Humor & Satire
Die Bollerbuxe oder wie ich Tom Jones verblüffte

0
"Randbeitrag zum 92. Schreibwettbewerb"
Veröffentlicht am 17. Oktober 2021, 16 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. Zum zweiten Mal verheiratet lebe ich im Münsterland. Bisher veröffentlicht: Die Ruhrpottsaga: Ruhrpottklüngel, Ruhrpott Pärchen, Ruhrpottherzen, Ruhrpottabschied, Leben lernen. 14 weitere Bücher (darunter Reiseberichte, Tiergeschichten, Liebesgeschichten und -romane), 15 Kinderbücher, zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und ...
Randbeitrag zum 92. Schreibwettbewerb

Die Bollerbuxe oder wie ich Tom Jones verblüffte

Randbeitrag zum 92. Schreibwettbewerb

Vorgabeworte:

Hilfe, helfen

Risiko, riskieren Bedrohung, bedrohen Chance Licht Freude, freuen Kompromiss Dank, danken Darstellen Verantwortung, verantworten


„Hallo liebe WDR 2 Hörer. Wie ihr ja sicher alle wisst, ist heute das große Tom Jones Konzert in der Düsseldorfer Philipshalle, für das sich der WDR VERANTWORTLICH zeichnet. Und die gute Nachricht ist: Es gibt noch einige wenige Karten. Also, nichts wie hin. Einlass ist um 19 Uhr. Alan schaute kurz zu mir hinüber: „Sollen wir …“ Ich nickte. „Warum nicht. Wir fahren doch sowieso in die Richtung. Zeitlich würde das auch super passen.“ Wir hatten uns vor einiger Zeit einen

Pontiac Firebird zugelegt und damit einen Spontanurlaub in der Toskana gemacht. Jetzt waren wir auf dem Weg nach Hause. Zwar war ich kein ausgesprochener Tom Jones Fan, aber der Konzertbesuch würde ein toller Abschluss eines gelungenen Urlaubs sein. „Du weißt schon, dass Tom bei seinen Konzerten Slips auf die Bühne geworfen bekommt?“, fragte Alan mich grinsend. „Echt? Keine Ahnung. Ist das so?“, war meine verblüffte Antwort. Tatsächlich wusste ich das nicht. „Ja klar. Der Tiger macht die Mädels mächtig an.“ Ich zog die Nase kraus. „Dann hoffe ich

für ihn, dass die Unterplinten wenigstens frisch gewaschen sind. Etwas anderes will ich mir gar nicht vorstellen.“ Alan lachte laut auf. „Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.“ „Ich höre den einen oder anderen Titel von ihm ganz gerne, aber dass der Typ mich anmacht, kann ich nicht sagen. Selbst, wenn er ein Sexsymbol DARSTELLEN soll. Er ist mir viel zu alt“, sinnierte ich. „Da kann er tausend Mal ‚Sex Bomb‘ singen. Echt, den Slip auf die Bühne werfen, wie kann man das bloß machen.“ „Du würdest dich das nicht trauen. Das ist mir klar!“ „Was!!! Das glaubst du? Ich würde mich

das sehr wohl trauen, wenn ich das machen wollte“, antwortete ich empört. Pah – ich und mich irgendetwas nicht trauen! „Was regst du dich so auf? Du kannst ruhig zugeben, dass du das nicht machen würdest, weil du Angst hättest, dass Tom dich dann vielleicht auf die Bühne holen würde. Das tut er nämlich manchmal“, grinste Alan. „Das RISIKO würde ich durchaus eingehen, schließlich ist Tom nicht mehr der Jüngste und stellt ja wohl keine BEDROHUNG da … ähm … jetzt sexueller Natur …“ „ist schon gut. Du musst nicht rot

werden.“ Dieser Mann machte sich offensichtlich über mich lustig! „Du wirst es schon sehen“, murmelte ich und nahm mir vor ihn zu überraschen. Ohne weitere Kommentare über den Tiger, Unterwäsche, Sex und sich nicht trauen erreichten wir die Philipshalle. „Honey, ich brauche HILFE mit dem Koffer. Ich möchte mich ein bisschen frischmachen, bevor wir auf das Konzert gehen und schminken würde ich mich auch gern“, erklärte ich Alan. „Okay, ich besorge schon mal die Karten. Du kannst in Ruhe im Koffer kramen“ Alan verließ zu meiner großen FREUDE den Parkplatz und strebte der Halle zu.

Das war meine CHANCE. Ich würde meinem Liebsten beweisen, dass ich mutig und taff war. Die Kulturtasche und das Schminktäschchen waren schnell gefunden. Nun also die Hauptsache: Oh je, ich hatte gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt, dass nur noch zwei saubere Slips im Koffer waren. Beide schaute ich mir kritisch an und entschied mich dann für ein neu gekauftes rotes Höschen, denn das andere Teil war ein sündhaft teurer Hauch von nichts. Das würde ich doch nicht dem ollen Tom Jones vor die Füße werfen. Das knallig rote Höschen war zwar das, was meine Oma immer eine ‚vernünftige Unterhose‘

genannt hatte, aber es bestach mit seiner Signalfarbe. Das musste reichen. Schnell stopfe ich mir den Slip in meine Hosentasche, denn Alan kam zurück. „Alles erledigt. Karten waren tatsächlich nur noch ein paar da.“ Ich lächelte ihn zuckersüß an. „Dann kann es ja losgehen.“ Das Licht ging aus, Tom sprang auf die Bühne, DANKTE dem Publikum für den Applaus und legte gut gelaunt los. Die Stimmung war richtig super. Ich hatte mich frisch gemacht und geschminkt und fühlte mich kribbelig aufgeregt. Tom, der Tiger gab alles und bekam tatsächlich einige Strings auf die Bühne geworfen. Jeden hob er auf, zeigte ihn ausführlich

dem Publikum, tupfte sich spektakulär damit den Schweiß von der Stirn und ließ ihn dann verschwinden, indem er ihn nach hinten warf. ‚Klar – was soll er auch sonst damit anfangen‘, dachte ich. ‚Gut, dass ich den teuren String im Koffer gelassen habe.‘ „And now – for all the sexy ladies”, hauchte Tom ins Mikrofon und stimmte seinen Tophit ‚Sex Bomb‘ an. Jetzt oder nie! „Ich bin dann mal weg“, rief ich Alan zu und lief in Richtung Bühne. Tatsächlich gelang es mir unter Zuhilfenahme der Ellenbogen bis in die erste Reihe zu kommen, wo ich den Slip aus der Hosentasche zog und den Arm hob. Was ich gar nicht erwartet hatte

passierte: Der Tiger sah mich direkt an. Ich warf den Slip und er fing ihn tatsächlich auf. Alans Worte fielen mir wieder ein: ‚Vielleicht holt Tom dich auf die Bühne, wenn du ihm einen Slip zuwirfst.‘ Das wollte ich auf keinen Fall riskieren. Also drehte ich mich blitzschnell um und eilte zurück zu unserem Platz. Hier erwartete mich ein über das ganze Gesicht grinsender Alan. „Das hast du nicht gedacht, was. Pah, ich traue mich nicht …“, rief ich triumphierend aus. „Das stimmt, my Dear. Du überraschst mich immer wieder“, war die Antwort. In Hochstimmung tanzte, klatschte und sang ich bis zum Ende des Konzertes die

Songs mit. Doch irgendwann ist das schönste Konzert zu Ende. Wir waren wieder auf der Autobahn, um endgültig heimzufahren. „Sag mal, was war das denn für ein merkwürdiger Slip, die du Tom da zugeworfen hast?“, fragte mich Alan mit einem Lacher in der Stimme. „Das war der Einzige, der noch sauber war ,und neu war er auch. Also … es war noch einer im Koffer, aber den fand ich zu schön, um ihn an den Tiger zu verschwenden. Also habe ich einen KOMPROMISS geschlossen und den Roten genommen“, antwortete ich. „Warum fragst du?“ Jetzt lachte Alan lauthals. „Tom hat das

Teil natürlich gezeigt. Er hat ziemlich irritiert ausgesehen. Vor Verlegenheit hat er gar nicht gewusst wohin damit. Da hat er es in seine Jackentasche gesteckt. Hast du das denn gar nicht mitbekommen?“ Verblüfft schüttelte ich den Kopf. „Ich bin doch gleich zurück zu unseren Plätzen gegangen. Da habe ich natürlich nicht darauf geachtet, was er mit dem Höschen macht. Wieso bitte soll er verlegen gewesen sein?“ „Weil es ein ziemlich großes Höschen war“, grinste Alan. „Jedenfalls viel größer, als die Strings, die er zugeworfen gekriegt hat.“ „Von wegen. Was redest du denn da?

Willst du mir damit sagen, dass ich zu dick bin!?“ Das wurde ja immer schöner. „Aber nein, davon habe ich doch gar nichts gesagt“, erwiderte Alan und versuchte, das Lachen zu unterdrücken, was ihm nicht wirklich gelang. In mir kochte es. „Erst sagst du, dass ich feige bin und jetzt behauptest du auch noch, dass ich zu dick bin. Geht’s noch?“, funkelte ich meine bessere Hälfte an. Alan ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Ich sage jetzt gar nix mehr. Das wird ja alles gegen mich verwandt.“ Also schwiegen wir die nächsten zehn Kilometer. Meine Wut verrauchte so schnell wie sie gekommen war. Na ja, so

klein war das Höschen wirklich nicht gewesen. Eben ganz normal. Ich stellte mir Toms Gesicht vor, als er es dem Publikum präsentierte und kicherte los. „Weißt du was, Honey, der Tiger wird bestimmt nach diesem Erlebnis in Rente gehen. Wenn er schon Bollerbuxen auf die Bühne geworfen kriegt, wird selbst er sich sagen, dass es Zeit wird.“ Alan stimmte in mein Lachen mit ein. „Glaub mir, my dear, er hat keinen Schimmer, wer ihm all die Strings zugeworfen hat, aber an dich und dein rotes Höschen wird er sich auch nach Jahren noch erinnern.“

>

0

Hörbuch

Über den Autor

AngiePfeiffer
Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. Zum zweiten Mal verheiratet lebe ich im Münsterland.
Bisher veröffentlicht:
Die Ruhrpottsaga: Ruhrpottklüngel, Ruhrpott Pärchen, Ruhrpottherzen, Ruhrpottabschied, Leben lernen. 14 weitere Bücher (darunter Reiseberichte, Tiergeschichten, Liebesgeschichten und -romane), 15 Kinderbücher, zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Literaturzeitschriften, sowie der Tagespresse.
home: angie-pfeiffer.com

Leser-Statistik
14

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Brigitte Oh, wie habe ich gelacht. Aber warum hast du diese Geschichte als Randbeitrag eingestellt? Ich finde sie einfach klasse. Schade!
Ganz liebe Grüße in deinen Tag Brigitte
Vor einem Monat - Antworten
AngiePfeiffer Danke, liebe Brigitte. Es freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat.
Es ist eine ältere Geschichte, in die ich die Vorgabeworte eingebaut habe, weil sie gut zum Thema gepasst hat.
Deshalb hab ich sie als Randbeitrag eingestellt. Wäre ja sonst unfair.
Liebe Grüße
Angie
Ich weiß, dass Alan an einem Beitrag geschrieben hat, aber er musste unverhofft auf ne Geschäftsreise.
Vielleicht kommen ja noch Beiträge. Aber das wirst du schon wuppen.
Vor einem Monat - Antworten
derdilettant My dear ... I remember ...
Vor einem Monat - Antworten
AngiePfeiffer ;o)))
Vor einem Monat - Antworten
Friedemann 
Liebe Angie,
als relativer Neuling hatte ich – im Gegensatz zu meinen Vor-Leserinnen – Deine Story noch nicht gekannt und demnach angenommen, dass der betagte Tiger sich bereits mit den Slip-Girls ausgetobt hatte und daher nur Deine Bollerbuxe mitnahm wohl in der Hoffnung, dass Du ihm Deine Telefonnummer eingenäht hast. Ob mit oder ohne Telefonnummer gefällt mir jedenfalls Deine Courage und Deine gelöste Erzählkunst.

Liebe Grüße und Dankeschön fürs Lesevergnügen,
Friedemann
Vor einem Monat - Antworten
AngiePfeiffer Hallo Friedemann,
ich gebe es zu!
Die große Buxe musste es sein, weil meine Festnetznummern - plus Handynummer - einfach so lang sind, dass nicht alle Ziffern auf einen String passen.
Leider hat der (wahrscheinlich zahnlose) Tiger nie angerufen.
;o)))
Lieben Dank für deinen launigen Kommentar und liebe Grüße
Angie
Vor einem Monat - Antworten
schnief Herrlich schräg und mit einem breiten Grinsen gelesen. Toll!
Liebe Grüße Manuela
Vor einem Monat - Antworten
AngiePfeiffer So hatte ich mir das gedacht!
Ganz lieben Dank, Manuela
und schöne Grüße
Angie
Vor einem Monat - Antworten
FLEURdelaCOEUR Liebe Angie, ich habe sie auch noch mal sehr gern und breit grinsend gelesen. Klasse!

Liebe Grüße
fleur
Vor einem Monat - Antworten
AngiePfeiffer Danke, liebe Fleur.
Ist ja eine Geschichte aus der 'Mottenkiste'. Aber ich dachte, dass sie ganz gut zum Thema passt. Und es ist ja auch nur ein Randbeitrag ...
Liebe Grüße
Angie
Vor einem Monat - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
15
0
Senden

167892
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung