gespannt hab ich Kreuzer und Verena bei ihren Ermittlungen begleitet. Hab mit ihnen gelacht und war am Ende doch verängstigt, wie es ausgehen wird. Mehr verrate ich nicht, um anderen Lesern, die Spannung nicht zu nehmen.
Großes Kompliment, mein Lieber!

Lieber Gruß
Valeri :-)
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Bleistift 
Liebe Valeri,
zunächst erst ein mal Merci fürs Lesen, Kommentieren and last but not least auch für den Favoriten zum II.Teil... ...smile*
Nun ja, Kriminalistik ist wohl ein erster Linie zumeist eine ziemlich mühselige Kleinarbeit und Klinkenputzen und es hat vor allem wenig mit dem Action-TV zu tun, das dem Fernsehkonsumenten Abend für Abend auf den Mattscheiben auf fast allen TV-Kanälen geboten wird...
Aber allen Autoren, egal welchen Genres ist eines gemeinsam, es ist immer eine Fleißarbeit, die sie definitiv hinlegen müssen, um sich in diesem schier undurchdringlichen Mediendschungel überhaupt Gehör verschaffen zu können, denn ganz gewiss niemanden wird etwas von selbst in den Schoß fallen...
Um so mehr freut es mich, wenn Du diese Krimi-Story als einen Film wahrgenommen hast, der Dich gelegentlich auch hat lachen lassen und der trotzdem einer gewissen Spannung nicht entbehrte... ...smile*
Ja und auch ein gewisser Showdown gehört wohl auch zu jedem Ende einer guten Geschichte hinzu... ...smile*
Und zum Abschluß eine ganz großes Merci beauoup für das ausgesprochene Kompliment von Dir... ...smile*
LG
Louis :-)
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Enya2853 Lieber Louis,
mit Bravour weitergeführt und zu Ende gebracht, kann ich da nur sagen. In alllen Teilen eine ausgeklügelte Geschichte, sehr gut dargestellte Polizeiarbeit mit allen Schwierigkeiten(ich sag mal nur Oberstaatsanwalt, dem es ja nie schnell genug gehen kann).
Und dann am Ende noch richtige Spannung und ein wenig Zittern.
Zum Inhalt äußere ich mich mal nicht, um nicht zu spoilern.
So sage ich nur: Chapeau, gut gemacht, Louis.
Liebe Grüße zu dir aus dem heute sonnigen Darmstadt.
Enya
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Bleistift Liebe Enya,
Ganz großes MERCI für diesen Kommentar und dass Dir diese Kriminal-Geschichte gefallen hat, sie Dir zudem auch spannend zu lesen war... ...smile*
Über dieses famose Lob, wie auch über den Favoriten von Dir freue ich mich natürlich ganz besonders... ...smile*
LG aus dem regnerischen und nasskalten Berlin.
Louis :-)
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Memory 
Lieber Louis,
ich lasse dir mal ein paar Taler da, für deine Mühe, die du dir mit deinem Krimi gemacht hast. Der ist wahrlich einen Fleißpreis wert.
Mehr kann ich nicht sagen, du weißt ja, dass Krimis nicht mein Fall sind. Die werde ich erst lesen, wenn ich ALLE anderen Bücher dieser Welt ausgelesen habe :))
Lieben Gruß
Sabine
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Bleistift 
Liebe Sabine,
da geht es Dir mit den Krimis fast so wie mir mit den Gedichten,
da gibt es leider nur ganz wenige Autoren, die mich dazu inspirieren,
überhaupt Gedichte zu lesen...
so what, ein jeder halt nach seiner Fasson, wie der Preußenkönig
dereinst meinte, aber dennoch besten Dank für die Fleißkohle,
da kann ich mir nun wenigstens wieder Papier, Feder und Tinte leisten,
um endlich an den inzwischen liegengebliebenen Geschichten weiterzuschreiben... ...smile*
LG zu Dir nach München...
Louis :-)
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