Kurzgeschichte
Die allererste Kuh

0
"Das kommt davon, wenn man ein virtuelles Farmspiel spielt ..."
Veröffentlicht am 07. April 2021, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Katharina Durrani
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich bin eigentlich Kathi71, aber mein Account wurde gehackt und ich bin jetzt mit einem neuen wieder dabei.
Das kommt davon, wenn man ein virtuelles Farmspiel spielt ...

Die allererste Kuh

Es war einmal eine Kuh. Sie stand auf einer kleinen Wiese und hatte einen feinen Stall. Sie war glücklich, war sie doch die allererste Kuh gewesen, die sich der Bauer zugelegt hatte. Er hatte bereits einige Schafe, die mit ihr Weide und Stall teilten. Aber das war es auch schon. 

Oh, ihre Wiese war wahrlich ein schönes Plätzchen: Bäume spendeten Schatten, ein Bach mit frischem Quellwasser führte über die Weide und saftige Gräser wuchsen überall. Manchmal kamen andere Kühe vorbei und sahen neidisch über den Zaun, ohne Einlass zu finden. 

Ja, die Kuh war stolz. Sie hatte wirklich Glück, denn sie hatte einen guten Bauern und die besten Gräser zum Fressen. So

gab sie schmackhafte Milch für den Verkauf und war zufrieden mit sich und der Welt, und das obwohl der Betrieb klein und der Milchumsatz bescheiden war. 


Eines Tages kamen neue Kühe auf die Wiese zur allerersten Kuh und ästen mit ihr. 

Die Milchproduktion steigerte sich, aber nicht der Umsatz. Das wusste der Bauer und heuerte einen Milchverkäufer an, der zum Markt fuhr, um die Milch seiner Kühe anzupreisen. 

Die Kühe gaben eifrig Milch und der Bauer hatte eine Menge zu tun, sie zu verkaufen. Manchmal blieben Milchkannen für einige Zeit im Kühlhaus stehen. Aber das störte die Kühe nicht. Sie hielten zu ihrem Bauern

und vertrauten ihm. 

Doch dann sah die allererste Kuh über die Wiese hinaus zu anderen, fremden Kühen. Sie hatten einen größeren Stall, eine große saftige Weide, sahen glücklich aus und ihr Bauer arbeitete nicht alleine. Er hatte eine ganze Truppe von Gehilfen. Sie priesen die Milch ihrer Kühe auf verschiedensten Marktplätzen an, fuhren von Dorf zu Dorf und verkauften sie.

Aber die Kuh sagte sich, dass ihr Stall gut genug für sie war. Es reichte der Kuh zu wissen, dass sie ausgezeichnete Milch gab und sie von einigen Leuten getrunken und als schmackhaft befunden wurde. So ging es über Monate dahin. 

Eines Tages bemerkte die Kuh, dass der Bauer ihre Milch nicht mehr kostete, sondern sie wochenlang in einem Kühlhaus lagerte. Also beschloss sie, den Bauern danach zu fragen. Doch er antwortete ihr nicht. Das machte die Kuh einwenig traurig. Sie ließ den Kopf hängen und kehrte auf die Wiese zurück. Sie bemühte sich, sich nichts anmerken zu lassen, wie wichtig ihr der Verkauf ihrer Milch war und graste weiter. Sie versuchte, es noch besser zu machen und suchte sich die besten Kräuter. Sie tanzte über die Wiese, denn ihr Traum war, dass aus ihrer Milch Schlagobers wurde. Doch es funktionierte nicht. Irgendwann hielt die Kuh es nicht mehr aus und erzählte von ihrem Wunsch

dem Bauern. Er versprach ihr vieles. Doch es geschah nichts, außer dass es auf der kleinen Wiese enger wurde. Die allererste Kuh wurde ungeduldig, denn sie hatte den Eindruck, der Bauer hatte genügend andere Milchkühe und kein Interesse mehr an ihrer Milch. Das betrübte die allererste Kuh. 

Von diesem Moment an stand sie oft vor dem Gatter und sah sehnsüchtig hinüber auf die Weiden nebenan. Die Kühe dort gewannen Preise für ihre Milch. Sogar Joghurts wurden hergestellt, mit Erdbeeren oder Himbeeren oder gar wunderbarer Kakao. Die Zeitungen berichteten über den Erfolg, sogar das Fernsehen kam zu dem Hof nebenan. 

Die allererste Kuh wurde immer neugieriger und lugte jeden Tag, während des Äsens auf die fremden Weiden.

Eines Nachts träumte sie sogar von ihrem sehnlichsten Wunsch: einer Prämierung ihrer Milch, von Erfolg über die Stallgrenzen hinaus und davon, dass aus ihrer Milch endlich Schlagobers hergestellt wurde und würziger Käse. Es war ein wunderschöner Traum und leider blieb es bei diesem Traum. Auf ihrem Hof änderte sich nichts. 

Eines Tages stand die allererste Kuh wiedermal verträumt vor dem Gatter, das hinüber zur Nachbarweide führte. Was würde geschehen, wenn sie es aufbrechen

würde? Würden andere Bauern ihre Milch kosten und für gut befinden? Die Kuh war einwenig unsicher, denn bei ihrem Bauern hatte sie genug zum Fressen und ein ruhiges schönes Leben. Aber andererseits gab es da noch die große weite Almlandschaft mit unzähligen Gehöften und ihrem Traum ...  

Einige Tage später fällte die Kuh ihre Entscheidung. Sie nahm Anlauf und durchbrach mit ihren Hörnern das Gatter. Die anderen Kühe begrüßten sie überschwänglich und freuten sich mit ihr. Die Kuh war frei und trottete von einer Almwirtschaft zur nächsten, von einem Hof zum anderen. Sie fand tatsächlich den passenden Hof für ihre Bedürfnisse. Und ja, ihre Milch wurde

prämiert, auch feinster Obers hergestellt und schmackhafter duftender Bergkäse. 

Die Kuh hatte ihr Ziel erreicht bis sie wieder auf Wanderschaft ging, um etwas Neues kennenzulernen.

>


0

Hörbuch

Über den Autor

Coffeequeen
Ich bin eigentlich Kathi71, aber mein Account wurde gehackt und ich bin jetzt mit einem neuen wieder dabei.

Leser-Statistik
11

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Brubeckfan Liebe Kathi,
das ist so eine Entscheidung. Hier die Beste in bescheidenen aber gewohnten sicheren Verhältnissen. Da das Florierende aber Unbekannte, der Konkurrenzkampf mit Hörnern, und das Futter sicher nicht so ganz bio.
So mancher gewesene DDR-Künstler würde Dir sicher zustimmen.
Viele Grüße,
Gerd
Vergangene Woche - Antworten
Kornblume aber auch den Schlachthof um die Ecke.
Eine sehr nachdenkliche Geschichte.
Grüße schickt die Kornblume
Vergangene Woche - Antworten
PuckPuck Liebe Katharina, also mal ganz ehrlich: So eine lebenshungrige Kuh in meinem Garten fänd ich wirklich prima. Ich lese ihr meine Geschichten vor und sie gibt mir leckere Milch. Und sonntags mach ich für uns Schlagobers. Das ist doch mal ein deal :o)))
Also, deine allererste Kuh hat noch jede Menge Optionen.
Liebe Grüße
Judith
Vergangene Woche - Antworten
Buhuuuh Ein Kuhdrama - ohne Schlagobers. ;)
Vergangene Woche - Antworten
Coffeequeen :-D
Vergangene Woche - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
5
0
Senden

167009
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung