Humor & Satire
Schäferspiele

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"Schäferspiele"
Veröffentlicht am 22. Februar 2021, 12 Seiten
Kategorie Humor & Satire
© Umschlag Bildmaterial: Pixabay
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und ...
Schäferspiele

Schäferspiele


Schäferspiele


Ach, Schäfer! Was erlaubst Du Dir? Du siehst mich höchst verwundert! Aus reiner Neugier bin ich hier und hab zu nichts ermuntert. Frau Gräfin, es ist Euer Leib, der mein Begehren weckte. Ihr Kleid verbirgt ein Vollblutweib, das sich noch nicht entdeckte. Ihr Schäfer lebt ja frei und führt ein Leben zum Beneiden. Doch mag ich nicht, wenn ungeniert die Blicke mich entkleiden Ach, Gräfin, Eure Schönheit hat mich völlig hingerissen. Wie gern würd’ ich an Grafens statt Euch heiß und stürmisch küssen.

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Ach, Schäfer, Du bist mir zu keck, Du willst Dich bloß vergnügen. Doch morgen bist Du wieder weg, um andre rumzukriegen. Frau Gräfin, dies ist unser Los: Wir Hirten müssen wandern! So wandern wir von Schoß zu Schoß, von einem Schatz zum andern. Ach, Schäfer! Sag mir, ist es wahr, wovon die Mägde schwätzen? Es heißt, Ihr wäret unfruchtbar - was Frau'n ja manchmal schätzen! Ach, Gräfin! Ja, mir bleibt versagt, als Mann ein Kind zu zeugen. Drum lässt sich ja so manche Magd von mir allein besteigen.

Ach, Schäfer! Klingt ja unerhört, doch ist dies gut zu wissen. Wenn mich Dein Leib so sehr begehrt, dann darfst Du mich jetzt küssen. Frau Gräfin, kommt, ich lad’ Euch ein in meinen Schäferwagen. Dort werden wir glückselig sein in allen Liebeslagen.

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Hach, Schäfer, ich ging niemals fremd, aus Furcht vorm Kuckuck-Kinde. Doch heute fühl ich mich enthemmt und freu mich auf die Sünde.

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...oh ja...oh jaaa...oh jaaaaaa...oh jaaaaaaaaaa...

Hach, Schäfer, was ich mit Dir tat war weder fromm noch schicklich. Doch fühl ich mich in höchstem Grad entspannt und wunschlos glücklich.

Ach, Gräfin, Ihr seid’s nicht allein! Drum möchte ich Euch fragen: Wollt Ihr nicht meine Schäf’rin sein in unsrem Schäferwagen? Ach, Schäfer, ich hab mit Pläsier und Drang mit Dir geschlafen. Doch mir ist es zu eng bei Dir, und alles stinkt nach Schafen. Frau Gräfin, treibt Ihr mit mir Spaß? Ihr hält mich wohl zum Besten! Entschuldigung, dass ich vergaß: Ihr haust ja in Palästen! Ach, Schäfer, sei doch nicht frustriert, komm her und küss mein Mündchen. Und wann die Lust Dich drangsaliert, ruf mich zum Schäferstündchen.


~ ~ ~


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Nachlese: Mit Schäferspielen, in denen das einfache, aber meist freie Leben der Hirten idealisiert wurde, versüßten sich im 18. Jahrhundert die Adeligen das langweilige Leben am Hof. Insbesondere die Wanderhirten symbolisierten Freiheit und Abenteuer, doch waren sie daher mehr als alle anderen Männer den Zeckenstichen ausgesetzt und oft infizierten sich dadurch – wie man heute weiß – mehr als alle anderen mit einem speziellen Typ der Borreliose, der leicht zur Unfruchtbarkeit führen kann. Vermutlich galten die Wanderhirten deshalb mancherorts generell als unfruchtbar und erfreuten sich seitens der Weiblichkeit eines regen Zuspruchs (damals die sicherste Form der Verhütung). Daher stammt wohl auch die Bezeichnung „Schäferstunde.“

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Hörbuch

Über den Autor

Friedemann
"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und Mitschüler ihre Opfer waren) eine Vorliebe habe. Gemäß meinem Motto - Humor ist das Knopfloch, mit dem wir verhindern können, dass uns der Kragen platzt - kommt hierbei allerdings der Humor (meistens) nicht zu kurz.

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welpenweste Endlich mal ein edles, literarisches Werk, das in keiner Universitätsbibliothek fehlen darf!
Die Geschichte des floralen Umbruchs im Zeitpfeil der Geschichte, der künstlerische Aspekt und sogar der Ausflug der Entwicklung des freien Tanzes zur Disko-Musik runden dies zu einer gewissen Enzyklopädie ab.
Selten so ein künstlerisch, als auch wissenschaftliches Werk genossen!
Günter
Vor einem Monat - Antworten
Friedemann 
Hallo Günter,
als ich erstmalig Deine lobenden Zeilen mit den vielen Auszeichnungen las, bekam ich zunächst schamrote Ohren. Erst beim zweiten Durchlesen fiel mir auf, dass Du bei Deiner Aufzählung gleich zwei Nobel-Preise übersehen hattest: Neben dem Preis für Literatur (der mir garnicht so wichtig war) auch den Medizin-Preis für die Züchtung von Sterilitäts-Zecken sowohl als männliches Pendant zur weiblichen Antibabypille als auch zur doppelten Absicherung im Nichtstraßenverkehr.

Lieber Gruß und herzlichen Dank auch für Dein Herzchen,
Friedemann
Vor einem Monat - Antworten
Brubeckfan Wie gewohnt, ein edler Text von Dir in erlesenen Reimen, der diesmal obendrein unser aller Frühlingsgefühl streichelt. Und die Info am Ende war auch mir neu; aus dem Orient kannte ich nur die Beliebtheit der Eunuchen.
Danke für den Spaß.
Gerd
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Hallo Gerd,
im Vergleich zu den orientalischen Eunuchen, die sich oft freiwillig verstümmeln ließen, um am Hofe des Herrschers - also dessen Frauen recht nahe - ein hohes Amt zu ergattern, ist unser Schäfer hier ob seiner Zeugungsunfähigkeit unter gewissen Umständen zu beneiden.

Lieber Gruß und herzlichen Dank für Dein Lob und Dein Herzchen,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Enya2853 Eine sehr gute und herzerfrischende Geschichte in Dialogform - und das auch noch wunderbar gereimt und verdichtet.
Ich habe sogar was gelernt und mich darüber hinaus köstlich amüsiert.
Danke Friedemann.
Lieben Gruß
Enya
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Liebe Enya,
Dein Lerneifer, Dein Amüsement und Deine lobenden Worte mit Deinem schönen Geschenkkorb obendrein sind mir eine große Freude.

Liebe Grüße und herzlichen Dank,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Kornblume Wieder was dazu gelernt von wegen der Borreliose, lieber Freidemann.
Sehe beim lesen des Textes Lady Chatterley vor mir. Ein sinnlich wunderbarer Film genau wie Dein Gedicht .
Grüße durch die Nacht an Dich schickt die Kornblume
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Ja, liebe Kornblume,
von Weitem gesehen ähneln sich obige Gräfin und Lady Chatterley mit ihren nicht-standesgemäßen Seitensprüngen sehr, doch bei näherer Betrachtung zeigt sich die Gräfin als Opfer einer satirischen Komödie und die Lady einer herzergreifenden Tragödie. Zudem sind die Unterschiede zwischen einem myStory-Büchlein und einem Weltliteratur-Spitzenroman ohnehin unverkennbar;-)

Dennoch freue ich mich über Dein Lob und wünsche Dir mit lieben Grüßen eine gute Nacht,
Friedemann
Vor ein paar Monaten - Antworten
Kornblume Bitte keine falsche Bescheidenheit, lieber Friedemann. Zwischen Weltliteratur und my-story Büchlein liegen nur 10 wochenlang Platz 1 auf der Weltbestenliste. Ein bisschen Reklame hier, Werbung dort und Lesungen auf internationalen Buchmessen, dann überschüttet man Dich mit Preisen und Auszeichnungen. .
Schmunzelgrüße von der Kornblume
Vor ein paar Monaten - Antworten
Friedemann 
Ach, liebe Kornblume,
ich bin ein Amateur im ursprünglichen olympischen Sinn, der – im Gegensatz zum Profi – seine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt. Lesungen habe ich bisher nur bei Geburtstagsfeiern oder sonstigen Festivitäten gehalten, wo mir satirische Einlagen nicht übelgenommen wurden (wie u.a. bei meiner „Damenrede“). Auf Wunsch meiner Frau waren da allerdings keine Frauengeburtstage dabei, da Frauen ja recht nachtragend sein können.
Schmunzelgrüße herzlichst zurück.
Vor ein paar Monaten - Antworten
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