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Der Frühling des Sommers

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"Der Frühling des Sommers"
Veröffentlicht am 30. Mai 2021, 4 Seiten
Kategorie Sonstiges
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http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Soweit ich neben dem Studium Zeit finde, nutze ich diese zum Zeichnen und Schreiben. Ich habe mit dreizehn Jahren mit Kurzgeschichten angefangen und es während der Schulzeit versucht beizubehalten. Mein erstes Buch, "Drachenkampf- Der Anfang einer Legende" musste ich leider wegen meiner Abiturprüfungen abbrechen und es ruht bis heute. Bevor ich mit dem Studium angefangen habe, kamen meine Gedanken allerdings nicht von meinem momentanen Projekt ...
Der Frühling des Sommers

Der Frühling des Sommers

Der Beginn

Wie riecht es, wenn der Sommer beginnt?


Es riecht nach gemähtem Gras, frischer Wäsche, die im Garten hängt und ganz infernt schwingt die Nuance eines Holzkohlegrills mit.


Wie hört es sich an, wenn der Sommer beginnt?


Es klingt nach Rasenmähern und Fahrradklingeln, nach Hundegebell und Kinderlachen. Es summt und es zwitschert, es rauscht mit dem Wind.


Wonach schmeckt es, wenn der Sommer beginnt?


Nach tauendem Mango-Eis und frischer

Zitronenlimonade. Nach Cola mit Bier und Bratwurst vom Grill.


Und wie fühlt es sich an?


Einsam. Nur mit Sonnenstrahlen.

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Hörbuch

Über den Autor

Arleescha
Soweit ich neben dem Studium Zeit finde, nutze ich diese zum Zeichnen und Schreiben. Ich habe mit dreizehn Jahren mit Kurzgeschichten angefangen und es während der Schulzeit versucht beizubehalten. Mein erstes Buch, "Drachenkampf- Der Anfang einer Legende" musste ich leider wegen meiner Abiturprüfungen abbrechen und es ruht bis heute. Bevor ich mit dem Studium angefangen habe, kamen meine Gedanken allerdings nicht von meinem momentanen Projekt los, so entstand "Chronik einer zerbrochenen Welt - Erstes Buch: Sturm" an dessen Fertigstellung ich momentan arbeite. Zur Zeit schaffe ich es leider nicht, dieses Projekt weiter zu führen. Ich bitte daher um etwas Geduld und Verständnis.

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Lagadere 

Zunächst hat mich das Wort "infernt" in der dritten Zeile etwas irritiert, doch klang gleich tief in mir die Glocke der Vertrautheit und wurde immer lauter, und so war ich während des weiteren Lesens irgendwie unruhig. Warum kam mir dieses Wort, das es gar nicht gibt, bekannt vor? Dann, beim Betrachten der Schlusszeile, fiel es mir plötzlich wieder ein! Alles war wieder da! Die Bilder meiner Kindheit, meines Elternhauses, das schon lange nicht mehr existiert, und meines Großvaters, der so herrliche Geschichten zu erzählen wusste!
Du musst wissen, dass hier bei uns in der Mecklenburgischen Seenplatte der Frühling immer etwas länger dauert, was daran liegen mag, dass hier viel weniger Menschen als anderswo leben und den Sommer herbeisehnen. Aber das ist natürlich Blödsinn und entstammte schlicht dem Geplappere der vornehmlich älteren Bewohner unseres kleinen Dorfes in der Nähe von Neustrelitz, die sich für gewöhnlich abends um die alte Eiche auf dem großen Platz vor der Kirche scharten.
Und so wird die Erinnerung an einen bestimmten Abend immer deutlicher. Wir Kinder hatten uns um meinen Großvater versammelt, der uns eine Geschichte erzählen wollte und - wie alle alten Leute - ziemlich umständlich begann. Nämlich dergestalt, dass er uns von einem Frankfurter Maurer berichtete, den es einmal per Zufall in unsere Gegend verschlagen hatte, und der, weil es hier nichts zu mauern gab, außer bei der Einstellung gegenüber Zugereisten, seinen Beruf an den Nagel hängte, Fischer wurde und deswegen als unglücklichster Mann der Region Einzug in die Geschichtsbücher hielt.
Wir hüteten uns tunlichst, deutlich sichtbar abzuwinken, weil wir das Erzählte bereits kannten, denn es bestand die Gefahr, dass mein Großvater "aus dem Takt" geriet und nochmals von vorne begann!
Also stöhnten wir ganz leise innerlich und warteten auf die eigentliche Geschichte, die spannend zu werden versprach, weil Opa, der damals nebenbei als Dorfpolizist fungierte, schon Andeutungen gemacht hatte.
Und so schielten bereits einige von uns zu ihren Elternhäusern, ob nicht die Mutter in der Eingangstür auftauchte und zum Abendbrot rief, als er endlich begann:
"Ich war noch ganz jung und unerfahren als Polizist, als ich mich eines Tages mit meinem Dienstrad auf dem Weg zum Goldbach-See befand. Es war Sommer und wie, um etwas nachzuholen, weil er wie gewöhnlich so spät dran war, war es schon morgens sehr heiß und es wehte kaum ein Lüftchen. Seltsamerweise roch der Sommer etwas nach Öl; bis mir einfiel, dass ich die Fahrradkette am Abend zuvor frisch geschmiert hatte", mein Großvater hielt inne und sah - ob seines Witzes schmunzelnd - in die Runde. Doch waren wir eher ungeduldig als erheitert; die Sonne sank immer tiefer und uns lief die Zeit davon!
"Nun gut", fuhr mein Opa endlich fort. "Ich war also unterwegs zum See, um dort nach dem Rechten zu sehen und schlingerte so in den tiefen Furchen des Feldweges vor mich hin, als ich plötzlich, ungefähr 50 Meter voraus, eine junge Frau entdeckte, die mit Rock und Bluse bekleidet war und auf dem Boden lag. Ein junger Mann beugte sich gerade über sie. Als ich näher kam, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass er gerade dabei war, ihre Bluse zu öffnen, um...", Opa stockte, sah in unsere unschuldigen Kinderaugen, räusperte sich verlegen und ergänzte: "...also um sein Ohr auf ihre Brust zu drücken, um zu hören, ob ihr Herz noch schlägt. Offenbar hatte sie die Hitze unterschätzt und war ohnmächtig geworden. Wir trugen sie in den Schatten eines Baumes und ich fuhr eilig ins Dorf zurück, um Hilfe zu holen. Und, was soll ich euch sagen - als wir wieder dort eintrafen, waren beide verschwunden! Und in den Staub des Feldweges war mit einem kleinen Ast, der daneben lag, das Wort "infernt" geritzt! Und seitdem ranken sich in unserem Dorf die Gerüchte darüber, was das bedeuten sollte und vor allem, WER es dort hingeschrieben hatte! Der Mann, die Frau, oder Gott mit Hilfe des Windes, um die schänd.....äh..... den Vorfall zu beklagen? Niemand weiß es bis heute!"
Während mein Großvater einen kräftigen Schluck aus einer kleinen, metallenen Trinkflasche zu sich nahm, saßen wir mit offenen Mündern im Schneidersitz auf dem Boden und fragten uns, was wohl geschehen war.
Dass mein Opa den "Helfer" an bewusstem Baum festgebunden hatte, erfuhren wir erst viel, viel später, als wir alt genug waren, um es zu verstehen. Es machte die Geschichte nur um so interessanter!
Und wahrscheinlich fragt man sich in unserem Dorf noch heute:
"Was war geschehen? Und welche geheime Botschaft verbarg sich hinter dem Begriff 'infernt?'"
Wie auch immer - bereits am Tag darauf hatte der Sommer, der dort heute bestimmt noch genauso schmeckt wie damals, die Spuren von allen dreien verweht.
Die der Frau, des Mannes und die des Geheimnisses.




LG Uli







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