Humor & Satire
SOS im Schlafzimmer

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"SOS im Schlafzimmer"
Veröffentlicht am 08. Juni 2021, 8 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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SOS im Schlafzimmer

SOS im Schlafzimmer

Meine Angie hat einen mächtigen Hang zur Sauberkeit. 

Das äußert sich unter anderem darin, dass sie sofort nach einem Urlaub die Waschmaschine in Betrieb zu setzen. Alle Einwände erstickt sie im Keim. “Nun hab dich mal nicht so! Wenigstens eine Maschine mache ich fertig”, erklärt sie, egal wie spät es ist und egal wie müde wir sind. 


Jüngst, gegen Mitternacht aus dem Kurzurlaub zurück, wurde erst einmal die Wäsche sortiert, um anschließend – siehe oben --- 


Da ich dererlei gewohnt bin, ließ ich

mich nicht stören. Während sie noch herumwuselte begab ich mich zu Bett.

Ein animalischer Laut ließ mich hochschrecken. Benommen setzte ich mich auf. Um mich herum Dunkelheit, ein leises Gluckern, dann wieder das Geräusch. Ein hohes Wimmern und Jaulen, so als wäre ein Lebwesen in höchster Not. Benommen tastete ich nach meiner Brille, betätigte den Lichtschalter, stieg aus dem Bett und stand bis zu den Knöcheln im Wasser. Während ich mir irritiert den Kopf kratzte, sah ich, woher die Jammerlaute kamen. Unsere Hunde, Dackel, standen mitten im Schlafzimmertür und machten

einen sehr verstörten Eindruck, was kein Wunder war. Das Wasser reichte ihnen bis zum Bauch, sie konnten mit den ersten Schwimmübungen beginnen. Die Urheberin der Sintflut schlummerte sanft, ließ sich weder von den Paniklauten der Tiere, noch vom grellen Licht stören.

Ich rüttelte sie fest und wenig charmant wach, was mir einen sehr bösen Blick und ein nicht sehr nettes Wort einbrachte. 

Doch die Flut im Schlafzimmer ließ meine Liebste aprupt verstummen. “Du meine Güte”, hauchte sie überwältigt. “Ich habe die Waschmaschine angestellt und bin dann tatsächlich eingeschlafen.

Aber jetzt ist sie aus!” 

Das war eine klare und logische Ansage von ihr. 

So machten wir uns daran die Dackel zu retten und die Wohnung trocken zu legen, was uns zweieinhalb Stunden unserer Lebenszeit kostete. Endlich waren der Fußboden, die Hunde und wir wieder trocken. Es dämmerte bereits, wir lagen zusammengekuschelt im Bett, meine Liebste strich mir zärtlich über die Brust.

“Ich möchte...”, wisperte sie zögernd. “Ich bin ganz Ohr”, flüsterte ich zurück. Sicher würde sie mir jetzt sagen, dass sie --- “Ja, also”, fuhr sie fort und strich mir

über den Bauch. “Es ist nämlich so, ich habe dich vor längerer Zeit gebeten, das Flusensieb sauber zu machen. Weil man das ab und zu einfach machen muss, bei einer Waschmaschine.” Hier stockte sie, zog die Hand weg und ich sah meine Felle mit der Waschlauge davonschwimmen. “Das hast du aber nicht gemacht, es ist schrecklich mit dir, nie denkst du an solche Dinge.” Ich seufzte resigniert, denn ich ahnte was jetzt kommen würde und ich wurde nicht enttäuscht. “Hättest du das bloß vor dem Urlaub gemacht, du hast allein Schuld. Ich musste das Sieb herausnehmen und hab das verflixte

Ding nicht mehr reinbekommen. Da habe ich es weggelegt und vergessen ---” Ich verschloss ihre Lippen mit einem Kuss, denn sie ist trotz allem die beste Ehefrau von allen und mit ihr ist es niemals langweilig.

© Dilettant

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Enya2853 Herrlich beschrieben. Und vor allem zeigt sich mal wieder, dass bei euch - egal wie schief der haussegen auch hängt - immer ein tiefes Einverständnis vorherrscht. Und das Problem wurde, nun ... ja ... fast sanft gelöst.

Lieben Gruß und ein schönes Wochenende.
Enya
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Brubeckfan Szenen einer Ehe ...
Na nun hast Du dicke was gut und darfst auch mal Mist machen.
Viele Grüße,
Gerd
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