Romane & Erzählungen
Mosesberg - Teil 2

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"Es gab keine Zukunft, denn man wusste nicht, was in der nächsten Stunde passieren würde."
Veröffentlicht am 26. Februar 2021, 14 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Feedre
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Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung. Aus China
Es gab keine Zukunft, denn man wusste nicht, was in der nächsten Stunde passieren würde.

Mosesberg - Teil 2

Mosesberg



































Luna hatte sich in die Ecke gekuschelt und war eingenickt. Kurz nachdem sie das Hochtal zwischen Gebel Ahmet Taher und Ataka erreichten, erfasste auch Mayla eine bleierne Müdigkeit und sie döste ein. Luna und Mayla erwachten als Machmut den Motor ausschaltete. Sie stiegen steifbeinig und schlaftrunken aus. Sahen sich um und stellten fest, dass sie Suez erreicht hatten. Von hier oben hatten sie einen atemberaubenden Blick über die ganze Bucht. Asiens Wüstenstreifen links von ihnen und rechts Afrikas Wüstenberge und unter ihnen lag die bunte Stadt am Beduinenhügel. Und dazwischen Ozeanriessen die sich durch den Suez Kanal

zwängten. Damals gab es den Tunnel unter dem Suez Kanal noch nicht. Luna und Mayla ließen sich, völlig fasziniert auf dem Boden im weichen Sand nieder. Von ihrem Standpunkt sah es aus, als ob die Ozeanriesen mitten durch die arabische Wüste fahren würden. Weiterfahren würde erst mitten in der Nacht möglich sein. Soldaten bauten jede Nacht die Brücke über den Suez Kanal. Der Schiffsverkehr wurde dann für ein paar Stunden gestoppt. Eine Karawane lagerte ganz in ihrer Nähe und die Tiere stanken bestialisch. Die Männer der Karawane kamen neugierig immer näher in ihre Richtung. Luna und Mayla verzogen sich ins Innere des Autos. Sie wollten keine Scherereien haben. Machmut war alleine

losgegangen, um ein Picknick und ein paar Liter Trinkwasser zu besorgen. Eine Stunde später kam er zurück, vollgepackt mit Tüten. Ein kleiner Junge begleitete ihn und schob auf einem Handkarren den Trinkvorrat und ein paar Kartons hinter Machmut her. "Hoffentlich reicht das Wasser, das er besorgt hat, wir haben 500 Km Wüste vor uns", sagte Luna besorgt. "Keine Angst, ich denke Machmut weiß was er tut", beruhigte sie Mayla. Machmut grinste, ließ die Tüten auf den Boden plumpsen, lief nach hinten zum Kofferraum, öffnete ihn und holte eine große Decke heraus. Er breitete sie sorgfältig auf dem Boden aus und begann die Tüten aus zu packen. Mayla und Luna setzten sich

neugierig auf die Decke und betrachteten hungrig die Leckereien die Machmut gekauft hatte. Er hatte Obst mit gebracht, süße Feigen und Datteln. Herrlich duftendes Fladenbrot, schwarze Oliven und glutrote Tomaten. Knackige hellgrüne Paprikas und gebratene Maiskolben. In einer anderen Tüte waren Tamias. Das waren in Öl gebackene Bulletten aus Bohnenmehl. Die mochte Mayla sehr gerne. Machmut hatte Cossas gekauft, ein Gurkenähnliches Gemüse das mit feingehacktem Hammelfleisch gefüllt ist. Eine kleine Flasche ere-souz kam zu Vorschein und Luna und Mayla schüttelten sich gleichzeitig und grinsten. Es war scharf, billig und schmeckte scheußlich, ähnlich

Hustensaft. Die beiden beförderten noch ein paar Dosen kühles Bier und eine Flasche Dattelschnaps aus einer anderen Tüte. Ägypter trinken zum Bier gerne einen Dattelschnaps. Hungrig machten sich die drei über die Leckereien her. Nachdem sie sich satt gegessen hatten, packten sie die ganzen Köstlichkeiten wieder ein und Machmut stellte die Wasserflaschen in den Kofferraum. "Das Wasser wird schmecken wie warme Kamelpisse, hast du nichts womit man es ein bisschen kühlen kann", fragte Luna. "Besser als in der Wüste verdursten. Ich habe keine Ahnung wie es schmecken wird, ich bin noch nie aus Kairo heraus gekommen." Sie sahen ihn entgeistert an. "Du machst Scherze", entfuhr es Mayla.

Machmut hob nur leicht die Schultern. Das sollte wohl sein Bedauern ausdrücken. Dann setzte er sein geduldiges Orientalienlächeln auf. Neben ihnen, hinter ihnen, hielten nun große und kleine Lastwagen, die alle über die Brücke wollten in der Nacht. Bald saßen alle um sie herum auf Decken, palaverten, tranken Karawanentee und aßen Konafa dazu. Die Ägypter lieben Süßspeisen. Konafa ist ein unglaublich süßer Makkaroniteig, gefüllt mit Mandeln und Sirup. Das Ganze wird im heißen Fett ausgebacken und mit Kokosraspeln bestreut. Es schmeckt paradiesisch und hat höllisch viele Kalorien. Nach dem leckeren Picknick gesellte sich Machmut zu einer Gruppe Männer, die mit einer großen Kamelherde in der Nähe lagerten

und begann mit ihnen ein großes Palaver. Alle gestikulierten wild. Ab und zu wurde auch gelacht und wenn man nichts versteht kommt einem alles irgendwie gefährlich vor. "Vielleicht hat er uns gerade verkauft an den Kameltreiber da drüben", spekulierte Luna und deutete mit einer Kopfbewegung auf einen Mann, der seine Blicke kaum von den beiden Frauen abwenden konnte. "Deinen Humor kannst du dir sonst wo hinstecken, ich bin mir nicht mehr so sicher, ob unser Reiseleiter nicht recht hatte", entgegnete Mayla genervt. Dann saßen sie schweigend auf Machmuts Betdecke, rauchten und tranken ab und zu einen kleinen Schluck vom Dattelschnaps. Das war gegen die Nachwirkungen von

Montezumas Rache, hatte Machmut gesagt. Alle trinken das in Ägypten. Möglicherweise hatte er recht. Millionen von Ägypter können sich nicht irren. Auf jeden Fall machte das Getränk locker und pflaumenweich. Luna hatte gespaltene Gefühle. Es kam ihr vor, als wären sie in einem anderen Jahrtausend gelandet. Das Leben vereinfachte sich. Es gab keine Zukunft, denn man wusste nicht, was in der nächsten Stunde passieren würde. Dann sahen sie staunend zu, wie die glutrote Sonne am Horizont unterging. Urplötzlich brach die Nacht über sie herein. Fortsetzung folgt























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schnief Klasse geschrieben und bin gespannt wie es weitergeht.
Liebe Grüße Manuela
Vor einem Monat - Antworten
Feedre Dankeschön Manuela
freu mich sehr über deinen Kommentar...:-))))
und grüße dich ganz herzlich
Feedre
Vor einem Monat - Antworten
KaraList Du hast die Athmosphäre am Ufer des Suezkanals sehr bildhaft beschrieben, liebe Feedre. Schön! Ich bin gespannt, welche Abenteuer die beiden jungen Damen noch bestehen müssen.
LG
Kara
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre Hi Kara da ist noch allerhand Abenteuer, das auf die beiden wartet...:-)))
schön dass du mitgereist bist...ich schicke dir ein herzliches Dankeschön und einen lieben Gruß in den Abend
Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
Nereus Liebe Feedre, lasse mich nicht zu lange aufs nächste Kapitel warten !
dankend für beide Teile
lieben gruß
markus
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre Lieber Markus hab vielen Dank für alles
schön dass du da warst,
das freut mich sehr...:-))))
einen lieben Gruß in die Nacht
Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
Kornblume Das Lesen des Textes macht Freude. Bin gespannt wie es weitergeht und welche Abenteuer die beiden Frauen erleben. die Kornblune
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre Dankeschön Kornblume
freue mich sehr über deinen
Kommentar...:-)))
lieben Gruß
Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
AngiePfeiffer Cherié,
das ist eine wirklich schöne Geschichte.
Mit Witz und Esprit hältst Du den Leser bei der Stange. Auch ich erwarte die Fortsetzung mit Freude und Spannung.
Und noch etwas: Die Seitenzahl hält sich in Grenzen, das lässt sich gut 'weglesen'. Lieber mehrere kürzere Kapitel, als ein Mammutwerk - das schreckt (zumindest mich) ab.
Also - alles richtig gut gemacht!
Liebe Grüße in die Sonne
Sunshine
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre das ist bei mir genauso, ich lese auch gerne kürzere Geschichten, hängt aber auch damit zusammen, dass man hier auf MS unheimlich viel Lesestoff hat, dem man eigentlich gar nicht gerecht werden kann.
Schön dass du da warst Sunshine und dir die Zeit zum lesen genommen hast. Hab herzlichen Dank für alles, auch fürs Abo...lach
und einen gemütlichen Frühlingsabend...:-))))
Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
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