Kurzgeschichte
Gefährliche Rache

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"Nach unten treten, nach oben schleimen. Eine angeblich harmlose Substanz, die es in Wahrheit in sich"
Veröffentlicht am 07. April 2021, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Nach unten treten, nach oben schleimen. Eine angeblich harmlose Substanz, die es in Wahrheit in sich

Gefährliche Rache

Titel

Innerhalb von zwei Minuten, via Google, war ich im Onlineshop und bestellte eine Kräutermischung. Ich kannte die Wirkung und die Folgen. Hatte mich vorher ausgiebig darüber informiert. Warum ich dennoch bestellt habe? Ganz einfach; ich war seit langem geladen. Dieser Typ trieb mich in den Wahnsinn. Jeden Tag aufs Neue. Äußerlich blieb ich gelassen. Tat so, als könnte ich ihn leiden. Aber innerlich kochte ich vor Wut und könnte ihn pausenlos in die Fresse schlagen. So oft, wie er seinen Arbeitsplatz verließ, um sich bei anderen Kollegen über jemanden aufzuregen, dem

gerade ein Missgeschick geschehen war oder mal kurz nicht aufgepasst hatte. Der selbe Typ stellt sich oft an, wie der letzte Trottel. Ich kann gar nicht mitzählen, wie oft er geflucht hatte, weil etwas nicht so funktionierte, wie er wollte, weil er sich eben wie ein Volltrottel anstellte. Schlimmer, als jemand, der es zum ersten Mal tat. Und wie oft hatte er anderen den Weg verstellt?Dennoch stieg er in der Hierarchie auf, während ich, der sich Mühe gab, sein Zeitplan einhielt und von seinen Kollegen gelobt wurde, weil bei mir alles glatt läuft, degradiert wurde. Mehrfach hatte ich beim Chef angefragt, ob ich in andere Abteilungen schauen

darf, um bei Bedarf einsatzfähig zu sein. Doch ich wurde übergangen. Bei uns gibt es eine Abteilung, die sich oft beschwert, weil sie unterbesetzt sind und die Arbeit kaum schaffen. Meine Abteilung wurde mit der Zeit überbesetzt. Durfte ich in die unterbesetzte Abteilung? Natürlich nicht. Andere Kollegen durften in jede Abteilung schauen und sich erproben. Ich bin seit Jahren in ein und derselben Abteilung. Das heißt, vor ein paar Monaten wurde ich degradiert. Was gleich blieb, ist das Gehalt. Weniger kann er ja auch nicht zahlen, da es ja den gesetzlichen Mindestlohn gibt. Einmal hatte er mir gesagt, das er daran gebunden ist. Mehr brauchte er nicht zu

sagen, um mir zu verstehen zu geben, das er meinen Lohn gern kürzen würde. Natürlich hat sich meine Leistung nach unten bewegt. Erstens, weil ich nicht weiterkam und zweitens habe ich mir das von anderen Kollegen abgeschaut. Warum soll ich mir weiterhin den Arsch aufreißen, wenn am Ende nicht mehr, als ein Lob rauskommt? Die kleine Petze kam nach mir und durfte in jede Abteilung. Überall stellte er sich dämlich an und beschwerte sich über andere. Sah seine eigenen Fehler nicht. Dafür schleimte er sich bei der Schichtleitung ein. Und kaum war ein Jahr vorbei… Seit dem ist sein Charakter noch schlimmer. Als zuvor. Gib einem

Menschen ein Stückchen Macht… Als die Kräutermischung kam, füllte ich sie in eine normale Tüte um, in der mal natürliches Cannabis war. Ich hatte mich immer gefragt, warum ich sie nicht wegschmeiße, da ich keinen Bedarf mehr dafür hatte. Meine Zeit, in der ich Drogen konsumierte, war vorüber. Auch wenn ich noch ab und zu daran dachte, mal wieder was zu nehmen. Gerade an solchen Tagen, die extrem scheiße waren. Es fiel mir schwer, dem zu Widerstehen. Vor allem, wenn ich daran dachte, wie ich mich damals dabei gefühlt hatte. Wir waren allein. Ich hielt das Tütchen in der Hand, sah abschätzend drauf und fragte mich halblaut, ob mir der eine

Rausch wirklich wert ist, wieder mit dem Rauchen anzufangen, nachdem ich es geschafft hatte, damit aufzuhören. Ich tat so, als hätte ich mich entschlossen, es sein zu lassen und hielt ihm das Tütchen hin. „Willst du? Ansonsten haue ich es weg.“, fragte ich ihn. Zögernd nahm er es an sich und bedankte sich bei mir. Zu Schade, das ich nicht dabei war, wie er sich das Zeug reinzog. Wie gern hätte ich gesehen, wie er sich windet, nach dem der Trip vorbei war. Ich hatte Übles darüber gehört. Später erfuhr ich auch von Todesfällen. Ob die beim einmaligen Gebrauch auftraten oder bei Mehrmaligen, weiß ich bis heute

nicht. Er hatte es zumindest überlebt. Wir haben nie darüber gesprochen, wie es für ihn war. Er ist, mir gegenüber, distanzierter geworden, was mir sehr gefällt, also gehe ich davon aus, das es eher die Hölle gewesen war. Genau das, was ich wollte. Ich weiß, das war gemein und hätte tödlich enden können. Am Liebsten würde ich ja meinem Chef eines reinwürgen. Aber der lebt gesund. Kein Alkohol, keine Drogen… Dennoch übersieht er häufig das Offensichtliche, z.B.: was sich manch seiner Lieblinge leisten.

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Superlehrling

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Kornblume Sarkastisch, boshaft diese Geschichte und hoffentlich weit von der Wirklichkeit entfernt oder doch nicht???
Kornblumenblaue Grüße
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Superlehrling Viel Phantasie und ein Körnchen Wahrheit
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