Humor & Satire
O sole mio

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"O sole mio"
Veröffentlicht am 24. Mai 2021, 10 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. Zum zweiten Mal verheiratet lebe ich im Münsterland. Bisher veröffentlicht: Die Ruhrpottsaga: Ruhrpottklüngel, Ruhrpott Pärchen, Ruhrpottherzen, Ruhrpottabschied, Leben lernen. 14 weitere Bücher (darunter Reiseberichte, Tiergeschichten, Liebesgeschichten und -romane), 15 Kinderbücher, zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und ...
O sole mio

O sole mio

„Ich würd‘ gerne mal was Romantisches mit dir machen. Zum Beispiel in einer Gondel durch Venedig fahren. Das wäre bestimmt toll“, seufzte Manu. „Venedig!“, murmelte Andy. „Geh mir doch damit weg. Letztens habe ich bei Arte einen Bericht über die Stadt gesehen. Eine Gondelfahrt kostet schlappe dreihundert Euro. Die spinnen, die Italiener. So viel Geld, um auf einem muffelnden Kanal herumzufahren. Also träum weiter.“ Manu horchte auf. Was ihr Mann da sagte, entbehrte nicht einer gewissen Logik. Warum zum Gondelfahren nach Venedig reisen und viel Geld ausgeben, wenn man dieses Vergnügen entschieden

billiger direkt vor der Haustür haben konnte. Schließlich sollten in der nächsten Zeit an dem durch Münster führenden Dortmund-Ems-Kanal Verschönerungsmaßnahmen durchgeführt werden. Na gut, erst einmal sollte der Radweg am Kanal neu gemacht werden, doch bestimmt würde auch das Ufer aufgeforstet werden. Sie konnte es fast vor sich sehen: Eine bunt angemalte, venezianisch gestylte Gondel, die mit Samt und Seide ausgeschlagen war. Malerisch würde sie am Kanalufer entlanggleiten, würde verliebten Pärchen als Gondel ins Glück dienen. Mit leuchtenden Augen erzählte sie Andi, was ihr vorschwebte, was der mit

einem lauten Rülpser und den Worten: „Weib, du spinnst!“ beantwortete. „Das werden wir ja sehen“, murmelte Manu kämpferisch. Gleich morgen würde sie einen Termin bei der Bank machen. Dort würde sie hoffentlich auf ein offenes Ohr und eine Kreditzusagen treffen. Warum sollte man sich auch nicht darauf einlassen, schließlich war das Einfamilienhaus, das sie und Andi bewohnten abbezahlt und würde bestimmt als Sicherheit genügen. „Du wirst es nicht glauben, die Gondel ist über die Sommermonate ausgebucht. Erst mal. Für den Herbst sieht es auch gar nicht so schlecht aus“, stellte Manu

befriedigt fest. Andi glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. „Wie? Was? Gondel? Sag mal, hast du das wirklich durchgezogen?“ „Klar! Was hast du denn gedacht?“, war die prompte Antwort. „Wenn du dich mehr für mich und meine Wünsche und Träume interessieren würdest, dann hättest du das schon längst mitgekriegt. Die Leute können sich mit der Gondel von Senden bis nach Münster in den Hafen fahren lassen.“ Mit offenem Mund lauschte Andi seiner Frau, die ihm ihr Geschäftsprinzip erklärte. „Alles in trockenen Tüchern. Der Bankberater war zwar zuerst etwas skeptisch, aber schließlich hat er eingesehen, dass es

eine bombensichere Sache ist. Schließlich ist das Haus ja als Sicherheit da.“ „Unser Haus???“ Manu runzelte die Augenbrauen, „Frag doch nicht so blöd. Sicher unser Haus. Was denn sonst. Ist aber kein Risiko dabei. Ich habe Frederico mit ins Boot“, hier kicherte Manu. „Ich wollte sagen in die Gondel holen können. „Welcher Frederico???“ „Boh, du bist aber heute schwer von Kapee! Frederico, der das Incotro hat. Du weißt schon, die Pizzabude an der Ecke. Er hat einen Cousin, der super mit dem Paddel umgehen kann.“ „Mit dem Paddel?“, murmelte Andi

schwach und fühlte sich überfordert. „Na mit dem Paddel für die Gondel. Einer muss die Leute ja schließlich fahren. Du bringst das ja eher nicht, mein Bester“, kam es kämpferisch von Manu. „Übrigens kann Ernesto super singen. O sole mio zum Beispiel. Aber er kann auch Rammstein, wenn es gewünscht wird. Oder Helene Fischer und natürlich Eros Ramazzotti. Essen und Trinken können die Leute auch an Bord.“ „Ah ha?“, Andi hatte sich wieder etwas gefasst. „Und was gibt es für kulinarische Spezialitäten? Pizza von Frederico? Serviert vom singenden Oberkellner mit dem tollen

Paddel?“ Entweder verstand Manu die Spitze nicht oder sie wollte nicht verstehen. „Pizza und Pasta gehen natürlich auch“, erklärte sie ernsthaft. „Aber es muss nicht italienisch sein. Auf Wunsch servieren wir auch Töttchen mit Kartoffelbrei. Das ist auch bei den Getränken so. entweder Vino tinto und Grappe oder ein Pott’s Landbier mit nem anständigen Lagerkorn. Da sind wir variabel.“ „Das gibt’s doch nicht! Das hast du alles hinter meinem Rücken gemacht. Einfach so?“ Andi schüttelte den Kopf. „Das geht doch gar nicht.“ „Das geht super“, erklärte Manu mit einem gewollt unschuldigen

Augenaufschlag. „Frederico und ich, wir verstehen uns richtig gut. Er ist von meiner Geschäftsidee begeistert. Deshalb haben wir beschlossen noch enger zusammenzuarbeiten.“ „Oh nein! Das kommt gar nicht in Frage. Da habe ich als dein Mann ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden“, brach es aus Andi heraus. Ehe er sich in Rage reden konnte, unterbrach ihn seine Frau. „Ex Mann!“, sagte sie freundlich. „Wie? Was? Ex?“ Manu stand auf. „Sag ich doch, Du bist einfach schwer von Kapee. Aber wenn du darüber nachdenkst, dann kommst du schon noch drauf.“ Sanft strich sie ihm über das schüttere Haar. „Übrigens:

Wenn du mal eine Gondelfahrt auf dem Kanal machen willst, bekommst du von uns einen satten Rabatt, aus alter Freundschaft.“ Mit diesen Worten schwebte sie aus dem Zimmer. Mit offenem Mund hörte Andi, wie die Haustür ins Schloss fiel.

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Hörbuch

Über den Autor

AngiePfeiffer
Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. Zum zweiten Mal verheiratet lebe ich im Münsterland.
Bisher veröffentlicht:
Die Ruhrpottsaga: Ruhrpottklüngel, Ruhrpott Pärchen, Ruhrpottherzen, Ruhrpottabschied, Leben lernen. 14 weitere Bücher (darunter Reiseberichte, Tiergeschichten, Liebesgeschichten und -romane), 15 Kinderbücher, zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Literaturzeitschriften, sowie der Tagespresse.
home: angie-pfeiffer.com

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Valerina 
Du hast ja tolle Ideen, liebe Angie.
Was ist das denn auch für ein trotteliger Mann :-)
*kicher*

mein nächster Urlaub geht zum Dortmund-Ems-Kanal,
diesen Frederico MUSS ich unbedingt für mich paddeln lassen ;-)

Lieber Gruß
Valeri
Vor ein paar Monaten - Antworten
AngiePfeiffer Hallo Valerina,
lieben Dank für Deinen netten Kommentar.
Also nix wie hin zum Kanal. Er paddelt auch bei schlechtem Wetter. Was ein echter Gondoliere ist - den schreckt weder Wind noch Hagelschlag.
Liebe Grüße
Angie
Vor ein paar Monaten - Antworten
Valerina 
Bin schon auf dem Weg :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
AngiePfeiffer Okay, wir treffen uns dann, ich steige in Münster zu. Im Hafen.
Aber Töttchen mag ich nicht essen!!! ;o)))
Vor ein paar Monaten - Antworten
HarryAltona Tja, die Deutschen und die Romantik, wird denn eng wenn ´s an die Brieftasche geht. Also lieber nicht sparen! Übrigens: Ich hab mir schon mal n Paddel gekauft. N wiiiirklich großes!!!
lg... harryaltona
Vergangenes Jahr - Antworten
AngiePfeiffer Harry, mein angehender Gondoliere - ich gebe das mal weiter. Aber kannst Du auch singen???
Lieben Dank für den Kommentar und schöne Grüße
Angie
Vergangenes Jahr - Antworten
HarryAltona Gerne ab 1, 5 Promille. weniger schön aber LAUT!!!
Schönes Wochenende wünsch.
lg... harryaltona
Vergangenes Jahr - Antworten
Enya2853 Herrlich, liebe Angie. Böse mit der nötigen Spritze Humor, wie ich es lierbe.
Klar, der arme Andi tut mir leid - so verschaukelt wird niemand gern. Aber ist er njicht ein bisschen selbst schuld? Hat sich zu satt und sicher in seiner Komfortzone gefühlt.
Manu ist ein Biest, aber auch äußerst einfallsreich.

Danke dir für den Lesespaß.
Liebe Grüße
Enya
Vergangenes Jahr - Antworten
AngiePfeiffer Hallo Enya,
ich danke DIR für den tollen Kommentar.
Übrigens: Meine Freundin Manu IST ein Biest - aber ihr Andi ist so ein Dödel ... liebenswert, aber voll verpaddelt ...
Liebe Grüße zu Dir
Angie
Schön, dass es Dir besser geht!
Vergangenes Jahr - Antworten
Friedemann 
Ach Angie,
mir verschlug es die Sprache darüber, wie grauenhaft dieses hinterhältige Luder ihren armen Gatten zum Deppen demütigt. Ich konnte dies nur dadurch ertragen, indem ich die Handlung vom Dortmund-Ems-Kanal an den Oberrhein verlegte, und zwar vom Bodensee bis zum Zielhafen Basel (anstelle von Münster). Dann würde nämlich bei Schaffhausen ein Italiener nach dem anderen mitsamt seiner Gondel am Rheinfall in den Rhein fallen - mit dem Lied „O Idiota Mio“ auf den Lippen.

Liebe Grüße,
Friedemann
Vergangenes Jahr - Antworten
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