Romane & Erzählungen
Ich sehe Dich

0
"Freundschaft, Liebe, Vertrauen, WG, "
Veröffentlicht am 25. April 2021, 328 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Patrizia Tilly - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin Geschäftsführerin eines kleinen aber feinen, chaotischen 6 köpfigen Familienunternehmens in Berlin. Weil das Leben ja sonst zu langweilig wäre, studiere ich nebenbei Journalismus an der ILS und besuche Vorlesungen in der HU. Meine große Leidenschaft ist das Schreiben. Am liebsten verfasse ich Fanfiktion Geschichten. Mir gefällt was ich zusammen schreibe und euch hoffentlich auch! Wenn ja, lasst mir doch ein Like oder Kommentar da! Danke ...
Freundschaft, Liebe, Vertrauen, WG,

Ich sehe Dich

Prolog

Ungewöhnlich heiß brennt die Sonne von einem makellos blauen Himmel hinunter auf die große Rasenfläche. Fahnen mit dem Wappen des Colleges hängen schlaff an ihren Masten. Überall laufen Absolventen in ihren schwarzen Talaren und den ebenso schwarzen Kappen herum. Ihre Rufe hallen von den alt ehrwürdigen Mauern wider. Aufgrund des guten Wetters, wurden hunderte weiße Plastikstühle für sie und die stolzen Angehörigen vor der Bühne

aufgestellt. Fasziniert und ein bißchen mit Wehmut beobachtet Daisy die Szenerie vom schattigen Kreuzgang aus. Bisher ist sie selbst auch Teil dieses aufregenden, lehrsamen und ausgelassenen Haufens. Doch ab morgen ist das Geschichte. Eine Windböe fährt ihr unter den Talar und lässt sie in ihrem kurzen Kleid erschaudern. Der dünne Stoff macht es eigentlich nicht gerade zu dem perfekten Teil für einen Frühlingstag, doch aufgrund des warmen Wetters entschied sie sich eher dafür sexy auszusehen anstatt mollig warm eingepackt zu sein.

Sollten alle doch sehen, dass sie noch immer sexy war, auch wenn ihre Studienzeit nun vorbei und der Ernst des Lebens nun beginnen würde. Oh ja, sie und ihre Freunde hatten die Jahre auf dem Campus genossen. Einiges an Sex, zumindest die anderen - nicht sie, gar keine Drugs, die anderen - sie überhaupt nicht und Rock n' Roll, oh ja sie - sie tanzt für ihr Leben gern und Musik mag sie auch. Anna kommt und stellt sich neben sie. Freundschaftlich, wie es sich für eine beste Freundin gehört legt sie ihren schlanken Arm um Daisy. "Na, versteckt du dich

hier?" Daisy sieht sich um, bei dem Gewusel um sie herum kann von verstecken gar keine Rede sein. "Ähm nein. Ich ... ich beobachte nur." Anna nickt wissend. "Hm. Schon klar.", Sie dreht ihren Oberkörper so das sie Daisy direkt ansehen kann. "Bist du aufgeregt?" Ihre Freundin zuckt die Schultern. "Ich würde eher sagen, ich bin gespannt was kommen wird und ja, ich bin etwas aufgeregt." "Also was als nächstes geschieht, also in den kommenden zwölf Monaten, das kann ich dir ganz

genau sagen.", lacht Anna. "Ja, darauf freue ich mich!", stimmt Daisy lächelnd zu. "Na dann ...", lacht Anna, "... macht dir keinen Kopf was in einem Jahr sein wird. Du lebst jetzt, im Hier und Heute. Und heute, meine Liebe wird gefeiert!" Lachend zieht sie die überrumpelte Daisy an der Hand über die Rasenfläche hinüber zu zwei jungen Männern die gegenüber zwischen zwei sandfarbenen Säulen der Galerie stehen. Auch sie scheinen das Treiben zu beobachten. " Hey Leute ... ", ruft Anna schon

von weitem. "... Daisy braucht ein wenig Aufmunterung. Dan kannst du da was machen?" Der Blonde reagiert sofort und holt etwas aus seiner Tasche vom Boden. "Ich hab' da tatsächlich was.", verkündet er. Daisy bleibt mit vor der Brust verschränkten Armen vor den beiden stehen und sieht Dan dabei zu wie er nun eine große Champagnerflasche entkorkt. Anna klatscht begeistert und mit strahlenden Augen in die Hände. "Ich dachte mir, der Tag heute muss gefeiert werden.", erklärt Dan. "Mit Champagner?", hakt Ben neben

ihm ein. Anna rollt mit den Augen. "Ach komm schon, Ben! Mach dich doch mal locker! Dan hat recht, wir haben den ersten Meilenstein unseres Lebens gemeistert. Das MUSS gefeiert werden!", springt sie ihrem Kumpel zur Seite. Ben gibt Achselzuckend und mit einem Gesichtsausdruck der deutlich sagt, dass er es missbilligt an einem heißen Tag wie diesem bereits am Vormittag schon Alkohol zu trinken. Dennoch greift er sich die Flasche als Dan sie ihm hinhält. Unschlüssig betrachtet er sie einen Augenblick ehe er sich das

prickelnde bittere Getränk in den Mund kippt. "Wir sollten Anstoßen.", verkündet Anna euphorisch. "Und womit bitteschön?", wirft Daisy ein. "Dan hat die Gläser vergessen." "Tut mir leid, meine Dame, aber ich hatte kein Bock auch noch einen halben Geschirrschrank mit mir herum zu schleppen.", entgegnet Dan ernst. Doch gleich darauf verzieht sich sein schön geschwungener Mund zu einem schelmischen Grinsen. "Lasst uns einfach aus der Flasche trinken!" "Aus der Flasche?", echauffiert sich

Anna theatralisch. "Überhaupt nicht das was ich gewohnt bin. Aber gut." Alle lachen. Denn Anna gilt im Allgemeinen nicht als zimperlich. Sie ist, wie man so schön sagt ein taffes Mädchen. Auch wenn ihre zierliche Statur dies nicht vermuten lässt, kann sie einiges wegstecken. Und sie ist sehr streng mit sich selbst. Für eine neue Rolle legt sie sich richtig ins Zeug. Hält sich an einen strengen Diät- und Fitnessplan, lernt zielstrebig ihren Text bis er akkurat sitzt und rührt keinen Alkohol an bis die Premiere über die Bühne gegangen ist.

Danach ist dann alles Routine. Das Schauspielern liegt ihr im Blut. Schon ihre Großmutter war Theaterschauspielerin, danach ihr Vater und nun sie. "Gut ..." Daisy nimmt von einer Woge Nostalgie ergriffen Dan die Flasche aus der Hand und hält sie in die Höhe. "... dann trinke ich auf unsere Freundschaft und das sie ewig halten möge!" Alle stimmen zu und rufen "Auf die Freundschaft!" Sie setzt an und trinkt einen kräftigen Schluck und reicht dann an Dan weiter. Seine himmelblauen Augen brennen sich in ihre. "Das war gut!" Er zwinkert ihr zu. "Ich

erhebe mein Glas, ach quatsch, die Flasche ..." Er tut es. "... auf all die bestandenen Abenteuer die hinter uns liegen. Und auf die aufregende Zeit die folgen wird!" Die anderen stimmen zu. "Gut, jetzt ich.", meint Anna, nimmt die grüne Flasche entgegen und hebt sie hoch. "Ich trinke auf uns, verdammt! Wir sind es die das Ding hier ..." Sie macht mit der freien Hand eine ausholende Geste. "... gerockt haben. Auf uns, Leute! Ihr seid die coolsten Typen die ich je das Glück hatte gegegnen zu dürfen!" Lachend und zustimmend

murmelnd klatschen die anderen in die Hände. Daisy wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Dan bemerkt es, zieht sie mit einem Arm an seine Seite und haucht ihr einen freundschaftlichen Kuss auf das Haar."Alles klar?", flüstert er und sieht ihr tief in die Augen als hoffte er darin die Antwort für ihr bedrücktes Gesicht zu finden. Sie nickt. "Ja, na klar. Ich bin nur etwas wehmütig." Ein süßes Schniefen kommt aus Ihrer Nase. "Bin ich doch immer bei Abschieden." "Süße Daisy, das ist doch nur ein

Teilabschnitt. Von jetzt an wartet das wahre Leben auf uns.", dringt er in sie. "Jetzt sind wir erwachsen und leben unser Leben. Und wer weiß was das alles für uns bereit hält?" "Na ja, eine Europareise für Anna und mich zunächst einmal.", grinst sie. Er nickt. "Jup. Ihr zwei werden Spaß haben ..." Sein Blick schweift in die Ferne. "... während Ben und ich schon mal damit beginnen Geld zu scheffeln." "Meinst du denn in New York gleich schon viel Geld zu verdienen? Ich dachte es sei ein Praktikum in der

Kanzlei eines Freundes deines Vaters?" Dan zuckt die Schultern. "Ist es ja auch, aber wer sagt denn, dass sie mich nicht bezahlen?" "Du kannst ein Glück haben.", brummt Daisy. "Glücklich bin ich erst wenn wir alle zurück in London sind.", flüstert er kaum hörbar. "Hier gehören wir hin und nicht irgendwo auf den Kontinent oder gar nach Asien." "Ich kann da aber viel lernen.", mischt sich Ben als er sein Stichwort gehört hat ein. "Und es ist ja nicht für ewig. Ein Jahr nur.

Und jetzt gib mir mal die Flasche! Ich muss auch noch was los werden ehe es los geht." Ben hebt die Flasche in die Höhe und ruft halblaut, "Auf erfolgreich bestandene Prüfungen und auf das Leben!" "Auf das Leben!", wiederholt die Gruppe. Er trinkt einen kräftigen Schluck ehe er die halbleere Flasche an seinen besten Freund zurück reicht. "So, wir sollten jetzt wirklich mal rüber gehen! Nicht das die noch ohne uns anfangen." Daisy und Dan lachen und folgen Arm in Arm ihren beiden Freunden aus dem wohltuenden Schatten

hinaus in das gleißende Licht der Sonne. Daisy erschaudert. "Ich bin da.", raunt Dan an ihr Ohr. "Immer." Zwei Wochen später stehen alle vier in der Abfertigungshalle des Flughafens Heathrow. Neben sich umfangreiches Gepäck. Schließlich werden sie ein ganzes Jahr weg bleiben. "Passt gut auf euch auf!", befiehlt Dan in Richtung der Mädels. "Die Franzosen haben es faustdick hinter den Ohren." Anna verdreht die Augen. "Ja, ja,

Papa.", scherzt sie. "Nun mach mal halblang! Wir sind zwei gestandene Frauen. Uns passiert schon nichts." "Das denkt ihr vielleicht.", murmelt er kaum hörbar. Daisy mustert ihren Freund. Warum macht er sich solche Gedanken? Natürlich, sie sind seine Freundinnen, seine Kumpels und um die sorgt man sich eben. Aber so? Doch wenn sie ehrlich ist, macht auch sie sich Gedanken, dass er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine Frau kennenlernen und nicht zurückkehren könnte. Ihn zu

verlieren würde sie mehr treffen als wenn einer der anderen beschließen würde auszuwandern. Doch das würde sie niemals zugeben. Schließlich waren sie alle ihre besten Freunde. Apropos beste Freunde. Wo blieb überhaupt Freddy? Suchend lässt sie den Blick schweifen. Menschen, Menschen, überall Menschen. Doch ganz hinten, an einem Aufsteller mit Sonnenbrillen eines Souvenirshops steht er. Neben sich das Ungetüm von Koffer das er beabsichtigte mitzuschleppen. Neon Pink und riesig. Er hatte sie vorgewarnt und verkündet, dass Kalkül dahinter

steckt. "Mit einem solch schweren Koffer bin ich stets auf die Hilfe eines gutaussehenden, muskulösen Kofferträgers angewiesen. Daisy Darling, dass solltest du auch mal probieren!" Doch sie hatte lachend abgewinkt. "Den Auftritt als Drama Queen überlasse ich dir. Das ist keine Rolle die mir auf den Leib geschneidert wurde." "Daisy, ich verspreche dir, du wirst voll auf deine Kosten kommen während unserer Tour." Dem Blick nach zu urteilen den er ihr bei diesen Worten zugeworfen hat, erwartete sie auf dieser Reise mehr

als nur interessante Gebäude und Folklore. Jetzt griff sie zum Handy und rief ihn an damit er sich endlich zu ihnen gesellen würde. "Entschuldigt Leute, wir fliegen doch in sonniger Gefilde, da brauchte ich noch rasch ne' neue Sonnenbrille." Er setzt sich ein blaues Modell mit golden verspiegelten Gläsern auf. "Und, steht mir die?", fragt er und breitet die Arme aus. Ein breites Grinsen schmückt seinen Mund. Als wir bejahen wird dieses sogar noch breiter. "Das ihr uns bei all den

europäischen Männern nicht vergesst!", mahnt nun Dan ein weiteres Mal. Anna verdreht die Augen. "Ach Danny, wie könnten wir das.", lacht sie und nimmt ihn in den Arm. "Pass du mal lieber auf, dass dir in New York keine Upper East Side Tussi den Kopf verdreht." Daisy schluckt als ihre Freundin ihre Gedanken ausspricht und sieht beschämt, als sei sie ertappt worden, zu Boden. "Das wird niemals passieren!", widerspricht er vehement. "Oh doch ...", lacht sie. "... genau das wird

passieren." "Könnt ihr jetzt mal damit aufhören?", fährt Ben dazwischen. "Anstatt ihr euch freut auf all das was nun kommen wird. Wir werden ganz neue Erfahrungen sammeln. Neue Orte kennenlernen. ..." "Na ja, ich war schon öfter in New York, daher ..." Wirft Dan ein, doch sein Einwand wird mit einem lässigen Abwinken von Anna abgetan. "Du warst doch eh schon überall." Dan zuckt die Schultern. "Stimmt auch wieder.", grinst er. Alle sehen Ben an der fortfährt, "Spannende neue Leute lernen wir kennen. Also

ich persönlich freue mich darauf! Und natürlich auf die Architektur. Was ich alles sehen werde auf meiner Reise. Und ... und ihr auch." Seine Hand deutet kurz auf jeden seiner Freunde. "Wir werden reich zurückkehren. ..." "Auch das kann ich schon abhaken.", murmelt Dan. "Sag mal, unterbricht du ihn mal nicht ständig!", schimpft Daisy die schweigend zugehört hatte. "Ich meinte, reich an Erfahrungen.", stellt Ben klar. "Das ist es jedenfalls worauf ich mich freue!" Anna klatscht in die Hände. "Ja,

genau so sehe ich das auch. Wir sind jung, klug und sexy. Lasst uns die Welt erobern! Ich sage, ich nehme mit was ich kriegen kann und euch würde ich das gleiche empfehlen! Wenn mir ein hübscher Typ mit knackigen Arsch über den Weg läuft und Lust hat mich zu ficken, dann hüpf ich mit ihm in die Kiste. " "Ich bin dabei! ", jubelt Freddy freudestrahlend und vier Augenpaare richten sich verständnislos auf ihn. "Ihr kennt mich doch.", erklärt er Achselzuckend und mit einem frechen unschuldigem

Grinsen. Ben schüttelt amüsiert den Kopf, während Dan wie paralysiert durch Daisy hindurch starrt. Sie dagegen scheint nichts davon zu bemerken. Zu aufgeregt ist sie. Zum ersten Mal Frankreich sehen, zum ersten Mal Eiffelturm, Champs-Élysées, Notre-Dame und Café au lait. Später dann weiter nach Cannes, Barcelona, Rom, Bern, Prag, Berlin, Kopenhagen, Stockholm, Oslo und zurück nach London. Eine weite Reise. Aber sie haben ja genug Zeit. Und die nehmen sie sich. Das Studium war hart, für alle, jeder von ihnen kann eine

Pause gebrauchen. Wir sind privilegiert uns diese Auszeit nehmen zu können, denkt Daisy. Nicht jeder hat das Geld und Zeit übrig seine Zeit auf diese angenehme Weise zu vertrödeln. Doch ihre Eltern schenkten oder vor finanzierten diese Exkursionen ihrer Kinder, ehe sie nach eine Jahr zurück in London in ihrem jeweiligen Metier durchstarten. Nur Dan wird in dieser Zeit arbeiten müssen. Ihm ist eine große Karriere als Rechtsanwalt vorhergesagt. Er hat sein Jurastudium mit summa cum laude abgeschlossen, das ist doch schon

mal was. Ben ist ebenso fähig auf seinem Gebiet, der Architektur. Wenn jemand aus ihrer Gruppe für schlau gehalten werden kann, dann er. Ständig macht er Kreuzworträtsel und mathematische Knobeleien. Hinter seinem Rücken schließen seine Freunde schon Wetten ab, wie lange es wohl noch dauert, bis er von der Regierung für irgendein geheimes Projekt verpflichtet wird. Anna erzielt ausschließlich auf der Bühne im hellen Scheinwerferlicht oder vor einer Kamera Erfolge. Eigentlich hatte sie die Ausbildung am College gar nicht nötig, sie war

schon vorher perfekt, findet Daisy, doch ihre beste Freundin hatte darauf bestanden. Irgendwann wurde sie bei einer Aufführung am Theater von einem Modelagenten entdeckt und schon tat sich für sie ein neues Feld auf, das modeln. Um Freddys Vorzüge zu beschreiben brauchte es nichts weiter als ihn anzusehen. Das schwarze Haar immer top gestylt, ebenso der lässige Dreitagebart, klare blaue Augen die stets die Wahrheit kund taten und ein so fröhliches Naturell das man ihn einfach mögen muss. Daisy zumindest liebt ihn abgöttisch.

Schon seit sie auf dem Spielplatz als achtjährige ihre neuen Klamotten im Rahmen einer Modenschau präsentiert hatten. Er ist immer fröhlich, hält stets einen guten Rat parat, liebt all den Kram auf den Mädchen so stehen und ist der hilfsbereiteste Mensch den sie kennt. Sie ist sehr froh, dass auch er sich die Zeit nehmen konnte sie zu begleiten, denn zwischen seinen Modeljobs Kellner er aus Spaß an der Freude in einem hippen Restaurant in Camden. Der Flug nach Paris wird aufgerufen und die zwei Mädels und Freddy machen sich, begleitet

von Dan und Ben auf den Weg zum Gate 5. "Tja, jetzt heißt es Abschied nehmen.", murmelt Dan, klopft Freddy auf die Schulter, zieht zuerst Anna und anschließend Daisy in eine Umarmung. "Pass auf dich auf!", mahnt Dan ein letztes Mal. "Viel Spaß euch dreien!", wünscht Ben. Und dann trennen sich ihre Wege. Kurz darauf wird der Flug für Benedict aufgerufen und auch er macht sich auf den Weg. Schließlich bleibt nur noch Dan allein zurück. Doch eine weitere Stunde später ist

auch er in der Luft unterwegs zu neuen Abenteuern.

1.

Frühling Daisy "Paul, kannst du mir bitte mal kurz helfen?" "Klar doch. Momentchen." Kommt es aus Richtung Verkaufsraum. Kurz darauf schlurft mein Kollege und Freund zu mir in den hinteren Verkaufsraum. "Wenn du mir bitte mal kurz dies hier abnehmen könntest?", bitte ich freundlich und mache ein gequältes Gesicht. Krafthaft versuche ich

einen Stapel Bücher auszubalancieren. Sofort ist er bei mir und nimmt den Stapel entgegen, den ich ihm in die Arme fallen lasse. "Danke, ich dachte schon ich falle von der Leiter.", schnaufe ich erleichtert und beginne mit dem Abstieg von der Leiter. "Du hättest doch was sagen können. Ich helfe dir doch.", tadelt er mich. "Ich weiß ...", murmle ich und klopfe mir den Staub von den Händen. "... aber ich falle eben nicht gern jemanden zur Last." "Zur Last fallen.", echauffiert er sich. "Als könntest du das

überhaupt." Liebevoll sehe ich meinen ältlichen Freund an. "Aber ich weiß ja wie du drauf bist.", lacht er abschließend. "Wie ich drauf bin?", lache ich. "Du weißt wie ich das meine. Ich kenne dich nun schon eine Weile." Ich nicke. Da hat er recht. Kurz nach unserem Europatrip stellte ich mein bisheriges Leben in Frage. Dazu kam, dass ich einfach keine Arbeit fand. Schlussendlich beschloss ich noch einmal von vorn anzufangen. Nur wie? Es gab nur eine Sache die unumstößlich für mich feststand, ich wollte weiter

etwas mit Büchern machen. So kam es, dass ich bei Paul in der Buchhandlung eine Ausbildung zur Buchhändlerin machte und die Literatur als solches für mich weiterhin bestand hatte. Nebenher schreibe ich. Kurzgeschichten und Romane. Aber eher für mich selbst. Bis auf meine Mitbewohner und meine Eltern hat noch nie jemand etwas von mir gelesen. "Weißt du was, Paul? Ich hab dich gern!", entfährt es mir aus einer emotionalen Regung heraus. Er sieht mich an und antwortet lächelnd, "Ich weiß, Daisy. Ich dich auch!"

Und das stimmte. Wir verstanden uns fast ab der ersten Minute sehr gut. Mittlerweile war unsere Freundschaft dermaßen gewachsen und gefestigt, dass ich Teilhaber der Buchhandlung bin. Vor zwei Jahren sah, aufgrund einer komplizierten Operation und horrender Krankenhauskosten, Pauls finanzielle Situation nicht gerade rosig aus. Um seine geliebte Buchhandlung zu retten brauchte er dringend Geld. Und da kam ich ins Spiel. Kurzerhand bat ich meine Eltern um Kredit und stieg als Teilhaber ein. Nun habe ich ganz

offiziell Mitspracherecht und alle Rechte und Pflichten einer Unternehmerin. Ich will nicht sagen das es immer leicht ist sich in einer Stadt wie London mit einem winzigen Buchladen in Camden Town über Wasser zu halten. Aber solange es geht ziehen wir das durch. Zum Glück kann ich mich immer auf den Rückhalt meiner Familie und Freunde verlassen, wenn es mal brenzlig wird. "Ich muss heute etwas früher weg. Ist das okay?", verkünde ich etwas später. "Kein Problem, wenn du auf dem Weg noch etwas zur Post bringen

könntest." "Klar doch. Die Bestellungen?" Er nickt. Unser Geschäft wirkt, eingequetscht zwischen zwei größere Gebäude, mit seiner dunkelroten Backsteinfassade und den vollgestellten Fenstern zwar wie aus der Zeit gefallen, doch auch wir sind in der heutigen Zeit angekommen. Zumindest etwas. Seit einiger Zeit bieten wir einen Bring-Service an. Kunden können bei uns telefonisch Bücher bestellen und sich diese zuschicken lassen. Im Grunde wie ein Onlineshop, nur kleiner. Diese Idee war eines der

ersten Sachen die ich neu eingeführt hatte. Und es lief gut. Die Kunden mögen unser gut sortiertes Sortiment und schätzen die kompetente Beratung. "Ich habe schon alles vorbereitet. Du musst es nur noch abgeben.", erklärt Paul. "Was hast du denn heute noch vor?" Ich winke ab. "Freddy hat Geburtstag. Übermorgen. Ich muss noch ein Geschenk kaufen. Wenn ich aber erst am Abend losfahre sind mir die Geschäfte zu voll. Und ich muss heute was finden. Morgen fahre ich raus nach Embley." Er nickt verständig. "Ja klar,

Donnerstag. Bleibst du wieder bis Sonntag? Feiert ihr Freds Geburtstag dort?" "Jup. Da ist genug Platz. Und du kennst ja Freddy, wenn er feiert, feiert er richtig." "Und das macht Dan mit? Es ist doch schließlich sein Haus." "Haus ist gut.", schnaube ich. "Schloss trifft es wohl eher. Und um das Aufräumen danach kümmern sich andere." Paul nickt bejahend. "Der kann ein Glück haben. Ich würde auch gern mal die Sau rauslassen ohne einen Gedanken an das mühsame Aufräumen danach verschwenden

zu müssen.", meint er verträumt. "Glaub mir, ich nicht. Dieses ewige "My Lord" hier und "Jawohl, my Lord" das würde mir sowas von auf die Nerven gehen." "Ich denke, Dan dürfte es mittlerweile gewohnt sein." Ich zucke die Schultern. "Hm. Keine Ahnung. Anmerken lässt er sich zumindest nichts." "Er ist damit aufgewachsen, Daisy, vergiss das nicht." Mein Blick geht ins Leere. Für einen Außenstehenden mag es seltsam erscheinen einen waschechten Earl in seinem Freundeskreis zu wissen, doch wir

waren es gewohnt. Und Dan lässt seinen Titel wirklich nicht raus hängen. Außer wenn er auf Embley ist merkt man sogar gar nichts davon. Vielleicht ist es ihm ja peinlich? Aber es ist wirklich praktisch, dass seine Familie so einiges an Immobilien in Großbritannien besitzt. Sonst hätten wir damals nicht gewusst wie es weitergehen soll. Nachdem wir von unseren verschiedenen Reise oder Exkursionen zurückgekehrt waren wusste wir alle nicht so recht wohin mit uns. Die Immobilienpreise in London sind

heutzutage kaum noch zu bezahlen. Selbst ein angemessenes Mietobjekt fand keiner von uns. Aus einer Bierlaune heraus entstand schließlich die Idee einer WG in Dan's Stadtvilla in Belgravia. Dort gab es genug Platz und es würde uns bis auf die Fixkosten nichts kosten. Dan's Vater war einverstanden, solange für ihn, falls es mal nötig sei ein Gästebett frei gehalten wurde. Und so kam es, dass wir vor knapp dreieinhalb Jahren zusammenzogen. Anna, Dan, Ben und ich. Freddy wollte sein hippes WG Zimmer in Whitechapel nicht

aufgeben. Da das Haus über drei voll ausgebaute Etagen verfügt, konnten wir uns ausbereiten. Anna und ich bewohnen den ersten Stock, die zweite Etage steht allein Dan zur Verfügung. Dort hat er nicht nur sein privates Schlafzimmer, sondern auch sein Arbeits- und ein Extra Gästezimmer. Oben unter dem Dach wohnt Ben. Er benötigt für seine Arbeit, und er denkt eigentlich an nichts anderes, ein Atelier. Zu diesem Zweck hatte Dan extra ein riesiges Dachfenster einbauen lassen. Nun herrscht dort oben ein

wahnsinns Ausblick und nicht gerade selten genießen Anna und ich bei einem guten Glas Wein den Sonnenuntergang. Ben stört unsere Anwesenheit nur insoweit, dass wenn wir zu kichern anfangen er sich nicht mehr konzentrieren kann. Doch er würde und niemals auffordern zu gehen. Dafür war viel zu sehr Gentleman. Und genau dafür liebe ich ihn! Eigentlich ist er perfekt! Lieb, klug, gutaussehend, zuvorkommend und hilfsbereit. Doch leider auch schüchtern. Seit dem wir uns kennen kann ich seine Freundinnen an einer Hand abzählen.

Wohingegen in der ersten Etage ein reges Kommen und Gehen herrscht. Und ich rede nicht von mir. Anna, absolut kein Kind von Traurigkeit, nimmt alles mit was sich ihrem jungen Leben bietet. Ich gönne es ihr, auch wenn ich mir ein solches Leben nicht für mich selbst wünsche. Obwohl, die Kerle die bei uns übernachten treffen durchaus meinen Geschmack. Blond, blaue Augen, groß und muskulös. Lecker! "Daisy, alles klar?" Holt mich Paul aus meinem Tagtraum zurück. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich

tief versunken die Wand hinter ihm angestarrt hatte. "Ich merk schon, du bist schon im Feierabend.", lacht er. Um mich selbst zu wecken schüttle ich leicht den Kopf. "Nein, nein. Entschuldige bitte! Was hast du gesagt?", erwidere ich. "Nichts, meine Liebe.", grinst er stillvergnügt. Um 14 Uhr machte ich mich auf den Weg ein Geburtstagsgeschenk für meinen schwulen besten Freund zu suchen. Eigentlich fällt es mir leicht die passenden Geschenke für Freunde und Familie auszusuchen,

doch bei Freddy verhält es sich anders. Was schenkt man einem der alles was sein Herz begehrt bereits besitzt? Freddy steht auf Männerkosmetik und ausgefallene Kleidung. Mit beidem kann er sich zu schmeißen. Sein begehbarer Kleiderschrank ist besser bestückt als mein normaler Kleiderschrank. Er besitzt Schuhe in jeder Farbe und zu jeder Gelegenheit. Sogar ein Paar High Heels nennt er, seit einer Halloweenparty vorletztes Jahr sein eigen. Und mit seinem Kosmetikarsenal kann er einer Drogerie locker Konkurrenz machen. Mit dem Vorsatz ihm so

etwas wie Gutscheine oder Eintrittskarten zu schenken betrete ich das Brunswick Centre. Als ich an einem Lederwarengeschäft vorüber gehe entdecke ich aus dem Augenwinkel eine Handtasche die Freddy's würdig wäre. Aus Feuerwehrrotem glatten Leder mit einer riesigen goldenen Schließe vorne und einer langen goldenen Gliederkette. Glücklich, endlich etwas passendes gefunden zu haben betrete ich das Geschäft und bedeute der Verkäuferin genau die Tasche aus dem Schaufenster kaufen zu wollen. Der Preis war akzeptabel, so dass

ich diesen Tag heute getrost als erfolgreich verbuchen kann. Zur Feier des Tages und weil es schneller ging als gedacht, gönne ich mir einen leckeren Früchteeisbecher. Die Kalorien muss ich dann wohl in den nächsten Tagen auf Embley wieder abtrainieren. Ich liebe es dort zu sein! Die wunderbare Natur, die Ruhe, die Pferde. Der perfekte Ort zur Entschleunigung. Und wenn ich ehrlich bin, egal was ich vorhin Paul gegenüber gesagt habe, ist es mal ganz angenehm sich bedienen zu lassen. Wann sonst hat man schon mal die Gelegenheit dazu?

Kaum das ich mich gesetzt und bestellt hatte klingelt mein Handy auf der Tischplatte. Rasch lege ich die Tasche für Freddy die ich mir noch einmal angesehen hatte zurück in ihre Tüte und nehme das Gespräch an. "Anna, was gibt's?" "Süße, ich muss eine Notfallsitzung einberufen.", ruft sie aufgeregt ins Telefon. Erstaunt über die Dringlichkeit ziehe ich die Stirn krauss. "Klar doch. Du klingst ja total aufgeregt. Ist was passiert?", hake ich

nach. "Und ob. Ich brauche euren Rat und eure Hilfe.", eröffnet mir meine beste Freundin. "Klar, wenn wir helfen können, werden wir es tun. Ich denke, da spreche ich für uns alle." "Gut. Ich danke dir! Ich geb noch den anderen bescheid." Sie klingt erleichtert. "Dann heute um 20 Uhr zu Hause.", fragt sie noch. "Ist gut.", stimme ich zu. "By." Schon hatte sie aufgelegt. Es muss wirklich etwas gravierendes geschehen sein, dass sie derart durch den Wind ist. Hoffentlich nichts schlimmes! Die Bedienung

stellt mir einen pompösen Eisbecher vor die Nase und wünscht "Guten Appetit!". Nur leider war ich nun so abgelenkt, dass ich das Eis gar nicht mehr genießen kann. Rasch esse ich daher auf und mache mich, sobald ich gezahlt habe auf den Weg nach Hause. Beinahe hätte ich die Tüte mit Freddy's Geschenk stehen gelassen. Die Zeit zog sich, zäh wie Kaugummi dahin, sodass ich, um mich abzulenken begann für alle ein Abendessen zu kochen. Ich entschied mich für Lasagne. Das

war nicht all zu kompliziert und ließ sich leicht zubereiten wenn man mit den Gedanken nicht ganz da ist.  Kaum war die Arbeit getan und die Lasagne im Ofen als Dan zur Tür herein kommt. "Na, bist du wieder fleißig, Sweetheart?" Ich wirble zu ihm herum und antworte, "Klar doch. Die hungrige Meute will doch gefüttert werden."  Skeptisch zieht er die Stirn krauss. "Meinst du nicht, wir sind alt genug um uns selbst am leben zu erhalten?" Ich weiß, dass er mich nur aufziehen will, denn im Grunde

sind sie alle sehr froh, dass ich mich so aufopferungsvoll um sie kümmere. Ohne mich wäre zumindest Ben schon verhungert.  Gerade jetzt sagt er auch, "Ich bin wirklich froh, dass du hier bist!" Lächelnd gehe ich auf ihn zu und lege meine Hand freundschaftlich auf seine Schulter. "Glaub mir, ich auch! Wo wäre ich denn, wenn du mich damals nicht aufgenommen hättest?" "In der Gosse." sage ich im selben Moment wie er antwortet "In deiner eigenen Wohnung." Überrascht sehe ich zu ihm auf. "Du meinst, ich hätte allein eine

Wohnung gefunden und würde diese auch halten können?" Dan sieht mir tief in die Augen, "Du kannst alles was du dir in den Kopf setzt, Sweetheart." Bescheiden lächelnd weiche ich seinem Blick aus. Genau dann als die Stimmung zwischen uns zu knistern begann polterte Anna zur Tür herein. "Hey Leute. Da komm ich ja gerade richtig." Was sie damit genau meinte, ob die Situation zwischen Dan und mir oder weil es schon herrlich nach Essen duftete, blieb offen.   Peinlich berührt fahren Dan und

ich auseinander. Er fährt sich mit der Hand durch das Haar und verstrubbelt es sexy. Fasziniert beobachte ich wie eine Strähne sanft in seine Stirn fällt.  Anna stellt sich neben den Herd und sieht durch das Fenster. "Lasagne? Lecker!" Strahlend lächelnd wendet sie sich mir zu. "Soll ich schonmal den Tisch decken?" "W-wenn du so lieb wärst.", stammle verwirrt ich. Ich hätte nichts dagegen gehabt noch ein paar Augenblicke weiter in meinem Tagtraum zu verweilen.  "Alles klar. Mach ich." Schon reißt

sie schwungvoll den Geschirrschrank auf und holt Teller für vier Personen heraus.   "Ich muss noch kurz was … erledigen.", murmelt Dan und geht aus der Küche. "Ja geh nur. Hier stehst du eh nur im weg.", lacht Anna und wirft fast schon die Teller auf den Tisch.  "Sei nicht immer so fies!", ermahne ich sie.  Doch sie winkt nur lässig ab. "Er weiß wie es gemeint ist." Ich schnaube und räume die schmutzigen Töpfe in den Geschirrspüler.  Ein paar Momente sagte keiner von

uns etwas, und das Schweigen, das anfangs einvernehmend gewesen war, wurde dunkler. Mir war klar, dass Anna ein unangenehmes Thema anschneiden wollte und nicht recht wusste, wie sie es anfangen sollte. "Was ist los, Anna?", versuche ich es ihr leichter zu machen. Ihre grünen Augen durchbohren mich. "Sag du es mir!" "W-was?", erwidere ich verwirrt. Sie lehnt sich rücklings gegen den Tresen und sieht mich mit vor der Brust verschränkten Armen an. "Was läuft da zwischen euch?" Verwirrt schüttle ich den Kopf. "Ich

hab' echt keine Ahnung wovon du sprichst."  Sie schnaubt verächtlich. "Du brauchst keine Ausreden zu erfinden. Das sieht sogar ein Blinder. Zwischen dir und Dan läuft was." Ihr Ton klingt nicht vorwurfsvoll, eher neugierig. Ich runzle die Stirn. "Quatsch! Was redest du denn da? Wir kennen doch die Regeln." "Ja, schon. Aber du weißt doch was über Regeln sagt?" "Nein was?" "Regeln sind dazu da um gebrochen zu werden.", lacht sie und wirft die Arme in die Luft. "Keine Sorge, ich

verrate nix!" "Gut. Dann hast du nichts zu tun, es gibt nämlich nichts was du geheim halten müsstest.", antworte ich lapidar. "Daisy!" Mehr Worte bedarf es nicht von meiner besten Freundin um mir die Wahrheit zu entlocken. "Na gut. Du hast gewonnen.", schnaube ich und drehe mich zur Wand. Meine Hände krampfen sich um die Kante des Tresens. Die Stirn gegen das kühle lackierte Holz des Hängeschrankes gelehnt stöhne ich, "Es ist doch verrückt! Du hast recht, ich steh auf ihn." "Wie lange schon?" Auch wenn ich

sie nicht ansehe, weiß ich doch, dass sie frech grinst.  "Seit dem ersten Treffen ungefähr.", stöhne ich zermürbt. "Du brauchst nichts zu sagen, ich weiß selbst, dass es total bescheuert ist!" Anna lacht. "Zum Glück ahnt er nichts!" Ihr Lachen steigert sich. Verwirrt drehe ich mich zu ihr um und frage, "Was ist?" "Du denkst ernsthaft, er weiß es nicht?" Ich nicke verwirrt. "Du lebst manchmal wirklich auf dem Mond, Süße! Dan ist sowas von

in dich verschossen." Entsetzt greife ich mir an den Hals. "Nein … blödsinn!", stammle ich vehement. Genau in diesem Moment kommen Dan und Ben zurück. "Was ist blödsinn?", fragt Ben. "Nichts.", lügt Anna für mich. "Daisy Darling will mir einfach nur nicht glauben, dass zum verhüten die Spirale viel praktischer ist."  Entsetzt starre ich sie an. Warum sagt sie gerade so etwas? An ihrem frechen Grinsen und einem neckisches Zwinkern in meine Richtung kann ich ablesen, dass sie es tat um die Jungs vom Thema

abzulenken. Frauenkram - wie nervig. Wie gewünscht verziehen Ben und Dan gleichermaßen das Gesicht. Ben schien ehrlich brüskiert zu sein und weiß nicht wo er hinsehen sollte. Dan dagegen sieht mit fest zusammengepressten Lippen zwischen uns hin und her und setzt sich schließlich an den Tisch um dort weiterhin schweigend auf die Tischplatte zu starren. Anna lacht spöttisch.  "Aha … ähm, wann ist das Essen fertig?", war das einzige, was Ben dazu zu sagen hat.  Ich werfe einen Blick in den Ofen

und verkünde erleichtert, "Es ist fertig." Während des essens beobachte ich genau jede Regung von Dan. Konnte Anna mit ihrer Aussage recht haben? Mag er mich wirklich? Natürlich mag er mich. Wir sind gute Freunde. Aber ob da mehr ist, kann ich wirklich nicht erkennen. Er verhält sich doch völlig normal. Was also ist es, was sie zu dieser Annahme hat kommen lassen?  Ohne mich eines einzigen Blickes gewürdigt zu haben beenden wir das Essen. Die anderen waren in den Salon nach nebenan gegangen um etwas zu trinken. Doch ich, mit

der Hoffnung ein paar Augenblicke für mich selbst zum nachdenken zu haben, bot an, allein die Küche aufzuräumen. Die Gedanken fuhren in meinem Kopf Achterbahn. So lange schon trug ich diese Vorstellung von Dan und mir als Paar mit mir herum. Doch wir sind nur Freunde und kennen uns schon so lange. Nichts umsonst haben wir uns alle auf die WG Regel geeinigt nichts miteinander anzufangen. Um in genau solch eine Situation nicht zu geraten. Es durfte einfach nicht sein. Nicht er. Am Ende ist alles Geschirr fort geräumt und ich bin noch immer zu

keiner Lösung gelangt, als es an der Tür klingelt. So spät noch Besuch?

2.

Reich sind nur die, die wahre Freunde haben. Thomas Fuller Anna “Süße, ich muss eine Notfallsitzung einberufen.”, verkünde ich aufgeregt. Seit dem ich es vorhin erfahren habe, bin ich gleichsam traurig wie sauer. Wie konnte Stefanie Sebastian so etwas antun? “Klar doch.”, erwidert Daisy. “Du klingst ja total aufgeregt. Ist was

passiert?” Ich nicke. “Und ob. Ich brauche euren Rat und eure Hilfe.”, eröffne ich meiner besten Freundin. “Klar, wenn wir helfen können, werden wir es tun. Ich denke, da spreche ich für uns alle.” “Gut. Ich danke dir! Ich geb noch den anderen bescheid.”, erkläre ich erleichtert. “Dann heute um 20 Uhr zu Hause.” “Ist gut.” “By.” Ich lege auf und rufe gleich im Anschluss nacheinander die Jungs an. Besonders auf Dan's Hilfe hoffe

ich. Nach dem Essen sitzen wir alle in unserem gemütlichen Salon. Ich spüre, dass alle darauf warten, dass ich ihnen eröffne was mir auf dem Herzen liegt, so das ich um eine Sitzung gebeten habe. Aber ich warte noch auf jemanden. Auf Seb nämlich. Ich denke, wenn sie ihn gleich kennenlernen, würden sie eher zu einer Entscheidung kommen. Es klingt an der Haustür. Eilig, bevor irgendjemand anderes mir zuvorkommen kann, renne ich zur Tür. Seb steht in seiner typischen Lederjacke an der die

Wassertropfen abperlen und mit einer kleinen Reisetasche in der Hand davor und sieht mir mit einem zerknirschten Gesichtsausdruck entgegen. Das Wasser läuft im aus dem Haar. “Da bin ich.” “Das sehe ich. Komm rein!”, antworte ich und greife nach seinem Arm um ihn aus dem Regen zu ziehen. “Willst du … nein besser, du gehst erstmal duschen, sonst erkältest du dich noch.”, murmle ich aufgeregt. “Das bißchen Regen bringt mich schon nicht um, Schwesterherz. Lass es uns hinter uns bringen.”

Seine Stimme klingt belegt. Er scheint ebenfalls aufgeregt zu sein. “Na gut, wie du willst.” Ich wende mich der geöffneten Tür zum Salon zu. “Dann komm mal mit!” Ich gehe vor und mein älterer Bruder folgt mir. Neugierig richten sich die Blicke der anderen auf ihn als wir gemeinsam den Raum betreten. Besonders Daisy mustert ihn eingehend. Seb war das sicher schon gewohnt. Seitdem er in der Pubertät zum Mann gereift war, verdreht er der weiblichen Bevölkerung in seiner Umgebung den Kopf. Seine Freundinnen

wechselte er fast schon so häufig wie Unterwäsche. Doch in den letzten Jahren änderte das sich. Oder vielmehr, er änderte sich. Treu und aufrichtig war er Stefanie gegenüber und wurde derart hinterhältig von ihr betrogen. Das hatte er wirklich nicht verdient! Aber genau aus diesem Grund waren wir heute hier. Ich wollte meine Freunde und Mitbewohner bitten ihn ebenfalls bei uns aufzunehmen. Platz ist hier ja genug. Und da Sebastian eh die meiste Zeit auf der Arbeit ist, dürfte er kaum auffallen. “Ihr erinnert euch doch an

Sebastian?”, eröffne ich nun das Gespräch.  Zustimmendes Gemurmel. Wir setzen uns, ich in den Sessel vor dem Kamin und er auf die Lehne neben mich. “Folgendes ist geschehen …”, beginne ich und suche ganz gezielt Dan's Blick, denn er ist es dem dieses Haus gehört. “... Stefanie, Seb’s Frau …” Seb zieht zischend die Luft ein. Schnell berichtige ich mich. “... ähm ehemalige Freundin hat ihn … hat ihn betrogen.” Vorsichtig sehe ich von unten zu ihm auf. Seine blauen Augen starren dunkel ins Leere. “Sie hat

ihn ausgenommen wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans.”, fahre ich fort und sehe nacheinander meine Freunde an. “Sie hat das Haus und den größten Teil seines Ersparten. Er … er weiß nicht wohin und hier in England hat er ja nur mich.” Schließe ich und hoffe alles wichtige gesagt zu haben um so der beschämenden Frage ausweichen zu können.   Dan sieht erst mich dann meinen Bruder an. “Du brauchst ein Zimmer?” Seb nickt stumm. “Ja, genau. Das wäre prima!”, mische ich mich rasch ein, erleitert

das Dan es war der die Frage ausgesprochen hat. “Oben ist doch noch ein Zimmer frei. Wäre es in Ordnung, wenn er dort einziehen würde.” "Schon.", grübelt Dan. Alles schweigt. Daisy beobachtet Sebastian und Dan scheint überlegen zu müssen, schließlich sagt er, Um Sebastians Chancen zu erhöhen beschließe ich noch ein wenig Werbung für ihn zu machen. “Seb ist Polizist.” Daisy's Augenbrauen schießen in die Höhe. “Genauer gesagt gehöre ich einer

Spezialeinheit an.”, stellt Seb richtig. “Ja, alles streng geheim.”, lache ich. “Na ja, nicht total. Nur so viel, ich verdiene Geld und das ist doch die Hauptsache oder?” Er sieht Dan an. Der angesprochene sieht auf und nickt abwesend, schließlich sagt er, “Dann stimmen wir ab."  Alle setzen sich etwas aufrechter hin. "Wer ist dafür, dass Sebastian hier einzieht?", ruft Dan. Alle Hände gehen in die Höhe. Dan registriert es und wendet sich wieder meinem Bruder zu, “Also ich denke das war eindeutig. Kein

Problem also.”     Plötzlich kommt Leben in Sebastian. “Das ist klasse, Kumpel! Ich zahle natürlich Miete, kein Problem!” Dan winkt ab. “Miete zahlt hier keiner. Das Haus gehört meiner Familie. Aber alle beteiligen sich an den Fixkosten. Wenn du da …” “Klar, kein Ding.”, beeilt sich Seb zu sagen.  “Gut …” Dan erhebt sich und tritt auf meinen Bruder zu um ihm die Hand zu reichen. “... dann herzlich willkommen hier bei uns!” Freudestrahlend schlägt Seb ein.  “Einen Schlüssel müssen wir erst

noch nachmachen lassen.” “Klasse. Danke.” Daisy steht ebenfalls auf und begrüßt Seb hier bei uns im Haus. “Dafür sind doch Freunde da.”, verkündet sie und spricht wohl für uns alle. Freundlich und absolut typisch für sie nimmt sie Seb in die Arme. Überrascht raunt er, “Wir sind Freunde?” “Na, ich hoffe doch, wir werden es.”, lacht sie strahlend. Dan's Blick fliegt zwischen den beiden hin und her. Die anderen mögen ja nicht darauf achten, aber mir entgehen seine qualvoll

zusammengepressten Lippen nicht. Mit einem Mal, als würde er einen Themenwechsel herbeisehnen verkündet er mit belegter Stimme, “Das muss gefeiert werden. Wer will was trinken?” Alle hatten welchen und einstimmig beschließen wir für einen Absacker in die 'Star Tavern' zu gehen. Unser zweites Wohnzimmer und praktischerweise gleich um die Ecke. “Und das Haus gehört Dan, ja?”, fragt Seb als wir später allein in der Waschküche im Keller sind und er mir hilft die saubere Wäsche

zusammen zu legen und eine neue Maschine anzuschmeißen. Alle anderen waren bereits zu Bett gegangen. Wie so oft bin ich die letzte die auf ist. Das macht das ständige um die Häuser ziehen. Ich bin, und war es auch schon immer ein Nachtmensch. Schlafen kann ich noch genug wenn ich tot bin. “Ja klar doch. Es gehört seiner Familie.” “Sind die reich oder so was?” Über seine Unwissenheit muss ich lachen. “Ob seine Familie reich ist?” “Was … was ist so lustig?”, fragt mein großer Bruder

verständnislos.  “Deine Unwissenheit.”, schaube ich. “Du weißt wirklich nicht wer er ist?” Er schüttelt den Kopf. “Nein, woher denn auch?” Ich werfe ein Handtuch zurück in den Wäschekorb und lehne mich mit vor der Burst verschränkten Armen gegen die Wand neben mir. “Er ist ein Earl. Genauer der 9. Earl of Embley. Das ist so eine Grafschaft im Norden.” Er pfeift durch die Zähne. “Das Haus ist eines von vielen Immobilien die seine Familie besitzt. Und sein Dad war so

freundlich es uns zu überlassen. Vor etwas über einem Jahr ist er allerdings überraschend gestorben und Dan wurde von einem Tag auf den nächsten ein respektables Mitglied der oberen Gesellschaft.”  “Okay. Ist ja krass!” Seb nickt verständig. “Ja, oder! Der Tod seines Vaters machte ihm sehr zu schaffen. Es war alles ein wenig zu viel für ihn.” “Kann ich mir vorstellen.”, brummt Seb. "Wie ist er denn gestorben? Du meinst es war plötzlich." Ich stöhne bei der Erinnerung an diese schwere Zeit. "Er ist mit seinem privat Heli in die Luft

geflogen?" Er reißt die Augen auf. "Eine Bombe?", keucht er. Schnell schüttle ich den Kopf. Da hatte ich mich falsch ausgedrückt. "Nein. Oh mein Gott! Nein. Er ist abgestürzt.", stelle ich klar. "Ach so. Scheiße!" "Ja, das war es.", murmle ich. “Aber zum Glück für ihn hat er ja uns.”, lache ich. “Besonders Daisy hilft ihm.” “Inwiefern?” “Zu dem Familienanwesen seiner Familie gehören einige Morgen Landwirtschaftliche Fläche. Als Anwalt kennt er sich mit sowas

überhaupt nicht aus.” “Aber es wird doch wohl einen Verwalter oder so was geben?” Ich nicke. “Klar gibt es den. Aber auch Daisy berät ihn.” “Daisy? Ist sie eine Bauerstochter?” Der Gedanke an Daisy mit Kopftuch und Mistgabel in der Hand lässt mich kichern. Schnaubend stelle ich klar, “Nein, überhaupt nicht. Aber ihre Großeltern hatten einen Bauernhof und da hat sie einiges mitbekommen.” “Ach so. Ist ja nett von ihr.” “Hm … sie macht es ja nicht ganz uneigennützig denke ich.”, überlege ich

laut. “Wie meinst du das?” “Ich denke, sie hat ein Auge auf Dan geworfen. Ich kann sie verstehen. Wer könnte das nicht?” Sebastian verdreht die Augen. “Zugeben würde sie das ihm gegenüber zwar nie. Und es ist auch nicht kompartibel mit unseren WG Regeln. Stattdessen schiebt sie das ausreiten mit Dan's Pferden als Ausrede vor um Zeit mit ihm allein zu verbringen.” “Ihr habt Regeln? Ist ja nett, dass ich das auch schon erfahre.”, brummt mein Bruderherz. “Klar haben wir Regeln. Wie sollte

sonst das Zusammenleben zwischen Männern und Frauen funktionieren?”  Er nickt und fährt sich grinsend mit der Hand durch das dunkle Haar. Schweigen breitet sich aus. Ich nehme meine Arbeit wieder auf als er kurz darauf fragt, “Und, verrätst du sie mir oder erfahre ich sie in einer geheimen nächtlichen Zeremonie?”, lacht Seb. “Was?” Verständnislos starre ich ihn an. “Die Regeln.”, hilft er mir auf die Sprünge. “Wie lauten sie?” “Ach so. Na ja …” Ich deute mit dem Zeigefinger eine eins an. “...

Erstens: du beteiligst dich an den Haushaltspflichten.” Er nickt zustimmend und hört mir abwartend schweigend zu. Ich halte zwei Finger in die Höhe. “Zweitens: du musst, wenn du an der Reihe bist einkaufen gehen. Da du ein Auto mitbringst wird es dich sicherlich öfters treffen.” Lachend strahle ich ihn an. Sonst hat nur Dan ein Auto. Bisher hat er die Wocheneinkäufe bei M&S gemacht. Nun würde er Hilfe bekommen. Vielleicht war das ja auch der Grund weshalb er zugestimmt hat Seb bei uns aufzunehmen? “Und weiter?”, fragt

er. “Drittens: Teilnahmepflicht bei den Versammlungen.” “Was denn für Versammlungen?” Verständnislosigkeit breitet sich auf seinem Gesicht aus. “Wenn etwas ansteht was besprochen werden muss. So wie deine Aufnahme heute zum Beispiel. Jeder kann alles sagen und vorschlagen. Wir besprechen es dann.” “Verstehe. Ihr seid eine Demokratie.” Ich nicke zustimmend. “Ganz genau, Bruderherz. Und du bist nun Nutznießer

derer.” Seb lächelt breit. Ich fahre fort, “Vierte Regel, und das ist die wichtigste: fang nichts mit einem Mitbewohner an.” “Echt jetzt? Ihr habt noch nie miteinander rumgemacht?” Redlich nicke ich. “Noch nie. Obwohl …” Grinsend kommt er auf mich zu. “Ja …” Grinsend fahre ich fort, “... Dan ist schon sehr süß! Seine Augen sind der Hammer.” Seb zuckt die Schultern. “Kann ich nicht beurteilen. Ich steh nicht auf

Männer.” Salopp schlage ich ihm gegen die Brust. “Ich weiß. Ich will damit auch nur sagen, träumen ist erlaubt, aber Hände weg von meiner Freundin!” Grinsend winkt er ab. “Schon gut, Schwesterchen. Reg dich ab! Ich lass sie in Ruhe. Aber Dan darf oder was?” "Was? Nein!", echauffiere ich mich. "Auch wenn er ein Earl ist gelten die selben Regeln auch für ihn." Lachend schüttelt mein Bruder den Kopf. "Was ist?", hake ich nach. Irgendwas führt er im Schilde.

"Seb, ich mein's ernst. Hände weg von Daisy!" Ergeben hebt er die Hände. “Gut.”, nicke ich, mustere ihn eingehend und drehe mich wieder zum Trockner um. Doch die Arbeit war erledigt, er war leer. “So wie es aussieht haben wir Feierabend. Ich geh ins Bett.” “Mach das. Ich bleib noch etwas auf. Muss mir über einige Dinge klar werden.” Gemeinsam gehen wir hinauf in das Erdgeschoss. Im Foyer sagen wir uns 'Gute Nacht'. Liebevoll schlinge ich meine Arme um seinen Hals. “Geh nicht zu spät

schlafen!” “Ja Mom.”, zieht er mich auf und drückt mich an sich und raunt mir ins Ohr, “Danke, dass du das für mich getan hast!” “Kein Problem. Dafür sind kleine Schwestern doch da.” “Na ja, ich denke, es ist eher anders herum, dass große Brüder auf ihre jüngere Schwester aufpassen sollten, aber dennoch bin ich dir sehr dankbar, Anna!” Er küsst mich auf das Haar. “Gute Nacht.” “Gute Nacht.”, hauche ich ehe ich ihn allein

lasse.   

3.

Kein Weg ist lang,

mit einem Freund an deiner Seite.


Japanische Weisheit

Dan


Beim hinuntergehen komme ich an der geschlossenen Tür den Gästezimmers vorüber hinter der seit gestern Abend Sebastian wohnt. Noch ein Mitbewohner mehr. Aber mir solls recht sein, solange er seine Finger von Daisy lässt. Platz haben wir hier genug.

Und Sebastian scheint mir ein fähiger Mann zu sein. In der Zeit wo ich in Embley bin kann er auf das Haus und die Mädels aufpassen. Zwar haben wir eine Alarmanlage, aber ein wachsames Ohr mehr kann nicht schaden. Aber käme ich mit der Nähe zwischen ihm und ihr klar? Keine Ahnung. Sicher nicht. Die Blicke die er ihr gestern Abend zugeworfen und wie sie mit schüchtern zugeworfen Lächeln geantwortet hat haben mir schon gereicht. “Guten Morgen.”, rufe ich betont freundlich beim betreten der Küche. Zeit den unguten Gedanken beiseite zu schieben. Es duftet nach

frisch aufgebrühten Kaffee und Rühreiern. Daisy sitzt allein am Tisch und sieht auf als sie mich kommen hört. “Guten Morgen, Schatz.” Schatz. Ihr Kosename für mich. Ich hingegen nenne sie mein Sweetheart. Fast als wären wir zusammen. Auch für die anderen hat sie Kosenamen. Das ist so ihr Ding. Bin schon gespannt was sie sich für Sebastian ausdenkt. Eine weitere Tradition die wir ihr zu verdanken haben ist das allmorgendliche ausgiebige frühstücken. Daisy vertritt die Auffassung, dass ein Tag nur dann wirklich erfolgreich werden kann,

wenn er mit einem ordentlichen Frühstück beginnt. “Hast du gut geschlafen?” Ihr Standardspruch. Nochmal typisch Daisy, erkundigt sich immer nach unserem Befinden. Und wehe, einem geht es mal schlecht. Dann ist sie sofort zur Stelle und kümmert sich rührend und aufopferungsvoll. “Na klar. Und du?”, entgegne ich und hole mir Geschirr aus dem Schrank. “Auch. Hast du oben Sebastian gesehen?” Ihre Worte versetzen mir einen Stich in der Magengegend. Ich schüttle den Kopf und verneine. Sie zuckt die Schultern. “Naja vielleicht ist er ein Langschläfer.”,

mutmaßt sie. “Ja, kann sein.”, murmle ich. Um das Thema zu wechseln frage ich, “Und, hast du es dir überlegt?” Sie dreht den Kopf so das sie mich ansehen kann und fragt, “Was meinst du?” “Kommst du heute Nachmittag mit?” “Ach so.” Erkenntnis erhellt ihr Gesicht. “Klar doch.” Sie wendet sich wieder ihrem Rührei zu. “Ich hab mir frei genommen.” Zufrieden setze ich mich neben sie und greife mir die Kaffeekanne. Die Zeit die Daisy und ich allein auf Embley verbringen genieße ich immer besonders. Dieses Mal würde zwar am Samstag die Bude voll von Freddy’s Gästen

sein, aber die zwei Tage bis dahin hatte ich sie ganz für mich allein. Jeden Donnerstag zieht es mich von der Stadt hinaus aufs Land. Genauer nach Embley. Nicht weil ich das Landleben so liebe, sondern weil es meine Pflicht ist. Ich, Daniel Edwards, 9. Earl of Embley habe seit mein Vater vor circa einem Jahr mit seinem Helikopter verunglückt ist, nicht nur deren Titel sondern auch deren Pflichten übernommen. Embley Abbey, der Hauptwohnsitz meiner Familie mütterlicherseits und die dazu gehörigen Ländereien müssen verwaltet und bewirtschaftet

werden. Das war ein ganz schöner Schock, damals. Vater war noch jung und lebenslustig. Doch dem Schicksal sind solche Nebensächlichkeiten egal. Es nahm mir meinen Vater auf grausame Weise und warf mich in das sprichwörtliche kalte Wasser. Von einem Tag auf den nächsten war ich ein Earl. Von einem Tag auf den nächsten hatte ich Zugriff auf ein enormes Vermögen. Bleiben Sie da mal standhaft und drehen nicht durch. Doch die Tatsache, dass ich ein gewisses Ansehen und einen Namen zu repräsentieren hatte, half mir auf dem Boden zu bleiben.

Man erwartete von mir künftig nicht nur die Höfe rund um Embley zu verwalten, sich mit Pächtern, Ackerbewirtschaftung und Viehzucht herum zuschlagen, sondern auch auf Galas und Empfängen zu erscheinen, mich karitativ zu zeigen, ebenso wie es mein Vater immer mit bravour getan hatte. Und nebenher wartet man sicherlich schon gespannt auf einen Erbfolger für Embley Abbey. Doch für so etwas bin ich eindeutig noch zu jung. “Bist du dann heute nachmittag um 4 zu Hause? Dann können wir direkt los. Ich hab' heute Abend noch einen Termin mit

Spencer. ”, frage ich sie. “Klar doch.”, sagt sie zwischen zwei Bissen. “Was wichtiges?” "Nö, denke nicht. Er will mir irgendwas erklären." Ich zucke die Schultern. "Keine Ahnung was." "Na ja, wenn es etwas gravierende wäre hätte er sicher nicht abgewartet bis du das nächste Mal in Embley bist.", mutmast sie. "Du hast sicher recht. Freust Du Dich?" Der Blick aus ihren strahlenden blauen Augen trifft mich. "Worauf denn?", lacht sie. "Auf's reiten natürlich." Ich schlucke. "Worauf denn sonst.", füge ich hinzu. "Oh ja ... klar doch." Seelig lächelnd lehne ich mich

zurück um ihrem Blick zu entkommen. Ich weiß auch nicht weshalb ich heute so aufgeregt war Zeit mit ihr allein zu verbringen? Das taten wir doch ständig. Daisy ist ein Schatz! So oft es ihr möglich ist und sie Lust verspürt fährt sie mit mir raus und berät mich in Sachen Ackerbewirtschaftung, oder sie reitet einfach nur mit mir gemeinsam über die Ländereien. Ich kann mich gar nicht satt sehen an ihr, wie anmutig ihre Gestalt auf einem Pferderücken aussieht und ihr blondes Haar beim Galopp im Wind weht. Ihr glückliches Lachen, so glockenhell und fröhlich. Sie

mag es vielleicht nicht zugeben, doch sie ist glücklich da draußen auf dem Land. Nur zu gern würde ich sie zur nächsten Countess of Embley machen. Doch das ist unmöglich. Unsere WG Regeln, die ich im übrigen selbst mit aufgestellt habe, beziehen da ganz deutlich Stellung. Nichts mit einem Mitbewohner anfangen. Aber standhaft zu bleiben und sie nur aus der Ferne und ganz im Geheimen anzuschmachten ist wirklich schwer. Besonders, wenn sie männlichen Besuch empfängt. Dann muss ich mich doch immer arg zusammenreißen um dem Kerl

nicht eine zu verpassen und ihn rauszuwerfen. Und da haben wir es wieder. Genau aus diesem Grund haben wir die Regeln aufgestellt. Meine Gedankengänge werden unterbrochen als Stimmen zu hören sind. Ben, gefolgt von Sebastian betreten den Raum und wünschen fröhlich "Guten Morgen." Sie scheinen sich gut zu verstehen, die beiden. "Guten Morgen!", erwidert Daisy zuckersüß. "Ich habe Frühstück gemacht. Kommt und setzt euch!" "Oh wow!", staunt Sebastian und besieht sich den vollgeladenen Tisch. "Das ist umfangreich." Erstaunt warum er

so staunt, es ist doch nur Frühstück, werfe ich selbst jetzt mal einen genaueren Blick darauf. Seb hat recht. Wow! Er war wirklich überladen. Das war mir gar nicht aufgefallen. Daisy hat wirklich das volle Programm aufgefahren. Schüchtern weicht sie Sebastian bewundernden Blicken aus und sieht auf ihre ineinander verschlungenen Hände auf der Tischplatte. "Das ist doch gar nichts.", murmelt sie kaum hörbar. Sebastian nimmt das Geschirr das Ben ihm hinhält entgegen und setzt sich Daisy gegenüber an den Tisch. "Also wenn meine Frau mir solch

ein Frühstück machen würde ... Ich würde sie nie wieder hergeben." "Nun krieg dich wieder ein.", mischt sich in diesem Moment Anna ein die unbemerkt herein gekommen war. "Es ist nur Essen." Alle Blicke richten sich auf sie und beobachten wie sie ihre Standart Kaffeetasse, die mit 'Daddy's little Princess' Aufdruckaus dem Schrank nimmt und sich Kaffee einschränkt. "So, ich muss mich fertig machen.", verkündet sie und winkt uns hinter ihrem Rücken zu. "Danke für's Frühstück, Daisy!" Damit verschwindet sie um für die nächste Stunde das obene Bad zu blockieren.

"Sie ist noch genauso wie früher.", bemerkt Sebastian. "Ach wirklich?", brumme ich. "Tja, das ist Anna wie wir sie alle kennen.", meint Daisy. "Ben, Sebastian, möchtet ihr Ei?" "Und, für welche Aufgaben bin ich diese Woche eingeteilt?", unterbricht Sebastian nach einer Weile das genüssliche Schweigen. "Aufgaben?", fragt Ben und spült den letzten Bissen mit einem Schluck Tee hinunter. "Na hier in der WG.", erklärt er lachend und macht eine kreisende Bewegung des Zeigefinger in der Luft. "Keine.", beschließt Daisy vehement. "Du hast noch Schonfrist."

Er sieht sie an. Ich ebenso, will das mir keine Regung entgeht. Ein winziger Rest Milchschaum klebt an ihrem Mundwinkel. Wie gern würde ich ihn ihr wegküssen. Sebastian scheint dasselbe zu denken, wie sein Blick vom Milchschaum zu ihren Augen wandert. "Ich bestehe darauf.", murmelt er ohne den Blick in ihre Augen zu lösen. Plötzlich klappert etwas laut. Ben war sein Messer auf den Boden gefallen. Entschuldigend hebt er es auf und trägt es zur Spüle. "Okay ….", lacht Daisy erleichtert, "... wenn du darauf bestehst. Du kannst mir bei dem Einkauf für Freddy's Party

helfen." "Kein Ding." Lächelnd lehnt er sich zurück. Daisy und er allein beim shoppen. Scheiße! "Aber das übernimmt doch der Caterer.", beeile ich mich einzuwenden. Sie dreht ihren Oberkörper und sieht mich an. Der Milchschaum. Geschockt bemerke ich, wie sich mein Arm ganz von allein heben will und mein Daumen ihn wegzuwischen versucht. Doch Sebastian kommt mir zuvor." Entschuldige! ", raunt er und wischt ungeniert mit seinem Daumen der erstaunten Daisy den Fleck weg. Anschließend leckt er ihn mit den Worten "Du hattest du einen Rest

Milchschaum." ab. "Danke." Lächelnd sieht sie ihn an und fährt sich selbst noch einmal mit dem Finger über die Mundwinkel. "Wie aufmerksam." Er zuckt grinsend die Schultern. Täusche ich mich, oder richtet sich sein triumphierender Blick für den Bruchteil einer Sekunde auf mich. "Ja, ich weiß, dass das alles der Caterer macht …. Aber ich habe die Geburtstagstorte bei einem Konditor hier in London bestellt und die muss abgeholt werden.", erklärt sie fröhlich. Entweder ist ihr die aufgeladene Stimmung von gerade eben entgangen oder sie

weiß es geschickt zu ignorieren." Und dann muss ich noch einiges anderes bei M&S besorgen." "Verstehe.", murmle ich. "Kein Problem, ich hab den Rest der Woche frei.", verkündet Sebastian gönnerhaft. "Wirklich? Daisy's Blick fliegt von mir zu ihm." Magst du dann nicht auch mit zur Party kommen? Ich hatte dich gestern nicht gleich eingeladen, weil ich davon ausgegangen bin, dass du arbeiten musst.", entschuldigt sie sich. "Ähm … wer hat denn überhaupt Geburtstag? Und wer ist Freddy?" "Er ist mein bester Freund. Seit Ewigkeiten. Am

Samstag wird er 30. Er hat ne Menge Freunde und weil die alle nicht in sein WG Zimmer hier in London passen würden, war Dan so freundlich ihn die Party auf Embley feiern zu lassen." Dankbar drückt sie meine Hand unter der Tischplatte. "Okay. Verstehe." "Wir alle schlafen dort, die anderen Gäste fahren nach der Party wieder heim oder übernachten im Gasthof im Ort. Schatz, es ist doch sicher okay, wenn Sebastian so kurzfristig auch dort übernachtet oder?" Abwartend sieht sie mir in die Augen. Ihr Kosenamen war Sebastian nicht entgangen.

Förmlich kann ich sehen wie die Zahnräder in seinem Kopf arbeiten. Siegessicher grinsend antworte ich, "Es wird sich sicher noch ein Sofa finden lassen." Daisy zieht die Augenbrauen hoch. "Sofa?" "Ich verarsch dich nur. Klar kann er mitkommen. Mrs. Parker wird sicher noch ein weiteres Gästezimmer herrichten können." "Ich will aber keine Umstände machen.", wirft er ein. "Ich nehm auch das Sofa." "Glaub mir Sebastian, wenn am nächsten Morgen die Putzkolonne um dich herum wuselt, würdest du ein Königreich hergeben für ein

abgeschiedenes, ruhiges Zimmer.", grinse ich diabolisch. "Falls du damit auf ausschweifenden Alkoholkonsum und den daraus resultierenden Kater anspielst, muss ich dich enttäuschen. Ich kann einiges vertragen. So schnell werde ich nicht besoffen." Dieses selbstgefällige Grinsen. Doch bei Daisy scheint er erfolgreich zu sein. Na ja, er kennt Freddy's Partys noch nicht.

4.

Sebastian "Und dieser Freddy ist also dein bester Freund?", frage ich als Daisy und ich nebeneinander vor der Theke stehen und darauf warten, dass der Konditor mit der bestellten Torte zurückkommt. Sie nickt. "Ja genau. Wir kennen uns seit dem Kindergarten." Überrascht ziehe ich die Augenbrauen hoch. "Ernsthaft?" Sie nickt erneut. "Wow! Das ist ne lange Zeit." "So wie du das sagst klingt es, als wäre ich schon ur alt." Mist!

Fettnäpfchen. Schnell beeile ich mich zu sagen, "Quatsch. So meine ich das nicht. Aber du musst zugeben, es ist ungewöhnlich, dass zwei Menschen ihr ganzes Leben schon befreundet sind und noch immer in Kontakt stehen." "Oh, das was wir haben, ist mehr als nur in Kontakt stehen.", erwidert sie lachend. Bevor ich etwas erwidern kann kommt der Konditor zurück. In den Händen hält er eine rechteckige Tortenschachtel. "Voila. Da ist sie.", verkündet er fröhlich. Begeistert klatscht Daisy in die Hände. "Sie ist perfekt! Dankeschön!" Erfreut, dass sein Kunstwerk so gut

ankommt strahlt der Bäcker sie an. Schnell, ehe das gute Stück in der Schachtel verschwindet werfe ich selbst auch noch einen Blick auf die Torte. Tatsächlich, sie ist wirklich außergewöhnlich. Rechteckig, dreistöckig und vollkommen golden. Verziert ist sie mit unzähligen pinken Herzchen. Mein Fall wäre es ja nicht gerade. Angewidert verziehe ich den Mund und enthalte mich meiner Meinung. Doch gerade da will Daisy von mir wissen, wie ich sie finde. Stammelnd antworte ich ausweichend, "J-ja ... ähm ... toll. Ganz ... toll." Ich ringe mir ein Lächeln ab. Sie scheint befriedigt und geht dem

Konditor hinterher um zu zahlen. "Das macht dann noch 40 Pfund, Miss.", sagt er. Daisy zückt ihr Portmonee und bezahlt den Betrag. Anschließend nimmt sie den Karton entgegen und balanciert ihn vorsichtig Richtung Ausgang. Rasch komme ich ihr zur Hilfe und nehme ihn ihr ab. Dankbar lächelnd sagt sie, "Dankeschön, Sebastian." "Kein Problem. Genau dafür hast du  mich doch mitgenommen." Lächelnd hält sie mir die Tür auf und lässt mich vorbei.  Vor meinem Audi angekommen stehe ich vor dem Problem, dass sich der Schlüssel in meiner Hosentasche befindet. Klar

könnte ich den Karton auf dem Dach abstellen oder ihn mit einer Hand ausbalancieren um ihn heraus zuholen. Aber wo bleibt denn da der Spaß?  "Ähm, Daisy …" Mit gespielter Verzweiflung bitte ich, "... würdest du bitte kurz den Schlüssel herausholen?" Sie tritt vor mich. "Klar. Wo ist er?" Mit einem Nicken deute ich an mir herab. "In meiner rechten Hosentasche."  Für einen Moment entgleiten ihr die Gesichtszüge, doch sie fängt sich rasch, lächelt schief und lässt ihre kleine Hand in meine Hose gleiten. Unwillkürlich halte ich den Atem an. Ihr Blick trifft meinen und viel zu schnell ist der Moment vorüber. Der Schlüssel klimpert

in ihrer Hand. "Darf … ähm soll ich?", murmelt sie und deutet mit einem Nicken auf den Wagen. "Klar doch.", lächel ich. Etwas zu schwungvoll öffnet sie den Kofferraum. Qualvoll verziehe ich das Gesicht. Auffordernd sieht sie mich an. Ich trete vor und lege vorsichtig den Karton darin ab. Anschließend schließe ich selbst den Kofferraum, öffne ihr galant die Tür und warte bis sie eingestiegen ist. "Du bist ein Gentleman der alten Schule, oder?", fragt sie kaum das ich neben ihr sitze.  Überrascht sehe ich sie an. "Wie kommst du denn darauf?" Ihre Hand wedelt in der Luft herum. "Na,

deshalb."      Ich winke ab. "Das war nur Höflichkeit.", tue ich es ab. "So was macht man eben." "So sollte es eigentlich sein. Doch leider sieht das heutzutage nicht mehr jeder so." Wie wahr. "Hm.", brumme ich. "Ich danke dir jedenfalls." Da es mir peinlich ist von ihr gelobt zu werden, lenke ich ab und frage, "Wohin jetzt? Du meintest du musst noch mehr besorgen." Daisy nickt zustimmend. "Stimmt. Zu Mark und Spencer bitte Herr Chauffeur!" Ihr Lachen ist wohltuend. Soll hell und

ehrlich. Ich mag sie! Daisy selbst und nicht nur das Lachen. Einkaufen hat mir noch nie so einen Spaß gemacht! Daisy ist nicht nur freundlich und hübsch, sondern auch noch ziemlich kreativ und klug. Sie erzählt mir, während wir Unmengen Knabberkram, Gummibärchen, Freddy steht da wohl voll drauf, Luftballons und anderen Dekokram einkaufen von ihrem Leben. Sie berichtet wie es dazu kam das sie zum Teil eine Buchhandlung besitzt. Welche Bücher ihr am Herzen liegen und wo ihre Familie herkommt. Nebenher beobachte ich, wie schnell sie im Kopf die Summen

addiert.  "Einkaufen scheint voll dein Ding zu sein.", bemerke ich als wir gemeinsam den Einkaufswagen über den Parkplatz zum Audi schieben.  "Wieso?" "Du scheinst Spaß an sowas zu haben. Ich dagegen bin immer nur genervt wenn ich einkaufen muss. Und du rechnest ziemlich schnell." Sie zuckt die Schultern. "Na ja, Mathe ist mir schon immer leicht gefallen. Und einkaufen … nun ja, ich bin ein Mädchen." Als würde das alles erklären grinst sie mich frech an. "Ja das bist du.", stimme ich ihr zu. "Aber alle Mädchen die ich kenne,

shoppen lieber Klamotten, Schuhe und son Zeug." "Du hast meinen Kleiderschrank noch nicht gesehen.", lacht sie. "Komm schon, alter Mann! Mach das Auto auf!" "Alter Mann?", echauffiere ich mich gespielt theatralisch. "Ich werd dir noch zeigen wie alt ich bin." "Ach wirklich?", grinst sie. "Kannst du reiten?" Entsetzt starre ich sie an. "Reiten? Nee. Ich steh eher auf richtigen Sport." Daisy legt den Kopf schief. "Richtiger Sport? Was machst du so?" Ich will antworten, doch sie unterbricht mich mit erhobener Hand. "Oh warte … du boxt. Nein, nein … du bist eher der

Typ für Kampfsport. Karate, Kickboxen, Krav Maga oder sowas?" Lachend winke ich ab. "Eher nicht. Aber ich steh auf mixed martial arts. Das mache ich manchmal. Aber nur so aus Spaß." Verschiedene Emotionen sind ihrer Mimik abzulesen. Entsetzen, Interesse, Bewunderung und Anbetung. Ich fahre fort, "Sonst geh ich klettern und mache Extremsport." "Ex-extremsport?" "Hm. Hast du schon von den Highlandgames gehört?" Sie nickt fasziniert.  "Sowas eben. Ich schwimme, laufe und hebe schwere Sachen.", lache ich und

fahre mir lässig mit der Hand durch das Haar. Damit hatte ich sie ganz eindeutig beeindruckt.  "D-das s-sieht man dir … an.", stammelt sie und sieht ausweichend in eine andere Richtung. Still in mich hinein grinsend platziere ich den Einkauf in dem Kofferraum und auf dem Rücksitz. Mein Auto ist zwar nicht gerade dafür geeignet Großeinkäufe zu verstauen, doch diesmal wird es schon gehen. "Passt doch. Hätte nicht gedacht, dass so viel in das Auto passt.", murmelt sie mit einem Mal laut.  "Ich sorge gern für Überraschungen." Sie sieht mich an, ein wissendes Lächeln

umspielt ihren hübschen Mund und ohne was darauf zu antworten steigt sie ein und wartet solange wie ich den Einkaufswagen wegbringe.  "Fährst du bei mir mit oder willst du bei …" Dan's Blick fliegt zu mir als er Daisy fragt wie sie nach Embley kommen möchte. "B-bei dir dachte ich." Ihre Antwort klingt mehr wie eine Frage. Hilfesuchend huscht ihr Blick von ihm zu mir. Ein schüchternes Lächeln auf den Lippen. Triumphierend grinst Dan mich an, der den Kürzeren gezogen hat. Wie besitzergreifend er jetzt seine Hand auf ihren Rücken legt um sie aus dem Haus

zu begleiten. Ich könnte kotzen. Ihre Tasche wirft er sich souverän über die Schulter. Nachdem sie in seinen Bentley gestiegen war wendet er sich mir zu und ruft, "Am besten folgst du mir einfach! Embley kann für Außenstehende etwas schwierig zu finden sein." Das hat gesessen. Um cooless bemüht antworte ich, "Ich hab nen Navi." "Wie du meinst." Er steigt ein und zieht die Tür seiner Nobelkarosse zu. Von wegen er lässt den Titel nicht raushängen. Wer fährt denn sonst schon so ein protziges Auto? Im Auto stelle ich das Radio laut und gebe Gas. Das mit dem Navi war gelogen. Ich musste mich

so zurechtfinden. Unauffällig versuche ich dem matt schwarzen Bentley im Londoner Verkehrschaos zu folgen. Doch schon in Marylebone verlor ich ihn. "Scheiße!", fluche ich laut. Ich habe überhaupt keinen Plan wo dieses Nest liegt. Anna. Sie muss mir helfen. Wo steckte die heute überhaupt schon den ganzen Tag? Bei einem Primark in der Park Street hielt ich auf einem Parkplatz an um meine Schwester anzurufen. "Seb, was gibt's?", meldet sie sich kaum das sie das Gespräch angenommen hat. "Anna, du musst mir helfen!", platze ich heraus. "Wieder einmal?", lacht sie. "Was ist

los?" "Ich bin auf dem Weg nach Embley …" "Und hast dich verfahren.", beendet sie den Satz für mich. Förmlich kann ich ihr hämisches Grinsen vor mir sehen. "Hat Dan dir nicht angeboten ihm hinterher zu fahren? Embley findet man nämlich …" "Nicht so leicht. Ja, ich weiß.", unterbreche ich sie stöhnend und fahre mir mit der Hand durch das Haar.  Sie lacht. "Verstehe. Du wolltest dir keine Blöße geben. Tja, das hast du jetzt davon. Wie stellst du dir das vor, wie ich dir helfen soll?" Ich zucke die Schultern. "Ich dachte, du begleitest mich." Sie stöhnt. "Wie soll das gehen, Seb? Ich

bin noch auf Arbeit." "Wo ist das? Ich komm dich abholen." "Ich bin noch mittendrin. Heute steht ein Shooting an. Ich kann hier nicht einfach so weg." "Scheiße!" "Du wolltest gleich heute mit raus fahren? Warum wartest du nicht bis wir alle am Samstag hinfahren?" "Daisy hat mich eingeladen.", brumme ich beleidigt.  "Verstehe.", murmelt sie.  Nachdenklich schweigend ist für einige Momente nichts mehr zu hören. Schließlich sagt sie, "Tja, tut mir wirklich leid, Bruderherz. Da kann ich dir nur raten dir ein Navi

anzuschaffen!"  "Ja danke.", brumme ich und lege auf. Navi, gute Idee. Wozu hab ich mein Smartphone? Ich hole es aus der Hosentasche und suche auf Maps nach dem Ort. Dann werfe ich das Gerät auf den Sitz neben mir und starte den Motor.  So war es zwar etwas umständlicher, aber ich komme, sicherlich mit deutlicher Verspätung gegenüber den anderen ans Ziel. Fasziniert starre ich aus dem Fenster als ich langsam die lange von gerade gewachsenen Ulmen gesäumte Zufahrtsstraße entlang fahre. Schnurgerade zieht sie sich durch eine umfangreiche Parkähnliche Anlage. Am Ende, auf einer niedrigen grünen Anhöhe

steht ein riesiger Backsteinbau. Wer ist der Kerl? Der 10 in der Thronfolge oder was? Ich parke meinen Audi direkt neben dem schwarzen Bentley auf einem Vorplatz. Langsam steige ich aus und nehme das Gebäude in Augenschein. Es ist äußerst gut in Schuss. Also ein Gespenst lebt hier sicher nicht, dafür sieht es viel zu modern aus. Nicht unbedingt der Architektur wegen, ich schätze es auf Georgianisches Zeitalter, aber es strahlt so etwas modernes aus. Alle Fenster und die Erker sind von Sandstein eingefasst. Ich drehe mich um und lasse meinen Blick über das Anwesen schweifen. Drei einzeln stehende riesige Bäume stehen auf

perfekten englischen Rasen und recken ihr Laub würdevoll in die Luft.  "Na, auch schon da.", höre ich plötzlich Dan's Stimme hinter mir. Rasch setze ich eine coole Miene auf und antworte, "Ja, ich musste noch was erledigen." Er nickt wissend. "Komm rein! Ich zeig dir alles." Ich hatte überhaupt keine Lust mir von ihm seinen Reichtum unter die Nase reiben zu lassen, aber ich wollte auch nicht unhöflich erscheinen. Kaum das ich die hohe Eingangshalle betreten habe, werde ich auch schon beinahe von dessen beeindruckendem Interieur erschlagen. Eine Gallerie führt von einer breiten

Freitreppe recht und links im oberen Stockwerk entlang. Ein riesiger Kronleuchter baumelt majestätisch über unseren Köpfen. Wenn das Ding runter kommt überlebt das keiner. Es ist angenehm kühl, aber das wissen nur ein armseliges Würstchen zu sein, ließ mein Blut kochen.  "Daisy ist in der Küche. Komm ich zeigs dir!", meint Dan und geht auf eine unscheinbare dunkle Eichenholztür unter der Treppe zu. Ich folge ihm und nachdem wir eine schmale Treppe herab gestiegen sind befanden wir uns in den Eingeweiden des Hauses. Hier versteckten die ehemaligen Hausbewohner ihr Personal. Ein

herrlicher Duft wabert den Korridor entlang. Diesem folgend gelangen wir in die riesige Küche. Daisy steht neben eine älteren Frau mit Schürze. Als sie uns kommen hört drehen sich beide Frauen um. "Da bist du ja.", empfängt Daisy mich und kommt auf mich zu. Mich an meinem Arm mit sich ziehend führt sie mich zu der Köchin. "Mrs. McAdams, darf ich Ihnen unseren neuen Mitbewohner der Wohngemeinschaft vorstellen?" "Aha. Hallöchen." "Das ist Sebastian Anderson. Ich hoffe, Sie nehmen es uns nicht krumm, dass es fortan einen Esser mehr geben wird!", meint Daisy freundlich und

strahlt.  Sie wischt sich ehe sie mir die Hand reicht diese an ihrer Schürze ab. "Na dann, willkommen auf Embley. Und nein, natürlich macht es mir nichts aus.", entgegnet die ältere Frau freundlich.      Dankbar erwidere ich die Begrüßung. "Prima! Dann zeige ich dir jetzt dein Zimmer.", jubelt Daisy. "Komm mit, Sebastian!" Nur zu gern lasse ich mich von ihr weiter durch die Gegend zerren. Wir lassen den düster dreinblickenden Dan stehen und gehen wieder die Treppe hinauf. Sie führt mich über die Freitreppe hinauf in den ersten Stock, von da aus durch mehrere Korridore, eine weitere Treppe

hinauf in den zweiten Stock. "Ich hoffe, du merkst dir den Weg recht schnell!", meint sie. "Nicht das wir dich andauernd retten müssen wenn du dich verlaufen hast." Sie zwinkert mir schelmisch zu. "Das Haus kann schon mal wie ein Labyrinth wirken." Oh Gott, bloß das nicht! "Ich habe eine rasche Auffassungsgabe. Ich krieg das schon hin.", verspreche ich gelassen.  "Dann ist ja gut.", lacht sie. "So, da wären wir." Abrupt bleibt sie vor einer weiteren dunklen Tür stehen, dreht den Türknauf und öffnet sie schwungvoll. "Dies ist dein Zimmer.", eröffnet sie mir das

offensichtliche. Gespannt trete ich ein und sehe mich um. Der Raum ist groß, größer als ich gedacht habe und hell. Der Eindruck wird von den hellen Möbeln, der cremé farbigen Tapete und den weißen Vorhängen vor den tiefen Fenstern verstärkt. "Schön!", murmle ich ergriffen. "Hat jeder hier so ein Zimmer?" "Klar doch. Naja, ehrlich gesagt, Dan's ist größer. Aber ich denke es ist ausreichend." "Das … das wollte ich damit gar nicht sagen.", beeile ich mich richtig zu stellen. "Ich meinte nur … Das ist der Wahnsinn! Ich hab noch nie ein so

großes Zimmer allein bewohnt." Lachend entgegnet sie, "Tja, gewöhn dich dran! Dies ist ein Schloss."  Langsam durchquere ich den Raum um aus einem der drei Fenster zu schauen. Es bietet einen sensationellen Ausblick auf den rückwärtigen Park. Ich frage mich, ob Daisy mir das Zimmer ausgesucht hat oder ob Dan mich tatsächlich so mag, mir ein solch komfortables Zimmer zu überlassen?    "Und wo … wo ist deines?" Warum habe ich das gefragt? Was muss sie jetzt von mir denken? Ich beiße mir auf die Lippe und warte gespannt auf ihre Reaktion. "Mein Zimmer?" Ich sage nichts und hole nur tief

Luft. "Das ist fast nebenan." Sie deutet mit dem Daumen hinter sich vage in eine Richtung. "Auf dem selben Gang. Alle unsere Zimmer sind hier." Ich nicke erleichtert. "Verstehe. Dan's  Gemächer sind sicherlich in einem anderen Flügel oder?" Sie grinst. "Seine Gemächer?" Ich zucke die Schultern. "Na ja, in einem solchen Haus sagt man das doch so, oder?" "Ich nehme es an.", murmelt sie. "Aber ja, du hast recht mit deiner Vermutung. Die privaten Räume des Earls sind genau auf der anderen Seite." Mein Herz wird leicht als ich meine

Chancen steigen sehe. Wir schweigen. "Gut … ich lass dich dann mal auspacken.", sagt sie in die Stille hinein. Da fällt mir ein, dass meine Tasche noch im Auto liegt. "Ich komm mit dir runter.", erwidere ich. "Meine Tasche ist noch im Auto." "Okay." Sie geht voran. Ich folge ihr erneut und trabe neben ihr her den dunklen langen Flur entlang. Vor einer Tür die meiner bis auf's Haar gleicht bleibt sie stehen und erklärt, dass sie gleich ausreiten würde und sich umziehen müsse.  "Oh okay. Dann bis später." "Zum Dinner bin ich

zurück." "Dinner?", staune ich. Etwas beschämt sieht sie auf ihre Fußspitzen. "Na ja, hier ticken die Uhren eben anders. Hier nennt man das Abendessen eben Dinner. Und du darfst dich auf ein umfangreiches und äußerst leckeres Essen freuen." "Wirklich?" Daisy nickt ernsthaft. "Mrs. McAdams ist eine hervorragende Köchin!", lobt sie die Kochkünste der älteren Lady. "Dann bin ich mal gespannt. Und wann wird hier diniert?", will ich wissen.  "Immer pünktlich um 19 Uhr." Ich nicke verständig. "Okay. Und herrscht auch eine gewisse

Kleiderordnung? Es ist nämlich so, dass ich meinen Frack in London vergessen habe.", scherze ich. Ein niedliches Lachen entfährt ihr und ihr blondes Haar schwingt durch die Luft als sie den Kopf schüttelt. "Nein. Das macht Dan nicht mehr so. Zumindest nicht an normalen Tagen." Mir bricht der Schweiß aus. Wo bin ich hier nur hingeraten?  "Keine Angst. Dann sind wir für gewöhnlich nicht dabei. Das ist für so karitative Veranstaltungen und so.", beruhigt sie mich. "Komm einfach so wie du bist!" "Ist gut. Dann … viel Spaß beim reiten!" "Danke." Lächelnd öffnet sie die Tür und

tritt ein. Bevor sie sie endgültig schließt zwinkert sie mir noch einmal zu.  Allein gehe ich hinunter ins Erdgeschoss. Auf der Treppe der Halle begegne ich einem älteren Mann in schwarzer Livree. Wer ist der Kerl? Ein Butler oder so was? Doch ehe ich ihn fragen kann tritt Dan aus einer Tür und ruft, "Ah Sebastian, darf ich dir meinen Diener Mister Banes vorstellen?"   "D-diener?", stammle ich verwirrt. Dennoch reiche ich dem Mann die Hand, die er auch mit festem Händedruck erwidert. "Banes, dies ist ein weiterer Freund der künftig öfters zu Gast sein wird." Der angesprochene nickt verständig, aber schweigend. "Ich

wünsche, dass, sollte er einen Wunsch haben, dieser ihm erfüllt wird." "Selbstverständlich, my Lord.", erwidert er widerspruchslos. "My Lord?", raune ich als Banes verschwunden und Dan und ich allein waren. "Mein Titel.", erklärt er locker. "Ich weiß, es ist schräg. Glaub mir für mich ist das viel seltsamer als für euch." Er sieht mich erstaunt an. "Hat dir noch niemand erklärt wer ich bin?"    "Doch, doch, na klar.", beeile ich mich klar zu stellen. "Aber wenn man das alles tatsächlich sieht … ist es doch recht … gewöhnungsbedüftig.", gebe ich zu. Dan lässt den Blick durch die Halle

schweifen. "Ich weiß genau was du meinst. Ich kann es selbst kaum glauben, dass ich nun der Hausherr bin. Aber selavi, so ist es eben. Man gewöhnt sich an alles." "Bist du denn nicht auch hier aufgewachsen?"  "Doch schon. Doch im Alter von 13 Jahren bin ich nach Eton gekommen." "Eton. Echt jetzt? Ich weiß nicht, ob ich dich bewundern oder bemitleiden soll." "Bemitleiden?" Er zieht die Stirn krauss. "Na ja, es war doch sicher kein Zuckerschlecken." "Da magst du recht haben. Aber ich hatte mir meine Lebensziele schon recht früh gesteckt und Eton half mir auf dem Weg

diese zu erreichen." "Und, was ist aus dem Schüler von einst geworden?", frage ich weil mir einfällt das ich gar nicht weiß, womit Dan eigentlich sein Geld verdient. "Ich bin Barrister." "Und was ist denn das? Machst du was mit Kaffee und so?" Lachend schüttelt er den Kopf. "Nein, eher nicht. Ich bin Rechtsanwalt.", klärt er mich auf. "Ich als Barrister vertrete und unterstütze meine Klienten vor einem Gericht und entwerfe Prozessschriften und andere gerichtsrelevante Schriftstücke." Nein, eher nicht. Ich bin Rechtsanwalt.", klärt er mich auf. "Ich als Barrister

vertrete und unterstütze Klienten vor Gericht und entwerfe Prozessschriften und andere gerichtsrelevante Schriftstücke." "O-k-a-y.", sage ich gedehnt. "In London? Trägst du dann auch diese lustigen Perücken?" "Die gehören zur Berufsbekleidung, ja." "Hm." Ich mustere ihn und versuche mir vorzustellen wie er wohl mit dieser langen weißhaarigen Perücke aussieht. Schließlich frage ich, "Und das hast du nötig?" "Nötig?", echot er verständnislos. "Na ja, das alles hier sagt mir doch das du es nicht unbedingt nötig hast zu

arbeiten." Er zieht die Stirn krauss. "Nur weil mein Vater zu früh gestorben ist und ich seine Pflichten übernommen habe, muss das doch nicht auch gleich bedeuten, dass ich meinen Beruf aufgeben muss. Ich liebe ihn! Und ich gedenke damit weiter zu machen." "Schon gut.", murmle ich. "Ich wollte dir nicht auf den Schlips treten." "Ich teile mir die Aufgaben. Donnerstag bis Sonntags bin ich immer hier und die restliche Zeit in London in der Kanzlei." "Hast du eine eigene Kanzlei?" Er schüttelt den Kopf. "Nein, unsere Kanzlei ist ein Zusammenschluss aus vier verschiedenen

Fachbereichen." "Und welchen bedienst du?" "Ich bin Fachanwalt für Strafrecht." "Die königsdisziplin also." Damit hatte er mich ehrlich beeindruckt. "Hm." Schweigend treten wir durch das Portal vor das Haus hinaus in das helle Sonnenlicht. "Schön hast du es hier!", lobe ich ehrlich. "Ja, ich weiß. Nur für einen allein viel zu groß." "Vielleicht ändert sich das ja irgendwann?" "Ja, irgendwann schon.", murmelt er leise. "Noch keine Earline oder wie das heißt

in sicht?", scherze ich. Natürlich kenne ich die korrekte Formulierung.  "Es heißt Countess. Und nein, noch ist da … niemand." Tatsächlich? Hat er also doch kein Auge auf Daisy geworfen? "Okay.", meine ich kurz angebunden. "Was nicht ist kann ja noch werden oder?"     In diesem Moment tritt die Frau der Stunde wieder auf den Plan. Komplett im sexy Reiterdress und mit Kappe in der Hand tritt Daisy durch das riesige steinerne Portal ins Freie. "Na, was macht ihr? Fachsimpelt ihr über Grundstückswerte?", lacht sie und geht ohne eine ernsthafte Antwort abzuwarten

davon. Schweigend blicken wir ihr hinterher wie sie um die Hausecke verschwunden ist.  "Reitet sie hier immer?", frage ich. "Ja." "Hat sie ein eigenes Pferd oder gehören die dir auch noch?" "Sieh dich hier um und ziehe deine Schlüsse!", entgegnet er nur. Schon klar. Natürlich hat er einen Stall mit vielen prächtigen Pferden darin. Sicherlich hat er sogar eine Kutsche die er gezielt um eine Frau zu begeistern einsetzen kann. Alle Frauen die ich kenne stehen jedenfalls auf romantische Kutschfahrten. "Wie kam es eigentlich dazu?", platzt es

aus mir heraus. "Was genau meinst du?" Verständnislos sieht er mich an.  "Na, das alles hier." Ich mache eine ausholende Geste mit der Hand. "Wie wurde deine Familie so wohlhabend? Stammt ihr in direkter Linie vom britischen Königshaus ab oder was?"  Lachend schüttelt er den Kopf. "Nein. Nur über viele viele Ecken. Tatsächlich ist das alles hier hart erarbeitet. Seit dem Mittelalter schon wurde Landbesitz nicht mehr zusammen mit dem Titel vererbt. Allein ein 15 Hektar großes Gelände und das Schloss wurde vererbt. Alles weitere haben meine Vorfahren im laufe der Zeit dazu

erworben." "Tatsächlich?", staune ich und sehe mich erneut um. "Ja. Mittlerweile ist es auf 37 Hektar angewachsen und ich finde das reicht. Mir persönlich ist es jedenfalls genug. Es ist ziemlich zeitraubend das alles zu verwalten. Und die Last die auf meinen Schultern lastet ist nicht gerade angenehm." Ich frage mich ob er zu jedem so offen und ehrlich ist? "All die Menschen die von mir abhängig sind. Die Verantwortung. Dazu kommt die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Der gute Name derer zu Embley muss stets gewahrt bleiben." "Kann ich mir denken.", brumme ich. "Ist

sicher nicht ganz einfach." "Wirklich nicht. Aber um ehrlich zu sein, ich habe ja Hilfe. Und darüber bin ich sehr froh!" "Ich weiß, Anna hat's mir erzählt. Daisy hilft dir?" Er nickt überrascht. "Genau. Sie berät mich in Sachen Ackerbewirtschaftung und Viehzucht." "Das machst du auch noch?" "Nicht ich direkt. Aber zu Embley gehörte seit jeher schon Acker und Weideland. Dazu nennen ich eine Schafzucht und einen Haufen Pferde mein Eigen." "Wahnsinn!", staune ich wieder einmal. "Das ist ganz schön

viel." "Ja. Aber dafür habe ich ja meine Angestellten. Die managen das alles. Ich zahle nur für alles." "Wie reich bist du wirklich?" Schon wieder siegte meine neugierige Zunge über den Verstand.    "Ähm … ich rede nicht gern über Geld.", antwortet er ausweichend. Ergeben hebe ich die Hände. "Schon klar. Sorry!" "Es ist ausreichend um mein Leben lang mit meiner Familie ein angenehmes Leben zu führen."   "Hast du noch Geschwister oder so? Und deine Mutter?" "Sie ist gestorben als ich vier Jahre alt

war. Ich kann mich nur noch dank Fotos an sie erinnern. Und Geschwister oder andere Angehörige habe ich nicht." "Das ist traurig!", urteile ich. Er zuckt die Schultern. "Ich kenne es nicht anders." "Ist aber ziemlich riskant gewesen von deinen Vorfahren, nur ein Kind in die Welt zu setzen.", lache ich. "Ja, für die Erbfolge schon, da hast du recht!", stimmt er mir zu. "Es gab da eine Schwester meiner Mutter. Doch sie starb bei einem Badeunfall in Südfrankreich als sie noch zu jung war um selbst Kinder in die Welt zu

setzen."   "Mist!" Er nickt.  "Tja, dann liegt es an dir auch dies noch gebacken zu kriegen.", versuche ich ihn aus der Reserve zu locken. Doch er macht nur abwesend "Hm.". Schweigend stehen wir nebeneinander auf dem Vorplatz und schauen in die Ferne. Weit entfernt prescht plötzlich rechterhand ein Reiter mit einem roten Pferd über den Rasen in Richtung eines Waldstückes. "Daisy. Das ist sie.", murmelt Dan und deutet mit einem Nicken auf die Reiterin. "Das ist ihr Lieblingspferd. Royal." "Hm.", mache ich. Von Pferden verstehe

ich nichts. Ich kann nur mit motorisierten Pferdestärken etwas anfangen.  "Ich werde es ihr schenken.", murmelt mein Gegenüber kaum hörbar.   Interessiert sehe ich ihn an. "Zu welchem Anlass?" "Was?" Er wirkt als sei er soeben aus einem Tagtraum erwacht. "Zu welchem Anlass willst du ihr das Pferd schenken?", helfe ich ihm neugierig auf die Sprünge. "Ach so. Einfach so … denke ich." Nachdenklich nickend runzle ich die Stirn.  

5.

Daisy Oh wie ich das liebe! Im vollen Galopp über die Wiesen zu preschen. Mein offenes Haar weht im Wind und der warme Geruch des Pferdes unter mir steigt mir in die Nase. Was kann es schöneres geben? Na ja, wenn ich ehrlich bin gäbe es da schon etwas … Blöd, dass Dan nachher noch einen Termin hat und bis dahin im Büro arbeiten muss und nicht mit mir ausreiten kann. Mit ihm macht es doppelt so viel Spaß und es ist so ziemlich die

einzige Zeit wo wir mal ungestört sind. Vor mir liegt die niedrige die uralte Umrandungsmauer der Weide. Klar könnte ich absteigen, das Gatter öffnen und Royal hindurch führen, aber wo bleibt denn da der Spaß? "Los Royal! Auf geht's!", sporne ich laut mein Lieblingspferd an.  Auf Kommando spannen sich seine Muskeln an und er legt noch etwas an Tempo zu. Elegant fliegen wir über die Mauer und kommen auf dem sandigen Reitweg dahinter sanft auf. Eine Staubwolke wirbelt auf. Der Reitweg zieht sich  zwischen den Weiden und Feldern

kreuz und quer durch die Landschaft. Es ist Dan's Land, fast alles hier. Seine Zukünftige kann ein Glück haben, zumindest wenn sie Reiterin ist.  Mein Weg führt mich zu meinem Lieblingsplatz hier draußen - einem Aussichtspunkt. Gekonnt pariere ich Royal durch und springe schwungvoll ab. "Na komm! Stell dich in den Schatten!", murmle ich und führe mein Pferd unter den riesigen Mammutbaum. Royal kennt das schon und bleibt ruhig stehen auch ohne das ich ihn anbinden muss. Langsam beugt er den Kopf und beginnt das saftige Grün zu

grasen.   Mit einer Hand beschatte ich meine Augen. Es ist erst April und die Sonne steht noch tief. "Herrlich!", murmle ich. Immer wieder bin ich von dieser wahnsinnig schönen Landschaft ergriffen. Ich liebe es hier zu sein! In der Ferne erkenne ich das Schloss von Rasen und nur vereinzelten Bäumen umgeben und die See. Später im Sommer würden wir wieder darin baden. Eigentlich war zum baden eher der Pool im Untergeschoss des Schlosses gedacht, doch wir sind da ganz unkonventionell. Der See ist viel

schöner! Linkerhand sieht man von hier oben das Dorf und rechts ist der Wald durch den hindurch ich geritten bin um hierher zu kommen. Unsere Standardstrecke, Dan's und meine. Hier ist unser Lieblingsplatz. Langsam setze ich mich heute allein auf die Bank. Das ist ein wunderbarer Ort um nachzudenken. Als sein Vater starb und er nicht weiter wusste, waren wir gemeinsam hier oben. Als ich an den Moment zurückdenke, als ich ihm tröstend mit der Hand den Rücken gestreichelt und ihn liebevoll in den Arm genommen

habe, bekomme ich eine Gänsehaut. In diesem Moment waren wir uns so nah. So nah wie noch nie zuvor. Doch er weinte nur und ließ nach einigen Minuten wieder von mir ab. Enttäuschung macht sich auch heute noch in mir breit beim Gedanken an diese verpasste Chance.   Er ist so rechtschaffen und hält sich an die von uns gemeinsam aufgestellten Regeln. Es muss so sein, oder hat er eine andere ins Auge gefasst?  Am Horizont versinkt langsam die Sonne glühend orange hinter den Bäumen. "Komm Royal, wir sollten

zurück.", rufe ich und das Pferd spitzt die Ohren. Schwungvoll steige ich auf und reite los.  Eine gute halbe Stunde dauert es bis ich zurück am Stall bin. Die Sonne war mittlerweile untergegangen und hunderte Lichter brennen am, im und um die Gebäude herum. Sasha scheint uns gehört zu haben, tritt aus der geöffneten Stalltür und kommt lächelnd auf mich zu. "Hey, Daisy. War's schön?" Ich nicke. "Wie immer, war es herrlich! Ich liebe es einfach mit Royal zu reiten!" Wissend lächelnd nimmt er das Tier

am Zügel. Ich schwinge mich aus dem Sattel und komme gekonnt neben ihm auf. "Gib ihn mir, ich mach das schon!" Doch sein Griff bleibt fest. "Nö. Geh du dich mal fertig machen! Das Essen hat schon angefangen."   "Was? Quatsch! Ich hab noch Zeit.", entgegne ich und werfe einen Blick auf meine Armbanduhr. "Es ist doch erst 17:56.", fahre ich fort. "Daisy, es ist 19:14." Ein mitleidiger Blick trifft mich. "Was?", keuche ich. Zu spät zu kommen kam bei mir einer Todsünde gleich. "Aber …" Die verdammte Uhr musste stehen

geblieben sein. Scheiße! "Oh mist!", fluche ich und sehe mich gehetzt um.  "Geh! Ich kümmere mich um Royal.", bietet er freundlich an. "Ich danke dir, Sasha!" Schnell werfe ich ihm ein dankbares Lächeln zu und eile davon. Erst in der Halle, wo meine Schritte laut auf den Fliesen hallen verlangsame ich meinen Schritt. Unschlüssig wo ich mit meiner Reitkappe hin soll sehe ich mich um. Schließlich lege ich sie kurzerhand auf ein kleines Tischchen. Anschließend sehe ich an mir herunter. Eigentlich wollte

ich es niemanden zumuten mit mir in diesem Aufzug an einem Tisch zu sitzen, aber ich habe auch Hunger. Und zwar großen. Also ist klar was ich tue. Zielstrebig gehe ich auf die Tür den Speisezimmers zu. Mister Banes rümpft die Nase als ich eintrete und er meines Aufzugs gewahr wird. Doch Dan strahlt als er aufsteht und auf mich zukommt. "Sweetheart, ich hab mir Sorgen gemacht. Wo warst du so lange?" "Ich … also ich …" Weiter komme ich nicht, da werde ich von ihm schon in eine Umarmung gezogen. Hilfesuchend sehe ich über seine Schulter zu Sebastian. Auch er war

aufgestanden. Aber sicher nur aus Anstand, wenn eine Dame das Zimmer betritt. Er sieht lächelnd zu mir herüber. Ich schlinge, meine Chance ergreifend meine Arme um Dan's Hals und raune, "Darling, es ist alles gut. Meine verdammte Uhr hat den Geist aufgegeben."   Er lässt mich los und sieht  mir in die Augen. "Ernsthaft. Gib sie mir! ich werfe sie höchstpersönlich in den Müll." Lachend werfe ich den Kopf zurück. "Ich dachte wenn die Sonne beginnt unter zu gehen hab ich noch Zeit."  Er lacht leicht. "Ach Daisy, du vergisst das die Tage langsam

wieder länger werden." Da hatte er auch wieder recht. "Na ja, jetzt bin ich ja da. Entschuldigt mich also bitte! Ich könnte es ja auf meine Haarfarbe schieben, aber … Na ja, es ist eben so schön da draußen!" Ich deute mit dem Daumen vage hinter mich.  Alle setzen sich wieder. Mister Banes kommt sofort und hebt von rechter Seite die silberne Glocke über meinem Teller unter der mein Essen warm gehalten wurde. "Möchten Sie Wein, Miss?" "Gern. Danke Banes!" Er schenkt mir ein und zieht sich wieder zurück. Unauffällig bleibt er

im Hintergrund stehen und wartet auf weitere Einsatzmöglichkeiten. Mein Blick fliegt zu Sebastian. "Sebastian, hast du dich schon etwas umgesehen?" Er hebt den Kopf und schluckt den Bissen herunter. "Ja, klar. Ist sehr schön hier!" Sein Blick geht zu Dan. Doch Dan mustert nur mich. Also spreche ich jetzt ihn an und frage, "Und dein Termin mit Spencer?" Er reagiert nicht. "Dan?" Sebastian und ich wechseln einen Blick.  "Schatz?" "Was?" Er wirkt als sei er unsanft

aus einem Tagtraum erwacht. "Entschuldige. Was hast du gesagt?" "Ich fragte wie dein Gespräch mit Spencer war? Was wollte er so dringendes besprechen?" "Ach so." Er winkt ab. "Später." Ich verziehe den Mund und zucke die Schultern. "Okay.", murmle ich und beginne zu essen.  Sebastian war kurz auf der Toilette verschwunden, als ich mich Dan zuwende und frage, "Und, erzählst du es mir jetzt?". Vielleicht wollte er vorhin nur in Sebastian's Anwesenheit nicht darüber

sprechen.  "Du meinst, was Spencer mir zu sagen hatte?" Ich nicke und warte schweigend auf seine Ausführung.  "Es ist nichts weiter. Die Schule im Dorf ist nur letzte Woche abgebrannt." Als er mein entsetztes Gesicht sieht führt er schnell aus, "Keine Sorge, niemand ist verletzt worden." "Sie ist vollkommen abgebrannt?" "Vollkommen.", stimmt er zu. "Scheiße! Und jetzt?", frage ich. Er zuckt die Schultern. "Keine Ahnung." "Warum ist Spencer deswegen zu

dir gekommen?" "Die Schule gehört zu meinem Grundbesitz." Erstaunt reiße ich die Augen auf. "Echt jetzt? Du besitzt sogar die Dorfschule?" "Ich besitze nicht die Schule, sondern nur das Grundstück auf dem sie steht. Sehe ich aus wie ein Schuldirektor?"  Lachend schüttle ich den Kopf. "Obwohl ..." Ich sehe ihn frech von unten herauf an. "... vielleicht wäre das ein neuer Berufszweig? Du im Anzug, die Kreide in der Hand bringst du den Kleinen das gesamte Wissen der Welt

bei." "Du spinnst!", lacht er. "Ich weiß doch nicht alles. Ich bin froh, wenn ich meinen eigenen Kindern später etwas beibringen kann." Aufmerksam horche ich auf. Kinder. "Kinder?", hauche ich. Er grinst frech, "Ja, das sind so kleine Wesen. Ähnlich einem Erwachsenen. Nur viel kleiner." "Ha ha ha.", brumme ich. Wir sehen uns tief in die Augen und kommt es mir nur so vor, oder geben wir uns hier gerade ein Versprechen? Ein Versprechen für die Zukunft? Ich reiße mich zusammen und frage mit gesetzter

Stimme, "Du möchtest Kinder?" "Klar, will ich Kinder." Er lacht. Seine hellblauen Augen durchbohren mich. "Ich muss schließlich auch an Embley denken." Tschüß rosa Wolke, hallo Realität. Sofort bin ich zurück am Boden der Tatsachen. Natürlich, er muss daran denken jemanden standesgemäßen zu heiraten und Thronfolger zu zeugen. Da passt so jemand wie ich nicht hinein. "Ich ... ich wollte ja nur sagen ... das ... das du sehr viel ... weißt und das sicherlich ... toll wäre, wenn du dein Wissen weitergibst.", stammle

ich verlegen. Ich kann ihm kaum noch in die Augen sehen, weiche seinem Blick aus. "Ach du.", murmelt er und sieht auf mich herunter. Seine hellblauen Augen bohren sich in meine. "Du bist echt süß, weißt du das, Daisy!" Mein Blick wandert von seinen Augen zu seinem Mund. Unwillkürlich ziehe ich die Unterlippe ein und kaue darauf herum. Ich höre wie er tief Luft holt. Wie sich diese Lippen wohl auf meinen anfühlen? Er beugt sich etwas zu mir, sein Gesicht nähert sich. Ich merke, wie ich auf Zehenspitzen

gehe. "Hab ich was verpasst?" Erschrocken fahren wir auseinander. Sebastian steht grinsend mit vor der Brust verschränkten Armen mitten im Raum und mustert uns.  "Ähm … n-nein … natürlich nicht.", stammle ich.  Dan fährt sich mit der Hand durch das Haar, zerstrubbelt es dadurch ziemlich sexy und wendet sich ab. Ohne ein Wort zu sagen geht er und schenkt sich an der Hausbar etwas braune Flüssigkeit in ein Glas. "Über was habt ihr gesprochen?", fragt Sebastian nun mich

direkt. "Ähm … im Dorf … da ist die Schule abgebrannt. Letzte Woche.", erkläre ich, weil Dan keine Anstalten macht Sebastian einzuweihen. "Okay." "Ja … ähm … ich weiß ehrlich gesagt auch nicht was nun ist?" Mein Blick bohrt sich in Dan's Rücken. Er scheint es zu spüren, dreht sich zu uns um und erklärt, "Das Grundstück auf dem die Schule steht gehört zu meinen Liegenschaften. Mein Verwalter, Spencer,  hat wissen wollen wie es nun weitergehen soll." "Na, du baust sie doch sicher

wieder auf, oder?", frage ich hoffnungsvoll. Es wäre schlimm für die kleinen Kinder um zur Schule zu kommen erst ewig weit erst mit dem Bus fahren zu müssen. Die nächste größere Ortschaft ist ziemlich weit weg.  "Was?" Dan sieht mich an. "Ja, ja du hast recht. Das sollte ich wohl." Ich nicke zustimmend.  "Ja, das solltest du. Was meinst du wie das das Ansehen von dir unter der Dorfbevölkerung steigert." Er grinst. "Die mögen mich auch so schon." "Und was ist bis die neue Schule

steht?" "Was soll sein?" "Na, wo werden die Kinder während der Baumaßnahmen unterrichtet?" Dan zuckt die Schultern. "Woher soll ich das wissen?"  Ich nehme mir einen Augenblick um meinen Gedanken zu überdenken, dann schlage ich vor, "Wie wäre es, wenn sie hier im Schloss unterrichtet werden?" "Hier?", keucht er entsetzt. "Na klar, platz ist hier doch genug." Er scheint sich das Ganze überlegen zu müssen.  "Da muss ich Daisy zustimmen. Es

wird hier doch wohl etwas platz für ein paar Kinder geben?" Er sieht mich an. "Und sicher dauert es doch nicht ewig." "Ihr meint echt das ginge?", fragt Dan. Unisono nicken wir. "Ich rufe mal Spencer an.", verkündet Dan und geht in die Halle hinaus. Schweigend bleiben Sebastian und ich zurück. Irgendwann meint er in die Stille hinein, "Jetzt verstehe ich wie ihr das meintet, dass du ihn berätst."  "Beraten?" "Anna meinte und auch Dan sagte so etwas, dass du ihn in

Angelegenheiten das Schloss und dem allen hier berätst.", erklärt er. Ich puste aus. "Na ja, dafür sind Freunde schließlich da. Er wurde da so reingeschmissen. Und ich weiß ein bisschen was. Da ist es doch meine Pflicht ihm zu helfen." "Du bist vor allem sehr emphatisch und … klug!", lobt er und tritt einen Schritt auf mich zu.  "Ähm …" "Doch, doch … nimm das Lob ruhig mal an. Ich kenne dich jetzt schon eine Weile. Nur aus der Ferne zwar, über Anna. Aber jetzt … " Er steht nun direkt vor mir. "... ich finde wirklich du bist sehr

... mitfühlend." "Ach meinst du, ja?", stammle ich verlegen. Gelobt werden ist so gar nicht meins.  "Ja, das meine ich!", bekräftigt er und beugt sich zu mir herunter. Ich sehe ihm in die blauen Augen. Sie sind nicht so hellblau wie die von Dan, aber auch sehr intensiv. "Ähm … Sebastian …" "Ja?", raunt er. Sein Mund ist nur noch Zentimeter von meinem entfernt. "Also Spencer sa …" Dan's Stimme bricht ab als er uns in dieser intimen Pose sieht. "Was? … Habe

ich was verpasst?" Verlegen rücke ich von Sebastian ab. Wie peinlich! "Nein … nein, natürlich nicht." Sebastian wirft Dan einen gewissen Blick zu und bringt mit einer Drehung Abstand zwischen uns. "Und ... und was sagt er?", hoffe ich die Situation zu entschärfen. "Ähm … ja, Spencer sagt ja. Er hatte diese Idee wohl auch schon gehabt. Aber er kann so etwas schließlich nicht über meinen Kopf hinweg entscheiden. Aber er findet sie gut. Und wenn ich einverstanden bin, was ich ja schließlich bin, wird es so umgesetzt. Allerdings muss die

Schulleitung da noch zustimmen." "Verstehe, die Kinder müssen hier ja auch irgendwie hinkommen." "So weit ist es ja nicht. Sie könnten laufen.", wirft Sebastian ein.  Beide sehen wir zu ihm. "Ja, das könnten sie. Allerdings ist es für ein Kind doch ein ganzes Stück.", murmle ich. "Dann eben ein Bus.", meint er Achselzuckend. "Ja, sowas in der Art müsste es wohl sein.", murmelt Dan tief in Gedanken versunken. "Und man muss überlegen wo sie essen.", gebe ich zu bedenken. "Essen?", keucht

Dan. Ich zucke die Schultern. "Ja. Sie müssen doch auch essen. Frühstück dürfte kein Problem sein, aber das Mittagessen. Wer soll es kochen? Wo wird es eingenommen?" Ich muss dringend meine Gedanken ordnen, hole tief Luft und frage, "Um wie viele Kinder handelt es sich denn eigentlich?"   "Keine Ahnung.", entgegnet Dan. "Das habe ich gar nicht gefragt." "Na ja, woher solltest du es auch wissen. Hast ja selbst kein Kind.", lache ich und sofort muss ich wieder an seine Bemerkung bezüglich seiner Kinder denken.

Mist! "Hm.", brummt er. "Entschuldigt mich bitte, ich hab noch zu tun. Ich werde …" Er deutet mit dem Daumen hinter sich zur Tür.  Verständnisvoll nicke ich. "Na klar. Gute Nacht, Dan!" "Gute Nacht." Sein Blick wandert von mir zu Sebastian der mit versteinerter Miene vor dem Kamin steht.  "Nacht.", wünscht auch er. Nachdem Dan gegangen war will ich nur noch so schnell wie möglich in die Sicherheit meines Zimmers verschwinden. Was da vorhin geschehen ist, hat mich doch sehr

verunsichert. Warum springe ich auf Sebastian an, obwohl ich doch ganz offensichtlich auf Dan stehe? Schon immer. Was ist nur in mich gefahren? Ich muss hier weg, bevor mein dummes Herz nochmal andere Wege einschlägt.  Übertrieben deutlich gähne ich hinter vorgehaltener Hand. Er bemerkt es, er muss es einfach bemerken. Dennoch sieht er weiterhin in die Flammen. "Sebastian …", flüstere ich. Er dreht sich um, sieht mich an. "Ja?" "... wärst du mir sehr böse, wenn

ich dich jetzt auch allein lassen würde? Ich bin wirklich müde." Er lächelt. "Klar, kein Ding. Geh nur ins Bett!" Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, schnell springe ich auf und gehe zur Tür. Ehe ich hinaus gehe bleibe ich noch kurz stehen und wünsche ihm mit einem gequältem Lächeln eine gute Nacht. 

6.

Sebastian Wenn ich daran denke wie Daisy gestern Abend vor der Zweisamkeit mit mir geflüchtet war, muss ich immer noch grinsen. Sie hatte es gespürt, das da was war zwischen uns. Wäre Dan uns nicht dazwischen gefunkt hätte ich sie rum bekommen. Aber was nicht ist kann ja noch werden. Voller neuem Elan schwinge ich die Beine aus dem Bett und stehe auf. Hoffentlich würde nicht gleich noch ein junges Zimmermädchen

hereinplatzen und für mich die Gardinen aufziehen. Oder gar mir beim ankleiden behilflich sein wollen.  Stattdessen tue ich das. Ich gehe zu den Fenstern und ziehe die Vorhänge zurück. Es versprach ein weiterer strahlend schöner Tag zu werden. Ich hole mir frische Kleidung aus der Tasche und gehe damit hinaus auf den Flur. Das Badezimmer war nur drei Zimmer weiter den Gang herunter.  Nachdem dies erledigt war gehe ich runter ins Esszimmer. Vor Daisy's Tür bleibe ich kurz stehen und

lausche an dem Holz. Nichts zu hören. Im Speisezimmer bin ich allein. Nur dieser Banes ist da und fragt mich kaum das ich mich gesetzt habe was ich trinken möchte. Tee oder Kaffee. Ich entscheide mich für Kaffee und ernte von ihm eine skeptisch hochgezogene Augenbraue. Sicherlich trinkt eure Lordschaft immer Tee zum Frühstück. "Wo sind denn alle?", frage ich ihn. "Lord Embley isst wenn er hier ist sehr früh frühstück und die Miss ist bereits draußen." "Tatsächlich? Sie ist draußen?",

frage ich verwundert und sehe auf meine Armbanduhr. Es war gerade einmal 9 Uhr.  "Ja. Ich nehme an, sie ist bei den Pferdeställen.", eröffnet er mir. "In den Pferdeställen?", echoe ich verständnislos. Was hat diese Frau nur immer mit den Pferden? "Miss Richardson verbringt auf Embley immer viel Zeit bei den Tieren." "Hm. Danke." Ich beschließe zunächst einmal in Ruhe zu frühstücken und sie dann draußen zu suchen. "Danke.", murmle ich als Banes mir

den schmutzigen Teller wegnimmt und ihn zu einer Anrichte trägt. "Ich … ich gehe dann mal." Es ist mir verdammt peinlich so bedient zu werden. Und egal wie oft ich zukünftig hier zu besuch sein sollte, daran würde ich mich nie gewöhnen.  "Natürlich, Sir.", entgegnet er nasal und beachtet mich nicht weiter. Ich gehe hinauf in mein Zimmer um mich etwas wärmer anzuziehen und anschließend hinaus ins Freie. Und wo sind jetzt diese blöden Ställe. Ich schnuppere. Ah ja, immer der Nase nach.  Tatsächlich sehe ich, kaum das ich

um die rechte Hausecke herum gegangen bin in einiger Entfernung ein einzeln stehendes flaches Gebäude. Eine riesige zweiflügelige Holztür und einige kleine Fenster lassen es wie einen Pferdestall aus einem Film aussehen. Zielstrebig gehe ich darauf zu. Ein junger Mann der ein braunes Pferd an einer Art Leine hinter sich herführt kreuzt meinen Weg. "Hallo. Kann ich Ihnen helfen?", fragt er freundlich.   "Hallo. Ja, tatsächlich. Ich suche Miss Richardon. Sie soll hier irgendwo sein." "Klar doch. Daisy ist im Stall. Sie

putzt ihr Pferd, will gleich ausreiten." Mit einem Kopfnicken deutet er auf die große Tür.  Ich zeige mit der Hand darauf. "Dort drin?" "Jup. Gehen Sie ruhig rein. Sie werden sie schon finden." Damit winkt er mit der freien Hand und geht weiter. Ich warte bis das riesige Tier an mir vorbei geschritten ist und setze mich dann wieder in Bewegung. Wahrhaftig war in einer der hintersten Boxen Daisy damit beschäftigt diesem großen rothaarigen Pferd das Fell zu säubern.  "Hallo.", grüße ich. Sofort beginnt

das Tier nervös herum zu tänzeln.  Beruhigend streichelt sie seinen Hals. "Guten Morgen, Sebastian!", grüßt sie freundlich.   "Ihr seid ganz schon früh wach.", stelle ich fest und betrete die Box. Sofort latsche ich in einen frischen Pferdeapfel. Bä. Sie lacht leise. "Na ja, ich könnte jetzt behaupten auf dem Land ticken die Uhren eben anders, aber eigentlich wäre das gelogen. Wir sind hier immer so früh wach." "Warum?", lache ich und lehne mich rücklings gegen das Holz der Boxentür. "Warum genießt du es nicht, hier mal ausschlafen zu

können? Ist das nicht so eine Art Urlaub?" Ihr blondes Haar schwingt durch die Luft als sie nun heftig den Kopf schüttelt. "Urlaub? Nö. Dafür ist mir die Zeit hier viel zu schade um sie mit schlafen zu vertrödeln." "Du bist wirklich ein seltsames Stadtmädchen!", urteile ich halb im Scherz.  "Ich bin ein Stadtmädchen?", lacht sie und mustert mich während ihre kleine Hand unentwegt die Bürste über das kurze Fell des Pferdes gleiten lässt.  "Du lebst in London." Ich zucke die Schultern. Das erklärt doch alles.

Eigentlich. "Und deshalb nimmst du an ich sei eine richtige Stadtbewohnerin?" Ich nicke. "Nee. Ich liebe das Landleben! Mehr als das Stadtleben. Klar, es ist praktisch. Alles hat man direkt vor der Haustür so zu sagen. Aber keine Ruhe, kein Grün …" "Na ja, davon gibt's doch in London einiges.", unterbreche ich sie. "Keines das mit dem hier vergleichbar wäre.", kontert sie.  "Hast recht.", gebe ich kleinlaut zu. "Du vermisst sicherlich den hier, oder? Ich meine, wenn du in London bist." Meine Hand deutet

auf den Hengst. Liebevoll legt sie ihre Stirn an den warmen Pferdehals. "Oh ja. Royal ist mein ganz besonderer Liebling." "Wie kommt es, dass er nicht dir gehört?" Sie lacht. "Ich kann es mir nicht leisten. Weißt du wie viel ein solches Pferd im Unterhalt kostet?"  "Keine Ahnung. Dan würde es sicher bezahlen." "Das tut er doch schon. Es ist sein Pferd." "Mag er Pferde überhaupt?" Sie lacht wieder. "Oh ja, er reitet auch sehr gern. Er springt sogar. Im Turnier meine ich. Und seine

Jockeys  nehmen auch an Rennen teil."  "Er reitet Turniere?" Erstaunt ziehe ich die Stirn krauss. "Ja, genau. Cool oder!"  Ob ich das auch so cool fand wie sie lasse ich unkommentiert.  "Ist er erfolgreich?" "Und ob. Auch wenn er es nur hobbymäßig betreibt."  "Ach tatsächlich." Dieser Mann war wirklich immer wieder für eine Überraschung gut. Scheinbar imponierte ihr so etwas. "Hm. Cool!", brumme ich gelangweilt. "Dann stehen hier sicherlich einige Werte herum

oder?" "Werte?" "Na ja, ich hab mal gehört, erfolgreiche Turnierpferde sind einiges wert.", erkläre ich mich.   Sie nickt. "Das stimmt auch. Aber wirkt Dan auf dich wie jemand der weiteres Geld nötig hat?" Ich schüttle grinsend den Kopf. "Nee. Nicht wirklich. Obwohl, Geld muss sinnvoll angelegt sein, damit es nicht weniger wird." "Ich denke, die Finanzgeschäfte können wir getrost ihm überlassen. Er macht das nun schon ne kleine Weile.", kontert sie lächelnd.  Ich ziehe es vor zu

schweigen.  "Hast du schon einmal auf einem gesessen?", will sie unverhofft wissen.  Erstaunt starre ich sie an. "Auf einem Pferd?" "Nein, auf einem Ochsen. ", lacht sie abfällig. "Natürlich auf einem Pferd."  "Nee." "Willst du es versuchen?" Ich wehre mit beiden Händen ab. "No way. Das ist nichts für mich!"  "Woher willst du das wissen wenn du es noch nie versucht hast?"  "Diese Erfahrung muss ich nicht machen."  Ich weiß auch so das ich

es nicht kann. Da muss ich mich nicht noch vor ihr lächerlich machen.  "Ach komm schon!", bettelt sie. "Du wirst doch sicher öfters hier sein. Dann wäre es doch schön mit uns gemeinsam ausreiten zu können. Ich könnte es dir beibringen.", bietet sie freundlich drängend an.   Ich schüttle den Kopf. "Das ist nett gemeint, aber nein, danke. Ich weiß auch so, dass das nichts für mich ist." Daisy legt den Kopf schief und zieht ihre Unterlippe ein. Mach nur weiter so, und du siehst gleich was du davon

hast. "Daisy.", knurre ich.  Sie geht um das Tier herum auf mich zu. "Versuch es doch wenigstens. Wenn es dir wirklich keinen Spaß machen oder es nicht klappt können wir doch immer noch aufhören." "Du gibst wohl nicht so schnell auf, was?", brumme ich.  Sie zuckt mit den Schultern. "Großstadtmädchen sind eben so." Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.  "Na gut.", gebe ich schließlich zu. Erfreut über ihren Erfolg klatscht sie in die Hände. "Dann beginnen

wir bei unserem nächsten Besuch. Okay?" Nicht sofort. Super. Und das sage ich jetzt auch.  "Das freut mich!", sagt sie und sieht mich an. Wieder starren wir uns in die Augen. Wieder knistert die Luft zwischen uns. Mit einem Mal sind wir uns sehr nahe. "Daisy …", murmle ich, den Blick auf ihren Mund. Ich muss mich zusammenreißen um in ihrer Gegenwart weiter atmen zu können. Irgendwie kann ich sie mir seid gestern Abend nur noch nackt vorstellen. Daisy hat die Rundungen genau an den richtigen

Stellen. Im wahrsten Sinne eine Traumfrau! "Ja?" "Ich …" Ich mache einen Schritt auf sie zu und streiche ihr eine verirrte Strähne ihres Haars aus dem Gesicht. Sofort beschleunigte sich ihre Atmung. Mein Blick huscht zu ihrem Mund, hinunter zu ihren vollen Brüsten und dann wieder nach oben, sodass sich unsere Blicke erneut treffen. Sie sieht köstlich aus. Ich will nur noch eines, an ihrer weichen, milchigen weißen Haut knabbern, ihr die Hände unter das Shirt schieben und mit ihren Brustwarzen spielen, bis

sie sich stöhnend in meinen Armen wiegt und um mehr bettelt. Noch ein kleines bisschen beuge ich mich vor. Mit einem Finger zeichnet sie meine Kinnlinie nach. Ich schließe die Augen, genieße die sanfte Berührung. Dann nehme ich ihr gesicht zwischen meine Hände und murmle "Ich werde dich jetzt küssen, Daisy. ich kann nicht anders." Und schon legen sich meine Lippen auf ihre. Mit der rechten Hand ziehe ich sie an der Hüfte näher an mich heran. Meine Hüften drängen sich an sie. Ihre Arme legen sich um meinen Nacken. Sie stöhnt, als ich mit der

Zunge über ihre Lippen streiche und schließlich in sie eindringe. Sie fühlt sich einfach perfekt an, warm und weich - wenn ich nur aufhören könnte daran zu denken, dass sie woanders wahrscheinlich noch viel süßer schmecken würde. Das war das letzte woran ich denken wollte. Doch ihre Hände vergraben sich in mein Haar und ziehen mich näher an sie. Ihre immer schneller werdende Atmung stellt meine Selbstbeherrschung auf die Probe und lässt meinen Schwanz hart werden. Bevor ich nachgeben, ihre Beine um meine Hüften legen und sie an die Boxenwand nageln

konnte hören wir eine vertraute Stimme "Daisy. Bist du hier?" rufen. Scheiße! Der schon wieder. Erschrocken fahren wir auseinander. Voller Scham sieht sie mich an. Versucht Kleidung und Haar zu richten ehe Dan die Box erreichen konnte. Ich versuche sie mit einem Lächeln aufzumuntern. Mein Blick transportiert "Hey, wir haben nichts verbotenes getan.". Dennoch zeigt ihre Mimik ganz deutlich Scham, Betroffenheit und Reue.  "Da bist du ja.", ruft Dan erfreut. Als er realisiert, das sie nicht allein ist und sein Blick mich streift, fügt

er hinzu, "Ach du bist ja auch da. Guten Morgen."  "Morgen.", brumme ich dunkel und fahre mir durch's Haar. "Ich werd dann mal los." Ohne ein bestimmtes Ziel schiebe ich mich an ihm vorbei in die Stallgasse und entferne mich mit großen Schritten.

7.

Dan Ich folge dem Fuchs zu unserer Anhöhe. Eigentlich bei jedem unserer Ausritte führt es uns zu diesem Ort. Es ist unser Lieblingsort. Daisy erreicht das Ziel wenige Augenblicke vor mir und steht schon neben ihrem Pferd als ich durchpariere und ebenfalls aus dem Sattel springe. "Gib mir Royal! Ich binde ihn an. Dann können wir uns setzen.", biete ich ihr an und nehme ihr die Zügel

aus der Hand. "Danke dir." Sie geht zu der kleinen hölzernen Bank und nimmt darauf platz. Nachdem ich die Tiere sicher an einem niedrigen Ast angebunden habe gehe ich zu ihr und setze mich ebenfalls. Schweigend genießen wir die Aussicht. Ihre Hand liegt direkt neben meiner auf der Sitzfläche zwischen uns. Wenn meine Finger etwas näher an sie heran gleiten würden ... Wie paralysiert starre ich auf meine Hand. Sie bemerkt es und fragt leise, "Geht es dir gut?" Hektisch reiße ich den Blick los und

starre sie an. "K-klar doch. Mir geht's gut." "Hm.", macht sie und sieht geradeaus über die Felder. Wenn ich nur wüsste was da vorhin zwischen ihr und Sebastian gewesen war. Das etwas war habe ich ganz deutlich gespürt. Ich habe das Gefühl, wenn ich nicht aufpasse, schnappt er sie mir vor der Nase weg. Er kennt sie noch nicht so lange, nicht so gut - für ihn zählen die Hemmungen nicht die mich plagen. "Daisy ...", beginne ich und unterbreche das Schweigen. "Ja?" Ihre blauen Augen funkeln in

der Sonne. "Ich ... ich wollte dich fragen ..." "Ja?" Ich versuche den Kloß in meinem Hals herunter zu schlucken. "... ob du mich eventuell ... zu einem Termin begleiten würdest?" "Wohin? Welcher Termin denn?" "Ich treffe mich nachher mit der Schuldirektorin. Alles besprechen wegen des ... des Umzugs." Anders wusste ich es nicht auszudrücken. "Klar doch." Sie zuckt die Schultern. "Für die Party muss ich ja nichts mehr vorbereiten." Ihr Gesicht hellt sich auf. "Dann klappt es also? Ihr habt eine Lösung

gefunden?" Ich nicke. "Jup. Nur mit dem Essen der Kinder müssen wir uns noch besprechen. Und wie die Bänke und so hierher kommen sollen." "Ist das denn nötig? Ich hätte es den Kindern in dieser Zeit ... einfacher gemacht. Den Stundenplan angepasst. Ich hätte mehr Unterricht draußen gemacht. Dafür braucht man keine Bänke oder ähnliches." "Hättest du das?", grinse ich. "Ja klar. Die Natur und das Schloss bieten sich doch an. Exkursionen in die Natur. Geschichte im Schloss. Eine spannende Schnitzeljagd

durch die Gebäude. Und Sportunterricht im Freien. Das Wetter wird doch jetzt auch besser." Sie redet sich ja richtig in Rage. Zum Glück konnte ich mit diesem Thema von der peinlichen Situation von vorn ablenken. Eigentlich hatte ich sie ja fragen wollen, ob sie etwas für Sebastian empfindet. Aber im entscheidenden Moment hat mich doch der Mut verlassen. Daisy redet und redet und gestikuliert wild in der Luft herum. "So wie du dich dafür interessierst könnte ich mir auch gut vorstellen, dass du einige Aufgaben hier

übernimmst. Das du Unterricht gibst.", unterbreche ich ihren Redefluss. Erstaunt schweigt sie und starrt ich an. "Blödsinn! Für sowas bin ich absolut ungeeignet. Die armen Kinder!" Sie blickt auf ihre im Schoß gefalteten Hände. "Ich bin mir sicher, du kannst super gut mit Kindern umgehen!" Sie reagiert nicht. Schweigt. "Du bist sicher auch eine gute Mom!" Warum verdammt hab ich das jetzt gesagt? Daisy's Kopf hebt sich, sie sieht mir ins Gesicht. Sie mustert mich, als wolle sie in meinen Augen die Erklärung für

diese dämliche Aussage finden. "Ähm ... sorry.", murmle ich. "Warum denn?", formen lautlos ihre Lippen. Darauf weiß ich auch keine Antwort. Ich kann nicht anders als sie weiterhin anzusehen. Ihr scheint das unangenehm zu sein und sie sieht weg. "Daisy ... es tut mir leid! Ich wollte dir nicht zu nahe treten!", bitte ich leise um Verzeihung. Sie sieht mich erneut an. "Warum denn, Dan. Du siehst mich eben so ... Aber ich ... ich kann mir das nicht vorstellen." "Warum denn

nicht?" "Ich möchte in einer Großstadt kein Kind großziehen." "Wer sagt denn, dass du in einer Großstadt leben musst?" Ihr Blick zeigt missbilligung. "Ich lebe in London." "Ja, noch.", brumme ich. "Meinst du nicht, dass kann sich ändern?" Sie zuckt die Schultern. "Weiß nicht." "Ich denke schon. Wenn der richtige Partner kommt ..." Jetzt. Jetzt wäre der richtige Moment darauf einzusteigen. Doch wir verpassen beide unsere Chance. Schweigend sitzen wir hier und

starren stur geradeaus. Irgendwann fällt mir mein Termin wieder ein. Ein rascher Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich langsam mal zurück müsste. "Ich ... wir sollten los.", sage ich in die Stille hinein. Sie nickt schweigend und erhebt sich. Nachdem wir beide wieder im Sattel sitzen traben wir gemächlich nebeneinander her Richtung Embley Abbey. "Ich ziehe mich noch schnell um.", teilt sie mir mit, kaum das wir Sasha die Pferde übergeben haben und verschwindet ohne meine

Antwort abzuwarten Richtung Schloss. Ratlos sehe ich ihrem Rücken hinterher als sie sich entfernt. "Gut. Ich sollte mich vielleicht auch umziehen. Sie schaffen das allein?" Letzteres war an meinen Pferdepfleger gewandt. "Aber sicher. Ist doch mein Job.", meint dieser locker. Rasch folge ich Daisy, hole sie jedoch nicht mehr ein. Ohne überhaupt jemanden zu begegnen erreiche ich meine Zimmer.

Daisy "Mist, mist, mist!", fluchend lasse ich mich rücklings gegen an der Tür hinabgleiten kaum das ich sie geschlossen habe. "Was ist nur los mit mir?" Unangenehme Wärme steigt mir ins Gesicht als ich daran zurückdenke wie schäbig ich mich heute Vormittag gegenüber den beiden Männern benommen habe. "Ich habe Dan betrogen, ehe wir überhaupt zusammen sind.", schniefe ich. "Was bin ich nur für ein Mensch?" Ich fühle mich schrecklich. Wie sollte ich es

schaffen ihm überhaupt noch einmal unter die Augen zu treten? Und er ist so lieb zu mir. Sagt mir offen und ehrlich wie er mich sieht und was er von mir hält. Anna, ich brauche Anna! Ich brauche meine beste Freundin! Schnell rappel ich mich auf und renne zu dem Tisch auf dem ich mein Handy zum laden abgelegt hatte. Schneller als schnell habe ich ihre Nummer gewählt. "Hey Süße.", grüßt sie lachend. "Mach's kurz! Ich muss ins Theater." Die Erkenntnis dämpft mein Vorhaben. Das und weil mir

plötzlich einfällt das es sich bei dem einen Mann ja um ihren Bruder handelt. Er ist wie lange unser Mitbewohner, zwei Tage, und schon werfe ich mich wie eine ungebumste Jungfer ihm an den Hals. "Ich bin ein schrecklicher Mensch!", eröffne ich heulend das Gespräch ohne sie vorher ordentlich zu begrüßen. "Was? Blödsinn! Was redest du denn da?" "Doch, es ist wahr!", schniefe ich. Mein Blick verschleiert. Warum heule ich denn jetzt? Scheiße! "Jetzt mal von vorn! Ist was

passiert? Hast du ein Kaninchen überfahren?" "Ich fahr doch gar kein Auto.", erwidere ich verständnislos. "Dann hast du jemanden, eine alte Oma vielleicht mit deinem Gaul über den Haufen galoppiert." "Royal ist kein Gaul.", war das einzige was ich dazu zu sagen hatte. "Dann, verdammt nochmal, komm zum Punkt! Was hast du angestellt, Daisy Darling?" "Ich habe deinen Bruder geküsst.", stoße ich hervor.

"Was?" "Anna?" "Dieser Arsch! Ich hab ihm gesagt er soll dich in Ruhe lassen!", brummt sie verärgert. "Ich ... ich rede mit ihm. Morgen. Das tut mir so leid, Daisy!" "Es war doch nicht seine Schuld.", lenke ich ein. "Ich hab' schließlich mitgemacht." "O-k-a-y." "Und gleich darauf bin ich mit Dan allein und hätte beinahe noch ihn geküsst." "O-k-a-a-a-y.", kommt es noch gedehnter

zurück. "Und?" "Was und?", entgegnet sie verständnislos. "Na, was soll ich jetzt tun? Wie soll ich mich verhalten?" Verzweifelt fahre ich mir mit der Hand durch das Haar. "Na ja, wen von beiden magst du lieber?" Was? Dan! Oder doch Sebastian? Nein Dan! Ganz eindeutig Dan! So war es schließlich schon immer. "Ich weiß, dass du jetzt in Gedanken eine Pro und Contra Liste erstellst, Süße." Erstaunt schnappe ich nach Luft und klappe den Mund

zu. "Lass den Scheiß! Hör auf dein Herz!", rät sie mir mit fester Stimme. "Aber ... ich kann doch nicht ...", stammle ich verzweifelt. "Jetzt komm mir nicht mit diesen dämlichen Regeln!" "Dämliche Regeln?" "Ja, dämlich. Sie sind zwar schön und gut für eine WG. Aber wenn wir ehrlich sind, wir sind erwachsen. Es ist nun mal der Lauf der Zeit, dass wir Partner finden. Aus lockeren Partnerschaften werden feste, daraus wird dann eine Ehe, in deinem Fall, nicht in meinem, aber egal. Und genau aus

diesem Grund, solltest du mal endlich an dein Glück denken! Du magst Dan. Gut. Dann schnapp ihn dir, Süße! Du willst mit Sebastian ficken. Dann mach das doch! Er kann sowas gut, nehme ich an. Tu was dir dein Herz sagt!" Das war mal eine Ansprache. "Bist du dir da sicher?", hake ich zögerlich nach. "Ich bin mir sogar so sicher, dass ich dich morgen, wenn du heute nichts unternimmst, die ganze Nacht in das Zimmer des einen oder des anderen einsperren werde.", droht sie lachend. "Was?" Empört muss ich nach Luft

schnappen. "Aber ..." "Also ich hab jetzt keine Zeit für deine Ausflüchte. Wir machen es so wie ich gesagt habe. Ran an den Mann! Wenn du nichts unternimmst, tue ich es und dann entscheide ich. Bis morgen, Süße." "O-okay.", stammle ich. Das war nicht ganz das was ich mir unter einem guten Rat einer besten Freundin vorgestellt habe. "Und Daisy, tu nichts was ich nicht auch tun würde!" Damit legt sie auf. Sprachlos starre ich das kleine Gerät in meiner Hand an. Mit einem Mal klopft es an meiner Tür. Scheiße! "Ja?", rufe ich

zögerlich. Die Tür wird geöffnet und Dan steckt den Kopf herein. Als er sieht das meine Augen rot verweint sind, schiebt er sich ganz in den Raum und schließt die Tür hinter sich. "Was hast du denn? Ist was passiert?", fragt er besorgt. Schniefend schüttel ich den Kopf. Warum muss gerade er jetzt hier auftauchen und das fragen? "Daisy, sprich mit mir!", fordert er zärtlich und begleitet mich vorsichtig zum Bett wo wir uns nebeneinander hin setzen. Ich hebe den Kopf um ihn ins Gesicht zu sehen. "Ach Dan ..."

"Ich bin hier.", raunt er und nimmt mich in die Arme. Das gibt mir den Rest. Erneut laufen meine Tränen über. "Daisy, was ist los?", fragt er erneut. Die Sorge ist ihm deutlich anzuhören. Ohne darüber nachzudenken, Annas Worte in meinem Hinterkopf, lecke ich mir über die Lippen, greife ihm in den Nacken und ziehe ihn zu mir heran. Als seine Lippen auf meine treffen ist es als würde ein Schwarm Schmetterlinge in meinem Bauch losgelassen. Mir schwinden die Sinne und ich habe

Mühe mich gerade zu halten. Dieser männliche Duft. Seine Bartstoppeln die mich sanft kitzeln. Sein Haar zwischen meinen Fingern. Als er in meinen Mund keucht ist es vollkommen um mich geschehen. Ganz von allein drängt sich mein Körper an seinen. Seine Arme liegen um meine Mitte, heben mich mit einem Mal hoch und er setzt mich sich auf den Schoß. "Daisy.", stöhnt er leise. "Du glaubst garnicht ... wie lange ich ... auf diesen Moment ... gewartet habe." "Oh Dan.", keuche ich und intensiviere den Kuss noch etwas. Mein Körper reagiert heftig auf ihn.

Die Brustwarzen recken sich ihm entgegen, sehnen sich nach Liebkosung. Während ich mich rhythmisch an ihm reibe reiben sie wieder und wieder über den Stoff unserer Kleidung. Irgendwie lässt mich das noch wilder werden. "Daisy ..." Er drückt mich etwas von sich weg. Keuchend starre ich ihn an. "Was?" "So gern ich das hier jetzt weiterführen möchte, es geht nicht ...", entschuldigt er sich mit zerknirschten Gesichtsausdruck. "... ich hab einen Termin." Mist! Stimmt ja. Enttäuscht über das blöde Timing stehe ich von

seinem Schoß auf und ziehe meine Kleidung zurecht. Liebevoll nimmt er mich, sobald er auf den Beinen ist in die Arme. "Nachher. Wir haben alle Zeit der Welt. Ich fahre nur schnell dorthin.", raunt er in mein Haar. Ich nicke. "Aber ich ... ich sollte doch mitkommen." "Du musst ja nicht.", entgegnet er. "Es war ja nur eine Bitte." "Ich komme mit!", bekräftige ich. "Ich werf mir nur schnell etwas Wasser ins Gesicht." Damit eile ich aus dem Raum. Schnell wasche ich mir im Badezimmer mein verheultes Gesicht mit kaltem

Wasser. Die rote Schwellung würde hoffentlich während der Fahrt zurückgehen. Als ich zurück ins Zimmer komme habe ich Angst, dass er gegangen sein könnte. Doch er steht am Fenster und schaut hinaus in den Park. "Wir können los.", verkünde ich und greife mir meinen Mantel vom Haken neben der Tür. Irgendwo muss noch meine Handtasche herumfliegen. Dan ist schneller. Schon hat er sie sich vom Schreibtischstuhl gegriffen und hält sie mir entgegen. "Danke.", strahle ich. Behutsam legt er den linken

Arm um meine Mitte und geleitet mich durch sein Haus hinunter ins Erdgeschoss. "Bitte jetzt nicht Sebastian begegnen!", hoffe ich wieder und wieder in Gedanken. Meine Gebete werden erhört. Ihn treffen wir nicht, dafür aber Banes. Als er uns in derart vertrauter Pose erblickt zieht er die Stirn krauss. Selbstverständlich enthält er sich jeden Kommentar. Auch Dan sagt nichts, außer das er jetzt einen Termin hätte und so in zirka zwei Stunden zurück sei. Im Auto meine ich, "Banes scheint mit deiner Wahl nicht so einverstanden zu sein." "Was meinst

du?" "Hast du seinen Blick gesehn?" Er zuckt die Schultern. "Und wenn schon. Ich bin der Hausherr. Er hat gar nichts zu sagen. Und seine Meinung ist mir herzlich egal." Damit startet er den Motor und wir rollen über die gekieste Einfahrt. Da die Schule über keinen Raum mehr verfügt in dem man sich ungestört unterhalten kann, treffen wir uns mit der Schulleiterin und ihrer Stellvertreterin im Pub. Das 'black swan' ist ein Pub wie aus dem Bilderbuch. Uralt, wenigstens hat es den Anschein, klein, dunkel

und mit gastwirtschaft. Man kann hier vorzüglich essen. Immer wenn Mrs. McAdams krank war oder aus einem anderen Grund abwesend essen wir hier. Der Wirt, Mister Brown, ist ein Mann der alten Schule. Und damit meine ich nicht gentlemanlike. Eher das Gegenteil. Aber er ist freundlich und witzig. Wenn man ihn zu nehmen weiß. Ich wusste es und daher begrüßt er mich jetzt auch freundlich über die Theke hinweg. Der frühen Uhrzeit geschuldet ist das Pub wie leergefegt. "Hey, Mister Brown. Wie geht es

Ihnen?" "Alles beim alten, Miss. Darf ich Ihnen was zu trinken bringen oder haben se Hunger?" Ich sehe zu Dan. Ich weiß gar nicht, ob essen gehen mit eingeplant war. Er nickt. Also antworte ich schnell, wir setzen uns erst. Ich komme dann zu Ihnen. Aber wir werden etwas essen. "Ist gut.", brummt er und beäugt uns misstrauisch. "Er mag mich nicht.", raunt Dan mir zu als wir zu einem Tisch gehen an dem bereits zwei Frauen sitzen. "Ach quatsch, er hat nichts gegen dich.", entgegne ich. "Mister Brown

mag doch fast niemanden." "Na ja, dich mag er." Das stimmt. "Da hast du recht. Dann sei mal froh, dass du mit mir befreundet bist.", ziehe ich ihn auf. "Ha ha.", brummt er. Lauter sagt er an die Frauen gewandt, "Mrs. Simmons, Miss Parker?" Beide nicken und starren ihn an. Besonders die Blicke der jüngeren entgehen mir nicht und ich komme nicht umhin festzustellen, dass sie mir einen Stich versetzen. "Lord Embley." Die ältere der beiden, Mrs. Simmons erhebt sich und reicht ihm die Hand. "Edwards, bitte!", entgegnet er

lächelnd. Sie sieht aus als würde sie jeden Augenblick zerfließen, nickt verständig und wendet sich ihrer Begleitung zu. "Dies ist Miss Parker. Meine Stellvertreterin und Lehrerin unserer Schule.", erklärt sie. Die angesprochene erhebt sich ebenfalls und reicht zuerst ihm die Hand und anschließend mir. Dan stellt mich den beiden vor, "Miss Richardson. Sie ist ... meine Partnerin." Überrascht sehe ich ihn von der Seite an. Partnerin? Das kann alles heißen. Gemeinsam setzen wir uns. "Was wollen Sie essen oder trinken? Ich

lade Sie ein.", eröffnet Dan freundlich. Überrascht wechseln beide Frauen einen Blick. "Ähm ... damit haben wir gar nicht gerechnet.", gibt Mrs. Simmons beschämt zu. "Mrs. Simmons, ich gedenke durchaus mehr Geld für Sie auszugeben. Sie können sich ruhig von mir zu einem Mittagessen einladen lassen." Sein Lächeln war wirklich umwerfend. Kein Wunder, das alle Frauen am Tisch ihm praktisch zu Füßen liegen. "O-okay. Dann nehme ich bitte das Omlette. Und Sie, Miss Parker?" "Die Würstchen mit gebackenen

Bohnen. Ich steh auf Würstchen." Verwundert über diesen Ausspruch ziehe ich die Augenbrauen hoch. Dan scheint ebenfalls etwas irritiert, doch er lässt sich weiter nichts anmerken. "Was möchtest du. Ich gehe für uns bestellen.", biete ich an und stehe wieder auf. "Ich nehme das Pilzomelette.", antwortet er und lächelt mich dankbar von unten an. Ich gehe zu Mister Brown zurück und gebe die Bestellung auf. Um den dreien etwas ungestörte Redezeit zu gewähren warte ich eine Colalänge an der Bar. Wenn

Dan meine Hilfe brauchte, wird er sich schon melden. "Na, sind Sie auch mal wieder hier?", stellt Brown das offensichtliche fest. "Ja genau. Royal hat gerufen und ich bin gekommen.", scherze ich. "Ach, nur das Pferd vermisst Sie wenn sie nicht hier sind?" Sein schelmisches Grinsen lässt mich ebenfalls grinsen. "Das Pferd und ein gewisser jemand, da haben Sie recht. Aber das soll noch niemand wissen." Ich hoffe er versteht. Zumindest nickt er verständig. "Ich kann schweigen wie ein Grab.",

verspricht er in seinem tiefen bariton. "Ich danke Ihnen!" Er stellt unsere Getränke auf ein kleines rundes Tablett und schickt sich an um den Tresen herum zu kommen. Doch ich stoppe ihn und biete an die Getränke selbst zu servieren. "Danke auch." "Gern." Freundlich lächelnd greife ich mir das Tablet und trage es gekonnt zum Tisch herüber. "Hast du ein neues Betätigungsfeld gefunden?", zieht Dan mich lächelnd auf. "Das hast du doch nicht nötig." Die beiden Frauen

wechseln einen Blick. "Ich tu was mir Spaß macht.", entgegne ich frech und nehme wieder neben ihm platz. Verborgen vor neugierigen Blicken sucht unter der Tischplatte seine große warme Hand die meine. Fest umschlingen seine langen Finger meine Hand. Verstohlen lächel ich ihn von der Seite an. Er erwidert es mit einem Zwinkern. "Wo waren wir stehengeblieben?", fragt er an unsere Gäste gewandt. "Ach ja, die Essenssituation.", beantwortet er selbst seine Frage. Mrs. Simmons stimmt zu, während Miss Parker ihn nur anstarrt und

jede seiner Regungen registriert. "Wir benötigen platz für 50 Kinder." Dan sieht mich an. "Wo könnten wir derart viele Kinder unterbringen?" Er wollte meine Meinung wissen. Nun ja, dafür war ich schließlich mitgekommen. "Ähm ... es gibt doch im linken Flügel diese leerstehenden Räume ..." Erkenntnis erhellt sein Gesicht. "Du hast recht." Er wendet sich wieder den beiden Frauen zu und sagt, "Daisy hat recht. Es gibt da einige Räume. Wenn es Ihnen genügt die Räume sowohl zum unterrichten als auch zum essen zu benutzen."

"Aber natürlich.", freut sich Simmons. "Wir sind Ihnen sehr dankbar, my Lord!" Er winkt ab, so wie er es immer tut wenn er von Fremden mit seinem Titel angesprochen wird. Es war ihm noch immer peinlich. "Ich werde alles vorbereiten lassen und dann können Sie nächsten Mittwoch einziehen.", schlägt er ruhig vor. "An diesem Wochenende haben wir eine Veranstaltung. Meine Leute benötigen etwas Zeit um aufzuräumen und alles für Ihr kommen herzurichten." "Aber das können wir doch

übernehmen." Miss Parker sagt dies derart schnell, dass sich ihre Worte zu überschlagen drohen. Erstaunt sieht Simmons sie von der Seite an. "Das wird nicht nötig sein ...", meint Dan abwehrend. "Aber sicher doch. Ist kein Problem. Sicher gibt es gar nicht so viel zu tun." "Sie haben die Räume doch noch gar nicht gesehen." Dan versucht sie freundlich von seiner Idee zu überzeugen. Doch sie ist unerbittlich. "Ich bestehe darauf, Lord Embley!" Ergeben hebt er die Hände. "Wenn Sie so sehr darauf bestehen sich

nützlich zu machen. Dann kommen Sie doch am Montag vorbei!" Mit einem siegerlächeln auf den roten Lippen lehnt sie sich zurück und greift nach ihrem Weinglas. Wie sie jetzt Dan über den Rand ihres Glases hinweg zulächelt ... Ich könnte kotzen! Alles in mir zieht sich schmerzhaft zusammen, als ich sehe das er auf ihre Avancen mit einem Lächeln reagiert. Grummelnd lehne ich mich ebenfalls zurück und starre stur geradeaus hinter Miss Parkers rechter Schulter, Wie sie wohl mit Vornamen heißt? Sicher so etwas wie Louisa, oder Emma oder etwas

ähnliches typisch britisch ländliches. Ich, tief in Gedanken versunken bemerke eine Zeit lang nicht was weiter besprochen wird. Irgendwann greift dan erneut meine Hand und drückt sie sanft. Sofort bin ich wieder da. Brown steht neben mir und stellt mir den Teller mit dem fuel-english-breakfast vor die Nase. "Guten Appetit!", wünscht er und entfernt sich wieder. Vorsichtig beginne ich zu essen. Jetzt bloß nicht kleckern oder sich mit der Tomatensoße bespritzen. Miss unbekannt scheint daran

keinen Gedanken zu verschwenden. Übertrieben korrekt schneidet sie sich ein winziges Stück ihres Omelettes ab und schiebt es sich lasziv langsam in den Mund. Ich schiele zu Dan, er scheint es zwar zu registrieren, ignoriert es jedoch gekonnt. Miss Parker gibt nicht auf. Immer wieder isst sie kleine Bissen und flirtet Dan dermaßen intensiv an, das mir bereits nach kürzester Zeit so übel ist, dass ich nichts mehr essen kann. Stattdessen lehne ich mich zurück um leere mit winzigen Schlucken mein Glas, während ich das Schauspiel beobachte. Dan und Mrs. Parker

essen ungerührt ihre Portionen auf und unterhalten sich. Immer wieder lächelt er mich liebevoll an. Es schien ihm nichts auszumachen, dass die Öffentlichkeit mitbekommt, dass wir nun mehr als nur gute Freunde sind. Ich überlege gerade wie alt sie wohl sein mag, als mich ihr Blick kalt wie ein Strahl aus Eis trifft. Ich starre zurück. Eifersucht. Sie wird von eifersucht geplagt. Tja, Schätzchen, bei ihm beißt du auf Granit, denke ich hönisch im Geiste. Doch sein charmantes Lächeln scheint anderes zu sagen. Entsetzt sehe ich von ihm zu ihr. Sein Blick

trifft sie. Flirtet er etwa mit ihr? Vor meinen Augen. "Entschuldigt mich.", murmle ich und stehe auf. Dabei löst sich unser Griff und seine Hand fällt schwer ins bodenlose. Erstaunt sieht er zu mir auf. "Ich bin gleich wieder da.", verspreche ich und gehe Richtung Toilettenräume davon. Dort beobachte ich mich im Spiegel. Bin ich ein eifersüchtiger Mensch? Nein, eigentlich nicht. Warum ist das anders wenn es um Dan geht? Klar, er ist extrem gutaussehend, charmant, ein wahrer Gentleman, reich und Großgrundbesitzer. All

dies macht ihn zu dem perfekten Freiwild für heiratswillige Ehemänner-Jägerinnen. Ob Miss Parker auch so eine war? Bin ich so eine. Nein! Ganz sicher nicht. Ich bin seine Freundin. Aber reicht das auch um seine Frau zu sein? Wer bin ich schon? Ein unbedeutender Niemand. Die Tür zum Waschraum öffnet sich und herein kommt ausgerechnet Miss Parker. Auch das noch! "Na, sitzt wieder alles?" Ihr Lächeln, zuckersüß und so falsch. "Ja, genau.", entgegne ich schnippisch und drehe mich auf dem Absatz um um zu

verschwinden. "Wohin so eilig?" Ihre Stimme lässt mich innehalten. "Was?" "Ich habe eine Frage." Langsam drehe ich mich um und sehe sie direkt an, "Was gibt es denn?" "Sie sind doch schon ewig mit Lord Embley befreundet ..." Sie mustert mich eingehend. "J-a.", sage ich gedehnt. "... dann kennen Sie ihn ja ziemlich gut. Hat er eine Freundin? Der Dorfklatsch äußert sich dazu nicht eindeutig." Gut

so. "Wieso was sagt der denn?", hake ich nun doch neugierig geworden nach. "Er hat immer wieder eine Freundin. Aber nichts ernstes. Zumindest hat er eine mit der er es ernst meint noch nie mit nach Embley genommen.", erklärt sie mit süffisanten Grinsen. "Aha.", brumme ich. "Und, wissen Sie etwas näheres? Ich frage deshalb, weil ich es gern versuchen möchte. Er steht doch auf rothaarige. Meine Mutter hält leider dicht." "Ihre

Mutter?" "Mrs. Parker. Sie arbeitet doch auf Embley." "Die Hausdame?", frage ich entsetzt. Sie nickt. "Genau." "Und sie verrät Ihnen auch nichts?" Sie schüttelt den Kopf. "Nö. Meine letzte Hoffnung sind Sie." "Tja ... " Ich genieße meine Überlegenheit. "... da muss ich Sie leider ebenfalls enttäuschen. Ich weiß es auch nicht und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten." Ich werden einen Teufel tun und ihr mich vor ihr offenbaren. Vielleicht möchte Dan

das ja gar nicht? "Schade.", brummt sie und zieht eine Schnute. Ich belasse es dabei und verlasse den Waschraum. Dan wird sich freuen, wenn ich ihm eröffne, dass ihm sein Personal treu ergeben ist. Zurück am Tisch suchen meine Finger unter dem Tisch nach Dan's Hand. Kaum das sich unsere Haut berührt, ergreift er sie und umschlingt wiederum meine Hand mit seiner. Liebevoll mustert er mich. "Alles okay?", fragt er mit seinen Augen. Ich nicke ernsthaft und schenke ihm ein

Lächeln. Da kommt auch schon meine Konkurrentin zurück. Ich beobachte wie sie lasziv die Hüfte schwingend an uns vorbei schwebt und sich langsam Dan gegenüber hinsetzt. Dabei beugt sie sich etwas vor, sodass er einen tiefen Einblick in ihr Dekollete erhält. Doch zu meinem Erstaunen sieht er nicht dorthin, sondern ihre Nachbarin Mrs. Simmons mit der er sich ohne Unterbrechung unterhält. Eingeschnappt lehnt sie sich mit vor der Brust verschränkten Armen zurück. Ich zucke die Achseln und grinse sie an.

Als Dan zu seinem Glas greifen will, scheint er vergessen zu haben, dass wir Händchen halten. Er nimmt meine Hand in seiner mit und lässt mich erst los als wir an dem Stiel seines Glases anstoßen. Simmons und vor allem Parker starren auf unsere Hände. Diesmal war es an mir ihr ein siegessicheres Lächeln zu zuwerfen.

8.

Daisy Ob ihm aufgefallen war wie diese Parker ihn angestarrt hatte? Kurzerhand frage ich ihn kaum das wir zusammen im Auto sitzen. "Wer? Die Parker?" Ich nicke. "Ja genau. Ich würde sagen, du hast eine neue Verehrerin." Ich wollte mich gewillt ausdrücken. "Verehrerin?", wiederholt er ungläubig. "Und wenn schon. Ich will nur dich!" Glücklich greifen wir zeitgleich nach unseren Händen. "Ich hab so lange auf den Moment gewartet ...", führt er aus.

"... Ich will nur dich allein." "Du hast auf mich gewartet?", staune ich. Er nickt. "Und ich dachte immer du hättest kein Interesse an mir.", gebe ich fast tonlos zu. "Blödsinn!", echauffiert er sich. "Ich habe immer nur dich gesehen. Aber ich hatte angenommen, dass du kein Interesse an MIR hast. Dazu kommt noch ..." "Das wir diese eine spezielle Regel aufgestellt haben, ich weiß.", vollende ich seinen Satz. Lachend schüttelt er über unser Missverständnis den Kopf. "Wir sind schon Zwei. Stehen uns selbst jahrelang

im Weg." "Nun ja, jetzt haben wir es ja geschafft.", erwidere ich munter. "Hast du ihre Gesichter gesehen, als sie realisiert haben, dass wir Händchen halten?" "Der Blick war Gold wert! Obwohl ich es nicht beabsichtigt hatte.", gibt er zu. "Es fühlt sich nur so normal an deine Hand zu halten, dass ich es vollkommen vergessen hatte." Ein schöneres Kompliment konnte er mir in diesem Moment gar nicht machen. Glücklich lächel ich ihn von der Seite aus an. "Geht mir ebenso. ... Ich bin glücklich!", flüsterte ich als hätte ich Angst, wenn ich es lauter ausspreche das was

zwischen uns ist zu zerstören. "Ich hab dich lieb, Daisy." Seine hellblauen Augen lächeln als er die Worte ausspricht. Und in meinem Bauch hebt ein neuer Schwarm Schmetterlinge ab. "Lass uns in mein Zimmer gehen.", schlägt er flüsternd vor, als wir Hand in Hand die Halle betreten. "Da sind wir ungestörter." Ich stimme zu und lasse mich von ihm die Treppe hinauf und in den linken Flügel ziehen. Hier liegen seit jeher schon die Privaträume der Familie derer zu Embley. Kaum das er die Tür seines Schlafzimmer

mit einem Tritt geschlossen hat ergreift er mich und trägt mich hinüber zu dem riesigen Himmelbett. Früher hingen an den vier hölzernen schwarz gebeizten Pfosten sicherlich schwere Vorhänge, doch die sind zum Glück verschwunden. Vorsichtig legt er mich auf dem Bett ab und beugt sich wie eine Raubkatze über mich. Fordernd bedeckt sein Mund mein Gesicht, den Hals und den Ansatz meiner Brüste mit Küssen. Eine wohlige Wärme breitet sich in mir aus und ich kann ein leises Seufzen nicht unterdrücken. Dies scheint ihn anzuspornen und er wird mutiger. Seine Hände fahren unter meine Bluse und den BH umfassen meine Brüste und

beginnen sie zu kneten. Immer wieder lässt er seinen Daumen über meine immer steifer werdenden Brustwarzen reiben.  Ich strecke meine Hand nach ihm aus, umfasse seinen Nacken. Ich will mehr von ihm! Jetzt. Sofort. Doch er schien andere Pläne zu haben. "Du gehst ja ganz schön ran.", grinst er. Plötzlich nimmt er meine Hand von seinem Nacken und legt sie über meinem Kopf mit der anderen zusammen. Mit festem Griff hält er meine beiden Handgelenke umklammert. Ich bin bewegungsunfähig und das macht mich nervös. Seine freie Hand nimmt derweil wieder seine Erkundungstour auf. Lasziv langsam lässt er sie an

meinem Innenschenkel hinauf wandern. Mein kurzer Rock stellt da kein großes Hindernis dar. Mein Herz hämmert derart kräftig, dass ich Angst habe es könnte in meiner Brust zerspringen. "Dan … bitte!", keuche ich flehentlich. Doch er schüttelt nur frech grinsend den Kopf. Mit den Fingerspitzen zeichnet er die Ränder meines Höschens nach, ehe er sie unter den dünnen Stoff gleiten lässt. Ich halte den Atem an als er beginnt sie leicht über meine feuchten Schamlippen gleiten zu lassen. Hektisch schnappe ich nach Luft, sauge seinen wunderbaren Duft ein. Er ertastet meine Klitoris, umkreist sie mit seinen Fingern. Ohne Vorwarnung taucht er sie in meine

Feuchtigkeit. Rein, raus, rein, raus. Ohne unterlass. Nur das er nach wenigen Augenblicken einen Finger dazu nimmt. Meine Lust steigert sich bis ich das Gefühl habe, dass es mich zerreißt. Hilfesuchend wie ein Ertrinkender mache ich mich los und klammere mich an seine Schultern. "Dan … bitte!", flehe ich erneut. "Ich will dich!" "Geduld.", raunt er und senkt seine Lippen auf meine.   Ich will aber nicht mehr geduldig sein! Ich lege meine Hand in seinen Schritt, beginne seinen harten Schwanz durch den Stoff hindurch zu kneten. Er hatte bereits eine ansehnliche Erektion scheint mir. Die darf gern noch größer

werden.  "Daisy.", keucht zur Abwechslung mal er.  "Du weißt wie du es beenden kannst.", stöhne ich mutig.  "Frechdachs.", raunt er an meinem Hals.    Wir werden vom klingeln seines Handy unterbrochen. Er wirft einen Blick auf das Display, dann sagt er, "Sorry, Darling, das ist die Kanzlei, mein Assistent." Ich nicke traurig. Kaum haben seine Lippen und Hände meinen Körper verlassen, fehlen sie mir auch schon

sehnsüchtig. D an nimmt das Gespräch an, stellt auf Lautsprecher und wirft es auf die Matratze neben uns, so kann er zuhören und mich weiterhin mit Küssen verwöhnen." Stevens, was gibt's? ", bellt er in Richtung Telefon. "Hey, Mister Edwards, wir haben ein Problem." "Hm?" "Ein neuer Klient, ein steinreicher Immobilienmakler braucht unsere Hilfe. Sie würden ihm empfohlen und deshalb hat er sich auf Sie eingeschossen.", erklärt mit  sein

Assistent. "Okay. Kümmere ich mich Montag drum." Dan will schon zum Telefon greifen, als der andere Gesprachstteilnehmer fort fährt, "Tja, da gibt's ein Problem. Der High Court will das Verfahren im Eiltempo durchboxen, da Verdunkelungs- und Fluchtgefahr besteht." "Fuck!", murmelt Dan an meinem Mund. "Das darf doch nicht?", laut ruft er, "Wann ist der Termin?" "Nächste Woche Freitag." "Fuck!", flucht er nun laut. Sofort versteift er sich, rollt halbwegs von mir runter bis er seitlich neben mir mit aufgestütztem Kopf liegen bleibt.

"Ja." "Ich bin in Embley.", erklärt Dan. "Das weiß ich doch. Ich schicke Ihnen alles nötige per Mail." "Ist gut. Ich melde mich." Ohne eine Verabschiedung legt Dan auf. Verzweifelt fährt er sich mit der freien Hand durch das blonde Haar, während er meinen von den Nachwehen der Lust bebenden Körper betrachtet. "Es tut mir so leid, Daisy Darling!", beginnt er sich für etwas zu entschuldigen für das er keine Verantwortung trägt. "Das ist dein Job.", versuche ich ihn zu entspannen. "Ich verstehe das." Langsam rappel ich mich auf und zupfe meine

Bluse zurecht. Er nickt abwesend. "Aber ich ... ich wollte jetzt ... mit dir ..." Ich lege meine Hand in seinen Nacken um ihn an meinen Mund zu ziehen. Bevor ich ihn küsse murmle ich, "Uns bleibt doch noch unser Leben lang Zeit." Nachdem Dan in sein Arbeitszimmer ein paar Türen weiter verschwunden war überlege ich womit ich mir jetzt die Zeit vertreiben sollte. Ich wollte unbedingt für mich bleiben, auf keinen Fall Sebastian begegnen. Also beschließe ich zu lesen. In der Schlossbibliothek werde ich schon etwas

finden. Der Blick auf die Uhr verrät mir, dass er nun schon seit über sechs Stunden an seinem Schreibtisch sitzt. "Gleich Mitternacht. Er wird doch wohl bald mal kommen.", rede ich mit mir selbst. Ich hatte meinen Plan, diesen Mann heute noch ins Bett zu bekommen, noch nicht aufgegeben. Also ziehe ich mir den Pyjama den ich zusammen mit einigen anderen Dingen vorhin heimlich wie ein Dieb aus meinem Zimmer geholt habe wieder aus und lege mich vollkommen nackt in sein Bett. Die Bettdecke nur halb über mich geworfen, sodass mein recht ansehnlicher Hintern und mein

Rücken hervorlugt warte ich auf seine Ankunft. Irgendwann muss ich doch eingeschlafen sein, denn ich erwache bei hellem Tageslicht das frecherweise durch die Gardinen scheint. Warum wurden die gestern nicht zugezogen? Verschlafen sehe ich mich um. Dan liegt neben mir. Ein Arm ruht über seinem Kopf, der andere liegt besitzergreifend auf der Decke auf meinem Körper. Ich bin noch immer nackt, aber sorgfältig zugedeckt. Er hat mich schlafen lassen, wollte mich nicht wecken als er, wer weiß viel spät es da war, ins Bett gekommen ist. Liebevoll betrachte ich den schlafenden

Dan. Seine Lider beben, sicherlich träumt er. Das blonde Haar steht ihm verstrubbelt vom Kopf ab. Den Mund leicht geöffnet erweckt er den Eindruck eines schlafenden Engels. "Was denke ich denn da?", keuche ich entsetzt. "Schlafender Engel?" Kitschiger geht es ja kaum! Behutsam schiebe ich seinen Arm von mir herunter um mich aufzusetzen. Er brummt etwas, dreht sich auf die Seite und schläft weiter.  Fasziniert beobachte ich das Muskelspiel seines nackten Rückens. Sollte dieser wahnsinnig gut aussehende Typ tatsächlich Interesse an mir haben? "Steh auf, bevor du noch zu sabbern

anfängst!", mahnt mich eine Innere Stimme.  Ich schwinge die Beine über die Bettkante und stehe auf. Er bewegt sich keinen Millimeter. Vorsichtig schleiche ich durch den Raum. Durch eine Tür gelange ich in sein privates Badezimmer. Sie wollen wissen wie das Badezimmer in einem richtigen Schloss aussieht? Stellen Sie sich die luxuriöseste Sanitäranlage vor die Sie im Stande sind sich vorzustellen, nun verdoppeln Sie diese Vorstellung. Genauso sieht es aus.  Nachdem ich die Toilette aufgesucht habe, stelle ich mich unter die luxuriöse Regenwalddusche und genieße das warme Wasser auf meinem Körper. Zum Glück

habe ich bereits frische Kleidung hier her geholt. Es wäre schrecklich gewesen dafür erst durch das Schloss gehen zu müssen.  Anschließend schleiche ich mich zurück in das Zimmer. Dan schläft noch immer. Also beschließe ich allein zum frühstücken hinunter zu gehen. Es ist sicher besser, wenn alle anderen nicht sofort mitbekommen das wir jetzt ein Paar sind. Sicher ist das in seinem Interesse. Leise öffne ich die Tür, schlüpfe hindurch und ziehe sie ebenso leise wieder zu.  Der Gang ist kürzer als wenn ich von meinem Zimmer aus hinunter gehe, und

ich komme direkt an der Freitreppe hinaus.  "Daisy.", kreischt es plötzlich von irgendwoher.   Erschrocken zucke ich zusammen und bleibe wie angewurzelt stehen um mich nach dem Schreihals umzusehen. Natürlich, Freddy. "Was machst du denn schon hier?", rufe ich laut und beginne auf ihn zu zulaufen. Mit ausgebreiteten Armen empfängt er mich auf dem Treppenabsatz und schließt mich in eine herzliche Umarmung kaum das ich vor ihm stehe.   "Bin ich etwa nicht willkommen auf meiner eigenen Geburtstagsparty?", entgegnet er mit gespieltem Entsetzen.

Theatralisch greift er sich an den Hals, als hätte ich versucht ihn zu vergiften.  "Doch natürlich!", entgegne ich lachend. "Komm her, Geburtstagskind!" Ich knuddel ihn herzlich und drücke ihn an meine Brust. Schon steigt mir sein vertrauter Duft nach 'Signature'in die Nase. "Meine aller, aller herzlichsten Geburtstagsglückwünsche, Darling!" Ich drücke ihm meinen Mund auf die Wange. "Danke, Darling!", säuselt er mit einem süffisanten Grinsen.  "30, das ist schon was."  Freddy winkt ab, "Sag doch sowas nicht! Dieses böse Wort will ich nie wieder aus deinem Mund hören!", tadelt er mich spielerisch. "Du weißt doch wie man

sagt, Frauen altern nur bis 25. Ab da an feiert man jedes Jahr seinen 25'ten." Lachend schlage ich ihm gegen die Brust. "Hey, was trägst du denn da? Ist ja scharf!" Er tritt einen Schritt zurück, breitet die Arme aus, stellt sich in seine Vogue Pose und ruft, "Ta-da. Was sagst du? Ein Dankeschön meines letzten Jobs. Der Designer war so bezaubert von meiner Performance." Fasziniert betrachte ich seinen athletischen Körper in dem rot gefärbten Smoking. Überhaupt war er rot von Kopf bis Fuß. Selbst rote Lackschuhe trägt er. Nun ja, man muss ihm zugestehen, Rot ist seine Farbe. Der Kontrast mit seiner

künstlich gebräunten Haut und dem rabenschwarzem Haar hat schon was. Die beiden letzten Knöpfe seines hellroten Hemdes hatte er lässig offen gelassen und ließ so etwas gebräunte muskulöse Brust aufblitzen. "WoW!", rufe ich daher aus. " "Ehrlich?", hakt er mit zweifelnden Gesicht nach. Ich nicke ernsthaft und bekräftige, "Ja! Du siehst einfach stark aus! Die homosexuellen Kerle werden sich um dich reißen und die heteros grün vor Neid." "Wenn das mal nicht nach einem gelungenen Tag klingt?", lacht er. Dann schlingt er seinen Arm um meine

Schulter und führt mich die Stufen des letzten Absatzes hinunter Richtung Speiseraum. "Aber nun mal zu der Frage, weshalb du aus dem falschen Flügel heruntergekommen bist?" Erschrocken beginne ich zu stammeln, "F-falscher F-flügel? Was … was redest du denn da?" "Daisy Darling, ich habe es genau gesehen. Du bist von dort gekommen." Seine Hand wedelt unbestimmter Richtung in der Luft herum. "Wo hast du die Nacht verbracht?" "Ähm …" Ich sehe ihm in die warmen braunen Augen. Ihm konnte ich es wohl sagen, er ist mein allerbester Freund. "... du hast recht. Ich habe nicht in meinem

eigenen Bett geschlafen." "Natürlich hast du das nicht, Herzchen, das steht in London. Die winzige Kleinigkeit, die mich interessiert ist, in wessen Bett hast du die letzte Nacht verbracht." Sein Grinsen ist wirklich entwaffnend. "Okay, dir kann ich es ja sagen. ... in Dan's.", gebe ich schnaufend zu. Freddy wittert eine Sensation, bleibt vor der Tür stehen und sieht mich abwartend lächelnd an. "Ich bin ganz Ohr, Baby." Ich hole tief Luft. "Wir sind zusammen. Seit gestern erst." So, jetzt ist es raus. Hoffentlich flippt er nicht ganz so sehr aus! Doch … "WAS?", kreischt er lautstark. "DAS

DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!" "Scht. Sei doch bitte etwas leiser! Du weckst ja alle auf." Er winkt unbeeindruckt ab. "Die sind doch eh alle schon wach. Du MUSST mir alles erzählen!" Besänftigend lege ich ihm meine Hand auf die Brust. "Zuerst beruhigen wir uns mal! Atme tief durch!" Er tut es tatsächlich. "Du musst entschuldigen, Daisy Darling! Aber diese Neuigkeit ist eine noch viel größere Sensation als das ich heute 30 werde."  "Ach, du wirst heute 30?", grinse ich frech. "Aber jetzt verrate mir mal bitte, warum das so eine Sensation sein soll? Zwei Menschen finden zueinander und

versuchen eine Partnerschaft aufzubauen. Was ist so toll daran?" Theatralisch reißt er die Arme in die Luft. Sich selbst durch Haareraufen die perfekte Frisur zu ruinieren kommt bei ihm nicht vor. So viel Selbstbeherrschung hat er immer. "Sie fragt doch tatsächlich warum das so eine Sensation ist! Hallo Presse, könntet ihr mal jemanden vorbeischicken dieses Jahrhundertereignis festzuhalten!"  "Reg dich ab.", brumme ich verständnislos. Was ist nur in ihn gefahren? "Daisy, weißt du wie lange wir schon auf diesen Moment warten? Jahre. … Ach was …" Er winkt ab.

"Jahrhunderte." "Na danke auch.", brumme ich sauer. "Ich wusste garnicht das ich schon so alt bin."   "Ach komm!" Er zieht mich in eine weitere herzliche Umarmung und drückt mich fest an sich. "Du weißt wie das gemeint ist. Aber ernsthaft, ich freue mich und bin vor allem erleichtert!" "Erleichtert?", wiederhole ich an seiner Brust. "Warum denn erleichtert? Das klingt ja, als sei ich eine alte Jungfer und stünde kurz vor der Einäscherung." "Na erstens, weil ich von nun an nicht mehr auf dich aufpassen muss. Das übernimmt ab jetzt ein anderer. Und zweitens, bin ich froh, dass du endlich

glücklich bist!" "Ich war auch schon vorher glücklich." Er drückt mich etwas von sich weg um mir ins Gesicht sehen zu können. "Nein, das warst du nicht. Du hast stets alle anderen glücklich gemacht, aber du bist immer auf der Strecke geblieben." "W-was?", stammle ich verständnislos. "Ich … ich bin glücklich!" "Ja eben, JETZT bist du glücklich. Sag ich doch." Sein charmantes Grinsen lässt mich weich werden und meinen Ärger verfliegen. Außerdem ist heute ein Tag zum feiern. Ich beschließe ihn abzulenken und das Thema auf interessanteres zu lenken. "Gut. Wo das nun geklärt wäre. Verrätst du mir jetzt

was du so früh hier machst? Ich konnte doch noch gar nichts vorbereiten." Tadelnd wedel ich mit dem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum. "Ganz klar, ich will helfen." "Helfen?" Das war ja mal was ganz neues. "Das musst du doch nicht. Du hast Geburtstag."   "Sieh's ein Richarson, ich bin hier. Komm damit klar!"   Lachend greife ich nach der Türklinke und öffne die Tür zum Speisezimmer vor der wir die ganze Zeit diskutiert hatten.  Banes sieht überrascht zu uns. "Guten Morgen, Miss Richardson, Mister Lloyd. Darf ich Ihnen Frühstück bringen?" Wir bitten darum und nehmen platz

während Banes fürsorglich Geschirr vor uns stellt und uns Tee einschenkt. Er kennt unsere Gewohnheiten.  "Und erzähl, was ist noch alles zu tun?", fragt Freddy über das weiße Tischtuch hinweg.  "Alles, mein Schatz. Einfach alles.", lache ich vergnügt. Dieser Tag konnte nur herrlich werden. Kurz darauf kommt Sebastian ins Zimmer. Als er Freddy's extravaganten Aufzug sieht zieht er kurz die Stirn krauss. Doch er enthält sich jedweiligen Kommentar, geht auf meinen besten Freund zu und fragt, "Sie müssen das Geburtstagskind sein?" Freddy, überrascht, dass er von einem

Fremden erkannt wird erhebt sich und strahlt ihn an. "Da liegen Sie richtig, mein Bester. Freddy mein Name." "Na dann, herzlichen Glückwunsch!", wünscht Sebastian freundlich und klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter.   "Danke.", strahlt Freddy. Ganz klar, Sebastian gefällt ihm. Nur leider wird er bei ihm auf Granit beißen. Heterosexueller als Sebastian geht es kaum. "Und darf ich fragen wer mir hier so freundlich gratuliert?" Sein Blick verschlingt Sebastian förmlich.  "Freddy, das ist Sebastian. Unser neuer Mitbewohner in der WG. Ach ja und Anna's Bruder."  "Ach, Sie sind

das." "Ja ..." Sebastian fährt sich mit der Hand durch das dunkle Haar. Oh mein Gott, kein Wunder, dass Freddy so auf ihn anspringt - er ist verdammt sexy! "... genau der. Sie können aber Sebastian sagen!" "Gerne doch.", säuselt unser Geburtstagskind. Leise, als Sebastian sich am Buffet was zu Essen holt, raunt er mir zu, "Meow." Ich grinse ihn an. Ob ich ihm sagen sollte, dass er bei ihm keine Chance hat oder sollte ich uns allen den Spaß gönnen?  Ich beschließe die Klappe zu halten und einfach nur die Show zu genießen. Das versprach lustig zu

werden. Die Blicke die Freddy während des Frühstücks Sebastian ihm gegenüber zuwarf waren es alleine schon wert.  Erst als Dan schließlich frisch geduscht und im weißen Hemd und dunkelblauer Stoffhose herein kommt konzentriert sich Freddys Aufmerksamkeit auf jemand anderes. "Danny.", ruft er erfreut. "Wie schön dich zu sehen." Dan, verwirrt warum er bereits hier ist, sieht zunächst zu mir und dann wieder zu Freddy. Schließlich fängt er sich schnell wieder und gratuliert ihm ebenfalls. "Freddy, alles Gute, Kumpel! Schön das du da bist!" "Danke, Süßer! Ich danke dir, dass ich

hier feiern darf!" Dan winkt beschämt ab.  "Ich habe gehört es gibt weiteren Grund zu feiern."  Dan's ahnungsloser Blick - einfach unbezahlbar. Doch Freddy sorgt auch gleich für Aufklärung. "Du und Daisy. Endlich, sag ich da nur!" Dan's entsetzter Blick huscht von ihm zu mir. Beschämt blicke ich hinunter in meinen Schoß.   "Gratuliere!", jubelt Freddy, der von unserer Reaktion nichts mitzubekommen schien.  "Ähm … danke.", murmelt Dan fast tonlos.  Jedoch Sebastian hat das Gespräch ganz

genau verfolgt. Er starrt abwechselnd mich und dann Dan an und legt die Stirn in tiefe Falten. Das verunsichert mich noch etwas mehr. Am liebsten würde ich im Erdboden versinken und den restlichen Tag unten in den Katakomben des Schlosses verbringen.  "So, jetzt wollen wir aber mal loslegen!", verkündet Freddy fröhlich und klatscht in die Hände. "Daisy Darling, kommst du?" Rasch stehe ich auf. Endlich würde ich dieser absurden Situation entkommen.  "Ich komme mit.", beschließt Dan mit dunkler Stimme. Schweigend folgen wir dem fröhlich die

Hüften schwingenden Freddy in die Halle. Dort nimmt Dan mich sanft am Ellbogen und führt mich zu der Küchentür hinter der Treppe. "Auf ein Wort, Daisy!" Mein Herz hämmert in meiner Brust. Ich hatte es versaut, ehe es überhaupt richtig angefangen hat. Mist! Was würde er jetzt sagen? Es ist aus, Daisy. Mit so jemand indiskreten kann ich nicht zusammen sein. Oder so. "Ähm … Dan, es … es tut mir leid!", stammle ich. "Ehrlich!" Skeptisch zieht er die Augenbrauen hoch. "Was tut dir leid?" Ich mache eine kreisende Bewegung mit der Hand in der Luft zwischen uns. "Na

alles." Die Skepsis steigert sich noch. "Schon gut. … Denke ich.", murmelt er. "Was ich eigentlich besprechen wollte ist folgendes …" "Ja?" "Wie verdammt soll ich die Überraschung für Freddy aufbauen, wenn er unentwegt hier herum stolziert?" "Keine Ahnung. Ich weiß ja auch nicht … Moment was?" Verwirrt starre ich zu ihm auf.  Er zieht die Augenbrauen hoch. "Daisy, ich plane ein Feuerwerk. Das muss doch aufgebaut werden. Auf dem Rasen vor dem Schloss. Wie bitteschön soll das bis heute Abend ein Geheimnis

bleiben?" "Moment mal …", bitte ich leise, "Du bist gar nicht sauer, weil ich es verraten habe?"  "Was denn verraten? Du wusstest doch gar nichts von dem Feuerwerk." Er scheint ehrlich verwirrt zu sein. Ich bin es aber auch. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir beide von vollkommen anderen Themen sprechen. "Dan, wovon sprichst du?" "Na von dem Feuerwerk. Meiner Überraschung für Freddy. Wovon sprichst du?" "V-von uns.", gebe ich kleinlaut zu. "I-ich dachte du b-bist sauer, weil ich es verraten habe. Das mit

uns." "Oh Süße." Sanft legt er seinen Zeigefinger unter mein Kinn und hebt mein Kinn an, so dass ich gezwungen bin ihm in die Augen zu sehen. "Daisy, ich bin sehr glücklich mit dir! Du könntest nichts tun oder sagen was mich verärgern könnte. Und das wir nun zusammen sind können meinetwegen alle wissen! Wenn du es verlangst, würde ich es sogar heute Abend vor allen lat durch das Mikrofon verkünden."  Ich lege eine Hand über meine Augen. "Oh Gott! Warum sollte ich sowas denn verlangen?"  Er zuckt die Schultern. "Keine Ahnung was so alles in deinem süßen Kopf vor

sich geht?" "Hey.", spielerisch schlage ich ihm gegen die Brust. "In meinem Kopf bist nur noch du. Aber trotzdem wäre mir das peinlich so öffentlich vorgeführt zu werden." "Öffentlich vorgeführt?" "Na ja. Es ist doch noch ganz frisch …" Versuche ich mich zu erklären. "Du weißt doch wie ich bin." Lachend wirft er den Kopf zurück. "Oh ja, Daisy Richardson, ich weiß genau wie du drauf bist. Und genau deshalb möchte ich dich vorwarnen, das du dich an meiner Seite an das 'vorgeführt'werden gewöhnen musst!" Ich schlucke. Er hat ja recht. Aber könnte ich das

wirklich?  Dan grinst und fährt sich mit der Hand durch das Haar. "Aber nun genug davon, wir müssen besprechen wie wir Freddy ablenken." Ich nicke zustimmend. "Ich kann ihn für die Deko des Zeltes einspannen." Dan nickt. "Okay. Tue das! Ich sag den Pyrotechnikern das sich nicht durch das Haus latschen und herumposaunen sollen warum sie hier sind. Das Zelt wird ja ohnehin hinter dem Schloss aufgebaut oder?" "Ja." "Gut. Dann geh mal zurück zu unserem Geburtstagskind. Und Daisy …"  Ich sehe ihn an.

"Ja?" "Mach dir einen schönen Tag!" Ich nicke verwundert. Würde er denn nicht mitfeiern? Wo gedenkt er denn den ganzen Tag zu sein? "Mach ich. Aber, wo … wo bist du denn?" "Ich muss arbeiten. Der Fall gestern. Erinnerst du dich?" Enttäuscht sehe ich hinunter auf meine Schuhspitzen.  "Hey …" Er legt seine Hand unter mein Kinn, hebt es an und küsst mich sanft auf den Mund. "Ich bleibe ja hier. Und heute Abend gehöre ich nur dir allein." Dieses Versprechen lässt mich den Tag überstehen. Glücklich lächelnd sehe ich

zu ihm auf. "Okay.", hauche ich. "Damit kann ich leben." Ich drehe mich aus seiner Umarmung. "Übrigens ... schade, dass du letzte Nacht so spät ins Bett gekommen bist!" Mit dem besten Schlafzimmerblick den ich herzustellen im stande bin, lasse ich meinen Zeigefinger über seine Brust streichen und lasse ihn einfach so stehen. "Na, seit ihr fertig Kriegsrat zu halten?", begrüßt Freddy mich als ich zu ihm nach draußen auf den Wendekreis trete. "Oder habt ihr noch etwas rumknutschen müssen?" "Ach sei doch still, Süßer!" Er macht ziemlich tuntig "Pha." und

schiebt sich gekonnt die Sonnenbrille auf die Stirn. "Können wir dann mal anfangen? Der Caterer ist bereits da.", verkündet er und deutet mit einem Nicken auf die beiden weißen Transporter des Caterers. Ich nicke. "Klar doch. Dann komm mal mit!"   Gemeinsam gehen wir außen um das Haus herum zu der hinteren Rasenfläche wo bereits viele fleißige Helfer des Caterers dabei waren ein riesiges strahlend weißes Zelt aufzubauen. "Cool!", jubelt Freddy und klatscht in die Hände. "Was meinst du wie cool das nachher aussieht, wenn du es mit deinem

künstlerischen Können deinen eigenen Touch gegeben hast."   Verwundert sieht er mich an. "Wie war das? Ich soll arbeiten? Schätzchen, hast du vergessen, dass ich heute Geburtstag habe?" Überrascht starre ich ihn an. "Na ja, ich dachte die Deko …" "Ich verarsch dich doch nur.", lacht er. "Du weißt doch wie sehr ich es liiiieeebe zu dekorieren!", jubelt er begeistert. "Nichts wie los! Wo ist der Dekokram?" Ich zeige es ihm kurz und mache mich dann aus dem Staub. Ich selbst hatte auch noch einiges vorzubereiten.  "Na machst du Pause?", fragt Sebastian

als er mich plötzlich überraschend von hinten anspricht. Ich sitze unter einem der riesigen Bäume auf dem Rasen und lese. Der große Gatsby. Ich hatte es gestern in Dan's Bibliothek entdeckt und es am Abend noch zur Hälfte verschlungen. Nun war der größte Teil der Arbeit getan und bis die Gäste eintreffen würden wollte ich noch etwas Kraft in der Ruhe tanken. "Sebastian.", murmle ich und beschatte meine Augen mit der Hand gegen die strahlende Sonne. Mit einer geschmeidigen Bewegung setzt er sich neben mich ins Gras. "Was liest du da?" Ich halte ihm den Buchdeckel entgegen.  "Der große Gatsby.", stellt er fest. "Ich

will ja nicht spoilern, aber es ist alles nur ein Traum." Ein freches Grinsen begleitet diese Lüge. Das kann ich so nicht stehen lassen. "Also eigentlich ist alles eine Lüge.", stelle ich richtig. Er zuckt die Schultern. "Wie auch immer. Ist alles bereit für die Party?" Wechselt er das Thema. "Ja, ist es. Ich wollte nur noch etwas die Ruhe vor dem Sturm genießen." "Verstehe." "Was hast du so den ganzen Vormittag getrieben?" Immer nur das Gespräch am laufen halten, dann fragt er vielleicht nicht nach wegen gestern. "So dies und das. Ich war tatsächlich

etwas spazieren. Mir die Umgebung anschauen." "Tatsächlich?" Er nickt und beginnt Grashalme auszureißen. "Diesen Teil von England kenne ich noch nicht und wenn ich jetzt öfters hier zu Gast bin, bietet es sich doch an sich umzusehen.", erklärt er und beobachtet meine Reaktion.  Ich ziehe es vor nur schweigend zu nicken. "Du Daisy …" Oh oh, jetzt kommts.  "Ja?" Ich sehe ihn von der Seite an. "Was ist?" "... bist … bist du mit ihm zusammen?" "Mit Dan?", hake ich nach. "Ja, bin ich." Traurig sieht er auf das Gras.

"Verstehe.", murmelt er. Mit festerer Stimme fährt er fort, "Wart ihr gestern auch schon zusammen? Wenn ja, verstehe ich es nämlich nicht, da ihr immerzu von diesen idiotischen Regeln redet. Was ist mit denen?" "Nein, DA waren wir noch nicht zusammen.", entgegne ich kleinlaut. Sebastian hebt den Kopf und sieht mich forschend an, "Soll das heißen, dass du erst mit mir rum machst und anschließend mit ihm. Kann er besser küssen oder warum hat er den Zuschlag erhalten?" "Sag doch sowas nicht!", bitte ich beschämt. "So war das nicht. Wir … wir haben schon ewig etwas füreinander

empfunden." "Ja klar." Er steht auf und geht ohne ein weiteres Wort davon. Ich habe ihn gekränkt und in seiner Ehre verletzt. Verübeln kann ich ihm seine Reaktion

nicht.              

0

Hörbuch

Über den Autor

AnniAusBerlin
Ich bin Geschäftsführerin eines kleinen aber feinen, chaotischen 6 köpfigen Familienunternehmens in Berlin. Weil das Leben ja sonst zu langweilig wäre, studiere ich nebenbei Journalismus an der ILS und besuche Vorlesungen in der HU. Meine große Leidenschaft ist das Schreiben. Am liebsten verfasse ich Fanfiktion Geschichten. Mir gefällt was ich zusammen schreibe und euch hoffentlich auch! Wenn ja, lasst mir doch ein Like oder Kommentar da! Danke für s lesen!

Leser-Statistik
9

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Zeige mehr Kommentare
10
0
0
Senden

167116
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung